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Karaoke

Hermine x Luna
von

Vorwort zu diesem Kapitel:
Dieses Kapitel konnte sich nicht zwischen Prolog und Kapitel entscheiden... Es ist unzählige Male hin und her verschoben worden und mehrmals habe ich es hier ganz gelöscht. Komplett anzeigen

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Der Pub war nur dürftig beleuchtet. Heimlich einen Blick in ein Lehrbuch zu werfen, kam so nicht in Frage. Auch wenn meine Freunde gerade nicht viel mitbekamen. Die Beiden diskutierten angeregt über das nächste Bier, gefühlt seit einer Ewigkeit. Das ich mich heute nicht beteiligte machte ihnen scheinbar nichts aus.

Ich nutzte also die Zeit um mich etwas umzusehen. Abgesehen davon das es schummrig war, war es heute zusätzlich sehr voll. Es gab ein besonderes Event, was immer viele Besucher angelockte. Die Leute drängten sich dicht um, und zwischen, die Tische und die Bar. Es gab kaum ein Durchkommen und doch konnte man sich gerade noch unterhalten ohne zu schreien.

Eine Diskussion über das nächste Bier war unter diesen Bedingungen durchaus wichtig. Zumindest für die beiden Bierliebhaber mit denen ich hier war. Denn wer wollte sich nicht das Wochenende mit dem perfekten Bier im perfekten Pub verschönern?
 

Nun, ich wollte nicht. In zwei Wochen stand eine wichtige Klausur für mich an. Dafür zu lernen war was ich wollte. Und, möglicherweise und rein zufällig - wie ich meinen Freunden versichern würde, befand sich sogar Lernmaterial dafür in meiner Tasche unter dem Tisch. Die Anderen aus meinem Kurs hatten Lerngruppen gebildet und trafen sich wohl gerade. Was ich wusste, da ich auch gefragt worden war an diesem Wochenende mitzumachen. Aber da hatte ich Harry schon versprochen gehabt, mich auf seine „Überraschung“ heute einzulassen. Er hatte von einer großartigen Abwechslung gesprochen, die mir gut tun würde. Ich würde es nicht bereuen, sagte er.
 

Eine wirklich großartige Überraschung hatte er sich da ausgedacht. Seine Idee von einer „Abwechslung“ vom Studienalltag bestand aus… dem Klischee des Studentenlebens. Fettiges, günstiges Essen und Alkohol in Mengen. Und, nicht zu vergessen, die besten Freunde um sich herum. Verständlich, wenn ich deswegen etwas genervt war, oder? Das hier war keine „großartige“ Abwechslung, und damit meine ich hauptsächlich nicht den Teil mit den Freunden. Wir sahen uns viel zu selten seit dem Ende unserer Schulzeit.

Nach dem Ende der Klausurphase hätte ich mich sicher mehr über Fish ‘n‘ Chips und einen Abend im Pub mit Bier und Karaoke gefreut. Das bestreite ich nicht. Und ja, unser Lieblingspub veranstaltet regelmäßig Karaokeabende. Zur besonderen Belustigung der Gäste oder als Ersatz für drittklassige Bands, je nachdem wie man es sehen will. Es funktionierte, vielleicht weil keine Gewinner gekürt werden oder ähnliches. Die Regeln bestehen hauptsächlich daraus Spaß zu haben, keine politischen Lieder zu singen und, unausgesprochen, die „Bühne“ lieber zu verlassen, bevor man mit Biergläsern beworfen wird. Die letzten beiden Regeln bedingten sich möglicherweise stark, wie wir schon beobachten konnten.
 

Heute war also wieder ein solcher Karaokeabend, das besondere Event was diese Menschenmassen angelockt hatte. Tatsächlich war der Pub nur minimal leerer als bei einem Fußballspiel. Und das auch nur, weil für die Karaokeanlage ein Tisch weggeräumt werden musste. Zusätzlich wurde ein kleiner Bereich davor freigehalten. Wie es hieß, ein „Sicherheitsabstand nach behördlichen Vorgaben“, theoretischer Sicherheitsabstand zumindest. Für wen und warum waren dabei Fragen, die man lieber nicht stellte.

Die Stimmung um uns herum war durchaus ausgelassen. Während ich mich weiter umschaute, konnte ich vereinzelt erkennen, wie jemand dazu überredet wurde heute Abend zu singen. Oder es wurde sich gegenseitig dazu aufgestachelt.

Es versprach wieder ein lustiger Abend im Pub zu werden. Natürlich, vorausgesetzt, ich konnte darüber hinwegsehen, dass ich lieber an einem anderen Ort gewesen wäre, ernsthaft.
 

Wie schon erwähnt wollte ich ernsthaft studieren. Und nicht meinen Abschluss unnötig verzögern oder gefährden. Feiern zu gehen statt zu lernen war definitiv unnötig. Zumindest kurz vor einer Prüfung. Aber das hatte ich bestimmt ebenfalls schon erwähnt?

Außerdem war es mir manchmal noch unangenehm mit meinem Ex-Freund feiern zu gehen. Nein, damit war nicht Harry gemeint. Mein anderer, eigentlich ebenso bester, Freund Ron war doch heute auch dabei. Und ER war damit gemeint. Momentan war unsere Beziehung noch etwas, nun, angespannt, trifft es wohl am ehesten.

Wir waren im letzten Jahr an der Schule ein Paar geworden. Unsere Schulkameraden hatten darauf schon lange spekuliert, beziehungsweise hatte es mindestens eine ernsthafte Wette gegeben, von der ich wusste. Wahrscheinlich hatten sie die Funken zwischen uns beiden früher gesehen als wir selbst.

Diese Funken zwischen uns konnten sehr heftig sein. Manchmal waren wir beide leidenschaftliche Hitzköpfe, wie Harry einmal feststellte. Und so hatten wir uns im ersten Semester an der Uni wieder getrennt, nach einem heftigen Streit. Seitdem war unser Umgang entsprechend mit unausgesprochenen Schuldgefühlen belastet. Zumindest sah ich es so. Ron meinte, wir hätten nur die Wahrheit gesagt und es gäbe nichts zu entschuldigen. Vielleicht hat er sich deswegen so schnell von Harry neu verkuppeln lassen. Aber darüber wollte ich nicht zu sehr nachdenken. Immerhin sprachen wir Beide wieder miteinander. Jedoch hatten wir nach der Trennung nicht mehr allzu viel gemein, obwohl wir doch vor unserer Beziehung fast unzertrennlich gewesen waren.

Nun, über seine neue Freundin wollte ich nichts hören, das Schmachten konnte er sich gerne für Harry aufheben oder ganz zu Hause lassen. Mir tat es durchaus noch weh sein verliebtes Grinsen zu sehen, was früher mir gegolten hatte. Es brachte schlicht die Erinnerung zurück, wie ich ihn deswegen immer geneckt hatte.

Obwohl wir alle drei von der selben Uni genommen worden waren, hatten wir unterschiedliche Studienfächer gewählt. Die Beiden interessierten sich in etwa für das Gleiche. Daraus folgte, dass bei Harry und Ron einige Kurse zusammen fielen, die sie gemeinsam hatten. Ich allerdings brauchte mittlerweile keinen der Basiskurse mehr, weswegen wir uns auf dem Campus höchstens noch zufällig begegneten. Entsprechend ergaben sich dann auch kaum Gesprächsthemen übers Studium.

Am meisten schwelgten wir wohl zu dritt in Erinnerungen an die Schulzeit. Oder zogen so wie heute durch Pubs und diskutierten über Bier und andere belanglose Themen. Aber gerade war mir gar nicht danach. Hatte ich das schon erwähnt? Die Bierdiskussion interessierte mich nicht. Mein Glas stand kaum angetastet vor mir. Die dünne Schaumkrone löste sich unbeachtet beständig weiter auf. Der Punkt an dem mein Bier schal schmecken würde rückte unaufhaltsam näher und es kümmerte mich nicht. Ich ließ meinen Blick weiter durch den Raum schweifen.



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