Rückkehr in das alte Leben!
Rückkehr in das alte Leben!
Einmal atmete Kagome tief durch, anschließend trat sie langsam aus dem Flieger. Nur zögernd lief sie den langen Gang zum Gate entlang. Die Hektik der anderen Passagiere teilte die junge Frau nicht. Ein ganzes Jahr hatte sie im Ausland verbracht. Doch nun musste sie wieder zurück in ihr altes Leben. Hier in Tokio hatte sie Verpflichtungen, die sie nicht länger aufschieben konnte. Kurz blieb sie stehen, als sie in der großen Empfangshalle angekommen war. Suchend wanderten ihre Augen über die verschiedenen Anzeigetafeln. Kurz orientierte sich die junge Frau. Mit ihrem Handgepäck bewaffnet lief Kagome den anderen Passagieren nach. Sie musste noch ihren Koffer holen. Ihre restlichen Habseligkeiten würden in den nächsten Tagen per Kurier gebracht werden. Wirklich viel hatte die junge Frau nicht mitgenommen, als sie abgereist war. Doch den Abstand hatte sie bitter nötig gehabt. Erneut ließ sie ihre Augen über die großen Tafeln wandern, schnell hatte sie das Gepäckband von ihrem Flug gefunden. Wartend stellte sie sich zu den anderen Personen.
Von ihr aus konnte es noch Stunden dauern, bis ihr Koffer vorbeifahren würde. Sie hatte niemanden mitgeteilt, dass sie am heutigen Tag landen würde. Am Flughafen würde keine Person auf sie warten. Noch war Kagome nicht richtig in ihr altes Leben zurückgekehrt. Und wenn die junge Frau mit sich ehrlich war, wusste sie immer noch nicht, ob sie dies wirklich wollte. Natürlich hatte Kagome ihre Familie vermisst. Doch die Geschehnisse vor einem Jahr waren noch lange nicht verarbeitet. Die Auszeit hatte sie genutzt, um abzuschalten. Ihre Probleme hatte sie weit von sich geschoben, doch nun war sie wieder hier und musste sich diesen stellen.
Zögernd sah Kagome auf die weiß lackierte Eingangstür, stand schon einige Minuten starr vor dieser. Diese Tür würde sie in ihre eigene Wohnung führen. Eine Wohnung die ein Jahr leer gestanden hatte. Kagomes Eltern hatten die Wohnung weiterhin für sie bezahlt, damit sie, wenn sie wieder nach Hause kam, einen Rückzugsort hatte. Doch gerade im Moment fühlte sie nur noch Kälte. Die Wohnung hatte für sie den Charm verloren. All ihre Wünsche und Träume hatten sich in Luft aufgelöst. Seufzend steckte sie ihren Haustürschlüssel in das Schlüsselloch und schob langsam die Tür auf. Vorsichtig tastete sie nach dem Lichtschalter und erhellte damit den dunklen Flur. Mit einem mulmigen Gefühl trat sie in die Wohnung ein und sah die Garderobe, an der keine Kleidung mehr hing. „Home sweet home“, flüsterte sie und las dabei die Worte ab, die sie zuvor an der Wand entdeckt hatte.
Früher hatte sie diesen Worten wirklich geglaubt. Doch nun fühlte sie dieses beklemmende Gefühl in ihrer Brust. Vielleicht war es doch keine gute Idee gewesen, in diese Wohnung zurückzukehren. Sie fühlte sich in diesen vier Wänden nicht mehr richtig wohl. Sie würde wohl eine neue Wohnung suchen müssen. Doch erstmal musste sie ihr Leben wieder in die richtigen Bahnen lenken. Doch dafür hatte sie noch ein paar Tage Zeit.
Müde fuhr Kagome sich über das Gesicht. Die Nacht war alles andere als toll gewesen. Immer wieder war sie munter geworden und hatte sich verwirrt umgesehen, ehe sie realisiert hatte, wo sie sich befand. Seit einer gefühlten Ewigkeit hatte die junge Frau nicht mehr so schlecht geschlafen. Doch noch länger wollte sie nicht in ihrem Bett bleiben. Sie musste wieder einen normalen Rhythmus bekommen. In Europa liefen die Uhren nun mal anders. Der Jetlag war alles andere als einfach wegzustecken. Definitiv musste sie sich erst wieder an den Zeitunterschied gewöhnen. Kurz lugte sie auf ihr Handy. Mit einem Lächeln sah sie auf das Display. Es war noch früher morgen. Kagome würde sich zunächst eine ausgiebige Dusche genehmigen. Anschließend würde sie sich anziehen und zu ihrer Familie aufbrechen. Mit ihrem Vorhaben im Kopf schälte sie sich aus ihrem Bett, streckte sich ordentlich, um ihre Knochen richtig zu wecken und hockte sich vor ihren Koffer auf den Boden.
Schnell hatte sie sich einige Kleidungsstücke herausgesucht. In Japan war es gerade Winter. Kagome hatte sich daher eine Jeanshose und einen Pullover raus genommen. Kurz musste sie schmunzeln, denn sie hatte die ersten Wochen des Jahres in Portugal verbracht. Die Temperaturen waren dort mild gewesen. Bei sonnigen fünfzehn Grad hatte sich Kagome die Gegend angesehen, nun musste sie sich erst an die doch sehr kalten zwei Grad in Tokio gewöhnen. Noch ein Grund, warum sie darüber nach dachte, ob ihre Entscheidung richtig war. Doch nun war sie nun mal wieder hier. Sie hatte diese Entscheidung getroffen. Ob diese die richtige war, würde die Zeit zeigen.
Lächelnd sah Kagome zur großen Steintreppe empor. Über ein Jahr war sie diese nicht mehr entlanggelaufen. Ein seltsames, aber aufgeregtes Gefühl machte sich in ihr breit. Seid sie in Tokio angekommen war, war sie nicht so freudig aufgeregt gewesen. Es war Sonntagvormittag. Im Normalfall trafen sich ihre Familienmitglieder an diesem Tag zum Brunch. Kagome würde also in wenigen Minuten ihrer kompletten Familie gegenüberstehen. Onkel, Tanten, Vater, Mutter. Sie alle hatte Kagome ein ganzes Jahr nicht gesehen. Nur wenige Telefonate hatte sie mit ihrer Familie geführt, dabei hatten sie und ihre Familie eine enge Verbindung miteinander gehabt. Doch Kagome hatte den Abstand gebracht, sie war ihren eigenen Weg gegangen. Mit klopfenden Herzen drückte sie auf den Klingelknopf. Nervös drückte sie die kleine Tasche, in der sich die Mitbringsel für ihre Familie befanden, an ihre Brust. Kagome hörte Schritte hinter der Eingangstür. Unweigerlich begann ihr Herz schneller zu schlagen.
„Ja bitte?“, wurde die Tür geöffnet. Doch nur Sekunden später sah Kagome in die großen Augen ihrer Mutter. „Hey, Mum“, begrüßte die junge Frau unsicher ihre Mutter. „Kagome…“, hauchte diese erleichtert und Kagome wurde von ihrer Mutter in die Arme gezogen. Diese genoss die Umarmung ihrer Mutter. Lange hatten sich die beiden Frauen nicht sehen können. „Warum hast du denn nichts gesagt?“ Mit diesen Worten löste sich ihre Mutter von ihr und hatte ihre Hände an ihre Wangen gelegt. „Ich wollte euch überraschen. Sind die anderen denn schon da?“, wollte Kagome mit einem Lächeln wissen. Nun wo sie wieder bei ihrer Familie war, fühlte sie sich gleich um einiges besser. „Ja, die werden vielleicht Augen machen. Mein kleines Mädchen ist wieder da.“ Kagome sah die kleinen Tränen in den Augen ihrer Mutter. Unweigerlich tat es ihr leid, dass sie sie so lange im Ungewissen gelassen hatte. „Komm erstmal rein“, sprach sie und trat anschließend zur Seite. Kagome freute sich wirklich sehr, erst jetzt wurde ihr bewusst, wie sehr sie ihre Familie doch vermisst hatte.
„Kagome!“ Schwungvoll wurde die Angesprochene von ihrem kleinen Bruder umarmt. Um sie herum erwachte ein wahres Stimmenwirrwarr, nachdem sie den Raum betreten hatte. Auch ihr Vater kam auf die junge Frau zu, schloss sie fest in seine Arme. „Du hättest dich melden sollen. Wir hätten mit dem Essen auf dich gewartet“, kam es etwas vorwurfsvoll von ihrem Vater, als er sich von ihr gelöst hatte. „Dann hätte ich die Überraschung verdorben. Hallo zusammen“, lächelte Kagome ihre Familie an. Es war schön sie nach der langen Zeit endlich wieder zusammen zu sehen. „Na die Überweisung ist dir gelungen“, meinte Kikyo und stand auf. Zu ihrer älteren Cousine hatte die junge Frau schon immer ein sehr gutes Verhältnis gehabt. Die beiden waren nur zwei Jahre auseinander und wie Schwester aufgewachsen. Dass Kikyo sie nach ihrer Rückkehr umarmte, freute Kagome besonders. Die beiden waren nicht gerade nett auseinander gegangen. Doch der Streit hatte sich scheinbar gelegt.
„Was hältst du davon, wenn du nun mit uns isst? Und währenddessen kannst du mir alles über deine Reise erzählen.“ Kagome rollte mit ihren Augen, wusste jedoch, dass wohl jeder neugierig war, wie es ihr in diesem Jahr ergangen war. „Gern. Ich habe zumindest die nächsten drei Tage nichts mehr vor“, kicherte Kagome, da sie erst Mitte der kommenden Woche ihren Dienst im Krankenhaus antreten musste. „Ich hole dir einen Teller“, hörte sie ihren kleinen Bruder, der auch schon aus dem Esszimmer lief. Er schien sich, wie auch der Rest der Familie, wirklich zu freuen und auch Kagome teilte diese Freunde, wenn auch nicht zu hundert Prozent.
„Und du hattest echt keinen einzigen Kerl?“, wollte ihre Cousine fassungslos wissen. Kikyo hatte noch nie ein Blatt vor den Mund genommen, selbst ihre Familie hinderte sie nicht daran. „Nein… ich bin auch nicht zum Männerfang ins Ausland gegangen“, stellte Kagome kopfschüttelnd klar. Immerhin hatte sie die Zeit dort genutzt, die verschiedenen Sprachen und Kulturen kennenzulernen. Männer waren für Kagome nicht von Bedeutung, vor allem nicht nach dem Geschehenen. „Ja schon klar, aber es hat doch sicher ein paar heiße Kerle gegeben, die dich gerne besser kennenlernen wollten“, zuckte Kikyo mit den Schultern. Kagome musste aufgrund ihrer Hartnäckigkeit herzhaft loslachen. „Nur dumm, wenn ich keinen Bock auf diese Typen hatte. Nein jetzt mal im Ernst, die Leute in diesen Ländern waren wirklich freundlich. Sie waren aufgeschlossen und so viel freier, als die Menschen hier in Tokio. Von Hektik keine Spur“, schwärmte Kagome. Tokio war schon immer eine schnelllebige Stadt gewesen. Die Menschen hatten oft keine Zeit und rannten förmlich durch das Leben.
In den letzten Monaten hatte Kagome gelernt das Schöne zu sehen und sich Zeit für das zu nehmen, was man liebte. „Ich will auch irgendwann ins Ausland reisen“, kam es beinahe schon traurig von ihrem Bruder. Kagome war sich sicher, dass es ihm genauso gefallen würde wie ihr. „Wenn du willst, können wir das tatsächlich machen, zumindest wenn Mama und Papa das zulassen“, munterte sie ihn auf. Sie war mittlerweile einundzwanzig, damit konnte sie frei entscheiden, was sie tun und lassen wollte. Für ihren dreizehnjährigen Bruder galt dies nun mal nicht. Zu mindesten noch nicht. „Vielleicht zeigst du uns allen ja irgendwann deine ganz persönliche Lieblingsorte“, zwinkert ihre Mutter ihr zu. Kagome hatte natürlich hin und wieder ein paar Bilder geschickt, auch jetzt sah sich ihre Familie staunend die Bilder auf ihrem Handy an. „Habt ihr Zeit für eine Weltreise?“, kicherte Kagome. Immerhin hatte sie so einige Länder besucht und Orte gesehen, die einfach unglaublich waren. „Wie wäre es, wenn wir erstmal klein anfangen“, minderte ihr Vater sofort die Reiselust seiner Frau. Er war noch nie gern verreist, liebte Tokio und das Leben darin. Für Kagome war es jedoch oft schwer in dieser Stadt zu leben. Sie liebte die Freiheit und die Natur. Ausflüge aufs Land hatten ihr so manche Tage gerettet. „Jaja. So schnell werde ich wohl sowieso nicht mehr ins Ausland reisen“, winkte Kagome ab. Ihr Erspartes war erschöpft, erstmal musste die junge Frau wieder ein bisschen Geld zur Seite legen.
„Und du willst wirklich schon wieder anfangen zu arbeiten?“, wollte ihre Tante misstrauisch wissen. Doch Kagome hatte keine andere Wahl. Ihre Ausbildung durfte sie leider nur für ein Jahr pausieren lassen. Wenn sie wirklich weiter ihren Traum folgen wollte, musste sie wieder zurück in ihr altes Leben. „Ja, Leben zu retten ist mein größter Traum. Ich werde nicht alles hinschmeiße nur weil es nicht so gelaufen ist, wie ich es mir gewünscht habe“, lächelte Kagome. Sie wusste aber auch, dass es alles andere als leicht werden würde. Schließlich würde sie im Krankenhaus unweigerlich auch ihrem alten Leben über den Weg laufen.
Eine bittere Pille!
Eine bittere Pille!
Müde streckte sich Kagome in ihrem Bett. Ihr Wecker hatte soeben geklingelt, sie aus einem unruhigen Schlaf geholt. Nachdem sie die letzten Tage zusammen mit ihrer Familie verbracht hatte, ging heute der Ernst des Lebens für sie wieder los. In knapp einer Stunde musste sie ihren Dienst antreten. Ein komisches Gefühl machte sich in ihr breit, als sie sich aus ihrem Bett hievte. Irgendwie war es aufregend, aber auch beängstigend, nach knapp einem Jahr wieder mit Patienten zu tun zu haben. Kagome musste fast vollkommen von Vorn beginnen. Die Leute mit denen sie vor gut zwei Jahren ihre Ausbildung begonnen hatte, waren nun nicht mehr in ihrem Jahrgang. Natürlich würde sie den ein oder anderen bestimmt in gemeinsamen Schichten sehen, doch wirklich dazu gehörte sie nicht mehr. Sie musste sich neu in eine bereits bestehende Gruppe einfinden.
Seufzend betrachtet sie sich im Spiegel, als sie sich ins Badezimmer begeben hatte. Sie sah müde aus, würde wohl so einiges an Make-Up benötigen, um dies zu verbergen. Schnell sprang sie unter die Dusche und stellte das kalte Wasser an. Das kühle Nass würde ihr bestimmt gut tun, um richtig wach zu werden, aber allen voran fitter, schließlich wartete ein langer Tag auf sie.
Tief atmete Kagome durch, bevor sie leicht an die Tür der Umkleidekabine klopfte, um auf sich aufmerksam zu machen. „Hallo“, grüßte sie ihre neuen Kollegen mit einem freundlichen Lächeln. In der Ausbildungszeit hatten die Krankenschwestern und angehenden Pfleger nur einen Gemeinschaftsraum, in dem sie ihre Habseligkeiten verstauen konnten. Duschkabinen und eine Umkleidekabine schlossen an den großen Raum an. „Hallo, meine Schönheit“, kam auch sofort ein dunkelhaariger junger Mann auf sie zu. „Ich denke nicht, dass ich dein bin“, konterte Kagome, da sie es sich nicht verkneifen konnte. Überrascht beäugt der junge Mann sie. „Hey, du musst Kagome sein?“, kam eine freundlich aussehende junge Frau auf sie zu. „Ich bin Shiori und das ist Koga, den kannst du aber getrost ignorieren“, stellte diese sie beide vor. „Ja, ich bin Kagome. Nach einem Jahr Auszeit darf ich heute wieder meinen Dienst antreten“, erklärte Kagome lächelnd.
Scheinbar hatten die beiden bereits gewusst, dass heute jemand Neues kommen würde. „Das haben wir in den letzten Tagen öfter gehört. Sango redet ununterbrochen von dir“, kicherte die junge Frau und auch Kagome konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. „Na dann sollte ich mich wohl besser umziehen, schließlich solltet ihr auch bereits wissen, wie Sango auf Verspätungen reagiert“, zwinkerte Kagome den beiden zu. Dennoch freute sie sich unheimlich Sango wieder zu sehen, auch wenn sie sich wohl eine Rüge abholen würde.
„Na? Doch ganz schön anstrengend, was?“ Kurz zuckte Kagome zusammen, als ihr ohne Aufforderung ein Arm um die Schultern gelegt wurde. „Ja, aber es macht wirklich Spaß wieder hier zu sein“, lächelte sie, aber sorgte gleichzeitig dafür, dass Kogas Arm von ihrer Schulter verschwand. Sie empfand es als sehr unangenehm, dass der junge Mann so ihre Nähe suchte. Dass er auch noch mit ihr zusammen eingeteilt worden war, machte es nicht unbedingt leichter. Auch die Patienten taten nichts, um Kagomes Unbehagen zu mindern. Oft sträubten sie sich bei ihren Behandlungen und sie musste um Hilfe bitten, um diese umlagern zu können. „Ich würde sagen, wir zwei gehen jetzt erstmal in die Pause. Anschließend müssen wir die Medikamente aufteilen und an die Patienten verteilen.“ Kagome nickte bei der Bemerkung nur. Koga tat fast so, als hätte sie zuvor nie in diesem Beruf gearbeitet. Sämtliche Dinge hatte er ihr noch einmal erklärt. Sie wollte ihn nicht blöd dastehen lassen und hatte sich alles geduldig angehört, auch wenn sie alles noch genau wusste. „Kommst du mit in die Mensa?“, fragte er anschließend. Doch wirklich Lust, noch mehr Zeit mit dem jungen Mann zu verbringen, hatte Kagome nicht. „Ich hole mir nur was Kleines. Ich würde mich lieber nach draußen setzen“, redete sie sich deshalb heraus.
Auf einen Aufenthalt im Kalten hatte er bestimmt keine Lust. „Ok… du sag mal, hast du eigentlich einen Freund?“ Erschrocken sah Kagome den jungen Mann an, während sie in die Mensa liefen. „Wieso fragst du?“, wollte sie wissen, auf so ein Gespräch war Kagome nun wirklich nicht vorbereitet gewesen. „Naja… man hört so einige Gerüchte. Stimmt es, dass du…“
„Ja, ich habe einen Freund und bin sehr glücklich mit ihm. Was das andere betrifft, lass es lieber“, stoppte sie den jungen Mann scharf. „Mir ist der Appetit vergangen“, schnauzte sie ihn weiter an. Für sie war dieses Gespräch gelaufen, sollten sie doch alle denken, was sie wollten.
Gedankenverloren lehnte Kagome an der Wand. Nachdem sie einfach so abgehauen war, wusste sie nicht so recht, was sie mit sich anfangen sollte. Sie war einfach in den Keller gelaufen, hier hatten sich sie und ihre Freunde im Jahr zuvor immer zurückgezogen und notfalls gemeinsam gelernt. Doch noch hatte sie keinen von ihnen gesehen. Sie fühlte sich nicht wohl bei dem Gedanken einfach so wieder in ihre Welt zu stoßen. „Hey… da bist du ja wieder.“ Überrascht sah Kagome auf, als jemand freudig auf sie zukam. „Shippo“, hauchte sie nur. Der junge Mann schloss sie sofort freundschaftlich in die Arme. „Wir haben schon gedacht, dass du deine alte Truppe schon vergessen hast, und lieber bei deiner Neuen bleiben willst“, meinte ihr alter Freund und zog sie hinter sich her, wobei sie eher stolpernd hinterher kam. „Leute schaut mal, wenn ich mitgebracht habe.“Schließlich blieben sie stehen. Auf die Lippe beißend schaute Kagome auf die kleine Truppe, die vor ihr auf den Krankenbetten saß und die Lehrbücher aufgeschlagen hatte. „Sie an… der Ausreißer hat auch wieder nach Hause gefunden“, verschränkte Sango ihre Arme vor der Brust. Sie schien es ihr immer noch übel zu nehmen, dass sie einfach ohne ein Wort verschwunden war.
„Es tut mir leid“, flüsterte Kagome. Sie hatte weder ihre Cousine noch ihre beste Freundin verletzten wollen. „Ich verzeihe dir…. Allerdings nur, wenn du heute Abend mit uns einen drauf machen gehst. Wenn du schon keine Abschiedsfeier bekommen hast, sollst du wenigstens eine Willkommen-Daheim Party bekommen.“ Kagome musste bei dem Gesichtsausdruck, den Sango soeben aufgelegt hatte, herzhaft loslachen. Ihre Bedenken waren wie weggespült. Alles fühlte sich immer noch wie früher an. „Wenn ihr bis acht warten könnt? Ich muss heute schon mal etwas länger bleiben“, kicherte Kagome, die schon in den ersten Stunden erklärt bekommen hatte, dass ein weiterer Kollege ihres jetzigen Jahrganges krank war und sie einige Stunden von diesen übernehmen müsste. „Klar und ich warte sogar auf dich, schließlich kennen wir deine Eigenschaften recht gut.“ Dass Sango auf ihre Aktion anspielte, war Kagome sonnenklar. Doch im Moment war ihr wirklich alles egal, sie fühlte sich hier bei ihrer Gruppe unheimlich wohl und aufgefangen.
„Kikyo ist also auch dabei?“, wollte Kagome wissen. Soeben schlenderten Sango und sie zu einer kleinen Bar, die nicht weit von dem Krankenhaus entfernt war. Sango hatte wirklich Wort gehalten und im Gruppenraum auf sie gewartet. „Jap, sie hat mich schon Sonntag angerufen, dass du wieder da bist.“ Kurz verdrehte Kagome ihre Augen. Natürlich hatte Kikyo sofort dafür gesorgt, dass ihre Freunde Bescheid wussten. „Bist du mir sehr böse?“, wollte Kagome leicht zögernd wissen. Immerhin hatte sie sich mit ihrer Aktion nicht gerade mit Ruhm bekleckert. „Nicht mehr. Kikyo war wirklich wütend gewesen. Wochenlang durfte ich mir anhören, wie unverantwortlich du gehandelt hast. Doch ich konnte dich auch verstehen. Nach allem, was passiert war, musstest du raus aus dieser Stadt. Wenn ich ehrlich bin, beneide ich dich sogar dafür“, gestand Sango ihr.
Vor Kagomes Augen huschten kurz die Bilder auf. Doch schnell schüttelte sie ihren Kopf. An das Vergangene wollte sie gar nicht denken. Es war Geschichte. Kagome wollte viel lieber im Hier und Jetzt Leben. Sie wollte nicht an morgen denken. „Lass uns lieber nicht mehr darüber sprechen. Für mich hat sich das Thema ein für alle Mal erledigt. Ich bin glücklich, so wie es jetzt ist.“ Mittlerweile konnte Kagome dies mit voller Überzeugung sagen. Vielleicht musste sie einst diesen Höllenweg gehen, um zu erkennen, dass es ohnehin nicht der richtige Weg gewesen war. Natürlich musste sie noch einiges in ihrem Leben ändern, doch damit würde sie sich in den nächsten Wochen auseinandersetzen.
„Willkommen daheim“, riefen alle im Chor. Kagome war wirklich gerührt, dass all ihre Freunde es sich nicht hatten nehmen lassen, ebenfalls zu ihrer kleinen Willkommensfeier zu kommen. „Danke Leute“, bedankte sich Kagome und nahm einen kleinen Schluck von ihrer Cola-Rum. Kurz verzog sie ihr Gesicht. Sie hatte noch nie gern Alkohol getrunken. Doch ihre Freunde hatten nicht aufgegeben, ihnen zuliebe trank sie wenigstens dieses eine Glas. „Sowas hättest du auch bei deinem Abschied haben können“, fast schon eingeschnappt kamen diese Worte über die Lippen ihrer Cousine. Kagome musste ein Seufzen unterdrücken. Nach der herzlichen Umarmung bei ihrem Wiedersehen hatte sie gedacht, dass ihre Cousine wieder besser gestimmt war. Doch scheinbar hatte sich Kagome hier getäuscht. Kikyo schien immer noch etwas wütend auf sie zu sein. „Kikyo… du weißt, warum ich damals gegangen bin. Ich konnte einfach nicht mehr hier bleiben“, stellte sie deshalb ein für alle Mal klar. „Hey… hier wird nicht gestritten“, kam es gleich mahnend von Sango. „Jaja…“, winkte Kagome ab. Auf einen Streit hatte sie ohnehin keine Lust.
Den ganzen Nachmittag wurde sie von diesem Koga nur so durch die Gegend gezogen. Alles hatte er ihr zeigen wollen, dabei kannte Kagome das Krankenhaus wohl besser als er es selbst kannte, hatten die beiden sich doch in der Aufregung von ihm etwas verlaufen. Nur durch Kagome hatten sie es schnell wieder in ihre Abteilung geschafft. Die Arbeit hatte wirklich Spaß gemacht. Dennoch war sie unendlich müde und ihre Beine schmerzten. Lange würde sie diesen Abend wohl nicht genießen können, auch wenn sie am nächsten Tag Nachtschicht hatte. „Ich hole mir mal ein Wasser.“ Mit diesen Worten stand Kagome auf. Das Getränk würde ihr sicher helfen, etwas runter zu kommen. Den Starrsinn ihrer Cousine konnte sie im Moment wirklich nur schwer ertragen. „Hey, kannst du mir bitte ein Wasser geben?“, bat sie den Kellner, als sie an der Bar angekommen war. Mit einem seltsamen Blick musterte er sie. Vermutlich war es einfach ungewöhnlich, dass man in einer Bar ein Wasser bestellte. Langsam drehte sie sich wieder zu ihren Freunden um. Blieb jedoch einige Sekunden an der Bar stehen. Argwöhnisch schaute sie auf ihre Cousine, die soeben einen jungen Mann mit weißen Haaren begrüßte. Nachdem sich die beiden auch noch geküsst hatten, war Kagome wirklich baff. Neugierig lief sie daher auf ihre Cousine zu.
„Hallo“, sagte sie einfach, als sie bei dem sich verliebt ansehenden Paar angekommen war. „Ah… da bist du ja wieder“, kam es auch sofort breit grinsend von Kikyo. „Kagome… das ist Inuyasha… mein Verlobter.“ Kagomes Augen weiteten sich. „Und das ist Kagome, Inuyasha. Meine allerliebste kleine Cousine“, säuselte sie anschließend. „Hey“, grüßte der junge Mann sie freundlich und reichte ihr seine Hand. „Hey. Schön dich kennenzulernen“, sprach Kagome und nahm seine Geste an. Sie war wirklich erstaunt. Kikyo hatte nie einen Freund erwähnt, geschweige denn einen Verlobten. „Und du planst also unsere Hochzeit?“, wollte er anschließend von ihr wissen. Verwirrt sah Kagome ihn an, wusste nicht von was er sprach. „Bitte was?“, kam es daher fassungslos über ihre Lippen. „Ach das habe ich dir noch gar nicht erzählt. Da du dies letztes Jahr so gut gemacht hast, würde ich dich gerne bitten, meine Hochzeit zu planen.“ Geschockt brachte Kagome kein Wort mehr über ihre Lippen. Dass Kikyo sie ausgerechnet um dies bat, riss ihr förmlich den Boden unter den Füßen weg. Sie sollte doch genau wissen, welch grausame Erinnerungen sie in diesem Moment in ihr aufriss.
Schikane und Wut!
Schikane und Wut!
Wütend schmiss Kagome ihre Tasche auf die kleine Anrichte in ihrem Vorzimmer. Nachdem Kikyo ihr mitgeteilt hatte, dass sie heiraten würden und sie für sie die Hochzeit planen sollte, war für Kagome der Abend gelaufen. Sie konnte nicht fassen, dass ihre Cousine so etwas von ihr verlangte. Doch Widerspruch hatte Kagome keinen geleistet. Sie wollte keinen Streit in der kleinen Bar anfangen. Dennoch musste sie noch einmal mit Kikyo darüber sprechen. Sie konnte doch nicht wirklich erwarten, dass Kagome sich diesen Stress noch einmal antun würde. Besonders weil sie das nicht für sich selbst tat. Um ihre Wut vielleicht doch ein wenig zu mindern, hatte Kagome einige Drinks hinuntergeschüttet. Doch bis auf das sie sich nun etwas benebelt fühlte, hatte der Alkohol nichts bewirkt.
Tiefer atmete sie nun durch, nachdem sie sich einige Sekunden kein Stück bewegt hatte. Der Arbeitstag war stressig gewesen, ebenso verlief die kleine Feier nicht zu ihrer Zufriedenheit. Entschlossen lief sie auf ihr Schlafzimmer zu. In ihrem Kleiderschrank suchte sie sich alles zusammen, um schnell unter die Dusche springen zu können. Das warme Wasser würde ihre Muskeln entspannen und vielleicht dafür sorgen, dass Kagome etwas zur Ruhe kam. Auch wenn sie nicht glaubte, dass ihre Laune in den nächsten Tagen besser werden würde.
„Du hast ihr nichts gesagt?“, verständnislos schüttelte Inuyasha seinen Kopf, nachdem er zusammen mit Kikyo in sein Auto gestiegen war. „Sie hat mir auch nicht gesagt, dass sie geht“, kam es trotzig von seiner Verlobten. Inuyasha entkam ein Seufzer. In der Hinsicht schien sie wirklich stur zu sein. „Und das kann ich vollkommen nachvollziehen“, entkam es seinen Lippen. Schließlich hatte Kikyo ihm die ganze Geschichte erzählt. Inuyasha wunderte es ehrlich gesagt, dass sie überhaupt noch zurückgekommen war. „Sie war mein zweites Ich. Ich habe alles mit ihr geteilt und dann verschwindet sie plötzlich. Nur eine blöde SMS schickt sie mir.“ Natürlich verstand er die Gefühle von Kikyo, doch er konnte sich auch in Kagomes Lage versetzen. Dieses Verständnis schien Kikyo nicht zu haben.
„Kannst du sie nicht wenigstens etwas verstehen?“, wollte er deshalb von ihr wissen. Immerhin waren sie bis vor einem Jahr ein Herz und eine Seele gewesen. „Doch. Aber ich hätte mir zumindest erwartet, dass sie mit mir darüber spricht. Ich wäre für sie da gewesen. Aber nachdem letztes Jahr alles so perfekt ausgesehen hatte, will ich das natürlich auch für mich. Inuyasha, ich habe keine Zeit diese Hochzeit großartig zu planen. Deshalb wünsche ich mir, dass Kagome meinen Wunsch erfüllt und die Hochzeit für uns plant.“ Skeptisch sah Inuyasha Kikyo an. Er hatte mitbekommen, wie Kagome sich nach der Bitte verhalten hatte. Begeistert hatte sie definitiv nicht auf ihn gewirkt. „Denkst du wirklich, dass sie mehr Zeit hat? Immerhin steckt sie mitten in ihrer Ausbildung.“ Inuyasha kannte die junge Frau nicht und dennoch wusste er so viel über sie. Kikyo hatte in den letzten acht Monaten nur von ihr gesprochen. Inuyasha hatte sich wirklich gefreut, endlich die Frau kennenzulernen, die seiner Verlobten so am Herzen lag. Doch das Treffen war anders verlaufen als erwartet.
„Kläre erstmal mit ihr, was dir nicht gepasst hat. Vielleicht wird sie dann deinen Wunsch erhören“, gab Inuyasha sich schließlich geschlagen. Mit Kikyo nun zu diskutieren hatte ohnehin keinen Sinn, sie hatte sich etwas in den Kopf gesetzt und würde alles dafür tun es auch zu bekommen.
„Guten Abend“, begrüßte Kagome missmutig ihre neuen Kollegen. „Was ist dir den über die Leber gelaufen?“, wollte Koga sofort von ihr wissen. „Du mit deiner hässlichen Visage“, konterte sie wütend. Dieser Typ war einfach die Pest. In Kagome stieg noch mehr Wut hoch als sie ohnehin schon in sich trug. „Hey… reiß dich ein bisschen zusammen“, verteidigte Shiori gleich ihren Kollegen. Kagome verdrehte dabei ihre Augen. Im Moment war sie einfach nur wütend. Am liebsten wäre sie am heutigen Abend gar nicht zu ihrer Nachtschicht angetreten. Doch schon am zweiten Tag konnte sie unmöglich fehlen. Nachdem sie ein Jahr Pause hatte, musste sie wieder eine Probezeit absolvieren. In den nächsten drei Monaten würde man sie Stück für Stück prüfen. Direkt zu Beginn einen auf krank machen, würde sie ihre Ausbildung sicher nicht fortsetzten können. „Ist ja schon gut. Tut mir leid“, quetschte Kagome deshalb wenig begeistert zwischen ihren Zähnen heraus.
Es war ihr egal, was die Anderen über sie dachten. Kagome war nicht hier, um mit ihnen Freundschaft zu schließen. Sie musste lediglich ihre Arbeit machen und das würde sie so wie schon vor über einem Jahr tun. Ohne die anderen noch eines Blickes zu würdigen lief Kagome an ihren Kollegen vorbei. Ihre Privatkleidung hing sie dabei in ihren Spint. Schnell waren der Pullover und die Jeanshose gegen das Arbeitsoutfit getauscht. Kurz überprüfte sie ihr Aussehen, steckte sich anschließend das Namensschild an, auf welchem ihr Vorname stand. Das Krankenhaus pflegte es die Personen mit Vornamen auszuweisen. So waren sie ihren Patienten einerseits näher und doch hatten sie nicht viele Informationen über sie.
Nachdem Kagome fertig angezogen war, lief sie zu der Tafel an welchem ihre Dienstorte und die dazugehörigen Ärzte notiert waren. Da sie mitten in ihrer Ausbildung stand, musste sie jede Abteilung durcharbeiten. Schließlich sollte sie sich irgendwann entscheiden, welche Abteilung sie später einmal ganz offiziell unterstützen wollten. Doch beim Blick auf die Tafel hätte es ihr fast die Sprache verschlagen. Was sie dort sah, grenzte förmlich an Schikane. „Das kann doch nicht sein Ernst sein“, fauchte Kagome und drehte sich wutentbrannt um. Mit schnellen Schritten verließ sie den Umkleideraum, hatte sie doch ein Hühnchen mit einer ganz bestimmten Person zu rupfen.
„Hast du sie noch alle?“, öffnete Kagome ohne vorher anzuklopfen das Büro des Stationsleiters. „Willkommen zurück, Kagome“, kam es breit grinsend von Naraku. „Ich habe dich was gefragt“, überging sie seinen Gruß einfach. Naraku und sie waren noch nie sonderlich gut miteinander ausgekommen. „Ja, ich habe sie noch alle“, zog er süffisant eine Augenbraue hoch. „Was soll das? Ich hatte extra eine Abmachung“, verlangte sie von ihm eine Antwort. Immerhin hatte sie vor ihrer Rückkehr mit dem Krankenhaus eine Absprache getroffen. „Wenn du deine Abmachung mit dem Krankenhausleiter machst und nicht mit mir, hat es keine Bedeutung. Du unterstehst nach wie vor noch mir. Und ich werde dich einteilen, wo ich will“, kam es mit strengem Ton von dem Mann. Für Kagome war es wirklich schleierhaft, wie er die Personalabteilung dazu gebracht hatte, ihm die Leitung der Krankenschwestern zu übergeben. In ihren Augen hatte er keine Qualifikation dazu, ein guter Chef zu sein.
Schon vor einem Jahr hatte diese Ansicht zu einigen Spannungen zwischen den beiden geführt. Nun schien sie jedoch die Quittung von ihm zu bekommen, da sie sich kurz vor ihrem Verschwinden über den Mann bei der Klinikleitung beschwert hatte. „Du kannst dich nicht einfach über die Abmachungen deiner Chefs stellen. Ich muss nicht mit Doktor Akitoki zusammenarbeiten“, stellte sie deshalb klar. Es gab nun mal Dinge, an die Naraku sich halten musste. „Tja, liebe Kagome… für heute Nacht schon.“ Wütend verengte Kagome ihre Augen. „Du bist die einzige, die am heutigen Tag Erfahrungen auf der Plastischen vorweisen kann. Du kannst natürlich gerne versuchen, dich heute noch bei der Klinikleitung zu beschweren. Allerdings schätze ich, dass du heute damit keinen Erfolg mehr haben wirst. „Du mieses...“
„Nana… sprich es aus und deine Ausbildung ist vorbei“, stoppte er ihren Wutausbruch. Tief atmete sie durch, weil sie sich auf keinen Fall von Naraku in die Enge treiben lassen wollte. „Für heute werde ich mit ihm arbeiten, aber noch einmal wirst du sowas nicht durch bekommen“, knurrte sie genervt. Vorerst gab sie sich geschlagen, denn sie wollte ihre Ausbildung richtig beenden. Doch schon am morgigen Tag würde sie dafür sorgen, dass so etwas nicht mehr passieren würde.
Mit wenig Lust klopfte Kagome an die Zimmertür, ehe sie das kleine Patientenzimmer betrat. In diesem waren zwei Patienten untergebracht, die soeben von dem Arzt kontrolliert wurden. Dieser schaute soeben in ihre Richtung und bekam große Augen. „Ich bin ihnen heute unterstellt, Doktor Akitoki. Kann ich ihnen hier irgendwie helfen? Oder soll ich bereits die Medikamente für die Nacht vorbereiten?“, kam es professionell von der jungen Frau. „Ähm... nein... du… du kannst schon mal in den Personalraum gehen, ich komme sofort nach“, kam es etwas überfordert von dem Mann. Scheinbar war er geschockt, sie dort anzutreffen. Vermutlich hatte er noch nicht mitbekommen, dass Kagome wieder im Dienst war, schließlich arbeitete sie erst seit einem Tag wieder im Krankenhaus. Nickend nahm sie seine Worte zur Kenntnis und verließ das Krankenzimmer wieder.
Erleichtert atmete sie aus, bevor sie das Zimmer betreten hatte, war sie wirklich angespannt gewesen. Sie hatte nicht gewusst, ob sie ihn anschreien würde, sobald sie ihn wieder sah. Doch Kagome hatte ihre Gefühle gut im Griff. Ihre Wut war zwar den gesamten Tag über greifbar, doch im Moment hatte sie kein Gefühl. All der Schmerz, die Wut und auch ihre Angst, alles war plötzlich so weit weg. Gewissenhaft begann sie damit die verschiedenen Medikamente, die auf dem Plan standen, her zu richten. „Kagome…“ Kurz blickte sie auf. Mittlerweile hatte es Doktor Akitoki ebenso in den Vorbereitungsraum geschafft. „Mit den Medikamenten bin ich bald fertig, gibt es etwas das dringend erledigt werden muss?“, wollte sie wissen und ging nicht auf die Verwunderung des Arztes ein.
„Nein, ich würde nur gerne mit dir sprechen.“ Kurz schluckte sie schwerer. Seit einem Jahr hatte sie kein Wort mehr mit ihm gewechselt. Sie wollte nichts von ihm hören, vor allem keine billigen und fadenscheinigen Entschuldigungen. „Lass es einfach. Du und ich haben nichts, worüber wir sprechen müssten“, kam es deshalb mit harten Worten von ihr. Ohne ihre Tätigkeit zu stoppen, verteilte sie die Medikamente weiter in die dafür vorgesehenen Boxen. „Mensch, Kagome. Kannst du bitte endlich damit aufhören mich zu ignorieren und so zu tun, als würden wir uns nicht kennen?“ Schwer atmend hatte der junge Arzt ihr die Liste aus der Hand weggenommen. „Würden Sie mir bitte die Liste wiedergeben?“, sprach sie aus und sah ihn das erste Mal länger als ein paar Sekunden an. Ein komisches Gefühl machte sich in ihr breit. „Wenn du mit mir sprichst, bekommst du sie wieder“, forderte er. Mit verschränkten Armen sah sie ihn an.
„Sprich“, brachte sie zwischen zusammen gepressten Lippen heraus. Egal, was er zu sagen hatte, es war ihr egal. „Es tut mir leid“, begann er sofort mit einer Entschuldigung. Fassungslos schüttelte sie den Kopf darüber „Was tut dir leid? Das du nicht den Arsch in der Hose hattest und es so weit kommen hast lassen? Oder, dass du mich heiraten wolltest?“, fuhr sie ihn ungehalten an. All die Wut und der Schmerz von vor einem Jahr war plötzlich wieder so wie vor so vielen Monaten. „Ich weiß, dass ich einen großen Fehler begangen habe. Ich hätte mit dir reden müssen, aber ich wusste einfach nicht wie.“ Diese Worte verblüfften sie noch mehr. „Du wusstes nicht wie? Aber mich am Tag unserer Hochzeit am Altar stehen zu lassen und mir zu sagen, dass du das nicht kannst, das fandest du richtig?“ Tränen standen in ihren Augen. Vor einem Jahr hätte sie Hojo am liebsten auf den Mond geschossen.
Über Monate hinweg hatte sie sich für ihre Hochzeit den Arsch aufgerissen. Geplant und gebastelt, damit jeder Gast auf seine Kosten kam. Doch als Hojo schließlich am Altar vor ihr stand und sagte, dass er das nicht könnte, wurde ihr der Boden unter den Füßen weggerissen. Bis zu diesem Moment dachte Kagome, sie hätte in dem drei Jahre ältere Mann ihren Traummann gefunden. Zwei Jahre hatten sie eine Beziehung miteinander geführt, bis Hojo vollkommen überraschend vor ihr auf die Knie ging. Ohne nachzudenken hatte sie ‘ja’ gesagt. Sie waren zusammengezogen, hatten ihre Wohnung gemeinsam ausgesucht und gestaltet. Doch noch am eigentlich schönstes Tag ihres Lebens hatte Hojo seine Sachen gepackt. Alleine hatte sie in die hochzeitlich geschmückte Wohnung zurückkehren müssen.
„Ich weiß, dass es scheiße war. Ich wollte dich nicht verletzen. Doch plötzlich ging alles so schnell. Ich war überfordert und wusste am Ende nicht mehr, was ich wollte“, versuchte sich der junge Arzt zu erklären. Doch für sie waren diese Ausreden mehr als scheinheilig. „Hör einfach auf zu reden. Ich habe damit abgeschlossen. Dass ich dich nicht geheiratet habe, ist vermutlich das Beste, was mir passieren konnte. Wenn du mich jetzt entschuldigen würdest, ein Patient braucht meine Hilfe“, brach sie an dieser Stelle das Gespräch ab. Das gerade die Patientenklingel losgegangen war, war für sie wirklich von Vorteil, da der Arzt sie so nicht mehr aufhalten konnte. Für sie war alles gesagt, als sie das Zimmer verließ, sollte Hojo doch in seinen Schuldgefühlen ertrinken. Kagome war schon längst darüber hinweg.
Noch nicht vergessen!
Noch nicht vergessen!
„Noch einer!“, lallend erhob Kagome ihr Glas und forderte vom Barkeeper einen weiteren Shot. Nachdem sie die Nachtschicht hinter sich gebracht hatte, war sie einfach ins Shikon gelaufen. Früher waren sie oft als Clique hierher gekommen. Doch am heutigen Morgen war sie allein. Erst wollte sie nur etwas runterkommen. Sich einige Drinks gönnen und anschließend nach Hause. Inzwischen war es jedoch später Vormittag. Kagome hatte die ganze Zeit damit verbracht einen Shot nach dem anderen runterzukippen, etwas das sie sonst nur sehr selten machte. Sie wollte einfach den Abend und die Nacht vergessen. Hojo hatte noch ein paar Mal versucht mit ihr ein Gespräch zu führen. Kagome hatte jeden Versuch sofort im Keim erstickt. Doch die gesamte Schicht über hatte sie versucht ihre Gefühle zu unterdrücken. All der Schmerz von damals war wieder hochgekommen. „Ich glaube du hast langsam genug.“ Kagome schaute den Barkeeper mit hochgezogener Augenbraue an.
„Ich sagte noch einer“, gab sie fordernd von sich. Kagome würde sich sicher nicht von einem Barkeeper sagen lassen, wann sie genug hatte. Kopfschüttelnd griff der Mann zu einer weiteren Flasche und füllte den köstlichen Tropfen in das kleine Glas. Anschließend schob er ihr das Glas herüber. Schnell schnappte Kagome sich dieses. Mit einer schnellen Begegnung kippte sie den Drink hinunter. Das Brennen in ihrer Kehle war eine willkommene Ablenkung von ihrem seelischen Schmerz. „Noch einen“, stellte sie das Glas wieder auf den Tresen ab. Am heutigen Tag wollte sie nicht an die nächsten Stunden denken. Sie gab sich vollkommen dem Alkohol hin und ihre Grenzen waren ihr dabei egal.
„Was sagen sie da?“ Kurz musste Kikyo das soeben erfahrene überprüfen. Sie konnte wirklich nicht glauben, was sie in diesem Moment gehört hatte. „Ihre Cousine ist hier und hat schon mehr als ein Glas zu viel“, wiederholte der Besitzer der Bar, dass eben gesagte am Telefon. Vor wenigen Minuten hatte dieser sie angerufen. Ein Seufzen drang aus Kikyos Kehle. Sie hatte noch nie so einen Anruf bekommen. Normalerweise war Kagome immer die Vernunft in Person. Dass ihre Cousine so über die Strenge schlug, besorgte sie sehr. „Ich kümmere mich darum“, versprach sie dem Lokalbesitzer. Seufzend legte sie ihr Handy weg, griff sich an die Schläfen und rieb sich diese. „Was ist denn los?“, wollte Kagura ihre Kollegin und Freundin von ihr besorgt wissen. „Ach… meine Cousine macht gerade Blödsinn“, teilte sie ihr mit.
Jedoch überlegte sie schon fieberhaft, was sie nun tun konnte. Sie war auf der Arbeit, einfach so von dieser verschwinden konnte sie nicht. Ebenso waren ihre restlichen Familienmitglieder im Moment mit ihren Tätigkeiten beschäftigt. „Oje… und was hast du jetzt vor?“, wollte Kagura interessiert wissen. Immerhin hatte sie keine Möglichkeit zu gehen. Kikyo musste unbedingt das Projekt, welches sie für ihre Firma erarbeiten musste, weiterbringen. Als Projektleitung konnte sie nicht einfach verschwinden und die Mitarbeiter behelligen. Sie musste ein Vorbild sein, wollte in ihrem Job alles geben und wenn möglich bald befördert werden. Ihr war der Job unendlich wichtig. Sie hatte lange und hart dafür gearbeitet diese Position zu bekommen. „Ich weiß es nicht“, seufzte sie deshalb. Selbst Sota würde im Moment noch in der Schule sein, vor allem bezweifelte Kikyo, dass Kagome mit diesem mitgehen würde.
„Ich glaub, ich habe eine Idee“, lächelte sie plötzlich. Im Moment waren all ihre Familienmitglieder beschäftigt, doch es gab eine Person, die soeben zu Hause war und ihr sicher gerne einen Gefallen tun würde.
Mit einem Schmunzeln betrat Inuyasha die kleine Bar und sah von weitem schon den Barkeeper der ziemlich erleichtert aussah. Er schien sich zumindest daran zu erinnern, dass Inuyasha zu der jungen Dame gehörte, die soeben am Tresen saß und fordernd einen weiteren Shot bestellte. Von diesem schien sie schon eine Menge bestellt zu haben, da sie doch ziemlich stark lallte. Scheinbar hatte er sich schwer getan, sie zu verstehen. Inuyasha hatte eigentlich nichts Schlimmes erwartet, als Kikyo ihn angerufen hatte und ihn bat Kagome von der Bar abzuholen. Sie war ziemlich kurz angebunden gewesen, hatte ihn nur die Kerninfos gegeben und anschließend aufgelegt. Dass Kagome so betrunken war, war für ihn ziemlich schlecht. Die junge Frau kannte ihn nur von ein paar kurzen Worten. Vermutlich würde sie eher weniger auf ihn hören, wenn er ihr sagte, dass sie bereits genug hatte und besser nach Hause ins Bett sollte. In dieses würde ihr Inuyasha bestimmt helfen müssen. Eilig lief er auf die Cousine seiner Verlobten zu, als diese sich wütend aufrichtete und drohte mit ihrem Sessel zu stürzen.
Mit einem gekonnten Griff hatte Inuyasha sie aufgefangen, verhinderte auf diese Weise womöglich eine Verletzung. „Hey“, protestierte sie gleich gegen seinen Griff, schob seine Hände von ihrer Taille weg. „Nicht anfassen“, vernahm er konzentriert. Die junge Frau funkelte ihn wütend an, schien ihn noch nicht erkannt zu haben. „Du hast genug. Ich bring dich nach Hause.“ Mit einem kurzen Blick deutete er dem Barkeeper ihm die Rechnung zu geben. Dieser schien mächtig erleichtert die junge Frau bald los zu sein. „Ich gehe nicht mit einem wildfremden Mann mit und schon gar nicht mit einem Möchtegern Gentleman“, plusterte sie sich auf und wollte sich schon wieder auf einen der Barhocker niederlassen. Doch so weit wollte es Inuyasha erst gar nicht kommen lassen. Kagome hatte eindeutig zu viel getrunken, es würde ihr ohnehin schon ziemlich elendig gehen, wenn sie wieder aufwachen würde. Definitiv konnte er nicht zulassen, dass sie noch mehr trank.
„Ich bin auch kein Fremder und ein Möchtegern erst recht nicht“, nahm Inuyasha ihre kleine Beleidigung teilnahmslos hin. Kagome wusste ohnehin nicht mehr, was sie gerade sprach. Mit einem Betrunkenen zu streiten, würde ihn auch nicht weiter bringen. „Kikyo hat mich geschickt, damit ich dich abhole. Ich möchte mir ungern anhören müssen, dass ihre Lieblingscousine nicht heil zu Hause angekommen ist“, erklärte er ihr artig, während er mit großen Augen die Rechnung bestaunte. Für eine Frau war Kagome durchaus eine geübte Trinkerin. Mit diesem Pensum hätte sie locker viele unter den Tisch befördert. „Stimmt so“, beglich Inuyasha die Rechnung einfach. In Kagomes Sachen wollte er auf keinen Fall stöbern. Er würde es einfach darauf beruhen lassen, immerhin war Geld ihm nie besonders wichtig gewesen. „Na komm schon, wir gehen“, stellte er sich anschließend vor sie. Sie schien nicht begeistert, vermutlich war Kikyo einer der Auslöser, warum Kagome sich derart zugedröhnt hatte.
„Ich will nicht“, kam es wie von einem trotzigen kleinen Kind, selbst eine kleine Schnute hatte sie gezogen. Inuyasha musste zugeben, dass er wohl nachgegeben hätte, wenn die Situation nicht schon so verfahren gewesen wäre. „Hey… runter lassen“, forderte sie. Inuyasha hatte keine Lust auf Spielchen, immerhin wartete daheim noch eine Menge Arbeit auf ihn. Ohne zu zögern hatte er sie einfach im Brautstil hochgenommen und trug sie aus der Bar. Erst vor dieser ließ er sie wieder hinunter. „Was soll das? Ich wollte noch feiern“, verschränkte sie ihre Arme vor der Brust. Kurz atmete Inuyasha tief durch. Am Temperament fehlte es ihr wirklich nicht und noch war er nicht in Reichweite seines Ziels.
„Ich gehe nicht mit.“ Leicht wacklig stand sie neben dem Auto, vor welchem sie der Mann abgesetzt hatte. Langsam dämmerte ihr auch, um wen es sich dabei handelte. Als er soeben in der Bar aufgetaucht war, hatte sie ihn nicht erkannt. Beim Namen ihrer Cousine hatte es jedoch Klick gemacht. Noch ein Grund warum Kagome nicht mit ihm mitfahren wollte. „Jetzt sei nicht so“, flehte er seufzend. Sie machte es ihm im Moment wirklich nicht leicht. Doch warum sollte sie auch? Ihr Leben war nicht gerade prickelnd in dem Augenblick. Langsam wünschte sich Kagome nie zurückgekommen zu sein. „Ich will aber nicht… alle wollen nur und keiner will mich verstehen“, fuhr sie ihn an. Tränen bildeten sich in ihren Augen. „Ich weiß… ich verspreche dir, sobald du zuhause bist, kannst du wieder tun und lassen, was du möchtest“, versuchte er es mit viel Verständnis.
„Du weißt gar nichts! Du hast keine Ahnung wie es ist, einfach vor dem Altar im Brautkleid stehen gelassen zu werden und ein lächerliches ‘es tut mir leid’ zu bekommen, wie es ist in eine Wohnung zu gehen in der man sich nicht mehr zu Hause fühlt oder wie es ist vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden“, brach nun endgültig bei ihr der Damm. Tränen begannen ihr über die Wangen hinunter zu rollen. Sie fühlte sich in die Enge getrieben. Sowohl von ihrer Familie als auch ihrer Arbeitsstelle. „Ich hätte einfach wegbleiben sollen“, fuhr sie schluchzend fort und rieb sich mit den Händen über die Augen. Dass sie in diesem Moment halb Tokio weinend auf der Straße sah, war ihr egal. Sie konnte einfach nicht mehr. Alles in dieser Stadt erinnerte sie an längst vergangene Zeit. Sie hatte sich eine andere Zukunft ausgemalt und war nun in einer Hölle gefangen.
Kurz zuckte Kagome zusammen, als eine Jacke über ihren Kopf gelegt wurde und sie vorsichtig an eine Brust gedrückt wurde. „Du hast recht… ich kann deine Gefühle nicht nachvollziehen, weil ich selbst so etwas noch nie erlebt habe. Aber ich weiß auch, dass du eine starke, junge Frau bist. Kikyo hat mir so viel von dir erzählt. Sie will dir nicht wehtun. Aber sie ist enttäuscht, dass du gegangen bist, ohne mit ihr vorher darüber zu sprechen.“ Kagome wusste auch ohne seine Worte, dass sie Kikyo damals ziemlich verletzt hatte. Doch vor einem Jahr war sie einfach Hals über Kopf abgehauen. Kikyo hätte es womöglich geschafft sie aufzuhalten, deshalb hatte sie ihr nichts erzählt. „Ich mache dir einen Vorschlag. Kikyo lässt sich nicht umstimmen. Sie möchte, dass du unsere Hochzeit planst. Aber ich kann mit dir dafür zusammen eine neue Wohnung suchen, wie klingt das?“
„Das schaff ich schon allein“, flüsterte sie leise. Mittlerweile war es ihr peinlich, dass der zukünftige Mann ihrer Cousine sie so im Arm hielt. „Bringst du mich nach Hause?“, fragte sie an seiner Brust. Kagome traute sich nicht den jungen Mann anzusehen. Langsam ließ der Alkohol etwas nach und sie wurde klarer im Kopf. Die kalte Januarluft schien ihr gut zu tun. „Klar. Dafür war ich doch hier“, hörte sie schmunzelnd. Mit einer geschickten Bewegung öffnete er seine Autotür und ließ sie einsteigen. In wenigen Sekunden hatte er das Auto umrundet und hatte am Fahrersitz platzgenommen. Mit gesenktem Kopf hatte sie ihm ihre Adresse mitgeteilt.
Kurz schielte Inuyasha zu der jungen Frau neben sich. Inzwischen war sie vollkommen still geworden. Ein Lächeln legte sich auf seine Lippen. Tatsächlich war sie eingeschlafen. Verwunderlich war das nicht, wusste er doch von Kikyo, dass sie eine Nachtschicht hinter sich gebracht hatte. Geschlafen hatte sie demnach sicher noch nicht. Kurz überlegte er und setzte anschließend den Blinker. Schnell stieg Inuyasha aus dem Auto aus, um in die Apotheke zu huschen. „Hallo. Was kann ich für sie tun?“, wollte man sofort von ihm wissen. „Hey, bitte einmal Kopfschmerztabletten und Aspirin-C Brause“, bestellte er einfach bei der Apothekerin. Für Kagome war es bestimmt nicht schlecht, wenn er schon vorsorglich für sie etwas nach Hause tun würde. „Dankeschön“, bedankte er sich, nachdem er die Medikamente erhalten hatte. Schnell lief er wieder zu seinem Auto zurück. Sie schlief immer noch und hatte seinen kleinen Ausflug nicht mitbekommen, sodass Inuyasha unbekümmert seine Fahrt fortsetzen konnte.
Etwas umständlich öffnete Inuyasha die Tür zur Wohnung der jungen Frau, nachdem er zuvor in ihrer Tasche nach dem Schlüssel gesucht hatte. Er hatte Kagome einfach nicht wach bekommen. Deshalb hatte er sie schlussendlich einfach die Treppen zu ihrer Wohnung getragen. Nach kurzem Zögern hatte er einfach ihre Tasche durchstöbert, da er sie sonst nicht in die Wohnung bekommen hätte. Er konnte nur hoffen, dass sie ihm diesen Umstand verzeihen würde. Kurz verschaffte er sich einen kleinen Überblick und lief einfach auf das Schlafzimmer zu, welches weit offen stand. Vorsichtig legte er sie in ihr Bett und deckte sie ordentlich zu. Kurz besah er sich die junge Frau. Die Tränenspuren waren nur zu deutlich auf ihren Wangen zu sehen, dennoch wirkte sie ziemlich friedlich, nichts erinnerte mehr an den Schmerz, den sie vor wenigen Minuten verspürt hatte. Inuyasha tat es wirklich leid, was sie durchmachen musste. Vorsichtig strich er ihr eine Strähne aus dem Gesicht.
Anschließend lief er in den Flur zurück und suchte sich einen Weg in die Küche. Dort schnappte er sich einfach eine Wasserflasche, die auf dem Tisch stand. Ein Glas fand er zum Glück an der Spüle stehend. In den Kästen wollte er unmöglich danach suchen. Schnell lief er wieder in Kagomes Schlafzimmer zurück. Mittlerweile war von der jungen Frau beinahe nichts mehr zu sehen, weil sie sich in ihre Bettdecke verkrochen hatte. Leise stellte er das Glas, das Wasser und die Medikamente auf das Nachtkästchen. Noch einmal kontrollierte er, ob alles in Ordnung war, anschließend schlich er sich aus der Wohnung, verschloss diese und hoffte, dass es ihr nicht allzu schlecht gehen würde, sobald sie wieder aufwachte.
Entschädigung!
Entschädigung!
Müde und mit einem Schädel für zehn Personen kroch Kagome unter ihrer Bettdecke hervor. Kurz kniff sie ihre Augen zusammen, da ihr Zimmer ziemlich hell erleuchtet war. Nachdem sie sich etwas gefangen hatte, suchte sie nach ihrem Handy. Ein Seufzen drang aus ihrer Kehle. Es war bereits später Vormittag. Sie hatte also fast zwanzig Stunden geschlafen. An das, was am Vortag passiert war, konnte sie sich nur bruchstückweise erinnern. Sie hatte ihren Kummer wortwörtlich ertränkt. Die Folgen bekam sie nun vollkommen zu spüren. Sie hatte unglaubliche Kopfschmerzen, dazu einen ekelhaften Geschmack in ihrem Mund und ein ungutes Gefühl in der Magengrube. Vorsichtig setzte sie sich in ihrem Bett auf. Noch war sie sich nicht sicher, ob sie sich überhaupt aus diesem quälen sollte. Überrascht schaute sie auf ihr Nachtkästchen. Kleine Bruchstücke flimmerten vor ihrem Auge auf. Inuyasha, Kikyos Verlobter, hatte sie abgeholt. Er musste ihr das Wasser und die Tabletten bereitgelegt haben. Kagomes Augen weiteten sich, sie hatte keinerlei Erinnerungen an das, was passiert war, nachdem er aufgetaucht war.
Hoffentlich hatte sie sich nicht vollkommen blamiert. Erleichtert nahm sie dennoch die Wasserflasche in die Hand und goss sich etwas von dieser in das bereits vorbereitete Glas. Kikyos Verlobter schien jedenfalls ziemlich gewissenhaft zu sein. Schnell schnappte sie sich die Kopfschmerztabletten, um diese mit einem großzügigen Schluck Wasser hinunterzuspülen. Tief durchatmend lehnte sie sich an das Kopfende ihres Bettes. Ihre Augen hatte sie geschlossen. Kagome hoffte, dass sie sich bald besser fühlen würde. Zum Glück hatte sie an diesem Tag frei. Kagome hätte ohnehin ihren Dienst nicht ausführen können.
„Hat gestern alles mit Kagome geklappt?“, wollte Kikyo von Inuyasha wissen. Das Paar hatte sich am Vorabend nicht mehr gesehen. Sie war spät nach Hause gekommen und er war bereits unterwegs gewesen. Als er von seinem Treffen mit seinem besten Kumpel zurückgekommen war, hatte sie schon friedlich im Land der Träume verweilt. „Ja. Nach einem kleinen Protest hat sie sich wirklich vorbildlich präsentiert“, dachte Inuyasha an die kleine Auseinandersetzung zurück. „Ein Glück, ich weiß wirklich nicht, was in sie gefahren ist“, atmete Kikyo erleichtert aus. Inuyasha biss sich auf die Lippe, denn er hatte am Vortag einen kleinen Einblick in Kagomes Gefühlswelt bekommen. Er hatte deutlich gemerkt, dass sie noch lange nicht über das Geschehene hinweg war. Kikyo wollte er dennoch nicht sagen, warum Kagome derart die Kontrolle verloren hatte. Kagome musste selbst mit Kikyo darüber sprechen. Er hatte nicht das Recht, es ihr zu sagen, vor allem wusste er nicht, ob Kagome das überhaupt wollen würde.
„Und wie war dein Treffen mit Miroku?“, lenkte Kikyo zu seinem Glück das Thema schnell auf etwas anderes. „Ganz ok. Er plant schon meinen Junggesellenabschied“, zuckte Inuyasha mit den Schultern. Er hätte gerne auf diesen verzichtet, schon allein, weil er wusste, wie Miroku drauf sein würde. „Ach… ich dachte, sowas willst du nicht?“, kam es sofort verwundert von Kikyo. Das Paar hatte zuvor ein paar Sachen besprochen, der Junggesellenabschied war auch darunter. Diesen hatte er damals schon konsequent ausgeschlossen. Sich schlussendlich jedoch von seinem besten Freund belabern lassen. „Miroku hat mich überredet. Aber keine Sorge, ich rede ihm schon den Unsinn aus“, beschwichtigte er sie sofort. Kikyo sollte sich nicht zu viele Sorgen machen. „Ach was, ein bisschen Spaß gehört nun mal dazu“, winkte sie zu seiner Überraschung ab. Er zuckte lediglich mit den Schultern, immerhin würde sie nicht gleich ausrasten, sollte Miroku ihn in einen Stripclub schleifen.
Etwas angespannt drückte Kagome auf die Klingel, auf welcher auch ihr Nachname zu finden war. Mit leichtem Wippen wartete sie darauf, dass ihr geöffnet wurde. Das bekannte Surren war nur wenige Momente später zu hören. Schnell lief sie in den großen, warmen Gang. Kikyos Wohnung war im Erdgeschoss. Kagome musste nur den langen Gang entlang laufen. „Hey, was machst du denn hier?“, begrüßte ihre Cousine sie lächelnd. Kagome hatte sich nicht für diesen Abend angekündigt. Hoffentlich würde sie ihre Cousine mit ihrem plötzlich Auftauchen nicht stören. „Ich wollte mich bedanken. Ich war gestern nicht ich selbst“, kam es reumütig von ihr. Es tat ihr leid, dass sie so über die Stränge geschlagen hatte. Vor allem, weil auch noch Kikyo damit behelligt wurde. „Ach was, auch wenn es mich sehr überrascht hat“, trat Kikyo einen Schritt zur Seite. Demnach schien es ihr nicht unangenehm zu sein, dass Kagome einfach auftauchte.
„Schatz? Wer ist denn da an der Tür?“, hörte sie eine Männerstimme, die sie unweigerlich schwer schlucken ließ. Obwohl sie gehofft hatte, dass Inuyasha ebenfalls anwesend war, nun war es ihr doch etwas unangenehm. „Kagome ist zu Besuch gekommen“, rief Kikyo durch den Flur, während Kagome sich artig ihre Schuhe im Flur auszog. „Hallo, geht es dir gut?“ Trat er mit einem kleinen Lächeln aus der Küche. Irgendwie schien die Rollenverteilung bei den beiden keine Klassische zu sein, da Inuyasha sich doch soeben seine Hände an einem Handtuch ab trocknete und eine Schürze trug. „Danke, wohl auch nur wegen dir“, gab Kagome leise zu. Die Tablette hatte nach gefühlt einer Ewigkeit zu wirken begonnen. Kagome hatte sich noch den restlichen Tag ausgeruht und sich anschließend auf den Weg zu ihrer Cousine gemacht. „Ist doch selbstverständlich. Ich bin froh, dass es dir nicht ganz so schlecht geht wie befürchtet“, lächelte er sie an. Inuyasha schien wirklich von Natur aus sehr nett zu sein. Kikyo hatte definitiv mit ihm einen Glücksgriff gemacht.
„Ich wollte euch nur schnell das hier vorbei bringen“, sprach Kagome und zeigte die kleine Tüte hoch. In der befanden sich ein paar leckere Kuchenstücke und ein Kuvert, welches für Inuyasha bestimmt war. Bevor sie zu Kikyo gekommen war, wollte sie in der Bar ihre Schulden begleichen. Kagome war wirklich überrascht, als sie hörte, dass der junge Mann für sie gezahlt hatte. Sie wollte ihm nichts schuldig bleiben, schließlich hatte sie es ihrer eigenen Dummheit zu verdanken, dass es so weit kam. „Du musst nicht gleich wieder gehen. Hast du schon etwas gegessen? Ich bin gerade am Kochen und für einen Dritten reicht es bestimmt noch.“ Kagome wusste nicht so recht, wie sie auf das Angebot reagieren sollte. „Ach komm schon, du hast doch ohnehin nichts mehr vor, oder?“, schien auch Kikyo diese Idee prima zu finden.
Früher, als Kagome noch nicht im Ausland gelebt hatte, hatten die beiden des Öfteren solche Abende verbracht, später war auch Sango dazugestossen. Kagome erinnerte sich daran, wie lustig sie es fand und wieviel Spaß sie dabei immer gehabt hatten. „Ok. Aber wenn ich störe, müsst ihr es mir unbedingt sagen“, lenkte sie in die Bitte ein. Sie wollte auf keinen Fall als Störenfried betrachtet werden. „Keine Angst, du störst nicht“, legte Kikyo ihr einen Arm um die Schulter und führte sie so in die große Wohnküche der geräumigen Wohnung. Auch wenn Kagome es ungern zugab, irgendwie fühlte es sich schön an abends nicht alleine essen zu müssen.
„Willst du noch Nachschlag?“, wollte Inuyasha mit einem kleinen Lächeln wissen. Es freute ihn, dass es Kagome zu schmecken schien. Er war nicht unbedingt ein begnadeter Koch, doch es machte ihm Spaß in der Küche zu stehen und etwas Leckeres zu zaubern. Da Kikyo mit Kochen ohnehin nichts am Hut hatte, blieb ihm auch nicht viel übrig, wenn er nicht nur Fertigprodukte essen wollte. „Nein danke, es hat auf jeden Fall hervorragend geschmeckt.“ Kurz tupfte sie sich ihren Mund mit der Serviette ab und legte diese anschließend auf ihren leeren Teller. Inuyasha freute sich ziemlich über dieses kleine Lob. „Wollen wir vielleicht auch noch die Kuchenstücke verputzen?“, fragte Kikyo händereibend in die Runde. „Ich passe“, schüttelte Kagome sofort ihren Kopf. Immerhin hatte sie am Morgen noch ziemlich mit ihrem Magen zu kämpfen. Daher wollte sie den Bogen nicht überspannen und vielleicht doch noch über der Kloschüssel landen.
„Und du, Inuyasha?“, fragte sie ihren Verlobten. Die beiden schienen wirklich eine harmonische Beziehung zu führen. „Ja, ich würde schon gerne ein Stück kosten.“ Sofort nach dieser Aussage machte sich Kikyo daran Teller vorzubereiten. Kagome bemerkte unterdessen, dass sie eigentlich nichts über den Zukünftigen ihrer Cousine wusste. „Woher kommst du eigentlich?“, wollte sie daher interessiert wissen. Schließlich würde er in wenigen Monaten ein Teil ihrer Familie werden. „Ursprünglich aus Tokio, meine Eltern sind aber mit mir und meinen Bruder nach Osaka gezogen, als ich noch ein Kind war. Nach meinem Studium hier in dieser Stadt habe ich beschlossen zu bleiben“, kam es ziemlich redselig von dem jungen Mann. Kagome konnte es nur recht sein, musste sie doch nicht allzu viel nachhaken. „Weil du Kikyo getroffen hast?“, wollte sie neugierig wissen. Wobei er nicht viel älter als sie aus sah. „Nein. Mein Vater wollte ohnehin unsere Firma ausweiten. Nun arbeite ich hier in unserer Zweitstelle und schaue nach dem Rechten.“
Überrascht sah Kagome den jungen Mann an. Sie hatte nicht erwartet, dass er schon eine führende Position inne hatte. „Und was für eine Firma habt ihr?“, fragte sie weiter. Immerhin schien er doch eine Menge Freizeit zu haben. „Mein Vater ist Gründer einer Immobiliefirma, wir bitten aber auch Inneneinrichtungen an.“ Kurz schluckte Kagome schwer, denn sie konnte sich wage daran erinnern, dass er ihr angeboten hatte, mit ihr eine neue Wohnung zu suchen. Nun wusste sie warum. Er saß sprich wörtlich an der Quelle. „Überlegst du es dir doch nochmal?“, grinste der junge Mann sie an. „Was überlegen?“, wollte Kikyo direkt neugierig wissen. „Kagome meinte gestern, dass sie sich eine neue Wohnung suchen wollte. Ich habe ihr angeboten, ihr zu helfen, doch das fand sie gar nicht so toll“, erklärte er Kikyo. Diese sah Kagome überrascht an. „Warum willst du eine neue Wohnung? Deine ist doch super toll und schön.“
Kurz biss Kagome ihre Zähne zusammen. Natürlich hatte sie dies vor über einem Jahr auch gedacht. Niemals hatte sie geahnt, dass es jemals so weit kommen würde, dass sie sich in dieser nicht mehr wohlfühlen würde. Doch ihre Empfindungen hatten sich mächtig geändert. Alles erinnerte sie an die gemeinsame Zeit von Hojo und sich. Wenn Kagome auszog, würde sie nicht mehr so oft an vergangenes Denken müssen. „Die Wohnung ist für mich allein einfach zu groß. Ich würde lieber etwas Kleineres beziehen“, redete sie sich bei Kikyo einfach raus. „Vielleicht komme ich doch noch mal auf dein Angebot zurück. Als kleine Entschädigung, weil ich euch beiden so viel Kummer bereitet habe, helfe ich euch bei der Vorbereitung eurer Hochzeit“, wendete sie sich Inuyasha zu. Diese Worte auszusprechen, fiel ihr alles andere als leicht. Doch sie musste darüber hinwegkommen.
Sie wusste, dass dieser Tag Kikyo wichtig war. Sie wollte, dass zumindest Kikyo ihren schönsten Tag der Welt hatte, wenn sie ihn schon nicht erleben durfte. Kikyo war es jedoch wichtig, dass Kagome in die Vorbereitungen einbezogen wurde. Auch wenn es ihr eine Menge Überwindung kostete, vielleicht konnte sie so endgültig mit allem abschließen. „Wie schön. Danke, Kagome“, fiel Kikyo ihr sofort freudig um den Hals. „Auf gute Zusammenarbeit“, lächelte auch Inuyasha, mit dem sie wohl oder übel einiges an Zeit verbringen musste.
Wünsche über Wünsche!
Wünsche über Wünsche!
Mit leicht offenem Mund starrte Kagome auf die Liste, die sie am Vorabend von Kikyo bekommen hatte. Nachdem sie sich dazu entschlossen hatte, ihrer Cousine bei der Planung der Hochzeit zu helfen, hatte sich Kagome einen kleinen Überblick machen wollen. Sie hatte Kikyo und Inuyasha deshalb gebeten, ihr eine Liste der Wünsche zu erstellen. Doch während Inuyashas Liste wirklich übersichtlich und klein gehalten war, war Kikyos Liste nicht ganz so bescheiden. „Eine Kutsche?“ Mit hochgezogener Augenbraue sah Sango über Kagomes Schulter, da sie die Listen doch mit auf die Arbeit gebracht hatte, um sie in der Pause durchsehen zu können. „Ja… und noch einiges mehr“, flüsterte Kagome. Langsam ließ sie ihre Augen über die einzelnen Wünsche gleiten. „Dass du dir das wirklich antust“, schüttelte Shippo verständnislos seinen Kopf. Die beiden hatten schon zuvor nicht nachvollziehen können, dass sie Kikyos Drängen nachgegeben hatte.
„Glaubt mir… im Moment wünschte ich mir, dass ich es nicht getan hätte.“ Definitiv hatte Kagome nicht damit gerechnet, dass Kikyos Wünsche derart hochgewachsen ausfallen würden. Diese Hochzeit zu planen, würde Kagome wohl einige Kopfschmerzen verursachen, vorallem weil sie deutlich unter Zeitdruck stehen würde. „Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Erfolg“, belächelte Sango sie. Immerhin schienen die Wünsche des Brautpaares um einiges auseinander zu gehen und irgendwie musste Kagome es schaffen all diese Wünsche unter einen Hut zu bekommen.
„Ja?“, nahm Inuyasha fragend den Anruf entgegen. Am heutigen Tag war er ziemlich im Stress. Er musste noch einiges für einen Termin vorbereiten und hinkte in seiner Vorbereitung etwas hinterher. „Du könntest ruhig etwas freundlicher Abheben, wenn du dich schon nicht von alleine meldest“, kam es in einem leicht vorwurfsvollen Ton aus dem Handy, nachdem er es auf Lautsprecher geschaltet hatte. „Tut mir leid, ich bin momentan ziemlich im Stress“, versuchte sich der junge Mann zu rechtfertigen. „Du hast nicht einmal fünf Minuten, um dich bei deiner Mutter zu melden?“, blockte seine Mutter den Erklärungsversuch einfach ab. Ein Seufzen drang aus seiner Kehle. „Du hast ja Recht. Was verschafft mir denn die Ehre?“, wollte er neugierig wissen. Immerhin schaffte es seine Mutter ebenso ihn nur selten anzurufen. Doch das ließ er lieber ungesagt. Damit würde er seine Mutter nur wütend werden lassen. „Na hör mal. Mein Kind will heiraten und dann auch noch eine für mich fremde Frau.“
Kurz rollte Inuyasha mit den Augen. Die Beziehung zwischen ihm und Kikyo war schnell verlaufen. Mehrmals hatte das Paar versucht ein Treffen zu organisieren, doch diese waren immer wieder gescheitert. Seine Eltern hatten also nie die Chance gehabt seine Angebetete kennenzulernen. „An uns liegt das sicher nicht“, stellte er mehr als deutlich klar. Im Endeffekt hatten seine Eltern immer wieder das Treffen abgesagt. „Ich weiß, deshalb wollte ich auch nachfragen, ob wir dich besuchen können?“, wollte seine Mutter erfahren. „Klar, ich habe euch doch gesagt, ihr könnt jederzeit vorbeikommen“, kam es wie aus der Pistole geschossen von ihm. Er musste nicht lange überlegen. Er hatte seine Familie schon Monate nicht gesehen und vermisste diese sehr. Doch Inuyasha hatte sich nun mal dazu entschieden in Tokio zu bleiben, mit all den Konsequenzen, die er dabei tragen musste. „Sehr schön, das wollte ich hören. Wir würden Ende der Woche vorbeikommen, Rin und Sesshomaru kommen natürlich auch mit“, freute sich seine Mutter.
Kurzzeitig war Inuyasha etwas überrascht. Seine Mutter schien wohl Nägel mit Köpfen machen zu wollen. „Perfekt“, freute er sich dennoch. Er war nun mal ein Familienmensch und ganz so leicht fiel es ihm nicht, dass er so weit von seiner Familie getrennt war. Sie nun endlich wiedersehen zu können erleichterte ihn sehr. „Dann freuen wir uns schon auf das Treffen. Bis bald“, verabschiedet sich seine Mutter. „Bis bald“, entgegnete Inuyasha und legte anschließend in dem Wissen auf, dass er seine Familie bald sehen würde.
Seufzend schaute Kagome auf ihre handschriftlichen Notizen. Wirklich viel war auf dieser nicht zu finden. Das baldige Hochzeitspaar hatte nicht viele Wünsche, die übereinstimmten. Lediglich die freie Trauung hatten beide einstimmig auf ihren Listen stehen. Sie würde wohl oder übel doch noch einmal das Gespräch mit dem Paar suchen. Sie musste herausfiltern, auf was die beiden verzichten konnten und was unbedingt sein sollte. Kikyo würde ihre Wünsche wohl oder übel ziemlich herunterschrauben müssen, zumindest wenn sie sich wenigstens etwas an ihrem Partner orientieren wollte. Für Kagome war es jedoch durchaus möglich, dass Inuyasha seine Wünsche hintenanstellen würde, nur um Kikyos Wünsche zu erfüllen. Für richtig hielt die junge Frau dies natürlich nicht. In einer Partnerschaft sollte man immer gleichberechtigt sein. Man musste wichtige Entscheidungen gemeinsam treffen. Die Hochzeit gehörte hier natürlich dazu.
Jedoch hatte sie das Gefühl, dass Inuyasha sich ziemlich zurücknahm. Schon als sie vor ein paar Tagen bei dem Paar war, hatte sie deutlich gemerkt, wie viel mehr Mühe er sich gab. Irgendwie waren die beiden ziemlich unterschiedlich. Doch vielleicht war es genau das, was den Reiz an dieser Beziehung ausmachte. Kurz flackerte Hojos Gesicht vor ihren Augen auf, schnell schüttelte sie deshalb den Kopf. An ihren Exverlobten wollte sie keinen Gedanken mehr verschwenden, es machte ihr schon zu schaffen immer und immer wieder mit ihm arbeiten zu müssen. Kagome hoffte, dass die Planung der Hochzeit sie so fordern würde, dass sie keine Zeit mehr hatte, um über längst Vergangenes zu grübeln.
Langsam und nachdenklich schwenkte Inuyasha sein Glas Rotwein. Zusammen mit Kikyo war er in ein nettes Restaurant gegangen. Seine Verlobte liebte solche Abende. Weshalb sie wöchentlich auf einen Dinnerabend bestand. „Ist alles in Ordnung?“, wollte sie wissen. Sie musste wohl bemerkt haben, dass er von seinem Essen nicht viel angerührt hatte. „Ja, ich habe heute nur mit meiner Mutter telefoniert“, antwortete er. „Oh, was hat sie denn gewollt?“, kam es neugierig von ihr. „Sie werden dieses Wochenende vorbeikommen.“ Kurz entglitten Kikyos Gesichtszüge. Inuyasha konnte sich auch schon denken, woran dies lag. Vor wenigen Minuten hatte sie von ihrem neuen Projekt auf der Arbeit zu sprechen begonnen. Ein Projekt, welches besonders ihre Wochenende einnehmen würde. „Aber… ich bin so gut wie nicht zu Hause“, kam es deshalb leicht stotternd über ihre Lippen.
„Tja… dann werde sie dich wohl erst zur Hochzeit kennenlernen“, entgegnete Inuyasha und nahm einen kräftigen Schluck aus seinem Weinglas, ehe er dieses wieder auf dem Tisch ab stellte. „Willst du noch einen Nachtisch? Mir ist der Appetit vergangen.“ Damit schob er seinen Teller weg. Nach der Ankündigung war Inuyashas Lust auf einen entspannten Abend vergangen. „Nein. Wir können nach Hause gehen.“ Vermutlich spürte sie seinen Unmut klar und deutlich. Inuyasha verstand den Arbeitseifer seiner Verlobten. Immerhin arbeitete er selbst viel und gern, doch manchmal wünschte er sich, seine Verlobte würde nicht jeden Job annehmen und hin und wieder etwas kürzertreten.
Schnell drückte Kagome auf den grünen Knopf, nachdem sie die Nummer ihrer Cousine herausgesucht hatte. Mit ihrem Handy am Ohr und einem Stift bewaffnet wartete sie geduldig darauf, dass diese abheben würde. Lange warten musste sie dafür zum Glück nicht. „Na Cousinchen… was ist los?“, kam es wie immer gut gelaunt von ihrer Cousine. „Deine Hochzeit“, kam Kagome ohne Umschweife auf das Thema zu sprechen, dass ihr in der letzten Nacht etwas den Schlaf geraubt hatte. Kikyos und Inuyashas Wünsche gingen einfach viel zu weit auseinander und der Zeitdruck machte dies nicht gerade besser. „Was ist mit ihr?“, wollte Kikyo sofort wissen. „Eure Wünsche? Habt ihr überhaupt einmal miteinander gesprochen?“, wollte Kagome entsetzt wissen. Immerhin sollte dieser Tag für beide unvergesslich werden. „Ernsthaft, Kagome? Ich habe im Moment andere Sorgen. Mach einfach, wie es dir und Inuyasha passt.“ Sprachlos hatte Kagome ihr Handy fast fallen lassen. Kikyo schien gereizt zu sein.
„Was ist dir denn über die Leber gelaufen?“, wollte Kagome daher perplex wissen. Bis eben hatte ihre Cousine noch bessere Laune gehabt. „Inuyashas Eltern. Sie wollen unbedingt dieses Wochenende hier auflaufen und mich kennenlernen. Ich bin nur leider bei einem wichtigen Event in der Arbeit eingeteilt worden. Ich werde also nicht gerade oft Zuhause sein. Inuyasha ist deshalb etwas angepisst, dabei habe ich doch nicht immer wieder diese Treffen davor abgesagt“, machte sie ihren Ärger Luft. Es schockierte Kagome etwas, zu erfahren, dass Kikyo ihre zukünftigen Schwiegereltern scheinbar noch nicht getroffen hatte. Immerhin würden sie in etwa vier Monaten eine Familie sein.
„Kannst du dir nicht wenigstens etwas Zeit freischaufeln? Kikyo, es sind deine baldigen Schwiegereltern und mit denen sollte man sich gut stellen“, versuchte sie ihre Cousine etwas zur Vernunft zu bringen. Immerhin konnte sie Inuyasha durchaus verstehen, denn Kikyo war auch schon früher sehr ehrgeizig gewesen, wenn sie etwas haben wollte. Was im Moment den Eifer ihrer Cousine auslöste, konnte sich Kagome schon denken. Es war schon immer ihr Traum gewesen, eine höhere Position in ihrer Firma zu bekommen. Einige Aufstiege hatte sie bereits hinter sich bringen können, doch es ging durchaus noch mehr, wenn man es denn wollte. „Kagome, fang du jetzt nicht auch noch damit an. Ich habe keine Lust mir irgendwelche blöden Fragen anhören zu müssen. Klar sie werden meine Familie sein, aber eben auch ganz weit weg.“ Ein Seufzen drang aus Kagomes Kehle. Bei Kikyo stieß sie wirklich auf taube Ohren.
So sehr sie ihre Familie auch schätzte, so sehr schien sie Inuyashas Familie abzulehnen. „Wenn du Fragen zur Hochzeit hast, wende dich bitte an Inuyasha. Er wird alle Termine mit dir wahrnehmen und entscheiden, was für unsere Hochzeit perfekt sein wird. Und jetzt entschuldige mich, ich muss weiter arbeiten.“ Ohne Umschweife legte Kikyo einfach auf. Kagome war wirklich überrascht, dass Kikyo ziemlich ungehalten sein konnte. Doch scheinbar hatte dieses Jahr nicht nur sie selbst verändert, auch an all die Menschen, die sie liebte, war die Zeit nicht spurlos vorbeigegangen.
„Es gibt zwei Dinge, die dich so schauen lassen… Kikyo oder deine Familie. Und da zweitere weit weg ist, schätze ich mal, dass es Kikyo ist.“ Mit dieser Aussage betrat sein bester Freund und Kollege sein Büro. Die beiden waren damals zusammen aus Osaka nach Tokio gekommen, um zu studieren. Nachdem Inuyasha entschieden hatte, hier zu bleiben, hatte auch er nicht lange überlegt. „Wohl eher beides im Moment“, seufzte Inuyasha. Die verfahrene Situation zu Hause machte ihm im Augenblick wirklich zu schaffen. „Na los, erzähl schon“, sprach Miroku und setzte sich ihm gegenüber. Frustriert lehnte sich Inuyasha in seinem Schreibtischstuhl zurück. „Meine ganze Familie kommt in zwei Tagen nach Tokio. Sie wollten ein paar schöne Tage hier verbringen und natürlich Kikyo kennenlernen, doch diese hat mal wieder etwas auf der Arbeit zu erledigen und möchte daher nicht noch zusätzlich mit meiner Familie Zeit verbringen“, klagte er Miroku sein Leid.
„Manchmal frage ich mich, was du an dieser Frau findest.“ Kurz funkelte Inuyasha seinen besten Freund böse an. Miroku hatte schon mehrmals geäußert, dass Kikyo nicht zu ihm passen würde. „Ich habe dir schon gesagt, dass du damit aufhören sollst. Ich liebe Kikyo und werde sie bald heiraten“, stellte Inuyasha klar. Auch wenn Miroku und er seid klein auf beste Freunde waren, hatte er nicht das Recht seine Entscheidung zu boykottieren. „Jetzt mal ernsthaft, Inuyasha… wie hast du dir das vorgestellt? Glaubst du ernsthaft, dass Kikyo ihren Beruf hinten anstellt, wenn es um Familie geht? Sie lässt so viele Verabredungen platzen, sorgt dafür, dass du immer weniger mit deinen Freunden unternimmst und am Ende lässt sie deinen Traum wie eine Seifenblase platzen.“
Nachdenklich wandte Inuyasha seinen Blick ab. Er wusste, sein Freund hatte in dem Punkt nicht ganz unrecht. Er nahm sich sehr stark zurück, nur um Kikyo zu gefallen. Doch war es wirklich so verkehrt, seine eigenen Wünsche hintenanzustellen, wenn der Partner dafür glücklich war?
Grobe Details!
Grobe Details!
Zufrieden klappte Inuyasha seinen Laptop zu. Deutlich schneller hatte er die heutige Arbeit hinter sich bringen können als gedacht. Kurz sah er auf sein Handy und stellte fest, dass er noch mehr als genug Zeit hatte. Nachdem Kikyo und er sich mehr oder weniger wieder vertragen hatten, hatte sie ihm eröffnet, dass Kagome bereits die Planung an ihrer Hochzeit angehen wollte. Aufgrund dieser Tatsache hatte Inuyasha seine Verlobte um die Nummer ihrer Cousine gebeten. Nur ungern wollte er ihr sämtliche Arbeit überlassen und sie diese auf sich schulterte. Deshalb hatte er die junge Frau einfach angerufen und mit ihr ein Treffen vereinbart. Dieses würde bald stattfinden. Er würde Kagome von ihrer Arbeit im Krankenhaus abholen und mit ihr zusammen in ein kleines Restaurant gehen. Dort hatten sie die Ruhe, um gemeinsam einige Dinge zu klären.
Anschließend würde er jedoch dringend nach Hause müssen. Seine Familie würde am heutigen Abend vorbeikommen. Da sie recht spät auflaufen würden, wollte er ihnen wenigstens eine Kleinigkeit zum Essen vorbereiten, doch dafür musste er erstmal einkaufen. Er würde Kagome einfach nach Hause bringen und dies danach erledigen. Kikyo würde wohl erst am späten Abend zu der kleinen Gruppe stoßen, weil dies seine Bedingung an seine Verlobte gewesen war. Sie musste nicht das ganze Wochenende mit seiner Familie verbringen, aber sie sollte sie zumindest kennenlernen. Erleichtert stand Inuyasha schließlich von seinem Schreibtischstuhl auf und streckte sich einmal, um seinen müden Körper wieder wach zu bekommen. Manchmal schlauchte es ihn wirklich immerzu am PC oder Laptop zu sitzen und seiner Arbeit nachzugehen. Doch er liebte seinen Job und damit auch die leider nicht ganz so schönen Aufgaben.
Noch einmal überprüfte er die Uhrzeit und schnappte sich schnell seinen Mantel. Er hatte viel zu lange in seinem Planen festgehangen. Nun musste er sich wirklich beeilen, wenn er Kagome nicht warten lassen wollte. „Ich bin Weg, Miroku… wir sehen uns am Montag“, verabschiedet sich der junge Mann noch von seinem besten Kumpel, wie er es immer tat. Im Anschluss verließ er das Gebäude, welches er erst zum Wochenstart wiedersehen würde.
Kurz schaute Kagome über den großen Park, der sich vor dem Krankenhaus befand. In diesem konnten sich die Patienten ausruhen und die warmen Sonnenstrahlen genießen, zumindest wenn es das Wetter zuließ. Sie freute sich schon auf die warmen Sommermonate, in denen sie zusammen mit Sango und Shippo ihre Pausen dort verbringen würde. Doch im Moment sah es hier alles andere als einladend aus. Noch war der Winter und die Temperaturen deshalb noch ziemlich kühl. Kagome drückte ihren Mantel dichter an ihren Körper. Das Warten machte es nicht unbedingt besser, doch zurück in das Krankenhaus und damit ins Warme, wollte sie auch nicht. Ihre heutige Schicht hatte sie mal wieder mit Hojo führen müssen. Immer wieder hatte er das Gespräch mit ihr versucht zu führen. Doch Kagome hatte nach wie vor kein Interesse an einer Aussprache.
Erleichtert atmete sie aus, nachdem sie Inuyasha aus einem dunklen Wagen steigen sah. Mit schnellen Schritten lief er auf sie zu. „Entschuldige, der Verkehr war einfach die Hölle“, entschuldigte sich der junge Mann bei ihr. „Ach macht doch nichts“, winkte sie ab, denn sie wusste genau, wie stressig der Verkehr in der Großstadt sein konnte. „Wollen wir gleich los?“, wollte sie wissen. Immerhin stand sie sich schon einige Minuten die Beine in den Bauch. „Klar“, lächelte er. „Kagome!“ Mit einem tiefen Atemzug überlegte die Angesprochene, ob sie ihren Namen einfach ignorieren sollte und demnach weiterlaufen sollte. Doch so leicht wie Kagome es sich vorstellte, wurde es ihr nicht gemacht. „Lass mich los“, entkam es ihr, da sie einfach an ihrer Schulter gepackt wurde. „Entschuldige, ich wollte dir nur dein Handy geben, du hast es liegen lassen“, sagte Hojo und reichte ihr das Gerät, da sie sich zu ihm umgedreht hatte.
„Danke.“ Nur widerwillig schaffte Kagome, ihm dafür zu danken. Kagome bemerkte Hojos Blick und spürte nur zu deutlich, dass ihm eine Frage auf der Seele brannte. „Ist noch was, Hojo?“, wollte sie deshalb angepisst wissen. Wieso machte es dieser Typ so schwer. Kurz schien ihr Exverlobter zu überlegen. „Hallo, ich bin Hojo Akitoki“, stellte er sich vor und reichte Inuyasha seine Hand. Völlig überrumpelt sah dieser zu ihr. „Inuyasha... Inuyasha Takahashi, nett Dich kennenzulernen“, entgegnete Inuyasha etwas perplex. „Sind sie Kagomes Freund?“, fragte er anschließend einfach weiter. „Ich…“
„Ja, er ist mein Freund und wenn ich ehrlich bin, würde ich jetzt gerne zu unserem Date aufbrechen. Wenn du uns also entschuldigst“, kam Kagome Inuyasha zuvor und schnappte sich mit einem aufgesetzten Lächeln Inuyashas Arm. Mit schnellen Schritten zog sie ihn zu seinem Auto. Sie wollte so schnell wie möglich von dort verschwinden, auch wenn sie ein schlechtes Gewissen hatte, weil sie soeben gelogen hatte.
„Wo wollen wir denn hin, SCHATZ?“ Mit einem breiten Grinsen sah Inuyasha zu Kagome, die sich sichtlich dafür schämte, ihn in dieser Weise ausgenutzt zu haben. Mit gesenktem Kopf drückte sie sich weit in den Autositz. „Tut mir leid“, kam es leise über ihre Lippen. „Schon ok. War das der Typ?“, wollte er wissen, weil es für ihn nicht schlimm war, dass Kagome gelogen hatte. Aussprechen für wen er den Typen hielt wollte er nicht, da er ahnte, dass der Schmerz garantiert noch tief in ihr saß. „Ja… aber was noch schlimmer ist, dass er ständig mit mir sprechen will. Ich mein… will man wirklich mit jemanden sprechen, den man am Altar stehen lassen hat?“, fing sich Kagome wieder. Kurz überlegt Inuyasha. „Wenn man es wieder gradebiegen will… ja…“, teilte er schließlich seine Einschätzung. Der Typ hatte auf ihn nicht so gewirkt, als würde er über Kagome hinweg sein. Eher war er geschockt darüber, dass Kagome scheinbar einen neuen Freund hatte.
„Da gibt’s nichts zum Gradebiegen“, stellte sie klar. Für sie schien diese Beziehung ein für alle Mal beendet zu sein. Inuyasha konnte dies jedoch nachvollziehen, sie musste damals den Schmerz ertragen und alleine vor die Hochzeitsgesellschaft treten. Er würde wohl auch nie wieder mit seiner Expartnerin sprechen wollen. „Noch immer Lust auf ein Restaurant?“, fragte er sicherheitshalber nach. „Lieber ein kleines Cafe, mir ist der Appetit vergangen.“ Mit seiner Vermutung hatte Inuyaha recht. Zielstrebig setzte er deshalb seinen Blinker. Ganz in der Nähe kannte er ein kleines Café, welches Kagomes Laune sicher wieder heben konnte.
„Hallo, wissen sie schon, was sie bestellen wollen?“ Lächelnd stand die junge Kellnerin vor ihnen. Kurz überflog Kagome noch einmal die kleine Karte. „Für mich nur eine Latte bitte“, schob Inuyasha die Karte schnell von sich. Kagome hingegen hatte schon etwas gefunden, was ihr Herz höher schlagen ließ. „Ich hätte gerne eine heiße Schokolade und dazu bitte eine Erdbeersahneschnitte“, gab sie ihre Bestellung mit einem Lächeln auf. „Wollen wir mal eure Wünsche vergleichen?“, fragte Kagome anschließend. Immerhin hatte es einen guten Grund, dass Inuyasha sie abgeholt hatte. „Gern, vielleicht können wir schon etwas ins Detail gehen“, freute er sich. Die Freude würde ihm bestimmt gleich vergehen. Nur einen Punkt hatten sie, den sie wirklich beide umsetzen wollten. Kurz kramte Kagome deshalb in ihrer Handtasche und hatte die zuvor angefertigten Listen darin verstaut.
„Ich würde dir erstmal Kikyos Liste geben. Vielleicht kannst du dich mit einigen Punkten anfreunden“, lächelte Kagome ihn an, blieb aber skeptisch. Immerhin waren Kikyos Wünsche nicht gerade klein. Inuyasha schien ebenfalls sofort zu verstehen, was Kagome ihm damit sagen wollte. „Ins Detail gehen wir heute wohl nicht?“, kam es daher etwas frustriert von dem jungen Mann, als er die Unterlagen annahm. „Nicht, wenn du nicht die Nacht mit mir hier verbringen willst“, entgegnete sie ihm. Kurz überflogen seine Augen die lange Liste seiner Verlobten. Kagome beobachtete Inuyasha genau, konnte immer wieder beobachten, wie er seinen Mund verzog. „Das wird eine lange Nacht“, seufzte er schließlich. Scheinbar hatte er nur wenig gefunden, dass seinen Wünschen entsprach.
„Jap… wobei… Kikyo hat mir einiges an Freiraum überlassen. Wir können also herausfiltern, was du ebenfalls haben möchtest und es etwas eingrenzen, so dass auch etwas nach deinen Vorstellungen geht“, versuchte sie ihm wenigstens etwas Mut zu machen. Ansonsten würde es doch nur in einem Desaster enden. „Na immerhin hat sie dir etwas Spielraum gegeben“, belächelt er die Situation, doch Kagome würde schon darauf achten, dass auch er auf seine Kosten kam, schließlich war es auch seine Hochzeit, die er hoffentlich positiv in Erinnerung behalten würde.
„Also die Kutsche kannst du gleich mal streichen“, entschied Inuyasha, nachdem er noch einmal über die Liste geschaut hatte. Kikyo hatte wirklich exklusive Wünsche. Mit allen würde sich Inuyasha sicher nicht anfreunden können. „Ok Vorschlag… Livemusik für die Hochzeit bis ca. zehn, danach könnte der DJ übernehmen“, versuchte Kagome ihr Bestes, um beide Seiten glücklich zu machen. „In Ordnung. Aber den Schokobrunnen lässt du weg.“ Irgendwie kam es ihm so vor, als würde er für seine Hochzeit verhandeln. „Geht klar. Darf ich auch etwas einbringen?“, wollte sie wissen. „Warum nicht“, zuckte er mit den Schultern. „Ich wäre für eine Schuhbar. Glaub mir die Frauen der Schöpfung werden euch dafür vergöttern.“ Kurz musste Inuyasha bei Kagomes Bemerkung lachen. Sie schien immerhin zu wissen wovon sie sprach. „Geht klar. Aber könnten wir das Essen lieber etwas traditionell oder einfacher halten?“, musste er einfach mit einbringen. Immerhin hatte seine Verlobte von Kaviar bis hin zum Fugu alles dabei, was an Exklusivität nicht zu überbieten war.
„Einverstanden, davon würde ich ohnehin nichts essen“, stimmte diesmal Kagome seiner Bitte zu. Inuyasha konnte dies nachvollziehen, auch er hätte bei Kikyos Essenswünschen nur schwer etwas hinunter bekommen. „Was ist mit der Torte?“, fragte Kagome nach und schaute ihn neugierig an, während sie den Stift hielt und nur darauf wartete, seine Wünsche zu notieren. „Die fünf Stockwerk sind ok, aber… Erdbeere muss dabei sein.“ Kurz hatte Inuyasha gezögert diesen Wunsch zu äußern. Immerhin hatte er dies soeben kurzfristig entschieden, um Kagome eine Freude zu machen. „Für die restlichen würde ich… Nuss, Schoko, Himbeere und Topfen oder Joghurt empfehlen“, schlug Kagome ihm vor. „Einverstanden, Schoko und Erdbeere für mich, Nuss und Himbeere für Kikyo und du darfst entscheiden ob Joghurt oder Topfen“, ließ er ihr die Wahl. Somit hatten beide ihre Wunschsorten in der Torte. „Dann Joghurt“, bestimmte Kagome einfach und notierte sich auch dies.
„Für die freie Trauung… wo soll diese stattfinden? In einem Schloss, wie Kikyo es will?“, wollte Kagome wissen. Kurz überlegt er. „Wenn es für dich ok wäre, würde ich gerne auf der Burg Matsumoto heiraten. Es wäre nur fair, wenn alle einen längeren Anfahrtsweg haben“, erklärte Inuyasha seine Entscheidung. Da Kikyo nur den Wunsch einer Burg oder eines Schlosses geäußert hatte, musste sie wohl damit leben. „Passt natürlich, nur muss ich mich beeilen, um noch einen freien Termin zu bekommen“, lächelte sie zuversichtlich. „Außerdem muss es Kikyo passen“, stellte sie anschließend klar. „Natürlich. Die Deko würde ich ganz dir überlassen, dir aber natürlich helfen.“ Kagome zog ihre Augenbraue hoch. „Wohl nicht so der Dekokönig“, schlussfolgerte sie genau richtig. Wenn es nach Inuyasha gehen würde, wäre in ihre Wohnung nicht einmal Polster auf der Couch zu finden. Dieser ganze Schnickschnack interessierte ihn nun mal nicht. „Nein… aber welcher Mann ist das schon?“
Kurz schüttelte sie den Kopf. „Wie wäre es mit Grün und Rottönen?“, ließ sie das zuvor gesagte unkommentiert. „Ist mir recht. Kikyos Wunsch nach einem Fotografen und Kameramann stimme ich zu. Im Groben war es das dann auch, oder?“, fragte Inuyasha etwas erschrocken nach. Durch das ausführliche Gespräch hatte er die Zeit komplett vergessen. „Ja. Hast du es eilig?“, wollte sie wissen und klappte ihre Notizen zu. „Meine Familie kommt heute und ich wollte noch für sie kochen“, lächelte Inuyasha sie an und winkte die Bedienung zu ihnen. „Ich hätte gerne die Rechnung“, bat er die Dame und musste sich wirklich sputen, wenn er pünktlich fertig sein wollte. „Wenn du willst, helfe ich dir“, bot Kagome ihm an. „Gern, natürlich kannst du auch mit uns essen“, überlegte Inuyasha nicht lange. Ein paar zusätzliche Hände würden bestimmt nicht schaden, zumal es sicher nicht schlimm wäre, wenn seine Familie auch Kagome kennenlernen würde, immerhin würde sie zur Familie gehören, sobald er und Kikyo erstmal verheiratet waren.
Ein lustiger Abend mit der falschen Frau!
Ein lustiger Abend mit der falschen Frau!
Schnell legte Kagome noch eine weitere Fischpackung in den Einkaufswagen. Nachdem Inuyasha sie zum Essen eingeladen hatte und sie ihm ihre Hilfe beim Kochen angeboten hatte, waren die beiden gemeinsam in einen kleinen Laden nahe seiner Wohnung gefahren. Hier hatten die beiden noch schnell die letzten Besorgungen für das Abendessen gemacht. „Haben wir alles?“, wollte er wissen. Immerhin hatte sie entschieden, was es am heutigen Abend geben sollte. Der Lachs in Zitronensoße mit Kartoffeln und Salat, war schnell zubereitet und jederzeit eine Köstlichkeit. Dazu würden sie noch Garnelen in Knoblauchsoße machen. „Kartoffeln und Zitronen habt ihr noch zu Hause?“, fragte sie sicherheitshalber noch einmal nach. Schließlich brauchte sie diese Zutaten, um die Gerichte fertig zu bekommen. „Ja, auch Sahne ist noch im Kühlschrank“, bestätigte Inuyasha das zuvor besprochene.
„Dann haben wir alles. Wann wollte deine Familie noch mal kommen?“, fragte sie nach. Immerhin würde sie doch etwas Zeit brauchen, um zu kochen. „In ein oder zwei Stunden, je nachdem wie der Verkehr läuft“, schaute er kurz auf sein Handy. „Perfekt, dann sollten wir zahlen und anschließend schauen, dass wir schnell kochen“, lächelte Kagome erfreut. Sie freute sich schon auf das Gericht und es zusammen mit Inuyasha und seiner Familie genießen zu können.
„Was brauchst du alles?“, wollte Inuyasha wissen. Zuvor hatten sie die Einkäufe auf der Arbeitsplatte verteilt. Er war etwas ratlos. Das Gericht, welches Kagome vorgeschlagen hatte, kannte er nicht, musste sich also eine Anleitung von ihr geben lassen. „Hm... eine Pfanne und zwei Töpfe und eine Schüssel für den Salat“, überlegte sie kurz, nahm sich schon die beiden Packungen Lachs und ein Messer aus dem Messerblock. Gekonnt öffnete sie die Packung, legte den Fisch in die Pfanne, die Inuyasha soeben vorbereitet hatte. „Kochst du öfters?“, hakte er neugierig nach. Immerhin hatte sie ihm dieses Gericht vorgeschlagen. „Nicht mehr so oft, aber gerne“, lächelte sie ihn an. „Hast du etwas Öl?“, wollte sie anschließend und sich umsehend wissen. „Klar, bei was kann ich dir helfen?“, bot er seine Hilfe an. Er hatte es noch nie gern gehabt untätige herumzustehen.
„Du könntest den Salat vorbereiten.“ Kurz zog Inuyasha eine Augenbraue hoch. „Das mache ich doch gern“, seufzte er erfreut. Denn Kagome schickte ihn nicht gleich aus der Küche, auch wenn er nur den Hilfsarbeiter spielen durfte.
Mit aller Kraft drückte Kagome die Zitrone für die Soße aus. „Gib mal her“, nahm Inuyasha ihr diese einfach aus der Hand. Mit wenig Anstrengung drückte er noch etwas Saft aus der Zitrone. Bis jetzt war das gemeinsame Kochen wirklich gut verlaufen. Inuyasha hatte sich wirklich als gute Hilfskraft herausgestellt. Doch seine neugierige und hilfsbereite Ader war für Kagome etwas zu viel. „Danke. Ich bräuchte noch etwas Mehl.“ Inuyasha schaute sie skeptisch an. Ging jedoch brav zu einem Regal, welches er kurz durchsuchte. „Danke“, bedankte sie sich mit einem kleinen Lächeln bei ihm, nachdem er ihr die Packung bereitgestellt hatte. Das Mehl brauchte Kagome eigentlich garnicht, dennoch wollte sie sich einen kleinen Spaß mit ihm erlauben. „Willst du mir auch dabei zusehen?“ Schließlich hatte Inuyasha sie doch die ganze Zeit nicht aus den Augen gelassen.
„Gern, ich finde es immer wieder toll, neue Gerichte zu erlernen, vor allem wenn diese wirklich schmecken“, lehnte er sich freudig einfach über ihre Schulter, nachdem sie sich die Mehlpackung geschnappt hatte. Mit der Hand griff Kagome einfach in die Packung, schmiss anschließend eine Hand voll davon in Inuyashas Gesicht. Dabei lachte sie laut. „Hey“, drehte sich dieser sofort weg und hustet etwas aufgrund der kleinen Attacke. „Beim nächsten Mal frag einfach nach dem Rezept. Ich hasse es, wenn man mir so auf die Pelle rückt“, maulte sie ihn etwas gereizt an. „Bist du wahnsinnig?“, fluchte sie anschließend, als sie ebenfalls eine Ladung des Mehls ins Gesicht bekommen hatte. „Wie du mir… so ich dir.“ Kurz schüttelte sich Kagome, wollte auf diese Weise so gut es ging das Mehl aus ihren Haaren bekommen. „Du willst Krieg?“, wollte sie wissen und sah sich etwas in der Küche um.
Schnell griff sie sich die Ketchuptube und drückte ein wenig von dem Inhalt in Inuyashas Richtung. Noch nie hatte es ein Mann geschafft, sie so zu reizen. „Nein, du aber scheinbar“, rieb er sich aber die Augen. Jedoch lächelte er dabei, als er ebenfalls eine Dose Sprühsahne erwischt hatte. Mit einem Kreischen landete eine schöne Ladung in Kagomes Dekolleté. „Was kann ich dafür, wenn du mich die ganze Zeit nervst“, motzte sie und versuchte so viel wie möglich von ihrem Oberkörper zu bekommen. Doch ein Klingeln ließ die kleine Diskussion und das Gefecht nicht weiter aufkommen. „Ich muss da kurz hin und du machst die Küche sauber“, seufzte er. Scheinbar hatte er den kleinen Spaß nicht ganz so lustig gefunden und wenn Kagome ehrlich war, fand sie es auch nicht mehr so toll, nachdem sie das Chaos in der Küche sah.
„Ja?“, öffnet Inuyasha ohne groß darüber nachzudenken seine Wohnungstür. „Wie siehst du denn aus?“ Überrascht sah er auf seine Familie, die ihn nicht minder verwundert musterte. „Ähm… ihr seid schon hier“, kam es über seine Lippen. Peinlich berührt wischte er sich über das Gesicht. Durch das kleine Spielchen mit Kagome hatte er nicht mehr an seine Familie gedacht. „Ja… und was ist mit dir passiert?“, wollte seine Mutter erfahren und betrachtete ihn von oben bis unten. „Ein kleiner Kampf“, kratzte er sich am Hinterkopf. Es war ihm wirklich unangenehm, dass seine Eltern ihn so sahen. „Kommt doch erstmal rein.“ Mit diesen Worten trat Inuyasha einen Schritt auf die Seite. „Ich zeig euch das Wohnzimmer“, führte er seine Familie in dieses hinein. „Ähm… Hallo“, winkte Kagome kurz aus der Küche. Auch die schien nun etwas peinlich berührt zu sein.
„Mum, Dad… das ist Kagome, Kikyos kleine Cousine“, stellte er die junge Frau einfach vor. „Kagome das ist Izayoi, Toga, Sesshomaru und Rin… meine Familie“, machte er einfach weiter, um die peinliche Situation zu überspielen. „Es freut mich, Sie kennenzulernen“, kam Kagome ein paar Schritte ins Wohnzimmer und reichte seiner Familie die Hand. „Freut uns auch. Und wie es aussieht ist der Kampf noch nicht entschieden“, schmunzelt sein Vater, als er Kagome seine Hand reichte. „Ich springe schnell unter die Dusche, möchtest du auch, dann richte ich dir ein Handtuch und ein paar Sachen her“, wollte Inuyasha noch schnell von Kagome wissen. „Ich bitte darum.“ Mit einem Nicken nahm Inuyasha dies zur Kenntnis und verschwand anschließend im Badezimmer.
„Das war wirklich köstlich.“ Mit einem Lächeln und leicht roten Wangen freute sich Kagome über das Kompliment von Izayoi. Zusammen mit Inuyashas Familie hatten sie nach einer schnellen Dusche das zuvor gekochte Essen gegessen. „Ich werde für Kikyo eine Portion vorbereiten, wenn sie später nach Hause kommt, kann sie es aufwärmen.“ Schnell lief Kagome in die Küche, die dank Inuyashas Mutter und Rin wieder ansehnlich aussah. „Das kann ich auch machen“, nahm Inuyasha ihr den Teller wieder ab, den sie zuvor aus dem Schrank geholt hatte. „Setz dich doch wieder an den Tisch, schließlich bist du ebenfalls ein Gast“, forderte er sie auf. „Ich wollte eigentlich nur noch sauber machen und dann gehen.“ Schließlich war es bereits später Abend und am nächsten Morgen musste Kagome wieder zu einer Schicht ins Krankenhaus.
„Ach schade, willst du nicht noch etwas bleiben und mit uns ein Kartenspiel spielen?“ Rin schien es wirklich schade zu finden, dass Kagome bereits gehen wollte. „Tu uns doch bitte den Gefallen und bleib noch, wir helfen Inuyasha später alles sauber zu machen“, pflichte auch Izayoi Ihrer Schwiegertochter bei. Kagome hatte sich wirklich gut mit den beiden Unterhalten. Inuyashas Familie war wirklich herzlich und aufgeschlossen. „Ok, aber nur ein Spiel. Ich muss morgen wieder arbeiten“, ließ sie sich doch noch überzeugen. Mit einem kleinen Lächeln setzte sich Kagome wieder an den Tisch, nachdem sie zusammen alles abgeräumt und abgewaschen hatten. „Wir hätten Phase zehn und Phase zehn Master mit, was wollen wir spielen?“ Kagome kannte beide Spiele noch nicht. Deshalb zuckte sie ratlos mit den Schultern, als sie neugierig angesehen wurde. „Lieber das normale“, entschied Inuyasha schließlich für sie. „Ich kenne die Spiele nicht“, erklärte Kagome planlos.
„Das macht nichts. Wir fangen einfach mit einer offenen Runde an und erklären dir alles“, meinte Sesshomaru und fing schon an die Karten zu mischen. Als er damit fertig war, legte er die Karten offen auf den Tisch ab. „Mit dieser Karte kannst du sehen, in welcher Phase du dich befindest“, wurde ihr eine schwarze Karte gereicht, auf der verschiedene Aufgaben standen. „Ich werde mitschreiben, so kannst du nicht vergessen in welcher Phase du bist“, lächelte Inuyasha sie an. „Aber nicht schummeln, Inuyasha.“ Mit dem Finger auf ihn zeigend starrte Rin ihn mit gespielt bösen Blick an. „Ich habe noch nie geschummelt“, lachte er auf. Kurz sah Kagome zwischen den beiden hin und her. „Habt ihr solche Abende früher öfter gemacht?“, wollte sie interessiert wissen. „Einmal die Woche. Doch seid Inuyasha nach Tokio gezogen ist, konnten wir es leider nicht mehr zusammen machen“, kam es etwas traurig von Izayoi.
Inuyasha sah seine Mutter leicht bedauernd an. Kagome spürte, dass er seine Familie wirklich vermisst zu haben schien. „Wir können doch spielen, wenn ich bei euch bin oder ihr mich und Kikyo besucht“, versuchte Inuyasha seine Mutter aufzumuntern. Kagome konnte die Gefühle sehr gut nachvollziehen. Auch sie hatte ihre Familie in diesem Jahr unglaublich vermisst. „Wann kommt Kikyo eigentlich?“, wollte Kagome wissen. Schließlich hatte sie sonst nie so lange Dienst. „Wohl noch später als gewohnt. Sie muss dieses Event machen, aber lass uns lieber mit dem Spiel beginnen, immerhin wolltest du doch nach Hause“, grinste er sie an und wich dem eigentlichen Thema geschickt aus. „Na gut, aber jetzt mach ich dich richtig fertig“, zeigte Kagome mit dem Finger auf ihn, denn sie hatten ihren kleinen Kampf in der Küche nicht beenden können.
„Verdammt“, fluchte Inuyasha, als Kagome triumphierend eine weitere Phase abschließen konnte und damit das Spiel für sich entscheiden hatte. „Habe ich es dir nicht gesagt“, grinste sie ihn dabei triumphierend an. „Das war nur Anfängerglück, ich will eine Revanche“, forderte er von ihr. Diese lachte bei seinem Ausruf laut auf. „Du bist ein schlechter Verlierer“, kicherte sie weiter. „Ein ganz schlechter“, pflichtete Rin ihr bei. „Das war doch ein Witz, sie kannte das Spiel gar nicht“, verteidigte Inuyasha seinen Unmut. „Nicht… es ist wirklich schon spät“, hielt Kagome ihn auf, als er damit begonnen hatte die Karten zu mischen. „Aber…“ Schüttelnd hielt sie seinen Arm fest. „Ich muss wirklich los“, lächelte ihn Kagome an. Seufzend nahm er die Niederlage an. „Aber ich bekomm eine Revanche“, forderte er dennoch von ihr. „Klar..“
„Was ist denn hier los?“ Überrascht sahen Kagome und Inuyasha zu Kikyo, die soeben im Türrahmen erschien war und sie verwundert anschaute. „Da bist du ja endlich. Essen steht im Kühlschrank, ich werde mich dann mal verabschieden“, stand Kagome von ihrem Stuhl auf. „Du musst Kikyo sein, oder?“ wollte seine Mutter neugierig wissen und stand ebenfalls vom Tisch auf, um sich seiner Verlobten ordentlich vorzustellen. „Ich bin Izayoi, Inuyashas Mutter“, lächelte sie seine Verlobte an. „Kikyo Higurashi, freut mich“, stellte sich Kikyo etwas krampfhaft vor. „War schön sie kennenzulernen, vielleicht sieht man sich ja mal wieder. Auf Wiedersehen“, kam Kagome noch einmal zur Tür des Wohnzimmers, um sich zu verabschieden. „Hoffentlich bis bald, Kagome“, verabschiedet sich seine Mutter mit einer kleinen Umarmung von ihr, die nicht nur Kagome zu überraschen schien. „Ich werde dich fahren. Ich bin gleich wieder hier Schatz.“
Mit einem Lächeln winkte Kikyo ihn noch zu, bevor sie zusammen mit Kagome die Wohnung wieder verließ und Inuyasha seufzend zurückließ.
Kleine Sticheleien!
Kleine Sticheleien!
Stumm starrte Kagome aus dem Autofenster und sah die einzelnen Hochhäuser an sich vorbeiziehen. Dass Kikyo sie nach Hause brachte, war Kagome ziemlich recht, dennoch war die Stimmung bei den beiden jungen Frauen nicht gerade rosig. Kikyo redete kein Wort mit ihr und hatte ihre Versuche weitestgehend abgeschmettert. „Hattest du deinen Spaß“, sprach Kikyo sie leicht bissig an. Kagome atmete einmal tiefer durch. Sie konnte sich schon denken, warum ihre Cousine so schlechte Laune hatte. „Ja, ich hatte Spaß. Inuyashas Familie ist wirklich nett. Du solltest einfach offen auf sie zugehen“, seufzte sie. Sie hatte schon mehrere Freunde ihrer älteren Cousine kennenlernen dürfen und natürlich auch dessen Familien, doch bislang hatte sich Kikyo mit keiner Familie wirklich verstanden. „Ich heirate nicht die Familie, Kagome. Und nur weil du sie nett findest, muss ich das nicht auch tun“, stellte Kikyo klar. Kagome fand es wirklich schade, dass diese nicht über ihren Schatten springen konnte.
Mit einem leichten Ruckeln blieb Kikyo schließlich vor ihrem Wohngebäude stehen. „Vielleicht solltest du dennoch versuchen, zumindest ein bisschen mit ihnen klarzukommen. Inuyasha ist seine Familie sehr wichtig, so wie dir deine, vielleicht solltest du das nicht vergessen, denn du würdest es bestimmt auch nicht toll finden, wenn Inuyasha deine Familie nicht ausstehen könnte”, sagte Kagome und blickte ihre Cousine an. Sie wollte Kikyo wachrütteln. Doch diese schien ihr diese Worte ziemlich übel zu nehmen. „Und vielleicht solltest du dich nicht in meine Beziehung einmischen“, kam es bissig über ihre Lippen. Kagome schüttelte ihren Kopf und öffnete anschließend die Beifahrertür. „Danke fürs bringen. Ich werde morgen versuchen die Location zu checken, ich melde mich bei dir“, verabschiedet sich Kagome bei Kikyo und dankte ihr fürs nach Hause bringen. Immerhin hatte ihre Cousine einen langen Tag und wäre bestimmt gerne zuhause geblieben und nicht nochmal in die Kalte dunkle Nacht gegangen. „Komm gut nach Hause“, lächelte Kagome sie an und schlug die Autotür zu.
Kurz blieb Kagome noch am Straßenrand stehen, sah ihrer Cousine hinterher. Kagome hoffte wirklich, dass sich Kikyo ihre Worte zu Herzen nahm, immerhin hatten die Takahashis sie herzlich in ihre Runde aufgenommen und genau das gleiche wünschte sich Kagome auch für Kikyo.
„Kagome ist eine nette junge Frau.“ Kurz sah Inuyasha zu seiner Mutter, die diese Worte soeben voller Begeisterung ausgesprochen hatte. „Das ist sie wirklich. Kagome ist auch so nett und plant mit mir zusammen Kikyos und meine Hochzeit“, erzählte Inuyasha begeistert. „Wie? Kagome plant die Hochzeit und nicht Kikyo?“, kam es fast schon schockiert über Rins Lippen. Verhalten sah er zur Seite. Er wusste ja, dass es nicht unbedingt üblich war, dass die Braut sich komplett aus der Planung heraushielt. „Kikyo hat sehr viel auf der Arbeit zu tun. Kagome unterstützt mich deshalb an ihrer Stelle“, versuchte er die Situation bestmöglich zu erklären, ohne dass seine Verlobte ein schlechtes Bild abgab. „Aber Kagome scheint doch ebenfalls berufstätig zu sein?“, hakte seine Mutter nach. „Sie macht gerade eine Ausbildung zur Krankenschwester“, bestätigte er die Frage seiner Mutter. „Dann hat sie doch ebenfalls viel zu tun“, meinte seine Mutter skeptisch und sah zu ihm.
Ein Seufzen drang aus Inuyashas Mund. „Ja, sie hat viel zu tun. Doch Kikyo hat sich gewünscht das Kagome sich der Hochzeit annimmt und sie hat ihren Wunsch respektiert.“ Mit einem kleinen Lächeln sah er zu seiner Familie. „Bin wieder da“, hörte er zu seiner Erleichterung Kikyos Stimme aus dem Flur. Seine Verlobte war endlich zurück. Inuyasha konnte den unangenehmen Fragen seiner Familie also ausweichen. „Hast du Hunger? Ich könnte dir dein Essen aufwärmen“, rief Inuyasha zurück und war schon dabei aufzustehen. „Nein danke, ich will nur schnell ins Bad und anschließend schlafen, es war ein langer und anstrengender Arbeitstag“, trat Kikyo an die Wohnzimmer Tür. Mit leicht offenem Mund starrte Inuyasha seine Verlobte an. „Es war nett euch kennenzulernen, doch ich muss Morgen wieder früh raus und werde leider erst spät abends wiederkommen. Ich hoffe dennoch, dass ihr einen angenehmen Aufenthalt in Tokio haben werdet.“
Fast schon professionell, so als würde sie mit einem Kunden sprechen, sprach Kikyo diese Worte aus. „Gute Nacht.“ Kurz ging sie auf Inuyasha zu und drückte ihre Lippen auf seine. „Gute Nacht“, flüsterte er. Jedoch musste er sich zu einem Lächeln durchringen, da er doch gehofft und erwartet hatte, dass sie wenigstens etwas Zeit mit seiner Familie verbringen würde, so wie er es damals mit ihrer gemacht hatte.
„Gute Tag, mein Name ist Higurashi und ich würde mich dafür interessieren, ob sie in ungefähr drei Monaten, also am dreizehnten Mai noch einen Termin für eine Trauung frei haben?“, hielt sich Kagome das Handy an das Ohr, nachdem sie endlich ein paar ruhige Minuten hatte und telefonieren konnte. Irgendwie war am heutigen Tag der Wurm drinnen. Die Patienten gaben sich die Klinke in die Hand, ein Notfall jagte nach dem anderen und dazu war Kagome wahnsinnig müde, da sie sich die halbe Nacht Gedanken wegen Kikyos Einstellung gemacht hatte. „Das wäre perfekt, könnte man vielleicht vorher einen Termin vereinbaren, um die Örtlichkeiten zu besichtigen?“, freute sie sich, nachdem sie eine positive Nachricht vom Burgleiter erhalten konnte. Die Hochzeitssaison fing Anfang Mai allmählich an, Kagome hatte große Sorgen gehabt überhaupt noch eine Location zu finden. Doch Inuyashas Wunsch in dieser Burg zu heiraten würde in greifbare Nähe rücken, weswegen Kagome den Termin schon einmal fixiert um nicht doch noch eine böse Überraschung zu bekommen. „In vier Wochen? Das passt perfekt, vor Ort würden wir dann die restlichen Details besprechen. Dankeschön und noch ein schönes Restwochenende“, bedankte sie sich artig und legte zufrieden auf.
Mit einem kleinen Lächeln setzte sie einen Hacken hinter die Location. Jetzt musste der Rest dieser Hochzeitsplanung nur ebenfalls so gut laufen. „Du willst heiraten?“ Erschrocken zuckte Kagome zusammen. „Ich wüsste nicht, was dich das angeht, Hojo“, drehte sie sich zu ihrem Exverlobten um. „Findest du nicht, dass es etwas schnell geht? Vor etwas mehr als einem Jahr wollten du und ich heiraten“, kam es schockiert über seine Lippen. „Richtig, vor etwas mehr als einem Jahr. Darf ich dich erinnern, wer von uns beiden damals die Entscheidung getroffen hat, es nicht zu tun?“, kam es schnippisch über ihre Lippen. Dass es nicht ihre Hochzeit war, für die sie eben diesen Anruf getätigt hatte, musste sie ihm nicht unbedingt auf sie Nase binden. „Du kennst den Typen doch gar nicht“, lief er ihr hinterher, nachdem Kagome sich einfach in Bewegung gesetzt hatte. „Wieso willst du es jetzt so überstürzen?“, machte er einfach weiter. „Ich überstürze nichts, Hojo. Manchmal ändert man sich“, stellte sie klar und sah ihn mit strengem Blick in die Augen.
„Und nur so nebenbei… ich dachte auch, dass ich dich kennen würde, doch du hast mir bewiesen, dass ich dich nicht kannte. Und da haben mir auch die drei Jahre Beziehung nicht weitergeholfen.“ Mit einem tiefen Atemzug wendete sich Kagome von ihm ab. Es tat immer noch weh, doch langsam wurde der Schmerz, den sie bei seinem Anblick spürte, weniger. „Wenn du mich entschuldigen würdest, ich muss noch die Medikamente auffüllen“, meinte sie und eilte ins Schwesternzimmer. Erleichtert schloss sie die Augen und öffnete den Medikamentenkasten. Es hatte wirklich gut getan, Hojo endlich mal die Meinung zu sagen. Seit dem Vorfall hatte sie kein richtiges Gespräch mit ihm geführt. Vielleicht sollte sie über ihren Schatten springen, noch einmal ein richtiges Gespräch mit ihm zu führen, um endlich vollkommen mit ihm abschließen zu können. Doch erstmal wollte sie die Hochzeit vorbereiten und sich danach um ihre eigenen Belange kümmern.
„Ja?“, nahm Inuyasha den Anruf von Kagome an, nachdem sein Handy fordernd zu klingeln begonnen hatte. „Störe ich?“, wollte sie wissen nach einer Begrüßung. „Nein. Ich bin mit meiner Familie nur gerade in der Stadt unterwegs. Was gibt’s denn?“, hakte er direkt nach. Immerhin hatte Kagome noch nie angerufen, es musste also wichtig sein. „Die Burg geht klar. Ich habe sogar einen Besichtigungstermin vereinbart. Kannst du dir in vier Wochen das Wochenende freihalten? Ich kann Kikyo nur leider nicht erreichen.“ Kurz überlegte Inuyasha. Meist arbeitete er auch am Wochenende, es würde jedoch durchaus möglich sein, sich ausgerechnet dieses freizuschaufeln. „Klar, danke, dass du dich darum gekümmert hast“, erklärte er, da er sie wissen lassen wollte, dass es kein Problem sein würde. Denn sie hatte ihm schon einiges abgenommen. „Dann noch viel Spaß und entschuldige noch einmal die Störung“, verabschiedet sich Kagome nach dem kurzen Gespräch wieder.
Kurz sah Inuyasha auf sein Handy und hatte noch immer Kagomes Namen auf seinem Bildschirm stehen. Es tat ihm wirklich leid, dass sie sich neben der Arbeit, um seine Hochzeit kümmern musste. „War das Kagome?“, wollte Rin interessiert wissen. „Ja, ich wollte unbedingt in der Burg Matsumoto heiraten, sie hat den Termin bestätigt“, erklärte er mit einem Lächeln. Er freute sich wirklich, dass er dort heiraten konnte. „Ihr wollt wirklich in einer Burg heiraten?“, kam es überrascht von seiner Mutter. „Ja, es war sogar mein Wunsch.“ Dass seine Mama so darauf reagierte, konnte sich Inuyasha gut vorstellen. Früher hatte er genaue Vorstellungen von seinem Leben. Eine Heirat konnte er sich damals nur im kleinen Rahmen, an einem gewöhnlichen Ort vorstellen. Die Hochzeit seines Bruders in einem schönen Park, hatte er damals übertrieben gefunden.
„Jetzt willst du es aber wirklich wissen“, stupste Sesshomaru ihn in die Seite. „Ich habe meine Meinung eben geändert“, zuckte er mit den Schultern. „Oder vielleicht hat deine Meinung auch eine Frau geändert.“ Kurz verdrehte Inuyasha die Augen. „Kikyo hat damit nichts zu tun. Ich finde die Burg und die umliegende Landschaft wunderschön. Ich denke für einen besonderen Tag sollte alles in einer angenehmen Atmosphäre stattfinden“, erklärte er seine Entscheidung. Inuyasha hatte vor einigen Jahren auf einer Klassenfahrt einen Ausflug zur Burg Matsumoto gemacht. Schon damals hatte diese eine unglaubliche Wirkung auf ihn gehabt. „Ich wünsche dir natürlich, dass Kikyo und du einen schönen Tag haben werdet und natürlich eine schöne Zukunft. Doch irgendwie… wie soll ich sagen… finde ich, dass sie und du… ziemlich unterschiedlich seid“, sprach seine Mutter unsicher aus und wollte ihn gewiss nicht damit verletzten.
„Das mag sein, aber vielleicht ziehen sich Gegensätze nun mal an. Ich liebe Kikyo, sie ist die Frau, die ich heiraten werden. Und ich wünsche mir, dass ihr das akzeptiert, auch wenn Kikyo nicht so offen euch gegenüber ist. Gebt ihr bitte Zeit“, bat er seine Familie. Er wusste, dass sie verletzt waren über Kikyos Verhalten. Auch er hatte sich das erste Treffen anders vorgestellt. Doch nun war es nun mal so gelaufen, ändern konnten weder er noch sie es. Doch sie konnten dafür sorgen, dass Kikyo sich irgendwann bei ihnen wohl fühlen würde. Inuyasha war sich sicher, dass Kikyo irgendwann auftauen würde. „Du hast Recht. Wir sind nur enttäuscht. Kikyo wirkt so abweisend, wir haben uns eben eine Frau wie Kagome für dich vorgestellt. Vielleicht sollten wir auf deine Gefühle mehr Rücksicht nehmen. Entschuldige“, gab seine Mutter zu.
Inuyasha atmete tief durch. Dies zu hören tat ihm wahrlich weh. Dass seine Familie die Cousine seiner Zukünftigen als bessere Wahl sah, war wie ein Messerstich mitten in seinem Herz. „Kagome, ist eine wirklich wunderschöne und atemberaubende junge Frau, doch mein Herz schlägt ausschließlich für Kikyo und ihre Vorzüge werdet ihr auch noch verstehen“, versuchte er seiner Familie verständlich zu machen. Natürlich war Kikyo nicht perfekt, sie hatte ihre Ecken und Kanten und dennoch war sie unglaublich clever und zielstrebig. Irgendwann würden seine Eltern verstehen, warum Inuyasha sich in sie verliebt hatte. „Da vorne ist ein nettes kleines Café, wollen wir uns da vielleicht eine kleine Stärkung holen?“, wollte Inuyasha vom Thema ablenken. „Gern. Zeigst du uns danach noch den Park?“, wollte Rin freudig wissen, die zuvor noch nie in Tokio war und die Stadt unglaublich spannend fand.
Seine Familie machte sich sofort in die Richtung des Cafés auf. Nur er und Sesshomaru blieben zurück. „Nimm es ihnen nicht übel. Wir sind nur überrascht, dass du dir eine Frau ausgesucht hast, die so sehr an ihrer Karriere festhält“, klopfte Sesshomaru ihm aufmunternd auf die Schulter. Doch genau diese Worte streuten noch mehr Salz in die Wunde. Denn im Moment lief es alles andere als gut zwischen ihm und Kikyo.
Eine Entscheidung für den Seelenfrieden!
Eine Entscheidung für den Seelenfrieden!
Freudig nahm Kagome das Popcorn aus der Mirowelle, füllte dieses in die zuvor vorbereitete Schüssel. Mit dieser bewaffnet lief sie in ihr Wohnzimmer. Kurz überprüfte sie, ob alles hergerichtet war. Mit einem kleinen Lächeln schaute sie auf den Wohnzimmertisch. Auf diesem befanden sich Süßigkeiten, Chips, Getränke und das Popcorn, dass sie soeben aus der Mikrowelle genommen hatte. Die DvD lag auf ihren Fernsehkasten. Ein Blick auf ihr Handy verriet der jungen Frau, dass es nicht mehr lange dauern konnte, bis Sango und Shippo bei ihr auflaufen würden. Zusammen hatten die drei Freunde entschieden, sich einen gemütlichen Abend zu machen. Kagome hatte am morgigen Tag Nachtschicht, Sango frei und Shippo Urlaub. Somit konnten alle ausschlafen und den Abend genießen. Etwas, was in den letzten Wochen selten oder besser nie vorkam. Naraku hatte seine Personalabteilung wirklich gut im Griff. Er sorgte wirklich ausgezeichnet dafür, dass Kagome sich wirklich unwohl fühlte und nur wenige Schichten mit ihren alten Freunden hatte. Doch am heutigen Abend hatte er wohl keine anderen Möglichkeiten gehabt, um Kagome von diesen fernzuhalten. Shippo wollte Sango von ihrer Schicht abholen und noch eine Pizza besorgen.
Kagome sollte sich lediglich um die Süßigkeiten kümmern. Früher hatten sie solche Abende öfter veranstaltet. Aber nachdem Kagome aus ihrer Wohngemeinschaft ausgezogen war, wurden die Abende weniger und schließlich hatten sie ganz aufgehört. Sie hatten jeder für sich andere Prioritäten gesetzt. Die Abende waren immer lustig gewesen und darauf freute sie sich schon. Mit einem Lächeln sah sie auf ihr Handy, dass einen kleinen Laut von sich gegeben hatte. Die beiden waren auf den Weg und würden in wenigen Minuten da sein. Eilig lief sie zu ihrem Fernseher und legte die DvD ein. Für sie war es einfach beruhigend, dass ihre Freunde sich ebenfalls auf den Abend freuten.
„Es ist lange her, dass du mit mir was Trinken warst.“ Genüsslich nahm Miroku einen Schluck seines Biers. Inuyasha hatte ihn am Nachmittag einfach gefragt, ob er etwas mit ihm trinken gehen wollte. Nachdem das Wochenende doch ziemlich anstrengend für ihn geworden war, hatte der junge Mann etwas Ablenkung gebrauchen können. „War irgendwas mit deiner Familie?“, schlussfolgerte sein bester Freund daher richtig. Er kannte Inuyasha sehr gut und wusste, dass es nicht viel gab, was ihn derart durcheinander brachte. „Jein. Es war natürlich schön, sie alle endlich wiederzusehen, doch Kikyo war nicht so begeistert“, gab Inuyasha frustriert zu. Immerhin hatte seine Verlobte mit Abwesenheit geglänzt. Nicht einmal zur Verabschiedung seiner Familie war sie gekommen. „Hast du wirklich geglaubt, dass Kikyo deine Familie kennenlernen möchte?“, wollte Miroku skeptisch wissen. Auch er hatte Monate auf ein Treffen mit der jungen Frau warten müssen.
„Ich weiß es nicht. Ich hatte gehofft, dass Kikyo sich ebenfalls gut mit meiner Familie verstehen wollte. Zumal Kagome Pluspunkte gesammelt hat“, seufzte Inuyasha, der am Wochenende noch öfter die Vergleiche der jungen Frauen hören hatte müssen. „Und wer ist bitte Kagome?“, hakte Miroku natürlich sofort neugierig nach. Bis jetzt hatte Inuyasha sie noch nicht erwähnt, warum auch, schließlich war sie nur die kleine Cousine seiner Verlobten. Zusätzlich würden die beiden kaum Berührungspunkte haben, wenn Kagome nicht ihre Hochzeit planen würde. „Kikyos kleine Cousine. Sie plant die Hochzeit für uns beide. Als meine Familie kam, war sie bei mir und hat mir geholfen zu kochen.“ Mit großen Augen sah Miroku ihn sprachlos an. „Sie hat mit dir gekocht?“, entkam es dem jungen Mann, nachdem er seine Stimme wiedergefunden hatte. „Ja, am Ende haben wir mit meiner Familie ein Kartenspiel gespielt und ich gnadenlos gegen sie verloren.“ Schnell schüttelte Inuyasha seinen Kopf, als er an seine Niederlage zurückdachte. „Das war übrigens nur Anfängerglück“, setzte er noch nach und wollte gewiss nicht als Loser dastehen.
„Ich finde es eher erstaunlich, dass du mit einer anderen Frau kochst und anschließend noch etwas Spaß hast.“ Mit einem verwirrten Blick sah Inuyasha seinen besten Freund an. „Wie meinst du das?“, wollte er schließlich wissen. „Ganz ehrlich, ich mag Kikyo nicht und das muss ich dir nicht sagen. Ihr seid so unterschiedlich wie Tag und Nacht und dennoch scheinst du nur sie zu sehen. Vielleicht überstürzt du diese Heirat auch, immerhin seid ihr noch nicht einmal ein Jahr zusammen. Aber, dass du mit anderen Frauen mehr Spaß zu haben scheinst, macht mir dann doch etwas Sorgen“, gab Miroku zu und Inuyasha konnte ihn nicht wirklich widersprechen. Er hatte sich selbst gewundert, dass er trotz der Sticheleien von Kagome solchen Spaß gehabt hatte. Auch seine Familie hatte sich bei ihr wohl gefühlt und freuten sich auf ein erneutes Treffen bei seiner Hochzeit.
„Kagome gehört eben bald zu meiner Familie. Sie ist Kikyo sehr wichtig und auch ich fühle mich wohl, wenn ich mit ihr zusammen bin“, gestand Inuyasha, der es nicht leugnen konnte, dass Kagome eine ganz besondere Art hatte, die ihn irgendwie zur Ruhe kommen ließ. „Im Übrigen wird Kagome auch Kikyos Junggesellinnenabschied planen. Wenn du also ebenso etwas für mich planen willst, setzt dich bitte mit ihr in Verbindung“, ließ Inuyasha so nebenbei fallen, immerhin hatte er schon mitbekommen, dass sein Bruder und bester Freund schon einiges besprachen. Inuyasha hoffte mit Kagomes Einmischung nicht ganz so schlimm davonzukommen. „Wenn du überhaupt deinen Junggesellenabschied feierst“, tat Miroku einen auf unschuldig. Kurz zuckte Inuyasha daher mit den Schultern. „Egal, lass uns lieber noch was trinken“, beendete er das Thema und deutete dem Kellner, dass er gerne noch zwei Gläser hätte.
Seiner Meinung nach hatte er es wirklich verdient heute einmal die Seele baumeln zu lassen und das konnte man eben am besten mit schönen Gesprächen und einem kalten Bier.
„Es war so klar, dass die beiden sich ineinander verlieben“, seufzte Sango frustriert auf, während Kagome vor Lachen kaum noch sitzen konnte. Gemeinsam mit ihren beiden besten Freunden, hatte sie irgendeine Liebesschnulze angesehen. Wirklich spannend hatten die drei den Film nicht gefunden, auch das Ende war sehr vorausschauend gewesen. Schnell hatten sie die Freunde deshalb ablenken lassen, nur hin und wieder auf den Fernseher geschaut. „Sind es nicht immer die besten Freunde von Kindheit an, die die perfekten Ehemänner sind?“, fand Kagome Sangos Reaktion einfach nur zum Todlachen. „Mal im Ernst, wer will schon den Mann heiraten, den er beim Windelscheißen zugesehen hat?“, stellte sie schockiert fest. Angewidert verzog Kagome ihr Gesicht. „Oh bitte, verschon mich damit“, flehte sie ihre beste Freundin förmlich an. Denn obwohl Kagome eine Ausbildung zur Krankenschwester machte, hatte sie mit den Körperflüssigkeiten oder eben anderen Substanzen so einige Probleme.
„Soll ich dir nächstes Mal eine Windel aus der Pädiatrie mitbringen?“, mischte sich Shippo in das Gespräch der jungen Frauen ein. Der junge Mann machte soeben die Kinderstation unsicher und hatte meist mit den ganz Kleinen zu tun. „So lieb ich Kinder auch habe… aber das werde ich nie gern machen“, stellte Kagome klar, die zwar unbedingt eigene Kinder haben wollte, aber eben auf manches gerne verzichten würde. „Mal ein anderes Thema. Hast du dich schon entschieden, was du machen möchtest?“, wollte Shippo von ihr wissen. Kagome hatte mit den beiden über Ihre Pläne auszuziehen gesprochen, doch noch nichts Konkretes gesagt. „Ich möchte hier definitiv ausziehen. Alleine ist diese Wohnung ohnehin viel zu groß und wirklich wohl fühle ich mich auch nicht mehr“, zuckte Kagome mit den Schultern, die jedoch auch die Wohnungslage in der Großstadt kannte. „Und wenn du wieder zu uns ziehen würdest?“, wollte Sango wissen.
Kagome hatte schon bevor sie mit Hojo zusammengezogen war in einer WG mit den beiden gelebt. Gern würde sie wieder mit ihnen zusammenwohnen, doch als sie ausgezogen war, hatten auch die beiden eine neue Wohnung bezogen. „Und wo soll ich schlafen? In deinem Zimmer vielleicht?“, hakte sie nach. Immerhin war die neue Wohnung der Beiden deutlich kleiner. Es gab nur eine große Essküche mit einem kleinen abgetrennten Bereich, der als Wohnzimmer fungierte und die beiden Schlafzimmer der beiden, für Kagome war dort leider kein Platz mehr. „Dann suchen wir uns eben zu dritt eine neue Wohnung. Auch finanziell sollte das wunderbar klappen“, schlug Shippo vor, der sich natürlich im Moment die Kosten mit Sango teilte. „Aber wolltet ihr wirklich schon wieder umziehen?“, wollte Kagome von den beiden wissen, immerhin war ein Umzug unglaublich anstrengend.
„Für dich würden wir alles tun. Außerdem vermissen wir die Zeit, in der wir mit dir zusammengewohnt haben, solche Abende zeigen uns immer wieder, was wir verloren haben“, stellte Sango klar, der damals der Abschied von Kagome wahnsinnig schwer gefallen war. „Wenn ihr das wirklich wollt und euch ganz sicher seid… würde ich gerne wieder mit euch zusammenwohnen. Und ich glaube, ich kenne schon den richtigen Ansprechpartner, um so schnell es geht eine Wohnung zu finden“, freute sie sich und dachte dabei natürlich an Inuyasha, der ihr vor einigen Tagen angeboten hatte, für sie nach einer Wohnung zu schauen. Sie würde ihn sicher bald anrufen und fragen, immerhin würden so nicht nur die Probleme des Wohlfühlens beseitigt werden. Zudem mussten Kagomes Eltern sie dann nicht mehr finanziell unterstützen. Da sie sich diese Wohnung nur leisten konnte, weil ihre Eltern die Hälfte übernahmen.
„Natürlich wollen wir.“ Umarmten ihre beiden Freunde sie freudig. Auch Kagome war überglücklich und ihr war klar, dass sie nun nur noch eine Weile durchhalten musste, bis sie endlich aus dieser Wohnung ausziehen konnte und wieder auf eigenen Füßen stand.
So leise wie es irgendwie ging, versuchte sich Inuyasha in die Wohnung zu schleichen. Wirklich gelingen wollte dies dem jungen Mann nicht. Mit einem lauten Knall fiel ihm einer der Schuhe, die er sich soeben ausgezogen hatte, aus der Hand. Zuvor war er leicht ins Straucheln geraten. Der kleine Umtrunk mit seinem besten Freund war etwas aus dem Ruder gelaufen. Ein Glas nach dem anderen hatten die beiden Freunde getrunken. Am Ende waren beide Männer angetrunken gewesen. Deshalb hatte Inuyasha das Auto stehen lassen müssen. Mittlerweile war es nach Mitternacht. Die Nacht würde auf jeden Fall nicht mehr ganz so lange sein. „Inuyasha?“, hörte er auch Sekunden nach dem kleinen Malheur seine Verlobte. Ein kleines Seufzen entkam ihm, weil er gehofft hatte, sie nicht geweckt zu haben. „Ja, ich bin es“, antwortete er daher einfach, obwohl ihm das Reden schwer fiel.
„Bist du betrunken?“, kam sie nur in ihrem Nachthemd in den Flur. Sie war vollkommen verschlafen und stand mit einem schockierten Blick vor ihm. „Nur ein bisschen. Ich gehe noch duschen und dann komme ich ins Bett.“ So gut es ihm möglich war, versuchte er ohne weitere Zwischenfälle in Bad zu gelangen. Doch auch seine Koordination war nicht mehr die Beste. Mit den Händen tastete sich der junge Mann an der Wand entlang. „Das nennst du ein bisschen? Sag mal geht’s noch? Du musst morgen arbeiten und bist total besoffen“, fuhr Kikyo ihn wütend an. Kurz verdrehte er seine Augen. „Richtig, ich muss morgen arbeiten und ich weiß auch, dass ich aufstehen werde“, stellte er klar. Nur weil er mal unter der Woche unterwegs war und ein bisschen zu tief ins Glas geschaut hatte, würde er nicht seine Arbeit vernachlässigen.
„Ich kann nicht glauben, dass du dich so gehen lässt“, schüttelt sie den Kopf. „Und ich kann nicht glauben, dass du nicht einmal eine Sekunde versucht hast mit meiner Familie zu sprechen oder mit ihnen klar zu kommen. Weißt du eigentlich, dass sie alle… und nicht nur meine Familie, sich lieber eine andere Frau für mich gewünscht hätten?“, platzte der Frust aus ihm heraus. Es hatte einfach wahnsinnig weh getan immer und immer wieder zu hören, dass Kikyo nicht zu ihm passte. „Dann such dir doch eine andere, wenn es dich so sehr stört“, fauchte sie ihn an und drehte sich auf dem Absatz um. Direkt lief sie ins Schlafzimmer zurück. „Und damit du es gleich weißt… heute Nacht kannst du im Wohnzimmer schlafen“, schrie sie noch und warf sein Bettzeug aus dem Zimmer, bevor die Tür geräuschvoll zugeschlagen wurde.
Mit zusammengekniffen Augen sah er auf sein Bettzeug und empfand im Moment jedoch keine Reue, ihr diese Worte gesagt zu haben. Eher fühlte er sich erleichtert, da er diese Last nicht mehr mit sich herumzutragen müsste.
Glücksgriff?
Glücksgriff?
Schnell griff Inuyasha nach seinem Handy. Ein leises Seufzen entkam ihm, als er nicht wie erhofft den Namen seiner Verlobten gelesen hatte, sondern Kagomes. „Hallo“, nahm er deshalb schlicht den Anruf an. „Hey“, begrüßte ihn die junge Frau in ihrer üblichen fröhlichen Art, diese konnte er am heutigen Tag jedoch nicht wirklich teilen. Immer noch herrschte Eiszeit zwischen den beiden Verlobten. Auch nach vier Tagen hatte Kikyo sich nicht beruhigt und ihn immer noch aus dem Zimmer verband. „Störe ich gerade?“, wollte Kagome wissen. Kurz musste er schmunzeln, fragte sie, genau wie er dies schon beim letzten Anruf gefragt worden war. „Wie oft soll ich noch sagen, dass du mich nicht störst?“, wollte er daher von ihr wissen, immerhin plante sie zusammen mit ihm seine Hochzeit. Sie würden wohl noch öfter miteinander telefonieren müssen, um alle Details zu besprechen.
„Perfekt, ich habe eine kleine oder auch große Bitte an dich“, ließ sie zunächst ihr Anliegen offen. „Welche soll ich denn zuerst erfüllen?“, fragte er mit einem Lächeln nach. Kagomes Art machte es ihm leicht seine Sorgen mit Kikyo zu vergessen. Inuyasha fühlte sich gleich viel wohler. „Ich brauche eine Wohnung“, verkündete sie schließlich. „Oh… und da hast du dir gedacht, ich kenne doch jemanden, der mir dabei helfen kann?“, gab er spielerisch von sich. Jedoch würde Inuyasha ihr gerne dabei helfen, sein Angebot ihr gegenüber hatte er natürlich nicht vergessen. „So ungefähr? Kannst du mir eine Wohnung suchen?“, wollte sie wissen. „Ich habe dir doch gesagt, dass ich dir gerne helfe. Schickst du mir die Details per SMS? Ich würde dann heute vielleicht schon mal einige Wohnungen heraussuchen können“, erklärte er der jungen Frau. Der Tag war zu seiner Erleichterung ruhiger, vielleicht konnte er Kagome schon bald einige Objekte zeigen, die ihr hoffentlich gefallen würden.
„Ich hätte eine bessere Idee. Hast du schon gegessen?“, wollte sie wissen. Kurz lugte er auf die Uhr, die sich über seiner Bürotür befand. Erstaunt stellte er fest, dass es bereits Mittag war, bis jetzt hatte er keinen Hunger verspürt, gegen eine Kleinigkeit zu Essen hatte er gerade absolut nichts einzuwenden. „Nein. Sollen wir uns in einem Restaurant oder Café treffen?“, wollte er von ihr erfahren. Immerhin konnten sie so miteinander besprechen, was genau sie sich vorstellen würde. „Besser, ich komme zu dir“, verkündete sie jedoch zu seiner Überraschung. „Bis gleich“, verabschiedet sie sich von ihm und beendet somit das Telefonat. Etwas seltsam war es schon, doch irgendwie freute er sich, auch Mal nicht für sein Essen sorgen zu müssen.
Mit einem breiten Lächeln lief Kagome durch die Empfangshalle, direkt auf die kleine Rezeption zu. „Kann ich ihnen helfen?“, wurde sie lächelnd von einer jungen Frau begrüßt. „Ich würde gerne zu Herrn Takahashi“, sprach Kagome ihr Anliegen offen aus. Die kleine Box mit ihrem selbstgekochten Essen stellte sie auf den Tresen. „Haben sie denn einen Termin?“, kam es sichtlich überrascht von der jungen Frau. „Nicht ganz. Ich habe eben mit ihm telefoniert und ihm gesagt, dass ich vorbeikomme“, antwortete Kagome lächelnd. „Sind sie seine Verlobte?“, wollte die Frau neugierig wissen. „Ich habe ein Foto auf seinem Schreibtisch stehen sehen“, erklärte diese, wie sie zu dieser Annahme kam. Kurz war Kagome sprachlos. Jedoch entschied sie schnell, dieses Missverständnis aufzuklären. „Nein, ich bin die Cousine seiner Verlobten. Inuyasha möchte mir helfen, eine neue Wohnung zu finden.“ Überrascht wurde Kagome angesehen.
„Entschuldigen Sie. Sie sehen seiner Verlobten nur so ähnlich“, kam es peinlich berührt von der jungen Frau. „Ach machen sie sich nichts daraus, Kikyo und ich werden öfter für Schwestern gehalten. Kann ich jetzt zu ihm?“, fragte Kagome noch einmal nach, da sie vollkommen vom Thema abgekommen waren. „Natürlich, mit dem Aufzug in den dritten Stock und einfach geradeaus.“ Aufmerksam hörte sie der Erklärung zu, doch wirklich schwierig war es nicht, sich in dem großen Gebäude zurechtzufinden. „Dankeschön“, bedankte sich Kagome, schnappte sich schnell ihre Box und lief mit einem breiten Lächeln auf den Fahrstuhl zu.
Ein leises Pling ertönte, sodass Inuyasha sofort durch die gläserne Tür blickte. Schnell erhob er sich, als er Kagome aus dem Fahrstuhl kommen sah. „Hey“, kam er ihr entgegen. „Hey”, entgegnete sie lächelnd. “Hier, das habe ich dir mitgebracht“, übergab sie ihm eine Box ganz in Schwarz gehalten. Neugierig lugte Inuyasha in diese. „Ich habe zu viel gekocht. Und da ich ohnehin etwas von dir wollte“, zuckte sie mit den Schultern, als er sie verwundert ansah. „Das ist wirklich nett von dir“, freute er sich. Immerhin hatte er schon lange keine Ramen mehr gegessen, obwohl er diesen liebte. „Wollen wir in mein Büro gehen?“, fragte er nach. „Dafür bin ich doch hier“, kicherte Kagome.
„Hey…“ Kurz verdrehte Inuyasha seine Augen. Er hätte sich denken können, dass sein bester Freund ihn beobachten würde. „Kagome… das ist Miroku, mein bester Freund“, stellte Inuyasha die beiden schließlich einander vor. „Hey. Ich bin Kikyos Cousine“, reichte Kagome ihm freundlich die Hand. „Sehr erfreut, ich habe schon eine Menge von dir gehört.“ Überrascht sah Kagome zu Inuyasha. Am liebsten hätte dieser seinen besten Freund soeben eine geknallt. „Hör nicht auf ihn. Der redet ohnehin nur Blödsinn.“ Mit etwas Druck griff Inuyasha mit einer Hand an Kagomes Rücken und sorgte so dafür, dass sie sich in Bewegung setzte. „Wir müssen eine Wohnung suchen. Wenn du uns also entschuldigst“, kam es so elegant wie möglich über Inuyashas Lippen. „Ich wünsch euch viel Spaß“, grinste sein Freund dämlich. Inuyasha schüttelte nur seinen Kopf, doch so war sein bester Freund nun mal.
„Das ist lecker“, kam es staunend von Inuyasha. „Das hatte ich gehofft“, gab Kagome zu, denn sie hatte sich wirklich bemüht. „Kann ich das Rezept haben?“, wollte er begeistert wissen. Über seine Euphorie musste sie wahrlich schmunzeln. „Kannst du haben, es ist aber ganz einfach. Nudeln und Brokkoli zusammen kochen, anschließend abgießen, Schinken und Zwiebeln anbraten und anschließend mit Parmesan vermischen“, erklärte sie ihm schnell die einzelnen Arbeitsschritte. Das Gericht war wirklich einfach und doch schmeckte es unheimlich gut. „Schick es mir trotzdem bitte nochmal“, bat er sie und hatte in Windeseile die Box leergegessen. „Hätte ich dir mehr mitbringen sollen?“, wollte sie etwas niedergeschlagen wissen. Zuhause hatte sie noch einen halben Topf und würde womöglich noch die nächsten zwei Tage davon essen können. „Nein danke, es hat nur so gut geschmeckt“, erklärte er ihr. Über das nette Kompliment freute sie sich wirklich.
„Das freut mich. Wollen wir nun wegen der Wohnung sprechen?“, wollte sie interessiert wissen. Vielleicht konnte er ihr auch schon ein paar Vorschläge zeigen, die sie ihren Freunden geben konnte. „Klar. Was genau stellst du dir vor?“, hakte Inuyasha nach und klappte seinen Laptop auf, um mitschreiben zu können. „Ich bräuchte eine etwas größere Wohnung. Vier Zimmer sind ein muss und wenn möglich mit Badewanne, die Küche sollte auch bereits vorhanden sein, zudem sollte die Wohnung hell und nicht allzu weit vom Krankenhaus entfernt sein“, versuchte sie ihre Wünsche so präzise wie möglich zu geben. „Vier Zimmer?“, überrascht hatte er seine Augenbrauen hochgezogen. „Ist das nicht etwas viel? Kannst du dir das überhaupt leisten?“, fragte er nach. “Ja, ich werde mit Shippo und Sango in eine Wohnung ziehen. Bevor ich in meine jetzige Wohnung zog, haben wir bereits in einer WG zusammengewohnt“, erklärte sie ihm die Sachlage.
„Oh, und was ist euer Budget?“, wollte er professionell in Erfahrung bringen. „Unsere Schmerzgrenze würde bei 180.000 Yen liegen. Doch es darf gerne etwas günstiger sein.“ Kurz nickte er und tippte anschließend etwas auf seinem Laptop. „Wirklich viele Wohnungen mit deinen Wünschen habe ich leider nicht. In Tokio ist die Wohnungslage momentan ziemlich angespannt.“ Leicht nickte Kagome und wusste, dass ihre Forderung nicht unbedingt einfach zu erfüllen waren. „Es muss auch nicht heute sein. Sango und Shippo haben Zeit. Und ich kann im Moment noch in meiner Wohnung bleiben, doch ewig will ich da drin nicht wohnen.“ Für Kagome war es nicht schlimm, wenn sie noch einige Monate warten mussten. Kagome war sich sicher, dass ihre Eltern sie weiter unterstützen würden.
Nachdenklich sah Inuyasha auf seinen Laptop. Dabei durchforstete er einige der Wohnungen, doch wirklich etwas passendes war nicht für Kagome und ihre Freunde dabei. Er hatte ihr wirklich gern bessere Nachrichten mitgeteilt, doch der Wohnungsmarkt in Tokio war schwer umkämpft. Wohnung in dieser Größe sehr beliebt und leider meist schnell wieder vom Markt. Ein Seufzen entkam ihm. „Du musst dir wirklich keinen Stress machen“, versuchte sie ihn zu beruhigen, doch in Inuyashas Kopf formte sich langsam eine Idee. „Ähm… warte kurz“, sagte er deshalb und kramte kurz in einem von seinen Büroschubladen. „Gefunden“, freute er sich und legte den Schlüssel für eine Wohnung auf den Bürotisch ab. „Ich hätte vielleicht eine Wohnung für euch“, lächelte er sie an. „Wie jetzt?“, kam es sichtlich überfordert von ihr.
„Die Wohnung ist nicht inseriert. Sie liegt nahe des Parks vor dem Krankenhaus, ist hell und hat vier Zimmer, die sogar teilweise möbliert sind. Die große Küche ist neuwertig und zusätzlich grenzt noch ein kleiner Abstellraum an. Auch die Miete sollte in eurem Budget sein“, lächelte er sie zuversichtlich an. „Aber wenn sie noch nicht inseriert ist… wird sie überhaupt vermietet?“, hakte Kagome misstrauisch nach. „Eigentlich wollte der Vermieter sie erstmal leer stehen lassen, doch ich bin mir ziemlich sicher, dass er es sich noch einmal überlegen würde, falls ihr die Wohnung haben möchtet.“ Kurz biss sie sich auf die Lippe. „Und wo würden wir preislich bei der Wohnung liegen? Du sagst zwar, dass das Budget passt, aber bist du dir da so sicher?“, wollte sie unsicher wissen. „Das müsste man noch genau besprechen, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass man das ebenfalls zu eurer Zufriedenheit klären kann.“
Preislich würde die Wohnung auf jeden Fall in das Budget passen, dafür würde Inuyasha schon sorgen. „Die Wohnung klingt wirklich toll. Hast du vielleicht Fotos?“, fragte sie weiter nach und schien hin und her gerissen zu sein. Doch genau da lag der kleine, aber feine Haken. „Nein, wir könnten uns die Wohnung nur anschauen fahren“, gestand er leise. „Wann wäre der nächste Termin für eine Besichtigung? Oder willst du vorher mit dem Vermieter sprechen?“, wollte sie erfahren. „Sofort, ich habe den Schlüssel hier, wenn du willst, können wir sogleich aufbrechen und uns die Wohnung anschauen.“ Kurz wedelte Inuyasha mit dem Schlüssel. „Ok... ich müsste allerdings meine Freunde fragen.“ Kurz darauf hatte Kagome ihr Handy in der Hand und telefonierte mit diesen. „Sango kann nur bis sechs rum und Shippo hat immer noch Urlaub“, freute sie sich sichtlich, auch sie musste nicht mehr in das Krankenhaus.
Demnach stand einer Besichtigung nichts mehr im Wege. „Perfekt. Ich hole nur schnell mein Auto und dann könnten wir schon los. Soll ich deine Freunde abholen?“, bot Inuyasha ihr an. „Wenn du mir die Adresse sagst, kommen sie bestimmt ohne unsere Hilfe dort hin“, lächelte Kagome und stand ebenfalls auf, um sich ihren Mantel anzuziehen. „Dann lass uns schon mal nach unten fahren, die Adresse sage ich dir im Auto.“ Mit diesen Worten machte er ihr die Tür auf. Er hoffte wirklich, dass ihr die Wohnung gefallen würde. Denn eins stand jetzt schon fest, sie würde ihr gehören, wenn sie diese wollen würde.
Ein großes Angebot!
Ein großes Angebot!
Neugierig sah Kagome auf das Hochhaus, welches sich wie versprochen nahegelegen vom Krankenhaus und in einer guten Gegend befand. „Wie findest du die Lage?“, wollte Inuyasha neugierig wissen. Er stand mit ihr vor dem großen Gebäude, das von außen wirklich schön aussah, und wartete auf ihre Freunde. „Perfekt, das Krankenhaus könnten wir auch zu Fuß erreichen“, strahlte sie ihn an. Vor allem für sie, ohne Auto wäre es praktisch so nah am Krankenhaus zu wohnen. „Ich glaube, da sind Shippo und Sango.“ Sah Inuyasha in die Richtung des Parkplatzes, der extra für Besucher war. Die Wohnanlage sah wirklich vornehm aus, noch war sich Kagome nicht sicher, ob sie sich die Wohnung wirklich leisten konnten. „Hallo“, begrüßte Inuyasha die beiden. „Hey. Dein kleiner Maklerfreund scheint ja wirklich keine Zeit zu verlieren“, stieß Sango ihre beste Freundin in die Seite. Kagome musste bei der Bemerkung lachen, da sie ihren Freunden ja erzählt hatte um wen es sich handelte.
„Wirklich nett von dir, dass du uns eine Wohnung zeigst“, richtete Sango anschließend das Wort an Inuyasha. „Ich habe Kagome versprochen, ihr bei der Suche zu helfen, und ich halte in der Regel meine Versprechen“, stellte er schmunzelnd klar. „Wollen wir uns das Prachtstück vielleicht mal genauer anschauen?“, wollte er wissen. Kurz sahen sich die drei Freunde an und waren alle wirklich gespannt, was sie gleich zu Gesicht bekommen würden. „Gern“, antwortete Kagome für ihre Freunde mit, in der stillen Hoffnung, dass sie vielleicht doch Glück haben würden, und sich der Vermieter für sie entscheiden würde.
„Die Wohnung liegt im dreizehnten Stockwerk, darüber befindet sich nur noch eine Poolanlage und ein Fitnessstudio mit einer kleinen Bar.“ Überrascht sahen Kagome und die anderen zu Inuyasha, der diese kleinen Informationen einfach so nebenbei verkündete. „Wieviel soll die Wohnung nochmal kosten?“, wollte Shippo geplättet von Kagome wissen, doch diese zuckte nur mit den Schultern. „Sie liegt auf jeden Fall in eurem Budget“, winkte Inuyasha diese Frage abermals einfach ab. Natürlich hatte die Wohnung einiges zu bieten. Sie lag in einem guten Wohnviertel und in bester Lage. Die Unis und auch das Krankenhaus waren nicht weit weg. Die Wohnung lag nahe der wichtigsten Verkehrslinien, sodass man schnell überall hinkommen konnte. „Im Moment bin ich davon nicht so überzeugt“, gestand Kagome leise, die je mehr sie von der Wohnung erfuhr, immer unsicherer wurde.
„Das Geld sollte euch jetzt erstmal nicht beeinflussen, darüber können wir später noch sprechen“, erklärte Inuyasha deutlich und fischte schonmal den Haustürschlüssel aus seiner Jackentasche. „Ich bin mir jedenfalls ziemlich sicher, dass euch die Wohnung gefallen wird“, setzte er hinterher, als die Fahrstuhltüren aufgingen und er ihnen endlich eine ganz besondere Wohnung präsentieren konnte.
„Hereinspaziert.“ Mit einem breiten Lächeln trat Inuyasha einen Schritt zur Seite, nachdem er die Wohnungstür aufgeschlossen hatten. Neugierig liefen die drei Freunde an ihm vorbei. Als alle die Wohnung betreten hatte, schloss er die Tür wieder. „Das ist der Vorraum, von hier aus kommt man in alle Räume der Wohnung“, fing Inuyasha sofort an zu erzählen. Schon dieser war unglaublich stilvoll eingerichtet. Die weißen, hochglanz Möbel passten perfekt zu der dunkelroten Mauer. Ein großer Spiegel, der sich gegenüber der geräumigen Garderobe befand, sorgte dafür, dass zumindest die Herzen der beiden jungen Frauen höherschlugen. “Hinter der ersten Tür wäre ein WC. Klein aber erfüllt seinen Zweck”, lächelte Inuyasha und machte die Tür auf. Es war wirklich nicht sehr groß, doch ein Waschbecken befand sich ebenfalls darin. „Ist das Bad extra?“, wollte Shippo sofort wissen. „Ja, gleich die nächste Tür“, zeigte Inuyasha auf die Tür neben dem WC.
„Darf ich?“, fragte Shippo und hatte seine Hand bereits am Türgriff. „Natürlich, ihr wollt doch die Wohnung besichtigen“, kam es belustigt von Inuyasha. Neugierig folgte Kagome Shippo in das Badezimmer. Leicht stand ihr der Mund offen. Es war einfach wunderschön. Das Badezimmer war riesig, hatte eine große Badewanne und zusätzlich noch eine begehbare Dusche. Ein Spiegel mit Verbau bot eine Menge Platz, um die Habseligkeiten einer Frau zu verstauen. Shippos Blick zeigte jedoch deutlich, dass es ihn nicht unbedingt begeisterte, dies schien auch Inuyasha zu merken. „Stimmt etwas nicht?“, richtete er daher das Wort an Shippo. „Das Bad ist wirklich wunderschön und perfekt… Ich befürchte nur, dass die beiden Damen hier…“ Damit zeigte er auf Kagome und Sango. „Es zu sehr genießen würden“, seufzte er theatralisch.
Mit finsterer Miene stieß Sango ihm in die Seite. „Ist doch wahr. In unserer letzten Wohnung musste ich Stunden vor verschlossener Tür ausharren, nur um mal aufs Klo zu kommen“, protestierte Shippo sofort. „Tjaaa… ich würde ja nur ungern mit zwei Frauen zusammenleben“, kam es belustigt von Inuyasha und hatte vermutlich so einige Erfahrungen durch Kikyo sammeln können. „Ach… eigentlich ist es ganz angenehm. Die Wäsche wird gewaschen, zu essen bekommt man auch und man kann immer den starken Mann markieren, wenn eine mal Liebeskummer hat“, winkte Shippo lächelnd ab, der es bis auf wenige Ausnahmen immer genossen hatte mit Sango und Kagome zusammenzuleben. „So habe ich das noch nie gesehen, wollen wir weiter?“ wollte Inuyasha wissen. Die drei Freunde waren natürlich gespannt auf den Rest der Wohnung. Deshalb ließen sie sich nicht zweimal bitten.
„Wow.“ Staunend stand Kagome neben ihm, nachdem sie zusammen in die große Ess-Küche gelaufen waren. „Die Küche wurde erst vor vier Jahren eingebaut und extra für diese Wohnung angefertigt“, erklärte Inuyasha so sachlich wie möglich. „Der Vorbesitzer hat auf jeden Fall einen kleinen Hang zu Rot“, kicherte Sango, die es wohl ziemlich amüsant fand, dass in der ganzen Wohnung rote Akzente gesetzt waren. „Vielleicht, ich finde die Küche aber sehr schön, fast schon zu schade, um darin zu kochen“, zuckte Kagome mit den Schultern. Inuyasha musste ihr bei dieser Aussage recht geben. Die Küche war hochwertig mit vielerlei Schnickschnack versehen. „Ich bin mir sicher, dass ihr sorgfältig damit umgehen würdet“, meinte er zwinkernd und lief kurz zu dem Kochfeld, welches sich mittig im Raum befand. Die Küche war auf jeden Fall groß genug, falls sie mal zusammen kochen wollten.
„Bleibt wirklich das ganze Inventar in der Wohnung?“, wollte Sango wissen, die es scheinbar noch nicht so ganz glauben konnte. „Ja, der Besitzer ist mit seiner Partnerin zusammengezogen. Lediglich seine letzten Habseligkeiten würden noch abgeholt werden”, versuchte Inuyasha die Situation zu erklären. Kurz sah Kagome ihn skeptisch an. Ihm wurde heiß und kalt zugleich, doch schnell hatte sie den Blick wieder abgewendet und war zu der kleinen Speisekammer gelaufen. „Sango, schau mal… die könnten wir locker für den Staubsauer und andere Sachen benutzen“, lugte Kagome in den Raum. Ganz so klein war dieser nun doch nicht. Man hatte auf jeden Fall genug Platz um einige Haushaltsgegenstände neben den Vorräten unterzubringen. „Genau das hatte der Besitzer auch gemacht“, pflichtete Inuyasha bei und wusste natürlich, wie die Räume aufgeteilt gewesen waren. „Können wir uns schon mal die Zimmer ansehen?“, wollte Kagome wissen. „Klar, ich zeig euch mal das ehemalige Büro.“
Somit führte Inuyasha sie in das Zimmer neben der Küche. „Der Schreibtisch kann natürlich abgebaut werden“, meinte er lächelnd. Ansonsten befand sich in diesem Raum ohnehin nichts mehr. „Das Zimmer gegenüber ist ebenfalls so groß wie dieses, nur dass es komplett leer steht“, lief er erklärend zur anderen Seite und öffnete auch dort die Tür. Auch hier waren wie schon in dem anderen Zimmer große Fenster, die den Raum erhellten. „Das dritte Zimmer ist etwas größer. Aber nur um zwei oder drei Quadratmeter. Der Raum ist voll möbliert und würde so bleiben.“ Inuyasha würde es wirklich schade finden, wenn die Möbel entsorgt werden müssten. Schließlich hatten sie nur wenige Jahre ihren Dienst verrichten dürfen. „Ich würde sagen... das Zimmer überlassen wir Kagome“, sprach Sango ein Machtwort, nachdem sie und Shippo sich kurz lächelnd an blickten. „Aber...“, wollte Kagome protestieren, jedoch wurde sie gestoppt.
„Du willst doch alles neu kaufen, so könntest du Geld sparen.“ Versuchte Sango ihr die Situation zu verdeutlichen. „In Ordnung, ich sehe mir das Zimmer zumindest mal an“, lächelte sie ergeben, lief einfach auf das Zimmer zu und Inuyasha war schon mächtig gespannt, was sie sagen würde.
Aufmerksam sah Kagome sich in dem großen Raum um. Das schwarze Bett befand sich in der Mitte des Raumes und war mit roter Bettwäsche überzogen. Über diesen hing ein Bild von einem Schwert, das wirklich hübsch aussah. Auf der rechten Seite befand sich eine längliche Kommode die viel Stauraum bot und zum dazugehörigen Schrank an der anderen Zimmerseite passte. Nachdenklich blieb Kagome neben dem Bett stehen, setzte sich vorsichtig auf dieses. Die Matratze war fest und dennoch perfekt. „Gefällt dir die Wohnung?“, wollte Inuyasha neugierig wissen. Doch Kagome wusste nicht so recht, was sie sagen oder davon halten sollte. „Sie ist hübsch“, sagte sie schließlich. Sie hatte sich wirklich etwas in die Wohnung und die Einrichtung verkuckt. Doch auch wenn Inuyasha ihnen die Wohnung zeigte, hieß es noch lange nicht, dass der Besitzer sie auch an sie vermieten wollte und zu welchem Preis.
„Nur hübsch?“, hakte Inuyasha mit fragendem Ton nach. „Sie ist wunderschön, aber ich glaube nicht, dass es das passende für unsere WG sein wird“, ließ sie sich frustriert in die Kissen fallen und hatte ihre Augen dabei geschlossen. Die Wohnung war perfekt, vielleicht sogar zu perfekt. „Und warum glaubst du das?“, nahm er einfach neben ihr Platz. „Weil sie zu perfekt ist. Ich meine… das wäre die eine unter Millionen“, richtete sie sich auf und erschrak kurz. Sie hatte nicht damit gerechnet wie nah Inuyasha ihr war. „Wollen wir erst mit den anderen im Wohnzimmer darüber sprechen?“, wollte er mit einem kleinen Lächeln wissen. Kurz zuckte Kagome mit den Schultern, wusste nicht ob sie überhaupt darüber sprechen mussten. „Na komm, wir finden schon eine Lösung“, machte Inuyasha ihr Mut, stand vom Bett auf und hielt ihr seine Hand hin.
Zögernd ergriff sie seine Hand und ließ sich von ihm hoch ziehen. „Wenn die anderen auch nein sagen, suchst du bitte weiter für uns“, machte sie ihm deutlich. Jedoch würde sie noch mit den anderen reden, bevor sie eine endgültige Entscheidung trafen.
„Und wie findet ihr die Wohnung?“, fragte Inuyasha nach und saß den dreien im Sessel gegenüber. „Die Wohnung ist wirklich schön. Sie würde perfekt liegen und ist dazu noch traumhaft eingerichtet“, fing Sango an zu sprechen. „Wir denken nur, dass es einfach zu teuer werden würde. Wir sind alle drei noch in unserer Ausbildung“, machte Shippo weiter. Ein Seufzen drang aus Inuyashas Kehle, da er sich dieses Gespräch nicht so vorgestellt hatte. „Außerdem ist der Besitzer noch nicht bereit zu vermieten, du meinst selbst, dass man erst mit ihm sprechen müsste“, machte Kagome weiter. „Aber der Besitzer…“
„Inuyasha, bist du da? Ich habe dein Auto stehen sehen. Habe ich einen Termin vergessen?“ Mit geschlossen Augen ließ Inuyasha seinen Kopf auf die Rückenlehne des Sessels fallen, als Miroku im Wohnzimmer auftauchte. „Ähm… Hey…“, kam es etwas verwirrt über seine Lippen, als er ihn und die drei Personen erblickte. „Nein hast du nicht. Ich habe Kagome soeben nur die Wohnung gezeigt“, erklärte er ihm und richtete sich wieder auf. „Was geht hier vor? Gehört die Wohnung etwa ihm?“, wollte Kagome verwirrt wissen. „Nein, Miroku hat jedoch in dieser Wohnung gewohnt… zusammen mit mir.“ Kagomes Augen wurden groß, als sie den Zusammenhang zu verstehen schien. „Das ist deine Wohnung…“, schlussfolgerte sie demnach richtig. „Genau… deshalb war auch die Kostenfrage egal. Ich würde sie euch gerne leihen… oder eben vermieten“, meinte Inuyasha deutlich, auch wenn es ihm peinlich war, dass sie es so erfuhren.
„Das können wir nicht“, fuhr Shippo dazwischen. „Warum?“, wollte Inuyasha wissen und verstand einfach nicht, was das Problem war. „Weil du ein Recht auf eine angemessene Miete hast. Das alles hier können wir unmöglich auslösen und zudem die Miete aufbringen.“ Augenrollend hörte Inuyasha Kagomes Erklärung zu. „Ich will aber nicht viel. Und die Möbel könnt ihr so haben“, beharrte er noch einmal. Für ihn war es selbstverständlich zu helfen. „Ok, Vorschlag. Ihr zahlt was ihr könnt. Und ich bekomme die Couch, wenn Kikyo mich rauswerfen sollte“, beugte er sich zu den dreien vor. Mit ernstem Blick sah er die kleine Gruppe an. „Ich würde das Angebot annehmen, Inuyasha ist ein super Vermieter“, pflichte Miroku ihm belustigt bei. „Ok, aber wenn du die Wohnung wieder brauchst, suchst du uns was Neues. Ich will nicht, dass du und Kikyo nicht in diese Wohnung könnt, nur weil wir hier sind“, lenkte Kagome nach einem kurzen Blickaustausch mit ihren Freunden ein.
„Darüber mach dir mal keinen Kopf. Kikyo will nicht in diese Wohnung, somit könnt ihr solange bleiben, wie ihr wollt“, kam es zufrieden von Inuyasha. „Und… herzlich willkommen in eurer neuen Wohnung“, beglückwünschte er die drei Freunde mit einem Handschlag. Zumindest den Freunden konnte er eine Freude bereiten und das war für Inuyasha schon genugtuend genug.
Unter Strom!
Unter Strom!
Schwer schluckte Kagome und sah Naraku dabei zu, wie er ihren Antrag auf Umzugsurlaub durchlas. „Du ziehst also wieder um?“, schaute er sie mit hochgezogener Augenbraue an. „Ja“, lautete ihre schlichte Antwort. Nachdem sie zusammen mit Inuyasha einen vernünftigen Mietvertrag ausgearbeitet hatten, machte zumindest Kagome Nägel mit Köpfen. Ihre Wohnung hatte sie bereits gekündigt und ein geeigneter Nachmieter, dank Inuyashas Hilfe schnell gefunden. Mit Hilfe eines guten Gespräches mit dem Nachmieter, konnte Kagome die wenigen Möbel in der Wohnung lassen. Erhielt für diese sogar noch etwas Geld. Zum Ende des Monats wollte sie bereits ausgezogen sein, um dem Nachmieter den Übergang zu erleichtern. Inuyasha hatte seine letzten Habseligkeiten schon aus seiner Wohnung geholt und Kikyo erzählt, dass Kagome seine Wohnung bekam. Für ihren Umzug wollte Kagome ihren gesetzlichen Anspruch nutzen.
„An dem Tag geht es leider nicht.“ Kurz sah Kagome Naraku schockiert an. „Warum?“, wollte sie wissen. Immerhin war es nur ein einziger Tag, denn sie fehlen würde. „Ich habe zu wenig Personal, du musst also neben deinen Schichten umziehen, Kagome“, kam es wie immer kühl von dem schwarzhaarigen Mann. „Das ist nicht dein Ernst?“, brachte sie wütend über ihre Lippen. Ein Umzug war nun mal nicht einfach so nebenbei zu erledigen, auch wenn ihrer einfacher werden würde, da ihre Möbel in der Wohnung verbleiben würden. „Du kannst dich gerne wieder beschweren, Kagome. Aber glaub nicht, dass das ohne Folgen bleiben würde“, schob Naraku ihr den Antrag wieder über den Tisch rüber. „Du kannst mich mal“, fluchte sie und schnappte sich das Blatt Papier. „Jederzeit, Kagome, jederzeit“, rief Naraku ihr breit grinsend hinterher, nachdem sie einfach sein Büro verlassen hatte. Weiter mit ihm darüber zu diskutieren würde ohnehin nichts bringen.
Vielleicht konnte sie mit ihren Kollegen sprechen, ob jemand mit ihr tauschen konnte, sodass sie vielleicht zwei Tage hintereinander frei bekommen konnte.
„Was machst du denn da?“, wollte Miroku wissen und hatte einen kurzen Blick in sein Büro gemacht. „Kagome, hat mir einige Musiker für die Hochzeit geschickt, die sie gut finden würde. Ich versuche herauszufinden, wen wir anschreiben“, erklärte Inuyasha und spielte die nächste Memo ab, die Kagome mühevoll zusammengestellt hatte und ihm zukommen ließ. „Ah… Kagome also…“, nickte Miroku verstehend. Der Unterton, den er dabei hatte, gefiel Inuyasha absolut nicht. „Hast du was zu sagen?“, wollte dieser deshalb wissen. „Najaaa… Kagome ist heiß und du sprichst in letzter Zeit häufig über sie“, stellte Miroku fest. Kurz zog Inuyasha seine Augenbraue nach oben. „Wir planen eine Hochzeit, natürlich spreche ich öfter mit ihr oder sehe sie. Daran ist aber nichts Ungewöhnliches“, erinnerte Inuyasha ihn. Immerhin musste noch so einiges vorbereitet werden, ehe es vor den Traualtar ging.
„Daran vielleicht nicht, doch eigentlich macht man das mit seiner zukünftigen Frau. Und was ich noch nicht verstehe… du hast ihr deine Wohnung überlassen? Du hast deinen sicheren Hafen geopfert damit sie umziehen kann?“, kam es immer noch verwirrt über diese Tatsache von Miroku. „Ich weiß. Kagome wollte aber unbedingt ausziehen. Ich werde bald heiraten und Kikyo möchte nicht in diese Wohnung ziehen“, erklärte Inuyasha klar und deutlich, warum er sich dafür entschlossen hatte. „Das stimmt, aber warst nicht du es, der immer gesagt hat, dass du diese Wohnung behalten willst falls, es mit Kikyo nicht klappt. Ihr könnt euch immer noch trennen und dann stehst du ohne Wohnung da“, brachte Miroku seine Verständnislosigkeit noch einmal hervor. Seufzend hatte sich Inuyasha seine Worte angehört. Früher hatte er dies wirklich ernst gemeint. Doch mittlerweile dachte er etwas anderes. „Ich weiß, dass es keine Garantie gibt. Ich möchte trotzdem, dass Kagome sich wieder wohlfühlen kann. Sie hat so viel durchmachen müssen und hilft mir so sehr bei dieser Hochzeit. Ich finde es falsch, ihr nicht zu helfen, wenn ich es kann.“
Für keinen anderen Menschen hätte Inuyasha diese Entscheidung getroffen. Doch Kagome hatte seinen Dank verdient und so konnte er ihr diesen wenigstens zeigen. „Und noch was… ich will den Schlüssel“, fordernd streckte Inuyasha seine Hand über seinen Schreibtisch. „Wieso? Vielleicht brauchen sie mal meine Hilfe?“, kam es sofort überrascht über Mirokus Lippen. „Dann können sie dich holen. Ich will nicht, dass du den beiden Mädchen ärger machst“, entgegnete Inuyasha deutlicher. Dabei bewegte er seine Finger, um seinem besten Freund zu signalisieren, dass er nicht nachgeben würde. Miroku wohnte nur drei Stockwerke unter ihnen, konnte demnach jederzeit helfen, wenn sie Hilfe brauchen würden. Dass er jedoch weiter einen Schlüssel besaß, sah er nicht als notwendig an. Und schon gar nicht nach dem Kommentar über Kagome. Sein Freund war schon immer ein Aufreißer gewesen. Inuyasha wollte nicht riskieren, dass die beiden in Bedrängnis kamen.
„Na wenn du meinst. Aber wenn ich mit einer von den beiden zusammenkomme… darf ich wieder ohne Bedenken in die Wohnung, oder?“, wollte sein Freund wissen. „Wenn… ich hoffe nur, dass du dich benehmen kannst… vor allem bei Kagome“, kam es lieblich lächelnd von Inuyasha. Er hoffte, sein bester Freund hatte den Unterton herausgehört, schließlich hatte sie schon einiges durchgemacht und musste nicht gleich wieder auf einen Vollidioten hereinfallen.
Völlig erschöpft ließ sich Kagome auf den Stuhl in der Mensa fallen. „So anstrengend?“, wollte Sango besorgt wissen. Nachdem Kagome ihren Antrag abgeben wollte und dieser abgelehnt wurde, hatte sie versucht alles so gut es eben ging neben ihrer Arbeit zu erledigen. Weit war sie damit jedoch nicht gekommen. Kagome hatte viele Zusatzschichten übernehmen müssen, zudem durfte sie die Hochzeit nicht schleifen lassen. „Ich bin völlig erschöpft“, antwortete sie ihrer besten Freundin, mit der sie eigentlich Mittagessen wollte. Doch Kagome war einfach viel zu müde, um sich dafür zu bewegen. „Vielleicht solltest du doch etwas zurückschrauben“, kam es besorgt von Sango, nachdem Kagome sich auf den Tisch gelegt hatte. Sie hatte die Hände unter ihrem Kopf verschränkt, damit sie besser lag. „Und wobei? In fünf Tagen will ich umgezogen sein, die Hochzeit findet in ein paar Monaten statt und bis auf die Location ist nichts reserviert. Zudem muss ich hier Doppelschichten schieben“, fragte Kagome völlig entnervt nach.
An ihrer Situation konnte sie nichts ändern. In fünf Tagen würde es jedoch besser werden. „Du übernimmst dich. Sag Kikyo, dass sie selbst ebenso etwas tun muss“, kam es verständnislos von Sango. „Nein, ich schaff das schon. In fünf Tagen ist es ohnehin etwas leichter“, winkte Kagome ab. Leider konnte sie nicht länger bei Sango bleiben. „Ich muss wieder los“, seufzte sie daher, da Kagomes Pieper fordernd begonnen hatte sich zu melden. „Wir sehen uns“, verabschiedete sie sich deshalb von ihrer besten Freundin, um ihren Beruf nachgehen zu können, auch wenn es zunehmend schwerer für sie wurde.
Benommen öffnete Kagome ihre Augen. Wie von selbst sah sie sich in dem kleinen Behandlungszimmer um. „Oh Fuck“, entkam es ihr leise, als sie realisierte, wo sie sich soeben befand. „Du bist wach“, hörte sie Hojos Stimme und richtete sich vorsichtig auf. „Sag mir nicht, dass ich vor den Patienten umgekippt bin“, wollte sie wissen, denn das wäre für sie das Schlimmste, was passieren konnte. „Nein. Du wolltest gerade den Medikamententisch holen und zur Visite gehen. Geht es dir besser?“, fragte er nach und setzte sich auf den Stuhl vor dem Krankenbett. „Mir geht es gut“, bestätigte sie und rückte an den Rand des Bettes. Sie fühlte sich nicht besonders wohl, weil sie immer noch total müde war. „Ich schreibe dich krank.“ Überrascht sah sie Hojo an. „Das musst du nicht“, protestieren sie sofort. Kagome wollte keine Sonderbehandlung, schon gar nicht von ihrem Exverlobten. „Kagome, Du hattest einen Schwächeanfall. Du bist vollkommen erschöpft und machst Fehler“, kam es streng über Hojos Lippen.
Kagome wandte ihren Blick ab und wusste, dass sie in den letzten Tagen nicht wirklich konzentriert war. „Die Arbeit, Hochzeitsvorbereitungen und dein Umzug. All das zerrt an dir.“ Genervt rollte Kagome mit ihren Augen. „War klar, dass er es dir erzählt. Das ist immer noch meine Sache. Wenn dein ach so toller bester Freund nicht meinen Antrag auf Umzugsurlaub abgelehnt hätte und mich gefühlt eine Million Zusatzschichten machen ließe, wäre ich nicht so erledigt“, fuhr sie ihn an. „Deswegen schreibe ich dich krank. Du kannst dich etwas ausruhen und erholen“, meinte er und Hojo füllte die Krankmeldung aus, ehe er ihr das Formular aushändigte. „Sango müsste deinen Verlobten schon angerufen haben. Sollte er dich nicht holen können, bleibst du hier und ich fahre dich später nach Hause.“ Mit großen Augen sah Kagome ihren Exverlobten an. „Das hättest du nicht machen sollen“, schüttelte sie leicht den Kopf.
Kikyo würde es sicher nicht gutheißen, dass Inuyasha sie abholen kam. „Warum? Bist du deinem Zukünftigen etwa nicht wichtig genug?“, kam es mit ernstem Blick von Hojo. Kagome wusste nicht, was sie nun antworten sollte, immerhin hatte sie Hojo die ganze Zeit etwas vorgemacht.
Kurz zögerte Inuyasha, ehe er an die Tür zum Behandlungszimmer klopfte. Zu diesem hatte ihn Sango geführt, nachdem sie ihn zuvor angerufen hatte und meinte, dass Kagome umgekippt war. Sofort hatte er sich auf den Weg ins Krankenhaus gemacht. „Entschuldige.“ Eilig drehte sich Inuyasha um und schloss die Tür wieder. Er hatte nicht damit gerechnet, dass Kagome sich soeben umzog. „Es tut mir leid, dass du extra wegen mir hierherkommen musstest“, entschuldige sie sich leise. „Mach dir mal darüber keine Sorgen“, stellte er klar. Für ihn war es selbstverständlich gewesen, dass er sie abholen würde. „Geht es dir denn besser?“, wollte er wissen und hatte sich ziemliche Sorgen gemacht. „Ja, und da du nun hier bist, darf ich sogar gehen“, lächelte sie ihn an, nachdem sie sich fertig angezogen hatte und auf ihn zugekommen war. „Ich muss nur schnell meine Krankmeldung abgeben, wartest du hier?“, wollte sie wissen.
Nickend blieb Inuyasha allein im Raum zurück und war erleichtert, dass es ihr doch nicht so schlecht zu gehen schien. „Wo ist Kagome?“, kam es, nachdem die Tür kurz darauf geöffnet wurde. Hojo war in den Raum getreten und sah sich in diesem um. „Sie wollte noch schnell ihre Krankmeldung abgeben“, antwortete Inuyasha ihm. Er mochte den Mann absolut nicht. Inuyasha verstand einfach nicht, wie er Kagome das alles antun konnte. „Ich habe doch gesagt, ich mache das. Jetzt wird sie nur wieder mit Naraku streiten“, seufzte der junge Arzt und lief sofort aus dem Raum. Ohne es verhindern zu können lief Inuyasha ihm nach. „Du siehst doch gar nicht krank aus“, hörten sie schon von weiten, als sie aus dem Fahrstuhl ausstiegen. Hojo beschleunigte seine Schritte und öffnete eilig eine Bürotür. „Naraku… Kagome ist zusammengebrochen, sie zeigt eindeutige Symtome einer totalen Überanstrengung. Wenn sie jetzt nicht zu Hause bleibt, passiert noch irgendwas“, verteidigte Hojo sie. Inuyasha beobachtete das Schauspiel aus der Ferne. „Geh nach Hause Kagome, ich regle das für dich“, forderte der junge Arzt schließlich seine Exverlobte auf.
Diese ließ es sich nicht zweimal sagen. „Können wir fahren?“, kam sie mit diesen Worten auf Inuyasha zu. „Klar“, bestätigte dieser. Kagome setzte sich schon in Bewegung und wollte diesem Theater wohl entgehen. Inuyasha beobachtete die beiden Männer noch kurz, konnte hören über was die beiden Männer sprachen. „Du treibst sie in seine Arme, ich dachte du wolltest sie zurück?“, warf der schwarzhaarige Mann Hojo vor. Kopfschüttelnd wendete sich Inuyasha ab und hoffte gleichzeitig, dass Kagome ihm niemals mehr eine Chance gab, hatte dieser Vollidiot sie in seinen Augen doch wirklich nicht verdient.
Komische Gefühle!
Komische Gefühle!
Lächelnd stellte Kagome die Vase mit den frischen Blumen auf der kleinen Kommode ab. Noch einmal schaute sie sich ihre Dekoration an. Nachdem Inuyasha Kagome vor zwei Tagen nach Hause gebracht hatte, hatte sie ihren Umzug gut vorangebracht. Einige Stunden hatte sie sich ausgeruht, danach ihre Umzugskartons zusammengepackt. An diesem Tag hatte sie mit Shippos Hilfe die ganzen Kartons in die neue Wohnung gebracht. Kagome würde schon diese Nacht dort verbringen. Sango und Shippo würden erst in zwei Monaten gänzlich in diese Wohnung ziehen. Da Kagome jedoch eine Hochzeit planen musste, hatte sie schneller umziehen wollen. Shippo war bereits zur Arbeit aufgebrochen, Kagome hatte sich um das Auspacken der Kartons gekümmert. Da sie nicht wirklich viel mitgenommen hatte, war sie schnell mit dieser Aufgabe fertig. Seufzend setzte sie sich auf das Bett. Irgendwie fühlte es sich komisch an, nun in dieser Wohnung zu leben. Kagome war sich jedoch sicher, dass sie sich bald daran gewöhnen würde.
Die Wohnung war wirklich schön und erfüllte so manchen heimlichen Wunsch der jungen Frau. Mit einem kleinen Lächeln erhob sie sich wieder von ihrem neuen Bett. Der Tag hatte recht anstrengend begonnen. Kagome hatte alles gegeben, um so schnell wie möglich fertig zu werden. Es würde noch Stunden dauern, bis Sango ihre Schicht beendet hatte. Die beiden Frauen hatten sich verabredet, um auf ihren Umzug anzustoßen. Doch vorher wollte sie sich etwas Entspannung gönnen und sie wusste schon ganz genau, wie sie sich diese gönnen wollte. Mit einem schönen heißen Bad und guter Musik.
„Hast du schon mal wieder mit Kagome gesprochen?“, wollte Miroku während der gesamten Zeit der Mittagspause wissen. Als Sango vor zwei Tagen bei ihm angerufen hatte und Inuyasha völlig überstürzt aufgebrochen war, hatte Inuyasha ihn gebeten einige Termine von ihm zu übernehmen. Sein Freund hatte natürlich sofort zugestimmt. Nun schien er sich wirklich sorgen zu machen. „Ja, sie wollte heute umziehen“, lächelte er und hatte durchaus nach gefragt, um seine eigene Sorge etwas zu mindern. „Sie hat sich keine Ruhe gegönnt?“, klappte Miroku schockiert der Mund auf. Doch Kagome schien mit ein bisschen Schlaf genug Ruhe gehabt zu haben. „Sie hat zumindest einige Stunden geschlafen“, zuckte Inuyasha mit den Schultern. Ihm wäre es lieber gewesen, Kagome würde sich mehr Ruhe gönnen. Doch dafür schien sie sich nicht begeistern zu können. „Sie scheint hart im Nehmen zu sein. Ich glaube, ich werde ihr heute Abend einen kleinen Begrüßungsbesuch abstatten“, überlegte Miroku laut.
Fest biss Inuyasha seine Zähne zusammen. „Ich habe dir was gesagt“, kam es leise über seine Lippen. Es machte Inuyasha wütend, dass Miroku scheinbar gefallen an Kagome gefunden hatte. „Warum darf ich denn mein Glück nicht versuchen?“, murrte Miroku mit verschränkten Armen zu seinem besten Freund. Bis jetzt hatte Inuyasha ihn einfach machen lassen. Doch Kagome wollte er auf keinen Fall an der Seite von Miroku sehen. „Ich sagte doch, dass sie schon einiges durchgemacht hat und du ihr unnötig weh tun würdest“, konterte Inuyasha. Sein bester Freund war einfach nicht der Richtige für sie. „Ich habe da meine eigene Theorie.“ Misstrauisch zog Inuyasha eine Augenbraue hoch. Egal was sein bester Freund sich soeben zusammenreimte, es konnte nur Blödsinn sein. „Ich bin mir ziemlich sicher, dass du Kagome ebenfalls ziemlich scharf findest. Es passt dir nicht, dass ich sie knallen könnte, weil du es nicht kannst“, beugte sich Miroku produzierend über den Tisch.
Inuyasha begann herzhaft zu lachen. Sein Kumpel hatte wirklich eine blühende Fantasie. „Glaube, was du willst. Aber Kagome knallen wirst du niemals“, machte er ihm klar. Er würde Kagome schon noch erklären, dass Miroku nichts für sie war. „Und jetzt lass uns lieber essen. Unsere Pause ist gleich vorbei“, wechselte Inuyasha das Thema so geschickt wie möglich. Es nervte ihn, dass Miroku immer und immer wieder von Kagome sprach, vor allem weil er sie überhaupt nicht kannte.
Eilig zog sich Kagome ihren Bademantel über. Nach einem ausgiebigen Bad hatte sie einen Beautytag eingelegt, dieser wurde durch das fordernde Klingeln ihre Haustür unterbrochen. „Ja?“, fragend öffnete Kagome die Haustür. „Hallo, willkommen in deinem neuen Zuhause“, wurde sie lächelnd von Inuyashas Arbeitskollegen begrüßt. „Oh… Dankeschön“, freute Kagome sich über das kleine Mitbringsel, dass er ihr entgegenstrecke. „Entschuldige meinen Aufzug“, entschuldige sie sich für ihr Aussehen. „Ach mach dir darüber keine Sorgen“, winkte dieser ab. Kurz überlegt sie, ob sie den jungen Mann hereinlassen sollte. Trat jedoch einen Schritt zur Seite. „Willst du vielleicht hereinkommen? Ich ziehe mir nur noch schnell etwas über.“ Dankend nahm Miroku ihr Angebot an. Eilig verschwand sie in ihrem neuen Schlafzimmer und schnappte sich einige Kleidungsstücke aus ihrem Kleiderschrank. In Windeseile hatte sie sich angezogen und war zurück in das Wohnzimmer gelaufen.
„Willst du vielleicht etwas trinken?“, bot Kagome dem jungen Mann ein Getränk an. Sie fand es schön, dass er sie in ihrem neuen Heim besuchte. „Nur ein Wasser bitte.“ Sie nickte und lief in die Küche. Es war schon etwas komisch einen fremden Mann im Wohnzimmer sitzen zu haben. „Wie bist du auf die Idee gekommen?“, wollte sie wissen. Immerhin war es in einer Stadt wie Tokio ungewöhnlich seine Nachbarn zu begrüßen, allein schon weil man sie meist nie lange hatte. „Inuyasha hat mir davon erzählt. Ich bin froh, dass es dir schon besser zu gehen scheint. Inuyasha ist komplett in Panik verfallen, als er den Anruf bekam.“ Kagome musste bei der Bemerkung lachen. „Vermutlich dachte er, dass irgendwas mit Kikyo passiert ist. Für den Anruf bin leider ich schuld. Hojo denkt, ich sei mit Inuyasha zusammen und würde ihn heiraten“, gestand sie schüchtern. Es tat ihr wirklich leid, dass er durch sie solche Probleme hatte.
„Danke nochmal, dass du seine Termine übernommen hast“, bedankte sich Kagome, da sie von Inuyasha erfahren hatte, dass er nur deshalb überhaupt hatte kommen können. „Wieso denkt der Typ das?“, wollte Miroku überrascht wissen. „Ich war mit Inuyasha verabredet als Hojo… mein Ex… uns gesehen hat. Er hat mich genervt und najaaaa Inuyasha hat mitgespielt. Als er dann von den Hochzeitsvorbereitungen erfuhr, war er geschockt und denkt jetzt natürlich, dass ich ihn heiraten würde. Ich konnte die Lüge nicht richtigstellen“, erklärte sie die Situation. Sie setzte sich dem Mann gegenüber. „Wirst du Inuyashas Trauzeuge sein?“, wollte sie neugierig wissen. „Ja, zusammen mit seinem Bruder. Ich halte zwar nicht viel davon… aber was soll ich machen?“ Verwirrt runzelte Kagome ihre Stirn.
„Wie meinst du das?“, hakte sie direkt nach. Es überraschte sie doch, dass Miroku nicht unbedingt gerne an die Hochzeit dachte. „Ich finde, Kikyo passt nicht zu Inuyasha. Er möchte Familie und Kikyo scheint davon nicht ganz so viel zu halten.“ Schwer schluckte Kagome. Auch sie hatte damals ganz andere Pläne, als ihr damaliger Verlobter, wie es damals ausging wussten mittlerweile alle. „Vielleicht haben die beiden das schon geklärt. Ich werde übrigens Kikyos Trauzeugin sein“, lächelte sie, die vor zwei Tagen damit überrascht worden war. „Oh… dann werden wir in den nächsten Wochen auch einiges miteinander zu tun haben. Ich freue mich auf jeden Fall schon auf die Zusammenarbeit“, freute er sich und auch sie teilte diesen Gedanken. Miroku schien wirklich ein netter Kerl zu sein und vielleicht würden sie irgendwann Freunde werden.
„Ist alles in Ordnung?“ Überrascht schaute Inuyasha zu Kikyo. Seit Wochen war dies das erste Mal, dass sie ihn ansprach. Kikyo konnte ziemlich nachtragend sein, doch scheinbar war es ihr nun zu blöd weiter mit ihm zu streiten. „Ja… Miroku wollte heute zu Kagome.“ So beiläufig wie möglich versuchte er diese Tatsache zu offenbaren. Innerlich war er jedoch ziemlich angespannt und bekam dadurch keinen Bissen hinunter. „Wollen die beiden wegen der Hochzeit sprechen?“, wollte Kikyo wissen. „Vielleicht, Kagome hat mir erzählt, dass du sie zu deiner Trauzeugin gemacht hast.“ Inuyasha war ziemlich überrascht gewesen, als Kagome ihm dies erzählt hatte. Damit hatte sich die junge Frau leider aber noch mehr Stress aufgebürdet. „Ja, sie war begeistert. Ich freue mich, dass Kagome sich so um unsere Hochzeit kümmert. Du warst letztes Jahr nicht dabei, aber alles war so traumhaft“, schwärmte Kikyo von Kagomes Hochzeit. „Traumhaft vielleicht, aber wir wissen beide, dass es alles andere als schön geendet hat“, seufzte er.
Bestimmt war es für Kagome immer noch nicht leicht, wieder eine Hochzeit zu planen. „Da hast du recht. Ich glaube aber, dass Hojo es nicht böse meinte. Er hat einfach kalte Füße bekommen.“ Überrascht sah er Kikyo an. „Wie kommst du darauf?“, wollte er wissen. „Hojo war kurz vor Kagomes Rückkehr bei mir. Ihm schien es wirklich leid zu tun. Ich glaube, dass er sie immer noch liebt und wer weiß… vielleicht kommen sich die beiden über ihre Arbeit wieder näher“, lächelte Kikyo. Sie schien Kagomes Gefühle nicht einmal zu berücksichtigen. „Ich glaube nicht, dass Kagome noch Interesse an dem Mann hat. Oder würdest du mir noch eine Chance geben, wenn ich dich vor dem Traualtar stehen lassen würde?“, wollte er staunend wissen. „Nein wo denkst du hin?“, kam es gleich kopfschüttelnd und schockiert von ihr. Inuyasha spitzte seine Lippen.
„Wieso erwartest du dann, dass Kagome es tut?“, fragte er mit monotonem Ton nach. Es war einfach unglaublich wie Unterschiedlich Kikyos Meinung waren. „Kagome ist ganz anders als ich. Sie hat noch nie ihr Herz vergeben, wenn sie sich nicht ganz sicher war. Sie wollte noch nicht mal einen One-Night-Stand, weil sie dafür Gefühle braucht. Ich bin mir sicher, dass sie ihn ebenfalls noch liebt. Und wenn die zwei einmal klar miteinander sprechen würden, würde sich alles aufklären und sie würde ihrer Liebe noch eine Chance geben.“ Staunend nickte Inuyasha und war sichtlich schockiert über Kikyos Worte. „Ich habe etwas Wichtiges im Büro vergessen. Ich muss noch einmal los. Bis später“, sprach er aus und stand vom Tisch auf. Nach diesem Gespräch brauchte er unbedingt etwas frische Luft, vor allem um seine Gedanken zu sortieren.
„Oh wartet, das muss unsere Pizza sein“, stoppte Kagome Miroku und Sango. Nachdem Miroku und sie einige gute Gespräche geführt hatten, war plötzlich Sango vor der Tür gestanden. Zusammen hatten die drei Kagomes Einzug gefeiert. Eine Flasche Sekt wurde aufgemacht und getrunken. Schlussendlich hatten sie sich dazu entschlossen, Pizza zu bestellen. Auf diese hatte Kagome auch schon einen unheimlichen Appetit. Am heutigen Tag hatte sie nur wenig gegessen, sie hatte wirklich Hunger. Schnell eilte sie deshalb zu ihrer Haustür. Im Vorbeigehen hatte sie sich ihre Geldbörse geschnappt. Rasch hatte sie die Tür geöffnet und blickte in Inuyashas Augen. „Hey, ich vermute mal... die gehören euch“, lächelte er sie an. Kagome erwiderte dieses. „Ja und scheinbar bist du da mein Retter, ich habe einen Bärenhunger“, nahm sie ihm die Pizzaschachteln ab. „So sieht diese Bestellung auch aus“, lachte er und lief einfach hinter ihr her, nachdem er die Tür geschlossen hatte.
„Das ist nicht für mich allein. Ich habe Besuch. Sango und Miroku sind hier“, erklärte Kagome ihm. „Willst du mitessen?“, wollte sie von ihm wissen. Sie war sich sicher, dass es für sie reichen würde. „Und was bekommst du eigentlich?“, fragte sie nach. Schließlich musste er die Pizzen bezahlt haben, wenn er sie schon hatte. „Das passt schon. Und ich würde gern mit euch essen“, freute er sich über die Einladung. „Hey Leute, Inuyasha wollte auch Hallo sagen“, lief Kagome mit ihm zusammen ins Wohnzimmer. „Hey“, begrüßte er die beiden mit einer winkenden Handbewegung. „Setz dich“, bot Kagome ihm einen Platz neben Miroku an. Gemeinsam begannen sie zu Essen. Für Kagome wirklich ein schönes Gefühl, da sie es sehr genoss, wieder unter Leuten zu sein.
Erste Vorbereitungen!
Erste Vorbereitungen!
Zufrieden hatte Kagome sämtliche Unterlagen für die Hochzeit vor sich verteilt. Nachdem die Wohnung fertig eingerichtet war, wollte sie sich an das nächste große Projekt machen. Für dieses Vorhaben hatte sie sich extra etwas mit Inuyasha ausgemacht. Dieser hatte noch einige Termine und wollte im Anschluss zu ihr kommen. Kurz lugte sie auf ihr Handy. „Was verschafft mir den die Ehre, Cousinchen?“, wollte sie lächelnd von Kikyo wissen. In den letzten Wochen hatten die beiden sich nicht ganz so oft gesprochen, geschweige denn öfter gesehen. Dies geschah nur selten. „Hast du dich schon eingelebt?“, wollte sie von ihr wissen. „Was? Ich wohne doch erst seit zwei Tagen in der Wohnung. Es ist immer noch ungewohnt hier zu schlafen“, gestand Kagome. Sie war eben ein Gewohnheitstier. Sie würde sicher noch eine Weile brauchen, um sich an ihre neue Umgebung zu gewöhnen. „Ich bin mir sicher, dass du die Wohnung sicher bald toll finden wirst. Ich bin immer noch überrascht, dass Inuyasha dir diese vermietet hat.“
Kikyo hatte ihr schon vor einigen Tagen ihre Überraschung kund getan. „Er meinte, dass er dich heiratet und ihr in deiner Wohnung bleiben wollt. Inuyasha fand es schade, dass die Wohnung leer stand“, erklärte Kagome seine Entscheidung. „Aber nur deshalb rufst du doch nicht an?“, schmunzelte sie. Niemals würde ihre Cousine wegen sowas anrufen. Dafür kannte sie diese doch viel zu gut. „Nein. Inuyasha und du trefft euch doch heute wegen der Hochzeit?“, wollte sie wissen. „Ja, er sollte später noch vorbeikommen“, lugte Kagome kurz auf die Uhr. „Wie weit seid ihr denn schon?“, wollte sie erfahren. Kurz leckte sich Kagome über die Lippen. „Wir sind dabei“, kam es vage von ihr. Im Moment hinkte sie ziemlich hinterher, doch das konnte sie Kikyo unmöglich gestehen. „Hast du es geschafft, dir das nächste Wochenende frei zu nehmen?“, fragte sie stattdessen nach. Immerhin konnte sie und Inuyasha die Burg an diesem Wochenende besichtigen. Als Überraschung hatte Kagome eine Übernachtung für sie beiden gebucht, so konnte das Paar schon etwas das Feeling kennenlernen.
„Ach… das war dieses Wochenende…“ Kagome verdrehte ihre Augen und ahnte schon Schlimmes. „Kikyo, sag mir jetzt nicht, dass du deinen Chef nicht gefragt hast“, fuhr Kagome Kikyo an. Manchmal konnte sie ihre Wut gegenüber ihrer Cousine nicht bändigen. „Ich habe es vergessen ok? Aber du kannst doch einfach an meiner Stelle dahingehen“, verteidigte sich Kikyo. „Das kann doch nicht dein Ernst sein“, fluchte Kagome. Das konnte doch alles nicht wahr sein. „Das ist doch kein Drama. Du weißt, was ich will. Du bekommst das schon hin. Ich muss jetzt aber auch los, die Arbeit ruft“, legte Kikyo lächelnd auf und ließ Kagome in ihrer Wut allein zurück. „Diese blöde Kuh“, konnte sich Kagome es nicht verkneifen. Immerhin gab sie sich solche Mühe und alles, was ihre Cousine tat war ihre Bemühungen zu boykottieren.
„Hey.“ Mit finsterer Miene öffnete Kagome Inuyasha die Haustür. Er war über Kagomes Auftreten verwirrt, sonst war die junge Frau eigentlich immer gut drauf. Zumindest wenn nicht zufällig ihr Ex ihren Weg kreuzte. „Was ist denn mit dir los?“, wollte er wissen und folgte ihr einfach ins Innere der Wohnung. „Die Burgbesichtigung fällt ins Wasser“, seufzte sie und setzte sich wieder an den Esstisch. „Warum das denn? Ich habe doch extra das Wochenende freigehalten“, wollte er wissen und freute sich insgeheim schon auf das Wochenende mit Kikyo. Vor allem nach der angespannten Situation mit ihr. „Weil Kikyo nicht frei hat. Sie hat es angeblich vergessen“, murrte Kagome und wühlte in ihren Unterlagen herum. „Sie hat was?“, fragte er nach. Er konnte nicht glauben, dass Kikyo auch das nicht wichtig war. „Wer weiß, ob ihr heiratet… vielleicht vergisst sie da sich ebenso frei zu nehmen“, motzte sie weiter. Inuyasha konnte ihre Wut nachvollziehen, denn er war ebenfalls enttäuscht.
„Weißt du, was sie gesagt hat… ich kann ja mit dir hinfahren“, schob sie die Unterlagen von sich. „Jetzt beruhig dich erstmal“, bat er sie, sich etwas zu entspannen. Es tat ihm wahnsinnig leid, dass Kikyo ihren schönen Plan zerstört hatte. „Das ist doch alles zum Kotzen. Kikyo bringt sich nicht einmal ein bisschen in die Hochzeitsvorbereitungen ein“, kam es frustriert von ihr. Auch Inuyasha wünschte sich, dass Kikyo mehr bei der Planung helfen würde. Doch dazu konnte er sie ohnehin nicht zwingen. „Wir können sie nicht zwingen. Wie hast du nächste Woche Schicht?“, wollte Inuyasha von ihr wissen. „Ich habe samstags meinen Schlaftag und Sonntag wieder Nachtschicht“, seufzte sie. Kurz überlegte er. „Der Termin ist doch Samstags vormittags, oder?“, fragte er nach, ob er es richtig im Kopf hatte. Nickend bestätigte sie ihm dies. „Um halb elf“, teilte sie ihm noch die Uhrzeit mit. „Und wann hast du Dienstschluss?“, hakte er nach. „Um sieben. Aber warum fragst du?“, stellte sie die Gegenfrage.
„Na was wohl… Ich befolge Kikyos Anweisungen.“ Verwirrt sah sie ihn an und schien nicht ganz zu verstehen. „Welche Anweisung?“, wollte sie verwundert erfahren. „Na, dass du mit mir fährst. Es wird zwar knapp, aber ich könnte dich vom Krankenhaus abholen. Den Termin sollten wir schaffen“, lächelte er. Dabei sah er, wie sie sich auf die Lippe biss. „Das geht nicht…“, flüsterte sie leise. „Ich habe ein Zimmer für euch beide gebucht. Ich dachte, es wäre eine schöne Idee“, kam es verlegen über ihre Lippen. Kurz schluckte er schwer. Damit hatte Inuyasha nun wirklich nicht gerechnet. „Ähm… das ist natürlich… blöd“, stockte seine Stimme. Er wusste wirklich nicht, was er nun tun sollte. „Hinfahren können wir doch trotzdem. Und das mit dem Zimmer bekommen wir schon noch geklärt“, zuckte er einfach mit seinen Schultern. Er wollte die Burg unbedingt näher besichtigen und wenn sie schon einen Termin hatten, sollte sie diesen nicht verstreichen lassen. „Ich weiß nicht“, seufzte sie.
„Du wolltest doch einiges wegen der Hochzeit besprechen. Willst du wirklich alles in der letzten Minute erledigen?“, fragte er nach und legte seine Hand auf ihre Schulter. „Du hast ja recht und außerdem hat Kikyo gesagt, dass ich mit dir fahren soll“, lächelte sie ihn zuversichtlich an. Natürlich fand er es schade, dass Kikyo diesen Termin nicht mit ihm wahrnehmen wollte, doch es gab unangenehmere Begleitung und irgendwie freute er sich schon darauf, mit Kagome die Burg besichtigen zu können.
„Und was hältst du von diesem Sänger?“ Kurz spielte Kagome noch einmal das Memo ab. Zusammen mit Inuyasha wollte sie einige wichtige Punkte abarbeiten. Langsam mussten die beiden, die Musiker und Attraktionen bestellen, ehe es zu spät wird. Die beiden saßen schon seit Stunden an den verschiedenen Listen. „Den finde ich wirklich gut. Er scheint einige eigene Songs zu haben“, scrollte er über die Playliste des jungen Mannes. Es handelte sich dabei um einen aufstrebenden Künstler, der hauptsächlich Hochzeiten betreute. „Ich finde ihn auch unglaublich. Hätte er vor einem Jahr schon Vorführungen gemacht, wäre er wohl zu meiner Hochzeit gekommen“, schwärmte sie und wurde danach jedoch wehmütig. „Najaaa vielleicht war es doch besser, ihn nicht zu haben“, fügte sie mit leiser Stimme hinzu. Kagome hatte es bei den Vorbereitungen vermieden jemanden rauszusuchen, der bereits bei ihrer Hochzeit gebucht gewesen war.
„Kannst du bei dem Manager mal fragen, ob noch ein Termin frei ist?“, bat Inuyasha sie, sodass sie schnell eine Nachricht verfasste und diese Abschickte. „Wir sollten noch ein oder zwei andere Sänger anschreiben, nur zur Sicherheit.“ Immerhin war die Hochzeit schon bald und nicht jeder konnte so kurzfristig einen Termin anbieten. „Ich würde noch diese Frau hier nehmen. Sie scheint ebenfalls sehr fähig zu sein.“ Kurz schnappte Inuyasha ihr die Maus weg und suchte in ihren Dateien eine ganz bestimmte Künstlerin. „Sie ist gut… aber mein Favorit ist definitiv der Erste“, stellte sie direkt klar. Doch ihr konnte es ziemlich egal sein. Hauptsache sie bekamen überhaupt noch jemanden und das Brautpaar war glücklich. „Da hast du natürlich Recht, auch ich würde lieber ihn haben wollen“, lächelte er. Inuyasha schien einen ähnlichen Geschmack wie Kagome zu haben. „Na dann sollten wir beide hoffen, dass alles gut geht“, kicherte sie.
„Hast du dir eigentlich schon Gedanken gemacht, welche Blumen und Farben du bei der Hochzeit haben möchtest?“, wollte sie von ihm wissen. Sie hatten einen wichtigen Punkt abgehakt. Noch fühlte Kagome sich fit genug, um etwas weiterzuarbeiten. „Ich würde gerne Rot einbringen.“ Kurz kicherte sie und hatte sich dies aufgrund der Wohnung, in der sie lebte, bereits gedacht. „Irgendwie wusste ich das. Ich würde Grün dazu vorschlagen. Ich glaube, dass würde einen sehr schönen Kontrast geben zu dem ganzen weiß“, stellte sie sich die Dekoration schon etwas vor. „Du scheinst schon einen genauen Plan zu haben“, lächelte Inuyasha sie an. „Nein... nur ein bisschen. Ich muss die Location noch besichtigen, um endgültige Pläne zu machen“, lächelte Kagome. Immerhin konnte sie die Gegebenheiten nicht genau einschätzen. Sie musste vor Ort die Tischaufstellung und Möglichkeiten abwiegen. „Was noch ziemlich wichtig wäre… Wir müssten dringend einen Fotografen aussuchen. Ebenso muss der Kameramann gebucht werden“, drängte Kagome zu einer Entscheidung. Bis jetzt hatte Inuyasha nicht gesagt, welchen der Unzähligen, die sie ausgesucht hatte, er wollte.
„Ich kann mich nicht entscheiden. Ich würde gerne eine Firma oder ein Studio mit beidem beauftragen. Aber es gibt viel zu viele“, seufzte er. Sie wusste natürlich, dass es extrem anstrengend war, so viele Entscheidungen zu treffen, vor allem wenn man alles beinahe im Alleingang entscheiden musste. „Wie wäre es, wenn wir uns auf die Studios konzentrieren, die in Matsumoto liegen. So müsste zumindest der Fotograf nicht weit anreisen und es würde um einiges weniger kosten“, schlug Kagome vor. Auch die Blumen wollte sie dort Vorort bestellen. Dazu würde sie noch einmal vor der Hochzeit nach Matsumoto reisen, um die letzten Details zu besprechen. „Vielleicht hat auch der Burgherr einige Tipps für uns“, lenkte er ein. „Du hast Recht. Er kennt sich bestimmt gut aus und vielleicht haben sie Verträge mit Blumenläden und Fotografen.“ An diese Möglichkeit hatte sie noch nicht gedacht. „Das wäre natürlich optimal. Bei Blumen und Deko würde ich mich raushalten. Damit kenne ich mich zu wenig aus“, gestand Inuyasha beschämt.
Für Kagome war dies jedoch wenig überraschend. Sie kannte nicht viele Männer, die sich dafür begeisterten. „Ich könnte dir meine Blumenauswahl zeigen und dir die Bedeutungen erklären“, bot sie ihm an. Sie hatte schon einen kleinen Plan im Kopf. Rosen waren definitiv raus. Diese hatte sie bei ihrer Hochzeit gehabt. Sie hatte gehofft, dass die Liebe, die diese Blumen präsentierten, auch ihre Liebe ewig währen ließ. Doch ihr hatten sie kein Glück gebracht. Kagome setzte dieses Mal auf mehr Stil und Gefühl. Sie wollte, dass alle Gäste begeistert wären. „Hast du eigentlich romantische Bilder von dir und Kikyo?“, wollte sie neugierig wissen. „Nicht wirklich viele. Nur diese hier.“ Suchend scrollte er an seinem Handy und zeigte ihr danach, ein Foto wo Kikyo und er sich verliebt ansahen und vor dem großen Baum am Gelände ihrer Familie standen.
„Das ist schön. Ich würde es gerne für die Hochzeitseinladungen nehmen“, lächelte sie ihn an. Sobald die Location bestätigt wurde und sie zurück wären, wollte sie diese drucken lassen. Schließlich sollten die Gäste rechtzeitig über den Termin informiert werden. „Das ist wirklich eine schöne Idee“, stimmte er ihr lächelnd zu. Kurz blickte sie zur Uhr. Es war schon ziemlich spät und mittlerweile hatten sie einiges geschafft. Langsam wurde sie müde. „Ich denke, wir können für heute Schluss machen. Wir haben vieles durch besprochen“, sprach Inuyasha und schien ihre beginnende Müdigkeit ebenfalls zu bemerken. „Du hast Recht“, stimmte Kagome seinem Vorschlag zu. Der Tag war lange und sie hatten vieles gemeinsam erledigen können. Den Rest würden sie bestimmt in den nächsten Wochen schaffen. „Ich bringe dich noch zur Tür“, stand Kagome gemeinsam mit dem jungen Mann auf. „Schönen Abend noch, Kagome“, verabschiedet er sich von ihr. Kagome winkte ihm mit einem Lächeln und schloss anschließend erleichtert die Tür, hatten sie doch mehr geschafft, als sie zuvor gedacht hatte.
Ein besonderer Ausflug!
Ein besonderer Ausflug!
Müde lehnte sich Kagome gegen ihren Spinnt im Personalraum. Zuvor hatte sie ihrem Kollegen einige wichtige Informationen gegeben. Die Nacht war wirklich anstrengend gewesen. Viele Notfälle waren eingetroffen und mussten versorgt werden. Am liebsten wäre sie sofort ab nach Hause gegangen und in ihr kuscheliges Bett gekippt. Doch in diesen Genuss kam sie erst später wieder. Wie mit Inuyasha besprochen, fuhr sie an Stelle von Kikyo mit zur Besichtigung der Burg. Bestimmt wartete er schon am Parkplatz auf sie. Doch vorher wollte sie sich wenigstens ein bisschen frisch machen. Für diesen Anlass hatte sie extra eine kleine Reisetasche mitgebracht. Diese hatte sie sich soeben geschnappt und lief mit dem Inhalt bewaffnet Richtung Duschkabinen. Am heutigen Morgen musste zu ihrem Leidwesen eine Katzenwäsche reichen. Schnell hatte sie den Waschlappen mit Duschgel benetzt und befeuchtet. Vorsichtig strich sie sich mit diesem über den Körper und wusch sich die Seifenreste ab.
Die frische Kleidung, die sie sich mitgebracht hatte, zog sie sich wieder an. Anschließend kämmte sie sich ihre Haare und trug etwas Make-up auf, um ihre Müdigkeit etwas zu verstecken. Noch ein bisschen Parfüm und sie empfand sich selbst wieder als ansehbar. Mit einem tiefen Atemzug verließ sie den Personalraum und schlussendlich das Krankenhaus. Auch wenn sie ziemlich müde war, freute sie sich endlich wieder aus der Stadt zu kommen und einen schönen Tag verbringen zu können.
„Kagome…“ Vorsichtig rüttelte Inuyasha an der Schulter der jungen Frau. Nachdem sie zusammen aufgebrochen waren, war Kagome nur Minuten nach dem Losfahren einfach eingeschlafen. Verübeln konnte er ihr dies nicht. Nachtschichten würde er bestimmt nicht machen können. Er bewundert sie dafür, dass sie alles so gut unter einen Hut bekam. Auf seine Berührungen reagierte sie zu seinem Leidwesen gar nicht. Dabei hatte er ihr schon etwas mehr Schlaf gegönnt. Nachdem sie etwas zu früh dran gewesen waren, war Inuyasha etwas in dem umliegenden Burgpark spazieren gegangen. Doch langsam mussten sie sich in das innere der Burg begeben und der Termin würde bald beginnen. Jedoch schien Kagome keine große Lust darauf zu haben und drehte sich doch wieder von ihm weg. Das die Autotür offen stand und es ziemlich kalt im inneren des Autos werden musste, schien sie ebenso nicht zu stören.
„Kagome... du musst aufwachen. Unser Termin beginnt gleich“, rüttelt Inuyasha etwas stärker an ihrer Schulter. „Wie spät ist es?“, murmelte die junge Frau noch nicht ganz so munter und rieb sich ihre Augen. „Kurz vor halb elf. Ich habe dich wirklich bis auf die letzte Minute schlafen lassen“, schmunzelte er über die Reaktion von ihr. „Schaffst du es aus dem Auto?“, wollte Inuyasha belustigt wissen. Wirklich munter schien sie nicht zu sein. „Ja, ich hoffe nur, dass die Kaffee haben.“ Langsam stieg sie aus dem Wagen. Müde streckte sie sich einmal, hielt sich die Hand vor den Mund und gähnte. „Wollen wir los?“, fragte sie. „Klar, wenn du wach genug bist“, belächelte er die junge Frau und strich ihr vorsichtig eine Strähne hinter das Ohr, die sich durch das kleine Nickerchen in Ihr Gesicht verirrt hatte. Kurz sah Kagome ihn komisch an. Doch sie sagte nichts und Inuyasha wusste nicht, was er falsch gemacht hatte.
„Ich bin zumindest so wach, dass ich gehen kann, ob ich alles verstehe... kann ich nicht garantieren“, lief sie vor. Inuyasha folgte ihr auf den Schritt, schließlich wollten die beiden die Burg zusammen besichtigen und für den Fall, dass sie doch nicht so aufnahmefähig war, war er ja an ihrer Seite und konnte ihr helfen.
„Ach… sie sind das… ich wusste doch gleich, dass mir der Name Higurashi irgendwie bekannt vor kommt“, wurde Kagome mit einem skeptischen Blick begrüßt. Auch sie konnte sich an den älteren Mann nur zu deutlich erinnern, denn dieser hatte ihr doch vor gut acht Jahren eine ordentliche Standpauke gehalten. „Ja… ich schwöre aber… ich bin erwachsen geworden“, nahm Kagome seine Hand entgegen. Es war ihr wirklich peinlich, dass Inuyasha diese Begrüßung miterleben musste. Wenn sie ehrlich zu sich war, hatte Kagome nicht mehr an den Vorfall von damals gedacht und auch damit gerechnet, dass es mittlerweile einen neuen Besitzer gab. Doch wie Kagome nun feststellen musste, war dem nicht so. „Das will ich hoffen, noch einmal mag ich dich nicht im Burggraben schwimmen sehen“, kam es streng von dem alten Herrn, der damals schon ziemlich wütend auf sie gewesen war. „Was?“, wollte Inuyasha fragend wissen, doch Kagome schüttelte eilig ihren Kopf, um ihm zu signalisieren, dass dies nicht der richtige Moment war.
„Sie wollen hier also heiraten?“, kam es deutlich freundlicher, nachdem er auch Inuyasha begrüßt hatte. „Nicht wir. Meine Cousine und er“, korrigierte sie. Immerhin würden sie so vielleicht Pluspunkte sammeln können. „Ah. Und die Zukünftige ist nicht anwesend?“, fragte er staunend nach. Kagome lächelte die Situation einfach weg, während Inuyasha leise seufzte. „Leider ist meine Zukünftige verhindert. Aber ich habe tatkräftige Unterstützung in ihrer Cousine“, versuchte Inuyasha es so gut es geht zu umschreiben. Der Burgbesitzer zuckte lediglich mit den Schultern, vielleicht waren sie auch nicht die einzigen, die ohne dem Partner zur Besichtigung kamen. „Ich würde ihnen als erstes die Burganlage zeigen“, schlug er den beiden vor. Da sie ohnehin die ganze Burg sehen wollten, stimmten die beiden dem Vorschlag zu und machten sich gemeinsam auf den Weg das Gebäude zu beschauen.
„Und hier wäre der große Festsaal.“ Mit ausgestreckten Armen lief der alte Mann in den Raum hinein und drehte sich mit einem Lächeln zu den beiden um. „In den Raum haben bis zu 300 Leute Platz. Zudem gibt es einen extra Gang, um ein großes Buffet aufbauen zu lassen“, erklärte er ihnen. Inuyasha war wirklich geplättet von der Größe und dem Ambiente. Die hohen Mauern und der rustikale Stil waren schon ziemlich beeindruckend. „Könnte man die Hochzeit im Notfall ebenso nach drinnen verlegen?“, fragte Kagome zum wiederholten Male einige Details nach, da die Trauung im großen Burggarten stattfinden sollte. Inuyasha war wirklich überrascht, wie gründlich sie ihre Aufgabe machte. An so etwas hatte er doch nicht gedacht. „Natürlich. Sollte das Wetter Anfang Mai noch zu unbeständig sein, könnte man die Hochzeit ebenfalls in die kleinere Burgkapelle verlegen. Allerdings passen dort nur um die hundert Personen hinein“, kam der letztere Teil fast schon beschämt von dem Mann. „Die Gästeliste ist nicht ganz so groß. Die Hochzeitsgesellschaft wird so um die hundertdreißig Personen umfassen“, las Kagome von ihren Unterlagen ab.
Inuyasha war wirklich erschrocken über diese Zahl, da er die Hochzeit eigentlich etwas kleiner halten wollte. „Das sind doch schon einige Personen“, stellte der Mann deutlich beeindruckt fest und dem konnte Inuyasha nur zustimmen. „Ja, Großteils handelt es sich um Familie“, lächelte Kagome und schaute sich im Raum um. „Könnte man an der Decke Läufer befestigen? Und statt der Fackeln vielleicht Blumensträuße?“, wollte sie neugierig wissen. Irgendwie hatte Inuyasha das Gefühl, dass sie genau wusste, was sie hier machen wollte. „Natürlich. Sie können sich alles nach ihren Wünschen vorbereiten lassen. Haben sie denn schon einen Blumenhändler?“, fragte er nach, vermutlich um das Arrangement schon mal besprechen zu können. „Nein, wir würden gerne von hier einen Händler nehmen und ebenso einen Fotografen und Kameramann, allerdings ist es etwas schwierig jemand Guten zu finden“, erklärte sie sachlich.
Alles wirkte so professionell. Kein Wunder, sie hatten doch bereits Erfahrung in dieser Vorbereitung. „Ich könnte ihnen welche empfehlen. Die Burg wird oft von einem nahe gelegenen Blumenhändler geschmückt, zudem könnten sie so bestimmt etwas sparen. Einen Fotografen könnte ich euch ebenfalls empfehlen, allerdings ist dieser oft sehr beschäftigt und ich weiß nicht, ob er Zeit hätte. Er fotografiert gerne mit Tieren, sie könnten also mit Waschbären und Co vor der Burg abgelichtet werden.“ Kagomes Augen begannen bei diesen Informationen förmlich zu leuchten. „Oh bitte macht das. Ich schreib ihn gleich an“, flehte sie ihn förmlich an. „Ist gut, du bekommst ja deinen Willen“, lächelte Inuyasha. Vermutlich würde Kagome ebenfalls die Chance ergreifen und ein paar Fotos mit den Tieren machen, sollte der Fotograf noch keinen anderen Termin haben.
„Das Probeessen habe ich für den morgigen Mittag angesetzt. So können sie die Atmosphäre noch etwas auf sich wirken lassen, um noch einige Termine abhandeln zu können.“ Inuyasha musste bei der Aussage schmunzeln. „Oh… ja… das ist wirklich nett“, stotterte Kagome förmlich. Eigentlich wollte sie die Übernachtung stornieren, doch scheinbar hatte sie das im Eifer des Gefechts vergessen. „Ich würde sie jetzt auch alleine umherziehen lassen. Die Unterlagen lasse ich ihnen ins Zimmer bringen“, kam es noch freundlich von dem Herrn, der sie alleine in dem großen Saal zurück ließ. „Immerhin können wir jetzt die Aussicht genießen“, grinste Inuyasha die junge Frau an, die anders als er es gar nicht so prickelnd zu finden schien, die Nacht in dieser Burg verbringen zu können.
„Willst du mir eigentlich erzählen, was der alte Typ gemeint hat, als er dich gesehen hat?“, wollte Inuyasha neugierig von Kagome wissen. Sie hatte sich wirklich schon gefragt, wann er sie darauf ansprechen würde. Scheinbar fand er das gemeinsame Abendessen als ziemlich praktisch dafür. Gemeinsam hatten sie einige Besorgungen gemacht, waren doch beide nicht auf eine Übernachtung ausgelegt gewesen. „Ich war jung und dumm“, stellte sie daher einfach fest. Die Geschichte war schon lange her und sollte besser nicht mehr aufgewärmt werden. „Jung und dumm? Kann ich mir bei dir eigentlich nicht so vorstellen“, lachte Inuyasha. Doch damit täuschte er sich gewaltig. Kagome war eben auch mal jung gewesen. „Ok… vor acht Jahren war ich schon einmal auf einer Klassenfahrt hier gewesen“, fing Kagome die Geschichte von damals an zu erzählen.
„Ich war mit meinen Freundinnen hier. Eri und ich haben uns ziemlich in die Wolle bekommen. Und irgendwann hat sie mich geschubst, und die Absperrung war irgendwie zu niedrig. Ich bin leider gestürzt, aber nicht ohne Eri mitzunehmen. Dass sie und ich genüsslich bei kalten sechszehn Grad im Burggraben schwammen, fanden weder der Burgherr noch unsere Lehrer toll“, gestand sie ihm peinlich berührt, was damals wirklich passiert war. „Dann hast du ja doch mehr mit Kikyo gleich als ich dachte“, amüsierte er sich und verwirrt sah sie ihn an. „Wie meinst du das?“, wollte sie daher erfahren. „Na Kikyo ist doch auch im Burggraben geschwommen. Das muss ungefähr zur gleichen Zeit gewesen sein.“ Überrascht sah Kagome Inuyasha an und benetzte vorsichtig die Lippen. Sie wollte Kikyo nicht an den Pranger stellen. „Ähm… so weit ich weiß… war Kikyo niemals in dieser Burg bei einer Klassenfahrt. Und ich bin die Einzige, die es sich getraut hat, in einem Burggraben zu schwimmen.“
Nach diesen Worten nahm Kagome einen kräftigen Schluck ihres Weines. Diesen hatten sie sich ausnahmsweise zum Abendessen gegönnt. „Bist du dir sicher?“, hakte Inuyasha nach. Irgendwie war es schwierig diese Situation zu erklären. „Soweit ich weiß ja. Kikyo hat mich damals für diese Aktion ausgelacht. Aber vielleicht hast du Recht und ich irre mich auch.“ Kurz zog Kagome ihre Augenbrauen hoch. Vielleicht hatte Kikyo auch etwas besonderer für Inuyasha wirken wollen. Ohne dieses Treffen wäre ihre kleine Lüge wohl nie ans Tageslicht gekommen. „Ja, das ist natürlich möglich.“ Etwas nachdenklich sah Inuyasha auf sein Weinglas, dass er schwenkend in seiner Hand hielt. „Wollen wir vielleicht in unsere Zimmer zurück?“ Sogleich trank er sein Glas aus und stellte es auf dem Tisch ab. „Ja, immerhin haben wir morgen noch so einiges vor“, lächelte sie und war wirklich froh über den Themenwechsel.
„Da hast du recht. Danke, dass du so viel für unsere Hochzeit erledigst. Ich habe heute wirklich gemerkt, dass es doch einiges mehr braucht um eine Hochzeit zu planen. Ohne dich wäre ich wohl aufgeschmissen gewesen“, bedankte er sich bei ihr. Kagome fand seine Worte wirklich schön, dennoch musste Inuyasha ihr dafür nicht danken, da sie es freiwillig auf sich genommen hat. „Das ist wirklich lieb. Aber ich mach das wirklich gern für euch“, verdeutlichte sie ihm noch einmal. Sie trank auch ihr Glas aus und rief die Kellnerin zu sich. „Ich zahle“, lächelte sie, weil Inuyasha schon im Supermarkt die Rechnung übernommen hatte. Kagome war es unglaublich peinlich, dass sie die Stornierung vergessen hatte, dennoch war es wirklich praktisch. So konnten sie doch schon einige kleine Termine erledigen und mussten sich nicht mehr ganz so anstrengen, diese Hochzeit zu planen.
Mit gemischten Gefühlen!
Mit gemischten Gefühlen!
Müde kuschelte sich Inuyasha tiefer in seine Bettdecke, jedoch spürte er sofort einen Widerstand. Träge öffnete er deshalb seine Augen. Diese wurden schlagartig riesengroß, als er sah um was es sich bei dem Widerstand handelte. In seinen Armen lag Kagome, die im Moment noch friedlich schlummerte. Nachdenklich biss er sich auf die Unterlippe, da er nicht wusste, wie er nun aus dieser Situation kommen sollte. Nachdem sie überraschenderweise doch übernachtet hatten und das Zimmer auf ein Pärchen ausgelegt war, wollte Kagome zunächst auf der kleinen Couch übernachten. Für ihn kam dies definitiv nicht in Frage. Das Bett war riesig gewesen. Er hatte ihr versichert, dass sie jeder für sich genug Platz haben würden. Doch scheinbar hatte er sich getäuscht. Die beiden lagen eng aneinander gekuschelt da. Ein ungewohntes seltsames Gefühl machte sich in ihm breit. Kagome so in seinen Armen zu halten, empfand er als schön.
Ein Gefühl, welches er eigentlich nicht haben dürfte. Mit angehalten Atem biss er sich auf die Lippe, als er spürte, dass sie sich langsam in seinen Armen zu regen begann. Alles in ihm schrie danach sich von ihr zu lösen, um Abstand zu gewinnen. Doch er konnte nicht. Er hatte zu viel Angst, dass Kagome ungewollt aufwachen und alles mitbekommen würde. Als die Augen der jungen Frau zu flackern begannen, presste er seine Augenlider eilig zusammen. Er hoffte, dass sie sein wild klopfendes Herz nicht bemerkte. Er hörte, wie sie erschrocken die Luft einzog, und sich sofort aus seinen Armen schälte. Unweigerlich durchfuhr ihn eine Kälte. Eilig stieg sie aus dem Bett und lief Richtung Badezimmer. Inuyasha blieb alleine in dem großen Bett zurück. Nachdenklich drehte er sich auf seinen Rücken. Mit zugekniffenen Augen hob er die Bettdecke ein Stück an und wusste aus Erfahrung natürlich, was er vorfinden würde. Seufzend ließ er seinen Kopf in die Kissen zurückfallen.
„Das darf nicht wahr sein“, flüsterte er leise. Wochenlang war Miroku ihm in den Ohren gelegen und nun wusste er selbst nicht, was er davon halten sollte. Denn auch wenn Kagomes Nähe ihm unglaublich angenehm vorkam, sie war die Cousine seiner Verlobten und für diese durfte er keine Anziehung empfinden. Egal in welchem Aspekt.
Mit einem tiefen Atemzug öffnete Kagome die Badezimmertür und lugte einen Moment in das noch halbdunkle Zimmer. „Guten Morgen“, hörte sie Inuyashas verschlafe Stimme. Kurz zuckte sie zusammen und wusste nicht so recht, wie sie mit ihm umgehen sollte. Es war ihr schlichtweg unangenehm, dass sie sich so in die Arme von ihm gekuschelt hatte. Vor allem weil sie seine Erektion, die er hatte, an ihrem Bauch gespürt hatte. Bei dem Gedanken lief sie sofort etwas rot an. „Guten Morgen“, entschied sie sich dazu, die Situation einfach zu überspielen, auch deshalb, um ihre eigene Scham zu verbergen. Schließlich hatte er noch geschlafen, als sie aufgewacht war. „Hast du gut geschlafen?“, wollte er mit einem Lächeln von ihr wissen. Kagome schluckte einmal schwer. Sie hatte in dieser Nacht wirklich gut geschlafen, fast schon fantastisch. „Ganz gut. Willst du noch etwas frühstücken oder warten wir lieber auf das Probeessen?“, fragte sie und trat aus dem Badezimmer. Unschlüssig stand sie mitten im Raum.
„Ich würde gerne noch einen Kaffee trinken. Danach können wir sofort los zum Blumenladen“, erklärte er ihr seinen Plan. Kagome war mit diesem nur zu gern einverstanden. Sie war extrem angespannt. Inuyasha erhob sich von dem Bett und lief direkt auf sie zu. „Kann ich kurz ins Badezimmer?“, fragte er sie, da sie immer noch vor der Tür stand. „Ähm klar...“ Schnell drehte sie sich zur Seite. Sie spürte seinen Körper so dicht an ihrem. Unbewusst hielt sie ihren Atem an. Die Bilder des Morgens kamen ihr wieder in den Sinn. Schnell schüttete sie den Gedanken fort. Sie durfte sich nicht ablenken lassen. Sie war nur dort, um seine Hochzeit mit Kikyo zu planen und diesen Plan würde sie ohne Zwischenfälle durchziehen.
„Welche Blumen würdest du bevorzugen?“ lächelnd hielt Inuyasha Kagome ein paar Blumen entgegen. Diese hatte er ziemlich hübsch gefunden. Da sie beide erst am frühen Nachmittag das Probeessen hatten, wollten sie schon mal eine Blumenauswahl treffen. Zu ihrer Freude durften sie sich frei im Blumenladen bewegen. Das Design würde Kagome zu einem späteren Zeitpunkt per Mail schicken. So würde alles nach ihren Vorstellungen gestaltet werden und sie konnte sich etwas entspannen. Doch scheinbar war sie im Moment nicht ganz bei der Sache zu sein. „Kagome?“, sprach Inuyasha sie deshalb einfach nochmal an. „Was?“, kam es erschrocken von ihr. Überrascht sah sie auf die Blumen. „Was hältst du von diesen hier?“, wollte er erneut von ihr erfahren. „Schön.“ Wirklich überzeugend klang das für ihn nicht. „Gefallen sie dir nicht?“, hinterfragte er daher ihre Antwort. „Sie sind wirklich schön. Aber für eine Hochzeit finde ich sie denkbar ungeeignet. Und von Rosen halte ich nicht viel“, gestand sie ihm leise und sah sich weiter in dem großen Schauraum um.
„Wie findest du diese Blumen?“, stellte sie ihre Frage. Sie stand vor einem großen Regal mit verschieden farbigen Lilien, wie er auf einem Schild las. „Die sind auch sehr schön“, stimmte er ihr zu. „Lilien haben verschiedene Bedeutungen. Liebe gehört ebenso dazu“, erklärte sie ihm. Sie schien sich wirklich damit auszukennen. „Du kennst dich aber aus“, stellte er staunend fest. „Eigentlich nicht. Ich habe bei meiner Hochzeit damals verschiedene Blumen kennengelernt. Lilien waren in der engeren Auswahl und trotz ihrer Schönheit habe ich mich letzten Endes für die Rose entschieden“, erklärte sie ihre Fachkenntnisse mit einem nachdenklichen Blick. „Hojo hat dich nie verdient. Ich bin mir sicher, dass irgendwo da draußen dein Traummann auf dich wartet und deine Bemühungen sicher unglaublich zu schätzen weiß“, wollte er ihr Mut machen. Für ihn war es unverständlich, wie Hojo sie auf diese Weise hatte verletzten können. Kagome war so besonders und dennoch hatte dieser Mann ihr Herz gebrochen.
„Wenn ich ehrlich bin, weiß ich nicht einmal, ob ich das überhaupt noch will“, lächelte sie ihn an. Inuyasha verstand natürlich ihre Gefühlswelt. „Na wer weiß… wenn der Richtige kommt“, grinste er und wusste aus Erfahrung, dass es schnell gehen konnte. „Was hältst du jetzt von den Blumen?“, wollte sie nun noch einmal wissen. Kurz überlegte er und war sich nicht wirklich sicher, was wirklich gut aussehen würde. „Weißt du was… ich überlass dir die Auswahl“, entschied er einfach. Ohnehin kannte sie sich besser aus und Inuyasha war sich ziemlich sicher, dass sie die schönsten Blumen auswählen würde. „Aber beschwer dich später nicht“, zeigte sie grinsend mit ihrem Finger auf ihn. „Würde ich niemals tun“, lief er ihr nach, als sie sich schon in Bewegung gesetzt hatte, um Einzelheiten mit dem Floristen zu klären.
„Ich kann es immer noch nicht glauben“, kam es vollkommen begeistert von Kagome. Zusammen mit Inuyasha hatte sie sich in den großen Speisesaal der Burg begeben. Zuvor waren sie bei dem Fotografen gewesen, den der Burgherr ihnen empfohlen hatte. „Manchmal muss man einfach Glück haben“, belächelte er die Situation und zog ihr einen Stuhl heraus, auf den sie sich sofort setzte. „Ich hätte ja nicht damit gerechnet“, gestand sie. Immerhin war die Hochzeit schon in ein paar Wochen. „Jetzt muss nur noch der Sänger zusagen und damit wäre das Gröbste für die Hochzeit unter Dach und Fach“, freute sie sich über den doch sehr guten Verlauf dieses Wochenendes. „Ich bin auch froh, dass die Planung so gut voranschreitet. Hast du nächste Woche Zeit für die Einladungen?“, hörte sie seine frage. Kurz benetzte sie ihre trockenen Lippen. Im Moment empfand sie seine Nähe ziemlich anstrengend. Die Bilder des Morgens liefen immer wieder vor ihren Augen ab.
„Ach… wir müssen die doch nicht zu zweit machen. Ich schick dir einfach die Probeeinladung und kannst mir danach sagen, ob die passen“, winkte sie ab. Sie wollte etwas Abstand zu ihm gewinnen. „Soll ich dir wirklich nicht helfen?“, wollte er wissen. „Schon gut. Ich habe ohnehin fast nur Nachtschichten. Ich habe also mehr als genug Zeit und allein wohnen tu ich auch noch immer“, lehnte sie das Angebot abermals ab. „Aber wenn du Hilfe brauchst kannst du dich gerne melden“, bot Inuyasha ihr an. Doch Kagome war sich ziemlich sicher, dass sie diese Hilfe nicht brauchen würde. “Wollen wir mit unserem Probeessen beginnen?“, schlug sie vor und bereitete sich schon mal Zettel und Stift vor, um wichtige Details aufschreiben zu können. „Gern. Ich muss gestehen, ich habe wirklich schon unheimlich Hunger.“ Das konnte sich Kagome auch nur zugut vorstellen, da sie beide aufgrund der Termine keinen Happen zu sich genommen hatten.
„Na dann wollen wir dich lieber nicht länger warten lassen“, kicherte sie, die zugeben musste, dass sie sich auch schon auf die Köstlichkeiten freute.
„Ich muss sagen diese Yakitori sind einfach unglaublich lecker“, schwärmte Kagome und wischte sich ihren Mund mit einer Serviette ab. „Kann ich mal kosten?“, wollte Inuyasha wissen. Sie hatten sich dazu entschieden jeder ein eigenes und vor allem ein unterschiedliches Gericht zu bestellen. So konnte sie bestmöglich die verschiedenen Speisen abarbeiten. Die Suppe und die Vorspeise hatten sie bereits hinter sich gebracht. Einige hoffentlich köstliche Gerichte ausgewählt. „Klar“, schob sie ihm den Teller rüber. Inuyasha nahm sich ein Stück des Hühnerspießes. Das Fleisch war wirklich köstlich. Schon lange hatte er keinen köstlicheren Spieß gegessen. „Willst du bei mir ebenfalls kosten?“, hakte er nach. Immerhin hatten sie bis jetzt alles gemeinsam entschieden. „Ähm… lieber nicht“, winkte sie ab, nachdem sie einen kurzen Blick auf seinen Teller geworfen hatte. „Magst du kein Rind?“, wollte er interessiert wissen. Immerhin hatte er sich das beste Fleisch ganz Japans bestellt. Das Kobe-Beef war wirklich köstlich, zart und unglaublich schmackhaft. Als Beilage gab es wie bei Kagome Reis und Gemüse mit einer Rahmsoße.
„Ich esse generell kein Schwein oder Rind. Irgendwie liegt mir der Geschmack nicht. Aber wenn es dir schmeckt, setzten wir es natürlich auf die Liste“, erklärte sie ihm ihre Entscheidung. „Das kommt auf jeden Fall drauf“, beschloss er und musste gar nicht lange überlegen. Und auch die Spieße würde er gerne auf seiner Hochzeit anbieten. „Ich würde die Spieße ebenso gerne drauf haben“, fügte er gleich hinzu. „Gott sei Dank“, freute sie sich über seine Auswahl. “Ich würde noch Fisch und Gemüse anbieten“, überlegte sie und sah dabei in die Speisekarte. Schnell hatte sie ein Gericht gefunden und reichte ihm die Karte damit auch er entscheiden konnte. „Was nimmst du?“, fragte er nach. Denn sie hatten schon einige Gänge hinter sich gebracht. „Ich habe mich für das Ofengemüse und Misosuppe entschieden, dann kannst du nämlich den Fisch nehmen“, lächelte sie, die wohl wusste, dass kein Mann gerne Gemüse aß. „Perfekt. Dann kann ich ja die Nudeln mit Garnelen nehmen“, freute er sich. Kagome hatte sich schon gedacht, dass ihm dies lieber sein würde.
Schnell war die Bestellung aufgegeben. „Irgendwie ist es so unwirklich, dass Kikyo und ich in wenigen Wochen hier heiraten werden“, ergriff er das Wort. Überrascht schaute sie ihn an. „Wieso?“, wollte Kagome wissen. „Naja… alles geht irgendwie so schnell… manchmal einfach zu schnell“, verließ es unbedacht seine Lippen. Stumm biss sich Kagome auf die Unterlippe. Doch bevor sie etwas erwidern konnte, kam schon ihre Bestellung. „Guten Appetit“, kam es von der Bedienung. Interessiert begutachtet Kagome die Gerichte. Schließlich aß bekanntlich auch das Auge mit. „Das sieht aber lecker aus“, bestaunte Inuyasha die Speisen. Sie sahen wirklich köstlich aus. „Und es schmeckt genauso. Unglaublich wie toll diese Küche ist“, schwärmte Kagome abermals. In diesem Schloss stimmte einfach alles. Die Hochzeit an diesem Ort stattfinden zu lassen, war wirklich die beste Entscheidung, die Inuyasha getroffen hatte. „Probiere mal.“ Ohne reagieren zu können landete Inuyashas Gabel in Kagomes Mund.
Langsam begann sie zu kauen. „Schmeckt wirklich gut“, sagte sie, nachdem sie geschluckt hatte. Sie war sich sicher, dass er vollkommen unbedacht gehandelt hatte. Er meinte es nur gut. Für Kagome war es jedoch ein unangenehmes Gefühl. „Ich glaube, wir haben definitiv mehr als genug probiert“, wischte sie sich ihren Mund mit der Serviette ab. Damit war das Essen für sie beendet und er schien mittlerweile ebenfalls mehr als genug gehabt zu haben. Doch anders als Kagome, freute er sich, dass sie in riesigen Schritten auf die Hochzeit zugingen.
Ein kleiner Wutausbruch!
Ein kleiner Wutausbruch!
Noch einmal überprüfte Kagome die Einladung auf Fehler und schaute, ob das Format wirklich perfekt war. Kurz besserte sie noch die Schriftart aus, da sie diese einfach viel schöner fand. Für sie war die Einladung nun perfekt. Das Hochzeitsdatum, der Ort und die Namen der baldigen Eheleute prangten an der Vorderseite. Im Inneren befanden sich weitere organisatorische Fakten für die Gäste. Zusätzlich hatte sie sowohl auf der Vorderseite, als auf auch der Rückseite ein Bild des Brautpaares eingefügt, welche sie vor wenigen Tagen von Inuyasha bekommen hatte. Mit einem Mausklick schickte Kagome den Entwurf an Inuyasha weiter. Er sollte noch sein finales OK geben, bevor sie die Bestellung aufgeben würde. Somit könnten sie hoffentlich bald die Einladungen austragen oder verschicken. Kurz überlegte sie, was sie nun machen konnte. Den Großteil der Hochzeit hatten sie nun organisiert. Auf eine Antwort des Sängers warteten sie immer noch. Vielleicht könnte sie noch ein wenig im Internet stöbern.
Kagome wollte eine kleine Erinnerung für das Brautpaar schaffen. Nicht nur die Bilder sollten sie an den schönsten Tagen ihres Lebens erinnern. Das Internet durchstöbert sie nach Ideen für ein Gästebuch. Einige Ideen fand sie wirklich wunderschön, doch es war nicht das richtige. Plötzlich stach ihr eine Tafel ins Auge. Es handelte sich dabei um eine Art Bilderrahmen. In diesem konnte man beliebig viele Herzen einfügen, die die Gäste mit ihren Namen versehen konnten. Darunter stand ein Baum dessen Blätter die Herzen waren. Unter diesen Herzen stand ein Brautpaar, das sich innig umarmte. Daneben konnte man die Namen und das Hochzeitsdatum einfügen lassen. Ohne lange zu überlegen bestellte Kagome den Bilderrahmen, um das Brautpaar zu überraschen. Zusätzlich schickte sie Inuyasha eine Anzeige einer Fotobox. Sie fand es als eine schöne Idee, dass die Gäste selbst Fotos gestalten konnten und so eigene Erinnerungen schaffen konnten.
Seufzend ließ sich Inuyasha in seinen Bürosessel fallen. Das Wochenende hatte er sich zwar freischaufeln können, doch ausgerechnet jetzt war einfach der Wurm drinnen. Er hatte kaum geschlafen, weil er die halbe Nacht wachgelegen war. Im Moment ging ihm unglaublich viel durch den Kopf. Kagomes Nähe am vorherigen Morgen hatte ihn etwas ins Grübeln gebracht. Zusätzlich hatte Kikyo ihn etwas geneckt. Sie hatte blöde Sprüche abgelassen. So etwas, wie es war mit Kagome zu schlafen und andere Sachen. Die Zweideutigkeit hatte ihn schon etwas nachdenklich gestimmt. Hatte er vielleicht doch mehr von Kagome gewollt? In ihrer Nähe fühlte sich alles so leicht an. Etwas, was bei Kikyo nicht immer so war. Inuyasha hatte plötzlich Sorge, dass es vielleicht doch alles zu schnell ging. Es gab keinen klassischen Heiratsantrag. Kikyo und er hatten einfach entschieden zu heiraten und das schon nach vier Monaten Beziehung. Damals hatte sich alles so richtig angefüllt, doch im Moment war er sichtlich verwirrt.
Die Hochzeit absagen konnte er nicht. Kikyo würde mit großer Wahrscheinlichkeit ausflippen. Vielleicht bekam er nun, wo schon einige Dinge geklärt waren, doch noch die berühmten kalte Füße. In wenigen Wochen würde er einer Frau die ewige Treue schwören. Inuyasha hatte zunehmend das Gefühl, etwas zu verpassen. Er war gerade mal sechsundzwanzig und würde sich für den Rest seines Lebens binden.
Nachdenklich stand Kagome vor ihrem Kleiderschrank. Seit langem konnte sie wieder mal einem kleinen Familientreffen beiwohnen. Darauf freute sie sich auch schon wirklich. Seit Wochen war sie mit der Planung der Hochzeit eingedeckt gewesen. Oftmals hatte sie einfach arbeiten müssen. Endlich wieder ihre Familie zu sehen, fand sie unheimlich schön. Zu dem Anlass brauchte sie nur noch das perfekte Outfit. Unentschlossen sah sie auf ein rotes Kleid. Entschied sich dennoch dagegen. Es war gerade einmal Ende Februar. Draußen herrschte noch tiefster Winter. In den letzten Tagen hatten die Temperaturen wieder enorm nachgelassen. Deshalb entschied sie sich für einen dicken grünen Wollpullover und einen kurzen schwarzen Rock. Drunter trug sie zusätzlich eine dicke Strumpfhose. Schnell hatte sie sich noch ihre Winterstiefel und Jacke angezogen. Kurz lugte sie noch einmal auf die Uhr und hatte zu ihrer Zufriedenheit noch reichlich Zeit.
Trotzdem würde es einige Zeit dauern, bis sie bei ihrer Familie ankam. Durch den Umzug, wohnte sie nun ein ganzes Stück weiter von ihrem alten Zuhause weg. Kagome musste einige Verkehrsmittel nutzen, um zu ihnen zu kommen. Wirklich glücklich, dass sie durch das verschneite Tokio laufen musste, war sie nicht. Doch für ihre Familie war ihr jede Mühe wert und selbst die kalten Temperaturen konnten ihre Freude nicht mindern.
„Kikyo, kommst du?“, rief Inuyasha genervt von seiner Verlobten abermals aus dem Flur. Wirklich eilig schien sie es jedoch nicht zu haben, dabei waren sie ohnehin schon viel zu spät dran. Bestimmt würden schon alle Familienmitglieder auf sie warten und am Verhungern sein. „Jetzt mach mal nicht so einen Stress. Ich musste noch etwas für die Arbeit erledigen.“ Kurz stand ihm der Mund offen. Manchmal fragte er sich wirklich, wer von ihnen beiden eine Firma führte. „Kannst du nicht einen Tag mal nichts für die Arbeit machen?“, tat er seinen Unmut kund. Immer öfter sagte Kikyo Termine ab oder verschob sie, nur weil sie mal wieder etwas unheimlich Wichtiges für die Arbeit erledigen musste. „Inuyasha… ich habe dir doch schon erklärt, dass bei uns gerade umgeformt wird. Einige Stellen sollen neu besetzt werden und ich möchte mich natürlich in ein gutes Licht rücken“, kam es fast schon selbstverständlich von ihr.
„Wieso willst du das überhaupt? Du könntest ein bisschen zurückstellen und dein Leben genießen“, konnte er sich den Kommentar nicht verkneifen. Schließlich verdiente er mehr als genug, für sie beide. Kikyo musste nicht zwingend arbeiten. „So eine Frau bin ich nicht. Ich möchte auf eigenen Beinen stehen“, zog sie eine Augenbraue hoch, während sie sich einen Mantel überzog. „Können wir dann jetzt los?“, wollte sie genervt wissen. „Wenn du so weit bist“, stellte Inuyasha klar. Eigentlich hatte er sich auf den Nachmittag gefreut. Doch mittlerweile war er einfach froh, wenn er diesen Tag ohne weiteren Stress überlebte.
„Hallo. Entschuldigt die Verspätung.“ Kurz stockte Kagomes Atem, als sie Inuyashas Stimmer hörte. Eigentlich hätte sie es wissen müssen, doch sie hatte still und leise gehofft, dass Kikyo arbeiten musste und die beiden nicht kommen konnten. Seitdem sie zusammen in Matsumoto waren, hatten sie sich bis auf wenige Kontakte wegen der Einladung, nicht mehr miteinander gesprochen oder sich gesehen. Kagome kam dies nur Recht. Sie brauchte definitiv Abstand zu dem zukünftigen ihrer Cousine. „Hallo, Kagome.“ Lächelnd setzte er sich gegenüber von ihr hin. „Hey“, begrüßte sie ihn anstandshalber. „Hast du schon was von dem Sänger gehört?“, wollte Kikyo interessiert wissen. „Ja, er wird auf der Hochzeit spielen. Ich habe schon ein paar Lieder herausgesucht, die ziemlich schön sind. Eine Liste schicke ich euch die nächsten Tage“, lächelte sie ihre Cousine an. Kagome vermied es, Inuyasha dabei anzusehen. Sie fühlte sich immer noch seltsam. Die Bilder von jenem Morgen konnte sie einfach nicht vergessen. „Das klingt doch super“, freute er sich sichtlich.
Kikyo hingegen schien die anfängliche Neugierde schon wieder verloren zu haben und unterhielt sich mit ihrer Mutter über die Pläne, die sie in der Firma hatte. „Habt ihr eigentlich nächstes Wochenende etwas vor?“, richtete Inuyasha das Wort anschließend an seine Familie. „Kikyo hat ja nächste Woche Geburtstag. Da es zufälligerweise auf einen Freitag fällt würden wir diesen gerne mit euch feiern“, erklärte er, warum Inuyasha sich für den Wochenendplan der Familie interessierte. „Ich bin raus. An dem Tag arbeite ich meist“, lächelte Kagome, die schon von Anbeginn ihrer Ausbildung immer dafür sorgte, dass sie an dem Tag Arbeiten musste. In diesem Jahr hatte sie sogar extra mit Koga den Dienst getauscht. Mittlerweile fand sie ihre neuen Kollegen wirklich toll. „Und Samstag?“, wollte Inuyasha wissen. „Leider nein, der Tag gehört meinen Eltern und Sota“, verneinte sie auch diesen Tag. „Aber ihr müsst keine Rücksticht auf mich nehmen. Geht einfach schön essen und habt einen schönen Tag“, lächelte Kagome ihn an. Große Lust auf diese Geburtstagsfeier hatte Kagome ohnehin nicht.
„Ach Kagome, ehe ich es vergesse. Der Termin im Brautladen… den musst du für mich übernehmen.“ Fassungslos sah Kagome ihre Cousine an, die diese Worte so sagte, als wäre es ein Kinderspiel auf die schnelle einen neuen zu bekommen. „Das geht nicht. Kikyo, wir müssen langsam ein Kleid finden. Du hast jetzt schon zwei Mal den Termin verschoben“, zeigte Kagome deutlich ihren Unmut. Schließlich wussten sie nicht, ob die Kleider auch wirklich passten oder ob noch etwas geändert werden musste. „Und ich kann wieder nicht. Aber es ist doch gar nicht so schlimm. Du siehst aus wie ich und zusätzlich hast du auch noch fast die gleichen Maße. Stell dir einfach vor, dass ich in dem Brautkleid stehe, du wirst schon ein Schönes finden.“ Ungläubig schüttelte Kagome ihren Kopf und auch der Rest der Familie schien sprachlos zu sein. „Weißt du eigentlich, dass ich mich manchmal frage, wer von uns beiden heiratet?“, fuhr Kagome Kikyo wütend an.
In den letzten Wochen hatte ihre Cousine wirklich einige spektakuläre Ideen gehabt. Nicht einmal das Wochenende, wo Inuyasha und sie in einem Zimmer übernachtet hatte, hatte sie interessiert. Sie hatte sich nur sorgen um ihre Arbeit gemacht. „Mir ist der Appetit vergangen. Es war wirklich sehr nett, dass ihr mich eingeladen habt, aber ich hau jetzt lieber ab“, sagte Kagome und stand wütend vom Tisch auf. Im Moment brauchte sie einfach etwas Abstand von Kikyo. Ihre Familie schien dies ohne Wenn und Aber zu akzeptieren, denn keiner hielt sie auf, als sie sich ihre Jacke und Schuhe anzog und das Haus mit eiligen Schritten verließ.
„Was sollte das?“, fragte Inuyasha seine Verlobte. Er war fassungslos wie Kikyo sowas in Betracht ziehen konnte. „Was denn? Sie ist doch fast eine Kopie von mir“, zuckte sie mit ihren Schultern. „Eine Kopie?“, horchte er sofort nach. „Naja sie sieht mir doch sehr ähnlich. Es wird kaum auffallen, dass bei der letzten Anprobe eine andere Frau dort stehen wird.“ Mit jedem Wort wurde er wütender. „Kikyo… Kagome reißt sich den Arsch auf, um deine und meine Hochzeit unvergesslich zu machen, während du keinen Finger krumm machst. Findest du das wirklich in Ordnung?“, brüllte Inuyasha geradezu seine Verlobte an. Dass er sich soeben am Mittagstisch bei Kagomes Mutter befand, war ihm herzlich egal. Er musste seinem Ärger einfach Luft machen. „Sie hat doch gesagt, sie kümmert sich um alles“, kam es verständnislos von Kikyo. Sie schien sich immer noch im Recht zu sehen.
„Sie hat es dir zu Liebe gemacht. Aber du verlangst gerade zu viel von ihr“, stellte er klar. Kagome machte so viel und jetzt sollte sie auch noch das Brautkleid für Kikyo aussuchen. „Und zu deiner Info… Kagome ist keine Kopie von dir. Also sag sowas nie wieder“, forderte Inuyasha. Auch er erhob sich nun. Im Moment konnte er Kikyos Nähe nicht ertragen. Er brauchte frische Luft, um wieder runter zu kommen. Inuyasha wusste nicht einmal, warum er bei Kikyos Worten so hochgekocht war. Kagome zu einer billigen Kopie herab zu stempeln, war unfassbar. Deshalb konnte er das nicht hinnehmen. Dafür war sie einfach zu besonders.
Kikyos Geburtstag und eine kleine Überraschung!
Kikyos Geburtstag und eine kleine Überraschung!
Lächelnd betrat Kagome das Krankenhaus, in dem sie ihre Schicht am heutigen Tage absolvieren musste. An diesem Tag war sie der Meinung, dass keiner ihre Stimmung vermiesen könnte. „Hey, Koga”, begrüßte sie ihren Kollegen, der zu ihrer Freude ihren Nachtdienst übernommen hatte, sodass Kagome den ganzen Tag über nicht verfügbar sein würde. „Du hast ja gute Laune“, lachte der junge Mann sie an. „Heute kann mir niemand die Laune verderben“, stellte sie klar. Die letzten Tage war diese nicht wirklich die Beste gewesen. Mit Kikyo hatte sie seit dem Nachmittag kein Wort mehr gewechselt, den Termin im Brautladen dennoch nicht abgesagt. Es widerstrebte ihr diesen Termin wahrzunehmen. Doch wenn Kikyo nicht nackt vor den Traualtar treten sollte, blieb Kagome nicht viel anderes übrig. Kagome wollte ihr ebenso wenig an diesem Tag schreiben und das, obwohl sie ihren Geburtstag hatte. Ihre Wut war noch nicht verschwunden. Dennoch wollte sie sich ihren Tag nicht vermiesen lassen.
„Na dann hoffe ich, dass es dir auch nicht auf die Laune schlägt, wenn du siehst mit wem du eingetragen worden bist.“ Tief atmete Kagome durch. Eigentlich hätte sie sich denken können, dass auch Hojo seinen Dienst eintauschen würde. In den letzten Wochen hatte er dies öfter gemacht, nur um mit ihr gemeinsam Dienst zu haben. „Nein... auch er wird meine Laune nicht mindern können“, stellte sie mit einem Lächeln klar. Kagome hatte sich fest in den Kopf gesetzt das ihr heute niemand ihre gute Laune nehmen würde, auch kein Exverlobter der meinte im ihr Dienst schieben zu müssen. „Willst du mir erzählen, was heute Nacht alles vorgefallen ist?“, wollte sie anschließend wissen. Immerhin mussten die Beiden noch eine Dienstübergabe machen, bevor sie ihren Dienst wirklich antreten konnte. „Klar, immerhin will ich schnell nach Hause und in mein Bett.“ Bei dieser Bemerkung lachten beide. Kagome konnte dies aber verstehen, schließlich war eine Nachtschicht manchmal schlimmer als tagsüber. Während Kagome ihre Arbeitskleidung anzog, begann Koga ihr von seiner Nachtschicht zu erzählen, sodass sie perfekt informiert ihre Schicht starten konnte.
„Alles Gute zum Geburtstag“, begrüßte Kagomes Mutter lächelnd Kikyo mit einem Kuss auf die Wange. Danach reichte sie ihr ein Kuvert, welches wohl ihr Geburtstaggeschenk war. „Hallo, Inuyasha“, grüßte sie auch ihn mit einer herzlichen Umarmung. „Hallo, Mariko“, entgegnete er ihrer Geste. „Wollt ihr schonmal Platz nehmen?“, schlug er vor, da sie die ersten Gäste waren, die das Restaurant erreicht hatten. „Danke. Ist denn alles wieder in Ordnung zwischen euch beiden?“, wollte Mariko leicht besorgt wissen, schaute mit Sorge zwischen dem Paar hin und her. Inuyasha tat es unheimlich leid, dass sich die Familie von Kikyo solche Sorgen machte. „Ja, mehr oder weniger. Es tut mir leid, dass ich nicht wieder zurückgekommen bin“, kam es mit Bedauern in der Stimme von ihm. Doch nach dem Streit mit Kikyo hatte er einfach keine Lust mehr gehabt zu seiner Verlobten zurückzukehren. Nicht einmal abgeholt hatte er sie. Inuyasha hatte sie einfach mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause fahren lassen. Dafür hatte er sich auch noch eine Menge anhören müssen.
Doch mittlerweile hatten sich die Wogen wieder etwas geglättet. „Ach mach dir keinen Kopf. Ich kann verstehen, dass du sauer geworden bist. Aber Kikyo war schon immer so und Kagome hat sich nie gewährt“, versuchte Mariko ihn zu beruhigen. Kurz überlegte er, denn Inuyasha hatte eine Frage, die er unbedingt beantwortet haben wollte. „Wieso… arbeitet Kagome heute?“, brachte er diese leise heraus. Für einen kleinen Moment schaute er in die Richtung seiner Verlobten, die sich zum Glück gut mit ihrem Onkel unterhielt. „Weißt du… Kagome mag diesen Tag nicht besonders. Kikyo hat schon als Kind nicht so gerne geteilt, zumindest nichts, was ihr wirklich am Herzen lag. Irgendwann hatte sie entschieden, dass Kikyo den Tag für sich haben kann.“ Verwirrt über diese Worte runzelte Inuyasha seine Stirn. Er verstand nicht ganz, wieso Kagome Kikyo im Weg sein könnte.
„Aber was hat Kikyo so an Kagome gestört? Es ist doch ihr Geburtstag und sonst liebt Kikyo Kagome doch auch sehr“, zuckte Inuyasha kurz mit den Schultern. Immerhin wusste er, wie sehr Kikyo ihre Cousine vermisst hatte und auf ihre Unterstützung gepocht hatte. Deshalb hatten ihre Worte ihn am vergangenen Wochenende auch so getroffen. „Die Beiden sind wirklich unterschiedlich, nicht wahr?“, lächelte Mariko. „Ja…“, flüsterte er. So gleich die Zwei auch aussahen, ihre Charaktere waren vollkommen unterschiedlich. „Aber jetzt lass uns lieber nicht mehr über meine Tochter reden. Schließlich hat deine Verlobte heute Geburtstag“, lächelte sie. Den kleinen Hinweis verstand Inuyasha sofort, auch wenn er gerne die Wahrheit über Kagomes Entscheidung erfahren hätte.
„Kagome...“
„Tut mir leid… ich muss dringend zu einem Patienten.“ Schnell hatte Kagome die Mappe wieder geschlossen und diese auf den Wagen zurückgelegt. Anschließend war sie einfach in irgendein Zimmer gelaufen, um ihrem Exverlobten abermals aus dem Weg gehen zu können. „Hallo, braucht jemand etwas zu trinken?“, grüßte sie die beiden Männer, die sie etwas verwirrt ansahen. „Nein“, antwortete einer von ihnen. „Wenn was ist... einfach läuten“, lächelte Kagome. Eigentlich hatte sie gehofft, etwas länger in dem Zimmer verweilen zu können. Doch ewig konnte sie sich leider nicht verstecken und bald musste sie in die Pause gehen. Hoffentlich würde Hojo zu dem Zeitpunkt jedoch einen Patienten behandeln müssen. Daher verließ sie etwas geknickt das Patientenzimmer wieder und lief zurück in das Schwesternzimmer. Zum Glück war Hojo nicht mehr in diesem zu finden. Kagome schnappte sich daher die Mappe wieder. Direkt begann sie damit, die neuen Fortschritte der Patientin zu notieren.
Doch schon nach wenigen Minuten musste sie diese Arbeite wieder unterbrechen. Ihr Pieper ging los. Seufzend beendete sie den Alarm. Hojo brauchte ihre Hilfe und diese konnte sie ihm nicht verwehren. Also tat Kagome einfach das, wofür sie in diesem Krankenhaus zuständig war. Erneut klappte sie die Patientenmappe zu und machte sich direkt auf den Weg in das Behandlungszimmer, um Hojo bei der Behandlung des Patienten zu helfen.
„Da hast du aber wirklich ein sehr gutes Restaurant ausgesucht, Inuyasha.“ Mit einem Lächeln nahm Inuyasha das Kompliment von seiner zukünftigen Schwiegermutter an. „Danke. Ganz auf meinen Mist ist dieses Restaurant nicht gewachsen. Ich habe mich gut beraten lassen“, teilte er die Ehre jedoch gern. Miroku hatte ihm diese Location empfohlen, nachdem er geäußert hatte, Kikyo schick zum Essen ausführen zu wollen. Zudem hatte Kikyo noch den Wunsch geäußert, zusammen mit der gesamten Familie feiern zu wollen. „Konnten deine Eltern nicht kommen? Ich hätte sie sehr gern noch vor der Trauung kennengelernt?“, pflichtete Kikyos Vater bei. Kurz benetzte Inuyasha seine Lippen. In dieser Richtung hatte seine Verlobte kein Wort verloren. Daher hatte er sie nicht eingeladen. „Inuyashas Eltern sind sehr beschäftigt“, fuhr Kikyo lächelnd dazwischen und klammerte sich förmlich an seinem Ärmel. „Genau. Meine Eltern haben leider momentan sehr viel zu tun.“ Dass Inuyasha diese Worte nicht wirklich ernst meinte, konnte man sicher an seinem Gesicht ablesen.
„Schade, sie kommen doch sicher vorher zu der Location?“, lächelte Kimiko, Kikyos Mutter ihn an. „Ja, genau wie ihr, wird meine Familie ebenfalls drei Tage vor der Hochzeit in Matsumoto eintreffen, um bei den letzten Vorbereitungen zu helfen.“ Mittlerweile hatten alle ihre Einladungen erhalten und Großteils schon zugesagt. Inuyasha hatte bereits bei seinem kleinen Ausflug die Zimmer für seine Familie gebucht. Soweit er wusste, hatten Kikyos Eltern und ebenso ihre Tante bereits ein Zimmer einige Tage vor der Hochzeit selbst gebucht. Scheinbar wollten sie es sich nicht nehmen lassen, ihnen zu helfen. „Das ist schön, dann lernen wir uns doch noch vorher kennen“, freute sich Hideaki, der sich zumindest mehr zu freuen schien, seine Familie kennenzulernen, als seine eigene Tochter.
Erleichtert ließ Kagome sich auf die kleine Bank im Schwesternzimmer auf ihrer Station fallen. „Das war echt knapp. Gut gemacht“, nahm Hojo ihr gegenüber Platz. „Ja, ich hoffe wirklich, dass der Mann nicht noch einen Herzstillstand haben wird“, flüsterte Kagome, nachdem sie soeben alles gegeben hatte um das Leben ihres Patienten zu retten. „Er ist immer noch im kritischen Bereich.“ Auch ohne das Hojo ihr dies mitteilte, wusste sie, dass es nicht gerade gut um den Mann stand. Der Mann hatte schon in der Nacht bei der Einlieferung einen schweren Herzinfarkt. Ihr war bewusst, dass es kein gutes Zeichen war, wenn er nun noch einen Herzstillstand bekommen hatte. Weiter würde sich nun die kardiologische Abteilung kümmern. Nach der Reanimation hatten sie ihn sofort von der Intensivstation dorthin verlegt. Er würde sicher einige Untersuchungen bekommen, bis er wieder bei ihnen landen würde. „Kagome, ich wollte dir…“
„Lass es bitte, Hojo. Du weißt genau, dass ich diesen Tag nicht brauche“, forderte sie von ihrem Exverlobten. „Ich gehe in Pause. Wenn was sein sollte, piep einfach durch“, kam Kagome auf den Punkt. Es war bereits früher Nachmittag. Kagome hatte wirklich Hunger und solange sie nun etwas Ruhe hatte, würde sie sich schnell etwas zu essen holen.
„Gibst du das bitte morgen Kagome?“ Mit skeptischem Blick beobachtete Inuyasha, wie Kimiko Mariko einen Umschlag übergab. „Natürlich“, lächelte Mariko. „Was macht ihr Morgen?“, wollte Kimiko wissen. „Nicht viel. Kagome hat sich einfach nur einen gemütlichen Tag mit uns gewünscht. Ich werde ihr Lieblingsessen kochen und danach machen wir einfach einen Spielenachmittag“, erklärte Mariko. Irgendwie verwirrte Inuyasha das Gespräch noch mehr. „Ach Tantchen, gratulierst du Kagome auch von mir?“ Kurz weiteten sich seine Augen, als sich Kikyo nach ihrer Verabschiedung noch einmal zu ihrer Tante begeben hatte. „Kagome hat morgen Geburtstag?“, fragte Inuyasha daher seine Verlobte, die ihn etwas überrascht musterte. „Nein, sie hat heute. Wir feiern ihren Geburtstag aber schon seit Jahren am nächsten Tag“, lächelte Mariko. Nun verstand auch Inuyasha was sie vorhin gemeint hatte. „Heute?“ hakte Inuyasha ungläubig noch einmal nach.
„Ja. Aber wie meine Tante schon sagte, sie feiert morgen. Können wir nun gehen?“, wollte Kikyo wissen, während sie sich bei ihm eingehakt hatte. Den Nachmittag wollte sie alleine mit ihm genießen. „Ähm... natürlich… ich muss nur noch kurz wohin, würdet ihr Kikyo schonmal mit nach Hause nehmen?“, bat Inuyasha seine zukünftigen Schwiegereltern. Skeptisch zog seine Verlobte eine Augenbraue hoch, doch er hatte sich gerade noch etwas überlegt. „Keine Angst, lass dich einfach überraschen“, lächelte Inuyasha, immerhin hatte er seiner Verlobten eigentlich nichts geschenkt, sie nur zum Essen ausgeführt. „Ok, aber lass dir nicht zulange Zeit“, forderte sie von ihm. Kurz drückte Kikyo ihre Lippen auf seine und folgte danach ihren Eltern zu dessen Wagen. „Danke für die Info, bis bald“, winkte Inuyasha noch Kagomes Eltern, bevor er sich eilig auf den Weg machte. Doch nun musste er für seinen Plan gleich zwei Frauen glücklich machen.
„Alles Gute zum Geburtstag.“ Freudig fiel Sango Kagome um den Hals. Auch Shippo gratuliert ihr, mit einem breiten Lächeln. Die beiden hatten eine kurze Verschnaufpause genutzt, um sie auf ihrer Station zu besuchen. „Danke, ihr hättet aber nicht extra kommen müssen“, bedankte sich Kagome. Dennoch freute sie sich über die Glückwünsche, da sie keine schönen Erinnerungen an ihre früheren Geburtstage hatte. Oft hatte sie den Unmut ihrer Cousine zu spüren bekommen, weil sie am gleichen Tag auf die Welt kommen musste. Deshalb hatte sie irgendwann nicht mehr mit ihr feiern wollen. Freiwillig ließ sie sich zur Arbeit einteilen und als Kind hatte sie immer anderweitige Projekte gesucht. „Hey… heute ist dein Ehrentag. Natürlich wollen wir dir gratulieren“, kicherte Sango. Sie hielt ihr ein kleines Päckchen hin. „Das wäre doch nicht notwendig gewesen“, seufzte Kagome, die mit dieser Zuwendung wenig anfangen konnte. „Nimm es einfach an. Heute Abend kommen wir natürlich noch zu dir. Wir müssen nun leider los“, kam es fast schon traurig von den beiden.
Dies störte Kagome jedoch nicht, immerhin musste sie ebenso noch etwas arbeiten. Lächelnd lief sie zu dem Schwesternzimmer zurück und stellte das Paket auf dem Tisch ab. Sie würde es erst am Abend öffnen. „Dann kannst du meines auch annehmen. Alles Gute, Kagome.“ Mit einem Tiefen Atemzug sah Kagome Hojo dabei zu, wie er ihr ein Päckchen neben Sangos und Shippos Geschenk stellte. „Hojo…“
„Nein, ich möchte das du es annimmst. Ich habe Fehler gemacht, Kagome. Aber ich liebe dich noch immer.“ Kurz war sie sprachlos. Doch Gedanken konnte sie sich keine machen, da es an der Tür des Zimmers klopfte. „Störe ich?“ Überrascht sah sie zu der Tür, in welcher Inuyasha mit einem Blumenstrauß stand. „Kann ich Kagome kurz entführen?“, richtete Inuyasha das Wort an Hojo. Widerwillig nickte dieser. Kagome ging deshalb auf Inuyasha zu. „Was machst du hier?“, fragte sie ihn und konnte wirklich nicht glauben, dass ausgerechnet er vor ihr stand. „Ich wollte dir gratulieren. Happy Birthday, Kagome.“ Mit einem Lächeln überreichte er ihr den Blumenstrauß und die Pralinen. Von dieser Geste war sie wirklich gerührt, dennoch spürte sie Hojos Blick im Rücken. „Dankeschön, das wäre nicht nötig gewesen“, bedankte sie sich und roch an den Lilien, die wirklich wundervoll aussahen. „Natürlich war es nötig... Ich lass dich mal weiter arbeiten. Und genieße später noch den Tag“, lächelte er und lugte kurz zu Hojo.
Schnell beugte sich Inuyasha vor und drückte seine Lippen auf ihre. Anschließend drehte er sich um und ging. Mit großen Augen blieb sie in der Tür stehen, da sie mit dieser Geste nicht gerechnet hatte. Schwer schluckend drehte sie sich zu Hojo um. Er wirkte niedergeschlagen und ziemlich verwirrt. So langsam dämmerte es ihr, warum Inuyasha sie geküsst hatte. Eine Gratulation bei der Verlobten wäre mehr als seltsam ohne Zärtlichkeiten gewesen. Doch wieso hatte ihr Herz dann so geklopft und warum hat es sich so verdammt gut angefüllt?
Kleine Bedenken!
Kleine Bedenken!
Mit einem kleinen Lächeln stellte Kagome den Strauß Lilien auf den Tisch. Sie fand die Blumen wunderschön und war wirklich dankbar, dass Inuyasha ihr diese geschenkt hatte. Die Pralinen und die weiteren Geschenke hatte sie ebenfalls auf dem Esstisch platziert. Getraut die Präsente aufzumachen hatte sich Kagome noch nicht. Sie wollte auf Sango und Shippo warten. Die beiden hatten ebenfalls bereits Dienstschluss gehabt. Sie wollten nur noch schnell duschen und anschließend zu ihr kommen. Sie freute sich wirklich schon darauf. Kurz roch Kagome an den Blumen, sie hatten einfach einen so schönen und intensiven Geruch. „Ja?“, nahm sie den Anruf von Sango entgehen. „Kommst du runter?“, wollte diese von ihre wissen. „Warum?“, fragte Kagome deutlich misstrauisch nach. Denn sie hatten abgemacht, dass sie sich etwas zu Essen bestellen würden und dabei einfach den Tag gemütlich ausklingen lassen. „Das Essen ist so schwer…“, kam es belustigt von Sango, dennoch kam sie ihrer Bitte nach.
Sie zog sich ihre Jacke an und fuhr mit dem Fahrstuhl nach unten. Leicht fröstelnd trat sie aus der Anlage und rieb sich die Schultern. Es war wirklich kalt am heutigen Abend. Kagome hatte sich eigentlich darauf gefreut, nicht mehr nach draußen zu müssen. „Kagome!“, rief Sango ihren Namen. Sie entdeckte Sango an ihrem Wagen stehen und lief eilig auf ihre beste Freundin zu. „Was macht ihr hier?“, wollte sie wissen, als sie beim Auto angekommen war. Sie hatte gehofft, dass sie ihre Freunde wenigstens heute keine Überraschungen für die übrig haben würden. „Hier bitte.“ Überrascht sah Kagome auf den Karton den ihre beste Freundin aus dem offenen Kofferraum zog. „Was ist das?“, nahm sie diesen verwirrt an. „Meine Sachen. Shippo und ich dachten uns, dass du schon zulange allein in der Wohnung bist. Also bleibe ich ab heute bei dir“, lächelte Sango sie an. Kagome konnte wirklich nicht glauben, was ihre Freundin ihr gerade mitgeteilt hatte. „Ist das euer Ernst?“, wollte sie ungläubig wissen. Grinsend sahen die beiden sie an.
„Zumindest wenn du uns dabei hilfst, Sangos Sachen hochzubringen.“ Nahm Shippo einen weiteren Karton in die Hand. „Natürlich“, freute sich Kagome und machte sich voller Tatendrang dran die Umzugskarton in die Wohnung zu schaffen. War dies doch das schönste Geschenk, welches sie am heutigen Tag erhalten hatte.
Mit gemischten Gefühlen sah Inuyasha in den beschlagenen Spiegel. Einen kleinen Teil wischte er frei, sodass er sich in dem Spiegel ansehen konnte. Nach den vergangenen wirklich schönen Momenten hatte er unbedingt eine Dusche nehmen wollen. Kikyo hatte ihn mit einem sexy Dessous empfangen. Er war wirklich geplättet gewesen, dennoch war er auch nur ein Mann und hatte den Avancen von Kikyo nachgegeben. Doch jetzt hatte er Gewissensbisse. Er hatte Kagome geküsst. Zwar nur um Hojo in seine Schranken zu weisen. Doch der Kuss hatte sich ungewohnt gut angefühlt. In diesem Augenblick hatte er sich nicht bremsen können und noch schlimmer fand er, dass er es tatsächlich genossen hatte. Die kurze Berührung hatte ihn vollkommen aus der Bahn geworfen. Jedoch hatte er vor Kikyo den perfekten Partner gemimt. Ihr den Blumenstrauß übergeben und sich anschließend ihr hingegeben. „Inuyasha? Deine Mutter ist am Telefon“, hörte er Kikyos Stimme durch die Tür.
Seufzend löste er sich von seinem Spiegelbild. Er öffnete die Badezimmertür nur mit einem Handtuch bedeckt. Er sah Kikyos Blick auf sich und nahm zögernd das Handy an sich. „Ja?“, meldete er sich bei seiner Mutter, nachdem er den Anruf angenommen hatte. „Wie geht es dir?“, wollte sie zunächst wissen. Allerdings war Inuyasha sich sicher, dass dies nicht der einzige Grund für ihren Anruf war. „Gut, wie ist es bei euch?“, wollte er wissen und deutete Kikyo, dass er zurück ins Badezimmer gehen wollte. Begeistert schien sie nicht wirklich zu sein. Doch er war inzwischen ziemlich müde. Er wollte sich schonmal seine Schlafsachen anziehen und schlafen gehen. „Auch ganz gut. Papa hatte eine wunderbare Idee“, kam sie nun zum Punkt. „Welche denn?“, wollte er wissen und musste dabei leise lachen. „Sesshomaru und er würden gerne mit dir einen Anzug aussuchen.“ Inuyasha freute sich wirklich darüber. „Gern, könnte nur schwierig werden“, seufzte er, da alle drei Männer wirklich viel um die Ohren hatten und zusätzlich waren noch einige Kilometer zwischen ihnen.
„So schwierig ist das gar nicht. Du könntest doch wieder einmal zu Besuch kommen. Ich würde mich freuen, wenn du wieder hier bist“, kam es wehmütig von seiner Mutter. Kurz überlegt er. Erst in drei Wochen hatte er wieder ein Wochenende für sich. „Wenn die zwei sich am vierundzwanzig oder fünfundzwanzigsten frei nehmen können. Das ist das einzige Wochenende, welches ich in diesen Monat frei habe“, teilte er seiner Mutter mit, während er sich die Schlafhose anzog. „Ist bereits notiert. Ich freu mich darauf“, kam es entzückt von seiner Mutter und auch er konnte nicht verbergen, dass er sich ebenso darüber freute. „Ach Inuyasha… wenn du willst, kannst du Kagome zur Beratung mitnehmen“, fügte sie fast schon zögernd hinzu. Unweigerlich musste er schwer schlucken als ihr Name fiel. „Ähm… das ist keine gute Idee“, flüsterte er leise. Erstmal wollte er ihr lieber aus dem Weg gehen.
„Schade, dann sehe ich sie erst zur Hochzeit wieder“, seufzte seine Mutter. Sie schien die junge Frau wirklich toll zu finden, etwas das sie mittlerweile mit ihrem Sohn teilte. „Ja, ich muss jetzt auch auflegen... bin ziemlich müde“, teilte er seiner Mutter mit. Natürlich wollte er nicht unhöflich sein, doch es war schon ziemlich spät. „Ach das macht doch nichts. Schlaf gut, mein Schatz… und gratuliere Kikyo von uns.“ Er hörte die Enttäuschung aus ihrer Stimme. Vermutlich hatte sie sich erhofft, länger mit ihm sprechen zu können. „Mach ich, gute Nacht“, legte er seufzend auf und zog sich das Shirt, welches er zum Schlafen tragen würde über. Danach ging er aus dem Badezimmer. „Meine Eltern wünschen dir alles Gute“, sagte er beiläufig, als er sich ins Bett legte. „Danke“, lächelte diese und schmiegte sich an seine Seite. „Weißt du… wir haben lange keinen Spaß mehr gehabt… ich bin momentan ziemlich unersättlich“, kam es verführerisch von ihr. Genüsslich legte sie ihre Lippen auf seine und fuhr mit ihrer Hand seinen Brustkorb hinunter.
„Kikyo... lass das“, löste er den Kuss und hielt ihre Hand davon ab, ihm unter das Shirt zu fahren. „Willst du mich überhaupt noch?“, fauchte sie ihn an und warf sich förmlich in das Bett zurück. Kurz war er sprachlos und leckte sich über die Lippen. „Was soll die Frage?“, wollte er dementieren. „Seit Wochen haben wir kaum Sex. Immer öfter gibt es Streit und dir scheint das vollkommen egal zu sein“, machte sie ihrem Ärger Luft. Doch an ihm lag diese Situation wirklich nicht. „Wer von uns arbeitet immer und überall? Ich bin sicher nicht allein daran schuld“, verteidigte er sich. Nach diesen Worten hatte Inuyasha echt keine Lust mehr. Er war müde und wollte nur noch schlafen. Zumal er diese Art von Diskussion schon einige Male mit ihr geführt hatte und keine Einigung in Sicht war.
„Du, Kagome… sag mir bitte nicht, dass du diese Blumen von Hojo bekommen hast“, sprach Sango aus und sah dabei zu den Blumen, während Kagome und sie ein Frühstück zu sich nahmen. „Nein…“, antwortete Kagome und überlegte, wie sie es erklären sollte. Sie stocherte in ihrem Essen herum. „Von wem hast du sie dann?“, wollte Sango interessiert wissen. Sie trug ein Lächeln auf den Lippen und malte sich vermutlich schon eine wunderschöne Romanze aus. „Die Blumen sind von Inuyasha“, gestand Kagome leise. Sie hörte wie Sango zischend die Luft einzog. „Inuyasha hat dir deine Lieblingsblumen geschenkt?“, hakte sie nach und schien ziemlich fassungslos. „Woher weiß er, dass du Lilien liebst?“, wollte sie wissen. Kagome hatte Sango nichts von dem Wochenende erzählt. Sie hatte ihre beste Freundin angelogen. „Vielleicht waren wir vor ein paar Wochen zusammen beim Floristen und er hat es gesehen?“, zögerte sie mit ihrer Antwort.
„Du hast doch seit Wochen keine Zeit mehr… wann wart ihr dort?“, wollte Sango wissen. Zumindest solange bis ihr etwas einfiel. „Sota hat nicht im Februar Geburtstag.“ Beschämt sah Kagome weg. Als sie die kleine Ausrede erfand, hätte sie nie gedacht, dass Sango es nicht bemerkte. „Du warst das Wochenende mit Inuyasha zusammen?“, kam es fassungslos von Sango. „Ja, aber es ist anders als du denkst“, hob sie abwehrend ihre Hände in die Luft. „Hast du mit ihm geschlafen?“, kam es schockiert über ihre Lippen. „Nein… nein habe ich nicht und werde ich auch nicht. Wir waren nur die Burg anschauen. Und weil ich ja für Kikyo und ihn gebucht hatte und Kikyo plötzlich abgesagt hatte, bin ich eben mit ihm gefahren“, stellte Kagome klar. Sie würde nichts mit ihm anfangen. „Warum hast du mich dann angelogen?“, wollte Sango wissen. Das konnte Kagome selbst nicht sagen, da sie es eher unbewusst getan hatte. „Ich hatte Angst, dass du sauer wirst“, gestand Kagome leise.
Schon öfter hatte Sango ihr an den Kopf geworfen, dass sie sich zu sehr für diese Hochzeit einsetzte. „Und das wäre ich auch geworden. Kagome… das ist nicht deine Hochzeit. Lass Kikyo endlich einmal auflaufen und hilf ihr nicht ständig“, forderte Sango von ihr. Doch Kagome konnte das nicht. Familie war ihr nun mal das Wichtigste, weshalb sie alles für diese tun würde. „Du weißt, dass ich dich unheimlich liebe… und dennoch kann ich manche Entscheidungen nicht nachvollziehen, aber ich unterstütze dich… auch bei diesem blöden Kleiderkauf… der immer noch scheiße ist.“ Kagome musste sich ein Lächeln verkneifen. Ihre Freundin war schon immer sehr direkt gewesen und dennoch liebte sie genau das an ihr. „Du musst jetzt los… deine Eltern warten bestimmt schon auf dich“, schickte Sango sie los. „Die können auch noch ein paar Minuten warten“, winkte Kagome ab, denn Sango hatte sich solche Mühe gegeben, ihr ein Frühstück zu zaubern.
„Tut mir leid für die Verspätung“, sagte Kagome und umarmte ihre Mutter, nachdem sie ihr Elternhaus erreicht hatte. „Das macht doch nichts. Ich hoffe, dein Tag gestern war schön.“ Kurz dachte sie an den Vortag. Sie hatte wirklich viel Aufmerksamkeit erhalten, mehr als die Jahre zuvor. „Ja“, entgegnete sie deshalb mit einem Lächeln auf den Lippen. „Alles Gute im Nachhinein“, wurde Kagome freudig von ihrem Bruder und Vater empfangen. „Danke. Ihr wisst aber schon, dass ich kein kleines Kind mehr bin?“, wollte Kagome wissen. Sie hob einen der unzähligen Luftballons auf, die ihr Bruder und Vater wohl aufgeblasen hatten. „Für mich bleibst du immer mein kleines Mädchen“, kam es von ihrem Vater, während er mit einem Lächeln auf sie zu ging und ihr einen Kuss auf die Wange gab. „Das weiß ich doch, Papa. Kann ich dir noch etwas in der Küche helfen, Mama?“, wollte sie von ihrer Mutter wissen. Kagome wusste, dass sie ihr etwas Köstliches kochen würde.
„Wenn du möchtest. Deckt ihr beide schon mal den Tisch? Und Opa könnt ihr auch mal abholen“, richtete ihre Mutter das Wort an ihren Vater und Bruder. Die beiden jungen Männer nickten auch sofort und folgten brav der Anweisung ihrer Mutter. „Ich habe gehört, dass du mit Inuyasha in Matsumoto warst?“, sprach ihre Mutter sie während des Kochens an. Kurz sah Kagome zu ihr. „Ja, wir haben die Location angesehen und das meiste dabei ausgemacht“, lächelte sie. Durch den kleinen Ausflug war nur noch wenig für die Hochzeit zu erledigen. Gastgeschenk und Kleinigkeiten, doch das schaffte Kagome locker nebenbei. „Kikyo meinte, ihr hättet in einem Zimmer übernachtet?“, wollte ihre Mutter weiterwissen. „Ja… auf was willst du hinaus?“, kam es nachdenklich von Kagome. „Inuyasha scheint dich wirklich zu mögen... magst du ihn auch?“, wollte ihre Mutter ohne Umwege erfahren. Kagome musste bei dieser Frage schlucken und dachte an die vielen Situationen mit ihm zurück. „Er ist ein Freund“, antwortete sie leise und wage.
Ein Seufzen war von ihrer Mutter zu hören. Sie kannte ihre Tochter gut. „Ich glaube, ihr beide wisst noch nicht, was ihr füreinander empfindet. Das ist gefährlich, Kagome. Pass auf dich auf“, sagte sie und streichelte ihr mit traurigen Augen über die Wange. Sie schien bedenken zu haben, die Kagome nicht teilen konnte. Schließlich liebte Inuyasha Kikyo und in ein paar Wochen würden die beiden endlich verheiratet sein.
Das richtige Outfit!
Das richtige Outfit!
„Schön, dass du da bist.“ Freudig wurde Inuyasha in die Arme seiner Mutter gezogen, nachdem er endlich bei seiner Familie angekommen war. Die Fahrt war lange gewesen. Am Morgen hatte er noch einige Termine erledigen müssen, dadurch war er leider erst am frühen Nachmittag von Tokio losgekommen. Und mit ihm gefühlt eine Million andere Menschen. Die Straßen waren überfüllt gewesen. Inuyasha hatte länger als üblich gebraucht. „Endlich…“, seufzte er daher, als seine Mutter sich wieder löste. „Hast du Hunger? Soll ich dir ein Bad einlassen?“, kam es wie immer fürsorglich von seiner Mutter. „Gegen Essen hätte ich nichts einzuwenden“, freute Inuyasha sich. Schließlich war er extra den ganzen Weg durchgefahren, um nicht noch später anzukommen. „Ich habe Ramen gemacht. Ich hoffe, das magst du immer noch“, strahlte seine Mutter ihn an. „Die liebe ich doch schon seit ich ein kleiner Junge war“, lachte er. Als Kind hatte Inuyasha Ramen schon immer gern gegessen und freute sich nun richtig darauf.
„Wo ist denn Dad?“, wollte er wissen, da er seinen Vater noch nicht gesehen hatte. „Sess und er sind noch in der Firma. Sie wollten noch etwas erledigen, damit sie morgen so viel Zeit wie möglich mit dir haben können“, lächelte seine Mutter, während Inuyasha bereits am Tisch Platz nahm und auf seine Portion wartete. „Wann wollen sie eigentlich morgen los?“, fragte er neugierig nach. Immerhin hatte er keine weiteren Informationen erhalten, auch nicht zu welchem Schneider sie gehen würden. „Ich glaube um neun. Ich bin mir aber nicht ganz sicher“, gestand sie und stellte ihm den Teller vor die Nase. „Das riecht aber gut“, kam es genüsslich von seinen Lippen. Das Wasser in seinem Mund lief ihm zusammen, da er einen Bärenhunger hatte. „Lass es dir schmecken“, sagte sie und setzte sich ihm gegenüber. Die beiden sprachen noch etwas miteinander, während Inuyasha seine Portion vertilgte. Anschließend verabschiedete er sich ins Badezimmer, um sich etwas frisch zu machen und schlafen zu gehen.
„Na dann wollen wir mal“, kam es seufzend von Kagome, als sie mit Sango den Brautladen betrat, in dem Kikyo eigentlichen ihren Termin für eine Anprobe hatte. Zu dieser war sie tatsächlich nicht erschienen. Kagome hatte deshalb ihrer Bitte nachgegeben. Sie würde die Anprobe in ihrem Namen durchziehen. Ein Budget hatte ihr Kikyo nicht gesetzt. Sie sollte einfach ein Kleid finden, dass zu ihr passte, egal wieviel es kostete. „Hat Kikyo irgendwelche Vorstellungen?“, wollte Sango interessiert wissen und schaute sich schon beim Hineingehen einige der Kleider an. „Hallo, sie müssen Kikyo sein. Ich bin Koharu deine Brautberaterin für den heutigen Tag“, wurden sie freundlich lächelnd begrüßt und eine junge Frau kam auf die beiden zu. „Ja“, nahm Kagome die ihr gereichte Hand an. Sango verdrehte ihre Augen, sagte zum Glück aber kein Wort. „Wollen wir mal darüber sprechen, was du dir vorstellst?“ Nickend folgten Sango und Kagome der jungen Frau zu einem kleinen Bereich in den Sitzgelegenheiten aufgestellt waren. „Wie sehen deine Vorstellungen aus?“, fragte Koharu nach.
Tief atmete Kagome durch, weil sie nicht so recht wusste, was sie sagen sollte. „Ich denke, ein enganliegendes Kleid sollte es sein. Vielleicht ein Fit and Flair oder ein Bohokleid“, überlegte sie. Kikyo würde in einem Prinzessinnenkleid oder einer A-line nicht ganz so gut aussehen, zumindest dachte dies Kagome. „Was halten sie von Spitze?“ Kurz musste sie schmunzeln. Sie selbst liebte Spitze, doch ob Kikyo diese mochte? „Vielleicht ein bisschen, aber das Kleid soll besonders sein. Mein Bräutigam soll umkippen, wenn er mich sieht“, lächelte sie, auch wenn Kagome etwas funkeln musste. „Wollen wir mal durch die Reihen durchschauen?“, hakte die junge Frau nach, nachdem sie die Wünsche notiert hatte. Nickend stand Kagome auf. Obwohl dies nicht ihr Brautkleid sein würde und Kagome schon mal eine Anprobe hinter sich hatte, war sie nervös. Nichts hatte es an der Besonderheit dieses Momentes geändert, dass Kagome vor dem Traualtar stehen gelassen wurde.
„Wie findest du diesen Anzug.“ Etwas überfordert sah Inuyasha zu dem Anzug, den ihm sein Bruder gerade vorgeschlagen hatte. Ganz glücklich würde er mit diesem jedoch nicht werden. Die Anzüge, die ihm bis jetzt präsentiert wurden, waren alle samt schön… aber eben nicht perfekt. Er trug jeden Tag Anzüge, zumindest wenn er arbeiten musste. All diese Anzüge kannte Kikyo bereits an ihm. Schwarz, Blau oder Grau all diese Farben waren nicht besonders. Er wollte sie zum Staunen bringen. Mit den Handelsüblichen würde das wohl kaum klappen. Vor allem weil sie in ihrem Kleid sicher der Hingucker sein würde. „Nicht ganz meins“, gab er schließlich zu. Die Auswahl war einfach überwältigend. Einen Moment fragte Inuyasha sich, wie Kagome sich schlug, bei ihr würde es wohl kaum anders aussehen. „Was stellst du dir genau vor?“, fragte der Schneider ihn. Doch Inuyasha konnte dies nicht richtig beantworten. „Es soll anders sein als meine Anzüge, die ich zu Hause habe. Ich möchte einfach etwas anderes.” Es war schwer für ihn, das alles richtig zu beschreiben, was er haben wollte.
„Ich glaube, ich habe eine Idee. Gehen sie einmal durch den Laden, sehen sich die unterschiedlichen Anzüge an und anschließend werden wir das Richtige für sie finden.” Seufzend begann Inuyasha damit durch den Ausstellungsraum zu laufen. Ob es ihm helfen würde, bezweifelte er. Es waren einfach so viele, bis ihm ein Anzug auf einer Schaufensterpuppe ins Auge fiel. Fasziniert sah er zu diesem Outfit und betrachtete ihn von allen Seiten. „Entschuldigung, könnte man diesen Anzug auch in einer anderen Farbe haben?“, wollte er wissen. Neugierig kamen die drei Männer auf ihn zu. „Natürlich. Jedes Element können wir in der Farbe anfertigen, so wie es ihnen passt. Wollen sie den Anzug anprobieren?“, wollte der Schneider von ihm wissen. „Gern“, freute sich Inuyasha und war schon ziemlich gespannt, wie dieser Anzug an ihm wirken würde.
Langsam lief Kagome den kleinen Catwalk nach vorne und betrachte sich genau im Ganzkörperspiegel. „Und?“, wollte die Verkäuferin von ihr wissen. Kagome war sich nicht ganz sicher. Das grobe Spitzenoberteil in besonderer Optik und der mit Spitze verzierte Rock, der leicht um ihre Füße fiel, sahen wirklich wunderschön aus. Und dennoch konnte sie sich nicht entscheiden. „Es ist schön“, sagte sie wage. Dennoch sah sie nicht Kikyo in diesem Kleid auf den Altar zuschreiten. Kagome hatte sich diese Anprobe ganz anders vorgestellt. Mittlerweile hatte sie das sechste Kleid angezogen. Und keines von ihnen war wirklich perfekt. „Ich denke, wir können diese Art von Kleidern wirklich abschreiben“, seufzte sie anschließend. Boho war doch nicht das, was Kagome sich für Kikyo vorstellen konnte und wenn sie ehrlich zu sich war, passte es ebenso nicht zu ihr. „Gut, dann wollen wir mal das Nächste probieren“, lächelte Koharu. Kagome wusste wirklich nicht, wie sie dies noch konnte. Immerhin zog sie nun schon das gefühlt hundertste Kleid an.
Mit gekonnten Griffen hatte sie Kagome aus dem Kleid geholfen. „Ich bringe ihnen nun ein Kleid, das ich schön finde. Vielleicht gefällt es ihnen ja“, schlug Koharu ihr vor. Kagome nickte, denn so langsam war der Zauber verloren. Ihre Auswahl war leider begrenzt gewesen, immerhin war die Hochzeit schon recht bald und Kagome musste nehmen, was rechtzeitig fertig werden würde. Schnell wurde sie aus den trüben Gedanken gerissen, als Koharu mit einem Kleid wiederkam. Überrascht bestaunte Kagome dieses. „Und wollen wir es anprobieren?“, wollte sie lächelnd wissen. „Ja“, kam es mit leuchtenden Augen von Kagome. Mit klopfenden Herzen wartete sie darauf, dass Koharu fertig mit dem Einkleiden war. „Wollen wir es ihrer Begleitung präsentieren?“ Nickend drehte sich Kagome mit einem Lächeln um. Sie war vollkommen begeistert von dem Kleid gewesen. Angezogen sah es bestimmt noch schöner aus. Schneller schlug ihr Herz in ihrer Brust, während sie den Catwalk abermals entlang lief, doch diesmal strahlte sie förmlich.
„Wow“, entkam es ebenfalls Sango. Sie schien genau wie Kagome von dem Kleid geplättet zu sein. Das Kleid hatte ein wunderschönes feines Spitzenoberteil mit tiefem Ausschnitt und schmalen Trägern. Ein Sidecut und dazu ein wunderschöner tiefer Rücken machten das Oberteil wirklich zu einem Hingucker und zeigten deutlich, was die Braut zu bieten hatte. Der Rock war relativ Clean, hatte jedoch einen hohen Beinschlitz, der mit Spitze verkleidet war. Die Schleppe war wunderschön und lang. Sie endete mit derselben Spitze, die sich schon am Oberteil und dem Rock befand. „Darf ich dir einen Schleier aufsetzten?“ Nickend konnte Kagome es gar nicht erwarten, sich vollkommen ausgestattet im Spiegel zu sehen. Sie neigte leicht den Kopf, um es Koharu leichter zu machen. Zu dem Schleier bekam Kagome noch dem passenden Schmuck umgelegt. Mit angehaltenem Atem betrachtete sie sich. „Das ist dein Kleid, Kagome“, flüsterte Sango vollkommen fasziniert. „Mein zweiter Name“, lächelte Kagome Koharu unsicher an, da diese doch etwas verwirrt gewirkt hatte.
„Und hat ihre Freundin recht?“, wollte Koharu nachhorchen, nachdem sie sich mit der Antwort begnügt hatte. „Ja... ja, das ist mein Kleid“, flüsterte Kagome. Es sah einfach so unglaublich perfekt aus, doch ein Wermutstropfen blieb. Es war leider doch nicht ihr Kleid, sondern das von Kikyo, welches Kagome nur für sie aussuchen musste.
Mit einem Lächeln trat Inuyasha vor seinen Vater und seinen Bruder. Zuvor hatten er und der Schneider etwas an dem Anzug herumgebastelt. Nun fand Inuyasha, dass es perfekt war. „Dir kann keiner sagen, dass du nicht Mut zur Farbe hast“, staunte sein Bruder. „Wie findet ihr ihn?”, wollte Inuyasha nervös wissen. Immerhin zählte er sehr auf die Meinung seiner Begleiter. „Er steht dir wirklich hervorragend und ich denke, Kikyo wird begeistert sein“, lächelte auch sein Vater. Inuyasha betrachte sich im Spiegel. Das schwarze Jackett mit dem Weinroten Innenfutter saß wirklich perfekt. Ein kleiner Hingucker war die schwarze Lilie, die bereits am Kragen befestigt war und zu dem Blumenschmuck passte, den er zusammen mit Kagome ausgesucht hatte. Darunter trug er ein weißes Hemd und eine weinrote Weste die schräg zugeknöpft wurde und mit den schwarzen Knöpfen ein weiteres Highlight setzte. Die schwarze Krawatte verschwand unter der Weste und in der Jackentasche befand sich ein weißes Tuch. Die weinrote Hose machte das Outfit perfekt. Inuyasha konnte es sich wirklich vorstellen, in diesem Outfit zu heiraten.
„Was glauben Sie wird ihre zukünftige Frau dazu sagen?“, wollte der Schneider wissen. Inuyasha zuckte mit den Schultern. „Ich hoffe, sie wird begeistert sein“, lächelte er. Kurz leckte er sich über seine Lippen. „Papa… kannst du ein Foto von mir machen?“, bat er seinem Vater, da er unbedingt ein Bild haben wollte. „Willst du Kikyo deinen Anzug etwa zeigen?“, entkam es schockiert von Sesshomarus Lippen. „Was? Nein… ich wollte den Anzug Kagome zeigen“, stellte Inuyasha klar. Ihre Meinung war ihm mindestens genauso wichtig, wie die seines Bruders und seines Vaters. „Erhoffst du dir, dass sie dich anhimmelt?“, lächelte sein Vater. Inuyasha schüttelte nur belustigt den Kopf. Er wollte einfach wissen, wie sie ihn fand. „Nein. Aber Kagome hat einen sehr guten Geschmack. Vielleicht hat sie noch ein paar Details, die sie nicht ganz so toll findet und man könnte es noch abändern”, lächelte Inuyasha in die Kamera und war wirklich nervös. Er hatte seinen Traumanzug gefunden und würde schon bald in diesem mit Kikyo vor dem Traualtar treten.
Ein kleines Abkommen!
Ein kleines Abkommen!
„Guten Morgen“, lächelte Kagome die Dame am Empfang an. „Wollen sie zu Inuyasha?“, kam es höflich von dieser. Doch ausnahmsweise war nicht, wie so oft, der Firmeninhaber ihre Zielperson. „Nein. Eigentlich würde ich gerne zu Miroku“, teilte Kagome ihr deshalb mit. Der junge Mann hatte sie vor ein paar Tagen um ein wichtiges Gespräch gebeten. Kagome hatte jedoch einige Dienste eingetragen gehabt und hatte dadurch erst am heutigen Tag Zeit für ihn. „Miroku macht gleich Pause. Wollen sie hier warten?“, wollte sie von Kagome wissen. „Kann ich schon mal zu ihm hoch?“, stellte Kagome lieber die Gegenfrage. Immerhin wollte sie niemanden stören. „Na… natürlich“, kam es etwas überrumpelt von der Empfangsdame.
„Ist es der gleiche Weg wie zu Inuyasha?“, hakte Kagome nach. Immerhin hatte sie Inuyasha schon ein paar mal besucht. Sie kannte den Weg noch und würde Miroku sicher finden. „Ja. Ich sag ihm nur schnell Bescheid.“ Damit deutete sie auf ihr Telefon. Kagome machte sich unterdessen schon auf den Weg nach oben. Sie war einfach zu neugierig, was Miroku von ihr wollte.
„Kagome“, rief Inuyasha ihren Namen, als er sie aus dem Fahrstuhl steigen sah. Soweit er sich erinnern konnte, hatten sie am heutigen Tag nichts ausgemacht. Vielleicht hatte er aber auch etwas vergessen. „Hallo. Na wie war dein Wochenende?“, kam sie direkt auf ihn zu. „Ganz gut, nur zu kurz“, gestand er, der das Wochenende durchaus genossen hatte. Immerhin hatte er bei seiner Mutter nichts machen müssen und konnte so richtig die Seele baumeln lassen. „Schön. Ich hoffe, du warst auch erfolgreich“, kicherte sie. „Natürlich, ich habe mir sogar besonders Mühe gegeben.“ Inuyasha hoffte wirklich, Kikyos Ansprüchen zu genügen. „Das hört sich doch prima an. Ich habe auch ein Brautkleid ausgesucht. Du wirst sicher Augen machen, wenn du Kikyo darin siehst“, kam es mit einem breiten Lächeln von ihr. Sie schien vollkommen von sich überzeugt zu sein. „Das will ich auch hoffen. Kann ich dir kurz meinen Anzug zeigen?“, wollte er von ihr wissen.
Dabei hatte er schon sein Handy gezückt um Kagomes Meinung zu hören. „Ne lass mal. Ich will mich genauso überraschen lassen, wie all die anderen“, winkte sie jedoch sofort ab. Inuyasha war wirklich sprachlos, hatte mit dieser Reaktion überhaupt nicht gerechnet. „Aber…“
„Weißt du zufällig, wo ich Miroku finden kann?“, unterbrach sie ihn eilig. Verwirrt runzelte er seine Stirn. „Miroku?“, hakte Inuyasha nach. „Ja, wir sind verabredet“, lächelte sie ihn an. Schwer schluckte er. „Ähm… ich glaube, er ist in seinem Büro“, fing Inuyasha sich nach einigen Sekunden wieder. „Falsch, ich bin schon hier“, hörte er seinen besten Freund hinter sich. Inuyasha drehte sich zu diesem um. „Perfekt.“ Das Lächeln auf seinen Lippen war nicht ganz ehrlich. Es widerstrebte Inuyasha Kagome mit Miroku allein zu lassen. „Viel Spaß euch beiden“, verabschiedete er sich von den beiden. Kagome hatte sich bei Miroku eingehakt und strahlte regelrecht. Etwas, was Inuyasha nur schwer ertragen konnte. Doch sie war erwachsen und wenn sie sich in Miroku verliebt hatte, würde er sie unterstützen.
„Also… was wolltest du mit mir besprechen“, fragte Kagome, nachdem sie ihre Bestellung aufgegeben hatte. „In wenigen Wochen soll doch der Junggesellenabschied von Inuyasha stattfinden. Bitte sorg dafür, dass Kikyo an dem Abend beschäftigt ist“, kam Miroku ohne Umschweife auf das Thema zu sprechen. „Was habt ihr denn geplant?“, wollte Kagome interessiert wissen. „Nicht ganz so viel. Inuyasha hat hier nur wenige Freunde. Sesshomaru kommt aus Osaka und wir wollen richtig die Sau rauslassen, bevor er endgültig hinter Gitter verschwindet.“ Kagome zog eine Augenbraue in die Höhe. „Geht ihr in einen Stripclub?“, hakte sie belustigt nach. Sie wusste, dass die meisten Männer eine Stripperin von ihren Freunden bekamen. „Nein, Inuyasha wehrt sich ohne Ende. Aber zumindest eine wilde und unvergessliche Partynacht wollen wir ihm ermöglichen.“ Irgendwie konnte Kagome dies verstehen. Kikyo würde jedoch sicher wenig begeistert sein.
„Ich könnte Kikyos Junggesellinnenabschied auf den gleichen Abend legen“, überlegte sie, wie sie Miroku helfen konnte. „Meinst du, da macht sie mit?“, zweifelte Miroku schon die Idee an. „Es wird ihr einfach nichts anderes übrig bleiben“, lächelte Kagome, die vor etwas über einem Jahr ebenfalls von Sango und Kikyo mit einem Junggesellinnenabschied überrascht worden war. „Na dann... hoffen wir einfach mal, dass Kikyo nicht allzu sauer sein wird“, freute er sich schon, einen kleinen Tipp hatte sie dennoch für den jungen Mann. „Buch lieber ein Hotelzimmer“, konnte sie es sich einfach nicht verkneifen. Immerhin würde der Abend feuchtfröhlich werden. Kikyo hatte bestimmt keine Lust darauf, ihren zukünftigen am nächsten Morgen vollkommen betrunken vorzufinden. „Wird wohl besser sein“, stimmte er ebenfalls diesem Vorschlag zu. Jetzt musste sich Kagome nur noch überlegen, was sie mit Kikyo machen würden und ihrem Plan stand nichts mehr im Wege.
Vier Wochen später!
„Kann es losgehen?“ Freudig stand Kagome vor Kikyo, die sich soeben das weiße T-Shirt mit der Aufschrift -Ich bin die Braut- angezogen hatte. Dazu hatte sie noch einen Haarreifen mit einem kleinen Schleier von ihr verpasst bekommen. Kikyos Blick zeigte deutlich, was sie davon hielt, dennoch wollte Kagome nicht kleinbei geben. „Jetzt zieh nicht so ein Gesicht! Glaub mir... das wird lustig“, flötete sie förmlich. Sie freute sich schon wahnsinnig auf die Partynacht, da sie ewig nicht mehr aus gewesen war. „Ehrlich gesagt... habe ich keine Lust dazu“, kam es etwas mies gelaunt von Kikyo. Sie hatte schon im Vorfeld geäußert, dass sie auf so einen Abend getrost verzichten konnte. Doch das kam für Kagome nicht in Frage. „Ist doch nur ein Abend, Kikyo“, zuckte Kagome mit den Schultern und schob ihre Cousine dabei aus ihrer Wohnung.
Von Shippo wusste sie, dass die Jungs bereits auf der Piste waren. Sie hatten sich schon am Nachmittag in der Stadt getroffen und würden wohl erst Morgenabend wieder erreichbar sein. Schließlich hatte Kagome ihnen gesagt, ihre Handys Zuhause zu lassen. Nur für den Fall der Fälle, dass Kikyo auf blöde Ideen kam. „Muss das wirklich sein?“, motzte Kikyo unterdessen weiter. „Ja und jetzt komm“, kam es streng von Kagome, die langsam aber sicher wirklich schlechte Laune bekam. Denn sie hatte sich doch so gefreut und jetzt musste sie sich damit herum schlagen.
Kurz verzog Inuyasha angewidert das Gesicht, nachdem er diesen grässlichen Drink hinuntergeschüttet hatte. Zusammen mit seinem Bruder, Miroku und Shippo waren sie schon seit Stunden in der Stadt unterwegs. Nüchtern war keiner mehr von ihnen. Die kleine Truppe hatte sichtlich ihren Spaß. Sie machten viel Blödsinn und gaben gelegentlich Runden aus. „Wo geht es als nächstes hin, Jungs?“, kam es deutlich angeheitert von Miroku. Die Männer hatten die Bar wieder verlassen, in der sie bis eben einige Drinks genossen hatten. Schwankend und bestens gelaunt liefen sie die Straßen Tokios entlang. „Ich kenne eine richtig gute Disco“, kam es sogleich von Shippo, der am heutigen Abend ein bisschen den Fremdenführer mimte. „Auf was warten wir dann noch“, war Sesshomaru gleich Feuer und Flamme. Kopfschüttelnd betrachtete Inuyasha die drei Männer die vor ihm liefen. So hatte er sie noch nie gesehen und dennoch fühlte es sich verdammt gut an, endlich wieder einmal richtig unterwegs zu sein.
Seit Inuyasha mit Kikyo zusammen war, war er nicht mehr so oft aus gewesen. Etwas, was dem jungen Mann doch gefehlt hatte. „Inuyasha... wo bleibst du denn?“, riefen sie ihm zu, als sie bemerkt hatten, dass ausgerechnet der wichtigste Mann an diesem Abend nicht mehr bei ihnen war. „Komme schon“, lief er ihnen eilig hinterher, immerhin hatte er noch lange nicht genug und wollte diesen Abend vollkommen auskosten, der wohl in einem Zimmer von Miroku enden würde. Zumindest wenn er Miroku und seinen Bruder richtig verstanden hatte. So musste er sich wenigstens keine Sorge um Kikyo machen, die es noch nie gutgeheißen hatte, wenn er mal ein Gläschen zu viel getrunken hatte. Freudig hakte sich Miroku bei ihm ein und begann damit sie beide zu schaukeln, während er nicht ganz so Text sicher ein Lied zu trällern begann und somit die Aufmerksamkeit von ganz Tokio auf sich zogen.
„Was soll das, Kikyo?“, lief Kagome ihrer Cousine hinter. Soeben hatte diese für sich entschieden, dass es nun an der Zeit war zu gehen. Jedoch konnte das Kagome nicht nachvollziehen. „Ich will nach Hause“, wurde sie gleich angeblafft, als Kagome sie zum Stehenbleiben gezwungen hatte. „Hast du sie noch alle? Alle deine Freundinnen sind hier“, kam es aufgebracht von Kagome, die extra herumtelefoniert hatte, um jede ihrer Freudinnen einladen zu können. „Verstehst du es nicht, Kagome… dass hier…“ Damit zeigte sie an ihrer Erscheinung hinunter. „Ist einfach furchtbar peinlich. Ich möchte mich so nicht weiter der Öffentlichkeit aussetzten. Wenn ich das alles gewusst hätte, wäre ich nie mit euch mitgegangen“, stellte Kikyo klar. Kagome entkam ein Seufzen. Natürlich hatten sie ein paar Überraschungen für Kikyo vorbereitet. Bei einem Junggesellinnenabschied gehörten kleine Späße nun mal dazu. Dass Kikyo jedoch so spießig sein würde, damit hätte Kagome niemals gerechnet.
„Das gehört eben dazu. Man Kikyo… du bist die Braut. Die muss ab und zu ein paar Peinlichkeiten ertragen“, versuchte Kagome nochmal an ihre Vernunft zu appellieren, immerhin war es gerade einmal zehn Uhr. Eine Zeit, in der man ganz bestimmt nicht nach Hause lief, wenn man die Hauptperson war. „Ich will aber nicht mehr. Von mir aus verkauf du doch diese dämlichen Kondome. Ich habe genug“, drückte wütend Kikyo ihrer Cousine den Kaufmannsladen, den sie extra für sie gebastelt hatten, in die Hand. Für Kikyo schien der Abend beendet zu sein. „Ist sie jetzt wirklich gegangen?“, wollte Midoriko von Kagome wissen. Mit einem Nicken bestätigte Kagome diese Annahme. „Sie möchte sich nicht lächerlich machen.“ Sofort drehte sich Kagome mit finsterer Miene zu den vier Damen um. „Ich glaube, wir können auch gehen“, stellte sie fest und ließ den kleinen Kaufmannsladen einfach fallen. Für Kagome war es wirklich unverständlich, wie man so sein konnte.
Auch sie hatte sich damals bis auf die Knochen blamiert und musste ebenfalls dutzende von Kondomen verkaufen und noch so einige andere Dinge erledigen, um ihr Aufgabenshirt damals abhaken zu können. Kagome hatte damals alles ohne Murren gemacht. Jetzt für solche Kleinigkeiten so eine Abfuhr zu bekommen, empfand sie als nicht angenehm. „Entschuldigt, dass ich eure Zeit gestohlen habe“, entschuldige sich Kagome bei Kikyos Freundinnen, die teilweise extra angereist waren, um den Abend mit ihr zu verbringen. „Mach dir nichts draus. Seit Kikyo vollkommen in ihrer Arbeit aufgeht, versteht sie keinen Spaß mehr. Ich wünsche dir dennoch einen schönen Abend, Kagome“, verabschiedet Midoriko sich mit einer Umarmung von Kagome. Auch die beiden anderen Frauen verabschieden sich, zurück blieben nur noch Sango und Kagome. „Willst du wirklich schon nach Hause?“ wollte Sango wissen, nachdem sie den Saustall, den Kagome angerichtet hatte, wieder aufgehoben hatte.
„Hast du eine bessere Idee?“, kam es frustriert von Kagome, die sich echt mehr von dem Abend erhofft hatte. „Ja… wir zwei... lassen es jetzt so richtig krachen“, grinste Sango sie verschwörerisch an und auch Kagome war von dieser Idee nicht ganz abgeneigt. Immerhin war der Abend noch jung und sie bis vor kurzen noch in bester Feierlaune gewesen.
Partynacht!
Partynacht!
Laut halten die Klänge der Discomusik zu ihnen, als Inuyasha zusammen mit den drei Männern die Disco betrat. „Ganz schön laut hier“, rief er Shippo zu, der sich bereits einen Weg durch die gut gefüllte Tanzfläche zur Bar bahnte. „Aber unglaublich toll hier“, rief dieser in der Menge zurück, schien es kaum erwarten zu können endlich an die Bar zu kommen. Auch Inuyasha musste zugeben, dass die Musik wirklich gut war. An der Bar erwartete ihn bereits ein Drink, den Shippo bereits geordert hatte. „Auf einen unvergesslichen Abend“, stießen die Männer ihre Gläser zusammen. Mit einem kräftigen Schluck nahmen sie ihre Drinks ein. Sie sahen sich anschließend etwas in dem Club um. „Was machen die denn hier“, entkam es Shippo schon fast panisch, als er sich von der Gruppe löste und direkt auf die Tanzfläche zusteuerte.
Mit seinem Blick folgte Inuyasha in die Richtung, in die der junge Mann gesehen hatte. Dabei sah er etwas, was er lieber nicht gesehen hätte. Kagome stand wild tanzend mit einem Mann auf der Tanzfläche. Kurzentschlossen folgte Inuyasha Shippo. „Was macht ihr hier?“, hörte er Shippos Frage, als er auf die beiden zukam. „Party“, beantwortete Kagome lächelnd und leicht die Hüften schwingend diese Frage schon gut angeheitert. „Warum hier?“, machte Shippo sofort weiter und auch Inuyasha verstand jetzt, warum er sich so aufregte. Suchend ließ er seine Augen über die Menschenmasse gleiten. Von seiner Verlobten war dennoch keine Spur. „Kikyo hat uns sitzen lassen. Ihr war das alles zu dämlich. Also sind Sango und ich alleine los und haben zufällig Koga mit seinen Jungs getroffen“, kam es fast schon euphorisch von ihr. „Hey…“ entdeckte ihn die junge Frau nun auch. Freudig lief sie auf Inuyasha zu und umarmte ihn stürmisch.
„Hey… schon etwas tief ins Glas geschaut?“, wollte er belustigt wissen. Für das, dass er schon seit Stunden unterwegs war, wirkte Kagome deutlich betrunkener als er. „Nur ein bisschen. Aber hey… wer weiß, was die Nacht noch bringt“, grinste sie auf den jungen Mann schielend. Inuyasha bekam ein ungutes Gefühl. Irgendwie passte es ihm nicht, dass sie sich wohl noch mehr erhoffte. Doch wirklich was entgegensetzen konnte er ihr nicht. Nur darauf hoffen, dass sie wusste, was sie tut.
„Noch einen“, forderte Kagome von dem Barkeeper, nachdem sie ihren Cappyvodka mit einem Schluck hinuntergespült hatte. Inzwischen war die junge Frau schon mächtig angeheitert, alles schwankte etwas und dennoch fühlte sie sich unglaublich gut und erhitzt. „Kagome... ich gehe.“ Überrascht sah sie zu Sango, die nicht wirklich begeistert zu sein schien. „Wieso denn?“, wollte sie sofort von ihrer Freundin wissen. Immerhin war diese sonst eine der Letzten, die eine Party verließ. „Mir ist nicht so gut.“ Zur Unterstreichung ihrer Worte griff sich Sango an den Kopf. Schon bevor sie losgingen, hatte Sango über Kopfschmerzen geklagt. Scheinbar waren diese über den Abend hin nicht besser geworden. „Warte hier“, sagte Kagome deshalb. Suchend lief sie über die Tanzfläche. Sogleich entdeckte sie die vier Männer an einem der Tische in der Nähe von dieser. „Shippo… kannst du Sango nach Hause bringen?“, bat sie ihren Mitbewohner. Überrascht sah dieser sie an.
„Wieso?“, wollte er von ihr wissen. „Ihr geht es nicht gut. Sie hat schlimme Kopfschmerzen“, erklärte sie die Situation. „Und du kommst nicht mit?“, hakte Shippo nach, während er bereits von seinem Hocker gestiegen war. „Nein… ich will noch ein bisschen bleiben“, kam es fast schon beschämt von ihr. Immerhin hätte auch sie ihre Freundin begleiten können, doch noch wollte sie ihren Spaß haben. „Versprich mir, dass du auf dich aufpasst“, seufzte Shippo und ergab sich damit seinem Schicksal. „Tut mir leid Leute, aber die Pflicht ruft“, verabschiedet sich Shippo von seinen Freunden. Kurz sah Kagome ihn nach und beobachtet wie Shippo Sango aus dem Club führte. Mit einem Lächeln drehte sie sich anschließend wieder zu den nun mehr drei Männer um. „Lass uns tanzen.“ Ohne seine Reaktion abzuwarten, schnappte sich Kagome Inuyashas Arm. Ob er wollte oder nicht, heute Abend würde er nicht nur in einem Eck sitzen und seine Drinks genießen.
Wie hypnotisiert sah Inuyasha auf Kagome, die vor ihm die Hüften schwingen ließ. Nach anfänglichen Schwierigkeiten hatten die beiden einen gemeinsamen Rhythmus gefunden. Mit einem kleinen Lächeln legte er seine Hände an Kagomes Hüften und zog sie so noch etwas enger an sich. Der Abend war bis jetzt wirklich großartig verlaufen. Der Alkohol zeigte mehr und mehr seine Wirkung und Kagome tat ihr übriges, um die Stimmung weiter einzuheizen. „Was ist mit dem Typ von vorhin?“, wollte er nah an ihrem Ohr wissen. Kagome legte ihren Kopf in den Nacken und versuchte, ihn so ein wenig zu aufzusahen. „Die sind in die nächste Bar aufgebrochen“, grinste sie etwas. Nickend nahm er dies zur Kenntnis und war erleichtert, dass sie nicht mit ihm mitgegangen war. „Wollen wir den beiden eine kleine Show bieten?“, fragte sie leicht grinsend mit dem Blick auf Sesshomaru und Miroku. „Welche Show?“, wollte Inuyasha interessiert wissen. Immer noch bewegte sie sich nah an seinem Körper, während er beinahe zum Stillstand gekommen war.
Ohne seine Frage zu beantworten drehte sie sich zu ihm um und legte ihre Hände um seinen Nacken. „Ich will doch nur spielen“, flüsterte sie dicht an seinem Ohr. Eine Gänsehaut lief ihm den Rücken hinunter, als er ihren Atem an seinem Ohr wahrnahm. Mit einem Lächeln wandte sie ihm wieder ihren Rücken zu und fing an, ihre Hüften kreisen zu lassen. Augenblicklich zog Inuyasha scharf die Luft ein. Kagomes Bewegungen so dicht an seinem Körper ließen ihn nicht kalt. Keuchend versuchte er sie mit seinen Händen daran zu hindern, sich noch mehr an ihm zu reiben. Doch diese schien sich nicht davon stören zu lassen, da sie sich nur mit einem Grinsen wieder zu ihm umgedreht hatte. Seine Hände lagen nun auf ihren Hintern, weshalb er schwer schluckte. „Die sind total gemein“, stellte sich Kagome auf ihre Zehenspitzen. Inuyasha hielt seinen Atem an. Er wusste, dass Kagome unglaublich attraktiv sein konnte, doch im Moment war sie einfach die reinste Versuchung für ihm.
Seit Wochen lief es zwischen ihm und Kikyo nicht sonderlich gut. Er fühlte sich unglaublich erregt und dennoch war da dieser kleine Funken Vernunft, dass er bald heiraten würde. „Das sind sie wirklich“, flüsterte er und hatte ebenfalls zu seinen Jungs gesehen, doch diese schienen sich im Moment prächtig zu unterhalten und ihn überhaupt nicht zu vermissen. Auch Kagome schien dies bemerkt zu haben und lugte deshalb noch einmal zu den beiden rüber, ehe sie ihren Blick wieder auf ihn richtete. Kurz biss sie sich auf die Lippe, rekte sich ihm anschließend entgegen und legte ihre Lippen auf seine. Inuyasha war vollkommen überfordert mit dem elektrisierenden Gefühl, welches durch seinen Körper floss. Damit war das bisschen Restverstand, was er noch hatte, plötzlich verschwunden. Kagomes Kuss war wie ein Startsignal für ihn gewesen. So dicht er konnte, zog er die junge Frau an sich und vertiefte diesen Kuss, der sich einfach unglaublich gut anfühlte und niemals enden sollte.
Ungeduldig zog Kagome Inuyasha hinter sich her. Nachdem sie sich einige leidenschaftliche Küsse auf der Tanzfläche gegeben hatten, wollte sie mehr. Im Moment waren ihr die Folgen vollkommen egal, ebenso die Tatsache, dass sie einfach in das Männerklo lief. Inuyasha schien es ebenfalls nichts auszumachen, denn er drückte schnell eine der Türen auf und verschwand mit ihr hinter dieser. Fordernd lagen seine Lippen wieder auf ihren, nachdem er sie einfach an die Seitenwand gedrückt hatte. Nur zu gern ließ Kagome die Liebkosungen zu. Mit der Zunge fuhr sie über seine Lippen und signalisierte ihm damit, weiter zu gehen. Scheinbar hatte er nur darauf gewartet. Sogleich öffnete er seinen Mund etwas, um ihre Zunge mit seiner zu necken. Ein leidenschaftlicher Kuss entstand, der die Stimmung zwischen ihnen immer weiter anheizte. Kagome spürte, wie seine Hände auf Wanderschaft gingen und war in diesem Augenblick unendlich froh darüber, einen Rock angezogen zu haben.
Genüsslich schloss sie ihre Augen, während seine Lippen zärtlich ihren Hals berührten. Ihr Körper fühlte sich an, als würde sie brennen. So lange hatte sie keinen Mann mehr an sich rangelassen. Doch jetzt sehnte sie sich nach einer Erlösung. Ihm schien es dabei nicht anders zu gehen. Seine Hände waren mittlerweile bei ihrem Hintern angekommen und kneteten diesen mit voller Hingabe. Ein Keuchen entkam ihr, da er sie noch etwas fester an die Wand drückte. Sie spürte seine Männlichkeit an ihrem Oberschenkel. Kurz drückte sie den jungen Mann von sich. Jedoch wollte sie ihn gewiss nicht stoppen, dies hatte auch Inuyasha nach ein paar Sekunden verstanden. Mit einem Funkeln von Lust in den Augen sah er ihr dabei zu, wie sie seine Hose öffnete. Diese ließ er sich einfach von den Hüften streifen. Leicht leckte sich Kagome über die Lippen, als sie seine volle Männlichkeit betrachten konnte.
Ebenso konnte Inuyasha es nun nicht mehr erwarten, deshalb packte er sie ziemlich ruppig am Hintern und hob sie ein Stückchen an. Ihre Beine legte Kagome um seine Hüfte, um besseren Halt zu haben. Seine Lippen landeten wieder auf ihren. Sie spürte wie seine Hand sich zu ihrer empfindlichen Mitte vortastete. Ein Keuchen entkam ihr, als er seine Finger kurz über diese streifen ließ, um ihren Slip beiseitezuschieben. Erleichtert stöhnte sie auf und auch er konnte nun nicht mehr an sich halten, als er sich tief in ihr versenkte. Kurz ließ er das Gefühl auf sich wirken, ehe er anfing sich zu bewegen und entführte Kagome so in ein anderes Universum.
Kurz überprüfte Inuyasha nochmal sein Aussehen, ehe er zu Kagome blickte, die ebenfalls an ihrem Shirt herumzupfte. Nach den leidenschaftlichen Momenten wollten die beiden wieder zu Miroku und Sesshomaru zurück. Ihre Untat sollten die beiden nicht unbedingt mitbekommen. „Können wir gehen?“, fragte er leise die junge Frau und öffnete die Kabine nur einen Spalt, um zu prüfen, ob jemand draußen war. Gerade war die Männertoilette leer. Unbemerkt schlichen sich die beiden aus dieser. „Wo warst du?“, wollte Miroku wissen, als er bei den beiden angekommen war. Kagome wollte sich noch schnell einen Drink holen. „Ich war nur auf dem Klo“, winkte Inuyasha ab, denn die anderen mussten nicht wissen, was er soeben getan hatte. „Da war ich vorhin. Da hatten nur zwei richtig guten Sex“, meinte Miroku und zog eine Augenbraue hoch. Inuyasha schluckte bei der Bemerkung schwer und wandte seinen Blick ab.
„Hier dein Drink“, kam gerade zu seinem Leidwesen Kagome zu ihnen. Sie hielt ihm ein Glas mit Wasser entgegen, um welches er sie gebeten hatte. „Danke“, kam es mit geröteten Wangen von Inuyasha. Sein Bruder blickte zwischen den beiden hin und her. „Ich muss schon sagen... ich war echt neidisch auf den Typen“, sprach Miroku weiter ohne nachzudenken. Sein Bruder schien mittlerweile zu verstehen, warum Inuyasha plötzlich so wortkarg war und Kagome plötzlich ihren Drink ziemlich spannend fand. „Ich glaube… wir haben genug gefeiert, Miroku“, stupste Sesshomaru Miroku an. Auch Inuyasha war nach diesen Worten die Lust aufs Feiern vergangen.
„Ich bringe Kagome noch hoch, gibst du mir deinen Schlüssel?“ Überrascht sah Kagome zu Inuyasha, nachdem er diese Worte ausgesprochen hatte. Zusammen waren sie nach Hause gefahren. Da die drei Männer ohnehin bei Miroku übernachten wollten, hatten sie sich ein Taxi geteilt. „Das musst du nicht“, sagte sie rasch, als sich die Fahrstuhltüren wieder geschlossen hatten. „Ich will aber…“ Kopfschüttelnd sah sie ihn an und spürte nur Sekunden später seine Lippen auf ihren. „Und vielleicht würde ich gerne da weitermachen, wo wir vorhin aufgehört haben“, sagte er anschließend, sodass auf Kagomes Lippen ein Lächeln erschien. „Na immerhin scheinen wir zumindest da einer Meinung zu sein“, grinste sie und drückte sich an dem jungen Mann. Ihre Lippen nahmen seine wieder in Beschlag. Nur kurz löste sich das Pärchen, um Kagomes Wohnungstür aufzuschließen, nachdem sie es irgendwie zu dieser geschafft hatten. „Psst... die anderen schlafen bestimmt schon“, deutete sie ihm an ruhiger zu sein, auch wenn sie sicher nicht mehr lange leise sein würden.
Mit einem leichten Schubs ließ sie die Tür ins Schloss fallen und dirigierte Inuyasha anschließend zum Bett. Gekonnt nahm sie auf seinen Hüften Platz und läutete mit kreisenden Bewegungen eine erneute Runde der Leidenschaft ein.
Eine bittere Erkenntnis!
Eine bittere Erkenntnis!
Wohlig seufzend kuschelte sich Inuyasha noch ein Stückchen mehr in die Decke. Dabei drückte er die kleine Gestalt, mit der er eng umschlungen im Bett lag, noch ein Stückchen fester an sich. Er genoss es, auf diese Weise aufzuwachen. Kurz öffnete er seine Augen und schielte auf den Wecker, der sich auf dem Nachttisch befand. Es war gerade einmal neun Uhr. Viel zu früh, um schon aufzustehen, hatte er doch bis vor ein paar Stunden kein Auge zugemacht. Zu sehr waren Kagome und er im Rausch der Leidenschaft versunken gewesen. Schuldgefühle hatte er im Moment noch nicht. Er sah zu Kagome runter, die noch friedlich in seinen Armen schlummerte. Doch das wollte Inuyasha bald ändern. Die nackte Haut auf seiner, löste in ihm ein bekanntes Bedürfnis aus. Er wollte ihr nahe sein, aber dafür musste sie erst einmal aufwachen.
Vorsichtig rutschte er daher ein Stück hinunter. Inuyasha hob eines von Kagomes Beinen leicht an, sodass sich seine Männlichkeit zwischen ihren Oberschenkeln befand. Langsam begann er damit diese an ihrer empfindlichen Mitte zu reiben. Zusätzlich küsste er ihren Nacken und wollte so erreichen, dass Kagome aufwachte. Immer wieder landeten seine Lippen an ihrer empfindlichen Stelle. Kagomes leises Seufzen signalisierte ihm, dass er mit seinen Berührungen erfolgt hatte und weiter gehen konnte. Vorsichtig und darauf achtend, nicht sein ganzes Gewicht auf die junge Frau zu laden, beugte er sich über sie. Sehnsüchtig drückte er seine Lippen auf ihre. Zu seiner Freude wurde der Kuss sofort erwidert „Du hast wohl nie genug“, kicherte Kagome leise, nachdem sie den Kuss beendet hatten. Zu seinem Unmut drehte sie sich auf ihren Rücken, sodass der schöne Körperkontakt weniger wurde. „Nein… heute nicht“, gestand Inuyasha, wenn auch etwas unsicher.
Er drehte sich über die junge Frau, die zwar noch etwas verschlafen wirkte, aber nichts gegen seine Aktion sagte. Leicht stützte er sich ab und hatte nun einen guten Blick auf ihre perfekt geformte Oberweite. „Und ich werde dafür sorgen, dass du auch nicht genug kriegst“, lächelte er. Nach diesen Worten neigte er sich hinab zu Kagome, um ihre Lippen mit seinen gefangen zu nehmen und ihre Lust ebenfalls zu erwecken.
Leise keuchte Kagome auf, nachdem Inuyasha mit seiner Zunge über ihre empfindliche Mitte gefahren war. Nach einigen leidenschaftlichen Küssen hatte er sich einen Weg zu dieser geküsst. Immer wieder fuhr er mit seiner Zunge über ihre Mitte. Nur schwer konnte sie ein Stöhnen unterdrücken. Vor allem weil er nun auch noch anfing ihre Brust mit einer Hand zu massieren. Immer größer wurde ihre Lust auf den jungen Mann. Er küsste, leckte und drang immer wieder mit seiner Zunge in sie ein. Kagome spürte, wie ihr Höhepunkt nicht mehr lange auf sich warten lassen würde, und drückte sich seinem Gesicht entgegen. Dieser hörte jedoch abrupt auf mit seinen Zärtlichkeiten. Frustriert seufzend warf sie ihren Kopf zurück ins Kissen. Unterdessen küsste er sich wieder zu ihr hinauf. „Du bist gemein“, konnte sie es sich nicht verkneifen, als er ihr einen kleinen Kuss auf die Lippen gehaucht hatte.
„Denkst du wirklich, ich lasse dich ohne mich kommen? Am Ende sagst du, du hast genug und ich gehe leer aus“, grinste Inuyasha ihr entgegen. Kagomes Augen wanderten zwischen ihnen beiden hinunter. Ihre Hand führte sie direkt zu seiner Männlichkeit, sie umgriff diese und fuhr langsam mit ihrer Hand über diese. „Denkst du das wirklich?“, hauchte Kagome ihm entgegen. Dabei genoss sie es zu sehen, wie er auf ihre Berührungen reagierte. „Willst du diesmal nach oben?“, keuchte er deutlich angespannter. Daher beendete Inuyasha ihr Handeln, indem er ihre Hand entfernte, und sah sie mit lustverschleierten Augen an. Nickend drehte sie sich um und kroch unter ihm hervor aber nicht ohne ihren Hintern an seiner Männlichkeit zu reiben. Sie genoss es sichtlich, ihn zu necken. Inuyasha legte sich zurück ins Bett und wartete schon sehnsüchtig darauf, dass Kagome sich endlich über ihn begab. Auch sie konnte es kaum noch erwarten, doch ein bisschen spielen wollte sie noch. Sie setzte sich auf seine Bauchmuskeln und rutschte nur langsam seiner Männlichkeit entgegen.
An dieser angekommen, rieb sie sich ein paar Mal an dieser, ehe sie sich über dieser platzierte und sie genüsslich ihn in sich aufnahm. Ein unglaubliches Gefühl schoss durch ihren Körper. Am Abend waren ihre Zärtlichkeiten noch von Alkohol getrieben, war es nun die pure Lust, die ihren Körper durchschoss. Jede Berührung und jeder Kuss waren ziemlich intensiv. Nur langsam begann sie sich auf dem jungen Mann zu bewegen, der ihr bei jeder ihrer Bewegungen ein Stück entgegenkam. Ihr Keuchen und Stöhnen hallte durch den kleinen Raum. Dieses wurde lauter je näher sie ihrem Höhepunkt kamen. Dass sie vielleicht gehört wurden, daran dachte keiner von den beiden. Sie wollten nur noch ihre vollkommene Befriedigung und diese würden sie nur voneinander erhalten.
Schwer atmend rollte sich Kagome von Inuyasha. Ihm erging es nicht anders nach den vergangenen leidenschaftlichen Momenten. Er musste erst seine Atmung wieder in den Griff bekommen. Inuyasha beobachtete sie dabei, wie sie ihre nackte Haut mit der Bettdecke bedeckte. Vorsichtig schnappte er nach dieser, um den Anblick noch ein bisschen länger genießen zu können. „Hör auf“, flehte Kagome
ihn außer Atem an. „Warum? Ich habe doch alles schon gesehen. Vor was hast du also Angst?“, wollte er wissen, ließ aber artig die Bettdecke los. „Ich habe Angst, dass du nie genug bekommst“, kicherte sie und richtete sich auf, um ihm einen Kuss zu geben. Damit konnte sie durchaus recht haben. Er genoss es, so intim mit ihr zu sein. „Ich glaube, du solltest langsam gehen“, lugte Kagome zu ihrem Wecker. Auch er sah kurz zu diesem. Mittlerweile war es elf. Die beiden hatten sich ganz schön Zeit gelassen. Miroku würde sicher schon in Panik verfallen, würde er nicht bald in seiner Wohnung aufschlagen.
„Du hast recht“, seufzte Inuyasha und erhob sich aus dem schönen, warmen Bett. Suchend ließ er seine Augen über das Kleiderchaos wandern. Kagome und er hatten ihre Kleidung am gestrigen Abend einfach irgendwo hingeworfen. Es dauerte daher eine Weile, bis er all seine Kleidungsstücke gefunden hatte. „Begleitest du mich noch zur Tür?“, wollte er von ihr wissen, nachdem Inuyasha seine Klamotten angezogen hatte. „Wenn du das unbedingt möchtest“, kicherte Kagome. Schnell hatte sie sich einen Bademantel übergeworfen und war zu ihm gegangen. Inuyasha öffnete die Zimmertür. Blieb jedoch wie erstarrt in dieser stehen und auch Kagome schien zur Salzsäule erstarrt zu sein. „Eigentlich wollte ich fragen, ob ihr einen Kaffee wollt“, kam es leise von Sango, welche ihn etwas schockiert musterte. „Ähm... das ist wirklich nett. Aber ich sollte jetzt besser gehen“, fand er als erstes seine Stimme wieder.
Schnell drehte er sich zu Kagome um, drückte ihr einen Abschiedskuss auf die Lippen, vergessen war sein Vorhaben, dass sie ihn zur Tür brachte. „Bis bald“, hauchte er noch und verließ beinahe fluchtartig die Wohnung. Dass sie beide erwischt werden könnten, damit hatte er überhaupt nicht gerechnet. Oder viel besser, bis eben war es ihm vollkommen egal gewesen. Für ihn hatte die Leidenschaft zwischen ihnen beiden gezählt, doch nun traf ihn die Realisation. Er war verlobt und würde in drei Wochen heiraten. Das zwischen ihm und Kagome war nur ein Ausrutscher gewesen. Nicht mehr und nicht weniger.
Seufzend ließ sich Kagome vor ihr Bett sinken und zog ihre Beine dicht an ihren Körper. Nach dem Schock von eben, war sie vollkommen verwirrt. Sie hatte mit Inuyasha geschlafen, dem zukünftigen Mann ihrer Cousine. Etwas, das Kagome niemals für möglich gehalten hatte, und doch passiert war. Ein leises Klopfen war von ihrer Zimmertür zu hören, anschließend wurde diese leise aufgeschoben. „Darf ich reinkommen?“, wollte Sango von ihr wissen. Nickend gab ihr Kagome die Erlaubnis. Sango ließ sich neben sie sinken und saß einige Minuten still neben ihr. „Was willst du jetzt machen?“, hakte sie leise nach. Kagome wusste nicht, was sie machen wollte oder sollte. „Ich weiß es nicht“, flüsterte sie und legte ihren Kopf auf ihren Knien ab. Tränen begannen ihre Wangen hinunterzulaufen. Sie war vollkommen überfordert mit der Situation.
„Hast du dich verliebt?“, wollte Sango erfahren. Kagome biss sich auf die Lippe. Auch so konnte Sango sich die Antwort bereits denken. „Er wird Kikyo heiraten. Ich glaube nicht, dass sich daran was ändert, Kagome“, legte Sango ihr einen Arm um die Schulter. „Das will ich auch nicht. Ich wollte das alles nicht Sango. Es ist einfach so passiert“, gestand Kagome schluchzend. Denn am Vorabend hatte sie nicht mit so einem Ausgang gerecht. „Für das, dass du es nicht wolltest, hattet ihr eine ziemliche Ausdauer“, konnte es sich Sango nicht verkneifen. „Ach man, Sango…“, seufzte Kagome. Doch ihre beste Freundin hatte recht, er würde in wenigen Wochen heiraten. Diese Nacht mit ihr würde nur zu einer bitteren Erinnerung werden. „Was soll ich denn jetzt machen? Ich habe mich in Inuyasha verliebt“, hauchte Kagome leise. Diese Worte auszusprechen, taten unendlich weh. Schließlich war ihr bewusst, dass sie keine Chance hatte. „Wenn du es Kikyo sagst, wird sie dich hassen.“ Auch das war Kagome klar, dass Kikyo ihr dies niemals verzeihen würde.
Ihre Cousine zu verlieren wäre für sie ein Albtraum. „Kikyo darf das niemals erfahren. Nichts von dieser Nacht und ebenso nicht von meinen Gefühlen für Inuyasha“, stellte Kagome klar. Für sie gab es keine andere Lösung. Kikyo und Inuyasha sollten glücklich miteinander werden. Nach der Hochzeit konnte sie auf Abstand gehen, ihre Gefühle vergessen und wieder ein normales Leben führen. Bis dahin musste sie nur noch wenige Wochen durchhalten. Auch wenn es im Moment ziemlich weh tat daran zu denken. „Wollen wir dein Bett neu beziehen? Hier riecht es total nach Sex“, lachte Sango, die etwas angewidert auf ihr Bett lugte. Seufzend erhob sich Kagome. „Von mir aus. Und dann brauche ich erstmal eine ausgiebige Dusche“, gestand Kagome. Vielleicht würde schon eine Dusche dafür sorgen, dass sie sich besser fühlte, wenn sie die Spuren der Nacht abgewaschen hatte und sich nicht mehr ganz so schmutzig fühlte.
„Wo kommst du denn her?“, wollte Miroku aufgeregt wissen. Scheinbar hatte sein bester Freund bereits mitbekommen, dass Inuyasha die Nacht nicht im Gästezimmer verbracht hatte. „Ich war bei Kagome“, gestand Inuyasha leise, da es keinen Sinn hatte zu lügen. Sesshomaru hatte schon im Club gewusst, was zwischen ihnen beiden gelaufen war. „Hat sie dich etwa aus dem Bett geworfen, um etwas für die Hochzeit zu klären?“, kam es schockiert von Miroku. Sein bester Freund schien am heutigen Tag wirklich eine lange Leitung zu haben. „Ich glaube eher, sie hat ihn aus ihrem Bett geworfen“, konnte Sesshomaru es sich nicht verkneifen. Sein bester Freund lugte kurz zu seinem Bruder, anschließend wieder zu ihm. „Das Pärchen, das…“
„Genau… waren Kagome und ich“, bestätigte Inuyasha Mirokus Annahme, bevor er sie überhaupt aussprechen konnte. „Und ihr habt…“
„Die ganze Nacht. Können wir jetzt bitte mit diesem Thema aufhören?“, bat Inuyasha seinen Freund. Es war ihm doch peinlich über seine letzte Nacht zu sprechen. „Alter, du hast mit Kagome geschlafen… obwohl du verlobt bist.“ Seufzend atmete Inuyasha aus. Natürlich war das Thema noch nicht gegessen. „Ich weiß… aber es ist nun mal passiert.“ Er wusste doch selbst nicht, was in ihn gefahren war. „Liebst du sie?“, wollte sein Bruder wissen. Inuyasha sah ihn schockiert an, war vollkommen sprachlos. „Ist doch eine einfache Frage, Inuyasha… liebst du Kagome?“, stellte Sesshomaru seine Frage konkreter. „Ich…“ tief atmete der Jüngere durch. „Du hättest nicht mit ihr geschlafen, wenn du sie nicht wenigstens ein bisschen lieben würdest. Du hast noch nie eine deiner Freundinnen betrogen… außerdem redest du die ganze Zeit von Kagome.“ Schwer schluckte Inuyasha, weil er sich nicht sicher war, was er davon halten sollte. „Ich heirate aber Kikyo“, sagte er leise.
Es war egal, ob er Kagome mochte. In wenigen Wochen würde Kikyo seine Frau sein. „Dann solltest du schnell überlegen, welcher dein Herz wirklich gehört“, pflichtete Miroku bei, der ebenfalls zwischen den Zeilen gelesen hatte. Doch konnte Inuyasha Kikyo genau das antun, was Kagome vor über einem Jahr selbst durchmachen musste?
Der Schmerz sitzt tief!
Der Schmerz sitzt tief!
Kurz streckte sich Inuyasha, nachdem er zuvor einiges von seiner Arbeit mit nach Hause gebracht hatte. Seit seinem Fehltritt mit Kagome am Wochenende versucht er so normal wie möglich zu sein. Nicht immer gelang ihm dies, weshalb er sich zunehmend mit Arbeit eindeckte. Langsam erhob Inuyasha sich aus seinem Stuhl. Es war bereits spät und irgendwann musste er sich hinlegen. Zu seiner Überraschung schien seine Verlobte zu so später Zeit noch zu telefonieren. „Bis dann“, hörte er, wie Kikyo sich von dem Anrufer verabschiedete. „Wer war das denn?“, wollte Inuyasha wissen, während er im Türrahmen stand und seinen Kopf an das kühle Holz gelehnt hatte. „Kagome, sie wollte etwas wegen der Gastgeschenke wissen”, lächelte sie ihn an. Kurz musste Inuyasha schwer schlucken, als er Kagomes Namen gehört hatte. „Und da ruft sie dich an?“, kam es etwas irritiert von ihm. Immerhin hatten sie Kikyo bis jetzt wenig entscheiden lassen. „Sie meinte, sie hat dich nicht erreicht.“
Inuyasha presste seine Kiefer aufeinander. Seit zwei Tagen versuchte er, Kagome immer wieder zu erreichen. Er hatte ihr Nachrichten geschrieben und sie mehrfach angerufen. Doch keinen seiner Versuche hatte sie angenommen. Sie schien ihm sichtlich aus dem Weg zu gehen. „Komisch... bei mir zeigt es keinen Anruf an“, meinte Inuyasha und sah mit eingeschnappter Miene auf sein Handy. Kagome hatte Kikyo angelogen. „Vielleicht ist dein Handy kaputt oder dein Anbieter hat im Moment Probleme“, zuckte Kikyo mit den Schultern. Sie erhob sich aus dem Bett. Inuyasha beobachtete sie dabei, wie sie in ihrem Nachtkleid auf ihn zu kam. „Aber willst du wirklich weiter über Kagome sprechen? Ich hätte da eine viel bessere Idee, diesen Abend ausklingen zu lassen“, kam es mit verführerischer Stimme von ihr. Sie stellte sich auf ihre Zehenspitzen, berührte mit ihren Lippen vorsichtig seine. Inuyasha hielt die Luft an. Sein ganzer Körper verspannte sich bei diesem Kuss. Alles in seinem Körper sträubte sich gegen diese Berührungen.
„Findest du nicht, dass es schon zu spät ist?“, startete Inuyasha einen Versuch, Kikyos Vorhaben zu beenden. „Wenn es nach dem gehen würde, hätten wir nie Sex“, kicherte sie und er musste zugeben, dass es eine fadenscheinige Ausrede war, um die Annäherung zu verhindern. Kikyo nun abzuweisen, würde nur für Ärger sorgen. Deshalb musste Inuyasha sich wohl oder übel seinem Schicksal ergeben, obwohl er sich alles andere als gut dabei fühlte.
„Kagome.“ Seufzend drehte sie sich zu Hojo um. Die letzten Tage hatte sie frei gehabt. Sie hatte ihren Exverlobten seit Tagen nicht gesehen und konnte nun getrost ebenso darauf verzichten. Ihre Nerven waren zum Zerreißen angespannt. Inuyasha hatte sie immer wieder kontaktiert, bis jetzt hatte sie nicht den Mut gehabt mit ihm zu sprechen. Zu groß war die Angst davor zu hören, dass er alles als Fehler ansah. Vielleicht wollte er sogar keinen Kontakt mehr zu ihr. Aufgrund dessen hatte Kagome kaum ein Auge zugemacht. Sie war müde und gestresst. Das war absolut keine gute Kombination ihrem Exverlobten gegenüberzutreten. „Was willst du?“, wollte sie genervt von ihm wissen. Weglaufen hätte ohnehin keinen Sinn gemacht. „Wie laufen deine Hochzeitsvorbereitungen?“ Misstrauisch verengte Kagome ihre Augen. Hojo hatte sich noch nie für die Hochzeit interessiert. Im Gegenteil, er hatte ihr immer wieder deutlich gemacht, wie blöd und voreilig er ihre Pläne fand. „Ganz gut. Aber interessiert dich das wirklich?“, entgegnete sie.
Kagome war skeptisch ihrem Exfreund gegenüber. Mit Freundlichkeit hatte seine Frage sicher nichts zu tun. „Natürlich. Vor allem weil ich nun weiß, dass nicht du heiraten wirst.“ Mit großen Augen sah sie zu ihm. „Ich habe deine Mutter getroffen. Auf die Frage, wie sie es findet, dass du heiratest, hat sie ziemlich überrascht reagiert“, machte er einfach weiter. Ein Seufzen war von Kagome zu hören. Ihre Lüge hätte ohnehin nicht mehr lange bestand gehabt. „Der Typ, der dich geküsst hat, ist Kikyos Verlobter“, verdeutlichte er noch einmal. „Das weiß ich, Hojo“, fuhr sie ihn an mit dem Blick auf den Boden gerichtet. Es so deutlich gesagt zu bekommen, tat einfach unheimlich weh. „Du hast dich in ihn verliebt“, kam es schockiert über seine Lippen. „Wie kommst du auf diesen Mist?“, wehrte sie sich. Sie musste ihrem Ex nicht unbedingt auf die Nase binden, dass er Recht hatte.
„Ich kenne dich, Kagome. Ich habe dich jahrelang beobachtet. Ich weiß, wie du dich benimmst, wenn du verliebt bist“, stellte Hojo fest. Darüber schien er wenig begeistert zu sein, dass sie scheinbar einen anderen Mann liebte. „Das hat keine Zukunft. Vergiss den Typen einfach, er hat doch ohnehin nur mit dir gespielt.“ Während er diese Worte aussprach, packte Hojo Kagome ziemlich unsanft an der Schulter. Sofort stieß sie ihn von sich. Sie wollte das alles nicht hören. „Das kann dir egal sein. Euch kann alles egal sein. Lasst mich doch einfach in Ruhe“, fauchte Kagome ihn an. Eilig lief sie den Flur entlang. Sie wollte nur noch nach Hause und sich in ihrem Bett verkriechen. All das war die reinste Katastrophe und noch wusste Kagome nicht, wie sie es schaffen sollte ihre Gefühle zu vergessen.
„Was hast du?“ Starr war Inuyashas Blick an die Zimmerdecke gerichtet. Nur am Rande nahm er wahr, wie Kikyos Finger auf seiner Brust kleine Herzen malte. „Nichts“, sagte er und schloss für einen Moment seine Augen. Die vergangenen Momente mit Kikyo hatten ihn ziemlich aufgewühlt. Es hatte sich einfach so anders als mit Kagome angefüllt. „Ach komm, irgendwas beschäftigt dich doch. Also was ist los?“, wollte Kikyo von ihm wissen. Leicht befeuchtete er seine Lippen mit der Zunge. „Willst du nicht langsam die Pille absetzen?“ Überrascht richtete sie sich auf und sah ihn etwas verwirrt an. „Wie kommst du jetzt darauf?“, wollte sie wissen. Seufzend setzte er sich an das Bettende. „Naja… wir heiraten in drei Wochen. Ich würde gern eine Familie mit dir gründen, also warum noch länger warten?“, erklärte er seine Gedanken. Dass dies nicht alles war, was ihn beschäftigte, konnte er ihr unmöglich sagen. „Ich dachte das hätten wir geklärt.“
Ein Seufzen drang aus seiner Kehle. Dieses Gespräch hatten Kikyo und Inuyasha schon einige Male diskutiert. „Und ich habe dir erklärt, wie wichtig mir Familie ist“, versucht er seinen Wunsch nochmal zu verdeutlichen. Er liebte seine Familie und würde nur zu gerne schnellstmöglich eine eigene kleine Familie gründen. „Inuyasha... ich werde meine Karriere nicht aufs Spiel setzten, nur damit du deinen Traum verwirklichen kannst“, kam es, wie schon die Male zuvor, wenig einsichtig von ihr. Sie hatte noch nie viel von seinen Plänen, eine Familie zu gründen gehalten. Inuyasha hatte gehofft, dass die baldige Hochzeit etwas an ihrem Denken ändern würde. „Warum nicht? Was spricht dagegen, dass wir ein Kind bekommen?“, wollte er von ihr wissen. Für ihn war es nicht verständlich, warum Kikyo sich so wehrte. „Weil ich keine Kinder will, Inuyasha. Ich finde unser Leben so wie es gerade ist, perfekt“, stellte Kikyo klar. Für sie schien es keine Option zu sein, eine Familie zu gründen. „Aber für mich ist es das nicht“, hauchte er leise.
Seine Welt war vollkommen aus den Fugen geraten. Seit der Nacht mit Kagome war für ihn nichts mehr, wie es war. All seine Wünsche und Träume waren auf den Kopf gestellt worden. Inuyasha wusste nicht, ob er wirklich glücklich mit Kikyo werden konnte. Für ihn hatte es einfach keinen Sinn mehr, weiter mit ihr zu diskutieren. Sie würde ohnehin tausend Gründe erfinden, um seine Wünsche nach hinten zu stellen und ihre eigenen Bedürfnisse zu erfüllen.
Zögernd hatte Kagome ihre Hand gehoben, da sie noch nicht wusste, ob sie wirklich diesen Schritt gehen sollte. Nach einer weiteren schlaflosen Nacht hatte sie noch am Morgen ihre Kündigung geschrieben. Mit dieser in der Hand stand sie vor Narakus Bürotür. In diesem Moment war sie unschlüssig wirklich alles aufzugeben. Doch sie konnte einfach nicht mehr in Inuyashas Nähe bleiben. Immer wenn sie an ihn dachte, tat es einfach unendlich weh. Schon jetzt fürchtete sie sich vor dem Augenblick, sobald er Kikyo das Jawort gab und sie küssen würde. Kagome würde in der ersten Reihe stehen und zusehen, wie der Mann, denn sie liebte, ihre Cousine heiratete. Kurz schloss sie ihre Augen, um tiefer durch zu atmen. Bestimmt klopfte sie an der Tür. Nach einem lauten ‘Herein’ öffnete sie mit klopfenden Herzen diese und betrat den Raum. „Kagome… was kann ich für dich tun?“, wollte Naraku von ihr wissen.
Der schwarzhaarige Mann lehnte sich in seinem Stuhl zurück, grinste sie finster an. „Du kannst dir dein blödes Grinsen sparen. Ich habe hier was für dich.“ Mit ausdrucksloser Miene legte sie den weißen Umschlag auf seinem Tisch ab. Sie sah ihm dabei zu, wie er das Papier öffnete. Seine Augen flogen über die Zeilen. „Du willst kündigen?“, richtete er seinen Blick wieder auf sie. „Ja, ich habe gemerkt, dass ich in diesem Krankenhaus nicht glücklich werden kann“, erklärte sie ihre Entscheidung. Doch auch diese Stadt würde sie nicht mehr glücklich machen. Dies musste Naraku jedoch nicht wissen. „Wie stellst du dir das vor? Du willst so schnell wie möglich aus deinem Dienstverhältnis entlassen werden?“ Kagome verdrehte ihre Augen. Sie wusste, dass sie auf Widerstand treffen würde, schon allein wegen der momentanen Personalnot. „Es ist mir egal, was du machst. Selbst wenn du meine Kündigung und meine Bitte, sofort aus dem Dienstvertrag entlassen zu werden nicht animmst… in vier Wochen bin ich ohnehin hier weg“, stellte sie ihn so gesehen vor vollendete Tatsachen.
Sie musste nur vier Wochen Kündigungsfrist einhalten, anschließend konnte sie tun und lassen, was sie wollte. „Bis zu deinem Urlaub musst du hier bleiben. Dann kannst du gehen.“ Gab Naraku schließlich nach. Er wusste das er ohnehin nichts machen konnte. „Danke.“ Bedankete sich Kagome. Auch wenn sie noch gut zwei Wochen hierbleiben musste, sie hatte ihren Willen bekommen und schon bald würde sie Tokio für immer verlassen.
„Na… heute schon gebeichtet?“ Augenrollend sah Inuyasha zu Miroku, der soeben sein Büro betreten hatte. „Was willst du?“, wollte er von ihm wissen. In den letzten Tagen hatte er ihn immer wieder aufgezogen. Sich andauernd über seine Situation lustig gemacht. „Ich wollte nur mal nachhorchen, ob du dich schon entschieden hast?“ Mit diesen Worten setzte sich sein bester Freund einfach auf den Sessel vor seinem Schreibtisch. „Ich muss mich nicht entscheiden. Ich heirate in etwas mehr als zwei Wochen Kikyo“, machte Inuyasha ihm klar. Kagomes Zurückweisung zeigte ihm deutlich, dass die junge Frau kein Interesse an ihm hatte. „Du kannst mir doch nicht ernsthaft sagen, dass du dich wirklich für Kikyo entschieden hast?“, kam es verständnislos von Miroku. Er hatte Kikyo schon immer nicht wirklich gern gehabt. Dass es ihn nicht freute, Kikyo weiterhin an seiner Seite zu sehen, sorgte natürlich für Unmut.
„Miroku… ich riskiere nicht eine tolle Zukunft für ein kleines Abenteuer, welches keine Zukunft hat“, fuhr er seinen besten Freund an. Für Inuyasha war die Situation auch nicht einfach. Er hatte sich in Kagome verliebt, doch auch Kikyo hatte einen festen Platz in seinem Herzen. Er konnte sie nicht so verletzen. „Ach, mach doch was du willst. Diese Frau wird dir nur unglücklich bringen. Du wirst schon sehen, Kagome wäre deine Zukunft gewesen“, stand Miroku wütend auf und verließ sofort das Büro. Seufzend ließ Inuyasha seinen Kopf nach hinten fallen. Diese ganze Situation war so kompliziert. Seine Gefühle spielten verrückt. Er liebte Kikyo und wollte eine glückliche Zukunft mit dieser Frau. Aber diese wollte sie ihm nicht geben. All das wühlte ihn zusätzlich auf. Inuyasha stellte alles in Frage und doch gab es für ihn nur eine richtige Entscheidung.
Die letzten Vorbereitungen!
Die letzten Vorbereitungen!
„Du hast gekündigt“, kam es schockiert von Sango, während sie Kagomes Zimmertür geöffnet hatte. Bis jetzt hatte sie niemanden von ihrem Entschluss erzählt. Doch scheinbar hatte Sango den Dienstplan eingesehen und bemerkt, dass Kagomes Name nirgends mehr angeführt war. „Wieso sagst du mir nichts davon?“, machte sie weiter. Die junge Frau setzte sich auf Kagomes Bett. Seufzend schloss Kagome das Buch, das sie eben gelesen hatte. „Wie hätte ich dir das sagen sollen?“, sagte Kagome. Sie hatte einfach Angst vor den Reaktionen gehabt. „Wie? Vielleicht so wie... Sango, ich werde kündigen?“, blaffte Sango sie an. Sie wirkte ziemlich wütend auf Kagome. „Was ist das hier eigentlich?“, fragte sie und ließ wütend einige der Acryluntersetzter, die Kagome zuvor mit den Namen der Gäste beschriftet hatte, auf den Boden fallen. „Sango!“, rief Kagome laut aus. Schnell war sie aufgestanden und schaute, ob alles noch ganz war. „Was soll das?“, suchte sie alles zusammen und legte die Untersetzter auf ihrer Kommode ab.
„Was das soll? Du machst immer noch alles für diese bescheuerte Hochzeit, dabei bist du selbst in den Bräutigam verliebt. Warum tust du dir das an?“, wollte Sango kopfschüttelnd wissen. „Ich habe es versprochen, Sango. Ich halt doch schon Abstand zu Inuyasha“, erklärte sie, da sie in den letzten eineinhalb Wochen alles ausschließlich mit Kikyo besprochen hatte. Inuyasha hatte sie seit der gemeinsamen Nacht nicht mehr gesehen oder gesprochen. „Nur weil du es versprochen hast? Kagome... das kann doch nicht dein Ernst sein. Du machst die Untersetzter, bereitest die Gastgeschenke vor und stehst am Ende lächelnd neben Kikyo, die den Mann heiraten wird, den du liebst.“ Seufzend schüttelte Kagome ihren Kopf. „Das weiß ich, Sango. Ich weiß, dass es alles etwas doof ist. Aber Inuyasha liebt Kikyo, ich kann ihr das nicht antun“, meinte Kagome, denn sie konnte Kikyo nicht einfach so hängen lassen.
„Du hättest mit ihm sprechen sollen. Er muss von deinen Gefühlen erfahren. Denkst du, es wird einfacher, wenn die beiden erst mal verheiratet sind?“ Mit gesenktem Blick wandte sich Kagome von Sango ab. „Das ist nicht dein Ernst? Du haust wieder ab“, zählte Sango eins und eins zusammen. „Du machst dasselbe, wie vor einem Jahr. Du läufst vor deinen Problemen davon“, warf sie ihrer besten Freundin vor. „Ich weiß… aber mir fällt nichts Besseres ein. Ich kann nun mal nur gut weglaufen. Inuyasha mit Kikyo zu sehen... tut einfach nur weh. Ich will den beiden nicht im Weg stehen. Sango er kauft mich. Er hat mir meinen Anteil der Miete zurück überwiesen.“ Als Kagome vor wenigen Tagen ihr Konto überprüft hatte, wäre sie fast vom Glauben abgefallen. Sie fühlte sich benutzt. „Red mit ihm. Ihr müsst das klären, das darf nicht für immer zwischen euch stehen“, forderte Sango.
Kagome wusste, dass es nicht so weiter gehen konnte, doch ihre Entscheidung stand fest und diese würde sie ebenso ihrer Familie mitteilen.
„Das sieht so gut aus“, schwärmte Inuyashas Mutter, als sie ihn das erste Mal in seinem Hochzeitsanzug sehen konnte. Aufgrund der nahenden Hochzeit war Inuyasha nochmals nach Osaka gefahren, um die letzte Anprobe durchführen zu können. In fünf Tagen würde er vor den Traualtar treten. Der Countdown lief bereits. Er würde die kommenden zwei Tage in Osaka verbringen. Erst bei der Location würde er seine Zukünftige wiedersehen. Er wollte einfach noch etwas Zeit für sich heraus holen. „Danke“, lächelte er und freute sich, dass seiner Mutter sein Aussehen gefiel. Sie hatte es sich nicht nehmen lassen, ihn bei seinem Termin zu begleiten. „Stimmt irgendwas nicht?“, wollte sie von ihm wissen. Scheinbar hatte sie bemerkt, dass er nicht ganz bei der Sache war. „Nein… es fühlt sich nur so unwirklich an.“ Die letzten Monate waren einfach wie im Fluge vergangen. „Bekommst du jetzt etwa kalte Füße?“, lächelte seine Mutter, die nicht ahnte, wie nah sie mit ihrem kleinen Scherz lag.
„Wie war dein Junggesellenabschied? Sess hat nichts dazu gesagt.“ Bei diesen Worten schluckte Inuyasha schwer. Er war seinem Bruder dankbar, dass er nichts gesagt hatte. „Wollen wir einen Kaffee trinken gehen?“, bot sie ihm an und strich fürsorglich ihm über die Wange. Vermutlich ahnte sie bereits, dass es etwas gab, was Inuyasha sehr beschäftigte. „Ja…“, stimmte er zu. Vielleicht konnte ihm seine Mutter helfen, seine Gedanken wieder zu ordnen.
„Wo sind denn Sota und Papa?“, überrascht schaute sich Kagome im Wohnzimmer um. Zusammen mit ihrer Mutter wollte die junge Frau die letzten Kleinigkeiten für die Hochzeit vorbereiten. „Die machen heute einen Männerausflug. Sie meinten, dass diese Backerei nichts für sie sei“, kicherte ihre Mutter. „Oh… dann sind wir also allein?“, hakte Kagome nach. Vielleicht war es leichter dieses Gespräch nur mit ihrer Mutter zu führen. „Ja, aber keine Angst, langweilig wird uns beiden bestimmt nicht.“ Das konnte sich die junge Frau sehr gut vorstellen. „Ich kann immer noch nicht glauben, dass Kikyo Kekse für ihre Hochzeit will“, schüttelte Kagome den Kopf. Eigentlich war ihre Cousine keine Naschkatze, doch zu diesem Anlass schien auch sie der Schokolade verfallen zu sein. „Es war nicht Kikyo, die mich darum gebeten hat.“ Verwirrt sah Kagome ihrer Mutter dabei zu, wie diese ihre Teige, die sie zuvor schon vorbereitet hatte, auf der Küchenzeile ablegte. Somit konnten sie direkt starten mit der Verarbeitung.
„Nicht? Wer will denn dann Kekse?“, wollte sie neugierig wissen, die sich schon Mehl und Nudelholz geschnappt hatte, um anfangen zu können. „Inuyasha, er liebt meine Kekse und hat mich extra darum gebeten, welche zu backen“, freute sich ihre Mutter, weil sie vermutlich auch bei einigen Dingen behilflich sein konnte. „Das ist doch toll. Dann sollten wir uns richtig Mühe gegeben“, versuchte Kagome das ungute Gefühl zu überspielen. Gemeinsam machten sich die beiden Frauen ans Werk. Still arbeiteten die beiden Hand in Hand, bis Kagome ihre Gedanken sortiert hatte. „Mama, ich muss dir was sagen“, flüsterte sie leise. Sie wusste schon jetzt, dass sie die nächsten Worte nicht hören wollen würde. „Ich gehe wieder ins Ausland“, sprach sie weiter, nachdem sie die volle Aufmerksamkeit von ihrer Mutter erhalten hatte.
„Wieso?”, kam es fassungslos von ihr. “Ist es, weil ich Hojo gesagt habe, dass nicht du heiratest? Wieso habt ihr ihm so eine Lüge aufgetischt”, wollte ihre Mutter wissen. „Ich weiß, dass es blöd war. Aber Hojo hat immer wieder meine Nähe gesucht und gesagt, dass er mich liebt. Als er dann noch von den Hochzeitsvorbereitungen erfahren hat, dachte ich, es wäre perfekt“, gestand Kagome. Die erst nur ihre Ruhe haben wollte. „Und Inuyasha hat mitgespielt?“, fragte ihre Mutter verständnislos nach. „Ja, er hat gesehen, wie unwohl ich mich fühlte“, antwortete sie und wusste, dass Inuyasha ihr erst nur helfen wollte. „Ich kann nicht mit ihm weiter im gleichen Krankenhaus arbeiten. Unser Krankenhaus bietet Auslandsausbildungen an. Ich kann meine Ausbildung an einem anderen Ort weiter machen“, log Kagome ihre Mutter an, um ihr die Sorge zu nehmen. „Der Platz ist leider noch diesen Monat zu vergeben. Ich müsste also sofort nach der Hochzeit hier weg“, gestand Kagome, da sie bereits ein Flugticket auf ihren Namen gebucht hatte.
„Ich kann deine Entscheidung verstehen. Gut heißen werde ich es dennoch nicht.“ Damit hatte Kagome schon gerechnet, doch sie war bereit, ihr momentanes Leben aufzugeben, um woanders neu anzufangen. „Kannst du es noch ein bisschen für dich behalten? Ich will die Hochzeit nicht ruinieren“, bat sie ihre Mutter. Mit dieser Nachricht würde sie ihre Familie schocken. Sie wollte nicht, dass sie das Gesprächsthema Nummer Eins auf Kikyos Hochzeit war. Sie würde die ganze Familie am Morgen nach der Hochzeit informieren und anschließend für eine lange Zeit verschwinden.
„Also was beschäftigt dich?“, kam seine Mutter auf den Punkt. Seit Minuten sah Inuyasha in seine Kaffeetasse. „Irgendwie… geht mir plötzlich alles zu schnell“, seufzend sah er seine Mutter an. Die letzten drei Wochen waren einfach viel zu schnell vorbei gezogen. „Zu schnell, weil du noch eine andere Frau liebst?“ Schuldbewusst sah er wieder zu seiner Tasse runter. „Ja…“, hauchte Inuyasha. Seine Gefühle für Kagome waren nicht verschwunden. Im Gegenteil, er vermisste die junge Frau. „Kagome ist wirklich eine wundervolle Frau.“ Nickend bestätigte er dies. Sie war definitiv etwas Besonderes und das nicht nur für ihn. „Bis vor ein paar Wochen war meine Welt noch in Ordnung. Ich habe Kagome als Freundin gesehen und alles, was ich wollte, war Kikyo zu heiraten. Doch jetzt… ich weiß auch nicht“, begann er seufzend zu erklären. In den letzten Tagen hatte er immer öfter darüber nachgedacht, ob es wirklich richtig war Kikyo zu heiraten.
„Hast du mit Kagome darüber gesprochen?“, wollte seine Mutter wissen. Das hätte Inuyasha unheimlich gern, doch noch hatte sie keine seiner Nachrichten beantwortet. „Nein. Vor drei Wochen, bei meinem Junggesellenabschied… Da habe ich eine Schwelle überschritten. Ich habe mit ihr geschlafen. Seitdem hat Kagome kein Wort mehr mit mir gesprochen.“ Erschrocken sah seine Mutter ihn an. Vermutlich hätte sie nie damit gerechnet, dass er so weit gegangen war. „Du musst mit den beiden reden. Inuyasha, du kannst deine Ehe nicht mit einer Lüge beginnen“, forderte sie. „Kann ich nicht? Kikyo hat mich auch angelogen“, kam es ruppiger als gewollt über seine Lippen. „Entschuldige bitte“, kam es gleich hinterher von ihm. „Bei welcher Sache hat Kikyo gelogen?“, hakte seine Mutter nach. „Ich habe dir doch damals von diesem Mädchen erzählt, oder?“, fragte er nach, der schon immer ein enges Verhältnis zu seiner Mutter hatte und oft Dinge mit ihr besprochen hatte.
„Das Mädchen, welches im Burggraben gelandet war und du so faszinierend fandest. Ich kann mich noch daran erinnern, wie aufgeregt du warst, als du mir erzähltest, dass du sie wiedergefunden hast und sie nun deine Freundin ist“, schwelgte seine Mutter mit einem Lächeln in Erinnerungen. Auch er konnte sich nur zu gut an diesen Moment erinnern. Doch mittlerweile wusste er, dass er nicht Kikyo damals bewundert hatte. „Nur das es nicht Kikyo war. Es war Kagome, die im Burggraben gelandet war.“ Mit großen Augen sah sie ihn an. „Hast du Kikyo darauf angesprochen?“, wollte sie von ihm wissen. „Nein… und genau wie diese Lüge… muss meine Nacht mit Kagome ein Geheimnis bleiben. Bitte Mum, behalte das für dich“, bat er seine Mutter. „Inuyasha…“, erwiderte sie seufzend seinen Blick. „Ich werden niemandem etwas sagen“, stimmte sie schließlich zu. Begeistert schien sie jedoch davon nicht zu sein. Doch für ihr Kind würde wohl jede Mutter alles tun.
„Fährst du mit mir mit?“, wollte Kikyo wissen, nachdem sie ihren Koffer im Kofferraum verstaut hatte. Kagome hatte ihr dabei geholfen, alle Sachen einzupacken. Das Kleid hatte sie sorgfältig auf der Rückbank ausgebreitet. „Nein, ich fahre mit Sango und Shippo. Ich muss noch meine Sachen holen und habe noch etwas zu erledigen“, lehnte Kagome das Angebot ab. Im Moment konnte sie es nur schwer ertragen in Kikyos Nähe zu sein. Die Schuldgefühle zerfraßen sie förmlich, wenn sie ihre Cousine traf. „Lass dir aber nicht zu lange Zeit. Immerhin müssen wir noch so einiges vorbereiten“, zwinkert Kikyo ihr zu. Sie schien wirklich nicht zu ahnen, was vor wenigen Wochen zwischen Inuyasha und ihr passiert war. „Ich beeil mich“, versprach Kagome deshalb, der es lieber war, noch etwas länger in Tokio bleiben zu können. „Bis später“, winkte sie Kagome zu.
Diese erwiderte die Geste. Als Kikyos Wagen außer Sichtweite war, ließ sie ihre Hand sinken. In wenigen Stunden würde sie Inuyasha wiedersehen und noch konnte sie nicht sagen, wie sie damit umgehen sollte.
Eine letzte Nacht!
Eine letzte Nacht!
Suchend betrat Kagome den großen Saal, in dem die Hochzeit in wenigen Tagen, stattfinden sollte. Soeben hatte sie einen Teil der Dekoration entgegengenommen. Nun wollte sie von Kikyo wissen, ob sie einen speziellen Wunsch hatte, doch von der zukünftigen Braut war keine Spur zu finden. Stattdessen traf sie ausgerechnet den Mann in dem Saal an, dem sie seit ihrer Ankunft aus dem Weg gegangen war. Zusammen mit seiner Familie stand Inuyasha mitten im Saal und besprach den genauen Ablauf für die nächsten Tage. „Kagome, du bist auch schon hier“, kam Izayoi mit einem breiten Lächeln auf sie zu, ihr Plan still und heimlich wieder zu verschwinden war somit dahin. Auch Inuyasha hatte jetzt mitbekommen, dass sie den Raum betreten hatte. „Hallo. Habt ihr Kikyo gesehen?“, wollte sie nach einer kurzen Umarmung wissen. Im Moment fühlte sie sich ziemlich unwohl, vor allem weil sie noch kein Wort mit Inuyasha gewechselt hatte.
„Sie ist mit ihrer Mutter irgendwo hingegangen“, mischte sich ausgerechnet Inuyasha ein. „Vielleicht kann ich dir helfen, Kagome“, wandte er das Wort an sie. „Ich glaube nicht. Wenn ihr mich entschuldigt, ich muss dringend weiter“, entschuldige sie sich bei Inuyashas Familie. Eigentlich tat es ihr leid, sie einfach so stehen zu lassen. Doch Kagome konnte und wollte nicht länger in Inuyashas Nähe bleiben. Schnellen Schrittes verließ sie unverrichteter Dinge den großen Saal wieder. Ganz so leicht wie sie sich die nächsten Tage ausgemalt hatte, würden diese wohl nicht werden. Gerade eben hatte sie doch begriffen, wie schwer es war in seiner Nähe zu sein.
Unauffällig beobachtete Inuyasha Kagome dabei, wie sie in ihrem Essen herumstocherte. Wirklich Hunger schien die junge Frau nicht zu haben. „Schmeckt es dir nicht, Kagome?“, wollte seine Mutter besorgt wissen. Nachdem die Familien einiges für die Hochzeit dekoriert hatten, hatten sie sich für das Abendessen verabredet. „Doch, ich habe nur keinen Hunger“, lächelte sie zurückhaltend. Inuyasha konnte sich jedoch denken, dass es dafür wohl einen Grund gab und so wie es im Moment stand, war er selbst wohl dieser. „Bist du etwa so nervös wegen der Hochzeit?“, kicherte Kikyo, die neben ihm saß. Kurz richtete Kagome ihren Blick auf sie, dabei streifte ihr Blick nur Sekunden den seinen. Inuyasha hatte schon am Nachmittag gemerkt, dass Kagome kein Interesse hatte, mit ihm zu sprechen, doch so wie es nun war, konnte es auch nicht zwischen ihnen bleiben. Er musste dringend das Gespräch mit ihr suchen.
„Ich glaube, ich gehe schon mal in mein Zimmer“, sagte Kagome nach einigen weiteren Minuten. Sie legte ihr Besteck auf dem Teller ab und erhob sich anschließend von ihrem Sitzplatz. „Ich wünsche euch noch einen schönen Abend.“ Kurz verbeugte sie sich, ehe sie den Speisesaal verließ. Inuyasha war ihr mit seinem Blick gefolgt. Ihm war ebenfalls der Appetit in der Zwischenzeit vergangen. Die ganze Situation hatte er sich nicht so kompliziert vorgestellt.
Ein Klopfen ließ Kagome aufhorchen. Still blieb sie auf ihrem Bett sitzen und hoffte, dass der Besucher nicht allzu lange vor ihrer Tür verweilen würde. Sie wollte heute mit niemandem mehr sprechen. Doch scheinbar sah das ihr Besuch anders, da sie nochmals ein Klopfen hörte. Diesmal lauter und fordernder. Seufzend erhob sie sich aus ihrem Bett. „Ja?“ Erschrocken hielt sie inne, als sie ihren Besucher im Halbdunklen erkannte. „Wir müssen reden“, kam Inuyasha auch gleich auf den Punkt. Doch Kagome hatte daran kein Interesse. „Es gibt nichts zu bereden. Geh zurück zu den anderen“, forderte sie. Es war erst acht Uhr. Bestimmt saßen die anderen noch in lustiger Runde beim Esstisch und unterhielten sich über die bevorstehende Hochzeit. „Ich gehe nirgends hin“, knurrte er und quetschte sich einfach an ihr in das Zimmer vorbei. „Was willst du?“, wollte sie wissen.
Noch immer war Kagome auf ihn wütend. Sie fühlte sich einfach unendlich benutzt. „Was ich will? Du hast mich die letzten drei Wochen ignoriert.“ Kagome verdrehte die Augen, denn ihr war klar, dass es nicht die feine Art war. Vor allem nach dem, was zwischen den beiden passiert war. „Verdammt, Kagome… ja wir hatten Sex und ja… ich weiß, dass ich heiraten werde, aber willst du wirklich, dass es immer so zwischen uns bleibt?“, fuhr Inuyasha sich seufzend durch seine Haare. Scheinbar wusste er nicht, wie er diese Situation klären sollte. „Du hast mich benutzt. Du hattest deinen Spaß mit mir und dann denkst du mit ein bisschen Geld wird sie schon die Klappe halten?“ Überrascht sah Inuyasha sie an. „Was?“, entkam es ihm fassungslos und er sah Kagome an. Für Kagome brachte diese Reaktionen jedoch das Fass zum Überlaufen.
„Willst du mich verarschen? Du hast mir meinen Anteil der Miete zurück überwiesen. Dachtest du wirklich, dass ich käuflich bin? Ich brauche deine Kohle nicht. Ich weiß auch so, dass ich Kikyo niemals von dieser Nacht erzählen darf“, platzte es aus ihr heraus. Tief atmete sie durch, da sie sich eigentlich nicht so hochschaukelen wollte. „Du hast mich geküsst nur so als Hinweis. Und diese blöde Überweisung hat rein gar nichts mit unserer Nacht zu tun. Ich wollte von Anfang an, dass du nichts für die Wohnung zahlst.“ Mit halboffenem Mund sah Kagome zu ihm. „Ich weiß, dass ich schuld bin. Und mir tut es auch unendlich leid, dass ich dich geküsst habe. Aber ich möchte keine Almosen von dir. Ich wohne genau wie Sango und Shippo in deiner Wohnung und möchte meinen Anteil dafür selbst bezahlen.“
Seit Wochen hatte sie mit Ihren Schuldgefühlen zu kämpfen. Auch wenn Inuyasha ihren Avancen nachgegeben hatte, hatte sie die Grenze zuerst überschritten.
Zähneknirschend hatte sich Inuyasha angehört, was Kagome soeben gesagt hatte. Sie gab sich allein die Schuld an der ganzen Misere. Er blickte zu ihr. Inuyasha wusste einfach nicht, wie er ihr noch verständlich machen sollte, dass sie nicht alleine schuld war. Entschlossen trat er daher dichter zu ihr, jedoch machte sie automatisch einen Schritt von ihm weg. Doch schon bald hatte sie die Zimmertür in ihrem Rücken. Nur noch wenige Zentimeter waren zwischen den beiden. Inuyasha spürte wieder dieses unendliche Verlangen in ihm aufsteigen. Ohne darüber nachzudenken neigte sich sein Kopf zu Kagome runter. Seine Lippen legten sich auf ihre. Das Gefühl, welches durch seinen Körper jagte, war unendlich schön. Seit Wochen hatte er sich nach diesen Lippen gesehnt. „Nicht“, hauchte sie und drückte ihn vorsichtig von sich. Ihr Blick wandte sich von seinem ab. „Warum?“, wollte er wissen und legte frustriert seinen Kopf auf ihrer Schulter ab. Er hatte diese kleine Berührung so sehr genossen.
„Du heiratest in zwei Tagen“, rief Kagome ihm den Grund wieder ins Gedächtnis. „Ich weiß, dass ich heirate... und dennoch habe ich dieses unglaubliche Bedürfnis, dir wieder nah zu sein“, gestand er leise. Vorsichtig löste Inuyasha sich wieder von ihrer Schulter und sah ihr sehnsüchtig in die Augen. „Ich weiß nicht, was mit mir nicht stimmt. Ich weiß, was richtig wäre... und trotzdem will ich noch eine letzte Nacht mit dir zusammen haben.“ Inuyasha sah die Unsicherheit in ihren Augen. Leicht leckte er sich über die Lippen. „Ich weiß, dass ich gerade wieder einen Fehler mache. Aber ich… ich habe dich so vermisst.“ Wortlos hörte Kagome seinen Worten zu. Schien diese erstmal verstehen zu müssen. Doch für ihn war Kagome eine wichtige Peron geworden. Inuyasha wollte sie nicht mehr in seinem Leben missen. „Du wirst es bereuen“, flüsterte sie leise. Langsam schienen auch ihre Unsicherheite und die Schuldgefühle in den Hintergrund zu rutschen. „Aber nicht heute Nacht“, konnte er es sich nicht verkneifen.
Sehnsüchtig legte Inuyasha seine Lippen wieder auf ihre. So lange hatte er immer wieder von diesem Moment geträumt und nun konnte er sich endlich wieder in seiner Sehnsucht fallen lassen.
Mit einem kleinen Quietschen landete Kagome auf ihrem Bett. Nur Sekunden später war er schon wieder über ihr. Genüsslich landeten seine Lippen wieder auf ihren. Sie genoss es erneut von ihm berührt zu werden. Auch sie wollte seinen Körper noch einmal erkunden. Ihre Hände wanderten seine muskulösen Arme hinunter und fuhren anschließend seinen Bauch wieder hoch. „Willst du das nicht ausziehen?“ Kurz musste Kagome kichern, als Inuyasha an ihrem Pyjamaoberteil zupfte. „Nö“, spielte sie ein bisschen mit ihm. Es gefiel ihr einfach zu sehen, dass er sie so sehr begehrte. „Aber wenn du willst, kannst du schon mal dein Shirt ausziehen.“ Diese Aufforderung ließ er sich nicht zweimal sagen. Aufgeregt beobachtet sie, wie er sich von dem Shirt befreite. Sein durchtrainierter Körper kam zum Vorschein. Zufrieden schien er damit jedoch nicht zu sein. Ohne Zurückhaltung begann er damit ihren Pyjama aufzuknöpfen. Genüsslich leckte er sich über die Lippen.
Da Kagome keinen BH mehr trug, war ihr Oberkörper demnach schnell von dem lästigen Stoff befreit. Ein Keuchen entkam ihr, als Inuyasha seine Hand über ihre Oberweite gleiten ließ. Ihr Körper war schon unendlich gereizt. Seine Lippen fuhren langsam ihren Hals entlang. Er begann damit, an ihrer Brust zu saugen. Kagomes Verlangen wurde größer. Erregt begann sie damit ihre Oberschenkel gegeneinander zu reiben. Kurz traf ihr lustverschleiender Blick auf seinen. Er hatte ein freches Grinsen auf den Lippen und stoppte ihre Bewegungen mit seiner freien Hand. „Kannst du es nicht mehr erwarten?“, kam er wieder zu ihr hoch. Kurz küsste er ihre Lippen und begab sich schnell wieder nach unten. Mit federleichten Küssen zog er eine Spur über ihren Körper. An ihrer Pyjamerhose blieb er einen Moment stehen. Mit einem Ruck zog er diese hinunter. Ebenso schnell war ihr Höschen von ihrem Körper verschwunden.
In Inuyashas Augen glitzerte die pure Lust, als Kagome vollkommen nackt vor ihm lag. Sie wollte ebenfalls mehr sehen. Vorsichtig richtete sie sich auf. Doch noch bevor sie ihr Vorhaben in die Tat umsetzten konnte, öffnete er schon seinen Gürtel und befreite sich von seiner Hose samt Boxershorts. Mit leichtem Druck presste er sie wieder zurück in das weiche Bett. Seine Hand fuhr zwischen ihre Beine. Erregt stöhnte sie auf, als er einen Finger in sie gleiten ließ. Ihr Stöhnen wurde lauter, während seine Berührungen immer schneller wurden. Mit geschlossenen Augen tastete sie sich zu seiner Männlichkeit vor. Sie wollte ihm ebenso Genuss bereiten. Mit leichtem Druck auf sein bestes Stück, begann sie damit ihre Hand auf und ab zu bewegen, entlockte Inuyasha so einige genüssliche Laute.
Schwer atmend griff Inuyasha nach Kagomes Hand. Wenn sie so weiter machen würde, würde er kommen, noch bevor er sein Ziel erreicht hatte. Auch sie schien nicht mehr allzu weit von ihrem Höhepunkt entfernt zu sein. Ihre Atmung ging ziemlich abgehackt, immer wieder keuchte und stöhnte sie auf. „Nicht aufhören“, wimmerte sie, da er seine Hand von ihrer Mitte nahm. Fordernd griff sie nach seiner Hand und wollte diese wieder zu ihrer heißen Mitte führen. Doch langsam hatte er genug Vorspiel gehabt. Er wollte nicht länger warten, Kagome endlich vollkommen ausfüllen. „Keine Angst, ich habe nicht vor jetzt aufzuhören.“ Auffordernd leckte er über Kagomes Lippen, bat sie so um Einlass, welchen sie ihm nur zu gern gewährte. Ein leidenschaftlicher Kuss entstand, während er sich langsam zwischen ihre Beine gleiten ließ.
Mit einer Hand packte er ihren Po und rollte sich vorsichtig mit Kagome auf die Seite. Ihr Bein lag auf seiner Hüfte und er drückte sie mit seiner Hand stärker an seine Mitte. Vorsichtig drang er in sie ein und stöhnte sehnsüchtig auf, nachdem er vollkommen in ihr versunken war. Keuchend legte sie ihren Kopf in den Nacken. Ihre Nägel bohrten sich in seine Schultern. Immer schneller bewegte er seine Hüfte gegen ihre. Keuchend hallten ihre Lustlaute durch den Raum. Nur wenige Stöße später kamen sie beiden laut stöhnend zu Ihrem Höhepunkt. Schwer atmend sahen sie sich in die Augen. Inuyasha wusste, dass es ein Fehler war, doch er konnte ihr nicht mehr widerstehen. Wenn er ehrlich zu sich selbst war, wollte er diese Nacht niemals enden lassen und das diese für immer weitergehen würde.
Ein Geständnis mit Folgen!
Ein Geständnis mit Folgen!
Ein Klopfen riss Kagome aus ihrem Schlafen. Müde richtete sie sich in ihrem Bett auf. „Kagome?“ Geschockt weiteten sich ihre Augen, als sie die fragende Stimme ihrer Cousine hörte. Auch Inuyasha schien mittlerweile von dem Lärm geweckt zu werden. „Was ist das?“, murmelte er in seine Hand, welche er sich über das Gesicht gelegt hatte. „Kikyo, sie steht vor der Tür“, flüsterte sie leise. Kagome hatte Angst, dass ihre Cousine sie hören konnte. Das letzte, was Kagome wollte, war, dass Kikyo sie nun mit Inuyasha erwischen würde. „Kagome? Bist du wach?“, hörte sie Kikyos dumpfe Stimme wieder, nachdem diese nochmals geklopft hatte. Eilig stand Kagome aus dem Bett auf und schnappte sich den Morgenmantel von dem Stuhl. „Versteck dich“, wisperte sie fordernd an Inuyasha gerichtet. Nachdem er sich die Bettdecke übergeworfen hatte, öffnete Kagome vorsichtig ihre Zimmertür einen Spalt. „Wie siehst du denn aus?“, kam es gleich erschrocken von Kikyo.
„Ich scheine wirklich etwas mit dem Magen zu haben. Ich habe die ganze Nacht kein Auge zu bekommen“, dachte sich Kagome schnell eine Ausrede aus. Weshalb sie wirklich kaum geschlafen hatte, würde Kikyo hoffentlich nie erfahren. „Ob du mit frühstücken kommst, muss ich dich wohl dann nicht mehr fragen?“, kam es beinahe schon mitleidig von Kikyo. Schnell schüttete Kagome ihren Kopf. „Ich glaube, ich bleibe heute in meinem Zimmer. Tut mir wirklich leid“, entschuldige sie sich. Wirklich gut fühlte sie sich bei dieser Lüge nicht. „Wenn es mir am Nachmittag besser geht, komme ich natürlich helfen“, wollte Kagome sich nicht vollkommen vor den letzten Vorbereitungen drücken. Immerhin war die Hochzeit schon am nächsten Tag. „Lass es lieber ruhig angehen. Immerhin musst du morgen an meiner Seite stehen“, winkte Kikyo ab. „Ich hole mir noch was aus der Apotheke“, versicherte Kagome ihrer Cousine, um sie zu beruhigen. „Gute Besserung“, lächelte Kikyo sie an.
Daraufhin schloss Kagome ihre Zimmertür. Mit einem tiefen Atemzug lehnte sie sich an diese an. „Ist sie weg?“, zog Inuyasha die Bettdecke von seinem Kopf. „Ja, was machst du noch hier?“, wollte sie verwirrt wissen. Sie hatte gedacht, dass er bereits zu Kikyo ins Zimmer zurück gegangen war. „Wir hatten die ganze Nacht Sex? Ich war müde und wollte nicht mehr in mein Zimmer gehen“, stand Inuyasha aus ihrem Bett auf. „Oh Gott“, hauchte sie, als sie die tiefen Kratzer auf seinem Rücken entdeckte. „Ich habe dich gekratzt“, kam sie auf ihn zu und fuhr mit ihren Fingern vorsichtig über die Furchen. „Ja, du hast mich gestern gekratzt“, sagte er ganz locker. „Was ist, wenn Kikyo die sieht?“, kam es panisch von ihr. Immerhin würde er Kikyo schon morgen heiraten und wohl auch mit ihr intim werden. „Mach dir keinen Kopf. Ich sorge schon dafür, dass sie die Kratzer nicht sieht.“
Kurz berührten seine Lippen die ihren. „Wollen wir noch schnell zusammen duschen gehen?“, fragte er, da er letztens nicht die Chance dazu gehabt hatte. „Du gehst in euer Zimmer zurück.“ Immerhin hatte Inuyasha schon die ganze Nacht bei ihr verbracht, bestimmt würde das bei Kikyo schon jetzt eine Menge Fragen aufwerfen. „Jetzt entspann dich mal, Kagome. Ich habe kein Zimmer mit Kikyo. Mein Bruder hat ein Einzelzimmer gebucht, um die Tradition zu wahren. Erst wenn wir verheiratet sind geht’s in die Honeymoon. Kommst du jetzt mit duschen?“ Auffordernd hielt er die Badezimmertür offen. Zögernd lief sie rüber zu ihm. In wenigen Minuten würde alles zwischen ihnen beiden vorbei sein, warum also sollte sie es nicht wenigstens noch etwas genießen, zumindest, solange es noch andauerte.
„Wo kommst du denn her?“ Mit einem kleinen Lächeln lief Inuyasha auf die kleine Gruppe zu. „Ich war eine Runde im Burggarten spazieren“, begrüßte er seine Verlobte mit einem Kuss auf die Lippen. „Deshalb warst du nicht in deinem Zimmer“, sah sie ihn etwas vorwurfsvoll an. „Habe ich was verpasst?“, wollte er wissen. „Das Frühstück“, zog Kikyo eine Augenbraue hoch. „Also nichts Schlimmes“, lächelte Inuyasha. Er aß ohnehin nicht immer ein Frühstück, bis Mittag konnte er bestimmt durchhalten. „Kikyo... es wird Zeit“, erinnerte Mariko sie daran zu gehen. Im Moment war Inuyasha dem Pflichtbewusstsein der Familie dankbar. Kikyo und er würden sich erst am nächsten Tag zu ihrer Hochzeit wiedersehen. „Wir sehen uns Morgen“, drückte sie lächelnd ihre Lippen wieder auf seine. Inuyasha sah seiner Verlobten und dessen Begleiterinnen dabei zu, wie sie den Flur entlang liefen und letztlich aus seinem Blickfeld verschwand.
„Was steht heute bei uns an?“, wandte sich Inuyasha zu den Männern der Familie um. „Die Frauen kümmern sich um den Feinschliff und wir genießen einfach die Aussicht“, lächelte sein Vater ihn an. Zu Inuyashas Erleichterung hatten sie schon am Vortag alle Tische in Position gebracht. „Perfekt“, freute sich Inuyasha, der es schön fand, noch mal in Ruhe eine entspannte Runde mit seiner Familie verbringen zu können.
„Mum“, erschrocken atmete Kagome aus, nachdem sie beinahe in ihre Mutter gelaufen war. Gerade hatte sie ihr Zimmer verlassen wollen, um den Frauen bei der Dekoration zu helfen. „Geht es dir schon besser?“, wollte ihre Mutter wissen und lief einfach an ihr vorbei ins Zimmer. „Ähm… ja“, lächelte Kagome. Ihre Mutter setzte sich auf ihr Bett und schaute kurz auf dieses. „Stimmt etwas nicht?“, wollte sie besorgt von ihrer Mutter wissen. Sie war bestimmt nicht einfach so zu ihr zum Zimmer gekommen. „Das wollte ich dich fragen.“ Mit traurigem Blick sah ihre Mutter sie an. Kagome schluckte einmal schwer. „Wir haben vorhin Inuyasha getroffen.“ Vorsichtig strich Mariko über die Bettdecke und wandte sich wieder ihrer Tochter zu. „Er meinte, er war spazieren, doch in Wahrheit war er bei dir, oder?“, hakte sie weiter nach. Kagome ließ sich abermals gegen die Zimmertür fallen. „Wie kommst du darauf?“, versuchte sie auf unschuldig zu tun. Ihr war jedoch bewusst, dass sie ihre Mutter nicht einfach so anlügen konnte.
„Er kam aus dieser Richtung, der Garten liegt aber in der anderen“, erklärte sie ihre Vermutung. Ein Seufzen war von Kagome zu hören. „Außerdem wollte ich gestern noch mit dir sprechen. Du warst nur sehr beschäftigt.“ Kurz schloss Kagome ihre Augen. Was ihre Mutter gehört hatte, war Kagome klar. Deshalb würde leugnen nun nichts mehr bringen. „Wie lange läuft das schon zwischen euch beiden?“, wollte sie von Kagome wissen. „Es ist keine Affäre“, stellte Kagome klar. Schließlich hatten sie nur zwei Nächte miteinander verbracht. „Ihr schlaft miteinander“, entgegnete Mariko deutlicher. „Es ist nur zwei Mal passiert. Gestern und vor drei Wochen einmal“, gestand Kagome. Ihre Mutter griff sich kopfschüttelnd mit der Hand an den Kopf. „Willst du deswegen wieder weg? Weil du dich verliebt hast?“ Kurz schluckte Kagome schwer. Vor Wochen hatte sie ihre Mutter angelogen, dies rächte sich nun. „Kagome, ich habe mit Hojo gesprochen. Es gibt kein Programm. Du hast gekündigt“, warf ihre Mutter ihr vor.
„Ja… ja verdammt. Nach dieser Nacht habe ich gemerkt, dass ich in Inuyasha verliebt bin. Ich will Kikyo nicht weh tun und deshalb versuche ich, so viele Kilometer wie möglich zwischen mich und ihm zu bringen“, erklärte Kagome ihre Entscheidung. Es war nicht löblich, was passiert war, und trotzdem konnte sie es nicht mehr ändern. „Denkst du... das hilft?“ Kopfschüttelnd zuckte Kagome mit den Schultern. „Ich weiß es nicht“, antwortete sie ehrlich. Sie war sich nach dieser wiederholten Nacht wirklich nicht sicher, ob es nicht doch ein Fehler war. „Ich kann verstehen, dass du Kikyo nicht verletzen willst. Aber so wird keiner von euch wirklich glücklich“, stand seufzend ihre Mutter von dem Bett auf. „Ich weiß nicht, was ihr machen sollt. Aber eine Ehe mit einer Lüge zu beginnen, ist der falsche Weg.“ Nachdenklich trat Kagome einen Schritt zur Seite, um ihre Mutter aus dem Zimmer zu lassen.
„Bleib noch ein bisschen hier und denk über meine Worte nach“, meinte ihre Mutter mit einem leicht aufbauenden Lächeln. Sie bekam noch einen kleinen Kuss auf die Wange, bevor ihre Mutter sie mit ihren eigenen Gedanken im Zimmer zurückließ. Kagome konnte nicht mehr sagen, was wirklich das Richtige war.
Mit klopfenden Herzen stand Inuyasha vor Kikyos Zimmertür. Der Nachmittag mit den Männern hatte ihm wirklich gutgetan. Nach einigen Gesprächen mit seinem Bruder und Miroku, der am späten Nachmittag angereist war, hatte sich Inuyasha entschieden mit Kikyo zu sprechen. Leicht war ihm dieser Entschluss nicht gefallen. Kurz schloss er seine Augen und klopfte an die Zimmertür. Nur wenige Sekunden später wurde diese auch schon geöffnet. „Inuyasha… was machst du denn hier?“, wollte Kikyo mit großen Augen wissen. „Ich muss mit dir sprechen“, kam er sofort zur Sache. Er wollte nicht lange um den heißen Brei reden, weil es deshalb nicht leichter werden würde. „Das bringt doch Unglück“, spielte Kikyo auf die Tatsache an, dass er die Braut vor der Hochzeit sah. „Kikyo bitte“, bat Inuyasha seine Verlobte. Sie schien zu spüren, dass es ihm wichtig war. Daher trat sie vorsichtig einen Schritt zur Seite. „Um was geht es?“, hakte sie nach, nachdem die Zimmertür hinter ihm ins Schloss fiel.
„Kannst du dich noch an unser erstes Treffen erinnern?“, fing Inuyasha leise an und nahm unterdessen auf der Bettkante Platz. „Natürlich. Du warst gerade in der Stadt zu einem Termin unterwegs, als ich ausversehen in dich gelaufen bin“, antwortete sie und setzte sich neben ihn. „Stimmt und kurz darauf hatten wir unser erstes Date“, bejahte er ihre Erzählung. „Ich habe mich so gefreut, die Frau wiederzusehen, die mich Jahre zuvor so begeistert hatte“, gestand Inuyasha und trug ein trauriges Lächeln auf den Lippen. „Weißt du noch, warum du damals in den Burggraben gefallen bist?“, wollte er wissen. „Inuyasha… das ist acht Jahre her“, meinte Kikyo mit einer hochgezogenen Augenbraue. „Komisch… Kagome weiß noch, warum sie im Burggraben gelandet ist… und ich auch“, wisperte er und wollte sie wissen lassen, dass er ihre Lüge bereits kannte. „Kagome hatte damals Geburtstag und wollte keine Aufmerksamkeit haben. Du warst nie in dieser Burg.“
Kikyo erwiderte kein Wort. Noch nicht einmal bestritt sie ihre Lüge. „Ist es so schlimm für dich, dass ich gelogen habe?“, kam es nach einer kurzen Zeit von ihr. Leicht schüttelte Inuyasha seinen Kopf. „Nein…“, entkam es ihm seufzend, während er auf seine Hände starrte. „Kann ich dich auch was fragen?“, stellte sie nun leise eine Bitte. „Frag einfach.“ Inuyasha musste ohnehin noch überlegen, wie er weiter machen wollte. „An deinem Junggesellenabschied… gab es da eine andere Frau?“ Überrascht blickte er sie an. „Seit damals… benimmst du dich seltsam“, gestand Kikyo leise. Krampfhaft hatte Inuyasha versucht normal zu wirken. Scheinbar war ihm dies nicht wirklich gelungen. „Ja… ich habe mit einer anderen Frau geschlafen“, kamen leise diese Worte über seine Lippen. Er wollte sein Gewissen ohnehin erleichtern. Dass Kikyo bereits etwas ahnte, machte es ihm nur leichter darüber zu sprechen. „Hast du mit Kagome geschlafen? Warst du heute bei ihr?“
Mit großen Augen sah er seine Verlobte an, eigentlich hatte er Kagome aus der Geschichte heraushalten wollen. „Wie du… ist auch sie total komisch geworden. Plötzlich hat sie mich wegen der Hochzeit angerufen… fast so… als hätte sie Angst mit dir zu sprechen.“ Schuldbewusst hatte er seinen Kopf geneigt. „Ja… aber Kagome wollte dir nie weh tun“, musste er einfach verdeutlichen. „Es ist einfach irgendwie passiert“, versuchte Inuyasha, das Geschehen zu erklären. „Ich glaube… ich habe euch unbewusst zueinander getrieben.“ Verwundert richtete er seinen Blick zu Kikyo. „Was willst du jetzt tun?“, wollte sie leise von ihm wissen. Er sah den Schmerz in ihren Augen. Dennoch hatte er seine Entscheidung schon vor Stunden getroffen. „Ich… ich kann dich nicht mehr heiraten“, flüsterte Inuyasha leise. Schon am Morgen war er sich unsicher gewesen, mittlerweile sah er deutlich klarer. „Es tut mir so leid, Kikyo… aber ich kann dich wirklich nicht heiraten“, wiederholte er seine Worte und musste sich eingestehen, dass er seine Entscheidung eigentlich schon vor Wochen getroffen hatte.
Der große Tag!
Der große Tag!
Langsam entließ Inuyasha die Luft aus seinen Lungen. Gebannt sah er in den Spiegel. „Na… so nervös“, belächelte sein Bruder ihn. Jedoch antwortete Inuyasha nicht, da er einfach total angespannt war. Nachdem er am Vorabend bei Kikyo gewesen war, hatten die beiden noch eine halbe Ewigkeit miteinander gesprochen. Schlussendlich hatten sie gemeinsam entschieden, dass die ganzen Bemühungen nicht umsonst sein sollten. „Inuyasha, entspann dich“, klopfte sein Vater ihm auf die Schulter. Doch so einfach wie diese Worte ausgesprochen waren, war es nun mal nicht. „Ihr wärt auch nervös, wenn ihr an meiner Stelle sein würdet“, seufzte Inuyasha, dessen Familie nicht wissen konnte welch große Überraschung auf alle warten würde. Er wendet sich von seinem Spiegelbild ab. „Wir haben das beide schon hinter uns“, lachte sein Vater. Bei diesem Kommentar verdrehte Inuyasha seine Augen. Natürlich hatten beide diesen Abschnitt in ihrem Leben schon einmal durchlebt. Sie hatten womöglich genauso nervös vor dem Spiegel gestanden. Doch er wusste noch nicht, wie dieser Tag enden würde. Inuyasha hatte alles auf eine Karte gesetzt und noch hatte er keine Ahnung, ob alles nach Plan verlaufen würde.
„Ich will, dass du dir ebenfalls die Haare von ihm machen lässt.“ Überrascht sah Kagome zu Kikyo. „Was soll das, Kikyo?“, wollte sie leicht genervt von dieser wissen. Schon den ganzen Morgen hatte Kikyo plötzlich eine Idee nach der anderen. „Du bist meine Trauzeugin. Du kannst dir doch nicht ernsthaft deine Haare selbst machen“, kam es fordernd von Kikyo. Kagome hatte sich ihre Haare nur ordentlich geföhnt und danach etwas zusammengesteckt. Ihrer Meinung nach reichte dies vollkommen aus. Doch ebenso beim Make-up hatte Kikyo plötzlich das Bedürfnis gehabt, dass Kagome ebenfalls geschminkt werden musste. „Kikyo, dafür ist keine Zeit mehr“, seufzte sie, nachdem Kagome kurz zu der Uhr über der Tür geblickt hatte. In knapp einer Stunde mussten die beiden auf den Traualtar zugehen. Kikyo hatte noch nicht ihr Kleid an und irgendwie waren alle Helferinnen plötzlich abhanden gekommen. „Das passt schon“, ließ Kikyo einfach nicht locker.
Um nicht noch mehr Zeit zu verlieren, nahm Kagome eilig auf dem Stuhl Platz. „Machen sie schnell ein paar Wellen rein“, ergab sie sich ihrem Schicksal. Von ihr aus sollte der Friseur schnell ihre Haarpracht ordnen und gut wäre es. „Machen sie bitte eine schöne Hochsteckfrisur.“ Fassungslos starrte sie zu Kikyo, die sich soeben lächelnd eine Weintraube gönnte. „Machen sie bitte schnell“, seufzte Kagome abermals, da sie noch immer die stille Hoffnung hatte, dass sie wenigstens irgendwie noch pünktlich vor dem Traualtar stehen würden. „Alles geklärt?“ Kagomes Augen flogen zu Sango, die soeben den kleinen Raum betreten hatte. „Ja. Jetzt muss die heutige Hauptperson nur noch fertig werden.“ Kurz streifte Sangos Blick den ihrigen. „Kikyo eben“, konnte Kagome es sich nicht verkneifen. Im Moment stand sie vollkommen unter Stress und noch war keine Besserung in Sicht.
Mit einem Lächeln auf den Lippen, stellte sich Inuyasha vorne an den Altar. In wenigen Minuten würde die Trauung beginnen. Er sah die ganzen Gäste an. Sein Puls raste förmlich dahin. Miroku und Sesshomaru standen neben ihm. Alles wartete nur noch auf die Braut. Inuyasha war unglaublich angespannt. Deshalb schloss er kurz seine Augen. Vielleicht war es doch ein Fehler, das alles nicht abzublasen. „Sie wird schon auftauchen.“ Schwer schluckte er und hoffte wirklich, dass seine Zukünftige auf ihn zukommen würde. Allerdings konnte er sich da nicht ganz sicher sein. Denn nicht nur seine Familie wird am heutigen Tag mit einer riesigen Überraschung konfrontiert werden. Auch die Braut des Tages wird wohl in diesem Moment einen ziemlichen Schock bekommen.
„Ich soll was?“, kam es erschrocken von Kagome und sah zu Kikyo, die sie beinahe unbeeindruckt betrachtete. „Du wirst nun mein Hochzeitskleid anziehen“, wiederholte Kikyo ihre Worte von eben nochmal. Kagome glaubte sich abermals verhört zu haben. „Kikyo… das ist deine Hochzeit. Ich habe schon so viel für dich erledigt, doch das kann ich wirklich nicht für dich tun“, fauchte Kagome ihre Cousine an. Sie glaubte wirklich, dass sie jetzt vollkommen den Vogel abschoss. „Das ist nicht meine Hochzeit“, schüttelte Kikyo plötzlich ihren Kopf. Mit großen Augen starrte Kagome ihre Cousine an. „Wie bitte? Du kannst doch nicht heute drauf kommen, dass du doch nicht heiraten möchtest“, begann Kagome tief durchatmend. Plötzlich fühlte sie sich in die Vergangenheit zurückgesetzt. Wenn Kikyo ebenfalls nicht heiraten würde, würde Inuyasha ebenfalls eine bittere Enttäuschung erleben. „Du verstehst das nicht, Kagome… ich werde Inuyasha nicht heiraten. Wir hatten gestern ein intensives Gespräch geführt und uns beide dafür entschieden, es nicht zu tun.“
Mit offenem Mund blickte Kagome nun vollkommen verwirrt zu ihrer Cousine. „Wieso dann der ganze Zirkus hier.“ Mit ausgebreiten Armen deutete sie auf das ganze Schauspiel, welches Kikyo bis eben abgezogen hatte. „ Inuyasha und ich haben uns dazu entschieden, nicht zu heiraten. Doch das gilt nicht für euch beide.“
„Nein…“, kopfschüttelnd stolperte Kagome ein paar Schritte zurück. Sie konnte nicht verstehen, was hier gerade passierte. „Kagome, schau mich an“, forderte Kikyo, die Kagome an den Schultern gepackt hatte und sie zum Stillstand zwang. „Inuyasha hat mir von euch erzählt. Er hat sich in dich verliebt und wünscht sich, dass du heute auf ihn zugehst. Ich bin dir nicht böse. Irgendwie habe ich schon vor Monaten gemerkt, dass Inuyasha und ich nicht wirklich zusammenpassen. Du jedoch passt zu ihm und du liebst ihn doch auch?“ Vollkommen überfordert sah Kagome in die Augen ihrer Cousine. Sie schien ihre Worte erst zu meinen. „Du hast so viel Zeit und Mühe in diese Hochzeit gesteckt, lass sie jetzt nicht ins Wasser fallen“, bat Kikyo sie. Doch noch war es einfach zuviel für Kagome. „Was wenn es nicht klappt? Was wenn wir in ein oder zwei Monaten merken, dass es ein Fehler war?“, teilte Kagome ihre Unsicherheit mit Kikyo.
„Für die Liebe gibt es keine Garantie, Kagome. Manchmal muss man einfach alles auf eine Karte setzen, um am Ende zu gewinnen“, mischte sich nun auch Sango ein. „Du…“
„Ja, ich habe gewusst, was heute passieren wird. Ich habe dem Pfarrer Bescheid gesagt und auch eure Eltern wissen bereits von der Planänderung.“ Nervös leckte sich Kagome über die Lippen. Sie sah auf das Brautkleid, welches noch immer auf einem Hacken auf dem Kleiderständer hing. „Willst du Inuyasha noch länger warten lassen?“, fragte Kikyo und strich fürsorglich über Kagomes Wange. Sie wusste, dass sie sich schnell entscheiden musste, um ihn nicht länger warten zu lassen. Doch diese Entscheidung fiel schwerer, als sie gedacht hätte. Sie hatte den Segen ihrer Cousine und doch hatte Kagome Angst davor, was die Zukunft ihr bringen würde.
Unruhig stand Inuyasha am Altar. Die Hochzeitsgesellschaft tuschelte bereits. Der Blick seiner Eltern war besorgt auf ihn gerichtet. Vor zwanzig Minuten hätte die Trauung beginnen sollen. Doch noch war weder die Braut noch die Trauzeuginnen im Saal erschienen. „Ich glaub, ich schau mal nach der Braut“, flüsterte Miroku ihm zu. „Warte“, packte Inuyasha ihn am Arm, als er sich soeben auf den Weg machen wollte. „Lass ihr noch etwas Zeit“, bat er seinen besten Freund. Ihm war mehr als klar, dass es viele Risiken gab, Kagome so vor vollendete Tatsachen zu stellen. Seine Familie und auch Miroku wussten noch nichts von der Planänderung. Inuyasha hatte sie überraschen wollen. Dass er enttäuscht werden könnte, war ihm durchaus klar gewesen, dennoch hatte er Kikyos Vorschlag zugestimmt. Alle Blicke richteten sich auf die Tür, nachdem sich diese kurz geöffnet hatte. Kikyo lief mit einem verhaltenen Lächeln auf den Traualtar zu. Inuyashas Herz begann automatisch schneller zu schlagen.
Ein Raunen ging durch die Reihen, da die eigentliche Braut doch in einem roten Kleid auf ihn zu kam. „Bereit?“, blieb sie kurz vor ihm stehen. „Ja… kommt sie denn?“, wollte Inuyasha angespannt wissen, weil er beinahe schon die Hoffnung aufgegeben hatte. Das Lächeln auf ihren Lippen erleichterte ihn. Scheinbar hatte Kikyos Plan funktioniert. „Was ist denn hier los?“, wollte Miroku verwirrt wissen, als sich Inuyasha mit klopfendem Herzen zurück an den Traualtar stellte. „Überraschung“, flüsterte er mit einem Grinsen. Gerade eben war er unendlich erleichtert, dass alles funktioniert zu haben schien. Die Hochzeit würde stattfinden und Inuyasha erstmals der Frau, die er liebte, gestehen das sie alles für ihn war.
„Papa“, hauchte Kagome leise, als sie ihren Vater vor dem Saal gesehen hatte. Erleichtert ließ sie sich in seine Arme ziehen. „Du siehst wunderschön aus, mein Schatz“, flüsterte er und drückte ihr einen Kuss auf die Wange. Sie sah das Glitzern in seinen Augen. „Bist du böse auf mich?“, fragte sie leise nach. Schließlich hatte sie nicht nur Kikyo verletzt. Auch ihre Familie musste nun einiges über sich ergehen lassen. „Man kann sich nicht aussuchen, in wen man sich verliebt. Ich wünsche mir, dass du glücklich wirst, Kagome. Und du bist doch glücklich, oder?“, wollte ihr Vater wissen. Bis vor wenigen Minuten wusste sie nicht, was sie tun sollte. Sie hatte einfach aus dem Bauch heraus entschieden. „Ja“, antwortete sie mit voller Überzeugung. Sie liebte Inuyasha und wollte es zumindest probieren. „Dann wollen wir mal“, klopfte ihr Vater auf ihre Schulter. Er bot ihr seinen Arm an.
Mit stark klopfenden Herzen hakte sie sich bei ihm ein. Der Hochzeitssong begann zu spielen. Sango öffnete die Tür. Alle Blicke richten sich auf Kagome, nachdem sie zusammen mit ihrem Vater durch den Gang schritt. Das Raunen und das Getuschel um sich herum nahm Kagome gar nicht war, viel zu laut klopfte ihr Herz bei dem Anblick der sich ihr bot. „Pass gut auf sie auf.“ Nickend bestätigte Inuyasha die Aufforderung ihres Vaters. Vorsichtig nahm Inuyasha ihre Hand und küsste leicht ihren Handrücken. „Du bist wunderschön“, hauchte er ihr entgegen und führte sie zum Traualtar nach oben. Mit einem kleinen Nicken deutete er dem Pfarrer zu beginnen. Kagome nahm alles noch wie in einer Blase wahr. Ihr Herz klopfte wie verrückt, als der Pfarrer zu sprechen begann und ihnen schlussendlich die alles entscheidende Frage stellte.
„Na… wo ist denn deine Ehefrau hin?“, kam lächelnd sein Bruder mit seinen Eltern auf ihn zu. Kurz zuckte Inuyasha mit seinen Schultern. Nach dem Jawort, war ein wahrlicher Wirbelsturm über das Brautpaar gefahren. Unzählige Fragen hatten sie beantworten müssen. Am Ende hatten sie nicht viele ruhige Momente gehabt. „Ich weiß es nicht“, seufzte Inuyasha, da er Kagome schon vor einiger Zeit aus den Augen verloren hatte. „Na diese Ehe fängt ja gut an“, lachte sein Vater. Zu seiner Erleichterung hatten weder seine Familie, noch Miroku es ihm übel genommen, dass er ihnen nichts von der Planänderung erzählte hatte. Im Gegenteil, sie schienen alle richtig begeistert zu sein. „Kagome ist draußen auf dem Balkon. Ich glaube, dass alles heute hat sie etwas überfordert“, kam Kikyo lächelnd auf ihn zu. „Danke“, bedankte Inuyasha sich. Er konnte nachvollziehen, dass Kagome ein paar Minuten für sich brauchte. „Wenn ihr mich kurz entschuldigen würdet“, bat er seine Eltern.
Er wollte sicher gehen, dass es Kagome auch wirklich gut ging. Schnell machte Inuyasha sich auf den Weg zu seiner nun Ehefrau. „Hey“, leise trat er an seine Auserwählte heran. Sie stand am Geländer und sah über die grüne Landschaft hinweg. „Alles gut bei dir?“, hakte Inuyasha sanft nach. „Ja… es ist nur etwas viel“, gestand Kagome und wandte sich zu ihm um. „Kann ich verstehen. Ich denke, wir haben auch noch einiges zu besprechen“, schluckte er schwer. Immerhin hatten sie noch nicht über ihre gemeinsame Zukunft gesprochen. „Da hast du wohl recht. Und ich bin ehrlich zu dir, Inuyasha… ich habe Angst. Ich wollte nie wieder vor den Traualtar treten… und jetzt bin ich eine Ehefrau. Alles ist so unwirklich und das... muss erstmal von mir verdaut werden“, seufzend richtete sie ihren Blick wieder auf die Landschaft.
„Du hast alle Zeit der Welt. Keiner verurteilt dich, oder mich... für unsere Entscheidung. Liebe ist nicht berechenbar. All das hier… war nicht so geplant und dennoch finde ich es perfekt.“ Auch wenn diese Ehe eigentlich mit einer anderen Frau beginnen hätte sollen, so war sich Inuyasha sicher, dass alles so gekommen war, wie es kommen sollte. Kagome war nun mal die Frau, die er liebte und begehrte. „Kagome… ich weiß, dass es ein bisschen spät kommt… Aber ich liebe dich... Ich liebe dich von ganzem Herzen.“ Überrascht hatte sie sich wieder zu ihm gewandt. Inuyasha hatte bis jetzt keine Gelegenheit gehabt, ihr dies zu sagen. Doch hier, allein mit ihr vor dieser wunderschönen Kulisse war der Moment einfach perfekt. „Ich liebe dich auch, Inuyasha…“, flüsterte sie leise. Wild pochte sein Herz, als sie sich auf Ihre Zehenspitzen stellte und ihm einen federleichten Kuss gab.
Für ihn hatte sich das Risiko gelohnt, er hatte alles auf eine Karte gesetzt und am Ende gewonnen. Es würde bestimmt noch einiges von ihnen verlangen, bis sie eine harmonische und vor allem glückliche Ehe führen würden. Doch gemeinsam wollten sie alles dafür geben, um ihren Traum wahr werden zu lassen.
Eine glückliche Zukunft!
Eine glückliche Zukunft!
Fünf Jahre später!
Mit angehaltenem Atem lauschte Kagome aufmerksam dem Geräusch, welches aus dem unteren Stockwerk kam. Vorsichtig und möglichst lautlos stand sie aus ihrem Bett auf und lief auf leisen Sohlen aus dem Schlafzimmer. Die Tür schloss sie hinter sich und schaute mit wild pochendem Herzen die Treppe hinunter. Erschrocken weiteten sich ihre Augen, als sie ein leises Zischen hörte. Kurz flog ihr Blick wieder Richtung Schlafzimmer, ehe sie sich dazu entschloss ihren nächtlichen Besucher gegenüberzutreten. Mit leisen Schritten schlich Kagome die Treppen hinunter. Vielleicht würde sie es ja bis zu ihrem Handy schaffen, welches blöderweise auf dem Küchentisch liegen geblieben war. Kurz überprüfte sie den Flur. Doch niemand war zu sehen und Kagome hoffte, dass dies auch so bleiben würde. Schnell hatte sie den Flur durchquert und hörte wie im Gang eine Tür aufging. Der schmale Lichtstrahl erhellte den Flur für einen kurzen Moment.
Mit einem gezielten Griff schnappte sich Kagome ihr Handy. Doch noch ehe sie auch nur eine Zahl hatte tippen können, wurde sie am Handgelenk gepackt. „Willst du dich vor mir verstecken?“ Mit großen Augen sah Kagome zu dem jungen Mann, der soeben das Licht angeschaltet hatte. „Inuyasha…“, hauchte sie erleichtert und warf sich in seine Arme. „Warte… was machst du schon hier“, schob sie ihn ein Stück von sich. Eigentlich hatte sie erst in zwei Tagen mit ihm gerechnet. „Ich habe schneller gearbeitet und mich beeilt nach Hause zu kommen, um meiner wunderschönen Frau mit unseren beiden Kindern zu helfen“, grinste Inuyasha sie frech an. Kagome verengte ihre Augen, die es absolut nicht lustig gefunden hatte, zu glauben, auf einen Einbrecher in ihrem Haus zu treffen. „Du hättest mir was sagen können“, warf sie ihm eingeschnappt vor. „Dann wäre es keine Überraschung mehr gewesen. Schlafen die Kleinen schon?“, wollte er wissen und zog sie wieder in seine Arme. „Ja, es ist schon fast Mitternacht. Ich sollte auch wieder ins Bett“, gestand sie seufzend.
In den letzten Wochen hatte sie nur wenig Schlaf bekommen. Inuyasha war beinahe einen ganzen Monat geschäftlich im Ausland gewesen. Sie hatte sich einfach unsicher in dem großen Haus gefühlt und auch die Kinder hatten sie unheimlich gefordert. „Dann sollten wir dich lieber ganz schnell wieder ins Bett bringen.“ Kurz kreischte Kagome auf, als er sie ohne Rücksicht hochhob. Ihre Beine legten sich um seine Hüfte. Glücklich drückte sie ihre Lippen auf seine. „Ich fürchte nur, dass es ziemlich eng werden wird“, hauchte sie leise an seinen Lippen, als sie den Kuss gelöst hatte. Inuyasha hatte eine Augenbraue hochgezogen und seufzte ergeben. „Die Kinder schlafen in unserem Bett, oder?“ Verlegen nickte Kagome. Eigentlich hatten sie ausgemacht, die Kinder nicht mit ins Bett zu nehmen. Doch sie hatte sich einsam gefühlt und sich so wenigstens etwas mit Inuyasha verbunden gefühlt. „Tut mir leid“, hauchte sie ihm einen Kuss auf die Lippen.
Nach all den Wochen war sie unendlich froh, ihren Mann wieder bei sich zu haben. Sie hatte ihn vermisst und genoss seine Nähe, doch mehr würde zumindest am heutigen Abend nicht passieren. Für Kagome war es jedoch schon wunderschön, wieder in seinen Armen schlafen zu können und diese Sicherheit, die nur er ihr geben konnte zu spüren.
„Papa…“, freudig hüpfte Moroha auf ihm herum und riss Inuyasha damit aus seinem Schlaf. „Hey, meine kleine Prinzessin“, zog er seine kleine Tochter an seine Brust. Zappelnd versuchte die dreijährige ihrem Vater zu entkommen. „Wo sind denn Mama und dein Bruder?“, richtete er das Wort an Moroha, nachdem er bemerkt hatte, dass nur seine Tochter mit ihm im Bett war. „Unten“, flöte sie fröhlich. „Wollen wir dann zu Mama und Shinya gehen?“, wollte er wissen und kitzelte die Kleine durch. Ein lautes Kichern halte durch das Schlafzimmer. Inuyasha genoss es wirklich, wieder mit seiner Familie vereint zu sein. Er musste seinem Vater unbedingt klar machen, dass solche Termine nicht mehr so lange dauern durften oder eben jemand anders sollte dies für ihn übernehmen. Inuyasha liebte sein Familienleben, auch wenn es anfangs nicht danach ausgesehen hatte, dass es funktionieren konnte, hatten sie sich doch erst richtig kennenlernen müssen.
Doch nur einige Monate nach der Hochzeit waren Kagome und er bereit den nächsten Schritt zu gehen. An ihrem ersten Hochzeitstag hatte sie ihm freudestrahlend den positiven Schwangerschaftstest übergeben. Kurz darauf hatten sie sich räumlich verändert, um genügend Platz für ihre kleine Familie zu haben. Nach der mit Kikyo geplatzten Hochzeit war Inuyasha damals einfach bei Kagome und dessen Wohngemeinschaft eingezogen. Es hatte wirklich prima funktioniert. Sie hatten eine Menge Spaß gehabt. Doch nach der Verkündung der Schwangerschaft hatte er sofort mit der Haussuche begonnen. Durch seinen Vater hatten sie schnell ein Haus in ruhiger Lage in Tokio gefunden. Mittlerweile wohnten sie bereits über drei Jahre in ihrem Traumhaus. „Guten Morgen“, lächelte Kagome ihn an. Sie stand am Herd und bereitete soeben das Frühstück für die Familie zu. „Guten Morgen“, begrüßte Inuyasha sie mit einem Kuss und strich seinem Sohn einmal über den Kopf, der seiner Mutter tatkräftig beim Kochen half.
„Hast du nicht etwas viel gekocht?“, wollte Inuyasha wissen, da seine Frau doch einen üppigen Tisch gedeckt hatte. „Nein. Deine Eltern und Sess mit Rin und dem Kleinen sind in der Stadt. Sie wollten heute eigentlich zum Frühstücken vorbeikommen“, kicherte sie. „Die haben Zeit für einen Besuch und schicken mich nach Hongkong?“, kam es fassungslos von ihm. Denn die letzten Wochen ohne seine Familie waren ihm unendlich schwergefallen. „Jetzt sei nicht so eingeschnappt. Sie haben mir in den letzten Wochen wirklich sehr geholfen.“ Darüber war Inuyasha unheimlich froh. Allein hätte Kagome die Versorgung der Kinder und ihre Arbeit wohl nicht unter einen Hut bekommen. „Jaja… wann wollten sie denn kommen?“, fragte er nach. Vielleicht hatte Inuyasha noch ein paar Minuten mit seiner Familie. „Jetzt“, kicherte Kagome, die wie er, den großen Familienvan die Einfahrt hochfahren sah.
„Na dann überrasche ich die Familie mal“, grinste er, weil seine Eltern auch ziemlich überrascht sein würden, ihn schon am heutigen Morgen zu sehen.
„Will noch jemand Eier?“, fragte Kagome in die Runde. Lächelnd nahm Rin das Angebot an. „Willst du dafür noch einen Kaffee?“ Kurz sah Kagome auf die Kanne, die Rin ihr entgegenhielt. Jedoch schüttelte sie mit einem Lächeln den Kopf. „Ich hatte heute schon genug“, lehnte sie dankend ab. Inuyashas Blick legte sich auf Kagome. „Shinya, nimm bitte deine Gabel“, versuchte sie von sich abzulenken, der Blick ihres Mannes gefiel ihr nicht. Im Moment versucht sie ihren zweijährigen Sohn dazu zu bringen, sein Besteck zu benutzen. Immer klappte dies leider nicht, sodass der Esstisch um den kleinen Jungen ziemlich wild und wüst aussah. „Ach lass ihn doch, Kagome. Mit den Händen schmeckt es eben besser“, kam es lächelnd von Izayoi. Fürsorglich strich sie ihrem Enkel über den Kopf. Kagome freute sich wirklich solch tolle Großeltern für ihre Kinder zu haben.
Kurz nach der Hochzeit hatte sie ziemliche Bedenken gehabt. Ihre geplante Auswanderung hatte sie gecancelt. Nur ein paar schöne Wochen hatte sie mit Inuyasha in Europa verbracht. Doch mit dem Zusammenleben waren auch einige Herausforderungen auf sie zugekommen. Sie hatten beide die Eigenheiten des anderen kennengelernt. Nicht immer war dies einfach gewesen. Kagome war zunehmend unsicher geworden, ob es eine gute Entscheidung gewesen war, so überstürzt zu heiraten. Doch ihre und auch seine Eltern hatten immer wieder zwischen den beiden vermittelt. Ohne ihre Familie wären beide womöglich nicht mehr zusammen. Kagome war unendlich dankbar in diese Familie eingeheiratet zu haben. „Habt ihr eigentlich in den letzten Wochen etwas von Kikyo gehört?“, wollte Toga von den Paar wissen. „Ja, ihr geht es gut. Sie ist im Moment in Australien und versucht dort einen Deal ans Land zu ziehen“, erklärte Kagome. Nach wie vor hatte sie eine gute Beziehung zu ihrer Cousine.
Nach der Hochzeit hatten sich die beiden Frauen noch einmal gründlich ausgesprochen. Jede für sich hatte mittlerweile ihren Traum verwirklichen können. Kikyo hatte ihre gewünschte Position in der Firma bekommen und reiste nun um die halbe Welt, während Kagome die Familie bekommen hatte, die sie immer haben wollte. „Ich finde es toll, dass sie so engagiert an ihrer beruflichen Laufbahn arbeitet. Wann musst du eigentlich wieder in die Arbeit?“, hakte Izayoi interessiert nach. „Morgen früh“, lächelte Kagome. Sie hatte sich nach ihrer Hochzeit in einer neuen Klinik beworben. Durch ihre begonnene Ausbildung hatte sie schnell eine neue Anstellung gefunden. Sie hatte ihre Ausbildung trotz Schwangerschaft beendet und war unendlich glücklich in dieser Klinik zu arbeiten, in welcher mittlerweile auch Sango und Shippo tätig waren. Die beiden waren auch nach Jahren immer noch ihre besten Freunde und halfen ihr unterstützend mit den Kindern, wenn sie mal Hilfe brauchte.
„Soll ich die Kinder trotzdem in den Kindergarten bringen?“, wollte Izayoi wissen, die sich diese Aufgabe in den letzten Wochen mit ihrer Mutter geteilt hatte, damit sie etwas Zeit für sich hatte. „Wenn du möchtest“, lächelte Kagome, sie würde ihrer Schwiegermutter sicher nicht verbieten ihre Kinder in den Kindergarten zu bringen. Immerhin hatte sie so einen ruhigen Tagesstart und konnte noch etwas Zeit mit Inuyasha verbringen.
Suchend lief Inuyasha durch das Haus. Doch Kagome und auch seine Kinder konnte er in diesem nicht finden. Nachdem seine Eltern gegangen waren, hatte er sich noch schnell an seinen PC gesetzt. Inuyasha wollte nur noch schnell ein paar dokumentarische Dinge erledigen. Diese hatten jedoch mehr Zeit in Anspruch genommen, als er gerechnet hatte. Nun wollte er aber endlich seinen Feierabend genießen. Für die kommende Woche hatte Inuyasha sich ein paar Tage Urlaub genommen, um ganz für seine Familie da sein zu können. „Hier steckt ihr“, lächelte er Kagome an, nachdem er sie im kleinen Garten auf der Hollywoodschaukel erblickte, wie sie ihren Kindern beim Spielen zusah. „Die Kleinen wollten ein bisschen raus.“ Ein liebevolles Lächeln hatte sich auf ihre Lippen gelegt. Er setzte sich zu ihr und legte einen Arm zärtlich um ihre zierliche Gestalt. „Wieviel Kinder haben wir?“ Etwas verwirrt sah Kagome Inuyasha an.
„Zwei…“, gab sie anschließend ziemlich scharf von sich. Die Frage schien sie wirklich aufzuregen. „Wie viele Kinder wollten wir?“, machte Inuyasha einfach weiter. Er hatte es schon immer recht lustig gefunden, Kagome etwas zu ärgern. „Zwei… was willst du eigentlich von mir?“, knurrte sie ihre Antwort heraus. Inuyasha zog jedoch nur eine Augenbraue hoch. Mittlerweile kannte er Kagome sehr gut. Vor allem ihre Vorlieben. „Mich hat es nur überrascht, dass du keinen weiteren Kaffee wolltest, vor allem seit du zum wahren Kaffeejunkie geworden bist“, kam es beiläufig von ihm, der wie sie zu ihren spielenden Kindern blickte. „Was willst du von mir hören?“, seufzte sie, da Kagome zu ahnen schien, in welche Richtung dieses Gespräch gehen würde. „Die Wahrheit, Kagome. Ich kenn dich ziemlich gut... ich weiß, dass du hin und wieder etwas mit dir allein ausmachen willst. Und wenn du ein weiteres kleines Kind mit dir selbst ausmachen willst… mache ich dir einen Strich durch die Rechnung.“
Mit rollenden Augen hatte Kagome ihm zugehört. „Ja... ja, ich bin... schwanger“, gestand sie nun leise. Inuyasha hatte diese Antwortet schon erwartet. Wirklich schlimm fand er dies nicht. „Und wieso sagst du mir das nicht?“, hakte er bei ihr nach. Immerhin war er ihr Ehemann. „Weil wir abgeschlossen hatten. Dieses Kind ist nicht geplant. Ich arbeite endlich wieder und der Kleine schläft endlich einmal durch und jetzt soll alles wieder von vorne anfangen?“, seufzte Kagome, die sich ihre Zukunft genau wie er anders vorgestellt hatte. „Das Leben geht nun mal seine eigenen Wege, Kagome. Du und ich sind das beste Beispiel dafür.“ Zärtlich griff Inuyasha unter ihr Kinn und drehte ihr Gesicht zu sich. „Ich liebe dich… und unsere Kinder… und auch dieses kleine Wunder unter deinem Herzen liebe ich schon jetzt“, flüsterte er leise und drückte ihr vorsichtig einen Kuss auf die Lippen.
Für ihn spielte es keine Rolle, ob es geplant war oder nicht. Jedes Leben hatte seinen eigenen Plan. So sehr man sich auch anstrengte und Pläne machte, manchmal gingen die eben nicht auf. Kagome und er hatten vor fünf Jahren auch alles auf eine Karte gesetzt. Am Ende hatten beide eine wunderbare Familie dazugewonnen, die sich in wenigen Monaten noch ein Stückchen vergrößern würde. „Mami, komm spielen“, rief ihre kleine Tochter ihnen zu. „Ich liebe dich auch… und unsere Kinder“, seufzte Kagome, nachdem sie sich von ihm gelöst hatte. „Kommst du mit spielen, Daddy?“ kicherte sie, während Kagome sich schon von der Bank erhob und ihn auffordernd an sah. Lächelnd stand er ebenso auf. Gemeinsam liefen die beiden auf ihre Kinder zu. Inuyasha hob seine Tochter hoch, schubste sie einmal in die Luft. Auch Shinya wurde von Kagome hochgehoben. Mit einem Lächeln stand Inuyasha in der kleinen Sandkiste.
Es war für ihn immer noch unglaublich, wie sehr sein Leben sich durch Kagome verändert hatte. All seine Wünsche waren in Erfüllung gegangen. Er hatte eine Familie, die er über alles liebte und für die er alles geben würde.
