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Yu-Gi-Oh! GY - The Blue Kingdom

von

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Ein halber Mensch

Mayla stand mit wackeligen Beinen ihrem dominanten Ra-Yellow-Gegner und seinem zombifizierten Tango-Tintenfisch gegenüber.

In seinem letzten Zug hatte Leroy die schreckliche, wahre Natur seines Decks offenbart:

Er hatte sein Ass-Monster beschworen, den finsteren Wiederkehrer, der in jedem Zug vom Friedhof aus ein gegnerisches Monster kopieren konnte.

Zudem lag auf Maylas Seite des Spielfeldes der rötlich-schimmernde Nebel von Leroys Des-Virus Z, der für die nächsten vier Züge Maylas Monster schwächen und nach der Zerstörung komplett kontrollieren würde.

Der Umstand, dass bis auf das fahle Mondlicht der gesamte Sliferplatz in Finsternis gehüllt war und lediglich das gequälte Fauchen und Gurgeln von Leroys Tango-Tintenfisch die Stille durchdrang, machte Maylas Lage nicht weniger furchteinflößend.

Um die beiden herum standen Fiona und Daniel sowie die beiden Slifer Reds des zweiten Jahrgangs, die mit Leroy zusammen Neulinge ausgetrickst und zu verbotenen Duellen mit Einsätzen gezwungen hatten.

Die Lakaien waren sichtlich erfreut, denn es sah ganz danach aus, als ob ihr Boss bald Maylas gesamtes Deck gewinnen würde.

Mayla: 2600 Lebenspunkte, 3 Handkarten, eine verdeckte Zauber- oder Fallenkarte.

Leroy: 4000 Lebenspunkte, 2 Handkarten, Wassertänzer Tango-Tintenfisch im Angriffsmodus, Modusbeschränkungsgebiet.

Fiona erkannte, dass ihre Freundin unter Druck stand.

Wie in Trance starrte Mayla auf Leroys Zombiemonster, das eigentlich ihr gehörte und ihr soeben einen direkten Angriff verpasst hatte.

„Mayla, lass dir von dem Idioten keine Angst machen!“, rief Fiona ihr zu.

Daniel stimmte mit ein: „Nicht aufgeben! Du schaffst das!“

Mayla kam wieder zu sich und Leroy bemerkte das sofort.

„Fast schon süß, wie deine Freunde versuchen dir einzureden, dass du noch gewinnen könntest. Aber wahre Freunde hätten dich gar nicht erst antreten lassen“, er wandte sich von Mayla ab und blickte nun Daniel finster an, „Gerade du hättest wissen müssen, dass mich Anfänger nicht besiegen können.“

Daniel schluckte.

Natürlich hätte er Mayla von dem Duell gegen Leroy abgeraten, genauso wie es Erin und Fiona getan hatten, aber das war ihm nicht möglich gewesen.

Sie jetzt anzufeuern, war das Einzige, was er und Fiona noch tun konnten.

„Wie auch immer, ich setze noch zwei Karten verdeckt. Dein Zug!“

Zwei Zauber- oder Fallenkarten erschienen vor Leroy.

Mayla zog ihre Karte und versuchte gleich ein Gegenspiel aufzubauen.

„Ich rufe zuerst Wassertänzer Merengue-Muschel. Wegen deines Modusbeschränkungsgebiets tue ich das allerdings im Angriffsmodus!“

Wassertänzer-Merengue-Muschel: Stufe 2, 0Atk, 900Def.

Des-Virus Z befiel sofort Maylas Muschel Monster und die Schale wurde löchrig und verfärbte sich zu einem ungesunden Grün.

Wassertänzer Merengue-Muschel: 0Atk → 0Atk, 900Def → 400Def.

„Da ich nun ein Monster vom Typen Aqua kontrolliere, darf ich die zweite Merengue-Muschel gleich als Spezialbeschwörung dazu rufen!“

Wassertänzer Merengue-Muschel: Stufe 2, 0Atk, 900Def.

Wassertänzer Merengue-Muschel: 0Atk → 0Atk, 900Def → 400Def.

„Zwei Monster ohne Angriffspunkte? Ich glaube, die Kleine hat schon innerlich aufgegeben!“, kommentierte einer von Leroys Freunden blöde.

Aber Fiona und Daniel wussten es besser.

„Jetzt aktiviere ich den besonderen Effekt von einer meiner Muscheln: Indem ich Merengue-Muschel zurück auf die Hand nehme, darf ich eine Zauber- oder Fallenkarte auf dem Feld zerstören. Damit ist dein Modusbeschränkungsgebiet Geschichte!“, rief Mayla.

Maylas Monster schoss einen Wasserstrahl auf Leroys permanente Zauberkarte und Leroy antwortete sofort:

„Netter Versuch, aber vergebens! Ich aktiviere die Konterfallenkarte Spiegelbarriere! Wenn ein Effekt einer gegnerischen Monsterkarte eine meiner Karten zerstören würde, darf ich sie aktivieren um diesen Effekt zu negieren und die entsprechende Karte zu zerstören!“

Die Fallenkarte des Ra-Yellow deckte sich auf und um die Modusbeschränkungsgebiet-Karte bildete sich eine transparente Sphäre, die den auftreffenden Wasserstrahl direkt auf Wassertänzer Merengue-Muschel zurückwarf.

Mayla ließ sich nicht beeindrucken und deckte eine eigene Fallenkarte auf:

„Ich aktiviere ebenfalls eine Konterfalle: Wassertänzer-Ausfallschritt. Diese Karte negiert jeden Effekt jeder Karte, die eine meiner Wassertänzer-Karten zum Ziel nimmt und zerstört diese Karte. Damit landen sowohl deine Spiegelbarriere, als auch dein Modusbeschränkungsgebiet auf den Friedhof, Leroy.“

Mit verschrecktem Geklapper sprang die Muschel beiseite, woraufhin der abgeschossene Wasserstrahl eine Kehrtwende machte und nun Leroys Spiegelbarriere und Modusbeschränkungsgebiet zerstörte.

Beide Karten zersprangen und Leroy hielt sich die Arme vors Gesicht, um sich vor der Druckwelle zu schützen.

Daniel war von Maylas Doppelkonter sehr beeindruckt: „Super gemacht, Mayla! Du hast Leroy voll drangekriegt! Jetzt musst du keine Monster mehr im Angriffsmodus rufen!“

Fiona nickte Mayla anerkennend zu und beide lächelten.

Zwar hatte das Slifermädchen Leroy keine Lebenspunkte weggenommen, aber sein Ego hatte gerade erkennbaren Schaden erlitten.

In den letzten Nächten hatte er problemlos jede Taktik der Slifer-Red-Neulinge sofort durchschaut und entschärft, dies war das erste Mal, das er von einem seiner Opfer überlistet wurde.

Entsetzt und stumm stand der Ra aus dem zweiten Jahr dar.

„Diese Slifer-Göre hatte doch nur Glück gehabt, Boss!“

„Du besiegst die auch locker ohne dein Modusbeschränkungsgebiet!“, riefen ihm seine Komplizen zu.

Leroy ignorierte die Zurufe.

Glück? Auf keinen Fall! Mayla hatte ihre Konterfalle schon in ihrem ersten Zug gesetzt und auf den richtigen Zeitpunkt gewartet um sie einzusetzen. Das war eindeutig geplant gewesen.

„Gut...gemacht?“, stammelte ein fast versteinerter Leroy.

Fiona und Daniel rissen schockiert die Augen auf und auch die Slifer-Jungs von Leroy schauten nicht schlecht.

Hatte Leroy Mayla gerade ein Kompliment gemacht? Nachdem er im letzten Zug Mayla noch gedroht hatte, jedes ihrer Monster zu infizieren und gegen sie einzusetzen?

„Gut gemacht.“, sagte er diesmal selbstsicherer und schaute seine Gegnerin ernst an.

Mayla nahm das Kompliment mit einer kleinen Verbeugung an.

„Danke sehr für das Kompliment.“ antwortete sie.

Fiona schlug sich fassungslos die flache Hand an die Stirn und Daniel rang um passende Worte: „Was...? Wie..? Hat sie sich gerade bei dem Mistkerl bedankt? Bitte sag mir, dass ich mich verhörte habe. Fiona.“

Leider nicht.

Wie sie aus den Duellen zwischen Erin und Mayla wusste, konnte Mayla in Duellen durchaus energisch sein und sogar den einen oder anderen doofen Spruch raushauen, aber wenn sie ein ernsthaftes Lob von einem derart anerkannten Duellanten bekam, konnte Mayla wohl einfach nicht ihr gutes Benehmen vergessen.

„Hey, Frau Danke-sehr!“, rief Fiona etwas sauer Mayla zu, „Vergiss nicht, was hier auf dem Spiel steht! Es geht in diesem Duell um dein Deck und die seltensten Karten unserer Mitschüler! Du sollst dich nicht mit dem Drecksack anfreunden, du sollst ihn so richtig fertig machen!“

Mayla wurde etwas rot vor Scham und setzte sogleich ihren Zug fort:

„Meine Merengue-Muschel hat erfolgreich ihren Effekt aktiviert und kehrt auf meine Hand zurück. Außerdem aktiviere ich den zweiten Effekt von Wassertänzer-Ausfallschritt: Jetzt darf ich den Typen meiner zweiten Merengue-Muschel verändern. Ich wähle den Typ Maschine!“

Wie geheißen sprang eine Muschel zurück auf Maylas Hand, die andere klapperte, während die Schale sich zu glänzendem Stahl verwandelte.

„Indem ich ein Monster vom Typ Maschine auf meine Hand zurückgebe, darf ich dieses Monster als Spezialbeschwörung rufen: Applaus für den großartigen Wassertänzer Robot-Rochen im Verteidigungsmodus!“

Das Hologramm eines Rochens in lässiger Hip-Hop-Kleidung erschien und das Monster führte zur Begrüßung einige mechanische Tanzbewegungen aus.

Wassertänzer Robot-Rochen: Stufe 5, 2000Atk, 2200Def.

Wegen der gefährlichen Virus-Wolke auf Maylas Spielfeldseite begann der fröhliche Rochen heftig zu husten und eitrige Ausschläge am ganzen Körper zu entwickeln.

Wassertänzer Robot-Rochen: 2000Atk → 1500Atk, 2200Def → 1700Def.

„Warum ruft Mayla ihren Rochen nicht im Angriffsmodus? Der ist doch trotz Des-Virus Z stärker als Leroys Zombie-Tintenfisch?“, fragte Daniel Fiona.

„Das wäre ein fataler Fehler, Daniel“, antwortete sie, „Du musst bedenken, dass Leroy seinen finsteren Wiederkehrer im Friedhof hat. Wenn Mayla jetzt den Robot-Rochen im Angriffsmodus offen liegen lässt, kann sein Wiederkehrer ihn ohne Probleme im Kampf zerstören. Dann würde Leroy wegen Des-Virus Z die Kontrolle über den Rochen übernehmen und Mayla wieder direkt angreifen.“

Daniel verstand Fionas Erklärung nur halb, aber er begriff, dass Mayla in diesem Duell sehr klug und vorausschauend handelte und das imponierte ihm.

Fiona war sich allerdings nicht so sicher.

„Ich hoffe du weißt, was du tust, Mayla. Selbst im Verteidigungsmodus wird Leroy der Wiederkehrer leicht einen Weg finden dein Monster gegen dich einzusetzen.“, dachte sie sich.

„Ich setze eine Karte verdeckt und beende ich meinen Zug.“, sagte Mayla und Leroy unterbrach sie gleich:

„Bevor du deinen Zug beendest, aktiviere ich den Schnelleffekt meines finsteren Wiederkehrers: Ich rufe ihn als Spezialbeschwörung aus meinem Friedhof und kopiere die Werte und den Effekt deines Robot-Rochens.“

Der dunkle Schlamm des finsteren Wiederkehrers formte auf Leroys Seite ein Abbild von Wassertänzer Robot-Rochen.

Finsterer Wiederkehrer: Stufe 5, 1500Atk, 1700Def.

„Ich bin dran“, sagte Leroy und zog.

„Ich muss sagen, Mayla, du hast mich ehrlich überrascht, du hast bewiesen, dass du dich besser duellieren kannst, als alle anderen Slifer-Neulinge. Aber letztendlich fehlt dir die nötige Erfahrung und deinen Rochen im Verteidigungsmodus zu beschwören wird der letzte Fehler sein, den du mit diesem Deck jemals gemacht haben wirst! Ich aktiviere den besonderen Effekt meines finsteren Wiederkehrers, den er von deinem Robot-Rochen übernommen hat: Indem ich diese Karte auf meine Hand nehme, darf ich eine offene Karte, die mein Gegner kontrolliert, zerstören. Das Ziel des Zerstörungseffekts ist dein Wassertänzer Robot-Rochen!“

Leroys Kopie des Robot-Rochens führte einen mechanischen Tanz aus, mit der letzten Bewegung feuerte der finstere Wiederkehrer eine Druckwelle auf Maylas Original ab.

Maylas Rochen zersprang.

„Der Effekt des Robot-Rochens verlangt, dass ich meinen finsteren Wiederkehrer zurück auf die Hand nehme. Außerdem aktiviert sich der Effekt von Des-Virus Z und ich beschwöre dein Wassertänzer-Monster als Zombie im Angriffsmodus!“

Der finstere Wiederkehrer verschwand und an seiner Stelle gesellte sich ein Zombie-Rochen mit herabhängenden Fleischstücken an seinen flügelartigen Flossen neben den Zombie-Tintenfisch.

Wassertänzer Robot-Rochen: 2000Atk, 2200Def.

Leroy hatte nun zwei Monster mit insgesamt 3400Atk im Angriffsmodus und Maylas Feld war leer.

Er lächelte selbstsicher und befahl schließlich mit einer ausladenden Armbewegung die Attacke.

„Zuerst greift dein Wassertänzer Robot-Rochen dich direkt an! Zeige keine Gnade!“

Der Zombie-Rochen fauchte wütend, während er auf das Slifermädchen zustürmte.

Mayla reagierte auf den direkten Angriff sofort:

„Noch habe ich nicht verloren. Ich decke die Fallenkarte Sprungfederfeld auf. Ich darf diese Karte aktivieren, wenn ich angegriffen werde, um so alle Monster die wir kontrollieren, auf unsere Hände zurückzuzwingen!“

Die besagte Fallenkarte deckte sich auf und der angreifende Robot-Rochen sowie Tango-Tintenfisch wurden von riesigen, aus dem Boden springenden Federn in die Luft katapultiert.

Die beiden Monster manifestierten sich dann als Monsterkarten in ihrer ursprünglichen, fröhlich bunten Form in Maylas Blatt.

Daniel ging das alles gerade zu schnell.

„Hey Fiona, warum sind den Wassertänzer Robot-Rochen und Tango-Tintenfisch zurück auf Maylas Hand gewandert? Sie standen doch unter Leroys Kontrolle?“

„Das liegt daran, dass Mayla die eigentliche Besitzerin der Karten ist“, erklärte sie ihm leise, „Sobald Karten das Feld verlassen, egal ob sie auf den Friedhof, ins Deck oder in die Hand gelegt werden, kehren sie zu ihrem eigentlichen Besitzer zurück, egal wer sie kontrolliert.“

Fiona schämte sich ein wenig dafür, dass sie am letzten Zug ihrer Freundin gezweifelt hatte.

Mayla hatte dadurch, dass sie Robot-Rochen im Verteidigungsmodus gespielt hatte, Leroy dazu verlockt seinen finsteren Wiederkehrer zurück auf die Hand zu nehmen, von wo aus das Schlammmonster nicht mehr länger spezialbeschworen werden kann.

Außerdem konnte sie sich ihren Tango-Tintenfisch zurückholen und Leroys Feld für ihren nächsten Zug komplett leerräumen.

Das war ein schlichtweg geniales Manöver gewesen.

„Du schlägst dich super, Mayla! Seinen finsteren Wiederkehrer kann er jetzt vergessen!“, jubelte Fiona ihr zu und Mayla bedankte sich mit einem Lächeln und Nicken.

Jetzt meldete sich wieder einer von Leroys Schergen zu Wort: “Unglaublich, wie sich diese peinlichen Erstjahrgänge für einen mittelmäßigen Spielzug feiern. Die Kleine duellierst du doch easy an die Wan-“

„Halt deinen Mund!“, schrie ihn Leroy wütend an, „du Nichtsnutz kannst dich nicht einmal halb so gut duellieren wie sie, also zeig ihr gegenüber mal ein wenig Respekt!“

Der Slifer gehorchte und war sofort still.

Er wandte sich wieder seiner Gegnerin zu und sein gereizter Gesichtsausdruck wich seinem herausfordernden Grinsen.

Leroy hatte bisher in jedem seiner Duelle Spaß gehabt. Es hatte ihm Spaß gemacht, schwächeren Duellantinnen und Dueallanten Angst zu machen und ihnen ihre Karten wegzunehmen.

Es hatte ihm Spaß gemacht zu gewinnen.

Aber diesmal war der Spaß anderer Natur und es fühlte sich intensiver an als je zuvor.

Er konnte nicht anders als loszulachen.

„Großartig, wirklich großartig, Mayla, aber denke nicht, dass ich auch nur einen Millimeter nachgeben werde!“, brüllte Leroy und aktivierte seine letzte gesetzte Karte, „ich aktiviere die Falle unheilige Reanimation! Mit ihr darf ein beliebiges Monster als ein Monster vom Typen Zombie aus einem unserer Friedhöfe rufen! Ich wähle deine Flamenco-Forelle!“

Vor den Füßen des Ra-Yellow tat sich ein Spalt im Boden auf, aus dem sich mit einem wilden Fauchen und Gurgeln der zombifizierte Fisch langsam erhob.

Wassertänzer Flamenco-Forelle: Stufe 3, 1600Atk, 300Def.

„Wir befinden uns immer noch in meiner Battle Phase. Also los, Flamenco-Forelle, direkter Angriff!“

Die Forelle sauste auf Mayla zu und verpasste ihr einen pfeilschnellen Hieb mit der Schwanzflosse, der sie zum Aufschreien brachte.

Maylas Lebenspunkte: 2600 → 1000.

Mayla strauchelte und hielt sich mit großer Mühe auf den Beinen.

„Leider kann ein Monster, dass mit unheiliger Reanimation beschworen wurde, seine besonderen Effekte nicht aktivieren, allerdings darf ich dein Monster problemlos für eine Tributbeschwörung nutzen!“

Mayla, Daniel und Fiona mussten verzweifelt zusehen, wie Leroy sein stärkstes Monster wieder ins Spiel brachte.

Die kopflose Schlammkreatur stöhnte gequält, als der Junge sie im Verteidigungsmodus beschwörte.

Finsterer Wiederkehrer: Stufe 5, 800Atk, 100Def.

„Mit dem ultimativen Monster an meiner Seite ist mein Sieg nur noch eine Frage der Zeit.“, sagte Leroy und lächelte, „ich bin fertig, dein Zug, Mayla.“

Sie zog.

Mayla überlegte eine Weile und ging jede Karte in ihrem Blatt durch.

„Ich setze eine Monsterkarte verdeckt und beende meinen Zug.“

Wieder sprach Daniel Fiona an.

“Ich will ja nicht negativ sein, aber so langsam muss Mayla in die Offensive gehen. Sie hat Leroy bisher keinen einzigen Lebenspunkt abgeknöpft.“, zischte er ihr leise zu um Mayla nicht unter weiteren Druck zu setzen.

„Ich denke sie hat was anderes vor. Leroy sagt zwar, dass sein Sieg eine Frage der Zeit ist, aber ich denke eher, dass die Zeit für Mayla arbeitet“, flüsterte sie.

Daniel schaute sie kurz fragend an, verstand dann aber, worauf sie hinaus wollte.

Der rötliche Nebel des Des-Virus Z war inzwischen kaum mehr zu erkennen.

„Hm, kein spannender Zug, inzwischen habe ich ehrlich gesagt mehr erwartet“, urteilte Leroy harsch und zog selbst seine nächste Karte.

„Ich beschwöre das Monster Patient Zero im Angriffsmodus.“

Eine untote Frau im weißen Krankenhausnachthemd und mit blutverschmierten Lippen erschien.

Patient Zero: Stufe 3, 1300Atk, 100Def.

„Patient Zero greift jetzt sofort dein verdecktes Monster an!“

Das Monster eilte auf die verdeckte Karte, die sich aufdeckte und als Tango-Tintenfisch herausstellte.

Die Zombiefrau biss in den gelben Tintenfisch, der diese aber gleich mit einem schnellen Tentakelschlag von sich stieß.

Leroys Lebenspunkte: 4000 → 3200.

Mayla zeigte sich erfreut darüber, Schaden angerichtet zu haben.

„Was soll der Angriff? Leroy hat doch gewusst, dass Mayla ihren Tintenfisch mit seinen 2100 Verteidigungspunkten wieder auf der Hand hatte“, dachte sich Fiona.

„Mit deinem Tango-Tintenfisch habe ich gerechnet. Deshalb aktiviere ich jetzt von meiner Hand den Schnellzauber Dominoeffekt! Dieser praktische Schnellzauber erlaubt es mir, wenn ein Spieler Kampfschaden erleidet, ein Monster dieses Spielers zu zerstören. Außerdem darf ich Effektschaden in Höhe der halben Angriffspunkte des zerstörten Monsters erteilen. Damit verabschiedet sich Patient Zero also auch schon wieder!“

Energisch spielte Leroy seinen Schnellzauber aus.

Die untote Frau schrie auf und zersprang, was eine auf Mayla zuschnellende Druckwelle auslöste.

Maylas Lebenspunkte: 1000 → 350.

Das Slifermädchen konzentrierte sich voll darauf, den Spielzug ihres Gegners zu verfolgen, sie wusste inzwischen, dass es nichts Gutes verheißt, wenn Leroy seine eigenen Monster opferte.

„Wird Patient Zero vom Feld auf den Friedhof gelegt, darf ich eine beliebige „Virus“-Fallenkarte wieder in meine Zauber- und Fallenkartenzone setzen. Ich wähle natürlich meine Lieblingsfalle, den tödlichen Des-Virus Z und gebe gleich an dich ab!“

Die besagte Falle erschien nun verdeckt auf Leroys Spielfeldseite.

Leroys Schergen grinsten breit und Mayla ballte die Hand zur Faust.

Vor nun fünf Zügen hatte Leroy seinen Des-Virus Z aktiviert und sie hatte ihr Bestes getan, um so lange im Spiel zu bleiben bis der Virus seine Wirkung verliert.

Aber ihr Gegner hatte ihre passive Strategie durchschaut und einen Weg gefunden, seine Fallenkarte einfach erneut einzusetzen.

Leroy schaute mit verschränkten Armen seine Gegnerin an.

„Wie sieht dein neuer Plan aus? Weiter auf Verteidigung spielen und hoffen, dass du nochmal fünf Züge überlebst?“, höhnte Leroy sarkastisch.

Es war allen klar, dass das keine Option war, Mayla hatte inzwischen kaum noch Lebenspunkte übrig.

Ihr war Eines klar:

Wenn sie ihr Deck behalten und die Karten der anderen Sliferneulinge zurückgewinnen wollte, musste sie das Duell im nächsten Zug gewinnen.

Voller Entschlossenheit begann Mayla den finalen Zug und wurde sofort von Leroy unterbrochen.

„Zu Beginn deines Zuges aktiviere ich die soeben gesetzte Fallenkarte Des-Virus Z und biete zur Aktivierung meinen finsteren Wiederkehrer als Tribut an! Für diesen und vier weitere Züge verlieren deine Monster 500 Angriffs- und Verteidigungspunkte und wenn sie zerstört werden, darf ich sie unter meiner Kontrolle als Monster vom Typ-Zombie beschwören!“

Die Fallenkarte deckte sich auf und Leroys Wiederkehrer zersprang.

Der rote Dunst, der für einen Moment verschwunden war, breitete sich erneut auf Maylas Spielfeldseite aus und schädigte sofort ihren Tango-Tintenfisch.

Wassertänzer Tango-Tintenfisch: 1400Atk → 900 Atk, 2100Def → 1600 Def.

Dieses Manöver von Leroy war für keinen der Duellanten oder der vier Zuschauer eine Überraschung und Mayla setzte gleich fort:

„Ich starte meinen Zug mit dem besonderen Effekt von Wassertänzer Tango-Tintenfisch: Indem ich diese Karte vom Feld auf meine Hand nehme, darf ich ein Wassertänzer-Monster aus meinem Deck meiner Hand hinzufügen. Ich entscheide mich für die Flamenco-Forelle.“

Maylas Tintenfisch kehrte wie befohlen auf ihr Blatt zurück und ihr Deck mischte sich in der Dueldisk, nachdem sie eine Flamenco-Forelle herausgesucht hatte.

„Mein Tintenfisch bleibt nicht lange auf meiner Hand, ich rufe ihn gleich im Angriffsmodus“, sagte Mayla

Ihr Monster erschien erneut und musste wegen des Virus heftig keuchen.

Wassertänzer Tango-Tintenfisch: Stufe 4, 1400Atk, 2100Def.

Wassertänzer Tango-Tintenfisch: 1400Atk → 900Atk, 2100Def → 1600Def.

„Nun aktiviere ich von meiner Hand den Zauber Wassertänzer-Zugabe: Dieser tolle Zauber bringt ein beliebiges Wassertänzer-Monster vom Friedhof auf meine Hand. Danach darf ich den Typ eines meiner Wassertänzer-Monster auf dem Feld verändern. Also hole ich meine zweite Flamenco-Forelle auf die Hand und mache meinen Tintenfisch zu einem Pyro-Monster.“

Der Tintenfisch des Slifermädchens glühte rötlich und fuchtelte mit seinen Tentakeln, als sie ihre Zauberkarte aktivierte.

Mayla war noch nicht fertig.

„Da ich jetzt ein Monster vom Typ-Pyro kontrolliere, darf ich beide Flamenco-Forellen als Spezialbeschwörung rufen!

Die zwei bekleideten Fischmonster kamen mit einem kleinen Tänzchen auf das Feld.

Wassertänzer: Flamenco-Forelle: Stufe 3, 1600Atk, 300Def.

„Gut, du hast jetzt insgesamt drei Monster auf dem Feld. Aber deine Forellen infizieren sich ebenfalls mit dem Des-Virus!“, kommentierte Leroy und augenblicklich bildeten sich zahlreiche eitrige Blasen und Beulen auf den Fischkörpern.

Wassertänzer Flamenco-Forelle: 1600Atk → 1100Atk, 300Def → 0Def.

„Das tut nichts zur Sache, meine Monster haben insgesamt noch genug Punkte, um das Duell zu gewinnen“, entgegnete Mayla, „ich greife dich mit einer meiner Forellen direkt an.“

Daniel zählte innerlich kurz die Angriffspunkte zusammen:

„Zweimal 1100 macht 2200. 2200 plus 900 macht 3100, aber Leroy hat doch 3200 Lebenspunkte“, rechnete er im Kopf, bevor ihm der Effekt von Flamenco-Forelle wieder einfiel, mit dem Mayla 1000 Schadenspunkte anrichten konnte.

Als Maylas Forelle auf Leroy zu schwamm, aktivierte er den Effekt seines Monsters.

„Du hast deinen Zug nicht zuende gedacht: Jetzt aktiviere ich den Effekt meines finsteren Wiederkehrers aus meinem Friedhof und beschwöre ihn mit den Punkten und den Effekten deiner Flamenco-Forellen.“

aus düsteren Schlammklumpen formierte sich das Monster des Ra-Schülers und Maylas Forelle stand nun ihrer dunklen Kopie gegenüber.

Finsterer Wiederkehrer: Stufe 5, 1100Atk, 0Def.

„Wenn du mein Monster angreifst, zerstört sich gleichzeitig deine Forelle. Dann aktiviert sich der Effekt von Des-Virus Z und ich darf sie mit voller Kraft beschwören, sodass deine zweite Forelle sie nicht besiegen kann. Wenn du aber nicht angreifst, werde ich einfach den kopierten Effekt des Wiederkehrers nutzen um im nächsten Zug zu gewinnen!“, erklärte Leroy seiner Gegnerin, “Egal was du tust, ich nutze ich den Effekt von Flamenco-Forelle gegen dich und lösche deine restlichen Lebenspunkte aus! Du verlierst das Duell und dein Deck noch gleich dazu!“

Leroy gab sich selbstbewusst wie immer, aber seine Gedanken gingen in eine ganz andere Richtung.

Im Duellverlauf hatte ihn Mayla schon mehrfach überrascht und sie hatte neben ihren zwei Muscheln und dem Robot-Rochen noch exakt eine Karte in der Hand, die Leroy nicht kannte.

„Zeig mir ein letztes Mal, wie du das Spiel wenden kannst, Mayla. Ich will deine ganze Entschlossenheit spüren!“, dachte er sich und wartete gespannt auf die eine Karte, die das Mädchen noch retten könnte.

Daniel, Fiona und Leroys Slifer-Komplizen schaut still, aber hoch angespannt zu.

Mayla traf jetzt ihre finale Entscheidung.

„Aus meiner Hand aktiviere ich die letzte Karte dieses Duells: Den Schnellzauber Wassertänzer-Shuffle.“, sagte sie, zeigte die Karte vor und aktivierte sie dann.

„Mit dieser Karte darf ich ein Wassertänzer-Monster von meiner Hand spezialbeschwören, indem ich ein anderes Wassertänzer-Monster auf die Hand nehme. Damit tausche ich die angreifende Forelle gegen meinen Robot-Rochen aus. Außerdem verändere ich den Typen meiner zweiten Forelle und mache es so zu einer Fee.“

Der erste Fisch verschwand und wurde durch den sich mit einem mechanischen Tanz präsentierenden Rochen ersetzt, der gleich unter der Virus-Wolke leiden musste.

Wassertänzer Robot-Rochen: Stufe 5, 2000Atk, 2200Def.

Wassertänzer Robot-Rochen: 2000Atk → 1500Atk, 2200Def → 1700Def.

Gleichzeitig wandelte sich das rote Kleid der Flamenco-Forelle zu einem längeren, weißen Gewand.

Ein greller Lichtschein bedeckte ihre Wunden und ihr wuchsen schließlich kleine Engelsflügelchen.

„Robot-Rochen: Besiege den finsteren Wiederkehrer mit der rabiaten Rammattacke!“

Wie befohlen zerstörte der Rochen Leroys Monster.

Der Junge stöhnte, als er seine Lebenspunkte verlor.

Leroys Lebenspunkte: 3200 → 2800.

Er hatte nun keine Monster mehr, die ihn vor einem direkten Angriff schützen konnten, was Mayla gleich ausnutzte.

„Flamenco-Forelle und Tango-Tintenfisch, greift Leroy nun direkt an! Ich möchte eine furiose Flossenschelle und den Tentakel-Tumult sehen!“

Die angesprochenen Monster gehorchten und griffen Leroy gleichzeitig an, der, bereits durch die vorherige Attacke geschwächt, ins Straucheln geriet.

Leroys Lebenspunkte: 2800 → 800.

„Es ist Zeit für den grandiosen Schlussakt, Leroy: Meine Forelle kehrt auf die Hand zurück. So darf sie dir 1000 Punkte Schaden zufügen!“

Der Feen-Fisch verabschiedete sich mit einem kurzen Himmelsgesang und hinterließ einen wachsenden Feuerball.

Der Ball wuchs an uns schoss schließlich auf Leroy hinab, der von der Wucht der Explosion umgeworfen wurde.

Leroys Lebenspunkte: 800 → 0.

„Boss!“, riefen beide Schergen entsetzt und halfen den am Boden liegenden Duellanten sofort hoch.

Mayla seufzte erleichtert, während sie ihre Dueldisk deaktivierte. Dies war das bisher härteste Duell ihres Lebens gewesen, das war sicher.

Plötzlich spürte sie, wie etwas oder vielmehr jemand sie von der Seite beinahe umstieß.

Fiona war auf sie zugerannt und hatte ihre Freundin gleich umarmt.

„Unglaublich, wirklich, du hast gekämpft wie ein Profi!“, jauchzte sie voller Freude und presste die kleine Mayla deutlich zu fest an sich.

An sich war eine Umarmung genau das, was Mayla gerade brauchte, aber Fiona hat wohl nicht daran gedacht, wie ausgepowert sie gerade war.

Auch Daniel konnte es nicht fassen.

Mayla hatte es tatsächlich geschafft.

Der berüchtigte Zombieduellant, Leroy der Wiederkehrer war gefallen und musste nun allen ihre Karten wiedergeben.

Leroy war inzwischen aufgestanden, strich sich eine ihm im Gesicht hängende Strähne wieder zurück und klopfte einige an der Uniform hängende Grashalme ab.

Er schien erstaunlicherweise nicht sonderlich wütend über seine Niederlage zu sein.

Er deaktivierte seine Disk und holte eine handvoll Duel-Monsters-Karten aus seiner am Gürtel hängenden Deckbox heraus.

Leroy ging auf Mayla zu und reichte ihr die Karten, woraufhin sie die Karten kurz durchzählte.

„Das sind aber nicht alle, oder? Ich weiß, dass du mindestens fünfzehn Akademieneulinge besiegt hast.“, fragte sie ihn.

„Das tut mir Leid“, sagte Leroy ehrlich, „das sind leider alle, die ich noch habe. Den Rest habe ich bereits Kevin gegeben. Aber...“

Er stockte kurz, drehte sich danach aber zu den Slifern aus dem zweiten Jahrgang um.

„Hey, Jungs! Her mit eurem Anteil, aber plötzlich!“, brüllte er.

„Wie bitte?“

„Boss, das kann doch nicht dein Ernst sein?!“

Doch es war sein Ernst.

„Ich rate mal, ihr wollt auf der Akademie bleiben? Das könnte sich aber als schwierig gestalten, wenn ich dem Lehrerstab erzähle, wie oft ihr in letzter Zeit gegen die Nachtruhe verstoßen habt.“, drohte er.

Zerknirscht gingen die beiden auf Leroy zu, drückten ihm jeweils drei Karten in die Hand und machten sich dann wortlos auf in Richtung Slifer-Red-Unterkunft.

Der Ra-Yellow-Schüler gab noch ein paar Karten aus einer zweiten Deckbox aus seiner Brusttasche dazu und drückte die Karten in Maylas andere Hand.

„Das sind die Karten, die ich von Kevin bekommen habe“, erklärte er, “Gib sie ihm und er gibt dir dafür vielleicht die seltenen Karten zurück, die ich mit getauscht habe.“

Daniel gesellte sich nun zu den dreien dazu:

„Wer ist denn dieser Kevin, von dem du ständig erzählst? Ich habe noch nie von dem Typen gehört. Ihr etwa?“

Auch Fiona und Mayla zuckten mit den Schultern.

Leroy erhob erstaunt die Augenbrauen.

„Na, Kevin! DER Kevin. Mann, der war zu meiner Slifer-Zeit noch bekannter als ich! Kevin ist wahrscheinlich der Schüler mit der größten Kartensammlung auf der ganzen Insel!“

Er kontrollierte die Gesichter der drei Slifer-Neulinge, aber keiner kannte ihn.

Er seufzte.

„Slifer-Red, zweiter Jahrgang, meistens auf seinem Einzelzimmer. Fragt notfalls einen von meinen Schwachköpfen.“, sagte er und spielte auf seine Komplizen an, „Seid aber vorsichtig, Kevin ist ein Opportunist durch und durch und alles andere als vertrauenswürdig.“

„Na, das sagt ja der Richtige!“, platzte es aus Fiona heraus und Leroy lachte ein wenig verlegen.

„Mir tut der ganze Ärger Leid, den ich euch bereitet habe, besonders dir, Mayla. Nimm das als kleine Wiedergutmachung.“

Leroy hielt ihr eine Karte entgegen, aber Mayla hatte noch beide Hände voll.

Sie schaute hektisch nach links und rechts, bevor Daniel und Fiona ihr die Kartenstapel abnahmen und Leroy schmunzelte ein wenig.

Mayla nahm sie.

Es war eine Zauberkarte.

„Gegen den Strom“, las Mayla leise, „ist das -?“

„Nein, nein“, winkte Leroy ab, „das ist kein Diebesgut. Aber ich denke, die Karte passt gut in dein Deck.“

Er stockte kurz.

„Mayla, du bist eine der besten Duellantinnen, die ich bisher erlebt habe und das sage ich nicht so daher. Hier an der Akademie gibt es viele Leute, die von ihrem Ehrgeiz ergriffen werden. Sie vergessen was es heißt wahren Spaß an einem Duell zu haben, den Nervenkitzel, der entsteht, wenn man im Kampf ausgetrickst wird. Sie vergessen wie intensiv die Bindung eines Duellanten zu seinem Deck ist und letztlich vergessen sie auch, wie weh es tut, wenn man diese Bindung mit Gewalt aufbricht. Aber Menschen wie du haben die besondere Fähigkeit Menschen wie mich wieder an all diese Dinge zu erinnern. Deshalb will ich dich unterstützen. Wenn die Halbjahresprüfung kommt, musst du alles geben und ebenfalls ein Ra werden. Und wenn du das geschafft hast, will ich eine Revanche. Auf die faire Tour, natürlich, keine Erpressereien oder Wetteinsätze.“

Nach der längeren Ansprache hätte Fiona Leroy am liebsten sarkastisch gefragt, ob er endlich fertig sei, aber ihr fiel auf, dass Mayla Leroys Anerkennung sichtlich gut tat.

Mayla sah ihn an und nickte.

„Ich freue mich schon darauf. Habe vielen Dank!“, sagte sie.

Es war schon spät geworden und die zurückgewonnen Karten sollten gemäß des Versprechens noch heute Nacht wieder ihren eigentlichen Besitzern übergeben werden.

Die drei Slifer verabschiedeten sich und machten sich auf den Weg zu ihrer Unterkunft.
 


 

°°°
 


 

„Hmpf, also wenn ihr mich fragt, hätte dieser Leroy ne saftige Strafe verdient“, bemerkte Fiona auf dem halben Rückweg, „Wenn unsere Mayla ihn nicht besiegt hätte, dann hätten er und seine doofen Kumpels noch das ganze Schuljahr über Mitschüler rausgelockt und um ihre Karten gebracht.“

„Also, ich glaube, dass ihm die Sache wirklich leid tat. Er wirkte aufrichtig und ich wüsste nicht welchen Sinn da eine Strafe noch groß haben soll, wenn er es so oder so nie wieder tun wird. Das schafft dann nur unnötiges Leid“, argumentierte Mayla.

Fiona Verstand Maylas Gedankengang, aber es kam ihr dennoch ungerecht vor, dass es für Leroy für das Erpressen von Mitschülern am Ende gar keine Konsequenzen gab.

„Mayla, manchmal finde ich dich ziemlich naiv!“

Daniel nahm an der Stelle Mayla gleich in Schutz:

„Mayla hat eben bewiesen, dass sie ganz und gar nicht naiv ist, sondern eine abgebrühte Superduellantin. Außerdem hat sie im Gegensatz zu uns den Mut gehabt das zu tun, was richtig ist!“

Mayla wurde wieder ganz rot.

„Habe vielen Dank, Daniel, aber so viele Komplimente machen mich etwas verlegen“, druckste sie.

„Tja, Pech gehabt. Wer einfach mir nichts dir nichts sein Deck zum Wohl anderer riskiert und Ras aus dem zweiten Jahrgang besiegt, muss meine Bewunderung eben über sich ergehen lassen.“, konterte Daniel und grinste Mayla dabei frech an.

„Warum hast du eigentlich deine Flamenco-Forelle am Ende zu einem Feen-Monster gemacht? Der Typ von dem Monster war doch am Ende völlig egal?“, fragte Fiona.

Mayla antwortete etwas trotzig: “Das war gar nicht egal. Ich finde, dass meine Forelle als Fee total niedlich aussieht. Das ist auch wichtig.“

Fiona und Daniel verkniffen sich unter schwersten Mühen ein Lachen über Maylas unorthodoxe Prioritäten.

Sie standen nun wieder vor der Sliferunterkunft.

Daniel kramte aus seiner Hosentasche eine Liste mit Namen von Slifer-Schülern und Duel-Monsters-Karten.

„Die habe ich heute Nachmittag angefertigt, als Erin angekündigt hatte, Leroy zu besiegen.“, erklärte er und warf dann einen Blick auf sein Smartphone, woraufhin er sich korrigierte, „gestern Nachmittag. Wer von euch beiden hilft mir beim Verteilen?“

Die Mädchen schauten ihn beide fragend an.

„Ich kann ja schlecht nach Mitternacht im Mädchenflügel rumspazieren und Leroys Opfer wachklopfen.“, erklärte Daniel und Mayla und Fiona verstanden sein Problem.

Die hilfsbereite Mayla meldete sich freiwillig, wofür Fiona heimlich sehr dankbar war, denn inzwischen konnte sie sich kaum noch wach halten.

Während sie den Flur entlang zum Dreierzimmer ging, konnte sie es kaum erwarten sich endlich in ihr Bett zu legen.

Im Zimmer angekommen sah Fiona, dass Erin sanft schnarchend mit dem Kopf auf dem Schreibtisch lag. Das Licht brannte noch immer und selbst der Stift war noch in ihrer rechten Hand.

Erin muss während des Schreibens vor Erschöpfung eingeschlafen sein.

So leise wie möglich schlich sich Fiona an den Schreibtisch und stolperte dabei im Halbdunkel fast über den auf dem Zimmerboden liegenden Haufen ihrer eigenen getragenen Uniformen.

Am Schreibtisch angekommen zog Fiona dann vorsichtig die von Erin geschriebenen Seiten unter ihrem Arm hervor und überflog Erins Aufsatz.

Von den mindestens acht Seiten hatte Erin etwas über sechs geschrieben, bevor sie nicht mehr konnte.

Fiona stand vor der schlafenden Erin, mit den Händen an die Hüfte gestützt und überlegte, ob sie ihre Freundin nicht wecken sollte.
 


 

°°°
 


 

Am nächsten Morgen klingelte der Wecker viel zu früh für die drei Mädchen.

Normalerweise würde Mayla aufstehen, um den Wecker auf dem Schreibtisch auszuschalten, da sie in der untersten Etage schlief, aber Erin war aufgrund ihres ungewöhnlichen Schlafplatzes ausnahmsweise näher am Wecker dran.

Erin rieb sich den Augen und stand auf, um sich zu ihren Freundinnen umzudrehen, wobei ihr sofort ein stechender Schmerz durch den Rücken fuhr.

„Ich werde nie wieder auf so einem dämlichen Holzstuhl schlafen!“, nahm sich Erin in ihren Gedanken vor.

Sie kniete sich runter zu Mayla, die noch in ihrem Bett lag und es kaum fertig brachte die Augen zu öffnen.

„Guten Morgen, Mayla. Wie ist dein Duell gestern ausgegangen? Ich hoffe doch, dass ich mein Deck noch besitze.“, fragte Erin neugierig nach.

„Hmgwonn“,nuschelte Mayla, die noch recht schlaftrunken war.

Erin freute sich riesig: „Du hast es geschafft? Wow, Mayla, du bist die Allerbeste! Eine richtige Heldin, du -“

„Mja, mja!“, entgegnete Mayla uncharakteristisch genervt und drehte sich gleich von Erin weg.

„Das musst du ihr vergeben, Erin.“, meldete sich die deutlich fittere Fiona zu Wort und kletterte aus der mittleren Etage hinab.

„Sie hat wie versprochen gestern noch den anderen Slifern ihre Karten zurückgegeben und musste sich zigmal anhören, wie großartig sie doch sei. Das wurde ihr glaube ich einfach zu viel des Guten.“

Erin konnte das nachvollziehen, sie wusste inzwischen, dass was Dank angeht Mayla ein wenig eigen war: Sie konnte prima Dankeschöns austeilen aber kaum welche einstecken.

Sie wechselte das Thema:

„Guten Morgen, Fiona. Weißt du, wo mein Aufsatz ist? Ich bin mir recht sicher, den gestern fertig geschrieben zu haben, aber auf dem Schreibtisch liegt der nicht mehr.“

Fiona schmunzelte.

“Ich habe ihn in deinen Rucksack gelegt, damit du ihn nicht im Schlaf versehentlich vollsabberst, oder so.“, stichelte sie.

Ein wenig beleidigt holte Erin insgesamt acht nummerierte Seiten aus dem Rucksack und stellte erstaunt fest, dass die letzten paar Sätze nicht von ihr stammten.

„Im Gegensatz zu unserer kleinen Schlafmütze kann ich mit Komplimenten umgehen, also Erin, ich bin ganz Ohr!“

„Hmpf! Hmpfbah!“, beschwerte sich die immer noch vor sich hin dösende Mayla.

„Danke! Wirklich, vielen Dank, Fiona!“, antwortete Erin und umarmte ihre Freundin sogleich.

„War ne Heidenarbeit deine Schrift halbwegs zu imitieren. Außerdem durfte ich deine letzte Seite komplett abschreiben, weil du am Ende kaum ein fehlerfreies Wort zustande gebracht hast, du Expertin!“, rügte Fiona spielerisch.

Während Erin sich das von Fiona geschriebene Ende durchlas, schnappte sich Fiona schonmal ihre Bürste, um ein wenig Ordnung in ihre feuerrote Lockenpracht zu bringen.

Als sie sah, dass Erin fertig gelesen hatte, wurde sie ein wenig ernster.

„“Duellieren bedeutet für mich neue Erinnerungen zu schaffen“, hast du geschrieben. Den Satz fand ich echt cool. Klingt megatiefgründig. Da hast du dir richtig Gedanken gemacht, was?“

Erin schaute traurig an Fiona vorbei, als sie ihr antwortete:

„Meine Mutter verstarb kurz nach meiner Geburt und ich habe auch keine älteren Geschwister oder Onkel oder Tanten. Ich wuchs also alleine mit meinem Vater auf und ich glaube, er war ein echt toller Vater. Dann, in einer Nacht vor etwa sechs Jahren gab es einen schrecklichen Brand in unserem Viertel. Auch mein Haus wurde komplett vom Feuer verschlungen. Mein Vater hatte mich wahrscheinlich durch das brennende Haus getragen und ist dann kurze Zeit später an seinen Brandverletzungen gestorben. Seitdem leide ich wohl an einer Art retrograden Amnesie. Ich kann mich also nur sehr schwer an etwas vor diesem Feuer erinnern. Ich habe keine Ahnung, wie meine Eltern klangen, rochen oder sich anfühlten. Ihr Aussehen kenne ich größtenteils von Bildern aus dem Fotoalbum meiner Oma. Manchmal gibt mir das das Gefühl nur ein halber Mensch zu sein, weil ich bisher nur Erfahrungen aus einem halben Leben habe, weißt du? Deshalb ist jede neue Erinnerung, die ich mir schaffe, so wertvoll für mich und außerdem...-“, Erin fasste sich an die um die Hüfte geschnallte Deckbox, „außerdem ist mein Deck, das Donnerklang-Deck, das Deck, das meine Mutter in ihrer Zeit als Duellantin benutzt hat. Auch wenn ich sie nie kennenlernen durfte, es gibt mir das Gefühl mit ihr verbunden zu sein. Dass sie auf diese Weise immer bei mir ist, weißt du?“

Fiona schluckte und Erin war den Tränen hörbar nahe.

Erins persönliche Geschichte war ihr definitiv zu heavy, erst recht um 6.30 Uhr am Morgen.

Trotzdem musste Fiona nun einfach nachhaken:

"Und obwohl dir dein Deck so wichtig ist, warst du dazu bereit es als Einsatz gegen Leroy zu verwetten?"

Erin nickte und wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel.

"Natürlich war ich das. Oma hat mir immer gesagt, dass für meine Mutter andere Menschen immer Vorrang hatten. Sie war eine überaus hilfsbereite, wenn nicht selbstlose Person. Wenn ich nicht genauso bereit wäre anderen zu helfen, dann hätte ich das Donnerklang-Deck sowieso nicht verdient."

Ohne etwas zu sagen, nahm Fiona ihre Freundin wieder in den Arm.

Es war still im Raum, nur das Rascheln von Maylas Decke war zu hören.

Nach einer kurzen Weile, löste sich Erin aus der Umarmung.

„Danke, Fiona, ich glaube, es geht wieder,“, sagte sie mit einem leisen Schluchzen, „außerdem müssen wir uns langsam fertig für den Unterricht machen und Mayla wach bekommen.“

Erin wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel.

Sie sah auf ihre noch dösende Freundin hinab und konnte in diesem Moment nicht anders als Mayla zu bewundern.

Sie war stark und das nicht nur als Duellantin.

Im Gegensatz zu Erin, die zumindest noch wenige vage Erinnerungen an die Zeit mit ihrem Vater und ihre geliebte Oma hatte, war Mayla von Anfang an alleine gewesen.

Und nochmal im Gegensatz zu Erin konnte sie von ihrer Kindheit im Heim erzählen, ohne sofort in Tränen auszubrechen.

Sie war wirklich stark.

Fiona grinste das schlafende Mädchen diabolisch an.

„Ich habe da eine Idee, wie wir sie wach kriegen, die Methode hat bei meinen kleinen Brüdern immer Wunder gewirkt.“, sagte sie geheimnisvoll, während sie sich an Maylas Fußende stellte.

„Pass auf, hier lernst du was, Erin!“, kündigte sie an und entriss der quengeligen Freundin mit einem flinken Ruck die Bettdecke.

Mayla stand fluchend auf und Erin und Fiona konnten nicht anders als loszulachen.
 

____________
 

Neue Karten:
 

Monster:
 

Wassertänzer Robot-Rochen: Stufe 5, 2000Atk, 2200Def, Typ Fisch, Attribut Wasser, Effekt:

(1)Wenn du ein Monster vom Typ Maschine kontrollierst: Du kannst diese Karte als Spezialbeschwörung von deiner Hand beschwören, indem du ein Monster vom Typ Maschine, das du kontrollierst deiner Hand zufügst. (2) Du kannst diese Karte, die du kontrollierst auf die Hand nehmen: Wähle eine offene Karte, die dein Gegner kontrolliert: Zerstöre sie.

Du kannst die (1) und (2) Effekte dieser Karte nur einmal pro Spielzug aktivieren.
 

Patient Zero: Stufe 3, 1300Atk, 100Def, Typ Zombie, Attribut Finsternis, Effekt:

Einmal pro Zug, wenn diese Karte vom Feld auf den Friedhof gelegt wird: Du darfst eine beliebige „Virus“-Fallenkarte aus deinem Friedhof aufs Feld setzen.
 

Zauberkarten:
 

Wassertänzer-Shuffle: Schnellzauber:

Wähle ein „Wassertänzer“-Monster, dass du kontrollierst: Füge es deiner Hand zu. Wähle dann ein „Wassertänzer“-Monster in deiner Hand und beschwöre es als Spezialbeschwörung. Du kannst ein „Wassertänzer“-Monster wählen, das du kontrollierst: Ändere den Typ des Monsters zu einem Typ deiner Wahl.
 

Dominoeffekt: Schnellzauber

Wenn ein Spieler Kampfschaden erleidet: Zerstöre ein Monster, dass dieser Spieler kontrolliert.. Füge deinem Gegner Schaden in Höhe der halben Atk des zerstörten Monsters zu.
 

Fallenkarten:
 

Wassertänzer-Ausfallschritt: Konterfalle

Wenn eine Karte, die dein Gegner kontrolliert eine „Wassertänzer“-Karte, die du kontrollierst zum Ziel nimmt: Negiere den Effekt dieser Karte und zerstöre sie.

Du kannst ein „Wassertänzer“-Monster wählen, das du kontrollierst: Ändere den Typ des Monsters zu einem Typ deiner Wahl.
 

Spiegelbarriere: Konterfalle:

Wenn ein Effekt einer Monsterkarte, die dein Gegner kontrolliert eine oder mehr Karte(n) zerstören würde, die du kontrollierst: Negiere den Effekt dieser Karte und zerstöre sie.
 

Sprungfederfeld: Normale Falle:

Wenn ein Monster, das dein Gegner kontrolliert einen Angriff deklariert:, füge alle Monster auf dem Feld den Händen ihrer Besitzer zu.
 

Unheilige Reanimation: Normale Falle:

Wähle ein Monster von deinem Friedhof oder dem Friedhof deines Gegners. Beschwöre das Ziel als Spezialbeschwörung. Ändere den Typen dieses Monsters zu Zombie. Negiere die Effekte dieses Monsters.



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