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Seelenschreiber

[BBC Sherlock]
von

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Freude

Wie ich feststellen muss, fällt es mir wesentlich leichter, über die Fälle von Sherlock und mir zu bloggen, als über meine Gefühle. Ich weiß auch nicht, was mich dazu geritten hat, das hier fortzusetzen. Eigentlich wollte ich es bei den Fällen lassen.. Aber gut, nun bin ich nach einer etwas längeren Pause auch hier wieder aktiv. Seit dem ersten Eintrag ist so einiges passiert – Ich bin mit Sherlock Holmes zusammengezogen (als Mitbewohner, ich bin nicht schwul! Aus irgendeinem, mir unerfindlichen Grund, glaubt das jeder.), habe einen Job in einer Praxis und helfe Sherlock bei den Fällen, die er entweder von Detective Inspector Lestrade oder direkt von Klienten bekommt. Mein PTBS hat sich seit dem ersten Fall mit ihm verabschiedet – allein die Albträume sind hin und wieder da. Aber ich schätze, das ist normal. Ansonsten geht es mir gut. Wirklich. Ich habe gute Laune, ich bin gesund und ich komme mehr oder weniger gut morgens aus dem Bett – nur das übliche „Ich würde mich gern noch etwas unter der warmen Decke einkuscheln“, anstatt einer absoluten Demotivation und Lustlosigkeit.

Eigentlich würde ich sogar soweit gehen und sagen, dass ich das Leben hier wieder genießen und wertschätzen kann. Es ist nicht mehr langweilig, das ist es nie mit Sherlock. Ich habe den ganzen Tag etwas zu tun, hänge nicht tatenlos in den Seilen, und bekomme regelmäßig meinen Nervenkitzel durch Sherlocks, durch unsere Fälle. Es ist immer noch beeindruckend, was er alles bemerkt und wie wenig er nur für eine Schlussfolgerung, für eine Deduktion benötigt. Es macht mir Spaß, ihn dabei zu beobachten und ihm zuzuhören. Man sollte meinen, mittlerweile sei ich es gewohnt, aber dennoch fasziniert es mich noch immer so sehr, wie an dem Tag, als wir uns kennenlernten. Auch, wenn ich damals noch nicht wusste, was ich von ihm halten sollte. „Damals“. So lange ist es eigentlich noch gar nicht her, es sind schließlich erst ein paar Monate vergangen. Aber die Zeit vergeht wirklich schnell, wenn man die Tage wieder genießen kann. Wenn man leben kann. Gott, ich bin Sherlock wirklich einiges schuldig. Ohne ihn hätte ich aus meinem Tief wohl nicht so rasch herausgefunden. Irgendwann, sicherlich, aber nicht so baldig, wie ich es ihm zu verdanken habe. Vermutlich ist er sich selbst gar nicht bewusst, was er für mich getan hat. Sherlock ist zwar ein Genie und ihm entgeht nahezu nichts, aber was zwischenmenschliche Dinge wie Gefühle oder, manchmal, auch Moral anbelangt, da habe ich teilweise wirklich das Gefühl, mit einem Kind zusammenzuwohnen. Was ich aber noch viel verwundernder finde ist, dass es mir nichts ausmacht. Im Großen und Ganzen, versteht sich. Natürlich rege ich mich darüber auf, wenn er mal wieder grundlos Miss Hudson anfährt oder mich quer durch die Stadt hetzen lässt, weil er sich nicht vorbeugen und nach dem Stift greifen will. Herrgott, Sherlock kann wirklich kindisch sein. Aber alles in allem.. ist seine Art angenehm erfrischend und ich fühle mich ein paar Jahre jünger als sonst. Es tut gut zu wissen, dass da jemand war, der einen, wenn auch auf eine seltsam verquere Art und Weise, brauchte. Es tut gut zu wissen, dass jemand auf einen wartet, wenn man von der Arbeit kam. Zwar nicht mit Tee oder gar etwas zu Essen, darauf würde Sherlock nie kommen, aber.. trotzdem ist es ein schöner Gedanke. Man kommt nach Hause und ist nicht allein. Man hat jemanden zum Reden, ja, auch zum Streiten. Das bleibt bei einem Menschen wie Sherlock einfach nicht aus. … Gott, vermutlich fällt es schwer, meine Empfindungen nachzuvollziehen, wenn ich nur seine negativen Eigenschaften aufzähle. Aber wie dem auch sei.. Es geht mir gut, bereits für einen längeren Zeitraum. Ich denke mit einem Lächeln an den vorigen Tag und erwarte den Nächsten bereits mit einem vorfreudigen Grinsen. Wie gesagt, mit Sherlock als Mitbewohner wird es nie langweilig und ich bin immer gespannt, wann wieder etwas passiert.

Dr. John H. Watson



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