Extrakapitel 52 - Die Lektion mit dem Schwamm - Teil 3
Die Lektion mit dem Schwamm – Finaler Akt
-Sanji-
Leise seufzte er. Falkenauge hatte gesagt, dass Zeit irrelevant war, dass er nun mal so lange brauchen würde, wie er brauchte. Aber allmählich bröckelte seine Geduld und er wusste nicht, wie lange Falkenauge noch bleiben würde. Langsam bekam er Stress.
Er tat sich immer noch schwer damit, den Schwamm so zu ummanteln, wie Zorro und Falkenauge ihm gezeigt hatten, und wenn es dann mal klappte, schwoll er augenblicklich an. Bei den beiden Schwertkämpfern hatte es so leicht ausgesehen, so selbstverständlich. Naja, vielleicht würde es für ihn in ein paar Jahren auch so selbstverständlich sein, aber gerade war es das absolut nicht.
Für Jahre hatte er gelernt sein Haki zu komprimieren und wie flüssiges Eisen über seinen Körper gleiten zu lassen. Aber diese freie Form, dieses Leichte, Ungeformte. Es erforderte viel mehr Konzentration und eine unglaubliche Kontrolle über seinen ganzen Körper. Vorher war ihm nie bewusst gewesen, wie sehr seine Hakikontrolle von seinen körperlichen Gegebenheiten abhing, aber jetzt merkte er es ganz deutlich. Wenn er Ruffy aus der Küche jagte, weil dieser ihm beim Kochen störte, gelang es ihm nicht. wenn Falkenauge einen arroganten Kommentar abließ oder als Franky aus Versehen eine seiner Lieblingsschüsseln zerbrach, gelang es ihm erst recht nicht. Wenn er morgens nach ein paar fleißigen Stunden sich seine zweite Zigarette gönnte und der Sonne beim Aufgehen zusah, funktionierte es fast wie von selbst – wobei der Schwamm trotzdem anschwoll – selbiges, wenn er aus dem Bad stieg.
An dem Tag, als Chopper ihm endlich – endlich!! – den verdammten Gips abgenommen hatte, war es ihm morgens noch problemlos gelungen, dann jedoch den ganzen Tag über gar nicht mehr. Sein Bein hatte sich seltsam angefühlt, zwischendurch war es wirklich schmerzhaft gewesen.
Mittlerweile war es besser und er konnte sogar schon herumlaufen, ohne dass Chopper ihm direkt am Hosenbein zupfte. Aber es war noch ein langer Weg, bis er wieder ganz der Alte war, dennoch, immerhin war schon mal der Gips ab und immerhin brauchte er keine Krücken mehr, daher war er eigentlich ganz gut gelaunt. Gerade war der Abend angebrochen. Das Abendessen war vorbei und die Crew hatte sich über die Wiese und das restliche Deck verteilt, genoss die letzten warmen Sonnenstrahlen.
Er genoss seine Zigarette und sah aufs weite Meer hinaus, verhärtete den Schwamm in seiner Hand und wusste, dass dieser anschwoll, ohne auch nur hinzusehen.
„Urgh!“ Frustriert lehnte er sich auf die Reling, presste seine Stirn auf seine Unterarme.
Ein leises Lachen ließ ihn aufschauen. Zorro stand neben ihm, mit dem Rücken zum Meer, die Ellenbogen auf der Reling abgelegt.
„So habe ich damals auch oft reagiert“, meinte er mitfühlend mit diesem fiesen Grinsen.
Er sah besser aus, immer noch etwas bleich, durfte immer noch nicht trainieren – und Chopper hatte in Falkenauge einen starken Verbündeten, um dieses Verbot durchzusetzen – aber ansonsten war auch er fast wieder der Alte.
„Ich kann immer noch nicht glauben, dass du hierfür nur zwei Wochen gebraucht hast. Ich krieg kaum die Zellummantelung hin, geschweige denn alles andere“, murrte er und seufzte erneut auf. Die zwei Wochen waren längst um.
„Tja, du wirst schon noch den Bogen rauskriegen“, entgegnete Zorro mit einem Schulterzucken.
Dann schwiegen sie. Sanji beobachtete das Meer und Zorro neben ihm die Crew.
„Sag mal, kann ich dich was fragen?“ Sanji sah ihn nicht an. „Er… erinnerst du dich an… als die anderen euch an Bord brachten und du…?“
„Ja.“ Zorro klang ruhig, dann lachte er resigniert auf. „Tut mir leid, falls ich dir Angst gemacht haben sollte. Sah mit Sicherheit etwas… unschön aus.“
„Nein, nein, das ist es nicht“, murmelte Sanji. „Nur du warst… so anders, so überhaupt nicht wie du eigentlich bist. War… war das… war das dieses Monster, von dem Falkenauge gesprochen hat? Er sagte, deshalb wäre absolute Kontrolle so wichtig für… Menschen wie ihn und dich, weil es sonst plötzlich zum Vorschein kommt.“
Nun seufzte Zorro, ehe er zu Sanji hinübersah.
„Dulacre hat für alles irgendeinen Begriff, irgendeine Definition, und ja, das, was du da gesehen hast, nennt er das innere Monster. Mir ist es ziemlich egal, wie es heißt, aber es kommt nicht plötzlich zum Vorschein, das war ich. Alles in mir, bin ich, meine Gedanken, mein Haki und auch meine Instinkte.“ Er zuckte mit den Schultern. „Dieses Monster, wie Dulacre ist nennt, ist nicht viel mehr als die ureigenen Abgründe, alles, was du an dir und der Welt hasst, alle deine Zweifel, all dein Leid. Aber es ist nicht so differenziert, so… eloquent, es ist einfacher, instinktiv, wie bei einem Tier. Und wie mit allem anderen auch, wenn wir nichts anderes mehr haben, auf das wir uns verlassen können, handeln wir nach unseren Instinkten. Am Ende sind wir doch auch nur Tiere, die überleben wollen.“
Sanji zögerte, doch dann fragte er doch: „Falkenauge sagte, dass es ziemlich belastend sein kann.“
Erneut zuckte Zorro mit den Schultern, sagte jedoch nichts. Also sprach Sanji weiter.
„Er hat gesagt, dass es mich zerstören würde, mein Monster zu vereinnahmen, also diesen Instinkten Raum zu geben, weil sie immer da sind.“ Nun sah er zu Zorro auf. „Bereust du es manchmal?“
Hinter ihnen konnten sie Ruffy und Lysop laut Quatsch machen hören, aber keiner kam zu ihnen herüber, keiner schien zu bemerken, wie sie hier standen und leise miteinander sprachen.
„Nicht eine Sekunde“, entgegnete Zorro dann absolut. „Ja, es gab Momente, da war ich gereizter, hab es euch mit Sicherheit nicht immer einfach gemacht, aber… ich finde es nicht schlimm. Es ist halt, wie es ist.“
Nun legte er den Kopf in den Nacken und sah zum Himmeln auf.
„Um ehrlich zu sein, genieße ich es sogar ein bisschen.“
„Was?“
„Mhm, dieses leise Gefühl, diese Lust nach einem Kampf, diese Gier. Es ist ein gutes Gefühl.“
Er lächelte, ein warmes Lächeln und Sanji erinnerte sich daran, dass Falkenauge auch gesagt hatte, dass Zorro nicht ganz so wäre wie der ehemalige Samurai. Einen seltsamen Hybriden oder so hatte er ihn genannt, fast schon so vertraut mit seinem inneren Monster, wie Ruffy, dessen Monster – oder Instinkte, wie Zorro sie nannte – schon immer Teil von ihm gewesen war.
Vielleicht, dachte Sanji, war dies Zorros natürlicher Zustand, der ihm bei Geburt verwehrt worden war.
Dann senkte er seinen Blick wieder auf den Schwamm. Augenblicklich wurde dieser wieder zu einer großen, schwarzen Melone.
„Deine Kontrolle wird besser“, brummte Zorro und seine Stimme klang so ungewöhnlich warm wie die Sonnenstrahlen des sterbenden Tages. „Dir gelingt die Zellummantelung schneller als vorher.“
„Findest du?“, zweifelte Sanji. „Schwillt immer noch an wie sonst was. Aber ich hab keine Ahnung, wie ich es anders machen soll. Hab schon alles ausprobiert, ganz langsam, ganz schnell, ganz dünn – aber dann zerbricht es immer, weil es so schwach ist - aber egal was ich mache, das hier ist immer das Ergebnis.“
Wortlos stimmte der andere ihm zu. Wieder schwiegen sie so für mehrere Minuten nebeneinander, während die Sonne langsam hinterm Horizont verschwand.
„Sag mal, was ist dein Bild, wenn du Rüstungshaki anwendest?“
Überrascht sah Sanji auf. Wusste nicht, was diese Frage sollte.
„Was?“
„Dulacre benutzt immer viele Worte und Bilder, um zu erklären, wie etwas aussehen soll, sich anfühlen soll; er sagt, es beeinflusst, wie wir Dinge machen.“
Sanji beäugte den anderen.
„Scheint ein guter Lehrer, was?“
„Der Beste“, antworte Zorro absolut ernst. „Aber auch der Arroganteste. Also?“
„Ich… Keine Ahnung. Es ist wie halt wie der Name sagt, eine Rüstung.“
„Ist es nicht.“ Es war nervig, wie ähnlich er Falkenauge in diesem Moment klang.
„Ach, ist es nicht?“, murrte Sanji, doch sah überrascht auf, als Zorro sich vor ihm aufrichtete.
„Schlag mich“, sagte er und deutete auf seinen Bauch.
„Was? Du warst halbtot, ich werde dich garantiert nicht…“
„Und ich hab nicht gesagt, dass du mich treten sollst, sondern schlagen. Ich will dir was zeigen“, unterbrach der andere ihn mit einem Augenrollen.
Misstrauisch kam Sanji der Aufforderung nach und schlug dem anderen leicht in die Magengrube.
„Jetzt nochmal.“
„Was soll…?“
„Mach einfach.“
Sanji tat, wie ihm geheißen, doch dieses Mal prallte seine Faust an stahlharten Muskeln ab.
„Wenn etwas schwach ist“, setzte Zorro an, „dann kann man es beschützen, wenn man es in eine Rüstung steckt. Aber selbst die stärkste Rüstung bricht irgendwann und dann liegt das zu schützende ohne Verteidigung dar. Deswegen ist das Bild der Rüstung falsch. Steck es nicht in eine Rüstung, mach es stark.“
Langsam glitt Sanjis Blick von Zorros Bauch auf den Schwamm.
„Denk nicht, du musst um jede Zelle eine Rüstung legen, stell dir vor, dass jede Zelle stark und hart wird, wie wenn du deine Muskeln anspannst. Das ist das Bild. Nutze deine Energie nicht, um einen Panzer zu bilden, sondern um den Zellen die Kraft zu geben, selbst stark zu werden.“
Tief atmete Sanji ein, sammelte die Energie wie Zigarettenrauch in seiner Brust, dann gab er es ab. Der Schwamm färbte sich nach und nach schwarz, ungleichmäßig, und dann schwoll er an, ganz langsam, bis er die Größe einer großen Orange erreicht hatte.
Fassungslos lachte Sanji auf, unterbrach seinen eigenen Hakifluss, und plötzlich war der Schwamm wieder eine verschrumpelte Kartoffel. Aber er sah nur Zorro an.
„Wann bist du nur so gut mit Worten geworden?“, murmelte er fassungslos.
Grinsend zuckte Zorro nur mit den Schultern. „Hatte halt einen guten Lehrmeister.“
„Hm, vielleicht sollte ich mich bei Falkenauge doch mal bedanken“, meinte Sanji.
„Wenn du dich bei ihm bedanken willst, nenn ihn nicht mehr Falkenauge.“
Überrascht sah Sanji den anderen an, der ein paar Schritte Richtung Wiese machte, während die Welt um sie herum langsam dunkler wurde.
„Warum? Ich dachte, er mag den Namen. Hat nicht selbst Shanks ihn so genannt?“
„Tut er nicht. Shanks ist glaube ich, eine Ausnahme, aber ansonsten mag er es echt nicht, so genannt zu werden.“
„Warum sagt er das nicht?“
„Weil er ein verkappter Mistkerl ist“, seufzte Zorro auf und setzte sich dann in Bewegung, blieb jedoch plötzlich stehen. „Koch?“
„Was noch?“ Sanji merkte es sofort, fast augenblicklich war diese Leichtigkeit verschwunden, diese neckende Lockerheit, wenn sie so miteinander umgingen wie gerade. Zorro war ernst, unangenehm ernst.
„Kann ich dir was anvertrauen und dich um etwas bitten?“
„Jetzt machst du mir fast schon Angst. Was ist los?“
Der andere zögerte. Über ihnen flammten die Lampen der Sunny auf, während die ersten Crewmitglieder ins Bett gingen und ihnen niemand zuhörte.
„Weißt du, warum Dualcre es Monster nennt? Weil es für ihn einst etwas Unkontrollierbares war, was die Kontrolle über seinen Verstand übernommen hat.“ Langsam drehte Zorro sich zu ihm um, sein Gesicht unleserlich. „Aber ich bin anders. Seit ich bei ihm trainiert habe, ist meine Kontrolle absolut. Ich kann meine Kontrolle nicht verlieren.“
„Okay“, murmelte Sanji. „Aber das ist doch gut, oder nicht? Das erklärt, warum du bei dieser seltsamen Aktion von… Mihawk nicht durchgedreht bist, oder?“
Zorro nickte.
„Und um was wolltest du mich dann bitten?“
Langsam wurde der Wind frischer.
„Was ich sagen will, ist, es ist unmöglich, dass meine Kontrolle bricht. Aber es ist nicht unmöglich, dass ich dieses Monster werde… und wenn das passiert, musst du mir versprechen, dass du nicht versuchst, mich aufzuhalten. Dass du Ruffy daran hinderst, dass er versucht, mich aufzuhalten. Du musst mir versprechen, dass du dafür sorgst, dass ihr fliehen werdet, ansonsten werde ich euch töten.“
Ihm war kalt. Er sagte nicht würde, es war keine dramatische Sorge, keine berechtigte Angst, es war ein Fakt, die schlichte Wahrheit.
Sanji schluckte, seine Gedanken rasten.
„Und… und wenn es unmöglich ist, dass deine Kontrolle bricht, wie kann es dann passieren, dass du doch zum Monster wirst?“, fragte er, klang deutlich gefasster, als er sich fühlte.
Die Lampe vom Hauptmast wippte im Wind hin und her, ließ die Schatten zwischen ihnen in grotesken Formen wandern.
„Wenn ich sie freiwillig aufgebe.“
„Und warum solltest du das tun?“
„Wenn ich keinen anderen Weg mehr sehe und keiner von euch mehr etwas ausrichten kann.“ Zorro sah ihn an. „Ich vertraue darauf, dass einer aus dieser Crew immer einen Weg finden wird, selbst wenn ich kampfunfähig sein sollte. Aber wenn nicht, dann werde ich tun, was ich tun muss.“
Im Hintergrund rief Falkenauge plötzlich Zorros Namen, aber dieser sah immer noch nur Sanji an.
„Aber ich will nicht zu der Gefahr werden, vor der ich versuche, euch zu schützen. Aber ich will auch nicht, dass Ruffy mich töten muss, um mich aufzuhalten, verstehst du?“
„Was passiert danach?“, fragte Sanji und versuchte so sachlich zu bleiben, wie Zorro sich gab. „Wenn du die Kontrolle aufgegeben hast? Hört sich nämlich hart danach an, als ob du dich wieder opfern wollen würdest.“
Der Schatten eines Grinsens schlich kurz über Zorros Züge, dann neigte er den Kopf. „Ich werde etwas vor mich hinwüten und irgendwann vor Erschöpfung zusammenbrechen. Also keine Sorge, ich opfere mich nicht.“
„Also wie damals mit Chopper und den Rumble Balls?“
„So ähnlich, nur vielleicht ein bisschen schlimmer.“
Erneut rief Falkenauge nach Zorro, kam jedoch nicht näher.
„Warum hast du es dann bisher nie angewandt? Als Notlösung? Kaido? T-Allianz?“
Zorro senkte den Blick, die Arme verschränkt.
„Ich will es nicht anwenden“, sagte er leise. „In diesem Zustand werde ich Feind und Freund nicht auseinanderhalten können, im Zweifel würde ich eher eine weitere Gefahr werden, anstatt einen Gegner zu besiegen, dass ist das Risiko einfach nicht wert. Und bisher konnte ich mich immer auf euch und unsere Verbündeten verlassen.“
Dann sah er Sanji wieder klar an.
„Lass es mich deutlich sagen. Ich habe nicht vor, es je zu tun, nie. Es ist viel zu gefährlich, für euch, alle Anwesenden und für mich selbst. Aber… ich habe aus der Vergangenheit gelernt und will nicht die gleichen Fehler machen.“
Diese Worte schwebten zwischen ihnen, zusammen mit so viel Ungesagten, was aber auch gar nicht ausgesprochen werden musste. Schließlich nickte Sanji.
„Du kannst dich auf mich verlassen.“
Zorro nickte auch und wollte etwas erwidern, doch plötzlich stand Falkenauge neben ihm, offensichtlich beleidigt darüber, solange ignoriert zu werden, und die beiden begannen ihre üblichen Zankereien.
~ Einige Wochen später ~
Er fand Falkenauge in der Aquarien-Bar, die Zeitung am Lesen. Er sah nicht auf, als Sanji hereinkam, hob jedoch eine Augenbraue an.
„Du hast es also geschafft", meinte er, obwohl Sanji es ihm noch nicht gezeigt hatte. „Und das auch noch gerade rechtzeitig. Hat Lorenor dir gesagt, dass ich morgen abreise?“
„Er war ziemlich zerknirscht“, stimmte Sanji zu und ließ sich auf einem Stuhl Falkenauge gegenüber nieder. „Du hast wohl abgelehnt, vorher nochmal gegen ihn zu kämpfen.“
„Ach, das schon wieder“, seufzte der andere auf und faltete die Zeitung zusammen. „Er ist wahrlich enthusiastisch, aber ich würde bevorzugen, wenn zumindest seine Knochen vor unserem nächsten Kampf verheilt wären. Aber so lange kann ich nicht hierbleiben. Leider Gottes bin ich ein viel beschäftigter Mann und habe wichtige Termine.“
Sanji überlegte, ob er erwähnen sollte, dass Falkenauge nicht so sehr beschäftigt sein konnte, wenn er fast zwei Monate mit ihnen gemeinsam reiste – wohl wissend, dass die kleine Schlacht gegen die T-Allianz nicht ganz unschuldig daran war – aber entschied, sich erstmal aufs Wesentliche zu konzentrieren.
Er zog den Schwamm hervor und innerhalb einer Sekunde verfärbte er sich pechschwarz, ohne seine Form zu verändern.
„Es gelingt mir nicht immer richtig, aber es klappt. Bin fast schon selbst überrascht. Du sagtest, es wäre eine Form, die nur wenige Meisterschwertkämpfer hinbekommen und ich hab’s in weniger als sechs Wochen geschafft. So schlecht scheine ich nicht zu sein.“ Er versuchte sich an einem selbstsicheren Lachen, aber selbst er konnte die Nervosität hören, die er mit gefälschtem Selbstbewusstsein zu überdecken versuchte.
Falkenauges herablassender Blick zeigte deutlich, dass er Sanji wie selbstverständlich durchschaute, dann nickte er. „Ganz recht, es ist eine besondere Form des Hakis. Aber natürlich würdest du sie meistern. Ich hätte sie dich nicht gelehrt, wenn du nicht die Voraussetzungen dafür hättest.“ Dann erhob er sich. „Außerdem ist Zellummantelung tatsächlich nicht so komplex, wie man auf den ersten Blick meinen mag, die meisten scheitern nur schlicht daran, sinnvolle Trainingsmethoden zu entwickeln. Manchmal sind es die einfachsten Hausmittel, die den besten Lerneffekt haben, und der Rest ist konsequentes Üben.“
Sanji starrte ihn an, während Falkenauge sich gegen den Tisch vor ihm lehnte und die Arme verschränkte.
„Du willst mir sagen, dass kaum einer es lernt, weil niemand auf die Idee kommt, einen Schwamm zu benutzen.“
„Genau“, betonte der andere und sah zu ihm hinab. „Es gibt unglaublich viele Methoden, Zellummantelung zu lernen, aber sie sind alle hochkompliziert, zeitaufwendig und zumeist wenig erfolgversprechend. Ich habe nichts gegen Komplexität, aber ich verabscheue Zeitverschwendung und Ineffizienz. Außerdem waren simple Aufgaben für Lorenor schon immer einfacher umzusetzen“, setzte er mit einem leisen Augenrollen hinterher. „Und nun ja, ich bin ein Meister meiner Art, natürlich könnte ich selbst jemanden wie dich zu einem hervorragenden Schwertkämpfer ausbilden – nicht, dass ich das tun würde – daher lass uns nun die Zukunft besprechen.“
„Macht es Sinn, jetzt überhaupt weiterzumachen, wenn du morgen abreist?“, murmelte Sanji, denn auch, wenn er es nicht sagen würde, es verunsicherte ihn schon. Falkenauge hatte gesagt, dass nach der erfolgreichen Zellummantelung sein wahres Training beginnen würde, und das sollte er nun beginnen, wenn der andre nicht mehr da sein würde, um ihn… um aufzupassen, dass er jenen Abhang nicht hinabstürzen würde?
„Ergibt, Smutje, ergibt“, belehrte dieser ihn direkt und nickte. „Aber natürlich. Wir müssen jetzt den nächsten Schritt angehen. Denn er wird viel Zeit in Anspruch nehmen. Vorher lass mich dir jedoch eines mit aller Deutlichkeit sagen.“
Er stand auf und stellte sich genau vor Sanji, vermutlich um die Dringlichkeit seiner Worte zu unterstreichen.
„Ich stimme dir zu, es ist sehr unglücklich, dass ich abreisen muss. Als Perfektionist, der ich nun mal bin, missfällt es mir, ein Vorhaben unbeaufsichtigt zu lassen. Ich habe zugesagt, dir zu helfen, und es wäre eine arge Enttäuschung, wenn du in meiner Abwesenheit versagen würdest.“
Eine Enttäuschung also? Sanji schürzte seine Lippen, während Falkenauge von ihm sprach, wie von einem Schulprojekt.
„Vom nächsten Schritt an ist es daher essenziell, dass du dich genau an meine Anweisungen hältst, verstanden?“
Sanji musste schlucken und nickte. Nun würde es also beginnen.
„Das bedeutet, sollte dir in den kommenden Wochen auch nur für den Bruchteil einer Sekunde auch nur ein Fünkchen deiner Menschlichkeit entgleiten, unterbrich, was auch immer du tust, ganz gleich, was es ist, egal, wie wichtig du glaubst, dass es sein mag. Unterbrich es augenblicklich und wende dich an Lorenor.“
…
„Was? Zur Hölle! Ich werde doch nicht…“ Er verstummte.
„Welcher Teil von Halte dich genau an meine Anweisungen ist für dich missverständlich?“ Falkenauge klang eiskalt. „Es ist mir gleich, ob du ihn nicht leiden kannst oder ob es falscher Stolz oder falsche Scham ist. Smutje, in dieser Crew gibt es nur wenige, die geschafft haben, was du schaffen willst und Lorenor ist der einzige von ihnen mit einer absoluten Kontrolle, die du im Zweifel brauchen wirst, sollte dir deine Menschlichkeit drohen zu entgleiten.“
Eine Gänsehaut glitt seinen Rücken hinab.
„Lorenor weiß, was in einer solchen Situation zu tun ist, und er ist stark genug, es auch umzusetzen, und ich würde diese Verantwortung nicht in seine Hände geben, wenn ich an seinen Fähigkeiten zweifeln würde. Aber es ist entscheidend, dass du ihn um Hilfe bittest, sollte es passieren. Du wirst es spüren, so wie du es die ganze Zeit spürst, und er wird dir helfen. Aber wenn du nicht zu ihm gehen solltest…“ Er beendete seinen Satz nicht und schüttelte nur leicht den Kopf.
„Okay“, sagte Sanji, nicht in der Lage, das leise Zittern in seiner Stimme zu unterdrücken. Was hatte Falkenauge nur für ihn vor, dass er ihn ein solches Horrorszenario ausmalte?
„Gut, dann werde ich dir jetzt die nächsten Schritte erklären. Die nächsten Tage werden noch recht einfach. Du wirst deine Zellummantelung verfeinern. Ein es gelingt mir nicht immer richtig wird es nicht mehr geben. Du wirst den Schwamm hundertmal am Tag ummanteln und es wird dir hundertmal gelingen, zehn Tage am Stück. Ein Fehler, und das Zählen beginnt von vorn, verstanden?“
„Das wird mich Ewigkeiten kosten“, murmelte Sanji. Bisher gelang ihm nur so ziemlich jeder vierte bis fünfte Versuch.
„Dann wird es dich eine Ewigkeit kosten. Perfektion ist der Schlüssel.“ Hart sah Falkenauge ihn an, dann wandte er sich ab und ging zum Sofa hinüber, dort lag ein unscheinbares Kästchen. „Und sobald du dies gemeistert hast – ich erwarte Rücksprache mit mir oder zumindest Lorenor – kommt das hier zum Einsatz.“
Er hielt die Schachtel Sanji hin und er nahm sie entgegen, öffnete sie stirnrunzelt. Er hatte irgendein Folterwerkzeug erwartet, aber was er sah, war eher unbeeindruckend. In der Schachtel lag ein knappes Dutzend metallener Armreifen.
„Und was soll das sein?“, murmelte er fast schon enttäuscht.
„Der künftige Horror deiner schlaflosen Nächte“, entgegnete Falkenauge, als ob er ihn ärgern wollte. „Nun komm, nimm eines heraus.“
Sanji tat wie ihm geheißen und begutachtete das simple Schmuckstück. Erst auf dem zweiten Blick bemerkte er die drei Einkerbungen, in denen je eine schwarzschimmernde Kugel steckte.
„Euer Scharfschütze war so freundlich, diese anzufertigen, und sollten sie kaputt gehen, kann er neue herstellen“, bemerkte Falkenauge. „Nun denn, versuch es. Wende die Zellummantelung an.“
Sanji sah kurz zu ihm auf und dann tat er, wie ihm geheißen. Der Armreif war noch nicht mal komplett verfärbt, da zerbarsten die kleinen Kugeln und eine Sekunde später der ganze Armreif.
„Was zur…?“ Fast schon panisch starrte Sanji die tausenden Splitter an, die zu Boden glitzerten. „Was habe ich…?“
„Du hast nichts Besonderes getan.“ Falkenauge nahm sich ebenfalls einer der Armreifen und sofort war dieser komplett schwarz. „Diese Armreifen bestehen aus Stahl und Graphit. Stahl vergibt deutlich weniger als dein lieber Schwamm und Graphit vergibt nichts. Sobald du den Schwamm erfolgreich ummantelt hast, wie eben beschrieben, wirst du in der Lage sein, diese Reifen zu ummanteln, ohne dass sie bersten. Dies gilt nicht für den Graphit. Das heißt, von da an wird deine Aufgabe sein, deine Zellummantelung so lange zu trainieren, bis du diese Armreifen problemlos verhärten kannst, ohne dass sie bersten.“
Einen Moment starrte Sanji den Armreifen an, merkte wie er langsam wütend wurde.
„Was soll das?“, flüsterte er. „Du hast gesagt, die Zellummantelung des Schwamms wäre nur ein erster Schritt, um meine Konzentration zu fördern und jetzt noch mehr unnötige Zellummantelung? Ich will kein verdammter Schwertkämpfer werden, sondern…“
„Du unverschämtes Balg!“ Und in diesen Momenten wurde Sanji wieder bewusst, wer da vor ihm stand. „Dies ist meine letzte Warnung an dich: Wenn du meine Trainingsmethoden noch ein einziges Mal anzweifelst, kannst du dir jemand anderen suchen. Ich bin nicht die Wohlfahrt, Smutje. Ich helfe dir, um Lorenors Willen, aber wage es nicht noch ein Mal, mich so zu beleidigen.“
Er wirbelte herum und schritt durch den Raum, hart hallten seine klackenden Schritte wieder.
„Du willst es nicht verstehen, oder? Die Menschlichkeit überwinden bedeutet, eine mentale Stärke zu erlangen, die einen erlaubt, über die physischen Grenzen, über die körperlichen Grenzen, über die mentalen Grenzen hinauszugehen. Es ist, als würde man sich komplett neu zusammensetzen. Jemand wie du kann dies nur überstehen, wenn deine Kontrolle exzellent ist. Sie muss besser sein als die des Strohhuts, die von Nico Robin, so gut wie meine oder wie die Lorenors, sonst wirst du versagen. War das deutlich genug?“ Er drehte sich herum, kalte Wut auf sein Gesicht geschrieben. „Du hast gerade die ersten wackeligen Schritte in Richtung Kontrolle getan, aber hat dieser Armreif dir nicht gezeigt, wie weit entfernt du noch bist? So wie du jetzt bist, könnte ich dich hier und jetzt um deine Menschlichkeit bringen, ehe die Sonne untergegangen ist, und du erdreistest dich, mein Wissen und meine Kunst zu verschmähen? Lorenor mag es hinnehmen, wenn du ihn und die Schwertkunst beleidigst, aber ich nicht. Also halte deine Zunge im Zaum, wenn du sie behalten willst.“
Schon oft hatte er Falkenauge wütend erlebt, gefährlich, drohend und Sanji wäre ein Lügner, wenn er verneinen würde, dass er es auch öfters mit der Angst zutun bekommen hatte. Aber solche Tage lagen lange zurück. Damals, als ihnen allen noch nicht bewusst war, dass die einen gemeinsamen Nenner hatten, für den sie alle viel ertragen würden.
Gerade hatte Sanji Angst. Nicht nur vor dem Zorn des Schwertkämpfers, sondern viel mehr vor seinen Worten, von denen Sanji wusste, dass sie keine leeren Drohungen waren. Es war ihm nicht bewusst gewesen, aber scheinbar war dieser Mann in der Lage, seine schlimmsten Albträume wahrwerden zu lassen, wenn er nur wollte. Und dies bedeutete, dass nicht nur er, sondern wahrscheinlich auch Ruffy und Zorro, wahrscheinlich auch Robin, ähnliches könnten, wenn sie es wollten. Ihm war nicht bewusst gewesen, auf was für brüchigem Eis er stand. Aber Falkenauge hatte es gesehen, wohl schon immer gesehen.
„Es tut mir leid“, sagte Sanji. „Das hätte ich nicht sagen sollen.“
Einen Moment schwebten diese Worte zwischen ihnen.
„Gut, dann hätten wir das ja geklärt“, entgegnete Falkenauge kühl. „Du wirst in der Schachtel Armreifen ohne Graphit finden. Mit diesen wirst du beginnen. Übe zunächst ein bisschen an einem und dann zieh beide an. Ziel ist es, sie zehn Tage am Stück zu verhärten, ohne dass sie bersten.“
Sanji schluckte. Er war noch dort, wo Falkenauge ihm gedroht hatte, ihm seine Menschlichkeit zu nehmen.
„Warte… was? Zehn Tage? Wie soll das…?“ Tief holte er Luft und beruhigte seinem Atem. „Du willst, dass ich zehn Tage ununterbrochen Haki anwende?“
Fast schon überrascht neigte Falkenauge den Kopf.
„Das sagte ich doch gerade. Hast du…? Nun gut, ich muss einsehen, dass meine Art des Trainings nicht der Norm entspricht.“ Nun holte er tief Luft, als müsste er ebenfalls etwas Welterschütterndes verarbeiten. „Ja, ganz Recht. Egal, ob du kochst, kämpfst, schläfst, diese Armreifen werden von dir für zehn Tage, 240 Stunden, ununterbrochen im Wege der Zellummantelung verhärtet. Solltest du auch nur eine Sekunde schwächeln oder auch nur der kleinste Riss entstehen, beginnst du von neuem.“
Fassungslos schnaubte Sanji auf.
„Du hast ja gesagt, dass der nächste Schritt zeitaufwendig wäre, aber das…“
„Oh, wir sind noch nicht an dem zeitaufwendigen Teil angekommen.“
„Wie bitte?“
„Natürlich nicht. Dieser kommt jetzt. Sobald du das geschafft hast, kommen die Armreifen mit dem Graphit. Erst einer, dann zwei. Gleiches Spiel, wie zuvor, allerdings reden wir jetzt nicht von zehn Tagen, sondern drei Mona…“
„Was?!“
„…ten. Bitte unterlass diesen geschockten Gesichtsausdruck, es ist nicht hilfreich.“
„Drei Monate?! Und wenn nur eine dieser Kugeln platzt oder ich für eine Sekunde ohnmächtig werden, nochmal von neuem?!“
„Außer du hältst die Verhärtung während deiner Ohnmacht bei, ansonsten ja“, entgegnete Falkenauge unbekümmert.
„Was ist das für eine Scheiße?! Nein, ich… komm, gesteh mir zu, dass das gerade heftig ist, okay? Ich kritisiere nichts, ich muss es nur… verarbeiten, okay?“ Sanji rieb sich den Unterarm, nun noch panischer als zuvor. Wie sollte er das je schaffen? Das würde ihn Jahre kosten? „Und… und wie soll mir das helfen? Das ist alles nur Vorbereitung? Ich verstehe nicht.“
Falkenauge seufzte.
„Nein, Smutje, es ist nicht bloß Vorbereitung. Sobald du den Schwamm hinter dir gelassen hast, wird die Hölle auf Erden für dich beginnen.“
Sanji starrte ihn an. Die Aufgaben schienen fast unmöglich und zeitlich kaum schaffbar, aber warum sollte es die Hölle für ihn werden, zwei Armreifen zu ummanteln?
„Aufgrund deiner besonderen Position als Smutje dieses Schiffes und weil ihr immer wieder in Kämpfe geraten werdet, musste ich dieses Training anpassen. Weder Lorenor noch dein Kapitän haben mehr als ein paar Monate gebraucht, um ihre Menschlichkeit zu überwinden. Bei dir wird es deutlich länger dauern, denn, wie du zurecht bemerkt hast, sind die einzelnen Schritte recht zeitaufwendig. Alles unterhalb von zwei Jahren halte ich als ein ambitioniertes und eindrucksvolles Ziel, bis drei Jahre wäre absolut zufriedenstellend, selbst vier Jahre wären nachvollziehbar.“
Ihm wurde übel. So lange sollte er mit diesem Training verbringen? Das war ja eine Ewigkeit.
„Sobald du die Aufgabe mit den Armreifen bestanden hast, werden wir einen letzten Schritt gehen, der uns deutlich weniger Zeit kosten wird. Aber darum brauchst du dir jetzt noch keine Gedanken machen.“
Langsam nickte er: „Okay, hab ich soweit verstanden. Aber… auch wenn mich diese extrem lange Zeit echt anpisst, wenn ich ehrlich bin, hört es sich… nicht so schlimm an? Wieso sagst du, dass es die Hölle wird? Wie hilft mir diese Übung, meine Menschlichkeit zu überwinden?“
Ja, jetzt bekam er halt so richtig Schiss. Wie immer, wenn Falkenauge dieses anerkennende Lächeln zeigte. Es war verdammt gruselig. Deutlich angsteinflößender als sein Wutausbruch zuvor.
„Die richtigen Fragen, Smutje. Die Antwort ist einfach. Haki über eine lange Zeit aufrechtzuerhalten, kosten nicht nur Kraft, nicht nur Ausdauer, sondern Konzentration und Nerven. Dieses hohe Maß an feinfühliger Kontrolle über Wochen hinweg aufrechtzuerhalten, wird das Härteste sein, was du je getan hast, während du gleichzeitig deinen ganz normalen Alltag durchführst. Es wäre genug, um großartige Kämpfer in den Wahnsinn zu treiben, aber genau das darf dir nicht passieren. Aus diesem Grund musst du dich an Lorenor wenden, solltest du schwächeln. Denn dir, Vinsmoke Sanji, ist es nicht erlaubt, zu straucheln, denn dann wirst du fallen und niemand wird dir mehr helfen können.“ Dieses Mal war es keine Drohung, es war die simple Wahrheit. „Lorenor wird dich über die Zeit deines Trainings im Auge halten und darauf achten, dass deine Verhärtung auch meinen Anforderungen genügt. So oder so ist es eine gute Gelegenheit für ihn, sein Observationshaki zu trainieren – für den besten Schwertkämpfer der Welt ist es wirklich noch sehr… überschaubar – und wie du weißt, würde er nichts und niemanden erlauben, dieser Crew Schaden zuzufügen. Das erfasst mich, ihn selbst und natürlich auch dich. Also wende dich an ihn, verstanden?“
Er nickte erneut.
„Nun denn, Smutje, jetzt kannst du noch aufgeben. Sobald du einmal den Schwamm hinter dir gelassen hast, gibt es kein Zurück mehr. Also sage mir, bist du dir wirklich sicher, dass du deine Menschlichkeit überwinden willst?“
Dieses Mal hielt er diesem stechenden Blick stand.
„Ja.“
Es gab keine großen Worte. Er fühlte sich gerade nicht besonders selbstbewusst, nicht besonders mutig oder stark. Aber das alles war egal. Ganz gleich, was er fühlte, was er fürchtete, es hatte für ihn nie ein Zurück gegeben, nicht ab dem Moment, als er dem Turm der G6 beim Fallen hatte zusehen müssen.
„Gut, dann hier noch die Randbemerkungen. Sobald du mit den Armreifen beginnst, gelten folgende Regeln: Kein Alkohol mehr, keine Zigaretten, Zigarren, Pfeifen oder andere Suchtmittel mehr, Medikamente und Schmerzmittel nur im äußersten Notfall – dies habe ich bereits mit Doktor Chopper abgesprochen. Er hat zugesichert, dein Training zu unterstützten, auch wenn dies bedeutet, dass er dir nicht so helfen kann, wie er es gerne würde – und absolut keinen… kein Befriedigen bestimmter Bedürfnisse.“
„Wa… was?“ Hatte er sich gerade verhört?
Falkenauge seufzte und ein rosa Schimmer legte sich über seine Nase.
„Beischlaf und Selbstbefriedigung sind absolut tabu.“
„Du willst mich doch verarschen?!“ Beinahe hätte er die Schachtel fallen gelassen. „Was soll der Scheiß?!“
Gefährlich langsam wanderte eine Augenbraue Falkenauges nach oben und Sanji erinnerte sich die paar Minuten zurück und sein Gesicht musste das auch zeigen, denn Falkenauge nahm einen tiefen Atemzug und seufzte erneut auf, als wäre er schlimm gestraft.
„Ich wiederhole. Du bist im Begriff, deine mentale Stärke auf die ultimative Prüfung zu stellen. Dinge, die den Geist vernebeln können, Suchtmittel jeglicher Art, wenn du dich ihnen in jenem angespannten Zustand aussetzt, kann ich für nichts garantieren. Es mag zwanzig Mal gutgehen und dann das eine Mal nicht mehr, aber es würde kein Schwächeln sein, kein zaghaftes Entgleiten. Es würde dich direkt den Abhang hinabwerfen, verstanden? Deshalb meine ich es absolut ernst und du solltest es auch so ernst nehmen.“
„Du erwartest von mir…, dass ich für… vier – vier! – Jahre oder so auf all das verzichte?“ Fast schon automatisch suchten seine Finger nach seinen Zigaretten.
„So lange, wie nötig“, bestätigte Falkenauge, dann zeigte er dieses herablassende Lächeln. „Ich sagte ja, es wird die Hölle. Um die eigene Menschlichkeit zu überwinden, muss man auf viele kleine Laster und Annehmlichkeiten verzichten. Und ja, bei dir ist es möglicherweise für eine sehr lange Zeit, aber dafür ist der Verzicht überschaubar. Du musst schließlich in der Lage bleiben, deinen Pflichten nachzukommen.“
„Überschaubar?!“ Sanji kam sich so minimal verarscht vor. „Was zur Hölle hast du dann Zorro angetan?“
„Oh, du meinst neben den obligatorischen Wochen ohne Nahrung und Schlaf? Das waren doch nur kleine Nebenbelastungen.“ Dieser Typ war wahnsinnig. „Nun ja, und auch seine Laster sind überschaubar, aber gewiss hat er viele Monate auf Kuraigana ohne auch nur einen Tropfen Alkohol verbracht und bis er die Zellummantelung perfektioniert hatte, durfte er natürlich nicht mit seinen Schwertern trainieren. Er durfte sie nur zur Pflege in die Hand nehmen.“
Sanji starrte ihn an. Zorro trank täglich Alkohol, außer Chopper konnte es vermeiden, und seine Schwerter waren immer bei ihm, selbst, wenn er ins Bad ging.
„Du bist echt ein grausamer Lehrer“, murmelte er und klang ungewollt beeindruckt.
„Nun ja, es ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, da darf sie ruhig die ein oder andere kleine Freude mit sich bringen.“
„Und du bist echt ein Arsch.“
„Hast du noch irgendwelche Fragen, oder muss ich mir grundlos deine Beleidigungen anhören?“
Sanji sah auf die Kiste hinab.
„Das wird echt scheiße. Aber du sagst, wenn ich das hier mache, dann kann ich endlich diesen einen Schritt mehr gehen? Wenn ich das hier packe, dann kann ich wieder mit ihnen mithalten?“
Falkenauge sah ihn scharf an, als würde er ihn lesen, ehe er nickte.
„Vielen Dank!“ Sanji verbeugte sich leicht, merkte die Spannung in seinem Rücken. „Danke, dass du mir hilfst.“
Eine Sekunde war es still.
„Wie unnötig. Dein Dank ist unangebracht. Ich mache dies nicht deinetwegen, sondern…“
„Du hast deine Beweggründe mehr als deutlich gemacht“, entgegnete Sanji und richtete sich wieder auf. „Aber egal, warum du es machst, ohne deine Hilfe und Anleitung hätte ich keine Chance und würde es mich nie wagen. Also danke… Mihawk.“
Nun war es noch länger still. Dann seufzte der andere leise auf und rieb sich den Nasenrücken.
„Du meine Güte. Nun gut, lass es uns dabei bewenden. Wenn du wirklich dankbar bist, lass uns den Penfolds Grange öffnen, den ich in der Abstellkammer sah. Zur Feier meines letzten Abends.“
Sanji schluckte.
„Diese Flasche hat mich ein Vermögen gekostet“, meinte er trocken, wusste, dass er keine Chance hatte.
„Ein kleiner Preis für deine Menschlichkeit.“