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Wakare ne, Nyarth!

FanFic zur "Best Wishes"-Episode 45
von

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Part I - Entscheidungen

In dieser Nacht lag Kojiro wach. Es ging einfach nicht, er konnte nicht schlafen.

Ein Blick zur Seite zu seinem Nachttisch verriet ihm, dass es bereits weit nach ein Uhr nachts war. Seit mehreren Stunden lag er nun also schon wach, wälzte sich wieder und wieder von einer Seite zur anderen. Ganz gleich wie sehr er versuchte, einfach die Augen zu schließen und damit das Rattern in seinem Kopf stillzulegen, es mochte ihm einfach nicht gelingen. Und es war fraglich, ob es ihm überhaupt noch gelingen würde in den verbleibenden paar Stunden, die ihm noch von dieser Nacht blieben.

Schließlich gab er es auf. Er schlug die Decke zurück und setzte sich in seinem Bett auf. Nur der silberne Schein des Mondes spendete spärlich Licht in dem sonst dunklen Zimmer, welches er allein benächtigte. Musashi hatte ihr eigenes Zimmer zugeteilt bekommen und schlief nebenan – sofern sie denn schlief. Denn die Tatsache, dass sie die Nacht in einem der undercover Team Rocket-Quartiere Isshus verbrachten, machte das Ganze kaum besser. Ganz im Gegenteil dazu kam es Kojiro eher so vor, als würde es ihn nur umso mehr innerlich aufwühlen und ihn keine Ruhe finden lassen.

Schwer seufzend vergrub er seinen Kopf in den Händen, während er die Arme auf seinen Knien stützte. Ein letztes Mal versuchte er, den Kopf freizubekommen – aber auch dieser Versuch erstickte noch im Keim.

Er erhob sich schließlich von seinem Lager und trat hinüber ans Fenster. Ihn interessierte nicht, was er draußen eventuell sehen würde. Nicht der klare Nachthimmel mit dem fernen Vollmond oder gar das nächtliche Treiben, was ihm womöglich auf andere Gedanken hätte verhelfen können. Ganz gleich, was er zu sehen bekäme, sein geistiges Auge würde ihm ohnehin ganz andere Bilder vorspielen. Daher stützte er sich nur schwer gegen das kühle Glas, hob den rechten Arm gegen die Scheibe und lehnte seine Stirn dagegen, welche unter seinen rasenden Gedanken zu pochen schien. Er konnte spüren, wie ihm das Atmen in der Lunge brannte, so schwer tat er sich bei seinen Bemühungen, sich seine innere Ruhe zu bewahren. Und so war es schon den ganzen Abend gewesen, seit jene Information ihr Team erreicht hatte.

Müde blinzelnd schloss er schließlich die Augen, um jene Szenen abermals aufzuspulen…
 

Er erinnerte sich, wie Musashi einen Anruf auf ihrem PokéCom erhielt, welchen sie von der Organisation für die Kommunikation zum Hauptquartier und den verschiedenen Beauftragten Team Rockets anvertraut bekommen hatte. Dieses kleine, nervige, schwarze Teil - weit kleiner und kompakter als die üblichen PokéCom, welche es überall auf dem freien Markt zu kaufen gab - überbrachte mit seinem dezenten Vibrieren die Ankündigung, dass man das Trio zu sehen wünschte. Also hatten sie sich unverzüglich auf den Weg begeben, um das nächstgelegene Quartier aufzusuchen. So hatte man es von ihnen gewünscht – und allein diese Tatsache, dass eine interne Umgebung notwendig war für das, was man dieses Mal von ihnen verlangen würde, hätte schon Warnung genug sein müssen für das eingespielte Team.

Er erinnerte sich im Nachhinein auch ganz genau daran, dass Nyasu während der Anreise schon einen betrübten Eindruck gemacht hatte. Als hätte das Pokémon bereits eine Vorahnung dessen gehabt, was sie erwarten würde. Zu diesem Zeitpunkt hatten Musashi und er noch versucht, ihren Pokémon-Partner wieder aufzubauen. Sie hatten beide vermutet, dass Nyasus Missgeschick bei ihrem letzten Auftrag schuld für seine Demut war. Immerhin hätte man sie um ein Haar eingebuchtet, als sie in das Pokémon-Center der Kampfmetro eindringen wollten, um dort irgendwelche vertrauliche Daten anzuzapfen, so wie es ihnen aufgetragen worden war. Das war ihnen schon lange nicht mehr passiert. Entsprechend war auch der Vorstand wenig begeistert gewesen, als sie davon erfahren hatten.

Sie hatten sich, kaum dass sie den Unterschlupf erreicht hatten, sofort in das Gesprächszimmer zurückgezogen, um das Hauptquartier von ihrem Eintreffen zu unterrichten. Zu ihrem Erstaunen war es Sakaki schließlich persönlich gewesen, der sie via Videogespräch in Empfang nahm. Und spätestens jetzt hätte klar werden müssen, dass nicht nur eine kleine Nebensächlichkeit auf sie wartete.

Dann kam der Schlag. Der Vorstand hatte den Boss über das Beinahescheitern des Trios informiert, mit allen Einzelheiten. Daraufhin wurde ein einstimmiger Beschluss gefasst: Nyasu muss das Team verlassen. Und mit „Team“ war nicht nur ihr Trio gemeint; das sprechende Katzen-Pokémon, was nun schon so lange an der Seite von Musashi und Kojiro treu im Dienste der Organisation gestanden hatte, sollte gänzlich aus Team Rocket austreten.

Da gab es kein Widersprechen. Man hätte es nicht geduldet. Was „von oben“ beschlossen wurde, das würde geschehen. Und das wussten alle drei.

Es war ein Schock gewesen. Für sie alle. Kojiro für seinen Teil hatte in diesem Moment nicht gewusst, wie ihnen da geschah. Er war sich nicht einmal sicher, ob er diese unerwartete Information richtig verstanden hatte. Nie im Leben hätte er gedacht, dass man ihr Team splitten würde. Und dann auch noch so plötzlich, ohne Vorwarnung. Nur weil das sonst so gewitzte Katzen-Pokémon einen Fehler gemacht hatte?

Es sei zu gefährlich, hatte man ihnen gesagt. Für das, was Team Rocket plane, wäre jeder noch so kleine Fehler, jedes noch so kümmerliche Versagen, zu riskant. Und die Organisation sei nicht bereit, in dieser heißen Phase irgendwelche Risiken einzugehen. Dafür stünde zu viel auf dem Spiel, der Einsatz sei zu hoch. Daher erwarte man für Aufträge wie die ihren absolute Perfektion!

Der Entschluss stand fest und daran war auch nicht mehr zu rütteln. Selbst wenn Musashi und er einen Aufstand geprobt hätten, so hätte es doch nichts bewirkt. Vielmehr hätten sie damit nur riskiert, dass man auch sie aus der Organisation verwiesen hätte.

Schwächlinge brauchte man in ihrer derzeitigen Stellung nicht. Das wäre auch ihr Freiflug gewesen. Also hatten Musashi und Kojiro gar nichts dazu gesagt, während für Nyasu eine Welt zusammenbrach.

Nachdem das Gespräch beendet war, wussten sie noch immer nichts zu sagen. Zu heftig war der Schlag, der das Trio soeben getroffen hatte. Und noch ehe Kojiro das Geschehene richtig begriffen hatte, war Nyasu auch schon aus dem Raum gegangen und ließ seine Partner ohne ein Wort zurück.

Nur wenig später war auch Musashi mit der knappen Aussage, dass sie erst einmal einen Drink oder zumindest einen starken Kaffee bräuchte, verschwunden. Kojiro blieb allein zurück in diesem düsteren, trostlosen Raum und starrte wie vor den Kopf gestoßen zu der Tür, durch welche seine Partner gegangen waren.

Da er nicht gewusst hatte, wohin mit sich, war er schließlich einige Zeit später auf sein zugeteiltes Zimmer verschwunden. Dort blieb er den gesamten restlichen Abend, ohne noch einmal mit seinen Partnern gesprochen zu haben. Weder Musashi noch Nyasu hatten ihn für ein Gespräch aufgesucht, und auch er hatte keinen Hang dazu verspürt, sie seinerseits aufzusuchen. Es war wie eine stumme Abmachung unter dem eingespielten Trio, dass jeder für sich diese plötzliche Entscheidung erst einmal verdauen musste.

Noch ehe er sich versehen hatte, war der trübe Abend schließlich in die Nacht gemündet, von der er gewusst hatte, dass er in ihr keine Rast finden würde. Denn noch ehe der nächste Morgen richtig begonnen hätte, würden sie ihren Pokémon-Partner bereits verabschieden müssen. Vermutlich für immer.
 

Wütend ballte Kojiro die Hand zur Faust. Er ignorierte den stechenden Schmerz in seiner Handfläche, als sich seine Fingernägel verbittert in seine Haut bohrten. Mit einem unterdrückten Knurren in der Kehle schlug er gegen die unnachgiebige Glasscheibe und war im nächsten Moment froh darüber, dass Team Rocket eine solche Vorliebe für erprobtes Panzerglas hegte.

‚Das kann doch einfach alles nicht wahr sein…‘, dachte er still bei sich, ehe er sich entschieden vom Fenster abwandte.

Im Vorbeigehen erhaschte er einen weiteren Blick zu dem kleinen Wecker, dessen Anzeige vom matten Grün erhellt wurde. Schon nach zwei. Verdammt, die Zeit schien zu rasen. Und er konnte nichts dagegen tun.

Er schnappte sich seinen schwarzen Rollkragenpullover und verließ das Zimmer. Bereits auf dem Weg in Richtung Gemeinschaftsraum zog er ihn sich über den Kopf. Da er ohnehin nicht mehr damit rechnete, heute noch ein Auge zuzubekommen, sprach auch nichts gegen einen Kaffee. Den brauchte er jetzt dringend, auch wenn er normalerweise wenig von diesem bitteren Gesöff hielt. Anders als Musashi, die sich gern einmal ein Tässchen von diesem Koffeinzeugs gönnte, sofern es ihr möglich war.

Lustig, dass er bei dem Gedanken an Kaffee automatisch an seine Partnerin dachte. Denn ironischerweise war er wohl doch nicht der Einzige, der in dieser Nacht keinen Schlaf fand. Auf der kleinen, roten Couch nahe der Fenster sah er sie. Gerade nippte sie, scheinbar tief in ihren Gedanken versunken, an ihrer schwarzen Keramiktasse.

Kojiro trat direkt zu dem kleinen Automaten nahe des Flurs, welcher aus dem Gebäude führen würde. Wahllos nahm er eine der Tassen, welche identisch zu jener seiner Partnerin waren, und stellte sie in die Getränkeausgabe der Maschine. Noch schnell das entsprechende Programm ausgewählt, und schon stieg ihm der Duft von frischem Kaffee in die Nase, der heiß in die unterstehende Tasse strömte.

Entweder hatte ihn Musashi wirklich noch nicht bemerkt, oder sie ignorierte ihren Partner gekonnt. Doch als sich Kojiro auf den Platz ihr gegenüber an den kleinen Tisch gesetzt hatte, schloss er Zweiteres eher aus. Dem verlorenen Ausdruck auf Musashis Gesicht zufolge, schien sie in Gedanken zu sein. Es schien, als wäre sie gar nicht wirklich im Raum, sondern irgendwo ganz weit weg.

Kojiro saß ihr schweigend gegenüber. Was hätte er auch sagen sollen, falls er überhaupt etwas sagen wollte? Immerhin hatte er nicht damit gerechnet, dass seine Partnerin offensichtlich exakt denselben Gedanken gehabt hatte wie er selbst. Obwohl, andererseits war das auch kaum verwunderlich, jedenfalls für Kojiro. Es war längst nichts Ungewöhnliches mehr, dass sie des Öfteren dieselben Ideen hatten oder ähnliche Dinge zur selben Zeit tun wollten.

Zähe Minuten zogen sich dahin, und als Kojiro gerade selbst mit seinen Gedanken abzudriften drohte, bemerkte er eine erste Regung bei seiner Partnerin. Als er daraufhin zu ihr aufsah, ruhte ihr ausdrucksloser Blick auf ihm.

Weitere Minuten verstrichen, in denen sich die beiden einfach nur stumm ansahen. Keiner von ihnen zeigte auch nur das leiseste Zucken zu einer Regung. Sie sahen sich statuenhaft einfach nur an und schienen doch viel mehr in den Emotionen des jeweils anderen nach einem Anhaltspunkt zu forschen.

Es war schließlich Kojiro, der nach einer undefinierbaren Zeit des Anstarrens das Schweigen brach.

„Wann?“, fragte er nur knapp und gab Musashi somit den Anlass, von ihrem Partner wegzusehen.

„Nicht mehr lang“, kam die ebenso knappe Antwort, doch Kojiro verstand.

Er beugte sich leicht vor, seine Hände umklammerten fest die Tasse in seiner Hand, während er zu Boden blickte. „Und du findest das okay so?“

Statt einer Antwort entgegnete Musashi ihrem Partner erneutes Schweigen, während sie unbestimmt aus dem Fenster sah. Er war sich nicht sicher, ob sie draußen nach einer Antwort suchte, oder ob sie einfach nichts darauf erwidern wollte.

„Das liegt nicht in unserer Hand.“

Obgleich ihre Stimme fest war bei dieser Antwort, wirkte es eher matt. Das war auch der Grund, wieso Kojiro wieder zu seiner Partnerin aufsah.

„Auftrag ist Auftrag. Und Befehl ist Befehl“, fuhr Musashi monoton fort. Noch immer blickte sie in das dunkle Nichts der andauernden Nacht. „Es ist beschlossen, also muss es so sein.“

„Aber…“ Kojiro verstummte schon nach diesem ersten Wort, welches ein schweres Brennen in seiner Kehle hinterließ. Er musste kurz schlucken, ehe er weitersprechen konnte, und bemühte sich, ebenfalls ruhig dabei zu bleiben. „Musashi, Nyasu war immer Teil unseres Teams. Von Anfang an. Dass er jetzt gehen soll…“

„Kojiro.“

Der ruhige, jedoch bestimmte Ton seiner Partnerin bewegte Kojiro dazu, in seinen Erklärungen innezuhalten. Nur vorsichtig sah er zu ihr hinüber, wissend, dass dieser Ton keine weiteren Einwände duldete.

„Das ist nicht mehr von Bedeutung. Also hör auf, dir darüber den Kopf zu zerbrechen.“

Die beiden Partner sahen sich für lange in die Augen. Kojiro erkannte eine fremde Kälte in den vertrauten Saphiren. Er war sich nicht sicher, woran diese Kühle lag. War sie wirklich so ungerührt, wie sie sich darzustellen versuchte, oder hatte sie einfach nur abwehrende Mauern um sich herum aufgestellt, sodass nicht einmal er ihre wahren Gefühle und Gedanken zu ergründen wusste?

So sehr er auch versuchte, eine Antwort auf diese Frage zu finden, weder ihre Stimme noch ihre Augen gaben auch nur den leisesten Hinweis darauf, was sie wirklich dachte.

Zwar wusste Kojiro, dass er sie vermutlich nicht umstimmen könnte, dennoch wollte er es auf einen letzten Versuch ankommen lassen.

„Musashi… es ist Nyasu“, betonte er in aller Ruhe, um sie noch einmal darauf hinzuweisen, von wem hier eigentlich die Rede war. Immerhin sprachen sie nicht über irgendeinen Agenten oder über irgendein Pokémon, sondern von ihrem Teamkameraden und Freund.

Doch Musashi reagierte nur genau so, wie Kojiro es schon erwartet hatte.

Statt sich weiter auf diese Unterhaltung mit ihm einzulassen, um doch nochmal über all das nachzudenken, wandte sie sich nur von ihrem Partner ab. Sie schlug vielsagend die Beine übereinander, während sie sich betont gelassen zurücklehnte und in einer übertriebenen Seelenruhe von ihrem Kaffee trank.

Ein, zwei Schlucke nahm sie von dem Koffeingetränk, ehe sie die kaum begonnene Diskussion entschieden beendete. „Es wird so kommen, wie es vorgesehen ist. Und es wird geschehen, was vorbestimmt ist.“

Damit war die Unterhaltung beendet.

Kojiro wusste, dass es keinen Sinn machen würde, weiterhin an Musashis Gewissen zu appellieren. Sie hatte ihren Entschluss gefasst und sich damit abgefunden, wie es für sie weitergehen würde – ob mit oder ohne Nyasu. Jeder weitere Versuch, etwas an ihrer Meinung zu ändern, würde nur auf Granit stoßen. Also musste sich Kojiro fürs Erste damit abfinden, dass er nichts mehr an ihrer beider Situation ändern konnte.

Ohne ein weiteres Wort erhob er sich von seinem Platz. Er hatte seinen Kaffee kaum angerührt, dennoch stellte er die Tasse ins Abwaschbecken neben dem Getränkeautomaten.

Dann verschwand er in den Schatten des fortführenden Flures.

Part II - Vorangehen

Wie viele Tage waren nun schon vergangen? Drei, vier? Oder gar schon eine ganze Woche? Oder gar noch länger?

Kojiro hatte aufgehört auf die Zeit zu achten, seit sie sich von ihrem Pokémon-Partner getrennt hatten. Es war eine Tortur, jeden Tag aufs Neue.

Der Abschied war ihm schwergefallen. Nach dem gescheiterten Versuch, wenigstens noch mit Musashi über diese Trennung zu reden, hatte er sich dem Lauf der Dinge gebeugt. Letztlich war es so, wie Musashi es gesagt hatte: Es wird so kommen, wie es vorgesehen ist. So, und nicht anders. Schon gar nicht, wenn der Beschluss klar und deutlich „von oben“ kam und es daran nichts zu rütteln gab.

So war ihm nichts anderes übriggeblieben, als zusammen mit Musashi das sonst so schwätzige Katzen-Pokémon noch ein letztes Stück zu begleiten, ehe sie sich Lebewohl sagen mussten. Der Abschied war überwiegend kühl gewesen. Es hatte keinen Raum gegeben für überschwängliche Trauer, großes Bedauern oder ermutigende Worte. Es verlief kurz und knapp, was Kojiro zum einen ganz recht gewesen war, ihm zum anderen aber auch unsagbare Schmerzen verursacht hatte.

Seitdem hatten er und Musashi das Thema „Nyasu“ nicht einmal mehr angeschnitten. Sie gingen wie gehabt ihren Aufgaben für die Organisation nach, reisten dafür von Ort zu Ort. Hier ein paar Daten sichern, dort einige Kleinigkeiten entwenden. Jeder neue Auftrag trug für ein großes Ganzes bei, dem sich Team Rocket mit ihren aktuellen Zielen ganz und gar widmete. Worum es sich dabei genau handelte, war ihnen selbst noch nicht ganz klar.

Jeden Tag aufs Neue spielte Kojiro denselben Durchlauf ab.

Mit dem ersten Augenschlag, den er am Morgen tat, legte er alles auf Eis, was nichts mit ihrem aktuellen Auftrag zu tun hatte. Er sprach mit Musashi ausschließlich ihre Pläne für den Tag durch und hielt die erreichten Ergebnisse nach erfolgreichem Abschluss fest. Seine Arbeiten tat er voller Bedacht und äußerster Konzentration. Bloß nichts übersehen, keinen noch so kleinen Fehler zulassen. Und zum Abend, nach dem letzten Abschlussgespräch mit Musashi, zog er sich schließlich meist früh zurück und flüchtete sich in den Schlaf. Bis zum nächsten Morgen, wo alles von Neuem begann…

Doch mehr und mehr spürte Kojiro, wie dieses angestrengte Verstellen nicht nur an seinen Nerven zu nagen begann. Er erwischte sich immer öfter dabei, wie ihn die Konzentration zu verlassen drohte. Jeden Abend fühlte er sich zunehmend schlapper. Den Grund dafür wusste er, doch er verdrängte ihn.

Bis das Maß schließlich voll war.
 

An jenem Tag lautete ihr Auftrag schlicht: In das Gebäude der erwählten Meterologenstation - welches etwas abseits von Ferrula lag - eindringen, unbemerkt in das System des dort stationierten Zentralcomputers einklinken und die Daten eines bestimmten Satelliten sichern.

Nichts Besonderes, was kaum Aufwand für die eingespielten Partner bedeutet hätte.

Es verlief auch soweit alles reibungslos. Sich in besagtes Gebäude einzuschleusen, war eine Kleinigkeit. Auch die Sicherheitssysteme auszuschalten, war keiner Rede wert. Der Zentralcomputer war schnell ausfindig gemacht, Kojiro hackte sich in das System und lud gewünschte Daten auf den kleinen Stick, den Musashi bereithielt.

Um ein Haar hätte er den Download jedoch zu früh abgebrochen, was eine fatale Kettenreaktion zur Folge gehabt hätte. Dadurch hätten sich sämtliche Sicherheitssysteme zu früh reaktiviert, der Alarm wäre losgegangen und eine rettende Flucht wäre schier unmöglich gewesen. Nicht hier, wo sie quasi inmitten von Wald waren und es kaum Rückzugmöglichkeiten, wie zum Beispiel eine Menschenmenge oder eine verwinkelte Seitengasse, gab. Zum Glück hatte Musashi rechtzeitig bemerkt, dass die verbleibenden zwei Prozent noch im Speichervorgang zögerten, ehe Kojiro die Programme vollständig heruntergefahren hatte.

Eilig absolvierten sie ihren Einsatz und gelangten noch pünktlich zu dem vereinbarten Treffpunkt, wo sie in ein Fahrzeug der Organisation einstiegen und sich zurück nach Panaero City bringen ließen.

Kaum wieder zurück in dieser sicheren Umgebung, stellte Musashi ihren sichtlich neben sich stehenden Partner zur Rede, kaum dass ihre Eskorte sie wieder allein gelassen hatte. „Kojiro, was ist nur los mit dir?! Wegen dir wären wir beinahe aufgeflogen!“, begann sie sogleich ihre Standpauke und stemmte die Hände betonend in die Hüfte.

Mit einem genervten Seufzen ließ sich Kojiro auf die Mauer sinken, die entlang des verlassenen Bürgersteigs führte. Eher beiläufig überprüfte er auf dem Minicomputer nochmals die gezogenen Daten, ob auch alles korrekt vorhanden war, was sie brauchten, ehe er das Kleingerät wieder in der Innentasche seines Mantels verstaute.

„Ich habe die Downloadzeit etwas unterschätzt“, erwiderte er schließlich knapp. Ein genervter Ausstoß seitens Musashi kündigte bereits die nächste Fuhre ihrer Nörgeleien an.

„Ach, na wenn es weiter nichts ist.“ In ihrer Stimme schwang giftiger Sarkasmus mit, wie es Kojiro nicht entging. „Fehler sind menschlich. Ist ja nicht weiter wild, aus ihnen kann man nur lernen – während man im Bunker einsitzt und davon verschont wird, wie möglicherweise die gesamte Organisation ganz nebenher den Bach runtergeht!“

„Nun übertreib nicht gleich wieder…“

„Nein, Kojiro! Ich übertreibe kein Stück und das weißt du!“, widersprach sie lautstark. „Jeder noch so kleine Fehler kann weit größere Konsequenzen nach sich ziehen als man annehmen mag. Wir dürfen uns schlichtweg keine Fehler erlauben! Nicht mal den allerkleinsten Furzelfehler, ist das klar?!“

Doch statt einer weiteren Antwort erhob sich Kojiro kommentarlos. Ohne seine Partnerin auch nur eines Blickes zu würdigen, wandte er sich ab in Richtung Feierabend. Nur aus reiner Höflichkeit winkte er ihr beiläufig zu.

„Wir sind doch hier fertig, oder? Dann lass uns endlich gehen, ehe man noch Verdacht schöpft.“ Und zynisch-flüsternd fügte er hinzu: „Wir können uns schließlich keine Fehler erlauben, also dürfen wir ihnen auch gar nicht erst die Möglichkeit geben, überhaupt erst zu entstehen.“
 

Es war der erste Abend seit Langem, an dem sich Kojiro nach Feierabend nicht sofort zurückzog oder ins Bett flüchtete. Der heutige Tag hatte ihn zu sehr aufgewühlt aufgrund der Tatsache, dass ihm um ein Haar ein fataler Fehler unterlaufen wäre. Und das nur, weil er für einen kurzen Moment nicht richtig bei der Sache gewesen war. In diesem kurzen Moment hätte er alles zunichtemachen können, sowohl im Bezug zu sich und Musashi als auch zur gesamten Team Rocket-Organisation. So krass das auch selbst für ihn klingen mochte, aber er war sich dessen durchaus bewusst.

Nun saß er draußen auf der Veranda des gemieteten Zimmers, in welchem er und Musashi für diese Nacht seitens Team Rocket untergebracht worden waren. Ziellos ließ er seinen Blick über das abendliche Treiben der Straßen unter sich schweifen, während er gedankenverloren mit den Fingern zu einer stummen Melodie auf dem Tisch vor sich trommelte. Er bemerkte nicht, wie sich Musashi bald zu ihm gesellte - obgleich die Schiebetür zur Wohnung leise knarrte, als sie aufgeschoben wurde.

„Also…“, sprach sie den Verträumten ruhig an und schob ihm zeitgleich behutsam eine braune Tasse zu. Tatsächlich ließ sich Kojiro dadurch aus seinen verirrten Gedanken zurückholen und sog den Geruch von einer warmen Süße auf, welche aus der dampfenden Tasse zu ihm herüberzog. Musashi hatte eine heiße Schokolade für sie beide aufgesetzt, wissend, dass ihr Partner dieses süße Heißgetränk abgöttisch liebte. Besonders dann, wenn er sich unwohl fühlte oder gestresst war, wirkte eine heiße Schokolade bei ihm wahre Wunder.

Ein leichtes Lächeln legte sich auf Kojiros Gesicht. Es waren eben diese kleinen Gesten, mit denen Musashi ihm immer wieder zeigte, wie gut sie ihn doch schon inzwischen kannte. Und ihn dadurch immer wieder daran erinnerte, wie froh er doch im Grunde war, dass sie stets an seiner Seite war.

Er murmelte ein leises „Danke“, während er vorsichtig nach der heißen Tasse langte. Doch Musashi winkte es nur beiläufig ab und ließ sich auf dem freien Stuhl ihm gegenüber nieder. Für kurz sah auch sie über die Straßen unter sich, ehe sie wieder zu ihrem Partner blickte.

„Also, sag schon: Was war heute los mit dir?“, griff sie ihr Thema erneut auf und war darauf bedacht, ihre Stimme ruhig klingen zu lassen, um keinen erneuten Streit heraufzubeschwören. Das lag für heute nicht mehr in ihrem Sinne.

Kojiro schwieg daraufhin eine Zeit lang. Gerne hätte er es vermieden, dieses Thema heute nochmal aufzugreifen. Doch ihm hätte klar sein müssen, dass Musashi das Geschehene nicht einfach so auf sich beruhen lassen würde. Die Frage war nur: Wollte sie ihn abermals wegen seiner Unachtsamkeit schelten oder machte sie sich vielleicht doch ehrliche Sorgen um ihn?

Mit einem schweren Seufzen fuhr er sich schließlich durchs Haar, ehe er eine Antwort wagte.

„Ich kann das nicht länger“, erklärte er ruhig, ohne seine Partnerin dabei anzusehen. Das war auch gar nicht nötig, da er ihren nachdenklichen Blick auch so deutlich auf sich spüren konnte.

Für ein paar Minuten blieb es still zwischen ihnen, bis Musashi nachhakte. „Was meinst du?“

„Ich denke, das weißt du ganz genau“, erwiderte er noch immer vollkommen ruhig, sah dann aber endlich zu seiner Partnerin auf. Kurz prüfte Kojiro in ihren Augen, ob er eine bestimmte Regung erkennen konnte, die ihm mehr darüber verraten würde, was sie möglicherweise gerade dachte. Doch da war nichts. Seine Partnerin hatte noch immer diese unüberwindbaren Mauern um sich herum aufgestellt, die er schon seit ihrem letzten Gespräch vor dem Abschied ihres Pokémon-Partners bemerkt hatte. Und es hatte ihn schon damals innerlich frustriert, dass nicht einmal er zu ihr durchdringen konnte.

„Ich kann nicht länger so tun, als sei alles in Ordnung. Und ich bin unser Schweigen allmählich leid.“

Obgleich er noch immer ganz ruhig sprach, konnte Kojiro endlich bei seiner Partnerin eine lang vermisste Reaktion erkennen. Bei seinen letzten Worten zuckte sie leicht zusammen und er bemerkte, wie sich ihre Finger um die Tasse in ihren Händen zu verkrampfen schienen.

Vielleicht sollte er aufhören. Vielleicht sollte er diese Unterhaltung einfach beenden, noch ehe sie richtig begonnen hatte. Er wollte keinen Streit mit ihr. Er wollte ihr genauso wenig Vorwürfe machen, wie er selbst welche von ihr hätte hören wollen.

Aber was hätte es schon für einen Sinn gemacht, das Thema weiterhin nur totzuschweigen? Das taten sie doch ohnehin schon die ganze Zeit.

Nachdem sie von Nyasu Abschied genommen hatten, hatte keiner von ihnen nochmal mit diesem Thema angefangen. Es war eine dieser stummen Abmachungen gewesen, die keiner von ihnen auszusprechen brauchte. Keiner von ihnen würde mehr ein Wort darüber verlieren, um es nicht noch schwerer zu machen. So hatten sie still jeder für sich gelitten und doch hatten sie diese Bürde miteinander geteilt. Gemeinsam hatten sie sich immer wieder ermutigt, nicht aufzugeben und einfach weiterzumachen.

Doch mittlerweile war bei Kojiro der Punkt erreicht, wo er es nicht mehr konnte. Er wollte nicht länger schweigen und er wollte auch nicht länger so tun, als sei alles in Ordnung. Als kümmerte ihn das alles nicht.

Nun hatte er ihren Schweigekodex gebrochen und er wusste, dass er sich auf sehr dünnem Eis mit diesem Thema bewegte. Er wusste, dass dieses Gespräch keinesfalls angenehm werden würde – weder für ihn, noch für Musashi. Aber nun war es bereits angeschnitten und hatte zu bluten begonnen. Für einen Rückzug war es nun zu spät, also konnte er es genauso gut einfach laufen lassen.

Nyasu ist weg, Musashi. Wie lange nun schon? Ich weiß es schon gar nicht mehr, aber ich weiß dafür, dass es für mich von Tag zu Tag nur unerträglicher wird. Er war Teil unseres Teams, von Anfang an. Nyasu war immer da. Und jetzt ist er weg…“

Noch immer entgegnete Musashi nichts, was Kojiro nur noch mehr Freiraum gab, sich im Thema gänzlich gehen zu lassen. Er spürte seine aufgezwungene Fassung mehr und mehr bröckeln und eine schmerzende Verzweiflung weitete sich stattdessen in ihm aus. Dennoch bemühte er sich, sich seine innere Ruhe zu bewahren.

„Aber was das Ganze erst so schlimm macht, ist, dass wir nichts unternommen haben… Wir haben ihn einfach so gehen lassen. Und als ob das nicht schon genug wäre…“, seine Stimme brach in ein leises Flüstern ab, „… belügen wir uns auch noch Tag für Tag nur selbst, indem wir so tun, als sei das alles unwichtig.“

Ein verdächtiges Kratzen legte sich auf seine Stimmbänder, weswegen Kojiro einige kleine Schlucke von seiner heißen Schokolade nahm. Und Musashi tat es ihm sogleich nach.

Mit einem leisen Seufzen stellte sie ihre Tasse schließlich wieder vor sich ab und ihr Blick verlor sich in der süßen, braunen Flüssigkeit darin.

„Wir hatten keine andere Wahl…“, begann sie ruhig und beherrscht, wurde jedoch von Kojiro sofort wieder unterbrochen, indem er mit der Faust auf den Tisch aufschlug.

„Nun hör doch endlich auf damit, verdammt!“

Als Musashi zu ihrem aufgebrachten Partner aufsah, welcher die Stimme nun erhoben hatte, konnte sie in seinen sonst so sanften smaragdgrünen Augen einen schmerzenden Zorn erkennen. Es kam selten vor, dass Kojiro die Fassung verlor. Noch seltener war es, wenn er einen Aufstand probte. Musashi wusste das. Umso mehr wurde ihr bewusst, wie ernst es ihm nun war.

„Womit denn?!“, entgegnete sie ihm ebenfalls aufgebracht und erwiderte seinen direkten Blick. Kojiro schob daraufhin mit einem plötzlichen Ruck seinen Stuhl zurück, dass dieser gequält über den rauen Boden quietschte, und erhob sich. Beide Arme auf den Tisch stützend beugte er sich etwas vor und fixierte seine Partnerin eingehend.

„So zu tun, als sei dir das alles egal! Das kauf ich dir nicht ab, Musashi! Oder willst du mir wirklich weismachen, das alles würde dich nicht berühren?“

Lange sah er seine Partnerin eindringlich an, prüfte jede noch so kleine Regung in ihren klaren Augen. Er hoffte auf das gewisse Etwas, was er nur in ihnen hätte lesen können, ohne dass Musashi etwas hätte sagen brauchen. Doch stattdessen schien sich ihr Blick nur mehr und mehr zu verfinstern, ihm immer mehr die Sicht auf ihr Inneres zu verwehren, während sie die ganze Zeit über nur schwieg.

Je mehr er auf diese undurchdringlichen Mauern in ihr stieß, umso mehr keimte in ihm eine verzweifelte Wut auf. Bis er nach schier endlosen Minuten die Faxen dicke hatte.

Ohne ein weiteres Wort griff er nach seiner Tasse und wandte sich schließlich von seiner stummen Partnerin ab. Er trat ins Zimmer und ging hinüber zu dem kleinen Tisch, welcher mittig des Raumes umgeben von zwei Stühlen stand. Dort stellte er seine Schokolade ab, griff stattdessen nach seinem Mantel und war auch schon auf dem Weg zur Tür.
 

„Kojiro, warte!“, hörte er schließlich Musashi zu ihm rufen, was ihn mit der Hand am Türgriff in seinem Vorhaben stoppen ließ. Er konnte die wenigen, eiligen Schritte hören, als Musashi durch das Zimmer auf ihn zu kam. „Wo willst du denn jetzt hin? Was hast du vor?“, fragte sie ihn fordernd, doch in ihrer Stimme schwang eine leise Panik mit, die sie nicht zu verbergen vermochte.

Nach kurzem Zögern schließlich wandte sich Kojiro nur langsam nach ihr um. Sein Gesicht war vollkommen ernst, als er seine beunruhigte Partnerin ansah.

„Was wohl? Ich gehe jetzt Nyasu suchen und hole ihn zurück.“

„Das geht nicht!“

Noch ehe sich Kojiro versah war Musashi an ihm vorbeigesprintet, stieß ihn bestimmt zur Seite und presste sich nun mit dem Rücken eisern gegen die Tür. Sie versperrte ihm somit den einzigen Weg nach draußen und sah ihm unverwandt direkt in die Augen.

„Musashi, was soll das?!“

„Du kannst nicht einfach losspazieren und irgendwo in der Pampa nach Nyasu suchen! Du weißt ja nicht mal, wo du suchen solltest. Mittlerweile könnte er schon wer-weiß-wo sein! Und außerdem: Hast du nur mal eine Sekunde über dein Vorhaben nachgedacht?!“

Nun stutzte Kojiro. Was sie ihm da vorhielt, erschloss sich ihm in der Tat zu einem logischen Sinn. Aber es war nicht nur das. Da war noch etwas anderes – etwas in der Art, wie sie mit ihm sprach; in der Art, wie sie ihn widerspenstig ansah und in der Art, wie sie ihn entschieden am Fortgehen zu hindern versuchte -, was ihn verharren ließ.

Dann, nach einem kurzen Forschen nach jenem undefinierbaren Grund, bemerkte er es. Er konnte es quasi hören, geradezu als befände er sich inmitten dieser sinnbildlichen Musashi-Ruine, als er endlich die ersten Mauern in seiner sonst so beherrschten Partner in sich zerfallen erkannte.

„Mal angenommen, ich lasse dich gehen… und du findest Nyasu tatsächlich, wie auch immer du das anstellen willst… Wie soll es dann deiner Meinung nach weitergehen?“ Sie senkte ihren Blick zu Boden, weg von Kojiro, und ballte die Hände zu Fäusten. Ihre steife Haltung verlor sich mehr und mehr, während sie weitersprach. „Vergiss nicht, dass Nyasu rausgeworfen wurde. Wir werden den Boss und den Vorstand nicht davon überzeugen können, dass sie ihre Meinung ändern. Außerdem würden wir damit ganz nebenbei ihre Entscheidungen anzweifeln… und du weißt, was das bedeutet. Wir würden damit riskieren, dass man auch uns rauswirft.“

„Dann riskieren wir es eben“, erwiderte Kojiro sofort, war jedoch wieder die Ruhe selbst. Seine Partnerin endlich so zu sehen, wie sie sich wirklich fühlte, verwischte seinen eigenen Zorn immer mehr.

Ein nüchternes Lächeln, begleitet von einem matten Ausdruck in ihren sonst so leuchtenden Augen, lag auf Musashis Gesicht, als sie langsam wieder zu ihrem Partner aufsah.

„Ach ja, tun wir das? Einfach so? Nur Nyasu zuliebe?“, entgegnete sie mit schmerzender Ironie, was Kojiro verwirrte. Musashi fuhr in ihren verschleierten Erklärungen fort: „Wir geben alles auf? All unsere Ziele, unsere Träume? Die wir zusammen mit Nyasu hatten? Denkst du wirklich, das ist es, was wir Nyasu zuliebe tun sollten?“

„Ich…“

„Weißt du, Kojiro, ich glaube nicht, dass Nyasu all das bereits aufgegeben hat“, unterbrach sie ihn ruhig, doch es klang auf eine gewisse Art zerbrechlich. Kojiro spürte einen Ruck durch sich fahren, als er langsam zu verstehen begann. „Das wäre nicht seine Art. Er hat so viel für diese Träume riskiert und hat so viel auf sich genommen, um diese Ziele mit uns zu verwirklichen. Und weißt du, wir waren wirklich so kurz davor, dass sich all das erfüllt. Nach all der langen Zeit… Jetzt all das einfach so aufzugeben, das wäre nicht richtig.“

„Musashi…“

Das schwache Lächeln auf ihren Zügen gewann nun allmählich an Wärme. An Hoffnung. Und mit dieser stillen Hoffnung, die sie wohl schon die ganze Zeit über seit dem Abschied schweigend mit sich getragen haben musste, offenbarten sich auch lange unterdrückte Tränen in ihren wieder aufgeklarten Augen.

„Wir konnten nichts dagegen tun. Nyasu konnte nichts dagegen tun. Wir hätten zu viel riskiert, was uns nach wie vor verbindet, wenn wir widersprochen hätten. Deswegen… mussten wir uns fügen. Wir hatten keine andere Wahl, als einfach weiterzumachen. Aber wenn du jetzt gehst… Wenn du Nyasu jetzt zurückholst…“ Ihre Stimme brach kurz unter dem anschwellenden Kloß in ihrem Hals, den ihre Tränen nährten, während Musashi sie zurückzuhalten versuchte. Sie schluckte schwer und hoffte, das unangenehme Drücken in ihrer Kehle abzuschütteln. Doch stattdessen lösten sich nur erste Rinnsale von ihren Augenwinkeln, endlich von ihrer bemühten Kontrolle befreit. „Was dann, Kojiro? Willst du Nyasu dann die ganze Zeit wegsperren, während wir weiterhin jeden Tag brav unserer Arbeit nachgehen? Willst du ihn vor Team Rocket verstecken? Und was, wenn sie ihn dann doch irgendwann bei uns finden…?“

Endlich wurde ihm einiges klar. Es war, als würde sich ein dichter Nebel vor seinen Augen lichten. In der Tat musste er sich eingestehen, dass er vieles nicht einmal im Ansatz bedacht hatte.

Was würde er tun, wenn er Nyasu gefunden hätte? Er konnte ihn unmöglich auf ewig wegschließen. Das brächte er nicht übers Herz. Nyasu liebte doch gerade seine Freiheit über alles. Nein, diese Option kam gar nicht erst in Frage!

Aber er konnte Nyasu auch nicht einfach offen an ihrer Seite umherspazieren lassen. Früher oder später würde man es bemerken. Der Vorstand würde es vermutlich als Verrat werten, und dann wäre ihr Verweis aus Team Rocket mit Sicherheit nur das Mindeste, was sie zu erwarten hätten. Ganz gleich, was sie zu ihrer Verteidigung als Erklärung vorbringen würden. Sofern man sie überhaupt anhören würde.

Und dann? Dann hätte er die letzte Hoffnung auf all ihre Ziele und Träume blind zunichtegemacht. Ja, er hätte das Trio wieder vereint. Aber was wäre es dann in ihrem Trümmerhaufen? Konnte er ihnen das wirklich antun?

Vielleicht hatte Musashi recht. Kojiro konnte sich auch nur schwerlich vorstellen, dass Nyasu bereits aufgegeben haben sollte. Er glaubte daran, dass ihr Pokémon-Partner womöglich noch Hoffnung schöpfte. Wo auch immer er nun sein mochte, dieses starke Band, was sie all die Jahre selbst in den schwersten und ausweglosesten Zeiten immerzu verbunden hatte, konnte doch jetzt nicht zerrissen sein? Unvorstellbar, ganz gleich, was jüngst passiert war.

Kojiro seufzte schwer. Er hatte aufgegeben. Die Worte seiner Partnerin hatten ihn wieder zur Besinnung gebracht, auch wenn es den Schmerz des Verlustes ihres Freundes nicht sonderlich linderte. Es war schwer, es sich einzugestehen. Doch im Moment gab es nichts, was er tun konnte, um ihre Situation aufzubessern.
 

„Kojiro?“

Das zaghafte Flüstern seiner Partnerin rüttelte Kojiro schließlich gänzlich wach. Er lockerte seine angespannte Haltung, ließ die Schultern etwas fallen, ehe er mit einem zaghaften Lächeln auf den Lippen zu Musashi blickte.

„Du hast recht“, begann er dann ruhig und seine Stimme klang sanft. Auch wenn es ihn noch immer schmerzte, er hatte seine Entscheidung gefällt. „Ich werde nicht gehen. Früher oder später wird die Zeit kommen, zu der wir Nyasu zurückholen werden. Aber bis dahin… sollten wir nichts überstürzen.“

„Kojiro…“

„Wir sind doch Freunde, nicht wahr? Du, ich und Nyasu.“

Musashi fiel ein Stein vom Herzen. Nein, ein ganzer Felsen! Er zersprang mit diesen Worten ihres Partners und löste sich in vielen, kleinen Felsbrocken. Eine schwere Last, die sie all die Zeit getragen hatte und nun, als sie sich Kojiro in den Weg hatte stellen müssen, noch mehr Gewicht bekommen hatte, fiel von ihr ab. Die Erleichterung war so unsagbar groß, dass Musashi für einen kurzen Moment die Kontrolle über ihren Körper verlor. Ihre Beine wollten sie nicht mehr tragen und so sank sie an der Tür rutschend zu Boden.

Schnell war Kojiro bei ihr und kniete nun vor seiner Partnerin, sie sanft an den Schultern haltend. Er konnte ihr Gesicht in dem Moment nicht sehen, da sie ihren Kopf gesenkt hielt, aber er konnte ein leichtes Beben ihrer Schultern vernehmen.

„Musashi? Alles okay?“, fragte er daraufhin besorgt.

Ein leises Schluchzen war die einzige Antwort, die er für den Anfang erhielt. Musashi weinte? Und das war vermutlich seine Schuld.

Gerade wollte er seine Partnerin tröstend in die Arme schließen, als er plötzlich eine schmerzende Ohrfeige erntete.

„Tu das ja nie wieder, klar?!“, giftete ihn eine wütende Musashi an, was Kojiro nur umso mehr verblüffte. Hatte sie nicht gerade noch geweint? Und jetzt schimpfte sie schon wieder mit ihm? Aus diesen ständigen urplötzlichen Sinneswandeln würde er wohl niemals schlau werden.

Aber irgendwie… war es beruhigend. Ironischerweise konnte er nicht wütend darauf sein, dass sie ihn soeben geschlagen hatte. Denn das war immerhin Musashi, so wie er sie schon immer gekannt hatte. Die Musashi, die er schon zu vermissen begonnen hatte, wie ihm nun klar wurde. Obwohl er sich zu früheren Zeiten gewiss des Öfteren heimlich gewünscht hatte, dass sie weniger aufbrausend und streitsüchtig wäre. Doch die letzten Tage hatten ihm gezeigt, dass es ihm eigentlich viel lieber war, wenn seine Partnerin einfach sie selbst blieb.

Diese Erkenntnis ließ Kojiro erleichtert auflachen. Und es tat so verdammt gut, endlich wieder lachen zu können – auch wenn der Anlass dafür eher fragwürdig war. Dennoch, es war so befreiend.

Erleichtert zog er Musashi an sich und umarmte sie fest. Dass sie sein Verhalten irritieren musste, war ihm im Augenblick egal. Er war sich sicher, dass sie es zu einem späteren Zeitpunkt noch verstehen würde. Im Moment war nur wichtig, dass sie beide wieder wussten, dass sie füreinander da waren.

Und Nyasu würden sie auch wieder zurückholen, ganz sicher! Sobald die Zeit reif dafür wäre.

Immerhin waren sie ein Team, ein Trio. Und nicht nur das, sie waren Freunde. In guten, wie in schlechten Zeiten - für immer.

Musashi-Special - Die Wahrheit

Wie konnte das nur passieren?

Tief in ihren Gedanken versunken ging Musashi den langen Flur hinab. Es war erst wenige Minuten her, seit das Trio die neuste Info vom Hauptquartier erreicht hatte. Und noch immer hatte sie das Gefühl, sie befände sich in einem schlechten Traum. Das war doch einfach zu komisch, um wahr zu sein. Auf eine bittere Weise, versteht sich. Wenn sie doch nur endlich aufwachen könnte…

Wieso passierte das? Wieso jetzt? Wieso Nyasu? Und wieso gleich so absolut und endgültig?

Wie es schien, hatten der Boss und der Vorstand kein Interesse mehr daran, Nachsicht zu zeigen. Nicht einmal dann, wenn es sich dabei um eine solche Kleinigkeit handelte, wie in ihrem aktuellen Fall.

Nyasu war nun offiziell raus aus Team Rocket. Morgen schon sollte er verschwunden sein. Und das alles nur, weil er seit Langem einen Fehltritt hatte.

Damals hatten sie so viele Fehler gemacht. Sie hatten versagt, wieder und wieder. Jeden Tag aufs Neue folgte ein Schuss in den Ofen dem nächsten. Klar, das war schon damals sauer in der Chefetage aufgestoßen. Aber noch nie standen sie vor einer solchen Weggabelung, dass man ihr Team splitten würde.

Damals hieß es noch: Entweder alle, oder keiner. Sie würden entweder als Team aufsteigen, oder als Team fallen. Und nun spaltete man ihr Trio, welches sie nun schon so lange - seit Anbeginn an - gewesen waren.

Gut, Nyasus Fehltritt hätte ihre Mission um ein Haar ernsthaft gefährdet. Beinahe wären sie alle aufgeflogen. Doch noch ehe es dazu kommen konnte, hatten sie und Kojiro in einem sicheren Moment eingegriffen und ihren Pokémon-Partner aus der Gefangennahme befreit, noch ehe man gewusst hatte, wo man ein Pokémon hätte einsperren sollen. Im Nullkommanichts hatten sie mit Nyasu im Schlepptau die Flucht ergriffen und ihre Mission fürs Erste auf Eis gelegt.

Dass dieses Versagen Konsequenzen nach sich ziehen würde, dessen waren sie sich natürlich alle bewusst gewesen. Aber keiner von ihnen hätte diese Art von Konsequenz auch nur im Ansatz erwartet.
 

Der Beschluss war wie ein fester Tritt in den Magen. Es stieß Musashi regelrecht übel auf, kaum dass sie die Information einigermaßen fürs Erste verdaut hatte.

Sie hatte etwas sagen wollen. Alles in ihr sträubte sich dagegen, diese Entscheidung über ihre Köpfe hinweg einfach so hinzunehmen. Doch ihr klarer Verstand mahnte sie schon nur beim ersten Nähren des Gedankens, sich auflehnen zu wollen, es besser zu unterlassen. Noch ehe sie die Worte geformt hatte, welche sie ihrem Boss auf der Videoleinwand entgegenwerfen wollte, biss sie sich bereits aus einem inneren Impuls heraus fest auf die Unterlippe.

Und so schwieg sie.

Sie alle hatten geschwiegen. Keine Widerworte. Keine Fragen. Nichts. Nur diese stumme Hinnahme.

Musashi konnte im Nachhinein selbst nicht mehr sagen, wie lange sie dort noch an ihrer Position gekauert hatte. Nach wie vor in dieser demütig-knienden Haltung. Obgleich das Videogespräch längst beendet war, da es seitens Sakaki nach dieser Bekanntgabe nichts mehr für die Agenten zu sagen gab. Noch weit danach rasten ihre Gedanken, um das eben Geschehene einer realen Logik zuzuordnen.

Es spielte sich so vieles vor ihrem geistigen Auge ab - Fragen, Antworten, die letzte Mission, vergangene Zeiten -, dass sie einige Zeit brauchte, um erste Dinge für sich zu ordnen.

Das Erste, was sie schließlich fest vor sich sah, war Wut. Eine bittere Enttäuschung, die ihr die Kehle zuzuschnüren drohte. Nur kurz darauf folgte die drückende Resignation, dass es zu spät war.

Ein erster, vorsichtiger Blick in die Runde zeigte ihr, dass Nyasu gegangen war. Verständlich, wäre sie in seiner Situation gewesen, hätte sie sich vermutlich auch fürs Erste zurückgezogen.

Und Kojiro? Er glich einer historischen Statue, von der sie befürchtete, dass sie jeden Moment in sich zerfallen würde. Obgleich sie sein Gesicht hinter dem blauen Vorhang seiner vorfallenden Haare in diesem Moment nicht erkennen konnte, so spürte sie doch instinktiv, was in ihrem Partner vorging. Was es ihr selbst nicht leichter machte.

Was hätte sie tun sollen? Hätte sie wenigstens ihn in den Arm nehmen sollen? Hätte sie ihm vorsäuseln sollen, dass alles wieder gut werden würde? Dabei war sie sich selbst nicht einmal sicher, ob das auch nur zum Teil wirklich das war, was sie selbst dachte. Woran sie in einer stillen Hoffnung glaubte.

Es machte keinen Sinn, in dieses schneidige Schweigen auch noch höhlende Lügen zu wiegen. Deswegen rappelte sie sich auf, ohne sich weiter ihrem leidenden Partner anzunehmen.

„Ich brauch jetzt erst mal einen Drink. Oder zumindest einen Kaffee, darauf kann ich wohl eher zählen“, gab sie bitter von sich, wobei sie auch schon ihre kauernde Haltung verließ und sich abwandte. Mit einem schweren Stöhnen fiel die Tür schließlich hinter ihr ins Schloss, und vor ihr erstreckte sich der trostlose leere Korridor.
 

Mittlerweile hatte sie den Gemeinschaftsraum erreicht und trat ohne Umwege an den Getränkeautomaten, um sich einen frischen Kaffee zu gönnen. Der würde ihr helfen, den Kopf wieder klar zu bekommen. Ganz bestimmt.

Was sollte sie jetzt tun? Im Grunde war es nun eh schon zu spät, um noch irgendetwas an dieser verzwickten Situation zu ändern. Das wurde ihr nun zunehmend klarer, während der aromatische Geruch von ihrem heißen Koffeingetränk ihr in die Nase stieg. Sie hatte ihre Chance verpasst. Wenn sie jetzt nochmal das Hauptquartier kontaktieren würde, um mit dem Boss oder zumindest dem Vorstand nochmal wegen dieser Entscheidung zu sprechen, dann würde sie damit ein gewagtes Risiko eingehen. Ihr war klar, dass das Infragestellen von Entscheidungen aus der Chefetage einem Verrat gleichkommen würde – zumindest aus der Sicht des Vorstandes. Die Konsequenzen dafür mochte sie sich nicht einmal vorstellen.

Mit einem schweren Seufzen verließ sie den Gemeinschaftsraum wieder und folgte weiteren Fluren, um schließlich das Gebäude zu verlassen und draußen etwas frische Luft zu schnappen. Auf den Treppenstufen der kleinen Vorveranda ließ sie sich sinken. Entspannt beugte sie sich etwas über ihre locker angezogenen Knie und umschloss sie mit den Armen. Hin und wieder nippte sie an ihrer Kaffeetasse von dem allmählich abkühlenden Getränk, wobei sie ziellos in die Ferne sah. Der weite Horizont, welcher sich durch die fortschreitende Abenddämmerung bereits von dem warmen Rotorange in ein tiefes Blauviolett färbte, lud regelrecht zum Träumen ein.

Sie dachte an frühere Zeiten zurück. Damals, als das Trio zum ersten Mal während ihrer Ausbildung zu Agenten zusammentraf… Schon damals hatten sie gemeinsame Träume und Ziele verfolgt und wagten erste Versprechungen als Team. Es kamen viele schöne Zeiten, aber auch viele Momente, in denen sie es alles andere als einfach hatten. Doch sie hatten nie aufgegeben. Gemeinsam als Team wollten sie alle schweren Zeiten gemeinsam überstehen.

Und dabei waren sie inzwischen schon weit mehr, als nur ein Team. Nyasu und Kojiro waren für Musashi wahre Freunde geworden; die besten, die sie jemals gehabt hatte. Ihre beiden Partner waren ihr Ein und Alles geworden. Für sie hätte sie vermutlich alles getan, auch wenn sie das niemals zugeben würde.

Welche Ironie. Sie hatte sich geschworen, immer für ihre beiden Partner da zu sein. Und nun war sie, wie sie für sich selbst feststellte, keinem von beiden auch nur im Ansatz eine Hilfe. Sie hatte weder für Nyasu, noch für Kojiro tröstende Worte übrig. Aber was hätte sie ihnen auch schon groß sagen sollen?

Wie gerne würde sie ihnen sagen, dass alles wieder gut werden würde. Dass sie auch dieses Hindernis gemeinsam überwinden würden. Wie gerne wäre sie, wie sonst auch, für ihre beiden Partner die treibende Kraft, die sie irgendwo immer in ihrem Team gewesen war.

Aber das wäre gelogen, jedenfalls für diesen Moment. Es gab nichts, was sie tun konnte.

„Hach, Nyasu…“
 

Mit der Zeit frischte der Westwind auf und ließ Musashi aus ihren verlorenen Gedanken auffrösteln. Nach und nach fand sie sich aus ihren Grübeleien wieder in die Gegenwart zurück und ein Blick in ihre leere, längst abgekühlte Kaffeetasse ließ sie der späten Stunde gewiss werden. Kaum zu glauben, dass sie bereits seit Stunden hier zu sitzen schien.

Wie spät es wohl mittlerweile schon war? Dem nachtschwarzen Himmel zu urteilen, welchen bereits erste Sterne zierten, musste die Nacht bereits hereingebrochen sein. Doch von Müdigkeit konnte bei Musashi keine Rede sein.

Dennoch erhob sie sich nun langsam aus ihrer Sitzposition und musste kurz die Beine strecken, um das steife Gefühl in ihnen einigermaßen loszubekommen. Anschließend wandte sie sich auf dem Absatz um und betrat die warmen Räumlichkeiten des Team Rocket-Quartiers.

Auf dem Weg zurück zum Gemeinschaftsraum, wo sie einem weiteren Kaffee entgegensehnte, überlegte sie, ob sie nicht vielleicht doch kurz nach Kojiro schauen sollte. Im Nachhinein war ihr aufgefallen, dass er sie bisher noch gar nicht aufgesucht zu haben schien. Was ungewöhnlich war, denn normalerweise suchte er immer das Gespräch mit ihr, wenn ihm etwas gegen die Nieren ging. Und dass er sich ausnahmsweise keine Gedanken um diese ganze Situation machen sollte, das war quasi undenkbar. Dafür kannte sie ihren Partner mittlerweile zu gut.

Dennoch entschied sie sich dagegen. Wenn Kojiro sie bisher nicht aufgesucht hatte, dann würde das einen guten Grund haben. Vielleicht brauchte er ja diese Ruhe, um alles zu verarbeiten. Und wenn dem so wäre, dann wollte sie nicht einfach so in seine Zurückgezogenheit hineinplatzen und ihn stören.

So füllte sie ihre leere Tasse mit einer weiteren Kaffeeration, ehe sie sich schweigend in die Sitzecke des Gemeinschaftsraumes zurückzog. Sie machte es sich auf der roten Couch bequem und ließ ihren Blick unbestimmt aus dem Fenster schweifen, während sie ihren Kopf gegen ihre aufgestützte Hand lehnte.

Wie sollte es nun weitergehen? Nyasu war immerhin jederzeit bei ihnen gewesen. Er war immer da gewesen, ganz gleich, in was für ein Schlamassel sie sich wieder einmal geritten hatten. Egal, wie schwer die Zeiten des Öfteren waren, er hatte seine beiden Partner nie hängen lassen und war bei ihnen geblieben, obgleich er nicht selten die Gelegenheit gehabt hatte, einen anderen Weg einzuschlagen. Und selbst wenn sich das Team immer mal wieder zerstritten hatte, Nyasu war immer wieder zu ihnen zurückgekehrt.

Aber dieses Mal war es anders. Dieses Mal trennten sie sich nicht freiwillig. Dieses Mal könnte Nyasu genauso wenig einfach mal so wieder zurückkommen, wie sie ihn einfach mal so wieder zurückholen könnten. Das war leider eine Tatsache; eine sehr schmerzende Tatsache.

Aber ganz gleich, wie sehr sie sich jetzt auch den Kopf darüber zerbrach, für Musashi war mittlerweile klar: Es gab kein Zurück mehr. Für ihr Team gab es nur noch den Weg nach vorne. Und die Richtung, in welche sie gehen würden, war ihnen bereits vorgegeben. Daran gab es nichts mehr zu rütteln.

Sie hob sich gerade die Tasse an die Lippen, um einen beruhigenden Schluck ihres Kaffees zu nehmen, als sie etwas in der Fensterspiegelung bemerkte. Erst dachte sie, die unterdrückte Müdigkeit würde ihr einen Streich spielen. Doch als jenes Spiegelbild nach einem kurzen Augenblinzeln noch immer unverändert blieb, drehte sie sich schließlich um.

Tatsächlich, dort stand Nyasu!

Unweit des Getränkeautomaten verweilte das aufrechtgehende Katzen-Pokémon und blickte direkt zu ihr hinüber. Sein Blick wirkte betrübt, die Ohren waren ihm etwas zur Seite gekippt. Er wirkte dort so verloren in diesem großen Raum, und von seiner üblichen Lebhaftigkeit trat kaum noch etwas nach außen.

Stumm sahen sie einander an. Keiner von ihnen sprach ein Wort. Und Musashi wurde von Sekunde zu Sekunde das Herz schwerer, während sie ihren kleinen Freund so sah.

Sie spürte den Drang in sich, das Schweigen zu brechen. Sie wollte irgendetwas zu ihm sagen. Am liebsten wäre sie aufgestanden und zu ihm hinübergegangen, um diese imaginäre Kluft zwischen ihnen einfach zu überbrücken, die sich immer mehr auszuweiten schien. Aber sie fühlte sich wie gelähmt. Zumal sie befürchtete, Nyasu könnte aus irgendeinem Grund vor ihr Reißaus nehmen – so machte er jedenfalls den Anschein, obgleich auch er sich nicht rührte.

Was machst du hier?Kannst du nicht schlafen? Geht es dir gut?Magst du reden?

Es ging einfach nicht. Obgleich sie ihm gerne etwas dergleichen sagen wollte, brachte sie es nicht fertig, auch nur irgendein Wort zu formen. Und so hielt sie weiterhin einfach nur seinem bedrückten Blick stand. Einzig ein vorsichtiges Lächeln, welches sich auf ihre Lippen schlich, hinterließ dem Pokémon eine stumme Botschaft.

Nur wenige Augenblicke später war die ganze Magie auch schon wieder vorbei. Beinahe fluchtartig stürmte Nyasu nur kurz darauf wieder aus dem Raum und verschwand in den Schatten der Flure.

Musashi sah ihrem Pokémon-Freund noch nach, bis er in der Dunkelheit nicht mehr auszumachen war.
 

‚Es tut mir leid‘, dachte sie still bei sich und wandte sich schließlich mit einem leisen Seufzen wieder zum Fenster. Einige Zeit lang betrachtete sie dort ihr eigenes Spiegelbild und forschte in den dunklen blauen Augen in der Glasscheibe, die den ihren glichen.

Es hatte sie wirklich geschmerzt, ihren Pokémon-Freund so zu sehen. Aber eben dieser Schmerz hatte einiges in ihr neu bewegt. Und nun, während sie sich selbst in der Glasspiegelung betrachtete, schienen sich einige Dinge nochmal neu für sie zu offenbaren.

In der Tat gab es nach wie vor im Moment nichts, was sie noch für Nyasu tun konnte. Diese Gelegenheit hatte sie an sich vorbeiziehen lassen, als sie noch quasi unter Schock gestanden hatte.

Er würde ihr Team nach wie vor mit dem Morgengrauen verlassen müssen, so wie es befohlen worden war.

Jedoch, und das war für sie der entscheidende Punkt, müsste das noch längst nicht alles Künftige bestimmen!

Nyasu gehörte zu ihrem Team – ganz gleich, was obere Stimmen sprachen! Und zudem war er ihr Freund. Fürs Erste musste sie sich beugen, ohne Frage. Aber sie würde Nyasu so schnell nicht aufgeben!

Wenn es wirklich so etwas wie ein Schicksal gab, dann würde das kein Abschied auf ewig werden. Daran wollte sie glauben – nein! – daran würde sie glauben!
 

Als sie nach einer weiteren unbestimmten Zeit aus ihrer Gedankenwelt zurückfand, bemerkte sie mit dem nächsten Augenschlag eine weitere Veränderung in der Fensterspiegelung.

Kojiro!

Was machte er hier? Sie war fest davon ausgegangen, dass er schon schlief. Und seit wann saß er ihr hier schon gegenüber? Normalerweise hätte sie es doch bemerkt, wenn sich ihr jemand näherte. Selbst, als er sich längst zu ihr gesellt haben musste, hatte sie ihn noch immer nicht für wahr genommen. Bis jetzt.

Nachdenklich betrachtete sie ihren Partner eine Weile still durch sein Spiegelbild im Fenster. Seine gebeugte Haltung, und auch sein abwesender Gesichtsausdruck, verrieten ihr bereits, wie ihm zumute sein musste. Und es überraschte sie kein Stück. Natürlich machte er sich Sorgen, sie hatte nichts anderes von ihm erwartet.

Vorsichtig wandte sie schließlich ihren Blick von seinem Spiegelbild ab und richtete ihre Aufmerksamkeit direkt an ihren Partner. Noch immer beobachtete sie ihn nur stumm, während sie etwas genauer nach seinem Befinden forschte. Ihn direkt anzusprechen wagte sie jedoch nicht.

Auch dann, als er ihren Blick endlich zu bemerken schien, riss sie das Gespräch nicht an. Jetzt, wo sie ihm in die Augen sehen konnte, bestätigte sich nur ihr Verdacht, dass ihn der Beschluss zu Nyasu tief getroffen haben musste. Das erklärte auch, wieso er allem Anschein nach keinen Schlaf fand. Somit erübrigte sich ihr diese Frage.

„Wann?“, begann Kojiro schließlich doch, nach einiger Zeit des gegenseitigen Stummanstarrens, das Gespräch und sie wandte damit ihren Blick von ihm ab.

„Nicht mehr lang.“

„Und du findest das okay so?“

Diese paar Wortwechsel langten Musashi bereits, um genau herauszuhören, dass Kojiro dieses Nyasu-Thema noch immer sehr belastete. Wie nicht anders zu erwarten, wie sie dieser Feststellung schnell beifügte. Sie konnte sich gut vorstellen, dass er schon die ganze Zeit über still vor sich hin gegrübelt haben musste. Aber viel Positives hatte er wohl noch nicht aus ihrer Situation ziehen können. Und das konnte sie ihm nicht einmal verübeln.

Dennoch überkam sie nun das Gefühl, dass es vielleicht vorerst das Beste wäre, ihren Partner nicht an ihren wahren Gedanken teilhaben zu lassen. Dafür neigte Kojiro einfach zu sehr dazu, Dinge zu überstürzen und Unüberlegtes zu tun. Jedenfalls dann, wenn ihn ein Gefühl dazu veranlasste.

Ein Grund mehr, ihm besser keine falschen Hoffnungen zu machen. Auf jeden Fall nicht, solange sie selbst noch keine genaue Vorstellung davon hatte, wie sich alles wieder zum Positiven für sie wenden könnte.

Auch wenn es ihr schwerfiel: Fürs Erste empfand sie es als besser, dem Thema weniger Gewicht zu geben, als es wirklich für sie trug. Damit, so hoffte sie, würde es für Kojiro leichter werden – und auch für sie und Nyasu.

„Das liegt nicht in unserer Hand.“
 

Wie nicht anders zu erwarten, entbrannte eine mehr oder minder größere Diskussion zu dem Thema, wobei sich Musashi bemühte, sich ihre Ruhe zu bewahren. Ganz gleich, wie sehr sie versucht war, Kojiro lieber etwas Mut zu machen. Doch als sich das Ganze zu vertiefen drohte, brach sie die Unterhaltung schließlich entschieden ab.

„Es wird so kommen, wie es vorgesehen ist. Und es wird geschehen, was vorbestimmt ist.“

Damit sprach sie im Grunde aus, was sie wirklich dachte. Woran sie tief in ihrem Inneren glaubte. Ohne dabei zu viel Zuspruch zu tun.

Dass Kojiro sich daraufhin sichtlich niedergeschlagen zurückzog, hinterließ bei Musashi ein leichtes Stechen. Und auch wenn sie ihn lieber aufgehalten und zumindest noch ein paar aufmunternde Worte an ihn gerichtet hätte, war es besser so. Für Kojiro war es wichtiger, dass er mit der knallharten Realität schnell klarkommen würde und sich besser gleich damit abfand, dass es nun einmal so war, wie es nun war. Ohne falsche Hoffnungen und ohne dass erst irgendwelche hinderlichen Emotionen hochkochen konnten, die sie beide nur gefährden würden.

Dennoch schwor sie sich, dass sie auf ihn aufpassen würde. Ihn würde sie nicht auch noch verlieren, dafür würde sie sorgen. Ganz gleich, was das letztlich für sie bedeutete.

Und Nyasu… dieses Thema war noch lange nicht abgehakt, nicht für sie!

Immerhin war das ihr Team. Das letzte Wort war also noch lange nicht gesprochen!

Nyasu-Special - Lauter Schmerz, stille Hoffnung

„Alles klar, Leute, schlagen wir hier für die Nacht unser Lager auf.“

Auf einer kleinen Lichtung inmitten des Waldes hielt Satoshi die Reisegruppe von Trainern samt ihren Pokémon zum Rasten an. An seine Seite traten sogleich Dent und Iris, welche sich die Umgebung prüfend betrachteten.

„Ist es denn noch so weit bis zur nächsten Stadt?“, jammerte das dunkelhäutige Mädchen, während ihr Blick skeptisch zwischen die Bäume huschte. Nicht, dass sie es generell ablehnte, in der Natur zu nächtigen, aber mittlerweile wusste sie doch hin und wieder die Vorzüge einer Unterkunft in einem Pokémon-Center zu schätzen.

„Die erreichen wir heute nicht mehr. Satoshi hat recht, lasst uns hier Rast machen“, bestätigte ein weit gelassenerer Dent, während er bereits damit begann, seine Utensilien auszupacken. Ein enttäuschtes Seufzen stieß sich aus Iris, und ihr Kibago stimmte mitfühlend mit ein.

„Ich werde uns gleich noch etwas Leckeres zum Abendessen zubereiten. Bereitet ihr doch schon einmal in der Zeit ein Lagerfeuer vor“, fügte Dent daraufhin beschwichtigend hinzu und blickte mit einem offenen Lächeln in die Runde.

„Gute Idee. Na dann mal auf, Pikachu!“ Ein fröhliches „Pika“ schloss sich dem schier unermüdlichen Enthusiasmus des jungen Trainers an, während sich Satoshi und Pikachu gegenseitig angrinsten. Schon halb im Rennen wandte er sich noch einmal motivierend an Iris: „Kommst du mit?“

„Natürlich komme ich mit. Ohne mich findet ihr doch niemals wieder zurück.“

„Darf ich auch mitkommen, nya?“

Nochmals musste Satoshi innehalten, ehe er bereits losstürmen konnte. Fragend blickte er über seine Schulter zurück zu dem aufrechtgehenden Katzen-Pokémon, welches gerade mit einem bittenden Lächeln auf die kleine Feuerholzsuchtruppe zutapste. Dann aber lächelte der schwarzhaarige Junge mit dem rot-weißen Cappy breit und nickte Nyasu zu.

„Na klar! Je mehr wir sind, umso schneller geht es!“
 

Bald schon hatten die beiden aufstrebenden Jung-Trainer, ihre Pokémon-Partner und Nyasu genug Feuerholz gesammelt und mit der Hilfe von Satoshis Pokabu loderte nur kurz darauf ein gemütliches Feuer mittig der Runde. Wenig später hatte auch Dent einige Kleinigkeiten zu einem leckeren Abendessen zubereitet und tischte für die Reisenden, inklusive Nyasu als neues Gruppenmitglied, auf. Schnell war noch für die Verpflegung der restlichen Pokémon gesorgt, welche wie gehabt fürs gemeinsame Essen aus ihren Pokébällen gelassen wurden.

Nach dem Essen blieben die jungen Trainer noch eine Weile zusammen am Tisch sitzen und besprachen die Planungen für den nächsten Tag. Ob sie wohl bald in Rayono City ankommen würden, damit Satoshi um seinen vierten Orden kämpfen konnte? Es schien aber wohl noch ein gutes Stück zu sein, bis sie dort ankämen.

Etwas später wollte Dent wieder alles zusammenräumen, da sie sich allmählich zur Ruhe begeben müssten. Also wurden die üblichen Aufgaben vom Abwasch bis zum Lagerfeuerauffüllen unter den Freunden verteilt, ehe sie ihre Pokémon wieder in ihre Pokébälle riefen und ihre Schlafsäcke um die wärmespendende Feuerstelle ausrollten. Es wurde noch ein wenig Smalltalk gehalten, wobei sich Nyasu bereits mehr und mehr aus den Unterhaltungen zurückzog, während er nachdenklich in die tanzenden Flammen vor sich starrte. Irgendwann hörte er den Kids auch gar nicht mehr wirklich zu, ihre Worte rauschten nur noch wie eine Windbrise an seinen Ohren vorbei. In der einkehrenden Ruhe, die sich auf die Reisenden in Form von Müdigkeit immer mehr auszubreiten begann, hing er seinen eigenen Gedanken nach.

Was wohl seine alten Freunde Musashi und Kojiro in diesem Augenblick taten? Befanden sie sich noch in einer Mission, oder begaben sie sich auch bereits zur Ruhe?

Nyasu wurde in seinen Gedanken unterbrochen, als Satoshi ihn ansprach. Zum wiederholten Male anscheinend, denn als das Katzen-Pokémon zu dem jungen Trainer mit den schwarzen Zottelhaaren aufblickte, bemerkt er einen besorgten Ausdruck in dessen kindlichen Zügen.

„Ist alles okay, Nyasu?“, fragte ihn der Junge und in seiner ruhigen Stimme lag aufrichtige Besorgnis. Schnell setzte Nyasu sein typisches unbesorgtes Lächeln auf und nickte bestimmt.

„Klar. Mir geht’s gut, no nya!“

Beruhigt lächelte nun auch Satoshi wieder und er hob leicht die Decke seines Schlafsacks, sodass Pikachu darunterkrabbeln konnte. Mit einem herzhaften Gähnen kuschelte sich das gelbe Maus-Pokémon an seinen Trainer und machte es sich zum Schlafen gemütlich.

„Magst du vielleicht eine Decke haben? Es wird nachts ganz schön frisch. Nicht, dass du frierst.“

Nyasus Lächeln wich einem verwirrten Erstaunen. Eine Decke? Damit er nicht fror?

Eigentlich machte es ihm nur wenig aus, wenn die Nächte etwas kühler wurden. Ein klarer Vorteil dafür, dass er nun einmal nach wie vor ein Pokémon war und kein Mensch. Etwas kühlere Temperaturen machten ihm bis zu einem bestimmten Grad nicht viel aus. Zumal er es aus seiner langen Zeit bei Team Rocket gewohnt war, unter miesen Bedingungen zu schlafen. Wie oft hatten er, Musashi und Kojiro nicht mehr gehabt, als eine löchrige Decke, um sich unter freiem Himmel auf kaltem Erdboden einigermaßen in der Nacht warm zu halten? Ihre Schlafsäcke gingen regelmäßig verloren, wenn ihr Ballon mal wieder durch die Luft gewirbelt oder gar in zig Fetzen zerlegt wurde. Nicht zuletzt dank den Knirpsen, wenn Pikachu ihnen mal wieder einen Schuss in den Ofen beschert hatte.

Und trotzdem wollte ihm ausgerechnet dieser Junge, dem sie nun schon so lange nachgejagt waren um ihm Pikachu abzunehmen, eine wärmende Decke für die kühle Nacht geben? Aus reiner, aufrichtiger Sorge? Trotz allem?

„Nya, ich…“

„Hier“, unterbrach ihn auch schon eine weitere ruhige Stimme und ein freundlich lächelnder Dent stand hinter ihm gebeugt. Nur einen Augenblick später lag ein warmes, weiches Etwas über Nyasus Schultern und noch etwas irritiert starrte er auf den roten Stoff, der ihn wärmend bedeckte. Fragend blickte er zu dem Grünhaarigen auf, welcher noch immer herzlich lächelte. „Nimm sie einfach. Das ist schon okay.“

„D-Danke…“

Mit einem leichten Nicken erhob sich Dent wieder und ging nun auch hinüber zu seinem Schlafplatz und kuschelte sich in seinen Schlafsack.

Als nun alle Trainer ihre Schlafposition gefunden hatten, wünschte man sich gegenseitig eine gute Nacht und nach einigem letzten Rascheln wurde es ruhig in der abenteuerlustigen Runde. Bald schon war nur noch das leise Knacken des Holzes zu hören, welches das kleine Lagerfeuer noch einige Stunden am Leben erhalten würde.
 

Wieder verlor sich Nyasu in der eingekehrten Ruhe, während er nachdenklich in das fröhlich-lodernde Feuer vor sich blickte. Er hatte die ihm geliehene Decke etwas enger um sich geschlungen, obgleich es ihn eigentlich nicht fror. Aber es hatte durchaus etwas Beruhigendes, diesen weichen Stoff wie eine Umarmung um sich zu haben.

‚Sie sind so freundlich zu mir, nya‘, dachte er still bei sich, wobei er sich in den orangeroten Flammen vor sich verlor. ‚Dabei war ich doch ihr Feind, no nya. Und trotzdem haben sie mir geholfen und kümmern sich um mich, no nya.‘

Kurz seufzte er in die Stille, ehe er seinen Blick dem Rascheln zu seiner Seite zuwandte. Dort hatte sich Pikachu soeben eine bequemere Position gesucht und schmuste nun verträumt sein Gesicht an das Kinn seines schlafenden Trainers. Das gelbe Maus-Pokémon schien rundum zufrieden und Nyasu lächelte sanft, als er sich dieses Bild betrachtete.

Im selben Moment zog sich ein stechender Schmerz durch seine Brust. Denn je länger er sich dieses friedliche Bild der beiden Schlafenden betrachtete, umso vertrauter wurde ihm jene Szene, die sich ihm dort gerade bot. Ihm wurde schmerzlich bewusst, dass er sich selbst in diesem Bild wiedererkannte. Eine längst vergangene Erinnerung schlich sich vor sein geistiges Auge und schnürte ihm fast die Kehle zu.

Es war wirklich schon sehr lange her, aber in diesem Moment schien es Nyasu wie um eine seiner jüngsten Erinnerungen. Denn vor langer Zeit fand sich Nyasu selbst in solch einer Friedseligkeit bei seinen Freunden und ehemaligen Partnern wieder.

Damals, als sie den Knirpsen nach Hollywood gefolgt waren, überkamen ihn die Erinnerungen an seine schwere Vergangenheit und seine erste große Liebe Madonnya-chan. Dass er mit eben diesen vergangenen Zeiten damals wieder konfrontiert wurde, hatte er sich wohl selbst zuzuschreiben. Und natürlich zog er aus diesem unvermeidlichen Wiedersehen mit seiner alten Streunerbande und seiner Angebeteten nur noch mehr Schmerz und tiefe Wehmut. Er hätte nicht gewusst, wie alles gekommen wäre, wenn nicht Musashi und Kojiro ihm heimlich gefolgt wären und ihm treu beigestanden hätten. Das mochte er sich auch heute nicht ausmalen.

An jenem Abend war ihm das Herz so unsagbar schwer gewesen, dass er keinen Schlaf fand. Er klammerte sich an seinen zurückgebliebenen Schmerz der Zurückweisung Madonnyas und ihn überkamen Zweifel, ob seine Entscheidungen damals richtig gewesen waren.

Doch dann – Nyasu wusste nicht mehr, wie es dazu gekommen war – hockte auf einmal Kojiro neben ihm. Dabei hätte Nyasu schwören können, dass seine beiden Freunde bereits geschlafen hatten. Doch dem schien nicht so, jedenfalls nicht bei Kojiro.

Er schien Nyasus Kummer bemerkt zu haben und fragte nach dem Grund. Doch Nyasu wäre nicht Nyasu, wenn er dem Katzenjammer nachgegeben hätte. Natürlich klagte er dem Freund nicht sein Leid und beteuerte stattdessen, dass es an dem Vollmond läge, dass er nicht schlafen könne. Ob Kojiro ihm das wirklich so abgekauft hatte, wusste das Pokémon heute nicht mehr zu sagen, doch statt weiterer drängelnder Fragerei hatte ihm der blauhaarige Menschenfreund schließlich angeboten, dass sich Nyasu zu ihm und Musashi legen könne.

Als Nyasu daraufhin zu der Stelle blickte, wo Musashi in ihrem roten Schlafsack an dem mickrigen Lagerfeuer geschlafen hatte, bemerkte er, dass auch die junge Frau mit wachem Blick zu ihren beiden Partnern herübersah. Und tatsächlich: Beide Freunde lächelten zu ihrem Pokémon-Partner. Mit einer solchen Sänfte, dass sie Bände zu ihm sprachen, ohne auch nur ein Wort zu sagen.

Nyasu war daraufhin richtig warm ums Herz geworden, als er seine beiden Freunde so besorgt um ihn bemerkte. Und so hatte er sich schließlich zwischen die beiden gekuschelt und fand in ihrer vertrauten Nähe und Wärme endlich Schlaf und vergaß sämtlichen Kummer.
 

Das ertrug Nyasu nicht… Dieses vertraute Bild von dem gelben Maus-Pokémon und seinem jungen Trainer, wie sie dort so friedlich beieinander lagen und schliefen und ihn dadurch an sich selbst erinnerten. Dann auch noch diese bewegenden Erinnerungen, die in ihm hochgekrochen waren, während er die beiden Schlafenden betrachtet hatte. Das war einfach zu viel.

Also wühlte sich das Katzen-Pokémon wieder aus seiner Decke und entfernte sich von der warmen Feuerstelle. Nur wenige Schritte weiter stand ein kräftiger Baum, der weit in die Höhe ragte. Weit weg von dieser Idylle.

Ohne groß zu überlegen fuhr Nyasu die Krallen aus und kletterte an der robusten Rinde hinauf, bis er sich auf einen breiten, weit hinausragenden Ast gehievt hatte. Dort setzte er sich, ließ die Hinterpfoten hinabbaumeln und richtete den Blick, von einem schweren Seufzen begleitet, sehnsüchtig hinauf zum weiten Sternenhimmel der Nacht. Entgegen dem silbrigen Schein des Vollmondes, der ihm schon so oft in schweren Zeiten Trost gespendet hatte. Wann immer er sich einsam oder verloren gefühlt hatte, voller Fragen und nach Antworten suchend.

Kojiro… Musashi… Seine Freunde.

Ob sie wohl bereits schliefen? Irgendwo dort draußen, sicher und geborgen?

Ob sie ihn wohl vermissten?

Noch immer schmerzten ihn die Erinnerungen an den Abschied von ihnen. Er war so unerwartet kühl ausgefallen. Keine großen Worte des Lebewohls, keine bewegenden Emotionen.

Nyasu gestand sich ein, dass er sich das anders vorgestellt hatte…

Er hätte erwartet, dass sie um ihn geweint hätten. Oder dass sie ihn nicht hätten gehen lassen wollen. Dass sie vielleicht einen Plan geschmiedet hätten, dass er dennoch bei ihnen hätte bleiben können. Selbst wenn dieser Plan von vornherein zum Scheitern verurteilt gewesen wäre.

Es hätte ihnen zumindest schwerfallen können. Es hätte ihnen im Herzen ebenso wehtun sollen, wie es ihm wehgetan hatte, als ihm der Boss die fristlose Kündigung so eiskalt unterbreitet hatte.

Aber dem schien nicht so…

Nichts von dem, was er sich ausgemalt hatte, war auch nur im Ansatz da gewesen. Da war nichts bei seinen beiden Freunden gewesen. Nur diese reservierte Kühle, als würde es sie kein Stück berühren.

Es hatte so unsagbar wehgetan, ihnen so hilflos gegenüber zu stehen. Nicht zu wissen, woher diese Ablehnung kam. Und das nach allem, was sie schon zusammen durchgestanden hatten.

War das nun alles weg? Vorbei? Vergessen?

Sahen Musashi und Kojiro in ihm auch nicht mehr, als einen Versager? Ein nutzloses, sprechendes Pokémon, das es vermasselt hatte? Das nun nichts mehr wert war, weil man es abgewiesen hatte?

Es war schwer zu glauben. Diese Gedanken brachen Nyasu schier sein sonst so tapferes Herz.

Dabei war er sich so sicher gewesen, dass seine beiden Partner ebenso tief getroffen von dieser plötzlichen Entscheidung waren, wie er selbst. Alles hatte für ihn darauf hingedeutet. Und selbst jetzt erschien ihm die gefühllose Abschiedsszene absurd, wenn er sich an die letzten Stunden vor jenem Moment zurückerinnerte.


 

Als die drei zum nächstgelegenen Unterschlupf Team Rockets gerufen worden waren, ahnte Nyasu bereits, was sie erwarten würde: Eine saftige Standpauke, nach der ihnen die Ohren flattern würden. Und alle Schuld läge einzig bei ihm, was er mit Sicherheit noch einmal deutlich zu spüren bekäme.

Der Boss und der Vorstand waren konsequenter geworden. Daher war es auch nicht abwegig, dass das Trio eine Bestrafung erwarten würde. Ein weiterer Einzug ihres Lohnes eventuell, oder aber man würde sie aus ihrem Außendienst streichen und in eine niedere Position versetzen.

Ja, mit so etwas hatte Nyasu gerechnet.

Doch ganz gleich, was sie Schlimmes erwarten würde, fest stand: Es würde das gesamte Team betreffen. Musashi und Kojiro würden ebenso bestraft werden, da die beiden für ihren Pokémon-Partner in gewisser Weise verantwortlich waren. Obwohl Nyasu ganz alleine ihr heutiges Versagen zu verschulden hatte. Und er hatte sich die ganze Zeit über schlecht deswegen gefühlt, weil er eben diese Verantwortung nicht alleine übernehmen konnte. Er war eben doch nur ein Pokémon.

Nachdem sie dann ihre Standpauke samt Strafe erhalten hätten, so hatte Nyasu weiterphantasiert, würde sich das Trio wieder streiten. Musashi und Kojiro würden ihm zu Recht Vorwürfe machen. Und er selbst würde nach einer Rechtfertigung suchen, sich im Nachhinein aber für alles bei seinen beiden Freunden entschuldigen. Und sie würden ihm verzeihen, sobald sich die erste Aufregung wieder etwas gelegt hätte.

So hatte er sich das vorgestellt. Daher hatte er sich die meiste Zeit über mehr Gedanken darüber gemacht, wie er Musashi und Kojiro um Verzeihung bitten könnte. Es tat ihm leid, dass er ihr Team wieder einmal in Schwierigkeiten gebracht hatte. Aber zugleich war er sich sicher gewesen, dass sie ihm verzeihen würden. Und dass sie auch diesen Absturz gemeinsam durchstehen würden.

Doch dann kam alles anders, als er es je vermutet hätte.

Natürlich folgte die erwartete Standpauke. Und natürlich folgte auch die befürchtete Bestrafung. Aber dieses Mal waren die Konsequenzen vollkommen anders, als jemals zuvor. Tatsächlich wurde Nyasu dieses Mal ganz allein für alles zur Rechenschaft gezogen.

Er hatte versagt, also wurde er bestraft: Nyasu wurde aus seinem Dienst bei Team Rocket entlassen. Endgültig.

Das hatte keiner erwartet gehabt. Nyasu selbst traf dieser Beschluss wie ein brutaler Schlag mitten ins Gesicht.

In diesem Moment platzten all seine Träume, wie kleine Seifenblasen. Aus der Traum, jemals als etwas Besonderes angesehen zu werden. Dass er sogar wertvoller sein würde, als dieses eingebildete Persian, und seinen Platz an der Seite des Bosses als dessen Liebling finden würde. Kein Erfolg, keinen Ruhm.

Alles, was er riskiert und aufgegeben hatte, war umsonst gewesen. Mit diesen bestimmenden Worten des Bosses war alles für ihn vorbei.

Nein, das wollte er nicht wahrhaben!

Kaum, dass das Gespräch beendet gewesen war, hatte sich Nyasu bereits aus dem düsteren Raum geflüchtet. Weg von allem. Er wollte nur noch alleine sein.

Obgleich er nicht darauf achtete, wohin er rannte – die Tränen hätten ihm ohnehin sämtliche Sicht verwehrt –, fand er sich ganz automatisch über einige Gänge schließlich durch eines der offenen Fenster nach draußen. Ohne weiter darüber nachzudenken, kletterte er mithilfe des Fenstersimses weiter über die Wandlaterne und zog sich anhand der stabilen Dachrinne schließlich auf das breite Hausdach. Dort ließ er sich in einer zusammengekauerten Haltung nieder und vergrub das Gesicht an seinen angewinkelten Knien. Hier oben, wo ihn niemand finden würde und er ganz für sich allein war, ließ er seinen Tränen freien Lauf. Sie liefen ihm heiß die Wangen hinunter und hinterließen feuchte Bahnen in dem hellen beigen Fell.
 

Wieso nur? Wieso bestrafte man ihn gleich so hart?

Nun war alles für die Katz. All seine Träume, seine Wünsche, gingen vor die Hunde. Und er konnte nichts dagegen tun. Hatte er es sich letztlich nicht sogar selbst zuzuschreiben?

Aber wieso hatte es gleich so kommen müssen?

Nyasu spürte eine schmerzliche Enttäuschung in sich, kombiniert mit einer verbitterten Verzweiflung. Er wusste nicht, wie es nun für ihn weitergehen sollte.

Lange gab sich Nyasu diesem Schmerz in seinem Inneren hin, bis ein knarrendes Geräusch in die angenehme Stille drang, die bisher nur durch sein weinerliches Schluchzen begleitet worden war. Der brennenden Neugierde nachgebend, kroch das Katzen-Pokémon an den Rand des Daches und blickte nach unten. Und dann erkannte er die Gestalt, die sich dort auf der Veranda ebenfalls sich selbst überlassen hatte: Musashi.

Seine Frage, was sie wohl hier draußen zu suchen hatte, erübrigte sich schnell von selbst, als er ihren verloren Blick in die Ferne bemerkte. Er konnte sogar aus dieser Entfernung und dem Höhenunterschied einen trüben Ansatz von Kummer in ihren saphirblauen Augen erkennen. Und die Tatsache, wie sie sich in ihrer kauernden Haltung an ihrer Kaffeetasse zu klammern schien, sprach für das gewitzte Pokémon Bände.

War sie traurig? Machte sie sich vielleicht sogar Sorgen?

Nyasu wurde richtig schwer ums Herz, je länger er sich die vertraute Partnerin und Freundin dort unten in dem rötlichen Schein des Sonnenuntergangs betrachtete. Gerne hätte er sein Versteck aufgegeben und wäre zu ihr heruntergesprungen, um sich einfach nur zu ihr zu setzen. Einfach nur, um ihre Nähe zu suchen und bei ihr nicht mehr so alleine und verloren zu sein.

Aber in all den vergangenen Zeiten waren sie eigentlich nie so vertraut miteinander umgegangen, dass sie so intim Kummer geteilt hätten. Dafür war Musashi einfach nie der Typ gewesen. Sie war immer die Starke und sie war auch immer die treibende Kraft, die das Team jedes Mal aufs Neue darin bestärkte, nicht aufzugeben. Dahingegen war sie eher weniger die Emotionale, die ihre Gefühle in Worte zu fassen wusste oder über eine innige Umarmung tröstend zu einem sprach.

Das war dann doch immer eher Kojiros Part gewesen. Er war der beherzte Anker, ganz gleich, wie schlecht es ihm selbst ging. Für jeden Kummer hatte er ein offenes Ohr und bemühte sich um Trost und Aufmunterung, obgleich er selbst gerne zur Schwarzmalerei neigte. Selbst seine Pokémon wussten diese herzliche und aufrichtige Eigenschaft an ihrem Trainer sehr wohl zu schätzen.

Auch Nyasu wusste um diese jeweils so eigenen Züge seiner beiden Partner. Mit der Zeit hatte er diese beiden Menschen wirklich fest in sein kleines Herz geschlossen. Und irgendwann, ohne dass er es selbst bemerkt hatte, war ein Leben ohne die beiden für ihn gar nicht mehr vorstellbar gewesen. Selbst wenn er hin und wieder drauf und dran gewesen war, dem Team den Rücken zu kehren, so war er sich heute sicher, dass er es nicht lange ohne seine Freunde ausgehalten hätte. Er wäre gewiss immer wieder zu ihnen zurückgekehrt, egal, was für einen heftigen Streit sie wieder einmal gehabt hätten.

Aber dieses Mal war alles anders. Er wollte nicht gehen, aber er durfte nicht länger bei ihnen bleiben. Und das machte das Ganze erst so schlimm für ihn.
 

„Hach, Nyasu…“

Hätte Nyasu einen weiteren, deutlicheren Hinweis benötigt, was Musashi dort unten so bedrückend beschäftigte, dann hätte ihm spätestens dieses schwere Seufzen alles verraten, was er wissen musste. Und diese wenigen Worte bescherten ihm einen schier unerträglichen Stich mitten durchs Herz.

Es tat weh, diesen schweren Kummer mit Musashi zu teilen und zugleich so weit weg von ihr zu sein. Als bestünde eine imaginäre Grenze zwischen ihnen, die sie nicht überschreiten durften. Weil sie beide starke Charaktere waren. Doch Nyasu war sich in diesem Moment sicher, dass er sich nie zuvor so unsagbar schwach gefühlt hatte. So unendlich einsam und alleingelassen.

Er ertrug diesen Anblick nicht länger. Auch nicht diese Nähe, welche ihn trotz dieser endloswirkenden Distanz mehr und mehr zu erdrücken schien. Er musste weg von hier.

Doch wohin sollte er?

Nachdem sich Nyasu wieder über jenes offene Fenster auf der Rückseite des Hauses ins Innere des Quartiers begeben hatte, über welches er auch nach draußen gelangt war, überlegte er diese Frage missmutig. Er wollte nicht weg von seinen Freunden. Im Moment wollte er auch eigentlich gar nicht alleine sein.

Was er jetzt wollte, war Nähe. Er brauchte Zuspruch und ein wenig von müdem Trost, der ihm die sehnsüchtige Bestätigung geben würde, dass auch seine Freunde diesen Abschied nicht wollten. Dass es sie ebenso sehr schmerzte, wie ihn selbst, dass er sie verlassen musste.

Kojiro. Natürlich Kojiro! Zu ihm wollte er jetzt, wissend, dass er dort all das bekommen würde. Kojiro hatte ihn nie allein oder im Stich gelassen. Schon gar nicht, wenn es dem Pokémon-Partner schlecht ging. Und dabei brauchte Nyasu nur selten etwas zu sagen. Mit Kojiro war es meist so einfach, und das war das Schöne daran.

Also war sein Ziel klar: Er würde den blauhaarigen Menschenfreund aufsuchen. Sicherlich war er in seinem Zimmer, da er nicht bei Musashi auf der Veranda gewesen war. Und auch die Flure waren still. Es gab also kaum noch Möglichkeiten, wo er sich sonst noch hätte aufhalten können.

Nur wenig später stand Nyasu auch schon vor jener Tür, von der er wusste, dass sie zu dem Zimmer gehörte, welches Kojiro zugeteilt worden war. Gerade hob er auch schon die Pfote, um anzuklopfen, stoppte aber noch vor dem ersten Kontakt zu dem weiß bestrichenen Holz.

Wenn es schon Musashi so schlecht ging, wie würde es dann erst Kojiro gehen?

Natürlich hatte Nyasu keinerlei Bedenken, dass der Freund ein offenes Ohr für ihn haben würde. Er zweifelte auch nicht daran, dass Kojiro versuchen würde, ihn zu trösten oder ihm Mut zu machen. So war er eben. Aber wie würde es Kojiro dabei gehen?

Nyasu wusste selbst nicht, woher diese plötzlichen Zweifel kamen. Aber während er an Musashi zurückdachte, wie besorgt sie ausgesehen hatte dort draußen auf der Treppe der Veranda, begann er, sich Kojiros Zustand auszumalen. Jener war weit sensibler und machte sich generell schneller Sorgen, als Musashi oder Nyasu. Bestimmt ging es ihm jetzt richtig elend. Und wenn sich nun noch Nyasu mit seinen Sorgen vor ihn stellen würde, das würde es doch sicherlich für den jungen Mann nur noch schlimmer machen.

Auf einmal war sich Nyasu nicht mehr sicher, was er tun sollte. Er wollte so gerne zu Kojiro. Aber er wurde das ungute Gefühl nicht los, dass er den emotionalen Freund besser in Ruhe lassen sollte. Ein komisches Gefühl, das eigene Bedürfnis aus Rücksicht auf jemand anderen zurückzustecken. Doch er brachte es einfach nicht fertig, einfach anzuklopfen und die Einsamkeit mit dem Öffnen der Tür auszusperren.

Schließlich hatte sich Nyasu rücklings an der Tür zu Boden sinken lassen und kauerte nun niedergeschlagen vor dem Zimmer des Freundes, den er nun mehr denn je gebraucht hätte. Dabei fühlte er sich noch einsamer als zuvor und er hatte das Gefühl, ihn würden bereits jetzt ganze Welten von seinen beiden Freunden trennen. Dabei war er doch noch gar nicht weg.
 

Ein zischendes Geräusch holte das Katzen-Pokémon einige Zeit später wieder aus seinem Schlummer. Müde und mit einem zertretenen Gefühl am und im ganzen Körper rieb sich Nyasu die Augen.

Wann war er eingeschlafen? Hier, noch immer vor Kojiros Zimmertür kauernd. Und was hatte ihn gerade geweckt?

Die Antwort brachte ihm ein bitter-kräftiger Geruch, der ihm aus dem Gemeinschaftsraum entgegenkam. Diesen Geruch kannte er zu gut: Kaffee. Also musste sich jemand im Gemeinschaftsraum aufhalten.

Etwas wackelig richtete sich Nyasu auf seine Hinterpfoten und tapste vorsichtig den Flur hinab. Ob dort Musashi war? Kojiro konnte es wohl kaum sein. Wäre dieser inzwischen aus seinem Zimmer gekommen, dann hätte er das schlafende Pokémon gewiss geweckt. Oder zumindest ins Bett gelegt, damit er von dem kalten Boden wegkam. Er hätte ihn da niemals sitzen gelassen, garantiert nicht.

Doch der erste Verdacht bestätigte sich, sobald Nyasu den großen, hell erleuchteten Raum ein paar Schritte betreten hatte. Dort am Fenster fand er Musashi auf einem der roten Sitzmöbel vor, in der Hand eine schwarze Tasse, aus welcher der aromatische Kaffeegeruch in die Lüfte stieg. Sie hatte ihren Blick nach draußen durch die Fensterscheibe gerichtet und Nyasu hoffte, dass sie ihn nicht bemerken würde. Jetzt, wo er wieder einen seiner beiden Freunde in der Nähe wusste, kam wieder dieses Unbehagen in ihm auf, dass er lieber allein sein wollte. Er wollte nicht, dass sie seinen Kummer bemerkten.

Und trotzdem war Nyasu wie gelähmt. Obgleich er unbedingt vermeiden wollte, dass Musashi irgendwann auf ihn aufmerksam wurde, konnte er sich nicht von der Stelle bewegen. Als würde etwas, das stärker als er selbst war, entgegen seinem Willen mit ganzer Kraft nach Musashi rufen. Ein stummer Schrei, dass sie sich umdrehen und Nyasu wahrnehmen sollte.

Tatsächlich zog sich ihre Aufmerksamkeit wenig später auf das wie angewurzelte Pokémon, als sie sein Spiegelbild im Fenster bemerkte. Als sie sich daraufhin nach ihm umgedreht hatte, blickten sich die beiden direkt in die Augen.

Erstaunen, Unsicherheit und Fragen tauschten sich in diesem Blickkontakt aus, der Nyasu weiche Knie bescherte. Er hätte weinen können, beschämt und erleichtert zugleich, dass er der rothaarigen Frau nun gegenüberstand. Eine schmerzende Sehnsucht wollte das Pokémon dazu bewegen, zu ihr zu rennen und sich ihr in die Arme zu werfen, um dort all seinen Kummer in Tränen einfach davonzuschwemmen. Doch kein einziger Muskel rührte sich, und so stand er einfach nur einsam und verloren an seinem Fleck.

Musashis zögerliches Lächeln war es schließlich, das nach einer schier endlosen Zeit endlich wieder eine Regung in Nyasu auslöste. Nachdem er den schmerzlichen Versuch über jene einfache Geste seiner Partnerin registriert hatte, ihm ohne Worte Mut zu machen, überkamen ihm die Emotionen. Ganz deutlich konnte er den anschwellenden Kloß in seinem Hals spüren und wie ihm die Tränen heiß in die Augen stiegen. Und noch ehe diese gewaltige Welle über ihm zusammenbrechen konnte, packte er auch schon all seine letzten Instinkte zusammen und rannte aus dem Raum. Hinaus auf die weiten dunklen Flure. Der Nacht entgegen, welche die letzte mit seinen beiden Freunden sein sollte, die er so fest in sein kleines Herz geschlossen hatte und denen er sich nun so fern wie noch niemals zuvor fühlte.
 

Zurück in der Gegenwart tat Nyasu einen schweren Seufzer und hob die Pfote an jene Stelle, wo sein kleines Herz schwerfällig schlug. Mittlerweile wusste er nicht mehr, wie lange er nach seiner Flucht bei dem Zusammentreffen mit Musashi noch gerannt war. Oder wohin, nachdem die Flure geendet und ihm kühler Wind um die Nase geweht hatte. Er wusste auch nicht mehr zu sagen, was in den verbliebenen wenigen Stunden noch gewesen war, bevor Musashi und Kojiro gemeinsam in ihren Team Rocket-Uniformen aus dem Haus getreten waren und nach ihm gerufen hatten. Als er in jenem Moment ihre vertrauten Stimmen vernommen hatte, war ihm das Herz so schwer wie noch nie zuvor geworden, wissend, dass jene Rufe den endgültigen Abschied einleiteten.

Sofern man es einen Abschied nennen konnte. Denn als er zu seinen beiden Partnern gekommen war, waren ihre Gesichter ausdruckslos gewesen. Es schien auf einmal so viel kühler und Nyasu hatte sich weit mehr als nur unbehaglich in seinem Fell gefühlt.

Schweigend war das alte Trio noch ein kleines Stück gegangen, wobei keiner auch nur ein Wort gesprochen hatte. Bis sie irgendwann an eine Weggabelung gekommen waren. Hier stoppten Musashi und Kojiro, hielten Nyasu dadurch ebenfalls zum Anhalten an.

Und dann kam der sogenannte Abschied: Ein paar neutrale Worte des Lebewohls, ohne dass sie jenes Wort überhaupt benutzen. Keine Trauer, kein Bedauern, keine Wehmut. Nicht einmal Wünsche des Glücks oder der Gesundheit gaben sie ihrem Pokémon-Partner mit auf den Weg.

Und dann waren sie gegangen. Ohne einen weiteren Blick zurück zu ihrem kleinen Freund, folgten sie dem Weg geradeaus, vermutlich in Richtung ihres neuen Auftrages. Nyasu ließen sie zurück, irritiert und wie vor den Kopf gestoßen. Er hatte nicht einmal die Gelegenheit gehabt, sich selbst richtig von ihnen zu verabschieden. Alles, was ihm geblieben war, war, seinen alten Freunden nachzusehen und allein zurückzubleiben.

Bald schon waren die beiden Agenten außer Sichtweite und Nyasu wurde klar, dass es vorbei war. Seine Freunde waren weg und hatten ihn zurückgelassen. Mit ihnen ging sein Zuhause, sowie all seine Träume und Ziele. Nun hatte er nichts und niemanden mehr. Keine Aufgabe, keine Freunde; nichts, wohin er gehen konnte. Also blieb ihm nur der Weg ins Ungewisse, auf der Suche nach Irgendwas, ohne irgendwas zu haben.
 

‚Tja, und dann bin ich am Ende also hier gelandet, no nya‘, beendete er selbst seinen Rückblick und ließ den Blick hinab zu der schlafenden Gruppe aus jungen Trainern und ihren Pokémon schweifen. Noch immer bot sich ihm dort unten ein Bild der Idylle, wie sie allesamt friedlich schliefen, während er in seinen schmerzlichen Erinnerungen schwelgte.

‚Wo wäre ich jetzt, wenn sie mich nicht aufgegabelt hätten, nya?‘, überlegte er weiter, wobei er sich den grünen Schlafsack intensiver betrachtete, in welchem Satoshi mit seinem gelben Pokémon-Freund in tiefen Schlummer lag. ‚Dass ich ausgerechnet bei ihnen unterkommen würde, nya… Es ist schon komisch, nya, nach all der langen Zeit, die wir es diesem Knirps und seinem Pikachu echt nicht leicht gemacht haben, nya. Aber letzten Endes habe ich wohl einfach nochmal Glück gehabt, no nya.‘

Ein erstes vorsichtiges Lächeln schlich sich bei diesem letzten Gedanken, nach der ganzen Zeit des Erinnerns, wieder auf sein Gesicht. Es machte jedoch schnell wieder einem misstrauischen Ausdruck Platz, als sich seine Aufmerksamkeit weiter auf den violetten Schlafsack richtete, aus dem nur ein Wulst aus zotteligen dunklen Haaren ragte.

‚Ich sollte mich allerdings vor der Knirpsin in Acht nehmen, nya. Die tickt doch nicht ganz sauber, mir diesen Pokéball an den Kopf zu werfen und mich einfangen zu wollen, no nya! Einfach so, aus heiterem Himmel, ohne Vorwarnung! Nach allem, was ich für ihr kleines Pokémon-Vieh getan habe, no nya.‘

Wieder kamen ihm das Entsetzen und die Wut hoch, die er auch in jenem Moment empfunden hatte, als er sich mit Mühe wieder aus dem Ball befreit hatte. Erst hatte er nicht recht begriffen, was da gerade geschehen war, aber der Drang nach seiner Freiheit war schlichtweg stärker gewesen. Welche Dreistigkeit diese kleine Göre hinter ihrem zuckersüßen Lächeln besaß! Noch nie zuvor hatte man versucht, ihn zu fangen! Jedenfalls nicht so.

Nicht einmal Musashi und Kojiro wären je auf so einen dämlichen Gedanken gekommen. Wozu auch? Er selbst war es inzwischen schon so sehr gewohnt gewesen, frei an ihrer Seite zu laufen, dass er irgendwann sogar selbst ganz vergessen hatte, dass er nach wie vor ein wildes Pokémon war. Aber Musashi und Kojiro hatten nie - wirklich nie! - auch nur daran gedacht, ihn an sich zu binden, indem sie ihn einfingen. Obwohl das ja normalerweise so üblich war unter Trainern und ihren Pokémon-Partnern.

„Ich gehöre niemandem, no nya…“, beendete er schließlich auch diese Gedanken für sich und er bemerkte selbst seinen verbitterten Ton, der von Enttäuschung herrührte.

Zu diesem Moment wusste er nicht, was schwerer auf ihm lastete: Verstoßen worden zu sein, vor lauter Dreistigkeit beinahe seine Freiheit eingebüßt zu haben, oder die Gewissheit, dass es keinen Platz mehr für ihn gab, wo er wirklich hingehörte.

Er gehörte nicht zu den Knirpsen, aber was hatte er schon groß für eine andere Wahl? Gerade dieser Schock, dass Iris ihn beinahe eingefangen hätte, hatte ihm klargemacht, dass er ohne diese Kinder viel gefährlicher leben würde. Jetzt waren unter ihnen wenigstens die Fronten geklärt, sodass niemand nochmals versuchen würde, ihn zu fangen. Doch wenn er jetzt noch alleine da draußen umherirren würde, wer weiß, wie lange er sich dann noch seine Freiheit bewahren könnte.

Und dennoch fühlte er sich in ihrer Gruppe fehl. Wie das fünfte Rad am Wagen. Zumal ihn Pikachu nicht leiden konnte, wie er mit Gewissheit wusste.

„Es fühlt sich irgendwie an, wie ein aufgedrückter Zwangsurlaub, no nya. Natürlich hätte es auch viel schlimmer für mich kommen können... Nya,aber…“

Wieder hob er seinen Blick entgegen den vollen Mond. Und für einen Moment glaubte er, in jenem silbernen Schein seine beiden Freunde Musashi und Kojiro sehen zu können. Sie lächelten ihm aufbauend zu, so wie sie es in der Vergangenheit schon so oft getan hatten, wenn er an sich gezweifelt hatte. Und auch wenn er wusste, dass seine beiden Freunde sehr weit weg waren und dieses Bild nur ein Erzeugnis seiner sehnsuchtsvollen Einbildung war, fiel all die erdrückende Last wie welkes Laub von seinem Herzen und ihm wurde warm.

Die folgenden Worte, die aus den Tiefen seines tapferen Herzens kamen, sprach er mit einem ehrlichen Lächeln: „Aber ganz egal, wo ich noch landen werde: Ich werde meine beiden Freunde immer im Herzen tragen. Und eines Tages werde ich sie wiedersehen, no nya.“



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Kommentare zu dieser Fanfic (8)

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Von:  L-San
2013-06-30T16:47:28+00:00 30.06.2013 18:47
Abend. ;D


Endlich komme ich dazu, mal deine FF zu lesen und dir 'ne Review zu hinterlassen.
Nicht gleich erschrecken, denn meine Kommentare werden im Folgenden sehr oft so geschrieben und haben nicht damit zu tun, dass ich nur was zu meckern hätte.
Nachdem das geklärt ist, fange ich mal an.


Kurzbeschreibung:
Die Kurzbeschreibung hast du schön übersichtlich formatiert und es klingt interessant, auch für einen Laien wie mich, der den Manga nicht kennt.
Ich finde es schön zu wissen, dass man weiß, woran man bei dieser FF ist.


Inhalt:
Der Inhalt war abwechslungsreich gestaltet, was ich sehr gerne sehr, und sogar übersichtlich.
Man kann viel zwischen den Zeilen lesen, was ich persönlich sehr gerne mag.
So konnte ich mir auch alles gut vorstellen, die Gefühle, die Atmosphäre, usw.
Das Ganze wurde dann dadurch verstärkt, dass das Team getrennt wird.
Mir hat das Ende besonders gut gefallen, weil es einen so bleibenden Eindruck hinterlässt und einen zum Weiterlesen antreibt, auch wenn plotmäßig nicht wirklich viel passiert ist, aber dafür auf der gedanklichen Ebene.


Charakter:
Da kann ich kaum was sagen, weil ich den Manga nicht kenne.
Aber gehe ich richtig mit der Annahme, dass das James, Jessie und Mauzi sind?
Hat mich ein bisschen nur verwirrt, nicht negativ gemeint.
Okay, wie oben bereits angemerkt, konnte man sich wunderbar in die Charaktere hineinversetzen.
Ist für mich ungewohnt überraschend, zu lesen, dass die Charaktere so was wie Tiefgang besitzen.


Rechtschreibung/Grammatik:
Da muss ich großes Lob aussprechen.
Ich hab so gut wie gar keine Fehler gefunden, und wenn, dann sind sie mir nicht aufgefallen.
Lediglich sind dir ein paar kleine formale Fehler unterlaufen.
Ich weiß nicht, ob ich es dir schon mal gesagt habe - vor lauter Reviews verliere ich gerne den Überblick, und ich will ungerne einen Autor auf die Nerven gehen, aber du hast zum Beispiel einen Fehler bei den Punkten, um genau zu sein diese "...".
Die werden wie als ein Wort betrachtet und deshalb sollte man Abstand zu den Wörtern halten, außer du hättest ein Wort, das abbgebrochen wird.
Beispiel:
"Du Arschl..."

Ansonsten hab ich nur noch Fehler bei den Beistrichen gesehen.
Mal sind sie bei dir lang, mal sind sie kurz.
Beispiel:
Dieses kleine, nervige, schwarze Teil - weit kleiner und kompakter als die üblichen PokéCom, welche es überall auf dem freien Markt zu kaufen gab - überbrachte mit seinem dezenten Vibrieren die Ankündigung, dass man das Trio zu sehen wünschte.
Ich persönlich habe nichts dagegen, aber da kommt mal wieder meine pingelige Seite hervor.
Korrekt wäre, wenn diese Striche "-" länger wären, denn sonst haben sie eine andere Bedeutung.
Das war's auch schon.
All das ist nicht schlimm, weil es den Lesefluss überhaupt nicht stört.
Sind eh nur kleine Anmerkungen.


Schreibstil:
Da muss ich sagen, dass es schön flüssig und angenehm zu lesen war.
Auf eine gewisse Art ist dein Schreibstil perfekt.
Keine allzu viele geschwollenen Ausdrücke, sondern einfach klipp und klar.
Und ich finde, man muss keine außer ordentlichen genialen Sätze schreiben, um einen guten Schreibstil zu haben.
Ich persönliche denke, dass ein Schreibstil so wie der Autor sein muss, dass heißt, wenn er zu ihm passt, dann ist es perfekt.
Gefühle kannst du wunderbar umsetzen, und das ist wichtiger als jede noch so geniale Satzkonstruktion, die einen vielleicht nicht berührt, denke ich.
Vielleicht hätte ich mir mehr Lebendigkeit gewünscht.
Dass man noch mehr mit den Charakteren mitfiebert und mitfühlt, wenn du verstehst, was ich meine.
Das ist etwas, woran du arbeiten könntest.
Ansonsten ist alles wunderbar geschrieben.


Fazit:
Zusammenfassend kann man sagen, dass die FF mich neugierig gemacht hat, und das, obwohl ich mich noch nie für Team Rocket interessiert habe.
Außerdem ist die Geschichte gut geschrieben.
Man merkt, dass du dir Mühe gibst und viel Arbeit darin steckst.
So was bewundere ich immer.
Bei Gelegenheit werde ich mal weiterlesen.
;D


Persönliches:
Diesen Punkt schreibe ich wirklich sehr sehr selten.
Ich muss sagen, dass ich doch froh bin, auf deine Metwu-OS gestoßen zu sein und sie gelesen zu haben, denn das hat mein Bild von Pokemon, das ich davor irgendwie immer als kindisch betrachtet habe, geändert.
Auch da gibt es so viel Möglichkeit und man kann durchaus herausragende Werke, Tiefgang, usw. lesen.
Um ehrlich zu sein, reizt es mich, mal Fanarts oder einfach Geschichten über Pokemon zu zeichnen oder zu schreiben.
Ich glaube, ein größeres Kompliment kann man einem Autor nicht machen.
;DDD
Hoffentlich schmilzt du mir nicht davon vor lauter Lob. ;D
Danke für das Leseerlebnis, und ich finde, dieses Fandom könnte ruhig mehr Aufmerksamkeit bekommen.
;D


L-San
Antwort von:  Shizana
07.07.2013 02:41
Hallo L-San,

besser spät als nie, aber es brennt mir wirklich schon lange unter den Fingernägeln, dir noch auf deinen Kommentar zu antworten. Du hast dir wirklich sehr viel Mühe mit deinem Feedback gegeben und hast viel Aufmerksamkeit und Zeit darin investiert, für mich, das möchte ich nicht ungewürdigt lassen. Ich habe mich wirklich, wirklich sehr darüber gefreut und tue das immer wieder, wenn ich deinen Kommentar lesen. Du hast mir unerwartet eine ganz große Freude gemacht, und da scheint mir ein schlichtes Danke eigentlich schon als ungenügend.

Ich hätte so viel zu sagen, und zugleich ist so vieles davon eigentlich unnötig. Du hast alles übersichtlich unterteilt und mich an vielen technische Bewertungen als auch persönliche Empfindungen/Meinungen teilhaben lassen. Jeder Autor, da bin ich mir sicher, wäre überglücklich, ein solches Feedback zu erhalten.
Was mir wichtig ist, zu erwähnen, ist, dass du mich mit der Aussage irritiert hast, "den Manga" nicht zu kennen usw., denn diese FF basiert auf dem Anime. Bei Pokémon muss man strikt zwischen den drei Bereichen (Anime, Manga, Spiele) unterscheiden, da die Charaktere u.a. immer wieder anders sind. Aber ich denke, wir meinen dennoch dasselbe.
Ja, es geht um das bekannte Team Rocket-Trio (TRio unter den Fans genannt), aber auch das hast du mittlerweile selbst herausgefunden. :) Zu ihnen fand ich folgende Aussage sehr rührend, wenn auch böse-amüsant zugleich:
"Ist für mich ungewohnt überraschend, zu lesen, dass die Charaktere so was wie Tiefgang besitzen."
Ja, das arme TRio... es ist schon traurig, irgendwo. Ihre Charaktertiefe und auch -stärke sind nicht ersponnen, jedoch muss man sich wohl für sie interessieren und bewusst auf sie achten, um das wahrzunehmen. Pokémon eben.

Übrigens war auch folgende Aussage sehr, sehr schön für mich:
"Ich muss sagen, dass ich doch froh bin, auf deine Metwu-OS gestoßen zu sein und sie gelesen zu haben, denn das hat mein Bild von Pokemon, das ich davor irgendwie immer als kindisch betrachtet habe, geändert."
Was kann man sich als FF-Autor mehr für sein geliebtes Fandom wünschen? Ja, die Vorurteile zu Pokémon sind bekannt, dazu hatte ich mal einen ausführlichen Weblog geschrieben... Umso mehr freue ich mich, dass ich dieses neue Denken in dir auslösen konnte. Danke, vielen lieben Dank dafür. :)

Und wenn ich schon bei meinen Lieblingszitaten aus deinem Kommentar bin:
"Ich persönliche denke, dass ein Schreibstil so wie der Autor sein muss, dass heißt, wenn er zu ihm passt, dann ist es perfekt."
Ich hebe kapitulierend die Hände. Was kann ich dazu sagen? Nur: ♥
Wobei ich zugleich hoffe, dass mein Schreibstil noch nicht perfekt ist. Ich entwickle mich stets weiter und mit mir meine Geschichten. Zudem ist "Wakare ne" eines meiner älteren Werke, das behält man sich als Autor immer im Hinterkopf. Für mich ist es mein meistgeliebtes Werk, aber im realistischen Verhältnis betrachtet... Naja, aber das sollen besser die Leser beurteilen, denke ich. :)

Den Punkt mit den Auslasszeichen "..." hattest du schon einmal erwähnt, ja, und ich hatte mich dazu auch schon einmal geäußert. Ich finde es aber nicht schlimm, dass du es noch einmal angesprochen hast, denn letztlich zeigt auch das, dass du Interesse an Geschichte und Autor zeigst, dich nicht blenden lässt und versuchst, zu helfen. Ich finde das top und dafür beide Daumen hoch von mir.
Der Punkt mit den verschiedenlangen Beistrichen ist etwas schwierig, denn im Word achte ich schon darauf, dass es diese automatisch anpasst. Es kann sein, dass es hier meinen Nachkorrekturen zuzuschreiben ist, die ich direkt über Mexx vorgenommen habe. In dem Fall werden die Beistriche nicht angepasst. Kann ich gern noch einmal anpassen, danke für den Hinweis. :)

Ja, mehr habe ich eigentlich auch nicht mehr auf dem Herzen.
Habe, wie gesagt, vielen herzlichen Dank für deine Zeit, Mühe und Aufmerksamkeit und ich freue mich sehr über dein ausführliches Feedback. Ich nehme sehr viel Positives daraus für mich mit. :)
Ich finde es übrigens sehr lobenswert, dass du andere Autoren so sehr unterstützt. Hoffentlich wird es dir gebührend gedankt, auf irgendeinem Wege.


Alles, alles Gute für dich
Shizana
Von: abgemeldet
2013-05-28T20:18:39+00:00 28.05.2013 22:18
So, der vorerst letzte Kommentar, ehe du eine Verschnaufpause bekommst xD. Eigentlich bin ich ja schon hundemüde, aber ich bringe gerne Sachen weitestgehend am Stück zum Abschluss =3
Oh, Mauzi ist jetzt bei Satoshi und Co? Kam das in der Serie, oder ist das jetzt nur in der Geschichte so @@

Aber immerhin ist es ein lieber Trost, dass die ihn aufnehmen, obwohl er ihnen mit Team Rocket das Leben schwer gemacht hat ...
Was ich besonders süß finde, ist das mit der Decke. Das tröstliche Gefühl, dass man sich geborgen fühlt, obwohl man nicht friert ...
Das mit der Erinnerung, ab da wo es heißt, dass Kojiro neben ihm hockt, finde icch etwas verwirrend. Ist das jetzt nur eine Einbildung, oder ist das ein Rückblick? Wenn es ein Rückblick ist, denke ich wäre es weniger verwirrend, wenn du den Teil ins Perfekt setzen würdest.

Ah und hier haben wir auch den Abschied aus Mauzis Sicht (entschuldige bitte, ich tue mir etws schwer dabei, mich an das Nyasu zu gewöhnen T__T). Das muss echt hart sein, wenn man von den wichtigsten Personen in seinem Leben nur Kühle bekommt, vor allem bei so einem Abschied "für immer" und diese Selbstzweifel - mir blutet schon wieder das Herz T.T
Armes Ding *einkuschl*

FF so: Es war schwer zu glauben. Diese Gedanken brachen Nyasu schier sein sonst so tapferes Herz.
Lelio so: *Herz in der Mitte auseinanderbrech*

Hach, Mauzi weinend auf dem Dach. Ach Gott, willst du mich fertig machen. Schreib es meiner sensibilisierung gegenüber allem Katzenartigen zu, oder dass Mauzi eins meiner drei Lieblingspokemon war früher T___T ...

Aber auch hier finde ich es schön, wie du alle Kapitel ineinander fließen lässt. Man setzt sie automatisch vor seinem inneren Auge zu einem großen Ganzen zusammen, das ist eine Kunst, die nicht jeder beherrscht =]

> und wäre zu ihr heruntergesprungen, um sich einfach nur zu ihr zu setzen.
Naw, ich hab irgendwie grad die süße Vorstellung, dass er sich schnurrend auf ihrem Schoß einrollt <3
(Miezekatzen-Tröstepower <3)
Und auch interessant, wie er seine Partner sieht. Hier wird nochmal deutlich, wie wundervoll sie sich alle ergänzen.
Und Mensch. Die Geschichte macht mich traurig, obwohl ich weiß, dass sie ja später wieder zueinander finden .______.
Haha, Mauzi im Pokeball, irgendwie eine lustige Vorstellung =D

So, und wieder nimmt ein trauriges Kapitel ein schönes Ende. Du baust zum Schluss immer sowas leicht Hoffnungsvolles ein, ohne, dass es wie ein aufgesetztes Happy End wirkt. Ganz großes Lob dafür. Wirklich eine tolle Geschichte =)


Liebste Grütze, Lelio

✖✐✖
Von: abgemeldet
2013-05-28T16:01:43+00:00 28.05.2013 18:01
So, nun kommen noch Kommis zu den beiden Special Kapiteln, und dann sei dir eine Pause vergönnt xD
Ich bin grad so schön drin *kicher*
und außerdem hocke ich gerade nicht mehr auf Arbeit vor dem Internet, dass so langsam ist, dass es wenn es noch langsamer wäre, rückwärts laufen würde <.< Aber es ist ja zuviel verlangt, dass Die Azubi-PCs auch mal aufgemoitztzt werden *hust*
Nun gut, wollen wir beginnen =]

>Gut, Nyasus Fehltritt hätte ihre Mission um ein Haar ernsthaft gefährdet.
hrm~ hat sie das eigentlich nicht? Dann würde ich vielleicht eher schreiben: [...]hatte ihre Mission ernsthaft gefährdet. Weil um ein Haar gefährden ist ja nix. So eigentlich.

>noch ehe man gewusst hatte, wo man ein Pokémon hätte einsperren sollen
Den Satz verstehe ich irgendwie nicht soo ganz. Entweder ich hab SO ein Siebhirn, dass ich mich mehr daran erinnern kann, was im ersten Kapitel war, oder der Satz ist irgendwie komisch @@

>Im Nullkommanichts
IN Nullkommanichts :3

>Aber keiner von ihnen hätte diese Art von Konsequenz auch nur im Ansatz erwartet.
Auch den Satz finde ich fast ein wenig in die Länze ziehend ... so resümierend fällt mir auf, dass du generell ein klein wenig dazu zu neigen scheinst, bei inneren Monologen hin- und wieder etwas übereifrig zu werden - weniger ist aber manchmal oft mehr, so habe zumindest ich die Erfahrung gemacht. Oft reichen in solchen Situationen auch kurze, prägnante Sätze, die haben dann eine viel intensivere Wirkung, als wenn so ein Monolog in die Länge gezogen wird.
Das ist aber weitestgehend wirklich der einzige kleine Makel den ich an deinem ansonsten abgerundeten Schreibstil feststellen kann - und soo oft kommt es ja dann auch nicht vor. Kannst ja mal drüber nachdenken und für dich entscheiden, ob du da in Zukunft drauf achten magst =]

>Es stieß Musashi regelrecht übel auf, kaum dass sie die Information einigermaßen fürs Erste verdaut hatte.
Das hier wäre auch wieder so eine Satzkonstellation. [regelrecht übel auf/Information einigermaßen fürs Erste ...]
Das hat irgendwie soviele syntaktische Glieder, dass man ein wenig stolpert.
So einen spontanen Verbesserungsvorschlag hätte ich jetzt aber auch nicht. Aufjedenfall aber würde ich das 'fürs Erste' rausstreichen.

Dann möchte ich aber sagen, dass es mir sehr gefällt, wie du das alles nun von Musashis Sicht aus schreibst. Ich kann mich wieder sofort in den Chara einfühlen und halte die Verhaltensweise von ihr sehr nachvollziehbar.

Besonders das hier gefällt mir, nach den zwei, drei vorangegangenen Sätzen:
>Und so schwieg sie.

Weil es einfach soviel aussagt. Und genau das ist es, was ich mir prägnanten Sätzen in solchen Situationen gemeint hab: Schieße sie wie Pistolenkugeln auf deine Leser ab, dann lassen sie sich dazu hinreißen, sich richtig in der Story zu verlieren <3
Schwülstig ausgedrückt, aber ich hoffe, man weiß, was gemeint ist xD.

>Sie alle hatten geschwiegen. Keine Widerworte. Keine Fragen. Nichts. Nur diese stumme Hinnahme.
Ebenso wie das. Gefällt mir wahnsinnig gut. Die Beschreibung der hilflosen Verzweiflung, den Mut nicht aufbringen können, Widerworte zu geben, weil man die Konsequenzen zu sehr fürchtet und sich deshalb schlecht fühlen, was zwar nicht geschrieben wird, man aber deutlich aus diesem inneren Monolog herausliest.
Die Szene, wie sie auf der Veranda sitzt und ihren Kaffee trinkt, finde ich auch sehr schön, vor allem, weil da ihre nachdenkliche und gefühlvolle Seite so zur Geltung kommt.

> Kaum zu glauben, dass sie bereits seit Stunden hier zu sitzen schien.
Den find ich irgendwie auch ein bisschen zuviel. Falls du ihn lassen magst, würde ich wenigstens das schien wegstreichen, weil es ja eine Tatsache ist, dass sie seit Stunden da sitzt :3

> Dem nachtschwarzen Himmel zu urteilen, welchen bereits erste Sterne zierten, musste die Nacht bereits hereingebrochen sein.
Hier find ichs jetzt auch ein bisschen merkwürdig. Müsste ist ja eine Konjunktiv-Form, aber dass es Nacht ist, wenn es dunkel ist, ist ja irgendwo schon eine Tatsache für sich, ya know ;)
Außerdem ist da eine kleine Wortwiederholung drin: nachtschwarzer Himmel/Nacht.
Die nächsten beiden Sätze beginnst du zweimal mit Konjunktionen, vielleicht bei einem eine Alternative suchen?

Hachja, der Kaffee, Freund vieler schlafloser Nächte xD. Ich trink da höchstens Dr. Pepper oder Red Bull, Kaffee krieg ich nicht runter xD. Aber kein Wunder, dass man da nicht schlafen kann - viel Koffein + ein Kopf voller Gedanken sind keine gute Mischung ûu.
Irgendwie find ichs ja süß, dass sie sich beide gegenseitig aus Rücksichtnahme nicht aufsuchen, obwohl es sie wohl beide nach einem Gespräch sehnt.
Und dann die Szene in der Nyasu nochmal auftaucht und Musashi es nicht über sich bringt was zu sagen, weil es soviele Worte und keine gibt für so eine Situation: Das ist echt traurig. Armes Mauzi-Pauzi, mir blutet das Herz, wenn ich mir diesen Anblick vorstelle. (Da fällt mir ein, ich hatte mal ein übergroßes Plüsch-Mauzi, jetzt hab ich plötzlich ein schlechtes Gewissen, dass ichs verkauft hab ;__;)

So traurig und niederdrückend dieses Kapitel auch ist, so finde ich, dass der Schluss wieder so einen Schwung aus der Ebenmäßigkeit ist, das nimmt irgendwie ein bisschen die Hoffnungslosigkeit, die einen beim Lesen befällt.
Mal wieder sehr gelungen, mehr kann ich dazu nicht sagen!

✖✐✖
Von: abgemeldet
2013-05-28T14:23:33+00:00 28.05.2013 16:23
So, ich mach mal hier weiter, weil ich gerade auf Arbeit sitze und mich zu Tode langweile :P

hm, komisch irgendwie hatte ich damit gerechnet, dass dieses Kapitel dann aus der Sicht von Musashi ist - hab ich mich wohl getäuscht.
Aber schade, dass du hier noch gar keine Kommentare hast DX
Mir fällt gerade auf, dass ich irgendwie noch nie so recht eine FF über Freundschaft und die damit verbundenen Emotionen gelesen habe - irgendwie waren das bisher nur Pairing FFs. Ich merke gerade, dass das wirklich eine angenehme Abwechslung ist =]
Vor allem find ich es schön, wie ich bereits schonmal erwähnt hab, dass du den Charaktern, die in der Serie eher als Looser dargestellt werden, soviel Tiefer verleihst. Nicht nur Helden haben Freunde :) Das wird hier sehr schön deutlich.
Den kurzen Streit fand ich passend. Mal abgesehen von dem Fehler - wenn man gewisse Dinge nicht anspticht, dann rumort das in einem und sucht sich dann von selbst passende Momente um an die Oberfläche zu dringen.
Süß finde ich übrigens, dass du mit kleinen Gesten, wie das mit der heißen Schokolade symbolisierst, wie gut die beiden sich eigentlich kennen und dass sie sich eigentlich schon ziemlich nahe stehen - was ja nachvollziehbar ist, wenn man schon so lange zusammen arbeitet ...
Dieses Gespräch von den beiden finde ich toll!
Ich bin nur ein Bisschen über den Absatz gestolpert

>Doch mittlerweile war bei Kojiro der Punkt erreicht, wo er es nicht mehr konnte. Er wollte >nicht länger schweigen und er wollte auch nicht länger so tun, als sei alles in Ordnung. Als >kümmerte ihn das alles nicht.

Das ist irgendwie eine Wiederholung, zwar keine Wortwiederholung, aber eine Sinnwiederjholung, die der Szene irgendwie ein bisschen die Dynamik nimmt...
Aber ansonsten finde ich die Szene wirklich toll. Auch wie du die Reaktionen der Chraktere beschreibst - ich fühle wirklich mit und fühle mich mitten reinversetzt - und das ist mir noch nie passiert bei Fandoms, mit denen ich mich ansonsten nicht befasse =)
Erst fand ich auch das mit dem Beine versagen etwas übertrieben, aber die Ohrfeige nimmt der Sache etwas von ihrer Melodramatik :]

Hach. Einfach ein schönes Kapitel, emotionsgeladen und dynamisch. Vor allem der Schluss. Könnte glatt für sich als One Shot stehen.
Es wäre für mich persönlich wünschenswert, solche guten Geschichten auch mal im YGO Fandom zu finden xD


✖✐✖
Antwort von:  Shizana
28.05.2013 17:22
Und weiter geht's.

In der FF-Beschreibung steht eigentlich geschrieben, dass die ersten beiden Kapitel die Haupthandlung ausmachen und aus Kojiros Sicht erfolgen. Nur die beiden Specials geben noch einmal den Blickwinkel aus Musashis und Nyasus Sicht frei. :) Wäre ja sonst auch etwas arg wenig gewesen, ne?

Ja, Freundschafts-FFs. Ich weiß, was du meinst. Die gibt es wirklich nicht oft.
Ich shippe Kojiro und Musashi eigentlich schon aus tiefsten Herzen, aber deswegen begnüge ich mich noch lange nicht mit plumpen Pairing-FFs zu ihnen. Davon gibt es genug und für mich sind die beiden einfach etwas Besonderes, da braucht es nicht gleich Bussi und Ficki. ;) Sie haben auch so eine wundervolle Beziehung und tiefe Bindung zueinander, die ich sehr an ihnen liebe und schätze, aye.
Haha, würde ich YGO-Fandom schreiben, würde ich bestimmt boomen. Meine Abo- und Favoritenlisten würden dann sicherlich ganz anders aussehen. Aber wayne. Immerhin lese ich hin und wieder in diesem Fandom beta, falls das ein Trost ist? Das Kompliment bedeutet mir auf jeden Fall sehr viel, danke. :)

Langsam muss ich echt aufpassen, dass ich mich nicht wiederhole. xD Mich jedes Mal für dein Lob und deine Komplimente zu bedanken, klingt so eintönig. Aber doch, mir bedeutet das wirklich alles sehr viel. Und ich freue mich immer, wenn du mich wissen lässt, dass ich einen guten Job gemacht habe. -^^-
Du hast hier wieder so viele süße Dinge angemerkt... Ich bin Butter, mindestens. So stolz und happy und argh, zu viele Adjektive, mit denen ich jetzt um mich schmeißen könnte, dass es schon wieder peinlich wird. (DA! Noch ein Adjektiv, argh!)

Wenn du irgendwann mal mit "Wakare ne" durch bist, lass mir nur mal eine Verschnaufpause für meine Re-Kommentare. Sonst komme ich gar nimma hinterher, haha.
Oder kommentiere meinetwegen weiter, aber dann for free. Ernsthaft, ich habe mir jetzt schon das WE nur für dich eingeplant, weil ich unter Woche wohl nicht dazu kommen werde. Wie auch du, habe auch ich noch an einer FF weiterzuschreiben. Das darf alles nicht zu kurz kommen, ne. x3


Kalte Hände. Need Cappu. x__x'
*winke*
Von: abgemeldet
2013-05-27T15:00:25+00:00 27.05.2013 17:00
Hallo Shiza =)

Ich glaube, du hast grad keine Ruhe vor mir <D Da ich deinen Schreibstil gut finde, favorisiere ich momentan deine Geschichten in der FF Auswahl, auch wenn ich nicht so wirklich im Fandom drin bin ^^
Da sieht man mal wieder, was ein guter Schreibstil ausmacht - er vermag es auch Fandomfremde zu begeistern.
Ich tue mir nur ehrlich gesagt mit den japanischen Namen etwas schwer und es hat wirklich etwas gedauert, bis bei mir der Groschen gefallen ist, dass Nyasu Mauzi ist xD
Ich erinnere mich nur sehr dunkel an besagte Folge, aber ich bin mal gespannt, was du draus gemacht hast.

>Und es war fraglich, ob es ihm überhaupt noch gelingen würde in den verbleibenden paar >Stunden, die ihm noch von dieser Nacht blieben.
hier hat sich eine kleine Wortwiederholung eingeschlichen. Die verbleibenden Stunden, die blieben. Eventuell: Die verbleibenden Stunden der Nacht, oder die Stunden, die noch von dieser Nacht blieben :3?

> Ganz gleich, was er zu sehen bekäme, sein geistiges Auge würde ihm ohnehin ganz andere Bilder vorspielen.
Ich kann mir nicht helfen, aber der Satz wirkt irgendwie etwas deplatziert und in die Länge gezogen ... eventuell könntest du überlegen, ganz auf ihn zu verzichten, oder ihn etwas zu verkürzen?

>das sprechende Katzen-Pokémon, was nun schon so
[...], DAS nun schon so [...] würde sprachlich abgerundeter klingen.

Insgeamt finde ich den Einstieg aber sehr gut. Man bekommt sofort ein Bild von den Umständen, ohne, dass es überladen wirkt. Auch finde ich es gut, dass du dir, wie ich der Beschriebung entnommmen habe, immer für einen Charakter ein Kapitel Zeit genommen hast, das wirkt dann nicht so überstürzt und man kann sich besser in die Szene eindenken.
Auch interessant finde ich, die ich keine Pokemon FFs gewöhnt bin, und folglich nur Team Rocket als größtenteils flach dargestellte Versager in Erinnerung habe, den inneren Monolog eines solchen Charakters verfolgen zu dürfen, weil ihn das in einem ganz anderen Licht darstellt. (Früher zu meinen Fanzeiten, lang ists her, war ich nämlich so gar kein Rocket fan xD)

>Kojiro für seinen Teil hatte in diesem Moment nicht gewusst, wie ihnen da geschah.
Den Satz find ich hier auch wieder ein wenig überflüssig, ich würde den fast streichen und im nächsten Satz mit 'Kojiro' beginnen.

Nun, aber was ich nicht verstehe, der Teil in dem steht, dass jedes noch so kümmerliche Versagen bestraft/nicht geduldet wird - sieht man sich die Serie an, dann hat Team Rocket, wie ich es kenne, Niederlage um Niederlage zu verzeichnen ... Müssten die da nicht schon längst beim Arbeitsamt gemeldete sein, wenns danach geht :D?
Das Gespräch zwischen Musashi und Kojiro zu der späten Stunde ist dir sehr gut gelungen. Es ist tiefsinnig, passt zu den Charakteren und erzeugt eine gewisse Stimmung, auch wenn man es ihnen im ersten Moment nicht so zutraut.
Insgesamt wirklich ein gelungenes Kapitel.
Ich finde es nur gerade etwas merkwürdig: Im Pokemon Fandom sind doch relativ viele Leute noch aktiv, so wie ich das mitbekommen habe - wieso hat dann eine Autorin, wie du deren Geschichten liebevoll durchdacht sind und wirklich Tiefe haben, so wenig Rückmeldungen :/...

Bis demnächst ^^

✖✐✖
Antwort von:  Shizana
28.05.2013 16:46
Huhu Lelio. :)

So, so, du favorisierst? Davon sehe ich aber nichts, hehe. x3
Nein, ich glaube, ich weiß, wie du das meinst. Und es freut mich wirklich sehr, dass du meine Pokémon-FF liest und auch vor TR nicht zurückschreckst, obwohl es normal nicht dein Fandom ist. Aber ich denke, gute FFs zeigen sich erst dadurch am besten, wenn sie auch Fandomfremde begeistern und mitreißen können, ne? :)

Das mit der Strenge seitens der Chefetage habe ich an dem strikten Wandel in BW angelehnt. Ich weiß nicht, wie weit du das mitbekommen hast, aber das TRio hat in BW einen kompletten Wandel durchlebt. Waren sie in der letzten DP-Folge noch das übliche alberne Versagertrio, waren sie ab der ersten BW-Folge sofort sehr ernst, streng und sogar gegen unseren Juniorhelden gefeilt. Und das hielt sich so sehr lange, sodass sie plötzlich mit top Ausrüstung, Ernsthaftigkeit und sogar Erfolgen thronen konnten. So etwas wie dumme Witze und das ständige in-die-Luft-fliegen gab es nicht mehr.
Unter den TR-Fans hatte das lange, seeehr lange viel Unmut ausgelöst, weil diese Wandlung nie wirklich erklärt wurde. Sie war einfach plötzlich da. Naja... zwischendurch schwankte es mal, mittlerweile gehen sie wohl wieder aufs Oldschool zurück, aber damals war es eben wirklich extrem gewesen.
Deswegen bin ich hier auch sehr mit der BW-Strenge mitgegangen, wollte aber zugleich das "alte TRio" wieder in Erinnerung rufen, wie sie wirklich sind. Hinter dieser neuen Fassade. Davon sieht man in BW nämlich so ziemlich gar nichts mehr.
Von dem her wundere dich bitte nicht darüber. Für die eingefleischten TR-Fans macht es genauso wenig Sinn wie für dich. :)

Was das mit den Rückmeldungen anbelangt... naja... Das ist eben mein kleines Laster, was ich zu tragen habe. ^^'
Ja, eigentlich ist das Fandom noch belebt. Eigentlich gibt es auch noch genug TR-Fans, auch hier auf Mexx. Aber uneigentlich ist die gegenseitige Unterstützung hier nicht sonderlich gut. Man ist hier immer etwas auf sich selbst angewiesen; vor allem auch, wenn es darum geht, sich seine eigene Motivation zu erhalten. Haha, ist nicht so einfach. ^^'
Ich weiß nur, dass "Wakare ne" einmal zur YUAL vorgeschlagen war - lang ist's her. Aber eine andere FF hat das Rennen gemacht, leider. Das auch nur für mich gesprochen, denn "Wakare ne" ist von all meinen FFs mein meistgeliebtes Baby. Aber lässt sich nicht ändern; ich kann lediglich hoffen, dass sie irgendwann vllt. noch einmal bei der YUAL landen wird. Ein größeres Glück könnte mir wohl gar nicht widerfahren. :)

Blabla, ich laber zu viel.
Auf jeden Fall danke ich dir wirklich sehr, dass du "Wakare ne" liest und dir die Zeit nimmst, sie so ausführlich zu kommentieren. Damit machst du mir eine sehr große Freude. ^^


Shizana
Von:  Chibi_TR
2013-04-01T20:26:28+00:00 01.04.2013 22:26
Erstmal vorneweg, ich habe (leider?) nie die BW 45 gesehen. Muss ich noch nachholen. Daher hatte ich diese Episode und den eigentlich Ausgang der Geschichte nicht vor Augen und kann dazu nix sagen. Aber ist vielleicht für die FF auch garnicht so verkehrt, wenn man "unvorbelastet" herangeht. ^^

Mit hat die FF gefallen. Natürlich hat sie mich auch sehr deprimiert. Irgendwie rechnet man die ganze Zeit mit einem positiveren Ausgang... Aber Mauzis Part am Ende lässt einen doch irgendwie mit gemischten Gefühlen zurück. Ich hätte wirklich heulen können.

Im Gegensatz zu SadLuna finde ich nicht, dass Musashi zu wenig reagiert. Ich glaube, genau so könnte sie sich in so einer Situation verhalten. Es würde einfach nicht zu ihr passen, emotionaler und "weicher" zu reagieren. Ich glaube, sie würde so etwas erstmal nicht an sich ranlassen bzw. niemanden hinter ihre (durchaus erschütterte) Fassade blicken lassen. Daher finde ich, dass du sie schon ganz gut getroffen hast.

Am meisten macht mich Kojiros Reaktion fertig. Man kann sich so gut vorstellen, wie er sich fühlt. Und wie er die Situation zwischen ihm und Musashi nach Mauzis Abschied kaum noch ertragen kann. Da bekommt man selbst als Leser schon einen dicken Kloß im Hals.

Auch dass der Abschied so kühl abgelaufen ist. Und wie erschüttert Mauzi dadurch ist. Was soll es auch davon halten...?

Ich finde, das Verhalten unseres TRios hast du wirklich gut rübergebracht. Gerade im Hinblick auf die BW-Staffel. Dieses Unterkühlte in den Handlungen. Das passt einfach irgendwie sehr gut in diese FF. Eine gut gelungene Gratwanderung zwischen Anime und FF. Daumen hoch!

Ja, mir hat die FF sehr gut gefallen. Auch diese Geschichte werde ich mit Sicherheit noch des Öfteren lesen.

Chibi ^.^
Antwort von:  Shizana
02.04.2013 08:45
Awww, beim Lesen deines Feedbacks kam mir wirklich alles wieder hoch. Ich kenne diese FF natürlich in- und auswendig, habe sie ja immerhin auch schon an die sieben Mal gelesen (regelmäßiges Nachkorrigieren etc., damit auch die älteren FFs auf einem aktuellen Stand bleiben), aber sie berührt mich jedes Mal wieder. Ich habe beim Schreiben damals echt gelitten und die FF liegt mir wirklich sehr, sehr am Herzen.
Ich sah jeden Part, den du kommentiert hast, wieder ganz genau vor mir. Ja, es ist wirklich alles sehr kühl, aber eben dadurch auch umso schmerzhafter, weil man viel zwischen den Zeilen lesen und wirklich mitgehen muss. Dann erst, denke ich, wird einem erst das gesamte Ausmaß bewusst.
Danke, dass du dir die Zeit für ein Feedback genommen hast. Das bedeutet mir ganz viel. Dadurch weiß ich wieder, dass diese FF einmal berechtigt für die YUAL nominiert gewesen war. <3
Von: abgemeldet
2011-10-04T17:52:27+00:00 04.10.2011 19:52
Also hast du es tatsächlich doch zu Ende gebracht xD
Tja, nur weiß ich nicht so recht, was ich dazu sagen soll… Das Problem ist wohl einfach, dass ich ja weiß, wie es wirklich abgelaufen ist und das nimmt dem ganzen wohl schon sehr die Dramatik. Ich hätte es M&K zwar nie zugetraut, sich nicht anständig von Mauzi zu verabschieden, aber dennoch passt diese Variante gut in deine FF und eben zu den vorherigen Kapiteln.

Das Ende hat mich irgendwie totaldeprimiert XD‘ Auch wenn Mauzi ja nun wieder bei den beiden ist, tut er mir so leid, wie er da bei der Brut sitzt und trauert… Hach ja U_U
Schön fand ich, wie du die besondere Beziehung zwischen Mauzi und Kojiro beschrieben hast. Ich glaube auch, er würde in so einer Situation Kojiros Gesellschaft vorziehen. Allerdings glaube ich nicht, dass er so viel Rücksicht auf ihn nehmen würde… ^^; Rücksicht ist ja nun wirklich absolut nicht seine Stärke… Er wäre mit Sicherheit zu ihm ins Zimmer gegangen. Aber wie man darüber denkt, bleibt ja jedem selber überlassen *g*
Das mit Mauzis Satzendung-Anhängseln hat mich zwar nicht gestört, aber ich finde es wirkt inmitten der ganzen deutschen Namen irgendwie ein bisschen verloren. Auch wenn du ja am Anfang erklärt hast, warum du das so gewählt hast, würde es besser wirken, wenn es die Originalnamen wären. Finde ich. (<- konstruktive Kritik! xD Shaaa!)

Also ich hab’s jedenfalls gern gelesen ^^

Von: abgemeldet
2011-08-20T21:45:22+00:00 20.08.2011 23:45
So, also ich find sie echt gut. Davon abgesehen, dass sie einen so.. hoffnungslos zurücklässt... :/
Allerdings finde ich, dass Muashi etwas zu... wenig reagiert. Kojiros Verhalten kann ich absolut verstehen, aber dass Musashi wirklich so obrigkeitshörig ist, kann ich mir nicht so ganz vorstellen. Aber denkbar wäre es doch in so einer Ausnahmesituation...
Egal.

Wie gesagt, ich finde sie gut :)



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