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Die Klingen des Kaisers

von

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Einbrüche und andere Überraschungen

Nur wenig später standen die beiden Agenten im Arbeitszimmer des Burgherrn. Sarifa stellte die Kerze auf dem Schreibtisch ab.

Michel ging zur Wand. Dort, hinter dem einzigen Teppich, vermutete er ein Geheimfach. Er blieb jedoch stehen, als seine Partnerin: „Nein,“ flüsterte, und drehte sich um. Sie hatte drei Wochen in Bellisarios Burg verbracht – also wusste sie mehr als er.

Sie deutete auf den Schreibtisch und öffnete ein Schubfach. Er trat zu ihr. Im schwachen Kerzenschein nahm sie Papier heraus, ehe sie sich bückte und nach einem verborgenen Hebel tastete.

Michel wartete kurz, ehe er den Grund erkannte: aus der Tischplatte hob sich eine unsichtbare Lade. „Nicht schlecht,“ murmelte er: „Du hast Talent als Einbrecher. Woher die Weisheit?“ Aber er griff schon hin, um die Papiere abzuschreiben.

„Beobachtung. Die meisten Menschen fühlen sich sicher, wenn sie allein sind. Kaum einer sieht aus dem Fenster, ob ihn jemand beobachtet,“ gab sie leise zurück: „Das ist hier doch wichtig?“

„Ja. Die Bankdaten und Namen.“ Er schrieb hastig: „Hör zu: du nimmst das, was ich schreibe, und gibst es morgen Graf Uther, egal wie. Kümmere dich nicht um mich, ich komme hier schon irgendwie wieder raus, dies ist wichtiger. Und die Tatsache, dass die Meuchelmörder einen verdammt guten Grund haben, sich solche Aufträge zu besorgen.“

„Gut.“ Die Assassine ging um den Tisch, um zwischen dem Licht und dem Fenster zu stehen: „Du meinst, er wird dich verdächtigen, wenn er etwas bemerkt.“

„Ja. Ich bin hier der Fremde....“

„Ich auch,“ gab sie zu bedenken.

„Du warst schon drei Wochen hier. Und ich hoffe doch, dass sie bei dir vor einer Leibesvisitation zurückschrecken“

„Belllisario schreckt kaum vor etwas zurück. Weißt du, wie er den Mann bestrafen ließ, der seine Tochter nicht vor dem Sturz in kaltes Wasser bewahrte?“

„Will ich das wissen? - So.“ Michel wedelte das Papier, um die Tinte trocken zu bekommen: „Hier.“

Sie nahm es und rollte es zusammen, ehe sie es in den Ausschnitt steckte. Zwischenzeitlich hatte er den Schreibtisch wieder so geordnet, wie er zuvor gewesen war: „Was ist eigentlich hinter dem Teppich dort?“

„Eine Falle für Einbrecher, erzählte mir Gianno.“ Die Abende in der Burgschänke waren in der Tat nützlich gewesen, zumal sie im Gegensatz zu den Männern nicht dem Wein zugesprochen hatte. Aber es hatte, jedenfalls einseitig, Vertrauen geschaffen.

„Oh. Gut zu wissen. Wie geht die Lade wieder hinein?“

„Moment.“ Sie bückte sich, tastete: „Das müsste doch gehen.....“

„Mach schon. Sonst weiß Bellisario auf Anhieb, dass wer hier war.“

Sarifa war dies ebenso bewusst, aber sie hatte nur vom Fenster aus zugesehen und musste herumsuchen, ehe plötzlich der verborgene Mechanismus schnappte und die Lade sich mit einem gewissen Knack in die Schreibtischplatte senkte. Unwillkürlich erstarrten beide und lauschten.

Dann meinte Michel leise: „Mist, da ist doch was gewesen...? Los, hoch in den anderen Stock. Ich muss in mein Zimmer.“

Auch Sarifa glaubte eine Tür klappen gehört zu haben, aber das war nicht sicher. War jemandem doch der um diese Zeit ungewohnte Lichtschein im Arbeitszimmer des Burgherrn aufgefallen?

Die Beiden hasteten so rasch es ging, möglichst jedes Geräusch vermeidend, den Gang entlang, die Treppe empor. Michel packte die Assassine am Handgelenk und zog sie mit sich seitwärts, bereits eine Tür öffnend. Sarifa folgte sofort – zum Glück war sie gut genug ausgebildet worden um bei so etwas ihrem Partner zu vertrauen, dachte er noch. Da gab es keine überflüssige Frage: was soll das....? Er schloss die Tür und lehnte sich dagegen, lauschte. Doch, er hatte sich nicht geirrt. „Gianno und Bellisario reden....“ flüsterte er, ehe er sich hektisch zu bewegen begann.

Sarifa bemerkte irritiert, dass er sich Wams und Beinlinge förmlich herunterriss, zumal sie in einer Art Badezimmer standen, ehe er ihr die Kleidung in die Hand drückte: „Schnell, bring das irgendwie in mein Zimmer....“ Dann fügte er doch noch erklärend hinzu: „Ich schlief und war nur auf Toilette – keiner traut einem Halbnackten einen Einbruch zu...“

Sie gab ihm die Kerze, ehe sie wortlos die Kleidung nahm und zusammenrollte. Wie auch immer Gianno sie bemerkt hatte – oder auch nur den Einbruch – Michels Idee war das Beste, was sie hatten. Denn er hatte Recht: Nur mit einem Hemd angetan und mit einer Kerze „bewaffnet“, würde er deutlich unauffälliger wirken als vollständig bekleidet.

Er verließ das Bad samt der kleinen Toilettennische und ging zu seinem Zimmer, ohne sich nach seiner Partnerin umzudrehen. Kam niemand, wäre es nur umso besser. Er zuckte jedoch unwillkürlich zusammen und blieb stehen, als sich eine Tür auf der rechten Seite öffnete. Gianno, der Anführer der Wachen Bellisarios, samt seinem Herrn kam aus dessen Schlafzimmer. Beide griffen unwillkürlich zum Dolch, als sie ihn sahen. Mario de Bellisario entspannte sich dann, als er bemerkte, dass sein Gegenüber nur ein Hemd trug, das kaum seine Blöße bedeckte.

„Oh, guten Abend, oder eher gute Nacht, don de la Montagne. Was führt Euch denn hierher?“

„Äh...der Weg zurück in mein Bett,“ erklärte Michel, etwas erleichtert, dass sein Plan aufzugehen schien: „Aber Ihr, werter don, seht mir etwas beunruhigt aus...und Euer Mann ebenfalls....“ Das bezog sich darauf, dass Gianno den Dolch noch immer in der Hand trug. Durchaus eine heikle Situation und er war vermutlich als einer der Wenigen froh, die Wurfmessser einer Assassine hinter sich zu wissen. Oder vor sich. Wie zum Henker....?

Er brach seine Gedanken ab, denn er musste die beiden Männer vor sich von der Tatsache ablenken, dass Sarifa soeben in ihrem Rücken aus seinem Zimmer kam. Anscheinend war sie außen über die Fenster die Wand entlang geklettert, um seinem Befehl nachzukommen, seine Kleidung in sein Zimmer zu bringen. Nun ja, ganz so riskant hatte er das nicht gemeint, aber es war gut.

Sie kam eilends heran: „Don de Bellisario...“ Sie atmete rasch, aber das passte zu ihrem Plan.

Dieser drehte sich um: „Donna de Cyr...?“ Er war etwas irritiert, war das doch der Trakt für ihn und seine männlichen Gäste, aber es schien wichtig zu sein.

„Jemand lief soeben über den Hof, der nicht Eure Farben trug!“ erklärte sie ohne rot zu werden: „Ich war...zufällig unterwegs. Er ging zum Nordturm und ich wollte Euch Meldung machen. Keine Wachen waren zu sehen....Aber Gianno sagte es wohl schon?“ Das klang wie ein Lob von Profis untereinander und der Gemeinte nickte auch etwas geschmeichelt.

Der Hausherr blieb sachlich: „Er meldete einen Einbrecher, in der Tat. Donna, Gianno – bringt mir den Kerl, tot oder lebendig. Am liebsten lebendig,“ erklärte de Bellisario, der keinen Grund sah an dieser Aussage zu zweifeln. Und Giannos Vermutung, der Einbrecher sei Montagne, war kaum glaubhaft, zumal in Anbetracht der Tatsache, dass dieser sich gerade anscheinend verzweifelt bemühte, sein Hemd mit einer Hand so herunterzuziehen, dass die donna keinen Blick auf ihn bekam. Niemand würde doch so mangelhaft bekleidet in einer, ja, feindlichen Burg zum Einbrechen gehen. Und donna de Cyr hatte sich in den vergangenen Wochen trotz genauer Beobachtung keinen Kontakt nach außen oder zu sonst wem geleistet. Nein, sie war wohl einwandfrei das, wofür er sie hielt – und Montagne kannte er von seinem Besuch in Paradisa vor einigen Jahren,wenn auch nicht genauer. Aber schon da war er dieser arrogante, übermäßig modisch gekleidete Stutzer gewesen. Nicht gerade jemand, der für die Polizei arbeitete, die bekanntermaßen nicht genug zahlte, um sich einen solchen Lebensstil leisten zu können. Als die Beiden abdrehten, um seinen Befehl auszuführen, wandte er sich daher an seinen Gast: „Ab und an gibt es Idioten, die meinen, hier einbrechen zu können. Eine sehr unschöne Zeiterscheinung, findet Ihr nicht? Ihr entschuldigt mich, ich will die Jagd überwachen. Gute Nacht, derweil.....“ Er öffnete die Tür des Gästezimmers. Tatsächlich, dort lag die restliche Kleidung seines Gastes neben dem Bett, sehr unordentlich. Natürlich verfügte Montagne wohl zuhause über einen eigenen Diener, so dass er nicht daran gewohnt war, solche Handgriffe selbst zu tun.

„Nun, dann Euch ebenfalls gute Nacht, don de Bellisario – und gute Jagd.“ Michel wagte erst aufzuatmen, als er allein war. So bekleidet kam er sich in der Tat recht hilflos vor – aber er war mehr als froh um diese Partnerin. Natürlich würden sie den Einbrecher nicht finden, sie hatte jedoch sowohl ihn geschützt als auch ihre Tarnung gewahrt. In der Tat: eine Partnerin. Wobei er noch immer nicht wusste, wie die Assassine das sah. Redeten sie oder jemand ihrer Familie darüber, lag in dem Partner-Begriff immer etwas, das er nicht deuten konnte. Aber fragen wäre wohl mehr als unhöflich gewesen. Allerdings musste er sie noch fragen, was sie eigentlich in den letzten drei Wochen getrieben hatte. Hoffentlich doch nicht Meuchelmörder in der Kunst des Tötens ausgebildet? Aber irgendwie hatte er den Verdacht, dass sie genau das getan hatte.
 

Kaiser Dagobert lächelte etwas: „Es freut mich, Anawiga.“ Sie lagen in ihrem Schlafzimmer – wohl der einzige Ort außer Uthers Arbeitszimmer, an dem er sich unbelauscht wusste.

Seine Gemahlin hätte um ein Haar geseufzt: „Natürlich ist Euch bewusst, wie hoch das Risiko ist, dass...dass etwas schiefgeht.“

„Natürlich. Leider sind Fehlgeburten nur zu häufig. Aber ich freue mich, dass Ihr mit Eurer Mitteilung vermutlich schwanger zu sein, nicht noch länger gewartet habt. Habt Ihr bereits den Hofarzt informiert?“

„Nein. Eben, weil es noch sehr unsicher ist. Und ich nicht sicher bin, wer alles mich beobachtet, ja, wen meine Hofdamen informieren.“

„Das ist leider wahr. Diesbezüglich dürftet Ihr die am besten beobachtete Frau des Reiches sein. Aber das gehört dazu, wie Ihr wisst. Ich werde mich also unwissend stellen, möchte Euch jedoch bitten, Euch in der nächsten Zeit zu schonen, wie zum Beispiel die Hofjagd unter einem Vorwand abzusagen.“

„Wie Ihr wollt.“ Anawiga war klar, dass ab nun die Verantwortung allein bei ihr lag – hatte Dagobert doch bewiesen, dass eine mögliche kinderlose Ehe nicht an ihm liegen konnte. Und Kinderlosigkeit war neben Untreue ein Grund die Scheidung zu verlangen. „Ich...darf Euch um etwas bitten?“

„Natürlich, meine Liebe.“

„Schweigt auch gegen Markward und Graf Uther.“

Dagobert betrachtete sie kurz, ehe er sagte: „Ich verstehe. Ja, das werde ich tun – zumindest gegenüber Uther allerdings nur, bis er aus Pisan zurück ist.“

„Danke. Das meinte ich.“

Sie hatte Angst, erkannte er: „Ich werde zusehen, dass Ihr besser geschützt werdet, natürlich unauffällig.“ Markward war doch kein solcher Idiot seine Stiefmutter umzubringen, nur, weil sie ein Kind erwartete. Nun, zumindest hoffte das der geplagte Vater schwer. Uther dagegen würde sicher nichts gegen sie unternehmen – die Idee mit einem dritten Sohn stammte schließlich von ihm. Überdies kannte Dagobert seinen Bruder nur zu gut. Nach seiner so unglücklich endenden Beziehung mit Renata, die bei der Geburt ihrer Tochter starb, hätte er wie immer sonst etwas für das Reich getan – aber nie einer Schwangeren ein Leid zugefügt. Mit leisem Unbehagen wurde dem Kaiser bewusst, dass die Möglichkeit des Sterbens bei jeder Geburt bestand und legte unwillkürlich den Arm um Anawiga: „Es wird schon alles gut gehen,“ murmelte er.
 

Der Bruder des Kaisers ritt derweil mit seiner Entourage in das winterlich kühle Piedamonte ein, höflich begrüßt vom Bürgermeister und einigen örtlichen Adeligen. Er kannte die Riten, die eintönigen Empfänge nur zu gut, aber er war es gewohnt seine Langeweile nicht zu zeigen. Für viele Menschen war es ein Ereignis, von dem sie lange erzählen würden, den Kaiser oder ein Familienmitglied gesehen zu haben, ja, mit ihm gesprochen zu haben. Ebenso hütete er sich zu erkennen zu geben, wie froh er war, als Michel de la Montagne sich ihm näherte, nach einem höfischen Wortwechsel allerdings wieder in der Menge verschwand. Er lebte und hatte den Auftrag wohl erfolgreich beendet, wie eh und je – und Graf Uther gab zu erleichtert zu sein.

Allerdings ahnte er da noch nicht, dass er den Schreck seines bisherigen Lebens erhalten würde, als er in der Gästesuite der Ratsherren von Piedamonte allein war. Seine Wachen standen vor der Tür, wie stets Mitglieder der Elitetruppe der Leibgarde. Es war nur ein leiser Laut, ein Knacken, mehr geahnt als gehört.

Uther fuhr herum, bereits die Hand unter dem Wams, um seinen Dolch zu ziehen, als er erkannte, wer da so plötzlich hinter ihm war.

„Sarifa....“ flüsterte er, um nicht die Männer vor der Tür auf sich aufmerksam zu machen. Verdammt, sie war eine Assassine – und er sollte nie vergessen, dass sie gefährlich war. Aber sie lächelte etwas und griff in ihren Ausschnitt, was ihn zunächst verwirrte, ehe er das beschriftete Papier erkannte.

„Michel hält das für wichtig,“ erklärte sie leise: „Bankdaten und Namen. Er hat es abgeschrieben.“

„Gut, danke.“ Er nahm es, bemüht, seinen jagenden Puls zu beruhigen: „Weitere Neuigkeiten, meine Liebe?“

„Die Meuchelmörder stammen zu einem sehr großen Teil aus genau zwei Dörfern.“

„Wie bitte? Oh, verzeiht mein schlechtes Benehmen – nehmt doch Platz.“

Als beide saßen erklärte Sarifa erneut die Lage in zwei Dörfern, die durch die Trockenlegung der Sümpfe ruiniert worden waren. Uther hörte schweigend zu.

Erst als sie geendet hatte, meinte er: „Ich werde Kanzler Godomar einmal darauf ansetzen. Entweder ist den verantwortlichen Ingenieuren von zwanzig Jahren ein fataler Fehler passiert – oder aber es war Absicht. So oder so sollte der Kaiser einen Grafen dorthin schicken.“ Also einen Sonderbotschafter mit außergewöhnlichen Vollmachten. „Wenn diese Dörfler um des Goldes willen handeln, sollte man zusehen, dass sie dies im Auftrag des Kaisers tun. - Müsst Ihr zu Bellisario zurück?“

„Nein. Im Gegenteil. Mich sollte niemand von dort mehr sehen. Offiziell reise ich heute ab.“

„Ich bin zu Pferd hier....Hm. Oh, ich lasse eine Kutsche bereitstellen, die mich morgen weiterbringt. Ich habe doch ein Alter erreicht, in dem man mir abnimmt, dass ich durch Reisen ermüdet werde.“ Und im Gegensatz zu seinem älteren Bruder hing nicht die Krone daran, ob er reiten konnte: „Ihr werdet Euch gewiss darin aufhalten können. Könnt Ihr Michel ausrichten, dass er außerhalb von Piedamonte ebenfalls zu mir steigen soll?“

„Natürlich.“ Sarifa lächelte: „Dann benötigt Ihr uns nicht mehr?“

„Nein. Euer Auftrag hier ist erledigt, ich habe dies auch Michel schon wissen lassen. Nur eine kleine Anmerkung: ich dachte eigentlich, dass ich gut geschützt werde – wie seid Ihr hier hereingekommen?“

„Durch das Fenster. Und ja, Ihr werdet gut geschützt. Man muss schwindelfrei sein und ausgebildet, um Euren Wachen zu entgehen.“

„Steigerungen wären wohl möglich,“ erklärte Uther trocken. Immerhin war er so gut bewacht, dass es nur einem Profi gelingen konnte zu ihm vorzudringen. „Übrigens: Ihr habt tatsächlich Meuchelmörder ausgebildet? Ihr habt schon daran gedacht, dass König Elymian gut bewacht wird.“ Er wollte nicht aussprechen, dass er Assassinen als Wachen vermutete.

„Ja. Ich habe auch keine Informationen weitergegeben, die meinen Cousins schaden würden. Und keiner der Männer, die bei Bellisario sind, käme an König Elymian heran. Das habe ich ihnen mehr oder weniger deutlich gemacht. “ Sie klang sachlich – obwohl sie die Besorgnis begriff.

„Cousins....Weiß Elymian eigentlich, wer ihn bewacht?“ Es war reine, menschliche Neugier, die ihn diese Frage stellen ließ. Schließlich waren Assassinen noch immer von einer förmlichen Dunstwolke aus unheimlichen Gerüchten umgeben.

„Nein, wenn Ihr meint, ob er weiß, dass es Assassinen sind. Unser Dorf stellt seit fast zweihundert Jahren die Leibwache für die Könige von Cinquanta und es gab nie einen Grund dies zu ändern. Keiner versagte je.“

„Davon bin ich allerdings überzeugt, meine Teure.“ Er musste nur daran denken, wie einfach sie ihn hätte umbringen können. Zum Glück war ihr Volk kaisertreu. „Ich werde später den Bürgermeister um eine Kutsche bitten, so dass Ihr die Nacht bereits dort verbringen könnt.“

„Danke.“

„Dann geht nun.“ Er beobachtete neugierig, wie sie sich höflich vor ihm verneigte, dann zum Fenster trat und hinabsprang. Als er hinterher ging, um auf die fast fünf Meter tiefer liegende Straße zu blicken, war sie bereits verschwunden.
 

Als Graf Uther am folgenden Morgen in seine Kutsche stieg, war er nicht überrascht, schon erwartet zu werden. Dennoch sprachen weder er noch Sarifa, bis Michel in einer kleinen Postkutschenstation zustieg – für die Wachen und den Kutscher scheinbar freundlich vom Kaiserbruder eingeladen.

Erst dann meinte dieser: „Schön, dass Ihr beide den Auftrag erfüllt habt. Nun besitzt der Kaiser auch die Möglichkeit das Unwesen der Meuchelmörder zu beseitigen. Sicher, es wird immer wieder Menschen geben, die für Geld morden und auch welche, die sie beauftragen, aber es wird doch deutlich besser werden, wenn gleich zwei Dörfer als Quelle wegfallen. Wie viele Männer schätzt Ihr, Sarifa?“

„Gewiss über hundert. Dazu Frauen. Darf ich Euch eine Frage stellen?“

„Natürlich.“

„Benötigt Ihr mich sofort wieder? Ansonsten würde ich gern in Morinha umsteigen und nach Hause fahren, auf einen Familienbesuch.“

Uther, der von der Entwicklung in der Hauptstadt keine Ahnung hatte, vermutete, sie nicht schon wieder losjagen zu müssen, war er doch dem Meuchelmörderproblem endlich auf der Spur. „Ihr habt Euch einen Kurzurlaub sicher verdient. Fahrt nur. Ihr auch, Michel?“

Der war erstaunt: „Ich glaube nicht, dass ich in dem Dorf etwas verloren habe.“

„Du bist mein Partner,“ meinte Sarifa mit einem Lächeln: „Und du kennst meinen zweitältesten Bruder ja schon.“

„Du hast fünf.....“

„Ja, drei älter als ich und zwei jünger,“ gab sie zu: „Aber gerade meine großen Brüder sind deutlich besser als ich.“

Irgendwie bot das Michel wenig Trost, wenn er sich an seine kurze Bekanntschaft mit nur einem ihrer Brüder erinnerte. Der war schließlich verflixt schnell mit dem Dolch gewesen. Aber eine Einladung in das ominöse Dorf war nichts, was ein auch nur etwas neugieriger Mann ablehnen würde: „Ich komme ja mit.“
 

Markward vernahm die Neuigkeit mit einem Stirnrunzeln: „Die Kaiserin ist also möglicherweise schwanger.....“

„Möglicherweise,“ gab Chilperich zu: „Aber Ihr wisst, dass das immer eine sehr gefährliche Zeit ist.“

„Ja. Ich habe auch nicht die Absicht nachzuhelfen...vielleicht in einigen Wochen oder Monaten. Du könntest trotzdem mal behutsam bei einer Hebamme nachfragen.“

„Ich werde nachfragen, aber nicht bei einer Hebamme. Bedenkt, dass die Kaiserin die Hebammenschule leitet und dort angesehen ist.“

„Wo du Recht hast...Nun, ziehe Erkundigungen ein. Aber solange nichts offiziell verlautbart wird, kann man ruhig abwarten.“ Markward lehnte sich zurück: „Mein lieber Vater hat mir übrigens den Auftrag verpasst, mich in die Bergwerke einarbeiten zu sollen, die hier im Kernland sind.“

„Ein sehr interessantes Aufgabenfeld. Oder solltet Ihr übersehen, dass Ihr dann genau wisst, wann und wohin die Lieferungen abgehen?“

„Du bist schlau, mein lieber Chilperich, du wirst ein guter Kanzler sein. Das hatte ich übersehen. Ja, Gold und auch Kupfer, aber auch Eisen könnte man teuer verkaufen..“ Und je mehr Geld er privat zur Verfügung hatte, desto leichter wäre es für ihn auch, seine Pläne in die Tat umzusetzen. Verbündete und auch Meuchelmörder waren nun einmal eine teure Angelegenheit. Auch, wenn er durchaus Hemmungen hatte, letztere anzuheuern – es mochte notwendig werden. Vater hatte in seinem Alter schon Kriege geführt und Hinrichtungen befohlen, da sollte er nicht mit einem Gewissen zurückschrecken.
 

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Das nächste Kapitel bietet: Heimkehr



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Kommentare zu diesem Kapitel (3)

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Von:  Teilchenzoo
2012-07-30T19:24:07+00:00 30.07.2012 21:24
Hm. Markward lässt sich wirklich leicht lenken und glaubt doch tatsächlich, an der Macht bleiben zu dürfen. Entweder, er wird ein Marionettenkönig, oder er stirbt. Regieren wird er jedenfalls nicht. Das sollte auch ihm klar sein ...

Gut, dass der Auftrag doch noch glatt gegangen ist. Die zwei haben das sehr professionell gemeistert. Ich bin stolz auf sie ;). Es hat auch wirklich Spaß gemacht zu lesen, wie sie mal einen Bösen so richtig austricksen ;). Auch, wenn du mit der Erklärung für den Anstieg der Meuchelmörder mal wieder gezeigt hast, dass es so einfach nicht ist. Es gibt einen Grund dafür, und man weiß nicht, ob das nicht alles Teil eines größeren Plans ist. Es braut sich was zusammen ...

Auf den Besuch im Dorf bin ich schon sehr gespannt. Vielleicht erfahren wir dann auch, was "Partner" für Sarifa nun wirklich bedeutet.
Von:  00schnepel8
2012-07-30T17:45:12+00:00 30.07.2012 19:45
So zurück aus dem Urlaub.Ich habe ein paar Kapitel verpasst, aber nun das macht nichts.Ich kann sie ja jetzt lesen...

Ich freue mich schon ziemlich darauf Sarifas Familie kennenzulernen.Und das ganze Dorf.Aber ich hoffe auch, dass Michel bzw. wir die assansinische Definition von Partner erfahren.

Eins steht fest.Ich kann Markward nicht leiden.Er ist mir viel zu neugirig und es ärgert mich das sein Diener immer alles so schnell herausfindet.Auch wenn ich weiß dass das für den Storyablauf förderlich ist...
Aber ich freue mich das Anawiga schwanger zu sein scheint und ich hoffe das alles gut gehen wird.

Ich frage mich wie Bellisario reagiert hat, als er erfuhr das der "Einbrecher" nicht geschnappt werden konnte.Und es ist wohl sehr gut das er nicht mit Sicherheit sagen kann, was entwendet wurde, auch wenn er sicherlich einen Verdacht hat.
Ich mochte seine Tochter irgendwie.Und wenn ihr Vater schließlich verurteilt wird hoffe ich das es ihr dabei nicht allzu schlecht gehen wird.
Was ich schade fand war, das vom Fest so wenig beschrieben wurde.Ich weiß das ausführliche Beschreibungen wohl zu weit geführt hätten.Aber wenn es so berühmt ist, dann hätte ich persönlich auch gerne zu einem kleinen Teil gewusst warum.An Uther allein kann es ja nicht liegen.

Ich bin insgesamt auch sehr gespannt wie das meuchelmörderproblem gelöst werden wird/soll.

Ich freue mich schon auf das nächste Kapitel...
Von: abgemeldet
2012-07-26T13:47:32+00:00 26.07.2012 15:47
Was für eine Erleichterung, zu wissen, dass die beiden Agenten (fürs erste) wieder in Sicherheit sind.
Und, bei der Szene, als Michel versucht, seine Blöße vor Safira zu verdecken, musste ich breit grinsen. *ggg*


Ich bin wirklich sehr gespannt, wie es in Safiras Dorf so ablaufen wird, vor allem für Michel. Ich drück ihm die Daumen. :D


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