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Yu-Gi-Oh! GY - The Blue Kingdom

von

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Happy Birthday

Mit leerem Blick starrte der Junge auf die mit Kerzen bestückten Schokotorte, die vor ihm auf dem Boden lag.

„Alles Gute zum Geburtstag“, flüsterte er sich selbst leise zu.

Die Kerzen waren zu einer Neun aufgestellt und beleuchteten mit ihrem sanften Flackern das finstere Kinderzimmer.

Er bemühte sich so leise wie möglich zu sein, seine Mutter lag bereits schlafend im Nebenzimmer.

Es war kurz vor Mitternacht und normalerweise würde er um die Zeit selbst längst im Bett liegen.

Aber nicht heute.

Es war sein Geburtstag, also gab es Geburtstagskuchen.

Er hatte sich in die Küche geschlichen und die Fertigtorte aus dem Gefrierfach geholt.

In der Stube war die Rumpelkiste mit den Kerzen und dem Kerzenanzünder.

Jetzt wartete er darauf, dass die Torte ein wenig auftaut.

„Alles Gute zum Geburtstag, Aland“, flüsterten mehrere Stimmen aus seiner Deckbox.

Aland lächelte und blickte auf die Box an seiner Hüfte.

Er freute sich, wenn seine Monsterkarten mit ihm redeten.

Seit sein Vater in einem Auslandseinsatz gefallen war, gab es für seine Mutter gute Tage und schlechte Tage.

An den guten Tagen war es fast so wie früher.

An diesen Tagen konnte sie mit Aland zusammen vor der Schule aufstehen und frühstücken, am Nachmittag zusammen mit ihm spielen und sogar zwischendurch lachen.

In letzter Zeit sind die guten Tage aber immer seltener geworden.

Oftmals kam Aland nach Hause und seine Mutter lag immernoch im Bett, oder sie war betrunken, oder beides.

Es tat weh, wenn es zu viele schlechte Tage gab.

„Du weißt, dass sie dich noch immer liebt, stimmts?“, fragten die Karten.

„Sonst hätte sie dir nicht die Schokotorte gekauft.“

Natürlich wusste Aland das.

Sie wollte seinen Geburtstag bestimmt nicht vergessen, es war nur Pech, dass heute ein schlechter Tag war.

Ein Eiskristall am Rand der Torte war geschmolzen und rollte nun als Tropfen langsam hinunter, bevor der Junge den Tropfen mit dem Finger abfing.

Er war noch recht kalt.

Die ganzen schlechten Tage hatten auch ihr Gutes.

Erst als die guten Tage so selten wurden, begann er die tröstenden Stimmen seiner Karten zu hören.

So musste Aland nie wirklich alleine sein.

„Du bist unglaublich tapfer, Aland . Es gibt kaum Kinder und nur wenige Erwachsene, die so stark sind wie du.“

Er hielt seine rechte Hand über das wärmende Kerzenfeuer.

„Danke“, antwortete er.

Die Stimmen aus der Box lachten kurz.

„Du brauchst dich nicht zu bedanken. Wir meinen das Ernst.“

Aland senkte die Hand.

Aus wohliger Wärme wurde langsam eine unangenehme Hitze.

Er verzog keine Miene und starrte wie hypnotisiert weiter ins Feuer.

„Du bist wirklich stark“, sagten sie ruhig, während sich die Hand weiter senkte.

Der Arm des Kindes begann leicht zu zittern.

„Weißt du was dich stärker als andere macht? Was du so viel besser als alle anderen Menschen kannst? Besser als deine Mutter kannst?“

Die Handfläche lag nun direkt über den Flammen, ein unerträgliches Brennen ließ das Zittern immer stärker werden, während Aland die Augen zukniff und innerlich die Sekunden zählte.

„Ja, ich weiß, was ich Besonderes kann“, zischte er gequält.

Sieben Sekunden, acht Sekunden, neun Sekunden, zählte er im Kopf und antwortete gleichzeitig seinen Karten:

„Ich kann mit Schmerzen umgehen.“

„Ja, das kannst du wirklich gut.“

„Ahhh!“

Ruckartig zog Aland die Hand zurück.

Erschrocken erwachte Aland aus der Trance und blickte auf die nun verbrannte Handfläche.

Eine rote Brandblase  bildete sich in der Mitte.

Er leckte die Blase ab und der Speichel verschaffte eine erleichternde Kühlung.

„Da haben wir dich wohl zu früh gelobt“, kommentierten seine Duellgeister salopp, „du könntest noch stärker sein.“

Noch immer auf seine Wunde fokussiert, antwortete ihnen der Junge gereizt:

„Sich freiwillig Schmerzen auszusetzen hat doch nichts mit Stärke zu tun!“

„Es hat alles mit Stärke zu tun. Stärke ist das Resultat des Verzichts. Um stark zu werden muss man bereit sein Opfer zu bringen. Und um Opfer zu bringen, muss man bereit sein zu leiden.“

Diese Antwort stimmte ihn nachdenklich.

Aland guckte traurig auf die Deckbox.

Der Junge schluchzte und keuchte, eine Träne fiel zu Boden.

„Aland? Was ist denn plötzlich mit dir?“

Ein dunkler Rauch waberte durch das Zimmer und biss sich in die Lunge des Kindes.

„Ich will nicht mehr leiden. Ich will, dass es wie früher ist. Dass Papa zurück kommt und Mama glücklich ist. Dass wir drei zusammen sind.“

„Keine Sorge“,trösteten die Stimmen, „Du wirst in deinem Leben noch viel mehr verlieren. Und wenn du das tust, dann macht dich das nur noch mächtiger, bis du bald gar keine Schmerzen mehr kennst.“

Mehr Rauch.

Schlagartig zuckte er zusammen.

Aland entdeckte eine Flamme neben dem Teller, auf dem die Torte stand.

Ein etwa faustgroßer Brandherd auf dem hölzernen Kinderzimmerboden, entstanden aus einer umgefallenen Kerze, die sich in einem furchterregendem Tempo vergrößerte.

Panik paralysierte das Kind.

Sein Zimmerboden brannte.

Die Kerze muss Aland versehentlich umgestoßen haben, als er sich selbst verletzte.

„Wieso sagt ihr mir denn nichts, verdammt nochmal!?“, fuhr er die Stimmen seiner Monsterkarten an.

Unter großer Anstrengung überwand er seine Angststarre.

Er riss ein Stück aus der kalten Torte raus und versuchte hastig damit das Feuer zu ersticken.

Weitere Kerzen fielen auf den Holzboden.

Der schwarze Qualm machte genaues Zielen schwer und jeden Atemzug zur Tortur.

„Warum sollten wir dir etwas sagen?“

Aland hustete und ächzte.

Mehr und mehr halbgefrorenen Kuchen warf er auf das nun halbe Dutzend Flammen, die links und rechts vom Teller und dahinter entstanden waren.

Die Flammen, die sich gierig in den Teppich an der Zimmertür, die Gardinen am Fenster und den Kleiderschrank fraßen.

„Wir können dir große Macht schenken. Aber dafür musst du dich von allem trennen, das dir wichtig ist.“

„Nein! Nein! Nein! Was redet ihr da?!“

Er hustete heftig.

Inzwischen war ihm der Kuchen ausgegangen.

Das Feuer vor seiner Zimmertür wuchs stetig und befand sich aktuell in der Größe eines Basketballs.

Aland wurde klar, dass er das unmöglich noch löschen konnte.

Er rannte durch das Feuer und spürte heiße, stechende Verbrennungen in den lediglich mit Socken bekleideten Füßen.

Aber er durfte unmöglich stehen bleiben.

Er riss die Zimmertür auf, rannte so schnell er konnte.

Der unerträgliche Qualm und die Hitze folgten ihm in das gegenüberliegende Schlafzimmer seiner Mutter.

Aland kletterte über die Matratze, fasste ihre Schultern und versuchte sie mit aller verbleibenden Kraft wachzurütteln.

„MAMA! MAMA! WACH AUF! ES BRENNT! ES BRENNT! MAMA!“

Der Alkoholgestank durchdrang den beißenden Rauch.

„MAMA!“

Das Kind keuchte, für einen Moment fehlte ihm die Luft um weiter zu schreien.

„Aland?“, murmelte sie leise und ohne die Augen zu öffnen.

„MAMA! FEUER! DU MUSST AUFSTEH-“, er hustete heftig.

„WIR MÜSSEN RAUS!“

„Aland...Geburtstag vergessen...Oh...nein...das tut so mir Leid, murmelte sie weiter.

Sie lallte leicht.

„DAS IST DOCH EGAL! STEH AUF! STEH AUF!“, schrie er verzweifelt.

Aus dem Augenwinkel sah er die Flammen nun unter der Tür hervor kriechen.

„Ich bin... müde... Aber morgen...machen wir was Schönes...Versprochen“

„NEIN! NEIN! MAMA! WARUM STEHST DU NICHT AUF?!“

Erneut schüttelte er seine Mutter durch, aber sie antwortete nicht mehr.

Er hörte sie nur noch friedlich atmen.

Aland wurde schwindelig.

Die schlechte Luft und die gnadenlos ansteigende Hitze in Verbindung mit den Mühen, die das permanente Schreien kostete, wurden ihm zu viel.

Aber er konnte nicht aufgeben, das Feuer verschlang rapide immer mehr der Wohnung.

„Verflucht...“

Es hatte keinen Sinn, sie weiter aufzuwecken zu versuchen.

Aland mobilisierte die letzten in ihm steckenden Kräfte und versuchte mit lautem Gestöhne die erwachsene Frau aus dem Bett zu ziehen.

Sie bewegte sich kaum, währenddessen hatte der Brand nun die komplette, noch offen stehende Schlafzimmertür eingenommen.

„MAMA!“, er riss an ihren Arm und bewegte sie nur einige Zentimeter, bevor sie murrend den Arm wieder zurück zog.

„Morgen...ich hab dich lieb...Bitte...ins Bett ja?“

Sinnlos.

Er starrte verzweifelte auf die Deckbox an seiner Hüfte.

„HEY! WAS SOLL ICH TUN?“

Ein Hustenanfall raubte Aland die Stimme.

„Helft mir! Bitte!“, krächzte er nun heiser.

Die Stimmen ignorierten ihn und ließen ihn alleine, ratlos im Inferno zurück.

„Nein! Das darf nicht sein!“

ihm blieb keine Zeit mehr, er musste nun endlich an das eigene Überleben denken.

Er sah kurz zum Fenster raus und überlegte, ob er den Sprung zum angrenzenden Baum schaffen würde, oder ob ihn die dünnen Äste halten könnten.

Doch angesichts der Höhe verwarf er den Gedanken sofort.

Er musste durch die Wohnungstür raus, einen Sprung aus dem dritten Stock würde er nicht überstehen.

Ein letztes Mal sah er zu seiner seelenruhig schlafenden Mutter und rannte dann in das Flammenmeer.
 


 

°°°
 


 

„FIONA!“

Die Gerufene drehte sich sofort gemeinsam mit einer weiteren Obeliskin, mit der sie sich bisher unterhalten hatte, um.

Beide Mädchen blickten Erin, die etwa 100 Meter von ihnen entfernt war und mit letzten Kräften auf sie zu joggte, an.

Vor den Mädchen angekommen, fiel sie förmlich mit beiden Armen auf die Oberschenkel gestützt vornüber und keuchte und hustete vor Erschöpfung.

Das war schon der zweite Dauerlauf heute und dass, obwohl es eigentlich viel zu heiß für Sport war.

Sie konnte durch die von Schweißtropfen durchzogene Brille kaum noch etwas sehen.

Aber dennoch:

Erin war erleichtert, sie hatte es geschafft, Fiona einzuholen, bevor sie die Anlegestelle der Fähre erreichen konnte.

„Was will DIE denn? Das ist doch eine von deinen ehemaligen Freundinnen aus deiner Slifer-Zeit, oder?“, fragte die Obeliskin in einem abschätzigen Ton.

„Ehemalig… was…Puh… heißt hier ehemalig?!“, keuchte ihr Erin gereizt entgegen.

„Schon gut, Nadine, gehe doch schonmal vor, ich muss das hier noch klären“, schaltete sich Fiona ein.

Sie klang von allen Dreien am ruhigsten.

„Wir verpassen unser Schiff, die Abfahrt ist in 20 Minuten!“

„Dann nehme ich eben die nächste Fähre. Du bist doch schon ein großes Mädchen und kannst sicher allein ein Schiff betreten, oder?!“

Nadine sah Fiona entgeistert an, erkannte allerdings, dass weitere Diskussionen zwecklos waren.

„Gut, was auch immer! Bring dein Privatleben bis zum nächsten Schuljahr in Ordnung, ja!?“

„Das werde ich. Wir sehen uns im nächsten Jahr.“

Ohne sich auch nur zum Abschied kurz zu winken, verließ die andere Obeliskin Fiona und die noch immer schwer atmende Erin, die alleine auf dem langen, von Bäumen umgebenen Trampelpfad zum Pier standen.

„Ist das jetzt dein neuestes Hobby? Laut meinen Namen herumzubrüllen, um mich vor den anderen Obelisken schlecht aussehen zu lassen?“

Erin richtete sich nun auf, putzte die Brille kurz an ihrer Uniform ab und sah Fiona ernst in die Augen.

„ „Ist mir egal“ “, sagte sie und wiederholte damit die kalten Worte, die Fiona ihr zuletzt geschrieben hatte, als Erin sie bat, Mayla beizustehen.

„Wie kannst du bloß schreiben, dass es dir egal ist? Das ist kein Spaß! Maylas Wahn ist schlimmer als je zuvor! Sie will ihr Stipendium an der Duellakademie hinschmeißen, ohne irgendeinen Plan B in der Hinterhand zu haben!“

Fiona verzog bei ihrer Antwort keine Miene: „Ich habe geschrieben, dass es mir egal ist, weil es mir egal ist, Erin. Ich habe mit diesem Mädchen abgeschlossen. Ihr ist nicht mir zu helfen und diese Insel endgültig zu verlassen ist die erste sinnvolle Entscheidung, die sie in den letzten Wochen getroffen hat.“

Erin konnte und vor allem wollte kaum glauben, was ihr Fiona soeben gesagt hatte.

„Das ist doch nicht dein Ernst! Fiona!“

„Ihr ist nicht mehr zu helfen“, wiederholte sie, „zumindest können offensichtlich weder wir noch Herr Phillips irgendwas erreichen. Also lasse ich es einfach und konzentriere mich auf das, was wirklich wichtig ist.“

Erin sah Fiona enttäuscht an.

„Ich wüsste nicht, was wichtiger ist als unsere Freundschaft. Und ich weiß nicht, warum du das anders siehst. Bist du noch immer böse auf uns, weil wir damals auf Kevins Verleumdungen hereingefallen sind? Du weißt, dass das nicht Maylas Schuld war, oder?!“

Fiona schnaubte und antwortete nun deutlich erregter:

„Natürlich bin ich euch deswegen böse! Aber es ist noch viel mehr als nur das! Ihr zwei seid mir nur im Weg!“, sie stockte kurz, „Echte Freundinnen sollten einander unterstützen und ich habe mein Bestes versucht, sie zu unterstützen. Ich habe gekämpft, um die Krone davon zu überzeugen, das Jahresabschlussduell gegen sie abzusagen. Ich habe sie von Anfang an gewarnt und wenige Augenblicke, bevor sie angetreten ist, habe ich sie angefleht, es sein zu lassen. Ich habe dabei riskiert, dass man mich bestraft, ich war sogar bereit, Obelisk-Blue hinter mich zu lassen, wenn sie dafür einfach nur aufhört, die Königin zu spielen. Aber es war alles sinnlos! Denn… wahre Stärke liegt auch darin zu erkennen, wann es sinnlos ist Widerstand zu leisten. Inzwischen hat auch sie es begriffen, weshalb sie nun die Insel verlassen wird. Nur du bist weiterhin zu dumm und stur es einzusehen!“

Erin verstand im Moment die Welt nicht mehr, warum war Fiona plötzlich so abweisend?

Am Tag der Prüfung, nach ihrem Duell gegen Yunus hatte sie ihr noch gratuliert und mit ihr herumgealbert...

„Wieso sagst du denn sowas?! Wir drei waren doch mal unzertrennlich! Wir haben einander so oft ausgeholfen! Du kannst doch nicht wirklich Mayla und mich durch diese bekloppte Lucia-Ann und ihren Mitläufer-Club ersetzen!“

„Doch, das kann ich sehr gut. Wie gesagt, ihr seid mir nur im Weg. Ich mag Lucia-Ann, Nadine und die anderen aus der Clique zwar wirklich nicht besonders, aber das spielt auch keine Rolle. Wir können zusammenarbeiten. Wir lernen zusammen und helfen einander stärker zu werden. Mehr habe ich nie gewollt. Damals, kurz nach den Probeduellen hatten wir einander versprochen, unser Bestes zu geben aufzusteigen. ICH habe mein Versprechen wahr gemacht und mein Bestes gegeben, während ihr beiden in der letzten Prüfung noch nicht einmal versucht habt, Obeliskinnen zu werden.“

Inzwischen hatte Erin begriffen, wie ernst Fiona es meinte.

Sie wollte ihr und Mayla nun endgültig die Freundschaft kündigen und es gelang Erin bisher nicht, die richtigen Worte zu finden, Fiona umzustimmen.

Sie wurde nun lauter, wütend über Fionas plötzliche Verachtung und auch über ihre eigene Unfähigkeit, sie zum Umdenken zu bewegen.

„Ja! Exakt! Wir haben nicht versucht aufzusteigen! Weil es für uns nämlich wichtiger ist, unseren Mitmenschen zu helfen, als zu irgendeinem eingebildeten Haus zu gehören! Hast du etwa vergessen, wie sich Mayla auch für dich eingesetzt hat?! Sie hat auch dich vor Maddox gerettet und sie hat verhindert, dass Tara falsches Videomaterial von dir erstellt! Und du willst sie jetzt noch nicht einmal mehr besuchen, um sie dazu zu bringen weiterhin an der Duellakademie zu bleiben!“

„Oh! Oh Nein, diese Scheiße habe ich wirklich nicht vergessen! Das war echt ein toller Abend, was!? Betäubt und bestohlen zu werden, weil wir uns unbedingt über die Akademieregeln hinwegsetzen mussten!? Weil wir lieber Spaß hatten, als einfach mal nachzudenken!?“

„Das war doch überhaupt nicht Maylas Schuld!“, protestierte Erin.

„Sie hat genug andere Scheiße fabriziert! Wir sollten uns einfach nur auf das Lernen konzentrieren! Keine nächtlichen Ausflüge, keine Detektivspielchen, durch die ich beinahe fälschlicherweise als Kartendiebin hingestellt worden wäre, keine illegalen Duelle außerhalb des Akademiegeländes und keine Duelle gegen zurecht wütende Obelisken oder deren König um irgendwelche Loser in Schutz zu nehmen! Aber das konnte sie nicht! Und du hast sie nur weiter angestachelt und dich bei jeder schlechten Idee beteiligt! Ihr aktueller Zustand ist ihre eigene und auch deine Schuld, aber nicht meine! Also, tu du dir doch meinetwegen in Zukunft ihr Gejammer an! Ich bin raus!“

„Nein das bist du nicht!“, entgegnete Erin entschlossen und aktivierte ihre Dueldisk, „Du WIRST umdenken und wir drei werden unseren Abschluss machen! Gemeinsam!“

Es wirkte als müsste sich Fiona ein abfälliges Lachen verkneifen.

„Das ist so typisch für dich. Sobald ihr keine guten Argumente mehr einfallen, greift Erin zur Dueldisk. Als ob man alle Probleme einfach weg duellieren könnte.“

Ernst musterte sie ihre kampfbereite, ehemalige Freundin.

„Wenn ich verlieren sollte, muss ich also eure Freundin spielen ja? Alle haben sich plötzlich wieder lieb? Dreht sich so die Welt in deinem wirren Kopf?“

„Wenn dich meine Worte nicht erreichen, dann erreicht die vielleicht die Sprache der Karten. Also, was wirst du tun?!“

Fiona zögerte nicht lange, bis sie sich ihr Deck und ihre eigene Disk aus dem bereits gepackten Reisekoffer kramte.

Schließlich ging sie stumm einige Schritte zurück, um das Spielfeld zu vergrößern, schaltete ihre Disk ein und zog ihre Starthand.

„Du hast dich verändert, Fiona. Ich weiß noch, was du mir vor unserem ersten Duell gesagt hattest. Dass du dich nur duellieren wollen würdest, wenn du dir absolut sicher bist, dass du gewinnen wirst. Und jetzt trittst du trotz der Niederlage damals einfach schon wieder gegen mich an?!“

„Ich habe mich in der Tat verändert. Während du dich bis heute weigerst dich weiterzuentwickeln, bin nämlich sehr viel stärker geworden. Du willst die Karten sprechen lassen? Dann werden dir meine Karten jetzt unmissverständlich erklären, wie krank Mayla und du mich inzwischen machen“, entgegnete sie weiter in einer provokativ ruhigen Stimmlage.

Fiona hatte sich oft genug über die Mädchen, die sich ihre Freundinnen nannten, ärgern müssen. Jetzt galt es im Duell ruhig zu bleiben und zu beweisen, dass sie sich den Titel der vierten Kronprinzessin verdient hatte.

Erin schnaubte.

Das war kein normales, lustig gemeintes Trashtalking mehr und jedes Wort von Fiona zielt darauf ab, die inzwischen riesige Kluft zwischen den drei Mädchen weiter zu vergrößern.

„Ich werde dafür sorgen, dass es wie früher wird! Mit allen Mitteln! Und jetzt fang an!“

Fiona schüttelte den Kopf und spielte dann ihre erste Karte aus..

„Als Normalbeschwörung rufe ich Solaritus-Hydrazinthe im Verteidigungsmodus auf das Feld.“

Das kleine Pflanzenmonster, mit den fauchenden, blauen Blütenmäulern erschien.

Solaritus Hydrazinte: Stufe 1, 600Atk, 300Def.

„Ich setze drei verdeckte Karten und beende meinen Zug.“

Hinter der Hydrazinthe erschienen nebeneinander die drei verdeckten Karten.

„Bevor du dran bist, aktiviert sich der Effekt der Hydrazinthe. In der End Phase des Zuges, in dem sie beschworen wird, darf ich ein Solaritus-Monster von meinem Deck auf die Hand nehmen und dann ein weiteres Solaritus-Monster von meinem Deck auf den Friedhof legen. Ich füge meiner Hand den Solaritus Glückskäfer hinzu und lege einen Solaritus Sonnenatlas auf den Friedhof ab.“

Erin wartete ab, bis Fiona die angekündigten Karten auf die Hand genommen, beziehungsweise auf den Friedhof abgelegt hatte, bevor sie ihre Karte zog und den Spielzug begann.

Als Erstes zeigt die Donnerklang-Späherin, was sie kann! In den Angriffsmodus mit dir!

Eine junge, wild tänzelnde Kriegerfrau mit wellenden, blonden Haaren und zwei Dolchen stieß einen Kampfschrei aus.

Donnerklang-Späherin: Stufe 3, 1000Atk, 1000Def.

„Sofort aktiviert sich der Spezialeffekt meiner Späherin! Denn wenn sie normalbeschworen wird, darf ich das nächste Donnerklang-Monster von meiner Hand als Spezialbeschwörung aufrufen! Zeig dich im Angriffsmodus, Donnerklang-Kampfmagierin!“

Neben der Donnerklang-Späherin erschien nun eine Schwertkämpferin, die eine auffällige Zipfelmütze trug und ihren mit Runen versehenen Säbel zur Begrüßung schwang.

Donnerklang-Kampfmagierin: Stufe 3, 1400Atk, 900Def.

Fiona beobachtete mit verschränkten Armen und wenig beeindruckt Erins erste Spielmanöver und ließ sich auch von den kämpferischen Monstern nicht einschüchtern.

„Bevor meine Ladys dein Pflanzenmonster zurecht stutzen, spiele ich einen meiner Lieblingszauber! Hier kommt die Permanente Zauberkarte Gewitterallianz!

Energisch platzierte Erin die Karte in ihre Disk.

„Wenn ich nun eine Karte aus meiner Hand ablege, dann darf ich dank Gewitterallianz eines meiner Donnerklang-Krieger-Monster mit einem passenden Union-Donnermonster aus dem Deck ausrüsten! Daher powere ich meine Kampfmagierin mit der Donnerklang-Inkarnation auf!“

Erin nahm eine Karte von ihrer Hand auf den Friedhof und das Schwert ihrer Kampfmagierin leuchtete elektrisiert bläulich.

Donnerklang-Kampfmagierin: 1400Atk → 2100Atk.

„Meine Monster sind jetzt angriffsbereit! Ich beginne mit der Donnerklang-Späherin! Zerstöre Fionas Solaritus Hydrazinte!“

Erins erstes Monster sprintete auf die Pflanze zu und ließ sie nach zwei flinken Stichen zerplatzen.

„Dein Feld ist leer, Fiona! Meine Kampfmagierin kann dich samt ihrer über 2000 Angriffspunkte direkt angreifen! Und weil sie zudem mit einem Donnerklang-Monster vom Typ Donner ausgerüstet ist, darf sie, wenn sie angreift gleich eine deiner drei verdeckten Karten aus dem Weg räumen! Attacke auf Fiona und auf ihre mittlere Karte! Schockschwerthieb!“

Im Lauf entstand neben der Kampfmagierin eine Doppelgängerin, die es offenbar nicht auf Fiona selbst, sondern auf ihre Zauber- oder Fallenkarte abgesehen hatte.

„Da greife ich ein, Erin. Ich decke meinen verdeckten Ominösen Zeit-Orkan auf. Dieser Schnellzauber zerstört einen Zauber oder eine Falle meiner Wahl und wird sich jetzt um die Donnerklang-Inkarnation kümmern, die deine Kampfmagierin verstärkt.“

Die erste, ganz rechte Karte, die Fiona im letzten Zug gesetzt hatte, klappte auf und ein gewaltiger Wirbelsturm stieß Erins Donnerklang-Kampfmagierin zurück.

Dabei verlor ihre Waffe das blaue Leuchten und auch die Doppelgängerin verschwand wieder.

Donnerklang-Kampfmagierin: 2100Atk → 1400Atk.

„Dein Orkan verhindert zwar den Effekt der Kampfmagierin, allerdings darf ich, da die Donnerklang-Inkarnation zerstört wurde, jetzt eine Fusion aus dem Deck oder meinem Friedhof auf meine Hand nehmen! Wie praktisch, dass ich für meine Gewitterallianz eben erst eine Fusion abgelegt hatte!“

Erin zeigte ihrer Gegnerin die Zauberkarte vor, die sie aus ihrem Friedhof wieder der Hand zufügte.

„Außerdem befinde ich mich noch immer in der Battle Phase! Donnerklang-Kampfmagierin! Setze deinen Angriff fort!“

Erins Kampfmagierin rannte zum zweiten Mal auf Fiona mit ausgeholtem Säbel zu und Fiona deckte eine Permanente Fallenkarte auf.

„Ich spiele Tribut an das Licht. Indem ich ein Solaritus-Monster aus meinem Deck ablege, reduziere ich die Angriffskraft von deinen direkt angreifenden Monstern um 1000 Punkte.“

Noch bevor Fiona vom Runensäbel getroffen wurde, schrumpfte Erins Monster in sich zusammen.

Die Duellantin steckte den Direktangriff mühelos weg.

Donnerklang-Kampfmagierin: 1400Atk → 400Atk.

Fionas Lebenspunkte: 4000 → 3600.

„Dank Tribut an das Licht lege ich nun den Solaritus Krokokus von meinem Deck auf den Friedhof“, erklärte sie, während sie die Monsterkarte vorzeigte, „Dein Angriff hat kaum Schaden verursacht und mir gleichzeitig geholfen meinen Friedhof weiter aufzubauen. Du hast keine Chance, erst recht nicht mit nur zwei Monstern, von denen das Stärkste nur 1000Atk hat.“

„Dann verstärke ich mein Feld einfach!“, entgegnete Erin energisch.

„Ich aktiviere Fusion! Ich verschmelze die Donnerklang-Späherin mit der Donnerklang-Kampfmagierin zu einer mächtigen Heldin!“

Kaum hatte sie die Fusionszauberkarte aktiviert, schon lösten sich die Hologramme ihre beiden Kriegerinnen auf und es bildete sich eine düstere, grollende Wolke über dem Feld.

„Hier kommt die Donnerklang-Waffenmeisterin im Angriffsmodus!“

Ein greller Blitz schlug ein und als das Licht verblasste, stand die muskulöse Kriegerfrau mit den zwei Doppeläxten und den weiteren auf den Rücken geschnallten Waffen da.

Donnerklang-Waffenmeisterin: Stufe 5, 2100Atk, 1600Def.

„Meine Waffenmeisterin bleibt nicht alleine, denn aus meiner Hand aktiviere ich den Schnellzauber Fusionskompensation! Diese Karte darf ich aktivieren, wenn ich eine Fusionsbeschwörung durchgeführt habe, um bis zu zwei als Fusionsmaterial verwendete Monster aus meinem Friedhof sofort als Spezialbeschwörung aufzurufen! Damit kehrt die Donnerklang-Späherin im Verteidigungsmodus und die Donnerklang-Kampfmagierin mit ihrer vollen Angriffskraft im Angriffsmodus zurück! Ich beende damit meinen Zug!“

Die zwei Monster, die Erin für die letzte Fusionsbeschwörung genutzt hatte, waren zurück und gesellten sich links und rechts neben die Donnerklang-Waffenmeisterin.

Donnerklang-Späherin: Stufe 3, 1000Atk, 1000Def.

Donnerklang-Kampfmagierin: Stufe 3, 1400Atk, 900Def.

„Hmpf. Du hast dich echt nicht verändert, Erin. Du hast schon früher immer viel zu früh deine Ressourcen aufgebraucht. Sobald ich dein Feld leer geräumt habe, hast du nur noch deine Gewitterallianz, die ohne Monster und Karten zum Abwerfen wertlos ist und eine einzige letzte Handkarte“, sagte Fiona und zog, „du machst es mir schon fast zu einfach. Als Normalbeschwörung rufe ich den Solaritus Glutstacheligel auf, zeig dich im Verteidigungsmodus.“

Vor Fiona erschien das lieblich quiekende Igelmonster mit den heißen Feuernadeln auf dem Rücken.

Solaritus Glutstacheligel: Stufe 3, 1000Atk, 1400Def.

Wird mein Glutstacheligel als Normalbeschwörung gerufen, darf ich ein Solaritus-Monster aus meinem Friedhof auf das Feld holen. Meine Wahl fällt auf den Solaritus Krokokus, den ich mit Tribut an das Licht auf den Friedhof gelegt hatte.“

Neben dem Glutsstacheligel erschien der Krokokus, ein wildes Pflanzenmonster, welches aufgund der länglichen, schmatzenden Krokodilmäulern unter den gelben Blüten um einiges gefährlicher als die Hydrazinthe wirkte.

Solaritus Krokokus: Stufe 3, 1600Atk, 1300Def.

„Ich nutze jetzt den besonderen Effekt von Solaritus Krokokus. Einmal pro Zug darf ich meine Hand vorzeigen. Wenn ich keinen Ritualzauber auf meiner Hand halte, dann darf ich nicht nur einen Solaritus-Ritualzauber aus dem Deck meiner Hand zufügen, sondern auch noch ein weiteres meiner Solaritus-Monster auf den Friedhof legen.“

Fiona hielt Erin die zwei Karten, die sie aktuell auf ihrer Hand hielt entgegen.

Es war, wie Erin befürchtet hatte: Neben dem Glückskäfer, den Fiona mittels Hydrazinthe ihrer Hand zugefügt hatte, hatte sie bereits ihr erstes Ritualmonster, die Solaritus Sonnenanbeterin.

Zusammen mit dem Ritualzauber, den sie nun suchen konnte, stand einer Ritualbeschwörung nichts mehr im Weg.

„Mit dem Effekt von Krokokus nehme ich ein Solaritus Siegel auf meine Hand und lege gleichzeitig ein zweites Exemplar der Solaritus Hydrazinthe aus meinem Deck auf den Friedhof.“

Erins Gegnerin strahlte eine für sie untypische Gelassenheit aus, die Erin keine Ruhe ließ.

Ganz offensichtlich nahm Fiona sie kaum ernst.

Fiona zeigte den soeben gesuchten Ritualzauber vor und setzte ihren Zug fort.

Ich wende mein Siegel sofort an und biete Solaritus Krokokus, Glutstacheligel und den Glückskäfer auf meiner Hand als Tribut an, um eines der ultimativen Insekten aufzurufen.“

Mit diesen Worten gingen Fionas zwei Monster auf dem Feld, sowie der Glückskäfer in ihrer Hand in runde Flammen auf, die sich immer schneller und immer näher umeinander drehten, bis sie schließlich kollidierten und aus der resultierenden Explosion eine rauschende Feuersäule entstand.

Erin gab es ungern zu, aber nachdem sie schon so lange ihre Freundin nicht mehr beim Duellieren beobachtet hatte, war sie von der spektakulären Beschwörung beeindruckt.

Leider stand zu viel auf dem Spiel, um sich einfach gehen zu lassen und das Duell zu genießen.

Während Fionas beeindruckender Mantide mit den glühend heißen Fangarmen aus dem Feuer stieg, musste sie daran denken, was Yunus ihr während des letzten Prüfungsduell gesagt hatte.

Sie sah die Freundin, die jetzt Mayla und Erin mit aller Kraft von sich stieß genau an.

Das Mädchen, das früher mit ihnen zusammen gelacht und rumgealbert hatte und nun blau trug.

„Zu den Obelisken gehören dürfen...Du tust so, als ob das was Gutes wäre! Willst du wirklich, dass alle von dir erwarten eine der Besten zu sein?! Unaufhörlich weiterarbeiten und weiterlernen aus Angst das Erreichte wieder zu verlieren?!“, hallte es in Erins Kopf.

Angst? Fiona soll Angst haben?

Das überhebliche Lächeln auf Fionas Lippen, während die zwei Meter hohe Sonnenanbeterin aufschrie und die Feuersäule verblasste, ließen diesen Gedanken absurd erscheinen.

Solaritus Sonnenanbeterin: Stufe 7, 2200Atk, 2900Def.

„Bevor mein Ritualmonster sich an deinen Monstern vergreift, kommen wir zu den Spezialeffekten meiner Karten: Zunächst erlaubt es mir das Solaritus Siegel pro als Tribut für die Ritualbeschwörung angebotenes Monster ein Solaritus-Monster vom Deck auf den Friedhof zu legen. Das, Erin, macht in diesem Fall ganze drei Karten.“

Fiona nahm sich drei Monsterkarten, zwei Solaritus Glückskäfer, eine dritte Hydrazinthe und legte sie ab.

„Danach aktiviert sich der Effekt von Solaritus Glückskäfer: Wird dieses Monster für eine Ritualbeschwörung eines Solaritus-Monsters als Tribut angeboten, dann darf ich eine Karte ziehen. Und wenn die gezogene Karte eine Zauberkarte oder Falle ist, gibt es sogar noch eine zweite Karte für mich.“

Fiona legte die Hand auf die Oberseite ihres Decks.

„Angesichts der vielen Monster, die ich bereits auf meinen Friedhof gesendet habe, stehen meine Chancen wohl ganz gut“, sagte sie ruhig, zog und zeigte Erin schließlich triumphierend den gezogenen Spielfeldzauber, die Ritualstätte der Gebrandmarkten vor.

„Na also, das macht gleich noch eine Karte dank der Kraft meines Glückskäfers.“

Nachdem Fiona eine zweite Karte zog, wuchs Fionas Mantide auf die Größe eines Mehrfamilienhauses an.

Solaritus Sonnenanbeterin: 2200Atk → 4000Atk.

„Der erste Effekt der Solaritus Sonnenanbeterin verleiht ihr zusätzliche 200 Angriffspunkte für jedes Solaritus-Monster auf meinem Friedhof. Dort befinden sich bereits jeweils drei Exemplare von Glückskäfer und Hydrazinte, sowie ein Glutstacheligel, ein Krokokus und ein Sonnenatlas . Das sind neun Monster, die meine Sonnenanbeterin mit zusätzlichen 1800 Punkten versorgen.“

Die Beine des gigantischen Insekts scharrten ungeduldig auf dem kiesigen Boden.

Ganze 4000 Angriffspunktes standen Erin nun gegenüber, doch das Schlimmste kam erst noch.

„Bevor ich in den Kampf übergehe, komme ich zum zweiten Effekt der Sonnenanbeterin: Wenn ich drei Solaritus-Monster aus dem Friedhof wieder meinem Deck zufüge, dann darf Solaritus Sonnenanbeterin jedes deiner Monster in nur einem Zug angreifen. Also, zwei der drei Hydrazinthen und ein Glückskäfer dürfen zurück ins Deck“, sagte Fiona und mischte wie erklärt die Karten in das Deck zurück, bevor sie ihren Arm kommandierend zum Angriff ausstreckte.

Solaritus Sonnenanbeterin: 4000Atk → 3400Atk.

„Mit über 3000 Punkten wird sie nicht mal ein Häufchen Asche von deinen schwachen Monstern übrig lassen. Dreifache Schmelzsichel-Attacke. Beginne mit der Waffenmeisterin und mache dann mit der Kampfmagierin und der Späherin weiter.“

Wie befohlen sprang nun Fionas Insektenmonster auf Erins Waffenmeisterin zu.

Die Waffenmeisterin presste ihre Doppeläxte vergeblich gegen die brennend heißen Klauen der Sonnenanbeterin und zerplatzte schließlich.

Der Rückstoß ließ Erin schmerzerfüllt stöhnen und taumeln.

Erins Lebenspunkte: 4000 → 2700.

Solaritus Sonnenanbeterin ließ Erin keine Verschnaufpause und schlug mühelos die Kampfmagierin entzwei.

Erin ächzte und ging nun in die Knie.

Erins Lebenspunkte: 2700 → 700.

Zuletzt vernichtete das riesige Ritualmonster die Donnerklang-Späherin, die zu Erins Glück im Verteidigungsmodus gewesen war.

„Lächerlich. Der Gedanke, dass ich damals gegen dich verlieren konnte ist offen gesagt absurd. Du bist ja jetzt schon völlig am Ende“, spottete Fiona, während Erin sich an ihren eigenen Oberschenkeln festhielt und schwer atmete.

„Ich beende meinen Zug, indem ich meinen Spielfeldzauber ausspiele. Die Ritualstätte der Gebrandmarkten.“

Das grün-braune Feld unter den Mädchen und der Sonnenanbeterin verwandelte sich in tiefschwarzes Kopfsteinpflaster. Um sie herum wuchs ein Kreis aus acht steinernen Säulen, auf denen jeweils eine grelle Flamme brannte.

Ein Muster in Form einer großen, roten Flamme bildete sich schließlich auf dem Boden, in der Mitte des Kreises.

Dieses düstere Feld weckte in Erin Erinnerungen.

Wenn sie nun Fionas Sonnenanbeterin, ein Ritualmonster mit dem Attribut Feuer, zerstören würde, dann würde Fiona durch den Effekt der Ritualstätte ihren Ritualzauber aus dem Friedhof auf die Hand zurücknehmen dürfen.

Danach könnte sie mit Leichtigkeit die nächste Ritualbeschwörung durchführen, denn der zweite Effekt der Ritualstätte der Gebrandmarkten verdoppelte die Stufe der von ihr als Tribut angebotenen Monster.

„Mach jetzt weiter. Deine Lage wird nicht auf magische Weise besser. Außerdem würde ich gerne heute noch abreisen.“

Erin zog stumm die nächste Karte.

Eine weitere Kopie von Fusion.

Das sah nicht gut aus, aber noch gab es Hoffnung für Erin.

„Ich setze eine Karte verdeckt! Danach aktiviere ich die letzte Karte in meiner Hand! Dringendes Ziehen! Ich darf diesen Zauber einmal pro Zug ausspielen und er erlaubt es mir zwei neue Karten zu ziehen, falls ich keine anderen Karten auf der Hand und weniger als 1000 Lebenspunkte habe!“

Sie zeigte einer unbeeindruckten Fiona die Karte vor und spielte sie sofort aus.

Jetzt galts.

Erin zog ihre zwei Karten

Als sie sah, was sie gezogen hatte, kam ihr neuer Mut.

Erin musste Fionas Ritualmonster loswerden, ohne es zu zerstören und Fiona davon überzeugen an Mayla zu glauben.

Mit dieser Karte könnte ihr beides auf einmal gelingen, allerdings musste sie dafür erst die passenden Rahmenbedingungen schaffen.

„Es spielt keine Rolle, wie sehr du dich dagegen wehrst, Fiona! Ich werde gewinnen! Ich werde dich dazu zwingen wieder Maylas und meine Freundin zu sein und Mayla davon zu überzeugen sich nicht aufzugeben!“, rief sie Fiona trotzig entgegen.

„Als Normalbeschwörung rufe ich die Donnerklang-Taktikerin im Verteidigungsmodus!“

Eine blonde Frau in leichter Lederrüstung mit Brille und einer auf den Rücken geschnallten Armbrust verbeugte sich begrüßend.

Donnerklang-Taktikerin: Stufe 4, 1200Atk, 1700Def.

Meine Taktikerin hat einen supertollen Effekt! Einmal pro Zug darf ich, sofern sie mein einziges Monster auf dem Feld ist, ein weiteres Donnerklang-Monster aus dem Deck auf meine Hand nehmen! Und ich weiß auch schon genau, welches Monster ich will!“

Erin durchsuchte ihr Deck und zeigte Fiona dann die Donnerklang-Gardna vor, für die sie sich entschieden hatte.

„Verstehe, du spielst also auf Zeit“, kommentierte sie trocken.

Ganz im Gegenteil, Fiona! Ich spiele auf Sieg! Deshalb werfe ich nun Donnerklang-Gardna ab, um so den Effekt meiner Gewitterallianz auszulösen!“, erklärte Erin, während sie die eben gesuchte Karte sofort auf ihren Friedhof legte, „Da Donnerklang-Taktikerin ein Krieger-Monster ist und noch mit keinem Monster vom Typ Donner ausgerüstet ist, kann ich sie dank Gewitterallianz mit einem Donnerklang-Monster vom Typ Donner aus meinem Deck ausrüsten! Ich rüste sie mit Donnerklang-Seele aus!“

Sofort tänzelten kleine blaue Blitze auf dem Bolzen in der Armbrust der Taktikerin.

Donnerklang-Taktikerin: 1200Atk → 2000Atk.

„Meine schöne Taktikerin taugt leider wenig für den Kampf, deshalb klinke ich die sie ausrüstende Donnerklang-Seele sofort wieder aus!“

Neben der wieder an Angriffskraft verlierenden Taktikerin erschien die Donnerklang-Seele, ein aus Blitzen bestehendes Wesen in annähernd menschlicher Form.

Donnerklang-Taktikerin: 2000Atk → 1200Atk.

Donnerklang-Seele: Stufe 2, 800Atk, 0Def.

„Lass mich raten: Du fusionierst jetzt dein Krieger- und dein Donnermonster zu deiner Ritterin? Du bist zu vorhersehbar“, kommentierte Fiona kalt.

„Und du bist zu arrogant!“, entgegnete Erin, „Ich weiß, dass auch Mayla dir gegenüber nicht immer fair war! Der Hass, dem die Slifer und insbesondere sie ausgesetzt war, hat deutliche Spuren in ihr hinterlassen, die es schwer gemacht haben mit einer Obeliskin befreundet zu sein! Aber sie braucht dich jetzt und sie will in Zukunft deine Freundin sein!“

Energisch platzierte Erin die nächste Karte auf ihrer Disk.

„Ich kontrolliere nun ein Monster vom Typ Donner, daher rufe ich Wassertänzer Disko-Delfin im Verteidigungsmodus auf das Feld!“

Fionas Augenbrauen zogen sich überrascht in die Höhe, als Maylas silbern gekleidetes Monster unter Erins Kontrolle beschworen wurde.

Wassertänzer Disko-Delfin: Stufe 4, 1800Atk, 1500Def.

„Ich dachte, Mayla wollte die Akademie endgültig verlassen? Wieso hat sie dir dann ihr Monster für dieses Duell bereitgestellt?“

„Auch wenn sie es gerade anders sehen sollte, sie will in ihrem Innersten bei uns bleiben, da bin ich mir absolut sicher! Und mit dem Spezialeffekt von Maylas Delfin an meiner Seite habe ich nun die Kraft ihren Wunsch in die Tat umzusetzen! Indem ich den Disko-Delfin wieder auf meine Hand zurück nehme, darf ich ein gegnerisches Monster ebenfalls auf die Hand zwingen! Deine Sonnenanbeterin kehrt auf die Hand zurück, ohne zerstört zu werden und du bekommst daher auch nicht durch den Effekt der Ritualstätte dein Solaritus Siegel wieder! Und jetzt an die Arbeit, Wassertänzer Disko-Delfin!“

Disko-Delfin schwamm rasant auf Fionas imposante Sonnenanbeterin zu, mit der Absicht das Mantidenmonster auf Fionas Hand zu stoßen, doch Fiona kam Erins Monster zuvor:

„Ich aktiviere meine Konterfalle, Ritueller Schutzzirkel!“

Um Solaritus Sonnenanbeterin herum bildete sich auf dem schwarzen Kopfsteinpflaster ein Kreis aus grell aufleuchtenden Runen, der die Attacke des Delfins zurückstieß. Disko-Delfin schnatterte leidvoll und das Hologramm zerplatzte.

„Und du nennst mich arrogant? Das waren ganz schön viele Worte, für ein Monster, das letztlich nichts bewirkt hat“, spottete Fiona, „ Ritueller Schutzzirkel beschützt ein Ritualmonster, das als Ziel eines Karteneffekts gewählt wurde und zerstört die entsprechende Karte. Außerdem gestattet mir mein Schutzzirkel, dass ich meiner Hand einen Ritualzauber aus meinem Friedhof zufüge. Damit habe ich bekommen, was ich wollte und meine Sonnenanbeterin bleibt trotzdem unversehrt auf dem Feld.“

Fiona hielt Erin mit einem lässigen Grinsen Solaritus Siegel entgegen.

„Das war Maylas Monster, das du da gerade zerstört hast! Bedeutetet sie dir denn gar nichts mehr?!“, rief ihr Erin wütend entgegen.

Für einen Augenblick schwieg Fiona Erin an und für Erin schien es beinahe so, als ob sie sich gegen diese Anschuldigung wehren wollen würde.

„Spiel einfach weiter“, befahl Fiona ernst.

„Das werde ich! Ich decke nun die Karte auf, die ich zu Beginn meines Zuges gesetzt habe! Fusion!“

Die besagte Zauberkarte klappte sich vor Erin auf und sofort verdeckten Hologramme graue, grollende Gewitterwolken den eigentlich strahlend blauen Himmel.

Blitze schossen von Wolken auf den Boden, während Erins Donnerklang-Taktikerin und Donnerklang-Seele verblassten.

„Ich vereinige meine beiden Monster auf dem Feld zu einer mutigen Heldin, die ihre Gegner mühelos vom Sattel stoßen kann! Zeig dich, Donnerklang-Ritterin!“

Der letzte Blitz hinterließ die mit einer goldenen Lanze bewaffnete und gut gepanzerte Reiterin auf ihrem weißen Ross.

Donnerklang-Ritterin: Stufe 7, 2500Atk, 2000Def.

„Wie du weißt, wird meine Ritterin jetzt noch stärker! Denn wenn die Donnerklang-Seele als Fusionsmaterial für eine meiner Donnerklang-Kriegerinnen genutzt wird, darf sie dieses Fusionsmonster sofort vom Friedhof aus ausrüsten!“

Ein blaues Leuchten und Knistern umgab die Lanzenspitze der Ritterin.

Donnerklang-Ritterin: 2500Atk → 3300Atk.

Erin gab eine kommandierende Armbewegung.

„Donnerklang-Ritterin wird sich nun um dein Ungeziefer kümmern! Denn wenn sie mit einem Donnerklang-Monster vom Typ Donner ausgerüstet ist, zerstört sie jedes Monster, gegen das sie kämpft noch vor der Schadensrechnung! Angriff mit dem 10.000-Volt-Stoß!“

Ohne zu zögern galoppierte Erins Monster auf die Solaritus Sonnenanbeterin zu und durchstieß das Insekt mit der langen, elektrisch aufgeladenen Speerwaffe.

Die Sonnenanbeterin kreischte ein letztes Mal laut auf, bevor sie explodierte.

Fiona hielt sich, zum Schutz vor der Druckwelle, den linken Arm vors Gesicht.

„Da du durch den Effekt von Ritueller Schutzzirkel bereits deinen Ritualzauber auf die Hand genommen und in diesem Duell noch keinen weiteren Ritualzauber genutzt hast, bleibt deine Ritualstätte der Gebrandmarkten wirkungslos!“, fasste Erin zusammen, „Dein Zug!“

Fiona zog und stockte.

„Du hast Glück, Erin. Ich setze ein Monster verdeckt und beende meinen Zug.“

Vor ihr erschien eine verdeckte Monsterkarte.

Damit hatte Erin in der Tat Glück.

Fiona war es nicht gelungen eine Ritualbeschwörung durchzuführen, wahrscheinlich fehlte ihr ein entsprechendes Ritualmonster.

Das war Erins Gelegenheit zurückzuschlagen.

Sie legte ihre Hand auf ihr Deck und atmete tief ein und aus.

Um zurückzuschlagen und einen direkten Angriff durchzuführen, müsste sie allerdings nun ein Monster ziehen.

Erin zog.

Kein Monster.

Das war ärgerlich, aber immerhin könnte ihr diese Karte im nächsten Zug hilfreich sein.

„Meine Ritterin greift jetzt dein verdecktes Monster an! 10.000-Volt-Stoß!“, rief Erin.

Voller Entschlossenheit galoppierte Donnerklang-Ritterin auf Fionas Monster zu.

Sie durchstieß es mit ihrer Lanze und Fionas Monster entpuppte sich als Solaritus Glückskäfer, welcher aufkreischte, bevor es zersplitterte.

„Ich konnte dir zwar keinen Kampfschaden zufügen, aber ich generiere immerhin Kartenvorteil, indem ich deine Monster zerstöre! Ich setze eine Karte verdeckt und mache fürs Erste Schluss!“

Neben der aufgedeckten Gewitterallianz erschien eine verdeckte Karte und Fiona begann sofort ihren Zug, indem sie die nächste Karte von ihrem Deck auf die Hand nahm.

„Die Schonfrist ist für dich vorbei, Erin. Ich rufe nun den Solaritus Glutstacheligel im Verteidigungsmodus auf.“

Das niedliche Ungeheuer-Monster mit den heißen Nadeln erschien vor seiner Besitzerin.

Solaritus Glutstacheligel: Stufe 3, 1000Atk, 1400Def.

„Sein Effekt aktiviert sich bei seiner Normalbeschwörung: Ich darf nun ein weiteres Solaritus-Monster aus meinem Friedhof als Spezialbeschwörung rufen.

Hier kommt Solaritus Glückskäfer, ebenfalls im Verteidigungsmodus.

Ein etwas größerer Marienkäfer, der an Stelle der Punkte Sterne aufwies, tauchte neben dem Glutstachel auf.

Solaritus Glückskäfer: Stufe 1, 400Atk, 400Def.

„Ich habe nun nicht nur ein Ritualmonster und einen passenden Ritualzauber auf der Hand: Dank des zweiten Effektes der Ritualstätte der Gebrandmarkten verdoppelt sich die Stufe meiner Monster, wenn ich sie als Tribut für die Ritualbeschwörung eines FEUER-Monsters anbiete.“

Das Flammensymbol auf dem Boden des Spielfeldzaubers leuchtete greller auf als zuvor und augenblicklich umgab Fionas Monster eine rötliche Aura.

Solaritus Glutstacheligel: Stufe 3 → Stufe 6.

Solaritus Glückskäfer: Stufe 1 → Stufe 2.

Erin machte sich still auf das Schlimmste gefasst, während Fiona ihr das Solaritus Siegel entgegenstreckte.

„Ich biete den Glutstacheligel und den Glückskäfer als Tribut, um eines meiner gefährlichsten Monster aufzurufen.“

Die leuchtenden Solaritus-Monster fingen Feuer und rotierten als schwebende Feuerbälle immer schneller und schneller umeinander.

Schließlich kollidierten die Feuerbälle und eine rauschende Flammensäule entstand.

„Bereit oder nicht, mein Solaritus Sonnenatlas wird nicht nur dieses lächerliche Duell beenden, sondern auch ein für alle Mal klarstellen, dass ich weder dich noch Mayla wiedersehen will.“

Der Solaritus Sonnenatlas, ein beeindruckendes, weißes Schmetterlingsmonster, strecke seine feuerroten und mit goldenen Sonnensymbolen verzierten Flügel aus der langsam nachlassenden.Feuersäule. Funken fielen bei jedem Flügelschlag auf das finstere Pflaster.

Solaritus Sonnenatlas: Stufe 8, 2500Atk, 3000Def.

„Nun aktivieren sich zwei Effekte: Erstens erlaubt es mir mein Solaritus Siegel nun bis zu zwei weitere Solaritus-Monster aus meinem Deck auf den Friedhof abzulegen. Ich lege eine Sonnenanbeterin und einen Krokokus ab“, erklärte Fiona, während sie ruhig ihr Deck durchsuchte.

Sie legte beide Monsterkarten ab und ihr Deck mischte sich automatisch in der Dueldisk durch.

„Zweitens: Wird der Solaritus Glückskäfer als Tribut für die Ritualbeschwörung eines Solaritus-Ritualmonsters angeboten, darf ich eine Karte ziehen. Ist die gezogene Karte kein Monster, so darf ich zudem gleich eine zweite Karte nehmen.“

Erin rechnete eilig nach.

Eine Hydrazinte und ein Sonnenatlas, zwei Sonnenanbeterinen, zwei Krokokusse und zwei Glutstacheligel. Zuletzt die drei Glückskäfer, das machte ganze elf Monster im Friedhof.

Außerdem wartete auf dem Feld ein bedrohlicher Sonnenatlas auf den Befehl seiner Besitzerin.

Fiona hatte ihr Deck inzwischen erheblich ausgedünnt.

So war es wenig überraschend, als Fiona Erin die gezogene Zauberkarte präsentierte und sich sogleich die zweite Karte vom Deck nahm.

„Mein mächtiges Ritualmonster bekommt für jedes Solaritus-Monster in meinem Friedhof 200 Angriffspunkte oben drauf. Damit erhöht sich ihre Kraft um 2200 Punkte“, erklärte Fiona, während ihr feuriges Insekt auf kolossale Größe anwuchs.

Solaritus Sonnenatlas: 2500Atk → 4700Atk.

„Aber keine Sorge, ich werde dich nicht mit voller Kraft angreifen. Stattdessen nutze ich den Spezialeffekt meines Sonnenatlas´ und darf, indem ich drei Solaritus-Monster aus meinem Friedhof wieder in das Deck mische, alle deine offenen Karten zerstören. Ich schicke beide Glutstacheligel und einen Glücksskäfer zurück in mein Deck.“

Kaum nahm sich Fiona die besagten drei Karten, schon schwang ihr Ritualmonster seine riesigen Flügel.

Eine plötzliche Hitzewelle schlug Erin direkt entgegen und das Mädchen ging sogleich keuchend in die Knie.

Die Gewitterallianz und auch die Donnerklang-Seele zerplatzten, wodurch die Ritterin nicht nur das Leuchten um ihre Lanze, sondern auch entscheidende Angriffspunkte verlor.

Donnerklang-Ritterin: 3300Atk → 2500Atk.

„Vergiss nicht, dass dein Sonnenatlas ebenfalls durch seinen Effekt Angriffspunkte einbüßt!“

Der Solaritus Sonnenatlas schrank ein wenig in sich zusammen, überragte allerdings noch immer sowohl Erin als auch ihr Monster mit Leichtigkeit.

Solaritus Sonnenatlas: 4700Atk → 4100.

„Du musst auch immer, das letzte Wort haben, oder?“, fragte Fiona kalt und befahl dann den Angriff, „Solaritus Sonnenatlas: Vernichte ihre Ritterin mit dem alles verbrennenden Solarsturm.“

Eine unzählbare Menge an gelben Punkten bildete sich auf den Flügeln.

Aus den Punkten zischten unaufhörlich einzelne Feuergeschosse auf Erins Feldseite, die beim Aufprall jeweils kleine Explosionen verursachten.

„Wenn ich angegriffen werde während ich ein Donnerklang-Monster kontrolliere darf ich Donnerklang-Gardna aus meinem Friedhof als Spezialbeschwörung aufrufen und so allen Kampfschaden verhindern!“

Die Donnerklang-Ritterin wurde von der Attacke des Rieseninsekts getroffen und von ihrem Pferd geschleudert, bevor das Hologramm zerplatzte,

An Stelle der Ritterin hockte nun eine Kriegerfrau im Kettenhemd, die sich hinter ihrem großen Schild versteckte.

Donnerklang-Gardna, Stufe 3, 100Atk, 2000Def.

„Das war klar. Aber ich weiß, dass du diesen Spezialeffekt von Donnerklang-Gardna nur einmal verwenden kannst, denn sobald Gardna das Feld verlässt, wandert sie nicht in den Friedhof, sondern wird verbannt. Im nächsten Zug beende ich dieses Spiel.“

Erin schüttelte langsam den Kopf.

„Ich verstehe dich einfach nicht! Es könnte so wie früher sein! Wieso stellst du dich derartig quer! Egal wie oft du mir weismachen willst, dass Mayla und ich dir nichts bedeuten, ich weiß, dass es nicht stimmt!“

Fiona stockte, unfähig spontan auf Erins Zuruf zu reagieren.

„Ich habe mich am Anfang von dir täuschen lassen. Aber inzwischen durchschaue ich deine Scharade. Ich erkenne, dass du leidest, Fiona! Also lass es gut sein! Lass uns dieses Duell einfach beenden und gemeinsam Mayla zum Bleiben überreden!“

Demonstrativ verschränkte Fiona ihre Arme.

„Es könnte wie früher sein?“, wiederholte Fiona, „Was für ein Unsinn. DU erkennst überhaupt nichts. Während ich unaufhörlich vorwärts geschritten bin, seit ihr immer wieder stehen geblieben und habt euch ablenken lassen. Inzwischen bin ich euch viel zu weit voraus um euch nahe sein zu können. Ich bin eine geschätzte Obeliskin. Davon abgesehen ist dieses Duell überhaupt nicht vorbei. Das letzte Mal konntest du meinen Sonnenatlas mit der Donnerklang-Waffenmeisterin besiegen, aber die befindet sich diesmal schon längst im Friedhof. Außerdem habe ich im Duellverlauf kaum Lebenspunkte verloren. Du hast keine Chance zu gewinnen.“

„Ist das ehrlich alles, woran du denkst? Ich kann das nicht glauben. Wir sind dir nicht egal“, erwiderte Erin traurig.

Fiona schnaubte verächtlich.

„Mach weiter.“

Reden hatte wohl wirklich keinen Zweck mehr.

Erins einziger Weg war es ihre alte Freundin zu bezwingen.

Sie zog.

„Ich aktiviere eine zweite Kopie von Dringendes Ziehen! Ich habe keine Karten auf meiner Hand und unter 1000 Lebenspunkte. Deshalb darf ich nun zwei weitere Karten ziehen!“

Erin nahm ihre zwei nächsten Karten vom Deck auf die Hand und überlegte.

Es gab noch einen Ausweg aus ihrer brenzligen Spielsituation, aber der war gelinde gesagt sehr ungewöhnlich.

„Ich beginne, indem ich meine verdeckte Karte benutze: Blitze der Wiedergeburt! Jetzt darf ich ein Donnerklang-Monster vom Typ Krieger beschwören, das im letzten Zug zerstört wurde und ihm weitere 500 Angriffspunkte bescheren!“

Die Fallenkarte deckte sich vor Erin auf.

Sofort schossen ein halbes Dutzend Blitze auf das dunkle Pflaster der Ritualstätte.

Der letzte Blitz hinterließ Erins soeben zerstörte Ritterin.

Donnerklang-Ritterin: Stufe 7, 2500Atk, 2000Def.

Donnerklang-Ritterin: 2500Atk → 3000Atk.

„Als Normalbeschwörung rufe ich aus meiner Hand die Donnerklang-Inkarnation auf und rüste mit ihr dann sofort meine Ritterin aus!“

Ein schmales Energiewesen tauchte vor Erin auf, fuhr dann aber sofort in die Lanze von Erins Rittermonster, welche daraufhin wieder elektrisch knisterte und blau leuchtete.

Donnerklang-Ritterin: 3000Atk → 3700Atk.

„Ich greife jetzt an! Donnerklang-Ritterin! Attacke mit dem 10.000-Volt-Stoß!“

Das Fusionsmonster galoppierte auf Fionas gigantisches Insekt mit ausgeholter Speerwaffe zu.

„Du lernst es nicht, oder? Du kannst gerne meinen Solaritus Sonnenatlas mit dem Effekt deiner Ritterin zerstören, aber dadurch aktiviert sich lediglich der Effekt meiner Ritualstätte, wodurch ich meinen Ritualzauber wieder zurückerstattet bekomme. Du kannst nicht gewinnen“, erklärte Fiona mit überkreuzten Armen und ernster Stimme.

„Ich kann gewinnen! Denn der Zerstörungseffekt meiner Donnerklang-Ritterin ist freiwillig und ich habe nicht vor ihn zu nutzen!“, widersprach Erin.

Sehr zur Überraschung ihrer Gegnerin prallte der Lanzenstoß von Erins Fusionsmonster wirkungslos am Sonnenatlas ab, wodurch die ausrüstende Donnerklang-Inkarnation zerstört wurde und Erin einige Lebenspunkte verlor.

Donnerklang-Ritterin: 3700Atk → 3000Atk.

Erins Lebenspunkte: 700 → 300.

Das Ra-Yellow-Mädchen ächzte, während die Waffe ihres Monsters aufhörte zu leuchten.

„Ich musste zwar ein bisschen Schaden einstecken, aber meiner Ritterin geht es dank dem Schutz durch Donnerklang-Inkarnation 1A! Und Apropos Inkarnation: Da sie anstelle meiner Ritterin zerstört wurde, erhalte ich eine Fusion-Karte aus meinem Deck oder Friedhof auf die Hand!“ erklärte Erin und nahm gleichzeitig die besagte Fusion auf ihr Blatt zurück.

„Als nächstes beende ich meine Battle Phase und spiele in der Main Phase 2 diese Karte aus! Die mächtige Gewittersturmfestung Amperia!“

Energisch platzierte Erin ihren Spielfeldzauber, der augenblicklich Fionas Ritualstätte der Gebrandmarkten ablöste.

Das finstere mit einem Flammenmuster versehene Kopfsteinpflaster wich dem nassen, erdfarbenen Gesteinsboden der Amperia.

Neben den Duellantinnen befanden sich bezinnte Brustwehren und hinter ihnen ragten Wehrtürme gen den komplett verfinsterten Himmel.

Hologramme des permanent hin und her peitschenden Regens und grollender Donnern ließen die Mädchen beinahe vergessen, dass es tatsächlich heute ein sehr warmer Sommertag war.

„Die Power meines Spielfeldzaubers erlaubt es mir bei seiner Aktivierung ein „Donnerklang“-Monster aus dem Friedhof auf das Blatt zu nehmen, daher kehrt die Donnerklang-Seele auf meine Hand zurück!“, erklärte Erin und setzte, nun mit der besagten Monsterkarte in der Hand, sogleich den Spielzug fort, „nun kann ich meine Donnerklang-Ritterin auf dem Feld mit der Donnerklang-Seele auf meiner Hand fusionieren, um das ultimative Donnerklang-Monster aufzurufen! Komm und zeig dich! Im Verteidigungsmodus! Donnerklang-Drachenreiterin!“

Erins Ritterin verschwand und das Gewitter über der Festung intensivierte sich rapide.

Zahllose grelle Blitze schlugen immer wieder auf den Gesteinsboden ein, bis ein letzter die imposante Drachenreiterin hinterließ.

Eine auf einem aus purer Elektrizität bestehenden Drachen sitzende Kriegerin in goldener Rüstung hielt Fiona ihr beeindruckend großes Schwert bedrohlich entgegen.

Donnerklang-Drachenreiterin: Stufe 9, 3200Atk, 2600Def.

Fiona bemühte sich sich keine Schwäche ansehen zu lassen, aber sie war zu gut mit diesem Monster vertraut, um nicht doch zumindest ein wenig nervös zu werden.

„Dank des Effekts der Donnerklang-Seele, die ein mit ihrer Hilfe beschworenes „Donnerklang“-Fusionsmonster ausrüstet erhält die Drachenreiterin jetzt zusätzliche 800 Angriffspunkte! Und dank des Effekts der Gewittersturmfestung Amperia gibt’s noch zusätzliche 700 Punkte für jedes meiner „Donnerklang“-Monster obendrauf!“

Erins hinter dem Schild und ebenfalls im Verteidigungsposition hockende Gardna sowie die Drachenreiterin wuchsen an und die Waffe der Drachenreiterin wurde nun statisch aufgeladen.

Donnerklang-Gardna: 100Atk → 800Atk.

Donnerklang-Drachenreiterin: 3200Atk → 4700Atk.

„In der Kampfphase habe ich den Sonnenatlas verschont, aber jetzt gibt’s keine Gnade! Denn eine mit einem „Donnerklang“-Monster vom Typ Donner ausgerüstete Drachenreiterin ist nicht nur immun gegen alle feindlichen Karteneffekte, sondern kann auch nach der Battle Phase einmal pro Zug alle gegnerischen Monstereffekte annullieren und die Monster selbst vernichten!“

Im Maul des Stromdrachens lud sich ein gewaltiger weiß-blauer Energiestrahl auf, der schließlich auf Fionas Ritualmonster abgefeuert wurde.

Beim Aufprall wurde der kolossale Sonnenatlas nahezu pulverisiert und beide Mädchen hielten sich bei dem Lärm, den dieser Effekt verursachte die Ohren zu.

Fiona stand nun ohne Verteidigung und ohne ihren Spielfeldzauber Erins gefährlichstem Monster gegenüber.

Erin sah ihrer alten Freundin direkt in die Augen.

„Vor einem halben Jahr habe ich es erstmals geschafft dieses Monster aufzurufen! Es war in unserer gemeinsamen Prüfung gegen die Zwillinge, weißt du noch?! Ich hätte es damals nicht ohne deine Hilfe geschafft!“

Erin stockte für einen Augenblick, bei den Erinnerungen an die Zeit, in der sie und Fiona ein unzertrennliches Team waren, kamen ihr nun beinahe die Tränen.

„Du magst es nicht wahr haben wollen, aber ich weiß es besser! Auch Mayla und ich sind seit der Halbjahresprüfung stärker geworden, viel stärker! Also tu nicht so, als ob wir hinter dir zurückfallen oder dein Wachstum ausbremsen würden! Meine Drachenreiterin beweist dir im nächsten Zug das Gegenteil! Denn ich KANN nicht verlieren! Ich werde weder dieses Duell verlieren, noch Mayla, noch dich! Ich beende meinen Zug!“

Erin atmete schwer.

Sie hatte sich in Rage geredet und die Hitze, das kräftezehrende Duell und die vielen bereits verlorenen Lebenspunkte machten sich langsam bemerkbar.

„Bist du fertig?“, fragte Fiona kalt.

„Wie bitte?!“

Fiona lächelte selbstbewusst.

„Ich gebe zu, für einen kurzen Moment hat mich deine Drachenreiterin verunsichert, aber dennoch hast du keine Chance, Erin.“

Fiona zog ihre Karte und schien nun noch zufriedener zu sein.

„Weißt du, vielleicht bist du wirklich besser geworden, aber dein Duelllevel liegt weit unter meinem und das sehe nicht nur ich so. Ich trage riesiges ungenutztes Potential in mir, das endlich genutzt werden will. Deshalb werde ich die neue vierte Kronprinzessin sein. Ihre Majestät, König Aland hat es mir gestern persönlich zugesichert.

Erin staunte nicht schlecht.

„Du bist eine Kronprinzessin?! Aber dein GY-Score...-“

„Mein Score tut nichts zur Sache.“, unterbrach Fiona harsch, „Ohne Sinn und Verstand vor sich hin duellieren, nur um Spaß zu haben, das angeblich Richtige zu tun oder um irgendeine Messzahl zu erhöhen war nie meine Priorität. Ich bin besser als das. Besser als so ziemlich alle. Zu gut für Mayla und für dich. Und jetzt werde ich dich persönlich daran erinnern, wie aussichtslos es ist sich gegen die Krone aufzulehnen. Ich spiele den Zauber Neuer Tagesanbruch: Ich nehme ein Solaritus-Monster aus dem Friedhof auf meine Hand und lege an seiner Stelle ein Solaritus-Monster meiner Wahl aus dem Deck auf den Friedhof. Krokokus kehrt auf mein Blatt zurück und eine zweite Hydrazinthe wird auf den Friedhof abgelegt“, sprach Fiona ruhig, während sie ein Blumenmonster im Friedhof gegen das andere aus dem Deck austauschte.

„Den Solaritus-Krokokus beschwöre ich nun im Verteidigungsmodus und ich benutze auch sofort seinen besonderen Effekt.“

Vor Fiona erschien der besagte Krokokus, ein Pflanzenmonster mit gelben Blüten und anstelle von Blättern befanden sich bedrohlich klappende und schmatzende Krokodilsschnauzen.

Solaritus Krokokus: Stufe 3, 1600Atk, 1300Def.

„Einmal pro Zug kann ich meine Hand vorzeigen. Befinden sich auf meiner Hand keine Ritualzauber, dann darf ich einen „Solaritus“-Ritualzauber aus dem Deck meiner Hand zufügen und dann ein „Solaritus“-Monster aus dem Deck ablegen.“

Fiona hielt Erin ihre zwei verbleibenden Handkarten offen entgegen und Erin beugte sich etwas vor um durch den starken Niederschlag ihres Spielfeldzaubers Fionas Karten erkennen zu können.

Die eine Karte war ihr Phönixgeist, die andere war ein Erin unbekanntes Effektmonster mit einer erschreckend hohen Stufe.

Das verhieß nichts Gutes.

„Ich nehme mein Solaritus Wappen auf die Hand und die dritte Hydrazinthe kommt auf meinen Friedhof. Nun wird es Zeit für den Effekt von Phönixgeist: Kontrolliere ich ein Monster mit dem Feuer-Attribut, so darf ich Phönixgeist von der Hand abwerfen und das Feuer-Monster opfern, um ein beliebiges Monster aus meinem Friedhof als Spezialbeschwörung aufzurufen. Ich beschwöre im Angriffsmodus den Solaritus Sonnenatlas, den du im letzten Zug zerstört hast.“

Der Feuervogel flog aus Fionas Hand auf den Solaritus Krokokus zu und verschmolz mit ihm in eine sich plötzlich aufbauende Stichflamme, die letztlich Fionas Riesenfalter mit den roten, mit goldenen Sonnensymbolen verzierten Flügeln hinterließ.

Solaritus Sonnenatlas: Stufe 8, 4500Atk, 3000Def.

„Der Sonnenatlas könnte nun mühelos mit seinem Effekt deine Karten zerstören, allerdings würde deine lästige Drachenreiterin überleben und den Angriff des Sonnenatlas abfangen. Aber davon lasse ich mich nicht aufhalten, Erin. Niemand hält mich auf. Denn ich opfere den Solaritus Sonnenatlas sofort um den König aller Ritualmonster zu beschwören. Hier kommt Sonnenkönig Gran Raey.“

Das Hologramm des Sonnenatlas verschwand und an seiner Stelle stand nun der Sonnenkönig.

Der Sonnenkönig Gran Raey war ein dünner, langer, junger Mann in eng ansitzender, grüner Robe, auf der einzelne rote Flammen tanzten.

Der Kragen seines Mantels wirkte wie eine Sonnenblume und auf seiner goldenen Krone sowie seinem sich in der rechten Hand befindendem Zepter saßen rote Juwelen in Formen der Sonne.

Sonnenkönig Gran Raey: Stufe 10, 1000Atk, 1000Def.

Erin erschrak bei diesen niedrigen Werten.

Dieses neue Monster, für das Fiona soeben ihr eigentliches Ass-Monster geopfert hatte, musste wohl unfassbare Effekte besitzen.

„Der Sonnenkönig Gran Raey muss als Spezialbeschwörung gerufen werden, indem ich ein Ritualmonster als Tribut anbiete und kann nicht durch Kampf oder Karteneffekte zerstört werden. Sein zweiter Effekt erlaubt es mir einmal pro Zug ein Ritualmonster aus meiner Hand oder meinem Friedhof aufzurufen, indem ich einen Ritualzauber von meiner Hand ablege und eins oder mehrere Monster mit gleicher oder höherer Stufe als Tribut anbiete. Und zwar darf ich Karten von meiner Hand und von beiden Seiten des Spielfeldes anbieten.“

„Von beiden...Seiten?!“, stammelte Erin ungläubig.

Sie begann zu begreifen

Damit war der Ausgang dieses Duells besiegelt.

Fiona sah sie ernst an.

„Das ist der Unterschied zwischen Menschen, die bereit sind Opfer zu bringen und denen, die manisch an eigentlich schon längst Vergangenem festhalten müssen. Mayla hat die Realität endlich erkannt und jetzt bist du dran, Erin. Ich lege das Solaritus Wappen aus meiner Hand ab und opfere dann deine Drachenreiterin für meinen Sonnenatlas.“

Augenblicklich erhob der Sonnenkönig sein Zepter, das grell aufleuchtete.

Erins Drachenreiterin wurde sofort von plötzlich auftauchenden Flammen verschlungen und schrie ein letztes Mal schmerzerfüllt auf, bevor sich der gigantische Flammenball, in den sie sich verwandelt hatte auf Fionas Seite des Feldes wanderte.

Aus dem Feuer erhob sich erneut der Solaritus Sonnenatlas.

Solaritus Sonnenatlas: Stufe 8, 4500Atk, 3000Def.

„Ein durch den Effekt des Sonnenkönigs gerufenes Monster kann im Zug seiner Beschwörung nicht angreifen, allerdings kann Sonnenatlas sehr wohl seinen besonderen Effekt benutzten, um alle deine offenen Karten zu vernichten, wenn ich meine drei Hydrazinthen in das Deck zurückmische.“

Ruhig aber bestimmt nahm Fiona die drei Pflanzenmonster in das Deck, mischte es und setzte sogleich ihren Zug fort.

Solaritus Sonnenatlas: 4500Atk → 3900Atk.

Der Sonnenatlas schlug seine riesigen Flügel und brennend heißer Wind, in dem einzelne Funken flogen ließ die Amperia und Donnerklang-Gardna zerspringen.

Erin hielt sich schützend die Arme vor das Gesicht, als das Ritualmonster ihre letzten verbleibenden Karten zerstörte.

Sie war nun wieder auf dem Trampelpfad, umgeben von Grün, unter der gnadenlos scheinenden Sommersonne und ohne Verteidigung auf den gleich folgenden, direkten Angriff.

„Den letzten Effekt des Sonnenkönigs habe ich noch nicht erwähnt: Er erhöht seine Angriffs- und Verteidigungspunkte um die Punkte aller Ritualmonster unter meiner Kontrolle.

Die Luft um den Sonnenkönig Gran Raey herum schien augenblicklich Feuer zu fangen, eine gewaltige Hitzewelle ging von ihm aus, die Erin zum Keuchen brachte.

Sonnenkönig Gran Raey: 1000Atk → 4900Atk, 1000Def → 4000Def.

„Es wird Zeit, dieses alberne Duell und unsere angebliche Freundschaft ein für alle Mal zu beenden. Direkter Angriff mit dem Ewig brennenden Edikt“, befahl Fiona.

Der Sonnenkönig Gran Raey zeichnete mit der Spitze seines Zepters, die inzwischen selbst Feuer gefangen hatte einen Kreis in die Luft, der sich weiter und weiter ausdehnte und immer heller und heller schien.

Schließlich musste Erin die Augen zukneifen, sodass sie kaum sehen konnte, wie sich der Kreis mit einer ruckartigen Bewegung des Zepters wieder zusammenzog und einen unfassbar heißen, gebündelt auf Erin zuschießenden Lichtstrahl bildete.

Die Wucht der Attacke warf Erin von ihren Füßen, sodass sie schreiend zu Boden fiel.

„Aaahggg!“

Erins Lebenspunkte: 300 → 0.

Die Hologramme des Solaritus Sonnenatlas und des Sonnenkönigs Gran Raey verschwanden.

Sie hatte verloren.

Das Duell verloren.

Mayla verloren.

Fiona verloren.

Das verloren, wofür sie noch so lange, so hart gekämpft hatte.

Einfach vorbei.

„Das passiert, wenn man krampfhaft an schon längst vergangen Dingen festhält, Erin“, wiederholte Fiona kühl.

Erin lag wimmernd auf dem Boden.

Sie machte keine Anstalten aufzustehen.

Es war erst ein leises Schluchzen, das aber in kurzer Zeit immer lauter und unkontrollierter wurde.

Sie wollte noch irgendetwas sagen, irgendetwas tun, um Mayla zu helfen, um Fiona zur Vernunft zu bringen, aber daran war aktuell nicht zu denken.

Flüsse aus salzigen Tränen bahnten sich durch ihr Gesicht und fielen schließlich zu Boden.

Fiona konnte diesen Anblick kaum ertragen.

Sie biss sich auf die Lippen und drehte sich von Erin weg, in Richtung Anlegestelle, wo schon die nächste Fähre wartete.

Sie griff den neben sich abgestellten Reisekoffer und atmete tief ein.

„Unsere Freundschaft ist offiziell beendet. Aber eine letzte Sache will ich dir als ehemalige Freundin noch sagen: Halte dich von Mayla fern. Diesem Mädchen ist nicht mehr zu helfen. Sie wird immer wieder und immer tiefer in ihren Wahnsinn versinken. Sie ist wie ein Anker, Erin. Ein Anker, der jeden, der dumm genug ist, sich an sie zu ketten mit in die Tiefe ziehen wird.“

Mit diesen Worten ging sie und ließ Erin hinter sich.
 


 

°°°
 


 

In zahllosen Gedanken versunken ließ Fiona, locker mit beiden Armen an das Geländer gelehnt ihren Blick über das endlos scheinende Meer bis zum Horizont gleiten.

Sie befand sich auf dem Sonnendeck der Fähre und versuchte das sommerliche Wetter zu genießen.

Sie war alleine hier oben.

Viele andere Akademieschüler waren schon früher abgereist, oder fanden es vielleicht einfach zu heiß, sodass sie sich lieber ein Geschoss weiter unten, im Hauptdeck in den Schatten setzten.

Aber für Fiona fühlte sich die unerbitterliche Hitze und das Alleinesein irgendwie grade richtig an.

Sie war alleine.

Und es tat weh, unglaublich weh.

Aber es war in ihren Augen notwendiger Schmerz.

So, wie wenn man ein Pflaster abreißt.

Es musste weh tun, auch wenn der Schlussstrich, den sie heute gezogen hatte, wohl überlegt war.

Immerhin würde sie eine hoch angesehene Kronprinzessin sein, genauso wie Chris.

Chris, derdie sie so verheerend leicht besiegen konnte.

Sie durfte sich nicht von dem Ballast der Vergangenheit zurückhalten lassen.

Sie musste an die Zukunft denken.

Der einzige Weg für sie war der Weg nach vorne, nur so würde sie sich gegen Chris durchsetzen können.

Und nur wenn sie eine Königin war, hatte sie die Macht sicherzustellen, dass das Verbrechen, welches die gesamte Akademie mitansehen musste, sich nicht wiederholen konnte.

Fiona stockte, ihr vibrierendes Smartphone holte sie aus ihrer Gedankenwelt.

Sie kramte es aus der Hosentasche.

Hendrik rief sie an.

Sie seufzte.

Da musste sie jetzt wohl dran gehen.

„Happy Birthday, Lieblingsschwester! Na, Fifi?! Wie fühlt man sich so mit fünfzehn Jahren auf dem Buckel?!“, rief ihr großer Bruder voller Enthusiasmus durch den  Handylautsprecher, als sie abgenommen hatte.

„Schankedön, Drittlieblingsbruder!“, alberte sie, mit aller Mühe ihre eher trübseligen Gedanken überspielend, „Ich fühle mich wie kurz vor der Rente. Wenn ich nachher Zuhause ankomme, lege ich mich erstmal aufs Ohr!“

Er lachte.

„Kurz vor Rente! Was soll ICH denn da sagen? Ich komme kaum noch hinterher bei all meinen Überstunden! Währenddessen darfst du deine Sommerferien genießen und dir einen faulen Lenz machen!“

„Gibts im Kartenladen denn gerade so viel zu tun?“

„Klar! Unzählige potentielle Duellschüler haben sich in den letzten Wochen bei uns ihre ersten Decks zusammenstellen lassen! Das war ne Heidenarbeit, sag ich dir! Im Grunde müsste mein geiziger Chef mir dafür locker das Dreifache zahlen!“

Fiona verdrehte die Augen.

Hendricks neuester Job war im Grunde ein glorifiziertes Praktikum, das noch nicht einmal den Mindestlohn zahlte.

Selbst eine Lohnverdreifachung würde kaum einen Unterschied machen, dreimal Null ist auch Nichts.

Er holte einmal hörbar Luft.

„Aber genug von mir. Wie geht’s meiner Fifi so? Freust du dich schon auf ein paar ruhige Wochen, oder wirst du deine ganzen Freudinnen zu sehr vermissen!?“

Freundinnen....Natürlich musste er nach Freundinnen fragen.

So gerne sie sich auch mit ihm unterhielt, Hendrick hatte ein bemerkenswerte, unbeabsichtigte Talent immer die Themen anzusprechen, nach denen Fiona nicht zu Mute war.

„Hmm...Ich komme schon klar. Wenn ich mich mal einsam fühlen sollte, dann habe ich ja noch Patrick und Jannis zur Ablenkung....Ich glaube auf Opa freue ich mich am meisten, auch wenn er mir zum hundertsten Mal die gleiche Geschichte von seiner Hundefutter fressenden Katze, oder dem stinkdoofen Kollegen in seiner alten Werkstatt erzählen wird.“

„Uh! Uh! Die liebe ich ja am meisten!“, freute sich Hendrick und begann den gemeinsamen Großvater nachzuahmen: „Das war 1983, kurz nach der Einschulung deiner Mutter, das werde ich nieeee vergessen!“

Jetzt hatte ihr Bruder es geschafft.

Seine Imitation war zu köstlich, Fiona konnte nicht anders als loszulachen, während er weiter erzählte.

„Da hat der Werner, der alte Suffkopp das Auto meiner Schwiegermutter repariert. Und ich, ich habe das dann am nächsten Tag auf die Hebebühne gefahren und mich druntergestellt! Da hat der die gebrochene Lenkachse ernsthaft mit Schweinband repariert! Mit Schweeeineeeeeband!“

Fiona rang vor Lachen nach Luft.

„Ich sach: „Du Werner, ich mag meinen Schwiegerdrachen ja auch nich besonders...-

„aber...hahah! aber wir müssen sie ja nicht gleich umbringen!“, ergänzte Fiona, noch immer herzlich lachend.

Das war befreiend, sie ließ sich noch einige Sekunden Zeit, bevor sie fertig gelacht hatte.

„Das ist auf jeden Fall eine seiner besten Storys, ja. Die wird niemals alt.“

„Tja, ganz im Gegensatz zu dir, du alte Schachtel!“

Er seufzte.

„Na dann, ich muss dann mal wieder Schluss machen, Pause ist gleich vorbei.

Lass dich von unseren blöden Eltern reichlich beschenken und nimm nicht alles so ernst ja? Du bist jung! Hab Spaß, du Musterschülerin!“

„Ich habe keinen Spaß, ich habe Rücken!“, zitierte Fiona zum Abschied ihre griesgrämige Tante, sehr zu Hendriks Freude.

„Alles klar! Wir hören voneinander! Ciao-Ciao!“

„Bis nächste Woche! Machs gut!“, verabschiedete sich, bevor sie auflegte.

Dann schloss sie die Augen.

Sie atmete tief ein und aus.

„Nimm nicht alles so ernst“

Er hatte leicht reden.

Sie bemerkte, dass sie inzwischen nicht mehr alleine hier oben war.

Ein kräftiger, ihr völlig unbekannter Junge mit einer schockierend schmutzigen und verschlissenen Obeliskenuniform stand nun ebenfalls auf dem Sonnendeck und schaute gelangweilt auf die Schülerschaft unter ihm herab.

Dann sah er zu ihr herüber und grinste dämlich.

„Buhahaha! Schien ja ein echt lustiges Gespräch gewesen zu sein, Rotschopf!“, gröhlte er.

Was sollte das denn werden?

Sie hatte echt keinen Nerv darauf sich blöde von der Seite anquatschen zu lassen, vielleicht sollte sie nun ihre neuen Privilegien ausspielen.

„Tja, ich habe allen Grund zu lachen. Ich bin nämlich ab dem nächsten Jahr die vierte Kronprinzessin“, prahlte sie stolz.

„Kron-Was? Solche dummen Luschentitel interessieren doch keinen! Ich bin der nächste König!“

Fiona, bisher an das Geländer des Schiffs gelehnt, richtete sich auf, ging einige Schritte auf den merkwürdigen Jungen zu und warf dann fragend den Kopf zur Seite.

„Du redest doch Unsinn! Ich habe zufällig gute Kontakte zur Krone. Wenn du einer der Spitzenkandidaten wärst, dann hätte ich dich im letzten halben Jahr schon längst gesehen! Und abgesehen davon...-“, sie zeigte auf seine kaputte, blaue Uniform, „wenn man dich in diesen Lumpen erwischt, schmeißt man dich dafür sowieso aus Obelisk-Blue raus!“

„Buahaha! Buhahaha!“, lachte er dumm.

„Ich kanns kaum erwarten euch eingebildeten Hohlköpfe so richtig aufzumischen! Nur Stärke zählt! Ich bin noch nichtmal eingeschrieben und habe monatelang jeden von euch Nasen plattgemacht und abgezogen!“

Einen Augenblick mal.

War das etwa...?

„Aaaah... Ich glaube ich habe von dir gehört! Du bist doch der mächtige Barry, der geheimnisvolle Duellant, der im ersten Halbjahr in verbotenen Duellen unzählige Schüler aus allen Häusern bezwungen hat!“, flötete Fiona mit falscher Bewunderung.

Das hatte mehr als den gewünschten Effekt.

Der Junge ging auf sie zu, lehnte sich vor und fasste sie ungefragt unters Kinn.

Sein bestialischer Gestank drang trotz des Fahrtwinds und der salzigen Seeluft bis zu ihr vor.

„Derselbe, meine Süße! Wenn du schön brav zu mir bist, gebe ich dir gerne ein Autogramm...Oder noch mehr...Buahaha!“

Das wars.

In einem wahnwitzigen Tempo schlug Fiona Barrys Hand beiseite, fasste ihn fest an die Kehle und schob ihn gnadenlos vor sich her, bis er mit dem Rücken unsanft an das gegenüberliegende Geländer stieß.

„Oha! Da hat ja jemand richtig Temperament! Sexy, Rotschopf!“

„HALT DEN MUND!“, schrie sie und presste ihn noch stärker an das Geländer.

Sie zitterte vor Zorn.

„DU! DU HAST DAS MAYLA ANGETAN! DAS IST ALLES DEINE SCHULD!“

Barry gab sich keinerlei Mühe sich zu wehren, ganz im Gegenteil, er schien paradoxerweise überglücklich.

„Mayla....Ah! Du kennst also Mayla, die Heulboje! Wie geht’s diesem Schwächling de...-“

„HALTE DEN MUND HABE ICH GESAGT!!“

Einige der Passagiere von unten sind nun bei diesem Geschrei neugierig geworden und sahen entsetzt zu, wie sich Fiona gerade an Barry vegriff.

Aber das könnte ihr im Moment kaum egaler sein.

Sie drückte noch stärker zu und Barry hing mit dem Oberkörper inzwischen halb über dem Wasser.

„He- Hey, vorsichtig! Du willst mich doch nicht versehentlich ertränken, hä?“, krächzte er nun ängstlich.

Sie starrte ihn voller Hass an, doch ließ ihn wenige Augenblicke später los.

Barry, inzwischen wegen des Würgegriffs leicht blau angelaufen, fiel auf den Boden und rieb sich halb keuchend halb lauthals lachend den Hals.

Voller Abscheu sah Fiona auf den Unmenschen vor ihr hinab.

„Ertränken!? Nein, du hast es nicht verdient still und heimlich unterzugehen! Ich will, dass du leidest, dass absolut jeder deine verdammten Schmerzensschreie hört! Dass jeder sieht, wie du in Flammen aufgehst und schließlich machtlos zusammenfällst!“

„Buahhaha! Buha...Buahahaha!“

„Ich will dich verbrennen!“
 


 

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Neue Karten:
 

Monsterkarten:
 

Sonnenkönig Gran Raey: Stufe 10, 1000Atk, 1000Def, Typ Pflanze, Attribut Feuer, Effekt:

Kann nicht als Normalbeschwörung beschworen werden. Diese Karte muss zuerst als Spezialbeschwörung beschworen werden, indem du ein Ritualmonster, das du kontrollierst als Tribut anbietest. Diese Karte kann nicht durch Kampf oder Karteneffekte zerstört werden. Diese Karte erhält Angriffs- und Verteidigungspunkte in Höhe der Summe der Angriffs- und Verteidigungspunkte aller Ritualmonster, die du kontrollierst. Einmal pro Zug: Lege eine Ritualzauberkarte von deiner Hand ab: Beschwöre ein Ritualmonster von deiner Hand oder deinem Friedhof als Ritualbeschwörung, indem du Monster von deiner Hand oder Monster, die du oder dein Gegner kontrollierst, mit der gemeinsamen Stufe gleich oder höher der Stufe des Ritualmonsters als Tribut anbietest.



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