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Throughout the Year

One-Shot Sammlung
von

Vorwort zu diesem Kapitel:
Pünktlich zum Letzten des Monats auch mein entsprechender One-Shot. Dieses Mal für Prinzessin-Zelda. :) Ich hoffe er gefällt dir - mir auf jeden Fall, zumindest von der Handlung per se. An den Text selbst, muss ich leider noch mal ran, aber da ich morgen eine neue Stelle beginne (wuhu!), war ich leider etwas abelenkt - ich hoffe es hat sich nicht zusehr auf den Text ausgewirkt. Komplett anzeigen

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07. Freunde

Lee konnte sich in seiner Freizeit nichts besseres und beruhigenderes vorstellen, als mit seinem ehemaligen Sensei die eindrucksvollsten Wettrennen Konohas zu veranstalten. Es machte ihn stolz und glücklich, dass Gai sich nicht von seinem Rollstuhl davon abhalten ließ, sein Kredo fortzuführen. Und was wäre Lee für ein undankbarer Schüler, wenn er nicht alles, in seiner Macht stehende, tun würde, um ihn dabei zu unterstützen?

Auch heute lieferten die beiden sich wieder ein Wettrennen. Dieses Mal ging es drei Mal um das Dorf herum, dann zu den Hokageköpfen nach oben klettern, den Wald dahinter durchlaufen und abschließend einen steinigen Pfad zurück ins Dorf und am Hokagegebäude vorbei.

Das alles fünfzig Mal und wer am Ende als erster auf dem Vorplatz ankam, durfte sich eine Strafe für den anderen aussuchen.

Lee war hochmotiviert und grübelte schon seit gut zehn Runden darüber nach, was er seinem ehemaligen Lehrmeister für eine Aufgabe geben konnte, die ihn gleichzeitig sehr forderte und motivierte.

Das Problem war, davon gab es eine Menge und da Lee sich sicher war, dass er diesen Wettstreit gewinnen würde, musste er sich irgendwann für eine entscheiden.

Es gab nämlich nichts verwerflicheres, als seinen ehemaligen Sensei keine vernünftige Strafe nennen zu können, sobald es soweit war.

Hier ging es schließlich nicht um irgendetwas, sondern um das Beibehalten ihrer Jugend und Fitness. Und darum, Gai jeden Tag aufs neue zu zeigen, dass es richtig war, sich nicht selbst hängen zu lassen.

In Lees Augen loderten regelrecht Flammen, als er nun wieder die Runden um das Dorf zog und die Räder von Gais Rollstuhl direkt hinter sich hörte. Und dort würde er sie auch hören, wenn sie ins Ziel kommen würden. Hinter sich, bereit die nächste Aufgabe zu beginnen.
 

Gaara atmete einmal tief durch, während er hinter dem Fenster des Besprechungsraums des Hokageturms stand und nach unten auf die Menschen blickte, die die Straßen entlang gingen. Konohagakure war noch immer in der Aufbauphase, nachdem Pain es komplett zerstört hatte und der Krieg saß nach wie vor tief, doch die Bewohner des Dorfes ließen sich davon nichts anmerken.

Sie kauften ein, blieben stehen, um mit Freunden und Bekannten zu reden, gingen glücklich mit ihren Familien spazieren und lebten so, wie sie es vor all den schrecklichen Ereignissen schon getan hatten.

Gaara gefiel dieser Anblick. Er war froh, dass die Menschen sich, trotz der großen Verluste an der Front, nicht unterkriegen ließen und Vertrauen in ihre Oberen hatten.

So, wie es zum Glück mittlerweile auch in Sunagakure der Fall war.

Er dachte nur ungern an eine Zeit zurück, als allein die Vermutung, dass er gleich um die nächste Ecke kommen könnte, für schreckliche Angst gesorgt hatte und man mit weit aufgerissenen Augen lieber vier Blocks außen herum gegangen war, bevor man freiwillig seinen Weg gekreuzt hätte.

Mittlerweile war dem nicht mehr so und die freundlichen Blicke, das breite Lachen und die gutgelaunten Grüße, die ihm inzwischen entgegen gebracht wurden, bewiesen ihm jeden Tag aufs neue, dass er mit seiner Arbeit irgendetwas richtig machte.

So wie Kakashi, Naruto und alle anderen hier in Kohona.

»Gaara? Wir wären so weit«, wurde er von Shikamaru aus den Gedanken gerissen.

»Ich komme«, antwortete dieser und ließ noch einmal einen letzten Blick über den Platz vor dem Hokagegebäude schweifen.

Er erkannte Lee, der dicht gefolgt von Gai, sprinten zwischen den Dorfbewohnern hindurchschlängelte, die das Ganze kaum wahrnahmen. Kopfschüttelnd und mit einem leichten Grinsen auf den Lippen, wandte er sich schließlich ab und ging zurück zu seinem Platz am Tisch, wo bereits die anderen Kage, Naruto, Sakura und Shikamaru auf ihn warteten.
 

»Ja!«, rief Gai, als er die Ziellinie als erster überquerte.

Lee bohrte seine Sohlen in den Sand, um schnell zum Stehen zu kommen und warf seinen ehemaligen Lehrer einen ungläubigen Blick zu.

»Wow ... Sensei, ich hätte nicht gedacht, dass du mich noch überholst«, sagte er schwer atmend und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Er zog ein wenig an seinem grünen Kampfanzug, um sich etwas Luft zuzufächeln und wartete geduldig, bis Gai mit seinem Siegestanz fertig war, der hauptsächlich daraus bestand, sich auf einem Rad schnell um sich selbst zu drehen und laut zu rufen.

»So, mein lieber Lee, nutzt man die Kraft der Jugend sinnvoll«, sprach Gai, nachdem er seinen Rollstuhl wieder in eine normale Position gebracht hatte. Die untergehende Sonne hüllte ihn von hinten ein und ließ ihn wie einen, vom Himmel hinabgestiegenen, Gott aussehen.

»Immer im Windschatten halten, um Kräfte zu sparen und dann kurz vor Schluss am Gegner vorbeiziehen«, fuhr er fort und nickte vielsagend.

Lee saugte jedes seiner Worte mit Wissbegier auf und machte sich in seinem Kopf sofort Notizen.

»Also sei dir niemals zu sicher, dass du gewinnst, nur weil du vorne liegst.«

»Ja, Gai-Sensei!«, rief Lee euphorisch. »Danke!«

»Und jetzt, mein junger Freund, kommen wir zu deiner Strafe. Ab Morgen früh wirst du den ganzen Tag nur auf Händen laufen. Und das rückwärts.«

»Jawohl, Gai-Sensei! Mein selbstgestecktes Ziel: auf Händen nachhause laufen.«

»Das ist die richtige Einstellung, Lee.«

Gai grinste über beide Ohren und streckte ihm den erhobenen Daumen entgegen. »Und ich werde dich rückwärts und nur auf einem Reifen mit meinem Rollstuhl begleiten.«

Die Bewohner des Dorfes hatten schon lange aufgegeben, sich über dieses seltsame Paar in den grünen Kampfanzügen und mit den Topfhaarschnitten zu wundern. Es gehörte für sie zur Tagesordnung, dass Gai und sein ehemaliger Schüler sich irgendwelche komischen Aufgaben stellten oder Wettkämpfe austrugen, während sie frei hatten.

Es wurde höchstens noch mit einem Kopfschütteln oder Schulterzucken zur Kenntnis genommen, aber über ihre stürmische Art regte man sich schon lange nicht mehr auf.
 

Gaara wurde am nächsten Morgen noch vor Sonnenaufgang wach. Obwohl Shukaku schon lange nicht mehr in ihm war und er keine Angst haben musste, dass er aus ihm herausbrach, während er schlief, hatte er sich bis heute noch nicht wirklich daran gewöhnt so lange zu schlafen, wie alle anderen.

Also erhob er sich, machte sich fertig und zog seine roten Klamotten an, bevor er leise das Naraanwesen verließ, indem sie immer nächtigten, wenn sie in Konoha waren und trat auf die Straße.

Es war kaum etwas los um diese Uhrzeit und auch die Läden waren noch alle geschlossen. Man sah hie und da schon Licht hinter den Fenstern oder hörte ein Baby schreien, aber ansonsten lag das Dorf noch friedlich da. So, als wäre die Welt nicht eine komplett andere seit Naruto und Sasuke den Krieg für sich hatten entscheiden können.

Er tätigte gern solche Spaziergänge, wenn er in Suna war, weil es ihm immer wieder vor Augen führte, für was er gekämpft hatte, was und wen es zu schützen galt und warum es ihn stolz machte Kazekage sein zu dürfen. Er sah seine Arbeit nicht als Last an, obwohl sie anstrengend war, ihm viel Zeit raubte und er große Verantwortung trug. Aber das war okay für ihn. Solange er die Menschen beschützen konnte, die ihm wichtig waren, würde diese Arbeit nie eine Bürde für ihn darstellen.

Ein Lächeln schlich sich auf Gaaras Lippen, als er an den jungen Mann dachte, dem er diese Denkweise zu verdanken hatte und er blieb einen Augenblick stehen, um sich in Richtung des Hokagefelsens zu drehen. Irgendwann würde einmal auch Narutos Gesicht dort oben eingemeißelt sein.
 

Es war sein tägliches Ritual, was Lee an diesem Morgen vor Sonnenaufgang aus dem Bett gezogen hatte. Und nachdem er sich noch auf den Beinen für den Tag fertig gemacht hatte, verließ er seine Wohnung bereits kopfüber und rückwärtslaufend. Es erschwerte ihm zwar das Schließen seiner Wohnungstür, aber das sah Lee nur als seine erste, zu bewältigende Aufgabe an diesem Tag an, die er erfolgreich abschloss.

Die zwanzig Runden, die er jeden Tag um das Dorf herum lief, würden heute mindestens doppelt solange dauern, aber das spielte keine Rolle.

Gai-Sensei hatte gestern fair und ehrlich gewonnen und ihm Grenzen aufgezeigt, von denen er dachte, dass er sie schon längst überwunden hätte. Also tat er nichts lieber als den Anweisungen seines ehemaligen Lehrmeisters zu folgen und den ganzen Tag über auf den Händen zu gehen.

Es sollte eigentlich keine allzu schwierige Aufgabe für ihn darstellen, schließlich war Lee es gewohnt, mit den Beinen in der Luft zu laufen – auch rückwärts. Nur die Dauer war dieses Mal erheblich länger, als sonst und er war erpicht darauf herauszufinden, ob seine Arme wirklich schon gut genug trainiert war, um den ganzen Tag seinen Körper tragen zu können.

Zur Verschärfung der Strafe hatte Lee sich sogar vorgenommen, sich während der Zeitspanne nur höchstens drei Mal, für fünf Minuten zu setzten – aber eigentlich wollte er es komplett ohne Pausen schaffen.

»Vorsicht«, riss ihn eine bekannte, tiefe Stimme aus seinen Gedanken und Lee blieb abrupt stehen. Durch dieses Manöver fielen seine Beine ein Stück über und er begann zu straucheln, um sein Gleichgewicht wieder zu finden.

Zwei starke Hände packten ihn an den Knöcheln und schoben ihn so wieder in eine halbwegs gerade Position.

»Danke Gaara«, sagte Lee grinsend und drehte sich – natürlich rückwärtslaufend – zu ihm um.

»Kein Problem.«

Ich hätte nicht gedacht, dich so früh auf der Straße zu sehen. Oder überhaupt. Dachte, dass ihr zu beschäftigt seid, so wie Naruto neulich klang«, plapperte Lee gut gelaunt los und strahlte seinen guten Freund breit an.

In Gaaras Blick lag etwas, das an Belustigung erinnerte, aber sein Gesicht blieb ernst.

»Sind wir tatsächlich, aber nicht zu einer so frühen Uhrzeit.«

»Ah«, antwortete sein Gegenüber ihm verstehend, »und darum nutzt du die freie Zeit, um deine Kraftreserven aufzufüllen, damit du fit bist, wenn es weitergeht.«

Nun schlich sich doch ein Lächeln auf Gaaras Lippen und er schloss für einen Moment seine Augen.

»So in der Art«, antwortete er schließlich, nachdem er seine Lider wieder geöffnet hatte und ging zu Lee in die Hocke.
 

»So früh spazieren zu gehen, beruhigt mich einfach«, fuhr er seine Erklärung fort und sah seinem Gegenüber in die schwarzen Augen. Etwas, wofür er Jahre gebraucht hatte, nachdem er ihm damals bei der Chunnin-Auswahlprüfung diese ganzen Verletzungen zugefügt hatte.

Er war jedes Mal aufs neue Tsunade dankbar dafür, dass sie einen Weg gefunden hatte, Lees Körper wieder heilen zu können. Und noch mehr dafür, dass dieser ihn hier nun von unten heraus angrinste und mit ihm sprach als wären sie gute, alte Freunde – was irgendwie auch stimmte.

»Das kenne ich«, pflichtete Lee ihm bei und nun war sein Gesicht es, das ernst wurde. »Wenn ich mich nicht jeden Tag auspowere und an meine Grenzen gehe – oder darüber hinaus – fühle ich mich am Ende des Tages hibbelig und unzufrieden. Mir fehlt dann meine innere Ruhe und dann liege ich die ganze Nacht wach und überlege, wie ich mich am nächsten Tag so fordern kann, dass es den versäumten Tag wett macht.«

Gaara wusste nicht genau, ob sie über die gleiche Art Ruhe sprachen, aber Lee lebte auch in einer etwas anderen Welt als er und deshalb ließ er diese Ansicht gern so stehen.

Langsam ging die Sonne zwischen den Bäumen und Häusern Konohas auf und die beiden Ninjas wussten, dass sie nicht mehr viel Zeit hatten, bis der tägliche Wahnsinn seinen Weg auf die Straßen und in die Läden des Dorfes fanden.

»Wenn du das nächste Mal kommst und ein paar Stunden entbehren kannst, musst du unbedingt mal mit Gai-Sensei und mir einen Wettstreit ausfechten«, erklärte Lee mit strahlenden Augen plötzlich.

Gaara war sich nicht sicher, ob Freude wegen des Angebots in ihm aufkam, aber Zweifel, weil er kein großes Interesse daran hatte, sich den beiden anzuschließen, also wählte er die – hoffentlich – diplomatische Mitte als Antwort: »Danke, Lee. Ich weiß nur nicht, ob ich genügend Freizeit dafür aufbringen kann. Vielleicht gehen wir dann einfach mal alle zusammen essen.«

Falls Lee diese Aussage bedrückte, ließ er sich das nicht anmerken. Im Gegenteil, er wirke sogar noch entschlossener als zuvor.

»Und dann werde ich dich im Wettessen schlagen!«, rief er euphorisch und entlockte mit seinem Ausbruch bei Gaara ein kurzes und seltenes Lachen.

Es war schön im tristen Alltag auch solche Gestalten wie Lee als Freunde zu wissen und sich sicher sein zu können, dass man dank ihnen nie wieder alleine sein würde.


Nachwort zu diesem Kapitel:
Ich bin ja der Meinung, ich habe die Vorgaben ganz gut getroffen. Hoffe du (ihr) seht das auch so. :) Komplett anzeigen

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Kommentare zu diesem Kapitel (1)

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Von:  Prinzessin-Zelda
2018-02-08T14:24:08+00:00 08.02.2018 15:24
Hallo goetterspeise, du hast die Vorgaben mehr als gut umgesetzt. Die kleine Geschichte mit den RockLee und Gaara ist wunderschön geschrieben und ich konnte mir alles vorstellen - bei RockLee musste ich sogar ganz oft lachen.

Vielen Dank für die schöne Story mit den beiden :)

lg Zelda
Antwort von: goetterspeise
09.02.2018 21:22
Hey,
vielen Dank für deinen Kommentar und schön, dass dir die Umsetzung deiner Vorgaben gefällt. ♥ Rock Lee sollte auch die humoristische Seite der Geschichte darstellen, darum bin ich sehr glücklich darüber, dass er dich zum Lachen gebracht hat. :)

Und bitte nicht wundern, ich verlink dich noch in der Übersicht und bei den Charakteren, kam nur bisher noch nicht dazu. >.<

Liebe Grüße!


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