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Himmelsschlacht

von

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Nachtluft

Die laue Nachtluft an jenem Tag im Sommer war voller Federn. Leichter, unwahrscheinlich weißer Federn. Geräuschlos sanken sie herab auf das grobe Kopfsteinpflaster. Hana sah ihnen dabei zu. Ruhig, wie sie war. Geduldig, denn die Federn schwebten sehr langsam. Als ob ihnen die Landung am Boden missfallen würde. Der Anblick war wunderschön, doch Hana fühlte die schwarze Trauer, die hinter dem Ereignis lag. Viele starben. Sie streckte die Hand aus. Freiwillig landete eine der Federn darauf. Doch sie zerschmolz nach kurzer Zeit. Nicht zu Wasser, das wäre zurückgeblieben. Die Feder zerschmolz zu nichts. Zu einem kühlen Lufthauch, der Hana auf der Handfläche kitzelte, dann war sie weg. Als ob sie nie existiert hätte.
 

Hana fühlte die Präsenz, bevor sie die Bewegung wahrnahm. Zwischen zwei Häusern, im dunklen Schatten einer schmalen Gasse. Es bewegte sich auf Hana zu. Und es grollte. Tief und kehlig. Beinahe so tief, das es mehr Vibration in der Luft als tatsächlich ein Geräusch war. Langsam wich Hana zurück. Ein wilder Hund? Hana hatte noch nie von einem wilden Hund in der Stadt gehört, aber es war das einzige Monster, das ihr in der Umgebung in den Sinn kommen wollte. Alle anderen wären zu absurd gewesen.
 

Es war ein riesiger Adlerkopf, der sich aus dem schmalen Zwischenraum auf den freien Platz hinausschob. Ungläubig starrte Hana ihn an. Wie unglaubwürdig, ein so riesiger Kopf aus einem so engen Gang... Wo hatte er seinen Körper gelassen? Der musste mindestens genauso monströs sein. Noch immer schwebten Federn vom Himmel. Eine kühle Brise überall, wo sie etwas Weltliches berührten. Hana ging nun schneller nach hinten. Viele Federn trafen sie. Ihr Hauch wurde unangenehm. Hana fröstelte. Der Adlerkopf krächzte, unerwartet leise, dafür genauso hässlich wie er aussah. Reckte und drehte sich und versuchte scheinbar mit aller Macht, vorwärts zu kommen. Aber etwas hielt ihn zurück. War er in der Gasse eingeklemmt? Um seine Augen schimmerte die Luft rot vor Zorn. Und Hunger.
 

Hana zwang sich dazu, den Blick von dem unglaublichen Ereignis loszureißen. Sie drehte sich um und rannte los. Hinter sich hörte sie Putz und Ziegel bröckeln. Noch ein Adlerschrei, diesmal lauter. Sie beschleunigte ihre Schritte. Quer über den Hauptplatz, eine breite Einkaufsstraße entlang, an einem spektakulär beleuchteten Theater vorbei über die Brücke, die einen kleinen Fluss überspannte. Hana konnte erstaunlich schnell laufen. Doch sie hätte nie gedacht, dass sie diese Begabung eines Tages zu so einem Zweck einsetzen musste...
 

Wieder spürte sie die Nähe, bevor sie sie sah. Die großen, schweren Tatzen machten auf dem Pflaster keinen Laut. Der riesige Adlerschädel war gierig nach vorn gestreckt, die Augen stachen unbeweglich in ihre Richtung. Hana sah das Ungetüm in den Spiegeln eines Antiquitätenladens, an dem sie vorbeikam, schlug einen Haken nach links, bevor der Schnabel nah genug zum Zuschnappen war, und lief in eine Seitengasse, von der sie hoffte, dass das Monster sich wieder darin verklemmen würde.
 

Sie erwartete, dass Häuser erbebten, Fenster splitterten, doch nichts dergleichen geschah. Abgesehen von ihrem lauter werdenden Keuchen und dem dumpfen Pochen der Schuhe am Boden wurde die Welt erneut geisterhaft still. Nach wie vor andächtig, traurig still. Hana blickte hinter sich. Nichts. Der Eingang zur Gasse blieb leer. Hana verlangsamte ihre Schritte. Schließlich blieb sie ganz stehen. Hatte sie sich das alles nur eingebildet? Trotzdem fühlte sie den stechenden Raubtierblick nach wie vor auf sich ruhen. Das Adler-Löwengemisch musste noch irgendwo sein... Hana blickte nach oben.



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Kommentare zu diesem Kapitel (1)

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Von:  Renaki
2012-10-27T16:29:11+00:00 27.10.2012 18:29
Toller Anfang^^ Nur war zwischen durch etwas von der Zeit, in welche die Geschichte spielt, verwirrt. Habe nicht dran gedacht, dass es in der Moderne spielen könnte.
Freu mich schon auf das nächste Kapitel.
LG Renaki


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