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Gloomy Days

von

Vorwort zu diesem Kapitel:
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Haven't we lost enough?

If our eyes should meet then so be it

No need to trouble the heart

That is hidden where no one can free it

Only to tear it apart

Silje Nergaard – Be Still My Heart
 

Es sollte der schönste Tag in ihrem bisherigen Leben werden und von außen betrachtet gab es überhaupt keinen Grund, daran zu zweifeln. Cassian war nicht nur in eine reiche Familie geboren worden, sondern war darüber hinaus auch ein sehr gütiger Mann, ganz zu schweigen von gutaussehend. Er war groß, war mit breiten Schultern ausgestattet und hielt sich in Form, ohne dabei zu einem unförmigen Schrank zu werden. Er war gebildet und unterstützte sie, wo er nur konnte, wenn es um ihre Leidenschaft für die Kartographie ging, er behandelte seine Bediensteten mit Respekt und war auf der gesamten Insel so beliebt, wie kaum ein zweiter. Selbst um ihre Orangenbäume hatte er sich gekümmert und eigens einen Platz in der Nähe des Anwesens gesucht, damit sie nie zu weit von ihr entfernt waren. Und außerdem rauchte er nicht. Vielleicht ein unbedeutender Umstand, aber Zigarettenrauch rief stets die Erinnerungen an Bellemere und .. ihn hervor. Und sie konnte nichts als Trauer mit diesem Umstand in Verbindung bringen.

Zu all diesen glücklichen Umständen gesellte sich auch noch hinzu, dass sie einige ihrer alten Freunde wiedersehen durfte. Zorro hatte seine Zusage gegeben, ebenso Chopper und sogar Ruffy hatte sich aus der Versenkung erhoben, um in diesem bedeutenden Moment bei ihr zu sein, Robin war bereits angekommen und half ihr dabei, sich zurecht zu machen. Und .. Sanji. Es war ein überraschender Umstand und sie hatte Schwierigkeiten damit, diesen gutzuheißen. Anfangs hoffte sie sogar, dass er nicht hierherkommen würde. Schon beim Verfassen der Einladungen rechnete sie damit, dass er nicht antworteten oder irgendeinen fadenscheinigen Grund für sein Fernbleiben liefern würde. Damit wäre jeder Beteiligte zufrieden gewesen. Aber er antwortete mit einer Zusage und sie wusste immer noch nicht, wie sie darauf reagieren sollte. Beruhige dich, Mädchen. Du heiratest heute!, dachte sie sich kopfschüttelnd und betrachtete die eigene Erscheinung im Spiegel. Nie in ihrem Leben hatte sie sich schöner gefühlt, als in diesem Moment. Das blendend weiße Hochzeitskleid war für sie maßgefertigt worden und eine enorme Summe hatte die Besitzer gewechselt, doch es hatte sich gelohnt. Schulterfrei und von blendend weißer Farbe, perfekt tailliert und aus einem Stoff gefertigt, der sich wie das personifizierte Paradies auf ihrer makellosen Haut anfühlte. Robin hatte für ihre Frisur gesorgt und sich selbst übertroffen, eine unglaublich komplizierte Hochsteckfrisur, welche ihre Haarpracht nur noch mehr in Szene setzte. Der Kontakt zwischen den beiden Frauen war über die vergangenen Jahre zu einigen Zeitpunkten eingeschlafen, hier und da ein Brief, vielleicht ein Gespräch über eine Teleschnecke, aber als sie hier eingetroffen war, schien alles für einen Moment wie früher zu sein. Lange Umarmungen wurden ausgetauscht und Robin beglückwünschte sie natürlich zu ihrer Hochzeit und zur guten Partie, die sie mit Cassian machte, ganz zu schweigen von einem Geschenk, das sicher von Herzen kam. Und schlussendlich trug sie auch Sorge dafür, dass sie sich wie eine Prinzessin fühlte. Nami war unglaublich glücklich darüber, dass ihre alte Freundin sich bereit erklärt hatte, ihre Trauzeugin zu sein. Das ist der beste Tag in meinem Leben und daran wird nichts und niemand etwas ändern können., dachte sie sich, als sie ihren Blick vom Spiegel abwendete. Die Zeremonie war in einer halben Stunde angesetzt und sie war überzeugt davon, dass Ruffy sich in der Küche verkrochen hatte, um darum zu betteln, auch nur einen Bissen vom Buffet zu bekommen. Robin hatte sich erst vor ein paar Minuten auf die Suche nach ihm begeben, weil ihn eine wichtige Aufgabe erwartete: Er musste sie zum Altar führen. Als sie noch gemeinsam gereist waren.. nein, denk' nicht daran, Mädchen. Dein schönes Make-Up!, ermahnte sie sich streng. An die alten Zeiten zurückzudenken war oft eine tränenreiche Angelegenheit und sie konnte sich nicht erlauben, ihr Make-Up jetzt zu verschmieren, schließlich war die Zeit knapp. Aber er war wie ein Bruder zu ihr, manchmal sogar wie der Vater, den sie nie hatte. Daher machte seine Zustimmung, sie zum Altar zu führen, sie nur noch glücklicher. Er schien sogar freudig überrascht zu sein Ruffy.., mit einem Mal fühlte sie sich fremd in ihrem Körper und erhob sich von ihrem Stuhl, um unbeholfen zum Kleiderschrank zu gehen und diesen zu öffnen.

Dort hing er, eingestaubt, eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr getragen und doch voller Erinnerungen an gute und schlechte Zeiten. Jeder von ihnen war am Boden zerstört gewesen, als sie ihre Träume hatten aufgeben müssen, als die Bande der Freundschaft einfach nicht mehr ausreichten, um weiterzumachen. Zu viele Niederlagen reihten sich aneinander und der Tag, an dem sie ein geliebtes Mitglied der Besatzung begraben mussten, war zu viel gewesen. Die Trennung war der einzige Weg. Einige von ihnen vergossen Tränen, darunter auch sie selbst, andere wiederum versuchten eine harte Fassade zu wahren. Das hatte sie Sanji bis heute nicht verziehen. Bei jedem hatte sie gebeten, sogar gebettelt, dass er bleiben würde, doch kein Erfolg war ihr beschieden. Robin hatte ihr Gesicht in ihre feingliedrigen Hände genommen, einen Kuss auf ihre Stirn gehaucht und ihr gesagt, dass es so besser war. Franky und Chopper weinten, Arm in Arm, sie wussten nicht, wohin mit sich, doch auch sie waren gegangen. Zorro war hart geblieben, redete unverständlich davon, dass er trotzdem noch der beste Schwertkämpfer der Welt werden würde. Lysop hatte dies ebenfalls versucht, aber er war nicht in der Lage, seine Tränen zurückzuhalten, wenngleich er immerhin den Hoffnungsschimmer besaß, dass jemand zu Hause auf ihn wartete: Seine Kaya. Und dann, als nur noch drei von ihnen übrig waren, verließ Sanji die beiden. Und bei keinem anderen war es so schlimm für sie. Sie war vor ihm auf die Knie gefallen, hatte seine Hand nicht loslassen wollen, bettelte darum, dass er bleiben würde. Doch nichts half, nichts, was sie tat, vermochte an seiner Entscheidung zu rütteln. Er hatte Nami nicht einmal angesehen, als sie vor ihm auf die Knie fiel, sondern stur über sie hinweggestarrt, rauchend. Sie konnte sich zu gut daran erinnern, wie kalt seine Hände, seine gesamte Ausstrahlung in diesem Moment war. Der temperamentvolle Koch, dessen Element das Feuer war, hätte in diesem Moment genausogut Admiral Aokiji sein können. Sanji war auch die einzige Person gewesen, mit der sie in der Zeit der Trennung gar keinen Kontakt hatte. Kein Brief, kein Anruf, kein Besuch. Und sie hatte es als gut befunden. Tage, vielleicht Wochen nach dem Abschied war kein Tag vergangen, an dem sie keine Tränen vergoss.

Und dann war die Zeit gekommen, in der auch sie und Ruffy sich trennen mussten. Sicher, Nami hatte geweint und geschrien und gefleht, doch der Kapitän war am Boden zerstört. Seine Crew, seine Freunde, die wie Familie waren, seine engsten Vertrauten waren aus seinem Leben getreten und hinterließen eine tiefe Wunde in seiner Seele, die niemals wieder verheilen würde. Und nur, um das noch zu unterstreichen, übergab er ihr seinen berüchtigten Strohhut. Die Trennung der Bande war für sie alle das Ende ihrer Träume. Einige Jahre später war sie dann Cassian begegnet, der sie damals schon umwarb, als wäre sie eine Schönheit, die nicht von dieser Welt war. Eine Prinzessin, seine Königin. Und irgendwann hatte er ihr dann einen Antrag gemacht, den sie ohne jegliche Bedenkzeit annahm. Nach all den Qualen, welche die vergangenen Jahre mit sich brachten, war er ein Geschenk, ein Anker in dieser Welt und sie war ihm unglaublich dankbar dafür.

Am ganzen Körper zitternd hob sie die rechte Hand, ihre langen, feinen Finger auf den Strohhut zuführend, um über diesen zu streicheln. So viele Erinnerungen, so viel Zeit, die sie alle miteinander verbracht haben, all das Glück, das Pech, die Tränen und ihre Siege. All das war vorbei und würde wohl nie wieder kommen. Vielleicht .. sollte ich ihn einfach verbrennen. Ich will ihn nicht! Und Ruffy will ihn sicher auch nicht., sie spürte, wie ihr Tränen in die Augen stiegen und ließ die Hand sinken, schlug den Kleiderschrank zu, damit sie dieses Relikt aus lang vergessenen Zeiten einfach nicht mehr ansehen musste. Schnell eilte sie darauf zu ihrer Kommode, um sich die Augenwinkel abzutupfen. So kurz vor der Zeremonie durfte sie ihr Make-Up nicht ruinieren, nicht wegen einem Haufen Erinnerungen an eine Zeit, die sich als schrecklich herausgestellt hatte. Das, was jetzt vor ihr lag, war eine goldene Zukunft mit einem wundervollen Mann an ihrer Seite und sie hatte alles, was sie sich nur wünschen konnte. Geld, Sicherheit und .. und Liebe? Langsam schüttelte sie den Kopf:"Jetzt ist wohl wirklich nicht der richtige Zeitpunkt, um darüber nachzudenken, Mädchen.", sprach sie zu sich selbst. Cassian hatte ihr bei mehr als einer Gelegenheit gesagt, dass er sie liebte, aber sie küsste ihn dann einfach und hoffte, dass er es als stumme Erwiderung ansah. In Wahrheit wusste sie nicht, ob sie ihn liebte. Sie wusste nicht, wie sich die Liebe zu einem anderen Menschen anfühlte, der kein Teil ihrer Familie war.

Ging es darum, dass sie sich in seiner Nähe wohlfühlte, dass sie miteinander schliefen und Liebkosungen austauschten? Dann war es wohl Liebe. Wenn sich dahinter allerdings eine andere, tiefere Bedeutung verbarg, konnte sie sich einfach nicht sicher sein.

Aber auch diese Unsicherheit würde schon irgendwann vergehen, denn ab heute würden sie Mann und Frau sein, vor den Augen seiner Familie und ihrer alten Freunde, jene, die ihr einst die Welt bedeutet hatten. Selbst wenn irgendjemand sagen würde, dass sie ihn nicht liebte, was bedeutete das schon? Es gab viele Geschichten von Paaren, die erst über den Lauf ihrer Ehe gelernt hatten, einander zu lieben. Warum sollte es bei ihnen anders sein?

Prüfend betrachtete sie sich im Spiegel, um sicherzugehen, dass ihre Schminke immer noch perfekt war, dass sie immer noch perfekt aussah. Ihre Haare allein waren ein Kunstwerk an sich, aber auch ihre großen, braunen Augen wurden durch ein paar dezente Lidstriche nur noch weiter in Szene gesetzt. Sanji hat mir mal gesagt, dass er lieber in ihnen versinken würde, als im All Blue., der Gedanke kam so unvermittelt, dass sie beinahe erschrak und energisch den Kopf schütteln musste. Sanji hatte in den Jahren, in denen sie gemeinsam gereist waren, so viele Dinge gesagt, und das zu einer nicht enden wollenden Anzahl an Frauen. Einige seiner Sprüche hätten wirklich schön und poetisch sein können, wenn er sich dabei nicht wie ein liebestoller Affe verhalten hätte. Aber warum nur konnte sie sich an diesen erinnern? Weil .. weil er normal war, als er es mir sagte. Weil er offen zugab, mich über seinen Traum zu stellen und mir das Gefühl gab, als würde er es ernst meinen., beantwortete sie ihre Frage. Manche Erinnerungen verblassten, doch daran, an diesen Moment, würde sie sich noch bis zu ihrem letzten Tag erinnern können. Weil sie in diesem Moment glücklich war, wahrhaft glücklich. Und umso tiefer war sie gefallen, als er doch aus ihrem Leben verschwunden war. Keine zärtlichen Worte mehr, es schien, als würde er sie nicht einmal berühren wollen, keine Umarmung zum Abschied. Alles, was er mir sagte, war gelogen. Und dabei hatte ich fast angefangen, ihm zu vertrauen .., das wird mir nie wieder passieren. Nie wieder., irgendwie wollte sie versuchen, sich Mut zu machen, denn heute war der Tag gekommen, an dem sie ihn wiedersehen würde. Und sie schwor sich, nicht in Tränen auszubrechen, nicht wieder in alte Verhaltensmuster zurückzufallen, sondern stark zu bleiben. Es funktionierte doch sonst auch. Wahrscheinlich wäre es das Beste, wenn sie ihn nicht ansehen würde. Vielleicht kurz wahrnehmen, dass der auf der Seite der Braut saß, doch nicht mehr. Wieder wünschte sie sich, ihn einfach gar nicht eingeladen zu haben, aber dafür war es zu spät.

Ein verhaltenes Klopfen an der Türe riss sie aus ihren Gedanken und ließ sie herumwirbeln. Und noch bevor sie einen klareren Gedanken fassen sollte, entwich ihr jener verhängnisvolle Name:"Sanji?!"

Doch es war nicht Sanji, der die Tür langsam öffnete. Oh Gott, du dummes, dummes Mädchen! Warum sollte er auch hier sein?! Du brauchst einen klaren Kopf, verdammt! Und er ist der letzte, den du jetzt sehen willst!, mit einem schmalen Lächeln auf den Lippen trat Robin in ihr Zimmer. "Nicht ganz, meine Liebe, aber er ist hier, falls es dich interessiert.", der wissende Blick in ihren Augen sprach Bände. "Mach dir keine Sorgen, Nami. Es ist normal für eine Braut, dass sie sich in den letzten Momenten fragt, ob sie wirklich das Richtige tut. Ich wollte dir eigentlich nur Bescheid geben, dass Ruffy vor der Tür wartet und alles vorbereitet ist, damit du zum Altar geführt werden kannst. Die Gäste haben schon Platz genommen.", mit diesen Worten trat sie auf Nami zu und umarmte sie sanft, immer darauf bedacht, ihre Frisur nicht durcheinander zu bringen und ihr Kleid nicht zu zerknittern. "Ich .. ich frage mich nicht, ob ich das Richtige tue.", entgegnete sie darauf und schämte sich im nächsten Moment für diese offensichtliche Lüge. Robin ging nicht einmal darauf ein, sondern löste die Umarmung und nahm ihr Gesicht, ebenso sanft, in beide Hände, um ihr darauf in die Augen zu blicken:"Alles wird gut, Liebes, mach dir keine Sorgen. Wir sind alle für dich gekommen, weil du immer noch einen Platz in unseren Herzen einnimmst, der nie verlorengehen wird.", Nami war erstaunt über diese Worte. Robin war schon immer über die Maßen freundlich und höflich gewesen, aber emotional konnte man sie wohl selbst zu ihren besten Zeiten nicht nennen. Wieder wurden ihr Tränen in die Augen getrieben, aber anstatt sich schnell um sie zu kümmern, sah sie Robin weiterhin an:"Meinst du, dass ich .. das Richtige tue?", ihre Stimme war mittlerweile zittrig, brüchig sogar. Und dieses Zittern breitete sich auf ihren ganzen Körper aus, kaum kontrollierbar.

"Bist du glücklich?"

Diese Frage.

Die Gretchenfrage.
 

In the night your image arises

Close behind comes the pain

I hope I'm dreaming 'cos it hurts so bad

When I reach out for you, I'm alone in some room

I just never thought that you'd disappear..

Crosby, Stills & Nash – Haven't We Lost Enough?



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Kommentare zu diesem Kapitel (1)

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Von: irish_shamrock
2017-07-09T10:09:15+00:00 09.07.2017 12:09
Hallo,
ich noch mal :) ...

puh, oha. Die Vergangenheit aus Namis Sicht zu sehen, hat scheinbar gut getan. Dennoch scheinen ihre Zweifel zu überwiegen, was die Ehe mit Cassian anbelangt. Und natürlich, was wäre all das ohne Hader und Zweifel?
Dass Ruffy sie zum Altar führt, finde ich rührend, allerdings war mit der Vergleich, bezüglich des "wie ein Vater" etwas sehr ... merkwürdig. Wie dem auch sei, ich bin gespannt darauf, wie es weiter geht.

LG
irish C:


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