Cold Death
"Wo bin ich..? Was mache ich hier..?", fragte sich der schwarzhaarige Junge, der bloß etwas kaltes unter sich spürte und nicht in der Lage war die Augen zu öffnen. Nicht, weil er Angst hatte. Nein. Er konnte sie schlichtweg vor Müdigkeit nicht öffnen. Doch die Kälte unter sich war nicht das einzige, was er spürte. Etwas rieselte auf sein Gesicht, gefolgt von dem ein oder anderem kalten Luftzug, der durch seine Haare strich. "Schneit es..?", fragte er sich selbst und fand sich langsam in der Lage wenigstens einen seiner dünnen Finger zu rühren.
"Es.. fühlt sich nach Schnee an..", sprach er weiter still in Gedanken zu sich selbst. Es konnte also nur Schnee sein. Was hätte es auch sonst sein sollen? Nur war die Frage: Was machte er hier? Liegend im Schnee. Wie kam er überhaupt hier her? Und vorallem: Was suchte er hier? Hatte er einen Kampf gegen einen gegnerischen Shinobi verloren und mit Glück diesen überlebt? Oder war er längst tot?
Vor seinem Inneren Auge sah er das Gesicht seines bereits toten Bruders Itachi. Ob er auf ihn warten würde, wenn er jetzt sterben würde? Ob er ihn und ihre Eltern wieder sehen könnte? Dieser Gedanke war wirklich befriedigend, fast schon interessant. Wenn es der einzige Weg ist, seine Familie wieder um sich zu wissen, würde er den Tod mit offenen Armen begrüßen. Ja, er war bereit diesen Weg zu gehen. Dann .. Dann würde er endlich Frieden finden.
Still herrschte, bis der Uchiha schwache Schritte bemerkte, die den Schnee unter diesen zum Knirschen brachten.
Offenbar näherte sich ihm jemand. Ob er so nett war, seinem Leiden ein Ende zu machen? Inständig erhoffte sich der Uchiha dies.
"Du fängst dir noch eine Lungenentzündung ein, wenn du nicht bald aufstehst, Otouto.", drang eine ihm bekannte Stimme entgegen. Nein, das konnte nicht sein. Diese Stimme .. ihr Besitzer .. Er müsste doch tot sein? Wie konnte sie also doch noch ertönen, ohne ihren Besitzer?
Blinzelnd versuchte Sasuke seine müden und trägen Augen zu öffnen. Doch sein Gegenüber erkannte er erst nur schwach, fast verschwommen. Die Gestalt wurde ihm gegenüber nur langsam klarer mit jeder Sekunde, die verstrich.
Und doch. Es musste so sein. Es musste Itachi sein, der über ihm stand. Verhüllt in dem schwarzen Mantel mit den roten Wolken. Das Markenzeichen der Akatsuki, der Organisation, der Itachi vor Jahren beitrat. Wie konnte das nur sein..? Wieso stand dieser quicklebendig vor ihm..?
"Nii-san...", entkam es dem Jüngeren, der den Älteren ungläubig anstarrte.
Der Ältere beugte sich mit seinem leichten Lächeln zu seinem Bruder, griff nach dessen Handgelenk und half ihm in eine aufrechte Position. Das Lächeln hielt weiterhin an, während er den Jüngeren betrachtete.
"Ich muss doch tatsächlich immer auf dich aufpassen, hm?"
"Idiot..", fluchte der Jüngere leise, der sich selbst auf die Unterlippe biss. Den Griff um sein Handgelenk versuchte er kein bisschen zu lösen. Er war zu erstaunt und zu verwirrt darüber, dass ihm sein eigentlich toter Bruder gegenüber stand.
Itachi achtete nicht auf diese Bemerkung, sondern ging in die Hocke, um seinen Bruder besser betrachten zu können.
"Du musst aufwachen, Sasuke.", sprach der Langhaarige, der ihn etwas näher zog an sich.
Fragend sah der Jüngere ihn an, verstand nicht, worauf er hinaus wollte. Er war doch wach, oder nicht? Er spürte die Kälte um sich herum, er sah Itachi vor sich. Warum sollte er .. aufwachen? Er war es doch?
Natürlich war Itachi klar, dass sein jüngerer Bruder nicht verstand.
"Dies hier .. dies ist nur ein Traum, Sasuke. Eigentlich sollte dir das bewusst sein, denn ich weile nicht mehr unter den Lebenden. Das weißt du doch sicherlich, oder nicht?", kam es weiterhin ruhig. "Ich bin nur eine Einbildung, Sasuke. Daher musst du-", doch weiter kam er nicht, denn der Jüngere hatte sich einfach seinem Bruder um den Hals geworfen.
"Es ist mir egal.. Es ist mir egal, ob das hier ein Traum ist oder nicht.. Der Schmerz ist derselbe. Du bist nicht mehr hier und es ist meine Schuld.. Ich will aus diesem Traum nicht mehr aufwachen, Nii-san. Ich will es nicht.."
Itachi, die Einbildung Sasukes, lächelte nur schwach über diese Aussage. Sanft zog er den Träumenden in seine Arme, schenkte ihm somit Wärme und strich ihm beruhigend über den Rücken.
"Otouto. Es ist nicht deine Schuld. Mein Fehler war es, dass ich dir nichts zugetraut habe. Es hätte anders verlaufen müssen. Leider .. ist mir das zu spät klargeworden. Daher ist es nicht deine Schuld, verstehst du? Du hast nur das getan, was ich wollte."
Sasuke schwieg allerdings nur. Innerlich war ihm klar, dass es nicht seine Schuld war. Doch fühlte er sich so.
Er hatte niemanden mehr aus seiner Familie. Itachi hätte sein einziger, letzter Rückhalt sein können und nun war er fort. Für immer. Er würde nicht mehr zurück kommen.
"Du musst wirklich aufstehen, Sasuke. Wenn du es nicht für dich machst, dann mach es bitte für mich.
Wach auf.", bat die Erscheinung ihn, die nur einen leeren Blick erntete. Sasuke war überhaupt nicht bereit loszulassen. Er wollte seinen Bruder noch etwas länger für sich behalten. Wenigstens einen Moment.
Itachi strich seinem Bruder über die Wange.
"Was bist du nur für ein sturer Bruder.", sprach er und griff sanft nach dem Kinn des Jüngeren, nur um ihm im nächsten Augenblick die Lippen aufzudrücken. Überrascht weitete Sasuke die Augen, doch wehrte er sich nicht dagegen.
Lange dauerte es allerdings nicht, denn Itachi löste diesen Kuss wieder und sah erneut dem Jüngeren in die Augen.
"Nun wach auf, Otouto."
Das Bild des Langhaarigen wurde immer schwächer, auch die Umgebung fing an, in sich zusammen zu fallen.
Es war also doch alles nur ein Traum. Anders würde sich all dies nicht mehr erklären lassen.
Der Jüngere wünschte ich nur, es wäre die Realität.
Verzweifelt versuchte er nach dem Gesicht des Älteren zu greifen, je mehr dieser sich auflöste.
"Nii-san..!..", rief er verzweifelt nach, stützte sich auf dem Boden mit einer Hand ab. Doch .. es half nichts.
"Ich werde immer über dich wachen, Otouto."
Schließlich verschwand das Bild seines Bruders und um ihn herum wurde es wieder dunkel.
Somit war klar, dass der Traum sich allmählich auflöste und er bald aufwachen würde.
In einer Realität, einer Welt, ohne Itachi.
Ohne der Person, die immer für ihn da war, selbst, wenn er es nie wusste.
Doch waren es genau diese Worte Itachis, die ihn wieder bestärkten.
Worte, die er für immer für sich behalten würde und die nur an ihn gerichtet waren.
