01 - Die Schlacht vor 16 Jahren
Die schweren Hangartore fuhren auf und die Sirenen schrillten. Soldaten und Offiziere hasteten zu ihren Posten, während die Lautsprecherdurchsagen unablässig wiederholten, dass es sich nicht um eine Übung handle und das Königreich Jarr angegriffen wurde. Die Kampfjetpiloten der Air Base 1 des Kavallerie-Oberkommandos, die zurzeit für Übungsmanöver auf Jarr stationiert waren, rannten zu ihren Maschinen und sprangen hinein. Captain Shinjiro Hikari, der bereits in seinem Jet saß, bekam alle erforderlichen Informationen mitgeteilt. Er schickte die wichtigsten Koordinaten zu seinen Männern.
Als er seinen Helm aufsetzte, funkte er: „Take-off, und zwar mit Vollschub!“ General Campbell meldete gleichzeitig sein Eintreffen im Orbit an und berichtete von mehreren feindlichen, ihm unbekannten Schiffen und Gleitern. Captain Hikaris Air Base flog in Pfeilformation. Er teilte seine Männer auf, als immer mehr feindliche Raumschiffe im Orbit von Jarr auftauchten. Ungläubig blickte der 26-jährige japanische Captain auf den kleinen Ortungsschirm in seinem Jet, auf dem immer mehr feindliche Schiffe rot dargestellt wurden. „Na sehr schön!“, sprach er zu sich. „Das ist alles eine grünrote Suppe da draußen!“ Er gab die Anweisung des Ausschwärmens. „Keine Solonummern! Jeder mit seinem Wingman!“, mahnte er und erteilte auch schon die Feuerfreigabe, als er das Aufgebot der feindlichen Schiffe sah. Über Funk erreichte ihn die Meldung, dass König Jarred soeben mit der Royal Monarch Prime gestartet sei. Er drückte seinen Schubregler durch.
Auf Yuma im Kavallerie-Oberkommando schrillten die Sirenen, auf dem riesigen Militärkomplex. Die Einheiten machten sich einsatzbereit, während im Hauptquartier alle in heller Aufregung waren. Offiziere, Soldaten und Generäle liefen durch die weiten Gänge des Oberkommandos. Die Nachricht, dass das Königreich Jarr angegriffen wurde, verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Kommander Major Danwens, der Befehlshaber des Oberkommandos, machte die gesamte siebte Kavallerie startklar. Die ersten Schiffe hoben bereits Richtung Jarr ab. Danwens und weitere Hochrangige versammelten sich in der Einsatzzentrale, in der bereits Funker, Analytiker, Navigatoren und Strategen dabei waren, sich einen ersten Überblick der gemeldeten Ereignisse zu verschaffen. Der große Rasterortungsschirm blinkte und übertrug das Geschehen vor Jarr in Echtzeit. Der riesige Monitor an der Wand empfing die ersten Live-Bilder der Beobachtungsschiffe und Satelliten, die das Geschehen für spätere Analysen aufnahmen. Die vielen Funksprüche der beteiligten Schiffe tönten durch den Raum.
Major Charles Eagle und Captain Frances hatten das Kommando im All. Sie waren bereits mit Vollschub Richtung Jarr unterwegs. Major Eagle verfolgte wie gebannt die Aufnahmen an Bord seines Schiffes. So etwas hatte er noch nie erlebt. Der Rasterortungsschirm zeigte viele kleine, schnelle und sehr wendige Gleiter an, die die Jets und Kampfschiffe des Königreichs unter Dauerfeuer durch das All jagten. Sie wiesen ohne Zweifel eine hohe Technologie auf. Die Analytiker des Oberkommandos verpassten diesen Gleitern den Namen “Hyperjumper”. Die Air Base flog mehrere Taktiken und Formationen. Eagle wandte seinen Blick vom Monitor ab: „Sollte Hikari wirklich recht gehabt haben?“, fragte er sich.
König Jarred erreichte mit seinem Flaggschiff das Zentrum der Schlacht. Captain Hikari befand sich mit seinem Wingman Michael Lorenz oberhalb des Kampfgeschehens, um sich einen Überblick zu verschaffen. Das stellte sich jedoch als nahezu unmöglich heraus. Sie kämpften sich von einem Punkt zum anderen, nur um festzustellen, dass sich die feindlichen Schiffe zwar abschießen ließen, jedoch immer wieder erneuerten. So schien es zumindest. Sie zogen weiter nach oben. Captain Hikari hatte dabei immer einen Blick auf seine Männer. Ein Schlachtschiff der Fremden nahm sie ins Kreuzfeuer, in dem Moment, als sie das Gebiet rund um die feindlichen Schiffe abscannen wollten. „Die sind ja wie Kletten!“, funkte Lorenz, ein 26-jähriger Deutscher. Hikari nickte, „Kletten“ war das richtige Wort für diese Jumper. Er wies seine Männer an, sich zu sammeln, um mehrere frontale Angriffe zu starten. „Ich gehe hoch, du bleibst neben mir bei 45 Grad, so müssten wir eine Chance haben, das Gebiet auszumachen.“
Lorenz änderte seinen Kurs minimal und passte darauf seinen Schub den des Captains an. „Aye, Aye!“, bestätigte er die Anweisung. „Jetzt abdrängen. Die Hyperjumper müssen weg vom Planeten Jarr! Es dürfen keine feindlichen Truppen oder Geschütze in den Orbit gelangen!“, wies er an und sah, dass die Frontalangriffe ihre Wirkung zeigten. Die Jets schwärmten nach Anweisung aus und versuchten unter Feuerschutz von König Jarred diese Taktik auszuführen. Lorenz wandte sich an Hikari. „Ich habe einen Scan!“, meldete er und schickte diesen sofort auf alle umliegenden Schiffe und ins Hauptquartier. Auf Yuma begann man sofort damit, die gesammelten Daten zu analysieren, um die Schwachstelle des noch unbekannten Feindes ausfindig zu machen. Ein Kampfschiff der Fremden sonderte darauf mehrere Jumper ab, die Lorenz durch das All jagten. „Ich kann mich nicht mehr lange halten” Ein ganzes Schwadron ist hinter mir!“, funkte der Deutsche. Captain Hikari hatte das Vorgehen der Jumper beobachtet. „Bleib ruhig und steige auf 20 Grad. Sag mir, wohin du möchtest, nach links, oder rechts?“ – Lorenz verstand welche Formation Shinjiro durchführen wollte und antwortete gut hörbar: „Links, links, links!“ Er brachte sich in position. Die Jumper folgten ihm! Hikari wies durch den allgemeinen Kanal die umliegenden Schiffe an: „Abdrehen, auf 30 Grad, es kracht gleich!“ Campbells Schiff und die Royal Prime setzten den angewiesenen Kurs. Captain Hikari feuerte inmitten eines Geschwader der Hyperjumper, wodurch diese auf ihn aufmerksam wurden. Hikari nahm darauf Kurs Richtung Lorenz, der schon im Anflug mit seinen Anhängseln war. „Das wird rumsen! Sofort danach nach oben, konstant durchziehen!“ Lorenz drückte nach dem Gehörten seinen Schub voll durch: „Verstanden!“ – „GO!“ Die beiden Jets flogen mit Höchstgeschwindigkeit auf Kollisionskurs aufeinander zu, das „TICase“ der beiden Jets ließ ein schrilles Warnsignal ertönen. Lorenz sah von seinen Warnleuchten auf, Shinjiro näherte sich, gefolgt von einigen Hyperjumpern, die ihm im Nacken saßen. Er umfasste einen Schubregler fest, um bereit zu sein, diesen in wenigen Millisekunden mit voller Kraft nach oben zu ziehen. Hikari sah Lorenz Jet auf sich zukommen. Auch er hatte seinen Regler fest im Griff.
„Was haben die vor? Das ist Wahnsinn!“, brüllte ein Generalmajor aufgeregt auf Yuma und zeigte dabei entsetzt auf den Monitor. Das Manöver der beiden Captains blieb dort nicht unbemerkt. Wie gebannt starrten alle auf den Ortungsschirm vor sich. Major Danwens sah zum Monitor, um das Geschehen zu verfolgen.
„Links!“ – „Rechts!“, riefen Lorenz und Hikari sich zu, bevor sie frontal miteinander kollidierten und drehten ihre Jets in die vorher abgesprochene Richtung. Die Hyperjumper hinter ihnen hatten keine Chance, zu reagieren. Sie prallten frontal aufeinander. Die darauf folgenden Explosionen beschädigten ein Kampfschiff der Fremden schwer. Es explodierte. Jarred hielt die Luft an und sah wie gebannt nach draußen, ob er die beiden Jets ausmachen konnte. Durch die mehrere Meter hohen Explosionen konnte er nichts sehen. „Los kommt schon!“, murmelte er angespannt vor sich. Einige Augenblicke später tauchten die beiden auf. König Jarred atmete erleichtert aus und gab daraufhin den Befehl, sich jetzt um die feindlichen Schiffe zu kümmern. Die Jets hatten die Jumper im Griff!
„Ja, wahnsinnig gut!“, kommentierte Kommander Major Danwens auf Yuma das waghalsige, aber effektive Manöver der beiden First Class Piloten. Analytiker und Strategen saßen an den Computern und tippten auf ihre Tastaturen. Sie verglichen alle ihnen bekannten Daten, nur um daraufhin alles gleich wieder frustriert verwerfen zu müssen. Sie konnten einfach keine bekannte Kennung an den Schiffen der Angreifer ausmachen. Diese Erkenntnis war bitter und nahezu unglaublich! Es müssen Angreifer nicht menschlicher Herkunft sein! Mit welcher Macht haben Sie es hier zu tun? Der Scan von Lorenz brachte eine eindeutige Erkenntnis zutage: Die wissenschaftlichen Analytiker aus Pectos, Alamo und Yuma mussten zugeben, was die Daten hergaben. Ein Offizier trat an Major Danwens heran und überreichte ihm die Nachricht. Der alte Major las sie sich mehrmals durch und schaute wie in Zeitlupe zum Rasterortungsschirm. Er beobachtete die Punkte, die wie aus dem Nichts erschienen. Er trat näher heran und sprach ernst: „Wer ist das?“ Die anderen Hochrangigen Offiziere um ihn herum sahen den Major an.
Hikari und Lorenz wurden ganz schön durchgeschüttelt und hatten Mühe, ihren Kurs zu halten, teilweise flogen sie ohne Sicht. „Hätte ich mal lieber BWL studiert!“, funkte Lorenz, nachdem er seinen Jet in eine etwas angenehmere Position gebracht hatte. Hikari konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen und orderte gleich darauf seine Männer an, sich zu sammeln. Wie aus dem Nichts bildete sich neben einem Kampfschiff der Fremden eine blitzartige Energie, die sich aus sich selbst speiste. Sekunden lang war es sehr hell. Aus dieser Energie manifestierte sich ein riesiges Mutterschiff, das eine große gläserne Kuppel auf dem Dach hatte. Das Schiff gab immer wieder kleinere Blitze ab. „Wer ist das? … ET?“, fragte Lorenz, der seine Sprachlosigkeit irgendwie in Worte zu fassen versuchte. Jarred starrte mit weiteren Offizieren dieses riesige Schiff an. Sie konnten nicht fassen, was da draußen gerade vor ihren Augen geschehen war!
General Campbell musste mit seinem Schiff abdrehen, bevor sie mit dem plötzlich aufgetauchten Schiff kollidierten. Dieses war geballte Energie und gab diese an die umliegenden Schiffe ab. Alle Messsysteme auf Campbells Schiff schrillten auf. „Los, wir müssen hier weg!“, wies er seine Männer etwas lauter an. Das Schiff glitt mit Vollschub seitwärts ab. General Campbell nutzte vorausschauend die Nähe, um es abscannen zu lassen und schickte alle Daten nach Yuma und Alamo.
Fünf Jets der Air Base konnten gerade noch ausweichen, als sich die Energie um das feindliche Schiff sammelte. Hikari und Lorenz drehten sofort ab, um den fünf Kameraden einen sicheren Abzug zu gewährleisten. In diesem Moment gingen hunderte Laser wie ein Flak auf sie nieder. Hikari rief den fünf Jets zu: „Zieht hoch, haut ab da!“ Dann flog er in dessen Richtung, um ihnen Feuerschutz zu geben. Von der anderen Seite tat es Lorenz dem Captain gleich. Die Jets flogen in den Korridor, den Lorenz und Hikari für sie errichtet hatten. Das Flakfeuer bündelte sich und kam in geballter Ladung auf sie zu. Zwei Jets schafften es in den Schutzkorridor , die anderen beiden wurden innerhalb von Millisekunden getroffen und explodierten sofort. Hikari sah, dass der dritte Jet, der sich unterhalb der beiden Abgeschossenen befand, von den Trümmern mitgerissen wurde. „Was-“ kam es fassungslos von Captain Hikari. Er hatte gerade drei seiner Männer verloren. Lorenz brüllte vor Entsetzen in den Funk: „Verdammt! Verdammt! Verdammte Scheiße!“ Hikari atmete tief ein. Es musste weitergehen und funkte zu seinen Männern: „Abdrehen! Alle!“, um diesen den weiteren Anblick zu ersparen.
Es war, als ob die Zeit einen Moment stillstand.
Jarred hatte das Geschehen beobachtet und blickte vor sich auf die Rasterortung. Drei grüne Punkte schimmerten grün-gelb auf, bevor sie für immer erloschen. Es blieb keine Zeit für Trauer. Es musste weiter gehen, sonst würde es allen wie diesen drei tapferen Männern ergehen. Die ersten menschlichen Opfer dieses Krieges.
Auf Yuma war man geschockt. Gedrückte Stimmung breitete sich über dieses Ereignis aus. Zwei abgeschossene Jets, der dritte hatte keine Chance, als er von seinen getroffenen Kameraden mitgerissen wurde. Major Danwens bekam einige Minuten später die Namen der Männer mitgeteilt, die ihr Leben im Kampf gelassen hatten. „Besorgt mehrere Seelsorger. Die Familien müssen benachrichtigt werden!“, sprach er bedrückt und ruhig. Der Offizier nickte und tat, was ihm gesagt wurde. Danwens wurde klar, es würde nicht bei den dreien bleiben. Sie hatten es hier mit einer Übermacht zu tun. Er schüttelte trauernd mit seinem Kopf.
Auf Jarr konnte man die Weltraumschlacht durch Lichtblitze am Himmel wahrnehmen. Im Offizierskasino des Militärraumhafens verfolgten einsatzbereite Bodentruppen und Einsatzkräfte das Geschehen im Orbit. Einige weinten um die gefallenen Kameraden. Einer sprach aus, was noch niemand so richtig wahrhaben wollte: „Jetzt, sind wir im Krieg!“ Es wurde ruhig, nachdem dieser Satz gefallen war. Jeder hing seinen Gedanken nach, während man im Hintergrund die Funksprüche ihrer tapferen Kollegen, Kameraden und Freunde hörte, die da oben inmitten dieser Hölle kämpften und versuchten, eine große Katastrophe abzuwehren.
Hikari und Lorenz sammelten sich bei ihren Männern. König Jarred und die Kampfschiffe des Königreiches feuerten aus allen Rohren. Jarred betrachtete fassungslos das gigantische Mutterschiff in Nahaufnahme, das plötzlich wie aus dem Nichts dagewesen war. „Wie kann das nur möglich sein?“, ging es ihm durch den Kopf. Das riesige Schiff der Invasoren brachte sich in Stellung und es strömten weitere Hyperjumper aus diesem aus. Die Jets von Captain Hikari flogen in drei Reihen über das Geschehen. Sie wurden von diesen Jumpern von allen Seiten angegriffen. Captain Hikari, Lorenz und weitere Jets stießen nach unten durch, sodass die Jets, die sich hinter ihnen befanden, das Feuer eröffnen konnten. Die Feinde waren überrascht von dieser Strategie, die sie nicht kannten. Eine Linie nach der anderen brach immer weiter durch die feindliche Stellung. Die Air Base hatte Hunderte Male diese Kampfformation in Manövern trainiert. Heute, hier und jetzt hat es ihnen ermöglicht, die Stellung der Angreifer, die jetzt orientierungslos flogen, zu durchbrechen. „Diese Himmelhunde!“, kam es von Jarred anerkennend für diese Aktion. Einige Jets wurden von diesen Hyperjumpern abgedrängt und getrennt, Hikari erkannte diese Taktik der Feinde und rief seinen Männern ernst zu: „Was macht ihr? Zusammenbleiben! Jeder mit seinem Wingman, lasst euch nicht auseinandertreiben!“ Die drei Jets, die keinen Wingman mehr hatten, blieben zusammen und schlossen sich den beiden Captains an, um ihnen Feuerschutz zu geben, die sich dem Mutterschiff nährten, um es auszukundschaften.
General Campbell entfernte sich von dem Mutterschiff. Er hatte genug Daten gesammelt und allen Beteiligten geschickt. Nun befahl er seiner Besatzung den Rückzug, um gleich darauf Stellung zu beziehen, um den Jets unter die Flügel zu greifen. Sein Schiff hatte auch ein Flak zur Verfügung. Die Jets, die um das Mutterschiff kreisten, waren dabei, Hyperjumper zu jagen. Dabei erledigten sie einen Jumper nach dem anderen und sammelten sich für einen weiteren frontalen Angriff, um die nächste Verteidigungslinie zu durchbrechen.
General Campbell war in Position. Er gab den Jets, die auf der Höhe des Mutterschiffs waren und sich somit in seiner Schusslinie befanden, den Befehl, sich zurückzuziehen. Er würde jetzt sein Flak auf das riesige Kampfschiff eröffnen. Als er den letzten Satz seiner Anweisung gesprochen hatte, eröffnete das Mutterschiff das Feuer auf Campbells Schiff. Die Laserstrahlen trafen unerbittlich. An Bord von General Campbell gab es mehrere Explosionen und es brach auseinander, bevor es explodierte. Ein weiterer Jet wurde von Trümmerteilen mitgerissen. Die Antwort darauf war ein Dauerfeuer der Schiffe von König Jarred. Sie feuerten aus allen Rohren. Die Jets mussten sich in Sicherheit bringen. Hikari brüllte durch den Funkkanal: „Seid ihr verrückt! Wir waren noch nicht draußen! Friendly fire ist das letzte, was wir hier brauchen können!“ Geschockt von den Geschehnissen feuerten die Jets jetzt mit vereinter Stärke auf ein kleines Kampfschiff der Feinde, bis es letztendlich explodierte. Gleich darauf steuerten sie auf das nächste Schiff zu.
Auf Yuma musste man mit ansehen, wie das Schiff von General Campbell in mehrere Teile auseinanderbrach. Dabei wurde ein weiterer Jet von den Trümmern erfasst und mitgerissen. Danwens starrte auf das Bild und die erloschenen Punkte vor sich. „50 Mann Besatzung!“, sprach er fassungslos vor sich und musste sich setzen. Ihm wurde klar, Hikari hatte mit seiner Vermutung recht gehabt! Hätten sie seine Strategie verfolgt, wären jetzt alle verfügbaren Schiffe und Truppen vor Ort gewesen. Man hätte wenigstens eine einsatzfähige Kavallerie gehabt, mit dauerhaftem Truppen-Nachschub aus Jarr, Alamo und Pectos. Alles Planeten, die sich im unmittelbaren Umkreis befanden. „Allmächtiger, steh uns bei!“, sagte er und schloss seine Augen.
Die Analytiker, die die Daten von Campbell auswerteten, welche er noch gesammelt hatte, stellten fest, dass dieses riesige Mutterschiff geballte Energie war. Es schien die Hauptquelle der vereinzelten Anomalien zu sein, welche sie seit Monaten beobachteten. Ihre Erkenntnisse teilten sie Major Danwens mit. Danwens atmete tief ein und aus. „Wie kann das möglich sein?“, ging es ihm durch den Kopf. „Ja, Sir, aus einer anderen Dimension“, beendete ein Wissenschaftler seine Erklärungen.
Major Eagle, der mit der siebten Kavallerie unter Vollschub Richtung Jarr unterwegs war, war ebenfalls über die letzten Ereignisse vor Jarr geschockt. Sein Schiff befand sich unmittelbar vor Alamo, als ihn die Nachricht erreichte, sich nicht in das Kampfgeschehen einzumischen und den neutralen Raum zwischen Alamo und Jarr nicht zu verlassen. “Von wem kommt diese Anweisung?”, fragte Eagle aufgebracht, als er eilig zum Hypercom lief.
Captain Hikari und Lorenz flogen versetzt über das Mutterschiff, Hikari ging, ohne es seinem Wingman Lorenz mitzuteilen, in den Sinkflug, Lorenz sah es und fragte nervös: „Was hast du vor?“ Hikari drehte eine Schleife und schaffte es, über die gläserne Kuppel zu fliegen und schnell wieder abzudrehen. Sofort eröffnete das feindliche Schiff das Feuer auf ihn und letztendlich auch auf Lorenz. „Da ist das Nest!“, funkte er. „Ach, was du nicht sagst!“, kam es darauf von Lorenz. Hikari setzte sich hinter seinen Wingman und sie kümmerten sich gemeinsam um die Hyperjumper.
Die Messgeräte schlugen aus, als die Sensordaten von Hikaris Jet eintrafen. „Das ist es!“, rief ein Wissenschaftler, der die Flugbahn von Captain Hikari zurückverfolgt hatte, um die Energiequelle genau zu lokalisieren. „Major, wir haben da was!“ Danwens sah sich die Daten an, mit denen er erst einmal gar nichts anfangen konnte. Der junge Wissenschaftler erklärte es ihm: „Das ist deren Hauptenergiequelle. Sie befindet sich genau in dieser Kuppel. Sollten wir eine Chance haben, sie zu beschädigen oder gar zu zerstören, sollte der Kampf ein Ende haben … na ja, erst einmal.“ sagte er schnell und aufgeregt. Major Danwens nickte und ließ die Nachricht an alle Schiffe schicken.
König Jarred erreichte diese Mitteilung aus Yuma und funkte darauf sofort Major Eagle an. Er wollte wissen, wie lange dieser noch benötigte, denn sie brauchten hier dringend gebündelte Energie! Dabei schaute er auf die Uhr. 14 Uhr 30. Captain Hikari, der diese neue Erkenntnis erhalten hatte, dachte nach, als er das Geschehen beobachtete. Die Schlacht lief bereits seit knapp zwei Stunden. Lange, würden sie dem nicht mehr standhalten. „Gebündelte Energie, also?“, funkte er zu Jarred: „Was habt ihr noch aufzufahren, eure Hoheit?“ Der König ließ sich alle verfügbaren Laser- und Waffenstände geben. Es war niederschmetternd. Er teilte dem Captain, der auch sein bester Freund war, den aktuellen Stand mit: „So gut wie nichts mehr. Mit allem zusammen können wir noch etwa 30 Minuten die Stellung halten.“
Die Jets hatten es geschafft, dass die Hyperjumper ihr Hauptangriffsgebiet verlagert hatten. So waren die Feinde weit genug von Jarr entfernt. Es entstand ein Korridor, in dem die Jumper der Outrider von Abfangjägern eingekreist wurden und somit in ein abgelegenes Kampfgebiet gelotst wurden.
„Nein, so lange hält die Stellung, wie sie jetzt ist, nicht. Ich gebe dieser Strategie höchstens fünf Minuten und euch acht!“, kam es von Hikari zurück. Jarred kommentierte es mit einem wissentlichen Brummen. Er verließ sich auf die Aussagen seines Freundes. Hikari kannte alle gängigen Kriegsstrategien, er konnte sie kombinieren und für sich setzen, wie er sie gerade benötigte. Er wusste damit auch, wie lange der Feind brauchte, um eine Taktik wie diese zu durchschauen. Hikari und Lorenz kreisten mehrmals über die Kuppel, Lorenz wurde langsam nervös und fragte etwas genervt: „Ok, wir fliegen im Kreis und was kreist dir im Kopf herum?“
Sie wurden entdeckt, was nicht überraschend war. Flak richtete sich auf sie. Sie stiegen in einem rasanten Tempo und teilten sich. Hikari antwortete: „Ja, so wie es ausschaut und es würde sogar noch Sinn ergeben.“ Lorenz, der sich noch im Looping befand, sagte: „Sinn, hier macht schon lange gar nichts mehr Sinn! Also beschießen wir die Kuppel?“ Hikari, der sich die Stellungen seiner Männer ansah und das Kampfgeschehen der Schiffe beobachtete, antwortete Lorenz: „Wir haben zu wenig Feuerkraft, wir müssen sie hinhalten, bis die Verstärkung da ist.“ Jarred mischte sich in das Gespräch: „Yuma benötigt noch mindestens 15 Minuten.“ Hikari schlug wütend und fest mit einem Arm gegen sein Verdeck. Als er die Zeitangabe von Jarred hörte. Und drehte erst einmal ab und flog unterhalb durch das Gebiet des feindlichen Mutterschiffes, welches oberhalb immer noch die anderen Schiffe unter Beschuss hatte. Er kreiste einige Male und veränderte dabei immer wieder seine Höhe. Jarred war etwas irritiert über diese Aktion. „Captain Hikari, was soll das werden?“, fragte er nach. Hikari antwortete Jarred, über einen neuen offenen, nicht verschlüsselten Hypercomkanal: „Hab da was!“ Jarred wurde leicht sauer. Konnte sein Freund nicht mehr in ganzen Sätzen sprechen? Aber funkte ebenfalls über diesen Kanal zurück: „Was haben Sie?“ Jarred wollte es genau wissen.
Auch auf Yuma sah man sich irritiert an. Man wurde aus dem Funkspruch und der Aktion des Captains nicht schlau. Major Danwens beobachtete Hikaris Punkt auf dem Rasterortungsschirm. Immer wieder flog der unterhalb des feindlichen Schiffes. Dabei funkte er in regelmäßigen Abständen Nachrichten, dass er Informationen über die Schwachstellen des Schiffes hätte und diese jetzt schicken würde. Aber nichts kam. Weder Daten noch Bildmaterial. Danwens wusste, dass Hikari nichts ohne Grund tat. Schon gar nicht in solch einer Situation! Also gab er Anweisung, den angeblichen Dateneingang zu bestätigen. Der Funker sah den Major fragend an. Danwens wurde lauter: „Na los, machen Sie schon!“ Erschrocken sah der Funker auf und nickte: „Ja, Sir!“, und bestätigte den Eingang von Daten.
Lorenz flog eine Schleife. Die Fremden hatten Lunte gerochen. Ihre Stellung würde jeden Moment zusammenbrechen. Und er verstand absolut nicht, was sein Captain da gerade trieb. Er kommandierte sich vier Jets ab, um dem Captain eventuell Feuer- und Abfangschutz zu geben. Captain Hikari beobachtete die Fremden. „Mann, besonders schnell sind sie nicht im Denken!“, sprach er ungeduldig zu sich. Wenige Sekunden später eröffnete das Mutterschiff das Feuer auf ihn. Lorenz und die Begleitjets konnten gerade noch reagieren, Hikari zog steil nach oben und rief erschrocken in den Kanal zu Lorenz: „Was macht ihr hier? Verschwindet! Sofort!“ Jarred stürmte von seinem Kommandostand auf das große Panoramafenster zu und befahl während des Laufens: „Feuerschutz für Captain Hikari!“ Shinjiro befand sich immer noch im Steigflug und musste nun in diesem abdrehen, um der geballten Laserenergie zu entkommen. Lorenz schrie während seines Manövers seinen Captain an: „Was soll das?“ In diesem Moment ließen die Hyperjumper von Lorenz und den anderen vier Männern ab. Nun jagten sie den Captain durch das All. Lorenz war irritiert. „Scheiße Mann! Was ist hier los?“ kam es aufgebracht von ihm. Er sah, wie Shinjiro weiter nach vorn in die entgegengesetzte Richtung durchbrach. „Warum stürzten sich die Jumper jetzt geballt auf Hikari?“, fragte er sich. „Raus hier! – Und rein da!“ Befahl Lorenz und drehte Richtung seines Captains ab. Er und seine Männer schossen auf die Hyperjumper, die den Captain jagten. Major Eagle verfolgte diese Aktion. Es kam ihm so vor, als ob Hikari genau das provoziert hatte. Er sah auf seine Uhr für den Logbucheintrag, 14 Uhr 36!
Jarred funkte immer verzweifelter zu seinem Freund, dessen Dienstgrad ihm gar nicht mehr über die Lippen kam. Zum Schluss brüllte er nur noch. Er wusste nicht, wie er ihn noch aufhalten konnte, seine Stimme war bereits heiser vom Rufen, doch er funkte weiter, als könnte er die drohende Katastrophe mit bloßen Worten abwenden: „Shinjiro, dreh ab! Hörst du? Das ist Wahnsinn!“ Verzweiflung brach hörbar in seinen Worten durch. „Verdammt, tu das nicht!“ Jarred ahnte, was Hikari vorhatte. Am liebsten wäre er durch das dicke Fenster gesprungen, gegen das er mit voller Kraft mit seiner flachen Hand schlug. Doch das Fenster blieb unbeeindruckt, so wie der Lauf der Ereignisse. Die Augen des Königs brannten, während er das unaufhaltsame Vorwärtsdrängen des Jets verfolgte. Jarred wusste, was Shinjiro vorhatte, und die schreckliche Erkenntnis schnürte ihm die Kehle zu. Hikari würde das feindliche Mutterschiff rammen, ohne Rücksicht auf sein eigenes Leben. Jarreds erster Offizier trat neben dem König und beobachtete, was sich vor aller Augen abspielte. „Nein… Nein, das darf nicht sein…“ flüsterte Jarred, seine Faust zitterte auf dem kalten Glas. Jarred rührte sich nicht, seine Augen blieben auf das kleine Licht von Shinjiros Jet fixiert, das sich immer schneller dem Ungetüm näherte.
Auf Yuma trat man näher an den Ortungsschirm heran. Der erfahrene Major fixierte Hikaris Kennung auf dem Schirm, und zoomte sie heran, bis die Kennung von Hikari klar und deutlich erschien. Ein kleines, einsames Signal, das sich stetig in Richtung des massiven Outriderschiffs bewegte. Die Kennung des Feindes füllte fast den gesamten Schirm aus – ein Gigant, der alles in seinem Schatten verschluckte. Der Major atmete tief ein. Langsam ließ er seinen Blick zwischen den beiden Punkten auf dem Schirm wandern, als wolle er die unsichtbare Linie zwischen ihnen sichtbar machen. Es war ein Kurs ohne Umkehr. Jeder hier im Raum konnte es sehen.
„Er wird es tun,“ murmelte der Major, seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, und doch so schwer wie Blei. Seine Kiefermuskeln spannten sich, während seine Augen die Anzeigen fixierten, kurz bevor die beiden Punkte aufeinander trafen, schloss er wissentlich seine Augen und ließ die Welt für einen Moment in Dunkelheit versinken. Hinter ihm wagte niemand, auch nur ein Wort zu sagen. Nur das leise Summen der Monitore und das entfernte Klappern von Tastaturen waren die einzigen Geräusche, die die Kommandozentrale auf Yuma erfüllten.
Plötzlich begann das gigantische Outriderschiff, sich zu verändern. Die ohnehin bedrohlich zuckenden Blitze entlang seiner Oberfläche wurden intensiver, schossen in chaotischen Mustern hervor und begannen, sich in einem unheimlichen Gleichklang zu bündeln. Sie formten einen rotierenden, leuchtenden Tunnel, der alles in sich hinein zog, was sich in dessen Nähe befand.
Mit unerschütterlicher Präzision steuerte Captain Hikari sein Schiff direkt in den gleißenden Abgrund. Die gläserne Kuppel des Mutterschiffs schien förmlich zu pulsieren. Doch das Erstaunlichste war: Alles um das feindliche Schiff begann, die bekannten Gesetze der Physik zu ignorieren. Zeit und Raum schienen sich zu verzerren. Das gesamte Schiff der Outrider erstrahlte in einem beißenden weißen Licht, das selbst die Filter des Panoramafensters kaum dämpfen konnten. Jarred und seine Crew mussten sich die Augen zukneifen, während sie wie gebannt weiter alles beobachteten. Jeder Sensor, jede Messung schlug in wilden Ausschlägen aus. Zahlen und Daten flackerten über die Bildschirme, bevor sie gänzlich erloschen. „Unmöglich…“ flüsterte der erste Offizier: „Die Energie… sie ist nicht mehr messbar.“ Auf der Brücke spürte man die Vibrationen des feindlichen Schiffs. Alles Licht konzentrierte sich in einem einzigen Punkt, direkt dort, wo Hikari hinein steuerte. “Zurücksetzen!”, befahl der erste Offizier. „Was passiert da gerade?“ fragte jemand im Hintergrund, dessen Stimme voller Schrecken und Ehrfurcht war. Doch eine Antwort darauf hatte niemand. Jarred war von dem Anblick wie gelämt.
Captain Lorenz Augen waren starr auf seine Anzeigen gerichtet, die unmissverständlich zeigten, dass die Situation dabei war, außer Kontrolle zu geraten. „Alle Piloten, der Air Base 1 Rückzug, sofort!“ befahl er mit schneidender Stimme, die den Funk durchdrang. „Verlasst den Bereich! Egal, was das ist – wenn es zur Explosion kommt, wird hier nichts mehr übrig bleiben.“ war sich der deutsche sicher! Die Piloten bestätigten widerstrebend, ihre Stimmen waren von den Ereignissen gezeichnet. Niemand wollte die Front und ihren Captain verlassen, doch sie alle erkannten die Notwendigkeit. Lorenz beobachtete, wie auch die umliegenden Kampfschiffe langsam zurücksetzten. Auch Lorenz konnte den Jet von Shinjiro nicht aus den Augen lassen, obwohl jeder Instinkt in ihm schrie, wegzusehen. Er wusste genau, was Shinjiro vorhatte. Als erfahrener Kampfpilot brauchte er keine weiteren Erklärungen. Die Feinde hatten ihre Verteidigungslinie durchbrochen, und die Zeit lief gnadenlos gegen sie. Die Anzeigen auf seinem Schirm zeigten die fatale Wahrheit: Ihre verbliebenen Kampfschiffe verloren rasch an Kampfstärke. Es war nur noch eine Frage von Minuten, bevor der Feind ungehindert auf Jarr zusteuern konnte. Lorenz biss seine Zähne fest zusammen, ein einzelner Gedanke nagte in seinem Kopf. “Wenn Jarr fällt, fällt das gesamte Grenzland. Und das wussten verblüffenderweise auch die Feinde.“ – „Verdammte Scheiße!“ brach es schließlich aus ihm heraus, seine Stimme war eine Mischung aus Wut und Verzweiflung. Sein Blick blieb auf Shinjiros Jet fixiert, selbst als dieser direkt in den blitzenden Tunnel des feindlichen Mutterschiffs verschwand. Für einen Moment schien die Zeit stillzustehen. Lorenz hörte nur noch seinen Atem, alles um ihn herum so schien es hatte aufgehört zu existieren.
Biss … Ein stummer greller Lichtblitz, der das gesamte All hell aufleuchten ließ, die Anzeigen in den Jets und den umliegenden Schiffen übersteuerten, und das Mutterschiff wurde zu einem gigantischen Feuerball. Die Wucht der Explosion ließ die gesamte Brücke auf Jarreds Schiff erzittern, und Lorenz spürte den Schlag in seinem jet wie eine Faust in der Magengrube. Instinktiv zog er seinen Schubregler nach vorn und drehte ab, bevor ihm der Zog erfassen konnte.
Im Inneren des Tunnels war Shinjiro von einem Chaos aus grellem Licht und tobender Energie umgeben. Hyperjumper
hatten ihn nach wie vor unter Beschuss und das Abwehrsystem des Mutterschiffes ebenfalls. Die Instrumente seines Jets blinkten und piepten wie verrückt, unverständliche Warnmeldungen flackerten über die Monitore. Ein schrilles, durchdringendes Piepen bohrte sich in sein Bewusstsein. Seine Hände zitterten, als er die letzten Befehle in das Steuerungsmodul eingab, und das metallische Zittern des Jets war beinahe synchron mit dem pochenden Schmerz in seiner Brust. Die Erschütterungen durch die nahen Explosionen wurden heftiger und rissen seinen Jet von einer Seite zur anderen. Doch er schaffte es, ihn weiterhin auf Kurs zu halten. Plötzlich zuckte ein glühend heißer Schmerz durch seinen Körper, als ob ihm etwas von innen zerreißen wollte. Shinjiro keuchte, sein Atem wurde schwer. Er sah an sich hinunter und fühlte das dumpfe, lähmende Gewicht der Erkenntnis: Ok… das war’s. Sein Blick hob sich und wandte sich wieder nach vorne, auf das Ziel. Vor ihm zeichnete sich die Glaskuppel des Mutterschiffs ab inmitten der tobenden Laserenergie um ihn herum. Die grellen Lichter des Tunnels flackerten, und mit einem letzten Ruck aktivierte er alle verbliebenen Waffensysteme. Der Jet schoss voran, jede Zelle seines Körpers schrie vor Schmerz, doch er ignorierte es. Im letzten Moment riss er die Steuerung nach links und der Jet begann zu vibrieren, als ob er jeden Moment auseinanderbrechen könnte. Seine Kraft ließ nach, seine Finger wurden taub und sie glitten vom Schubregler hinab. Doch inmitten des Schmerzes und des Wahnsinns wurde es still um ihn, so als hätte jemand auf die Mute taste gedrückt. Er schloss die Augen und die tobende Welt um ihn herum verblasste.
Vor seinem inneren Auge sah er sie – Hitomi, seine geliebte Frau, und Shinji, seinen Sohn. Sie standen dort, lächelten und winkten ihm aus der Ferne zu, ein Bild vollkommener Ruhe, Wärme und Liebe nahm ihn ein, während eine seltsame, friedvolle Dunkelheit ihm umarmte, und das letzte, was er fühlte, war ein tiefes Gefühl von Loslassen.
Das All vor Jarr explodierte mit einer Gewalt, die selbst die tiefsten Geheimnisse des Universums herausforderte. Ein reißendes, gleißendes Licht zerfetzte die Dunkelheit, als ob der Sternenhimmel selbst in einem einzigen, gewaltigen Aufblitzen verglühte. Die Explosion begann wie ein winziger Punkt, der sich rasend schnell ausdehnte, es war, als ob der dunkle Raum selbst in Flammen stand, und ein ohrenbetäubendes Donnern hallte durch das Vakuum, eine Welle purer Energie, die alles um sich herum ergriff.
Das feindliche Mutterschiff, das wenige Sekunden zuvor noch in seiner gesamten Bedrohlichkeit zu sehen war, schien sich inmitten der Flammenhölle aufzulösen. Kurz darauf ging ein gewaltiger Stoßwellen-Effekt durch den Weltraum, unsichtbar für das bloße Auge, aber in seiner Zerstörungskraft nicht weniger real. Alles in der Nähe wurde erfasst: Die Druckwellen tanzten durch den Raum und rissen alles mit sich was sich in der unmittelbaren umgebung des einstigen riesigen Mutterschiffs der Feinde befand. Jumper und Trümmer wurden wie Spielzeug in einem unaufhaltsamen Sturm mitgerissen.
Jarred konnte spüren, wie sein Schiff sich rückwärts vom Zentrum der Explosion entfernte. Die Energie des Infernos ließ das gesamte Schiff erbeben, mit einer Wucht, die beinahe das gesamte System lahmlegte. Die Explosion war so mächtig, dass sie das Licht der Sterne in der Umgebung für einen Moment überstrahlte und den Raum in ein flimmerndes, gespenstisches Weiß tauchte. Es war der Moment des Endes, dessen war sich Jarred sicher, so und nicht anders sah es aus und er kniff seine schmerzenden Augen zusammen.
Seine Hand lag flach auf der kühlen Scheibe, seine Stirn näherte sich langsam dem Glas, als wollte er den Schmerz der Realität irgendwie abpuffern und sich von den qualvollen Gedanken ablenken. „Shinjiro!“, flüsterte er fast wie ein Gebet, das er nicht laut auszusprechen wagte. und spürte, wie Gefühle von Wut, Verwirrung und Trauer in ihm aufstiegen. Mit zunehmendem Zorn hämmerte er immer wieder mit seiner Faust gegen die Scheibe. „Was hast du getan, Shinjiro?“, flüsterte Jarred erneut, seine Stimme war gebrochen. Die Realität dessen, was gerade geschehen war, schnürte ihm die Luft ab. Er presste die Faust gegen das Glas und ließ seinen Tränen freien Lauf. Der Schmerz, der in seiner Brust aufstieg, war fast körperlich. Die Wut, die sich tief in seinen Magen grub, durchzogen sein Innerstes wie scharfe Dolche. „Was…?“ wiederholte Jarred, seine Stimme zitterte, als er versuchte, den Schmerz in Worte zu fassen, doch keine Worte schienen ausreichend zu sein. Der Schock, die Verwirrung, die Wut – alles vermischte sich in einem wirbelnden Chaos in seinem Inneren. Er war vollkommen durcheinander, bestürzt und wütend zugleich, und der Kloß in seiner Kehle machte es fast unmöglich zu atmen. Es war, als würde er gegen eine unsichtbare Wand kämpfen, gegen etwas, das er nicht begreifen konnte. „Shinjiro! Deine Frau!“ Die Worte stolperten fast aus seinem Mund, als hätte er sie nicht wirklich aussprechen wollen. Es war so schwer, es zu begreifen. „Dein Sohn… dein Sohn!“ Wiederholte er, immer leiser werdend, als würde auch die Luft um ihn herum schwerer. Eine Welle der Verzweiflung überrollte ihn so mächtig, dass es ihm fast den Atem raubte. Der Verlust seines besten Freundes – stürzte über ihn herein.
Der erste Offizier, der still neben ihm stand, konnte den inneren Zusammenbruch seines Königs nicht übersehen. Er trat einen Schritt näher, legte eine beruhigende Hand auf Jarreds Schulter, als wollte er ihm Halt geben, als wolle er ihn in diesem Moment der völligen Zerstörung festhalten. Doch Jarred war nicht in der Lage, sich daran zu klammern. Der Verlust war zu groß, der Schmerz zu tief.
Er wartete noch einen kurzen Moment, als würde er Jarred in seiner Trauer noch den Raum zum Verarbeiten lassen, obwohl jeder in diesem Moment wusste, dass der König in seiner Verzweiflung gefangen war. Doch die Zeit drängte. Die gesamte Crew sah ihn mit fassungslosen und schockierten Gesichtern entgegen. Es war ein Moment des Stillschweigens, der in der Luft zwischen ihnen lag. Bevor sich der Offizier räusperte und mit ruhiger, aber bestimmter Stimme sprach: „Zurück auf eure Posten!“ Der Befehl hallte durch den Raum, ein klarer Kontrast zur vorherigen Stille, die das Team in einem Zustand der Schockstarre gehalten hatte. „Die Aufklärer sollen alles im Umkreis absuchen und die Gegend scannen!“, fügte er hinzu, während er sich mit einer Miene aus Entschlossenheit und Kontrolle dem Rest der Crew zuwandte. Der Offizier wusste, dass er keine Zeit zu verlieren hatte, dass er handeln musste, um das Überleben aller an Bord zu sichern.
Er orderte zwei Wachoffiziere heran, welche sich vor dem König positionierten, um diesen vor weiteren Blicken in seiner Trauer zu schützen. Der erste Offizier des Königs hielt die Situation unter Kontrolle. Zusätzlich orderte er die Transportschiffe an. „Denkt daran, die zerschossenen Schiffe und Wrackteile der Kameraden sowie die der Feinde müssen geborgen und untersucht werden. Jede einzelne Information könnte von Bedeutung sein.” Mit diesen Worten trat der Offizier einen Schritt zurück, um ebenfalls einen Moment der Klarheit zu bekommen.
Der Krieg, die Verluste, die Trauer – all das konnte jetzt nicht mehr ignoriert werden. Nur mit kühlen Köpfen würde es weitergehen können.
Auf Yuma war es still geworden. Alle starrten betreten auf das gerade gesehene. Major Danwens öffnete langsam seine Augen. Vor sich auf dem Ortungsschirm sah er, wie Captain Hikaris Kennung in diesem Moment aufhörte zu existieren. Der alte Major sah zur Übertragung in das ruhige, schwarze All von Jarr, in dem vor wenigen Minuten noch die Hölle los gewesen war. Vereinzelte Jets flogen umher und die Kampfschiffe des Königs näherten sich langsam wieder. Doch es war nichts mehr da. Der Major trat hinter den Stab. „Meine Herren!“ Alle drehten sich daraufhin dem alten Major zu: „Wir haben gerade unseren fähigsten Mann verloren!“ Danwens verließ nach dem Gesagten den Raum.
Lorenz sammelte die Air Base um sich, wo sich vor wenigen Minuten noch das Mutterschiff befand. Die Jets brachten sich in Stellung: „Feuer frei! Alles, was ihr noch habt!“, sagte er ernst und rückte ab. Die Jets feuerten ihre Munitionslager leer. Einige starrten dabei stur gerade aus, anderen liefen die Tränen, während sie feuerten. Es war eine Mischung aus Trauer und Wut. Ein dunkler Schatten legte sich über die Brutalität der Schlacht, denn alles, was sie jetzt noch tun konnten, war dieser letzte Akt der Hingabe – eine Hommage an ihren Captain und die vier tapferen Kameraden und Freunde, die ihr Leben geopfert hatten.
Die Schiffe der siebten Kavallerie trafen ein, Captain Lorenz beobachtete das Aufgebot. „Ja, jetzt braucht ihr auch nicht mehr hier auftauchen!“, sagte er wütend zu sich und wies den Abzug an. Die Männer mussten runter! „Pfeilposition, so wie wir gekommen waren!“ Die Jets richteten sich aus. Die Spitze fehlte und es gab 4 weitere Lücken. In dieser Position würden sie landen! Der Funkverkehr war still. Keiner sprach.
König Jarred stand nun vor einer enormen Herausforderung. Trotz des schmerzhaften Verlustes seines besten Freundes wusste er, dass er als König stark und entschlossen auftreten musste, um seine Männer zu führen. Er konnte es sich nicht erlauben, von Trauer überwältigt zu werden. Sein Freund hätte gewollt, dass er die Oberhand behält und weiterhin seine Pflicht erfüllt. Inmitten der Trümmer und des Chaos wies Jarred an, dass das Oberkommando für die Aufräumarbeiten zuständig sein sollte. Ein erfahrener Schütze bereitete alles für den König vor, während Jarred zum Feuerleitstand trat. Seine Hand umgriff den Joystick, der die Raketen kontrollierte und drückte dreimal auf den Auslöser. Dies war nicht nur ein Akt der Verteidigung, sondern auch eine Hommage an seinen gefallenen Freund. Als die Raketen abgefeuert wurden, erfüllte ein Streufeuer das dunkle All, das den gefallenen Jet-Piloten und General Campbell samt seiner Besatzung galt.
In einem Moment der Stille und Einkehr richtete Jarred seine Worte in das Universum: „Mein Freund, ich danke dir!“ Seine Stimme wurde von den Weiten des schwarzen Alls als Zeichen des Abschieds aufgenommen. Jarred fühlte die Last der Verantwortung, aber er wusste, dass er die Erinnerung an seinen Freund ehren konnte, indem er stark blieb!
Im Hangar der Air Base versammelten sich Einsatzkräfte und Militärseelsorger, bereit, die extrem belastende Situation aufzufangen. Vereinzelt öffneten sich die Verdecke der Jets und die Piloten stiegen heraus. Einige liefen aufgeregt umher, andere ließen ihren Emotionen freien Lauf, sei es in Form von Wut, Trauer, Verzweiflung oder Ohnmacht über den Verlust ihrer Kameraden. Alles entlud sich hier und jetzt.
Lorenz schleuderte seinen Helm auf den Boden und stellte sich vor den Hangar, während er in den Himmel schrie: „Du verdammter Idiot!“, und er verpasste der Luft einen kraftvollen Faustschlag. So kraftvoll, dass er dabei fast sein Gleichgewicht verlor. Er zog eine Zigarre aus der Brusttasche seines Kampfanzuges und schmiss sie vor sich auf das Rollfeld. Er wusste, dass es gerade nicht fair war, doch er brauchte jetzt jemanden, auf den er seine ganze Wut über die ganze Sache hinaus brüllen konnte. Es war für alle, die da oben geblieben waren! Shinjiro, sein Freund und Captain, die vier Kameraden und ein komplettes Schiff mit Besatzung. Sie würden alle nicht mehr zurückkehren. Er fiel auf die Knie und ließ seinen Tränen freien Lauf.
02 - 6 Monate zuvor
Der 26-jährige Shinjiro saß auf seiner Veranda, umgeben von einer Welt, die auf den ersten Blick widersprüchlich wirkte: Mitten in Tokio, der pulsierenden Metropole, war es Hitomi und ihm gelungen, eine kleine grüne Oase zu schaffen. Der kleine Garten vor ihm, so sorgfältig angelegt, zeigte bereits erste Früchte. Der junge Pflaumenbaum in der Mitte des Gartens, der erst vor zwei Wochen gepflanzt worden war, stand wie ein Versprechen für Wachstum und Beständigkeit. Die warme Abendluft drückte auf die Stadt, doch ein sanfter Wind trug die feuchte Kühle des jüngsten Sommerregens herbei, der die Hitze des Tages vertreiben wollte. Der Gesang, der Zikaden, dieser unverwechselbare Klang eines japanischen Sommers, erfüllte die Luft. Shinjiro liebte diese Jahreszeit – die Schwüle, die Gewitter, die Reinheit, die der Regen hinterließ. Der beginnende Abend fühlte sich an wie ein Moment zwischen den Welten, in dem die Zeit langsamer verlief.
Vor ihm lag sein Notebook, doch die Worte flossen an diesem Abend nicht so leicht wie sonst. Immer wieder wanderte sein Blick von der Tastatur zu dem kleinen Wesen, das neben ihm in der Babywippe lag. Sein Sohn schlummerte friedlich, seine winzigen Hände entspannt, der Atem gleichmäßig. Shinjiros Herz füllte sich mit einer tiefen, stillen Dankbarkeit, wie er sie zuvor nie gekannt hatte. Das kleine Gesicht, das im Licht der untergehenden Sonne fast zu leuchten schien, erinnerte ihn daran, wie sehr sich sein Leben in diesen letzten drei Wochen verändert hatte. Die Nächte waren kürzer, die Tage intensiver – und doch empfand er nichts als Freude.
Das leise Klingeln des Windspiels „Furin“, das an der Veranda hing, unterstrich die besondere Stimmung. Die klaren, fast ätherischen Töne fügten sich in die Geräuschkulisse des Abends ein, wie eine Melodie, die eigens für diesen Moment komponiert worden war. Die Töne schienen mit dem Atem seines Sohnes zu tanzen, als ob sie ihn in seinem Schlaf begleiteten.
Shinjiro lehnte sich zurück und schmunzelte leicht, während ihm ein warmes Gefühl der Liebe durchströmte. Es war ein Augenblick der Verbundenheit, der tiefe Emotionen weckte und das unermessliche Glück verdeutlichte, das dieses kleine Leben in sein Herz gebracht hatte. Er. war dankbar, dass er seine neue Lebensaufgabe als Vater hier beginnen konnte. Er wusste, dass solche Momente kostbar waren – besonders für jemanden wie ihn, der als Captain und Befehlshaber der Air Base 1 selten die Freiheit hatte, sich dem Privaten vollends zu widmen.
Urlaub war ein rares Gut, und selbst wenn er offiziell frei hatte, konnte ein Vier-Sterne-Captain niemals vollständig abschalten. Die Verantwortung lastete immer schwer auf den Schultern und der Kontakt zur Base war nie wirklich unterbrochen. Doch in diesen Tagen hatte Shinjiro das Glück, auf seinen ersten Offizier und engen Freund, Lorenz, zählen zu können. Lorenz hielt auf Yuma die Stellung und sorgte dafür, dass alles „Unwichtige“ – ein Begriff, der in Shinjiros Welt eine flexible Definition hatte – von ihm ferngehalten wurde. Dieses Vertrauen erlaubte es ihm, die erste, unwiederbringliche Zeit mit seinem Sohn in vollen Zügen zu genießen.
Dennoch, die leise Mahnung der Verantwortung schwang immer mit. Shinjiro wusste, dass er auf Abruf stand, und dieser Gedanke ließ ihn selten ganz los. Er klappte sein Notebook zu und lehnte sich tiefer im Stuhl zurück. Die internen Top Secret Berichte waren alles andere als erfreulich. Sein Blick fiel wieder auf das schlafende Baby. Sein Baby. Sein Sohn. „Shinji“, der Name der „Die Wahrheit! Und das Kind der Liebe!“ bedeutet. Und das ist er, das Kind ihrer Liebe. Die Erinnerung an seine Tochter, die jetzt schon fünf Jahre alt wäre, schlich sich in seine Gedanken. Er schloss seine Augen und ließ sich einen Moment lang von den Erinnerungen an sie tragen. Auch wenn die Tragödie von damals langsam verblasste, würde der Schmerz darüber immer da sein! „Anomalien im All!“, wechselten seine Gedanken zu dem Gelesenen zurück. Was hatte das zu bedeuten? Kleinere Anomalien waren durchaus normal und die Menschheit hatte gelernt, damit umzugehen. Nicht alles war einfach so passierbar im All, wie man sich das anfangs gedacht hatte.Viele Einflüsse von Sternen und Asteroidenfeldern gepaart mit Sonnenenergie konnten wahre Magnetstürme auslösen. Das wurde gerade in den Anfangszeiten einigen Schiffen zum Verhängnis. Nachdem die erste, damals noch geheime wissenschaftliche Einrichtung auf dem Planeten Pectos, die das umliegende All erforschte und die ersten Planeten auch für die Besiedlung von Menschen freigab, ereignete sich das wohl schlimmste Unglück seit Bestehen der zivilen Raumfahrt. Shinjiros Blick ging Richtung Himmel, der mit seinem wolkenlosen Blau nur so protzte. Er rief sich die Geschichten darüber in den Kopf, die er selbst nur aus Geschichtsbüchern kannte. Oder aus den Archiven des Militärs, auf die er als vier Sterne Captain zugreifen konnte.
Die ersten zivilen Menschen waren 5 Millionen mutige Männer und Frauen aus den unterschiedlichsten Nationalitäten gewesen. Eine Mischung aus Militärs, Wissenschaftlern, Ärzten und vor allem Abenteurern, die sich der Herausforderung stellten, den Planeten Erde zu verlassen, um einen Grundstein im All zu legen. Der Planet Titan, der sich im heutigen Sektor A befand, war ein Planet, der eine hohe Ähnlichkeit mit der Erde aufwies. Er hatte ein mildes Klima und Sauerstoff in ausreichender Konzentration. Er besaß zwei Sonnen und 3 Monde. Die Besiedlung war ein offenes Geheimnis gewesen, aber es gab kein großes Aufsehen. Nur Interessierte verfolgten die Sache. Auf Titan wurden die ersten Siedlungen errichtet und die Menschen wurden nach und nach mit großen Schiffen dorthin gebracht. Nach wenigen Jahren wies der Planet schon eine Infrastruktur auf, die ersten Kinder wurden geboren. Ziel war es, den Planeten zu nutzen wie die Erde. Anfangs war es die Landwirtschaft. 95 Prozent der Saaten konnten angesiedelt werden und Titan war nicht mehr auf zusätzliche Lebensmittellieferungen von der Erde angewiesen. Auch eine Wirtschaft etablierte sich schnell. Das Vorkommen von seltenen Erden, Erze und auch Silber ermöglichte es den Menschen, dort sowas wie eine Exportgesellschaft zu werden. Denn diese Rohstoffe wurden auf der Erde immer gebraucht! So entstand der erste Handel im All. Doch eines war im letzten Jahr von Titan zu beobachten: der schnelle Anstieg der Temperaturen. Eine der beiden Sonnen schien ihre Energie aus irgendeinem Grund zu bündeln. Heute weiß man, dass es durch riesige magnetische Asteroiden geschieht, die sich im Umkreis der Sonnen befinden. Somit übertrug diese Sonne ihre Energie mit einem Sonnensturm auf die zweite Sonne. Satelliten verglühten und die Ernten auf dem Planeten vertrockneten. Der Planet heitzte sich durch den Magneteffekt auf. Ab einem gewissen Zeitpunkt entschied man das ganze Projekt vorerst abzubrechen und die Menschen sollten in Sicherheit gebracht werden. Alle möglichen Schiffe der Erde waren an der Evakuierung beteiligt. Es sollen zum Schluss hunderte jeden Typs gewesen sein. Die Hauptsache war, die Menschen da herauszuholen! Die ersten Schiffe erreichten die Erde und flogen auch direkt wieder Richtung Titan, um die nächsten Menschen aufzunehmen. Zum Erstaunen vieler wollten einige dort überhaupt nicht weg! Sie konnten die Gefahr nicht kommen sehen, weil sie sie nicht kannten! Es geschah als alle verfügbaren Schiffe, 260 Stück sollen es gewesen sein, darunter Frachter, Gleiter und Militärschiffe, und alle waren voll mit Menschen. Sie befanden sich alle bereits 30 Minuten im Orbit von Titan mit Kurs Richtung Erde. Da löste die zweite Sonne einen noch nie zuvor beobachteten Magnetsturm aus, der sich mit der ersten Sonne und den erhitzten magnetischen Asteroiden verband. Alles, was zwischen dem Planeten war, wurde in diesen Sturm hineingezogen. Sogar Frachter, die weit entfernt zwischen der Erde und Pectos flogen, waren danach flugunfähig und liefen Gefahr, im All abzustürzen! Der Sturm dauerte fünf Tage. Das erstaunliche: in diesen fünf Tagen konnte man anfangs immer noch Signale von einigen Evakuierungsschiffen auf Pectos empfangen. Ruhig wurde es erst in den letzten 48 Stunden, als der Sturm abgeflachte und nur dunkles All und einen kalten Mond zurückgelassen hatte. Shinjiro atmete tief ein. So viele Menschen! Die Eroberung des All war schmerzhaft gewesen.
Abbringen ließ man sich von dem Vorhaben, Lebensraum für Menschen im All zu schaffen, jedoch nicht. Man wusste jetzt, worauf man genau achten musste, um so einer Katastrophe zu entgehen. Das Gebiet, in dem sich der Planet Titan damals befand, ist heute ein abgelegener Teil des Sektor A. Es soll das Grab dieser Millionen Menschen sein. Gerade nach diesem Ereignis schritt die Technologie voran, vor allem Frankreich und die USA hielten am Projekt ein „Neues Grenzland“ im All zu erschließen fest. Japan lieferte seinen Erfindungsreichtum, was vor allem die Technologie auf den Schiffen sehr vereinfachte und trug so zur effizienten Platznutzung bei. Doch was die Ansiedlung im All betraff, hielt sich das Land der aufgehenden Sonne zurück. Und das bis heute! Japan besitzt zwar mehrere Forschungseinrichtungen auf Pectos und Jarr, vor allem in der Entwicklung von zivilen Raumgleitern waren die Japanischen ganz vorn, in Effizienz und Sicherheit.
Besonders das kleine französische Königreich Jarrés investierte viel in die Erschließung des Neuen Grenzlands. Es besiedelte den ersten Planeten im Sektor A und taufte diesen Jarr. Sektor B wurde wenige Monate darauf gegründet, wo der Planet Yuma mit seinen lebensfreundlichen Bedingungen herausstach und es auch heute noch tut! Dort wurde die erste militärische Einrichtung im All gegründet: das Kavallerie Oberkommando, deren Kadetten nach der Ausbildung als Star Sheriffs auf den vereinzelten Planeten und Siedlungen dienten. Die Menschen auf der Erde standen nach dem Ereignis vom Titan dem neuen Grenzland natürlich sehr skeptisch gegenüber. So wurden von den planetaren Regierungen der Siedlungsplaneten finanzielle und andere Anreize geschaffen. Ganz zu Beginn gab es sogar kostenloses Land. Auch begann man mit der Besiedelung erst, nachdem die Strukturen der Planeten hinsichtlich Rohstoffe und ähnlichem geklärt waren. Es sollte eine fertige Infrastruktur und Wohnraum vorzufinden sein. Und die Menschen ließen dann nicht lange auf sich warten. Goldgräberstimmung, im wahrsten Sinne des Wortes, brach aus. Heute, Jahrzehnte danach, wies fast jeder Planet eine oder gar mehrere Metropolen auf. Die Wirtschaft boomt. Viele wurden anfangs wirklich vom Tellerwäscher zum Millionär. Das Grenzland war von der Erde unabhängig. Auch wenn es für Millionen Menschen ein neues Zuhause geworden war, wollten sie die letzte Verbindung zu ihrem Heimatplaneten nicht kappen. Somit sollte jeder selbst entscheiden, ob er weiterhin ein Erdenbewohner und somit auch noch seinem Land zugehörig war, oder die ganz neue Identität des Neuen Grenzlandes annehmen wollte. Wenige entschieden sich für das Letztere. Das war auch in vielen Dingen gut so, denn so ganz bürokratisch ausgetüftelt war die Sache bei weitem noch nicht! Als sich Shinjiro diese Geschichte durch den Kopf gehen ließ, klappte er sein Notebook noch einmal auf und sah sich die neuesten Meldungen ein weiteres Mal an. In letzter Zeit tauchten Abnormalitäten auf. Sektor A und B waren betroffen in Gebieten, wo zurzeit nur mit Satelliten und kleineren kurzen, wissenschaftlichen Expeditionen geforscht wurde. Die Energien bündelten sich, hatten jedoch kein natürliches vorkommendes Muster. Sie waren physikalisch etwas vollkommen Unmögliches: „Was passiert da draußen?“, fragte er sich und stand auf. Er wollte sich etwas zu trinken holen, als sich auf halbem Weg sein Kommunikator meldete. „War ja klar!“, sagte er, als er das nervige kleine laute Ding schnell an sich nahm und zu seinem Sohn schaute. Nicht dass er noch aus seinen Träumen gerissen wurde! Shinjiro las den Namen, um zu wissen, wer da gerade störte. Es war König Jarred, der mit seiner privaten Nummer anrief. Eingespeichert war dieser natürlich nicht unter König Jarred, sondern unter seinem Pseudonym, das nicht viele Menschen kannten. So hatte er den König damals auch kennengelernt, was jedoch eine andere Geschichte war. Aber genau das muss es damals gewesen sein. Sie gingen ungezwungen miteinander um, teilten den selben Humor, geigten sich aber auch schon mal die Meinung, was beiden in ihren festen und strengen Strukturen verhalf, einfach auch mal Mensch zu sein. Mit all seinen Facetten, Stärken und vor allem Schwächen. Es gab beiderseits tiefen Respekt dem anderen gegenüber. Auch wenn Jarred zwar um einiges älter ist als Shinjiro, stand das nie irgendwie zwischen den beiden.
Shinjiro wischte über das Display und ging ran. Ärgern wollte er Jarred trotzdem, weil er seine und vor allem die Ruhe seines Sohnes störte! „Ja, eure Königliche Hoheit, was darf ich für Sie tun?“ Jarred rollte kaum sichtlich mit seinen Augen, war er doch unter dieser Nummer kein König! Aber er grinste im selben Moment, wusste er doch, dass er Shinjiro gerade störte. Wobei auch immer. Aber das konnte er auch. „Das Vatersein bekommt dir wohl nicht. Du bekommst wohl zu wenig Schlaf?“ Shinjiro nickte seinem Freund zu: „Gut, Gleichstand!“, sagte er ergeben. „Was ist denn los?“, fragte er darauf seinen Freund, denn dieser rief ihn bestimmt nicht ohne Grund an. Jarred musterte den Hintergrund von Shinjiro und fragte etwas leiser: „Kannst du ungestört reden?“ Shinjiro sah sich um und setzte sich. „Ja!“, war die knappe Antwort des Japaners. Jarred begann: „Nun, es geht um das alte, neue Thema. Die Anomalien werden immer größer, die Astrobiologen und Wissenschaftler können sich auf keine Erklärung einigen. Die meisten sind der Meinung, dass sie künstlich sind, es ist unregelmäßig, ohne Struktur dahinter, naturgemäß ein Rätsel.“ Shinjiros Mundwinkel zogen sich nach unten und ein „Hmm …“ verließ seine Kehle, das er mit einem Schulterzucken untermalte. König Jarred fuhr indes weiter fort. „Wir werden einen Krisenstab einberufen!“ Shinjiro machte ein fragendes Gesicht: „Wer ist denn wir?“, hakte er nach und wusste, dass dieses Gespräch gleich in eine ganz andere Richtung gehen würde. „Das Kavallerie-Oberkommando, unter anderem Kommander Major Danwens. Und die Crème de la Crème de Militärs. Wir halt!“ erklärte Jarred kurz. Jetzt alle aufzuzählen, würde den Zeitrahmen sprengen. Shinjiro saß immer noch und lehnte sich zurück. „Puh, da habt ihr ja was vor“, kommentierte er das Gehörte. Jarred sah seinen Freund ernst an und sagte: „Du bist auch dabei!“ Der Japaner richtete sich mit einem Ruck auf. „Was habe ich damit zu tun?“ Jarred machte ein überraschtes Gesicht und wollte schon fast anfangen zu grinsen. „Du bist Captain der Air Base, vergessen?“, erinnerte Jarred seinen Freund. „Nein!“, antwortete Shinjiro zurück. „Nur!“ Er schaute auf die Veranda, sein Sohn hatte gerade ein leises Tönchen von sich gegeben und hörte im selben Moment auch schon die Haustür aufgehen, auf dem gleich darauf ein: „Tadaima!“, durch das Haus hallte. Shinjiro ging zu seiner Frau, nickte ihr zur Begrüßung entschuldigend zu, zeigte in Richtung Veranda und verschwand im oberen Stockwerk. Hitomi, sah überrascht ihren Mann nach und ging auf die Veranda, wo sie ihren Sohn vorfand, der schon kleine Anstalten machte, wach zu werden.
Im Büro angekommen, machte Shinjiro die Tür zu und sagte etwas leiser. „Ich bin kein Wissenschaftler!“. Er griff Jarreds Aussage wieder auf und fragte etwas ernster nach: „Was habt ihr vor?“ Jarred nickte und erklärte: „Nun, es wird, wie bereits erwähnt, davon ausgegangen, dass es künstliche Energiequellen sind. Also müssen wir mit allem rechnen. Es wird sich beraten, um gerüstet zu sein, für einen eventuellen … Krieg!“ Shinjiro war gerade froh, dass er schon gesessen hatte. „Ihr seid verrückt!“ Jarred und Shinjiro schwiegen kurz. „Und wann soll dieses Gremium stattfinden?“, durchbrach Shinjiro die Stille. Jarred verstand die Reaktion durchaus. So ähnlich hatte er auch reagiert, als ihm seine Generäle das Ausmaß heute mitgeteilt hatten. „Heute in einer Woche.“ Shinjiro griff nach der Wasserflasche auf seinen Schreibtisch, nahm einen großen Schluck daraus und nickte: „Ich werde da sein!“ Jarred nickte. „Danke!“ Shinjiro sah zu Jarred: „Mmh, nicht dafür. Aber ich habe was gut bei dir!“ Jarred lächelte. Sein Freund hatte sich wohl wieder gefangen. Also wechselte der König das Thema: „Wann sehe ich deinen Jungen mal?“ Shinjiro strich sich mit der rechten Hand über den Hinterkopf und blickte Jarred nachdenklich entgegen. „Ich werde meine Familie mitbringen!“, sagte er nach einigen Momenten entschlossen. Wie er das seiner Frau Hitomi beibringen würde, wusste er allerdings noch nicht. „Sehr schön! Marijane wird sich freuen, mal wieder ein Baby im Arm zu halten“, sagte Jarred, der wusste, dass seine Frau da nicht widerstehen konnte. Shinjiro lächelte und meinte darauf: „Nicht ausleihen, selber machen!“ Jarred lachte auf. Nein, seine Familienplanung war abgeschlossen. Er war Vater eines Sohnes und einer Tochter. Was braucht ein Mann mehr? „Ich lasse dir alle weiteren Informationen zukommen, damit du Bescheid weißt“, fügte Jarred noch an. „Ja, da freue ich mich, Danke!“ kam es sarkastisch von Shinjiro. Das Gespräch wurde beendet. Shinjiro warf seinen Kommunikator vor sich auf den Schreibtisch und lehnte sich in seinem Bürosessel zurück. Er fuhr sich mit den Händen über das Gesicht und darauf durch seine Haare. „Na, einfach großartig!“, murmelte er dabei. Einige Zeit später stand er auf und ging wieder nach unten, denn es roch schon lecker durch das Haus und Hunger hatte er auch. Im Wohnzimmer saß seine Frau auf dem Tatami-Boden und stillte. Da musste er wohl noch warten, er blickte in die Küche. Das Essen stand bereit, also konnte er auch mal den Tisch decken. Hitomi beobachtete ihn amüsiert, ließ ihn aber machen. Als er fertig war, setzte er sich in den Schneidersitz vor die beiden und schaute sie eine ganze Weile einfach nur an. Es war doch gerade um ihn herum so perfekt! Hitomi merkte jedoch, dass ihrem Mann etwas auf der Seele lag. Sie lächelte ihn liebevoll an. „Musst du wieder los?“, fragte sie ruhig. Shinjiro nickte leicht. „Ja!“, und ließ darauf den Kopf etwas hängen, schaute aber gleich wieder halb nach oben, um die Reaktion seiner Frau zu sehen. Sie nickte wissentlich und schaute auf das Baby in ihrem Arm, was schon mehr schlief als es trank. Sie beschloss, ihren Sohn neben sich abzulegen und wandte sich dem Tisch mit dem Essen zu. Sie hatte Hunger, großen Hunger. Shinjiro tat es ihr gleich. „Itadakimasu!“, bedankten sie sich und begannen mit ihrem Abendessen. Während des Essens erzählte ihr Shinjiro, dass Jarred ihn angerufen hatte und dass für nächste Woche ein Gremium einberufen wurde. Einzelheiten ließ er weg. So etwas wollte Hitomi auch nicht hören. „Ich möchte, dass ihr mitkommt!“ Mit diesem Satz beendete er seine Erzählung. Hitomi sah ihn darauf mit großen, überraschten Augen an. „Was?“, fragte sie. Shinjiro nickte ihr zu. „Ja, ich möchte euch nicht alleine lassen!“ Er trank einen Schluck und fügte noch mit an: „Außerdem, würde sich Marijane freuen.“ Dabei zeigte er auf seinen schlafenden Sohn. „Shinji?“ Hitomi musterte ihren Sohn und sprach besorgt. „Er ist doch noch viel zu klein für so eine anstrengende Reise.“ Shinjiro sah Hitomi an und lächelte etwas frech, um ihr ihre Sorgen zu nehmen: „Er ist ein Hikari, glaub mir, er wird es lieben zu fliegen!“ Hitomi gab sich geschlagen und willigte ein. Darauf konnte sie nun wirklich nichts mehr sagen. Sie verlor sich in seinen Augen, als er vor sich hin grinste und wusste, dass er gewonnen hatte. „Aber!“, setzte Hitomi an und Shinjiros Grinsen verschwand. „Ich möchte nicht in einem Hotel oder bei Jarred im Gästehaus wohnen. Ich habe immer das Gefühl, ich muss mich dort ganz schlimm gut benehmen.“ Shinjiro lachte darauf laut los und verstummte im selben Moment auch schon wieder. Der Knirps schlief und das sollte auch so bleiben! Hitomi lachte leise mit. Eine Weile unterhielten sie sich noch, bis sie zu Bett gingen. denn Ausschlafen war seit drei Wochen ja auch nicht mehr drin.
Eine Woche später. Das Militär-Gremium mit den Wissenschaftlern aus Yuma, Jarr, Pectos und der Erde tagte bereits den zweiten Tag in Folge. Alle sollten zu Wort kommen. Die Erkenntnisse aus den bisherigen Kenntnissen und daraus resultierenden Fakten zeichneten ein verheerendes Bild. Seit zwölf Monaten wurden immer häufiger diese auftretenden Anomalien im Sektor A und B gemessen und aufgezeichnet. Die Astrophysiker waren ratlos. Nichts dergleichen war bekannt. Eines konnte man jedoch zweifelsfrei belegen: Es war eine Energiequelle, die immer größer wurde. Gemeinsam hatten die Wissenschaftler eine Karte erstellt, um den Stab das Ausmaß bildlich zu veranschaulichen. Die Messungen waren unterschiedlich hoch und keiner wusste so richtig, was da draußen im All vor sich ging. Die Lage war ernst, das erkannte auch der junge Captain Hikari, der bereits im Alter von 26 Jahren seinen vierten Stern trug und seit zwei Jahren die Verantwortung über Air Base 1 des Kavallerie-Oberkommandos innehatte. Er war ein außergewöhnlicher Stratege und Taktiker, der in der Lage war, über das Große Ganze hinauszublicken, ohne dabei die entscheidenden Details aus den Augen zu verlieren. Seine Führung basierte auf klaren Prinzipien und seiner unerschütterlichen Überzeugung, dass Disziplin die Grundlage für Sicherheit und Erfolg in der Luft war. „Zuckerbrot und Peitsche!“ – Das war seine Devise, mit der er seine Männer zu Höchstleistungen anspornte. Das stachelte seine Männer immer wieder zu Höchstleistungen an.
Hikari wusste, dass er fordernd war, aber er war sich auch bewusst, dass er damit nur das Beste aus seinem Team herausholen konnte. Er zögerte nicht, bei Verfehlungen Disziplinarverfahren einzuleiten, auch wenn ihm das nicht leichtfiel. Doch er tat es mit einem klaren Ziel: Sicherheit. In der Luft, mit einer Staffel von 30 Jets, war gegenseitiges Vertrauen auf 100 Prozent unabdingbar – von der Nummer eins bis zur Nummer dreißig. Ein Moment der Nachlässigkeit konnte tödlich sein, nicht nur für den Einzelnen, sondern im schlimmsten Fall für das gesamte Team.
Nur die Besten der Besten schafften es auf die Air Base 1, und Hikari ließ keinen Zweifel daran, dass sich niemand auf seinem Ruhm ausruhen durfte. Doch er wusste auch, dass Höchstleistung nur mit einem Ausgleich möglich war. So viel Disziplin und Konzentration er seinen Männern abverlangte, so viel Wert legte er darauf, dass sie auch Spaß hatten und das Band der Kameradschaft pflegten. Diese Balance machte ihn zu einem Captain, der Respekt und Loyalität gleichermaßen verdiente – auch wenn seine Piloten ihn manchmal gerne auf den Mond geschossen hätten.
Ein besonders einprägsames Ereignis bewies die Verbundenheit seines Teams vor zwei Tagen, als Hikari aus Japan zurückkehrte. Im Hangar erwartete ihn seine Crew mit breitem Grinsen und einem besonderen Geschenk – einem Babystrampler im Jet-Kampfanzug-Design, eine Gratulation zur Geburt seines Sohnes. Doch damit nicht genug: Zu seiner Überraschung war sein eigener Jet nirgends zu sehen. Stattdessen wurde er nach draußen geführt, wo er seinen Jet am Himmel entdeckte, der elegante Kreise und Loopings zog. Im Cockpit saß niemand Geringeres als sein Wingman und erster Offizier, Michael Lorenz. Als Lorenz schließlich landete und den Bremsfallschirm ausklinkte, offenbarte sich ein Banner mit der Aufschrift: „It’s a Boy!“
Shinjiro lachte und schüttelte den Kopf. Solche Momente zeigten ihm, dass er nicht nur der Befehlshaber war, sondern auch ein Teil einer eingeschworenen Gemeinschaft – eine Gemeinschaft, die für ihn alles bedeutete und die ihn ebenso schätzte wie respektierte
Der entscheidende Teil des Gremiums begann: die Diskussionen über das weitere Vorgehen wurden von König Jarred und General Whitehawk eröffnet. Jeder Anwesende trug seine Einschätzungen zur aktuellen Lage mit militärischer Präzision vor. Anfangs gingen die Meinungen weit auseinander, doch bald kristallisierte sich ein klarer, pragmatischer Konsens heraus: Die Anomalien wurden von der Mehrheit als potentiell feindlich eingestuft, somit schuf man eine einheitliche Ausgangslage. Hier überließ niemand etwas dem Zufall. Die Atmosphäre war von kühler Professionalität und unterschwelligem Ehrgeiz geprägt. Hier diskutierten keine Unentschlossenen, sondern hochrangige Frauen und Männer, die es gewohnt waren, Entscheidungen zu treffen, die Leben retten oder kosten konnten. Hier war kein Raum für Sentimentalitäten oder Spekulationen – klare Köpfe und entschlossenes Handeln waren gefragt.
Shinjiro hörte den Beiträgen der anderen Offiziere aufmerksam zu und machte akribische Notizen. Sein Blick wanderte immer wieder zur holografischen Karte, die in der Mitte des Auditoriums angezeigt wurde. Darauf wurden die Bewegungsmuster der Energien, der Anomalie, in einer Zeitraffer-Animation dargestellt, jede Veränderung war präzise markiert.
Ein General, der den jungen Captain Hikari schon eine Weile mit aufmerksamem Blick beobachtet hatte, räusperte sich und sprach mit fester und fordernder Stimme, die durch den Raum hallte: „Captain Hikari, zu unserem Erstaunen haben wir heute noch gar nichts von Ihnen gehört. Bitte teilen Sie uns doch Ihre Einschätzung zur Lage mit!“ sprach er und zeigte auf die Mitte des Auditoriums. Die Worte des Generals schnitten scharf durch die murmelnden Gespräche im Saal. Sofort verstummten alle Unterhaltungen, und die Blicke der Anwesenden richteten sich gespannt auf den jungen Captain-General, der sonst nie um eine klare militärische Einschätzung verlegen war. König Jarred, der ruhig auf seinem Platz saß, umgeben von seinen Militärs, richtete sich leicht auf. Mit einem durchdringenden Blick beobachtete er seinen Freund, der wirklich seit Beginn des Gremiums ungewöhnlich ruhig war.
Shinjiro saß angelehnt in seinem Stuhl, mit überschlagenen Beinen und blickte in die Runde. Er wusste genau, dass dieser Versuch, ihn herauszufordern, nichts anderes als ein Machtspiel war – eine Provokation und er spielte sie gekonnt mit. Ein kleines Schmunzeln huschte über sein Gesicht, bevor er zu sprechen begann, ohne auch nur einen Millimeter seiner Sitzhaltung zu verändern. Er übernahm das Wort mit seiner bekannten selbstbewussten Ruhe, die sofort die Aufmerksamkeit auf sich zog. Er war sich seiner Sache sicher. „Es ist ein Muster!“, begann er, „So wie es uns die Wissenschaftler schon erklärt hatten! Die Energie kann mit unseren Messgeräten nicht erfasst werden. Hat eine Energiequelle ihren, den von uns gemessenen Höchststand erreicht, bildet sich darauf eine neue Quelle. Wie ein Netz, das sich aus sich selbst speist. Somit benötigt jede Quelle, sagen wir mal den Faktor 10, bevor eine weitere sich bildet. Hikari machte eine kurze Pause, seine Augen blitzten, als er die Bedeutung dessen, was er sagte, unterstrich. “Das geschah im Sektor A unweit des Planeten Jarr ganze 20.000 Mal. Das Resultat sehen wir in einer gebildeten Mega-Quelle, die immer noch weiter, wovon auch immer, gespeist wird. Ich gehe davon aus, dass dieser Vorgang gerade aktuell noch besteht und fortlaufend ist. Wie eine Kernreaktion, nur dass es sich nicht entlädt, sondern auflädt. Mit einer fast leichten Geste, zeigte er auf die animierte Karte, die die Daten der verschiedenen Sektoren zeigte. “Im Sektor B, etwas abseits von Yuma, sehen wir dasselbe Spiel etwas Zeitverzögert. Es dort noch nicht zu einer Mega-Quelle gekommen. Aber laut den Messdaten wird es auch vor Yuma in absehbarer Zeit dazu kommen.“
Der Anwesenden hörten Hikari’s Zusammenfassung aufmerksam zu, während die Spannung im Raum spürbar stieg. Major Danwens, der Kommander des Kavallerie-Oberkommandos, fixierte weiterhin die Karte vor sich, seine Stirn war in leichten Falten gelegt, als wollte er jedem Wort von Hikari auf den Grund gehen. Die Komplexität der Lage war dem Kommander nicht entgangen: „Gut und schön“, murmelte Danwens nachdenklich, als er schließlich seinen Blick von der Karte abwandte und in die Richtung seines jungen Captains blickte. Er atmete wissentlich tief ein, bevor er fragte: „Worauf möchten Sie hinaus, Captain?“ Danwens wusste genau, dass er und der Saal jetzt eine sehr präzise Antwort von Shinjiro bekommen würde – und wahrscheinlich eine, die so direkt war wie ein Bombeneinschlag. Doch ein Schmunzeln spielte die Lippen des alten Kommanders. Denn wenn es etwas gab, das Hikari meisterte, dann war es, die Dinge auf den Punkt zu bringen.
Shinjiro reagierte darauf sofort, als ob er nur auf diese Frage, seitens des Kommanders, gewartet hatte. Mit einer fließenden Bewegung stand er auf und trat nach vorn in die Mitte des Auditoriums. Seine Schritte hallten auf dem blank polierten Holzboden, seine Haltung war selbstbewusst, ja fast schon herausfordernd, und er wusste, dass alle Aufmerksamkeit im Saal nun auf ihn gerichtet war. Er stellte sich vor den großen Monitor, auf dem die Karte seit Stunden im Zeitraffer lief. König Jarred, der seinen Freund aufmerksam beobachtete, wusste genau, dass jetzt der Moment gekommen war, in dem Shinjiro völlig in seinem Element war. Ab diesem Punkt gab es nur noch Captain Hikari. Die Selbstsicherheit, die von ihm ausging, war greifbar, und Jarred konnte fast spüren, wie sich die gesamte Atmosphäre sich im Auditorium veränderte. Jeder im Saal wusste, dass Hikari die Bühne beherrschte. Es war ein Moment der vollen Kontrolle.
Captain Hikari gab ruhig einige Befehle in die Tastatur neben dem Monitor ein, seine Finger bewegten sich schnell und präzise, während er eine neue grafische Darstellung der Karte erstellte. Mit einem gezielten Klick überlappte er alle Karten und ließ sie im schnelleren Zeitraffer ablaufen. Die holografische Anzeige verwandelte sich in ein komplexes, sich ständig veränderndes Netz von Daten und Bewegungen. Er ließ die Karte eine Minute wirken und sagte: „Schweizer Käse!“ Die Anwesenden im Saal begannen sofort, untereinander zu murmeln. Einige tauschten verwirrte Blicke, andere begannen, die Karte selbst zu studieren, als sie die Metapher verstanden: „Ruhe!“, hallte eine Stimme durch den Raum. Es war die von Kommander Danwens, der die Ausführungen weiter verfolgen wollte, und er machte eine Handbewegung Richtung Captain Hikari: „Bitte, reden Sie weiter!“ Der Captain nickte dem Kommander dankend entgegen und fuhr fort: „Wie Sie sehen, hat die Mega-Quelle vor Jarr bereits unmessbare Ausmaße angenommen. diese wird in absehbarer Zeit ihren gewollten Endzustand erreicht haben.“ Ein General aus Alamo warf ein. „Also gehen Sie davon aus, dass etwas in unsere Bereiche eindringen möchte. Wie soll sowas denn möglich sein?“, fragte und lachte er dabei etwas abfällig. Einige stimmten dem General mittleren Alters zu. „Nun, diese Frage stellt sich nicht. Viel eher die, warum es nicht möglich sein sollte!“, konterte Hikari darauf zurück. „Das sind reine Vermutungen! Hirngespinste! Da höre ich nicht länger zu!“, winkte der General aus Alamo ab. Vereinzeltes Kopfnicken. Ein Major von der Erde fügte belustigend hinzu: „Wir schreiben hier keinen Science-Fiction-Roman, Captain!” Daraufhin warf Kommander Danwens ein: „Bis jetzt sind sogar die wissenschaftlichen Erklärungen auch nur Vermutungen!“„Aber machen Sie ruhig weiter, Captain Hikari!“, gab der Kommander seinem Captain das Wort wieder zurück. König Jarred verschränkte seine Arme vor der Brust und beobachtete aufmerksam das Geschehen. Auch ihm fiel es schwer, seinem Freund zu folgen, war dieser doch manchmal einfach zu schnell. Es betraf schließlich genau seinen Sektor, in dem sich sein Planet und damit auch seine Gerichtsbarkeit befand. Die einzig unabhängige Monarchie im Neuen Grenzland und der Erde. König Jarred wusste, dass jeder Fehler in dieser Region nicht nur seine eigene Macht gefährden konnte, sondern auch weitreichende Auswirkungen auf die geopolitische Stabilität des Grenzlandes hatte. Der Druck, den Shinjiro nun aufbaute, war spürbar, und selbst der Monarch konnte die Schärfe der Situation nicht leugnen. König Jarred musste also alles tun, um die Bevölkerung zu schützen! Captain Hikari, der die Bedeutung seiner Worte und Handlungen in diesem Moment vollkommen begriff, holte tief Luft und ruderte noch einmal einen Schritt zurück. Doch anstatt sich zurückzuziehen, konzentrierte er sich noch stärker auf die Situation: „Also, zurzeit ist der Sektor A das Gebiet mit der höchsten Energiequelle. Das betrifft vor allem die Planeten, Pectos, Jarr und zum Teil auch Alamo.“ Er nahm sich das zum Monitor gehörige Tablet in die Hand. Währenddessen warf jemand in den Saal: „Alamo ist neutral!“ Shinjiro hob seine Augenbrauen. Er zeichnete mit einem Pen ein Dreieck auf die Karte und legte die aktuelle Sternenkarte darauf, die die Anomalien zeigte. „Dann hoffe ich, dass Alamo das den Energiequellen mitgeteilt hat!“, kommentierte Hikari das Gesagte und wandte sich wieder der Karte zu. Leises Gelächter war zu hören. Shinjiro ließ jetzt eine Karte ablaufen, die das Ausmaß zeigte, sollte sich die Energie entladen. Nun war es Major Eagle, der sich daraufhin zu Wort meldete. „Wir können unsere Vermutungen und Spekulationen nicht feindlich anpassen, ohne zu wissen, woher diese Anomalien überhaupt kommen. Das ist meine Meinung. Wir dürfen nicht sofort alles als feindlich einstufen!“ Captain Hikari, nickte: „Gut, welchen Ausgangspunkt nehmen wir dann? Dann stufen wir diese als friedlich oder rein natürlichen Ursprungs ein und gucken was passiert?“ Eagle nickte: „Diesen Aspekt sollten wir durchaus in Betracht ziehen, ja!“ Hikari nickte: „Gut, Major Eagle! Das haben wir ja jetzt!“ Eagle schüttelte nur mit seinem Kopf und hörte aber weiter zu. „Sollten diese Energien jedoch feindlich sein, wovon wir hier alle bis jetzt ausgegangen sind, sammelt sich alles genau hier!“ Bei diesen Worten umkreiste er die Energien und erklärte gleich weiter. „Um genau hier zuzuschlagen!“ Er umkreiste den Planeten Jarr. „Somit hat ‚E. T.‘ oder wer auch immer, eine perfekte Ausgangsbasis und genug Energie zur Verfügung, um bis hier, hier und hier zu kommen!“ Er machte eine kleine Pause, nachdem er die Planeten Pectos, Alamo und Dakota eingekreist hatte. „Sollte das gelingen, ist auch die Anomalie vor Yuma einsatzbereit und es kann weitergehen!“, erklärte er und umkreiste die restlichen Planeten, jetzt im Sektor B.“ Er wurde unterbrochen. „Womit?“, fragte ein Brigadier General des Planeten Jarr. „Das wollte ich gerade ausführen, Sir!“, antwortete Hikari. „Wir sind ganz Ohr!“, kam es aus dem Hintergrund. „Nun, die Energie sammelt sich hier!“ Er zeigte wieder auf die Karte. „Und die Position der Anomalie ist perfekt, um auf Jarr eine Invasion zu starten!“ Die Männer waren für einen Moment sprachlos, vor allem König Jarred, den es hauptsächlich betraf.. „Was macht Sie so sicher?“, warf Major Eagle ein. Captain Hikari schaute sich um und zuckte mit seinen Schultern. „Na ja, so würde ich es machen, wenn ich eine Invasion auf das Neue Grenzland starten wollen würde!“, sagte er provozierend. Doch es war die Wahrheit. Er drehte sich langsam um und biss sich auf seine Zunge. König Jarred musste trotz der angespannten Situation innerlich kurz etwas auflachen. Die anderen des Militärstabes fanden diese Aussage sehr provokant, aber durchaus akzeptabel. Sie nickten dem Captain jetzt doch anerkennend zu. „Warum der Planet Jarr? Das Gebiet drumherum ist nicht so hoch besiedelt, wie alle zusammen im Sektor B!“, fragte ein Colonel. Hikari verstand: „Jarr ist perfekt für einen Planetenhopping. Auf der Erde nennt man diese Strategie Inselhopping!“ erklärte Shinjiro und verband nach und nach alle Planeten von Jarr ausgehend. Jeder wusste, was Hikari meinte. Es war eine effektive Strategie. Major Eagle fragte weiter zweifelnd. „Was, ist mit den Energien, die sich um den Sektor B vor Yuma sammeln. Diese Gebiete sind viel dichter besiedelt als Sektor A?“ Einige nickten dem Major zu: „Ja genau, es macht keinen Sinn, ein niedrig besiedeltes Gebiet als Erstes angreifen zu wollen!“, sagte ein anderer. Captain Hikari hörte die Einwände und rief die Karte von Sektor B auf, dessen Hauptverwaltung sich auf Yuma befand, und wartete, bis sich die Herren wieder beruhigt hatten. Dann fuhr er mit seiner Erläuterung fort. „Es geht nicht darum, wie hoch ein Gebiet besiedelt ist. Es geht allein um die Effizienz der Eroberung!“ General Whitehawk, der indianische General aus Kanada, der bis jetzt alles ruhig mitverfolgt hatte, fragte: „Also, eine invasive Hopping-Taktik!“ Hikari sah ernst in die Runde und nickte. „Ja, mit Sektor B, also Yuma als zweites Schlachtfeld!“ Ein Raunen ging durch den Saal. Kleinere Diskussionen entstanden, es ging hin und her. Captain Hikari schaute und hörte sich die Diskussion an, bis sich Major Eagle zu Wort meldete. „Das ergibt absolut keinen Sinn!“ Hikari nickte einige Male. „Nun, rein logisch gesehen, gebe ich ihnen recht, Major Eagle!“ Charles Eagle nickte bestätigend. „Aber“, warf Hikari jetzt ein: „Strategisch, um eine Invasion zu beginnen und zu vollenden, ist es eine der besten Taktiken, die es gibt!“ Die Diskussionen gingen weiter. „Lassen Sie mich raten. Sie sind hellauf begeistert davon?“, fragte ein General. Captain Hikari grinste. „In der Tat! Sollte es so sein, wäre es jetzt an der Zeit, die Taktik des Feindes aufzusplitten. Das ist unser einziger Vorteil und diesen sollten wir nutzen!“ König Jarred schloss seine Augen. Wenn das wahr sein sollte, brauchten sie alle Truppen des Neuen Grenzlandes, wenn nicht sogar die der Erde. Alle Planeten zu evakuieren, würde mehr als ein oder zwei Jahre dauern. Und wohin dann mit diesen Menschen? „Ich verstehe, worauf Sie hinauswollen. Erläutern Sie uns doch bitte unseren Vorteil!“, kam eine Frage aus dem hinteren Bereich des Saals. Hikari gab zu verstehen: „Unser einziger Vorteil ist es, dass nicht beide Schlachtfelder zur gleichen Zeit aktiv sein werden. Auch müssen wir von einem Feind ausgehen, der uns weit technologisch voraus ist. Denn schließlich kann er sowas bauen!“ sagte er und zeigte auf eine der beiden Anomalien. General Pareduer stand auf. „Wenn dieser Feind uns Jahre voraus ist, ist er kriegstechnisch und invasiv nicht weiter als wir! Wenn er solch eine Taktik anwendet!“ zustimmendes Nicken und Worte fielen. „Wir sind Kriegstechnisch heute weiter als die Römer und Samurai damals. Trotzdem wenden wir immer noch ihre Strategien an. Wir greifen also auch auf altbewährtes Wissen zurück und verfeinern es je nach Zeitgeist!“, kam es von Hikari ruhig erklärend. „Und ein Blick in die menschliche Kriegsgeschichte zeigt uns, dass Kriege nie dort begonnen haben, wo man sie erwartet hätte. Sondern dort, wo keiner damit gerechnet hat.“ Ein weiteres Raunen ging durch das Auditorium. Einige bestätigten nickend das Gesagte. Damit legte Hikari den Pen ab und setzte sich wieder. König Jarred sah weiterhin auf die Karte, die sein Freund, zugegeben, sehr anschaulich gezeichnet hatte. Jede Linie, jede Markierung schien ein neues Kapitel einer Geschichte zu erzählen, die sich immer weiter entfaltete. Jarred spürte, wie die Komplexität der Situation ihm immer mehr bewusst wurde – es war ein taktisches Meisterwerk, das Shinjiro hier präsentiert hatte, aber auch ein gefährliches Spiel. Der Blick seines Freundes war fest auf das Unbekannte gerichtet, während Jarred sich fragte, wie weit sie wirklich gehen mussten, um das Rätsel der Anomalien zu lösen.
Es wurde eine mehrstündige Pause gemacht.
Captain Hikari ging in einem langsamen, überlegten Tempo durch die weitläufige Grünanlage, die von hohen Zäunen und Militär umgeben war. Das gesamte Gelände, auf dem das Gremium auf Jarr stattfand, war weitläufig hermetisch abgeriegelt, und er wusste, dass jeder Schritt, den er hier tat, ebenso von Augen überwacht wurde wie alles und jeder andere hier. Alle Beteiligten waren zur Geheimhaltung verpflichtet worden. Nicht einmal seinen Kommunikator durfte er bei sich tragen. Es fühlte sich seltsam an, nicht zu wissen, wie es Hitomi und seinem gerade einmal fünf Wochen alten Sohn Shinji ging. Doch ein tröstlicher Gedanke schlich sich in sein Bewusstsein: Er würde sie beide heute Abend wieder in seine Arme schließen. Sie warteten auf ihn, genau wie er auf sie. Er spazierte weiter durch die Grünanlage, die unverwechselbar König Jarreds Handschrift trug. Und er befasste sich wieder mit der Tatsache der Anomalien. Um Panik zu vermeiden, gelang nichts von hier nach draußen. Das wäre das Schlimmste, was passieren konnte. „Ein Chaos im Chaos braucht niemand!“, dachte er sich und sah sich weiter um.
Wissenschaftler und Militärs in Uniformen hasteten an ihm vorbei, jeder mit einer Aufgabe, einem Auftrag, einem Ziel. Einige tippten eilig in ihre Tablets oder waren in Gesprächen vertieft, andere liefen einfach nur wie er durch die Gegend, um sich die Beine zu vertreten und um frische Luft in die Lungen zu bekommen. Es war eine Pause, die alle dringend benötigten, die Gemüter waren erhitzt, nachdem sie stundenlang in einem stickigen Saal auf Karten, Grafiken und Videomaterial gestarrt und sich mit Strategien und Taktiken beschäftigt hatten. Und vor allem frische Luft, um den Kopf wieder etwas freizubekommen. Die Spannung, die das Gremium hatte, schien nun für einen kurzen Augenblick der Ruhe Platz zu machen.
Auch auf Captain Hikaris Tablet gingen fast im Minutentakt neue Messdaten, aktualisierte Karten oder Analysen ein. Er setzte sich auf eine nahegelegene Bank und scrollte durch das neueste Material. Die Flut ließ ihn tief einatmen und wieder von dem Gerät aufblicken, dabei entdeckte Professor Williams, der bekannt für seine präzise Arbeit und seine unerschütterliche Geduld, mit der er diese komplexesten Daten in leicht verständliche Visualisierungen verwandelte. Eilig stand Captain Hikari auf den Professor zu.
„Professor Williams,“ begann er, als Hikari den älteren Mann erreicht hatte: „Die Karten, die Sie erstellt haben, sind beeindruckend. Aber ich habe ein paar Fragen zu den Details – insbesondere zu den Energieverläufen.“ fragte Sjinjiro direkt, denn viel Zeit hatten sie schließlich hier und jetzt nicht.
Williams hob den Blick von seinem Tablet und sah den jungen Mann über den Rand seiner Brille hinweg an: „Captain Hikari, ich hatte fast erwartet, dass Sie mich aufspüren. Ihr Vortrag war, ich würde fast sagen, beeindruckend! Ich nehme an, Sie wollen wissen, warum die Verläufe im Sektor B anders aussehen als im Sektor A?“ Shinjiro nickte und erwiderte kurz: „Ganz genau.“ – „Nun, dann lassen Sie uns sehen, ob ich Ihren Wissensdurst stillen kann,“ erwiderte der Professor und bedeutete Hikari, ihm zu folgen.
Zwei Stunden später traf man sich wieder im Saal. Alle sahen wieder etwas frischer aus und es konnte von Neuem beginnen. Shinjiro ging noch einmal alles durch. Er atmete tief ein, als er sich setzte. Nachdem die meisten ihre Einsatzpläne vorgetragen hatten, wurde er aufgefordert, seine Strategie vorzustellen. Er koppelte sein Tablet mit dem großen Monitor und öffnete die letzte Karte: „Meine Herren, das ist eine der aktuellsten Karten des Sektor A. Sie ist circa eine Stunde alt und das sind die Messwerte dazu!“ Er ließ nun die Werte neben der Karte anzeigen. „Ich habe mich mit Professor Williams unterhalten. Von ihm stammen diese Karten. Wie sie sehen, hat sich der Wert der größten Anomalie seit drei Tagen nicht mehr verändert.“ Es war absolute Stille im Raum. König Jarred schaute unentwegt auf die Daten neben der Karte, als er fragte: „Was könnte das jetzt für den Sektor A bedeuten?“ Shinjiro presste seine Lippen aufeinander und sah Jarred ernüchternd an, bevor er sich wieder der Karte zuwandte: „Diese Energiequelle scheint fertig zu sein. Und gehen wir von unseren letzten Erkenntnissen aus, ist das auch so! Die anderen kleineren und größeren sollten den Wert in den nächsten drei, vier oder fünf Monaten erreicht haben. Laut Professor Williams und seinem Team.“ Hikari sah sich um. Niemand unterbrach ihn oder hatte Fragen, also fuhr er fort. “Sollte also etwas da draußen passieren, so wird es auch passieren!“, beendete er seinen Einstieg in das Thema. General Roux, ein General des Königreiches, meldete sich zu Wort: „Wovon gehen Sie genau aus, Captain Hikari?“ Shinjiro schaute selbst noch einmal auf die Karte: „Nun, basierend auf der gesammelten Faktenlage, … mit einem Angriff!“ Ein Raunen ging durch den Raum. Einige standen auf und begannen zu diskutieren. „Sollte es so sein, wie sie behaupten, wissen wir nicht, wem wir gegenüberstehen werden. Aufgrund der Lage und der damit nachzuvollziehenden Tatsachen werden wir es mit einer Übermacht zu tun haben.“, führte Hikari seine zusammengetragenen Erkenntnisse vor: „Wir müssen evakuieren!“, kam es aus den Reihen des Auditoriums. General Francis vom Kavallerie-Oberkommando stand auf und fragte: „Und was ist, wenn überhaupt nichts passiert? Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass sich diese Energie von selbst auflösen könnte.“ Hikari nickte: „Selbstverständlich, das wäre möglich, aber wozu dann dieser Aufwand seitens der Natur? Egal wo sich natürliche Energien aufbauen, sei es auch nur ein Blitz, entlädt sich natürliche Energie immer! Warum sollte das also im All anders sein?“ fragte er. Der Saal blieb darauf erst einmal still: „Dazu kann ich allerdings noch eine Theorie beitragen. Wieder andere Wissenschaftler gehen davon aus, dass diese aufgebauten Energien sich in einer Art Supernova entladen könnten. Sollte das der Fall sein, gab es den Sektor A mal!“ Eagle erwiderte: „Also, es ist alles, egal wie man es dreht und wendet, nur eine Hypothese!“ Einige nickten dem Major zu. „Das Schöne an Hypothesen ist, man kann sie berechnen!“, warf Captain Hikari darauf ein. „Das mag sein, aber wir können nicht alle Truppen mobilisieren, nur wegen einer berechneten Hypothese, die eben zufällig auf einen Angriff hinausläuft!“, sagte Francis. „Wir können es uns jedoch auch nicht erlauben, nicht vorbereitet zu sein! Egal wofür. Sollte es eine Energieentladung geben, müsste auch das Militär raus, um zu retten, was zu retten ist!“, argumentierte Hikari auf diesen Einwurf. Wieder gab es zustimmendes Nicken, aber auch Abwehr: „Wie schaut denn jetzt ihre Strategie aus, Captain?“, wollte General Whitehawk wissen. Alle wurden wieder ruhiger und schauten dem Captain jetzt erwartungsvoll entgegen. Shinjiro nickte und begann: „Truppen, Aufsplittung auf Jarr, Pectos und für die Verstärkung sorgen Alamo und Yuma. Patrouillen rund um Jarr. Dauerhafte Beobachtung des Gebietes der Anomalien, um bei der kleinsten Veränderung handlungsfähig zu sein und um das Kampfgeschehen so weit weg wie möglich von den bewohnten Planeten zu halten. Sollte es dem Feind gelingen Jarr einzunehmen, haben wir keine Möglichkeiten mehr über den Sektor A zu agieren. Vor allem ist der Weg in Richtung Erde für den Sektor B dann abgeschnitten. Wie gesagt, strategisch ist Jarr perfekt für eine Invasion.“ König Jarred schluckte nach dem Gehörten: „Wir können nicht alle Truppen mobil machen und über Monate hinweg einsatzbereit halten. Vor Yuma im Sektor B geschieht genau das gleiche“, teilte Major Eagle seine Meinung zu dieser Strategie mit. „Doch zeitversetzt! Gelingt es uns vor Jarr das abzuwehren, kennen wir unseren Feind und wissen, mit wem wir es zu tun haben. Mit diesem Wissen bleiben wir darauf handlungsfähig!“, erwiderte Captain Hikari. „Das ist Wahnsinn!“, sagte ein Colonel. Einige nickten, andere dachten nach. „Die Kosten für dieses Unterfangen übersteigen alles. Wie wollen sie das erklären, sollte nichts geschehen?“ Hikari legte sein Tablet zur Seite. „Wie wollen sie es erklären, sollte etwas geschehen und sie hätten vorbereitet sein können! Eine Infanterie für einige Wochen aufrechtzuerhalten, mit Gruppenaustausch, würde die derzeitigen Ausgaben maximal um 20 Prozent steigern. Zumal die Kavalleristen auch dann endlich mal das tun würden, wofür sie ausgebildet wurden!“ Gab Hikari etwas ernster zurück. „Und wer soll das alles koordinieren? Wer hat das letzte Wort? Wer übernimmt die Verantwortung?“, fragte ein weiterer Colonel. Captain Hikari nahm sein Tablet wieder an sich und rief einen taktisch ausgegliederten Plan auf. „Jeder Befehlshaber mit einer Truppenstärke von bis zu 50 Mann bleibt autonom! Alle anderen unterwerfen sich der Befehlskette des OF-9 Generals!“ Das war zu viel für einige. „Damit würde ich das Kommando abgeben!“, kam es von einem. „Wer soll der OF-9 sein?“, fragte eine andere Stimme. „Wir haben sechs Truppen von bis zu 50 Mann, die anderen machen eine Stärke zusammengefasst von 60 Einheiten aus. Das ist eine 300.000 Mann Stärke. Wie stellen Sie sich das vor? So etwas hat es noch nie gegeben!“ Hikari grinste leicht. „So etwas gab es im alten Rom! Ganze Heere wurden zu Legionen. Es gab immer Nachschub und Verstärkung aus allen Richtungen. Und ihre Rechnung ist falsch. Es wäre eine Truppenbewegung von insgesamt 400.000 Mann auf zwölf verschiedene Punkte im gesamten Neuen Grenzland verteilt“, erklärte der junge Captain den Generälen. „Danke für Ihre Mathematik und Geschichtsstunde. Jedoch ist das im Weltall nicht umsetzbar!“ Einige nickten, andere fanden die Legion Strategie sehr gut. „Es ist machbar und sogar leichter umzusetzen als sie denken!“, sagte Hikari und rief die Truppenverlegung auf. Major Eagle schüttelte seinem Kopf. Ihm ging das alles gerade viel zu schnell. Wann hatte Hikari das alles bitteschön erstellt? Auch König Jarred und dessen Generäle kamen nicht mehr nach. Die Informationsflut seitens Hikari war enorm. Er stand vor ihnen und konnte alles darlegen und erklären. Aber den meisten im Raum fehlte es an der Überzeugung, dass es wirklich zu einer Invasion kommen könnte.
Unerwartet stand der König auf: „Ich bin dafür!“ Im Saal wurde es still. Captain Hikari, der sein Tablet gerade wieder ablegen wollte, sah auf. „Aber eure Hoheit, bitte bedenken Sie …!“, wollte ihn ein Colonel noch einmal zurückhalten. Jarred hob eine Hand und der Colonel verstummte: „Wir sind verpflichtet das Neue Grenzland auch vor Eventualitäten zu schützen! Eine solche Mobilmachung, gebe ich zu, ist eine Herausforderung. Doch das war die Besiedlung des neuen Grenzlandes auch! Und Sie, meine Herren und auch ich, haben einen Eid abgelegt. Der besagt: Dass wir alles Erdenkliche tun werden, um die Menschen zu schützen! Natürlich werde ich die Verantwortung übernehmen, denn schließlich befindet sich die erste Anomalie im Sektor A! Für diese Strategie benötigen wir Unterstützung der gesamten siebten Kavallerie!“ beendete Jarred seine Ansprache. Gemurmel entstand: „Das ist doch vollkommen verrückt!“ – „Das kann er nicht ernst meinen!“ – „Aber wir müssen handeln!“ – „Wir sollten es versuchen!“ – „Ich finde es übertrieben!“ Jarred hörte eine Weile den Diskussionen zu: „Und, weil es Captain Hikaris Strategie ist, wird er auch die Befehlsgewalt darüber haben!“
Stille. Hikari sah sich um und wartete ab. „Natürlich werden wir die Siebte Kavallerie aktivieren, eure Hoheit!“, kam es nach einer Weile von General Whitehawk. Daraufhin standen einige Generäle auf und eine laute Diskussion geriet in Gang. „Das ist der absolute Wahnsinn, ausgedacht von einem so jungen Captain-General!“, sagte einer etwas lauter, dass ihn auch jeder hören konnte und zeigte dabei auf Hikari. „Die Menschen werden mitbekommen, dass wir die gesamte Kavallerie und auch die königlichen Truppen mobil machen!“ Raunen ging durch den Saal. „Und was sagen wir, wenn nichts geschieht? Dass wir auf die Hirngespinste eins 26-jährigen Captains gehört haben, der zwar, ohne Zweifel, ein herausragender Stratege ist, doch verzeihen Sie mir, Captain Hikari, Sie machen meiner Meinung nach gerade alle verrückt mit ihren Wahrscheinlichkeiten!“ Shinjiro schluckte und legte neben sich das Tablet auf den Tisch. Er hörte sich die Einwürfe an. Eine Truppenbewegung war vielen zu unsicher. „Ich kann das Oberkommando in dieser Situation nicht herunterfahren und wegen Wahrscheinlichkeiten schon gar nicht. Auch ist es meine persönliche Meinung, dass Captain Hikari für diese große Befehlsgewalt noch viel zu jung ist!“, kam es von General Francis. Kleinere Diskussionen waren wieder im Gange. „Nun, General Muelli, ich stehe hier und sie stehen hier und ich bin Captain-General. Soviel ich weiß, ist dieser Rang an kein Alter gebunden. Und die Verteidigung des Sektor B wäre durchaus mit den Standorten auf Yuma und Alamo gegeben. Die Truppen wären in diesem Falle sogar noch einfacher und flexibler zu koordinieren!“, erklärte Hikari nochmals seine Stellung und die Effizienz seiner Strategie bei der Einsatzfähigkeit der Aufsplittung. Die Befürworter waren überzeugt und nickten Hikari und auch König Jarred zu. Auch Kommander Danwens, der derzeitige Leiter des Oberkommandos auf Yuma, war für eine Truppenverlegung, der Stab jedoch zur Hälfte dagegen. Captain Hikari stand mit verschränkten Armen vor dem Monitor und beobachtete den Schlagabtausch der älteren, doch so erfahrenen Männer. „Gut, dann werden wir abstimmen!“, schlug König Jarred vor. „Behalten Sie jedoch im Hinterkopf, dass es genau wegen so einer Situation einen First Grad benötigt und Sie alle ihre Entscheidung darüber bereits getroffen haben!“, fügte Jarred noch mit an. Ein General aus Alamo trat hervor: „Entschuldigen Sie eure Hoheit, natürlich stehen wir alle nach wie vor hinter der Entscheidung, was den First Grad betrifft! Doch das hat heute, hier und jetzt nichts damit zu tun!“ General Withawk trat vor das Auditorium und stellte sich neben Captain Hikari: „Natürlich steht das Oberkommando Ihnen, König Jarred, zur Verfügung!“ Jarred nickte dem Indianer, den er sehr schätzte, entgegen. „Ich bin für diese Strategie. Sie würde nicht nur im Ernstfall eine Invasion stoppen, vielmehr würde sie den Zusammenhalt stärken und allen beweisen, dass das neue Grenzland in ungewissen und herausfordernden Zeiten miteinander und nicht nebeneinander agiert. Ist das nicht der Geist eines jeden Star Sheriffs? Er steht dem ganzen Grenzland zur Verfügung und nicht nur einem vorbestimmten Sektor!“, redete Whitehawk vor dem Gremium und erinnerte sie an ihre Verantwortung dem Menschen und dem gesamten Grenzland gegenüber! Einsichtiges Nicken und bestätigende Worte waren zu vernehmen. „Ich werde die Abstimmung durchführen und ich erwarte Ihre Entscheidungen spätestens morgen Früh!“, sagte der indianische General und wandte sich daraufhin Hikari zu. Jarred nickte und sah sich um. Einige verließen den Saal. „Das dürfte schwierig werden!“, sagte Colonel Petésr zum König. „Die Strategie ist durchdacht und ich habe Vertrauen in sie!“, war Jarreds Antwort darauf. „Was die Strategie betrifft, stimme ich Ihnen 100 Prozent zu, eurer Hoheit, doch das meinte ich nicht!“ Jarred sah zu einem seiner vertrauten Militärberater: „Ich meinte Captain Hikari, er ist schwierig!“ Jarred musste kurz lächeln: „Das, Colonel, sind die meisten hochrangigen Militärs!“ Der Colonel nickte zustimmend.
Captain Hikaris Verteidigungsstrategie für das Grenzland wurde nach hitzigen Diskussionen und ausführlichen Debatten abgelehnt. Die Abstimmung fiel denkbar knapp aus: Zwei Stimmen mehr und die Strategie hätte die notwendige Mehrheit erreicht.
Hikari stand reglos da. Das Ergebnis war für ihn schwer zu akzeptieren, obwohl er äußerlich ruhig wirkte. Sein Blick ruhte auf der digitalen Anzeige, die das Resultat unmissverständlich verkündete. Die Mehrheit der Mitglieder hatte sich letztlich für Vorsicht und gegen eine proaktive Verteidigung ausgesprochen. Hikari atmete tief ein, um seine Gedanken zu ordnen, bevor er mit einem festen, kontrollierten Ton sprach: „Ich akzeptiere die Entscheidung des Gremiums. Doch ich hoffe, dass wir bereit sind, die Konsequenzen zu tragen, sollten wir unsere Reaktionszeit überschätzen.“
Seine Worte schwebten im Raum, bevor er sich umdrehte und langsam Richtung Ausgang ging. Die Anspannung unter den Anwesenden war spürbar, einige schienen über seine Aussage nachzudenken, während andere stumm blieben.
König Jarred, der das Geschehen mit verschränkten Armen und einem nachdenklichen Ausdruck beobachtet hatte, senkte seinen Kopf. Seine Stirn legte sich in tiefe Sorgenfalten und ein schwerer Seufzer entrang sich seiner Brust. Es war deutlich, dass ihm die Ablehnung der Verteidigungsstrategie ebenso wenig behagte wie Shinjiro selbst.
Seine Augen folgten dem jungen Captain, der den Saal verließ, mit einem Blick, der sowohl Bedauern als auch Sorge ausdrückte. Jarred wusste, dass Shinjiro Recht haben könnte – und dass die knappe Entscheidung des Gremiums sie teuer zu stehen kommen könnte.
03 - 16 Jahre später
Der erste Angriff der Outrider lag 16 Jahre zurück. Ihre Hauptenergiequelle war damals von Captain Hikaris Aktion massiv beschädigt worden. Der Schock der ersten interstellaren Schlacht lag vor allem bei den Beteiligten auch nach all den Jahren noch tief. Sowohl das neue Grenzland, als auch das Königreich Jarr begannen unabhängig voneinander mit der Aufrüstung. Es gab Schuldzuweisungen auf beiden Seiten, die Schlacht wurde immer und immer wieder analysiert und König Jarred brach nach dem Angriff auf sein Königreich alle wirtschaftlichen und militärischen Verbindungen ab.
Sein Königreich war inzwischen vollkommen autonom und unabhängig. Das Kavallerie-Oberkommando brauchte nach dem Angriff ganze fünf Jahre, um sich neu zu orientieren. Kommander Major Danwens hielt mit seinen 69 Jahren weiter tapfer das Oberkommando zusammen. Sein Nachfolger, General Campbell, war gefallen, ebenso Captain Hikari, der bis zu seinem dreißigsten Lebensjahr neben Campbell fungieren sollte. Doch dass beide Kandidaten für diese Position gemeinsam in einer Schlacht ums Leben kamen, konnte niemand vorhersehen. Nach diesem Ereignis war kein General bereit, freiwillig die Verantwortung zu übernehmen – niemand wollte sich in die Schusslinie begeben. Intrigen und Machtspielchen bestimmten somit jahrelang das Oberkommando.
Immer mehr Menschen verließen den Heimatplaneten Erde, um im neuen Grenzland neu anzufangen. Diese Menschen galt es zu schützen, damit sie auch blieben und sich niederließen. Eine schnelle Lösung musste her! Der Stab auf Alamo entschied sich, Major Eagle zum Kommandeur des Oberkommandos zu ernennen. Die politische Situation zwischen Jarr und Yuma beruhigte sich zwar im Laufe der Zeit, doch ein Zusammenkommen war in naher Zukunft nicht zu erwarten. Kommander Major Danwens musste aufgrund seines bereits hohen Alters zurücktreten, stand jedoch Major Eagle weiterhin beratend zur Seite.
Die Opfer des ersten Angriffs wurden mit voller Ehre verabschiedet. Eine besondere Anerkennung erhielt Captain Hikari, er galt als vermisst, weil keinerlei Überreste von ihm und seinem Jet gefunden wurden. Jarred und einige wenige glaubten daran, dass dieser es doch überlebt haben könnte, die Chance war jedoch sehr gering, das wusste Jarred. Doch so lange er nicht den endgültigen Beweis für Hikaris Tod hatte, würde er seinen besten Freund nicht als tot ansehen! Jeder im neuen Grenzland kannte diese Geschichte, doch war wirklich alles bekannt? Denn zweifellos hing ein gewisser Hauch von Unklarheit über diesem Ereignis.
Einige einflussreiche Militärfamilien der Erde schickten ihre Kinder in die Ausbildungsakademien nach Alamo, damit sich in den nächsten Jahrzehnten die Lage weiter stabilisieren konnte. Auch bot die Militärakademie viele weitere Studien- und Ausbildungsbereiche an. Jeder bekam seine Chance, das neue Grenzland mitzugestalten und mit viel Herzblut konnte man sich einen Namen machen.
Ramrod, das neu entwickelte Kampfschiff des Kavallerie-Oberkommandos, glitt majestätisch durch das All. Seine Silhouette aus markanten Konturen, robusten Linien und Formen wurden umrahmt von dem Strahlen der Sonne des nahegelegenen Planeten Dakota. Mit seiner beeindruckenden Größe und Geschwindigkeit setzte Ramrod einen neuen Standard für militärische Kampfschiffe im Grenzland, angetrieben von den hochmodernen Turbobuster-Triebwerken. Diese machten das Schiff nicht nur schnell, sondern auch außerordentlich wendig und effizient. Doch seine wahre Stärke steckte in der sogenannten Challenge-Phase. Auf Knopfdruck konnte sich Ramrod in einen riesigen Kampfroboter verwandeln. Die präzise Mechanik dieser Transformation war ein Wunderwerk der Ingenieurskunst: gewaltige Arme und Beine erstreckten sich aus dem Korpus, und ein Kopf glitt aus dem Kern des Schiffs hervor. Die metallischen Teile bewegten sich mit einer flüssigen Eleganz, die sowohl Kraft als auch Technologie demonstrierte. Zahllose hydraulische Systeme und elektromagnetische Schaltkreise arbeiteten reibungslos synchron, um die Verwandlung im Kampf in Sekundenschnelle zu vollziehen.
Diese Verwandlung war nicht nur beeindruckend, sondern im Kampf oft auch entscheidend. Wenn Ramrod als Roboter in den Kampf zog, brachte er eine neue Dimension an Mobilität und Feuerkraft mit. Gegnerische Einheiten, die zuvor auf einen Raumkreuzer eingestellt waren, hatten kaum eine Chance gegen die plötzliche Wendigkeit und die immense Kampfkraft des Friedenswächters.
Ein besonderes Detail war der Cowboyhut, den der Kampfroboter trug – ein ikonisches Symbol des Grenzlandes. Wie die ersten Siedler, die damals Amerika erschlossen hatten, symbolisierte der Hut den Pioniergeist, der auch das Grenzlandes prägte. So wurde Ramrod, mit seiner imposanten Silhouette und seinem unverwechselbaren Erscheinungsbild, schnell zum Aushängeschild der Star Sheriffs.
Zudem leitete Ramrod auch eine völlig neue Ära in der militärischen Raumfahrt ein. Dank seiner fortschrittlichen Systeme konnte das Schiff inklusive Besatzung bis zu drei Tage am Stück im All operieren, ohne Nachschub oder Wartung zu benötigen. An der Weiterentwicklung dieser Technologie wurde stetig gearbeitet. Die Vision des Oberkommandos war es, die auf Alamo ausgebildeten Star Sheriffs in naher Zukunft auf mehreren »Friedenswächter-Einheiten« im All zu stationieren, die auf der hybriden Technologie von Ramrod ihre Missionen erfüllten und somit für Sicherheit im Grenzland sorgen würden.
Schwieriger war es da schon für Ramrod den passenden Befehlshaber zu finden. Viele Offiziere standen dem Projekt skeptisch gegenüber, sei es wegen der Risiken, der ungewissen Erfolgsaussichten oder der völlig neuen Anforderungen, die die Technologie stellte. Doch General Whitehawk, ein entschlossener Befürworter des Projekts, ließ sich nicht beirren. Mit seinem feinen Gespür für Talente und Charaktere fand er schließlich den Mann, der die perfekte Besetzung für diese Rolle darstellte: Saber Rider. Sein bürgerlicher Name war (oder lautete) Richard Lancelot und mit seinen gerade einmal 21 Jahre war er der jüngste Captain, der jemals im Neuen Grenzland ernannt wurde. Seine Wurzeln lagen in den schottischen Highlands. Die Lancelots gehörten seit Jahrhunderten zum Landadel und waren keine Unbekannten in der militärischen Geschichte des Landes. Eine Familie, die seit Generationen für ihren unerschütterlichen Sinn für Disziplin, Loyalität und militärische Werte bekannt war. Diese Traditionen prägten natürlich auch Saber tief und verliehen ihm einen enormen Vertrauensvorschuss und ließen ihn aus der Masse seiner Altersgenossen hervorstechen.
General Whitehawk hatte nicht nur das außergewöhnliche strategische Talent des jungen Schotten erkannt, sondern ihn auch systematisch auf die anspruchsvolle Position als Captain eines neuartigen Kampfschiffes vorbereitet. Unter der persönlichen Anleitung des erfahrenen Generals entwickelte und verfeinerte Saber Rider nicht nur seine Fähigkeiten als Taktiker, sondern auch jene als inspirierender Anführer, der sein Team durch Vertrauen, Respekt und Entschlossenheit zu Höchstleistungen motivieren sollte. Was den blonden Schotten jedoch wirklich einzigartig machte, war seine bemerkenswerte Ruhe in Krisensituationen. Selbst in den chaotischsten Momenten behielt er einen kühlen Kopf und traf Entscheidungen mit einer Klarheit, die sogar erfahrenere Offiziere beeindruckte. Seine strahlend blauen Augen, die im Alltag oft einen warmen, freundlichen Ausdruck hatten und die Herzen zahlreicher Damen eroberten, konnten sich in ernsten Momenten in durchdringende, fokussierte Blicke verwandeln, die keinen Zweifel daran ließen, dass er die volle Kontrolle hatte.
Doch selbst ein junger Mann mit Sabers außergewöhnlichem Potenzial konnte eine Mission auf dem Friedenswächter Ramrod nicht allein bewältigen. Er benötigte eine Mannschaft, die loyal, talentiert und vor allem engagiert war. Es brauchte Menschen, die bereit waren, an seiner Seite und unter seinem Kommando die Ideale des Grenzlandes, den Frieden und die Sicherheit zu verteidigen.
General Whitehawk hatte Saber daher eine außergewöhnliche Verantwortung übertragen: Er durfte sein zukünftiges Team selbst zusammenstellen. Diese Entscheidung zeugte nicht nur von tiefem Vertrauen in Sabers Urteilsvermögen, sondern stellte auch eine wichtige Bewährungsprobe dar. Denn die Aufgabe war alles andere als einfach. Niemand konnte dazu gezwungen werden, Teil der Ramrod-Crew zu werden – das Schiff war schließlich noch nicht kampferprobt, und seine revolutionäre Technologie galt vielen als zu anfällig und riskant.
Saber musste daher nicht nur die Besten der Besten ausfindig machen, sondern sie auch von der Vision überzeugen, die hinter dem Projekt Ramrod stand. Es war eine Aufgabe, die nicht nur strategisches Geschick erforderte, sondern auch Einfühlungsvermögen und eine besondere Fähigkeit, Menschen zu inspirieren. Fähigkeiten, die Saber zwar in sich trug, doch diesmal musste er sie auf einer neuen Ebene beweisen. Denn als Captain lag es an ihm, das Vertrauen und die Loyalität seines zukünftigen Teams zu gewinnen, das nicht nur mit ihm, sondern vor allem unter seinem Kommando an Bord von Ramrod gehen würde.
Die Zusammenstellung seines Teams erwies sich für den 21-jährigen Captain als unerwartet schwierig. Kein erfahrener Offizier war bereit, sich dem Kommando eines so jungen Captains zu unterstellen – schon gar nicht bei einem Projekt, das so neu und ungewiss war wie Ramrod. Der Respekt, den Saber sich mühsam erarbeiten musste, wurde ihm von vielen verweigert. Stattdessen gab es hinter vorgehaltener Hand Gerüchte und skeptische Stimmen. Einige Befehlshaber waren der Meinung, dass General Whitehawk einen folgenschweren Fehler gemacht habe, indem er die Verantwortung für ein so neues Kampfschiff einem so jungen Mann übertragen hatte.
Die ersten Gespräche verliefen schleppend. Viele potenzielle Kandidaten schüttelten den Kopf, lehnten höflich aber bestimmt ab oder machten sich elegant aus dem Staub. „Mit Verlaub, Captain, ich halte das Projekt für äußerst ambitioniert. Vielleicht… zu ambitioniert“, war eine der höflicheren Ablehnungen. Es gab keinen Mangel an Kritik – und der Widerstand war spürbar. Einige Offiziere und Techniker zögerten, in ein solches Vorhaben zu investieren, vor allem, wenn man bedachte, dass Ramrod noch nicht einmal in echten Gefechten getestet worden war.
Doch Saber Rider ließ sich davon nicht beirren. Er wusste, dass er sich erst vor allem bei den älteren, befehlshabenden Offizieren positionieren musste, und das bedeutete, für den Schotten die richtigen Leute zu finden. Nicht unbedingt die erfahrensten, sondern die, die an die Vision glaubten, die hinter Ramrod stand. Er brauchte Menschen, die bereit waren, das Risiko mit ihm einzugehen, die die Herausforderung und das Abenteuer suchten, und die bereit waren, ihr Vertrauen in ein ungetestetes Projekt zu setzen. Gut unter diesen Punkten, brauchte er auch einige verrückte, das musste sich der Schotte eingestehen, als wieder ein Tag im Grenzland vorbeizog ohne vorzeigbare Ergebnisse.
Eines Tages wurde ihm von General Whitehawk April Eagle vorgestellt – eine 19-jährige, hochintelligente, angehende Ingenieurin und die stille, aber zentrale Lead-Entwicklerin von Ramrod. Sie war mit den Technologien von Ramrod so vertraut wie kaum jemand anderes, denn sie hatte nicht nur an der Konzeption des Schiffes mitgewirkt, sondern auch dessen Systeme maßgeblich mitentwickelt. Ihre Fähigkeiten und ihr technisches Verständnis waren unübertroffen, und das war nicht nur für Saber ein klarer Vorteil. Gerade weil Ramrod nicht nur Befürworter hatte, sondern vor allem Zweiflern gegenüberstand. Umso wichtiger war es, dass der Prototyp von Ramrod einwandfrei funktionierte. Und genau das war April Eagles Aufgabe: Sie war diejenige, die sicherstellte, dass die Technologie nicht nur funktionierte, sondern auch kontinuierlich optimiert wurde.
Zwischen April, der jungen Französin, und Saber, entstand sofort eine natürliche Harmonie. Denn beide hatten ein Ziel, Ramrod mit Besatzung in die Luft zu bekommen! Ihre Fähigkeiten und ihr Respekt füreinander waren von Anfang an spürbar. Schnell war klar, dass April mit ihrem Wissen die ideale Besetzung war. Ihre Hauptaufgabe an Bord war die Navigation.
Kommander Eagle war zunächst verständlicherweise alles andere als begeistert von der Entscheidung seiner Tochter, sich einem Kampfschiff inmitten eines sich anbahnenden Krieges anzuschließen. Als Veteran des ersten Angriffes der Outrider hatte er selbst erlebt, wie brutal und verlustreich solche Konflikte sein konnten. Die Vorstellung, dass seine einzige Tochter nun Teil eines so gefährlichen Projekts werden würde, brachte ihm sicherlich nicht nur die ersten grauen Haare, sondern garantiert auch das ein oder andere Magengeschwür.
Doch trotz dieser Sorge, die ihn sichtlich belastete, unterstützte er Aprils Entscheidung – wie er es immer getan hatte. Ramrod war schließlich Aprils „Baby“, das Projekt, in das sie all ihre Zeit, Energie und ihre Expertise gesteckt hatte. Als Weltraumwissenschaftler wusste er selbst nur zu gut, wie viel Herzblut man in ein solches Projekt investieren konnte und er erkannte die Entschlossenheit in den Augen seiner Tochter. Doch es war etwas anderes, seinem Kind irgendeinen Wunsch zu erfüllen oder es wissentlich in den Krieg zu schicken.
Saber und April begaben sich jetzt gemeinsam auf die Suche nach einer geeigneten Crew. Da sie erfahrungsgemäß bei den bereits vorhandenen Offizieren oft auf Granit bissen, entschieden sie sich, nach Alamo zu reisen und dort die besten Kadetten ausfindig zu machen. Warum nicht gleich von Anfang an einen Piloten und einen Scharfschützen auf dem Friedenswächter ausbilden? Mit dieser Strategie konnten sie von Anfang an verhindern, dass sich bereits verinnerlichte Fehler einschlichen. Schließlich befanden sich an Bord nicht nur die modernsten Waffensysteme, sondern auch die empfindlichsten Steuerungsmodule.
Schnell wurde Saber von den Ausbildern auf einen vielversprechenden Kadetten aufmerksam gemacht: Bill Wilcox, frischgebackene 20 Jahre alt und ein Cowboy, wie er in so manchem Buche steht. Nebenberuflich war der junge Amerikaner selbsternannter Frauenversteher. Doch vor allem, und das war für Saber das Wichtigste, war der Cowboy bekannt für seine außergewöhnlichen Schießfähigkeiten, die er nicht nur im Ausbildungscamp unter Beweis gestellt hatte. Bill hatte bereits, bevor er nach Alamo kam, einige intergalaktische Schießwettbewerbe gewonnen, die ihm den Ruf des besten Schützen im Grenzland einbrachte.
Doch ebenso berüchtigt war Bill für seine Fähigkeit, jedes Fettnäpfchen zu finden, das auf seinem Weg lag, sei es in Gesprächen oder bei der Durchführung von Aufgaben. Doch trotz allem war Bill sofort begeistert vom Projekt Ramrod und bereit, an Bord zu gehen. Für ihn war es mehr als nur eine Mission – es war eine Chance, sein Leben neu zu gestalten, das sich seit dem erneuten Auftauchen der Outrider vor 16 Monaten dramatisch verändert hatte.
Damals griffen die Outrider vor Laramie einen zivilen Raumgleiter an. In diesem verloren Bills Eltern und hundert andere unschuldige Menschen ihr Leben. Es waren die ersten zivilen Opfer des zweiten Überfalls der Phantomwesen auf das Neue Grenzland. Danach schlug sich Bill für einige Monate sogar als Kopfgeldjäger durch. Doch über mehr wollte der Lockenkopf noch nicht sprechen, was der Schotte und April akzeptierten. Aber die Narben von Bills Vergangenheit waren spürbar – nicht in seinen Worten, sondern in seiner Entschlossenheit, die Outrider zu bekämpfen, die düsteren Tage hinter sich zu lassen und nach vorne zu schauen.
Was Saber und April jedoch noch mehr beeindruckte, war der Mut und die Hingabe, die in Colt steckten. Trotz seiner doch meist sehr, sehr lockereren Art und seinem manchmal chaotischen Auftreten spürten sie, dass sein Herz im Takt mit dem Zeitgeist des Grenzlandes schlug. Bill, der von allen treffend „Colt“ genannt wurde, war auf einer Farm in Texas aufgewachsen. Diese Wurzeln prägten nicht nur seinen Humor, sondern machten ihn auch zu einem wahren „Mann der Tat“, der stets einen klaren Kopf behielt, wenn es darauf ankam. An Bord von Ramrod brachte er nicht nur seine Schießfähigkeiten und seinen taktischen Sinn mit, sondern auch scharfsinnigen Humor, Unbeschwertheit und Optimismus, ohne je die Ernsthaftigkeit oder Hingabe zu verlieren. Auch wenn Colt mit seinen unkonventionellen Methoden das Team manchmal auf die Probe stellte, war allen klar, dass der Cowboy in kritischen Momenten die nötige Präzision und den Mut an den Tag legen würde.
Da war es schon schwieriger, einen geeigneten Piloten zu finden. Die Tests für Ramrod waren für die Piloten im Simulator sehr anspruchsvoll und stellten hohe Anforderungen an ihre Fähigkeiten. Der Pilot sollte nicht nur über außergewöhnliche Fähigkeiten im Umgang mit Steuerungssystemen verfügen, sondern auch ein tiefes Technikverständnis haben, um die komplexen Systeme von Ramrod zu verstehen und bei Bedarf schnell und präzise darauf zu reagieren. Es war keine Aufgabe für jemanden, der nur mit roher Kraft und Intuition arbeiten konnte – es erforderte einen ruhigen Kopf, technisches Wissen und die Fähigkeit, sich vollkommen auf die Steuerung des Schiffs zu konzentrieren und einzulassen.
Im Simulator wurden verschiedene Szenarien durchgespielt – von plötzlichen Angriffsmanövern bis hin zu technischen Störungen, die das Schiff in eine gefährliche Lage brachten. Es war ein Wettlauf gegen die Zeit, bei dem nur die besten Piloten bestehen konnten. Nur wenige Piloten kamen für diese Aufgabe infrage, um genau zu sein, waren es gerade einmal zwei, die in die engere Auswahl kamen.
Der erste von ihnen wollte jedoch nicht auf einem Kampfschiff dienen. Sein Herz schlug für die Kampfjets, und trotz aller Bemühungen von Saber und April, ihm das Projekt Ramrod schmackhaft zu machen, war er nicht zu überzeugen. Es war eine Enttäuschung für Saber, doch auch das musste der Schotte akzeptieren.
Der zweite Pilotenanwärter, der in allen Tests und Simulatorprüfungen klar der bessere gewesen wäre, zeigte nicht nur außergewöhnliche Flugfähigkeiten, sondern hatte auch ein tiefes technisches Verständnis. Er konnte die komplexen Systeme von Ramrod verstehen und steuern, als hätte er sein ganzes Leben lang nur für diese trainiert. Saber und April waren von ihm begeistert: Er war der Pilot, den Ramrod brauchte! Doch die Sache hatte einen Haken: Der Pilot war mit 15 Jahren – ok, fast 16 – einfach noch nicht alt genug, um ein Teil des Ramrod-Teams zu werden oder gar in den aktiven Militärdienst einzutreten. Er war noch in der Ausbildung zum Kampfpiloten an der privaten Militärakademie auf Alamo, einer Schule, die ihn erst einmal auf das Militär vorbereiten sollte.
Und als ob all die Herausforderungen nicht schon genug wären, gab es noch einen nicht zu verachtenden Aspekt der Situation: Der Junge war nicht einfach nur ein talentierter, sehr, sehr junger Pilot, sondern der Sohn von Captain Shinjiro Hikari. Der Verlust dieses bereits legendären Captain hatte tiefe Wunden hinterlassen, auch im Oberkommando. Captain Hikari war nahezu zu einem Symbol für den Widerstand gegen die Outrider geworden. Doch auch dieser hatte nicht nur Bewunderer. Einige standen Captain Hikari skeptisch gegenüber. Denn befasste man sich intensiver mit diesem Ereignis, warf der erste Angriff viele Fragen auf. Doch ganz gleich wie man es drehte und wendete, ohne die Aktion des Captains, wüsste man nicht, ob es das Grenzland in seiner Form noch immer geben würde.
Die erste Schlacht war nicht nur historisch die erste intergalaktische in der Menschheitsgeschichte, sondern auch eine der mysteriösesten, da der Feind in der Lage war, sich scheinbar unvorhersehbar in Luft aufzulösen. Diese „Überraschung“ – der Schock, das Trama, einem Feind gegenüberzustehen, der nicht nur wie aus dem Nichts auftauchen konnte, sondern auch die Grenzen der Physik sprengte – blieb den Offizieren und Soldaten der Generation von Saber und Colt erspart, denn sie wussten, was auf sie zukommen würde. Die damaligen Kämpfer hingegen fanden sich ohne Vorwarnung und ohne ein wirkliches Verständnis für den Feind auf einem Schlachtfeld wieder. Wie beängstigend das gewesen sein musste, konnte sich der Schotte kaum vorstellen. Heute, so glaubte man, wusste man mehr über die Outrider. Sie schienen Phantome zu sein, mussten jedoch eine organische Intelligenz hinter sich haben. was die Sache nicht weniger angstvoll besetzte.
Saber hatte oft den Erzählungen jener Männer gelauscht, die an der ersten Schlacht gegen die Outrider teilgenommen hatten. Und es war nicht nur der Verlust von Kameraden, der diese Männer quälte, sondern die tiefere Wunde, die ihren Glauben an die eigenen Fähigkeiten und die Sicherheit ihrer Welt erlitten hatte. Der Feind war unbegreiflich gewesen, eine Präsenz, die sich jeder Logik und jedem taktischen Kalkül entzogen hatte. Es war, als hätte der Krieg gegen die Outrider die Regeln des Universums neu geschrieben. Einige hatten nie wieder in den aktiven Dienst zurückgefunden.
Für Sabers Generation war dieser Schrecken zwar Geschichte, er selbst war damals ein kleines Kind gewesen. Auch Colt und April waren irgendwie mit der heimlichen Bedrohung Outrider friedlich aufgewachsen. Auch waren diese Wesen bis vor ein paar Monaten für den Schotten etwas, das man studierte und analysierte, um vorbereitet zu sein. Doch für die Männer, die damals gekämpft hatten, blieb es eine offene Wunde. Sie waren nicht nur Zeugen des ersten Angriffs der Outrider gewesen, sondern auch Opfer eines Konflikts, der die Menschheit an den Rand der Verzweiflung gebracht hatte. Und mitten in diesem Vermächtnis stand nun Fireball – ein 15-jähriger, der den Namen seines Vaters trug, eines Mannes, der in jener Schlacht gefallen war.
Der Name Hikari war bereits eine Legende – ein Symbol des Ruhms und des Schmerzes zugleich. Saber konnte die Schwere dieses Namens in jeder Diskussion spüren, in der es um Fireball ging. Das Grenzland war geprägt von einer Geschichte voller Tragik und Heldentum und es stand heute genau an dieser Schwelle – einem Ort zwischen Hoffnung und Trauma zu werden. Und Fireball, jung und ungestüm, schien beides in sich zu vereinen. Und doch war da dieser Funken, den Fireball versprühte, der eigenständig war und auch provozierend wirkte. Aber Saber hatte in den Augen des jungen Hikari diese Entschlossenheit gesehen, die er auch in Colts Augen gesehen hatte, die trotz seines Leids und seiner Verluste nie ihren Lebenswillen verloren hatten. Es war dieselbe Entschlossenheit, die April antrieb, jeden Tag zu beweisen, dass ihre Vision von Ramrod real war, selbst wenn andere sie als Hirngespinst abgetan hatten. Diese Entschlossenheit war es, die sie alle verband. Eine stille, aber unerschütterliche Kraft, die sie nach vorn trieb. Sie war es, die Saber Mut machte, Fireball durchaus in Betracht zu ziehen. Sie alle hatten ihre Gründe, nicht kampflos aufzugeben.
Saber wusste, dass dies der Unterschied war, der zählte. Es ging nicht nur um Talent oder Erfahrung; es ging hier um den Willen, die Zukunft für sich zu beanspruchen – die Bereitschaft, sich allem entgegenzustellen, was ihnen im Weg stand. Mit dieser Entschlossenheit, hatte sich Saber auf den Weg zu General Whitehawks Büro gemacht.
Das alles war nun zwei Jahre her, Fireball war 17 und er machte seinem Namen weiterhin alle Ehre. Für ihn konnte es nie schnell genug gehen . Egal in welchem Bereich seines Lebens, Fireball raste nur so durch. Meist ging er allerdings mit dem Kopf durch die Wand, was wahrscheinlich noch seiner Jugend geschuldet war. Sein temperamentvoller Charakter stellte für alle an Bord manchmal eine Herausforderung dar. Doch wenn der Wirbelwind mal nicht da war, empfanden sie es alle wieder als zu ruhig.
Vor allem der Cowboy verstand sich immer besser mit dem kleinen Japaner. Anfangs hatten die beiden so ihre Probleme miteinander. Das legte sich nach und nach, denn egal wie groß dieses Schiff auch war, es war auf Dauer doch ein beengter und vor allem begrenzter Raum. Sie mussten miteinander klarkommen! Saber, wusste, dass die beiden für seine ersten grauen Haare verantwortlich sein würden, steckte genau die beiden immer wieder in gemeinsame Schichten. Colt und Fireball erkannten, dass jeder Anteile in sich trug, seien es Träume oder Sehnsüchte. Sie konnten miteinander schweigen und sich vor allem streiten wie die Kesselflicker. Das war das Grundrezept für eine feste Freundschaft. Vor allem Colt brauchte eine Weile, um sich das einzugestehen, war doch Fireball um einiges jünger als er. Der Cowboy hatte unbewusst die Rolle des großen Bruders übernommen. Und für Fireball war Colt jemand, der ihn so nahm, wie er war. Er schmierte ihm keinen Honig ums Maul und trug ihn nicht auf Händen, wie es viele um ihn herum taten. Ganz im Gegenteil, der Cowboy holte den Jungen immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Manchmal nicht auf die feine englische Art und Weise, wie Saber fand, doch Fireball beschwerte sich nicht über die mitunter sehr grobe Art des Texaners. Fireball mochte es überhaupt nicht, mit seinem Vater verglichen zu werden, er musste sich immer wieder anhören, dass er so gar nicht wie sein Vater war. Das machte Fireball wütend und setzte ihn auch so manches Mal unter Druck. Denn egal was er tat, er würde niemals in die vorgegebenen Fußstapfen seines Vaters treten können. Zudem kannte er ihn überhaupt nicht, aber alle um ihn herum taten es! Colt war das alles völlig egal. Er wollte wissen, wie Fireball wirklich tickte und umgekehrt war der Japaner von dem Cowboy fasziniert. Fireball konnte sich stundenlang Erzählungen aus Texas anhören und kannte bereits jede Kuh, die es auf der Wilcox Farm gegeben hatte. Sogar das Huhn Henriette hatte Fireball in sein Herz geschlossen, obwohl es dieses schon lange nicht mehr gab. Colt konnte einfach wunderbar erzählen! Und der Cowboy selbst war doch immer wieder erstaunt über die Antworten und Ansichten seines Hombres auf bestimmte Dinge. Colt genoss eine gewisse Autorität über Fireball, denn Colt schaffte es, Fireball zu greifen. Vor Saber hatte Fireball sehr viel Respekt, ja auch eine kleine Bewunderung konnte man manchmal erahnen. Der Schotte hatte einen positiven Einfluss auf ihn. Und April hatte einen Piloten, der noch keine schlechten, eingefahrenen Gewohnheiten in Sachen Fliegen hatte. Sie konnte ihn komplett auf dieses Schiff ausbilden und einstimmen. Das Team funktionierte und harmonierte! Trotz der anfänglichen Skepsis und Zweifel von vielen hochrangigen Personen, hatten die vier jungen Menschen aus verschiedenen Kulturen eine feste Freundschaft aufgebaut, die auf gegenseitigem Respekt füreinander basierte. Die gemeinsamen sowohl positiven als auch herausfordernen Erlebnisse, die sie miteinander teilten, ließen sie einander in- und auswendig kennen. Sie unterstützten einander, auch wenn sie sich ab und zu zurechtweisen mussten. Die räumliche Enge an Bord verstärkte ihre Bindung zusätzlich. Besonders die Erfahrungen in Kampfsituationen schweißten sie zusammen und schafften ein starkes Band des Vertrauens. All diese Elemente erwiesen sich als die besten Ingredienzen und innerhalb von weniger als zwei Jahren hatten sich die vier zu einem namenhaften Team des Oberkommandos entwickelt.
So war es auch das Team Ramrod, welches ins Königreich Jarr geschickt wurde, um dem verbitterten König ein weiteres Mal ein Militärbündnis anzubieten. Der König weigerte sich, die Diplomaten des neuen Grenzlandes zu empfangen. Der Empfang für die vier war kalt gewesen. König Jarred hatte die Star Sheriffs stundenlang warten lassen, bis er sich doch dazu entschloss, sie wenigstens anzuhören, um zu erfahren, was das Oberkommando ihm anzubieten wollte. Er hatte sich die abgenommenen ID-Cards der vier geben lassen und er starrte Minuten lang auf einen Namen. Er wurde noch wütender. König Jarred empfand es als eine Art Verhöhnung! Es konnte kein Zufall sein, dass sie ausgerechnet den Sohn, das einzige Kind seines besten Freundes zu ihm schickten, an Bord eines Kampfschiffes. Jarred fühlte sich damals in die Enge getrieben. Er beschloss, sich anzuhören, was die vier zu sagen hatten. Das Bündnis ergab Sinn, die Wortwahl eher nicht, Jarred entschuldigte es damit, dass Captain Rider und April Eagle keine Diplomaten waren. Aber der Standpunkt des Königs war klar, keine Verbindung mehr zum Oberkommando! Und er hatte das Bündnis demonstrativ vor aller Augen zerrissen.
In diesem Moment unterbrach der Sohn seines Freundes den König und ließ ihn nicht zu Ende sprechen. Sowohl Saber als auch Colt versuchten, ihren Kameraden und Freund zurückzuhalten, aber Fireball ließ sich nicht aufhalten. Er sprach klare, bestimmende Worte aus, die einen Standpunkt vertraten und die unangenehme Wahrheit enthielten, die der König nicht hören wollte – schon gar nicht von einem Jugendlichen! In den Augen des Königs waren alle vier viel zu jung. Was zum Teufel hatte sich der Stab in Yuma dabei gedacht? König Jarred verhängte über das Team des Friedenswächters einen Hausarrest von unbestimmter Dauer.
Die Entscheidung des Königs konnte nicht angefochten werden, die Gesetze im Königreich Jarr waren klar und eindeutig! Ein Kampfschiff, das mit aktiven Waffen in den Orbit eindrang, wurde unter Arrest gestellt, bis die politische Lage geklärt war. Gemäß den Vorschriften hätte sogar die Besatzung festgenommen werden müssen, aber aus irgendeinem Grund unterließ der König letzteres. Die Gesetze bezüglich des Mindestalters für die Teilnahme am Kampfgeschehen waren in Jarr sehr strikt und eindeutig, während sie im Neuen Grenzland schwammig und auslegungsfähig waren. Auf solche Dinge ließ sich der König nicht ein! Vier Tage lang standen sie im Trockendock, wie es der Cowboy damals bezeichnet hatte. Auch in dieser Zeit kam es immer wieder zu Zusammentreffen mit Prinz Roland und König Jarred. Alle Bemühungen prallten von den beiden ab. Jedoch wurden die Angriffe der Outrider auf Jarr immer mehr. Weit abgelegene Siedlungen wurden eine nach der anderen dem Erdboden gleich gemacht. Die Opferzahlen stiegen und das Königreich Jarr geriet immer stärker unter Druck. Sollten sich diese Meldungen häufen! Jarred ließ sich nun doch helfen. Aus einmal wurden einige Male. Saber Rider und Colt hatten den Kronprinzen vor dem sicheren Tod bewahrt, dafür war der König den Star Sheriffs dankbar! Er lud sie zur jährlichen königlichen Weihnachtsfeier ein. Und hatte sich zuvor noch mit seinem Stab beraten. Sie würden das Bündnis vorerst annehmen, was jedoch ein zeitlich begrenztes, vor allem militärisches war. Das neue Grenzland war einverstanden. Auf dieser Weihnachtsfeier nahm der König Shinji, den Sohn von Captain Hikari, zur Seite und führte ihn in das Nebenzimmer seines Büros. Jarred zeigte dem Jungen Bilder seines Vaters und erzählte Fireball viel Persönliches über ihn. Was der König jedoch nicht tat, war den Sohn mit dem Vater zu vergleichen. Jarred merkte, dass in Fireballs Brust das Herz am rechten Fleck saß und seine Ungestümheit daher rührte, dass er keine feste, reale Vaterfigur vor sich hatte, sondern immer nur heldenhafte Erzählungen und Vergleiche. Jarred war sich sicher, dass Shinjiro stolz auf seinen Sohn wäre. Wusste er doch, wie glücklich sein Freund damals über Fireballs Geburt gewesen war. Umso unvorstellbarer war es für Jarred, dass Shinjiro sich sechs Monate nach dessen Geburt in einem Kamikaze-Manöver opferte. Das entsprach überhaupt nicht Shinjiros Wesen. Er liebte trotz allem, was er erlebt hatte, das Leben, den Frieden und seine Familie. Shinjiro hatte es geliebt, Vater zu sein. Er ging vollends in dieser Aufgabe auf. Damals hatte Jarred in den Augen von Shinjiro so etwas wie tief empfundene Freude und vor allem Frieden gesehen. Er war so voller Lebensmut gewesen und dann sollte er sich tatsächlich wissentlich in den Tod stürzen? Nein! Jarred wollte und konnte das nicht akzeptieren! Dieser Junge, der neben ihm stand, ist Shinjiros ganzer Stolz! Was hatte er für Gespräche mit Shinjiros Vater und vor allem seiner Frau Hitomi geführt. Wie wollten sie das Shinjiro erklären, sollte er eines Tages wieder zurückkehren? Shinjiros Vater alles als Spinnerei abgetan. Für ihn war sein Sohn, den er mit so viel Strenge und Disziplin erzogen hatte, tot. Da gab es keine Diskussion. Jarred würde trotzdem ein Auge auf Fireball haben!
04 - Déjà-vu vor Jarr
Saber, Colt, April und Fireball waren seit drei Tagen im All unterwegs und hatten täglich einige Aufeinandertreffen mit den Outridern. Die Stimmung an Bord war seit zwei Tagen etwas angespannt, was Saber nicht nur beobachten, sondern auch fühlen konnte. So gerieten April und Fireball, der vor vier Wochen 17 Jahre geworden war, in letzter Zeit immer häufiger aneinander. Der Schotte hatte allerdings auch bemerkt, dass es Fireball nicht gut ging. Dieser hatte zugegeben, dass er Schmerzen hatte, diese aber nicht lokalisieren konnte und es vor Saber hinunterspielte, um ja nicht zu einem Arzt zu müssen. Morgen würden sie auf jeden Fall landen und Saber würde ihn zu einem Doktor schleifen, ob dieser das nun wollte oder nicht! Auch Colt entging das Hin und Her zwischen Fireball und April nicht. April kritisierte jede Kleinigkeit des Piloten, Fireball bezeichnete April als seine persönliche Kommentarspur an Bord. April meldete die Fehler, welche der Pilot während der Einsätze machte, daraufhin betitelte Fireball April als Petze und machte sich daraus einen Spaß, sie damit zu piesacken. April konterte mit weiteren Aufgaben für den jungen Piloten, welche er neben dem Fliegen und dem Kampfgeschehen erledigen sollte. Saber stoppte diesen Vorgang sofort. Er brauchte den Piloten klar und nicht übermüdet! Colt reichte es ebenfalls. Er war mega genervt von der Stimmung an Bord und sprach ein Machtwort. Hatten die beiden einen Lagerkoller oder was war hier los? April sollte aufhören zu zicken und Fireball einfach mal seine vorlaute Klappe halten, denn dieser ließ sich immer wieder aufstacheln. „Herumzicken? Ich zicke also herum?“, fragte April entrüstet und stemmte ihre Hände in die Hüften. Fireball grinste. Colt sah Fireball scharf an: „Ich habe gesagt, Klappe halten!“ Fireball, der auf der Bank in der Küche des Friedenswächters saß, hörte sofort auf zu grinsen, nachdem er Colts bösen Blick sah. „Hä?“, kam es stattdessen von ihm. Er hatte doch gar nichts gesagt und sah den Cowboy fragend an. April verließ sauer die Küche. „Komisch, bei dem Wort Ziege drehen alle Mädchen durch“, sagte Fireball feststellend. Colt stand grummelnd auf und holte sich eine Cola aus dem Kühlschrank. Er brauchte jetzt etwas, um seine Nerven zu beruhigen und da war Zucker genau das Richtige. „Was ist los mit euch?“, wollte der Cowboy von seinem Freund wissen, während er die Dose öffnete. Fireball zuckte mit einer Schulter. „Ich habe keine Ahnung. Wenn ich sie frage, kommt immer nur, ich soll darüber nachdenken!“ Colt öffnete nachdenklich die Cola Dose und trank einen Schluck. Es musste eine Lösung her! In diesem Moment betrat Saber sichtlich genervt die Küche und legte einige Unterlagen auf den Tisch. Er schaute seinen Piloten dabei strafend an und sagte ernst: „Ich möchte, dass du dich April gegenüber ordentlich verhältst. Gibt es eine Beschwerde, musst du das Schiff verlassen!“, erinnerte der Schotte seinen jungen Piloten und goss sich eine Tasse starken Kaffee ein. Fireball stand auf und stellte sich vor Saber: „Das ist Bestechung! Und sie darf machen, was sie will oder was?“ Saber setzte sich und schüttelte mit seinem Kopf: „Ich habe gerade mit April gesprochen!“ Fireball warf seine Arme in die Luft: „Dann könnt ihr Ramrod demnächst schieben. Was ihr könnt, kann ich auch!“ Er verließ jetzt auch die Küche und ging auf die Brücke. Saber rollte mit seinen Augen und sah sich die gerade eingetroffenen Unterlagen an. „Recht hat er schon!“, kam es nach einer Weile ruhig von Colt. Saber sah von seinen Unterlagen auf und schaute den Lockenkopf neben sich an. Colt stand auf und klopfte mit einem Finger auf die Tischplatte. „Ich rede mit ihm, Boss!“, sagte er und ging dem Wirbelwind nach. Saber nickte und las die weiteren unerfreulichen Meldungen der anderen Teams über deren Zusammentreffen mit den Outridern. Er wurde absolut nicht schlau daraus. Die Angriffsziele waren sehr weit auseinander. Was beabsichtigten die Outrider mit dieser Zerstreuung?
Colt betrat die Brücke und sah Fireball am Bordcomputer, vertieft in die Überprüfung des Autopiloten. Noch etwa eine Stunde würde das Schiff die vorgegebene Route durch das All folgen. Fireball kämpfte kurz gegen eine Welle bleierner Müdigkeit an, die ihn unvermittelt überkam. Sie war quälend, aber ebenso schnell wieder verschwunden. Genervt von diesen plötzlichen Schwächen, schnaubte Fireball leise und fluchte innerlich.
Doch bevor Colt etwas sagen konnte, ertönte ein Notruf auf der Brücke. Es war Prinz Roland. Augenblicke später stürmten Saber Rider und April herein. Der Kronprinz berichtete, dass seit einer Stunde vor dem Planeten Jarr eine Weltraumschlacht mit den Outridern tobte. In den letzten Minuten hatte sich die Situation verschärft – immer mehr feindliche Kampfschiffe und Hyperjumper tauchten auf. Die Nachricht versetzte die Ramrod-Einheit in Alarmbereitschaft. Saber Rider sicherte dem Prinzen ihre Unterstützung zu, während er als erfahrener Stratege begann, die Lage zu analysieren.
„Bringt Ramrod in Kampfbereitschaftsphase!“, befahl Saber mit fester Stimme. Die Dringlichkeit der Situation war allen klar, sie mussten schnell handeln, um den Angriff der Outrider abzuwehren, um den Planeten zu schützen. Fireball deaktivierte den Autopiloten und gab Volllschub, Colt fuhr seine Waffenstände hoch, und April legte den schnellsten Kurs nach Jarr.
Captain Lorenz war zur Zeit mit seiner Air Base auf Alamo stationiert und gehörte zu den ersten, die vor Ort waren, um sich dem Kampfgeschehen anzuschließen. Kommander Eagle, der für den nächsten Tag ein Treffen mit König Jarred geplant hatte, unterstützte ebenfalls mit der Peacekeeper 7, das Königreich Jarr. Die Royal Monarch Supreme, mit König Jarred an Bord, würde in Kürze eintreffen, begleitet von weiteren Schiffen aus Jarr.
„Mit diesem Tempo sollten wir in 20 Minuten vor Ort sein!“, informierte Fireball. Saber war dabei, alle möglichen Informationen der Schlacht zu sammeln, um sich vorab ein Bild zu machen. April war konzentriert damit beschäftigt, alle Module auf Fehler zu überprüfen, um sicherzustellen, dass sie einwandfrei funktionierten. Einige Fehlermeldungen waren aufgrund der vorherigen Kämpfe aufgetaucht. Doch während sie versuchte, die Systeme in Ordnung zu bringen, überkam sie plötzlich Schwindel. Sie griff nach etwas zu trinken, in der Hoffnung, es würde ihr besser gehen. „Ich fühle mich nicht besonders gut!“, gab April zu. Sabers Augenbrauen hoben sich besorgt, dass die Strapazen der letzten Missionen und der Kämpfe ihre Wirkung auf sie zeigten. Er behielt ihre Worte im Hinterkopf und spürte ein zunehmendes Unbehagen.
Saber hoffte inständig, dass der bevorstehende Kampf vor Jarr sich nicht weiter ausweiten würde. Er wusste, dass sein Team in den letzten Tagen bereits viel durchgemacht hatte und erschöpft war. Die bevorstehende Schlacht würde eine enorme Herausforderung darstellen, aber er war fest entschlossen, alles in seiner Macht Stehende zu tun, um sicherzustellen, dass sie diese gemeinsam meistern konnten.
Vor Jarr entfalteten sich mehrere Kampfgeschehen. Die Jets der Air Base von Captain Lorenz kümmerten sich in vier Gruppen um die Hyperjumper.
Die Peacekeeper 7 nahm ein Kampfschiff der Outrider unter Dauerbeschuss. Prinz Roland und seine Mannschaft übernahmen die Verantwortung für die Abwehr, um sicherzustellen, dass kein feindliches Schiff in den Orbit von Jarr eindringen konnte. Dies war von entscheidender Bedeutung, um die Sicherheit des Planeten zu gewährleisten und die Bewohner zu schützen. Die Royal Monarch Supreme konnte aus verschiedenen Geschützten feuern und war damit um 360 Grad einsatzfähig. Damit unterstützte sie gleichzeitig die Jets und die Peacekeeper 7. Ein weiteres Kampfschiff der Outrider tauchte auf. Es war sehr wendig und nahm Prinz Rolands Schiff immer wieder unter Beschuss, um den Outridern einen Weg auf Jarr zu ebnen. Prinz Roland bekam Feuerschutz von seinem Vater. Die Jets mussten jedoch immer wieder ausweichen und abdrehen. In diesem Moment schlug ein gewaltiger Blitz zwischen den Outridern und dem Schiff des Prinzen ein und schickte damit nicht nur das kleine wendige Schiff zurück in die Phantomzone, sondern auch mehrere Hyperjumper. „Gerade noch rechtzeitig!“, kam es erleichtert von Kommander Eagle, als er sah, von wem dieses Manöver ausgeübt wurde. Saber erkundigte sich über die Befehlsgewalt. Kommander Eagle teilte seinen Angriffsplan mit und alle gingen in Stellung. Die Outrider spielten jedoch nicht so mit, wie es sich Eagle erhofft hatte. Sie veranstalteten das reinste Chaos. So flogen die Jumper kreuz und quer zwischen den Schiffen von Jarr und dem Oberkommando. Die Jets konnten sich nicht daran beteiligen, die Gefahr eines Aufpralls oder einer Kollision war zu groß. Captain Lorenz ordnete das Auflösen der aktuellen Stellung an, sodass sich die Jumper ausgedehnter im All verteilen konnten. Nun konnte er sich mit seinen Männern um diese kümmern, ohne zwischen die eigenen Fronten zu geraten.
Fireball verließ abrupt seine Position und brach aus der Formation aus. April war besorgt über den Kurswechsel und schaute auf das Radar, um zu sehen, wohin der Japaner steuerte. „Fireball, du kannst nicht einfach nach oben ziehen!“, ermahnte sie ihn. Sie warf einen kritischen Blick auf die unerwartete Kursänderung. Fireball pustete Luft aus: „Glaubst du wirklich, ich fliege hier ohne zu wissen, was rechts und links über und unter mir los ist?“, fragte er. Und gab jetzt noch mehr Schub, um die Jumper, welche an Ramrod klebten, von Lorenz erledigen zu lassen. „Aber wozu schicke ich dir dann die Routen?“, wollte April darauf wissen und griff sich an ihren schmerzenden Kopf. „Weil hier Jets und Hyperjumper hin und her fliegen und ich da nicht einfach so durchbrechen kann!“, erklärte Fireball etwas genervt. Er musste seine Systeme im Auge behalten, um nicht die Jets über den Haufen zu fliegen!
Saber sorgte augenblicklich für Ruhe an Bord und ermahnte seinen Piloten und April, sie sollten beide weiterhin ihre Arbeit machen! „Später können wir über die Details sprechen!“, ermahnte er die beiden. Fireball schluckte schwer, nachdem Saber laut und deutlich seinen Standpunkt klargemacht hatte und beobachtete auf seinen Schirm, die roten und grünen Punkte. Er kniff seine Augen zusammen. Fireball spürte Anstrengung und Erschöpfung in seinem Körper, während er versuchte, die Situation auf dem Schirm und die Steuerung von Ramrod im Auge zu behalten.
Saber setzte seine Bemühungen fort, das Geschehen zu überwachen und Informationen mit König Jarred und Kommander Eagle auszutauschen. Die Koordination zwischen den verschiedenen Einheiten und Anführern war von entscheidender Bedeutung, um die besten Angriffsstrategien zu entwickeln und die Outrider erfolgreich zurückzudrängen. Es war eine Herausforderung, denn mit Kampfjets hatten sie wenig Erfahrung. Auch konnten sie nicht so agieren und spontan handeln, wie sie es gewohnt waren.
Doch das alles war den Outridern egal. Sie kämpften weiter ohne Gnade und schossen auf alles und jeden. „Gab es Verluste auf ihren Seiten?“, fragte sich Saber und wischte diesen Gedanken sofort wieder beiseite! Saber sprach den nächsten Befehl automatisch aus, um die Gelegenheit zu nutzen: „Wir haben freie Bahn! Vollen Schub, gib rein, was du hast, Fireball! Und maximal Feuer, Colt!“ Seine Worte wurden sofort in die Tat umgesetzt, das spürte der Schotte als er durch die plötzliche Beschleunigung in seine Satteleinheit gepresst wurde, was die immense Kraft Ramrods spürbar verdeutlichte. April spielte dabei eine entscheidende Rolle, indem sie Fireball die präzisen Koordinaten schickte, um gefahrlos vorstoßen zu können, ohne versehentlich auf befreundete Einheiten zu schießen. Die enge Abstimmung und Kommunikation zwischen Saber, Fireball, Colt und April war der Schlüssel, um effektiv zu agieren und gleichzeitig Kollateralschäden zu vermeiden. Colt nutzte die Geschwindigkeit, um mehrere Hyperjumper und sogar ein Kampfschiff der Outrider auszuschalten. Seine Fähigkeiten als Schütze waren in dieser Lage von unschätzbarem Wert und seine Treffsicherheit trug dazu bei, die Bedrohung zu minimieren. Die Intensität und Koordination ihres Vorgehens zeigten, wie gut sie als Team funktionierten und wie entschlossen sie waren, den Planeten Jarr zu verteidigen!
Kommander Eagle und König Jarred beobachteten das beeindruckende Manöver, das von dem Ramrod-Team ausgeführt wurde. Sie waren von ihrer Entschlossenheit und Geschicklichkeit beeindruckt. Die Zusammenarbeit des Teams an Bord war offensichtlich und sie erkannten, wie gut die Einheit als Ganzes funktionierte. Captain Lorenz nutzte den offenen Hypercom-Kanal, um seine Glückwünsche für die erfolgreiche Aktion auszudrücken. Nach dieser Aktion übernahmen die Jets und die Royal Monarch Supreme wieder die Führung im Kampf. Das Ramrod-Team nutzte diese Gelegenheit als eine kleine Verschnaufpause, um sich neu zu positionieren und um etwas zu trinken.
Plötzlich störte etwas die Schaltkreise und ein großer Blitz tauchte auf. Alles deutete auf einen größeren Dimensionssprung hin. Ein großes Kriegsschiff der Outrider erschien auf dem Schlachtfeld. Die Jets mussten acht geben. Feuerschutz war jetzt das, was die Jets benötigten. Alles feuerte aus allen Rohren. Es war fast taghell im All. Captain Jonsons meldete sein baldiges Eintreffen., Er würde in wenigen Minuten mit seinem Schiff als Verstärkung vor Ort sein! Auf Ramrod war April unermüdlich dabei, für Ramrod gute Punkte zu finden. Sie schickte diese zu Fireball. Der konnte jedoch nicht alle anfliegen, denn die Situation änderte sich sekündlich. Das hier war eine andere Art von Kampf, stellte Saber fest. Die heutigen kleineren Zusammentreffen waren Ablenkungsmanöver gewesen, um die Einheiten des neuen Grenzlandes zu verteilen, damit diese hier nicht gebündelt auftauchen konnten. Jetzt ergab es einen Sinn! Saber schluckte.
April konnte nicht länger gegen die körperliche Belastung ankämpfen. Nachdem Fireball eine abrupte 90-Grad-Kurve geflogen war, musste sie sich übergeben. Die erleichternde Erkenntnis, dass die Satteleinheiten für solche Situationen ausgestattet waren, milderten zumindest den unangenehmen Vorfall. Saber bekam mit, dass es seiner Navigatorin nicht gut ging. „Saber, es geht nicht mehr!“, gestand April erschöpft und mit Bedauern. Es tat ihr leid, dass sie ihre physischen Grenzen wohl erreicht hatte. Saber verstand die Ernsthaftigkeit der Situation und wusste, dass es an der Zeit war, zu reagieren, um April zu entlasten.
Colt war besorgt um seine Kollegin und drehte sich kurz zu ihr. Aber er konnte sich nicht lange ablenken lassen, da das neue Kampfschiff der Outrider eine ernsthafte Bedrohung darstellte und seine volle Aufmerksamkeit erforderte. Die Situation war äußerst kritisch und jeder Moment zählte, während sie gegen die feindlichen Streitkräfte kämpften, die sie umzingelt hatten. Saber nickte und wies April an, ruhig zu bleiben.
„Fireball geh hoch. Wir räumen von oben auf und erledigen den Ballermann dahinten.“ sagte Colt. Fireball versuchte etwas mit Colts Beschreibung anzufangen. „Da hinten!“, war nicht sehr hilfreich, aber er fand den Punkt, wohin Colt wollte. Er legte sich den Kurs, was einige Sekunden benötigte, denn April war außer Gefecht! Diese Sekunden, die sie jetzt länger benötigten, verdeutlichten allen an Bord die Abhängigkeit voneinander. Fireball stieg und gab darauf erneut Schub, um Colt in eine gute Position zu bringen. Er schloss kurz seine Augen: „Oh, was ein Fehler!“, dachte er sich im nächsten Moment. Sein Blick wurde unscharf. Er benötigte einige Momente, bis sein Sichtfeld wieder klar wurde. „So ein Mist!“, sagte er und verringerte darauf instinktiv den Schub. „Fireball! Was soll das?“, kam es von Colt, der bereit gewesen war zu feuern, aber durch die Schubverringerung sein Vorhaben sofort abbrechen musste. Colt schlug wütend auf sein Display: „Verdammt! Den hätte ich gekriegt, hätte ich!“ Fireball flog eine Schleife, um aus dem aktiven Kampfgeschehen herauszukommen und setzte Ramrod hinter die Peacekeeper 7 ab. „Gut, das Ganze gleich noch einmal!“, sagte Saber. „Nein!“, kam es plötzlich energisch von April. Ihr stiegen bereits die Tränen in die Augen, ihr Kopf schmerzte, ihr Kreislauf spielte nicht mehr lange mit, zu lange dauerte ihr Einsatz nun schon. Es war bereits der dritte an diesem Tag. Sie war blass. Saber erkannte sofort, dass April an ihre physischen und mentalen Grenzen gelangt war. Er hielt inne und richtete seinen Blick besorgt auf seine Navigatorin, ihre Sicherheit und Gesundheit stand für den Schotten jetzt an erster Stelle.
Prinz Roland meldete sich über Hyperfunk und ließ verlauten, dass sich die Stellungen gerade gut zusammengefügt hätten und wenn alle auf einmal das große Schiff beschießen würden, es eine Chance geben könnte. Alle waren sofort mit dabei. Saber schickte die Daten, welche vom Navigator des Prinzen kamen an Fireball weiter und dieser richtete Ramrod darauf aus. Colt bereitete alle Waffensysteme für diese Aktion vor. Saber behielt den Überblick bis zum endgültigen Feuerbefehl. Die Jets von Captain Lorenz entfernten sich aus der Schusslinie und wurden von Hyper Jumpern verfolgt. Die kleineren Kampfschiffe der Outrider sammelten sich oberhalb des Geschehens. „Feuer!“, befahl Saber in den offenen Funkkanal und los ging es. Eine gewaltige Energie von Lasern und Raketen - was für ein Anblick! Colt gab alles, was er hatte. Das Schiff explodierte und löste sich auf, einige Jumper verschwanden ebenfalls. Fireball setzte zurück, damit Ramrod nicht von umherfliegenden Schrott der Outrider getroffen wurde. Der nächste Plan stand bereits in den Startlöchern. Saber ruderte zurück. Er musste eine Lösung für April finden, als sich diese plötzlich meldete: „Saber, ich möchte auf die Peacekeeper 7 übersetzen. Dort gibt es einen Arzt an Bord!“ Während sie das sagte, zitterte ihre Stimme und ihre Worte klangen schwach. Colt blickte auf und drehte sich zu April: „Prinzessin, bitte halte noch ein bisschen durch!“ Das war alles, was der Cowboy sagen konnte. Ihm tat es leid und er wollte helfen, aber er konnte nicht. Denn schon musste er sich wieder um die Visierautomatik kümmern und feuerte. Saber nickte und drehte sich zu April: „Ich werde sofort alles …“ Saber konnte nicht weitersprechen. „Daddy, ich benötige einen Arzt!“ kam April ihm zuvor. Die Augen des Kommanders wurden immer größer, als er diesen Funkspruch vernahm. Gepaart mit Sorge um seine Tochter. Sie war normalerweise niemand, die freiwillig nach einem Arzt verlangte. „Evakuierung!“, ordnete der Kommander über Hypercom an. Saber war überrascht, als der Funkspruch an Kommander Eagle rausging. Hatte April ihn gerade übergangen? Saber sagte streng: „April, nein, ich bin zum jetzigen Zeitpunkt dagegen!“ Aber es war schon zu spät. Er hörte die Anweisung der Evakuierung von Kommander Eagle. „Ist nicht euer Ernst?“, war alles, was Fireball dazu sagen konnte, was weniger mit Aprils Zustand zu tun hatte. E machte sich auch Sorgen, doch er wollte der Evakuierung zum jetzigen Zeitpunkt nicht zustimmen! April hörte das Gesagte von Fireball. Warum war er gerade jetzt so gemein zu ihr? König Jarred schaute von dem großen Rasterortungsschirm nach draußen auf das Schlachtfeld, beobachtete die Jets und seine Kampfschiffe. Alle waren hochkonzentriert und bei der Sache. Besorgt über die unerwartete Entwicklung eilte er zur Kommandobrücke und nahm Kontakt zu Kommander Eagle auf. „Eine Evakuierung? Bei wem und zu wem? Kommander, was ist passiert?“, fragte Jarred mit dringlicher Besorgnis in seiner Stimme nach. Die Situation schien sich weiter zuzuspitzen und König Jarred wollte unbedingt Klarheit über die Umstände der Evakuierung erhalten, um angemessen reagieren zu können und die Sicherheit seiner Leute zu gewährleisten.
Captain Lorenz gab nur ein kurzes „Negativ“ in den offenen Funkverkehr. Saber gab Fireball Anweisung, sich neben die Peacekeeper 7 zu setzen, um den Evakuierungskorridor aufzubauen. Saber, der noch etwas überfahren von Aprils Handelns war, musste die Situation unter Kontrolle bringen und die notwendigen Schritte für die Sicherheit aller einleiten. Normalerweise pochte er nicht auf seinen Rang, aber in solch einem Kampfgeschehen sind Ränge dazu da, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten! Auch traf Kommander Egel gerade eine eigenmächtige Entscheidung über sein Team, die Ramrod außer Gefecht setzen könnte. Denn ohne Navigator war Ramrod in dieser Schlacht nicht einsatzfähig. Das konnte Fireball nicht auch noch übernehmen. Der Pilot hatte alle Hände voll zu tun, Ramrod auf Kurs zu halten, das Umfeld zu beobachten und den Schützen in günstige Schusspositionen zu bringen, damit Colt wenigstens einsatzfähig blieb. Colt schwieg zu diesem Thema. Es tat ihm unendlich Leid, jedoch musste er seinen Feuerleitstand nicht nur im Auge, sondern auch im wahrsten Sinne des Wortes in Schuss halten. „Saber!“, April schaute zu dem blonden Schotten: „Ich lege mein Modul in deine Steuereinheit.“ Saber rief Aprils Navigation auf und nickte etwas unterkühlt. Er machte sich viele Sorgen um April, aber situationsangemessen hoffte er nur noch, dass jetzt alles gut geht und April schnell Hilfe bekam. Der Navigator der Peacekeeper 7 meldete sich und schickte die Koordinaten, sodass Ramrod so nah wie möglich an die Peacekeeper 7 ranfliegen konnte, um den Evakuierungskorridor so klein wie möglich zu halten. Um sie herum war das Kampfgeschehen nicht abgeflacht, ganz im Gegenteil. Die Outrider bekamen mit, was die Menschen vorhatten und versuchten in den Korridor einzudringen. Nur den Jets war es geradezu verdanken, dass dies nicht geschehen konnte! Prinz Roland und König Jarred positionierten sich neu, um auch weiterhin mobil in der Schlacht zu bleiben und um im Falle eines Falles Ramrod und die Peacekeeper 7 zu unterstützen. Die Monarch Supreme und ein weiteres kleineres Kampfschiff von König Jarred positionierten sich weiter zum Halbkreis und die Jets fungierten als Abfangjäger. König Jarred war nicht sehr glücklich über diesen Umstand, aber eine Evakuierung hatte oberste Priorität und musste reibungslos ablaufen. Allerdings würde der König das von Kommander Eagle noch einmal persönlich erklärt haben wollen! Es tauchten weitere Hyperjumper auf und wollten den Halbkreis durchbrechen, um in den Schutzkorridor zu gelangen, denn dort waren die Menschen jetzt angreifbar. Die Jets waren stark gefordert und hatten alle Hände voll zu tun! Die Evakuierung und die laufenden Kampfhandlungen erforderten ihre volle Aufmerksamkeit, um die Jumper abzuwehren und gleichzeitig den Evakuierungskorridor zu schützen. April wurde von einem Rettungsshuttle der Peacekeeper 7 abgeholt und verließ den Friedenswächter. Bevor sie ging, drehte sie sich noch einmal in Richtung Ramrod und sprach leise: „Entschuldigt!“ Ihre Stimme zitterte und sie spürte, wie ihre Augen feucht wurden. Die Situation hatte sie emotional sehr mitgenommen. „Schnell zu Daddy!“, dachte sie sich. Währenddessen positionierten sich zwei Jets oberhalb von Ramrod und der Peacekeeper 7, um den Evakuierungskorridor auch von oben abzuschirmen. Die Anstrengung der Jet-Piloten zeigte, wie wichtig es war, die Evakuierung sicher durchzuführen und gleichzeitig die Verteidigung aufrechtzuerhalten. Jeder trug seinen Teil dazu bei, die Situation so schnell wie möglich zu bewältigen und das Beste aus den gegebenen Umständen zu machen.
Erneut gingen sämtliche Alarmsignale und Töne an. Ein weiterer Dimensionssprung wurde über das Frühwarnsystem angekündigt. König Jarred und Prinz Roland beobachteten gespannt die Ortungsschirme. „Klar, gerade jetzt, diese Schmutzfüße!“, entfuhr es dem Cowboy, während er auf sein Radar schaute, um den Fortschritt des Shuttles mit April an Bord zu verfolgen. Sein Ärger über die sich verschärfende Situation war spürbar. Fireball blickte von seiner Positionsanzeige auf und richtete seinen Blick nach draußen ins All. Während er sich bewusst machte, wie wichtig es war, wachsam und konzentriert zu bleiben. Die Ermüdung und die Strapazen des andauernden Kampfes machten sich bemerkbar, aber er weigerte sich, nachzulassen: „Durchhalten!“, sagte er leise zu sich. Es erschienen mehrere Warnungen auf den Monitoren: „Ein Schiff! Ein großes Schiff!“, berichtigte sich Colt. „Ok, Ruhe jetzt!“, sagte Saber. „Wir können nur bedingt eingreifen.“ Saber brauchte einen Plan, sein Kopf ratterte. „Colt behalte das neue Schiff der Outrider im Visier, keine Kampfhandlung, bis der Evakuierungskorridor aufgelöst ist!“, ordnete der Highlander an. Colt visierte das riesige Kampfschiff, um bereit zu sein. Captain Lorenz meldete sich über Hypercom: „Wie weit seid ihr? Es wird brenzlig! Und ich bräuchte einen Radarabgleich, ich sehe mich zweimal!“ Sabers Augenbrauen zogen sich fragend zusammen und begann die Situation zu analysieren. Er suchte die Kennung von Captain Lorenz auf seinem Radar. Tatsache, seine Kennung: »AS#1KOK1«, gab es zweimal. Alle Jets der Einheit hatten ihre individuelle Kennung. Die Nummer Eins war stets dem Captain vorbehalten. Dieser doppelte Eintrag war ungewöhnlich und konnte auf Störungen im Kommunikations- oder Ortungssystem hindeuten. Saber bestätigte Captain Lorenz, dass dessen Kennung zweimal auf dem Radar erschien. Auch die Navigatoren und Piloten der anderen Schiffe und Jets bestätigten Lorenz dies! Colt verfolgte den Jet oder die beiden Jets. Er wusste nicht, welcher der Captain war. Beide wurden grün und somit als: „Nicht feindlich!“, vom System eingestuft. „Ok, was ist das jetzt wieder?“ Colt hatte gar kein gutes Gefühl dabei. Captain Lorenz schickte allen Schiffen und auch seinen Männern seine Position. Nicht, dass sie noch das Feuer auf ihn eröffneten! Der zweite Jet wurde von den Schützen beobachtet und ein allgemeines Fadenkreuz gesendet, das Kampfgeschehen ging weiter. Das Evakuierungsshuttle erreichte die Peacekeeper 7 und landete in dessen Hangar. Kurz darauf wurde der Korridor aufgelöst. Zwei Jets verfolgten den fremden Jet mit der bekannten Kennung. Das merkwürdige war, dass der Jet versuchte nicht ins Kampfgeschehen einzugreifen, sondern sich davon sogar zu entfernen, indem er sich unter das Geschehen begab. „Colt, nimm den Jet mit dem Maverick-System ins Visier. Er versucht hinter den aufgelösten Korridor zu kommen!“, wies Saber seinen Schützen an. Seine Stimme war besorgt und entschlossen zugleich. „Schon geschehen, Säbelschwinger“, bestätigte Colt die Anweisung des Schotten.
König Jarred ließ sich diesen plötzlich aus dem Nichts aufgetauchten Jet auf seinen Monitor legen und ließ ihn nicht aus den Augen! Der Jet hielt sich fern von allen Kampfhandlungen und brach nach unten durch. Das könnte bedeuten, dass dieser Jet unbewaffnet war. Er wurde von zwei Jets begleitet und immer, wenn die beiden Jets von Lorenz’ Männern auf Höhe waren, ging der verfolgte Jet tiefer. Dieses Manöver war in der Kampfpiloten Sprache ein Zeichen dafür, dass der betreffende Jet keine feindlichen Absichten hatte. „Was soll das?“, fragte sich Jarred und beobachtete das Flugverhalten weiter. „Sollte das wirklich gerade wahr sein?“, flüsterte er. „Das kann doch nicht wirklich passieren!“, sprach er beinahe ungläubig zu sich selbst. Die Ereignisse entwickelten sich in eine Richtung, die er sich nie hätte vorstellen können. Die Anspannung auf der Kommandobrücke war greifbar, während alle Anwesenden die unerklärliche Situation beobachteten.
Auch den Jetpiloten war das alles nicht entgangen. Captain Lorenz begab sich nun ebenfalls unter das Geschehen. Er wollte selbst sehen, was da genau los war! Der Schütze der Peacekeeper 7 übernahm die Fadenkreuzkennung, kümmerte sich jedoch weiter um die Outrider, die jetzt ihre Angriffsstrategie sternförmig auslegten. Saber beobachtete das Geschehen vor sich. Sollte es den Outridern gelingen, diese Position zu erreichen, würde es schwierig werden, hinter deren Front zu kommen. König Jarred gab seinen Funkern Anweisung, den Jet sofort zu kontaktieren! Der Funker gab sein Bestes, alle bekannten Signale ging er durch, bis ihm einfiel, dass vor gut zwei Jahren das neue Grenzland nach dem erneuten Ausbruch des Outriderkrieges ihre Funkcodes geändert hatten. So schaltete er die alten Codes wieder frei. „Eure Majestät, wir haben ein Signal“, sagte der Funker und König Jarred trat an diesen heran.
April erreichte das Schiff ihres Vaters und fiel ihm erleichtert in die Arme. Im selben Moment sackte sie zusammen. Eagle hielt seine Tochter und war sehr besorgt: „April! Was ist los?“ April öffnete kurz ihre Augen und blickte auf: „Oh, Daddy!“ Ihr Vater hielt sie fest: „Schnell einen Arzt!“, rief Kommander Eagle. Ein Sanitäter kümmerte sich um Miss Eagle und nahm sie mit auf die kleine, aber gut ausgestattete Krankenstation. Kommander Eagle wurde von dem unbekannten Jet unterrichtet. „Wie kann das möglich sein, dass ein fremder Jet eine Kennung des Kavallerie-Oberkommandos hatte? Das ist technisch überhaupt nicht möglich!“ Eagle folgte dem Offizier schnell zurück auf die Brücke: „Und niemand weiß etwas? Ist er friedlich?“, fragte Eagle, während sie liefen. „Ja, Sir, der Jet versucht sogar, aus dem Kampfgeschehen herauszukommen!“, teilte der Offizier die letzten Meldungen dem Kommander mit. Ramrod blieb als Geleitschutz neben der Peacekeeper 7, denn große Manöver konnten sie nicht mehr starten. „Ok, ich bin bereit Boss!“, kam es aus Colts Satteleinheit: „Wie lauten deine Befehle?“, fragte der Cowboy. „Behalte den Jet im Auge, aber halt deinen Finger still!“, sagte Saber ernst zu Colt: „Fireball wir behalten den Kurs, weichen aber nur 30 Grad davon ab, sodass wir nicht zu nah an der Peacekeeper 7 sind. Wir müssen den Wendekreisradius einhalten“, gab Saber seine Befehle weiter und teilte Prinz Roland und König Jarred das vermutliche Vorhaben der Outrider mit.
„NICHT FEUERN! ICH WIEDERHOLE NICHT FEUERN!“, erklang plötzlich König Jarreds feste Stimme auf allen Schiffen über das Hypercom. Saber, Colt und Fireball zuckten leicht zusammen. Die Kampfsituation und die Beobachtung des unbekannten Jets hatten ihre ganze Aufmerksamkeit eingenommen. Die Royal Monarch Supreme richtete einen neuen Funkkanal ein. Saber wunderte sich, dass jetzt auf einer älteren Frequenz gefunkt wurde. Er drückte auf seinem Monitor den blinkenden Button und schon hörten sie die Stimme von König Jarred: „Captain Hikari hören sie mich, hier spricht König Jarred, bitte melden!“ König Jarred wiederholte diese Nachricht einige Male. Sabers Blick schnellte nach oben. „Was?“, und blickte ungläubig durch das Panoramafenster, um den Jet zu sehen, der unweit von ihnen flog. Danach fiel sein Blick auf seinen Piloten. Fireball riss seine Augen auf, als er König Jarreds Funksprüche hörte. „Hatte der König gerade Captain Hikari, seinen Vater kontaktiert? Was war nur mit dem König los, ging es ihm nicht gut?“, wechselten seine Gedanken. Ihm wurde heiß und kalt, er hörte einfach nur zu. Etwas sagen konnte er nicht, beobachtete jedoch auf seinem Schirm den angefunkten Jet. „Wie kommt der König auf so eine absurde Idee?“ Da riss ihm eine andere Stimme aus seinen Gedanken. Es war die Stimme des Gerufenen. „Bestätige, es wäre nett mich aus euren Fadenkreuzen zu nehmen. Ich muss landen, wer nimmt mich auf? Und schließt sofort eure Funkkanäle! Es kann euch jeder hören und mit jeder meine ich jeder!“ Fireballs Herz rutschte gefühlt eine Etage tiefer und er hatte das Gefühl, dass dieses auch kurz ausgesetzt hatte. „Hikari!“ – entfuhr es Kommander Eagle plötzlich. Captain Lorenz, der die Stimme sofort wiedererkannt hatte, war ebenfalls kurz perplex und schüttelte seinen Kopf. Er handelte schnell und sorgte dafür, dass Captain Hikari von seinen Männern begleitet und geschützt wurde. Saber konnte nicht glauben, was gerade hier und jetzt geschehen war: „Wie kann das möglich sein?“ Colt könnte schwören, um ihn herum standen nur Fragezeichen, er schaute zu seinem Hombre, der erstaunlich ruhig war. Auch schämte sich Colt ein wenig, war er doch bereit gewesen abzudrücken!
Captain Hikari wurde von der Royal Monarch Supreme aufgenommen.
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Captain Hikari brachte seinen Jet präzise und sicher im Hangar der Royal Monarch Supreme zur Landung. Mit einem leisen Zischen öffnete sich das Verdeck, und er nahm seinen Helm ab, seine etwas verchwitzten schwarzen Haare fielen leicht nach vorn. Einen Moment lang verharrte er in dieser Position und atmete tief ein und aus, um die Spannung der Landung abklingen zu lassen, während seine Augen die neue Umgebung musterten.
Nach wenigen Momenten schwang er sich entschlossen aus dem Cockpit und landete mit einem leichten Sprung auf dem Boden der Monarch Supreme. Zwei Wachoffiziere, die bereits auf ihn warteten, traten mit makellosen Uniformen, die klar das Königreich Jarr repräsentieren, etwas ehrfürchtig und angespannt nach vorn. Die beiden salutierten synchron, als der legendäre Captain eilig auf sie zukam.
Captain Hikari erwiderte den Gruß mit einem knappen Nicken: „Bringt mich sofort auf die Brücke!“, befahl er mit einer Stimme, die keine Widerrede duldete. „Jawohl, Sir!“, antworteten die Offiziere wie aus einem Mund. Ohne zu zögern, drehten sie sich um und führten den Captain mit eiligem Schritt durch die labyrinthartigen Korridore des gigantischen Raumschiffs zur Brücke.
Commander Eagle stand angespannt vor dem riesigen Panoramafenster der Peacekeeper 7 und hatte beobachtet, wie der Jet von Captain Hikari im Bauch der Royal Monarch Supreme verschwunden war. Seine Hände ruhten hinter seinem Rücken, doch seine Finger verrieten seine innere Unruhe, sie zuckten unruhig, als er versuchte, das gerade Geschehene zu begreifen. „Soll das wirklich wahr sein?“, murmelte er vor sich hin. Die plötzliche Rückkehr von Captain Hikari war mehr als unerwartet – sie war unfassbar. Doch es gab keinen Zweifel: Die Stimme, die er vor wenigen Minuten über Funk gehört hatte, war eindeutig. Sie war ihm sofort ins Mark gefahren, so vertraut wie ein Echo aus der Vergangenheit. Diese hatte sich seit der ersten Outrider-Schlacht in Eagles Erinnerungen eingeprägt.
„König Jarred hatte all die Jahre recht gehabt …“ Die Worte verließen Eagles Lippen wie ein leises, immer noch fassungsloses Stöhnen. Sein Kopf begann zu schmerzen, als er sich bemühte, Jarreds Theorien und die neu gewonnene Wahrheit in Einklang zu bringen. Wie oft hatte er Jarreds hartnäckige Überzeugung belächelt, dass Hikari überlebt haben könnte? Wie oft hatte er selbst mit Überzeugung behauptet, die Beweise seien eindeutig – dass Hikari tot war? Nichts hätte in diesem Flammeninferno, das die Outrider damals entfacht hatten, auch nur die geringste Chance zum Überleben gehabt. Und doch stand er nun vor der unumstößlichen Wahrheit: Hikari lebte!
Eagle legte seine Stirn in tiefe Falten, während die Bilder von damals vor seinem inneren Auge wieder aufblitzten. Mit einem schweren Seufzen wandte sich Eagle nach einigen Augenblicken vom Fenster ab und schritt entschlossen zu seinem Kommandopult. „Schließen Sie den offenen Funkkanal!“, ordnete er an. „Ab sofort wird die Kommunikation ausschließlich über das interne System abgewickelt.“ Seine Offiziere zögerten keine Sekunde, seinen Anweisungen nachzukommen. Eagle ließ sich in seinen Sessel sinken und starrte auf die taktische Übersicht des Schlachtfeldes, auf dem Rasterortungsschirm. Die Wendung der letzten Minuten würden für Aufruhr sorgen – nicht nur unter im Oberkommando, sondern im gesamten Militär. „Der Kampf um Jarr“, dachte er, „hat gerade eine neue Dimension erreicht.“ Ein unruhiges Gefühl beschlich ihn. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die Royal Monarch Supreme mit Captain Hikari an Bord weitere Schritte unternahm, in welche Richtung auch immer. Es würde gewaltige Konsequenzen nach sich ziehen. Eagle war sich sicher: Das war erst der Anfang. Und er musste unweigerlich sogar etwas fassungslos schmunzeln.
Saber Rider blickte auf seine Konsole, während er den offenen Hypercom-Kanal abschalten und auf eine verschlüsselte Verbindung umstellte. Ein leiser Signalton bestätigte, dass der Wechsel erfolgreich war, doch es brachte dem Schotten kaum Erleichterung. Ein leises, genervtes Seufzen entwich ihm. „Wie konnten wir so unachtsam sein?“, murmelte er verärgert auf die Situation und rollte mit seinen Augen zu sich selbst.
Ein offener Kanal inmitten einer Schlacht – das war unverzeihlich. Es fühlte sich an, als hätte er eine geheime Botschaft mit Bleistift auf eine Postkarte gekritzelt und sie in die Welt hinaus geschickt, in der Hoffnung, dass niemand sie las.
Saber schüttelte den Kopf und versuchte, sich wieder zu sammeln, während das Chaos der Schlacht vor Jarr auf seinen Anzeigen und Bildschirmen flimmerte. Es war jetzt keine Zeit für Selbstvorwürfe – sie hatten eine Mission zu erfüllen. Doch die plötzliche Anwesenheit von Captain Hikari hatte alles kurzzeitig aus dem Gleichgewicht gebracht. Seine Gedanken wirbelten, doch er zwang sich zur Ruhe. Sein Team brauchte einen klaren Kopf, und den musste er als Captain liefern.
Der sonst so redselige Cowboy wirkte wie erstarrt, als die Realität auch ihn traf. Die Erzählungen von Commander Eagle über Captain Hikari schossen ihm durch den Kopf. Hikari war seit sechzehn Jahren als vermisst gemeldet. Nicht tot, sondern vermisst. Doch Colt hatte sich wie alle anderen mit der Vorstellung abgefunden, dass niemand diese Explosion überlebt haben konnte. Seine Augen weiteten sich, als eine Erkenntnis ihn wie ein Blitz traf. Es war ja nicht mal einfach irgendein Captain, der plötzlich wieder aufgetaucht war – es war Fireballs Vater.
Langsam dreht Colt seinen Kopf seinem besten Freund zu. Fireball saß da wie immer, seine Instrumente im Blick, doch der Cowboy konnte spüren, wie die Emotionen in ihm tobten, obwohl Fireball nach außen hin versuchte, Fassung zu wahren.
Colt wusste, dass Fireball nie wirklich damit gerechnet hatte, seinen Vater jemals wiederzusehen. Für Fireball war Captain Hikari ein Fremder, immer mehr tot als lebendig – unantastbar, ein Held, der in der Vergangenheit verblasst war. Doch jetzt ist dieser zurück, und zwar sehr lebendig und real.
Die Spannung und Unsicherheit hingen schwer in der Luft, und Colt entschied sich, behutsam einzugreifen. „Partner, ist bei dir alles in Ordnung?“ fragte er vorsichtig.
Fireball drehte dem Cowboy langsam seinen Kopf zu und nickte diesem stumm entgegen. Colt erkannte durch das Visier des Helmes den Blick voller Emotionen, für die es keine Beschreibungen geben konnte. Doch in diesem Moment war alles, was Colt tun konnte, für ihn da zu sein.
Captain Hikari eilte zusammen mit festen Schritten, und den beiden Offizieren, Richtung Brücke der Royal Monarch Supreme. Das Echo der Stiefel hallte durch den Korridor, und als sich die Tür zur Brücke mit einem leisen Zischen öffnete, richteten sich sofort alle Blicke auf ihn. Eine Mischung aus Überraschung, Respekt und ungläubigem Staunen lag in der Luft. Der Raum, der sonst erfüllt von den geschäftigen Stimmen der Crew war, war plötzlich in eine angespannte, ehrfürchtige Stille getaucht.
„Was ist hier los? Wer hat die Befehlsgewalt und …“ fiel Hikari direckt mit der Tür ins Haus und durchbrach damit die Stille wie ein Donner, doch er verstummte abrupt, als der König sich langsam auf ihn zubewegte. Die Zeit schien für einen Augenblick stillzustehen, als Jarreds Blick ernst und musternd auf den Neuankömmling fiel.
König Jarred wirkte angespannt und misstrauisch, doch seine Augen verrieten ein Wechselbad der Gefühle, die sich in seinem Inneren abspielten. Sein Ausdruck war ernst, doch ein Hauch von Erschrockenheit mischte sich in seine sonst so königliche Haltung. Doch schnell fing er sich wieder und er musterte den Mann vor sich eingehend, als wollte er sicherstellen, dass dies keine Illusion war.
Captain Hikari stoppte abrupt in seiner Bewegung, als ihn der Blick von Jarred traf: Und er atmete tief aus, um seine eigene innere Aufgewühltheit zu zügeln. Der Moment war geladen mit unausgesprochenen Gefühlen, Fragen, die man förmlich hören konnte.
„Ich meinte … Eure Königliche Hoheit!“, korrigierte sich Captain Hikari hastig, während er einen Schritt zurückging und Jarred leicht entgegen nickte – es war ein Versuch, die Etikette zu wahren, obwohl seine innere Anspannung angesichts des gefechts das draußen im All noch im vollen gange war.
Jarred stand vor dem japanischen Captain und ließ den Blick nicht von dessen Gesicht, er suchte nach Details, dabei durchbohrten die Augen des Königs den Captain, als wolle er tief in dessen Seele blicken. Hikaris Aussehen hatte sich verändert. Sein Haar war kurz, und man konnte so etwas wie eine Frisur erkennen, und der Bart, den er damals getragen hatte, war verschwunden. Dennoch bestand kein Zweifel: Es war Shinjiro! Das erkannte Jarred, an den stechenden Blick angesichts der Situation und einigen markanten Bewegungen.
Ein Wechselbad der Gefühle erfasste Jarred: Er war überwältigt vor Freude, seinen lang vermissten Freund lebendig vor sich stehen zu sehen, und zugleich durchdrang ihm tiefe Besorgnis. Der Moment war so surreal, dass es sich anfühlte, als würde die Realität selbst ins Wanken geraten. Wie oft hatte er sich in stillen, hoffnungsvollen Momenten ausgemalt, wie Shinjiro eines Tages zurückkehren könnte?
Doch jedes Mal wurden seine Gedanken von den Stimmen der Skeptiker zerschmettert, die unaufhörlich versuchten, ihm diese Überzeugung auszureden. „So ein Kamikaze-Manöver überlebt niemand!“, hatten die Wissenschaftler, Generäle, Piloten und Techniker immer wieder gesagt. Ihre Worte hallten jetzt in Jarreds Kopf nach, als wollten sie ihm beweisen, wie töricht sein Glaube noch immer - im Angesicht der Realität war.
Shinjiro stand vor ihm. Lebendig, als hätte die Zeit ihn verschont. Seine Haltung war aufrecht, sein Blick klar, und seine bekannte Aura umgab ihn, die ihn immer nahezu unantastbar erscheinen ließ.
Trotz der Freude, die in ihm aufstieg, spürte Jarred, wie die Unsicherheit an ihm nagte. Er hatte sich diesen Moment so oft vorgestellt und geglaubt, vorbereitet zu sein. Doch jetzt, wo Shinjiro wirklich vor ihm stand, fühlte sich der König alles andere als bereit.
„Wie alt war er jetzt?“, fragte sich Jarred, während er Shinjiro weiter musterte und seine Gedanken wie ein wilder Sturm durch die vergangenen Jahre fegte. „Vierzig … nein, zweiundvierzig.“ Doch was ihn noch mehr verblüffte, war die Tatsache, dass Hikari aussah wie ein Mann Anfang, höchstens Mitte dreißig. Es ging ihm gut, zumindest schien es so – schließlich stand er vor ihm und das verwirrte Jarred zutiefst. Seine Rückkehr hatte er sich anders vorgestellt, vielleicht sogar dramatischer. Stattdessen stand Hikari hier, mit aufrechter Haltung und klaren Augen. Doch diese Klarheit bereitete Jarred auch Sorgen. Was war mit Shinjiro in all den Jahren geschehen? Jarred stoppte das aufkommende Fragen-Karussell.
Zu Jarreds Verwunderung fühlte sich die Situation nicht fremd an. Und warum sollte es das auch? Schließlich stand doch sein bester Freund vor ihm! Der König atmete tief durch, trat einen Schritt direkt vor Shinjiro und ließ seinen Blick noch einmal von oben bis unten über ihn gleiten, als wollte er sich noch einmal versichern, dass sein Freund wirklich aus Fleisch und Blut bestand.
Mit einem leichten Kopfschütteln und einem Schmunzeln stemmte Jarred seine Hände in die Hüften: „Captain Hikari, sie stürmen meine Brücke, als ob es das Normalste auf der Welt wäre!“ Sein Ton war fest, leicht durchzogen mit einer Prise Humor, die aber nicht funkte. Shinjiro riss erstaunt seine Augen auf, und noch bevor er etwas erwidern konnte, schloss ihn Jarred in eine herzliche Umarmung. Ein Moment, den nur wenige Menschen je miterleben würden – schließlich war der König sonst würdevoll und kontrolliert. Und doch ließ er seine Gefühle in dieser Geste für einen Augenblick ungehindert durchbrechen. Shinjiro war vollkommen überfahren und überrascht von der Intensität der Geste. Doch nach wenigen Augenblicken erwiderte er die Umarmung, wenn auch zögerlich.
Shinjiro löste sich schließlich aus der Umarmung. Jarred ließ jedoch seine Hände fest auf Shinjiros Schultern ruhen, als wollte er sicherstellen, dass dieser nicht einfach wieder verschwinden konnte. Die Rührung war ihm ins Gesicht geschrieben, seine Augen glänzten vor Freude. „Shinjiro! Es ist unfassbar, dich hier vor mir stehen zu haben. Ich habe so viele Fragen, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll.“ begann Jarred und ruckte seinen Freund einmal durch, als wollte er seine eigenen Gedanken damit stoppen, und sprach entschlossen weiter: „Aber die Fragen müssen warten!“ beendete Jarred mit fester Stimme mit der Autorität eines Königs, und begann, Shinjiro auf den neuesten Stand zu bringen: „Das Kampfgeschehen läuft seit zwei Stunden. Captain Jonsens ist aus Alamo mit Verstärkung unterwegs. Wir rechnen jede Minute mit ihm. Und die Befehlsgewalt gerade?“
Shinjiro unterbrach Jarred forsch: „Hat keiner! Wie ich sehe, das ist ein totales Chaos da draußen!“ und zeigte mit einer entschlossenen Geste auf das Panoramafenster, durch das man das Kampfgeschehen, das nach wie vor im vollen Gange war, sehen konnte. Seine Worte hallten über die Brücke, und die Anwesenden hielten für einen Moment den Atem an.
Auch König Jarred atmete langsam tief ein, es schien als ob sich alles in ihm an diesen Ton erinnerte, so nickte Jarred langsam und betrachtete seinen Freund nochmals aufmerksam. Shinjiro schritt ohne zu zögern auf den großen Rasterortungsschirm in der Mitte der Brücke zu. Ein Navigator, der gerade die Bewegungen der Flotten studierte, bemerkte den Captain und trat instinktiv einige Schritte zur Seite, um Platz zu machen.
Jarred folgte Shinjiro mit langsamen Schritten, seine Augen blieben auf den Captain gerichtet.
Shinjiro verharrte vor dem Rasterortungsschirm, seine Augen glitten schnell über die Markierungen auf dem Schirm. Verschiedene taktische Möglichkeiten spielten sich in seinem Kopf ab. Dabei sprangen Augen von einem Punkt zum nächsten, bis sie fest an einer Position hängen blieben. „Das müsste funktionieren.“ sprach er leise kaum hörbar zu sich selbst und schloss darauf einen Moment seine Augen.
„Und? … Hast du eine Strategie?“ hörte er leise Jarred, der mittlerweile neben ihm stand, fragen. Shinjiro atmete tief ein und warf Jarred einen stummen Blick zu, als er sich auf der Brücke der Royal Monarch Supreme umsah, als ob ihm erst jetzt wirklich bewusst wurde, wo er war. Einige Offiziere und Crewmitglieder sahen ihn erwartungsvoll an.
Bedächtig wandte er sich wieder dem König zu. Die Blicke der beiden Männer trafen sich, als wollten sie sich ein letztes Mal abschätzen und für einen Moment schien die Zeit stillzustehen. Es lag eine unmissverständliche Ernsthaftigkeit in Shinjiros Augen. Er nickte Jarred zu: „Gib Anweisung, auf 'Go Spread' zu gehen. Abstand eine Meile auf 90 Grad, für alle Kampfschiffe!“ sprach Shinjiro unmissverständlich mit einer Stimme, die den Moment vollkommen beherrschte.
König Jarred blickte Shinjiro ernst an, es gab keinen Zweifel, das Gewicht des Befehls lag nun unweigerlich auf ihm. Nach einem kurzen Augenblick der Überlegung, in dem der König alles abwog, drehte er sich kaum merklich nach rechts, ließ jedoch Shinjiro nicht aus den Augen. Und gab mit einer leichten Handbewegung die Anweisung: „Go Spread für alle Schiffe!“
König Jarreds erster Offizier salutierte respektvoll und übermittelte den Befehl, während der Funker inmitten der Brücke hektisch die Kommunikationssysteme aktivierte. Die Worte des Befehls gab er an alle Schiffe wieder und wurden kurz darauf von den Kommandeuren der Schiffe bestätigt.
Captain Hikari beobachtete weiterhin die Reaktion der Crew, und ein leichtes Nicken der Zufriedenheit verriet, dass er mit der schnellen Umsetzung des Befehls zufrieden war. Doch die momentane Ruhe täuschte nicht darüber hinweg, dass die Schlacht noch immer in vollem Gange war. In regelmäßigen Abständen bebte es auf der Monarch Supreme, doch das Schiff war für solche Angriffe konzipiert.
Mit einem entschlossenen Schritt wandte er sich wieder dem Rasterortungsschirm zu, seine Augen suchten die feindlichen Formationen, die auf dem Bildschirm angezeigt wurden. Der Schirm blinkte mit den Bewegungen der Outrider-Flotten, die sich ständig veränderten. Sein Blick war messerscharf, seine Gedanken rasend schnell, als er die Daten durchging. Er achtete auf jede kleine noch so kleine Unregelmäßigkeit in den feindlichen Formation, jede Bewegung, die eine Schwachstelle oder eine potenzielle Falle andeuten konnte. Der Schirm war gespickt mit feindlichen Positionsdaten, die wie ein undurchdringliches Netz auf ihn wirkten, doch Hikari wusste, wie man sich in solch einem Datenchaos zurechtfand. Seine Finger tanzten über den Bildschirm, verschoben das Bild, oder zoomten in bestimmte Bereiche, um die feindlichen Schiffe in ihren genauen Bewegungen zu verfolgen. Er zog aus den verstreuten Daten eine klare Linie. Es war nicht nur eine Verteidigung, die er plante – es war ein präziser Schlag, der das Gleichgewicht in der Schlacht zu ihren Gunsten kippen sollte.
Kommander Eagle war einen Moment lang völlig verblüfft über den unerwarteten „Go Spread“, Befehl der Monarch Supreme. Er hatte sich bereits einen eigenen Plan zurechtgelegt, der sich allerdings stark von dem des Königs unterschied. Doch die Schlacht fand vor Jarr statt und Eagle ließ dem König den Taktischen vortritt.
Eagle sah auf die Rasterortung vor sich. Die Stärke der feindlichen Einheiten war nach wie vor massiv, und er wusste, dass jeder genutzte Vorteil entscheidend war. Die Outrider schienen eine aggressive Strategie zu verfolgen, und ein direkter Angriff auf die „Go Spread" Formation könnte für die Schiffe des Königreichs und des Oberkommandos riskant sein.
„Alle Schiffe in Position, Kommander", meldete Eagles erster Offizier. „Der Abstand wird eingehalten, und die Formation auf 90 Grad wird gehalten, bis neue Anweisungen kommen.“ Eagle nickte dem Mann zu.
Fireball blickte nach einigen Manövern, wieder auf den Monitor vor sich, auf die Royal Monarch Supreme. Seine Realität stellte sich gerade vollkommen auf den Kopf. “Sein Vater. Er lebt!” Der Gedanke hallte in seinem Kopf, und er konnte damit nicht wirklich etwas anfangen, das fand er viel erschreckender, als diese Schlacht. Zum ersten Mal hatte er die Stimme seines Vaters gehört, und das fühlte sich an, als wäre die ganze Welt in einem Schlag aus den Fugen geraten.
„Hey, Hombre hörst du mich?“ hörte er Colt’s Stimme, die so plötzlich in sein Bewusstsein drang. Ein Moment des Zögerns trat ein, denn er war nicht sicher, ob er seiner eigenen Stimme gerade trauen konnte. Doch dann atmete er tief durch und antwortete dem Cowboy: „Ja, ich denke schon!“
Colt nickte, während er die Laser neu ausrichtete, der Cowboy wusste, dass er vorsichtig sein musste, also gab er Fireball einfach ein ruhiges „Ich verstehe, Partner!“. Es war nicht viel, aber es half. Fireball atmete noch einmal tief ein, als die Worte von Colt ihn wie ein Anker inmitten des Sturms hielten.
Und Fireball blickte jetzt wieder konzentrierter auf den Bildschirm, als der Befehl von der Royal Monarch Supreme auf seinem und Sabers Display erschien.
Saber las den Befehl laut vor und begann sofort mit den Berechnungen. Durch die Technologie war der Befehl keine große Herausforderung, und die Formation war ihm und allen anderen Piloten bekannt. Es war eine gängige Taktik in Luftkämpfen, die bis zur Perfektion trainiert wurde.
„Interessante Taktik“, merkte Saber mit einem Hauch von Interesse in seiner Stimme an. Fireball nickte leicht, auch er kannte die „Go Spread“-Formation. In der Kampfpilotenausbildung hatte er diese Standard-Formationen bis ins kleinste Detail immer und immer wieder ausführen müssen.
Captain Hikari beobachtete aufmerksam den Rasterortungsschirm, auf dem die Schiffe des Königreichs Jarr und des Oberkommandos auf ihre angedachte Stellung gingen. Die feindlichen Jumper flogen in aggressive Formationen und schossen auf alles, was sich bewegte, die Air Base 1 hatte alle Hände voll zu tun, um die Angriffe abzuwehren. Es war klar, dass sie nicht mehr lange standhalten konnten. Hikari wusste, dass jede Sekunde zählte.
Sein Blick wechselte zwischen dem großen Raster des Navigators und dem weiten Panoramafenster, das den Kampf außerhalb der Royal Monarch Supreme widerspiegelte. Der Klang der Schlacht drang von außen durch. Ohne zu zögern, wies er mit ruhiger, aber entschlossener Stimme an: „Die Jet-Einheiten sollten in gegenseitiger Deckung gehen, mit ihrem Wingman. So können sie den toten Winkel ihrer Partner einsehen und nach vorn durchbrechen.“
Die beiden Navigatoren und der erste Offizier hörten, was Captain Hikari sagte, wussten jedoch nicht, ob König Jarred damit einverstanden war.
König Jarred stand einen Moment nachdenklich neben Shinjiro, während sich der Raum um ihn herum veränderte. Und wog eine weitreichende Entscheidung ab. Noch einmal musterte er Shinjiro eindringlich, sollte er sich irren, hätte das auch für ihn als König Konsequenzen. Doch er wusste auch, dass Hikari mehr als fähig war, in dieser Situation die Führung zu übernehmen. Jedenfalls war er das vor 16 Jahren, doch allein die bis jetzt getroffenen taktischen Eingriffe ließen Jarred nicht zweifeln. Aber konnte er das tun? Es war ein Risiko, war er selbst auch bereit, es einzugehen? Jarred wusste, dass Captain Hikari nicht nur ein brillanter Stratege war, sondern auch das Knowhow hatte, die Situation zu meistern.
Mit einem letzten, beinahe unmerklichen Nicken zu sich selbst trat König Jarred einen Schritt nach vorn. „Ich übergebe Captain Hikari das Kommando!“
Die Worte hallten über die Brücke, Augenblicke verstrichen, in denen niemand zu atmen wagte. Ein leises Gemurmel breitete sich aus, gedämpft, aber unüberhörbar. Jarred konnte fühlen, wie die Überraschung und auch einige Zweifel wuchsen, und sich auch Unverständnis in den Blicken seiner Offiziere spiegelte.
König Jarred ließ sich jedoch nichts anmerken. Mit einem festen Blick und einer aufrechten Haltung zeigte er keine Unsicherheit, obwohl er tief in seinem Inneren genau wusste, dass sich sein Kopf in der Schlinge befand.
Er war sich darüber im Klaren, dass dieser Schritt einen Bruch mit jeglichen militärischen Konventionen darstellte, nicht zum Schluss sogar das Bündnis mit dem Oberkommando gefährden könnte. Schließlich war Hikari offiziell noch immer nicht Hikari – sondern ein Captain, der 16 Jahre lang als verschollen galt und dessen Rückkehr eher ein Rätsel war. Nach Protokoll hätte Captain Hikari unter Arrest stehen müssen, zumindest bis eine formelle Untersuchung und seine Identität bestätigt worden war. Es war ein Balanceakt zwischen Vertrauen und Verantwortung. Jarred wusste, seine Offiziere um ihn herum waren loyal, aber er konnte die skeptischen Blicke spüren. Sie würden seine Entscheidung infrage stellen – nicht offen, nicht jetzt, mitten in der Schlacht, aber in ihren Gedanken formierten sich bereits Fragen und Zweifel. Sollte die Mission scheitern, wäre er nicht nur derjenige, der für die militärische Niederlage verantwortlich gemacht würde, sondern auch für die scheinbare Nachlässigkeit, einem Mann, der so lange abwesend war, das Kommando zu übertragen.
„Wenn das schiefgeht, wird es niemanden interessieren, warum ich es getan habe,“ wusste Jarred, während er Shinjiro beobachtete, der nun mit seinem ersten Offizier vor dem Rasterortungsschirm stand. Shinjiro stellte an Bord der Monarch Supreme keine Gefahr dar, sollte er etwas tun, was sie gefährdete, oder den Outridern in die Taschen spielen, würde er sofort überwältigt werden. Doch sollte seine Strategie nicht aufgehen, werden sie nur sehen, dass es schiefgegangen ist. Doch er verdrängte diesen Gedanken. Zweifel waren ein Luxus, den er sich hier und jetzt nicht leisten konnte. Er hatte eine Wahl getroffen – jetzt musste er auch daran festhalten!
Captain Lorenz war vollkommen konzentriert in seinem Kampfjet und strich mit geübten Bewegungen über die Bedienelemente, während sein Blick die Bewegungen der feindlichen Schiffe verfolgte. Das All war erfüllt vom Dröhnen der Triebwerke und dem Funkverkehr seiner Einheit. Doch als die Meldung von der Royal Monarch Supreme eintraf, hielt er für einen Moment inne. „Captain Hikari hat ab jetzt das Kommando!“ Die Nachricht klang formal, sachlich, aber kaum hatte sie der Funker der Monarch Supreme übermittelt, brach Lorenz in ein herzhaftes Lachen aus. Sein Lachen hallte über den Kanal, ein ungewohnter Klang inmitten einer ernsten Schlacht. Die Piloten seiner Einheit schwiegen für einen Moment, überrascht von der ungewohnten Reaktion ihres Captains.
„Das darf doch nicht wahr sein! Hikari wieder im Kommando?“ murmelte Lorenz mit einem breiten Grinsen, während er seinen Jet hochzog. Ein Funken von Nostalgie blitzte in den Augen des Deutschen auf.
Auf der Brücke der Royal Monarch Supreme konnte Captain Hikari das Lachen seines ehemaligen Wingmans über den Kommunikationskanal hören. Ein kaum sichtbares Lächeln huschte über sein Gesicht, ein seltener Moment der Leichtigkeit inmitten der ernsten Lage. Captain Michael Lorenz – sein treuer erster Mann, der ihm damals in der Schlacht die Flanke gedeckt hatte, lebendig und offensichtlich immer noch derselbe vorwitzige, unerschütterliche Kämpfer.
Captain Hikari, stand mit König Jarreds ersten Offizier vor der Raster Ortung und analysierte die Bewegungen der feindlichen und verbündeten Einheiten. Das Summen der Geräte und die Funksprüche bildeten den Hintergrund.
„Okay, ich bin dabei. Hau deine Strategie raus – wir haben hier schließlich eine Schlacht zu gewinnen.“ funkte Captain Lorenz hörbar und man konnte förmlich das Grinsen in Lorenz' Stimme hören. „Äh, ich meinte: Aye, Captain!“ schickte Lorenz noch schnell formell hinterher.
Es war ein Moment der Lockerheit, der die Spannung kurz durchbrach. Doch Captain Hikaris Tonfall blieb ernst, als er sich auf die Karte konzentrierte und seine Befehle mitteilte: „Line-Abreast-Two. Für alle Jets. Und zwar mit Vollgas!” wies Hikari an. Lorenz' Stimme wurde ebenso entschlossen, als er antwortete: „Zu Befehl, Captain!“
„Das wird ein Ritt, Leute,“ murmelte er und gab den “Abreast Two” Befehl an seine Männer weiter, bevor er seine Triebwerke auf maximale Leistung brachte. Und wenige Sekunden später begannen die Jets, sich in der Formation “Line-Abreast-Two” zu positionieren.
Es war ein beeindruckendes Schauspiel – wie ein Ballett aus Maschinen und Lasern, das sich oberhalb des tobenden Kampfgeschehens entfaltete. Die Sonne von Jarr spiegelte sich auf den glänzenden Oberflächen der Jets, die in absoluter Präzision ihre Positionen einnahmen. Doch so schön das Bild auch war, es war ebenso waghalsig. Die Formation forderte die volle Konzentration jedes einzelnen Piloten und absolute Disziplin bei der Ausführung. Ein einziger Fehler hätte fatale Folgen – ungebremste Maschinen, die aufeinander zurasten, konnten sich in Sekundenbruchteilen in ein flammendes Inferno verwandeln.
Genau deshalb flog niemand allein. Jeder Pilot hatte einen Wingman, einen Partner, dem er blind vertrauen musste – nicht nur, um das Manöver auszuführen, sondern auch, um im schlimmsten Fall das Leben des anderen zu retten. Dieses Vertrauen ging weit über die bloße Einhaltung von Protokollen hinaus; es war eine Verbindung, die in endlosen Stunden des Trainings geschmiedet wurde.
Die Piloten der Air Base 1 waren die Elite, der Kampfjeteinheiten. Sie waren nicht nur erfahrene Piloten, sondern auch Meister ihrer Maschinen. Solche waghalsigen Manöver gehörten zu ihrem Alltag, und sie trainierten sie beinahe täglich – sei es im Eins-zu-Eins-Training oder im hochmodernen Flugsimulator. Jede Bewegung, jeder Wechsel der Formation war bis ins kleinste Detail einstudiert, doch nichts konnte die Anspannung des echten Gefechts ersetzen.
Lorenz beobachtete auf seinem Monitor, wie sich seine Staffel formierte, und ein kleiner Stolz erfüllte ihn: „Ihr seid die Besten, Leute. Zeigt ihnen, was wir drauf haben!”, sagte er ruhig in den Funk, doch die Entschlossenheit in seiner Stimme war unverkennbar.
Die Jets gaben wie angeordnet Vollschub und hielten den Abstand präzise ein – ein Spektakel, das für den Feind nicht nur beeindruckend, sondern auch einschüchternd wirken musste. Die Linie war bereit, den entscheidenden Schlag auszuführen, und Lorenz wusste, dass es nur noch eine Frage der Zeit war, bis die Formation die feindlichen Linien durchbrechen würde.
„Die Linie hält, Captain“, meldete der erste Offizier und Hikari nickte knapp: „Das wird sie auch“, war Hikaris Antwort und er beobachtete die Bewegungen der Jets und die der Hyperjumper genau.
Sein Blick überflog das gesamte Kampfgeschehen. Die Schiffe des Oberkommandos und des Königreichs Jarr hatten ihre Positionen in der „Go Spread!“-Formation eingenommen. Es war eine Strategie, die nicht nur auf gegenseitige Deckung setzte, sondern auch die Möglichkeit eröffnete, gleichzeitig verschiedene Ziele anzugreifen oder sich im Zangenmanöver auf ein gemeinsames Ziel zu konzentrieren. Die Koordination war perfekt, die Besatzungen der Schiffe arbeiteten präzise.
Doch die wahre Brillanz des Plans zeigte sich mit der „Line-Abreast-Two!"-Formation der Jets, die sich wie ein tödlicher Speer durch die feindlichen Linien bohren würden. Und die Abfangjäger, waren wie ein Netz über dem Schlachtfeld, bereit, die Outrider ins Visier zu nehmen. Die neue Formation, in perfekter Synchronisation mit dem Dauerbeschuss der Kampfschiffe, waren bereit, die Feinde in die Enge zu treiben.
Captain Hikari hatte mit dieser Doppelstrategie ein Schlachtfeld orchestriert, das den Outridern kaum Raum zum Manövrieren ließ. Auf jeden Fall würde es, wenn alles funktionierte, gleich heiß und ungemütlich werden.
Captain Jonsens meldete sein Eintreffen an, er sah, wie sich die Schiffe und Jets in Stellung brachten. Während er seine Crew anwies, die eigene Flotte in die Defensive Formation Alpha zu bringen, um die Flanken abzusichern.
Captain Hikari fixierte ein Symbol auf dem Rasterortungsschirm, das die Ramrod Einheit markierte. Und bemerkte die Verzögerung, mit der sich das Schiff in Position brachte. „Wenn sie die 90 Grad nicht halten, schießen wir auf unsere eigenen Leute." dachte er und wandte sich zum Ersten Offizier. „Was ist das für ein Schiff?“
Der Erste Offizier war bereits einen Schritt voraus und erklärte: „Das ist die Ramrod-Einheit, des Kavallerie-Oberkommandos, ein Friedenswächter. Eines der besten und modernsten Schiffe im neuen Grenzland. Aber …“ Er hielt kurz inne, als er weitere Details las. „Ihre Navigatorin wurde vor kurzem aus gesundheitlichen Gründen evakuiert. Das hat wohl ihre Manövrierfähigkeit beeinträchtigt.“
Hikari hob eine Augenbraue. „Ah ja, die Evakuierung“, murmelte er nachdenklich und erinnerte sich daran, dass er während seines übersetzen Funksprüche mitbekommen hatte, die von einer medizinischen Notlage berichteten. Er blickte erneut auf das Schirm-Symbol der Ramrod-Einheit. Er atmete einmal tief durch, bevor er entschlossen sprach: „Das Schiff ist kampfunfähig. Geben Sie den Befehl, sich aus der Formation zurückzuziehen und sich hinter das Gefecht zu positionieren. Ich will sie aus der Schusslinie.“
Der Erste Offizier salutierte knapp. Die Nachricht wurde übermittelt und Captain Jonsens sollte den Platz von Ramrod einnehmen.
„Ja, Sir!“, antwortete Saber. Der Befehl von Captain Hikari war eindeutig! Doch Colt polterte sauer los und sprang aus seiner Satteleinheit und zeigte Richtung Monarch Supreme: „Er kickt uns aus dem Spiel! Und ersetzt uns auch noch prompt, nun dürfen wir Abschleppservice spielen!“ fauchte der Cowboy. „Colt, beruhige dich!“ Sagte Saber, Colt sollte sich beruhigen! „Es ist richtig!“, erwiderte Saber. „Nein, ist es nicht!“ Gab Colt sofort darauf zurück und schaute Saber dabei sehr ernst an. „Doch ist es!“, mischte sich jetzt auch Fireball ein. Colt, der neben seiner Satteleinheit stand, blickte zu Fireball und wollte gerade ansetzen etwas zu erwidern, aber er ließ es stecken. Er musterte seinen Kumpel und drehte sich wieder um, er musste sich auch wieder setzen. Und sah ein, im Extremfall, hätten sie hier und jetzt keine Chance, ein „Pff!“ konnte er sich jedoch nicht verkneifen.
Fireball steuerte Ramrod auf die angegebene Position, welche ihm freundlicherweise von einem Navigator der Monarch geschickt wurde.
Captain Jonsens stand auf der Brücke seines Schiffes und starrte ungläubig auf den Bildschirm, als die Nachricht der Monarch Supreme kam: „Captain Hikari?“, wiederholte er gedankenverloren, als würde der Name in seinem Kopf umherirren, was war hier geschehen? Und nahm Kontakt, während sein Schiff sich in Position brachte, mit Alamo auf.
Kommander Eagle saß konzentriert in seinem Kommandostand der Peacekeeper 7, sein Blick ruhte auf dem Bildschirm vor ihm. Doch in seinem Kopf wirbelten viele Gedanken umher, ein schweres Gefühl lag auf ihm. Die Schlacht tobte und alles hing an den nächsten Entscheidungen. Es war nicht die taktische Situation, – sondern die plötzliche Änderung der Befehlsstruktur. Was hatte den König dazu bewogen? Wer übernahm hier die Verantwortung?
Ein Offizier trat seine Seite und riss ihn abrupt aus seinen Gedanken: „Kommander, wir sind in Stellung und schussbereit.“ Eagle atmete daraufhin tief durch, sein Gesicht nahm einen entschlossenen Ausdruck an. „Sehr gut. Alle Systeme auf GO!“ gab er mit fester Stimme zurück. Das war der Moment, auf den sie alle gewartet hatten. Jetzt galt es, keine Fehler zu machen.
Die Outrider, bemerkten die Veränderungen um sich. Der Funkverkehr der Frischlinge war verstummt, und die Schiffe und Jets hatten sich in eine neue Formation begeben – die eine Bedrohung für die Outrider darstellte. „Wir müssen uns neu aufstellen“, sagte der Kommandant der Outrider und sah auf die hektischen Bewegungen seiner Offiziere. “Los macht schon!” wurde er lauter.
Captain Hikari stand fest und konzentriert, seine Augen waren auf den Ortungsschirm gerichtet, während die Schlacht um ihn herum in vollem Gange war. Der Moment, auf den er gewartet hatte, war gekommen. Als die Outrider versuchten verzweifelt, ihre Formation zu stabilisieren, doch sie hatten nicht mit der Präzision der Menschen gerechnet.
„Feuer!“ Der Befehl brach scharf aus seinen Lippen hervor. Laut und entschlossen hallte seine Stimme durch die Brücke, und ab dem Moment, als er es aussprach, gab es kein Zurück mehr.
Die Schiffe und Jets setzten all ihre Waffen gleichzeitig ein. Ein gewaltiges Donnern und Beben ging spürbar durch das All, als die Laserkanonen und Raketen in die Richtung der Outrider-Schiffe feuerten. Die Jets flogen in ihren perfekt synchronisierten Formationen und kreuzten über den Köpfen der Schiffe hinweg, dabei wurden ihre Zielerfassungssysteme auf die feindlichen Ziele gerichtet.
Die Outrider, die sich noch versuchten, neu zu positionieren, erkannten zu spät, dass sie in eine Falle getappt waren. Ihre Versuche, den feindlichen Angriff zu vermeiden, scheiterten. “Bleibt in Bewegung!” wie der Outrider Kommandant eilig an. Doch kein Jumper von ihnen entkam der Präzision der Jets. Keiner konnte dem massiven Feuergewitter entkommen.
Es war ein Sekunden-Strategiespiel, entweder man hatte den richtigen Moment, oder eben nicht!
König Jarred, stand aus seinem Sitz im Kommandostand auf und schaute sich das Spektakel durch das große Panoramafenster an. Ein Schiff nach dem anderen, der Outrider wurde zerstört, die Hyperjumper in diesem Kessel hatten keine Chance und würde es doch ein Jumper schaffen, aus diesem zu entkommen, warteten bereits die Jets auf diesen. Prinz Roland, Kommander Eagle, Captain Jonsens und die Ramrod Crew waren ebenso fasziniert von der Kraft der geballten Laserenergie. Captain Lorenz flog eine Formation nach der anderen und achtete auf seine Männer und schickte beschädigte Jets zu Ramrod. Das war die Endphase, einer großen Weltraumschlacht, das spürten alle Beteiligten. Saber öffnete die Rampe für die angemeldeten Jets, er hoffte, dass niemand eine Notlandung machen musste: „Colt, geh bitte nach unten und bring Ordnung in das Chaos und sortiere die Verletzten für die Rettungseinheiten.“ ordnete Saber dem Schützen an, der gerade arbeitslos war. „Puh, eine undankbare Aufgabe“, dachte sich Colt, aber einer musste sie ja machen, er hoffte nicht auf Tote zu treffen! Ein Stoßgebet schickte er gen Himmel, für alle Beteiligten! Colt konnte sich selbst kaum noch auf den Beinen halten, seine Bewegungen hatten etwas wackeliges, beschwipstes. Saber schaute zu seinem Piloten, er machte sich Sorgen, so wortkarg kannte er Fireball nicht, auch vor dem Auftauchen seines Vaters, war Fireball verdammt ruhig gewesen: „Geht es dir gut, Fireball?“ fragte Saber und wartete auf eine Antwort, während er Befehle in sein System eingab. Fireball sah zu Saber, er versuchte so normal wie möglich zu klingen: „Wir sollten bald landen!“, kam es darauf vom Piloten. Sabers Augenbrauen gingen nach oben und legten seine Stirn in Falten. Wow, das war mal eine Antwort, kurz und knapp, die aber alles sagte. Saber nickte und schaute zu seinen Piloten und sprach ruhig: „Ich verstehe!“ Und funkte Colt über den Bordfunk an: „Wie ist die Lage bei dir da unten?“ Colt ging gedanklich nochmal alles durch und gab Saber Bericht: „Sechs Jets, keine Ahnung wie die damit noch geflogen sind, drei Verletzte, einer davon schwer, die Erstversorgung läuft!“
Der allgemeine Befehl: „Feuer einstellen!“, drang über die Kommunikationssysteme der Kampfschiffe und Jets.
Jetzt hieß es, Daten sammeln und sich einen Überblick verschaffen. Alle Funksprüche gingen auf der Monarch Supreme ein. Auch Sabers, mit der Bitte um Rückzug, sie haben Verletzte an Bord!
Captain Lorenz drehte einige Runden, mit seinem Wingman über das Schlachtfeld, seine Männer ließ er in weitere Bereiche rund um das Kampfgeschehen fliegen, um auch dort Messungen vorzunehmen, um sicherzustellen, dass es keine Outrider-Aktivitäten mehr gab. Einigen Jets ordnete er den kompletten Rückzug an, solange sie noch flugtauglich waren. Die größeren Kampfschiffe scannten die nähere Umgebung, keine Outrideraktivitäten mehr, auch die Aufklärungschiffe vermeldeten nach einiger Zeit, dass es im Orbit des Planeten Jarr ruhig war.
Es war vorbei, so wie es kam, war es vorbei! Es war ein Ausatmen von allen Beteiligten, als ob man es hören konnte, es war Ruhe! Captain Hikari stand am Panoramafenster und schloss seine Augen. Er atmete ruhig und hörte die Meldungen der Schiffe und Jets über Funk.
Er drehte sich um und schaute auf die Brücke, alle sahen ihn an und warteten auf neue Anweisungen. “Kommando zurück!” sprach er leise zum ersten Offizier. Dieser salutierte dem Captain zu, übernahm sofort und sprach mit fester Stimme der Crew zu: „Hervorragende Arbeit!“ Und ein sichtbares Lächeln erschien auf seinem Gesicht: „Rückzug für alle!“ Das hörten die Schiffe und Jets und ein Jubel brach aus!
06 - Kampfende
Im Tower von Jarr, ging es jetzt hoch her, alle Schiffe und Jets, wollten nur noch eins, landen und das am besten sofort! Saber meldete den Tower, dass sie verletzte an Bord hatten, somit bekamen sie den Vortritt. Der Tower meldete es den Rettungseinheiten und auch wurden die Besatzungen der beteiligten Schiffe in den Krankenhäusern in Jarr angemeldet, Code-Blue! Es sammelten sich Feuerwehr und Erste Hilfe Einheiten, auf dem Militärgelände, nah genug am Rollfeld, um so schnell wie möglich vor Ort sein zu können.
Colt war beeindruckt vom schnellen Ende der Schlacht. Er fuhr seine Waffensysteme herunter und ließ gleichzeitig einen Scan durchlaufen, um eventuelle Schäden anzuzeigen, die behoben werden mussten! Er lehnte sich zurück und tat erst einmal gar nichts. So körperlich und mental erschöpft war er schon lange nicht mehr gewesen – alles tat ihm weh, sogar sein kleiner Zeh musste er lachend feststellen. Wäre dieser Kampf noch länger gegangen, hätte auch er sich eingestehen müssen, nicht mehr einsatzfähig sein zu können. Er hatte jetzt einen Hauch einer Ahnung davon, wie es April gegangen sein musste. Er hörte das Signal, dass Fireball den Autopiloten deaktiviert hatte. Colt setzte sich auf und schnallte sich an. Jetzt galt es erst einmal zu landen. Er freute sich darauf, bald wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Auch Saber kehrte auf die Brücke zurück und setzte sich in seine Kontrolleinheit. Er hatte sich ein persönliches Bild im Hangar gemacht. Die Jet-Piloten versorgten ihren schwer verletzten Kameraden, der dringend ärztliche Behandlung benötigte! Fireball war hoch konzentriert, er flog Jarr manuell an. Seine körperliche Verfassung war alles andere als gut, über die Ereignisse im All konnte er gerade nicht nachdenken, er musste sich auf die Landung konzentrieren, die so sanft wie möglich sein sollte, denn schließlich hatten sie Verletzte an Bord!
Die Royal Monarch befand sich bereits im Landeanflug. Die Landung war etwas hart, weil es schnell gehen musste, auch diese Bahn wurde für die nachfolgenden Schiffe benötigt! König Jarred und Captain Hikari sprachen nicht viel, so gut wie gar nichts, beide waren erschöpft. Jeder ließ den Anderen seine Ruhe. König Jarred beobachtete seinen Freund, er konnte es noch immer nicht fassen, wer neben ihm saß! Der Oberkörper des Japaners war nach vorne gebeugt und seine Arme ruhten auf seinen Knien. Der Captain trug einen Jet-Kampfanzug, mittlerweile ohne Jacke, da ihm zu warm geworden war. Auf seinem T-Shirt war ein Emblem zu erkennen, das der König jedoch nicht zuordnen konnte. Auch musste Jarred kurz still in sich hinein lachen, als er die kurzen Haare seines Freundes betrachtete. Er erinnerte sich daran, wie viele Diskussionen es damals über Shinjiros lange Haare gegeben hatte. Aber das war ein anderes Thema. Es gefiel dem König, das Bild, das sich ihm bot, erinnerte ihn an: … Fireball! … Der König riss erschrocken seine Augen auf, als ihm wieder einfiel, dass Fireball am Kampfgeschehen beteiligt gewesen war. Wie musste es dem Jungen gehen, der mit Sicherheit mitbekommen hatte, dass sein Vater wieder aufgetaucht war? Jarred war sich sicher, dass Fireballs Teamkameraden und Freunde ihm zur Seite standen, doch viel mehr Sorge hatte Jarred über die Reaktion von Shinjiro. Er schaute wieder zu seinem Freund, der nun überraschenderweise nicht mehr auf seinem Platz saß, sondern am Panoramafenster stand und den Landungen zuschaute. Langsam zeichneten sich auch die Umrisse der anderen Schlachtschiffe am Horizont ab. Die meisten Besatzungsmitglieder der Royal Monarch hatten das Schiff bereits verlassen. Natürlich war es auf Alamo niemandem entgangen, wer an Bord der Monarch Supreme war. Captain Hikari durfte das Schiff nicht verlassen, bis seine vorläufige Identität bestätigt worden war. So warteten die beiden auf der Brücke, bis die Delegation eintreffen würde.
Hikari beobachtete das nächste Schiff, das sich im Landeanflug befand. Es war die besagte Ramrod-Einheit, das Schiff, das ohne Navigator in eine Schlacht flog: „Unverantwortlich!“ Dachte er sich, aber schickte gedanklich seinen Respekt an den Piloten hinterher und schaute weiter dem beeindruckenden Friedenswächter zu. So wie es aussah, war die Technologie in den vergangenen 16 Jahren gut vorangeschritten. Ihm gingen so viele Gedanken durch den Kopf, aber keiner war gerade greifbar. Er hatte noch nicht einmal richtig realisiert, dass er wieder hier war, wo er hingehörte, doch was das für ihn jetzt bedeuten würde, wusste er nicht. Es fühlte sich alles noch so fremd und unreal an.
Während er seinen Blick über das Flugfeld schweifen ließ, bemerkte er, dass um die Royal Monarch mehrere Einsatzfahrzeuge positioniert wurden, darunter auch Fahrzeuge der Militärpolizei. Die vertraute Anordnung und Atmosphäre des Militärraumhafens hatten sich offenbar kaum verändert. Seine Augen fielen auf den neu errichteten, größeren Tower, der stolz in die Höhe ragte. Weitere Einblicke blieben ihm jedoch vorerst verwehrt. Er schüttelte seinen Kopf und rieb sich seine müden Augen. Jarred stellte sich neben seinen Freund und schaute ebenfalls schweigend nach draußen. Captain Hikari bemerkte Jarred an seiner Seite. Ohne ihn anzusehen, deutete er auf das Schiff, das er gerade beobachtete: „Ich hoffe, der Pilot richtet sich noch einmal neu aus! Sonst sind sie unten, und zwar für immer!“, bemerkte Captain Hikari ruhig an. König Jarred nickte zustimmend und wandte sich seinem Freund zu. Er wollte etwas sagen, aber es kam nur ein: „Ja!“, über seine Lippen. In diesem Moment hörten Jarred und Shinjiro, wie jemand eilig auf die Brücke lief. Sie tauschten einen kurzen Blick aus und drehten sich um.
Ein Offizier salutierte und kündigte den Chief Master Sergeant Andrews und General Whitehawk an, bevor er zur Seite trat. König Jarred blickte zum Eingang seiner Brücke: „Das ging jetzt aber schnell!“, flüsterte er Jarred zu. General Whitehawk und Sergeant Andrews betraten in ihren weißen Ausgehuniformen, mit einigen Unteroffizieren und MP’s die Brücke der Royal Monarch und gingen direkt auf den König zu: „Eure Königliche Hoheit, unsere Gratulation zu den Erfolgen der jüngsten Schlacht, diese ist, wie sie sich sicher vorstellen können, wegen den jüngsten Ereignissen auf Yuma und Alamo ein viel diskutiertes Thema!“ Eröffnete General Whitehawk das Gespräch. Der König erwiderte: „Ich danke Ihnen, meine Herren. Doch die erfolgreiche Wendung haben wir Captain Hikari zu verdanken!“ Der Angesprochene näherte sich langsam und salutierte vor dem indianischen General und dem Sergeant. Die beiden taten es Captain Hikari gleich. Sergeant Andrews trat einen Schritt näher an Captain Hikari heran: „Wir haben das Gefecht über Hypercom verfolgt und waren alle im ersten Moment ziemlich, ja, ich möchte sagen, ‚fassungslos‘ kurz darauf bekamen wir von den umliegenden Schiffen, die Bestätigung, dass Captain Hikari in der Schlacht aufgetaucht sei. Daraufhin machten wir uns direkt auf den Weg, um uns von dieser Nachricht persönlich zu überzeugen!“ Der dunkelhaarige Sergeant reichte dem Captain ein kleines Pad, über das sich Hikari mit seiner persönlichen Secret-ID-Nummer, die nur er kennt, identifizieren sollte. Hikari nahm das Pad entgegen und gab seine ID ein, währenddessen las das Gerät seine Fingerabdrücke aus. Captain Hikari gab das Pad, nachdem er fertig war dem Sergeant zurück. Andrews betrachtete aufmerksam das Display, auf dem die Meldung erschien: „Identifikation abgeschlossen!“ Einige Sekunden später öffnete sich die Digitale ID Card von Hikari. Der Sergeant nahm das Pad zur Seite und sah Captain Hikari daraufhin freundlicher an: „Herzlich willkommen zurück, Captain General Hikari!“ Dabei salutierte der Sergeant noch einmal formell vor ihm: „Und meinen Respekt für Ihre Angriffsstrategie. Sehr klassisch, aber äußerst effektiv! Ab diesem Zeitpunkt hatten wir keine Zweifel mehr! Ach und bitte entschuldigen Sie diese kleine Formalität.“ Dabei hob er das Pad leicht an, um zu verdeutlichen, was er meinte. Hikari nickte Andrews zu. „Captain, es ist mir persönlich eine Ehre!“ Erfreut reichte er dem Captain noch seine Hand. Hikari nahm sie entgegen. General Whitehawk trat näher und griff nach Hikaris Hand und musterte seinen ehemaligen Elitekadetten von oben bis unten: „Captain Shinjiro Hikari, was eine Freude sie wieder in unserer Mitte zu wissen!“ Der alte General war sichtlich erfreut und hörte gar nicht mehr auf, die Hand von Shinjiro zu schütteln. Der Captain, der etwas überfahren von der Geste des Generals war, entgegnete diesem respektvoll: „Danke Sir, ich kann es im Moment selbst noch gar nicht fassen!“ Der General nickte verständnisvoll: „Das kann ich mir vorstellen! Sie werden viel zu berichten haben, dass alles klären wir, jedoch möchte ich sie jetzt bitten, uns alle wichtigen Details, die eventuell Kriegs relevant sind, mitzuteilen!“ Captain Hikari nickte: „Natürlich, Sir!“
April saß auf einer Pritsche auf der kleinen Krankenstation, im Bauch der Peacekeeper 7 und weinte sich die Augen aus, sie war enttäuscht von sich und die gesamte Situation lastete schwer auf ihr. Sie hatte ein Beruhigungsmittel bekommen, aber sie merkte davon nichts! Körperliche und mentale Erschöpfung hatte ihr der Arzt diagnostiziert. Sie, die immer stark sein wollte, hatte in einer Schlacht versagt und ihre Kameraden im Stich gelassen. Und auch die darauffolgenden Ereignisse waren geradezu überwältigend für April gewesen. Da legten sich starke Arme um sie, es waren die Arme ihres Vaters. April ließ ihren Tränen freien Lauf, während sie sich in der schützenden Umarmung ihres Vaters geborgen fühlte.
Ramrods Triebwerke gingen von einer Sekunde auf die nächste auf Höchstleistung, die Insassen wurden wieder in ihre Sitze gepresst. „Okay, Ehrenrunde!“ Kommentierte Colt den „Go-Around", der selten bei seinem Hombre vorkam. Saber atmete tief aus, er hatte schon gesehen, dass sie zu steil im Anflug gewesen waren. Fireball wusste, was er tat, beim Fliegen machte ihm keiner etwas vor, das war Saber klar, doch er wusste auch, dass sein Pilot gerade unter sehr hohen Stress stand. Er sagte nichts, damit Fireball Ramrod neu ausrichten konnte.
Captain Hikari teilte seine Einschätzung zur Kampfstärke der Outrider mit. Er ging davon aus, dass ihnen bald die Energie ausgehen würde, aber er war sich sicher, dass dies nicht der letzte große Angriff sein würde. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Outrider in naher Zukunft erneut mit dieser Stärke zuschlagen könnten, hielt er jedoch für eher gering. General Whitehawk und Andrews hörten aufmerksam zu und notierten sich das Gesagte. General Whitehawk bedankte sich für die umfangreichen Auskünfte und nickte nachdenklich.
Die bevorstehenden zukünftigen Abläufe wurden noch kurz erörtert, dazu zählte auch ein kompletter Durchcheck und Anhörung auf neutralem Gebiet. Bis dahin durfte Captain Hikari Jarr nicht verlassen, erst nach Abschluss des Checks würde alles weiterhin nach Protokoll verlaufen! Das Protokoll sah zwar vor, dass Captain Hikari isoliert werden sollte, doch König Jarred übernahm die Verantwortung für dessen Sicherheit! Sergeant Andrews ergriff darauf das Wort: „Captain Hikari, sie wurden nie außer Dienst gestellt, doch bis zur letztendlichen Aufklärung werden sie von ihrem Dienst enthoben. Sind jedoch weiterhin mit ihrem Dienstgrad zu betiteln! Kommen Sie erst einmal an, morgen werden wir Ihnen den weiteren Ablauf und Formalitäten zukommen lassen. Sie dürfen somit von Bord gehen!“ Captain Hikari nickte dankend dem Sergeant zu. Daraufhin verließen General Whitehawk und Sergeant Andrews die Brücke der Royal Monarch. König Jarred und Hikari beobachteten, wie der General und der Sergeant die Brücke verließen. Währenddessen atmete Shinjiro hörbar aus, Jarred schaute zu seinem Freund, der ihn leicht angrinste: „Noch ein paar Minuten länger und ich wäre verdurstet“, kommentierte Shinjiro das gerade geschehene. Und wollte sich etwas zu trinken holen, als erneut ein Offizier die Brücke betrat und Prinz Roland ankündigte. König Jarred und Captain Hikari wandten sich um. Der Kronprinz trat nach wenigen Augenblicken ein und begrüßte seinen Vater mit seinem wohlklingenden französischen Akzent: „Vater isch gratuliere ihnen, zur gewonnenen Schlacht!“ Und gab seinem Vater die Hand. Jarred nahm die ausgestreckte Hand seines Sohnes entgegen und zog diesen zu sich heran, mit der anderen Hand klopfte er Roland auf die Schulter und sagte Stolz, wie es nur ein Vater tun konnte: „Ich gratuliere auch dir mein Sohn, deine Arbeit war bemerkenswert!“ Daraufhin wandte Jarred Roland, den er nicht losließ, Captain Hikari zu: „Shinjiro, mein Sohn! Roland!“ Und er klopfte ihm noch einmal mit der rechten Hand auf die Schulter. Der Angesprochene verfolgte die Szene, »Roland!« erinnerte sich Shinjiro. „Damals war der Prinz noch ein kleiner Junge von vielleicht 8 Jahren gewesen. Aus dem Knirps von damals war ein gut aussehender junger Mann geworden!” Stellte Shinjiro nickend fest. “Jarred konnte zurecht stolz sein!” ging es Shinjiro durch den Kopf, als er an die beiden herantrat, er reichte dem Kronprinzen seine Hand und gratulierte ihm ebenfalls! Prinz Roland nahm die ausgestreckte Hand des Captains gerne entgegen: „Captain Hikari, es ist mir eine Ehre, sie kennenzulernen, ich kenne viele Geschichten über sie.“ Sprach er in seinem Akzent mit dem Captain. „Ich hoffe nur die Guten!“, sagte Shinjiro und sah Jarred fragend an. König Jarred grinste, „Natürlich! Gibt es denn auch andere?“ fragte Jarred, Shinjiro zuckte leicht mit seinen Schultern und die beiden lachten kurz auf.
Ramrod hatte seine endgültige Parkposition erreicht, wo bereits Einsatzkräfte bereitstanden, um sich um die Verletzten im Hangar des Friedenswächters zu kümmern. Colt jubelte: „Juhuuu, endlich wieder festen Boden unter den Füßen!“ und sprang direkt auf, sobald er seine Systeme heruntergefahren hatte, um den Boden zu genießen. Fireball ließ die Triebwerke nach diesem anstrengenden Kampfeinsatz langsam herunterfahren. „Geschafft!“, dachte er einige Momente später, als die Anzeigen von Ramrods Systemen signalisierten, dass alles Flugtechnische abgeschaltet war. Er ließ den Joystick für die Bodenkontrolle jetzt erst los. Als er das tat, wurde ihm schwindlig. Er schüttelte leicht den Kopf und verspürte den Drang, etwas trinken zu wollen.
„Over and out!“, waren Sabers letzte Worte, als er die Verbindung zum Tower trennte. Alles, was er jetzt wollte, war aus seiner Satteleinheit aufzustehen, zu duschen und in sein Bett zu fallen. Letzteres würde jedoch so früh nicht geschehen! Aber das Aufstehen konnte er direkt in die Tat umsetzen. Er schälte sich aus seiner Satteleinheit und fühlte sich dabei wie ein 80-Jähriger. Er streckte sich durch und lief einige Schritte langsam umher und beschloss, sich erst einmal von seinem Kampfanzug zu trennen und verließ die Brücke, auch um einen Moment Ruhe zu haben! Colt wollte es seinem Boss gleich tun, aber entschied sich erst einmal für Flüssigkeit, in Form eines Energy-Drinks: „Der holt die alten Lebensgeister wieder zurück, na ja fast.“ kommentierte er und schaute zu Fireballs Satteleinheit.
Captain Lorenz, der Captain der Air Base, war auf dem Weg zur Ramrod-Einheit, einige seiner Männer waren während des Kampfes an Bord des Friedenswächters gestrandet und wollte nachsehen, wie es ihnen ging. Als er dort ankam, hob schon ein Rettungshubschrauber ab. Tom, ein Pilot seiner Einheit, trat an den Captain heran, er salutierte: „Wie schaut es aus?“, wollte der aschblonde Deutsche, der eine Sonnenbrille auf der Nase trug wissen. Der Pilot gab seinem Captain Auskunft. „Phillips hat es ganz schön erwischt und wurde auch gerade abgeholt.“ Er zeigte in Richtung Hubschrauber, der kaum noch zu sehen war. Lorenz nickte und ging an Bord, um persönlich nach seinen Männern zu sehen!
Eagle begleitete seine Tochter nach draußen, auch vor der Peacekeeper 7 standen einige Ersthelfer bereit. „April, schaffst du es von hier alleine? Ich habe noch etwas zu tun!“ fragte er sie besorgt und atmete erst einmal tief die frische Luft ein. April schaute sich um, die Luft tat ihr auch gerade sehr gut. Sie blickte zu ihrem Vater, der sehr erschöpft aussah: „Daddy, möchtest du dich nicht erst einmal etwas ausruhen?“ Weiter kam sie nicht, denn ihr Vater drückte ihr in diesem Moment einen Kuss auf die Stirn. Danach wandte er sich Richtung Royal Monarch Supreme, wo gerade General Whitehawk und einige andere in eine schwarze Limousine stiegen und von der Militärpolizei eskortiert wurden. April sah ihrem Vater nach.
Captain Hikari verfolgte Prinz Rolands Bericht eher halbherzig, Shinjiro ging auf seinen Platz und holte sich etwas zu trinken, dort fand er nur noch einen ISO Drink vor, er betrachtete sich die Flasche, als er sich setzte. König Jarred verabschiedete Roland. Die Verantwortung für die kommenden Schritte würden nun bei seinem Sohn liegen. Jarred sah sich um und musterte seinen Freund, der seine Beine von sich gestreckt und seine Augen geschlossen hatte. Shinjiros Gedanken fixierten sich gerade in eine bestimmte Richtung: „Sohn!“, kam es ihm in den Sinn. Als er Roland gesehen hatte, musste er auch an seinen Sohn denken. „Shinjiro!“, riss ihn eine feste Stimme aus seinen Gedanken. Erschrocken öffnete er seine Augen und blickte in Jarreds Gesicht über sich. Shinjiro atmete tief aus: „Mensch, erschreck mich doch nicht so!“ kam es von Shinjiro und setzte sich schnell auf. Jarred grinste. „Entschuldige! Doch ich hatte dich schon mehrmals angesprochen!” gab Jarred ruhig zu verstehen! „Ich muss dir noch etwas sagen.“ Begann König Jarred und setzte sich neben seinen Freund. In diesem Moment eilte ein Offizier auf die Brücke und stoppte vor dem Kommandostand. Der König wandte sich darauf dem jungen Mann zu und dachte im selben Moment über ein: „Bitte nicht stören Schild“ nach. „Was gibt es denn?“ Fragte Jarred ein wenig genervt. Der Offizier ließ vermelden, dass er von Captain Lorenz geschickt wurde, da es auf Ramrod einen Zwischenfall gegeben habe, betreffend des Piloten. Der König bedankte sich und drehte sich direkt Shinjiro zu, der gerade sein Getränk leerte. Jarred stieß Shinjiro an und sagte: „Los, komm mit!“ Shinjiro riss erstaunt seine Augen auf. „Was? Warum?“ fragte er, stand jedoch gleich auf und lief Jarred nach, irgendwo musste er den Faden verloren haben. „Was ist mit dem Piloten, das ist das Rettungsschiff, da ist alles vor Ort, was man braucht, um verletzte schnell zu versorgen!“ erklärte der Japaner als er Jarred einholte. Jarred hörte die Worte seines Freundes, als sie an der Rampe angekommen waren, stoppte Jarred und drehte sich zu Shinjiro herum und schaute ihn ernst und besorgt an: „Der Pilot! Ist dein Sohn!“ erklärte Jarred schnell. Shinjiro trat einen Schritt zurück und sah seinen Freund völlig überfahren an, als er begann, leicht mit seinem Kopf zu schütteln, seine Lippen formten ein lautloses: „Was?“ Jarred nickte ernst. Ein Shuttle hielt vor der Rampe der Royal Monarch Supreme.
Colt hockte sich langsam neben Fireballs Satteleinheit und wandte sich an seinen erschöpften Freund zu: „Hey Hombre, wir haben es geschafft, ich helfe dir raus, alter Mann!“ Colt versuchte Fireball aufzuheitern und grinste ihm Kraft spendend entgegen. Fireball blickte zu Colt, sah ihn jedoch verschwommen, da stieg Panik in ihm auf und er fing am ganzen Körper an zu zittern, unfähig, es zu kontrollieren schnappte er nach Luft. Colt reagierte sofort, er wusste, was los war! Und zog seinen Freund schnell, aber vorsichtig aus seiner Satteleinheit und legte ihn auf den Boden auf die Seite und begann ihn von dem sperrigen Kampfanzug zu befreien. Unter dem trugen sie ein T-Shirt und eine leichte atmungsaktive Hose, die jedoch für Kompression sorgen konnte. Diese Hose war ein integraler Bestandteil des Kampfanzuges, sodass Kleidung und Anzug eine wichtige Funktion erfüllten. Saber der in dem Moment die Brücke wieder betrat, als Colt Fireball aus der Satteleinheit zog, rannte sofort Richtung Hangar, wo sich die Einsatzkräfte befanden, um schnell Hilfe zu organisieren. Colt hatte alle Hände voll zu tun, sein Kumpel wollte gar nicht mehr aufhören zu zittern. Aus dessen Satteleinheit zog er eine Sauerstoffmaske und hielt sie Fireball über Mund und Nase. Mehr konnte der Cowboy gerade nicht tun. Colt fasste Fireball an die schweiß bedeckte Stirn, sie war eiskalt: „Hilfe ist gleich da!“, sprach Colt ruhig mit seinem besten Freund, mit einem sehr besorgten Ton, der Cowboy musste sich innerlich zur Ruhe zwingen. Und sprach Fireball immer wieder an, denn dieser wechselte im Sekundentakt von Bewusstsein zur Ohnmacht. Nach nicht einmal zwei Minuten betrat ein Rettungsteam zusammen mit Saber die Brücke und lösten den Cowboy ab. Colt trat zur Seite. Saber und Captain Lorenz standen neben Aprils Satteleinheit. Saber drückte seinen Daumen und Zeigefinger an seinen Nasenrücken und drehte sich der Wand zu: „Scheiße!“ Ein Wort, das er so gut wie nie benutzte, kam über seine Lippen, jedoch fasste es den ganzen Tag und diese Situation gerade am besten zusammen. Captain Lorenz beobachtete die Szene und ging wieder von Bord. Colt eilte zu Saber, er wusste, dass sich der Schotte gerade ungeheuerliche Vorwürfe machte.
Kommander Eagle erreichte die Royal Monarch, als König Jarred gerade sein Schiff verließ. Jedoch noch auf der Rampe eine Unterhaltung führte. „War das Hikari?“, fragte er sich und kniff seine Augen etwas zusammen, um den Mann neben dem König zu mustern. Der Kommander musste zweimal hinschauen. König Jarred ging schnellen Schrittes die Rampe hinunter und direkt auf das Shuttle zu. Shinjiro folgte Jarred. Kommander Eagle lief etwas schneller zu den beiden und erwischte sie, bevor sie in das Shuttle stiegen.
„Eure Hoheit!“ Jarred und Hikari blieben stehen: „Kommander Eagle!“ Begrüßte Jarred Charles etwas lauter, damit Shinjiro wusste, wer da gerade auf sie zukam. Die Augenbrauen des Japaners gingen nach oben und sein Mund formte ein stilles, kaum hörbares: „Ah!“ Und nickte Eagle zu und wandte sich darauf auch gleich wieder Jarred zu. Kommander Eagle erwiderte, Hikaris nicken, mit einem kurzen Salut. Doch musste Charles kurz darauf feststellen, dass er sich gerade wohl auf einem neuen Schlachtfeld befand. Der König und Hikari hatten da wohl gerade eine Situation. Als Jarred ernst und bestimmend zu Shinjiro sagte: „Steig ein, wir fahren zu ihm!“ Kommander Eagle war zu perplex von dieser Szene. Hikari und König Jarred verschwanden im Shuttle und die Schiebetür wurde schnell geschlossen und weg waren sie auch schon. Da haben sie doch glatt den Kommander stehen lassen! Eagle sah dem Auto nach und musste etwas grinsen. Hikari sah zwar ganz anders aus, aber dessen Art hatte sich gerade vollkommen in dieser kurzen Szene widergespiegelt.
Auf Ramrod ertönten ununterbrochen Pieptöne von verschiedenen Geräten, die Fireballs Kreislauf überwachten. Der Arzt gab Anweisungen, die Rettungssanitäter lagen Infusionen und bereiteten Medikamente vor. Ein anderer hielt ihm eine Beatmungsmaske über Mund und Nase und stand im Kontakt mit dem Hospital, in das sie den jungen Piloten bringen würden. Fireball wechselte zwischen Bewusstsein und Bewusstlosigkeit. Colt stand vor Saber und hielt ihn bestimmend an den Schultern. Der Schotte machte sich große Vorwürfe, er hatte doch gewusst, dass es seinem Piloten nicht gut ging und was macht er als Captain, er nimmt diesen Einsatz an, obwohl sie davor schon in zwei Kämpfe verwickelt gewesen waren. Colt zog Saber mit sich etwas weiter zur Seite, sollte das jetzt mit seinem Boss so weitergehen, würde er der Nächste in einem Krankenhaus sein, war sich Colt sicher! Der Cowboy schob den mentalen Breakdown seines Bosses gerade auf den gesamten Tag, „päh!“ Dachte sich Colt, was heißt Tag, sie waren bereits seit mehr als 12 Stunden im Einsatz gewesen, als der Notruf kam. Er zwang Saber sich zu setzen! Saber tat es und lehnte sich an die kühle metallende Wand. Colt holte was zu trinken und drückte es den Schotten in die Hand: „So, nun hör zu, Säbelschwinger!“ Saber schüttelte mit seinem Kopf und zog ein Bein zu sich heran, auf dessen Knie er seinen rechten Ellenbogen stützte. Er trank einen großen Schluck und verzog darauf sein Gesicht, es war ein Energy-Drink, den Geschmack von flüssigen Gummibärchen mochte er überhaupt nicht, und ging sich darauf mit der Hand durch die blonden Haare. Colt gab nicht auf: „Es bringt ihm doch jetzt gar nichts, wenn du dir dafür die Schuld gibst!“ Und Colt zeigte Richtung Fireball. „Das waren diese ganzen …“ Colt suchte nach einem Wort dafür. „Umstände!“, fiel es ihm ein: „Und das ist jetzt leider das Resultat.“ Sprach der Cowboy seinem Boss zu. Saber sah Colt an und lachte unglaubwürdig auf. Als Colt das vernahm, zog er Saber nach oben: „So, jetzt reicht es!“ kam es vom Cowboy entschlossen! Er stellte Saber auf, schlug ihn fest gegen die Schultern und sagte: „Komm, wir ziehen das jetzt gemeinsam durch! Danach bringe ich dich in ein Hotel, ok?“ Saber bekam langsam seine Fassung wieder zurück und atmete einmal tief ein und aus. „Wenn du bezahlst!“ Forderte Saber. Colt grinste, sein Boss war wieder da: „Na bitte geht doch!“, sagte Colt und war zufrieden! „Ja, dafür würde er seinen kleinen Kuhhirten Sold opfern.“
Vor Ramrods Rampe hielt das schwarze Shuttle des Königs. Captain Lorenz eilte zu dem Wagen und öffnete die Tür. Jarred stieg aus und Lorenz salutierte. „Captain Lorenz!“ Begrüßte der König den Captain der Air Base. Hikari, der gleich darauf hinter Jarred ausstieg, hörte den ihm bekannten Namen und er trat vor seinem ehemaligen Freund und Wingman, die beiden sahen sich einige Momente an. Lorenz begann leicht zu grinsen, bevor er vor seinem Captain salutierte, Captain Hikari tat es Lorenz gleich. „Was ist los?“, fragte er darauf sofort Lorenz. Captain Lorenz zeigte auf Ramrod, während er vorlief. „Auf der Brücke!“ Und zeigte den beiden den Weg.
Die Sanitäter hatten Fireball bereits auf eine Trage gelegt, der Arzt bereitete die Sedierung vor, er musste ihn so schnell wie möglich ins Krankenhaus bringen, gerade war er halbwegs stabil, das wollte der Arzt nutzen, um ihn zu transportieren. Draußen hörte man in diesem Moment auch schon den angeforderten Rettungshubschrauber landen.
Captain Lorenz betrat außer Atem die Brücke: „Der König!“ Meldete er an und trat beiseite. Saber und Colt sahen sich an und strafften sich durch und traten näher an Captain Lorenz heran. Saber stieß Colt an: „Danke!“, murmelte er, der Lockenkopf nickte stumm.
Kurze Zeit später empfing Saber König Jarred auf seiner Brücke. „Und Captain Hikari?“ Sabers Augen wurden groß, er salutierte vor diesem. Colt trat näher hinter Saber und wusste nicht, ob das jetzt so gut war. Der König erkundigte sich bei einem Sanitäter. „Was ist passiert?“ Der Angesprochene blickte den König an und gab Auskunft. „Kreislaufzusammenbruch, eure Hoheit, er ist gerade mal stabil genug für den Transport.“ König Jarred bedankte sich. Jarred beobachtete Shinjiro, der langsam auf die Trage zuging und stehen blieb und einen flüchtigen Blick auf seinen Sohn erhaschen konnte. In Shinjiro blieb gerade Raum und Zeit stehen. Alles schien in Zeitlupe abzulaufen, so kam es nicht nur ihm, sondern auch Jarred, Saber und Colt vor. Ein Sanitäter bemerkte den Mann und ging auf diesen fordernd zu. „Wer sind sie?“ Und stellte sich direkt vor Shinjiros Sichtfeld, er sah den Mann vor sich an, der ihn mit dieser Frage wieder ins Hier und Jetzt katapultiert hatte. König Jarred, trat hinter den Captain: „Es ist in Ordnung, er ist der Vater!“ Der Sanitäter machte darauf schnell wieder Platz und ging zu dem Arzt: „Dr. Laurent, der Vater ist anwesend!“ Der Arzt hatte gerade die Sedierung gesetzt und sah zur anderen Seite der Trage. Dr. Laurent nickte dem Captain zu und begann, diesen selbstverständlich aufzuklären und teilte seine ersten Diagnosen mit. Shinjiro hörte alles wie im Schall, er konnte seinen Blick gar nicht von seinem Sohn abwenden, jeden Zentimeter seines blassen Gesichts, musterte er. Er streckte seine Hand langsam aus und berührte mit seinem Handrücken die kalte Stirn seines Sohnes: „Shinji!“ Es war nicht mehr als ein Flüstern. „Er wird sie nicht hören, Sir, die Sedierung wird gleich wirken!“, sagte ein Sanitäter. In diesem Moment kam Fireball wieder zu Bewusstsein, er öffnete schwerfällig seine Augen, Captain Hikari beugte sich einige Zentimeter über. Fireball schaute in das Gesicht eines Mannes, dessen Umrisse er nur schemenhaft wahrnahm und es wurde um ihn herum schwarz. „Die Sedierung wirkt!“, stellte der Arzt fest und schon schoben sie Fireball von der Brücke, der Arzt teilte dem Captain mit, in welches Hospital sie ihn bringen. Und weg waren sie und es wurde still auf der Brücke des Friedenswächters. Bis Shinjiro eine starke Hand auf seiner rechten Schulter spürte, die ihn fest durchruckte: „Das Girard Hospital ist das Beste in Jarr, ich habe angeordnet, dass alle Schwerverletzten dort hingebracht werden.“ erklärte Jarred. Shinjiro sah Jarred darauf still und ausdruckslos an, Jarred konnte diesen Blick gar nicht zuordnen, hielt ihn aber stand. Hikari nickte nach einigen Augenblicken langsam. „Komm, wir fahren auch!“, sagte er, um seinen Freund aus seiner Starre zu erlösen. Captain Lorenz begleitete König Jarred und Captain Hikari.
07 - Die Erste Begegnung
Saber und Colt standen, als alle bereits verschwunden waren, immer noch regungslos auf der Brücke. Und ließen die Ereignisse in den letzten 10 Minuten noch einmal Revue passieren. Die Gedanken des Schotten überschlugen sich, er hatte nicht nur König Jarred eben auf seiner Brücke das erste Mal empfangen, sondern gleichzeitig Captain Hikari, der seit 16 Jahren als verschollen und für die meisten als tot galt. Den Vater seines Freundes und Piloten, gerade in solch einer Situation, mussten sich Vater und Sohn das erste Mal begegnen. Colt war der Erste, der seine Stimme wieder fand, auch er fand diese erste Begegnung nach so vielen Jahren nicht besonders erfreulich für seinen Hombre. Auch für den Captain, der gerade einmal vor zwei Stunden wieder den Boden des neuen Grenzlandes nach 16 Jahren wieder betreten hatte, doch er war nun einmal der Vater, der davon als erster erfahren musste! „Los Säbelschwinger, fahren wir auch ins Krankenhaus, um Fireball Rückendeckung zu geben!“ Als der Cowboy losgehen wollte, hielt Saber den Lockenkopf an der Schulter zurück. Colt sah den Schotten fragend entgegen. Saber grinste und zeigte mit einer Hand auf den Cowboy: „So, willst du also in die Stadt fahren? Ich finde es etwas zu gewagt!“ Colt blickte an sich hinunter, er trug nur das T-Shirt und die weniger hübsche, aber funktionelle weiße Baumwollhose, die er unter seinem Kampfanzug hatte: „Ok, eine schnelle Dusche und frische Klamotten, wären wohl besser!“, sagte er grinsend und feststellend.
Die Shuttle-Limousine hielt direkt am Hintereingang der Notaufnahme, so musste der König nicht durch das Krankenhaus, sie konnten direkt eintreten. Zwei MP´s folgten den beiden in einem gewissen Abstand. Jarred, Hikari und Lorenz wurden in einen privaten Wartebereich gebracht. Lorenz verabschiedete sich von König Jarred und Shinjiro, er wollte Informationen über seine verletzten Männer einholen! Und verließ den Wartebereich. Der König sah seinen Freund an, denn dieser hatte die ganze Fahrt kein einziges Wort gesprochen. Shinjiro, stand mitten im Wartebereich, rechts und links von ihm standen Sessel, Tische, ein Kaffeeautomat und auf einem Tisch verschiedene Softdrinks. Er drehte sich, nachdem er sich umgesehen hatte, Jarred zu und sprach mit ernster und fragender Stimme: „Wie, kann es sein, dass er dieses Schiff fliegt?“ Jarred nickte verstehend, aber eine Antwort hatte er darauf nicht. Shinjiro lief Richtung Kaffeeautomaten und drehte sich kurz davor wieder um und sprach weiter: „Er ist noch nicht einmal 18 Jahre alt! Oder habe ich mich so sehr verrechnet?“ Shinjiro, ging sich mit einer Hand durch seine Haare und schüttelte mit seinem Kopf, er konnte es nicht fassen! Was war hier los? Er blieb wieder abrupt stehen und sah zu Jarred: „Hitomi! Sie muss informiert werden!“ sprach er leise, aber laut genug für den König. Shinjiro musste sich setzen, “Hitomi!” schoss es ihm wie ein Blitz durch seinen eh schon schmerzenden Kopf, den er mit beiden Händen halten musste und stützte seine Ellenbogen auf seine Oberschenkel ab. „Wie wird sie reagieren, auf das alles hier?“ König Jarred unterbrach Shinjiro nicht, er sollte seinen Unmut über die letzten Ereignisse erst einmal herauslassen, so wusste der König wenigstens, was in dessen Kopf gerade so alles vor sich ging. Jarred beschloss, sich neben seinen Freund zu stellen und ihm eine Hand auf die Schulter zu legen, mehr konnte er gerade nicht für ihn tun. „Ich werde sie herbitten!“, sagte Jarred leise. Der Angesprochene blickte auf und verließ den Wartebereich und verschwand in der gegenüberliegenden Tür. Jarred atmete tief durch und ging zum Kaffeeautomaten und zog zwei Tassen von dem schwarzen Alleskönner. Den benötigten sie jetzt erst einmal!
Kommander Eagle hatte sich ins Krankenhaus fahren lassen und kam in der allgemeinen Notaufnahme an. Ein Arzt, der am Militär-Raumhafen die Einsätze koordiniert hatte, gab dem Kommander eine vorläufige Liste mit den Namen der Verletzten, die Namen waren in einer Tabelle Rot, Gelb und Grün eingeteilt, je nach Zustand des einzelnen. Eagle überflog diese Liste kurz, in der roten Spalte blieb er bei einem Namen hängen. „Was? Das kann doch nicht wahr sein!“ sprach er besorgt vor sich und holte schnell seinen Kommunikator hervor.
Saber und Colt kamen nach einer erfrischenden Dusche im Krankenhaus an, dort war ganz schön was los, Besucher, Patienten, Ärzte und Schwestern liefen hin und her, am Zeitungsstand gab es eine kleine Schlange und die Cafeteria war gut gefüllt. Saber holte an der Information die ersten Informationen ein und ihm wurde der Weg zum Wartebereich erklärt. Bevor Colt jedoch losging, bog er Richtung Cafeteria ab und kam einige Minuten später mit einer vollen Tüte Sandwiches und zwei großen Bechern Kaffee übereinander gestapelt zurück. Saber ging schnell auf den Cowboy zu, er sah schon einen der Café-Becher abstürzen. So war er, der Scharfschütze, außen ganz hart, aber im Inneren ein liebenswerter Kerl, der gerne alle bemutterte. Hatte man erst einmal sein Kuhhirten-Herz gewonnen, kam man da so schnell nicht mehr raus. So kümmerte er sich jetzt auch um das körperliche Wohl, in Form von Nahrung und sein Lieblingsgetränk gab es auch noch als Extra obendrauf. So gingen sie gemeinsam Richtung Wartebereich. In diesem Moment meldete sich Sabers Kommunikator. „Kommander Eagle!“, sagte Saber und ging sofort ran.
Dr. Laurent betrat den bewachten Warteraum, in dem König Jarred und Captain Hikari an einem Tisch saßen und ihren Kaffee tranken, beide standen auf, als sie den Arzt bemerkten: „Wie geht es ihm?“, fragte Captain Hikari den Arzt besorgt.
Colt kam Sandwich schmatzend um die Ecke und stoppte abrupt ab, um nicht in das Gespräch rein zu poltern. Saber telefonierte einige Meter hinter ihm. Der Cowboy stellte seine Pfadfinder Lauscher auf Empfang und hörte dem Gespräch zu, das bereits im Gange war: „Er hatte unsagbares Glück. Wäre die ärztliche Versorgung nicht sofort erfolgt, hätte man nichts mehr tun können. Der Kreislaufzusammenbruch wurde rechtzeitig erkannt, und es konnte schnell gehandelt werden. Doch sein Körper ist sehr geschwächt, und einzelne Organe arbeiten noch nicht wieder so, wie sie sollten. Er war zu lange im Einsatz!“ teilte der Arzt König Jarred und Captain Hikari mit.
Colt, dem Lauscher, fiel beinahe sein Kaffeebecher aus der Hand. Sie hatten nicht aufeinander geachtet, denn auch der Cowboy hatte zeitweise mit kleineren Aussetzern seiner Konzentration zu kämpfen gehabt. Das schlechte Gewissen breitete sich gegenüber seines besten Freundes aus, das hatte der Lockenkopf nicht gewollt! Saber trat neben Colt. „Was machst du hier?“, fragte der Schotte, der das Telefonat mit Kommander Eagle gerade beendet hatte. „Püscht!“ Kam es von Colt und zeigte Saber mit seinem Kopf um die Ecke. Saber, verstand. Colt flüsterte Saber während er weiter zuhörte: „Fireball hatte einen Kreislaufzusammenbruch, aufgrund des zu langen Einsatzes.“ Saber schaute Colt geschockt an, er musste erst einmal tief einatmen und blickte zur Decke, sein Mund formte etwas, aber man hörte nichts.
„Was empfehlen Sie, Doctor?“, fragte Captain Hikari. Der Arzt nickte: „Er ist leicht sediert und wird auch schon künstlich beatmet, jedoch bezweifle ich, dass der jetzige Zustand, auch noch in einer Stunde so sein wird, um ihn diesen weiteren körperlichen Stress zu ersparen, empfehle ich folgende Behandlung.“ Der Arzt machte eine kleine Pause und sprach dann ruhig weiter. „Eine Langzeitsedierung von 3 bis 4 Tagen, damit sein Körper durchweg eine Ruhephase hat, alles fährt erst einmal runter und kann sich erholen, der Vorteil ist, wir können alles kontrollieren und ihn so wach werden lassen, wie es seinem Zustand entspricht.“ Saber lehnte sich hinter Colt an die Wand und schloss seine Augen. König Jarred nickte und sah zu seinem Freund. „Das müssen Sie jedoch entscheiden, wäre er von Anfang an bewusstlos gewesen, wäre es eine andere Ausgangssituation. Danach wird er einige Zeit benötigen. Schwäche, Fieber und Verwirrtheit können auftreten, was allerdings in den seltensten Fällen passiert, die meisten Patienten erholen sich schnell danach, ich rechne nicht mit irgendwelchen Komplikationen. Wir werden es auch langsam angehen und ihn beobachten, wie sein Körper auf alles reagiert.“ Damit war der Arzt fertig mit seinen Erklärungen und Empfehlungen. Captain Hikari nickte und ließ sich alles gerade gehörte noch einmal durch den Kopf gehen: „Ja, machen Sie das und wann kann ich zu ihm?“ teilte er seine Entscheidung mit. Der Arzt nickte: „Wir würden damit gleich beginnen, je eher, um so besser, das alles wird ungefähr 3 Stunden benötigen, morgen können sie zu ihm!“ Hikari, nickte: „Gut!"“ sprach er leise. Daraufhin verabschiedete sich der Arzt wieder.
Kommander Eagle trat hinter Saber und Colt, er hatte schon von weitem gesehen, wie die beiden, „Lauscher an der Wand spielten.“ Er musterte die beiden, bevor er fragte: „Was macht ihr hier?“ Saber und Colt fuhren erschrocken herum, als sie Eagles Stimme plötzlich hinter sich hörten und dieser sichtlich auf eine Erklärung wartete. Saber sah den Kommander entschuldigend an und erklärte ihm die Situation: „Sir, wir kamen dazu, als der Doctor gerade mit König Jarred und Captain Hikari sprach, wir wollten nicht stören.“ Der Kommander verstand und ging dann an den beiden vorbei und trat in den Wartebereich ein.
Colt und Saber sahen sich an und gingen Eagle nach. Jarred und Hikari sprachen gerade miteinander, als sie die Neuankömmlinge bemerkten. Kommander Eagle begrüßte die beiden noch einmal: „Guten Abend, König Jarred!“ Der König schaute zum Kommander und erwiderte seinen Gruß, mit einem Nicken. Kommander Eagle schaute zu Hikari, der seine Hände in den Hüften gestemmt hatte und seitlich von ihm stand: „Captain Hikari!“ Shinjiro, kniff kaum merklich seine Augen etwas zusammen, verzog, aber sonst keine Miene und begrüßte den Kommander ebenso kurz: „Kommander Eagle!“ Das war ja eine leicht unterkühlte Begrüßung der beiden. Colt und Saber, war diese nicht entgangen. Der Kommander bemerkte, wie Colt und Saber Rider hinter ihm eintraten. Und nutzte die Gelegenheit, um die beiden neben sich vorzustellen. „Captain Hikari, das ist der befehlshabende Offizier deines Sohnes, Captain Saber Rider!“ Der Angesprochene kam näher und Saber streckte dem Captain seine Hand entgegen und sprach den Vater seines Piloten freundlich an: „Sir, es ist mir eine Ehre, sie kennenzulernen!“ Captain Hikari, musterte den blonden jungen Mann vor sich einen kurzen Moment eindringlich und erwiderte: „Das ist nicht ihr Name!“ Die Hand von Saber nahm er nicht an. Saber, der etwas überrascht von dieser Reaktion war, schaute kurz flüchtig zu König Jarred, dieser nickte ihm zu. Und Saber fuhr fort: „Sir, mein Name ist Richard Lancelot!“ sagte Saber mit fester Stimme, aber noch etwas überfahren. Colts Augen fixierten den japanischen Captain. „Saber Rider, ist mein Pseudonym! Und ich werde von jeden so genannt!“ fügte er noch erklärend hinzu. Auf Hikaris Lippen formte sich darauf ein kleines Lächeln als er sprach: „Nein, das werde ich nicht tun, Captain Lancelot!“ In Colt brodelte es gerade gewaltig und er zog leicht seine Augenbrauen zusammen. Kommander Eagle, stellte darauf auch den Cowboy vor: „Colt, … Ich meine Bill Wilcox, er ist der Scharfschütze an Bord des Friedens-Wächters Ramrod.“ Captain Hikari, nickte und begrüßte Colt nur mit einem: „Mr. Wilcox!“ Colt schaute den Captain ernst an, er konnte zu seiner eigenen Verwunderung darauf gar nichts sagen, so sprachlos war er. Hikari, sah noch einmal abwechselnd zu Saber und Colt und fügte noch mit an: „Namen sind wichtig, meine Herren, dann weiß man, wer man ist!“ sprach er und wandte sich dann wieder ab. Colt, der noch fassungslos neben Saber stand, stupste seinen Boss leicht mit seinem Ellenbogen an und flüsterte, ohne seine Lippen zu bewegen: „Ich mag ihn nicht!“ Saber nickte und beobachtete den Captain und sah darauf zu Colt: „Abwarten!“
Kommander Eagle erklärte dem König, warum er vor Ort war. „Ich wollte mich noch erkundigen und eine Bilanz haben. Und wissen wie es…“ Eagle machte eine kurze Pause: “... Shinji geht!” und hob die Liste, um sein Gesagtes zu untermauern. Saber und Colt blickten sich kurz an. Captain Hikari, ging zu Kommander Eagle. Der Kommander gab Hikari kommentarlos die Liste. Der Schotte und der Cowboy, die gerade nur Zuschauer waren, verfolgten die Aktionen in diesem Raum aufmerksam. König Jarred erzählte von den Männern der Air Base, welche verletzt waren. Captain Hikari gab Charles die Liste wieder zurück. „Da fehlt jedoch etwas, oder jemand!“, sagte er knapp. Alle Anwesenden sahen Captain Hikari fragend entgegen, der Captain bemerkte es: „Ich wäre für eine Dusche und ein Bett sehr dankbar!“ Jarred verstand und nickte Shinjiro entgegen: „Du bist mein Gast, es ist schon alles vorbereitet!“ und wandte sich den Anwesenden zu: „Es war ein ereignisreicher Tag, wir beenden ihn jetzt, alles Weitere hat die Tage auch noch Zeit!“ Saber, Colt und Kommander Eagle verabschiedeten sich und verließen gemeinsam die Klinik.
“Gast, hm, mit Hochsicherheitsbewachung?“ griff Shinjiro Jarreds Einladung auf. Jarred nickte: „Ja, allerdings angenehmer.“ kam es wissentlich von Jarred, als sie zur Limousine gingen. Shinjiro sah sich um, natürlich wusste er, dass er hier gerade den Status einer nicht existenten Person hatte, aber grinste leicht: „Um zu wissen, ob ich der bin, der ich bin?“ Jarred lachte kurz auf: „Ja, reine Routine! Ich hoffe, wir finden auch genügend Zeit miteinander ausführlich zu reden, ich möchte so viel wissen, aber das kannst du dir bestimmt denken! Es fühlt sich an, als ob du nie weg gewesen wärst.“ Shinjiro nickte Jarred ein müdes: „Ja" entgegen, als sie ins Auto stiegen.
Saber und Colt liefen zum Taxi-Stand, die Sonne ging bereits unter. Colt schimpfte über den Captain und machte seinem Ärger Luft, wie konnte dieser Saber nur so arrogant über den Mund fahren und auch noch dessen Hand nicht entgegennehmen, wusste er denn nicht, wem er da vor sich gehabt hatte? „Natürlich, wusste er es nicht!“ Colt rollte mit seinen Augen und warf seine Arme in die Luft und polterte los: „Was bildet der sich eigentlich ein, ist 16 Jahre nicht da und steigt hier ein, als ob nie etwas gewesen wäre, das gibt noch Spaß, sage ich dir!“ war sich der Cowboy sicher! „Mensch! Jetzt sag doch auch mal was dazu, Schwertschwinger!“ forderte der Cowboy Saber neben sich auf. Der Schotte sah Colt an. „Ich weiß noch nicht so recht, ich lasse erst einmal alles auf mich zukommen.“ War die ausweichende Antwort des Schotten. Colt nervte diese Art von Antwort. „Na toll!“ Saber blieb neben einem Taxi stehen und verstand nicht. „Was meinst du?“, fragte er nach. „Ich meine damit, dass besagter Captain von und zu es faustdick hinter den Ohren hat, so etwas rieche ich doch!“ Saber nickte, aber lenkte das Thema in eine andere Richtung: „Wolltest du nicht ein Hotel bezahlen?“ erinnerte der Schotte den Cowboy. Colt stemmte seine Hände in seine Hüften: „Wer hat dich wieder gerade gemacht, bevor der König auf deine Brücke kam? Ich habe etwas gut bei dir, Boss!“ erwiderte Colt darauf und öffnete die Tür des Taxis. Saber gab sich geschlagen: „Ok, fifty-fifty!“ schlug der Schotte vor und stieg nach Colt ein. Das Taxi fuhr los. Colt blickte aus dem Fenster und zum Krankenhaus, welches hell erleuchtet war, und dachte an seinen Kumpel.