Cold Death
"Wo bin ich..? Was mache ich hier..?", fragte sich der schwarzhaarige Junge, der bloß etwas kaltes unter sich spürte und nicht in der Lage war die Augen zu öffnen. Nicht, weil er Angst hatte. Nein. Er konnte sie schlichtweg vor Müdigkeit nicht öffnen. Doch die Kälte unter sich war nicht das einzige, was er spürte. Etwas rieselte auf sein Gesicht, gefolgt von dem ein oder anderem kalten Luftzug, der durch seine Haare strich. "Schneit es..?", fragte er sich selbst und fand sich langsam in der Lage wenigstens einen seiner dünnen Finger zu rühren.
"Es.. fühlt sich nach Schnee an..", sprach er weiter still in Gedanken zu sich selbst. Es konnte also nur Schnee sein. Was hätte es auch sonst sein sollen? Nur war die Frage: Was machte er hier? Liegend im Schnee. Wie kam er überhaupt hier her? Und vorallem: Was suchte er hier? Hatte er einen Kampf gegen einen gegnerischen Shinobi verloren und mit Glück diesen überlebt? Oder war er längst tot?
Vor seinem Inneren Auge sah er das Gesicht seines bereits toten Bruders Itachi. Ob er auf ihn warten würde, wenn er jetzt sterben würde? Ob er ihn und ihre Eltern wieder sehen könnte? Dieser Gedanke war wirklich befriedigend, fast schon interessant. Wenn es der einzige Weg ist, seine Familie wieder um sich zu wissen, würde er den Tod mit offenen Armen begrüßen. Ja, er war bereit diesen Weg zu gehen. Dann .. Dann würde er endlich Frieden finden.
Still herrschte, bis der Uchiha schwache Schritte bemerkte, die den Schnee unter diesen zum Knirschen brachten.
Offenbar näherte sich ihm jemand. Ob er so nett war, seinem Leiden ein Ende zu machen? Inständig erhoffte sich der Uchiha dies.
"Du fängst dir noch eine Lungenentzündung ein, wenn du nicht bald aufstehst, Otouto.", drang eine ihm bekannte Stimme entgegen. Nein, das konnte nicht sein. Diese Stimme .. ihr Besitzer .. Er müsste doch tot sein? Wie konnte sie also doch noch ertönen, ohne ihren Besitzer?
Blinzelnd versuchte Sasuke seine müden und trägen Augen zu öffnen. Doch sein Gegenüber erkannte er erst nur schwach, fast verschwommen. Die Gestalt wurde ihm gegenüber nur langsam klarer mit jeder Sekunde, die verstrich.
Und doch. Es musste so sein. Es musste Itachi sein, der über ihm stand. Verhüllt in dem schwarzen Mantel mit den roten Wolken. Das Markenzeichen der Akatsuki, der Organisation, der Itachi vor Jahren beitrat. Wie konnte das nur sein..? Wieso stand dieser quicklebendig vor ihm..?
"Nii-san...", entkam es dem Jüngeren, der den Älteren ungläubig anstarrte.
Der Ältere beugte sich mit seinem leichten Lächeln zu seinem Bruder, griff nach dessen Handgelenk und half ihm in eine aufrechte Position. Das Lächeln hielt weiterhin an, während er den Jüngeren betrachtete.
"Ich muss doch tatsächlich immer auf dich aufpassen, hm?"
"Idiot..", fluchte der Jüngere leise, der sich selbst auf die Unterlippe biss. Den Griff um sein Handgelenk versuchte er kein bisschen zu lösen. Er war zu erstaunt und zu verwirrt darüber, dass ihm sein eigentlich toter Bruder gegenüber stand.
Itachi achtete nicht auf diese Bemerkung, sondern ging in die Hocke, um seinen Bruder besser betrachten zu können.
"Du musst aufwachen, Sasuke.", sprach der Langhaarige, der ihn etwas näher zog an sich.
Fragend sah der Jüngere ihn an, verstand nicht, worauf er hinaus wollte. Er war doch wach, oder nicht? Er spürte die Kälte um sich herum, er sah Itachi vor sich. Warum sollte er .. aufwachen? Er war es doch?
Natürlich war Itachi klar, dass sein jüngerer Bruder nicht verstand.
"Dies hier .. dies ist nur ein Traum, Sasuke. Eigentlich sollte dir das bewusst sein, denn ich weile nicht mehr unter den Lebenden. Das weißt du doch sicherlich, oder nicht?", kam es weiterhin ruhig. "Ich bin nur eine Einbildung, Sasuke. Daher musst du-", doch weiter kam er nicht, denn der Jüngere hatte sich einfach seinem Bruder um den Hals geworfen.
"Es ist mir egal.. Es ist mir egal, ob das hier ein Traum ist oder nicht.. Der Schmerz ist derselbe. Du bist nicht mehr hier und es ist meine Schuld.. Ich will aus diesem Traum nicht mehr aufwachen, Nii-san. Ich will es nicht.."
Itachi, die Einbildung Sasukes, lächelte nur schwach über diese Aussage. Sanft zog er den Träumenden in seine Arme, schenkte ihm somit Wärme und strich ihm beruhigend über den Rücken.
"Otouto. Es ist nicht deine Schuld. Mein Fehler war es, dass ich dir nichts zugetraut habe. Es hätte anders verlaufen müssen. Leider .. ist mir das zu spät klargeworden. Daher ist es nicht deine Schuld, verstehst du? Du hast nur das getan, was ich wollte."
Sasuke schwieg allerdings nur. Innerlich war ihm klar, dass es nicht seine Schuld war. Doch fühlte er sich so.
Er hatte niemanden mehr aus seiner Familie. Itachi hätte sein einziger, letzter Rückhalt sein können und nun war er fort. Für immer. Er würde nicht mehr zurück kommen.
"Du musst wirklich aufstehen, Sasuke. Wenn du es nicht für dich machst, dann mach es bitte für mich.
Wach auf.", bat die Erscheinung ihn, die nur einen leeren Blick erntete. Sasuke war überhaupt nicht bereit loszulassen. Er wollte seinen Bruder noch etwas länger für sich behalten. Wenigstens einen Moment.
Itachi strich seinem Bruder über die Wange.
"Was bist du nur für ein sturer Bruder.", sprach er und griff sanft nach dem Kinn des Jüngeren, nur um ihm im nächsten Augenblick die Lippen aufzudrücken. Überrascht weitete Sasuke die Augen, doch wehrte er sich nicht dagegen.
Lange dauerte es allerdings nicht, denn Itachi löste diesen Kuss wieder und sah erneut dem Jüngeren in die Augen.
"Nun wach auf, Otouto."
Das Bild des Langhaarigen wurde immer schwächer, auch die Umgebung fing an, in sich zusammen zu fallen.
Es war also doch alles nur ein Traum. Anders würde sich all dies nicht mehr erklären lassen.
Der Jüngere wünschte ich nur, es wäre die Realität.
Verzweifelt versuchte er nach dem Gesicht des Älteren zu greifen, je mehr dieser sich auflöste.
"Nii-san..!..", rief er verzweifelt nach, stützte sich auf dem Boden mit einer Hand ab. Doch .. es half nichts.
"Ich werde immer über dich wachen, Otouto."
Schließlich verschwand das Bild seines Bruders und um ihn herum wurde es wieder dunkel.
Somit war klar, dass der Traum sich allmählich auflöste und er bald aufwachen würde.
In einer Realität, einer Welt, ohne Itachi.
Ohne der Person, die immer für ihn da war, selbst, wenn er es nie wusste.
Doch waren es genau diese Worte Itachis, die ihn wieder bestärkten.
Worte, die er für immer für sich behalten würde und die nur an ihn gerichtet waren.
Listen to me
[Dieses Kapitel ist nur Volljährigen zugänglich]
The Rabbit
"Itachi? Kannst du Sasuke ins Bett bringen?", fragte Mikoto, die gerade anderweitig beschäftigt schien. Es war bereits Abend im Hause der Uchihas geworden, als die Frau ihren ältestens Sohn darum bat, den Jüngeren zu Bett zu bringen, da es langsam Zeit wurde. "Mache ich.", gab er von sich und erhob sich vom Tisch,wo er gerade für die Akademie noch lernte. Sasuke wollte eigentlich mit ihm wieder etwas Zeit verbringen, doch hatte der Ältere in letzter Zeit viel zu viel um die Ohren, doch nutzte er jede freie Minute, die er erübrigen konnte, um sich um den Kleinen zu kümmern. "Ich denke, er sichtzt wieder auf der Veranda.", rief sie Itachi noch nach, der erst stehen blieb, um nach seinem Bruder zu sehen, der irgendwo im Haus sein musste.
Schließlich ging er dem Vorschlag nach und suchte den Kleinen im Garten. "Otouto? Wo bist du denn?", fragte er etwas lauter, sodass er gehört wurde. Aber hier war nichts. Sasukes Spielsachen lagen zwar auf dem Holzboden der Veranda, doch weit und breit war kein Sasuke zu sehen. "Wo steckt der Junge denn nur wieder?", sprach er zu sich und hüpfte in den Garten. Noch war es nicht dunkel, aber dennoch sorgte er sich um den Jüngeren, da er einfach zu neugierig war und dummerweise nie auf seine Umgebung achtete. "Sasuke?", rief er nochmals und durchsuchte den Garten nach dem kleinen Bruder.
Unruhe machte sich breit, als er ihn nach 10 Minuten noch immer nicht fand. "Sasuke?! Das ist nicht mehr lustig!", rief er nochmals. Was, wenn der Kleine wieder auf die Straße gerannt ist? Und ihn jemand mitgenommen hat? Itachi schüttelte den Kopf. Nein, das hätten sie doch mitbekommen. Mikoto konnte durch das Fenster in der Küche doch zum Tor sehen, sie hätte es gemerkt, so wachsam wie sie doch war. Oder hatte Sasuke einen anderen Weg gefunden? Einfallsreich war er ja.
Itachi fing an, auch die Gebüsche zu durchsuchen, sah hinter Bäumen nach, überall, wo sich ein kleiner Junge verstecken konnte. Sicher war er sich nicht, dass er das Gelände verlassen hatte, aber aufgeben würde er sicherlich auch nicht, nach dem Jüngeren zu suchen und seine Mutter zu beunruhigen.
Plötzlich hörte er das Gegackere der Hühner. Sie hatten auf ihrem Anwesen einen kleinen Hühnerstall vor Jahren aufgebaut. Die Idee kam damals Mikoto, nachdem sie genervt vom Markt zurück kam. Ob Sasuke sich wieder dort versteckte? Er war ja oft bei den Hühnern. Itachi zögerte nicht lange und lief zum Hühnerstall. Je näher er kam, desto unruhiger schienen die Hühner zu sein. "Sasuke?", fragte er in die Unruhe hinein, betrat den Hühnerstall, der umzäunt war, sodass die Tiere nicht ausbrechen konnten und sah sich um. Mit einem Mal, liefen ein oder zwei Hühner aus dem Hühnerstall, wo sie in der Nacht lagen und dort ihre Eier ausbrüteten.
Vor ihm kniete sein kleiner Bruder, der dort irgendetwas suchte. Jedenfalls sah es danach aus. "Sasuke.. da bist du ja. Was machst du da? Ich hab dich überall schon gesucht..",sprach der Ältere erleichtert, dass er seinen Bruder doch noch fand. Itachi kam dem Jüngeren näher und sah verdutzt auf, als dieser sich mit etwas in den Armen umdrehte und ganz verschmutzt aussah. "Was hast du denn da auf dem Arm..?" Sasuke hielt ihm das Geschöpf, was er hielt, entgegen. "Ein Osterhase!", rief er stolz. "Ich hab ihn gefangen, als er in unseren Garten kam!", erzählte er weiter stolz, woraufhin Itachi schmunzeln musste. Osterhase also, hm? Sasuke war eben noch in einem Alter, an dem er an so etwas glaubte.
Itachi ging in die Hocke und strich seinem Bruder über den Kopf, während er weiter lächelte. "Der Osterhase ist das nicht, Sasuke. Der ist zu klein dafür. Der da wird wohl jemanden ausgebüchst sein und ihn vermissen, Otouto.", sprach er sanft weiter. Sasuke hatte ein geflecktes Zwergkaninchen auf dem Arm, das er wohl nicht gerne wieder hergeben wollen würde. "Das gehört jemanden?", fragte er, worauf Itachi wieder nickte. "Wir sollten besser mal zum Nachbarn gehen. Soweit ich weiß, hat deren Tochter doch eins bekommen. Kommst du mit? Bringen wir es gemeinsam hin?" Er wollte nicht so fies sein und es Sasuke einfach abnehmen. Der Ältere streckte ihm die Hand entgegen und nahm ihn dann mit aus dem Hühnerstall. "Bestimmt vermisst man ihn schon. Wie ich dich vorhin vermisst habe. Das verstehst du doch, oder?" Sasuke nickte. Er verstand es tatsächlich und auch wenn er das Kaninchen mochte, er würde es zurück bringen.
"Na dann komm. Bringen wir es zurück.", meinte Itachi, der mit seinem kleinen Bruder auch direkt zum Nachbarn ging. Tatsächlich vermissten sie es. Beim Stall ausmisten war es wohl einfach verschwunden und hatte sich dann verlaufen. Das kleine Kind hatte sich überaus gefreut, dass es ihr Kaninchen wieder hatte und bedankte sich tausendmal bei den beiden. Als sie wieder gingen, war Sasuke allerdings nicht gerade davon begeistert, das Tier wieder zurück gebracht zu haben, was Itachi natürlich nicht entging. "Na komm. Du hast doch was gutes getan heute. Du würdest doch auch wollen, dass man dir dein Tier zurück bringt, oder?" Sasuke nickte nur leicht. Dennoch hatte er das Tier sehr gern gemocht. Auf den Weg nachhause überlegte Itachi dennoch, wie er den Kleinen wieder aufmuntern könnte.
"Kaa-san, wir sind wieder zuhause. Ich hab Sasuke gefunden." Sofort schnellte die Mutter um die Ecke. "Gefunden? Wo wart ihr denn?", wollte sie sofort wissen und wunderte sich bereits, warum Sasuke noch nicht im Bett lag. "Sasuke hatte ein Kaninchen der Nachbarn gefunden. Wir haben es noch kurz zurück gebracht und jetzt bringe ich ihn ins Bett.", verkündete er. Die Mutter betrachtete ihren Sohn, der etwas dreckig an den Klamotten war. "Aber zieh ihn bitte davor um, er ist doch ganz dreckig.", bat sie den Älteren, der dies natürlich ohnehin vorhatte.
Oben angekommen im Badezimmer, zog Itachi den Kleineren erst mal aus und warf die Wäsche in den Korb. Danach griff er noch nach einem Waschlappen und säuberte Sasuke von all dem Dreck. "Du musst doch aufpassen, wenn du in den Hühnerstall gehst, Sasuke. Du weißt doch, wie die Tiere sind, wenn jemand in den Stall kommt.", meinte er ruhig, während er das Gesicht des Jüngeren wusch. "Ja, aber .. Aber da war doch das Kaninchen reingerannt.", rechtfertigte er sich, worauf Itachi nur schmunzelte und seine Stirn küsste. "Ist schon gut."
Nachdem Itachi seinen Bruder frische Sachen anzog und ihn in sein Zimmer brachte, hob er ihn noch ins Bett. "Wenn du schön brav kurz wartest, dann hab ich was für dich, okay?" Verwirrt nickte Sasuke, der nicht ganz verstand und das Kaninchen noch immer vermisste. Sogleich war Itachi verschwunden und kam erst nach gefühlten 10 Minuten wieder zurück. Hinter seinem Rücken versteckte er etwas und lächelte. "Was hast du da, Nii-san?", fragte der Junge neugierig und ungeduldig. Itachi kam näher und setzte Sasuke gleich etwas auf den Kopf auf.
"Jetzt bist du dein eigenes Kaninchen, Sasuke.", schmunzelte er und zeigte ihm ein zweites Paar, das er ihm in die Hand drückte. Zeitgleich strahlte der Jüngere wieder, schien auch erfreut über dieses Geschenk zu sein. Dankbar wie er war, umarmte er den Älteren und setzte auch ihm gleich das zweite Paar auf den Kopf auf. "Du bist mein Kaninchen.", gab er von sich. Itachi musste weiter schmunzeln und strich Sasuke über den Kopf. "Wenn du das sagst, dann bin ich das. Aber nun wird geschlafen, okay?" Gähnend stimmte der Jüngere auch sofort zu und ließ sich sanft nach unten drücken. "Schlaf gut, Otouto." Dann strich er ihm nochmal über den Kopf und verließ das Kinderzimmer leise. Immerhin war der Junge leicht zu beruhigen und ihm eine Freude zu machen.
"Was hast du da auf dem Kopf, Itachi?", kam sogleich die Frage, als er zurück in die Küche kam. Er hatte wohl vergessen sie abzunehmen, dennoch schmunzelte er wieder. "Ach. Ich bin jetzt wohl Sasukes Kaninchen.", meinte er scherzhaft und setzte sich wieder. Mikoto verstand zwar erst nicht, was er damit genau meinte, doch als ihr das Kaninchen von vorhin einfiel, wusste sie bescheid. "Dann gibts für dich heut eben Karotten.", kicherte sie.
"Kaa-san.."
Cat Lover
Schlecht gelaunt schmiss sich Uchiha Sasuke in sein Bett. Der Grund dafür war für ihn klar und nervend zugleich. Ihn nervten diese langweiligen Missionen, die er derzeit aufgetragen bekam. Für den Schwarzhaarigen waren sie einfach zu lahm und er fühlte sich unterfordert. Seiner Meinung nach waren das Missionen für Ge-Nin Anfänger, doch nichts für ihn, einen Jo-Nin. Ein Jo-Nin, der weitaus mehr auf Lager hatte, als ein einfacher Ge-Nin. Murrend starrte er an die Decke über ihn, als er für einen Moment zur Seite sah, denn die Tür fiel erneut ins Schloss. Itachi schien nun auch zuhause zu sein von siener Mission. Wie gern würde er mit ihm doch tauschen und Aufgaben erledigen, die seiner würdig waren.
„Ich bin zuhause, Otouto.“, sprach dieser, der offenbar selbst bereits bemerkt hate, dass sein jüngerer Bruder zuhause war. Auch Itachi war ein Jo-Nin und hatte mit keiner seiner Missionen Probleme oder an ihnen etwas auszusetzen. Nein, stattdessen machte er sogar wirklich jede Drecksarbeit, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. „Sasuke?“, kam es erneut vom Langhaarigen, der ihn erst im Wohnzimmer vermutet hatte.
„Zimmer.“, war nur die etwas lauter, hörbare und knappe Antwort des Kurzhaarigen. In seiner Stimme klang es noch immer regelrecht genervt, weshalb Itachi bereits wieder etwas vermutete.
Der Langhaarige betrat daher sofort in aller Ruhe das Zimmer, in denen sie beide schliefen. Ihre Wohnung war nicht sonderlich groß, genügte gerade mal für sie beide. Sie lag auch etwas abgelegen im Dorf, kaum auffallend am Rande des Dorfes. Und dies war auch gut so. Niemand sollte und durfte von ihrem Geheimnis wissen, das sie seit geraumer Zeit wie ihren Augapfel hüteten.
Leicht schmunzelnd betrat der Uchiha das Zimmer, in dem Sasuke lag. Regelrecht genervt, was er allein an seiner Körperhaltung bereits erkennen konnte. „Wieder nicht zufrieden mit deiner Mission, hm?“, hakte er daher dennoch nach. Ein leises Zischen war die Folge. „Was sonst.“, antwortete Sasuke nur knapp. Itachi schmunzelte erneut leicht und trat an das Bett heran, auf welches er sich an den Rand setzte und Sasuke über die Wange strich. „Das ist doch nur vorrübergehend. Irgendwann gibt es mit Sicherheit wieder aufregendere Missionen für dich. Ich musste da auch durch. Das dauert nicht lange, Otout. Wirklich.“, meinte der Langhaarige beruhigend und lächelte weiter. Er wusste ja, wie er seinen Bruder immer beruhigen und aufmuntern konnte.
„Jaja, ich weiß, ich weiß..“, kam es kurz und knapp zurück.
„Na also. Dann lass das Gesicht nicht so hängen. Jetzt komm. Ich hab was zu essen mitgebracht. Es wird sonst kalt.“
Nachdem Itachi das Bett verließ, folgte auch Sasuke noch immer etwas genervt dem Älteren in die Küche, wo er sich an den Tisch setzte und nach der Tüte griff, in der sich Fertignudeln befanden. Zwar kochten sie gern mal, doch nach Missionen war es mal gut sich nicht mehr an den Herd stellen zu müssen. Itachi holte ihnen noch etwas zu trinken hinzu und setzte sich gegenüber von seinen Bruder an den Tisch. „Lass dir schmecken.“
Sasuke nickte nur.
Das Essen verlief heute etwas ruhiger als sonst. Natürlich war Itachi dies aufgefallen, dass der Jüngere noch sichtlich enttäuscht darüber war, dass man ihm noch keine anderen Missionen gab oder zutraute. Immerhin war auch er recht früh Jo-Nin geworden. Irgendwann meldete sich Itachi zu Wort. „Ich komme gleich wieder.“, verkündete er und stand auf, gefolgt von einem fragenden Blick des Jüngeren, der weiter eine Nudel nach der anderen aus der Box fischte.
Lange dauerte es nicht und Itachi kam zurück. Doch eher etwas leise. Schließlich war er nun hinter Sasuke angekommen und setzte ihm mit einem Lächeln im Gesicht etwas auf den Kopf auf.
Natürlich reagierte der Jüngere etwas erschrocken und fasste sich auf den Kopf. „Was zum.. Was ist das Itachi?“, fragte der Jüngere, welcher nur ein Schmunzeln des Älteren kassierte.
„Eine Art.. Aufmunterung.“,meinte dieser nur knapp und setzte sich wieder gegenüber, um dort seine Nudeln weiter zu essen.
„Aha.. und was soll das bringen?“, fragte der Kurzhaarige etwas genervt.
Itachi legte seine Essstäbchen wieder beiseite und sah schmunzelnd zurück. „Erinnerst du dich denn nicht mehr?“ Sasuke sah ihn fragend an. „Als kleines Kind warst du hellauf begeistert, als du sie gefunden hast. Und da wir bei Großmutter oft auf die Katzen aufgepasst hatten, wolltest du zuhause selbst eine haben. Aber Vater war doch dagegen. Also .. habe ich dir die nach einer Mission mitgebracht eines Tages. Tagelang warst du traurig deswegen, dass du keine Katze bekommen hast. Als du die Ohren bekommen hast, warst du wieder glücklich. Und ich war auch wieder froh.“,sprach Itachi ruhig weiter. Er fand es fast schon niedlich, wie Sasuke dreinblickte. Er hatte gerade trotzdem weider diesen einen Blick im Gesicht, den er damals bereits hatte.
„Daran..erinnerst du dich noch?“, fragte dieser schließlich und schien nun weniger genervt zu sein.
Wieder hatte Itachi ein Schmunzeln für den Jüngeren übrig. „Sicherlich tu ich das. Wie könnte ich nicht?“ Daraufhin wusste der Jüngere der Uchiha natürlich keine Antwort.
„Dann wäre das geklärt.“ meinte Itachi noch abschließend und strich dabei noch über die Wange des Jüngeren. Itachi schaffte es eben doch den Kurzhaarigen zu besänftigen. Egal in welcher Lage, denn dieser hatte sich allein wegen diesem bereits beruhigt und aß nun auch seine Nudeln auf.
„Danke.“
I'm sorry.
Regen, der unaufhörlich vom Himmel auf den bereits nassen Boden schlug. Schwarze Wolken, die diese niederdrückende Stimmung untermalten, zogen über das Land. Ihnen folgte eine noch schwärzere Front, als würde es das Ende der Welt verkünden wollen und es absolut nichts gäbe, was dies verhindern könnte. Kein einziger Ton, bis auf das Aufprasseln des Regens, war zu hören. Nicht einmal die Tiere des nahe gelegenen Waldes Konohas wagten sich aus ihren Verstecken, um auf Futter- oder Wassersuche zu gehen. Sie hatten Angst, spürten, dass sich ein starkes Gewitter bereits ankündigte.
Auch im Dorf herrschte Stille. Manche jagten durch die nassen Straßen zurück in ihre Häuser, da sie von dem plötzlichen Regen überrascht worden waren. Doch ansonsten war nichts mehr zu hören vom regen Treiben, das sonst in jeder Ecke des Dorfes zu hören oder zu sehen war. Läden hatten noch ihre Türen offen, doch würden sie abwarten müssen, bis wieder Kundschaft kommen würde. Natürlich war niemand der Bewohner aus Zucker, doch sollten ihre Einkäufe nicht unnötig nass werden.
In einer Gegend schien es jedoch besonders still zu sein. Niemand sonst lebte dort seit Jahren und viele der Dorfbewohner vermieden es, sich in diesem Bereich aufzuhalten oder umzusehen. Die Häuser in dieser Gegend waren in all den Jahren unberührt, niemanden scherte es, ob und wann dort alles zusammen fallen würde. Einige Ecken waren tatsächlich bereits heruntergekommen und es war nur noch eine Frage der Zeit, bis diese einstürzen würden. Den Kindern wurde es strengstens untersagt, sich in diese bestimmte Gegend zu schleichen. Manche Eltern logen ihnen vor, diese Ecke sei verflucht, um ihnen damit Angst einzujagen. So würden sie sicher gehen, dass sich ihre Sprösslinge auch tatsächlich davon fernhalten würden. Natürlich hielten sich nicht alle Kinder daran. Im Gegenteil: Ihnen packte die Neugierde, die Versuchung etwas verbotenes zu machen.
So auch heute. Das Viertel war purer Anreiz für die zehn bis zwölfjährigen dies zu erkunden und dort zu spielen. Sie spielten und tobten, trieben ihre Späße in den alten Häusern, bis auch sie von dem plötzlichen Regen überrascht wurden. „Los, lasst uns solange in eins der Häuser gehen!“, schlug eins der Kinder vor. „Aber wir sollen doch nachhause kommen, wenn ein Gewitter kommen soll, oder es dunkel wird..“, widersprach eines der jüngeren Kinder, doch seine Aussage wurde ignoriert, mit den Worten: „Ach.. stell dich nicht so an. Hier ist doch niemand außer uns. Unsere Eltern lügen uns doch nur an, damit wir nicht hierher kommen.“, sprach der Ältere, der den Rest der Gruppe durch das Viertel führte.
„Warum sollten sie uns anlügen? Bzw. warum sollen wir hier her eigentlich nicht kommen? Das frage ich mich die ganze Zeit. Wenn ich sie frage, sagen sie nichts oder weichen aus.“, fragte ein anderer, bis sich der Anführer der Truppe zu Wort meldete. „Pf. Kann ich dir sagen.“, sprach er, doch hielt er sofort an und deutete auf eines der Häuser. „Lasst uns erst mal dort hinein gehen. Das sieht nicht so undicht aus, wie der Rest hier.“ Die vier Kinder suchten daher schnell Schutz in einem der besagten Häuser, welches im Vergleich zu den anderen wirklich nicht undicht war. Etwas Licht hatten sie nur durch eine Kerze, die einer der Jungs im Eingangsbereich fand und sie anzündete. Mit dieser setzten sie sich in den Wohnbereich, als der Älteste der Truppe wieder sprach.
„Meine Mutter hat mal mit einem der Nachbarn gesprochen. Und ich habe es von meinem Zimmer aus mitbekommen, weil die unter meinem Fenster über die Zäune gesprochen hatten.“, begann er. „Sie haben über dieses Viertel gesprochen.“, ergänzte er und fuhr fort. „Sie sagten, dass hier der gesamte Clan ausgerottet worden war, der hier lebte. Und jetzt haltet euch fest..“, sprach er weiter und hielt eine dramatische Pause. „Von nur einem einzigen Ninja!“ Den anderen stockte der Atem. Der Jüngste bibberte etwas und drängte sich an sein Nebenan. „Was? Niemals. Hier müssen doch so viele gelebt haben, die hätten den doch sicherlich stoppen können! Niemals, du erzählst doch Lügen ..“, spottete der Gleichältrige. Doch dieser schüttelte den Kopf. „Nein. Es muss wahr sein. Ich hab ja selbst recherchiert und was die gesagt haben, sagen auch andere Erwachsene.“ Wieder herrschte Stille, bis einer zu sprechen begann. „Okay.. und wie hieß dieser Clan dann bitte? Ich sehe nicht mal an den Schildern etwas und kenne das Logo auch nicht.“ Der Älteste dachte nach. „Mh.. oh man. Irgendetwas mit U... Uch.. U..“
„Uchiha.“
Eine fremde Stimme hatte sich eingemischt, während auch ein Blitz zeitgleich die Kinder erschreckt hatte. Verängstigt suchten die vier nach dem Ursprung der fremden Stimme, drängten sich eng aneinander und suchten den Raum mit ihren Augen ab, der ihnen so fremd war.
„Wer ist da?!“, fragte der Älteste verängstigt, doch versuchte er mutig zu klingen. Doch nichts war zu hören. Die Stimme schien wieder weg, nur spürte man eine Anwesenheit, die näher zu kommen schien. Die alten Bretter des Fußbodens verrieten die schweren Schritte und die Kinder wollten flüchten, doch wussten sie nicht wohin.
Vor der Kerze sah man zwei Beine, die zu einer größeren Person als sie selbst es waren, gehören mussten. Verängstigt blickten die Kinder nach oben, erkannten, dass die Person dunkel gekleidet war, denn sonst erkannten sie nichts, außer einem hellen, fahlen Gesicht mit dunklen Augen und dunklen Haaren. „We..Wer bist du..?“, fragte der Ältere erneut und rechnete bereits mit dem schlimmsten.
„Verschwindet.“, sprach die Stimme nur in einem ruhigen aber bedrohlichen Ton. Sofort sprangen die Kinder auf, huschten an der Kerze und dem Mann vorbei, der offensichtlich nicht begeistert war davon, dass sich die Kinder hier aufhielten. Schnell nahmen sie reißaus und verschwanden aus dem Haus, hindurch den Regen, der mittlerweile etwas an Stärke gewann.
„Verdammte Rotzgören..“, sprach der junge Mann, der ihnen nur noch nachblickte und die Kerze mit dem Fuß ausdrückte, ehe die Dunkelheit den Raum heimsuchte. Die dunkelhaarige Person blickte aus dem Fenster, sah dem Regen zu, ehe er sich umdrehte und ebenfalls das Haus verließ. Dass es draußen immer mehr regnete, interessierte ihn nicht.
Eigentlich drehte er auch nur seine Runde durch sein altes Viertel, zumal er bereits gemerkt hatte, dass sich seit einiger Zeit jemand zu unbestimmten Zeiten in diese Ecke hinein schlich. Anfangs hatte er sie nur beobachtet, doch nun hatte er die Nase voll. Er fand es respektlos, dass sie hier spielten und tobten. Auf seiner alten Heimat, in der er vor einigen Jahren ein glücklicher, aufgeschlossener Junge war. Jener, der mit ansehen musste, wie seine Eltern vor seinen Augen ermordet wurden – und das von seinem eigenen, großen Bruder.
Mittlerweile wusste er ja die Wahrheit. Itachi, sein älterer Bruder, hatte ihn damals angelogen. Er wusste nun, warum er den Clan getötet hatte. Itachi hatte all diese Schuld auf sich genommen. Hatte sein ganzes Leben weggeworfen für seinen Bruder, für Konoha. Lange Zeit befand er sich selbst auf einem Rachefeldzug. Erst wollte er seinen Bruder töten und sich für all das rächen, was er vor Jahren tat. Doch nachdem er die Warhheit erfuhr, war es für ihn klar, wer leiden müsste: Konoha.
Jetzt, nach all der Zeit hatte er sich nach einer Begnadigung Konohas, nachdem er im Krieg half Madara zu besiegen und den Frieden widerherzustellen, in sein Viertel zurück gezogen. Sasuke konnte nicht mit seinen alten Freunden zusammen leben. Nein. Er brauchte den Abstand und die Gewissheit, dass ihn hier niemand aufsuchen würde. Selbst Naruto und Sakura hatte er gebeten, dass sie ihn nicht in seinem Viertel besuchen sollten.
Der einzige Überlebende des Uchiha-Clans schritt schließlich nachhause in sein altes Familienhaus, das eines der wenigen Häuser war, das noch völlig intakt geblieben ist. Ab und an fielen Reparaturen an, die er selbst angehen konnte. Das Dach war wieder dicht, der Ofen funktionierte und das Wasser, sowie der Strom liefen einwandfrei. Zuhause angekommen wanderte er gedankenverloren in die Küche, stellte die Tüte mit Essen auf der Theke ab, nachdem er das Licht eingeschalten hatte und versuchte sich wieder etwas zuzubereiten. Nur selten ging er ins Dorf. Meist nur, um sich Missionsaufträge zu holen – auch wenn er es noch immer hasste, für Konoha zu arbeiten seitdem er hier wieder leben durfte. Aber das war eben eine der Bedingungen, die ihm die Hokage stellte.
Nachdem Sasuke fertig gegessen hatte – mehr oder weniger -, stand er auf und wanderte durch das gesamte Anwesen. Gedankenverloren steuerte er den Ort an, an dem seine Eltern starben. Wo auch Itachi mit dem blutverschmierten Katana stand und ihn mit einem Kunai attackierte. „Tch...“, fauchte Sasuke und schloss kurzerhand die Tür zu dem Raum. Mit schnellen Schritten lief er wieder in den Wohnbereich des Anwesens, nahm die Treppen nach oben und hielt an Itachis Zimmer. Lange überlegte er, ob er hinein gehen sollte. Schließlich schob er die Tür beiseite und betrat zögernd das Zimmer seines Bruders. Das Licht flackerte und man erkannte kaum noch etwas. Itachi hatte ohnehin nicht viel in seinem Zimmer stehen. Schreibtisch, ein Regal mit vielen Schriftrollen und Büchern, Auszeichnungen und ausrangierten Waffen. Auf dem Tisch war ein Foto zu sehen, das ihn und seinen kleinen Bruder zeigten. Glücklich vereint.
Sasuke nahm dieses in die Hand und ließ sich auf dem Boden nieder, nahe des großen Fensters.
Mit dem Rücken lehnte er an der Wand, seitlich, sodass er einen guten Blick aus dem Fenster nehmen konnte. Mittlerweile regnete es aus Strömen und ab und an war auch ein Blitz zu hören.
Sein Blick wanderte wieder zu dem Foto, das er in der Hand hielt.
„Warum hast du mich nicht auch einfach getötet..?“,sprach er zu sich leise und monoton.
Er erinnerte sich an seine letzten Worte, als er ihm ein letztes Mal gegenüberstand, nachdem sie gemeinsam gegen Kabuto in der Schlangengrotte kämpften.
„Ich werde dich für immer lieben.“, hallte es in Sasukes Kopf.
Stille herrschte. Sasuke sagte überhaupt nichts mehr. Nur der Blitz samt Donner unterbrach diese erdrückende Stille. Auf das Bild tropfte etwas flüssiges, transparentes. Immer mehr solcher Flüssigkeit tropfte direkt auf Itachis Gesicht, auf das Bild, das der Jüngere in der Hand hielt.
„Es ist meine Schuld.. Wenn ich dich noch nie getötet hätte..“,sprach er zu sich, während sich die Tränen einen Weg über seine Wangen suchten.
Sasuke hatte sich seit Ende des Krieges nur noch Selbstvorwürfe gemacht. Der junge Uchiha
bereute es, dass er es nicht selbst erkannt hatte. Dass Itachi mit all dem alleine zurrecht kommen musste und all den Hass, den man ihm entgegen brachte, aushalten musste.
„Aishiteru, Nii-san..“, flüsterte er leise, senkte den Kopf und ließ das Bild festhaltend in der rechten Hand sinken.
