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Pen pals

Brieffreunde - ZoSa
von

Vorwort zu diesem Kapitel:
Also zuerst mal... Sollte das Kapitel ein wenig komisch sein, dann liegt das ganz einfach daran, dass ich seit zwölf Jahren (wtf xD) nicht mehr an der Story dran war. In den Jahren hab ich sie öfter mal durchgelesen, seit gut drei Jahren nun aber nicht und heute überkam es mich irgendwie... Ich musste unbedingt weiter schreiben.. Erst hatte ich nie Zeit, dann hatte ich Zeit, aber wusste nicht, wie ich weiter machen soll, dann hatte ich wieder keine Zeit, das ging nun über Jahre so. Und nun, da ich allgemein wieder zurück bin bei Mexx und mir viel, sehr viel durchgelesen habe, musste es einfach sein. Ich werde die Tage die komplette Story von vorne lesen und es kann sein, dass an diesem Kapitel vielleicht doch noch etwas geändert oder hinzugefügt wird, also seht es mir bitte nach.. Jedenfalls werde ich sie jetzt in den nächsten Tagen zu Ende bringen. So schwer es mir auch fällt.. Mit ein Grund für diese lange "Pause" war nämlich auch, dass ich mich nicht von der Story trennen und keinen Abschied nehmen konnte >.< Komplett anzeigen

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Chapter One

Der kleine Sanji lebte bei seinem Adoptivvater. Sein biologischer Vater hatte ihn und seine Mutter verlassen, als er gerade auf die Welt kam. Seine Mutter fing deshalb an zu trinken und das Jugendamt nahm ihr ihren, zu dem Zeitpunkt, vierjährigen Sohn ab. Als Sanji 5 Jahre alt war, wurde er von dem Chefkoch seines eigenen Restaurants Jeff adoptiert. Nun war Sanji 8 Jahre alt und besuchte die Grundschule. Er lebte mit Jeff in Australien. Sie hatten eine Wohnung direkt über Jeff´s Restaurant und Jeff versuchte, viel Zeit mit dem kleinen Sanji zu verbringen. Doch das klappte wegen seiner Arbeit nicht ganz. Sanji hatte Probleme in der Schule. Er war ein Außenseiter und wurde immerzu als Waisenkind und schlimmer beschimpft. Er erzählte Jeff nichts davon. Sanji war tief in sich ein aufgeweckter, kleiner Junge. Vor allem mit Jeff hatte er meist viel Spaß, wenn sie denn einmal Zeit miteinander verbrachten, was selten war. Wurde er wieder einmal von seinen Mitschülern gehänselt, verprügelt oder gejagt, verkroch er sich zuhause in seinem Geheimversteck. Dieses war unter seinem Schreibtisch. Sein Schreibtisch war aus Buchenholz, hatte links eine Tür und rechts Schubladen. Wenn er alleine sein wollte, hing er eine dunkle Decke über den Schreibtisch, sodass sie bis zum Boden reichte, und stellte meist sein Goldfischglas auf die Decke, damit sie nicht hinunter rutschte. Sein Goldfisch trug den Namen "Fritz". Sanji versteckte sich meist bis zum Abendessen in seinem Geheimversteck. Eines Tages, als Jeff ihn an seinem freien Tag mit zur Post nahm, saß Sanji auf einem Stuhl und sah sich um. Es war September 1990. Die Post war brechend voll, weshalb alles länger dauerte, als von Jeff geplant. Sanji stand auf und sah sich weiterhin um. Er begann die Telefonbücher aus dem Ausland zu zählen. 56 hatte er insgesamt gezählt. Er sah kurz zu Jeff, stellte fest, dass es noch immer etwas dauern würde und nahm sich schließlich ein Telefonbuch. Damit setzte er sich wieder auf den Stuhl, auf dem er vorher gesessen hatte. Dieser stand zwischen einem großen Regal aus massivem Holz und einem Tisch. Sanji legte das Telefonbuch auf den Tisch und sah es sich an. Auf dem Buchcover sah er die Buchstaben "U.S.A." und eine große Figur, die in der linken Hand ein Buch und in der rechten Hand etwas, das wie eine Fackel aussah, hielt. Er hatte sowas noch nie zuvor gesehen, fand es aber gleich faszinierend. Er schlug das Telefonbuch auf. Heraus kam der Buchstabe "L". Er sah sich die Namen an und fand, dass sie sich ganz anders anhörten, als die aus Australien. Sanji´s Nachname war "Goodrem" und er fand Namen wie "Lancaster" doch recht eigenartig. Sie hörten sich komisch an. Doch er machte sich nichts daraus. Er fand es sehr interessant. Da Sanji keine Freunde hatte und etwas über Amerika wissen wollte, wollte er sich eine beliebige Adresse herausschreiben. Er hielt sich die Augen mit der linken Hand zu und lies seinen rechten Zeigefinger die Listen auf und ab wandern. Als er fand, dies sei genug, stoppte er den Finger und nahm die Hand von den Augen. Er las den Namen "Lorenor, S." und nahm sich einen Zettel vom Tisch, sowie einen Stift. Er schrieb die Adresse auf. "94 East Temple Street, 90012 Los Angeles, Kalifornien" lautete die Adresse. Als er dies getan hatte, kam Jeff auch schon und sie gingen nach Hause. Jeff war begeistert, dass Sanji einen Brieffreund haben wollte und kaufte ihm noch Briefpapier, sowie einen neuen Kugelschreiber, extra für seine Briefe. Sanji freute sich noch mehr, setzte sich zu Jeff an den Esstisch und begann zu schreiben. Jeff machte seine Abrechnungen und einen Teil seiner Buchhaltung. Auch malte Sanji ein Bild von sich, auf dem er breit grinste. Doch selten war ihm nach Lächeln oder Grinsen zumute. Nur, wenn er mit Jeff zusammen war.
 

"Lieber S. Lorenor.

Ich habe deine Adresse in einem Telefonbuch bei uns in der Post gefunden. Ich hoffe, das ärgert dich nicht.

Ich bin Sanji Goodrem und bin 8 Jahre alt.

Ich mag kochen und lese gerne und ich habe einen Goldfisch, der heißt Fritz.

Hast du auch Haustiere?

Ich mag auch Hunde, aber ich darf leider keinen haben.

Mein Papa meint, dazu wäre keine Zeit und ich wäre noch nicht alt genug, um alleine auf den Hund aufzupassen.

Was ich nicht mag, ist der Frühling und der Sommer.

Mein Papa schickt mich dann immer zum Spielen nach draußen, aber ich habe niemanden zum Spielen, was ich immer sehr langweilig finde.

Im Winter und im Herbst wird es kalt und da schickt mein Papa mich nicht so oft nach draußen.

Meine Lieblingsfarbe ist Blau und Schwarz und mein Lieblingsessen ist Lasagne und Gemüse.

Was magst du denn so?

Hast du viele Freunde?

Wenn ja, kannst du mir dann sagen, wie man Freunde bekommt? Ich hätte auch gerne Freunde, aber in meiner Schule mag mich niemand.

Deswegen bin ich auch in den Pausen immer alleine.

Ich habe ein Bild von mir gemalt, aber ich kann Hände und Ohren nicht so gut malen.

Dafür aber Zähne.

Gehst du auch zur Schule?

Und wie ist es in Amerika?

Ich wohne in Australien mit meinem Papa. Wir haben eine Wohnung, die ist direkt über dem Restaurant von meinem Papa.
 

Dein Sanji Goodrem
 

PS. Ich hoffe, du freust dich über das Bild, was ich von mir gemalt habe.

PSS. Magst du mein Freund sein?"
 

Sanji fragte Jeff nach einem Briefumschlag, den er sofort bekam. Der kleine Blonde schrieb die Adresse auf den Umschlag, faltete den Brief und schob ihn rein. Voller Stolz präsentierte er Jeff seinen fertigen Brief. Jeff gab ihm eine Briefmarke, die Sanji sofort auf den Umschlag klebte. Aufgeregt lief Sanji nach unten zur Straße und warf den Brief mit dem Satz "Schreib bald zurück!" in den Briefkasten. Fröhlich lief er wieder nach Hause und half Jeff bei dem Papierkram, so gut er konnte.

Zwei Monate vergingen ohne eine Nachricht. Sanji hatte die Hoffnung, dass S. Lorenor doch noch antworten würde, langsam aber sicher aufgegeben. Als er von der Schule nach Hause kam, lag jedoch ein Brief auf dem Esstisch. Sanji wusste nicht, was das für ein Brief war, jedoch war er an ihn adressiert. Er stellte seine Schultasche auf einen der Stühle und nahm den Brief. Er setzte sich, öffnete den Umschlag und begann zu lesen.

Chapter Two

Die Familie Lorenor war alles andere, als eine vorbildliche Familie. Der Vater war nur an seiner Arbeit und an seinem Hobby, dem Ausstopfen von Tieren, interessiert. Die Mutter war alkoholabhängig und ihr war ihr Sohn so ziemlich egal. Zorro hatte vor einiger Zeit von seiner Mutter zu hören bekommen, dass er wohl ein Unfall war. Zorro fragte sich, wie eine Mutter ihrem Kind sagen konnte, dass es ein Unfall war. Er wusste, was das bedeutete. Und zwar, dass er nicht gewollt war. Auch er kam in der Schule nicht zurecht. Auch er hatte keine Freunde. Zwar verprügelte ihn niemand, da sie Angst vor ihm hatten, aber auch deswegen hatte er niemanden zum Spielen. Zorro sah stets grimmig und schlecht gelaunt aus. Die Kinder in seiner Schule und Umgebung dachten immer, er würde sie gleich verhauen, wenn sie ihn ansprachen. An einem freien Schultag saß Zorro in seinem Zimmer auf der Fensterbank bei offenem Fenster. Er sah sich das Treiben auf der Straße an und überlegte bei fast jedem Menschen, was dieser wohl beruflich oder privat tun würde. Ob sie verheiratet sind, ob sie Kinder haben oder Haustiere. Auch dachte er sich manchmal Geschichten aus, die er jedoch nie aufschrieb. Er hatte in seinem jungen Alter schon vor auszuziehen, sobald er die Möglichkeit hatte. Er mochte seine Mutter überhaupt nicht. Wenn er sie etwas fragte, antwortete sie entweder nur wirres Zeug oder überhaupt nichts, weshalb er einfach aufgehört hatte. Sein Vater redete ständig nur über seine Arbeit und seine ausgestopften Tiere. Vor denen hatte Zorro sich einmal zu Tode erschreckt, als er gerade 5 Jahre alt geworden war. Er wollte zu seinem Vater in die Garage und sah einige tote Tiere, die noch nicht ausgestopft waren. Er war noch klein, also versuchte er, auf den Tisch zu klettern und hielt sich an der Tischplatte fest. Doch als er sich hochziehen wollte, rutschte ihm ein toter Fuchs auf den Kopf. Das hatte ihn so erschreckt, dass er die Garage nie wieder betrat. Gerade, als er in die Küche gehen wollte, um nachzusehen, ob etwas zu Essen vorzufinden war, klingelte es an der Tür. Zorro öffnete sie und vor ihm stand der Briefträger. Er reichte ihm drei Briefe entgegen. Allesamt waren an S. Lorenor, seinen Vater, adressiert. Er legte die drei Briefe auf den Küchentisch, fand jedoch, dass die Schrift auf einem der Briefe nicht so aussah, wie zum Beispiel die Schrift seiner Eltern. Sie war groß und krakelig. Man konnte erkennen, dass dieser von einem Kind stammte. Doch Zorro nahm ihn nicht an sich.

Als am Abend sein Vater von der Arbeit nach Hause kam, sah er die Briefe auf dem Tisch und las einen nach dem anderen durch. Mr. Lorenor mochte seinen Sohn, im Gegensatz zu seiner Frau. Er fand es schade, dass Zorro keine Freunde fand und als er den Brief von Sanji las, huschte ihm ein Lächeln auf sein Gesicht. Er ging lächelnd zu Zorro und überreichte ihm den Brief. "Hier. Der Brief ist wohl eher an dich gerichtet, als an mich." hatte er zu seinem Sohn gesagt, der ihn daraufhin leicht verwirrt ansah. Zorro setzte sich mit dem Brief an seinen Schreibtisch und las ihn durch, nachdem sein Vater gegangen war und die Tür geschlossen hatte. Innerlich freute er sich, dass sein Vater so nett war und auch, dass er nun mit jemandem Kontakt aufnehmen konnte. Er legte den Brief beiseite, nahm sich ein Blatt und einen Stift.
 

"Lieber Sanji Goodrem.
 

Ich habe deinen Brief von meinem Papa bekommen. Ich meinte, dass der Brief eher an mich gerichtet sei, als an ihn.

Ich habe mich über den Brief gefreut, denn ich habe auch keine Freunde.

Ich bin Zorro Lorenor und bin auch 8 Jahre alt. Ich bin am 11.11.1981 geboren.

Meine Mama hat mal gesagt, ich war ein Unfall. Sie mag mich nicht besonders. Ich mag sie aber auch nicht so.

Mein Papa ist immer sehr nett zu mir, aber er arbeitet viel und wenn er zuhause ist, dann stopft er immer tote Tiere aus.

Er hat also auch keine Zeit für mich.

Ich habe leider keine Haustiere. Papa wollte mir mal einen Papageien kaufen, doch Mama hatte etwas dagegen. Sie mag keine Tiere.

Ich mag die Farben Grün und Schwarz und esse am liebsten Erdnussbutter-Gelee-Sandwiches. Die mache ich mir meist selbst.

Ich würde auch gerne einen Hund haben, einen richtig großen, damit er beschützen und aufpassen kann.

Dreimal in der Woche habe ich Kendo. Das ist eine japanische Schwertkampfkunst und da gefällt es mir sehr gut.

Es findet abends statt und Papa fährt mich immer hin. Er holt mich auch ab.

Ich mag den Winter und den Sommer am liebsten. Und ich mag Weihnachten sehr.

Ich kann keine Mädchen leiden, weil die immer zu schnell heulen. Und ich mag die Schule nicht. Ich schlafe oft im Unterricht ein und bekomme deswegen immer Ärger von den Lehrern.

Das ist unfair, denn die meinen, ich schlafe zuhause zu wenig. Das stimmt aber nicht. Ich schlafe zuhause nämlich sehr viel.

Ich mag auch nicht, dass meine Mama immer so viel Whiskey probiert. Das ist ein Schnaps, hat sie mir einmal gesagt.

Und sie meinte auch, dass man ihn ständig probieren muss. Wenn sie den nicht probiert, dann schläft sie ganz viel.

Brüder oder Schwestern habe ich nicht.

Hast du welche?

Ich wohne mit meinem Papa und meiner Mama in einem kleinen Haus mit Garten.

Da bin ich im Sommer oft und spiele alleine Fußball.

Magst du Fußball?

Ich mag Fußball sehr.

In Amerika ist es ganz normal.

Ich habe zu meinem letzten Geburtstag eine Kamera von meinem Papa bekommen.

Ich mache gleich mal ein paar Fotos und steck sie mit in den Briefumschlag.

Dann siehst du, wie es hier in Amerika aussieht.

Ein Foto von mir habe ich schon, das tu ich dann auch noch mit zu dem Brief, dann weißt du auch, wie ich aussehe.
 

Dein Zorro
 

PS. Ich habe mich über dein Bild gefreut.

PSS. Ich will gerne dein Freund sein. Du meiner auch?"
 

Zorro war stolz auf seinen Brief. Genauso, wie Sanji auf seinen Brief stolz gewesen war. Zorro faltete den Brief und nahm sich einen Briefumschlag, den er in seiner Schreibtischschublade aufbewahrte. Er schrieb auf den Umschlag noch Sanji´s Adresse, die er als Absender auf dem Umschlag von Sanji fand. Anschließend nahm er, total aufgeregt, die Kamera aus derselben Schublade und lief zu seinem Fenster. Dort knipste er sofort Fotos. Auch von seinem Zimmer machte er ein paar Fotos. Am nächsten Nachmittag, sein Vater hatte früher frei, gingen die beiden zu einem Geschäft, in dem die Fotos entwickelt wurden. Das dauerte nicht lange, sodass Zorro´s Vater ihm ein Eis spendierte, solange sie warten mussten. Zorro hatte den noch offenen Brief dabei, damit er gleich die Fotos hineinstecken und ihn anschließend in den Briefkasten werfen konnte. Dies tat er auch, als alles erledigt war. Er fragte sich, wie lange er auf eine Antwort warten müsse, denn er fand Sanji nett.

Chapter Three

Als Sanji den Brief gelesen hatte, zeichnete sich auf seinen Lippen ein breites Grinsen ab. Dieses wurde beinahe noch größer, wenn das überhaupt noch ging, als er die Fotos, die Zorro extra gemacht hatte, ansah. Er freute sich wirklich, denn er hatte ja schon gedacht, er würde keine Antwort bekommen. Sofort wollte er zurückschreiben, damit er den Brief ganz schnell wegschicken konnte und er auch schnell wieder Antwort bekam. Eine Sache jedoch verstand er nicht. Wenn Zorro den Brief gelesen hatte, als er ihn erhielt, wie lange hatte sein Brief zu Zorro und umgekehrt gebraucht? Der Sache wollte Sanji auf den Grund gehen. Doch erst, nachdem er eine Antwort geschrieben hatte. Schnell und aufgeregt rannte er schnurstraks ins sein Zimmer, knallte die Tür zu und sprang auf seinen Stuhl. So aufgeregt war er schon lange nicht mehr gewesen. Endlich hatte er einen Freund. Dabei war es ihm egal, ob man sich sah oder nicht. Es war ein Freund und das war das Wichtigste für ihn. Er wollte Zorro auch Bilder schicken, doch hier in seinem Zimmer hatte er keine. Bevor er anfing zu schreiben, stand er nochmal auf. Grübelnd stand er in der Mitte seines Zimmers und überlegte, wo es wohl ein aktuelles Foto von ihm geben würde. Er wusste es nicht, also rannte er schnell nach unten ins Restaurant. Er wollte Jeff befragen und auch gleich wissen, wo Briefumschläge und Briefmarken zu finden sind. Jeff erklärte ihm, wo alles zu finden war und bevor er noch ein Wort sagen konnte, rannte der fröhliche, kleine Sanji wieder in die gemeinsame Wohnung. Er spurtete ins Wohnzimmer zu dem großen Wohnzimmerschrank aus massiver Eiche und öffnete eine der vielen Schubladen. Dort war, wie Jeff gesagt hatte, ein großes Fotoalbum. Jeff machte regelmäßig Fotos von Sanji, um alles festzuhalten. Nachdem er ein paar Fotos von sich an verschiedenen Orten, einige auch mit Jeff, herausgenommen hatte, ging er in die Küche an eine der Schubladen. Dort fand er Briefumschläge und Briefmarken, wovon er sich jeweils ein Teil nahm. Schließlich rann er wieder in sein Zimmer und begann zu schreiben. Euphorisch überlegte er, was er denn nun alles schreiben sollte. Er entschied sich aber dazu, erstmal vernünftig den Brief zu beantworten. Er wollte ja schließlich keinen Roman schreiben.
 

"Lieber Zorro.
 

Ich habe mich sehr über deine Antwort gefreut!

Ich habe schon gedacht, dass nichts mehr kommt, das hat mich sehr traurig gemacht.

Über deine Fotos habe ich mich auch sehr gefreut, die waren wirklich toll.

Das ist von deiner Mama aber nicht nett, dass die sowas zu dir sagt.

Aber ich habe keine Mama.

Und mein Papa ist auch eigentlich nicht mein richtiger Papa, er hat mich adoptiert.

Aber ich mag ihn wirklich sehr, er ist der tollste Papa der Welt.

Geschwister habe ich leider keine, aber ich will auch gar keine haben. Dann hätte Papa noch weniger Zeit für mich, als so schon.

Er hat nämlich immer sehr viel mit dem Restaurant zu tun und so, deswegen freut er sich auch, dass ich einen Freund gefunden habe.

Weihnachten mag ich auch sehr und Mädchen mag ich auch nicht.

Fußball finde ich auch ganz toll, ich hab auch einen Ball hier in meinem Zimmer.

Aber wir haben keinen Garten und in der Wohnung darf ich kein Ball spielen.

Als ich das letzte Mal auf dem Spielplatz mit meinem Fußball gespielt habe, haben mir die anderen den weggenommen und Papa musste mir einen neuen kaufen.

Seitdem hab ich nicht mehr draußen gespielt.

Leidest du an einer Krankheit, dass du so viel schläfst?

Wenn ja, an was für einer?

Und ich finde Amerika ganz toll! Aber bei euch sieht es ja so aus, wie bei uns.

Ich werde auf jeden Fall mal so ein Erdnussbutter-Gelee-Sandwich probieren, das hört sich lecker an.

Ich habe dir auch ein paar Bilder rausgesucht. Papa meinte, es wäre kein Problem, wenn ich sie aus dem Fotoalbum nehme und dir schicke.

Ich hoffe, du freust dich darüber. Ein Bild von Fritz ist auch dabei, dann siehst du, wie mein Goldfisch aussieht.

Ich finde es sehr komisch, dass deine Mama so oft und viel Whiskey probiert.

Mein Papa macht das nur, weil er manchmal Schnaps oder Wein zum Kochen braucht, dann schmeckt es besser.

Aber mein Papa raucht Pfeife, das stinkt immer ganz fürchterlich. Eigentlich mag ich den Geruch von Vanille, aber nicht, wenn er Tabak mit Vanillegeschmack raucht.

Ich mache dann immer in der ganzen Wohnung die Fenster auf, damit es nicht so stinkt.

Bei uns im Wohnzimmer steht auch ein totes Tier. Ich glaube, das ist ein Fuchs aus Deutschland.

Den hat er wohl irgendwo gekauft, aber selbst machen tut er das nicht.
 

Dein Sanji
 

PS. Wir haben hier ziemlich schönes Wetter. Ist das bei euch auch so?"
 

Als Sanji den Brief zuende geschrieben hatte, faltete er ihn und steckte ihn in den Briefumschlag. Aber weil er vor Aufregung zu übereifrig war, riss er den Umschlag aus Versehen kaputt. Er war sich sicher, dass Jeff das nicht schlimm fand, weswegen er sich aus der Küchenschublade einen Neuen holte. Als der Brief fertig war, mit den Fotos, schrieb er die Adresse von Zorro darauf und auf die Rückseite seinen Absender. Und da er nicht bis zum nächsten Morgen warten wollte, rannte er direkt los. Die Treppen nach unten, aus dem Haus, über die Straße und zum Briefkasten. Dort warf er ihn ein und klopfte fröhlich auf den Kasten. "Bring mir schneller Antwort, als das letzte Mal!" hatte er noch gesagt, bevor er ins Restaurant ging, um Jeff zu helfen.

Chapter Four

Während Sanji´s Probleme in der Schule immer schlimmer wurden, wurden Zorro´s besser. Man merkte dem kleinen und überaus süßen Zorro an, wie gut gelaunt er seit einiger Zeit war. Nicht nur sein Vater und die Lehrer bemerkten das, sondern auch seine Mitschüler. Sein Tischnachbar hatte sich zum ersten Mal getraut, ihn anzusprechen. Zwar fragte er ihn nur nach einem Radiergummi, doch immerhin etwas. Zorro war zuerst verwundert und sah ihn ein wenig perplex an, griff dann jedoch nach seinem Radiergummi und reichte ihm diesen. Der Junge namens Ace bedankte sich lächelnd und gab ihn anschließend zurück. Zorro wunderte sich auch nach der Schule noch immer darüber, denn Ace hatte, wenn er etwas benötigte, was er mal wieder nicht dabei hatte, immer das Mädchen namens Robin gefragt. Diese saß mit ihrer Freundin eine Reihe hinter Zorro und Ace und war total verliebt in ihn. Zorro mochte keine Mädchen. Er mochte sie noch nie und für ihn war jetzt schon klar, dass er sie auch niemals mögen würde. Als er nach der Schule nach Hause kam und in sein Zimmer ging, fand er wieder einen Brief auf seinem Schreibtisch vor. Er war wieder von Sanji, was ihn sehr freute. Anhand des Datums, welches sich immer auf den Briefen befand, konnte Zorro feststellen, wie lange die Briefe ungefähr dauerten. Sanji´s erster Brief war von Mitte September 1990. Erhalten hatte Zorro ihn Mitte Oktober. Er selbst hatte ja sofort zurückgeschrieben und das jetzige Datum, das auf Sanji´s neuem Brief stand, war von Mitte November. Nun hatten wir Mitte Dezember. Zorro war im November 9 Jahre alt geworden. Er fragte sich, wieso die Briefe so lange dauerten. Er hatte in der Schule einmal nachgesehen und fand heraus, dass Australien wirklich sehr weit weg war. Einen Monat dauerte es also, bis der eigene Brief beim Anderen ankam und man musste zwei Monate auf eine Antwort warten. Er fand das sehr schade, dass es so lange dauerte und hoffte, dass es irgendwann einmal schneller ging. Er fand es auch nicht schlimm, dass Sanji ihm nicht zum Geburtstag gratuliert hatte. Zorro gab nicht viel auf Geburtstage. Dies lag wahrscheinlich daran, dass seine Mutter ihn ja nicht haben wollte und er deswegen Geburtstage überflüssig fand. Bevor er Sanji zurückschrieb, machte er noch seine Hausaufgaben. Wenn Zorro sie nicht sofort machte, wenn er aus der Schule kam, dann machte er sie gar nicht. Da Zorro wusste, dass Sanji den Brief erst in einem Monat, also im neuen Jahr bekam, entschied er sich dazu, ihm etwas zu Weihnachten zu schenken. Er überlegte noch eine Weile, bis er zu dem Schluss kam, Sanji diesmal keinen normalen Brief, sondern ein Paket zu schicken. Er suchte einen geeigneten Karton und fand einen alten, leeren Schuhkarten unter seinem Bett. Diesen holte er hervor und ging schnurstraks zu seinem Schrank. Dort hatte er Spielerkarten von amerikanischen Fußballern. Einige davon schenkte er ihm und legte sie in den Karton. Außerdem schenkte er ihm seinen Lieblingsteddy, ohne den er normalerweise nicht einschlafen konnte. Aber mochte Sanji nun mal sehr und fand, dass er bald aus dem Alter rausgewachsen sein würde.
 

"Lieber Sanji.
 

Ich hätte lieber gar keine Mama, als so eine Mama, die mich nicht mag.

Ich finde es gut, dass unsere Papa´s beide so nett sind, auch, wenn dein Papa eigentlich nicht dein richtiger Papa ist.

Ich hätte gerne Geschwister, dann hätte ich wenigstens jemanden zum Spielen oder zum Reden.

Aber es wäre nicht gut, wenn ich noch ein Geschwisterchen bekäme, was meine Mama dann auch nicht leiden könnte.

Über die Bilder von dir habe ich mich sehr gefreut und ich finde, dass dein Papa wirklich nett aussieht.

Auch dein Goldfisch sieht wirklich nett aus.

Ich habe mir schon überlegt, ob ich mir nicht auch ein Haustier holen soll und es in meinem Zimmer verstecke.

Aber wenn meine Mama das irgendwann mal sieht, dann wird sie es mir wegnehmen, deswegen lasse ich das lieber.

Bald haben wir Weihnachten und ich freue mich schon darauf, dass mein Papa dann Urlaub hat und ich mit ihm, wie jedes Jahr, den Baum und die Wohnung dekorieren kann.

Meine Mama wird wahrscheinlich wieder schlafen, weil sie zu viel Whiskey probiert hat, aber das finde ich nicht schlimm.

Ich freue mich auf die Zeit mit Papa.

Heute in der Schule hat mich mein Klassenkamerad, der neben mir sitzt, angesprochen.

Er hat mich gefragt, ob ich ihm kurz seinen Radiergummi ausleihe.

Das fand ich ziemlich komisch, denn bisher hat mich nie jemand angesprochen, aber ich habe ihm meinen Radiergummi geliehen.

Er hat ihn mir auch sofort wieder zurückgegeben und sich sogar bei mir bedankt.

Ich denke, dass Ace, so heißt er, vielleicht gar nicht so viel Angst vor mir hat, wie die anderen.

Wie ist es bei dir denn in der Schule?

Fragen dich andere auch nach deinen Sachen, ob du ihnen etwas ausleihst?

Ich leide an keiner Krankheit, ich schlafe nur gerne und viel.

Auch, wenn mir langweilig ist.

Ich mag es auch nicht, früh aufzustehen, ich schlafe lieber länger.

Andere spielen den ganzen Tag auf dem Spielplatz, ich schlafe lieber.

Meine Mama raucht Zigaretten, das stinkt bestimmt viel schlimmer. Aber so genau weiß ich das ja nicht.

Ich kenne ja niemanden, der Pfeife raucht.

Hier scheint die Sonne, aber es ist nicht so warm, wie im Sommer.

Hier liegt aber auch nie Schnee und ich brauche nie dicke Sachen anzuziehen.

Das finde ich sehr schade, denn ich mag Schnee.

Letztes Jahr waren wir über Weihnachten bei meiner Oma und meinem Opa.

Die wohnen in New York und da liegt über Weihnachten Schnee. Das fand ich ganz toll.

Ich habe mit meinem Opa Schneeballschlachten gemacht und mit ihm einen ganz großen Schneemann gebaut, der eine Karotte als Nase hatte.

Habt ihr bei euch Schnee?

Hast du so ein Sandwich schon probiert?
 

Dein Zorro
 

PS. Ich wünsche dir schonmal Frohe Weihnachten und ein schönes, neues Jahr!

PSS. Ich habe dir meinen Lieblingsteddy und einige Karten von amerikanischen Fußballstars als Weihnachtsgeschenk in einen Karton gepackt. Der Teddy heißt Chester und ich hoffe, du magst ihn."
 

Zorro faltete den Brief, wie den vorigen auch, und legte ihn in den Karton. Er hatte ein Lächeln auf dem Gesicht, als er den Karton mit Tesa mehr als großzügig umwickelte. Er klebte auch noch einen Zettel mit Adresse und Absender darauf. Er zog sich seine Schuhe an, nahm seinen Haustürschlüssel und Taschengeld mit. Er wusste, dass man Pakete zur Post bringen und bezahlen musste, dass hatte er einmal bei seinem Vater gesehen. Also ging er zur Post und sagte der alten Frau dort, dass das Paket sehr wichtig sei und nicht abhanden kommen dürfte. Sie versicherte dem kleinen Zorro lächelnd, dass sie darauf aufpassen würde und Zorro ging schließlich überglücklich nach Hause. Er fragte sich noch, als er abends im Bett lag, ob Sanji sich wohl freuen würde. Je länger und intensiver er darüber nachdachte, desto mehr kribbelte es in seinem Bauch. Endlich hatte er einen Freund gefunden und er fand es überhaupt nicht schlimm, dass sie sich nicht sehen konnten.

Chapter Five

Als Sanji das Paket bekam, ging es ihm gar nicht gut. Er war krank und sein rechter Arm, mit dem er immer schrieb, war gebrochen und lag in Gips. Sanji war trauriger und einsamer, als zuvor, denn er konnte Zorro nicht zurückschreiben. Sechs lange Wochen sollte die Heilung dauern, in denen er die erste Woche noch auf den Brief wartete. Nun waren also noch fünf Wochen übrig. Er fragte sich, ob Zorro wohl böse auf ihn sein würde, wenn er nciht sofort zurückschrieb, aber daran ändern konnte er ja sowieso nichts. Als nach zwei weiteren Wochen seine Erkältung nicht besser, sondern schlimmer wurde, fuhr Jeff noch einmal mit ihm zum Arzt. Dieser untersuchte Sanji und stellte fest, dass er eine schlimme Mandelentzündung hatte. Das musste mit Antibiotika schnell behandelt werden. Der Arzt sagte zu Jeff, dass Sanji operiert werden müsse, sobald er wieder gesund war. Sanji hatte schon immer viele und schlimme Mandelentzündungen innerhalb eines Jahres und dem Kinderarzt gefiel das noch nie gut. Er hatte versucht eine Operation zu vermeiden, doch das ging nun nicht mehr. Immerhin hatte Sanji ja auch immer ganz schlimme Schmerzen. Drei Wochen sollte der Gips noch dranbleiben. Er zählte die einzelnen Tage bis zu dem Tag, an dem er seinem Freund wieder schreiben konnte. Er war aber froh, dass er nicht in die Schule musste, weil er so arg krank war. Und er musste auch nicht in die Schule, wenn er ins Krankenhaus kam. Eine weitere Woche hatte es gedauert, bis das Antibiotikum gewirkt hatte und Sanji nun bereit für Operation war. Jeff hatte sich extra freigenommen, was er sonst meist nie tat. "In Zwei Wochen kann ich dir wieder schreiben, Zorro.." war sein letzter Gedanke gewesen, bevor der kleine Sanji in Narkose fiel.

Zorro wartete und und wartete auf Sanji´s Antwort, aber es kam und kam einfach nichts. Er wurde immer ungeduldiger und auch trauriger, denn er nahm an, dass Sanji das Geschenk nicht gefallen hatte. Aber Zorro malte sich auch andere Dinge aus, was Sanji am Schreiben hindern könnte. Zum Beispiel, dass er umgezogen ist und das Paket vielleicht gar nicht angekommen ist. Oder, dass der Briefträger überfallen worden ist und der Dieb das Paket mitgenommen hätte. Oder vielleicht hatte Sanji keine Stifte und kein Papier mehr und ihnen fehlte es an Geld, um Neues zu besorgen. Zorro war sich sicher, dass es einen plausiblen Grund dafür geben musste. Er glaubte nicht daran, dass Sanji ihn plötzlich einfach nicht mehr mochte. Er fühlte sich schlecht, weil er nichts von seinem einzigen Freund hörte und nicht wusste, wieso er denn nicht antwortete. Das war das Einzige, worüber er nachdenken konnte. Er konnte sich auch nicht vernünftig auf seine Hausaufgaben konzentrieren. Dafür half ihm Ace aber, indem er ihn meist abschreiben lies. Ace machte stets seine Hausaufgaben und war, trotz seiner kleinen Störungen im Unterricht, sehr gut in der Schule. Ace hatte bemerkt, dass Zorro seit einiger Zeit traurig zu sein schien und dass er seine Hausaufgaben nicht machte. Zwar redete Zorro noch immer nicht wirklich mit ihm, bedankte sich aber jedes Mal freundlich bei seinem Sitznachbarn, dass er abschreiben durfte.

Sanji´s Gips wurde ihm abgenommen, als er noch im Krankenhaus lag. Er musste solange im Krankenhaus liegen, bis er wieder vollkommen Gesund war. Er fand es schade, dass Jeff ihm nicht erlaubte, Zorro zu schreiben, denn Jeff meinte, Sanji solle seinen Arm erst ganz langsam wieder daran gewöhnen. Weitere zwei Wochen später, Sanji hatte nun also zwei Monate lang nicht auf Zorro´s Paket antworten können, durfte er endlich nach Hause und seinem Freund schreiben. Chester, der Teddy, war stets an Sanji´s Seite gewesen. Er hatte ihm geholfen, im Krankenhaus nicht so viel Angst zu haben und er mochte Chester wirklich sehr. Auch jetzt gerade saß Chester auf Sanji´s Schoß, als er dabei war, Zorro endlich wieder einen Brief zu schreiben. Sanji hatte Jeff gebeten, alles auf Fotos festzuhalten. Den Gips, das Krankenhaus, er sollte sogar in Sanji´s Hals fotografieren, damit Zorro sehen konnte, wie Sanji´s Hals mit und ohne Mandeln aussah. Sanji fand das sehr wichtig. Er wollte alles dokumentieren, damit man auch nichts vergisst. Da es so viele Fotos waren, hatte er sie auch in einen kleinen Karton gelegt und auch gleich noch ein nachträgliches Geburtstags- sowie Weihnachtsgeschenk. Einige Spielerkarten von australischen Fußballstars, sowie einen selbst gemachten, kleinen Teddy, der Chester zum verwechseln ähnlich sah und ebenfalls wie Chester eine rote Schleife um den Hals trug, und schließlich noch einige Utensilien, die er aus dem Krankenhaus hat mitgehen lassen. Ein paar Spritzen, aber ohne Nadeln, ein Blutdruckmessgerät und so ein Teil, damit man jemanden abhören konnte. Sanji wusste nicht, wie man das nannte, weshalb er Jeff gefragt hatte, der es als ein sogenanntes Stethoskop enttarnte.
 

"Lieber Zorro.
 

Ich hoffe, du bist mir nicht böse, dass ich dir so lange nicht geantwortet habe.

Aber ich war leider krank.

Ich hatte eine schlimme Erkältung, dann noch einen Gips, weil mein rechter Arm gebrochen war und ich hatte dann eine Mandelentzündung.

Im Krankenhaus war ich auch, da haben sie mich operiert und meine Mandeln rausgenommen.

Der Kinderarzt meinte, ich hätte immer viel zu oft eine Mandelentzündung und deshalb müssten die raus.

Da im Krankenhaus haben die mir dann später noch den Gips abgemacht, aber ich durfte nicht schreiben, weil Jeff meinte, ich soll den Arm erst langsam wieder benutzen.

Ich habe dir auch ganz viele Fotos in den Karton gelegt, damit du den coolen Gips siehst.

Und auch, wie mein Hals mit Mandeln aussah und wie er jetzt ohne Mandeln aussieht.

Leider haben mir nur Jeff und einige der Krankenschwestern auf den Gips geschrieben.

Mein Arm war gebrochen, weil ich auf dem Klettergerüst in der Schule ganz oben ausgerutscht bin und dann bin ich runtergefallen auf meinen Arm.

Nein, das ist gelogen. Aber ich will dich nicht anlügen.

Ich habe das Jeff und allen anderen erzählt, damit sie sich keine Sorgen machen.

Ein paar meiner Klassenkameraden haben mich vom Klettergerüst geschubst.

Aber das ist nicht schlimm, meinem Arm geht es ja wieder gut.

Ich hoffe, du hattest ein schönes Weihnachtsfest und ich habe mich wirklich ganz doll über dein Geschenk gefreut.

Die Karten habe ich in Folie in meinen Ordner getan.

Und Chester war im Krankenhaus auch die ganze Zeit bei mir, damit ich nicht zu große Angst habe.

Gerade sitzt Chester auf meinem Schoß und er freut sich bestimmt, dass ich dir schreibe.

Ich habe dir auch ein Geschenk zu Weihnachten in den Karton gelegt.

Ich hoffe, das ist nicht schlimm, wenn es so spät kommt. Und ich hoffe, du freust dich.

Den kleinen Teddy habe ich selbst gemacht, Jeff hat ein bisschen geholfen.

Er heißt Hank und ich hoffe, er gefällt dir.

Wir hatten dieses Jahr keinen Schnee hier in Australien.

Hier liegt selten Schnee und wenn, dann nicht besonders viel.

Es freut mich, dass dein Klassenkamerad so nett zu dir ist.

Seid ihr denn jetzt befreundet?

Immerhin ist nun ein wenig Zeit vergangen, seit deinem Brief.

Hattest du eine schöne Zeit mit deinem Papa an Weihnachten?

Mein Weihnachten war ganz toll!
 

Dein Sanji
 

PS. Ich hoffe, du freust dich auch über die anderen Sachen, die ich dir in den Karton gelegt habe. Die Sachen habe ich extra für dich aus dem Krankenhaus mitgenommen.

PSS. Das ist auch ein nachträgliches Geburtstagsgeschenk, also nicht nur für Weihnachten.

PSSS. Ich hab dich lieb"
 

Sanji liefen einige Tränen über seine Wangen, als er Zorro das mit seinem gebrochenen Arm geschrieben hatte. Es war nicht leicht für ihn, dass er in der Schule solche Probleme hatte und so behandelt wurde. Er hoffte einfach nur, dass das schnell vorbei ging. Sanji war Anfang des Monats ebenfalls 9 Jahre alt geworden, denn wir hatten ja nun Mitte März 1991. Nach dem Sommer sollte er in eine neue Schule wechseln und er hatte Jeff vor kurzem schon gebeten, darauf zu achten, dass Sanji auf eine ganz andere Schule kommt, wie seine jetzigen Klassenkameraden. Jeff fand es zwar eigenartig, willigte aber ein, denn er wollte, dass es Sanji gut ging und versuchte so gut es ging seine Wünsche zu erfüllen. Sanji legte den Brief mit in den Karton, klebte ihn zu, schrieb die Adresse und seinen Absender drauf und brachte ihn am nächsten Tag zusammen mit Jeff zur Post. Sanji war wirklich sehr traurig und hoffe ganz stark, dass Zorro ihm nicht böse war, weil er sich nicht gemeldet hatte.

Chapter Six

Zorro und Ace näherten sich immer mehr an. Ace sprach Zorro nun nicht nur im Unterricht an, sondern auch in den Pausen. Ace versuchte immer Zorro dazu zu bewegen, mit ihm und den beiden Mädchen, Robin und Nami, Zeit zu verbringen, doch Zorro mochte keine Mädchen und sagte deshalb nicht zu. Ace und Zorro gingen mittlerweile nach der Schule gemeinsam in Richtung Zuhause. Ace wohnte in Zorro´s Nachbarschaft, musste aber immer zwei Straßen früher abbiegen, als der süße Zorro. Sie unterhielten sich mal mehr und mal weniger. Das kam ganz auf Zorro´s Stimmung an. Ace redete immer sehr viel und es schien ihm beinahe egal, ob Zorro das auch interessierte, oder nicht. Zorro machte das nichts aus, denn er redete allgemein nicht gerne und wenn, dann auch nicht wirklich viel. So hatte er Ace aber einmal erzählt, dass er einen Brieffreund aus Sydney, Australien hat. Ace fand das ziemlich spannend und wollte unbedingt mehr wissen. Zorro erzählte ihm jedoch nicht viel. Nur, dass der Junge Sanji heißt, wie alt er war und wann er Geburtstag hatte, denn das hatte sich Zorro gemerkt. Selten merkte er sich etwas, er konnte auch nie viel behalten, doch das wusste er. An diesem Tag, es war ein Freitag im April und schön warm, durfte Ace mit zu Zorro nach Hause. Sein Vater hatte Urlaub und hatte es erlaubt. Zorro´s Papa hatte sich von seiner Mutter scheiden lassen und sie vor die Tür gesetzt. Er fand, dass es an der Zeit war, dass Zorro ein normales Leben führte und nicht mehr mit ansehen muss, wie seine Mutter sich jeden Tag betrinkt. Zorro´s Vater fand es toll und freute sich für seinen Sohn, dass er außer Sanji nun noch einen weiteren Freund hatte. Als die beiden Jungs in Zorro´s Zimmer gingen, entdeckte Zorro ein Paket, welches auf seinem Schreibtisch stand. Sofort begannen seine Augen zu strahlen und er lächelte sogar. Selten tat Zorro das, doch jedes Mal, wenn er etwas von Sanji sah, lächelte er. Er freute sich unheimlich über eine Nachricht von Sanji und war gespannt, was dieser ihm schickte. Aufgeregt stellte er seine Schultasche auf seinen Schreibtischstuhl und machte sich daran, das Paket zu öffnen. Ace sah total gespannt zu und bemerkte auch, dass Zorro sehr glücklich war. Sofort, nachdem Zorro den Brief gelesen hatte, probierten die beiden das Stethoskop aus. Die Jungs zogen ihre T-Shirts aus und horchten ihre Herzen ab. Sie fanden das unglaublich spannend und aufregend, denn die beiden hatten mit so etwas noch nie zu tun gehabt. Zwar wurden sie mal krank, doch das war selten und sie waren auch nie so schlimm krank, wie Sanji. Zorro und Ace lachten auch die ganze Zeit, als sie ihre Bäuche abhörten. Blubbernde und glucksende Geräusche kamen aus ihren Bäuchen, was sie unglaublich witzig fanden. Da Ace bei Zorro schlafen durfte, nachdem sie Zorro´s Vater und Ace´s Eltern gefragt hatten, spielten sie den ganzen Abend Arzt, bis sie ins Bett mussten. Am nächsten Tag, nachdem gemeinsam gefrühstückt wurde, ging Ace nach Hause und Zorro setzte sich sofort an seinen Schreibtisch, um Sanji zu schreiben.
 

"Lieber Sanji.
 

Ich freue mich wirklich sehr, dass du mir geschrieben hast.

Und ich habe mich auch sehr über die Sachen gefreut, die in dem Paket waren.

Ace und ich, von dem ich dir ja erzählt habe, sind jetzt befreundet und er hat gestern hier übernachtet.

Gerade eben ist er nach Hause gegangen. Wir haben den ganzen Tag gestern Arzt gespielt und hatten am meisten Spaß mit dem Ding, was du ein Stethoskop nennst.

Am meisten habe ich mich aber über Hank gefreut!

Er sieht Chester wirklich sehr ähnlich und ich freue mich noch mehr darüber, dass du ihn selbst gemacht hast.

Dass du krank warst tut mir sehr leid.

Ich habe mir schon Sorgen gemacht, weil ich ja nicht wusste, wieso du nicht schreibst.

Aber nun bin ich froh, dass es dir wieder gut geht.

Die Fotos finde ich auch ganz toll und der Gips ist wirklich total cool!

Ich habe auch noch nie gesehen, wie das mit den Mandeln so aussieht.

Ist das denn nicht schlimm, dass du sie nicht mehr hast?

Ich bin nicht oft krank.

Mein Papa sagt immer, ich habe sehr gute Abwehrkräfte, wobei ich gar nicht wirklich weiß, was das ist, aber es scheint etwas Gutes zu sein.

Dass deine Klassenkameraden so gemein zu dir sind tut mir auch leid.

Vielleicht solltest du dich mal wehren und das mit ihnen machen, was sie mit dir machen.

Vielleicht hilft das ja.

Die Fußballkarten stecke ich auch gleich in Folien und in meinen Ordner.

Ich finde es toll, dass du auch so einen Ordner hast.

Weihnachten mit meinem Papa war ganz toll!

Ich habe sogar ein Haustier bekommen!

Es ist ein Papagei und er heißt Sammy.

Er ist ganz bunt. Rot und gelb und blau, ein bisschen weiß und ein bisschen schwarz.

Ich habe auch ein Foto von ihm, das leg ich dann gleich mit zu dem Brief, damit du siehst, wie er aussieht.

Papa hat sich von Mama scheiden lassen. Sie sind jetzt also getrennt.

Papa hat mir das sehr gut erklärt und er fragte mich auch, ob ich das schlimm finde.

Aber ich finde es gut, denn seit Mama weg ist, stinkt es hier nicht mehr nach Zigaretten oder Whiskey.

Und es ist hier jetzt auch immer sehr ordentlich und es riecht gut.

Papa gibt sich ganz viel Mühe und ich helfe ihm ganz viel, vor allem, wenn er arbeiten muss.

Im Moment hat Papa Urlaub und er macht ganz viel mit mir.

Er spielt mit mir Fußball und Baseball und Basketball, aber am liebsten spielen wir Fußball.

Auch gehen wir ganz oft einfach nur so spazieren, das gefällt mir sehr gut.

Wenn ich groß bin will ich einmal so werden, wie mein Papa.

Er arbeitet in einem Büro als Anwalt und ich will auch später einmal Menschen helfen, die in Not sind.

Papa hat gesagt, wenn ich alt genug bin und auch Anwalt bin, dann kann ich bei ihm im Büro arbeiten.

Das Büro nennt sich übrigens Anwaltskanzlei.

Was willst du denn eigentlich mal werden?

Ich hoffe, es wird dir bald besser gehen, wegen deinen Klassenkameraden.

Wechselst du auch nach dem Sommer die Schule?

Ich werde gemeinsam mit Ace die Richard Merkin Middle School besuchen und wir werden auch sogar in dieselbe Klasse kommen.

Leider sind Robin und Nami, die hinter uns sitzen, auch in unsere Klasse kommen.

Ace findet das ganz toll, er mag Robin sehr, aber ich finde das nicht so toll.

Ich mag die beiden nicht. Die reden immer nur über Mädchensachen und das nervt ziemlich.
 

Dein Zorro
 

PS. Ich finde es ganz toll, dass du die Sachen für mich aus dem Krankenhaus mitgenommen hast. Durftest du das denn, oder hast du sie geklaut?

PSS. Ich habe dich auch lieb"
 

Schnell packte Zorro den Brief und das Foto von Sammy in den Briefumschlag, auf dem schon Adresse und Absender stand. Er lief aufgeregt zu seinem Vater und lies sich eine Briefmarke geben, woraufhin er schnell zum Briefkasten lief und den Brief einwarf. Er stand so lange an dem Briefkasten, bis der Postbote kam, um ihn zu leeren. "Duuu, wieso dauert ein Brief nach Australien eigentlich einen Monat?" hatte Zorro den Briefträger gefragt, der ihn kurz sprachlos ansah. Noch nie wurde der Briefträger sowas von einem Kind gefragt. Schließlich lächelte er aber und erklärte dem kleinen Zorro, der aufmerksam zuhörte, dass der Brief erstmal zur Post gebracht werden musste. Dort würden alle Briefe sortiert werden und zu einer viel größeren Post gebracht. Von da aus würde Zorro´s Brief mit anderen Briefen mit einem Flugzeug zu einer anderen Post gebracht. Da sortierten die zuständigen Leute auch wieder die Briefe. Und so würde das immer weitergehen, bis der Brief schließlich da landen würde, wo er hin soll. Zorro fand das sehr interessant und wusste nun, dass ganz viele Leute sich darum kümmern würden, dass Sanji seinen Brief bekam und umgekehrt. Zorro´s Neugier war nun gestillt und er bedankte sich freundlich bei dem netten Mann. Zuhause berichtete er stolz seinem Vater, was er gerade in Erfahrung gebracht hatte. Nun blieb Zorro nichts anderes übrig, als wieder zwei lange Monate auf Sanji´s Brief zu warten.

Chapter Seven

Eine lange Zeit ist vergangen. Juni 2000 und die beiden Brieffreunde schreiben sich nun schon seit fast 10 Jahren. Im September 2000 sind es genau 10 Jahre. Doch noch immer haben die beiden es nicht geschafft, sich zu sehen. Sanji begann seine Lehre als Koch im Restaurant seines Vaters mit 16 und in einem Jahr ist er mit der Ausbildung fertig. Noch immer lebt er mit seinem Vater in der Wohnung über dem Restaurant. Sanji hat es über die Jahre aufgegeben, sich immer wieder neue Goldfische zu kaufen und außerdem fand er, als er 15 war, dass er zu alt für einen Goldfisch sei. Seitdem hatte er kein Haustier mehr gehabt. Er freut sich noch immer wie früher auf Zorro´s Briefe, die er wirklich liebt. Er liebt es, wie Zorro schreibt, was er schreibt und er mag Zorro´s Handschrift. Diese ist zwar ein wenig krakelig, aber nicht mehr so übermäßig groß, wie früher. Sanji hatte sich vor einigen Jahren einen extra Ordner angelegt. Er und Zorro hatten darüber in einigen Briefen gesprochen, also legten sie sich ziemlich zeitgleich einen Ordner an. Jeder einzelne Brief wurde in eine Klarsichthülle gesteckt und abgeheftet. Natürlich blieb es nicht bei einem einzigen Ordner. Alle beide hatten mittlerweile schon 3 volle Ordner, der Vierte schon angefangen. Alle Briefe der beiden waren fein säuberlich nach Datum sortiert und auch den Ordnerrücken standen die Jahreszahlen, von wann bis wann die einzelnen Briefe stammten. Auch die Geschenke, die sie sich seit Jahren schickten, lebten noch. So auch Chester, Sanji´s Teddy, den er in Zorro´s erstem Paket erhalten hatte. Und so lebte auch noch Hank, der kleine Teddy, den Sanji mühe- und liebevoll für Zorro angefertigt hatte. Auch, wenn andere in ihrem Alter nichts für Teddybären oder allgemein für Kuscheltiere übrig hatten, so war den beiden das völlig egal. Die beiden Teddy´s hatten ihre Ehrenplätze in den Betten der beiden. Wenn Sanji traurig war, weil er von verschiedenen Mädchen Körbe bekam, legte er sich auf sein Bett, kuschelte mit Chester und dachte an Zorro. Das tat er auch immer noch. Denn immer, wenn er an seinen langjährigen Brieffreund dachte, ging es ihm gleich viel besser und er schöpfte neue Energie für andere Mädchen. Sanji war schon lange keine Jungfrau mehr. Seine erste Freundin, mit der er auch den ersten Sex hatte, hatte er mit 15. Seitdem hat er ständig irgendwelche neuen Mädchen, die ihn unbedingt heiraten wollen. Aus dem verletzlichen und gemobbten Sanji wurde ein Frauenschwarm und ein Chameur vom Feinsten. Zorro las Sanji´s Briefe immer ziemlich amüsiert und musste oft lachen. Zorro war da ganz anders. Während Sanji beinahe schon unzählige Mädchen hatte, konnte man Zorro´s Freundinnen an einer Hand abzählen. Er hatte ganz genau drei. Er selbst verlor seine Jungfräulichkeit mit 16 an seine zweite Freundin. Zorro, der braungebrannte, schon ein wenig muskulöse, junge Mann, hatte aber schon andere Erfahrungen gemacht. Er hatte einen Freund. Mit diesem Freund hatte er auch Sex gehabt, doch das war nicht von Dauer. Sie merkten einfach nur, dass sie nicht zusammenpassten, weshalb das in die Brüche ging. Zorro erzählte Sanji das jedoch nicht. Zorro hatte Angst, dass Sanji dann nichts mehr mit ihm zu tun haben wollte. Doch wusste Zorro nicht, dass auch Sanji schon einmal eine solche Erfahrung gemacht hat. Sanji lernte einen Jungen kennen, beide waren 17. Eine Beziehung war es nicht, aber Sanji fühlte sich von ihm so angezogen, dass er nicht anders konnte, als sich zwei Mal auf ihn einzulassen. Auch Sanji erzählte Zorro nichts davon, er dachte genau wie sein amerikanischer Freund. Aber sowohl Sanji als auch Zorro waren im Moment single. Die beiden planten schon seit ein paar wenigen Jahren, seit zwei, sich zu besuchen. Doch selbst, wenn man nur den Flug bezahlen musste, so war es doch ziemlich teuer. Seitdem sparten sie. Da die beiden noch bei ihren Vätern lebten, konnten sie wirklich viel Geld zurücklegen, sodass es sogar für einen Dauerbesuch von mehreren Wochen reichte. Beide waren der Meinung, man sollte nicht auf Kosten der anderen Leben und beide wollten bei einem Besuch auch etwas dazugeben. Sanji sollte später einmal das Restaurant übernehmen, sowie Zorro die Kanzlei seines Vaters. Aber während Sanji bald mit seiner Ausbildung fertig sein würde, dauerte es bei Zorro noch. Zorro hatte mit 16, nach einem super Abschluss in der Schule, ein Praktikum von einem Jahr bei seinem Vater gemacht. Anschließend hatte er sich bei verschiedenen Universitäten für ein Jurastudium beworben. Es dauerte nicht lange, bis er angenommen wurde und nun studierte er seit fast einem Jahr Jura. Obwohl Zorro´s bester Freund Ace war, war Sanji ihm beinahe noch wichtiger. Auch, wenn sie sich noch nie gesehen hatten. Ace war schon seit der Junior High mit Robin zusammen und Zorro war sich sicher, dass die beiden auf jeden Fall irgendwann heiraten würden. Außer Sanji, Ace, Robin und Nami hatte Zorro keine weiteren Freunde und das fand er auch vollkommen in Ordnung. Man brauch nicht viele Freunde, hauptsache, es sind die Richtigen. Bei Sanji sah es nicht anders aus. Dieser hatte außer Zorro nur einen einzigen Freund. Sein Name war Ruffy. Er war Sanji´s bester Freund. Ruffy hatte zwar immer nur Unsinn im Kopf und fraß schon beinahe wie ein Schwein, hatte auch wirklich immer Hunger, aber dennoch waren die beiden sehr dick miteinander. Ruffy konnte die Brieffreundschaft zu Zorro jedoch nie verstehen. Er konnte nicht nachvollziehen, wie man so lange über so eine Entfernung befreundet sein konnte. Sanji und Zorro hatten auch einmal darüber gesprochen, sich Emails zu schreiben, denn beide hatten Internet, doch kamen sie zu dem Schluss, dass sie das nicht ändern wollten. Sie wollten die Brieffreundschaft beibehalten, wie sie es schon seit Jahren taten. Im Jahre 2000 ging das mit den Briefen jedoch schon weitaus schneller. Man musste nun nicht mehr zwei ganze Monate auf eine Antwort warten, sonden nur noch einen Monat. Das fanden die beiden gut, denn so konnten sie noch mehr miteinander schreiben. Sanji las sich, im Gegensatz zu Zorro, sehr oft die alten Briefe von Zorro durch und vergleicht sie spaßeshalber mit seinen Neuen. Jedes Mal muss er lachen. Sanji war der Meinung, dass Zorro´s damalige Briefe total süß und so unglaublich kindlich waren. Sanji konnte es auch kaum fassen, dass sie nun schon so lange befreundet waren. Er hatte gerade Feierabend und es war schon längst dunkel draußen. Sanji musste nicht früh anfangen zu arbeiten, dafür war er jedoch erst sehr spät fertig. Schließlich musste auch noch alles aufgeräumt und sauber gemacht werden und Sanji war schon immer sehr gründlich. Geschafft ging er heiß duschen, zog sich anschließend seinen Bademantel über, schlüpfte in seine Pantoffeln und schlurfte beinahe schon erleidgt in sein Zimmer. Dort setzte er sich an seinen Schreibtisch und zückte ein Blatt sowie seinen Kugelschreiber. Am Morgen hatte er einen Brief von Zorro erhalten, hatte aber keine Zeit mehr, diesen zu beantworten.
 

"Lieber Zorro.
 

Die Arbeit schlaucht mich wirklich sehr, ich komme kaum noch zu etwas.

Jeff ist wirklich ein schrecklicher Chef, aber wie oft habe ich dir das nun schon gesagt?

Zehn Mal? Zwanzig Mal?

Aber mal ehrlich. Manchmal wünschte ich mir, ich hätte in einem anderen Restaurant meine Lehre angefangen.

Es freut mich, dass dein Studium so gut läuft und du dort ganz gut zurecht kommst.

Ich danke dir auch für das Foto, was du mir von dir, Ace und den wunderschönen Mädchen geschickt hast.

Ich muss schon sagen, Nami ist wirklich eine Schönheit.

Aber genug von meinem übermäßigen Charme.

Deine Semesterferien stehen bald an, das habe ich nicht vergessen. Habe mir die Wochen im Kalender rot angekreuzt.

Wirst du es denn auch wirklich schaffen, mich besuchen zu kommen?

Letztes Jahr hat es ja leider nicht geklappt, was ich wirklich schade fand, aber darüber haben wir auch genug gesprochen.

Wenn du es dieses Jahr schaffst, dann freu dich schonmal auf ein leckeres Essen, ich weiß auch schon ganz genau, was ich kochen werde.

Ich freue mich wirklich auf den Tag, an dem wir uns endlich sehen, darauf warten wir nun schon beinahe 10 Jahre und es wird wirklich langsam Zeit.

Du weißt ja, ich habe leider nicht mehr genug Geld, um dich besuchen zu kommen.

Das Auto war ziemlich teuer, aber es musste sein, weil Jeff, der Geizkragen, es mir nicht zum Geburtstag schenken wollte.

Zu deiner Frage, ob ich mittlerweile mal wieder eine Freundin habe.

Momentan habe ich keine. Mich wundert es allerdings, dass du nachfragst.

Eigentlich müsstest du doch wissen, dass ich dir das sofort sage.

Jedoch habe ich ständig irgendwelche Liebesbriefe im Briefkasten, weswegen ich deinen Brief schon beinahe übersehen hätte.

Irgendwie nervt mich das tierisch, andererseits gibt es mir ein gutes Gefühl.

Du hast doch sicherlich schon einen Plan, wann du hier sein wirst, oder?

Denk dran, dass du mir früh genug Bescheid sagst, damit ich meinen Urlaub so mit Dad vereinbare, so lange du hier bist.

Und du musst mir sagen, wie lange du bleibst, ist ja logisch.

Und das mit deinem verstauchten Fuß tut mir wirklich leid.

Du solltest mehr auf deine Füße achten, wenn du mit Ace Fußball spielst.

Ich habe mich gestern an einer heißen Pfanne verbrannt.

Jeff hat sie auf der eingeschalteten Herdplatte stehen lassen und als ich etwas zubereiten wollte, war der Griff glühend heiß.

Zum Glück ist es nur die linke Hand, sonst hätte Jeff etwas erleben können, weil ich dir nicht hätte schreiben können.

Ich wollte dir übrigens nochmal dafür danken, dass du mir damals den Tip gegeben hast, mich zu wehren.

Ich habe heute Vormittag nämlich, als ich noch ein wenig was einkaufen musste, zwei dieser Vollidioten vor dem Supermarkt angetroffen.

Die hatten nichts Besseres zu tun, als mir ein Bein zu stellen, sodass ich mit dem ganzen Eingekauften hingeflogen bin.

Denen hab ich mal kräftig in die Ärsche getreten, das kannst du mir glauben.

Ich denke nicht, dass die mich so schnell noch mal nerven werden.

Zwar musste ich alles noch mal neu kaufen, aber so ist das nun mal.

Ich hoffe, es geht dir sonst gut, außer der Sache mit deinem verstauchten Fuß.

Fühl dich deswegen herzlichst gedrückt.
 

In Liebe Sanji
 

PS. Chester schläft noch immer bei mir.

PSS. Ich denke an dich."
 

Zufrieden lächelnd, aber auch sehr müde, sah Sanji auf den Brief und überflog ihn nochmal. Schließlich machte er ihn fertig, legte ihn auf den Tisch und schaltete seine Schreibtischlampe aus. Sein letzter Weg führte ihn von seinem Kleiderschrank zu seinem Bett, nachdem er sich eine frische Boxershorts angezogen hatte. In Gedanken an seinen langjährigen Freund Zorro und mit Chester im Arm schlief er ein.

Chapter Eight

Seit einiger Zeit, wenn Zorro die Briefe Sanji´s las, fühlte er anders, als es sonst immer war. Er wartete aufgeregter als sonst und wenn er sie las, kribbelte es in seinem Bauch. Nie hatte er so ein Gefühl gehabt, doch er wusste ganz genau, was das bedeutete. Tief in sich drin wollte er Sanji wegen dem Besuch dieses Jahr absagen, doch das wollte er ihm nicht schon wieder antun. Als er letztes Jahr den Besuch absagte, tat dies Sanji im Herzen so weh, dass er mit seiner Antwort darauf geschlagene drei Monate wartete. Zorro wollte das nicht schon wieder riskieren, denn wenn es Sanji nicht gut ging, ging es ihm selbst auch nicht gut. Er fand das absurd, denn wie konnte man sich in jemanden verlieben, den man noch nie gesehen hatte? Das war für ihn ein Ding der Unmöglichkeit, doch war es nunmal so. Zumindest dachte er, dass es so war. Andererseits, schon oft hatte er darüber nachgedacht, fragte er sich, ob es nicht einfach daran liegt, dass er sich Sanji so nah fühlt und es einfach nur eine sehr tiefe Freundschaft ist, die er für den Blonden empfand. Zorro wurde von Zeit zu Zeit immer verwirrter. Langsam aber sicher wusste er gar nicht mehr, ob er Sanji nun liebte oder eben nicht. Zorro wusste, was Liebe war. Er hatte seine zweite Freundin sehr geliebt, doch seit sie sich von ihm getrennt hatte, konnte er sich nicht mehr wirklich auf andere einlassen. Es viel ihm schwer, sein Herz zu öffnen, was er letztendlich auch nicht tat. Er wollte sich nicht mehr öffnen, um letztendlich wieder ein Messer in sein Herz gerammt zu bekommen. Zwei Jahre war die Beziehung mit diesem Mädchen nun her, doch es nagte noch immer an ihm. Natürlich gab er dies weder vor Sanji noch vor Ace zu, doch Zorro war der Meinung, dass niemand in sein Innerstes schauen brauchte. Er kam besser zurecht, wenn er das überspielte und ging meist auf Abstand, wenn sich ein Mädchen ihm nähern wollte. Natürlich wusste er, dass Männer wohl nicht wirklich anders waren, weswegen er sich aber nun mal nicht sicher war, was er nun wollte. Oft fragte er sich, ob es nicht leichter wäre, überhaupt niemandem mehr an sich ranzulassen und er testete auch eine Weile aus. Und es stimmte. Es war wirklich leichter für ihn. Zorro hatte neben seinem Studium ein sehr großes Hobby. Mit diesem Hobby hatte er aber schon angefangen, als er 16 war. Alle zwei Tage ging er ins Fitnessstudio. Aufgrund der ständigen Sonne in L.A. und weil sein Vater auch von Natur aus braungebrannt war, musste Zorro daran schonmal nichts ändern. Zorro trainierte sich seinen Frust auch gerne heraus. Jenachdem, wie frustriert er über verschiedene Dinge war, desto mehr und härter trainierte er. Als kleiner Junge schon wollte er so sein, wie sein Vater. Und Tatsache war, dass sein Vater nun mal auch ein gutaussehender und muskulöser Mann war. Zorro hatte auch kein Problem damit, dass sein mittlerweile 45-jähriger Vater mal hier eine Freundin und mal da eine Freundin hatte. Zorro musste sich mit ihnen ja nicht anfreunden und es lag wahrscheinlich an der Vergangenheit, dass er Frauen gegenüber nicht gerade gut bestellt war. Immerhin hatte er gesehen, was mit seiner Mutter los war, was er damals noch nicht verstanden hatte. Heute schämte er sich für seine alkoholkranke Mutter. Er erzählte auch nie etwas von ihr, denn was sollte er schon sagen? "Hey, meine Mutter wollte mich nicht und ist ein Alki"? Nein, das konnte er nicht machen. Wenn ihn jemand nach seiner Mutter fragte, dann sagte er meist, er würde nicht wissen, wo sie ist. Das stimmte ja auch, er wusste es wirklich nicht. Und es war ihm auch wirklich egal. Es war nicht so, dass Zorro bei den Mädchen nicht beliebt war, doch hatte er eigentlich überhaupt kein Interesse an ihnen. Sein Interesse galt dem Trainieren, seinem Studium, Sanji und Ace. Natürlich war er mittlerweile auch mit Robin und Nami befreundet, aber allzu wichtig waren sie ihm nun auch wieder nicht. Zorro war für diesen Tag, an dem er Sanji´s Brief vorfand, mit Ace und den Mädchen zum Schwimmen verabredet. Das war meist ganz lustig, denn Nami bettelte mal öfter förmlich darum, ihren Freund zu spielen, weil sie zum Beispiel keine Lust auf billige Anmachen wie "Gott muss einen Engel verloren haben, denn er steht mir direkt gegenüber" hatte. Nami war aber meist unglaublich zickig und verteilte gerne Kopfnüsse. Am liebsten an Zorro. Oft stritten sich die beiden auch und sie ging ihm die meiste Zeit eigentlich nur auf die Nerven. Wenn er daran schon wieder dachte, hatte er schon gar keine Lust mehr schwimmen zu gehen.
 

"Lieber Sanji.
 

Glaub mir, an Nami hättest du kein Interesse, wenn du sie näher kennen würdest.

Sie ist, tut mir leid für den Ausdruck, eine dämliche Zicke und sie wird immer schlimmer.

Vielleicht liegt das an den weiblichen Hormonen, keine Ahnung, ist mir auch egal.

Da wir jetzt April haben und der Brief dich im Mai erreichen wird, sage ich dir besser jetzt schon, wann ich kommen werde.

Den Flug habe ich bereits gestern gebucht.

Er geht am 02.06. um 06:50h und ich bin um 8:40h in Sydney am Flughafen.

Ich frage dich gar nicht erst, was für ein Bus zu dir fährt. Du wirst mich sicherlich abholen kommen.

Der Rückflug geht am 28.07.

Das hier ist nun also der letzte Brief, den ich dir vor unserem Treffen schreibe, denn du wirst ihn ja erst nächsten Monat erhalten.

Es bringt dir also auch nichts, zurückzuschreiben, du wirst nämlich keine Antwort bekommen.

Ich freue mich schon auf den Tag, an dem wir uns sehen.

Als wäre ich nochmal 9 und warte wie wild auf deinen Brief.

Ich hoffe, es wird dich nicht allzu sehr stören, wenn ich nicht viel rede.

Briefe zu schreiben fiel mir schon immer leichter, als zu reden, aber ich denke, das ist normal.

Ich freue mich auch auf das Essen, was du kochen wirst.

Ich bin mir sicher, dass es hervorragend schmecken wird.

Das mit deiner Hand tut mir leid. Was lässt Jeff auch die Pfanne auf der Platte stehen?

Ich denke, der kurze Brief reicht nun, denn antworten brauchst du ja sowieso nicht.

Wir sehen uns.
 

In Liebe Zorro"
 

Zorro hielt sich schon seit einiger Zeit immer ziemlich kurz und knapp mit seinen Briefen. Je älter, und zuletzt verschlossener, er wurde, desto kürzer wurden seine Briefe. Sanji hatte ihn auch schon einmal darauf angesprochen, wieso er denn immer weniger schreibt. Zorro gab ihm zwar einen Grund, doch war dieser nicht wirklich plausibel für den jungen Koch. "Ich weiß nur nicht, was ich dir großartig schreiben soll, das ist alles" hatte Zorro geschrieben. Für Zorro war das Grund genug, doch für Sanji nicht. Doch fragte dieser nicht weiter nach, da er dachte, dass es vielleicht etwas gibt, worüber Zorro nicht reden mochte. Zorro warf den Brief in den Briefkasten, als er auf dem Weg zu Ace war, um diesen zum Schwimmen abzuholen. Ace bemerkte, dass seinem besten Freund etwas auf der Seele lag, doch sprach er ihn nicht darauf an. Er merkte jedoch auch, dass Zorro sich insgeheim sehr auf den Besuch bei Sanji freute. "Dann brauche ich dich Kotzbrocken ja endlich mal ein paar Wochen nicht zu sehen!" lachte Ace und klopfte seinem Freund kräftig auf die Schulter. Zorro konnte nicht anders, als dies mit einem breiten Grinsen zu erwidern. Er war wirklich froh, dass er sich damals mit Ace angefreundet hatte. Doch auch heute noch sprach er nicht viel über Sanji mit ihm. Auch erzählte Zorro seinem Brieffreund selten etwas über Ace, Robin und Nami. Zorro konnte auch nicht richtig mit diesen Gefühlen umgehen, die seit einer Weile da waren. Er hoffte, dass sich das ändern würde, sobald er zu Besuch bei Sanji war. Er hoffte aber auch, dass er sich nicht wirklich in ihn verliebte, sondern dass es einfach nur diese enge Freundschaft war.

Chapter Nine

Sanji hatte sich an diesem schwülen Aprilabend mit Jeff gestritten. Wütend verließ der Blonde die Wohnung. Er rannte die Treppen runter, durch den Flur und riss die Haustür auf. Fluchtartig rannte er die Straße runter in Richtung des Parks, der in der Nähe zu finden war. Auch früher schon, wenn Sanji und Jeff sich gestritten hatten, rannte er weinend zu dem Park. Er hatte, als er noch klein war, ein kleines Geheimversteck dort gefunden. Das Versteck unter seinem Schreibtisch brachte irgendwann nichts mehr, weshalb er sich ein Neues suchen musste. In dem Park gab es ein beinahe riesiges Gebüsch und damals hatte er, als er sich dahinter verstecken wollte, eine Art Eingang gefunden. Klein, aber für Sanji groß genug, um dort Unterschlupf zu finden. Mittlerweile war er ein wenig zu groß, doch störte er sich nicht an vermeintlichen Kratzern, die die Dornen an seinen Armen oder im Gesicht verursachten. Diesmal weinte er nicht, da er nicht traurig, sondern wütend war. Er war beinahe außer sich vor Wut. Jeff wollte ihm keinen Urlaub geben. Der junge Fast-Koch hatte Zorro´s Brief am Morgen gelesen und war sofort euphorisch zu Jeff in die Restaurantküche gelaufen. Jeff sagte schon immer, dass Sanji ihn nicht bei der Arbeit stören solle, doch Sanji hatte noch nie darauf gehört. Er hatte ja immerhin wichtige Gründe, weshalb er seinen Adoptivvater störte. So war es auch an diesem Tag. Sanji wollte Jeff fröhlich die Nachricht über Zorro´s Besuch verkünden, doch Jeff warf ihn hochkant und laut meckernd aus der Küche. Schon da war Sanji sehr schlecht gelaunt, doch es war noch erträglich. Nach der Arbeit, als Sanji in die gemeinsame Wohnung kam, sprach er Jeff nochmals darauf an. Jeff hatte im Wohnzimmer auf seinem Sessel gesessen und seine Pfeife geraucht. Sanji bat ihn darum, ihm in der Zeit, in der Zorro hier sein würde, Urlaub zu geben, doch Jeff meinte, dass er seinen Sohn in der Küche brauchen würde. Er könne ihm nicht einfach so Urlaub geben. "Aber du hast den anderen beiden doch auch Urlaub gegeben! Wieso bekomme ich keinen?" hatte Sanji laut von sich gegeben. "Weil sie nicht das Privileg besitzen, meine Söhne zu sein!" entgegnete ihm Jeff sauer. "Du hast es mir aber versprochen! Schon letztes Jahr! Und dieses Jahr auch wieder! Dann besorg dir doch jemand anderen, warum ausgerechnet ich?". Sanji war nach langem Hin und Her, indem Jeff ihm noch immer nicht entgegen kam, so außer sich, dass er den Couchtisch zertrat und aus der Wohnung lief. Der Couchtisch war ihm vollkommen egal. Jeff hatte zwar hinterher gebrüllt, dass Sanji die Kosten für einen neuen Couchtisch zu tragen hatte, doch das war ihm egal. Der Blonde war sehr impulsiv und temperamentvoll, was mittlerweile zu vielen Streitigkeiten zwischen ihm und Jeff führte. Sanji konnte nicht verstehen, wieso Jeff so war und wieso er sein Versprechen brach. Er wusste doch, wie sehr Sanji sich freute und wie viel es ihm doch bedeutete. Langsam aber sicher fing er an zu glauben, dass Jeff ihn nur adoptiert hatte, damit er eine billigere Arbeitskraft hatte. Sanji verdiente in seiner Ausbildung wirklich nicht so viel, wie die anderen beiden Lehrlinge. In diesem Moment fand Sanji die Welt alles andere als gerecht. Er fand sie sogar noch viel mehr, als ungerecht. Wütend hatte er sich in seinem Versteck niedergelassen und dachte nach. Vielleicht sollte er warten, bis sich die Gemüter beruhigt hatten und dann nochmal ein ruhiges Wort mit Jeff zu wechseln. Immerhin hatte er ihm ja früh genug Bescheid gesagt, es war April und Zorro würde im Juni herkommen. Es würde Sanji ja auch nichts ausmachen, wenn Jeff ihm nur 2 oder 3 Wochen Urlaub gab, doch wollte er wenigstens etwas Freizeit haben, um diese mit seinem Brieffreund zu verbringen. Sanji seufzte auf und versuchte sich zu beruhigen. Er war müde, sehr müde. Heute hatte er länger arbeiten müssen, als sonst, da eine große Versammlung mit bedeutenden Persönlichkeiten im Restaurant stattgefunden hatte. Beinahe jeder von ihnen wollte etwas anderes essen, was für die Köche, vor allem für Sanji, sehr viel Arbeit bedeutete. Jeff forderte von Sanji unglaublich viel. Nicht nur Disziplin und Konzentration, sondern auch einwandfreies Können. Sanji fand, dass Jeff lernen sollte, privates und berufliches zu trennen. Er fand auch, dass Jeff sich nicht immer so anstellen sollte, wenn Sanji einmal frei haben wollte. Doch es führte kein Weg daran vorbei. Er musste noch einmal mit Jeff sprechen, auch, wenn wieder dieselbe Antwort herauskommen würde.

Einige Tage später hatte Sanji Jeff erneut darauf angesprochen. Es war an einem Sonntagabend gewesen und beide saßen im Wohnzimmer, um sich einen Film anzusehen. Sie hatten in der Küche auch wieder lachen können, weshalb Sanji fand, dass es nun ein guter Zeitpunkt wäre. Und wirklich, Jeff schien einfach nur schlechte Laune gehabt zu haben, denn er lies sich darauf ein. Statt den von Sanji vorgeschlagenen zwei Wochen, lies Jeff sich auf einen ganzen Monat ein. Jeff hatte sich Gedanken über seinen Sohn gemacht und war zu dem Schluss zu kommen, sich eine Aushilfskraft für den Aufenthalt von Zorro zu suchen. Doch sollte der letzte Monat, Zorro war ja knapp zwei Monate zu Besuch, eine Überraschung werden. Er hatte eine Aushilfskraft im Auge, die auch für die beiden Monate bei Jeff arbeiten würde. Jeff wollte Sanji das aber noch nicht sagen. Nachher nahm sein Sohnemann noch an, er sei großzügig und das wollte er nicht. Der alte Mann hielt es für eine gute Idee und war sich sicher, dass Sanji sich sehr darüber freuen würde, wenn er wirklich über den ganzen Besuch Urlaub hätte. Bis zum Juni 2000 arbeitete Sanji noch härter, als sonst. Er bat Jeff um extra Stunden, um ihn zu entlasten und ihm zu zeigen, wie dankbar er für seinen Urlaub war. Am 02. Juni war es endlich soweit. Sanji hatte am Tag zuvor noch extra alles aufgeräumt und sauber gemacht. Sogar sein Bett hatte er frisch bezogen. Er hatte mit 16 ein Doppelbett bekommen und stand nun nachdenkend vor diesem. Er hatte noch eine halbe Stunde, bevor er losfahren musste. Er hatte sich bisher noch gar keine Gedanken darum gemacht, ob Zorro wohl ein Problem damit haben würde, das Bett mit dem schlanken Blonden zu teilen. Oder wäre es Zorro lieber, er würde auf der Ausklappcouch von Sanji schlafen, die in seinem Zimmer stand? Sanji bekam ein wenig Angst. Sollte er Zorro das sofort fragen, oder warten bis sie Zuhause sind? Oder sollte er ihn gar nicht darauf ansprechen? Sollte es Zorro etwas ausmachen, dann würde der Blonde natürlich selbstverständlich auf der Couch schlafen. Er würde seinen Besuch auf jeden Fall in seinem Bett schlafen lassen. Doch was sollte er mit der Bettwäsche für Zorro machen? Diese lag nämlich auf dem Bett, neben seiner Eigenen. Sollte er die Bettwäsche auf die Couch legen? Wenn Zorro die Bettwäsche auf dem Bett neben der von Sanji entdecken würde, würde er sicherlich sofort annehmen, dass Sanji wollte, dass Zorro bei ihm schläft. Es war zum Haareraufen! Sanji fuhr sich auch angestrengt durch die Haare und schnappte sich, nach einem kurzen Blick in den Schrankspiegel, seinen Wagenschlüssel. Es war ihm jetzt egal, ob und was Zorro dachte oder wollte. Wichtig war, dass er ihn jetzt abholen musste. Und zwar schnell. Er hatte bei dieser blöden Überlegung, die ihn total verrückt machte, nämlich beinahe eine halbe Stunde vor seinem Bett gestanden. Schnell begab er sich in die Garage, setzte sich in sein Auto und fuhr auch kurz darauf los.

Zorro saß währenddessen im Flieger. Je näher er seinem Zielort kam, nachdem er einmal umsteigen musste, desto aufgeregter wurde er. Er bekam teilweise Schweißausbrüche und ihm war schlecht. Teilweise lag das auch an seiner unterschwelligen Flugangst, doch die hatte er besser im Griff, als die Gefühle, die ihn überschwemmten. Hätte er keine Flugangst, so hätte wahrscheinlich aber auch die Gefühle im Griff. Nur beides auf einmal im Griff haben, das konnte Zorro nicht. Eine Stewardess hatte ihm schon ein Wasser gebracht und ihn gefragt, ob sie ihm so eine Tüte bringen solle, in die man brechen konnte. Das allein war Zorro schon peinlich genug, natürlich hatte er abgelehnt. Er sagte, dass er oft fliegt, jedoch krank wäre, natürlich nicht ansteckend. Beides gelogen, doch wollte er auch nicht wie ein Weichei dastehen, denn neben ihm saß ein gleichaltriger Junge. Total gelassen hörte dieser Musik. Zorro tat ihm gleich, um sich abzulenken, also holte er seinen CD-Player aus seinem Rucksack und hörte ebenfalls Musik. Er fragte sich, ob Sanji wohl noch Zuhause wäre oder schon auf ihn warten würde. Es dauerte auch nicht lange, bis er sich aufgrund der Musik beruhigt hatte, wobei die Musikrichtung Rock für die meisten eher aufwühlend war. Kurz darauf war er auch schon eingeschlafen.

Sanji lief nun völlig außer Atem in den Flughafen. Dort sah er auf die Anzeigetafel, wo ihm verraten wurde, wo Zorro ankommen würde. Sanji sah auf die Uhr und wurde nervös. Er war spät dran, da er im Stau gesteckt hatte. Fluchend und hupend hatte er im Auto gesessen, doch jetzt war er ja angekommen. Zehn Minuten zu spät. "So ein Mist!" platzte es aus ihm heraus, als er schnellen Schrittes auf dem Weg war. Er hoffte, dass Zorro noch nicht angekommen war, damit es nicht heißt, er hätte sich verspätet. Bei diesem Gedanken legte sich ein Schmunzeln auf seine Lippen. Sanji musste aber mal dringend auf die Toilette, als er an seinem Ziel angekommen war und mitbekam, dass es noch ein paar Minuten dauern würde, bis die Passagiere aus dem Flugzeug gelassen wurden. Nachdem er seine Blase erleichtert hatte, wusch er sich die Hände und fuhr mit den nassen Händen durch seine Haare. So aufgeregt war er noch nie gewesen. Er hatte Zorro immerhin Dinge eröffnet, die nicht einmal Ruffy wusste, obwohl er ihn noch nie gesehen hatte. Was würde Zorro wohl von ihm denken, wenn er den Blonden in seinen schwarzen Schuhen, seiner dunkelblauen Jeans und seinem etwas zu weiten, weißen T-Shirt sah? Sanji hatte nichts passendes gefunden, er wusste einfach nicht, was er anziehen sollte. Er persönlich fand sein Outfit, wenn er sich so in dem Spiegel auf der Flughafentoilette ansah, ziemlich blöd. Er hätte etwas anderes anziehen sollen. Doch wieso machte er sich eigentlich so verrückte Gedanken? Wieso war er so aufgeregt und wieso hatte er sich vorhin mit der Frage der Bettwäsche so bekloppt gemacht? Sanji spritzte sich noch einmal kurz Wasser ins Gesicht, trocknete Gesicht und Hände ab und ging wieder zurück. Aufgeregt und gespannt, wie Zorro real wohl aussehen würde und wie groß er wirklich war, wartete Sanji.

Unterdessen schlief Zorro seelenruhig weiter. Er wurde erst wach, als man ihn an der Schulter packte und leicht rüttelte. Verwirrt sah der Grünhaarige sich um, bis er feststellte, dass er im Flugzeug saß. Die Stewardess sagte irgendwas, doch konnte Zorro kein Wort verstehen. Er hatte ja noch immer die Stecker vom CD-Player im Ohr. Er schaltete ihn aus, nahm die Stecker aus den Ohren und packte ihn weg. "Mister? Wir sind in Sydney, Australien angekommen." lächelte ihm die Stewardess freundlich entgegen. Urplötzlich, als hätte man einen Schalter in Zorro´s Hirn umgelegt, war er wieder total aufgeregt. Er war nervös, sein Herz klopfte wie wild, verschiedenste Gedanken flitzten durch seinen Kopf. Wartete Sanji wirklich auf ihn? Würde er sich verspäten? Oder sogar schon eine Stunde auf ihn warten? War er wirklich da? Was würde er wohl zu ihm sagen? Was sollte er selbst eigentlich sagen, wenn er ihn sieht? Er wusste ja nicht, dass es Sanji genauso ging und dass dieser sich ebenfalls solche Fragen stellte. Zorro nahm seinen Rücksack und hing ihn über die linke Schulter. Immerhin musste er ja noch seinen Koffer holen, bevor er durch einen weiteren Gang gehen konnte, wo man üblicherweise auf die Passagiere wartete. Zorro ging aus dem Flugzeug, hatte die Hände in den Hosentaschen. Der Gang vom Flugzeug in das eigentliche Gebäude zog sich, seiner Meinung nach, unendlich lang, doch hatte es tatsächlich nur ca. eine Minute gedauert, höchstens zwei. Schließlich kam er in einem sehr großen Raum an. Er folgte einfach den Leuten aus seinem Flugzeug, denn er selbst wusste nicht, auf welchem Band denn jetzt die ganzen Koffer von seinem Flug angerollt kamen. Zum Glück musste er nicht lange an diesem Ding warten, sein Koffer kam schon bald angerollt, den er erleichtert an sich nahm. Er hatte schon beinahe Panik gehabt, dass er abhanden gekommen sei. Zwar hatte er die wichtigsten Sachen in seinem Rucksack, doch war er nicht scharf drauf, sich neue Klamotten zulegen zu müssen und zusätzlich sein Duschgel, sein Schampoo, sowie Zahnbürste und Zahnpasta.

Schon als Zorro den breiten aber dennoch kurzen Gang entlang ging, sah einen jungen, Blonden und schlanken Mann in der Menge stehen. Er schluckte auf und hatte schlagartig einen dicken Kloß im Hals. Aber auch Sanji ging es da nicht besser. Sanji hatte Zorro im selben Augenblick entdeckt und sein Herz war beinahe stehen geblieben. Dennoch gingen die beiden aufeinander zu und lächelten. Sanji´s Lächeln wurde immer breiter, bis es zu einem Grinsen geworden war, je näher Zorro ihm kam. Er konnte seine Freude gar nicht in Worte fassen.

Chapter Ten

Die Herzen der beiden jungen Männer schlugen wie wild. In ihrem Bauch breitete sich ein unglaublich starkes Kribbeln aus, weswegen ihnen beinahe schlecht wurde. Beide zitterten leicht vor Aufregung. Und beide wussten nicht, wie sie sich nun begrüßen sollten. Ein freundliches Hallo? Ein Händedruck? Eine Umarmung? Vor einer Umarmung hatten beide Angst. Sie hatten Angst davor, dass der andere das Herz so stark schlagen spürte. Dass der andere spürte, dass man vor Aufregung zitterte. Sie zitterten nur ganz leicht, doch fühlte es sich für sie zehn Mal so schlimm an. Einige Momente standen sie sich einige Meter entfernt gegenüber und sahen sich an. Das Lächeln wich nicht. Es traf sie wie ein Blitz, so plötzlich gingen sie aufeinander zu und umarmten sich schließlich. Zorro hatte seinen Koffer und den Rucksack abgestellt, bevor er gleichzeitig mit Sanji den ersten Schritt in Richtung des anderen gemacht hatte. Es dauerte wirklich etwas, bis sie diese Umarmung, die schon seit vielen Jahren überfällig war, lösten. Zorro schien sich frisch rasiert zu haben, denn Sanji konnte sein After Shave deutlich in seiner Nase riechen. Sanji fand, dass Zorro wirklich gut duftete. Aber so empfand es auch Zorro. Sanji dachte nun gar nicht mehr daran, seine Aufregung zu verstecken, dazu war er einfach nicht hart genug. Sanji hielt sowas nie lange durch. Zorro hingegen war da schon etwas geübter drin, ihm fiel es nicht schwer.

Nachdem sie die Umarmung, ziemlich widerwillig, gelöst hatten, sahen sie sich an. Sanji´s fröhliche Gesicht machte es Zorro noch wärmer ums Herz, als ihm sowieso schon war. Während sie nach draußen gingen, fragte Sanji Zorro über seinen Flug aus. Ob er angenehm war, ob und was er zu Essen bekommen hatte, ob es ihm auch wirklich gut dort oben ging. Zorro hatte Sanji gegenüber nie etwas von seiner unterschwelligen Flugangst erzählt und das wollte er auch nicht. Es war ja immerhin nicht so dramatisch, dass er anfing sich zu übergeben. Zorro antwortete ihm natürlich auf seine Fragen, doch war er, wie in seinem letzten Brief angekündigt, wirklich nicht sonderlich gesprächig. Das störte den Blonden aber nicht wirklich, der Zorro munter von dem Streit mit Jeff wegen des Urlaubs erzählte. Sanji brachte selten Sachen sofort auf den Punkt. Er liebte es, die Dinge ein wenig ausführlicher zu erzählen. Zorro gefiel das. Der Grünhaarige sah Sanji beinahe die ganze Zeit an, als dieser auf dem Weg nach Hause so viel erzählte. Zorro war aber auch ziemlich erledigt. Er konnte in der Nacht kaum schlafen und musste dann ja auch noch so früh zum Flughafen. Da musste dann auch wieder gewartet werden, dann der Umstieg und dann waren diese Gefühle und Gedanken, die er zuletzt hatte, auch sehr anstrengend. Doch er hörte seinem Brieffreund gerne zu. Zorro fand, dass Sanji eine wirklich schöne Stimme hatte, das hatte er nicht erwartet. Und auch fand Zorro, dass Sanji´s Augen viel mehr Glanz hatten und auch viel mehr strahlten, als auf den vielen Bildern. Aber auch Sanji machte sich trotz seinen ausführlichen Erzählungen, über die Zeit nach Zorro´s letztem Brief, zwischendurch Gedanken über den Größeren und auch Älteren. Sanji war ja noch im Wachstum und somit ein wenig kleiner, als Zorro, doch das störte ihn nicht. Er fand, dass Zorro ein wenig grimmig aussah, doch wen wunderte das auch nach einem Flug? Sanji mochte Zorro´s Ohrringe, die bei jeder kleinsten Bewegung klimperten und er mochte es, wie Zorro gekleidet war. Zorro trug nicht so enge Jeans, wie Sanji, sie saßen locker und Sanji nahm an, dass sie mit einem Gürtel um seine Hüften befestigt war. Doch trug auch Zorro ein lockeres T-Shirt, wie Sanji, nur in zartem Gelb. Der schmale Kragen, sowie der untere Saum und die Säume der Ärmel waren schwarz abgesetzt. Sanji gefiel das Shirt, wusste aber nicht warum, denn immerhin war dies ja ein ganz normales Shirt. Im Gegensatz zu Sanji´s schwarzen Chucks trug Zorro dunkelgrüne Sneakers. Alles in allem gefiel ihm Zorro.

Als sie bei Sanji´s Zuhause ankamen, half der Blonde seinem Besuch die Sachen in sein Zimmer zu bringen. Er konnte Jeff und Zorro leider erst am Abend bekannt machen, da Jeff ja nicht gestört werden wollte, was Sanji ihm natürlich auch breit erklärte. Die Schuhe mussten schon vor der Wohnung ausgezogen werden, was für Zorro aber das kleinste Problem darstellte. Sanji zeigte Zorro, nachdem dessen Rucksack und Koffer auf dem Bett gelandet waren, die komplette Wohnung. Besonders groß war sie nicht. 80 Quadratmeter bestehend aus Sanji´s Zimmer, dem Schlafzimmer von Jeff, einem Wohnzimmer, der langen aber schmalen Diele, sowie Küche und Bad. In der großzügigen Küche stand der Esstisch und eine ziemlich moderne Küche. Das war ja aber auch kein Wunder, wie Zorro fand, denn immerhin lebten hier zwei Köche. Zorro hatte ein wenig Angst davor Sanji zu fragen, wo er denn schlafen würde, weshalb er es einfach bleiben lies. Zorro hatte nicht im Geringsten ein Problem damit, mit Sanji ein Bett zu teilen, im Gegenteil. Er hätte es beinahe sogar schade gefunden, wenn Sanji für ihn, wie er in der Annahme war, das Bett geräumt und auf der Couch geschlafen hätte. Auch hatte er Chester bemerkt, der zwischen beiden Kissen saß und fröhlich aus der Wäsche guckte. Chester war so alt wie Zorro. Als Zorro noch ein Baby war hatte er Chester von seinem Vater bekommen. Kein Wunder also, dass Chester auch wirklich so aussah, als wäre er 18 Jahre alt. Ein paar Löcher hatte er, die Sanji wohl wieder zugenäht hatte. Zorro fand das nicht schlimm, denn immerhin halten Teddybären ja auch keine Ewigkeiten. Zorro wusste aber jetzt schon, falls er in der Nacht mal auf die Toilette müsste, so würde er sich sicherlich verlaufen. Er hatte einen unglaublich schlechten Orientierungssinn und wären die Schilder im Flughafen nicht so groß gewesen, wäre er bestimmt im falschen Flugzeug gelandet. Zorro versuchte sich also den Weg von Sanji´s Zimmer zum Bad ganz genau zu merken. Zur Not musste Zorro halt ins kalte Wasser springen, Sanji wecken und ihn fragen, wo denn nochmal das Bad war.

Wie versprochen machte Sanji sich ans Kochen, nachdem er Zorro auch noch kurz das Restaurant gezeigt hatte. Zorro hatte von dem Blonden gezeigt bekommen, wo er seine Klamotten verstauen konnte und legte sie in das für ihn vorgesehene Fach. Sanji hatte ihm am Abend zuvor extra Platz in seinem Kleiderschrank verschafft, der ziemlich überfüllt war. Zorro sah sich den Schrank genauer an, achtete natürlich darauf, dass Sanji nicht plötzlich hinter ihm stand. Zorro konnte einfach nicht anders, als sich Sanji´s Kleidung anzusehen. Er wusste, dass es sich nicht gehörte, doch es war beinahe so, als würde ihn eine unsichtbare Kraft in den Schrank ziehen. Zorro war einfach viel zu neugierig, was Sanji so trug. Ihm gefiel der Stil seines Brieffreundes, schloss den Schrank aber schließlich wieder und schlurfte in den Gästepantoffeln, die er bekommen hatte, zu Sanji in die Küche. Diese war nicht zu übersehen, denn wenn man von Sanji´s Zimmer auf den Flur kam musste man einfach nur nach links durch die Glastür gehen und schon stand man in der Küche. Links von der Küche aus war das Wohnzimmer. Der Größere setzte sich leise an den Tisch, denn wie es aussah, schien Sanji wie in seinem Element. Er sah wirklich glücklich und zufrieden aus, als er das Essen zubereitete, fand Zorro und er wollte den Blonden nicht dabei stören.

"Willst du irgendwas trinken?" wurde Zorro dann aber doch gefragt, ohne dass Sanji sich umgedreht hatte.

Zorro, der sein Kinn in seine Hand gestützt und ihm zugesehen hatte, erschrak leicht und sah ihn ein wenig entsetzt an, was Sanji ja aber zum Glück nicht sehen konnte. Es dauerte auch einige Momente, bis Zorro etwas sagte. Er hatte wirklich Durst. Schon seit die Stewardess ihm das Glas Wasser gebracht hatte, weil er sich so schlecht fühlte.

"Was hast du denn da?" war Zorro´s Gegenfrage. Er wollte ja nicht irgendwas sagen, was sie dann doch nicht im Hause hatten.

"Säfte, Wasser, Cola, Limo, Kaffee, Cappucino..." zählte Sanji auf, wurde aber von Zorro unterbrochen, der kurz und leise lachen musste. Sanji drehte sich zu ihm um, da er nicht verstand, was denn jetzt so lustig war, aber Zorro hatte das in diesem Moment einfach nur süß gefunden.

"Ich glaub, ich nehm 'ne Cola." gab er schmunzelnd von sich, was nun auch Sanji ein Lächeln auf die Lippen zauberte, denn er hörte Zorro´s Stimme gerne.

Sanji kümmerte sich noch kurz um das Essen, damit es nicht anbrannte und gab Zorro seine Cola. Es dauerte dann auch nicht mehr lange, bis das Essen fertig war und Sanji es auf zwei Tellern anrichtete. Zorro staunte, denn Sanji hatte alles liebevoll auf dem Teller angerichtet und es sah auch wirklich sehr lecker aus. Es war nichts Besonderes und hatte auch nicht viel Aufwand gekostet, doch staunte Zorro dennoch. Er selbst konnte nicht einmal kochen. Genauso wenig, wie sein Vater. Beide ließen ständig irgendwas anbrennen, selbst Nudeln. Ace hatte Zorro einmal gefragt, wie man denn Nudeln anbrennen lassen konnte. Wenn man die Nudeln einfach vergaß, weil man entweder nicht wusste, wie lange sie brauchen oder weil man nicht auf die Zeit geachtet hatte, dann war das Wasser so gut wie weg, die Nudeln viel zu weich und alles war unten angebrannt. Dementsprechend schmeckten die Nudeln. Das war auch der Grund, wieso Zorro und sein Vater entweder Essen gingen oder sich etwas nach Hause liefern ließen. Umso mehr freute sich Zorro, dass er mal etwas Vernünftiges essen konnte. Mikrowellenessen war ja auch bekanntlich nicht gerade gesund und außerdem machte es auch nicht satt. Zorro hatte wirklich großes Glück mit Sanji, so viel war sicher.

Den Rest des Tages verbrachten sie draußen. Sanji zeigte ihm zum Beispiel sein Geheimversteck, welches nicht einmal Ruffy kennengelernt hatte, obwohl dieser Sanji´s bester Freund war. Doch Sanji fand, dass Zorro das sehen sollte. Wieso, das wusste er nicht. Langsam begann auch Zorro mal etwas von sich aus zu erzählen, wenn er das Schweigen nicht aushielt. Er war ja immerhin nicht umsonst bei Sanji zu Besuch, er wollte ja immerhin auch mit ihm reden. Zwar sagte Zorro nicht wirklich viel, doch reichte es, um weitere Gespräche anzufangen und um auf wieder andere Themen zu kommen, bei denen Sanji wieder mehr erzählte. Am Abend saßen die beiden in Sanji´s Zimmer, als Jeff an die Tür klopfte und hineinging. Sanji stellte die beiden sofort vor und Jeff erkannte, dass Zorro eindeutig besser aussah, als auf den grimmigen Fotos, die Sanji ihm gezeigt hatte. Jeff freute sich insgeheim für Sanji, denn er sah, wie fröhlich, aufgeweckt und glücklich sein Sohn war. Doch gezeigt hatte er das nicht. Jeff sah sowieso schon immer ziemlich griesgrämig aus. Selten verzog er eine Miene, nur, wenn er wirklich Spaß hatte oder anders glücklich war. Kurz darauf verließ er die beiden wieder, denn er wusste, dass sie auf ihn gewartet hatten. Es war immerhin schon sehr spät am Abend und er wusste ja, dass Zorro einen anstrengenden Tag hinter sich hatte. Es dauerte auch nicht mehr lange, bis Zorro und Sanji sich fertig machten. Sanji zeigte seinem grünhaarigen Freund noch einmal das Bad, da er noch eine Flasche Wasser, falls man in der Nacht Durst bekam, aus der Küche holen wollte. Zorro ging duschen, während Sanji sich noch kurz mit Jeff unterhielt und dann wieder in sein Zimmer ging, um sich umzuziehen. Er schlief meist in irgendeinem T-Shirt und seiner Boxershorts. Doch er wusste ja nicht, wie Zorro es vorzog zu schlafen, sonst hätte er sich auf diesen Anblick vorbereiten können. Er lag schon im Bett, als Zorro das Zimmer betrat. Unweigerlich wanderten die azurblauen Augen über den braungebrannten Körper des jungen Mannes, der die Tür schloss. Sanji musste seinen Blick schon beinahe krampfhaft abwenden, damit Zorro nichts bemerkte. Dieser bekam davon wirklich nichts mit, da er nämlich die Tür geschlossen und seine Sachen auf die Couch gelegt hatte. Kaum zwei Minuten später hatte Zorro sich ebenfalls ins Bett gelegt und sah in Sanji´s leicht schockiertes Gesicht.

"Ist irgendwas?" fragte Zorro sofort, der annahm, dass irgendwas passiert war. Sanji hingegen schüttelte den Kopf und strengte sich an, wieder einen normalen Blick zu bekommen, was auch einigermaßen klappte.

"Nein, alles in Ordnung. Wieso?" Sanji hätte sich für diese dämliche Nachfrage selbst ohrfeigen können. Solch eine wirklich dämliche Aussage, beziehungsweise Frage, konnte auch wirklich nur von ihm kommen.

"Ich dachte nur." gab Zorro als Antwort und es dauerte auch nicht lange, bis beide ins Traumland übergegangen waren.

Dieser Tag war so voller Aufregung und Anspannung für beide gewesen, dass es wirklich kein Wunder war, dass sie an diesem Abend schon gegen dreiundzwanzig Uhr eingeschlafen waren.

Chapter Eleven

Für Sanji war es wirklich schwer Zorro nichts davon, dass er sich zu manchen Männern hingezogen fühlte, erzählen konnte. Auch Jeff wusste nichts davon, der etwas gegen gleichgeschlechtliche Beziehungen hatte. Er musste es für sich behalten. Auch Ruffy wusste nichts davon. Sanji fiel es schon immer sehr schwer, etwas für sich behalten zu müssen, auch, wenn er geübt darin war. Immerhin hatte er Jeff einige Jahre verschwiegen, dass er gemobbt und von einigen Mitschülern verprügelt wurde. Doch hier ging es ja nicht um irgendwelche Vollidioten, bei denen Sanji wusste, dass es irgendwann vorbei sein würde. Hier ging es um die Tatsache, dass Sanji nach diesem gestrigen Anblick aufpassen musste, dass Zorro nichts von dessen Blicken mitbekam. Und auch, dass Jeff nichts bemerkte, der an diesem Tag frei hatte. Es brannte ihm förmlich auf der Seele. Er wollte sich nicht verstecken. Er wollte sich nicht für diese Neigung schämen. Er wollte es hinaus brüllen, damit es jeder wusste und er nicht mehr so tun musste, als wäre er nur an Mädchen interessiert. Er verstand seinen Vater nicht, was denn so schlimm daran war. Er fand nichts Schlimmes dabei. Aber dennoch traute er sich nicht einmal, sich Zorro diesbezüglich zu öffnen. Sanji hatte einmal auf der Junior High mitbekommen, dass sich einer seiner Mitschüler geoutet hatte. Dies hatte für den Geouteten kein gutes Ende genommen. Sanji fand Kinder schon immer sehr grausam. Die, die dachten, sie seien etwas Besseres, nahmen sich immer etwas heraus und machten die anderen Kinder grundlos fertig. Auch das verstand er nie. Was Sanji wollte war, dass man einfach nur in Ruhe sein Leben leben konnte. So, wie man es selbst für richtig hielt. Doch wusste er auch, dass es in der heutigen Gesellschaft alles andere, als leicht war. Zorro hingegen hatte damit kein großes Problem, ob andere das wussten, oder eben nicht. Ace, Robin und Nami wussten es und auf der Uni hatte es auch schon die Runde gemacht. Zorro´s Ex-Freund hatte nichts Besseres zu tun, als dies rumzuerzählen und es hatte maximal zwei Wochen gedauert, bis die ganze Uni Bescheid wusste. Das hielt die Mädchen natürlich nicht davon ab, ihm Liebesbriefe zu schreiben. Zorro war das mehr als egal gewesen, er hatte damit kein Problem. Sollten sie doch alle über ihn denken, was sie wollten. Bekam er einmal etwas wie "Schwuchtel" zu hören, störte ihn das genauso wenig. Hauptsache war, dass seine wenigen Freunde damit kein Problem hatten. Es war allgemein bekannt, dass Zorro auf beide Geschlechter stand und Ace hatte am Wenigsten ein Problem damit. Ihm war es genauso egal, hauptsache, sein bester Freund fühlte sich gut bei dem, was er tat und was nicht. Ace hatte sich anfangs auch immer mit denen angelegt, die Zorro auf irgendeine Art und Weise, was mit seiner Neigung zu tun hatte, beschimpft hatten. Doch mittlerweile war er diesbezüglich genauso taub, wie sein grünhaariger Freund. Ace war auch der Einzige, der Zorro deswegen Sprüche drücken durfte. Auch, als es um den Besuch bei Sanji ging. "Wenn du zurückkommst, dann will ich hoffen, dass ihr ausreichend Spaß hattet!" hatte der Schwarzhaarige gelacht, der folglich einen Schlag auf den Hinterkopf bekam. Doch war dieser Schlag nicht böse gemeint, die beiden schlugen sich öfter mal aus Spaß. Jungs in dem Alter und auch ein wenig jünger machten das nun mal gerne. Irgendwo mussten sie sich ja austoben und das war besser, als sich auf sinnlose Schlägereien einzulassen. Natürlich hatte es auch öfter einmal Stress gegeben und Zorro und Ace hatten auch einige Mal ihre Fäuste sprechen lassen, doch war das sehr selten gewesen. Sie fanden auch, dass dies nicht öfter vorkommen sollte. Sie wollten nicht zu dieser Gruppe Idioten gehören, die sich tagtäglich durch die Gegend prügelten, um als cool zu gelten. Nebenbei bemerkt fanden sie das ganz und gar nicht cool. Sie fanden Dinge wie Fußball oder Party cool, oder das Fitnessstudio. Aber sie fanden es auch cool, sich einfach mal mit den beiden Mädchen irgendwo hinzusetzen und zu reden. Sanji und Ruffy hingegen liefen meist nur, wenn Sanji frei hatte, durch die Stadt oder hielten sich im Park auf. Da Sanji ziemlich viel Wert auf sein Äußeres legte, spannte er seinen besten Freund immer öfter zu einer Shoppingtour ein. Sanji regte sich aber meist über Ruffy auf, da der Jüngere sich jedes Mal etwas zu Essen kaufen musste. Der Höhepunkt war jedes Mal, dass Ruffy sein Essen mit in die Läden nahm, sich bei den Umkleiden auf einen der Stühle oder Sessel setzte und munter aß. Sie fuhren aber auch oft an den Strand, gingen dort schwimmen und Sanji betrachtete die Mädchen in ihren knappen Bikini´s oder in ihren Badeanzügen. Sanji fand Bikini´s jedoch besser, während Ruffy zu den Badeanzügen tendierte. So verschieden die beiden auch waren, sie fanden immer wieder etwas, was ihnen beiden Spaß machte. Oft schliefen sie beieinander, guckten bis mitten in die Nacht irgendwelche Horror- oder Actionfilme und knabberten dabei Chips oder Nüsse. Sanji fand es zwar oft peinlich mit seinem Freund, doch brachte dieser ihn immer wieder zum Lachen. So waren die beiden zum Beispiel einmal etwas Essen und Ruffy hatte nichts Besseres zu tun, als den Kellner so lange zu nerven, bis dieser die beiden rausschmiss. Andere hätten das nicht lustig gefunden, wer will auch schon gerne irgendwo rausgeschmissen werden, doch die Art, wie Ruffy die Menschen immer zu solchen Mitteln brachte, fand Sanji urkomisch.

Während des Frühstücks, welches Sanji ziemlich liebevoll hergerichtet hatte, saßen alle gemeinsam am Tisch, bei dessen schlichter, dennoch schöner Dekoration Sanji sich ebenfalls viel Mühe gegeben hatte. Zorro hatte noch geschlafen, als Sanji aufgewacht war. Zorro hatte sich in der Nacht scheinbar auf die Seite, in Richtung Sanji, gelegt, denn der Blonde blickte in das schlafende Gesicht seines Bettnachbarn. Eine ganze Weile hatte er ihn beim Schlafen beobachtet. Die verschiedensten Gedanken gingen ihm durch den Kopf. Am liebsten hätte er seine freiliegende Wange gestreichelt und mit seinen Fingerspitzen dessen Haare berührt, doch andererseits traute er sich nicht. Sanji wusste nicht, was das alles zu bedeuten hatte, er war ziemlich verwirrt. Immerhin dachte er bis dato, dass Zorro nur ein Freund sei. Eine Art Seelenverwandter. Da fiel ihm dieses allseits bekannte Sprichwort ein. Zu jeden Topf gab es einen passenden Deckel. War das bei ihnen auch so? War Sanji der Topf und Zorro der Deckel?

"Was habt ihr beiden denn heute vor?" erkundigte sich Jeff, der sich mal wieder ziemlich mürrisch anhörte, doch Sanji wusste, dass Jeff sich wirklich dafür interessierte. Jeff war einfach noch nicht lange genug wach, um einigermaßen freundlich zu klingen.

"Ich weiß nicht. Willst du irgendwas Bestimmtes sehen, Zorro?" zuckte Sanji mit den Schultern und sah zu seinem Freund. Dieser jedoch war mit der Frage ein wenig überfordert, versteckte dies jedoch gut und schüttelte den Kopf. Was sollte Zorro schon sehen wollen?

"Ich denke, ich zeige Zorro erstmal die Stadt. Für die Sehenswürdigkeiten haben wir ja noch Zeit genug." sagte der Blonde, der daraufhin an seinem frisch gepressten Orangensaft trank. Jeff´s Blick ruhte derweil ein wenig skeptisch auf Zorro.

"Du redest wohl nicht besonders viel, was?" stellte der Alte die Frage an Sanji´s Besuch. Erneut schüttelte Zorro den Kopf.

"Meist nur, wenn es unbedingt sein muss." ertönte dann doch Zorro´s, für sein Alter, dunkle und raue Stimme.

Jeff hatte damit am allerwenigsten ein Problem. Sanji konnte manchmal so viel reden, dass Jeff annahm, er würde 1000 Wörter in einen Satz packen. Vor allem morgens war Jeff deswegen leicht genervt. Jeff war ein totaler Morgenmuffel, Sanji hingegen konnte sofort, wenn er wach war, reden wie ein Wasserfall. Auch brauchte Jeff mehrere Tassen Kaffee, bevor er auch nur annähernd wach und munter wurde, Sanji konnte Kaffee nicht wirklich leiden und gab sich meist mit Tee zufrieden. "Hör doch mal auf, so viel zu reden! Da kommt ja kein Mensch mit!" hatte Sanji oft von Jeff zu hören bekommen. Aber das war meist nichts Negatives, Sanji musste meist breit grinsen, wenn Jeff sowas sagte.

Nachdem sich Zorro und Sanji nacheinander fertig gemacht hatten, verabschiedeten sie sich von Jeff und verließen die Wohnung. Sanji wollte nicht mit dem Auto in die Stadt fahren, die sowieso nicht weit entfernt war, und Zorro war das auch ganz recht so. Zorro selbst besaß kein Auto, er konnte alles ziemlich gut zu Fuß erreichen. Und wenn es doch mal ein längerer Weg war, dann nahm er einfach sein Fahrrad. Sanji zündete sich auf dem Weg eine Zigarette an, Zorro schenkte dem nicht wirklich viel Beachtung. Sanji hatte Zorro einmal in einem Brief eröffnet, dass er leider Gottes angefangen habe zu rauchen. Sanji wusste, dass dies nicht gesund war und hatte das aus einigen Briefen Zorro´s auch entnehmen können, doch war es nun mal wie es war. Zorro sagte dazu nichts. Was sollte er auch sagen? Wenn Sanji meinte, er müsse das tun, dann war das seine Entscheidung. Nicht, dass Zorro das in Ordnung fand, er war nur der Meinung, Sanji würde schon wissen, was er tat.

"Und was machen wir in der Stadt?" richtete Zorro unerwartet seine Frage an den Blonden, der neben ihm her lief.

"Keine Ahnung. Wir können uns vielleicht irgendwohin setzen und ein Eis essen, oder so. Oder schwimmen gehen. Von der Stadt aus ist es nicht weit zum Strand. Zu Fuß vielleicht eine halbe Stunde." schlug Sanji vor, denn etwas Besseres fiel ihm nicht ein. Seine mittlerweile aufgerauchte Zigarette schnippte er auf die Straße, die wie durch Zufall direkt in dem Gulli landete.

"Aber wir haben doch gar nichts zum Schwimmen mit.." stellte Zorro fest, was Sanji grinsen lies.

"Wir sind Männer. Männer brauchen nicht extra Badeklamotten. Wozu hast du 'ne Boxershorts an?" Sanji hatte natürlich Recht und Zorro hätte sich ohrfeigen können, denn er war auch mit Ace schon oft genug spontan in Boxershorts schwimmen gewesen.

"Da hast du auch wieder Recht." grinste nun auch Zorro, dem das wirklich ein wenig peinlich war.

Scheinbar hatte Zorro das diesmal nicht so gut versteckt, wie er dachte, denn Sanji fand das ziemlich süß. Aber halt. Süß? Was dachte Sanji da? Schnell schüttelte er unmerklich den Kopf, um diesen Gedanken aus seinem Hirn zu verbannen. Oder zumindest in die hinterste Ecke. Zorro folgte Sanji weiterhin, bis sie in der Stadt angekommen waren. Natürlich sprachen sie auch miteinander, über dies und das, was man eben so redete. Es dauerte eine Weile, in der Sanji Zorro die City gezeigt hatte, bis sie sich letztendlich an Sanji´s Lieblingseiscafé ankamen. Dort setzten sie sich draußen an einen Zweiertisch und sahen auf die Karte. Sanji saß mit dem Rücken in Richtung Sonne, die hoch oben am Himmel stand und ihre Strahlen mit voller Wucht gen Erde warf. Zorro saß ihm genau gegenüber, der seine Sonnenbrille trug, da er sonst die pralle Energie der Sonne in die Augen bekäm. Im Schein der Sonne konnte Sanji erkennen, wenn er flüchtige Blicke auf Zorro´s Oberkörper warf, dass die Haut seines Freundes ein wenig glänzte. Zorro trug ein schwarzes Muskelshirt, welches passend zu der dunkelblauen Jeans und dem ebenso schwarzen Gürtel war. Außerdem hatte Zorro das enge Shirt in die Hose gesteckt, was Sanji gar nicht mal so schlecht fand. Sanji begutachtete weiterhin, während sie schließlich auf ihre Bestellung warteten, unbemerkt Zorro. Dessen Gesicht, dessen Arme, einfach alles an Zorro gefiel dem Blonden. Doch auch Zorro sah es nicht anders. Zwar war Sanji nicht sonderlich muskulös, doch musste das ja auch nicht so sein. Bisher hatte Zorro noch keinen Blick auf Sanji´s Oberkörper werfen können und auch seine Oberarme waren wegen den etwas weiten T-Shirts nicht wirklich zu erkennen. Ihm war es nicht wichtig, ob Sanji Muskeln hatte, oder eben nicht. Fest stand, dass Sanji von Natur aus ein schlanker Kerl war. Zorro hatte einen Narren an Sanji´s Hals gefressen, kaum sah er ihn an, wanderte sein Blick stets zu dessen Hals. Zorro wollte in diesem Moment herausfinden, wie weich Sanji´s Haut war und dies am besten mit seinen Lippen. Doch konnte er schlecht aufstehen, zu Sanji gehen und ihn vor allen Menschen hier in der Stadt auf den Hals küssen. Zorro hatte ja schon viel gebracht, vor allem, wenn er mit Ace getrunken hatte, aber das, das traute er sich dann doch nicht. Immerhin lebte Sanji hier und nicht er selbst. Und außerdem wusste er ja auch gar nicht, wie Sanji dann reagieren würde, also schlug er sich diesen Gedanken komplett aus dem Sinn.

"Ist um diese Uhrzeit denn viel am Strand los?" erkundigte sich Zorro, als er gerade den Rest von seinem Eis heruntergeschluckt hatte. Sanji war noch nicht ganz fertig und Zorro musste einen Augenblick warten, bis auch Sanji den Mund leer hatte.

"Kann gut möglich sein. Aber es ist unter der Woche und die meisten arbeiten oder sind in den Uni´s. Wahrscheinlich werden dort viele Familien mit Kindern sein, aber mich stört das eigentlich nie." antwortete Sanji mal wieder sehr ausführlich und lächelte seinem grünhaarigen Freund entgegen, der das Lächeln erwiderte.

Zorro konnte keine Kinder leiden. Sie schrien ihm zu viel, machten zu viel Dreck und auch zu viel kaputt, aber solange er keine eigenen Kinder hatte, war ihm das nicht so wichtig. Hauptsache, sie nervten ihn nicht und er hatte seine Ruhe. Kurz darauf bezahlten die beiden, eher gesagt Zorro, der den Blonden spontan einlud, und machten sich auf den Weg in Richtung Strand. Sie freuten sich, dass sie nach so vielen Jahren endlich mal Zeit miteinander verbringen konnten. Von Angesicht zu Angesicht. Am Strand angekommen suchten die beiden sich einen Platz, der ein wenig Abseits von den ganzen Kindern waren, die im saichten Wasser spielten. Als sich die beiden entkleideten, konnte nun auch Zorro einen Blick auf Sanji nehmen. Sanji hatte ziemlich blasse Haut, doch das störte ihn nicht. Es störte ihn auch nicht, dass Sanji kein muskelbepackter, junger Mann war, wie er nun feststellen konnte. Erstens war man noch jung und sowas könnte sich ändern. Zweitens fand Zorro Gefallen an Sanji´s Körper, der ihm so unschuldig schien. Würde Zorro auf Muskeln stehen, hätte er genauso gut auf Ace stehen können, dessen Körperbau dem von Zorro selbst glich. Aber Sanji gefiel dem Grünhaarigen so, wie er war. Und so konnte auch Sanji wieder Zorro´s Körper begutachten. Natürlich waren sie nicht nur auf den Körper des anderen bedacht. Würden sie sich nicht mögen, dann hätte Zorro sich gar nicht erst die Mühe gemacht, seinen langjährigen Brieffreund zu besuchen. Doch war es denn nun? Was war es, was sie für den anderen fühlten? War es die Freundschaft, die so vertraut und eng war? Fühlte es sich wirklich wie Freundschaft an? Nein. Das, was sie für den anderen fühlten, das war nicht nur Freundschaft. Es war mehr. Viel mehr. Doch was nun? Was sollten sie jetzt tun? Keiner von beiden wusste vom anderen, dass schon Erfahrungen mit dem selben Geschlecht vorhanden waren. Beide hatten Angst, dass der Andere ihn abstoßen könnte. Sie waren in einer Zwickmühle.

Chapter Twelve

Zwei Tage später, es war nun der 05. Juni, lagen die beiden in der Nacht wach im Bett nebeneinander. Zorro lag auf dem Rücken, Sanji auf der Seite mit dem Gesicht in Zorro´s Richtung. Auch wusste jeder von ihnen, dass der Andere wach war, doch genossen sie auch die Stille in diesem Moment. Sie hatten zwei schöne Tage gehabt, haben viel unternommen, Fußball gespielt, sich angenähert, sodass Zorro nun ein wenig mehr sprach, als zuvor. Doch zu einem anderen Ergebnis, ihre Gefühle füreinander betreffend, waren sie in der Zeit nicht gekommen. Abgesehen davon, dass sie annahmen, dass der Andere einen abweisen könnte, fanden sie es noch zu früh, um eventuell darüber zu reden. Doch Sanji hielt es nicht mehr aus. Er war es leid, das für sich zu behalten und da er von Natur aus nun mal ein unglaublich ehrlicher Mensch war und dementsprechend auch keine Geheimnisse für sich behalten konnte, zumindest was das anging, setzte er sich plötzlich auf. Sein Blick war auf Zorro gerichtet, den er intensiv ansah. Zorro sah ein wenig verwirrt aus, denn er fragte sich, was der Blonde so plötzlich hatte.

"Zorro?" sprach Sanji seinen Freund an, der sich daraufhin ebenfalls aufsetzte.

"Ja?" gab der Angesprochene nur zurück und sah ihn ernst an.

"Ich muss dir was sagen." Sanji´s Herz klopfte wie wild und er dachte für einen Moment daran, es doch wieder sein zu lassen, doch nun war es schon beinahe zu spät. Er war sich sicher, falls er abbrechen würde, dass Zorro nachfragen würde.

"Was denn?" fragte Zorro nach einigen Momenten, als Sanji nichts sagte. Dieser schien zu überlegen, wie und was genau er denn nun sagen sollte.

"Weißt du.. Ich ... habe dir etwas verschwiegen." fing er zögernd an, was Zorro im ersten Moment verwunderte. Dachte er doch, dass Sanji ihm alles gesagt hätte. "Ich weiß gar nicht, wie ich dir das sagen soll.. Ich will nicht, dass du mich dann plötzlich hasst oder so.."

Zorro verstand kein Wort von dem, was Sanji da von sich gab. Er nahm an, dass Sanji ihm vielleicht eine Freundin verschwiegen hätte, oder sonst irgendwas los war. Vielleicht war Sanji ja auch schon Vater, woher sollte er das auch wissen?

"Ich hasse dich doch nicht einfach so." stellte der Grünhaarige fest, wusste nicht, was er sonst sagen sollte. "Nun sag's schon." forderte er ihn schließlich noch auf. Sanji brauchte jedoch noch einige Momente, in denen er tief Luft holte.

"Ich... Also... Wie soll ich sagen? ....." Sanji wusste wirklich nicht, wie er es seinem Freund sagen sollte. Er hatte wirklich Angst davor, dass Zorro ihn dann nicht mehr mögen würde, ja sogar hassen könnte. Doch er wusste, dass er es jetzt tun musste, sonst würde er es nie tun. "Ich.... hatte vor etwas mehr als einem Jahr mit 'nem Typen Sex. Und ich ... bin bi."

Zorro schlug es sofort die Fassung aus dem Gesicht. Er wurde sofort, trotz seiner Bräune, bleich im Gesicht. Sanji konnte dies nicht wirklich erkennen, denn nur seine Nachttischlampe, die er zuvor angeschaltet hatte, erhellte den Raum in einem leichten Orangeton. Zorro war viel zu perplex, als dass er auch nur ein Wort hätte sagen können, was Sanji ihm natürlich auch ansah, der sofort wieder das Wort ergriff.

"Ich wollte es dir eigentlich nicht sagen, weil ich dachte, dass du mich dann hasst, aber ich habs einfach nicht mehr ausgehalten. Ich musste es jetzt einfach loswerden. Bitte, Zorro, hass mich jetzt nicht.." Seine Stimme klang bei dem letzten Satz schon beinahe flehend, denn er wollte die Freundschaft, falls es denn eine war, nicht dadurch kaputt machen. Er wusste ja nicht, ob Zorro etwas dagegen hatte, oder nicht. Ob er ein großes Problem damit hatte, oder nicht. Und er wusste auch nicht, wie Zorro jetzt darauf reagieren würde.

Der Grünhaarige sah zuerst ein wenig verwirrt durch den Raum, wusste nicht, was er nun sagen sollte. Ein wenig überfordert und teils auch verlegen kratzte er sich kurz am Hinterkopf, bevor er seinen Blick wieder zu dem Blonden wand.

"Wenn wir schonmal bei der Wahrheit sind.... Ich hab dir auch was verschwiegen.." gab Zorro zögernd, jedoch ehrlich von sich. Sanji´s Herz machte einen schmerzhaften Sprung gegen seine Brust. Er hoffte, dass Zorro ebenfalls solche Erfahrungen gemacht hatte, doch war er sich sicher, dass ein Mann wie Zorro das nicht getan hatte. "Ich hatte einen Freund. Meine letzte Beziehung, als ich fast 17 war. Ist noch gar nicht so lange her, dass ich auch mit ihm Sex hatte."

Als Zorro den Satz beendete kehrte eine ziemlich unangenehme Stille ein. Beide wussten nicht, was sie nun sagen sollten. Sanji fragte sich, ob er das wirklich hätte sagen sollen. Und einen Moment später fragten sich beide gleichzeitig, ob sie sich nun wirklich besser fühlten, nachdem der Andere nun alles von einem wusste. Es dauerte eine Weile, in der sie sich gegenüber saßen und sich ansahen, bis sie schlucken mussten. Eine ungekannte Hitze breitete sich in den beiden aus. Zorro fragte sich in diesem Moment, was er denn zu verlieren hatte und beugte sich langsam zu Sanji, der ahnte, was nun auf ihn zu kam. Zorro legte seine heiße, rechte Hand an Sanji´s Hals, sodass seine Fingerspitzen den Nacken erreichten. Er zog den schlanken Blonden ein wenig zu sich und näherte sich mit seinen Lippen denen von Sanji. Als sich die Lippen der beiden beinahe berührten, klopfte es plötzlich an der Tür. Ruckartig lies Zorro von Sanji ab, woraufhin Sanji sich räusperte und den Anklopfenden hereinbat. Es war Jeff, der Sanji nur fragte, ob er sich das Auto für den Großmarkt morgen leihen könne. Normalerweise hätte Sanji einen riesen Aufstand gemacht, doch diesmal nickte er einfach nur und wünschte ihm eine gute Nacht. Zorro hatte sich wieder zurückgelegt, als Jeff den Kopf hereingesteckt hatte, und sah nun zu Sanji, als der Alte die Tür geschlossen hatte.

"Und jetzt?" war Zorro´s, seiner Meinung nach, dämliche Frage, woraufhin Sanji ein wenig schmunzelte und ihm in die Augen sah.

"Wie wäre es, wenn wir du da weitermachst, wo du aufgehört hast?" fragte er ein wenig schelmisch, was Zorro zuerst stutzen lies.

Als der Ältere sich deswegen nicht bewegte, beugte Sanji sich zu ihm hinab, ohne weiteres Zögern, und legte ihm die Lippen auf. Zorro war zuerst etwas verwundert und sah in das Gesicht seines Gegenübers, der die Augen geschlossen hatte, doch schließlich lies er sich darauf ein. Auch er schloss nun die Augen und genoss diese Nähe. Zorro als auch Sanji fanden beide, dass der andere überaus weiche Lippen hatte und auch, dass der andere ziemlich nach Zahnpasta schmeckte. Doch das machte ihnen nichts aus. Während sie sich innig und beinahe schon leidenschaftlich küssten, machte Sanji es sich auf Zorro bequem, indem er sich auf ihn setzte. Das war für den starken Zorro natürlich kein Problem, der Sanji als ein Fliegengewicht empfand. Zorro´s Hände wanderten über Sanji´s Oberschenkel, von dort aus an dessen Seiten entlang unter sein Shirt, wo seine Hände ihren Platz fanden. Doch mehr tat er nicht. Zorro war kein Mensch, der gleich aufs Ganze ging, zumindest wollte er das bei Sanji nicht. Und auch Sanji, der meist ziemlich viel Sex mit verschiedenen Mädchen hatte und das ziemlich oft, wollte sich mit Zorro Zeit lassen. Immerhin hatten sie sich gerade erst gesehen und sie fanden, dass es noch nicht an der Zeit war. Manch einer hätte das nicht verstanden, denn immerhin kannten sich die beiden nun schon 10 Jahre und nun wussten sie alles voneinander.

Als Sanji am nächsten Morgen wieder aufwachte, stellte er fest, dass er in Zorro´s Armen lag. Selten hatte er sich so geborgen gefühlt. Bei den Mädchen war er ja derjenige, der ihnen Schutz und Geborgenheit gab, was er auch gut fand. Doch war dieses Gefühl, in den starken Armen Zorro´s zu liegen, um einiges besser. Und obwohl Sanji wollte, dass Jeff davon weiß, damit die beiden Jungen keine Heimlichtuereien machen mussten, konnte Sanji es nicht. Er konnte nicht aufstehen, zu Jeff gehen und sagen "Hey! Ich will mit Zorro zusammen sein, weil ich ihn liebe!". Das konnte er beim besten Willen nicht tun und das würde er auch nicht. Sanji wusste, wie Jeff reagieren würde. Auch, wenn Jeff immer zu dem Blonden sagte, wenn auch indirekt, dass er Sanji glücklich sehen will. Doch Jeff war nun mal von der älteren Generation, die sowas nicht leicht wegsteckten. Für diese Generation war es einfach unnormal. Gerade ein mal ein paar Tage war Zorro nun hier, der von dem Blonden beim Schlafen beobachtet wurde. Sanji fragte sich, wie es wohl sein würde, mit Zorro zu schlafen und in diesem Moment wollte er es nur zu gerne ausprobieren. Als Zorro sich dann jedoch regte, da er aufwachte und Sanji müde ansah, legte sich über dessen Wangen ein Rotschimmer.

"Was ist?" wurde der Blonde von seinem Bettnachbarn gefragt, doch das machte es noch schlimmer. Sanji´s Gesicht glich nun einer Tomate.

"N-Nichts." hatte Sanji nur geantwortet und war auch schon schnell aufgestanden. Sanji hatte sich bei diesem Gedanken ertappt gefühlt und das war ihm peinlich. Zorro verstand natürlich überhaupt nichts. Erstens verstand er selten etwas, was damit zu tun hatte, und zweitens war er gerade mal seit einer Minute wach.

Sanji entschuldigte sich, da er duschen gehen wollte und tat dies schließlich auch. Er duschte zuerst einmal kalt, um eine eventuelle Regungen unterhalb der Gürtellinie zu vermeiden und die Gedanken aus dem Kopf zu bekommen. Als er schließlich fertig war, sich angezogen und auch die Zähne geputzt hatte, verschwand Zorro im Badezimmer. Doch wussten beide an diesem Morgen noch nicht, dass es eine unvergessliche Nacht für sie werden würde.

"Sanji? Du weißt, heute Abend ist der monatliche Treff. Du weißt, was ich von dir erwarte, wenn ich über Nacht weg bin. Mach keinen Mist und steck mir ja nichts in Brand!" Jeff war immer sehr unfreundlich, obwohl er sich nur Sorgen um seinen Sohn machte. Dies bemerkte auch Zorro, als Sanji und er im Wohnzimmer saßen und Jeff das an diesem Nachmittag gesagt hatte.

"Jeff! Das ist nur ein einziges Mal passiert! Und da war ich 7! Ich bin alt genug, um die Küche nicht wieder in Brand zu setzen!" hatte Sanji nur zurückgegeben, der es immerzu unfair von Jeff fand, dass dieser darauf herumritt und ihn immer so blöd von der Seite anmachte, wie Sanji gerne zu sagen pflegte.

Nach diesem kurzen Gespräch verschwand Jeff wieder ins Restaurant, er musste ja weiterarbeiten. Zorro und Sanji gingen nach dem Essen, welches Sanji wieder einmal mit Leidenschaft zubereitet hatte, nach draußen. Zu gerne hätte Sanji die Hand Zorro´s genommen, so auch umgekehrt, doch wussten sie, dass das letztendlich bei Jeff ankommen würde, weshalb sie es sein ließen. Sie hatten Sanji´s Fußball mitgenommen und spielten im Park einige Runden. Anschließend legten sie sich in das warme Gras, welches von der Sonne jeden Tag aufs Neue erwärmt wurde. Erst spät am Abend gingen die beiden wieder zurück. Jeff war schon längst weg.

"Was ist denn das für ein Treff, zu dem dein Dad geht?" fragte Zorro, als sie zu Abend aßen.

"Ach, schon seit damals ist das so'n Ding, wo der sich mit seinen Saufkumpanen trifft. Morgen ist Ruhetag im Restaurant, kommt nur einmal im Monat vor. Der wird bis morgen Abend auch nicht wiederkommen. Damals hatte unsere Nachbarin auf mich immer aufgepasst." erklärte Sanji kurz, doch das war nicht genug Information für Zorro. Er wollte es genauer wissen.

"Und was machen die da genau, außer Saufen? Und wieso bleibt der bis morgen Abend weg?" Sanji sah den Fragenden an, hätte nicht gedacht, dass Zorro so viel Interesse zeigt.

"Naja.. Das sind alles Köche, mit Jeff sind es 8. Alle kommen aus anderen Städten, kennen sich aber schon seit einer Ewigkeit. Sogar noch bevor Jeff mich damals adoptierte. Sie treffen sich in einem Motel. Jeff hatte mir mal vor ein paar Jahren gesagt, dass sie sich, aufgrund der Entfernungen, in der Mitte treffen würden. Und weil das relativ weit ist, hat Jeff auch jetzt mein Auto. Jedenfalls wird sich halt in dem Motel getroffen und wenn die ihr Gepäck auf die Zimmer gebracht haben, gehen sie erstmal Essen. Danach laufen sie in irgendeine Kneipe, besaufen sich, spielen Dart oder Poker und wenn sie genug gespielt, gelabert und gesoffen haben, dann gehen sie wieder ins Motel. Dann wird zusammen gefrühstückt, irgendwas unternommen, zusammen Mittag gegessen, wieder irgendwo hingesetzt, wo sie bei Kaffee oder so reden, bis sie schließlich alle wieder nach Hause fahren." Zorro hörte aufmerksam zu, er fand es wirklich interessant.

"Warst du mal mit, oder wieso weißt du so genau Bescheid?" erkundigte sich der Grünhaarige und aß weiter.

"Ja. Jeff hatte mich mal mitgeschliffen, weil ich Stubenarrest hatte. Ist ungefähr zwei Jahre her. Hab ich dir glaub ich auch gar nicht geschrieben.. Jedenfalls hatte Ruffy einen Tag vorher in der Stadt irgendeinen Mist gemacht, naja, mitgehangen, mitgefangen. Hab tierischen Anschiss bekommen und naja. Dann musste ich eben mit. Jeff wollte nicht 'riskieren', dass ich, wenn er nicht da war, doch aus dem Haus gehe." beantwortete Sanji Zorro´s Frage.

Somit war Zorro´s Neugier gestillt und daraufhin beendeten sie das Abendessen. Da beide keine wirkliche Lust hatten irgendwas zu machen, sei es Spazieren oder Feiern, entschlossen sie sich dazu, irgendeinen Film anzusehen. Beide mochten Actionfilme, also sahen sie sich so einen an. Sanji hatte beiden ein paar wenige Flaschen Bier und etwas zu Knabbern auf den Couchtisch gestellt und Zorro wunderte sich bei dem ersten Bier darüber. Es schmeckte ganz anders, als das in den Staaten. Nach dem Film, der sich wirklich lange hingezogen hatte, waren beide ein wenig angetrunken, Zorro wohl ein bisschen weniger, und müde. Zorro half Sanji noch aufzuräumen, bevor sie schließlich in Sanji´s Zimmer gingen. Man musste ja nicht immer irgendwas Bestimmtes machen. Man konnte ja auch einfach mal Zuhause bleiben und sich, wie die beiden an diesem Abend, einen Film ansehen. Sie zogen sich um und legten sich schließlich ins Bett. Alles war stockduster, doch durch das Fenster fiel der Schein des hellen Vollmondes ins Zimmer, weshalb sie wenigstens ein bisschen sehen konnten. Doch schliefen die beiden nicht. Zorro hielt es beinahe nicht mehr aus, einfach so neben Sanji zu liegen. Doch auch Sanji ging es nicht besser. Beide wollten es. Und sie taten es. Zorro machte den ersten Schritt, den Sanji nur zu gerne zuließ. Zorro hing über Sanji, das rechte Bein zwischen denen von Sanji, das linke Bein außen. Mit der linken Hand stützte er sich neben Sanji´s Kopf ab. Sanft fuhr er mit seiner starken, rechten Hand durch Sanji´s Haare, was Sanji nur bei ihm zuließ. Niemand durfte Sanji durch seine meist perfekt gestylten Haare fahren oder wuscheln. Er hasste es, wie die Pest. Doch Zorro durfte es. Er war der Einzige. Sanji legte beide Hände an Zorro´s Wangen und konnte es kaum abwarten, bis ihre Lippen miteinander verschmolzen. Es dauerte auch nicht lange, bis es geschehen war. Ein leidenschaftlicher Zungenkuss, beinahe noch leidenschaftlicher als der am Abend zuvor, war der erste Schritt für die Unvergessliche Nacht. Weitere sanfte und leidenschaftliche Berührungen folgten, sowie Liebkosungen voller Liebe. Für beide war es eine wunderschöne Nacht, der der Mondschein eine besonere Note verlieh. Sie ließen sich gehen. Waren froh, dass sie alleine waren und genug Zeit hatten. Sie schmolzen beinahe unter den Berührungen des Anderen, denn auch Sanji blieb nicht untätig. Es war die schönste Nacht, die die beiden in ihrem bisherigen Leben hatten. So viele Probleme in ihrer Kindheit, wegen denen sie sich auch so verbunden fühlten. So viele Erlebnisse, ob schlecht oder gut, die sie bisher hatten. Alles hatte sich in diesem Augenblick gelohnt. Und beide waren glücklich darüber, dass es so gekommen war, wie es kam.

Chapter Thirteen

Der Tag von Zorro´s Abreise nach diesen knapp zwei Monaten war gekommen. In dieser Zeit, seit der ersten, gemeinsamen Nacht, hatten sie viele dieser Nächte. Jede schöner, als die andere. Jede anders, als die andere. Doch hatten sie einfach nicht genug voneinander bekommen können. Es war der 28.07.2000 und Sanji hatte Zorro zum Flughafen gebracht. Hier war es Sanji egal, ob man sie sehen konnte, oder nicht. Schon im Auto, als sie auf dem Weg zum Flughafen von Sydney waren, hatte Sanji die ein oder andere Träne verloren. Zwar ging es Zorro wirklich nicht besser, doch Zorro war nicht der Typ, der 'rumheulte'. Nun standen sie hier im Warteraum, der für die Passagiere und deren Freunde/Familie gedacht war. Zorro wollte erst dann zum Gate gehen, wenn er wirklich keine Zeit mehr hatte. Er wollte Sanji´s Nähe noch so lange genießen, wie er konnte. Sein Gepäck war schon abgegeben, der Rucksack hatte Platz zwischen seinen Füßen bekommen. Sanji und Zorro standen Arm in Arm. Zorro hatte seine starken Arme um die Schultern des Blonden gelegt, der wiederum sein Gesicht an Zorro´s Hals vergraben hatte. Wieder kamen Sanji Tränen. Er wollte Zorro nicht gehen lassen. Er wollte nicht wieder alleine sein. Sie hatten auch nicht darüber gesprochen, wann sie sich wiedersehen würden, sie hatten andere Dinge im Kopf gehabt. Sanji fragte sich, was es denn nun brachte, sich weiterhin Briefe zu schreiben und ungeduldig darauf zu warten, wann man Geld hatte, um den anderen besuchen zu können. Sanji´s Herz fühlte sich an, als würde es gleich auseinander brechen. Noch nie tat sein Herz so weh, wie in diesem Moment. Am liebsten wollte Sanji mit ihm fliegen, doch er wusste, dass das nicht ging. Und auch Zorro wäre am liebsten geblieben, doch hatte er ja noch sein Studium.

Wäre es besser gewesen, sie hätten ihre Gefühle unterdrückt? Wäre es schlauer gewesen, nicht miteinander zu schlafen? Wäre es vernünftiger gewesen, man wäre befreundet geblieben?

Beide wussten, dass dieser Tag kommen würde, doch hatten sie ihn einfach verdrängt. Sie wollten beieinander sein, doch es ging einfach nicht. In ihnen herrschte ein Gefühlschaos vom Allerfeinsten. Was würden sie nun tun? Was sollten sie tun? Selbst, wenn sie sich jedes Jahr im Sommer sehen würden, es war dennoch zu wenig. Es würde immer zu wenig sein, doch darüber hatten sie anfangs nicht nachgedacht. Sie hatten sich einfach leiten lassen. Von den Gefühlen, von dem Verlangen nach dem Anderen. Wären sie logisch an die ganze Sache herangegangen, so wäre es nicht zum mehrmaligen Sex zwischen ihnen gekommen.

"Zorro.. Ich will nicht, dass du fliegst. Bleib hier. Bei mir.." flehte Sanji den Größeren an, doch wusste er, dass das nicht ging. Viele Tränen liefen über seine rosigen Wangen.

"Sanji, du weißt, dass ich das nicht kann. Ich muss mein Studium noch zuende machen. Und du kannst nicht mit mir kommen, wegen deiner Ausbildung und dem Restaurant." sagte Zorro, der einen Kloß im Hals hatte und Sanji die Tränen von den Wangen wischte.

"Ich weiß, ich weiß.. Aber ich will trotzdem nicht, dass du fliegst.." brachte Sanji noch ein, bevor Zorro zum Abschied seine Lippen auf die von Sanji legte.

Wieder war dieser Kuss voller Leidenschaft und voller Liebe. Wieder überkam es die beiden. Und wieder wollten sie jeden Zentimeter des Anderen spüren. Doch Zorro musste den Flieger erwischen, weswegen der Kuss gelöst wurde. Zorro nahm seinen Rucksack, sah noch in das weinende Gesicht seines Gegenübers und ging. Sanji war beinahe völlig am Boden zerstört, denn Zorro drehte sich nicht einmal mehr um. Doch Zorro konnte es nicht. Er konnte sich nicht noch einmal umdrehen, um seinen traurigen Freund zu sehen. Ja, seinen Freund. Zorro und Sanji waren zusammen. Doch nun trennten sie sich, zumindest von der Entfernung her. Sanji wollte Zorro nicht verlieren, ebenso wenig wie Zorro Sanji. Fernbeziehungen waren schwer. Vor allem, wenn es so eine war. Wie sollten sie das aushalten? Es war schmerzvoll und unerträglich für den sensiblen Sanji, der den Flughafen verließ, nachdem er Zorro nicht mehr gesehen hatte. Doch auch für Zorro war es alles andere, als leicht. Er wollte bleiben, doch konnte er einfach nicht. Er schwor sich jedoch, sobald er sein Studium beendet hatte, alles daran zu setzen, mit Sanji ohne Entfernungsschwierigkeiten zusammen zu sein. Natürlich würde sich das schwerer gestalten, als gedacht, das wusste Zorro. Dennoch war Sanji die Liebe seines Lebens. Und so ging es auch Sanji. Auch Sanji wollte um jeden Preis mit dem Mann, den er liebte, zusammen sein. Doch wie sollte das funktionieren? Zorro sollte die Kanzlei seines Vater´s übernehmen, Sanji das Restaurant. Einer von beiden würde also früher oder später seinen Vater enttäuschen müssen. Doch das größte Problem war immer noch, dass sie so lange von einander getrennt sein würden.

Chapter Fourteen

Als Sanji Zuhause ankam, nachdem er Zorro zum Flughafen gebracht hatte, ging es ihm überhaupt nicht gut. Er hatte sich seine Tränen weggewischt, damit Jeff nichts merkte und er versuchte normal zu wirken. Hätte er gewusst, dass Jeff nicht in der Wohnung war, sondern sich noch unten im Restaurant mit einem Stammgast unterhielt, hätte er sich gar nicht angestrengt. Er ging in sein Zimmer und setzte sich auf sein Bett, das Licht ließ er aus. Er zog seine Beine an sich heran, schlang seine Arme darum und vergrub sein Gesicht. Was sollte er jetzt tun? Er konnte sich unmöglich auf seine Ausbildung konzentrieren. Und auch nicht darauf, dass niemand etwas bemerkte. Früher oder später würde man es ihm anmerken. Spätestens am nächsten Tag, wenn er wieder arbeiten musste. Irgendwie musste er versuchen, damit zurecht zu kommen. Mit der Unwissenheit zu leben, wann er Zorro wiedersehen würde. Was er tat, mit wem und wann. Sanji machte sich nun schon Gedanken darum, wohin Zorro wohl in seiner Freizeit gehen würde, was er machen würde und mit wem. Das machte den Blonden beinahe schon wahnsinnig. Dabei war Zorro gerade mal zwei einer Stunde nicht mehr bei ihm. Sanji konnte mehr als eifersüchtig werden, wenn er nicht ganz genau wusste, was sein Freund tat. Darüber hatte er zuvor nicht nachgedacht und nun saß er hier. Er raufte sich durch sein Haar, was ihn wieder an Zorro´s Berührungen erinnerte. Er wollte nicht, dass dies nur Erinnerung blieb. Er wollte, dass er Zorro tagtäglich sehen konnte. Er wollte ihn Küssen und jeden Zentimeter seiner braungebrannten, warmen und weichen Haut spüren. Es machte ihn verrückt, wenn er daran dachte, dass jeder wusste, Zorro wäre schwul. Und es machte ihn noch verrückter, dass Zorro nicht gerade unbeliebt war. Bei den Mädchen als auch bei den Jungs. Seine Gedanken kreisten diesen Abend nur noch darum. Er war nicht in der Lage sich an seinen Schreibtisch zu setzen und Zorro einen Brief zu schreiben, wie er es eigentlich vor hatte.

Als Zorro in den Staaten ankam, wurde er am Flughafen bereits von seinem besten Freund und dessen Freundin erwartet. "Wo ist Nami?" hatte Zorro gefragt, als sie sich begrüßt hatten. "Die hat ein Date." wurde von Ace geantwortet, der Zorro´s Koffer nahm und den Arm um seine schwarzhaarige Schönheit legte. Der Weg vom Flughafen nach Hause dauerte nicht lange. Ace und Robin setzten Zorro bei dem Haus, in dem er mit seinem Vater lebte, ab und fuhren schließlich zu Ace. Am 07.August begann das neue Semester erst, doch war Zorro früher nach Hause gekommen, um sich deswegen noch ein wenig vorzubereiten. Zur Abwechslung mal lernen, auch, wenn er nicht in der Uni war, konnte immerhin nicht schaden und er wollte nicht noch ein Semester dranhängen, weil er zu faul war. Ace hatte seinen Freund schon ein wenig ausgequetscht und fand heraus, dass Zorro und Sanji nun zusammen waren. Ace wusste, dass sich das schwerer gestalten würde, als man dachte, doch Zorro war sich sicher, dass es klappen könnte. Diese Zuversicht besaß er Zuhause jedoch nicht mehr. Als Zorro nach Hause kam, brachte er als Erstes seine Sachen auf sein Zimmer und ging ins Wohnzimmer, wo er seinen Vater vermutete. Doch dort war überall das Licht aus. Gerade, als Zorro dann jedoch wieder von Dannen ziehen wollte, wurde das Licht angeknipst und "Willkommen zurück!" von mehreren Stimmen gebrüllt. Zorro war nicht leicht zu erschrecken, doch hier war sein Herz beinahe stehen geblieben. Als er sich umdrehte stellte er fest, dass sein Vater, so bekloppt er war, ein rosa glitzerndes Partyhütchen trug. Dessen Freundin, namens Karen und gerade mal 26 geworden, stand mit ihrem 8-jährigen Sohn dabei und auch die beiden trugen diese Partyhütchen. Zorro´s Vater hatte anscheinend schon ein wenig getrunken, denn seine Wangen als auch Nase waren ein wenig rot. Karen und sein Vater waren schon seit einer Weile zusammen, was Zorro persönlich sehr wunderte. Bisher, nach der Scheidung von seiner Mutter, war Zorro´s Vater nie länger als zwei Monate in einer Beziehung gewesen. Mit Karen und ihrem Sohn hielt er es jedoch schon ein gutes Jahr aus. Zorro war eigentlich überhaupt nicht nach Feiern zumute, doch gegen Alkohol hatte er gerade im Moment nichts einzuwenden. Vor allem, wann hatte er mal Zeit, um mit seinem Vater einen zu Trinken? Sehr selten. Deshalb machte Zorro einfach mal mit. Auch Karen trank mit, doch nicht so viel, da sie ihrem Sohn gegenüber sehr verantwortungsbewusst war. Zorro beobachtete Karen und ihren Sohn ziemlich oft. Karen war sehr liebevoll zu ihrem Nachwuchs und Zorro wünschte sich in diesen Momenten, dass er auch so eine Mutter gehabt hätte. Doch selbst, wenn sein Vater die 19 Jahre jüngere Karen heiraten würde, konnte Zorro sie nicht als Mutterersatz ansehen. Sie war gerade mal 8 Jahre älter, als Zorro.

Während Zorro die ganze Nacht mit seiner 'Familie' feierte, nachdem Karen ihren Zögling ins Bett gebracht hatte, und abgelenkt war, verbrachte Sanji die Nacht alleine mit unruhigem Schlaf. Er wachte oft in der Nacht auf und wusste, dass er wegen der Arbeit am nächsten Tag unbedingt ausgeschlafen sein musste. Als Sanji zum dritten Mal in dieser Nacht erwachte, stellte er mit einem Blick auf die Uhr fest, dass es 5:30 Uhr war. In genau sieben Stunden würde sein Arbeitstag beginnen. In diesem Moment hatte er den Drang, seinen Freund anzurufen, immerhin hatten sie ja einmal ihre Telefonnummern ausgetauscht. 0310-555-462-988 war Zorro´s Nummer, inklusive Vorwahl. Doch Sanji entschied sich gegen einen Anruf, denn er nahm an, Zorro würde schlafen und er wollte ihn nicht wecken. Doch Zorro war durch den Jetlag und die dazugehörige Zeitverschiebung schon wieder wach. Da Zorro in der Nacht so viel getrunken hatte, war er an diesem 'Morgen' noch halbwegs betrunken. Karen hatte ihm extra ein sogenanntes Katerfrühstück zubereitet, worüber Zorro sich insgeheim freute, doch zeigte er das natürlich nicht. Karen war bisher die einzige Freundin seines Vater´s, die er gut leiden konnte und er würde auch nichts gegen eine eventuelle Hochzeit haben. Karen hatte ihm sogar frisch gepressten Orangensaft gemacht, was ihn, als er ihn trank, unglaublich stark an Sanji erinnerte. Sanji hatten diesen nämlich auch jeden Morgen frisch gepresst. Er fragte sich, wie es Sanji wohl gehen würde und es versetzte ihm einen Stich ins Herz, als er daran dachte, wie Sanji bei seinem Abflug geweint hatte. Karen wusste zwar nicht, wieso Zorro noch ungesprächiger war, als sonst, doch wusste sie, dass Zorro bei seinem langjährigen Brieffreund gewesen war. Auch wusste sie, dass Zorro keinen Hehl um seine Sexualität machte, was sie gut an ihm fand. Und da Karen zwar blond, aber nicht blöd war, konnte sie eins und eins zusammenzählen.

"Ruf ihn doch an." lächelte sie ihm zu. Zorro sah verwirrt in das Gesicht seines Gegenübers. Karen hatte sich ihm gegenüber gesetzt und ihr Kinn auf ihre Handfläche gestützt. Zorro brummte nur kurz und aß weiter sein Frühstück. Gerne hätte er ihr gesagt, dass es sie nichts anginge, doch weil er sie eben mochte, wollte er das nicht. "Nein, wirklich. Ruf ihn an." fügte sie nach einigen Momenten hinzu, doch Zorro sah weiter auf seinen Teller.

"Geht nicht. Da ist Nacht. Er schläft." antwortete Zorro ziemlich knapp und trank einen Schluck.

"Na, dann rufst du ihn an, wenn du weißt, dass er wach ist." sagte sie mit ihrer warmen und freundlichen Stimme. Wieder sah Zorro zu ihr.

"Nein." murrte er wieder nur und beendete sein Frühstück.

"Ach Zorro. Stell dich doch nicht so an. Was ist denn dabei, wenn du ihn anrufst? Sag doch einfach, dass du gut angekommen bist, das würde doch schon reichen." Karen wollte scheinbar nicht locker lassen, wie Zorro feststellen musste.

Karen war wirklich von Anfang an schon sehr nett zu ihm gewesen und nach einer Weile auch um sein Wohl besorgt. Immer öfter versuchte sie auch, Shawn, Zorro´s Vater, dazu zu bewegen sich mal einen Tag frei zu nehmen, um etwas mit seinem Sohn zu unternehmen. Auch wollte Karen schon des Öfteren sogenannte Familienausflüge veranstalten, doch kam immer wieder etwas dazwischen. Wäre Karen eine der vorigen Freundinnen seines Vater´s hätte Zorro sie schon längst vergrault. Doch obwohl Karen so jung war, fand er sie um einiges reifer, als die anderen. Sie war eine gute Mutter für Andrew, ihren Sohn, und da sie selbst auch nie wirklich eine Familie hatte, ließ sie hier beinahe nichts unversucht. Karen war nicht gerade eine Schönheit, wo man hätte sagen können "Wow!", doch trotzdem fand Zorro sie hübscher, als ihre Vorgängerinnen. Nachdem Karen noch weiter auf Zorro bezüglich des Anrufes eingeredet hatte, gab dieser sich geschlagen. Er wollte warten, bis Sanji wach war. Er wusste ja, um wieviel Uhr seine Arbeit begann und wollte daher gegen 12 anrufen. Bei Zorro würde es dann 18 Uhr sein.

Sanji war gerade von der Sonne geweckt worden. Mit einem Blick auf die Uhr, wie schon so oft in dieser Nacht, wusste er, dass es bereits 11 Uhr war. Er stand auf und ging ins Bad, um sich fertig zu machen. In seinem Zimmer zog er sich dann an und warf sich zu guter Letzt noch seine Arbeitskleidung über. Er setzte sich auf die Couch und zündete sich gerade eine Zigarette an, als das Telefon klingelte. Er fragte sich, um wen es sich dabei handeln könnte, denn selten rief jemand an, außer Ruffy. Doch auch Ruffy wusste, dass Sanji es nicht leiden konnte, vor seiner Arbeit gestört zu werden, weshalb Ruffy irgendwann nicht mehr anrief, wenn Sanji arbeiten musste.

"Goodrem?" meldete Sanji sich und zog an seiner Zigarette.

".... Hey.. Sanji?" Zorro wusste nicht, ob er jetzt Sanji oder Jeff am Apparat hatte. Man hörte Zorro deutlich an, dass er getrunken hatte. Zorro hatte auch wirklich ein wenig zu tief ins Glas geguckt.

"Zorro?" platzte es sofort aus Sanji heraus, der dessen Stimme am anderen Ende der Leitung vernahm. Sanji Augen waren geweitet. Er hätte niemals damit gerechnet, dass Zorro ihn anrufen würde.

"Ja..... Ich.. wollte eigentlich schon längst angerufen haben, aber dann ist mir die Zeitverschiebung eingefallen und ich wollte dich nicht wecken." erklärte er und wartete nun, was Sanji darauf sagen würde.

"N-Nein, ist in Ordnung. Ich war diese Nacht mal wach und wollte anrufen, aber ich wusste nicht, ob du noch schläfst, deswegen hab ich's dann gelassen." erklärte nun auch Sanji, der hörbar erleichtert war, dass sein Freund ihn angerufen hatte. "Hast du getrunken?" fragte Sanji dann ein klein wenig skeptisch nach, der das an seiner Stimme hörte. Bevor Zorro jedoch antwortete, vernahm er ein Grummeln von ihm.

"Ja, letzte Nacht. Dad, Karen und Andrew hatten so eine völlig überflüssige und kindische Willkommen-Zurück-Party veranstaltet. Und als Andrew dann später im Bett war, naja... wurde halt getrunken." erklärte Zorro, dem diese Party schon ein wenig peinlich war, immerhin war er schon 18.

"Hört sich doch toll an. Gabs auch diese kleinen, süßen Partyhütchen?" fragte Sanji und konnte sich ein breites Grinsen nicht verkneifen, was Zorro wieder brummen lies.

"Ja. Mein Dad hatte so ein rosanes Ding auf, das hat sogar geglitzert.. Manchmal frage ich mich, wieso Erwachsene sich so peinlich benehmen.." gab Zorro wieder grummelnd von sich, was Sanji auflachen lies.

"Naja, aber solange es dir doch gefallen hat, ist doch alles in Ordnung, oder?" grinste Sanji noch immer, der überglücklich war.

"Ja, hast Recht. Wenigstens konnte ich mal mit Dad was Trinken. Wann musst du runter?" fragte Zorro schließlich, woraufhin Sanji auf die Uhr sah.

"Gleich. So in 'ner viertel Stunde. Was machst du heute noch?" antwortete Sanji und wollte das Gespräch, welches ja nur noch eine viertel Stunde gehen würde, am Laufen halten.

"Naja, hier ist es jetzt 18 Uhr. Gleich gibt's Abendessen und ich denke, dann werd ich von Karen ausgefragt, wie der Besuch bei dir war. Du solltest sie mal kennenlernen, ehrlich. Manchmal hat sie so eine überfreundliche Art an sich, dass man Angst bekommt." gab Zorro von sich, der das mit Karen wohl eher ironisch meinte. Sanji lachte wieder kurz, was Zorro zu einem Grinsen veranlasste. Er mochte Sanji´s Lachen.

"Wie alt ist Karen nochmal?" fragte Sanji nach.

"Ich glaube, sie hatte so vor zwei oder drei Wochen Geburtstag, aber da bin ich mir nicht sicher. Jedenfalls ist sie 26. Und Andrew ist 8." antwortete Zorro auf die Frage.

"Achso, ja, stimmt. Als du von ihr geschrieben hattest, war sie noch 25. Also ist es die Selbe. Freut mich, dass ihr euch so gut versteht." gab Sanji ehrlich zu. Immerhin hatten sie, was Eltern oder Mütter betraf, bisher nicht wirklich viel Glück in ihrem Leben.

"Naja. Andrew nervt, ich soll zum Essen kommen, wie du wahrscheinlich hörst.." murrte Zorro, der wirklich total genervt von dem Kleinen war, der an ihm herumzerrte und ihn lautstark aufforderte zum Mitkommen. Im Hintergrund konnte man Karen hören, die Andrew rief, er solle Zorro in Ruhe lassen. Doch Andrew hörte nicht und wollte, dass Zorro jetzt sofort mitkommt. Sanji musste lachen, denn er wusste, wie sehr Zorro seine Ruhe mochte, die nun von einem Kind gestört wurde.

"Nein, schon okay. Ich geh dann jetzt mal runter. Guten Appetit und lass dich nicht nerven." grinste Sanji noch und zog an seiner Zigarette.

"Okay.... Andrew! Hör auf jetzt! ... Sanji? Wenn du willst, kannst du anrufen, wenn du Feierabend hast, ich nehm das Telefon mit auf mein Zimmer. ... Andrew!!" Sanji musste lachen, verkniff es sich aber. Diesen Anblick hätte er nur zu gerne gesehen, wie der starke Zorro mit einem 8-jährigen kämpfte.

"Okay, mach ich. Bye.." nickte Sanji, der noch ein "Okay, Bye!" von Zorro hörte, bevor die beiden auflegten.

Glück und zufrieden blieb Sanji noch fünf Minuten vor dem Telefon stehen, ehe er seine Zigarette aufgeraucht hatte und sich schließlich ins Restaurant begab. Zorro hatte es da nicht so einfach. Er kam nicht einmal mehr dazu, seine Zimmertür zu schließen, denn Andrew zog ihn mit in die große Küche, in der ein Tisch für 8 Personen Platz hatte. Andrew war für seine 8 Jahre ziemlich stark, fand Zorro, der sich oft über den Jungen wunderte.

Chapter Fifteen

Sanji wollte zu Zorro. Natürlich liebte Sanji seinen Vater und er wollte ihn auch nicht alleine lassen, doch er liebte nun mal auch Zorro. Zwar auf eine andere Art und Weise, aber er wollte in die Staaten. Er wollte nach Los Angeles ziehen. Zu diesem Entschluss war er gekommen, als er an diesem Tag auf der Arbeit darüber nachgedacht hatte. Auch an diesem Abend/dieser Nacht telefonierten die beiden. Es war natürlich nicht wirklich billig, wenn man beinahe jeden Tag mit einander telefonierte und dann auch noch in ein anderes Land, aber Briefe allein reichten den beiden nicht mehr. Sie wollten die Stimme des Anderen hören. Sie wollten, wie so oft in den Nächten, die Geräusche und das immer schneller werdende Atmen hören. Sie telefonierten nicht nur. Sie sprachen nicht nur miteinander. Nein. Sie hatten Sex. Zwar war es nur Telefonsex, doch für sie war es, als wäre der Andere bei ihnen und sie würden sich lieben.

Zorro´s Vater hatte nicht wirklich etwas gegen die hohen Telefonrechnungen, solange sie in einem bestimmten Rahmen lagen, doch Jeff sah das anders. Sanji und Jeff stritten sich jedes Mal über die Rechnungen. Zwar warf das Restaurant wirklich einiges ab, doch hatte Jeff ein Problem damit, dass Sanji seinen 'Brieffreund' so oft anrief, beziehungsweise angerufen wurde. Jeff wurde von Mal zu Mal strenger, bis es zum Knall kam. Sanji war so wütend auf seinen Vater, dass er ihm in einem Streit an den Kopf warf, dass Zorro kein Bengel und Sanji mit ihm zusammen war. Das hatte Jeff wiederum so wütend gemacht, dass er das Telefon von der Wand riss und es durch das Wohnzimmer schleuderte. Das Telefon war nun also kaputt. Sanji war so geschockt, dass er nicht mehr wusste, was er sagen sollte. Als er dann jedoch wieder ebenso wütend das Wort erhob, war dies das erste Mal, dass er eine Ohrfeige von Jeff bekam. "Hör verdammt nochmal auf damit!! MEIN Sohn ist keine Schwuchtel!!" hatte Jeff ihm entgegengebrüllt. Sanji war seit zwei Monaten 19. In drei Monaten würde er seine Ausbildung beenden und ein anerkannter Koch sein, denn er hatte von einem der besten Köche gelernt. Wegen der Ohrfeige, die dem zarten Sanji Tränen in die Augen gejagt hatten und weswegen er sich die Hand an die Stelle hielt, sprach er sehr lange nicht mehr mit Jeff. Und würde Jeff mitbekommen, dass Sanji seinem Freund schrieb, würde Jeff dafür sorgen, dass der Kontakt nie wieder zustande kommen würde. Logischerweise, wenn Sanji seinem Freund schreiben würde, käm eine Antwort zurück, die Jeff entdecken würde, da er mit Absicht die gesamte Post kontrollierte. Sanji steckte in einer misslichen Lage. Was sollte er tun? Er konnte nun nicht einfach seine Sachen packen und gehen und letztendlich vor Zorro´s Tür stehen. Sanji durfte auch nur noch nach draußen, wenn Jeff dabei war. Und Sanji durfte Ruffy auch nur noch bei sich oder im Restaurant sehen. Jeff vertraute Sanji kein bisschen mehr und es war für den Blonden beinahe unerträglich mit seinem Vater zusammen zu leben. Doch er konnte nichts machen. Jeff bestand außerdem weiter darauf, dass Sanji sein Restaurant übernehmen sollte. Und so sollte Sanji auch nach dessen Ausbildung zum Oberkoch werden. Sanji wollte es nicht mehr. Sanji hatte nur noch mehr den Drang zu Zorro zu flüchten. Doch er wusste nicht, wie er das anstellen sollte.
 

"Lieber Zorro.
 

Es tut mir unglaublich leid, dass ich mich solange nicht gemeldet habe, aber es ging nicht.

Anrufen konnte ich auch nicht, weil Jeff das Telefon bei einem Streit aus der Wand gerissen und zerstört hat.

Wir haben jetzt September 2001 und der Brief wird dich ja wahrscheinlich im Oktober erreichen.

Jeff weiß seit ein paar Monaten, was Sache ist. Deswegen war er auch so ausgerastet.

Und trotz, dass ich 19 bin, darf ich überhaupt nichts. Ich darf nicht einmal mit Ruffy in die Stadt.

Da ich jetzt Oberkoch in seinem Restaurant bin und sowieso keine Zeit für nichts habe, war ich auch schon eine Weile nicht beim Frisör.

Du weißt ja, wie viel Wert ich auf meine Haare lege.

Jedenfalls weiß ich nicht, ob du mir schon öfter geschrieben hast, oder nicht, da Jeff die Post akribisch kontrolliert.

Ich würde es also nicht mitbekommen, ob du mir schreibst. Er würde den Brief sofort wegschmeißen.

Letztes Jahr hatte ich mir noch vorgenommen, nach meiner Ausbildung zu dir zu kommen.

Doch das kann ich nun knicken.

Jeff würde mich windelweich prügeln, wenn er mitbekommen würde, dass ich meine Sachen packe.

Ich weiß, man sollte nicht sagen, dass man seine Eltern hasst, doch ich habe angefangen, Jeff zu hassen.

Ich vermisse Dich so sehr, Zorro..

Ich bin gerade bei Ruffy. Habe ihm gestern erst erzählt, was überhaupt los ist.

Wider Erwarten hat er es ganz locker aufgefasst.

Jeff sitzt bei Ruffy´s Eltern und kommt alle 5 Minuten rein, um zu sehen, was wir machen.

Als würde ich gerade mit Ruffy irgendwas anfangen. Der tickt wirklich nicht mehr sauber.

Jeff und seine scheiß Paranoia, er kotzt mich wirklich an.

Ich gebe dir die Adresse von Ruffy. Er meinte, es ist in Ordnung, wenn deine Briefe bei ihm ankommen.

Wann ich sie jedoch beantworten kann, weiß ich nicht.

Ich muss mich jetzt verabschieden. Jeff hat gesagt, dass wir jetzt gehen.
 

Ich liebe Dich, Zorro.
 

PS: Hab dir ein Foto von mir beigelegt, was Ruffy gestern von mir gemacht hat.

PSS: Ruffy's Adresse (wundere dich nicht über den Namen):
 

Monkey D. Ruffy

5 Charlotte Lane

Sydney, Darlinghurst

NSW 2010 Australia"
 

Sanji steckte den Brief schnell in einen Umschlag, schrieb die Adresse und Ruffy´s Absender darauf und drückte ihn Ruffy in die Hand. Ruffy hatte hoch und heilig versprochen, den Brief an diesem Tag noch in den Briefkasten zu werfen. Dies tat er auch, denn obwohl Ruffy so ein Kindskopf und total chaotisch war, seine Versprechen hielt er immer. Freundschaft war für Ruffy immer sehr wichtig.

Sanji ging es überhaupt nicht gut. Zwar verdiente er nun deutlich mehr, als in seiner Ausbildung, doch Geld war nicht alles. Sanji vermisste seinen Zorro und wollte ihn um jeden Preis wiedersehen. Das konnte er jedoch knicken, da Jeff, seit er das wusste, einem Kontrollzwang verfallen war und nun ein, wie Sanji immer sagte, beschissener Kontrollfreak war. Egal, was Sanji tat, was er machte oder eben nicht. Immer fand Jeff einen Grund ihn zu kontrollieren und ihm seine sexuelle Orientierung vorzuwerfen.

Doch dann, zwei Monate später, in denen Sanji noch immer nichts von Zorro gehört, beziehungsweise gelesen hatte, bekam er zwei schlechte Nachrichten. Die Erste war, dass Ruffy wegziehen würde. Ruffy würde, wegen einem Jobangebot seines Vater´s, nach West Australien ziehen. In die Stadt Perth. Genau das andere Ende von Australien. Das allein war schon Schock genug, doch es sollte noch schlimmer kommen. Jeff hatte etwas geplant. Jeff´s Restaurant war nun das Beste in ganz Australien und es gab Gäste, die sogar extra eingeflogen waren, um dort zu essen. Jeff hatte an einem Abend mit einem anderen berühmten Koch gesprochen. Sanji hatte dies nur am Rande mitbekommen, da er in der Küche war und Jeff mit dem Gast und dessen Tochter im Speiseraum. Jeff wollte Sanji verheiraten. Das Ziel der beiden Meisterköche war es, ihre Restaurants zu vereinen. Mr. James Hayes und seine Tochter Chasey, die ebenfalls Oberköchin im Restaurant ihres Vaters war, kamen aus den Vereinigten Staaten. Aus New York. Den ganzen Abend sprachen sie darüber. Chasey schien ganz angetan, den gutaussehenden Sanji zu heiraten und dem Plan ihrer Väter, zusammen mit Sanji ein eigenes Restaurant in New York zu eröffnen, zu folgen. Doch Sanji war vor Schock ein Stapel Teller entglitten, der auf dem Boden der Restaurantküche in tausend Teile zerschellte. Sein Herz rutschte ihm in die Hose. Nicht fähig, um den Scherbenhaufen zu beseitigen, stand er mit weit aufgerissenen Augen da. Er wusste, wenn er jetzt da rausginge und sich dagegen lautstark wehrte, würde er seinem Vater das Schlimmste antun. Er würde seinen Vater erniedrigen und das wollte er nicht. Aber er konnte doch nicht heiraten, einfach so! Das konnte er nicht! Was sollte er tun? Zorro hatte nicht auf seinen Brief geantwortet, also wusste Sanji auch nicht, ob dieser überhaupt angekommen war. Hatte Ruffy ihn vielleicht gar nicht abgeschickt? Oder hatte jemand in Zorro´s Haushalt diesen Brief übersehen und ihn aus Versehen weggeschmissen? Oder war Zorro wegen seines Studiums einfach zu beschäftigt? Was war los? Hatte er vielleicht einen neuen Mann an seiner Seite, weil er dachte, Sanji würde sich nicht melden, weil Sanji jemanden gefunden hatte? In diesem Moment schossen ihm tausende dieser Fragen durch den Kopf. Auch, wenn Zorro jemanden hätte, er könnte nicht so einfach heiraten! Nicht, wenn sein Herz nur diesem Einen gehörte. Chasey war völlig aus dem Häuschen. Sie war gerade mal 17. Was sollte Sanji mit so einer? Sie war aufgedreht, kindisch, genau die Sorte Mensch, die Sanji nicht mochte. Diese Menschen sahen immer nur alles positiv, aber das Leben war nicht positiv. Sanji war ein Realist und so kam er zu dem Schluss, dass Zorro vielleicht doch jemanden gefunden hatte. Er hätte sonst schon längst geantwortet. Trotz Sanji´s Gegenargumente für diese Hochzeit, die er nicht wollte, lies er sich darauf ein. Er wollte seinen Vater nicht noch mehr enttäuschen, wie er es sowieso schon getan hatte. "Das mit deinem Brieffreund da, das war sowieso nur eine Phase." beteuerte Jeff ständig, der das Thema somit immer unter den Tisch kehrte. Sanji musste sich einfach fügen. Er konnte nicht einfach davonlaufen. Er konnte nicht einfach mit gepackten Koffern vor Zorro´s Tür stehen, um letzten Endes mitzukriegen, dass er einen anderen Mann, als ihn gewählt hatte. Das konnte Sanji nicht ertragen. Und er wollte Jeff nicht noch mehr Kummer und Schmerz bereiten. So stimmte der schlanke Blonde also dem Plan zu.

Chapter Sixteen

Zorro wusste nichts von alldem. Kurz, nachdem der Kontakt zu Sanji abgebrochen war, heirateten Shawn und Karen. Dies hatte zur Folge, dass sie umzogen. Zorro hatte Sanji einen Brief geschrieben, da er ihn telefonisch nicht mehr erreichte. Doch er erhielt keine Antwort. Er nahm an, dass Sanji ebenfalls umgezogen sei, verwarf diesen Gedanken aber sofort, denn sie hatten ja noch das Restaurant. Zorro wohnte mit seinem Vater, seiner jungen Stiefmutter und seinem Stiefbruder in einem Strandhaus in Los Angeles. Es war nun November 2002, Zorro war gerade 21 geworden. Sein Studium würde er im kommenden Sommer beenden und von da an in der Kanzlei seines Vater´s arbeiten. Doch Zorro hatte bisher niemanden mehr gehabt. Zwar hatte er Sex, denn ohne kam er einfach nicht aus, doch eine Beziehung hatte er nicht mehr. Karen, die mittlerweile 29 war, schliff Zorro meist auf irgendwelche Partys mit, wenn Shawn auf Andrew aufpasste, wo Zorro meist irgendwelche Männer kennenlernte. Es machte ihn wahnsinnig, dass er nicht wusste, was mit Sanji war. Einige Male hatte er sogar schon gedacht, Sanji wäre gestorben und man könne ihn nicht erreichen, um ihm das mitzuteilen. Doch dachte er sich immer andere Gründe aus, wieso Sanji ihm nicht geantwortet hatte.

Sanji hingegen hatte Chasey, nachdem er nach New York gezogen war, im September 2002 geheiratet. Er wollte es nicht, doch er tat es. Zu Liebe seines Vaters, der sein Restaurant alleine führte. Sanji wusste, dass Zorro am anderen Ende des Landes wohnte, doch nachdem er erneute Briefe an Zorro geschrieben und keine Antwort erhalten hatte, gab er die Hoffnung endgültig auf. Er redete sich sogar ein, dass er die 18-jährige Chasey wirklich lieben würde, was er nicht tat. Doch er glaubte es. Chasey´s Vater hatte schon ein Objekt im Auge, welches den beiden eine finanziell abgesicherte Zukunft bieten würde. James' Hochzeitsgeschenk an die beiden war ein sehr luxuriöses und übermäßig großes Restaurant mitten in New York. Jeff´s Geschenk war ein Haus in der Nähe des Central Park´s. Zwar nicht so luxuriös, wie das Restaurant, doch es hatte genug Platz für Kinder. Jeff und James wollten natürlich Enkelkinder haben. Auch Chasey´s Mutter wollte mit ihren 51 Jahren endlich Großmutter werden. Sanji hatte natürlich auch Sex mit Chasey, doch war dieser lange nicht so liebevoll, wie der Sex mit Zorro gewesen war. Sanji gab sein Bestes, für Chasey ein guter Ehemann zu sein, doch klappte das nicht wirklich. Chasey bemerkte mit ihren jungen Jahren gar nicht, dass Sanji oft abwesend war und nicht wirklich alles für die Ehe gab. Chasey, die wirklich ein hübsches Mädchen war, war stolz auf ihren Ehemann, dass dieser sie zumindest äußerlich so gut ergänzte. Oft wollte Sanji schon sagen, sie solle ihn nicht nerven, doch sagte er es nie.
 

April 2003. Die große Eröffnung des Restaurants von Sanji und Chasey stand an. Sanji war vor einem Monat 21 geworden und er wusste, dass Zorro im vergangenen November ebenfalls Geburtstag hatte. Die Eröffnung fand an Chasey´s 19ten Geburtstag statt, mit Unterstützung der Eltern James und Heriette, sowie Jeff. Viele prominente Gäste wurden eingeladen. Aber auch Leute, die viel Geld hatten und sich auf die Gästeliste setzen ließen kamen. Über 400 Gäste kamen. Sanji war aufgeregt, denn auch seine harte Arbeit steckte in diesem Restaurant und in dem Essen. Sanji wusste jedoch nicht, dass auch Zorro und dessen Familie eingeladen wurde. Jeff wusste das, denn er und James hatten über die Gästeliste gesprochen. Jeff war dagegen, doch James lies sich nicht beirren, denn Shawn Lorenor war ein hoch angesehener Anwalt und sein Sohn machte dem Namen alle Ehre. Auch, wenn Zorro noch im Studium steckte und dieses erst im August beenden würde, so hatte man nur Gutes über ihn gehört. Wie gut er auf der Uni war zum Beispiel. Zorro hatte keine Ahnung, wem das Restaurant gehörte, er kannte den Namen, den das Restaurant trug, auch nicht. Klar, es war ja eine Eröffnung.

Zorro war nicht aufgeregt an diesem Abend. Er und seine Familie hatten am getrigen Tag in das Hotel Hilton eingecheckt, um sich in Ruhe auf diesen Abend vorbereiten zu können. Zorro trug auf Anweisung seines Vater´s einen schwarzen Anzug. Passende Schuhe ebenfalls. Sein Hemd war, im Gegensatz zu seinem Vater und Andrew, ebenfalls Schwarz und er trug eine weiße Krawatte. Auch Sanji war so gekleidet. Schwarzer Anzug, schwarzes Hemd, weiße Krawatte. Karen und Chasey waren in hübsche, aber schlichte Kleider gehüllt, dem Anlass entsprechend. Zorro hatte überhaupt keine Lust auf diesen Abend, an dem er wahrscheinlich sein bestes Benehmen zeigen musste, was er so sehr hasste. Und nun war der Moment gekommen. Zorro schwor sich, sollte er einmal solche Einladungen erhalten, würde er nicht auftauchen, er hasste sowas. Er wollte nicht in der Öffentlichkeit stehen und wollte auch kein Star-Anwalt werden, wie sein Vater. Zorro hatte vor Leuten zu helfen, die nicht viel Geld hatten, um sich einen guten Anwalt leisten zu können.

Vor dem Restaurant fragte sich Zorro, welchen eingebildeten und arroganten Typen denn wohl dieses Restaurant gehören würde. Eigentlich wollte er gar nicht wissen, wem es gehörte. Er wäre lieber Zuhause in seinem Bett. Sanji wurde von Mal zu Mal aufgeregter, denn nach James musste er seine Ansprache halten. Er beobachtete die Menschen, die nach und nach in das Restaurant kamen. Mit Chasey stand er in der Nähe des Einganges und begrüßte jeden freundlich, bat sie, Platz zu nehmen, wo immer sie wollten. Zorro, der mit seiner Familie dem Eingang immer näher kam, wurde immer mulmiger zumute. Er hasste große Menschenansammlungen und wollte hier nur noch weg. Auch Sanji war nicht wohl. In diesem Moment überkam beide ein Gefühl. Ihnen wurde schlecht und sie wussten, dass irgendwas ganz und gar nicht in Ordnung war. Bis sie sich dann plötzlich gegenüber standen. Chasey begrüßte Zorro und Zorro´s Familie freundlich und hielt glücklich die Hand des Blonden. Zorro und Sanji standen wie angewurzelt da und starrten sich an. Sanji´s Haare waren viel länger, wie Zorro feststellte, denn er hatte sie zu einem kleinen Zopf zusammen gebunden. Und wie Sanji feststellte, war Zorro noch muskulöser, als er ihn in Erinnerung hatte. Mit dem Satz "Zorro, komm jetzt!" wurde er von seinem Vater aus seiner Starre gerissen. Auch Sanji löste die Starre und sah Zorro hinterher. Zorro kam alleine mit seiner Familie. Hätte Zorro einen Freund gehabt, wäre er sicherlich dabei gewesen. In Sanji kam eine Erleichterung auf, die Zorro jedoch nicht in sich vorfand. Was bildete sich diese Göre ein, die Hand seines Freundes zu halten? Zorro war geschockt. Er hatte bei beiden einen Ring feststellen können. Aber das konnte nicht sein. Das durfte nicht sein! Sanji hatte geheiratet? Und dann auch noch dieses Mädchen? Zugegeben, die war hübsch, doch das gab dem Blonden noch lange nicht die Erlaubnis, sie zu heiraten! Dann dieses Restaurant, welches allem Anschein nach Sanji und seiner Frau gehörte! In was war Zorro hier nur hinein geraten? Während Zorro sich mit seiner Familie setzte, musste Sanji den vielen, restlichen Gästen sein freundlichstes Lächeln schenken und sie begrüßen. Er wollte nicht mehr. Er wollte hier nicht mehr so tun, als würde er sich freuen. Er wollte zu Zorro. Dem einzigen Menschen auf der Welt, den er so sehr liebte. Doch es ging nicht. Die Herzen der beiden schmerzten beinahe unaufhörlich. Sie hatten den Drang, sich zu treffen, den anderen zu spüren, doch es würde nicht gehen. Zorro würde sich fernhalten, da Sanji verheiratet war und Sanji konnte nicht nicht. Was sollten sie tun? Nun lebten sie im selben Land, jeweils am anderen Ende und dennoch konnten sie nicht zusammen sein. Zorro fragte sich, womit er die Hölle auf Erden verdient hatte. Und so fragte sich Sanji, wieso er das getan hatte. Wieso hatte er dieses Mädchen geheiratet und wieder hat er nicht einfach auf Jeff´s Ehre gepfiffen und seinen Weg gemacht? Warum war er so blöd gewesen und hatte sich für diesen Weg entschieden? Er hätte wissen müssen, dass Zorro niemand anderen hat!

Nach Sanji´s Ansprache, die er nach seinem Schwiegervater gehalten hatte, verschwand er in der Küche zu Chasey und den ganzen anderen Köchen, die an diesem Abend aushalfen. Nur ein Teil der Köche war fest angestellt. Sanji und Chasey brachten einigen Gästen persönlich das Essen und unterhielten sich gleichzeitig mit den Wichtigsten. Alles in Allem war der Abend unerträglich für die beiden gewesen, der ziemlich schnell um war. Zusammen im selben Raum zu sein, zu wissen, der Geliebte war nicht weit entfernt, das war einfach zu viel. Für beide. Jeff hatte Zorro und Sanji den ganzen Abend über im Auge behalten, war letztendlich jedoch zufrieden, dass nichts vorgefallen war. Zorro war heilfroh, als er im Hotel auf seinem Zimmer war. Doch dort lief er nur nervös und wütend auf und ab. Sein Jackett hatte er sauer auf sein Bett geworfen. Seine Krawatte hatte er nur gelockert, um einige Knöpfe öffnen zu können, da er das Gefühl hatte, gleich zu ersticken. Was sollte er tun? Er konnte nicht einfach wieder nach Hause fahren, ohne mit Sanji darüber gesprochen zu haben. Aber er konnte es auch nicht ertragen, ihn zu sehen und ihn nicht berühren zu dürfen. Zorro trank schon seit einiger Zeit immer regelmäßiger. Vor allem, wenn er an Sanji denken musste und zum Beispiel die ganzen, alten Briefe las. So bediente er sich auch diesmal an der Minibar des Alkohol´s. Er saß an am Fuß des Bettes auf der Bettkannte, strich seine Schuhe von den Füßen und warf sie durch den Raum. Sich mit den Ellebögen auf seine Knie stützend saß Zorro in dem ruhigen Zimmer und trank. Doch auch Sanji ging es nicht besser. Nachdem der letzte Gast das Restaurant verlassen hatte und er nach dem Abgang der Familie nun alleine im Restaurant war, genehmigte er sich einige Drinks. Sanji war strikt gegen Alkohol, doch anders würde er es nicht aushalten. Es liefen Tränen über sein Gesicht, die er jetzt getrost rauslassen konnte, da ihn ja niemand sah. Im nächsten Moment fasste er einen Entschluss. Er stellte die Flasche weg, rannte durch den großen Speiseraum zum Eingang, wo die Gästeliste noch lag. Er ging alle Namen durch, denn in einer der vielen Spalten stand, falls etwas vergessen wurde, der Aufenthaltsort der Gäste. Als er den Namen Lorenor entdeckte, glitt sein Finger zu dieser Spalte. Ohne weiter zu überlegen, da er Zorro unbedingt sehen musste, griff er nach dem Schlüssel in seiner Hosentasche, stürmte aus dem Restaurant und schloss ab. Das Hotel war nicht weit und er kannte den Weg, also machte er sich daran, schnell zum Hotel zu kommen. In diesem Moment saß Zorro wie gehabt in seinem Zimmer und trank weiter. Er wusste nicht, dass Sanji rannte, wie der Wind, um zu ihm zu kommen. Sanji´s Herz tat schon weh, genauso, wie seine Lungen, die schmerzhaft stachen. Unten in der Hotellobby angekommen, fragte er an der Rezeption nach Zorro´s Zimmernummer, die ihm der Typ an der Rezeption auch gab. Sanji rannte zum Aufzug der, seiner Meinung nach, Stunden brauchte, um unten anzukommen. Als er in der Etage ankam, wo Zorro in seinem Zimmer saß und sich betrank, suchte er in windeseile dessen Zimmer. Gerade, als Zorro den letzten Schluck der Flasche Whiskey, den seine leibliche Mutter immer trank, zu sich genommen und die Flasche auf den Boden gestellt hatte, klopfte es an seiner Tür. Er nahm an, dass es sein Vater oder Karen war, weshalb er ein "Verzieh dich!" von sich gab. Doch als er draußen Sanji´s Stimme vernahm, die ihm ein "Zorro? Ich bin's! Sanji! Mach die Tür auf!" entgegenbrachte, dachte er, er hätte Halluzinationen. Es dauerte einige Momente, bis er sich erhob, auch war ihm wegen dem Alkohol kurz schwindelig deswegen, immerhin hatte er eine ganze Flasche Whiskey getrunken. Nach einem Flug über die am Boden stehende Flasche begab er sich zur Tür, die er ohne zu Zögern öffnete.

"Was willst du?" wurde der Blonde von dem betrunkenen Zorro gefragt. "Solltest du nicht bei deiner Frau sein?" Zorro wartete gar keine Reaktion ab und ging sofort wieder zu seinem Bett. Die Tür hatte er offen gelassen, was Sanji dazu veranlasste, ins Zimmer zu gehen. Der Blonde schloss die Tür nach seinem Eintreten und schritt langsam auf Zorro zu, der das sah. "Wehe du kommst mir zu nahe, dann kannst du was erleben!" raunte er dem Blonden entgegen, der dann stehen blieb.

"Zorro.. Lass es mich doch..." Zorro lies ihn nicht ausreden.

"Was? Erklären? Verarschst du mich? Was willst du denn erklären??" fuhr er den schlanken Koch sofort an und stand wieder auf. "Willst du mir erklären, wieso du dich nicht gemeldet hast? Oder vielleicht, dass du geheiratet hast? Oder vielleicht die Tatsache, dass ich es auf DIESE Weise erfahre?" Zorro war ungehalten. Er hätte wahrscheinlich anders reagiert, wenn der Whiskey nicht gewesen wäre, doch es war nun mal so und niemand konnte etwas daran ändern.

"Zorro, hör mich doch an! Bitte!" flehte Sanji, was eine abwertende Handbewegung seitens Zorro zufolge hatte, der sich wieder auf sein Bett niederlies. "Ich wollte dieses Mädchen nicht heiraten! Das war auch überhaupt nicht meine Idee. Ihr Vater und Jeff kamen letztes Jahr auf die glorreiche Idee, uns zu verheiraten! Als ich Jeff bei einem Streit wegen den Telefonrechnungen gesagt habe, dass ich mir dir zusammen bin, ist er komplett ausgerastet. Er hat das Telefon aus der Wand gerissen und, falls du Briefe geschrieben hast, diese auch weggeschmissen! Ich habe dir einmal geschrieben, als ich bei Ruffy war, mit seiner Adresse, damit du mich über ihn erreichen kannst, aber da kam ja auch nie was zurück! Ich dachte, du hast einen Neuen, Zorro! Woher sollte ich das denn wissen?" Zorro verstand nicht viel von dem, was Sanji ihm da erklärte. Sein vernebeltes Hirn fasste nur weniger als die Hälfte auf, was Sanji bemerkte.

Der Blonde ging einfach auf Zorro zu, der auf dem Rücken lag. Doch auch durch sein "Hau ab!" lies Sanji sich nicht abwimmeln. Zu lange hatte er sich nach einem Wiedersehen mit ihm gesehnt. Er sah nur noch Zorro. Alles andere hatte er komplett ausgeblendet. Sogar seinen Ring zog er vom Finger, den er in seine Hosentasche steckte. Er wollte an nichts anderes erinnert werden. Zorro hingegen lag einfach nur da und sah, wie Sanji zu ihm aufs Bett kam. Doch er sagte nichts mehr. Auch, als Sanji sich auf ihn setzte und seine kühlen Hände an seine Wangen legte tat der Grünhaarige nichts. Erst, als Sanji ihn küsste, bewegte Zorro sich. Er wollte den Blonden spüren. So, wie er es schon die ganze Zeit wollte. Sanji tat nichts dagegen, dass Zorro ihn seiner Kleidung entledigte und umgekehrt tat auch Zorro nichts dagegen, dass Sanji ihn auszog. Das Letzte, was Zorro dann noch tat, war Sanji seines Haargummi´s zu befreien, dessen Haare nun in sein Gesicht fielen. Es gefiel Zorro, dass Sanji die Haare nun länger trug, doch noch länger hätten sie nicht sein dürfen. Die Nacht dauerte an. Bis zum nächsten Morgen. Die komplette Nacht über haben sie sich geliebt. Sich berührt. Sich geküsst. Und sobald es wieder ging, taten sie es von Neuem. Doch an diesem Morgen sollten sich ihre Wege wieder trennen. Sanji musste nach Hause, wo Chasey auf ihn wartete, der er später erzählte, er wäre feiern gewesen, und Zorro´s Familie wartete bereits auf ihn, damit sie nach Hause fliegen konnten. Bevor die beiden das Zimmer verließen verabschiedeten sie sich mit einem Kuss, der dem von damals, als Sanji Zorro zum Flughafen brachte, unglaublich glich. Sie hatten wieder Adressen ausgetauscht, damit sie sich wieder schreiben konnten, was sie dieses Mal nicht abreißen lassen wollten.

Chapter Seventeen

Als beide wieder Zuhause waren, wünschten sie sich, sie hätten sich nicht getroffen. Hätten nicht diese Nacht miteinander verbracht. Denn das hat es nur noch schlimmer gemacht. Sanji dachte sofort an die Scheidung von Chasey, um sich zu Zorro zu begeben, doch was würde dann aus dem Restaurant werden? Man kannte ihn nun und es war nicht mehr so einfach, sich abzusetzen. Doch er wollte nicht mehr bei Chasey bleiben, mit der er sich gestritten hatte, als er nach Hause kam. Chasey hatte einen anderen, männlichen Duft an ihm wahrgenommen, der nicht von Sanji stammen konnte. Sanji benutzte anderes Deo und auch anderes After Shave. "Lass mich doch mit so einer Scheiße in Ruhe, Chase!" hatte Sanji dann nur noch gesagt, bevor er sich in sein Arbeitszimmer einschloss und sich an seinen Schreibtisch setzte. Vor der Tür polterte Chasey, die haargenau wissen wollte, was er gemacht hatte und mit wem Sanji die Nacht verbracht hatte.

"Ich werde deinen Vater anrufen, wenn jetzt nicht sofort die Tür öffnest, Sanji!" brüllte sie. Chasey konnte sehr schwierig sein, was Sanji wirklich an ihr hasste. Manchmal hasste er sie wirklich abgrundtief, was überhaupt nicht zu ihm passte.

"Verhalte dich nicht, wie eine 14-Jährige und regle deine scheiß Probleme ohne gleich zu unseren Eltern zu rennen!" hatte Sanji ihr entgegengebracht, woraufhin sie Ruhe gab.

Sanji zündete sich angestrengt eine Zigarette an. Er hasste es, mit ihr zu streiten. Und nun wusste er auch mit Sicherheit, dass er sie nicht ein einziges Mal geliebt hatte. Mit der Zigarette zwischen dem linken Zeige- und Mittelfinger nahm er sich ein Blatt und fing an, Zorro einen Brief zu schreiben.
 

"Lieber Zorro.
 

Erst heute Morgen habe ich dich verabschiedet und doch halte ich es nicht mehr aus.

Ich liebe Dich und mit Chasey bin ich nur verheiratet, weil unsere Eltern das so wollten.

Du konntest mir gestern überhaupt nicht mehr zuhören, was nach der Flasche Whiskey aber auch verständlich ist.

Dennoch hätte das nicht sein müssen.

Jeff und Chasey´s Vater sind hoch angesehene Köche und beide hielten es für eine gute Idee, uns zu verheiraten.

Eigentlich eher eine rein geschäftliche Sache, als alles andere. Mehr Profit, du weißt schon.

Ich konnte es meinem Vater damals einfach nicht antun, mich dagegen zu wehren.

Ich konnte, nachdem Jeff wusste, dass ich mit dir zusammen war, ihn hier nicht auch noch erniedrigen.

Du weißt ja selbst, wie Jeff auf solche Dinge reagiert.

Zorro, wirklich, ich will nicht hier bleiben und ich schäme mich dafür, dass ich diesen Schritt gemacht habe, dieses Mädchen zu heiraten.

Du bist der Einzige, den ich liebe und bevor diese Sache hier war, wollte ich zu dir kommen.

Doch Jeff hat mir seitdem das Leben zur Hölle gemacht und ich kam einfach nicht da raus.

Ich weiß, das alles ist keine Entschuldigung, aber es tut mir wirklich leid.

Ich vermisse Dich so sehr. Deine Berührungen, deine Nähe.

Ich will eigentlich nur noch bei dir sein.

Aber ich weiß einfach nicht, was ich machen soll.

Natürlich könnte ich alles hinschmeißen, mich von Chasey scheiden lassen und zu dir kommen.

Eigentlich wäre das überhaupt kein Problem, aber wie soll es dann weitergehen?

Ich habe Angst davor, was passiert, wenn Jeff mich findet, denn wenn ich das wirklich mache, dann ist er so tief in seiner Ehre verletzt, dass er mich zurückzerren wird.

Egal mit welchen Mitteln.

Ich will dich damit nicht belästigen, immerhin ist das meine Sache.

Ich wollte nur, dass du das Wichtigste weißt und dass ich das nicht aus freien Stücken gemacht habe.

Wobei ich einige Male davon ausgegangen bin, dass du einen Neuen hast, weil ich keinen einzigen Brief von dir erhalten habe.

In meinem Haus kümmere ich mich zum Glück selbst um die gesamte Post, da das Meiste ja sowieso an mich adressiert ist.

Hier besteht also nicht die Möglichkeit, dass deine Briefe ungelesen im Müll landen.

Ich hoffe, dass du mir antwortest.
 

In Liebe Sanji
 

PS: Ich kann nicht aufhören an die letzte Nacht zu denken."
 

Sanji nahm sich einen Umschlag aus einer seiner vielen Schreibtischschubladen, klebte eine Marke darauf und versah ihn ebenso mit der Adresse und dem Absender. Lorenor Zorro, 1496 West Paseo Del Mar, San Pedro, 90731 California. Zwar wohnte Zorro nicht mehr genau in Los Angeles, doch LA war nicht weit. Goodrem Sanji, 816 5th Avenue, 10065 New York war Sanji´s Absender. Doch es dauerte eine Weile, in der er rauchend an seinem Tisch saß, bevor er den Brief mit zu den anderen Briefen in die Ablage legte, die er noch zum Briefkasten bringen musste. Er lag ganz oben und Sanji starrte rauchend auf ihn, während er unbewusst mit seinem linken Zeigefinger über seine Unterlippe strich. Erst das Klopfen an der Tür riss ihn aus seiner Starre. Es war mal wieder seine Frau.

"Kommst du zum Frühstück?" fragte sie ihn durch die verschlossene Tür, was Sanji die Augen genervt verdrehen lies. Kurz rieb er sich die Augen, bevor er zur Tür sah und antwortete.

"Ich bin gleich unten." war seine Antwort, woraufhin er sich die Post nahm und das Arbeitszimmer verließ.

Bevor er jedoch zu Chasey ging, trat er aus dem Haus und warf die vielen Briefe in den Briefkasten, der neben dem Haus stand. Sanji hoffte, dass der Brief nicht wieder einen kompletten Monat brauchte, bis er bei Zorro angekommen war und ging wieder ins Haus, wo er sich stumm an den Esstisch zu Chasey setzte. Doch blieb er nicht stumm, im Gegenteil. Chasey hielt es nicht aus und fragte ihn erneut, wo er gewesen war. Dies regte Sanji so sehr auf, dass er ihr sauer ins Gesicht sah und sie ermahnte, ihn deswegen in Ruhe zu lassen. Sanji war eigentlich immer, besonders zu Frauen, ziemlich zuvorkommend, ein echter Gentleman. Doch seit die Sache mit Zorro und darauf mit seinem Vater war, war diese Seite an ihm eingefroren. Genauso, wie sein Herz in dieser Zeit immer mehr zufror. Doch seit gestern, als er Zorro wiedergesehen hatte, war sein Herz schmerzhaft aufgetaut. Seitdem bereitete es ihm nur noch Kummer darüber, dass er nicht bei Zorro sein konnte. Sanji war in einer sehr misslichen Lage. So viel stand fest.

Zorro saß ein paar Tage später mit der Familie beim Abendessen, als Andrew ganz aufgeregt und kreischend ins Haus gerannt kam. Er durfte ausnahmsweise die Post reinholen, was tagsüber niemand geschafft hatte. Andrew verteilte fröhlich die Briefe und knallte sie jedem mit voller Wucht auf den Tisch, sodass der schwere Tisch aus Buchenholz wackelte. Wieder einmal wunderte er sich, was für eine Kraft Andrew hatte und erneut dachte er, dass dieser an ADS leiden würde. So aufgekratzt war sein kleiner Stiefbruder wieder. Als Zorro den Brief sah, den Andrew ihm auf den Tisch geknallt hatte, musste er schlucken. Sein Vater wusste sofort, von wem dieser Brief stammte und auch Karen verstand schnell. "Entschuldigt mich bitte." warf Zorro ein, woraufhin er auch schon, ohne den Blick von dem Brief zu nehmen, aufstand. Er verschwand ins oberste Geschoss des Hauses, wo sich sein Reich befand. Ein großes Zimmer, welches man auch gut zu zwei Räumen umbauen konnte, sowie ein eigenes Bad besaß er. Er setzte sich an seinen Schreibtisch aus Glas, knipste die Schreibtischlampe an und öffnete den Brief. Doch als er ihn las wünschte er sich, er hätte ihn lieber nicht gelesen. Es tat ihm weh, was Sanji da geschrieben hatte. Zorro lehnte sich zurück und las sich den Brief mehrmals durch, bevor er sich dazu entschloss, erst am nächsten Tag zurück zu schreiben. Schließlich ging er wieder nach unten, um sein Essen zu beenden. Er hatte ja nicht aufgegessen und hatte ziemlichen Hunger. Nach dem Essen räumte er mit Andrew und Karen ab und verschwand wieder nach oben. Dort nahm er sich ein Glas und eine Flasche Whiskey aus seiner Vitrine und setzte sich wieder an seinen Schreibtisch. Nur die kleine Lampe erhellte einigermaßen den Raum. Er goss sich einen großen Schluck des Gesöffs in sein Glas und trank. Er hatte Wochenende, also konnte er sich das erlauben. Die ganze Zeit über sah er auf den Brief seines Freundes, den er so sehr liebte. Er konnte sich denken, dass es nicht einfach für Sanji war, alles stehen und liegen zu lassen, um zu ihm zu kommen und mit ihm zusammen zu sein. Die Erinnerung an das, was Sanji in dieser Nacht zu ihm sagte, war schon längst wiedergekommen, sodass es nichts Neues für ihn war, was Sanji in dem Brief erwähnte. Nach seinem unzähligsten Glas raufte er sich angestrengt durch die Haare, stellte das leere Glas beiseite und begann zu schreiben. Doch fand er die vielen Briefe, die er immer wieder von Neuem schrieb, scheiße, weshalb er sie immer wieder wegschmiss. Es dauerte auch nicht lange, bis er nach dem Aufgeben des Schreibens und des Leerens der Flasche Whiskey ins Bett ging. In diesem Moment wünschte er sich, dass der schlanke Blonde neben ihm liegen würde. Doch war dieser Wunsch alles andere als leicht zu erfüllen.

Chapter Eighteen

Während Zorro dachte, es könnte nicht noch schlimmer kommen, kam es in New York zu einem tragischen Unfall. Drei Monate waren vergangen, in denen Zorro und Sanji wieder ihren Briefkontakt hielten. Zorro wartete seit einigen Tagen auf eine Antwort von Sanji, die er jedoch nicht bekam. Chasey war am Boden zerstört, als sie an diesem Tage die Nachricht erhielt. Zwei Polizisten standen vor ihrer Tür und überbrachten ihr die Nachricht, ihr Mann seie an einem Unfall beteiligt gewesen. Er hatte jedoch keine Schuld dabei. Am Morgen des 25.07.2003 hatte Sanji sich auf sein Bike, eine Yamaha YFZ-R1 2003, geschwungen und war auf dem Weg ins Restaurant. Chasey kam immer ein wenig später, da Sanji alle Vorbereitungen alleine traf. Chasey war am Boden zerstört, als man ihr mitteilte, ihr Mann habe bei diesem Unfall sein Gedächtnis verloren und er könne sich an rein gar nichts erinnern. Es war bereits Nachmittag, als sie diese Nachricht bekam und sich nach einem Anruf bei den Eltern beiderseits auf den Weg ins Krankenhaus machte. Sie rief sich ein Taxi, welches sie dorthin bringen sollte. Da man ihr ja gesagt hatte, ihr Mann könne sich an nichts erinnern, hatte sie ein Hochzeitsfoto von ihnen dabei, sowie ein anderes Fotoalbum. Als sie im Krankenhaus ankam und gesagt bekam, wo ihr Mann liegen würde, machte sie sich auf schnellstem Weg zu ihm. Sanji wusste nicht, wo er war und was passiert war. Das Einzige, was er wusste, war sein Name und sein Geburtsdatum. Er wusste weder, ob er Familie hatte, noch wusste er etwas von Zorro. Er wusste auch nicht, dass er verheiratet war, was ihm jedoch bewusst wurde, als er den goldenen Ring an seinem linken Ringfinger sah. Kurz darauf klopfte es an seiner Tür, die dann auch schon geöffnet wurde. Sanji blickte verwirrt in das Gesicht eines wunderschönen Mädchens und er fragte sich, ob sie sich im Zimmer geirrt hatte. Doch dann sah er, wie Tränen in ihre Augen stiegen und wie verzweifelt sie war. War dies seine Frau? Wenn ja, dann schien er einen wirklichen Glückstreffer gemacht zu haben.

"Sanji..! Ich hab mir ja solche Sorgen gemacht! Wie geht es dir denn? Geht's dir gut?" überfiel sie ihn direkt mit Fragen, als sie schluchzend um seinen Hals gefallen war. Sanji war zwar ein wenig schockiert darüber, legte jedoch einen Arm um sie und klopfte sanft auf ihren Rücken.

"..J-Ja.. Mir.. geht es gut. Denke ich." antwortete er, woraufhin sie ihre Hände an seine Wangen legte und ihm traurig in die Augen sah. "Entschuldige die Frage, aber... wer bist du?" Ihm war diese Frage wirklich unangenehm, doch musste er ja nun mal wissen, wer dieses Mädchen war.

"Kannst du dich wirklich an gar nichts erinnern? Ich bin Chasey Goodrem, deine Frau. Wir haben letztes Jahr am 13. September geheiratet. Wir sind beide ausgezeichnete Köche und führen gemeinsam ein sehr beliebtes Restaurant. Meine Eltern sind James und Heriette Hayes und dein Vater heißt Jeff Goodrem. Er hat dich adoptiert, als du 5 Jahre alt warst. Weißt du das nicht mehr?" Chasey schien wirklich sehr aufgelöst, doch Sanji konnte sich wirklich an nichts erinnern, weswegen er den Kopf schüttelte.

"Nein, ich kann mich wirklich nicht erinnern. Du bist also .. meine Frau...? Da scheine ich ja ein ziemlich glücklicher Mann zu sein.." ließ er seinen Charme sofort wieder spielen, den Chasey so noch nie mitbekommen hatte.

Während Chasey dem Mann, der sein Gedächtnis verloren hatte, die Bilder zeigte, hatte Zorro keine Ahnung, was mit dem Blonden los war. Hätte er das gewusst, hätte er sich sofort auf den Weg gemacht, um nach Sanji zu sehen. Doch Zorro nahm an, da er weiterhin keine Antwort erhielt, dass Chasey es rausbekommen hat und Sanji daher nicht mehr schreiben würde.

"Zorro? Wo bleibst du denn? Andrew´s Spiel ist heute! Beeil dich, wir müssen los!" rief Karen zu dem Grünhaarigen durch das Haus, die ihrem Mann Shawn die schief sitzende Krawatte zurechtrückte.

"Ich komm ja schon!" rief Zorro zurück, der in seinem gewohnten Outfit die Treppe hinunter lief. Eine hellblaue, etwas lockere Jeans, ein schwarzes Muskelshirt, welches in die Hose gesteckt war, ein schwarzer Ledergürtel und schwarze Schuhe trug er.

Shawn regte sich immer über den Kleidungsstil seines erwachsenen Sohnes auf, denn er fand, in Zorro´s Alter sollte man sich entsprechend kleiden. Karen nahm ihren Stiefsohn jedoch immer in Schutz. Sie mochte dessen Stil und fand, jeder sollte die Kleidung tragen, in der man sich am Wohlsten fühlte. Andrew hatte an diesem Tag sein Footballspiel. Irgendwo musste er seine überschüssige Energie kompensieren und so spielte er schon seit zwei Jahren in der Mannschaft. Die Familie fuhr zu dem Spiel, saß auf der Tribüne und sah der jungen Sportskanone zu, wie einen nach dem anderen der gegnerischen Mannschaft umrannte. Zorro sah ebenfalls zu und feuerte ihn auch zwischendurch an, doch war er mit den Gedanken woanders. Er war bei Sanji. Bei dem Blonden, dessen Duft ihm seit der letzten Nacht, die sie verbracht hatten, einfach nicht aus seiner Nase weichen wollte. Sanji´s Haare rochen stets nach einer Mischung aus Mandeln und Kokusnuss. Zorro verlor sich oft in diesem Duft, der ihn stark an Urlaub erinnerte. Auch liebte er Sanji´s weiche Haut, die stets von dem Blonden mit einer Lotion, die nach Mandeln und Honig roch, gepflegt wurde. Doch eines hatte Zorro geprägt. Sanji´s rosige, weiche Lippen. Sie waren unglaublich zart und er lies sie nur zu gerne mit seinen eigenen verschmelzen. Doch war dies einfach nicht möglich. Es war nicht möglich von dem Schlanken zu verlangen, alles stehen und liegen zu lassen. Es war nicht möglich, ihn jeden Tag zu sehen. Genauso wenig wie es möglich war, dass sie sich küssen und lieben konnten. So lieben, wie sie es damals getan hatten und in der Nacht, wo sie sich bis jetzt zum letzten Mal gesehen haben. Zorro lies es einfach nicht locker. Es lies in nicht in Ruhe, weswegen er viel zu oft abwesend war und selten etwas mitbekam. Zwar hörte er zu, doch nahm er es nicht auf. Karen hatte schon oft gesagt, Zorro sollte kämpfen, immerhin würde er diesen Mann lieben. Doch Zorro konnte es nicht. Sanji hatte sich ein Leben aufgebaut. Ein Leben mit einer Frau, die er nicht liebte. Ein Leben mit einer Familie, in der er sich fehl am Platze fühlte. Eine Existenz, die er nicht einfach mal eben so beiseite schieben konnte. Doch auch Zorro konnte nicht zu Sanji. Zorro studierte noch, im letzten Semester. Nach dem Sommer, der in zwei Monaten vorbei sein würde, würde er sein Studium beenden und in der Kanzlei seines Vaters arbeiten. Sein Geld steckte er hauptsächlich in sein Auto. Zorro fuhr einen Ford Mustang Shelby GT 500, Baujahr 1965. Oft hatte er in den letzten Wochen darüber nachgedacht, Sanji in New York einfach abzuholen und mit ihm irgendwo ein neues Leben anzufangen. Doch es gibt nun mal Dinge im Leben, die kann man nicht ändert. Das wusste auch Zorro. Nachdem das Spiel vorbei war, fuhr die Familie wieder nach Hause. Karen und Shawn hatten einige Mannschaftskameraden und dessen Eltern zu einem Barbecue eingeladen, direkt nach dem Spiel. Da Zorro aber absolut keinen Nerv darauf hatte, schloss er sich in seinem Zimmer ein, damit ihn keiner störte. Was sollte er nun tun? Rumsitzen und nichts tun? Oder einfach drauf los fahren und unangemeldet vor Sanji´s Tür stehen? Nein. Das konnte er einfach nicht.

Sanji bekam von den Ärzten mitgeteilt, dass er ein paar Tage zur Beobachtung im Krankenhaus bleiben müsste. Chasey´s Eltern waren kurz zu Besuch gewesen, um nach dem Rechten zu sehen. Sanji spürte, dass ihm etwas fehlte, doch wusste er einfach nicht, was das sein sollte. Er hatte eine supersüße Frau, nette Schwiegereltern, ein Haus und ein Restaurant. Was sollte einem Menschen fehlen, der alles hatte? Am selben Abend, Chasey musste gehen, da die Besuchszeit vorüber war, sah Sanji sich die Bilder genauer an. Skeptisch stellte er fest, dass er auf keinem einzigen Foto wirklich glücklich aussah. Er sah in diesen Bildern nicht sich. Er sah einen Mann, der ein gebrochenes Herz hatte. Selbst auf dem Hochzeitsfoto, welches sogar noch schlimmer aussah. War das wirklich er auf diesen Bildern? Für den Moment hatte er angenommen, dass er wirklich Glück hatte und nun mal ein glückliches Leben führte. Doch anhand der Bilder sah er nun mal, dass dieses Glück scheinbar nur gespielt war. Er begann sich zu fragen, was es damit auf sich hatte. War er in Wirklichkeit so unglücklich, dass er das Glück spielen musste? Was war los? Sanji verstand die Welt nicht mehr und im Moment wollte er es auch gar nicht. Er legte das Hochzeitsfoto auf das Album und dieses auf den kleinen Tisch neben seinem Krankenbett. Nachdem er eine Tasse Tee getrunken hatte, drehte er sich um und schlief. Doch selbst seine Träume waren mehr verwirrend, als aufschlussreich. Am nächsten Morgen erinnerte er sich an nichts aus diesen Träumen. Er hatte nur ein einziges Bild vor Augen. Und das war nicht das Bild seiner wunderschönen, jungen Frau. Nein. Es war das Bild eines Mannes. Gut gebaut, gebräunt, grünhaarig. Seine Gesichtszüge ein wenig markant und auf Sanji wirkte der unbekannte Mann wirklich sehr männlich. Breite Schultern, muskulös und dann waren da noch die Augen. Sanji bekam diese Augen von dem Unbekannten einfach nicht mehr aus dem Sinn. Sie waren so vielsagend, voller Sehnsucht. Doch machte der Mann auf Sanji nciht den Eindruck, ein sogenanntes Weichei zu sein. Seine Präsenz kam Sanji überaus stark vor und er strahlte nicht nur das aus. Sanji konnte sich keinen Reim darauf machen, wieso er sich so komisch fühlte, wenn er an diesen Mann dachte.

Einige Tage später, als Sanji am Tag zuvor aus dem Krankenhaus entlassen wurde, saß er in seinem Arbeitszimmer. Er hatte sich an das Haus und seine Frau schon gewöhnt, die ihn ständig fragte, ob er irgendwas brauchte. Er suchte in seinem Arbeitszimmer, als Chasey im Restaurant und er alleine war, nach irgendwelchen Anhaltspunkten. Er fand auch etwas. Er hatte an seinem Schlüsselbund viele, kleine Schlüssel, die zu seinem beinahe riesigen Schreibtisch aus massiver Eiche gehörten. Den Schreibtisch schätzte Sanji so auf ungefähr 150 Jahre. Er hatte einige Schlüssel ausprobiert und so einige Schubladen geöffnet. In der Tür links in seinem Schreibtisch, die ebenfalls abgeschlossen war, fand er mehrere, dicke Ordner. Er fragte sich, wieso er Ordner in seinem Schreibtisch eingeschlossen hatte, wenn doch alle anderen Ordner fein säuberlich nach dem ABC in die Regale sortiert waren. Er nahm den ersten Ordner heraus, auf dessen Ordnerrücken Jahreszahlen von 1990 bis 1993 standen. Er legte ihn auf seinen Tisch und schlug ihn auf. Er sah jedemenge Briefe, die einzeln in Klarsichthüllen gesteckt waren. Wie er feststellte waren die Briefe auch feinsäuberlich nach Datum sortiert. Doch von wem stammten diese Briefe? Von ihm war keiner dabei. Ausschließlich nur von einem gewissen Lorenor Zorro. Der Name war ihm überhaupt kein Begriff, doch musste er ihn ja kennen, wenn er dessen Briefe bis zum heutigen Jahr aufbewahrt hatte. Er begann die Briefe flüchtig zu lesen, musste über einige auch herzlich lachen. Er nahm sich einen Ordner nach dem anderen vor. Auch die anderen Briefe überflog er nur, doch konnte er sich keinen Reim daraus machen, wer denn dieser Zorro war. Als jedoch ein Foto aus einem der Ordner fiel, er dieses aufhob und es sich ansah, traf ihn fast der Schlag. Zwar war dieses Bild schon etwas älter, doch wusste Sanji, dass der Jugendliche auf dem Foto der Mann war, der in seinem Kopf herumspukte. Doch wer zum Teufel war das? Und was hatte es mit den ganzen Briefen auf sich? Wieso bekam Sanji diesen Typ einfach nicht aus seinem Kopf? Und wieso hatte er das verdammte Gefühl, dass er hier nicht hergehörte? Das alles war schon wieder zu viel für Sanji, weshalb er alles wieder an seinen Platz stellte und abschloss.

"Chasey? Sag mal.. Haben wir mal über Kinder gesprochen?" fragte Sanji seine Frau wieder ein paar Tage später, als sie gerade gemeinsam zu Abend aßen. Chasey hatte nicht mit so einer Frage gerechnet und war zuerst ziemlich sprachlos. Doch schien sie sich zu freuen, dass ihr Mann dieses Thema ansprach.

"Nein, eigentlich nicht. Wieso?" fragte sie ziemlich blauäugig. Sanji wunderte sich. Chasey schien nicht die Hellste zu sein. Er schluckte seinen Bissen runter, bevor er schließlich antwortete.

"Dann wird es doch Zeit, oder findest du nicht? Wir sind jetzt bald ein Jahr verheiratet und ich finde, man sollte nicht zu alt sein, wenn man Kinder bekommt." antwortete er auf ihr 'Wieso' und aß weiter. "Oder siehst du das anders?" Chasey wunderte sich, denn so kannte sie ihren Vorzeigemann gar nicht.

"N-Nein, nein. Ich seh das auch so." stimmte sie leicht zögernd zu, immerhin wollte sie unbedingt Mutter werden.

Sanji zögerte nicht. Er mochte Chasey wirklich und hatte das Gefühl, dass er sie wirklich lieben konnte. Was sprach also gegen eine Familie? Nichts. Er legte seine Gabel auf dem Teller ab, stand auf, ging zu Chasey und schnappte sie sich einfach. Dies hatte zur Folge, dass sie kurzerhand im Schlafzimmer verschwunden waren und nun das erste von vielen, folgenden Malen versuchten, ein Baby zu machen.

Zorro ahnte nichts davon, was der Mann tat, den er so sehr liebte. Etwas mehr als zwei Wochen waren vergangen, seit Sanji den Unfall hatte und Zorro wartete weiterhin vergeblich auf einen Brief seines Geliebten. Zorro wurde zunehmend schlecht gelaunter. Er sprach auch immer seltener. Selbst sein bester Freund Ace drang einfach nicht zu ihm durch. Zorro würde bald 22 Jahre alt werden, doch was war ein Geburtstag, wenn er so einsam war? Zorro fühlte sich leer und versuchte diesen Zustand immer mehr mit Alkohol zu übertünchen. Er hasste seine Mutter dafür, dass sie so gewesen war, als er noch klein war. Doch nun hasste er sich selbst dafür, dass er ebenso war. Es gab immer mehr Parallelen zwischen ihm und seiner Mutter. Auch sein Vater bemerkte das immer öfter, was zu mehr und mehr Streit zwischen den beiden führte. Dies trieb Zorro jedoch noch mehr an zu trinken. Wenn er nicht zuhause trank, dann ging er feiern oder setzte sich einfach in eine Kneipe. Doch er hielt sich immer strikt daran nicht zu trinken, wenn er zur Uni musste, das war sein eigenes, totales Tabu. Doch er wusste einfach nicht mehr weiter. Er wollte nicht nur für das bald beendete Studium und anschließend für die Arbeit leben. Zorro wollte leben. Richtig leben. Ein Leben mit Sanji, das wünschte er sich und nichts anderes. Karen versuchte ihn oft auf andere Gedanken zu bringen, doch das brachte nicht viel. Zorro brachte es aber auch einfach nicht übers Herz sich in sein Auto zu setzen und zu Sanji zu fahren. Was, wenn Sanji dadurch nur noch mehr Probleme kriegen würde? Das könnte Zorro sich einfach nicht verzeihen.

Chapter Nineteen

Am 25.07. des Jahres 2005 saß Zorro an seinem Schreibtisch in der Kanzlei seines Vaters. Er hatte von ihm einige Mandanten übertragen bekommen, weshalb er nun die ganzen Akten durchsehen musste. Während Zorro bei der Arbeit war, waren Sanji und seine Frau, die nun bald seit 2 Jahren verheiratet waren, im Urlaub. In San Pedro. In der Stadt, in der Zorro lebte und arbeitete.

In diesen zwei Jahren, die seit dem Urlaub vergangen waren, ist nicht viel passiert. Sanji und Chasey haben weiterhin versucht, ein Baby zu bekommen, doch dies war ihnen nicht vergönnt. Wie sich nach einem Frauenarztbesuch herausstellte, war Chasey nicht in der Lage, Kinder zu bekommen. Es gab viele Untersuchungen, bei denen Sanji als ihr Ehemann natürlich anwesend war. Diese Zeit war ziemlich schwer für die beiden gewesen, in der sie zusammengewachsen sind. Sanji liebte Chasey sehr, so viel stand fest. Auch für ihn war es nicht leicht, dass er keine Kinder mit seiner Frau bekommen konnte. Seitdem, was nun ungefähr ein Jahr her war, arbeiteten sie viel und erlaubten sich keinen Urlaub. Doch nun war es an der Zeit, wie Chasey´s Eltern fanden. Zorro hatte derweil immer noch keine Beziehung. Nicht mit einem Mann und schon gar nicht mit einer Frau. Zorro hatte entweder nur Affären, die jedoch nie länger als einen Monat andauerten, oder One Nite Stands, wenn er auf irgendwelchen Party´s war. Er konnte einfach keine Beziehung eingehen und es hätte auch niemand mit ihm ausgehalten. Denn Zorro war seit damals grundsätzlich schlecht gelaunt, immer nur mürrisch und ihn interessierte außer seiner Arbeit und dem Whiskey nichts mehr. Selbst zu seinem besten Freund, der Ende des Jahres 2004 seine Robin geheiratet hat, hatte Zorro nur noch bedingten Kontakt. Er lebte eigentlich nur noch für seine Arbeit. Er hätte sich wahrscheinlich einen Kopfschuss gegeben, wenn er sie nicht hätte. Seine Familie machte es ihm da nicht einfacher. Sein Vater setzte ihn Anfang des Jahres im Februar vor die Tür, weil er es einfach nicht mehr mit ansehen konnte, wie sein Sohn sich immerzu an dem Gesöff beglückte. Karen war viel zu sehr mit Andrew beschäftigt, der immer schlimmer wurde. Andrew war nun 14 geworden und hatte ständig Probleme in der Schule. Er prügelte sich immerzu und wurde in der Schule zunehmend schlechter. Zorro musste sich also eine neue Bleibe suchen, was er auch tat. Er wollte nicht, da er immer noch hoffte, irgendwann doch noch einen Brief von Sanji zu bekommen. Doch Sanji tat es nicht. Zwar hatte er sich jeden einzelnen Brief von Zorro durchgelesen und auch die Fotos und Geschenke von Zorro angesehen, doch war er ihm einfach nur fremd. Er konnte sich nicht vorstellen, etwas mit einem Mann gehabt zu haben und verdrängte, was er gelesen hatte. Zwar waren mittlerweile alle seine Erinnerungen zurückgekehrt, doch nicht die, die ihn an den Grünhaarigen erinnern sollten. Aus diesem Grund war der Blonde auch glücklich mit seiner ebenso blonden Frau.

"Hast du dir die Akten schon durchgelesen?" wurde Zorro von seinem Vater angesprochen, der in dessen Büro gekommen war, um sich diesbezüglich zu erkundigen. Doch war sein Vater, seit es diese Eskalation gegeben hatte, nicht mehr zu ihm, wie es einmal war.

"Noch nicht ganz. Wie soll ich 11 Akten innerhalb von 3 Stunden durchgelesen haben?" entgegnete Zorro seinem Vater, der daraufhin noch schlecht gelaunter das Büro seines Sohnes verließ.

Zorro sah sich bis zum Feierabend zwischen einigen Mandantenterminen die ganzen Akten an, machte sich Notizen und vereinbarte sämtliche Termine für die nächsten zwei Wochen. Zorro wusste jedoch nicht, dass dies die schlimmsten zwei Wochen in seinem Leben werden würden. Er hätte sich sonst sicherlich Urlaub genommen, den er eigentlich redlich verdient hatte. Am Abend begab Zorro sich in seine Wohnung, die für eine Person eigentlich viel zu groß war und auch dementsprechend leer aussah. Sein Vater war so nett gewesen, sie für seinen Sohn zu kaufen, er wollte ihn ja nicht ganz ohne Mittel stehen lassen. Und auch an diesem Abend betrank Zorro sich mal wieder, bis er schließlich den Entschluss fasste, trotz des nächsten Arbeitstages, ein wenig feiern zu gehen.

Sanji hatte derweil einen beinahe perfekten Tag mit seiner Holden verbracht. Sie waren am Strand schwimmen, später führte er sie zum Essen aus mit anschließendem Gang am Strand bei untergehender Sonne. Und nun waren die beiden unterwegs zurück zum Hotel, Händchen haltend und beinahe wie frisch verliebt. Dabei waren sie kurz vor ihrem dreijährigen Hochzeitstag, welcher im September sein würde. Sanji bemerkte, dass ihnen ein anscheinend betrunkener Mann entgegen kam. Den Kopf gesenkt, nur auf den Boden achtend, die Hände in den Hosentaschen vergraben. Sanji fragte sich, woher dieser Mann kam, denn er trug ein weißes Hemd, dessen vier oberen Knöpfe offen waren, dazu die schwarze Krawatte, die locker um seinen Hals hing und diese schwarze Anzughose. Dieser Anblick kam ihm ziemlich bekannt vor, wie er feststellen musste, doch er kam einfach nicht darauf.

"Ist irgendwas?" wurde Sanji von seiner Frau aus diesen Gedanken gerissen, der seinen Blick daraufhin dem hübschen Mädchen schenkte.

"Nein, Baby, alles in Ordnung." erwiderte der Blonde nur lächelnd auf die Frage, als der scheinbar betrunkene Mann gerade an ihnen vorbei ging.

Der Grünhaarige, was man in dem dunklen Licht jedoch nicht sonderlich gut erkennen konnte, blieb abrupt stehen, als er diese Stimme vernahm. Er hob seinen Kopf, seine Augen waren weit aufgerissen und es war, als wäre er mit einem Schlag nüchtern. Diese Stimme erinnerte ihn so sehr an Sanji und er wusste immerhin, wie die Stimme dieses Mannes klang. Sofort hatte sein Herz einen Sprung gegen seine Brust gemacht und es fühlte sich an, als würde es gleich platzen. Er hatte das Gefühl gleich ersticken zu müssen, so weh tat es ihm. Vorsichtig drehte er sich um und seine Vermutung wurde bestätigt. Es war Sanji! In Begleitung seiner Frau! Doch was zum Teufel machte er hier? In der Stadt, in der Zorro seit einigen Jahren lebte? Und dann auch noch mit diesem Weibsbild! Seine Lippen formten den Namen des Mannes, der ihm nie aus dem Herzen und dem Sinn gewichen war, doch es kamen keine Laute heraus. Doch als er sah, dass die beiden um die Ecke bogen, war er sich nun nicht mehr sicher, ob er das wirklich wollte. Ob er Sanji wirklich wiedersehen wollte. Und ob er ihm nachlaufen sollte. Er tat es nicht. Sanji hätte ihn immerhin ansprechen können, was er nicht getan hatte, also ging Zorro davon aus, dass er mit Absicht ignoriert wurde. Für Zorro war nun klar, dass Sanji sich endgültig entschieden hatte. Er bekam ja nie Briefe von dem Blonden und nun tauchte eben dieser in der Stadt auf und lief, als wäre zwischen ihnen nie etwas gewesen, eiskalt an ihm vorbei. Das war einfach zu viel für Zorro. Wie konnte Sanji das tun? Was hatte Zorro getan, dass Sanji ihn so behandelte? Fest stand in diesem Moment, dass Sanji nichts mehr mit Zorro zu tun haben wollte. Und dies war Grund genug für Zorro, sich an diesem Abend endgültig abzuschießen. So ging er seines Weges weiter in die nächste Bar und ertrank in dem ganzen Alkohol. Es flossen nicht nur Unmengen an Whiskey, wovon Zorro sich in seiner Wohnung ja schon eine Flasche genehmigt hatte. Auch wurde anderes Zeug getrunken. Er wollte über nichts mehr nachdenken und trank immer weiter. Denn trotz, dass er trank, wollten die Gedanken an den Blonden nicht weichen. Manch einer wäre schon längst umgefallen, doch Zorro trank einfach weiter. Er hatte schon Mühe sein Glas festzuhalten, was nun Grund für den Barkeeper war, Zorro nichts mehr zu geben. Zorro war das Scheißegal, er hatte ja immer noch Vorrat in seiner Vitrine. Doch schaffte er es gar nicht bis zu seiner Wohnung. Ein Mensch, der so viel getrunken hat, kann einfach irgendwann nicht mehr laufen. Und so war es auch bei Zorro. Als er bemerkte, dass er gleich fällt, setzte er sich vorsichtshalber auf die nächste Bank, die an der Strandpromenade mit vielen anderen stand. Doch auch hier saß er nicht lange, denn kaum war er zur Seite gekippt, schlief er ein. Sanji und Chasey schliefen zu diesem Zeitpunkt schon längst, also bestand auch keine Möglichkeit, dass Zorro von Sanji eventuell gefunden werden konnte.

Der nächste Tag lief für Zorro besonders schlecht. Er hatte bis zum Nachmittag auf dieser Bank gelegen. Scheinbar war es den Passanten egal gewesen, dass hier jemand lag und sich nicht rührte. Er war nicht in der Kanzlei erschienen, was zur Folge hatte, dass sein Vater gezwungenermaßen seine eigenen und Zorro´s Mandanten unter einen Hut bringen musste. Zorro war nicht ein einziges Mal zu spät gekommen und blieb oft noch um einiges länger, als sein Vater. Dies veranlasste Shawn dazu, sich wirklich Sorgen um seinen Sohn zu machen. Schließlich wusste Shawn um Zorro´s Problem Bescheid, weshalb er Karen zu Zorro´s Wohnung schickte, die dort auf ihn wartete. Dieses Treffen zwischen Karen und Zorro führte das erste Mal zu einem Streit zwischen den beiden. Karen hatte sich nach Shawn´s Anruf immerhin auch sehr große Sorgen gemacht, auch sie wusste ja darüber Bescheid. Sie wurde noch wütender, als Zorro ihr kurz und knapp berichtete, weshalb er sich so abgeschossen hatte, denn für sie war das kein Grund und erstrecht keine Lösung. Für Shawn und Karen stand am Abend fest, dass Zorro eine Entziehungskurz machen musste. Zorro hielt natürlich dagegen, der sein Problem nicht einsehen wollte. Zwingen konnten sie ihn nicht und immerhin war er erwachsen, er konnte tun und lassen, was er wollte. Er verdrängte die Tatsache, dass seine Mutter sich totgetrunken hatte. Diese war an einer Alkoholvergiftung im Jahre 2004 gestorben. Shawn wollte nicht, dass seinem Sohn das Selbe passierte, doch Zorro lies nicht mit sich reden und blockte weiterhin ab.

Sanji bekam von diesen Problemen nichts mit. Er hatte nur seine Chasey im Kopf, mit der er nun den dritten Tag von dem 14-tägigen Urlaub verbrachte. Doch dieser Tag ging erstaunlich schnell um, wie er fand. Sie hatten viel unternommen und er hatte bis zum Abend, als es dunkel wurde, gar nicht bemerkt, wie die Zeit vergangen war. Sanji wollte noch ein wenig alleine spazieren gehen, als Chasey schon schlief, weshalb er sich wieder anzog und ihr einen kurzen Zettel hinterlies. Draußen betrachtete er die Umgebung und die sternenklare Nacht, die sich ihm in New York niemals bot. Die Sterne wurden dort einfach von den Lichtern der Stadt übertüncht. Gerade, als er wieder nach vorne sah, lief er geradewegs in einen Mann. Als der Angerempelte aufsah und Sanji in dessen Gesicht blickte, war er fassungslos. Der Mann vor ihm war der Mann auf den vielen Fotos, die er in seinem Arbeitszimmer zusammen mit den Geschenken vorgefunden hatte, als er ohne Gedächtnis wieder nach Hause kam. Schlagartig begann es in Sanji´s Kopf zu hämmern und zu pochen. Als würden tausende von Nägeln in sein Hirn gehämmert werden.

Chapter Twenty

Zorro sah in das Gesicht des Blonden und bemerkte, dass dieser scheinbar gerade in einer Art Trancezustand war. Und kaum hatte er sich versehen, fiel ihm der schlanke Mann entgegen. Er war ohnmächtig geworden. Auch an diesem Abend hatte Zorro wieder getrunken, doch weitaus weniger, als an dem Abend, an dem er auf dieser Bank eingeschlafen war. Der starke Zorro fing Sanji natürlich auf und machte sich Sorgen. Zuerst wusste er gar nicht, was er nun tun sollte. Er verstand nicht, wieso Sanji nun in Ohnmacht gefallen war, als er ihn ansah. Da Zorro auch nicht wusste, in welchem Hotel Sanji abgestiegen war, beschloss der Grünhaarige ihn einfach mit in seine Wohnung zu nehmen. Vielleicht war Sanji ja krank? Sollte er ihn lieber zu einem Arzt bringen? Was war los mit dem Blonden? Zorro konnte sich keine dieser Fragen beantworten und enschied sich dazu, später einfach einen Arzt zu sich zu rufen, sollte Sanji nicht aufwachen. Er schlang seinen linken Arm um Sanji´s Rücken, den Rechten positionierte er an den Kniekehlen und schließlich trug er ihn zu sich nach Hause. Er machte sich den ganzen Weg über ziemliche Sorgen. Er hatte sogar Angst um Sanji, da er ja nicht wusste, was mit ihm los war. Litt er vielleicht sogar an einem Hirntumor? Hatte er deswegen einige seiner Erinnerungen verloren und ihm deswegen nicht mehr geschrieben? Oder wollte er Zorro einfach nichts davon sagen? Wenn ja, was dachte Sanji sich dabei? Nahm er an, dass Zorro es leichter haben würde, wenn Sanji ihm nicht mehr schrieb? Zorro konnte sich einfach keinen Reim auf all das machen. Das war wirklich eine Nummer zu hoch für ihn. Mit klopfendem Herzen, welches, seinem Gefühl nach zu urteilen, zu platzen drohte und mit unglaublichem Kribbeln in seiner Magengegend trug er den Bewusstlosen nach Hause. Dort angekommen legte er ihn auf seine Couch und betrachtete ihn einige Momente, bevor er schließlich lauwarmes Wasser in einer Schüssel und einen Waschlappen holte. Damit kniete er sich neben die Couch, tauchte den Waschlappen in das Wasser, wrung ihn aus und legte ihn Sanji auf die Stirn. Während er so da saß und den Mann ansah, den er so sehr liebte, faltete er seine Hand in die von Sanji. Sein Daumen strich über dessen Hand und auch sein Blick galt den Händen. So sehr hatte er ihn vermisst. Erst jetzt wurde ihm bewusst, dass er einfach nicht ohne den Blonden leben konnte. Sein eigenes Leben widmete er nur seiner Arbeit. Er ging ohne Sanji einfach nur unter. Nie hätte Zorro gedacht, dass er einmal an dem Punkt sein würde, ohne eine bestimmte Person nicht leben zu können. Doch es war so. Sanji war der letzte Gedanke, bevor er einschlief. Und er war der erste Gedanke, wenn er am Morgen aufwachte. Selten gab es Momente, in denen Zorro nicht an seinen Geliebten dachte. Bei jedem Gedanken sprang sein Herz mit vollem Karacho gegen seine Brust, dass es ihm schon wieder Schmerzen bereitete. Bei jedem Gedanken hatte er das Gefühl leer zu sein. Die Hoffnung, Sanji irgendwann wiederzusehen, hatte Zorro stets am Leben gehalten. Und trotz, dass es so lange gedauert hatte, wurde er in seiner Hoffnung nicht enttäuscht. Doch was sollte er tun, wenn Sanji aufwachte? Und was sollte er tun, wenn Sanji das mit seinen Alkoholexzessen herausbekam? Er wusste, dass Sanji das nicht gut heißen würde. Schließlich hatten beide Mütter ein Alkoholproblem gehabt und Zorro´s Mutter war daran sogar gestorben. Gerne wollte Zorro in diesem Moment wieder zu seinem Whiskey greifen, doch wenn er das tun würde, wie sollte er dann mitbekommen, ob Sanji wieder aufwachte? Immerhin war er der Annahme, dass ja vielleicht irgendwas nicht stimmte und er musste im Falle des Falles einen Arzt rufen. Dies konnte er natürlich nicht, wenn er betrunken in seinem Bett lag, so viel war sicher. Also entschied er sich dagegen. Da er ja aber schon vorhin etwas getrunken hatte und ganz klar sein wollte, falls etwas sein sollte, stand er auf und ging in die offene Küche, die lediglich mit einer Theke vom Wohnzimmer getrennt war. Dort setzte er frischen Kaffee auf und entschied sich sogar dazu, ein Brot zu essen. Zorro sah aufgrund seiner Alkoholexzesse mittlerweile beinahe aus, wie eine Leiche. Er war ein wenig abgemagert, seine Wangen leicht eingefallen. Wirklich gut sah das in Kombination mit seinen Muskeln nicht aus. Sein Magen war ziemlich kaputt durch den Alkohol, weshalb er, wenn er denn mal etwas gegessen hatte, nicht viel herunter bekam. Sobald er zu viel aß schmerzte sein Magen höllisch und weil er keine Tabletten schlucken wollte, die sowieso alles noch schlimmer gemacht hätten, trank er wieder. Kaffee war natürlich auch nicht wirklich super, doch irgendwie musste er ja wieder klar werden und eine andere Lösung wusste er nicht.

Während Zorro eine ganze Weile in der Küche mit dem Rücken zu Sanji stand, gegen die Theke gelehnt, spürte Sanji etwas warmes, feuchtes auf seiner Stirn. Er hatte noch die Augen geschlossen und tastete nach dem, was da auf seiner Stirn lag. Schon beim Anfassen bemerkte er, dass es sich um einen Waschlappen handelte, was er zuerst nicht verstand. Er wusste auch zuerst nicht, was das sollte, den zuerst erinnerte er sich nicht an das, was passiert war. Erst, als er die Augen öffnete, sich umsah und feststellte, dass er an einem Ort war, den er nicht kannte, fiel es ihm schlagartig wieder auf. Abrupt setzte er sich auf und sein Blick fiel auf den Grünhaarigen, der mit dem Rücken zu ihm in der Küche stand. Zunächst war er regungslos, riss lediglich die Augen weit auf, dachte, er würde träumen und in Wirklichkeit neben Chasey liegen und schlafen. Doch es war Realität. Und so war es auch knallharte Realität, dass er sofort stechende Schmerzen in seiner Brust bekam, als er Zorro erblickte.

"Zorro...!" kam es dann plötzlich aus seinem Mund, woraufhin er aufsprang und Zorro im selben Moment seine Tasse Kaffee vor Schreck auf die Fliesen in der Küche fiel.

Angesprochener drehte sich abrupt um, die Augen ebenso geweitet, wie die des Blonden, der da mit dem Waschlappen in der rechten Hand vor seiner Couch stand. Sanji sah sofort, dass es Zorro wohl schlecht ergangen war, denn Zorro sah viel älter aus, als er eigentlich war und so hatte er die Liebe seines Lebens nicht in Erinnerung.

"S-Sanji..." brachte Zorro nur zögernd über die Lippen, der, ohne den Blick von ihm zu nehmen, seine gerade angezündete Zigarette in die Spüle warf und auf Sanji zuging.

So lange hatte er auf diesen Moment gewartet, er konnte nicht anders, als ihn sofort in seine Arme zu schließen. Sanji stand jedoch zuerst nur wie angewurzelt da, doch als er begriff, dass es wirklich Zorro war, der ihn hier in seine Arme schloss, lies er den Waschlappen zu Boden fallen und erwiderte die Umarmung, auch die beide viel zu lange warten mussten. Zorro stellte fest, dass Sanji wohl immer noch dasselbe Shampoo genutzte und auch sonst so roch, wie er immer roch. Auch Sanji stellte im selben Moment fest, dass Zorro an seinen Gewohnheiten, was das Aftershave, Deo und Parfüm betraf, nichts geändert hatte. Es fühlte sich für beide an wie damals. Unabhängig davon, was alle anderen dachten oder verlangten, es fühlte sich richtig an. Beide drückten den Anderen näher an sich, als würden sie miteinander verschmelzen und zu einer einzigen Person werden wollen. In diesem Moment wollten sie sich nie wieder loslassen. Sie genossen diesen Moment. Zu lange hatten sie darauf warten müssen. Nicht mehr lange und Zorro wäre verrückt geworden. In diesem Moment wusste Sanji, was ihm die ganze Zeit über gefehlt hatte. So wie jetzt, in den Armen von Zorro, hatte er bei seiner Frau niemals gefühlt. Dieser Moment sollte niemals wieder enden, doch das musste er. Zorro wollte die weichen Lippen des Kochs spüren, so wie auch Sanji die Lippen seines Gegenübers spüren wollte. Gleichzeitig lösten sie sich ein wenig voneinander, sahen sich vielsagend in die Augen und es dauerte nicht lange, bis sie bekamen, was sie wollten. Ein unglaublich leidenschaftlicher Kuss folgte. Dieser sagte alles aus. Wie sehr sie sich vermisst hatten, wie sehr sie sich immer noch liebten und wie lange sie darauf, auf diesen Moment, gewartet hatten. Doch hielt dieser Moment, den sie niemals gehen lassen wollten, nicht lange an. Zorro löste den Kuss und sah in die blauen Augen seines Gegenübers. Doch war sein eigener Blick nun nicht mehr sehnsüchtig nach dem Blonden, Sanji merkte, dass Zorro wohl sauer zu sein schien. Das war ja auch kein Wunder, denn trotz, dass Zorro seinen Sanji nun bei sich hatte, stand immer noch die Sache im Raum, wieso Sanji sich nicht gemeldet hatte. Folglich brach eine Diskussion aus, die dann auch laut wurde, als es um Zorro´s Alkoholproblem ging.

"Woher zum Teufel sollte ich denn wissen, was verdammt nochmal mit dir los war?? Es ist ja nicht so, dass ich versucht habe, mich umzubringen!" brachte Zorro hervor, der währenddessen das Wasser aus der Schüssel in die Spüle kippte.

"Das ist aber nicht Grund genug mit dem Trinken anzufangen!! Zumal du weißt, was Alkohol anrichten kann, Zorro!!" Sanji wusste, dass Zorro immer Gründe suchte, um seine Verhaltensweisen zu rechtfertigen. Und Sanji wusste auch, dass Zorro nun mal nicht der Mensch war, der über seine Probleme sprach und lieber alles in sich hinein fraß. "Du tust gerade so, als wäre ich Schuld an dem Unfall und der Folgen gewesen!" fügte Sanji noch sauer hinzu, woraufhin Zorro sich zu ihm umdrehte und ihn sauer ansah.

"Das ist doch gar nicht wahr! Erzähl nicht so einen Scheiß, man!" kam es nur von Zorro, der, wie man merkte, langsam nicht mehr wusste, was er sagen sollte.

"Natürlich ist das wahr! Du sagst zu mir, wenn ich den Unfall nicht gehabt und mein Gedächtnis nicht verloren hätte, hättest du nicht angefangen zu trinken! Natürlich gibst du mir die Schuld, wenn du sowas sagst!"

"Ich gebe dem Arsch die Schuld, der den Unfall verursacht hat, nicht dir! Und mal abgesehen davon! Wieso hast du dich an alles andere erinnert, nur nicht an mich?? Du hast alle Briefe, die ganzen Geschenke, wieso hast du dich nicht erinnert?? Du hättest mir doch auch schreiben können! Ein einziger, verdammter Brief hätte doch gereicht! Du hättest mir schreiben müssen, dass du einen Unfall hattest, die ganzen Sachen gefunden hast, dich aber nicht erinnern kannst! Wieso hast du das nicht gemacht, Sanji?" Der Gefragte wusste, dass Zorro die ganze Zeit über gewartet hatte und er wusste auch, dass Zorro emotional ziemlich kaputt war, sonst hätte er wohl kaum mit dem Alkohol angefangen.

"Siehst du?? Da!! Du machst es schon wieder!" kam es von dem Blonden, der dabei mit dem rechten Zeigefinger auf Zorro zeigte, diesen dann aber wieder sinken lies. "Du ganz allein bist Schuld daran, dass du mit dem Trinken angefangen hast! Egal, was passiert und egal, wie schlimm das dann ist, das ist verdammt nochmal keine Ausrede fürs Trinken, Zorro! Ich weiß nicht, wieso ich dir nicht geschrieben habe und ich weiß auch nicht, wieso ich dieses scheinheilige Leben weiterhin geführt habe! Natürlich hab ich die ganze Zeit gewusst, dass irgendwas fehlt und total schief läuft. Ich wusste auch, dass dieses Leben, was ich führe, nicht das ist, was ich eigentlich will. Zumindest nicht mit Chasey! Aber was sollte ich denn machen? Aufgrund der ganzen Briefe und Geschenke alles stehen und liegen lassen, nach LA kommen und nach jemandem suchen, den ich gar nicht kenne, beziehungsweise kannte??"

"Ja! Genau DAS hättest du tun sollen! Das hätte ich nämlich auch gemacht! Hättest du das getan, dann wärst du jetzt nicht mehr mit Chasey verheiratet, sondern wir beide würden ein gemeinsames Leben führen! Und jetzt komm mir nicht mit dem Restaurant! Du hast hier auch genug Möglichkeiten eins zu eröffnen!"

"Was hat das jetzt mit deiner Sauferei zu tun?? Das kotzt mich an! Warum bist du immer so? Warum kannst du nicht einmal beim Thema bleiben und verdammt nochmal einsehen, dass du Scheiße gebaut hast?" fragte der Blonde laut, was Zorro ihn erstmal nur anstarren lies.

"Das ist doch wohl nicht dein Ernst! ICH hab Scheiße gebaut?? Du hast doch überhaupt keine Ahnung, Sanji! Nicht ich bin derjenige, der Scheiße gebaut hat, sondern ganz allein du! DU hast dich nie gemeldet, DIR ging alles was mit mir zu tun hat am Arsch vorbei! Warum ich angefangen habe zu Trinken?? Weil ich es einfach nicht mehr ausgehalten habe ohne Dich, deshalb!!" gab Zorro nun zu. Zwar war Sanji das klar, dass dies der hauptsächliche Grund war, doch wollte er einfach, dass Zorro es zugibt. Nicht nur vor Sanji, sondern auch vor sich selbst.

"War das jetzt so schwer, Zorro??"

"Ja, war es!!" Und damit sagte Zorro die Wahrheit. Ihm fiel sowas schon immer sehr schwer. Seine Gefühle aufzuschreiben und sie zu sagen, das waren zwei vollkommen verschiedene Dinge. "Wenn du ja angeblich gemerkt hast, dass dir was fehlt, dass das Leben, was du führst, nicht das ist, was du wolltest, wieso hast du es dann geführt? Ich nehme auch mal an, dass du nicht gelebt hast, wie eine Nonne." Zorro sah seinen Gegenüber abwartend an und Sanji wusste genau, was Zorro damit meinte.

"Was willst du von mir hören Zorro? Natürlich hab ich nicht wie 'ne Nonne gelebt!" Sanji wollte nicht näher darauf eingehen, weil er wusste, wie sehr Zorro das treffen würde. Und schon gar nicht wollte Sanji dem Grünhaarigen erzählen, dass er und Chasey versucht haben, Kinder zu bekommen. Das hätte Zorro das Herz zerrissen.

"Hat sie es dir wenigstens richtig besorgt?" war Zorro´s Frage, der nun mit einer Gleichgültigkeit vor dem Blonden stand, die diesen rasend machte. Folglich machte Sanji einen Schritt auf Zorro zu und schlug ihm mit der flachen Hand direkt ins Gesicht.

Ohne ein weiteres Wort von sich zu geben verließ Sanji die Wohnung und Zorro stand noch wie angewurzelt da. Mit so einer Reaktion hatte er am Wenigsten gerechnet.

Für Sanji, der beinahe wutentbrannt während des Sonnenaufganges zurück zum Motel ging, war das alles zu viel. Er hatte gerade einfach nur den dringenden Wunsch, wieder zurück nach New York zu fliegen und seiner gewohnten Arbeit nachzugehen. Doch was dann? Weiter dieses scheinheilige Leben führen? Er wusste, dass er Chasey liebte. Zwar nicht so sehr, wie Zorro, doch er tat es. Doch wollte er wirklich ein Leben mit ihr führen, mit ihr alt werden? Oder wollte er dies mit Zorro? Was wollte er? Sanji wusste, bevor er sich nicht klargeworden war, was er wollte und wofür er sich entschied, konnte er nicht handeln. Er wollte den Urlaub aber auch nicht voreilig abbrechen, mal wieder aus einer Emotion heraus. Sanji lies sich zu oft von seinen Gefühlen leiten, was in diesem Falle einfach fehl am Platze war. Er atmete einmal tief durch und entschied sich dazu, erstmal zu bleiben, bis er wusste, was er denn jetzt tun sollte.

Währenddessen rief Zorro bei seinem Vater an. Er erklärte ihm die Sachlage und auch, dass er nicht geschlafen hatte, doch sein Vater lies nicht mit sich reden. Zorro musste in die Kanzlei kommen, ob ausgeschlafen, oder eben nicht.

Chapter Twenty One

Sanji´s Weg führte ihn auf direktem Weg wieder zurück ins Motel. Auf dem Weg dorthin gingen ihm die Gedanken um die Zukunft einfach nicht aus dem Kopf. Er hatte durchaus versucht sie auf dem Weg abzuschütteln, doch vergebens. Nun stand er etwas verloren, wissend, dass er gerade die Liebe seines Lebens zurückgelassen hatte, im Motelzimmer. Sein Blick wanderte durch den gemütlichen Raum, bis er schließlich auf seiner Frau hängen blieb. Chasey lag in ihrem gemeinsamen Bett und schlief seelenruhig. Dieser Anblick verwirrte Sanji. Nicht aus dem Grund, dass er verwirrt war über seine Gefühle. Im Gegenteil. Der Grund war, dass er verwirrt über die Tatsache war, dass die Gefühle, die er für sie hätte haben müssen, schlichtweg wie weggeblasen waren. Es war, als würde eine fremde Person in diesem Bett liegen. Er kannte sie. Er wusste, was für ein Leben er mit ihr führte. Was sie erlebt und durchgemacht hatten. Dass er sie sehr geliebt hatte. Doch die Frau, die dort lag, gehörte nicht zu seinem Leben. In diesem Moment, in dem ihm das alles so plötzlich klar wurde, wurde ihm klar, dass der Mensch, der wirklich zu seinem Leben gehörte, Zorro war.

Während Zorro bereits auf dem Weg zur Arbeit war, saß Sanji seit nun geschlagenen zwei Stunden auf der kleinen Couch, die mit in dem Zimmer stand. Beinahe unentwegt hatte sein Blick auf der Blonden gelegen, die ihm, wie er festgestellt hatte, das Leben doch schon ziemlich schwer gemacht hatte. Er wartete darauf, dass sie aufwachte, da er sie nicht hatte wecken wollen. In ihm stieg ein Gefühl auf, dass ihm nur allzu bekannt war. Schon oft hatte er in der Vergangenheit das Gefühl gehabt, er müsste aus seinem Leben ausbrechen. Meist entstand das Gefühl in Verbindung mit Zorro, denn er wusste genau, dass sein Leben nur vollkommen war, wenn er es mit ihm führen konnte. Sanji war in diesem Moment kurz davor seine Sachen zu packen und zu verschwinden. Doch er hielt sich zurück. Er wollte nicht vor der Verantwortung davon laufen, die er noch trug. Die Verantwortung für seine Ehe, das gemeinsame Leben mit Chasey und sein Restaurant.

Er wunderte sich schon ein wenig darüber, dass er derart schnell seinen Entschluss, alles zu beenden, gefasst hatte. Trotz des Streits, den er und Zorro an diesem frühen Morgen hatten. Doch sein Gedächtnisverlust, dieses scheinheilige Leben und die Tatsache, dass er sich nun endlich wieder an alles erinnern konnte, was Zorro betraf, ließen für ihn absolut keine andere Option übrig. Sie waren fast fünfundzwanzig Jahre alt und Sanji wollte keine Zeit mehr vergeuden. Er war ein erwachsener Mann, der sich sein ganzes Leben von Anderen hatte sagen lassen, was er zu tun hatte. Jeff, der ihn zu der Heirat mit Chasey bewegt hatte und auch Chasey selbst, die ihm ständig ihren eigenen Willen aufgezwungen hatte. Es war an der Zeit, dass Sanji sein Leben in die eigenen Hände nahm und das tat, was für ihn das Richtige war. Ungeachtet der Konsequenzen.

„Guten Morgen.“ kam es von Chasey, die aufgewacht war, während Sanji über all das nachgedacht hatte.

Sein ernster Blick fiel auf seine Frau und er zündete sich eine Zigarette an.

„Was ist los?“ fragte sie ihn, als sie seinen Blick bemerkt hatte und sich dann aufsetzte.

Der blonde Koch sah sie an und pustete den Rauch aus seiner Lunge. „Wir müssen uns unterhalten.“ sagte er.

„So? Worüber denn?“ fragte sie.

Sanji brauchte eine Weile, in denen er versuchte die richtigen Worte zu finden. Doch es gelang ihm nicht. Für so etwas, was nun folgen würde, gab es nicht die richtigen Worte. Kein Drehbuch, aus dem man es ablesen konnte.

„Erinnerst du dich noch an die eine Nacht? Die, Nacht nach der Eröffnung des Restaurants.“ fragte er ernst.

Chasey setzte sich in den Schneidersitz und sah ihn fragend an. „Nicht wirklich.“ sagte sie skeptisch.

„Wir hatten an dem Morgen einen riesigen Streit.“ sagte er. „Ich sagte dir, dass ich feiern war, aber du hast mir nicht geglaubt.“

Chasey verengte ihre Augen. „Worauf willst du hinaus?“ fragte sie.

„Nun. Ich war nicht feiern.“ sagte er und seufzte kurz auf. „Ich hatte einen Freund. Ihn habe ich an diesem Abend wiedergetroffen.“

„Ich hab auch Freunde. Wo ist jetzt das Problem?“ fragte sie.

„Er war nicht irgendein Freund, Chase. Er war mein erster Freund. Meine erste Liebe.“ antwortete er und sah zu, wie Chasey´s Augen sich vor Schock weiteten.

„Was erzählst du mir hier gerade, Sanji? Bis gestern Abend war doch noch alles gut. Was soll das jetzt?“ fragte sie.

„Du weißt doch genau so gut, wie ich, dass wir einzig und allein geheiratet haben, weil unsere Eltern das so wollten. Kannst du dir nicht denken, was in dieser Nacht passiert ist?“ wollte er wissen und konnte nicht glauben, dass sie wirklich so unterbelichtet war, wie sie gerade tat.

„Erzählst du mir hier wirklich gerade, dass du schwul bist und mich in der Nacht mit einem Mann betrogen hast?“ hakte sie nach.

„Du hast es erfasst.“ erwiderte er.

Chasey stand auf. Zornig, außer sich vor Wut, sah sie ihn an und warf das Buch, welches auf ihrem Nachttisch lag, nach ihm. Das Buch traf ihn nicht, es klatschte gegen die Wand. Laut des Geräuschs des Aufpralls hätte es aber wohl weh getan, wenn er es abbekommen hätte.

„Warum zum Teufel erzählst du mir das?“ schrie sie ihn dann an. „Warum tust du das?“

„Weil es dir Wahrheit ist.“ antwortete er. „Ich weiß, dass es dir wehtun muss so etwas von mir zu hören. Dem Mann, mit dem du versucht hast Kinder zu bekommen und dein Leben aufgebaut hast. Ich entschuldige mich dafür. Seit dem Unfall, bei dem ich mein Gedächtnis verloren habe, hatte ich ständig das Gefühl, dass etwas fehlt. Ich wusste nicht was, konnte es mir nicht erklären. Bis letzte Nacht. Ich weiß nicht, wieso es so ist, aber mein Gedächtnis war nicht vollkommen zurückgekehrt. Ich konnte mich an alles erinnern, bis auf eine Person und alles, was mit dieser Person zu tun hatte. Und das war er.“ erklärte er und zog erneut an seiner Zigarette. „Es fing mit einer Brieffreundschaft an, als wir Kinder waren, doch irgendwann verliebten wir uns und gingen eine Beziehung ein. Jeff kam damit nicht klar, hat alles an Kontakt unterbunden und dann kam er schließlich auf die Idee mich mit dir zu verheiraten. Wie dem auch sei. Letzte Nacht fiel mir alles wieder ein. Aber nicht einfach nur so, nicht grundlos. Ich bin letzte Nacht für einen Spaziergang nach draußen gegangen und dann traf ich ihn wieder. Ich traf ihn. Für mein Gehirn schien das ein wenig zu viel gewesen zu sein, denn ich fiel in Ohnmacht. Er nahm mich mit in seine Wohnung und als ich aufgewacht bin konnte ich mich an alles erinnern. An die schier endlose Liebe, die wir für einander empfanden. An all die schönen Momente, die wir gemeinsam erlebt haben. An die Streitereien. An die Momente, in denen wir uns stundenlang geliebt haben. Ich wollte alles aufgeben, für ihn, für uns, doch dann kam der Unfall. Es tut mir leid, Chase, aber so ist es und daran lässt sich leider nichts ändern.“

Während Chasey ihm zuhörte stiegen ihr immer mehr Tränen in die Augen. Natürlich hatte sie es geahnt, gerade, was diese eine Nacht betraf. Auch, wenn Chasey sich oft dumm stellte, so war sie es keineswegs. Dennoch hatte sie nie die Hoffnung aufgegeben, dass sie und Sanji doch noch endlich glücklich werden würden. Sie wusste selbst, dass sie nicht so glücklich waren, wie sie es hätten sein können. Und nun wusste sie auch ganz genau, woran das lag. Für sie brach in diesem Moment jedoch ihr ganzes Leben zusammen. Sie liebte Sanji und konnte sich ein Leben ohne ihn einfach nicht vorstellen.

„Und was denkst du, wie das jetzt laufen wird? Du verlässt mich, schon klar, was an sich ja schon schlimm genug ist. Aber was ist mit dem Rest? Was ist mit dem Restaurant? Wie willst du das erklären? Vor allem deinem Vater? Ist dir bewusst, was das alles für Folgen hat?“ überfiel sie ihn aufgelöst mit Fragen.

Sanji nickte. „Natürlich weiß ich das. Aber für die Liebe meines Lebens nehme ich all das in Kauf. All die Strapazen, all den Ärger. Ich hätte es längst tun sollen. Ich hätte mich damals gar nicht erst von Jeff so einschüchtern lassen dürfen, dann wäre all das nicht passiert und das, was folgt, nicht nötig.“

Es tat ihm wirklich leid zu sehen, wie er Chasey´s Herz in tausend Teile zerriss. Er sah ihr an, wie es sie in die Verzweiflung stürzte. Doch er konnte nicht mehr. Er konnte dieses Leben schlagartig nicht mehr ertragen. Es war, als hätte sich ein Schalter in seinem Kopf umgelegt. Der Schalter, der so viele Jahre blockiert gewesen war. Die Angst vor Jeff, die er jahrelang in sich trug, war wie weggefegt. Das Einzige, was für ihn in diesem Moment zählte, war Zorro und endlich das zu tun, was das Richtige war.

Chasey war fiel zu sehr am Boden zerstört, als dass sie noch etwas sagen konnte. Sie wollte, doch sie konnte nicht. Ihr Kopf war mit so vielen Gedanken vollgestopft, die alle hinaus geschrien werden wollten, doch gleichzeitig war er auch leer und sie wusste einfach nicht, was sie dem entgegen setzen sollte. Der Mann, den sie so sehr liebte, mit dem sie hatte Kinder bekommen wollen und mit dem sie so viel durchgemacht hatte, was ihre Unfruchtbarkeit betraf, verließ sie für jemanden, den er als seine große Liebe bezeichnete. Es riss ihr den Boden unter den Füßen weg.
 

Nachdem Chasey Sanji dabei zugesehen hatte, wie er seine Sachen gepackt hatte, sah sie ihm nach, wie er das Motelzimmer verließ und somit aus ihrem Leben verschwand. Sie wusste, dass sie nichts dagegen ausrichten konnte und hatte daher auch nichts versucht. Sie hatte nicht versucht ihn von sich und ihrem Leben, welches sie sich gemeinsam aufgebaut hatten, zu überzeugen. Und so hatte sie ihn gehen lassen.

Chapter Twenty Two

Erst spät am Abend war Zorro von der Kanzlei auf dem Rückweg zu seiner Wohnung. Er war todmüde, was ja auch kein Wunder war. Immerhin hatte er am vorigen Abend ordentlich getrunken und dann wegen der Begegnung mit Sanji in der Nacht nicht geschlafen. Lediglich in seiner Mittagspause, die gerade mal etwas über dreißig Minuten war, hatte er kurz die Augen zu machen können. Er hatte gerade einen Klienten verabschiedet und die Tür zu seinem Büro geschlossen, sich dann auf den bequemen Drehstuhl aus schwarzem Leder gesetzt. Zorro war die ganze Zeit in Gedanken bei Sanji gewesen und nachdem er seinen Wecker, den er für solche Fälle in der obersten Schublade seines Schreibtisches aufbewahrte, gestellt hatte lehnte er sich in seinem Stuhl zurück, legte seine Füße auf dem Tisch ab und schlief umgehend ein.

Viel geholfen hatte dieses kurze Nickerchen nicht. Im Gegenteil. Er war sogar noch viel müder, als zuvor. Und dennoch zog er den Tag durch wie ein Profi. Zwar war sein Vater schon immer ein ziemlich freundlicher und cooler Typ gewesen, doch er trennte Beruf und Privatleben strikt und ließ Zorro absolut nichts durchgehen.

Nach seinem letzten Termin musste Zorro noch seine handschriftlichen Notizen auf dem Computer abtippen, sie ausdrucken und in die zugehörigen Akten sortieren. Erst, als das erledigt war, konnte er die Kanzlei verlassen. Sein Vater war zu dem Zeitpunkt längst verschwunden und so hatte Zorro die Kanzlei noch verschließen müssen. Die Dämmerung, die immer ziemlich spät einsetzte, war schon beinahe vorüber und der dunkle Himmel war bereits voller Sterne, die fröhlich vor sich hin strahlten. Zorro steckte seine Hände in die Hosentaschen und bog schließlich um die Ecke in die Straße, in der sich seine Wohnung befand. Als er sich schließlich dem Haus zu wand, während er seinen Schlüssel hervor holte, fiel sein Blick auf die fünf Stufen, die zur Haustür führten. Mit dem, was er auf diesen Stufen entdeckte, hatte er nicht gerechnet. Sanji saß auf der obersten Treppe an die Hauswand gelehnt. Rauchend. Neben ihm stand ein schwarzer Koffer und ein dunkelblauer Rucksack. Zorro dachte, dass er träumen würde. Dass er mal wieder auf seinem Schreibtisch eingeschlafen war und von dem träumte, wonach er sich sehnte. Was er sich am Meisten wünschte. Der junge Anwalt sah den Blonden fassungslos und erschrocken an. Sein Herz setzte für einen kurzen Moment aus, ebenso stockte sein Atem und Zorro hatte das Gefühl, dass er jetzt her sofort auf der Stelle an einem Herzinfarkt sterben musste. Nicht in der Lage etwas zu sagen oder sich zu bewegen.

„Zorro..“ riss Sanji ihn dann aus seiner Starre.

Der Angesprochene schloss seinen Mund, der vor lauter Schreck ein Stück geöffnet war. Sanji´s Stimme hörte sich sehnsüchtig an. Sehnsüchtig und sich schuldig fühlend. Ebenso blickte der Blonde zu ihm auf.

Zorro brauchte noch einige Momente, ehe er etwas sagte. „Was machst du hier?“ fragte er schließlich, wissend, dass Sanji nicht allein in den Urlaub gefahren ist. „Nach deiner Ohrfeige hätte ich nicht gedacht dich so schnell wieder zu sehen.“ fügte er kühl an.

Er versuchte so emotionslos zu sein und auch ebenso zu klingen, wie es nur möglich war. Aus einem einfachen Grund. Er wollte nicht wieder einen Streit vom Zaun brechen. Er wollte nicht überreagieren und eventuell riskieren, dass Sanji wegen dem Streit wieder verschwand. Dieser stand auf und zog ein letztes Mal an der Zigarette, ehe er sie auf die Straße schnippte. Sein Blick wich nicht von Zorro.

Sanji deutete auf den Koffer und den Rucksack. „Wonach sieht es denn aus?“ wollte er wissen.

Zorro zog ein wenig die Brauen zusammen und zuckte mit den Achseln. „Keine Ahnung?“ erwiderte er. „Vielleicht wolltest du dich nur kurz verabschieden, bevor du den Urlaub kurzfristig abbrichst, weil wir uns über den Weg gelaufen sind und uns gestritten haben? Bevor du mit deiner Frau wieder nach Hause fliegst.“

Sanji spürte, dass Zorro noch immer verletzt war. Und das hörte man auch. Zorro versuchte es für sich zu behalten, doch Sanji kannte ihn und er wusste es besser.

„Wie könnte ich, nachdem ich endlich wieder alles weiß?“ fragte Sanji sehnsüchtig.

Zorro sah durch die Beleuchtung am Haus, dass sich Sanji´s blaue Augen mit Tränen füllten. Schlagartig fühlte Zorro sich schlecht und der Anblick schmerzte ihn zutiefst. Er erinnerte sich in diesem Moment, als er Sanji vor Jahren am Flughafen zurücklassen musste. Wie sehr Sanji geweint hatte und an den Schmerz, den Zorro bei Sanji´s Anblick verursachte. In diesem Moment war es genau der selbe Schmerz. Fünf Jahre mochten für viele Menschen nicht so viel Zeit sein, doch diese fünf Jahre kamen Zorro wie eine Ewigkeit vor. Eine Ewigkeit, in der er wegen der Trennung von Sanji so sehr gelitten hatte. Als Zorro sah, dass sich eine einzelne Träne ihren Weg über Sanji´s Wange bahnte, löste er sich plötzlich aus seiner Starre, ging auf den Koch zu und schloss ihn in seine starken Arme.

Sanji erwiderte die Umarmung und plötzlich fühlte er sich angekommen und in Sicherheit. Es war, als würde eine riesige Last von ihm abfallen, was dazu führte, dass er seinen Gefühlen freien Lauf ließ und weinte. Er weinte um die ganze verlorene Zeit. Er weinte darum, dass er Zorro wegen des Gedächtnisverlustes vergessen hatte. Er weinte darum, dass er sich selbst erst in diese Situation hatte bringen lassen. Dass er nicht in der Lage war seinen Mann zu stehen und nach Ende seiner Ausbildung bei Jeff seine Sachen gepackt und zu Zorro geflogen war.

„Es tut mir leid, Zorro.“ konnte der Grünhaarige gerade so zwischen dem Schluchzen des Koch´s verstehen.

Zorro´s Augen blieben nicht trocken, doch er erlaubte es seinen Tränen nicht ebenfalls über seine Wangen zu laufen. Immerhin stand hier schon eine Heulsuse herum, da musste er seiner Meinung nach nicht noch einstimmen. Er drückte Sanji ein wenig fester an sich, löste die Umarmung dann jedoch und sah ihm ernst in die tränenden und traurigen Augen. Dann wischte er ihm die Tränen aus dem Gesicht und sein Blick fiel auf Sanji´s Lippen. Viel zu lange hatte er ihn und seine Lippen nicht mehr gespürt. Ohne weiteres Zögern küsste Zorro den Blonden. Er würde einen Teufel tun und sich zusammen reißen. Nun, da Sanji hier direkt vor ihm stand wollte er die Gelegenheit auf keinen Fall verpassen. Wer wusste schon, was der nächste Tag bringen würde? Ob Sanji doch wieder zurück zu seiner Frau gehen und ihn allein lassen würde? Und wann oder ob er überhaupt jemals wieder die Gelegenheit bekommen würde Sanji zu küssen.

„Ich liebe Dich.“ sagte Zorro dann.

Er sah Sanji dabei ernst in die Augen. Er konnte nicht anders, er hatte es einfach sagen müssen. Er wollte, dass Sanji es wusste. Dass er ihn immer noch liebte und sich das in den letzten Jahren nicht geändert hatte.

„Und ich liebe Dich, Zorro.“ erwiderte Sanji mit zittriger Stimme.

Erneut küsste Zorro den Mann, der hier vor ihm stand, sah ihn dann aber erneut ernst an. „Tu das nie wieder.“ mahnte er ihn dann an. „Verlass mich nie wieder, Sanji.“

Für den Blonden hörte es sich an, als würde Zorro ihn beinahe schon anflehen. Sanji wusste und spürte genau, wie sehr Zorro gelitten hatte, doch da war er ja nun nicht der Einzige. Auch Sanji´s Schmerz saß tief, doch er war sich sicher, dass sie gemeinsam einen Weg finden würden all das durchzustehen, was ihnen vermutlich noch bevorstand. Denn so lange sie zusammen waren konnte ihnen nichts und niemand etwas anhaben. Sanji würde nie wieder zulassen, dass jemand oder etwas sie trennte. Eher würde er sich selbst töten, als dass er es wieder so weit kommen lassen würde.

„Ich habe nicht vor wieder zu gehen.“ sagte Sanji schließlich. „Du wirst mich nie wieder los, Zorro. Ich verspreche es dir.“

Diesmal war es Sanji, der den etwas Größeren innig küsste. Er konnte immer noch nicht nachvollziehen, warum er sich ausgerechnet an Zorro so lange nicht hatte erinnern können. Es war ihm unbegreiflich. Und das, obwohl er seit dem Vormittag, als er aus dem Motel verschwunden war, vor Zorro´s Tür auf diesen gewartet und sich darüber den Kopf zerbrochen hatte.

Zorro nahm Sanji´s Koffer, Sanji seinen Rucksack und dann gingen die Beiden nach oben in Zorro´s Wohnung. Schweigend. Keiner der Beiden wusste etwas zu sagen. Doch das war auch nicht nötig. Viel zu sehr waren sie damit beschäftigt sich darüber zu freuen, dass sie nun endlich wieder zusammen waren. Sanji folgte Zorro in sein Schlafzimmer, der sofort Platz in seinem Kleiderschrank machte, damit Sanji seine Sachen dort einräumen konnte. Es stand außer Frage für Zorro das zu tun. Er war sich sicher, dass Sanji Chasey für ihn verlassen hatte. Weshalb sonst sollte Sanji mit seinem Koffer vor der Tür stehen?

„Du hast sie verlassen, richtig?“ fragte Zorro, als sie sich gegenüber am Tisch saßen.

Sanji sah ihn an und nickte. „Richtig.“ bestätigte er. „Ich hab es keine Sekunde länger mit ihr ausgehalten.“ fügte er an und seufzte schließlich. „Ich muss zugeben, dass sie mir wirklich leid tat. Aber es fühlte sich falsch an.“

„Und jetzt?“ wollte Zorro weiter wissen. „Was hast du dir gedacht, wie das nun laufen wird? Hast du dir darüber überhaupt Gedanken gemacht?“

Sanji wusste, dass Zorro´s vorwurfsvolle Stimmlage nicht so gemeint war. Normalerweise wäre Sanji jetzt an die Decke gegangen und hätte deswegen einen Streit angefangen, doch diesmal überlegte er es sich anders.

„Natürlich hab ich das, Zorro.“ nickte er. „Ich wollte damals schon bei dir sein. Hätte ich während meiner Ausbildung mehr Geld von Jeff bekommen, dann hätte ich genug Geld gehabt, hätte meine Sachen gepackt und wäre zu dir gekommen. Ich weiß, was danach gekommen ist, das hätte ich alles verhindern können. Ich war einfach noch nicht stark genug, um mich vor Jeff zu behaupten und zu dem zu stehen, der ich bin. Es tut mir leid, Zorro. Es gibt gar keine Worte dafür, wie sehr es mir leid tut.“ erklärte Sanji. „Bevor ich den Unfall hatte hab ich bereits den Entschluss gefasst dem ein Ende zu bereiten. Ich wollte das alles nicht mehr. Ich wollte bei dir sein. Ich weiß, dass das alles viel zu spät kommt, aber ich liebe Dich. Du bist meine große Liebe, Zorro.“

„Das alles beantwortet meine Frage nicht.“ stellte Zorro lediglich fest.

So sehr Zorro sich über das freute, was Sanji ihm da alles gesagt hatte, er konnte sich noch nicht wirklich mit diesem Gedanken anfreunden. So lange noch nichts geregelt war, was Sanji nun mal zu regeln hatte, bestand immerhin immer noch die Gefahr, dass ihnen jemand oder etwas einen Strich durch die Rechnung machte und er am Ende wieder allein da stand.

Sanji seufzte und fuhr sich kurz durch die blonden Haare. „Ich werde die Scheidung einreichen und von mir aus kann sie ruhig alles haben. Meinen Anteil des Restaurants, das Haus. Von mir aus auch meine Maschine.“ sagte er und meinte damit das Motorrad, welches den Unfall, bis auf ein paar Kratzer, überlebt hatte. „Das Einzige, was mir Kopfschmerzen bereitet, sind meine Sachen. Oder besser gesagt, dass ich sie zurück bekomme. Chasey kann ziemlich anstrengend sein und neigt zu Überreaktionen. Ich hoffe, dass sie vor allem die Sachen in meinem Arbeitszimmer in Ruhe lässt.“

Zorro lachte kurz auf und Sanji sah ihn an, dass er nicht glaubte, dass Chasey so sein konnte. „Was soll sie schon groß machen? Die Sachen anzünden?“ fragte er scherzend nach.

„Das wäre ihr durchaus zuzutrauen. Gerade jetzt, da sie weiß, dass ich sie für dich verlassen hab und die Briefe und die ganzen Geschenke alle von dir sind.“ nickte Sanji, weshalb Zorro ihn fassungslos ansah.

„Du meinst das ernst.“ stellte Zorro fest.

Sanji zog an seiner Zigarette. „Natürlich meine ich das ernst. Kurz vor dem Unfall hat sie das Jackett zerschnitten, was ich an dem Abend der Restauranteröffnung getragen habe. Aus Eifersucht. Weil es nach jemand anderem gerochen hat, wie sie meinte.“

„Wow.“ war das Einzige, was Zorro dazu sagen konnte, der dann einen Schluck von dem Kaffee trank, den er zuvor zubereitet hatte.

„Kannst du mir einen guten Scheidungsanwalt empfehlen?“ fragte Sanji dann.

Zorro nickte. „Der beste Freund von meinem Vater. Ich sehe ihn nicht sonderlich oft, aber ich weiß, dass er sehr gut ist.“

Nachdem sie noch eine Weile dort gesessen, den Kaffee getrunken und sich angesehen hatten sprangen sie nacheinander unter die Dusche. Keiner von Beiden wusste, wie er sich verhalten sollte. Am Liebsten wären sie gemeinsam mit dem Anderen unter die Dusche gegangen, doch sie taten es nicht. Gerade Sanji hatte Sorge, dass Zorro es nicht wollen würde. Und eine Zurückweisung würde Sanji wohl schwer zusetzen. Und so teilten sie sich nach so vielen Jahren erneut ein Bett. Und aufgrund des ereignisreichen Tages dauerte es auch nicht lange, ehe sie erschöpft jedoch mit dem Wissen, dass sie neben einander lagen und endlich erreicht hatten, was sie immer wollten, einschliefen.

Chapter Twenty Three

Der nächste Morgen brach an. Zorro´s Wecker ertönte so laut, dass Sanji aus seinem Schlaf schreckte und sein Körper zusammen zuckte. Der kleine, schwarze Kasten, der auf Zorro´s Nachtschrank stand und durch seine roten, digitalen Ziffern verriet, dass es halb sieben an diesem Morgen war, war ab sofort Sanji´s Feind. Der Blonde hatte das Gefühl, dass dieser nervtötende, brummende und zugleich piepende Ton direkt in sein Gehirn drang. Er war wütend auf dieses Ding, was ihn so unsanft aus seinem Schlaf gerissen hatte. Dann fiel sein Blick jedoch auf Zorro. Dieser schien den Wecker überhaupt nicht zu hören, denn er schlummerte seelenruhig vor sich hin. Dieser Anblick lenkte Sanji dann von seiner Wut auf seinen elektronischen Todfeind ab und ein glückliches und zufriedenes Schmunzeln machte sich auf seinen weichen Lippen breit.

Der Koch schob die Bettdecke von sich und stand auf. Ehe er um das Bett herum ging, um den Wecker auszuschalten, schlüpfte er in ein dunkelblaues T-Shirt und ging dann in die Küche. Dort hatte er zwar sofort die Kaffeemaschine entdeckt, doch er hatte am Abend nicht aufgepasst, als Zorro Kaffee zubereitet hatte. Und so stand er für einen kurzen Moment ein wenig verloren in dem großen Raum. Nach einem herzhaften Gähnen öffnete er die Tür des Schrankes, der über der Kaffeemaschine an der Wand hing. Und tatsächlich hatte er auf Anhieb sowohl den Kaffee, als auch die Kaffeetassen gefunden. Während er auf den Kaffee wartete sah er sich um. Es war ihm bisher nicht aufgefallen, doch Zorro´s Wohnung machte einen relativ kühlen Eindruck auf ihn. Von Dekoration konnte bei zwei Bildern nicht die Rede sein, die neben der Wohnungstür an der Wand hingen und Zorro und seine Familie zeigten. Sanji war sich sicher, dass es nicht Zorro selbst gewesen war, der diese Bilder aufgehangen hatte. Er vermutete, dass es Zorro´s Stiefmutter war, zu der Zorro seines Wissens nach ein gutes Verhältnis hatte. Dieser Gedanke allerdings stimmte ihn ein wenig traurig, denn er wusste ja nicht, ob das immer noch so war.

Sanji füllte kurz darauf den Kaffee in die Tassen. Seine Tasse ließ er auf dem Esstisch stehen. Lediglich mit dem Kaffee für Zorro betrat er dann wieder das Schlafzimmer. Dort ging er auf direktem Weg zu der Seite des Bettes, auf der Zorro noch immer schlief, stellte die Tasse auf dem Nachtschrank ab und setzte sich zu Zorro auf das Bett. Dieser hatte sich umgedreht, mit dem Gesicht zum Wecker und dabei hatte er sich auf seine Decke gelegt. Sanji lächelte bei dem Anblick. Obwohl er zugeben musste, dass Zorro wirklich stark abgebaut hatte, machte es ihn glücklich den Grünschopf schlafen zu sehen und bei ihm zu sein. Der Koch legte seine linke Hand auf Zorro´s Oberarm und strich sanft darüber.

„Hey, dein persönlicher Weckdienst bringt dir Kaffee ans Bett.“ sagte er dann, als er bemerkte, dass Zorro aufgrund der morgendlichen und ungewohnten Streicheleinheit langsam wach wurde.

Zorro brummte etwas Unverständliches in sich hinein und öffnete dann die Augen. Er sah in Sanji´s zufriedenes Gesicht und obwohl Zorro der wohl schlimmste Morgenmuffel der Welt war, so schmunzelte er bei diesem Anblick.

„Morgen.“ murmelte Zorro dann und legte seine rechte Hand auf Sanji´s Oberschenkel.

„Guten Morgen.“ erwiderte Sanji dann. „Du musst dir einen neuen Wecker kaufen.“ sagte er und warf dem Wecker einen kurzen Blick des Todes zu.

Verwirrt blickte Zorro von Sanji zum Wecker, richtete sich dann kurz auf und nahm die Tasse. „Was hast du gegen meinen Wecker?“ fragte Zorro.

„Der ist unerträglich laut. Ich bin vor Schreck fast aus dem Bett gefallen.“ stellte Sanji fest.

Zorro lachte kurz. „So laut ist der nicht. Ich find ihn zu leise.“ entgegnete Zorro müde, der einen weiteren Schluck trank und die Tasse zurück stellte. „Danke.“ fügte er bezüglich des Kaffee´s an.

„Der ist nicht zu leise. Du schläfst einfach nur viel zu tief.“ schmunzelte Sanji dann. „Du musst heute noch arbeiten, richtig?“ fragte er dann noch nach, ehe er aufstand und um das Bett herum ging.

Zorro setzte sich richtig auf, während Sanji dann seine Jeans und ein Paar Socken anzog. „Leider.“ antwortete Zorro. „Glaub mir, ich würde viel lieber hier bleiben.“

Sanji sah zu ihm und ihre Blicke trafen sich. „Keine Sorge. Ich laufe nicht weg, während du in der Kanzlei bist.“ sagte er. „Ich werde zuerst ein paar Telefonate erledigen.“

Der Grünhaarige nickte, stand auf und ging zu seinem Kleiderschrank. „Ich schicke dir später noch die Nummer von dem Scheidungsanwalt.“ sagte er, während er einen neuen Anzug hervor holte. „Schaffst du das denn? Ich meine, so ganz alleine zu sein, wenn du deine Telefonate erledigst.“

Zorro sah ihn dabei nicht an. Er zog seinen dunkelgrauen Anzug, das weiße Hemd und frische Socken an. Dann schob er die Tür des Kleiderschrankes zu und blickte dann in den Spiegel, der sich an der Schranktür befand. Sanji sah ihm ein wenig amüsiert dabei zu, wie Zorro versuchte auf Anhieb die dunkelrote Krawatte richtig zu binden.

„Keine Sorge, das kriege ich hin.“ sagte Sanji aufmunternd, der sich Zorro´s Gefummel jedoch nicht lange mit ansehen konnte. „Lass mich das machen.“ grinste der Blonde. „Ist ja kaum auszuhalten, was du da veranstaltest.“

Ein wenig erstaunt, aber auch verlegen blickte Zorro Sanji zuerst aus dem Augenwinkel an. Dann seufzte er jedoch und drehte sich zu Sanji um.

„Steht dir gut.“ merkte Sanji an, als Zorro dann auch die Weste des Anzugs anzog. „Ich liebe Dich, Zorro.“ fügte er hinzu.

Der Angesprochene, der noch das Jackett nahm, konnte sich ein kurzes Grinsen nicht verkneifen. „Und ich liebe Dich.“ sagte er und kaum hatte Sanji sich versehen, hatte Zorro ihm einen sanften Kuss aufgedrückt.

Sanji fühlte sich wie ein verliebter Teenager. Er himmelte Zorro schon damals an und das hatte sich offenbar nicht geändert. Er erwiderte den kurzen Kuss und folgte Zorro, der noch seinen Kaffee mitnahm, zurück in die Küche.
 

Nachdem Zorro sich schweren Herzens bis zum frühen Abend von Sanji verabschiedet hatte, war Sanji nun allein in der Wohnung. Er blickte auf die zwei Schlüssel, die Zorro ihm gegeben hatte und die Sanji noch in der Hand hielt. Sie waren durch einen Schlüsselring verbunden und Zorro hatte sie aus einer der Schubladen in der Küche genommen. Ersatzschlüssel hatte sein Vater und diese Schlüssel waren übrig geblieben. Sanji legte die Schlüssel auf die schmale Kommode, die sich in der Nähe der Eingangstür befand und machte sich dann daran seinen Kaffee zu leeren, neuen Kaffee aufzusetzen und sich samt Kaffee, Handy und Laptop an den Esstisch zu setzen. Ein wenig überfordert saß er nun um kurz vor acht Uhr vor dem Laptop. Was war der erste Schritt, den er nun gehen musste? Abgesehen von einem Termin bei dem Scheidungsanwalt, auf dessen Nummer er ja noch wartete, was war alles zu tun? Er entschied sich zu einem Anruf bei Jeff. Alle offenen Fragen, die der Koch hatte, konnte er schließlich auch mit dem Anwalt klären. Mit dem Menschen, der beruflich Tag ein Tag aus damit zu tun hatte. Sanji nahm an, dass vermutlich das Schlimmste an der ganzen Sache war, dass er sich mit Jeff auseinander setzen musste.

Sanji nahm sein Handy in die Hand, entfernte die Tastensperre und blickte ein wenig ratlos auf das Display. Was sollte er ihm denn nun sagen? Sanji wollte derjenige sein, der es Jeff zuerst berichtete. Er wollte nicht, dass Jeff es von Chasey oder ihren Eltern erfuhr. Jetzt, wo er darüber nachdachte, befürchtete er, dass es vielleicht dafür schon zu spät sein könnte. Immerhin war es beinahe vierundzwanzig Stunden her, dass er sich von Chasey getrennt hatte und sie hatte ihre Eltern mit ziemlicher Sicherheit bereits davon in Kenntnis gesetzt. Doch wenn es wirklich so war, wieso hatte Jeff dann noch nicht angerufen, um Sanji am Telefon den Marsch zu blasen und ihn anzubrüllen?

Der Koch seufzte schwer auf, fasste dann seinen ganzen Mut zusammen, wählte Jeff´s Nummer und rief ihn an. Es nützte alles nichts. Er musste tun, was getan werden musste. Während das Tuten begann zündete er sich eine Zigarette an und dann wartete er. Als Jeff jedoch nicht ans Telefon ging legte Sanji wieder auf. Ihm fiel ein, dass Jeff vermutlich schon schlief, denn in Sydney war es gerade aufgrund der Zeitverschiebung ein Uhr in der Nacht. Er entschied sich dazu einfach zu warten, bis es in Sydney Morgen geworden war und Sanji sich sicher war, dass Jeff ans Telefon gehen würde.
 

Derweil hatte Zorro seinen ersten Klienten an diesem Tag um halb zehn verabschiedet. Es war ein älterer Mann, der trotz einer Krankenversicherung vor einer Woche dazu aufgefordert wurde eine Arztrechnung zu bezahlen. Zorro hatte Mitleid mit ihm und obwohl er noch die Fälle abarbeiten musste, die Shawn ihm übertragen hatte, hatte er dem Mann seine Hilfe nicht verwehren können. Eine anderthalb Stunde hatte das Gespräch mit dem Mann gedauert. Zorro hatte sich die Bedingungen der Krankenkasse komplett durchlesen müssen und auch gleich ein entsprechendes Schreiben aufgesetzt, in welchem Zorro Widerspruch eingelegt hatte.

„Hey, Dad. Hast du kurz Zeit?“ fragte Zorro, der an diesem Freitagvormittag das Büro seines Vaters nach kurzem Anklopfen betrat.

Shawn blickte zu ihm auf und nickte kurz. „Du hast einen guten Zeitpunkt erwischt.“ sagte er und deutete auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch. „Was gibt es?“ fragte er ruhig.

Zorro setzte sich seinem Vater gegenüber. „Als Erstes wollte ich mich noch mal für gestern früh entschuldigen.“ begann Zorro. „Und dann wollte ich dich fragen, ob du mir die Nummer von Jacob geben kannst.“

„Entschuldigung angenommen.“ sagte Shawn zuerst, der ihn dann jedoch ein wenig verwirrt ansah. „Was willst du mit Jacob´s Nummer?“ fragte er.

„Tja, nun, ich hab dir ja gesagt, dass Sanji aufgetaucht ist. Dass er seine Erinnerungen an mich verloren und sie jetzt wieder hat.“ sagte Zorro. „Er hat sich von seiner Frau getrennt und stand gestern Abend vor meiner Tür. Er braucht einen Scheidungsanwalt.“

Shawn sah ihn weiterhin verwirrt ansah. „Wow, das ging schnell.“ sagte er nur, da er nicht wusste, was er sonst sagen sollte. „Du weißt aber schon, was Jacob in der Stunde verlangt?“ fragte Shawn nach.

„Das kann ich mir denken. Aber Sanji hat Rücklagen.“ erwiderte Zorro.

„Das mag ja sein. Aber ich bezweifle, dass das reicht. Jacob ist nicht einfach nur ein Scheidungsanwalt, Zorro. Da geht es um Beträge im sechsstelligen Bereich. Hunderttausend sind noch gering.“ sagte Shawn. „Ich kann dir gerne die Nummer geben, Zorro. Aber wieso fragst du nicht einfach mich?“

„Dich? Aber das wäre ein Interessenkonflikt. Du bist mein Vater und wenn Sanji und ich zusammen sind, dann handelt es sich um einen Interessenkonflikt.“ begründete Zorro, weshalb er seinen Vater nicht direkt gefragt hatte.

„Seid ihr denn zusammen?“ fragte Shawn ihn dann.

Diese Frage hatte Zorro unvorbereitet getroffen. Er wusste es nicht.

„Sieht du. So lange das nicht der Fall ist kann ich ihn vertreten. Egal, ob ihr euch liebt oder nicht. So lange ihr kein Paar seid ist das kein Problem.“ erklärte Shawn. „Außerdem bin ich bei Weitem nicht so teuer, wie Jacob. Ich mache deinem Blondschopf einen Freundschaftspreis. Und ich bin wirklich, wirklich gespannt drauf ihn endlich mal zu sehen.“ fügte er breit grinsend an.

„Dad.“ murrte Zorro, der dann die Augen verdrehte. „Lass deine Witze.“

„Was denn? Ich mach doch gar nichts.“ erwiderte sein Vater unschuldig. „Ach, eine Sache noch. Es wäre gut, wenn Sanji sich eine Wohnung besorgt. Wäre nicht von Vorteil, wenn ihr zusammen wohnt.“ fügte er wieder ernst an. „Ach, weißt du was? Ihr kommt morgen einfach zu uns. Andrew ist über das Wochenende bei einem Kumpel und da hätte ich genügend Zeit für Sanji. Ihn so schnell zwischen meine Termine zu quetschen ist ein wenig schwierig.“

„Zu euch? Morgen? Aber Karen ist doch dann auch da.“ stellte Zorro fest.

„Wo ist das Problem? Karen flippt aus vor Freude, wenn sie ihn kennenlernt. Du kennst sie doch.“ grinste Shawn breit, während Zorro die Augen verdrehte. „Ich sage ihr, sie soll etwas Leckeres kochen, dann essen wir gemeinsam, lernen den Mann deines Herzens endlich kennen und danach nehme ich ihn mit in mein Büro und du hilfst Karen beim Aufräumen.“

„Das wird so peinlich.“ seufzte Zorro ein wenig genervt.

Doch was tat er nicht alles, um Sanji zu helfen? Er würde alles für seinen blonden Koch tun.

„Ist gut. Ich sag ihm Bescheid.“ sagte Zorro schließlich, ehe er das Büro seines Vaters verließ und in sein eigenes Büro ging.

Dort rief er Sanji an und setzte ihn von dem Plan seines Vaters in Kenntnis.

„Hört sich doch toll an.“ hörte Zorro den Blonden fröhlich sagen. „Dann lerne ich endlich deinen Vater und Karen kennen. Ich war schon immer gespannt darauf, wie sie sind.“

„Peinlich. Das sind sie.“ grummelte Zorro ein wenig.

Sanji lachte kurz. „Ach, was. Das wird lustig.“ grinste Sanji ins Telefon.
 

Als Zorro am frühen Abend nach Hause kam und die Wohnungstür öffnete, stieg ihm ein so leckerer Geruch in die Nase, dass er sofort spürte, was für einen riesigen Kohldampf er doch hatte. Er hatte nicht mal Zeit in der Mittagspause die Kanzlei zu verlassen, um bei der Bäckerei um die Ecke, bei der er sich jeden Tag etwas zu Essen besorgte, etwas zu kaufen. Er betrat den großen Raum, in dem sich sowohl das Wohnzimmer, das Esszimmer als auch die Küche befand. Zorro lächelte kurz, als er Sanji in seiner Küche, die sonst nie benutzt wurde, werkeln sah.

„Hey.“ sprach Zorro den Koch dann an, während er seine schwarze Aktentasche und das dunkelgraue Jackett achtlos auf die Couch warf.

Seine schwarzen Business-Schuhe hatte er bereits bei der Tür ausgezogen und so kam er nun zu der Theke, die die Küche und das große Wohnzimmer voneinander trennte.

„Hey.“ lächelte Sanji dem jungen Anwalt entgegen, der gerade seine Weste auszog, seine Krawatte lockerte und die beiden obersten Knöpfe seines Hemdes öffnete. „Ich hoffe, dass du Hunger mitgebracht hast.“ fügte Sanji an, der den Herd ausschaltete. „Ich muss zugeben, ich war schon ein wenig schockiert, dass ich außer Alkohol und einer Flasche Ketchup nichts in deinem Kühlschrank gefunden habe.“ sagte er ein wenig mahnend. „Ich war mal so frei und war einkaufen.“

Zorro bemerkte den leichten Vorwurf in Sanji´s Stimme, doch dessen sanften Lächeln am Schluss zeigte Zorro, dass er es nicht böse meinte.

„Hätte ich das alles hier geahnt, dann wäre ich selbst einkaufen gegangen.“ sagte Zorro, während er sich an den Tisch setzte.

Sanji lachte kurz und richtete auf zwei Tellern das Essen an. „Ich denke, das wäre vermutlich auch nicht besser gewesen. Ich würde mein Motorrad darauf verwetten, dass du nur ungesundes Zeug und Fertiggerichte gekauft hättest.“

Auch Zorro musste kurz lachen. „Gut möglich.“ stimmte er dem Koch zu.

„Wie war dein Tag?“ fragte Sanji dann, als er die Teller auf den Tisch stellte und sich Zorro gegenüber an den Tisch setzte.

„Smalltalk also, hm?“ erwiderte Zorro mit vollem Mund.

Ein wenig verwundert sah Sanji zu ihm. „Willst du über etwas Bestimmtes reden, Zorro?“ hakte Sanji dann nach und begann ebenfalls mit dem Essen.

„Keine Sorge.“ schmunzelte Zorro. „Das war nur ein Scherz.“

„Zieh mich nicht auf.“ murmelte Sanji.

„Na ja. Aufgrund meiner Schweigepflicht darf ich natürlich nicht so viel verraten. Aber ich hab heute zum ersten Mal einen eigenen Klienten gehabt.“ sagte Zorro und klang dabei etwas beiläufig.

„Dein erster, eigener Klient? Wie darf ich das verstehen?“ fragte Sanji.

„Bisher hat mein Vater mir Klienten von sich zugeschoben. Er ist der Meinung, dass ich erst mal ordentlich Geld verdienen soll, ehe ich mich pro bono um bedürftige Menschen kümmere.“ antwortete Zorro. „Ich soll mir erst Rücklagen schaffen. Er hat nichts gegen mein Vorhaben, er findet es gut. Aber er ist der Meinung, dass ich nicht mein Leben lang kostenlos Leute vertreten kann.“

„Da hat er ja auch nicht ganz unrecht.“ stimmte Sanji Shawn somit zu. „Dann verdienst du nichts. Aber hin und wieder pro bono zu arbeiten ist doch auch gut. So verdienst du trotzdem dein Geld und hilfst zusätzlich noch anderen Menschen.“ sagte der Blonde, der Zorro dann anlächelte. „Ich find es toll, dass du das machst.“

„Ich finde es einfach ungerecht, was manchen Menschen widerfährt. Ich weiß nicht, ich kann es einfach nicht mit meinem Gewissen vereinbaren diesen Leuten nicht zu helfen.“ erklärte Zorro kurz. „Übrigens soll ich dir noch mal Grüße von meinem Vater ausrichten.“

Als Sanji das hörte lächelte er. „Danke. Ich freu mich auf morgen.“

„Ich bin schon froh, dass Andrew nicht da ist. So ist wenigstens etwas Ruhe.“ warf Zorro ein, der einen Schluck Wasser trank.

„Ist er immer noch so aufgedreht?“ wollte Sanji wissen.

Zorro nickte. „Aber es ist besser geworden. Nicht viel, aber immerhin.“

„Ich freue mich, dass ihr euch alle so gut versteht.“ lächelte Sanji.

„Hast du Jeff erreicht?“ fragte Zorro dann, worauf der Blonde seufzte.

„Nein. Ich hab wegen der Zeitverschiebung extra noch ein paar Stunden gewartet und noch ein paar Mal angerufen. Aber er ging nicht ran.“ antwortete Sanji. „Ich befürchte, dass er es bereits gehört hat und nicht ans Telefon geht, weil er meine Nummer sieht, wenn ich anrufe.“

„Vielleicht hat er auch einfach zu viel zu tun.“ stellte Zorro fest.

Sanji Blick sprach nach dieser Aussage Verwunderung aus. „Nimmst du Jeff gerade in Schutz?“

Für einen Moment wusste Zorro nicht, was er darauf antworten sollte. „Was?“ war das Einzige, was aus Zorro´s Mund kam, denn er verstand nicht, worum es hier nun ging.

„Bist du denn nicht wütend auf Jeff?“ fragte Sanji.

„Wieso sollte ich wütend auf einen alten Mann sein?“ stellte Zorro ihm eine Gegenfrage.

„Na ja, bei dem, was er angerichtet hat? Es ist seine Schuld, dass alles so gelaufen ist.“ warf Sanji ein.

„Ich würde eher sagen, dass das alles eine Verkettung unglücklicher Zufälle und Entscheidungen war. Ich war lange sauer auf ihn. Und dann war ich sauer auf dich. Aber jetzt bist du hier. Warum sollte ich da noch wütend auf einen alten Menschen sein, der seine eigenen Ansichten vom Leben hat?“ erklärte Zorro.

Erneut sah Sanji ihn verwundert an. „Man, so etwas bin ich gar nicht von dir gewohnt. Bist wohl erwachsen geworden, was?“ fragte er grinsend.

„Scheint so.“ schmunzelte Zorro.
 

Den Rest dieses Freitagabends verbrachten sie gemeinsam auf der Couch vor dem Fernseher. Ein wenig Ruhe nach diesen ereignisreichen Tagen tat Beiden ganz gut. Und sie genossen es. Die ungestörte Zweisamkeit. Zorro verspürte, seit Sanji am vorigen Abend vor seiner Tür gestanden hatte, nicht ein einziges Mal mehr das Verlangen nach Alkohol. Und das, obwohl er in der gesamten Wohnung verschiedenen Alkohol verstaut hatte. Für ihn fühlte es sich an, als hätte er es überwunden, weil er nun vollständig war. Der Mann, den er so sehr vermisst hatte und liebte, war endlich bei ihm. In seiner Wohnung. Auf seiner Couch. Lag in seinen Armen. Zorro hatte endlich das, was er sich mehr als alles andere gewünscht hatte.

Chapter Twenty Four

In dieser zweiten Nacht, in der sie sich endlich wieder hatten, blieb es nicht nur beim Schlafen. Zorro teilte sein Bett mit dem Blonden in dieser Nacht nur zu gerne. Sie beide versanken in einem Akt der Leidenschaft, der noch so viel intensiver für sie war, als das, was sie bisher miteinander erlebt hatten. Sie genossen jede Berührung des Anderen. Jeden Kuss. Sie gaben sich einander völlig hin, ganz so, als wären sie in einer anderen Welt. Einer Welt, die nur aus ihnen bestand. In der das, was geschehen ist, niemals passiert war. In der es nicht die Probleme gab, die womöglich in der Zukunft auftauchen würden. In der es nur ihre Liebe gab. Ihre Körper verlangten nach dem des Anderen und sie waren erst zufrieden, als sie miteinander verschmolzen.
 

Der nächste Tag kam schneller, als sie gewollt hatten. Sanji wurde erneut von seinem Todfeind aus dem Schlaf gerissen. Dieser schrie seinen schrecklich nervenden Ton mit voller Kraft aus den Boxen. Der Ton kratzte aufgrund der Lautstärke und es fühlte sich an, als würde er direkt das Gehirn ankratzen. Sanji wusste sofort, dass dieser Wecker in seiner Anwesenheit nicht lange glücklich sein würde. Fuchsig blickte er den Wecker an, als er aufgestanden und zu dem kleinen, schwarzen Gerät gegangen war.

„Stirb.“ murmelte er verärgert in sich hinein, während er auf den Knopf drückte, der das Ding endlich zum Schweigen brachte.

Der Wecker zeigte ihm, dass es halb zehn an diesem Vormittag war. Etwas genervt fuhr er sich durch das Gesicht und schließlich durch die Haare. Bis er schließlich eine warme Hand an seinen linken Fingern spürte. Diese griff zu und ehe der Blonde sich versah hatte sein Bettnachbar, der noch halb schlief, ihn zurück ins Bett gezogen.

„Warum so unfreundlich?“ brummte Zorro müde dem Koch entgegen. „Sei nicht so gemein zu meinem Wecker.“

Sanji, der nun neben Zorro lag und von diesem umarmt wurde, drehte sich auf die rechte Seite und sah den Grünhaarigen an. Ein freches, müdes Grinsen zeichnete sich auf dessen Lippen ab.

„Er schikaniert mich.“ setzte Sanji sich zur Wehr, konnte sich jedoch ebenfalls ein Grinsen nicht verkneifen.

Sanji drückte Zorro einen sanften Kuss auf, ehe er sich aus dessen Griff bereite und aufstand.

„Wo willst du hin?“ murmelte der Größere der Beiden.

„Duschen. Wenn wir um zwölf bei deinen Eltern sein sollen, dann muss ich mich fertig machen.“ antwortete der Blonde.

Zorro schmunzelte kurz, vergrub seinen Kopf dann jedoch mit einer abwinkenden Handbewegung wieder in sein Kissen. Er hatte ganz vergessen, dass Sanji schon früher länger gebraucht hatte, um sich herzurichten, als es bei Zorro selbst der Fall war.

„Ich setze aber schon mal Kaffee auf.“ sagte Sanji dann, während er seine Sachen nahm und schon verschwand.
 

Während Sanji im Bad war schälte Zorro sich widerwillig aus dem Bett. Wie am gestrigen Tage wäre es ihm auch heute lieber gewesen den ganzen Tag gemeinsam mit Sanji zu Hause zu verbringen. Am Liebsten in seinem Bett. Nun, da er wieder auf den Geschmack gekommen war, fiel es ihm ziemlich schwer überhaupt an etwas anderes zu denken. Und so, wie er nun in Shorts bekleidet in der Küche stand, Kaffee trinkend aus dem Fenster sah und über die letzte Nacht nachdachte, bemerkte er, dass sich etwas zwischen seinen Beinen regte. Dass er das Wasser in der Dusche plätschern hörte, machte es nicht besser, denn angezogen stand man bekanntlich nicht unter der Dusche.

Sanji war in diesem Moment zu aufgeregt, um über das nachzudenken, worüber die Liebe seines Lebens gerade nachdachte. Er war gespannt darauf, wie Shawn und Karen waren. Er hatte in Zorro´s Briefen oder bei Telefonaten nur Gutes gehört, er konnte sich nicht vorstellen, dass sie ihn schlecht behandeln würden. Dennoch war er nervös.

„Hey.“ ertönte dann plötzlich die tiefe Stimme des Grünschopfes.

Sanji sah ihn ein wenig erschrocken an. Zorro stand völlig unbekleidet in der Tür der Dusche, die er geöffnet hatte.

„Bin gleich fertig.“ sagte Sanji, dem dann der Schaum des Shampoo´s von den Haare ins Gesicht lief, weshalb er die Augen schließen musste.

Sein Herz hatte einen heftigen Schlag gegen seine Brust verursacht, als er Zorro dort so hatte stehen sehen. Und natürlich war ihm nicht entgangen, dass Zorro scheinbar einen besonderen Grund hatte, weshalb er ins Bad gekommen war.

„Das könnte wahrscheinlich ein wenig länger dauern, als du geplant hast.“ raunte Zorro dem Blonden ins Ohr.

Sanji spürte ihn hinter sich und während er kurz den Schaum abspülte spürte er auch Zorro´s starke Hände, die erkundend über seinen schlanken Körper glitten.
 

Nach der gemeinsamen Dusche, die tatsächlich um einiges länger gedauert hatte als Sanji geplant hatte, zogen sie sich an und kaum eine Stunde später fuhren sie mit Zorro´s Auto zu Zorro´s Eltern. Er parkte seinen Wagen in der Einfahrt und stieg aus. Doch er bemerkte auch, dass Sanji nervös zu sein schien, weshalb er dessen Hand ergriff, sie kurz drückte und ihn dabei aufmunternd ansah.

„Wird schon schief gehen.“ grinste Zorro breit.

Sanji grinste ebenfalls. Es freute ihn, dass Zorro von sich aus die Hand des Blonden genommen hatte. Zorro gab ihm ein großes Gefühl der Sicherheit, was ihm dabei half über seine Nervosität wenigstens ein bisschen hinweg zu sehen.

Und kurz, nachdem Zorro geklingelt hatte, wurde die Tür geöffnet.

„Hi.“ lautete Zorro´s kurze Begrüßung, der dabei die freie Hand hob. „Dad, das ist Sanji. Sanji, das ist mein Vater Shawn.“ stellte er die Beiden kurz und knapp einander vor.

Sowohl Sanji als auch Shawn fiel auf, dass es Zorro ein wenig peinlich war. Ein Grund, der Shawn und Sanji Schmunzeln ließ.

Sanji war für einen kurzen Moment sprachlos gewesen, als Shawn die Tür geöffnet hatte. Er war groß und Zorro hatte seine Statur und sein Aussehen definitiv von seinem Vater. Auch Shawn war breiter gebaut und muskulös. Er hatte ein hübsches Gesicht und zwischen seinen braunen Haare glitzerten einige, graue Haare. Sanji wunderte sich allerdings über Shawn´s Aufzug.

„Hey. Schön, dich endlich mal kennen zu lernen.“ grinste Shawn breit und es war genau das selbe, freche Grinsen, was auch Zorro so gut beherrschte.

Sanji nahm die starke Hand zur Begrüßung entgegen und nickte. „Gleichfalls.“ lächelte Sanji.

„Entschuldige meinen Aufzug, aber ich muss die ganze Woche im Anzug herum laufen. Jogginghosen sind meine besten Freunde, wenn ich zu Hause bin.“ fügte Shawn grinsend an, der dann beiseite ging, damit die Beiden das Haus betreten konnten.

„Das macht doch nichts.“ schmunzelte Sanji, der seinem Freund ins Innere folgte.

„Karen!“ rief Shawn dann laut durch das Haus. „Er ist da!“ fügte er laut an und ging durch den Flur.

„Schon?“ rief sie zurück. „Ihr seid zu früh, das Essen ist noch nicht fertig!“

„Dann bist du zu spät dran, Karen. Wir sind auf die Minute pünktlich!“ rief dann auch Zorro, während Sanji und er selbst im Flur die Schuhe auszogen.

Sanji war amüsiert. Und er fühlte sich sofort wohl. Shawn allein hatte schon einen äußerst sympathischen Eindruck auf ihn gemacht. Und die Art, wie sie miteinander als Familie sprachen, fand er einfach zu lustig. Man spürte, dass sie sich liebten, obwohl sie sich ziemlich lautstark unterhielten. Er folgte dem Grünhaarigen geradeaus durch den Flur durch die offenstehende Tür aus Milchglas in die große Küche. Wegen der riesigen Fensterfront war die Küche lichtdurchflutet und man konnte von dort aus auch auf die große Terrasse gehen. Sanji ließ seinen Blick nach links schweifen und entdeckte einen großen Esstisch, an dem acht Personen Platz hatten.

„Shawn, kannst du bitte das Essen auf den Tisch stellen?“ fragte die blonde Karen, die dann zu fröhlich zu Sanji blickte und auf diesen zu kam. „Du bist also Sanji.“ grinste sie breit, umarmte ihn auch schon und drückte ihn fest. „Es ist so schön, dich endlich kennen zu lernen, Sanji. Zorro hat mir alles über dich erzählt und ich muss gestehen, ich hab sehnsüchtig darauf gewartet dich endlich kennenlernen zu dürfen.“ plapperte sie fröhlich vor sich hin.

Sanji, der von der herzlichen Begrüßung und der festen Umarmung ein wenig überrumpelt war, linste kurz zu Zorro, der kurz die Augen verdrehte und den Kopf schüttelte.

„Ich freu mich auch.“ lächelte Sanji Zorro´s Stiefmutter entgegen, die wohl trotz ihres Alters mehr Mutter gewesen war, als seine leibliche Mutter.

„Los, setz dich.“ forderte sie ihn dann weiterhin fröhlich auf.

Zorro und Shawn hatten sich schon längst gesetzt und taten sich gerade ordentliche Portionen auf ihre Teller auf.

„Ich bin zwar keine Sterneköchin, aber ich hoffe trotzdem, dass es dir schmeckt.“ lächelte sie dem Koch entgegen, während sie sich neben ihre Lieben setzten.

„Ich mag Hausmannskost.“ stellte Sanji ebenso freundlich fest. „Und so schlecht kann das Essen nicht sein.“ fügte er grinsend an und deutete auf die vollen Teller von Shawn und Zorro.

Karen lachte kurz herzlich. „Das ist nett.“ sagte sie. „Aber keiner von denen kann kochen. Die essen alles, was auch nur ansatzweise nach etwas schmeckt.“ grinste sie.

Sanji lachte kurz und begann dann ebenfalls zu essen.

„Wir haben gestern früh von Zorro erfahren, dass du einen Unfall hattest.“ warf Karen dann ein und prompt wurde die Stimmung ernst.

Zorro brummte genervt und sah sie auch ebenso an. „Muss das jetzt sein?“ fragte er sie.

Unschuldig sah sie ihn an. „Lass mich doch erst mal ausreden.“ erwiderte sie und sah wieder zu dem Blonden. „Dass du dein Gedächtnis verloren hast und dich erst so viel später an Zorro erinnert hast.“ fuhr sie fort. „Das war bestimmt hart für dich, oder?“

Sanji war einige Momente zu perplex, um darauf zu antworten, doch dann tat er es. „Ich verstehe immer noch nicht, warum ich mich an alles erinnert habe, bloß an Zorro nicht. Auch nicht, als ich seine Briefe gelesen und Geschenke gesehen hab.“

„Ich hab eine Freundin. Der Mann ihrer Schwester ist ein Neurochirurg. Ich könnte ihn fragen, wenn es dich interessiert.“ schlug sie vor.

„Karen.“ mahnte Zorro sie an. „Dich interessiert es wahrscheinlich am Meisten von uns. Und du wirst doch so oder so nachfragen.“

„Na, hör mal, Zorro. Das ist ein tierisch interessantes Thema. Außerdem wollte ich ihn zuerst fragen. Vielleicht stört es ihn, wenn wildfremde Leute sich über so etwas privates austauschen.“ warf Karen ein.

„Schon in Ordnung. Um ehrlich zu sein interessiert es mich mindestens genau so.“ sagte Sanji dann. „Ich hatte bis jetzt in der kurzen Zeit nur noch keine Gelegenheit mich zu informieren.“

Erstaunt sah Zorro ihn an. Er ärgerte sich über sich selbst, dass er Sanji nicht ein einziges Mal danach gefragt hatte, wie er sich damit wohl fühlt.

„Ich kann gerne dafür sorgen, dass du zügig einen Termin bei ihm bekommst.“ schlug Karen vor.

„Mit Vitamin B geht das Ruckzuck. Immerhin war es ja ein echt heftiger Unfall und es scheint sich ja etwas getan zu haben vorletzte Nacht. Vielleicht wäre es gar nicht schlecht, wenn sich das jemand ansieht. Nur zur Sicherheit.“

Sanji war mit diesen Informationen wieder recht überfordert, doch er war Karen auch wirklich dankbar für diese Fürsorge.

„Dad.“ warf Zorro dann ein.

Fragend blickte Shawn von seinem Essen auf. „Hm?“ gab er zuerst nur von sich, da er nicht verstand, was für ein Problem Zorro hatte. „Also ich finde, dass Karen vollkommen Recht hat. Lieber ein Mal zu viel beim Arzt, als zu wenig. Du stimmst mir doch zu, oder, Zorro?“

Der Angesprochene überlegte kurz und sah dann zu Sanji. „Ja, das tue ich.“

„Gut, dann erkläre ich ihm die Sache und mache direkt einen Termin aus.“ nickte Karen, die sich kurz einen Vermerk in dem Kalender ihres Handy´s machte, damit sie es auch wirklich nicht vergaß. „So und nun zu euch beiden Hübschen.“ lockerte sie die Stimmung wieder auf. „Was habt ihr nun vor? Heiratet ihr, wenn die Scheidung durch ist? Wie sieht es mit Kindern aus? Adoptionen sind mittlerweile ja absolut kein Problem mehr für gleichgeschlechtliche Paare und es gibt viele Kinder, die ein zu Hause suchen.“ plapperte sie erneut fröhlich vor sich hin.

Während Sanji wegen diesen Fragen einfach nur sprachlos da saß verschluckte Zorro sich an einem Stück Fleisch und hustete deswegen ziemlich. Shawn klopfte seinem Sohn, lachend wegen dessen Reaktion, ein Mal kräftig auf den Rücken und verhinderte somit ein eventuelles Ersticken. Auch Karen lachte herzlich.

„Keine Sorge, Jungs. Das war nur ein Witz.“ sagte sie lachend.

Auch Sanji stimmte dann nach der anfänglichen Fassungslosigkeit in das Lachen ein.

„Ja, wirklich, sehr witzig.“ murmelte Zorro, der einen Schluck trank und sich dann schließlich ein Grinsen dennoch nicht verkneifen konnte. „Ich hab es dir gesagt. Dass sie peinlich sind.“ warf Zorro dann ein und sah dabei zu Sanji.

„Peinlich? Wieso sind wir denn bitte peinlich?“ fragte Karen. „Na, schönen Dank auch.“ schmunzelte sie.

„Wir ziehen dich doch nur auf.“ grinste Shawn, der kurz darauf seinen Teller geleert hatte.

„Was auch wunderbar funktioniert.“ murrte Zorro.

„Nein, ernsthaft.“ warf Karen dann ein. „Jetzt habt ihr euch endlich nach so langer Zeit wieder.“

Shawn stand auf und holte noch etwas zu trinken. „Wir klären das alles, Karen. Das hab ich dir doch schon gesagt. Deswegen sind Sanji und ich doch gleich in meinem Büro.“

„Ach, stimmt ja.“ sagte sie ein wenig verlegen. „Tut mir leid. Ich war so aufgeregt und hab mich so auf heute gefreut, dass ich das einfach vergessen hab.“
 

Nachdem sie sich noch etwas bei einem Kaffee unterhalten hatten, folgte Sanji Zorro´s Vater nach oben in dessen Arbeitszimmer. Dort setzte Shawn sich an seinen Schreibtisch und Sanji setzte sich ihm gegenüber. Sanji sah zu, wie Shawn einen Notizblock mit gelbem, linierten Papier vor sich auf den Tisch legte und einen Kugelschreiber in die Hand nahm.

„So. Das Wichtigste zuerst. Du und Chasey, ihr habt ein gemeinsames, erfolgreiches Restaurant in New York und ihr habt das Haus. Was ist mit anderem Vermögen? Geld, Wertgegenstände, Möbel, Kleidung, Fahrzeuge.“ war Shawn´s erste Frage an Sanji.

Er musste zugeben, dass es die allein schon in sich hatte. Dass das kein Zuckerschlecken werden würde war ihm bewusst gewesen, doch in jetzt hier in dieser Situation zu stecken und es wirklich zu tun war schon etwas anderes.

„Wir getrennte, private Konten. Dann haben wir das Geschäftskonto und ein gemeinsames Konto. Ich weiß nicht, was sie auf ihrem Konto hat, darauf habe ich keinen Zugriff und sie hat auch keinen Zugriff auf mein Privatkonto. Auf dem Geschäftskonto liegen sicher zwischen dreißig und vierzigtausend Dollar. Darauf werden jeden Montag, wenn das Restaurant Ruhetag hat, die Einnahmen eingezahlt. Die Kosten für das Restaurant, Anschaffungen dafür und auch die Einkäufe werden davon getätigt. Und die Mitarbeiter werden davon natürlich auch jede Woche bezahlt.“ erklärte Sanji. „Auf meinem Privatkonto habe ich mir ein paar Rücklagen geschaffen. Fünfzehntausend Dollar sind drauf. Und auf unserem gemeinsamen Konto müssen nach Abzug von dem Urlaub noch fünftausend Dollar sein.“ fügte er an und sah zu, wie Shawn alles stichpunktartig aufschrieb.

„Was ist mit Bargeld?“ fragte Shawn dann nach.

„Stimmt, das habe ich ganz vergessen. Für den Fall der Fälle haben wir noch von unseren Geldgeschenken zur Hochzeit zehntausend Dollar im Safe, der in meinem Arbeitszimmer steht.“ antwortete Sanji.

„Kommen wir zum Haus und zu der Einrichtung.“ sagte Shawn.

„Davon hab ich keine Ahnung. Das Haus war auch ein Geschenk zur Hochzeit und bereits komplett eingerichtet. Ich bin aber auch ganz ehrlich, ich hab überhaupt kein Interesse an dem Haus oder dem Mobiliar. Das kann sie gerne alles haben. Ebenso, wie ich komplett auf das Restaurant verzichte.“ erklärte Sanji, was Shawn sichtlich wunderte, der deshalb aufhörte zu schreiben.

„Du willst es ihr einfach so überlassen?“ fragte Shawn verwundert nach.

Sanji nickte. „Das Einzige, was ich möchte, sind meine privaten Papiere, den Inhalt meines Schreibtisches und meine Klamotten. Nun ja, das Geld auf meinem Privatkonto wäre natürlich auch praktisch. Aber wenn sie es möchte, dann kann sie auch das haben.“ antwortete der Blonde. „Und mein Motorrad kann sie auch behalten.“

Shawn lehnte sich in seinem Chefsessel zurück, faltete die Hände ineinander und sah den Blonden an.

„Bist du dir sicher? Wenn sie dem zustimmt, dann ist die Sache schnell vom Tisch. Aber du weißt schon, dass dir damit viel Geld durch die Lappen geht, oder?“ hakte Shawn nach.

Erneut nickte der Blonde. „Dessen bin ich mir bewusst. Als Startkapital wäre das Geld auf meinem Privatkonto natürlich gut. Aber ich bin ein ausgezeichneter Koch und würde in jedem Restaurant sofort anfangen können. Am Geld sollte es also nicht scheitern. Ich möchte das alles nur so schnell wie möglich hinter mich bringen. Das hat alles schon viel zu lange gedauert.“

„Ich verstehe.“ sagte Shawn dann und machte sich erneut ein paar Notizen. „Ich werde als Erstes die üblichen Scheidungspapiere aufsetzen. Da es über mich und meine Kanzlei läuft brauchst du mir auch nicht sofort eine eigene Adresse zukommen lassen. Das kannst du nachholen.“ erklärte er. „Sie wird sich sehr wahrscheinlich auch einen Anwalt nehmen. Dieser reagiert auf die Scheidungspapiere und dann sehen wir weiter. Ich werde allerdings ein direktes Schreiben an Chasey verfassen in dem ich als dein Anwalt darum bitte, dass sie deine Kleidung, Papiere, persönlichen Dinge und den Inhalt deines Schreibtisches unversehrt an meine Kanzlei sendet. Ich setze ihr dafür auch eine Frist. Es wäre gut, wenn du mir eine Auflistung von allem machen könntest, was du haben möchtest. Falls sie etwas aus Wut zerstört, beispielsweise deine Kleidung in Brand steckt oder Ähnliches, dann kannst du sie auf Schadenersatz verklagen und sie schuldet dir einen gewissen Geldbetrag.“

„So lange sie nichts zerstört, was in meinem Schreibtisch ist, ist mir eigentlich völlig egal, was mit meinen Sachen passiert.“ warf Sanji ein.

„Dürfte ich fragen, was sich so Wichtiges in deinem Schreibtisch befindet?“ wollte Shawn dann wissen.

„Zorro´s Briefe. Und seine Geschenke. Alles, was er mir je geschickt hat.“ antwortete Sanji. „Diese Dinge sind das Wichtigste in meinem Leben. Nichts, was ich sonst besitze, hat auch nur annähernd so einen hohen Wert für mich.“

Shawn bemerkte, dass Sanji emotional wurde. Die Stimme des jungen Mannes wurde zittrig und er schien sich wirklich große Sorgen darum zu machen, was Chasey wohl damit anstellen könnte.

„Ich wusste ja, dass ihr euch liebt. Sehr sogar. Aber, dass diese Dinge dir so viel bedeuten.. Ich bin froh, dass mein Sohn von jemandem wie dir geliebt wird. Jemandem, dem alles Geld der Welt dermaßen egal ist.“ gab Shawn dann ehrlich zu, was Sanji erstaunte. „Zorro ist wie ausgewechselt, seit du gestern Abend vor seiner Tür gestanden hast. Er ist zwar immer noch ein Griesgram, doch er ist glücklich und sieht völlig zufrieden aus. Und davon mal abgesehen war heute der erste Tag seit langer, langer Zeit, an dem er nicht nach Alkohol gerochen hat. Ich hab mir wirklich große Sorgen um ihn gemacht. Dass er endet, wie seine Erzeugerin. Ich bin dir wirklich dankbar dafür, Sanji.“

Der Blonde wusste nicht, was er darauf sagen sollte. Sprachlos saß er diesem starken Mann gegenüber, der sich ihm hier so öffnete.

Shawn schrieb sich dann noch ein paar Dinge auf. So benötigte er zum Beispiel die Adresse von Chasey, an die er die Scheidungspapiere und das persönliche Anschreiben mit der Auflistung schicken würde. Sanji versprach, dass er Shawn diese Auflistung am Montag zukommen lassen würde. Immerhin kannte er seine Sachen und konnte mühelos aufschreiben, was genau er haben wollte.
 

Nachdem die Beiden also nun einen Plan ausgearbeitet hatten, dem sie vorerst folgen würden, in der Hoffnung, dass Chasey der Scheidung zustimmte und das mit der Auflistung hin nahm, begaben sie sich wieder nach unten.

Zorro hatte in der Zeit Karen beim Aufräumen geholfen und nun, nach zwei Stunden, saßen sie auf der Terrasse am Tisch und tranken erneut einen Kaffee. Es war bereits halb fünf an diesem Nachmittag. Sanji hatte Shawn noch einige Informationen gegeben, die er für die Scheidungspapiere genötigte, wie zum Beispiel, wann sie geheiratet hatten. Nun nahmen auch Shawn und Sanji draußen Platz.

„Ich erzähle Zorro gerade, was Andrew sich geleistet hat in der Schule.“ sagte Karen zu ihrem Ehemann, der daraufhin seufzte.

„Ja, nun, wir dachten, dass du vielleicht mal mit Andrew sprechen könntest. Immerhin sieht er dich als seinen großen Bruder. Vielleicht hast du mehr Einfluss, als wir.“ sagte Shawn dann.

„Was ist denn passiert?“ fragte Sanji, der fand, dass sich das nicht gut anhörte.

„Andrew hat da einen gewissen Kumpel.“ antwortete Karen. „Er stiftet Andrew seit ein paar Wochen ständig zu Blödsinn an. Erst hat es ganz harmlos mit Streichen angefangen. Jetzt wurde Andrew am Mittwoch mit Gras in der Tasche erwischt.“

„Ernste Sache.“ warf Zorro dann ebenso ernst ein. „Ich knöpf ihn mir vor.“

„Aber übertreib es nicht.“ sagte Shawn.

„Quatsch. Ich nehm ihn einfach unter meine Fittiche. Der Junge braucht einfach nur mehr Freizeitbeschäftigungen. Ich nehm ihn am Montag mit ins Fitnessstudio.“ sagte Zorro. „Er ist Vierzehn. Alt genug, um mit dem Training anzufangen.“ fügte er grinsend an.

„Ich hab es ihm auch schon angeboten, aber er hat abgelehnt.“ warf Shawn ein.

„Was erwartest du? Du bist alt und uncool.“ lachte Zorro kurz.

„Hey!“ protestierte Shawn gespielt.

„Ich bin einfach der coole, große Bruder. Ich mach das schon. Und wenn das nicht hilft, dann schnapp ich mir einfach diesen kleinen Hosenscheißer, der ihm das Gras gibt.“ bestimmte Zorro.

Sanji fiel auf, dass Karen Zorro regelrecht anhimmelte. Doch ebenso sah sie auch zu Shawn, als er wieder das Wort erhob.

„Übertreib es nicht.“ mahnte Shawn seinen Sohn an.

Karen blickte wieder zu Zorro. „Ich danke dir, Zorro.“

„Warum habt ihr nicht schon eher was gesagt?“ fragte Zorro dann.

Karen und Shawn sahen sich kurz an, dann wieder zu dem Grünhaarigen. „Nun, du warst ja nun nicht wirklich in der besten Verfassung.“ sagte Shawn.

„Wir wollten dich damit nicht auch noch belasten. Du hattest mit deinen eigenen Dämonen zu kämpfen.“ sagte Karen, deren Blick nun voller Mitleid war. „Es tut mir leid, dass ich dir keine Hilfe war, Zorro.“ sagte sie dann.

„Du konntest mir nicht helfen.“ erwiderte er ernst. „Dir brauch nichts leid zu tun. Also lass das, Karen.“

Sanji spürte erneut diese familiäre Liebe, die diese Menschen um ihn herum ausstrahlten und für einander fühlten. Das ganze Haus war damit erfüllt. Der blonde Koch fühlte sich unglaublich wohl in dieser Familie, die auch so viel durchgemacht hatte. Bis schließlich Karen und Andrew in ihr Leben getreten sind.

Nach einer Weile verabschiedeten Sanji und Zorro sich durch herzliche Umarmungen von Karen und Shawn, ehe sie wieder zu Zorro´s Wohnung fuhren. Sanji erzählte Zorro, was er alles mit dessen Vater besprochen hatte und wie es nun weitergehen würde. Auch, dass er sich auf Shawn´s Rat hin gleich am Montag um eine Wohnung kümmern würde. Natürlich würde er sehr wahrscheinlich die meiste Zeit bei Zorro verbringen, doch eine eigene Adresse, die nicht mit Zorro in Verbindung gebracht werden konnte, war ein kluger Schachzug. Shawn hatte Sanji auch gesagt, nachdem dieser das Gleiche angesprochen hatte wie Zorro am Tag zuvor, dass es so nicht zu einem Interessenkonflikt kommen würde. Und selbst wenn. Es war verstieß nicht gegen das Gesetz den Freund des eigenen Sohnes zu vertreten, Liebesbeziehung hin oder her. Immerhin stellte Sanji keine Ansprüche und jedes Gericht würde dem, was sie für Sanji verlangten, ohne Wenn und Aber sofort zustimmen. Während Zorro auf der Couch vor dem Fernseher saß und ein paar Chips aus der Tüte aß, saß Sanji am Esstisch und machte sich an die Auflistung. Er war sich sicher, dass ihm später noch etwas einfallen würde, weshalb er alles, was ihm spontan einfiel, niederschreiben wollte.



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Kommentare zu dieser Fanfic (73)
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Von:  Kiwilicious
2023-05-20T18:44:29+00:00 20.05.2023 20:44
Hey, bin grade über die FF gestolpert...
Oh mann, sie ist wirklich gut, lustig und dramatisch...
Ich hoffe so sehr, dass es noch weiter geht und Sanji und Zorro ein Happy End bekommen 😍
Von:  Mangamatcha
2023-02-22T20:33:43+00:00 22.02.2023 21:33
N´Abend Zorroline... Ich habe zwar erst vor kurzem deine FF entdeckt, aber ich bin auch begeistert! Bitte lass dich nicht unter kriegen und schreibe weiter. Ich bin total gespannt welches Ende da noch auf uns Leser zukommt. ^^ Liebe Grüße
Von:  Liesinski
2022-07-19T19:33:52+00:00 19.07.2022 21:33
Wow. Ich liebe die Fanfiction ❤️ die storie hat mich so mitgerissen! Ich hoffe du findest noch Motivation um sie zu ende zu bringen (und das bitte ohne weiteres Drama. Das überlebe ich nicht nochmal. Ich will die zwei einfach glücklich sehen)

Liebste Grüße
Antwort von:  Zorroline
21.07.2022 18:12
Ich danke Dir für die Treue, das rührt mich richtig T_T
Keine Sorge, es fehlt nicht mehr viel.. Ist nur nicht so leicht am Ball zu bleiben mit meinen zwei Söhnen xD Habe mich vor ein paar Tagen an das nächste Kapitel gesetzt, was mich aber zugegeben ein wenig wahnsinnig macht xD

Liebste Grüße zurück <3
Von:  YumeKahoko
2015-10-19T22:22:28+00:00 20.10.2015 00:22
Ok ich gebe zu so ganz stimmt meine voraussage nicht aber der Grundgedanke irgendwie.
Ich weiß da steht pausiert aber ich bitte dich auch hier inständig darum weiterzuschreiben. die Geschichte ist einfach zu gut und sie hat ein (hoffentlich happy) ende verdient. Also vollende bitte dieses Drama und lass diese beiden Idioten die sonst nichts gebacken kriegen sich wenigstens finden.

LG Yume-chan
Von:  YumeKahoko
2015-10-19T21:56:26+00:00 19.10.2015 23:56
Ich bin kurz davor einen Schreikrampf zu bekommen. Warum schafft dieses verfluchte aas nicht endlich seinen hintern hoch zu bewegen und zu seinem geliebten zu fahren. wenn er ihn wirklich so sehr liebt wie er immer beteuert dann sollte er das jetzt auf der stelle tun. und sanji der idiot sollte wenn er schon ein gewisses gefühl hat das etwas fehlt nicht einfach ins blau greifen und mit diesem dummen Suppenhuhn ein Kind zeugen.
Ich ahne schon ganz genau wie das ding ausgehen wird nämlich wahrscheinlich so:
chasey wird schwanger zoro beendet sein Studium und fährt dann erst endlich zu ihm. sanji erinnert sich erst nicht und Zorro ist dann sauer. er haut wieder ab und trinkt noch mehr. sanji dann endlich wieder bei sinnen will dann zu ihm sich entschuldigen merkt dann aber das er chasey mit seinem Kind nicht allein lassen kann. aus pflichtgefühl bleibt er also bei ihr. die jahre vergehen, Zorro ist ein erfolgreicher Anwalt aber fast Alkohol abhängig. sanji ist vater und erfolgreicher koch. beide sind immernoch total unglücklich verliebt. sie treffen sich wieder und sehen wie verflucht dumm sie all die jahre waren. und wenn das ding gut ausgehen soll dann finden sie sich genau an diesem punkt.
So vermute ich das ende und es kotzt mich an weil mich sowas immer total aufregt!!!!

Achso alles oben gesagte ist keine Kritik am Autor sondern an den zwei vollidioten die es nicht schaffen miteinander glücklich zu werden!!! ganz im Gegenteil ich mag deinen schreibstil und die geschichte an sich.
Deshalb flehe ich dich an *auf knie fall* bitte lass das ding gut ausgehen und die beiden sich glücklich finden und happy ever after ohne Konsequenzen. Biiiiiiiiiitte!!!!!!!!!

LG Yume-chan
Von: abgemeldet
2010-12-26T22:42:50+00:00 26.12.2010 23:42
die ff ist hammer o.O
die charakter von zorro und sanji sind einfach klasse

da treffen sie sich mal wieer und dann streiten die beiden nur
wie in der serie auch ^^
das ist echt klasse

sanji un zorro haben es aber auch nciht leicht ^^°
immer kommt ws neues ^^°


Von:  Hamsta-chan
2010-12-16T21:16:27+00:00 16.12.2010 22:16
wosch die beiden sind soooo ich weiß nicht wie ich es nennen soll... dumm? da haben sie sich gefunden und was tun sie? streiten? toll XD

LG Hamsta-chan
Von:  Clint-the-Archer
2010-12-15T19:42:47+00:00 15.12.2010 20:42
Wowowowowowowowow!!!!!
Ich dachte auch, jetzt wäre alles gut, oder zumindest manches.
Aber das?!
OMG! Armer, armer, armer, armer, armer Sanji und Zorro...

*ebenfalls um Happy End bettelt*
Von: abgemeldet
2010-12-15T15:32:43+00:00 15.12.2010 16:32
Ohoh o.o
Zuerst dachte ich jetzt ...is alles gut aber..
Oh armer Zorro ,armer Sanji v.v
Hoffentlich wird alles wieder so wie früher und sanji trennt sich von dieser Tussi T^T

*um Happy End bettel*
LG und schnell weiterschreiben (;
Von:  Clint-the-Archer
2010-11-21T19:20:27+00:00 21.11.2010 20:20
Verdammt!
Stirb mir ja nicht, Zorro!
Sanji braucht dich!
Du bist was Besseres als diese blonde ********!!!!

Schreib ganz schnell weiter!!!
Ich ertrag's nicht, wenn Zorro so traurig ist! Q.Q

LG
Super-P-chan


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