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Wir beide bei den Shichinintai?

Bitte nicht!
von

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Nachmittag am See

Am nächsten Morgen war Kylie ziemlich schlecht gelaunt, sie hatte ja diesen furchtbaren Spinnenalptraum gehabt, dort wurde sie von einer riesigen, fetten Monsterspinne verfolgt, grausig, einfach nur grausig.

Immer wieder rieb sie sich über die Augen, allerdings half es nicht, weshalb sie schließlich nach einer Tafel Schokolade griff. Vielleicht würde sie ja das aufheitern. Schnell kramte sie also eine Tafel heraus und verschlang sie in Rekordzeit. Nebenbei kam ihr in den Sinn, dass die Schokolade gar nicht so lange reichen würde, wenn sie immer so schnell alles aufaß.

Nachdem sie aufgegessen hatte, stand sie auf und zog sich um, ein T-Shirt mit einem Wolfskopf und eine Jogginhose. Danach zog sie das Haargummi aus ihren Haaren und eine braune Haarflut ergoss sich über ihren Rücken, bis über den Hintern, fast bis zu den Kniekehlen. Sie strich sich den Pony aus den Augen und streckte sich noch einmal.

Während sie durch das Schloss streifete, auf der Suche nach einem Badezimmer, fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Hier im Mittelalter gab es gar keine Duschen! Das hieß ja, dass sie wohl oder üben Baden musste! Sie hasste Baden einfach.

Draußen begegnete sie als erstes Kyoukotsu, er kam gerade aus dem Wald und hatte noch einen halbzerkauten Youkai im Mund. Sie begrüßte ihn. „Morgen Kyoukotsu!“

Der Riese nickte ihr zu und wollte sich eigentlich wieder abwenden, doch da hielt sie ihn erneut auf. „Sag mal, weißt du zufällig, wo hier ein See oder etwas ähnliches ist?“

Kyoukotsu deutete in Richtung Norden und erklärte ihr kurz und knapp den Weg dahin, ehe er wieder verschwand. Kylie seufzte auf und ging dann wieder zurück. Auch wenn sie Baden nicht wirklich mochte, schwamm sie ab und zu gerne mal in Seen herum. Aber nur, wenn diese auch sauber waren. Was ja in der Neuzeit, zumindest in ihrer Wohngegend nicht der Fall gewesen war.

Sie ging zurück nach drinnen und schnappte sich ihre Badesachen, doch als sie gerade gehen wollte, ertönte Bankotsus Stimme hinter ihr. „Wo willst du denn hin?“

„Im See baden, Kyoukotsu hat mir den Weg schon erklärt“, teilte sie ihm mit. – „Und das muss unbedingt jetzt sein?“, grummelte Bankotsu, er schien schlechte Laune zu haben, warum auch immer.

„Ja, ich hab jetzt Lust dazu“, meinte sie. – „Es geht hier nicht nach deiner Lust. Wir müssen auch bald weiter, immerhin sollt ihr so schnell wie möglich beim Auftraggeber ankommen“, brummte der Söldner.

Kylie schob die Lippen vor. „Ach komm, der kann doch gar nicht wissen, dass wir schon im Mittelalter sind, auf einen Tag mehr oder weniger kommt es doch nicht an“, versuchte sie ihn zu überreden.

Bankotsu hatte eine Augenbraue erhoben und sah Kylie einige Zeit an. Schließlich seufzte er und zuckte mit den Schultern. „Von mir aus, ich begleite dich“, murrte er.

„Was? Warum denn das?“, stieß Kylie aus. – „Du vergisst wohl, dass es hier durchaus auch noch Dämonen gibt. Im Gegensatz zu der Spinne gestern, fressen die dich wirklich auf“, erinnerte er sie.

Kylies Augen weiteten sich. „Oh, verdammt, na gut, überredet“, murmelte sie kleinlaut. – „Nimmst du Telaendril auch mit?“

„Hm, ich werde sie fragen“, Kylie seufzte auf und verschwand dann wieder nach drinnen. „Hey, Telaendril, wach auf“, sie rüttelte einige Male an der Schulter ihrer besten Freundin, doch diese drehte sich nur grummelnd weg und schlief weiter. Schulter zuckend ging Kylie also alleine zu Bankotsu zurück. „Sie wacht nicht mal auf“, erklärte sie.

Also machten sie sich zu zweit auf den Weg zu dem See. Bankotsu hatte Banryuu geschultert und lief hinter Kylie her, wobei er einige Schritte hinter ihr blieb. Es dauerte nur fünf Minuten, da waren sie schon da, es war ein kleiner See, dafür war dieser unglaublich klar, er wurde von dem Wald umrundet, es sah sehr schön aus. Kylie drehte sich zu Bankotsu um. „Du wartest hier, während ich mich umziehe“, danach lief sie auf einen Stein zu, dahinter zog sie ihre Badesachen an.

Bankotsu hatte die Augenbrauen ein wenig erhoben, allerdings wartete er. Es dauerte nicht lange, da kam Kylie wieder hervor. Sie trug einen schwarzen Bikini. Während Bankotsu sich am Ufer auf einen Stein setzte, stieg Kylie ins Wasser. Es war eiskalt und am Liebsten wäre sie sofort wieder rausgegangen, aber sie hielt es tapfer aus. Sie schwamm einige Meter in den See hinein und ließ sich dann auf dem Rücken treiben.

Bankotsu sah Kylie zunächst einige Zeit zu, doch dann wandte er den Blick an, er sah sich ein wenig um, nicht, dass hier noch einige Youkais einen Überraschungsangriff wagten. Er hatte das rechte Bein aufgestellt und den Arm auf das Knie gestützt.

Es verging einige Zeit, in der sich Kylie nur treiben ließ, seicht schwappte das Wasser gegen ihren Körper. Mittlerweile war es gar nicht mehr so kalt und sie konnte sich endlich entspannen. Allerdings musste sie aufpassen, dass sie nicht aus versehen einschlief und ertrank. Irgendwann holte Bankotsu sie allerdings in die Realität zurück. „Hey, Kylie, komm endlich mal raus da, wir waren jetzt lang genug hier“, rief er ihr zu.

Seufzend richtete sich Kylie auf. „Können wir nicht noch ein bisschen hier bleiben? Ist gerade so herrlich“, bettelte sie. Bankotsu stieß genervt die Luft aus und murmelte etwas Unverständliches.

Einige Minuten später schwamm Kylie allerdings wieder zurück zum Ufer, noch immer im Wasser treibend ließ sie sich neben Bankotsu nieder. Sie saß mit dem Rücken zum Ufer, nach einiger Zeit legte sie die Arme auf das Gras und den Kopf in den Nacken. Sie hatte die Augen geschlossen und lief wieder die Sonne auf ihr Gesicht scheinen.

„Kann ich dich was fragen“, fing sie plötzlich an. – Überrascht sah Bankotsu sie an. „Klar, was gibt’s?“ – „Wie ist das eigentlich so, zu sterben meine ich“, fragte sie. – Eine ganze Zeit lang kam keine Antwort, insgeheim glaubte sie nicht mal daran, jemals eine zu bekommen, doch schließlich sagte er: „Es fühlt sich nicht schön an. Es ist ziemlich … schrecklich, wobei ich das erste Mal als Schlimmer empfand.“

Kylie öffnete die Augen und sah ihn an. Sein Blick war nach vorne, irgendwo in den Wald gerichtet. „Damals musste ich zusehen, wie sie alle meine Kameraden töteten, das letzte, was ich wahrnahm, war ein Schmerz im Genick, als das Schwert meinen Kopf abschlug. Dann war da lange Zeit gar nichts mehr. Es gibt wohl kein Leben nach dem Tod oder dergleichen. Da war einfach nur Dunkelheit, bis mich Naraku eines Tages wiederbelebte“, erklärte er trocken.

Kylie hatte sich mittlerweile rauf aufs Ufer gesetzt, ihre Beine immer noch im Wasser. „Hm, das klingt wirklich nicht schön“, sie verkreuzte leicht die Arme vor der Brust.

„Fühlt sich auch nicht schön an“, merkte Bankotsu an. Danach saßen sie schweigend nebeneinander. Kylie starrte auf ihre Füße im Wasser und dachte darüber nach, was Bankotsu eben gesagt hatte.

„Sag mal, erinnerst du dich eigentlich noch an deine Familie, oder hattest du Geschwister?“, hakte Kylie nach. – Bankotsu hob die Augenbrauen an. „Ich weiß es nicht mehr. Das ist schon zu lange her, generell ist meine Erinnerung seit der letzten Wiederbelebung etwas … schwammig“, er schnaubte.

„Ach so … Hm, das ist doch sicher nervig, oder?“ – Bankotsu zuckte mit den Schultern. „Hm, nicht unbedingt. Ich verzichte gerne auf einige meiner Erinnerungen, wenn ich dafür wieder leben kann“, meinte er.

„Wie ist der Daimyou eigentlich so?“, wollte Kylie ein wenig zu beiläufig wissen. – „Hmm … Also ich fand ihn … unsympathisch. Obwohl er uns zurückholen ließ, ist er einfach nur unsympathisch“, der Söldner fletschte die Zähne.

„Klingt viel versprechend“, brummte Kylie. Danach schwiegen sie eine Weile, es war ein recht angenehmes Schweigen. Irgendwann legte sich Kylie auf den Rücken, sie starrte in den Himmel, der nur von kleinen, flauschigen Wölkchen bedeckt war.

Da vernahmen sie plötzlich Schritte, allerdings waren diese zu leicht, um von einem Youkai zu stammen, weshalb Bankotsu ruhig sitzen blieb. Es war Telaendril, die wenige Sekunden später aus dem Wald trat.

„Na, bist du auch endlich mal aufgewacht?“, murmelte Kylie. – Kurz hob Telaendril die Schultern an. „Ja, Ginkotsu hat so gequietscht, da bin ich von aufgewacht. Aber gut, nachdem man mir sagte, dass ihr hier seid, hab ich mich gleich mal auf den Weg gemacht. Sie stand nun neben Kylies Sachen und begann sich auszuziehen, die Badesachen trug sie schon drunter.

„Komm, Kylie, wir schwimmen noch ein wenig“, meinte sie, als sie selbst ebenfalls ins Wasser trat. Bankotsu seufzte, als die beiden weiter zur Seemitte schwommen. Also kam er immer noch nicht hier weg.

Während sie ihre Runden drehten fragte Telaendril: „Na, wie läuft es denn so mit Bankotsu?“ – „Ich weiß nicht was du meinst“, seufzte Kylie. – „Ach, na komm schon, stell dich nicht dumm.“

„Pff, Telaendril, wenn du glaubst, dass ich Interesse an einer erfundenen Figur hab, dann muss ich dich enttäuschen, wir haben uns eben auch nur über den Tod und so unterhalten, waren wirklich passende Themen für ein erstes Date, findest du nicht?“, meinte Kylie sarkastisch.

„Aye, Kylie, warum redest du über so was. Und zudem, sieht er für dich so aus, als wäre er eine Anime-Figur? Ich meine, man kann ihn anfassen, er ist echt da. Das wäre doch die Chace für dich“, Telaendril stieß Kylie an.

„Nö, kein Interesse“, erwiderte Kylie flapsig. – „Puh, was soll man nur mit dir machen? Du bist ja anscheinend an gar keinem Interessiert … Aber mal ehrlich wenn Bruce Willis, Sylvester Stallone oder Sir Anthony Hopkins vor dir stünden, würdest du doch auch nicht nein sagen … Warum stehst du nur auf so alte Knacker, aber nicht auf Bankotsu, der immerhin wie ein Teenager aussieht?“, wollte Telaendril von ihrer Freundin wissen.

„Was heißt hier, nicht nein sagen? Ich würde mal mit ihnen Essen gehen, mehr aber auch nicht. Zudem ist es sowieso unwahrscheinlich, dass einer von denen vor meiner Haustür auftaucht“, brummte Kylie.

„Das ist wohl wahr, aber hey, Bankotsu sitzt jetzt hier vor dir. Du solltest ihn dir schnappen, solange du die Chance dazu hast“, stichelte Telaendril. – „Himmel, Telaendril! Denkst du eigentlich nur an das eine? Du nervst ganz schön“, grummelte Kylie. „Ich such mir schon jemanden, wenn ich Interesse daran hab.“ – „Heißt im Klartext, dass du als alte Jungfer sterben wirst“, kam es monoton von der Blondine.

„Pah, lass mich in Ruhe“, beleidigt schwamm Kylie ans Ufer zurück. Lachend folgte Telaendril ihr. – „Stell dich nicht so an!“, rief sie ihr hinterher.

„Das heißt das, wir können jetzt endlich gehen?“, hakte Bankotsu nach, als die beiden aus dem Wasser kamen. – „Ja, können wir. Wir müssen uns nur noch umziehen“, meinte Telaendril. Kylie war schon in Richtung Stein gegangen.

Sie band ihre Haare zusammen und zog dann die nassen Sachen aus, ehe sie sich abtrocknete und ihre normale Kleidung wieder anzog. Telaendril tat es ihr gleich. „Soll ich dir nachher wieder die Haare kämmen?“, fragte sie versöhnlich. Resigniert nickte Kylie nur.

Schließlich waren sie fertig und zu dritt machten sie sich auf den Weg zurück zum Schloss. Noch immer relativ mies gelaunt trottete Bankotsu hinter ihnen her.

Im Schloss setzte sich Kylie auf den Boden und löste ihren Zopf, während Telaendril sich einen Kamm nahm und anfing, die noch immer nassen Haare ihrer Freundin durch zu kämmen.

Währenddessen unterhielten sie sich darüber, wie es wohl mit ihnen weiter gehen sollte. Kylie erzählte ihr das wenige, was sie über den Daimyou in Erfahrung gebracht hatte. „Klingt ja wirklich ziemlich viel versprechend“, die Blondine rümpfte die Nase. „Na ja, ich hab die Hoffnung, dass die Hexen zumindest gescheit aussehen“, meinte sie.

„Warten wir es ab. Mach dir aber nicht zu viele Hoffnungen, sonst ist die Enttäuschung zu groß“, warnte Kylie sie.

„Ach, wäre nicht meine erste Enttäuschung“, winkte Telaendril ab. „Ich kann damit umgehen.“ – „Hoffnungslos optimistisch“, brummte Kylie. „Aber mal was anderes“, setzte sie dann plötzlich an. „Du weißt schon, dass wir nie den Schulabschluss machen werden! Und wir haben auch keine Ausbildung oder sonstiges!“, warf sie ein.

Telaendril zuckte mit den Schultern. „Na und? Ich glaube kaum, dass wir hier einen Schulabschluss brauchen“, merkte sie an. – „Ach nein? Aber was ist, wenn wir doch mal wieder zurück in unsere Welt kommen? Dann stehen wir mittellos da!“, gab Kylie zu bedenken.

„Kylie, lass es doch erst einmal so weit kommen. Wir wissen doch überhaupt nicht, wie lange wir hier bleiben werden.“ – Grummelnd verschränkte Kylie die Arme vor der Brust. „Na super. Sind ja tolle Aussichten“, seufzte sie auf.

Gegen Abend war Telaendril schließlich fertig und schließlich begaben sie sich zu den Shichinintai. Renkotsu hatte etwas zu essen gemacht, allerdings war davon nicht mehr ganz so viel übrig. „Ihr hättet uns ruhig mal rufen können“, beschwerte sich Telaendril. – „Hm, da hab ich euch wohl vollkommen vergessen“, meinte Renkotsu lediglich.

Genervt setzten sich die beiden Mädchen und aßen den Rest des Essens, war zwar nicht gerade viel, aber besser als nichts.

Es war dieses Mal wesentlich später als die beiden Mädchen sich Schlafen legten, Kylie war zudem vollkommen erschöpft. Schwimmen war ziemlich anstrengend.



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