Prolog
Ich bemerkte die Präsenz hinter meinem Rücken erst, als eine Hand sich auf meine rechte Schulter legte und mich nicht gerade sanft zu der Person herum drehte, die wie aus dem nichts hinter mir aufgetaucht war.
Mein erster Instinkt war es, mich gegen den eindeutlichen Angriff zu wehren – hielt jedoch inne, als ich erkannte wer da vor mir stand.
Für den Bruchteil einer Sekunde starrte ich Sasuke ins Gesicht und vergaß bei dem vertrauten und doch so fremden Anblick meiner Jugendliebe einen Moment lang wo ich mich befand. Was Sasuke sofort ausnutzte. Sein Griff um meine Schulter verfestigte sich und mit einer schnellen Bewegung seinerseits drängte er mich ruppig ein paar Schritte rückwärts, bis mein Rücken unsanft gegen die kühle Wand des Halbdunklen Gages stieß, in dem wir uns befanden.
»Was tust du hier…«, verlangte Sasuke drohend und mit einer viel zu ruhigen und beherrschten Stimme von mir zu wissen, als er sich vor mir zu seiner vollen Größe aufbaute. »… kleine Kirschblüte?«
Um mich weiter zu bedrängen und einzuschüchtern stemmte er zusätzlich seine linke Hand an der kalten Steinmauer direkt neben meinem Kopf ab.
Ich erschauerte – doch nicht vor Angst. Im Gegenteil. Sein plötzliches Erscheinen; sein Duft – der so schmerzlichst vertraut und doch so fremd war; seine plötzliche Nähe, entfachte ein Feuer in mir, dass mein Hormonhaushalt komplett durcheinander brachte. Ein Zittern erfasste meine Glieder; gleichzeitig wurde mir unsagbar heiß. Mein Herz klopfte wie verrückt, das Blut rauschte mir in den Ohren, während mein Magen überhaupt nicht mehr aufhören wollte, aufgeregt Saltos zu schlagen. In diesen Sturm der Gefühle gefangen, brachte ich kein einziges Wort über meine zittrigen Lippen. Ich konnte nur da stehen und ihn in seine dunklen Augen starren, die es schon immer geschafft hatten, mich bei direkten Blickkontakt aus der Bahn zu werfen und mich wie eine völlige Idiotin zu benehmen.
Sasuke spürte meinen innerlichen Aufruhr, denn leicht spöttisch verzog er seinen Mund. Es amüsierte ihn wohl, dass er nach all den Jahren die vergangen waren, immer noch so einen Einfluss auf mich hatte. Ein kleiner belustigter Laut drang über seine Lippen und er rückte noch ein Stück näher an mich heran – wohl bewusst, was für Seelenqualen er mir damit bereitete.
»Du machst es mir schon zu einfach, Sakura. Meine bloße Anwesenheit reicht aus, um dich völlig durcheinander zu bringen.«
Gespielt unbeabsichtigt drückte er mich mit seinem Gewicht noch enger gegen die Wand. Mittlerweile war er mir so nah, dass sich seine Körperwärme wie ein warmer Mantel um mich legte. Die Hitze drang durch meine Kleidung und kribbelte auf meiner Haut, als versuche sie mich zu verbrennen.
Mit voller Absicht schürte er das Feuer weiter, als er seine Hüfte gegen meine presste und ganz beiläufig sein rechtes Bein zwischen meine schob. Mir stockte der Atem, als er seinen Oberschenkel gegen meine Mitte drückte und anfing sich an dieser zu reiben. Heiße Glut explodierte in meinem Unterleib und begann mit jedem weiteren reiben seinerseits zu pulsieren.
Krampfhaft biss ich mir auf die Unterlippe, um ein Stöhnen zu unterdrücken, als er seinen Kopf zu mir herab senkte und ich seinen heißen Atem an meinem Hals spüren konnte. Ich erschauerte vor unterdrückter Leidenschaft.
»Hör auf damit«, bat ich ihm mit schwacher Stimme, als er mit seiner warmen Zungenspitze die Linie meiner Halsschlagader nachfuhr und dabei eine heiß brennende Spur hinterließ, die meine Haut versenkte.
»Womit?«, raunte er leise, mit dunkler Stimme, als seine Lippen den sensiblen Punkt hinter meinen Ohr fanden und ich meine Finger in seine langen und weit ausgeschnittenen Ärmel krallte, um ein weiteres aufstöhnen zu unterdrücken.
»Hör auf, mich so zu quälen.«
Sasuke lehnte sich mit seinen Oberkörper leicht zurück und er betrachtete mich stumm von oben herab, während seine Augen mir wie schwarz brennende Kohle entgegen glühten. Er hatte sein Sharingan nicht aktiviert und doch waren da rötliche Sprenkel in seinen Irden, die mir zusätzlich den Atem raubten. Entschlossen wandte ich meinen Blick von ihm ab, um mich wieder etwas unter Kontrolle zu bekommen – doch er machte es mir verdammt schwer, einen klaren Kopf zu behalten.
»Sag mir einfach, warum du hier bist, Sakura.« Er betonte meinen Namen extra mit einem gewissen Unterton, von dem er genau wusste, dass ich darauf reagierte. Ich zuckte bei dem vertrautem Klang leicht zusammen und erwog es für eine Sekunde tatsächlich ihm nachzugeben.
Konzentrier dich wieder auf das Wesentliche, erschien in diesem Moment eine Nachricht auf meinen EyeLinks und zerplatzen somit die Blase, die mich von der Realität getrennt hatte. Diese wenigen Worte waren wie ein Eimer kalten Wassers, das über mich ausgeschüttet wurde. Unsanft kam ich in die Wirklichkeit zurück. Verschwunden war das Feuer, dass mich gerade noch zu verbrennen drohte und mir mit einen Mal klar wurde, was Sasuke gerade mit mir abzog.
»Das ist wohl alles was du von mir wissen willst, oder?« Erschüttert erkannte ich, dass ich mich von meinen Gefühlen – die ich immer noch für ihn empfand – überwältigt habe lassen und er dies schamlos ausgenutzt hatte, um an Antworten zu kommen. Sasuke lachte leise und spöttisch, als er mein Erstarren bemerkte. Jegliches Glühen war aus seinen Blick verschwunden, als er erkannte, dass ich ihn durchschaut hatte. Trotz alledem beugte er sich wieder etwas näher zu mir herunter, um sein böses Spiel weiter zu treiben.
»Mich interessiert es eben, wenn du an einen Ort herum läufst, an dem du eigentlich gar nicht sein solltest.« Wieder war er mir nahe gekommen, denn ich spürte seine Lippen an meiner Ohrmuschel, doch dieses Mal ließ ich mich nicht von ihm betören.
»Ist Naruto auch hier?«, fragte er weiter, als ich keine Anstalten machte, ihn zu antworten. »Er würde dich doch nie allein lassen, nicht wenn er die Möglichkeit wittert dabei auf mich zu treffen, um mich wieder damit überreden zu wollen zurück zu kommen. Wie oft muss ich euch denn noch klar machen, dass es kein Weg zurück nach Konoha für mich mehr gibt?«, raunte er mir zu, als er neckend seine Zungenspitze über meine Ohrmuschel gleiten ließ. Ich erschauerte erneut unter dem Gefühl seiner Zunge, die warm und feucht über mein Ohr strich, ehe er sich damit begnügte an meinen Ohrläpchen zu knappern. Der süße Schmerz ließ mich wieder leicht zusammen zucken, während ich ihn gleichzeitig für sein taktisches Vorgehen bewunderte. Schamlos nutzte er meine Schwäche für ihn aus, von der er immer schon seinen Nutzen gezogen hatte und ich war immer noch so dumm, darauf herein zu fallen. Ich hätte es besser wissen müssen.
»Leider muss ich dich enttäuschen – Naruto ist nicht hier und ich bin auch nicht deinetwegen hier an diesen Ort. Zur Abwechslung mal, denn ich denke, diese Peinlichkeit können wir langsam hinter uns lassen.«
Forschend sah mich Sasuke an und wägte die Glaubwürdigkeit meiner Worte ab.
»Hn…«, Sasuke legte leicht seinen Kopf schief und dabei fielen ihm einzelne Strähnen seines dunklen Haares verspielt ins Gesicht. Ich musste den Drang krampfhaft unterdrücken ihm diese wegzuwischen. Noch einmal würde ich nicht auf seine Masche hereinfallen.
»Es fällt mir schwer dir das zu glauben, Sakura. Welchen Grund hättest du sonst zu Orochimaru zu kommen, wenn nicht ich es bin, wegen dem du hier bist?« Misstrauisch beäugte er mich und ich erkannte, dass dieser Charakterzug sich seit damals bei ihm nicht verändert hatte.
Mach ihm klar, dass du auf seiner Seite bist. Eine neue Nachricht blinkte auf meinen EyeLinks auf und erinnerten mich zum zweiten Mal unsanft daran, dass wir Zuschauer aus Konoha hatten, die das ganze hier Live mit verfolgten. Beschämt stellte ich fest, dass sie das ganze was gerade zwischen Sasuke und mir abgelaufen war mit angesehen hatten. Ich hatte mich gehen lassen, dies durfte nicht noch einmal passieren, wenn ich mein Gesicht und auch Ruf wahren wollte. Schließlich befand ich mich inmitten einer wichtigen Mission.
»Weißt du, Sasuke…«, raunte ich ihm mit einem verschlagenen Lächeln entgegen, als ich mich endlich wieder unter Kontrolle hatte und nun den Spieß umdrehte, indem ich mich auf das wesentliche fokussierte. Langsam ließ ich meine Fingerspitzen über seine teils entblößte Haut seiner Bauchmuskeln gleiten, ehe ich mich hoch zu seiner Brust vor arbeitete, auf der ich meine Handflächen platzierte, als ich mich leicht auf Zehenspitzen stellte und mein Gesicht ganz nah an seines schob. Mit Genugtun stellte ich fest, dass er mich die ganze Zeit nicht aus den Augen gelassen hatte. Sein warmer Atem streifte meine Lippen, so nah waren wir uns. Mein Herz begann wieder wie wild zu klopfen, doch dieses Mal behielt ich die Kontrolle über meine Gefühle, als ich meinen Blick zu seinen hob.
»… es gibt Dinge, die dich einfach nichts angehen.«
Ich hielt seinen Blick, als ich Chakra in meinen Händen sammelte und ihn mit einem kleinen Impuls dass ich explosionsartig freigab grob von mir stieß. Überrascht keuchte Sasuke auf, als er rückwärts über den Boden schlitterte und unsanft gegen die Gegenüberliegende Wand prallte, sodass die kleine Flamme der Fackel – die als einzige Lichtquelle diente – erzitterte, sodass tiefe Schatten über die Wände und den Boden tanzten. Wütend und immer noch leicht überrascht von meiner plötzlichen Gegenwehr, starrte Sasuke mir entgegen und sein Sharingan leuchtete gefährlich aus den Schatten heraus, dass sein Gesicht halb verbarg. Davon jedoch unbeeindruckt trat ich einen Schritt auf ihn zu und starrte furchtlos in sein Bluterbe, während ich meine Fäuste ballte.
»Komm mir ja nicht mehr zu nah«, drohte ich ihm, ehe ich mich von ihm abwandte und ihm nicht eines Blickes mehr würdigend an Ort und Stelle stehen ließ.
Ich war noch keine zwei Schritte weit gekommen, da blinkte schon eine beachtliche Anzahl an Nachrichten auf meinen EyeLinks auf, die mich alle dafür tadelten, dass mein Verhalten die ganze Mission gefährden könnte. Ich hatte den Befehl missachtet, Sasuke davon zu überzeugen, dass meine Anwesenheit keine Bedrohung war.
Morgen. Morgen konnte ich genauso gut damit anfangen ihn von meiner Unschuld zu überzeugen. Doch Heute – Heute würde ich garantiert nicht ein zweites Mal vor ihm Katzbuckeln.
Eine neue Mission
Ein paar Wochen zuvor...
Tsunade saß hinter ihren Schreibtisch und sah mir und Sai – der still neben mir stand und sein nichtssagendes Lächeln aufgesetzt hatte, mit steifer Haltung entgegen. Ihr ernster Blick und das Schweigen in dem sie sich hüllte, nachdem sie uns hier her zitiert hatte, machte mich ganz unruhig. Ein Gefühl, dass ich gar nicht leiden konnte. Ich wiederstand dem Drang von einem Fuß auf den anderen zu treten, da mich die unangenehme Stille, die im Raum herrschte, nervös machte.
Sai hatte da wohl weniger Probleme, denn er sah mit kühler Gelassenheit zu Tsunade und wartete ausdruckslos darauf, dass sie endlich das Wort an uns richtete. Was sie nach einem kleinen weiteren Moment auch tat. Einen leisen Seufzer ausstoßend lockerte sie etwas ihre versteifte Haltung und wandte sich schließlich an uns:
»Ich habe eine Mission für euch beide.« Der ernste Unterton, der in ihrer Stimme mitschwang war nicht zu überhören und sowohl Sai als auch ich horchten auf.
»Eine Mission?«
Sai legte fragend den Kopf leicht schief , während Tsunade nur leicht nickte. Ihr Blick senkte sich dabei auf den Stapel Dokumente, die vor ihr ausgebreitet auf der Tischplatte lagen. Der Ausdruck in ihren Augen wurde wenn möglich noch härter.
»Ihr habt sicher schon von dem Vorfall bei Sektor 7 gehört, oder?«
Sai und ich nickten. Natürlich hatten wir schon davon gehört.
Obwohl der Vorfall unter Verschluss gehalten wurde, war etwas an die Bevölkerung durchgesickert und seit Tagen kursierten deswegen die wildesten Gerüchte durch das gesamte Dorf und eines war kurioser als das andere. Ich wandte mich an meine ehemalige Lehrmeisterin, um meinerseits meine Fragen zu dieser ganzen Sache zu stellen. Denn es gab eine Sache die ich dabei überhaupt nicht verstand und deshalb nur schwerlichst nachvollziehen konnte.
»Wie ist es dazu überhaupt gekommen?«, fragte ich. »Wie konnten diese Mistkerle einfach so in den Sektor eindringen ohne von dem System registriert zu werden? Warum sprang der Alarm nicht sofort an?«
Ich konnte meine Anspannung nicht länger verbergen. Mir war es Schleierhaft, wie man unser Sicherheitssystem so leicht umgehen konnte, wie diese Kerle es getan hatten. Wie hatten sie eine hochentwickelte Technologie, die die Aufgabe hatte jeden aufzuspüren und zu melden, der ohne zulässige Autorisierung sich nicht im Feuerreich aufhalten durfte, überlisten können. Es war mir ein Rätsel.
»Nun«, Tsunade stemmte ihre Ellenbogen auf der Tischplatte ab und verschränkte ihre Finger vor dem Gesicht ineinander. »Wir haben auch noch keine plausible Erklärung dafür gefunden, wie genau sie es angestellt haben, ungesehen in den Sektor einzudringen. Die Untersuchungen dazu laufen auf Hochtouren.«
Sai umfasste nachdenklich mit den Fingern sein Kinn und sah abwesend zu Boden.
»The RePressed, was?«, sprach er den Namen der Unbekannten aus, die in letzter Zeit immer mehr für Aufsehen sorgten. Negativ, wohlbemerkt.
»Wer genau sind diese Leute und worauf haben sie es wirklich abgesehen?«
Tsunade und ich zuckten ratlos mit den Schultern, als auch wir über diese Leute nachdachten, deren Aktivitäten kein eindeutiges Muster verfolgte. Das einzige was wir sicher wussten, war, dass The RePressed eine Gruppe von einzelnen Leuten waren, die sich zusammen getan hatten um gegen das Verbot zu rebellieren, welches die großen Fünf Reiche vereint beschlossen hatten.
Sie waren nicht damit einverstanden, dass die Kage so plötzlich die Technologie, die sich über die Jahre rasant über die ganzen Fünf Reiche und darüber hinaus ausgebreitet hatte, von Heut auf Morgen wieder wegnehmen zu lassen. Sie teilten die Überzeugung, dass diese bahnbrechende Entwicklung, die unser aller Alltag mit einem enormen Schlag nach vorn in eine mit verschiedenen Technologien bereicherte Welt katapultiert – und somit die menschliche Evolution auf neue Höhen gebracht hätte.
Gleichzeitig wäre auch dies das Ende unserer Existenz gewesen.
Denn diese Glorreiche Neue Welt, die aus Technologie und noch mehr Technologie bestanden hätte, bräuchte keine Ninjas mehr.
Dass, was uns seit der Gründung unseres Dorfes ausgemacht hatte, würde verschwinden und mit ihnen die Tradition, die von Generation zu Generation weiter vermittelt worden war, würde gänzlich aussterben und in der Zukunft vergessen werden.
Dazu waren die Fünf großen Reiche nicht bereit.
Sie wollten das Vermächtnis und das Grunddenken der Ninjas, die jedes einzelne Dorf erbaut hatten, nicht verkommen lassen. Sie wollten ihren Idealen treu bleiben. Deswegen entschlossen sich die Fünf Reiche vor einem Jahr dafür, die Technik wieder so weit herunter zu schrauben, dass das Ninjadasein wieder im Vordergrund stand.
Damit waren einige nicht mit einverstanden. Im Vordergrund stand dabei Tomohiro Matsuda, der Wissenschaftler, der die Technik so weit hoch gebracht und immer weiter mit ihr geforscht hatte. Er nahm das Verbot als Beleidigung seiner Selbst auf. Matsuda begann sich gegen die Kage aufzulehnen und sie doch noch von seiner glorreichen Vision zu überzeugen, doch als sie sich abermals geschlossen gegen ihn und seiner Wissenschaftlichen Entwicklung wandten, folgte eine Hässliche Auseinandersetzung, wo er öffentlich gegen das Verbot der einzelnen Reiche vorgegangen war und es mit Hetzdebatten kritisiert hatte. Er wollte allen beweisen, dass seine Technologie der Schlüssel in eine bahnbrechende Zukunft sei und er fand bei einigen Gehör.
Dies war der erste Schritt, für einen neuen Hass, der sich in der Welt ausbreitete.
Der Hass auf die Ninjas.
Von Matsudas bösen Worten aufgehetzt begannen einige Menschen daran zu glauben, dass die großen Fünf Reiche, nur das Verbot aufgestellt hatten, weil sie die Technologie für sich allein beanspruchen wollten. Sie glaubten daran, dass die Ninjas über den normal Bürgerlichen standen und dieser Irrglaube führte zu einem Zwiespalt in der Bevölkerung, mit dem wir heute noch zu kämpfen hatten.
Vielleicht, aber auch nur vielleicht hatte sich deswegen die Gruppe von Rebellen den Namen The RePressed gegeben. Die Bezeichnung Die Unterdrückten, passte in diesem Fall zu ihren Schlachtruf –Wir sind die Stimme des Volkes – der unter der Bevölkerung immer lauter gemunkelt wurde.
Tsunade riss mich aus meinen düsteren Gedanken, als sie einen weiteren tiefen Seufzer ausstieß. Man sah ihr an, dass ihr all das mental zusetzte. Dunkle Schatten umrahmten ihre müden Augen und zeugten von ihrer Schlaflosigkeit; ihr Haar hing stumpf und glanzlos herunter, während tiefe Sorgenfalten sich durch ihr Gesicht zogen. In diesen Moment konnte man ihr wahres Alter sehr gut unter dem Gen-Jutsu erahnen, welches sie immer so sorgfältig darunter versteckte.
»Um das herauszufinden«, knüpfte Tsunade an Sais Worte wieder an. »Habe ich euch herrufen lassen.« Ich runzelte irritiert die Stirn. Worauf wollte sie hinaus?
»Eure Mission wird es sein, dass ihr die Gruppe von The RePressed aufspürt und euch bei ihnen einschleust.«
»Wir sollen sie ausspionieren«, erkannte Sai und Interesse flackerte in seinen Blick auf. Tsunade nickte, dann fuhr sie fort:
»Ich will alles über sie wissen. Wer sie sind; was sie planen; was ihr wirkliches Ziel ist; einfach alles!«
»Moment mal«, warf ich ein und trat einen Schritt nach vorn, während ich leicht aufgebracht meine Hände in die Luft riss. »Wie stellst du dir vor, wie wir sie finden sollen? Soweit ich weiß haben sie nie eine einzig brauchbare Spur hinterlassen mit der wir sie hätten aufspüren können. Wie also sollen wir einen Feind infiltrieren, von dem wir nicht einmal wissen, wo er sich befindet?«
Das war doch nicht ihr Ernst. Wollte sie uns wirklich ins Blaue hinaus schicken und darauf vertrauen, dass wir The RePressed irgendwann über den Weg liefen? Sollten wir wirklich jeden Brotkrummen hinterherjagen, der uns in die Irre führen könnte?
Nein. Dieses Vorhaben wäre vergebliche Liebesmüh. Dies wusste ich, dies wusste Sai und Tsunade wusste es auch, denn sie kniff bei meinen Worten ihre Augen zusammen; ihr Mund verzog sich leicht verärgert und der Schatten einer Pulsader erschien auf ihrer Stirn.
»Ich schicke euch nicht planlos los, so wie du denkst, Sakura«, sagte sie mit unterdrückten Ärger in der Stimme. »Ibiki hat einen Plan aufgestellt, der euch bei der Suche helfen sollte.«
»Wie sieht dieser Plan aus?«, erkundigte Sai sich fragend. Doch Tsunade zuckte nur unbeeindruckt mit den Schultern und verschränkte dann ihre Arme vor ihrer Voluminösen Brust.
»Dass soll er euch selbst erläutern«, sagte sie bestimmt. »Ihr werdet gleich Morgen zu Sektor 7 aufbrechen und euch dort von Ibiki ins Bild setzten lassen. Erst danach werdet ihr euch zu eurer eigentlichen Mission aufmachen.«
Sai nickte und ich tat es ihm wiederwillig gleich. Das ganze wollte mir immer noch nicht so recht gefallen. Aber ich war ein Ninja. Ich hatte einen Eid geschworen meinem Dorf zu dienen. Es in schwierigen Zeiten zu schützen und mein eigenes Leben für dieses zu geben, falls es notwendig war. Genau jetzt war so eine schwierige Zeit und deshalb wusste ich was ich zu tun hatte. Ich schluckte mein Wiederwillen hinunter und fügte mich.
Wie es ein Ninja nun eben machte.
»Wie bleiben wir in Kontakt, wenn wir die Rebellen gefunden haben?« Eine berechtigte Frage, die Sai da stellte. Fragend sah ich zu Tsunade, die nur verschmitzt lächelte.
»Ihr werdet natürlich mit der neuesten Technologie ausgestattet. Mit den InterLinks steht ihr daher jederzeit mit uns in Kontakt.«
Ich verzog leicht mein Gesicht zu einer Grimasse. Sai hingegen stellte seinen Kragen, als er hörte, dass wir mit diesem Technischen Schnickschnack aufgewartet werden würden. Seine Augen leuchteten begeistert auf und er schien sich tierisch darauf zu freuen, wieder mit Technologie in Berührung zu kommen. Ich schnaubte. Männer.
»Die Einzelheiten erfahrt ihr Morgen von Shizune. Sie wird euch Morgen Früh um Acht Uhr im Krankenhaus erwarten« , wies Tsunade uns an und gab uns dann mit einen Wink zu verstehen, dass das Gespräch hiermit beendet war. »Ihr könnt jetzt gehen.«
Sai und ich verließen wortlos ihr Büro. Als ich die Tür hinter mir schloss, erhaschte ich noch einen kurzen Blick auf Tsunade, die eine Schublade ihres Schreibtisches öffnete und eine Sakeflasche daraus heraus zog. Leise schloss ich die Tür und trat mit Sai an meiner Seite aus dem Hokage Gebäude. Wir besprachen noch ein paar Kleinigkeiten anzüglich unserer bevorstehenden Mission. Danach standen wir uns schweigend gegenüber. Als das Schweigen zu lange anhielt lächelte Sai mich mit seinem nichtssagenden Lächeln an.
»Bis Morgen dann«, verabschiedete er sich von mir, hob zum Gruß die Hand, ehe er sich von mir abwandte und davon ging.
»Ja, bis Morgen«, rief ich ihm leise nach. Einen Augenblick noch verweilte ich an Ort und Stelle und sah Sai hinterher, der schon längst über die Dächer des Dorfes verschwunden war, um so dem regen Treiben auf der Straße aus dem Weg zu gehen. Dann wandte auch ich mich seufzend zum gehen um. Ich hatte noch einiges zu erledigen.
Später am Abend als ich mit meinen Vorbereitungen auf die Mission fertig war, betrat ich Ichiraku´s Ramen . Der Duft von würzigen Kräutern, saftig gebratenen Fleisch und brutzelnden Spiegeleier hing in der Luft und mein Magen knurrte vorfreudig auf, als ich mich suchend umsah. In den letzten Jahren hatte Ichiraku seinen Imbissstand in ein schickes und gemütliches Restaurant umgesattelt. Hölzerne Vinyl-Tische standen vor den großen Schaufenstern, während in der Mitte weitere Tische und Stühle den Raum füllten. Ein Tresen mit passenden Stühlen zog sich an der hinteren Wand entlang. Dort konnten die Gäste sitzen und die Köche beobachten, die vor ihnen Nudeln abkochten und die dazugehörigen Beilagen zubereiteten, um diese dann in Schüsseln anzurichten.
»Hey Sakura-chan, Sakura-chan! Hier drüben!«
Ich richtete meinen Blick auf den Kerl, der in einer Sitznische im hinteren Teil des Restaurants saß. Ungewöhnlich; normalerweise saß er immer direkt neben der Registrierkasse, die rechts neben den Tresen stand um den Köchen vorfreudig bei der Zubereitung zuzusehen und sie anzuspornen schneller zu arbeiten. Ich musterte ihn kurz.
Mit seiner Alltagskleidung, die er immer noch in Orange – Schwarz trug, dem attraktiven Gesicht und den verwuschelt aussehenden blonden Haar hielten ihn die meisten Frauen für außergewöhnlich gut aussehend. Da war ich auch keine Ausnahme … doch leider wusste ich, wie absolut nervig er sein konnte. Schon jetzt zog er alle Blicke auf sich, weil er mit wild herum fuchtelnden Armen mich zu sich heran winkte.
Ich seufzte und ging zu Naruto Uzumaki, meinen langjährigen Teamkollegen und besten Freund hinüber. Ich setzte mich ihm gegenüber und spürte sofort seinen aufmerksamen Blick seiner strahlenden blauen Augen auf mir.
»Ich war so frei und hab schon für uns bestellt«, gestand er mit einen kleinen entschuldigenden Lächeln. »Ich konnte einfach nicht mehr länger warten.«
Ich lachte und nickte ihm dankend zu, damit er merkte, dass es mir nichts ausmachte, weil er für mich schon mitbestellt hatte. Schließlich war es nicht zum ersten Mal, das er dies tat und er wusste ja, was mir schmeckte.
Bis das Essen kam –Shoyu-Ramen für mich mit einer Garnierung an diversem Gemüse; Miso-Ramen mit einer doppelten Einlage Fleisch für Naruto – erzählte er mir von seiner letzten Trainigseinheit mit Kiba. Beide hatten Gefallen an dem virtuellen Simulationstraining gefunden, dass einer der wenigen Dinge an Technologie war, was in abgeschwächter Version noch erlaubt war. Ich hörte ihm aufmerksam zu, als er mit vor Stolz schwellender Brust berichtete, wie glorreich sein Sieg war, weil er viel mehr Gegner platt gemacht hatte, als Kiba. Natürlich war daraus ein Wettbewerb entstanden, denn Kiba war ein schlechter Verlierer und die beiden Streithähne hatten fast den ganzen Tag damit verbracht, sich gegenseitig immer und immer wieder aufs neue zu beweisen.
Erst als das Essen kam und die dampfende Nudelsuppe vor ihm stand, unterbrach sich Naruto. Genießerisch beugte er sich vor und zog den würzigen Geruch durch die Nase ein.
»Hmm-mm~«, stieß er genüsslich seufzend aus, als er beiläufig nach seinen Essstäbchen griff. »Ich liebe den Geruch der Sojabohnenpaste.«
Schwärmerisch roch er noch einmal an den Duft seines Essens, ehe er seine Stäbchen in die Suppe tauchte. Belustigt beobachtete ich ihn dabei, wie er sich die ersten Nudeln in den Mund schob und wieder ein zufriedenes Geräusch von sich gab.
Er schwebte regelrecht auf Wolke Sieben; wie immer wenn er hier aß.
Selbst wandte ich mich meinem Essen zu. Der Geschmack der würzigen Sojasauce, dessen Aroma fein die Nudeln umschloss; gepaart mit dem knackigen Gemüse, brachte meine Geschmacksnerven regelrecht zum Singen und auch ich stieß einen wohligen Seufzer aus, als ich mich über mein Essen hermachte.
»Ich will mich ja nicht beschweren«, fing Naruto irgendwann an, als er sich schon seine dritten Portion Ramen einverleibte. »Aber warum wolltest du dich hier mit mir treffen?«
Ich schob meine leere Schüssel von mir und erwiderte seinen Aufmerksamen leicht fragenden Blick, indem auch ein Hauch Neugier stand. Er wusste ganz genau, dass etwas im Busch war, denn es war schon gang und gebe bei uns geworden, dass wir uns gegenseitig zum Essen einluden, wenn etwas vorgefallen war oder eine schwierige Mission bevorstand, wo einer von uns beiden nicht mit involviert war. Zweiteres war wohl heute der Fall. Ich seufzte.
»Ich werde Morgen auf eine Mission auf unbestimmte Zeit aufbrechen.« Naruto zog fragend eine Augenbraue hoch.
»Allein?«
»Nein, Sai wird mich begleiten.«
»Aha. Welche Art von Mission?«, stieß er so beiläufig wie möglich aus. Schließlich wusste er nur zu gut, dass ich nichts über den Inhalt besagter Mission an dritte verraten durfte. Schon gar nicht in der Öffentlichkeit.
»Geheime S-Rang.«
Naruto wischte sich mit seinen Daumen nachdenklich einen Tropfen Suppe von seiner Unterlippe, der sich dort verirrt hatte.
»Spionage, also?«
Ich nickte nur und lehnte mich leicht in meinem Sitz zurück, während Naruto sich wieder auf seine Ramen konzentrierte. Er verschlang den Rest seiner Suppe in Rekord-Zeit. Erst als er die Schüssel wieder abstellte brach er das Schweigen, das sich zwischen uns breit gemacht hatte.
»Hat es womöglich etwas mit dem Vorfall an Sektor 7 zu tun?«, fragte er leise und mit einem so ernsten Unterton in der Stimme, dass meine Augen vor Überraschung ganz groß wurden.
»Woher?«
Naruto schnaubte, angesichts meiner Überraschung und beleidigt zog er einen Schmollmund. »Ich bin nicht blöd, weißt du? Selbst ich habe von den Gerüchten gehört und ich wusste, dass Oma Tsunade irgendwann gegen diese Typen von The RePressed vorgehen wird«, meinte er vorwurfsvoll. »Ich war nur davon ausgegangen, dass ich dann auch Teil des Teams sein würde, wenn es so weit ist.« Er klang fast beleidigt. Eine unangenehme Stille breitete sich kurz zwischen uns aus, in der so etwas wie ein schlechtes Gewissen in mir hoch kroch, da ich Tsunade nicht nach dem Grund gefragt hatte, warum Naruto nicht mit uns mitkam. Hätte ich mich für ihn einsetzen sollen? Jetzt kam ich mir dumm vor, dass ich nicht einmal daran gedacht hatte.
Naruto kam jedoch schnell darüber hinweg und zuckte ergebend mit den Achseln.
»Was soll´s«, sagte er. »Wann brecht ihr auf?«
»Gleich Morgen.«
Er nickte, sah mich einen Moment mit einem ernsten fast schon besorgten Blick an, ehe seine Miene sich schlagartig wieder aufhellte und er eine Bedienung heran winkte.
»Dann haben wir ja noch genügend Zeit noch eine weitere Runde Ramen zu essen!«, spitzbübisch grinste er mich an, was seine blauen Augen zum leuchten brachte. »Schließlich komme ich eine längere Zeit nicht mehr in den Genuss mich von dir zum Essen einladen zu lassen.« Ich erwiderte sein Grinsen spöttisch.
Denn derjenige der später das Restaurant mit erheblich leichterem Geldbeutel verließ, war nicht ich.
Vorbereitung
Am nächsten Morgen fand ich mich zusammen mit Sai im Konoha-Krankenhaus ein. Gemeinsam durchquerten wir die noch fast leere Eingangshalle, da noch so früh am Morgen noch nicht so viel Betrieb in der Aufnahme herrschte. Schweigend betraten wir den Aufzug, der uns in die unterste Etage des Krankenhauses brachte, wo das Medizinische Labor in einem geheimen Gang untergebracht worden war. Vor diesem Gang stand ein ANBU Wache und dieser vertrat uns sofort den Weg, als wir ihm uns näherten.
»Kennung?«, fragte er wachsam. Ich spürte seinen scharfen Blick durch die Kreisrunden Blicklöcher seiner Adler-Maske auf mir.
»SH-37107-XX«, sagte ich geduldig. Diese Sicherheitskontrollen mussten wir immer dann durchführen, wenn wir einen Bereich betreten wollten, der unbefugten Personen ohne genehmigte Autorisierung des Hokagen nicht gestattet war, sich dort aufzuhalten. So wie es bei dem Medizinischen Labor der Fall war.
Der ANBU gab die Kennung meines WrLinks in den Touchfeld ein, dass neben der Eisenstahltür an der Wand installiert worden war und überprüfte meine Personalien.
»Sakura Haruno?« Ich nickte und lächelte ihm leicht entgegen.
»Jupp, genau die.« Der ANBU nickte.
»Du darfst durch.«
Dann wandte er sich an Sai. »Kennung?«
Sai nannte ihm diese und als er auch Sai überprüft hatte, wandte sich der ANBU abermals an das Bedienungsfeld und gab eine ganze Reihe von Zahlenkombination ein, dass der Zugangscode der Tür war. Es surrte leicht, als wir durch die Tür traten und der Bioscanner uns erfasste, ehe wir freigegeben wurden. Höflich nickte ich dem ANBU noch einmal zu, dieser hatte sich allerdings längst wieder von uns abgewandt und würdigte uns keines Blickes mehr, als die Tür sich hinter uns schloss. Ich zuckte über dieses Unhöfliche Verhalten des ANBUs nur mit den Schultern und folgte Sai dem Gang entlang, der nur notdürftig beleuchtet wurde, ehe wir die Tür erreichten, hinter der das Medizinische Labor lag. Als wir dieses betraten erblickten wir Shizune, die mit einem Weißkittel – so wie wir die Leute vom Labor im Stillen nannten – mit dem Rücken zu stand und eifrig Daten in den Computer tippte, um die Technischen Geräte zu starten, die sie benötigten, um uns richtig ausstatten zu können. Als sie unser Eintreten hörte, drehte sie sich zu uns um und lächelte uns begrüßend an.
»Ah, da seid ihr ja. Wir haben schon auf euch beide gewartet.« Ihr Blick huschte kurz zu dem Weißkittel, der mir und Sai nur einen kurzen Blick schenkte, ehe er sich wieder dem Computer zuwandte. Ganz im Gegenteil zu Shizune, die auf uns zutrat.
»Nehmt bitte Platz«, forderte sie mich und Sai mit einer beiläufigen Geste auf, auf den beiden weißen Liegestühlen Platz zu nehmen, die mit etwas Abstand nebeneinander mitten im Raum standen. »Wir können gleich mit dem Eingriff beginnen.«
Ich nickte und zusammen mit Sai trat jeder von uns auf einen Liegestuhl zu. Leichte Nervosität kroch in mir hoch, kaum das ich saß, denn egal wie oft ich schon hier gesessen hatte und mich verkabeln ließ, fühlte es sich doch jedes Mal, wie das erste Mal an. Shizune merkte wohl meine Angespanntheit denn sie trat neben mich und legte leicht lächelnd eine Hand auf meine Schulter, um mich so etwas zu beruhigen.
»Versuch dich etwas zu entspannen, Sakura«, versuchte sie mir gut zuzureden. Ich lächelte tapfer und versuchte so von meiner Nervosität abzulenken. Ich war schließlich kein Kind mehr, das ängstlich auf den Behandlungsstuhl saß und darauf wartete, dass irgendetwas schlimmes passierte.
»Mir geht’s gut«, versicherte ich ihr schnell und versuchte dabei keine Grimasse zu schneiden. »Mach dir um mich keine Gedanken.«
So sehr ich versuchte unbekümmert und entspannt zu wirken – klappte es bei Shizune nicht. Sie durchschaute mich sofort. Trotzdem ging sie nicht tiefer auf meinen Gemütszustand ein, da sie erstens wusste, dass dies mir vor anderen Peinlich war und wir zweitens keine Zeit dafür hatten. Deswegen begnügte sie sich damit mir einen mitfühlenden Blick zu schenken und meine Schulter zu tätscheln. Da drehte sich der Weißkittel zu uns um. »Wir sind nun bereit«, sagte er.
Shizune nickte und mit einen professionellen Haltung stellte sie sich so hin, dass sie Sai und mich gut im Blick hatte.
»Wir werden euch jetzt nacheinander InterLinks und ein neuronales Implantat einsetzten«, erklärte sie fachmännisch, worauf Sai fragend eine Augenbraue hob.
»Wozu brauchen wir so ein Implantat?«, fragte er und man hörte seine Skepsis deutlich aus seiner Frage heraus.
»Sonst hatten die normalen InterLinks völlig gereicht, wenn wir auf Mission waren.«
Ich besah erst Sai, dann Shizune mit einem nachdenklichen Blick. Er hatte Recht. Wir hatten bisher noch nie so etwas bekommen. Warum war es dieses Mal anders?
Shizune seufzte und stemmte ihren linken Arm gegen ihre Taille, als sie ihr Gewicht auf ihren rechten Fuß verlagerte.
»Du hast natürlich Recht, Sai«, begann sie. »Auf normalen Missionen reicht die einfache Version der Technik und die herkömmlichen InterLinks vollkommen aus, um den Missionshergang und –ablauf aufzuzeichnen, doch dieses Mal ist es etwas anders.«
»Inwiefern anders?«, fragte ich, da ich nicht verstand, warum es bei dieser Mission anders sein sollte. Shizune setzte zu einer Erklärung an:
»Ihr wisst wie eine Mission aufgebaut wird oder?« Sai und ich nickten, denn dies war ja Allgemeinwissen für einen Shinobi – Shizune erläuterte die grundregelnden Fakten trotzdem.
»Jeder Antrag einer Mission, der bei uns eingeht wird auf seine Genauigkeit geprüft und dabei sind die Angaben des Auftraggebers am entscheidendsten. Nur mit diesen Informationen, sind wir in der Lage, die Situation richtig einzuschätzen und eine Strategie auszuarbeiten, wie man den Auftrag erfolgreich erledigen kann«, erklärte sie. »Durch dieses Hintergrundwissen das wir dank des Auftraggebers gesammelt haben, können wir sicherstellen, dass in dem Radius wo die Mission stattfinden wird, kein Störsignal die InterLinks lahmlegt und wir so den Kontakt zu dem Team verlieren würden.«
»Und das ist bei unserer Mission nicht der Fall«, schlussfolgerte Sai sachlich und Shizune nickte ihm mit ernstem Blick zustimmend zu.
»Wir wissen nicht wo The RePressed ihr Lager aufgestellt haben und wir können es uns nicht leisten, dass Signal zu euren WrLinks zu verlieren, wenn ihr einen Bereich betretet, dass jegliches Signal abschirmt.«
Ich sah auf mein rechtes Handgelenk, wo der WrLink unter meine Haut eingesetzt worden war und mich so bei jeder Kontrolle auswies; sowie als Peilsender auf Missionen diente. So verlor man kein Teammitglied im Eifer des Gefechtes, weil man ihn durch dieses Signal wieder aufspüren konnte.
»Genau aus diesem Grund bekommt ihr dieses Implantat«, kam Shizune wieder auf das eigentliche Thema zurück.
»Es gewährleistet die Verbindung zu euch und dient gleichzeitig als Signalbrücke, die ihr herstellt, damit wir auf einer verdeckten Frequenz Zugriff auf euren Standort haben – zumindest Innerhalb des Radius, in den ihr euch bewegt. Das Implantat fungiert als diese Brücke. So können wir dort mithören und – sehen.«
»Dann stehen wir unter Beobachtung«, stellte ich nüchtern fest und wusste nicht recht ob mir der Gedanke gefiel Vierundzwanzig Stunden unter Beobachtung zu stehen.
»Es hat was positives«, meinte Sai an mich gewandt, als er sich in seiner Liege zurück legte. Mit hochgezogenen Augenbrauen sah ich ihn an, da ich rein gar nichts positives an der ganzen Sache erkennen konnte.
»Ach ja? Und was bitteschön?« Sai seufzte theatralisch und sah mich mit einem Blick an, als ob er sich fragte, wie dumm ich doch in Wirklichkeit sei.
»Wir stehen mit Konoha die ganze Zeit in Verbindung«, erklärte er. »Wenn eine Situation Auftritt in der wir die Entscheidung der Hokage brauchen, stehen wir sofort mit ihr im Kontakt und müssen nicht unnötig herumstehen und warten, bis wir weiter agieren können.«
»Sai hat Recht«, mischte sich Shizune mit ein und ich schenkte ihr einen bösen Blick als ich schon den Mund öffnete um Wiederworte von mir zu geben, doch wiederwillig feststellen musste, dass sein Argument durchaus plausibel klang, weswegen ich meinen Mund wieder schloss und nichts darauf erwiderte. Sai blinzelte erstaunt:
»Hab ich dich gerade sprachlos gemacht? Das schafft doch sonst keiner.«
Mürrisch verschränkte ich meine Arme vor der Brust und legte mich ebenfalls in meiner Liege zurück.
»Ach halt doch die Klappe, du Möchtegern Pinselschwinger!«
»Woher möchtest du wissen, dass ich meinen Pinsel…« Ein räuspern unterbrach Sai´s Doppeldeutige Worte und alle sahen wir zu dem Weißkittel, der uns über den Rand seiner Brille hinweg monoton ansah. »Wir können anfangen«, meinte er schlicht und Shizune nickte ihm zu, als sie sich Schwungvoll in Bewegung setzte.
»Dann lasst uns nicht noch länger Zeit verschwenden«, meinte sie, als sie entschlossen auf den Weißkittel zutrat.
Zwei Stunden später kam ich mir vor wie ein Android. Die InterLinks waren ungewohnt und fühlten sich an wie Fremdkörper. Das Neuroimplantat hatte man mir an meiner Schläfe eingesetzt, verborgen unter meiner Haut, verdeckt durch den Haaransatz. Die EyeLinks, die wie eine Kameralinse alles aufzeichneten was mein Blickfeld erfasste, hatten sie auf die Netzhaut gedampft, die EarLinks waren hinter den Ohren eingesetzt worden. Sie wurden kalibriert, Testsequenzen flackerten auf und verschwanden wieder, unzählige Buchstaben, Töne und Bilder rasten und rauschten in Sekundenschnelle über mich hinweg, bis es sich anfühlte als würde sich alles miteinander vermischen. Mir wurde schlecht und als ich kurz davor war, mich zu übergeben, hörte es endlich auf.
Schwer atmend lag ich einen Moment still da und kämpfte gegen die Übelkeit und den Schwindel an, der alles um mich drehen ließ.
»Sakura, geht es dir gut?« Shizunes besorgtes Gesicht tauchte über meinem auf und ich nickte ihr kurz zu. Sprechen war im Moment gefährlich, nicht wenn ich mir noch nicht sicher war, mein Frühstück doch noch von mir zu geben. Es dauerte ein paar Minuten, ehe der Schwindel und die Übelkeit langsam nachließen und ich mich aufrichten konnte. Mein Blick glitt zu Sai, der genauso fertig aussah wie ich. Sein Gesicht wirkte noch blässer als sonst, während er seinen Handrücken gegen seine Lippen drückte in dem schwachen Versuch, sich so nicht übergeben zu müssen.
Shizune gab uns noch ein paar Minuten und erst als sie sich sicher war, dass wir uns nicht auf den Boden übergeben würden, klärte sie uns auf, was sie mit uns angestellt hatten:
»Ihr habt beide einen neuen WrLink, den wir euch in die Oberarme eingesetzt haben; statt in eure Handgelenke.« Sie deutete auf die Stelle meines rechten Oberarms.
»Er ist durch gängige Systeme nicht aufspürbar und kommuniziert anders als gewöhnliche WrLinks, nicht mit normalen Geräten, sondern nur mit eurem Implantat. Darüber können wir alles sehen, was ihr seht und alles hören, was ihr hört.« Ihr Blick glitt ernst zwischen Sai und mir hin und her.
»Wir werden mit euch nur im Notfall über Audio kommunizieren«, sprach sie weiter. »Die meisten Ansagen bekommt ihr über die EyeLinks. Niemand darf merken, dass ihr welche tragt, deswegen müsst ihr eure Augen unter Kontrolle halten und ihr dürft nur mit uns sprechen, wenn ihr allein seid. Wir werden die Kommunikation auf ein Mindestmaß beschränken, sollten andere Menschen in der Nähe sein, aber wir können sie nicht vermeiden.« Ihr Blick wurde eindringlicher.
»Alles hängt von eurem Verhalten ab. Ihr müsst so handeln, wie es die Leute von euch erwarten – sie dürfen absolut keine Zweifel gegenüber euch hegen«, legte sie uns noch einmal nahe und ernst nickten wir ihr zu. Es war ja nicht das erste Mal, dass wir als Spione ausgesandt wurden. Sai als auch ich wussten genau was auf uns zukam und was alles von unseren Erfolg abhing.
»Gut«, Shizunes ernstes Gesicht hellte sich etwas auf. »Wenn ihr keine Fragen mehr habt, dann sind wir hier fertig.«
Stumm erhoben Sai und ich uns von der Liege und bei den ersten Schritten kam ich mir wieder wie ein Android vor. Es würde wohl eine Zeit lang dauern, bis ich mich wieder an die InterLinks gewöhnt hatte.
»Danke, Shizune«, sagte ich und sie schenkte mir ein warmes Lächeln. »Ich wünsche euch viel Erfolg.« Lächelnd verabschiedete ich mich von ihr, ehe ich Sai folgte, der als erster durch die Tür nach draußen trat. Wir verließen das Krankenhaus, wie wir es betreten haben – zusammen. An der frischen Luft atmete ich tief durch und schüttelte die restliche Übelkeit von mir ab, als Sai sich zu mir wandte.
»Wir sollten keine Zeit verschwenden.« Ganz meine Meinung.
Zehn Minuten später stand ich aufbruchbereit neben Sai am Haupttor und sah zu Tsunade, die mit Naruto an ihrer Seite extra gekommen war, um uns zu verabschieden.
»Ich habe Ibiki von eurem kommen in Kenntnis gesetzt. Er erwartet eure Ankunft so schnell wie möglich bei Sektor 7.« Ich nickte der Hokage zu und wandte mich anschließend an Naruto, der seine Arme hinter den Kopf verschränkt hatte und sein berühmtes Grinsen zum besten gab.
»Warum bist du eigentlich hier, Naruto?«, fragte ich, woraufhin Naruto beleidigt einen Schmollmund zog.
»Wenn ich schon nicht aus diversen und völlig undefinierbaren Gründen nicht an der wichtigsten Mission des Jahres teilnehmen darf«, stichelte er mit einem mürrischen Seitenblick auf Tsunade werfend, deren Lächeln sich schlagartig verkrampfte. »Dann ist es doch das mindeste, mich wenigstens von euch zu verabschieden, oder?« Aufmerksam wie ich war, hatte ich sofort die Anspannung zwischen den beiden bemerkt und ich ahnte, was zwischen den beiden vorgefallen war. Hatte sich Naruto doch bei Tsunade beschwert, weil er von ihr von der Mission ausgeschlossen wurde? Zutrauen tat ich es ihm. Ich starrte Naruto mit zusammen gekniffenen Augen an, der jedoch wich meinen Blick aus. Dies war Antwort genug für mich, doch ich hielt mich mit meiner Standpauke zurück. Tsunade brauchte mich nicht um Naruto in die Schranken zu weisen – dies konnte sie viel besser als ich. Außerdem sah es so aus, als hätten sie ihre Standpunkte miteinander geklärt, denn sonst würde Naruto nicht so locker und ruhig hier neben ihr stehen.
»Du hast Recht.« Ich lächelte ihn an. »Es ist schön dich noch mal zu sehen.«
»Nicht wahr?« Naruto´s Grinsen kehrte zurück, als er die Arme aus seiner Verschränkung löste und auf mich zutrat. Freundschaftlich nahm er mich in die Arme und legte wie schon so oft sein Kinn auf meine rechte Schulter.
»Pass bitte auf dich auf«, raunte er mir leise ins Ohr, sodass nur ich ihn verstehen konnte. »Ich habe nämlich ein ganz mieses Gefühl bei der Sache.« Leicht drehte ich meinen Kopf um ihn ansehen zu können, doch Naruto´s Griff um mich wurde etwas fester, sodass ich mich nicht richtig drehen konnte.
»Es wird schon alles gut gehen. Ich habe schließlich auch noch Sai bei mir«, versuchte ich ihn zu beschwichtigen.
»Egal«, sagte er, als er sich wieder von mir entfernte und lächelnd seine rechte Hand auf meine Schulter legte.
»Wenn ich merke, dass irgendetwas schief geht, pfeif ich auf Oma Tsunades Vorhalte die verhindert haben, dass ich an der Mission teilnehme und eile euch zur Hilfe.«
Fragend sah ich ihn an und wollte wissen was er damit meinte, doch er tätschelte mir nur noch die Schulter, ehe er ohne ein weiteres Wort an Sai weiter wanderte. Ich wandte mich an Tsunade.
»Tsunade, was…« Sie unterbrach mich, als sie ihre Arme vor ihrer voluminösen Brust verschränkte. »Er ist nur beleidigt, weil ich ihn nicht an dieser Mission teilnehmen lasse«, sagte sie und schenkte Narutos Rücken einen düsternden Blick, ehe sie müde seufzte.
»Du brauchst dir aber deswegen keine Sorgen machen. Er wird drüber hinweg kommen.« Sie lächelte mich an, ehe ihre Haltung ernst wurde.
»Ich zähle auf euch.«
Diese Worte waren der Startschuss einer Mission, von der noch niemand wusste, welchen Verlauf sie noch nehmen würde.
Sektor 7
Unser Ziel lag einen halben Tagesmarsch von Konoha entfernt. Die erste Hälfte des Weges legten wir mit Hilfe von Sai´s Jutsu der Gemälde der Bestien zurück, indem wir den Flugweg einschlugen. Als jedoch die Umgebung es nicht mehr zuließ, ließ Sai die Vögel wieder verschwinden und wir reisten zu Fuß weiter. Wir kamen gut voran und kurz nach Mittag hatten wir den Sektor erreicht.
Ibiki erwartete uns bereits vor dem Eingang und wie sein mürrischer Blick vermuten ließ, stand er schon etwas länger hier.
»Da seit ihr ja endlich«, begrüßte er uns leicht barsch. »Was hat denn so lange gedauert?« Leicht missbilligend starrte er erst Sai, dann mich an.
»Tut uns Leid, wir sind so schnell gekommen, wie wir konnten«, erklärte Sai sich, während ich mir die größten Mühe gab, nicht ein blödes Kommentar von mir zu geben. Was erwartete er denn von uns? Wir waren doch schon so schnell hier her gekommen, wie es uns möglich war.
Kurz musterte ich Ibiki. An seinem Aussehen hatte sich nicht viel geändert, seitdem ich ihn zuletzt gesehen hatte. Er trug immer noch den schwarzen Mantel mit hohen Kragen über seine Dienstkleidung, während das dunkelblaue Kopftuch, das auch gleichzeitig als sein Stirnband diente, seine vielen Verletzungen versteckte, die er sich zum Teil selbst zugefügt hatte, um sich selbst für den äußersten Fall vorbereitet zu haben jeder Folter stand zu halten, sollte er je von einem Feind gefangen genommen werden.
»Nun gut, da ihr ja nun endlich hier seit, können wir ja jetzt beginnen«, riss er mich aus meiner stummen Musterung, als er uns den Rücken zudrehte.
»Folgt mir.«
Stumm kamen wir seiner Aufforderung nach und wir folgten den Jo-nin, dessen Name genau wie der von Kakashi auch weit über die Landesgrenze hinaus bekannt war. Seine Aufgaben im Dorf bestanden eigentlich darin, Gefangene zu verhören und Informationen von diesen zu beschaffen. Außerdem war Ibiki seit Jahren schon der Anführer des Verhörteams von Konoha. Er war der Beste, wenn es darum ging seinen Gegner auf psychischer Ebene mürbe zu machen, um die nötigen Informationen aus diesen heraus zu bekommen. Seine Autoritäre und strenge Haltung war beängstigend, was zusätzlich noch durch seinen immer ernsten Gesichtsausdruck und den tiefen Narben im Gesicht verschärft wurde.
»Ich nehme an, ihr seit über die aktuelle Situation aufgeklärt?« Ich nickte Ibiki zu.
»Ja, Tsunade hat uns grob ins Bild gesetzt und sie meinte auch, dass du schon einen gewissen Plan aufgestellt hast, wie wir am besten weiter vorgehen sollten.«
Ibiki zischte leise.
»Typisch von Lady Tsunade, dass sie wieder alles auf mich abwälzt«, murrte er leise vor sich hin, doch ich verstand ihn trotzdem. Leicht schmunzelnd gab ich ihm Recht. Tsunade machte es sich manchmal wirklich viel zu einfach.
»Nun, wie sieht denn jetzt dieser Plan aus?«, mischte Sai sich ins Gespräch mit ein und fragend sah auch ich den Jo-nin an.
»Nun ja«, meinte dieser.» Bevor ich euch die Einzelheiten aufzähle, möchte ich, dass ihr euch noch etwas anseht.« Er bemerkte unsere fragende Blicke, doch er ging nicht weiter ins Detail.
»Folgt mir einfach.«
Frustriert wechselte ich einen Blick mit Sai, der nur ratlos mit den Schultern zuckte. Keiner von uns beiden verstand, warum Ibiki so ein großes Geheimnis aus der ganzen Sache machte.
Da Ibiki nichts mehr sagte, sah ich mich beim gehen etwas um. Sektor 7 war einer von den Türmen, die rund um das Feuerreich erbaut worden waren, um Zugriff auf die Technologie zu ermöglichen, die über die Jahre hinweg ein wichtiger Bestandteil in unseren Leben geworden war. Sie dienten uns sowohl als Funkstelle, um die Informations – und Kommunikationsreichweite über das ganze Reich und darüber hinaus auszudehnen, sodass wir mit jeder beliebigen Person in Kontakt treten konnten. Es gab insgesamt Zehn von diesen Türmen im ganzen Feuerreich verteilt und jeder unterschied sich in seiner Funktion.
Sektor 7 war für die Sicherheit des Dorfes verantwortlich und registrierte jede Art von Bedrohung, was einen Alarm aussendet, sobald jemand das Reich ohne Autorisierung betrat.
Es war das erste mal, dass ich mich in einem von ihnen befand. Der schmale kreisförmige Gang, den Ibiki uns entlang führte, war düster und wurde nur von kleinen Lampen erhellt, die ein paar Meter auseinander hängend an der Wand platziert worden waren und ein so grelles Licht von sich gaben, dass der Gang irgendwie unwirklich erschien. Fenster gab es keine, nur ein paar geschlossene Türen, an denen wir jedoch vorbei gingen. Ich musterte diese kurz. Bis jetzt fand ich noch keine Anzeichen des Überfalls, nicht mal ein leichtes Staubkorn lag hier auf den Boden. Stumm ging ich weiter und folgte Ibiki eine Treppe hinauf, die uns ins Zentrum des Turmes führte. Dort erkannte man schon von weiten das Ausmaß der Verwüstung, noch bevor man den riesigen Bauchrunden großen Raum betrat, der komplett auseinander genommen worden war. Tische, Stühle, Computer, Kabel und zahllose Papiere lagen in dem Raum verstreut, während Brandspuren an Wänden und Boden sich ihren Weg entlang zogen. Selbst die Doppeltür, die wir gerade passierten, war demoliert und hing nur noch halb in der Türangel.
»Ach du meine Güte«, rutschte es mir von den Lippen, als ich die Hände vor den Mund schlug, bei all der Zerstörung die hier im Raum stattgefunden hatte. Leicht angekockelte Kunais steckten noch in Wände und Boden, was dass Geröll erklärte, die die Explosionszettel in dem Gemäuer und Fließen heraus gerissen hatten.
»Die Rebellen waren wirklich fleißig«, stieß Sai mit einem kleinen Pfiff aus. »Hier ist ja wirklich alles zerstört.«
»Ja, leider«, bestätigte Ibiki und sein Gesichtsausdruck wurde wenn möglich noch ernster, was seine Narben noch tiefer erscheinen ließ. »Nicht auszudenken was passiert wäre, wenn nicht rechtzeitig ein Chu-nin der hier stationiert gewesen war, Sektor 8 über den Überfall alarmiert hätte.«
Sektor 8 war genauso wie Sektor 7 für die Sicherheit rund um das Dorf zuständig. Jeder der das Feuerreich ohne registrierte und legale ID betrat, würde von Sektor 7 erfasst und an Sektor 8 gemeldet, der dann den Alarm auslöst. Dies war ein sehr ausgeklügeltes Sicherheitssystem dass unser Dorf besser schützen sollte. Bis jetzt. Wir konnten von Glück reden, dass nichts Schlimmeres passiert war.
Ein Jo-nin drehte sich zu uns um.
»Ah, Ibiki, da bist du ja wieder«, sein Blick huschte zu mir und Sai. »Wie ich sehe sind endlich die zwei Jo-nin hier angekommen, die der Hokage hier her schicken wollte.«
Ibiki nickte dem Jo-nin zu, der an einem langen Tisch der von Bildschirmen und Computerequipment nur so übersät war. Ich staunte über diese ganze Technik von der in diesem Ausmaß ich nicht so wirklich eine Ahnung hatte und trat näher, als Ibiki uns näher heranwinkte.
»Wie ihr seht versuchen wir alles, um das zu retten was von der Zerstörung des Systems noch übrig ist«, begann Ibiki und deutete mit einem nicken zu dem Jo-nin, der uns daraufhin ein Grinsen schenkte, ehe sein Blick sich wieder auf den Bildschirm heftete und seine Finger weiter über die Tastatur tanzten.
»Dabei ist es Kinoto…«, er klopfte besagten Jo-nin auf die Schulter. »…gelungen, das Material der Überwachungskamera soweit wieder herzustellen, dass wir uns die Aufnahmen während des Überfalls ansehen können.«
»Das hast du uns also zeigen wollen.« Ibiki nickte Sai zu, der interessiert näher getreten war.
»Exakt.«
»Worauf warten wir dann noch?« Auch ich war näher zu den Männern getreten, um besseren Blick auf den Bildschirm zu haben. Ibiki gab Kinoto ein Zeichen, der daraufhin seine Finger in rasender Geschwindigkeit über die Tastatur fliegen ließ und ein kleines Fenster aufrief.
»Film ab!«, sagte er übertrieben theatralisch, als er auf den Play-Button drückte. Die folgenden Zehn Minuten sahen wir zu, wie sich der Überfall ereignet hatte. Am Anfang sahen wir Fünf Chu-nin, die an ihren Plätzen ihrer Arbeit nachgingen, dann plötzlich wurde die Tür mit einem lauten Knall halb aus den Angeln gerissen und Chaos brach aus. Fliegende Kunais, Explosionen ertönten und eine riesige Staubwolke verdeckte kurzzeitig die Sicht auf das Geschehen, ehe Kampfgeräusche und lautes Geschrei durch den Rauch drangen. Eine beachtliche Anzahl an bis zu den Zähnen bewaffneten Männern bewegten sich durch den Raum. Warfen Computer, Tische und Stühle durch die Gegend, rissen Kabel heraus bis die Funken sprühten und zerstörten alles was nicht Niet und Nagelfest war. Mit einem zischen und verzerrten Bild endete die Aufzeichnung.
»Schrecklich«, kommentierte ich das gesehene und Sai stimmte mir mit einem Nicken zu.
»Doch eins verstehe ich nicht«, begann Sai nachdenklich, während er sein Kinn zwischen Daumen und Zeigefinger klemmte. »Warum haben sie nur alles zerstört und sind dann unverrichteter Dinge wieder abgezogen? Für mich ergibt das irgendwie keinen Sinn.«
»Worauf willst du hinaus?«, fragte Ibiki und Sai sah zu dem Jonin.
»Ich denke, dass dieser Überfall einen tieferen Sinn hat, als nur pure Verwüstung. Er diente nur als Ablenkung, aber für was?« Sein nachdenklicher Blick glitt zurück zu den Bildschirm, wo das Video immer noch geöffnet war. Auch ich sah zu dem eingefrorenen Bild und musste Sai´s Bedenken recht geben. Es war wirklich was merkwürdiges an der Sache, wenn man es auf den zweiten Blick betrachtete. Doch auch ich kam nicht drauf, was mich an dieser Sache so störte.
»Schauen wir es uns einfach noch einmal an, vielleicht haben wir irgendwas übersehen«, sagte ich und sah Kinoto auffordernd an, der nur kurz nickte, ehe er erneut das Video abspielen ließ. Sai und ich beugten uns noch näher vor und ich versuchte dieses Mal alles in mich aufzunehmen, den Überfallhergang genauestens zu analysieren und heraus zu finden, was mich daran so störte.
»Ich weiß nicht, was das noch bringen soll«, seufzte Kinoto irgendwann, als wir uns das Video schon zum fünften Mal ansahen. »Ihr seht nur Gespenster.«
Ibiki erwiderte gar nichts darauf. Stumm stand er neben uns und beobachtete mich und Sai dabei, als wir Kinoto noch einmal dazu aufforderten, dass Video ein sechstes Mal abzuspielen. Seufzend kam dieser unserer Aufforderung nach und startete es erneut.
»Ist es dir auch aufgefallen?«, fragte Sai ein paar Sekunden später an mich gewandt und ich nickte nur. Jetzt war ich mir ganz sicher.
»Habt ihr etwas heraus gefunden?«, fragte Ibiki und lenkte so unsere Aufmerksamkeit auf sich.
»Allerdings«, begann ich und zeigte mit dem Finger auf die Aufnahme. »Die vielen Männer die den Raum verwüstet haben, dienten wie schon Sai richtig vermutet hat, nur als Ablenkung.« Ich sah zu Sai, der mit meiner Erklärung fortfuhr.
»Ich war mir Anfangs nicht sicher, doch im Hintergrund ist nur ganz kurz eine Person zu sehen, die sich an den BackUp Servers zu schaffen gemacht hat.« Ibiki und auch Kinoto sahen auf den Bildschirm. Nach ihren verblüfften Blicken zu urteilen, war ihnen dieses Detail wohl entgangen.
»Spiel es noch mal ab, Kinoto«, forderte nun Ibiki und sein Tonfall wurde wenn es ging noch ernster. »In Zeitlupe, wenn möglich.«
Kinoto tat was man von ihm verlangte und spielte das Video wie gewünscht in Zeitlupe ab. Als wir die Stelle erreichten, pausierte Kinoto die Aufnahme und er, wie auch Ibiki starrten ungläubig auf den noch jung aussehenden Mann, der im Hintergrund sich an den Servern zu schaffen machte.
»Vergrößern«, befahl Ibiki und Kinoto zoomte das Bild heran, um das Gesicht des Mannes erkenntlicher zu machen.
»Haben wir eine Gesichtserkennung?«, fragte Ibiki ein paar Minuten später, als Kinoto das Gesicht des Mannes durch die Datenbank jagte.
»Ja, wir haben einen Treffer«, meinte Kinoto und rief das Bild eines Mannes auf, der laut Dokument aus Kiri-Gakure stammte. Ich schnappte überrascht nach Luft, als ich das Gesicht erkannte, das zu mir hochstarrte.
»Das kann doch nicht möglich sein«, rief ich, als ich immer noch auf das Foto starrte. Weiße Haare, lilane Augen und spitzulaufende Zähne, die zu einem frechen Grinsen verzogen waren. Es war eindeutig, ich kannte ihn. Sofort hatte ich die Aufmerksamkeit der drei Männer um mich herum.
»Kennst du ihn?« Ich nickte Ibiki zu, als meine Überraschung in Verwirrung umschlug. »Ja, dass ist ein Untergebener Orochimaru´s«, begann ich. »Er war mit Sasuke unterwegs, als wir ihn das letzte Mal über den Weg gelaufen sind. Er ist Mitglied in seinem Team.«
»Aber das kann doch nicht sein«, merkte Sai an. »Was hat ein Untergebener Orochimaru´s bei den Überfall der Rebellen zu suchen?«
»Ganz einfach«, meinte Ibiki, als er den Zusammenhang langsam begriff. »Entweder ist er zu den Rebellen übergelaufen, doch viel wahrscheinlicher ist, dass Orochimaru mit Tomohiro Matsuda gemeinsame Sache macht. Zuzutrauen wäre es ihm.«
Ungläubig starrten wir Ibiki an, als uns allen langsam dämmerte, was dies zu bedeuten hätte. Wenn Orochimaru sich wirklich mit Matsuda zusammen getan hatte, hieß das, dass dies eine Kriegserklärung an die ganzen Fünf Reiche bedeuten konnte.
»Informier sofort die Hokage«, befahl Ibiki entschieden. »Bring Lady Tsunade sofort aufs Bild!«
Kinoto tippte wild über die Tastatur und baute die Verbindung eines Call-Anrufes auf. Fünf Minuten später starrte Tsunades ernstes Gesicht über den Bildschirm und es herrschte angespanntes Schweigen, als Tsunade die bedrohlichen Neuigkeiten verdaute.
»Und du bist dir absolut sicher?«, fragte sie nach.
»Es sieht ganz danach aus.« Ibiki zeigte keinerlei Zweifel an der Möglichkeit, dass Orochimaru seine Finger mit im Spiel hatte.
»Verdammter Orochimaru!«, fluchte Tsunade und man hörte überdeutlich den lauten Schlag, als sie mit ihrem Arm ausholte und ihre Faust härter als beabsichtigt auf den Tisch schlug. »Ich hätte es wissen müssen!« Wütend schnaufend schloss sie kurz die Augen und versuchte sich wieder zu beruhigen. Nach ein paar Sekunden verschränkte sie ihre Finger in der gewohnten Haltung vor dem Gesicht und als sie die Augen wieder aufschlug sprühten sie vor Entschlossenheit und Kampfeswut.
»Nun gut, das ändert ein wenig den Ablauf von der Mission. Sakura, Sai…« Ich horchte auf, als die Hokage sich an uns wandte.
»Wir gehen vor wie besprochen, doch anstatt euch bei The RePressed einzuschleichen, möchte ich, dass ihr erst Orochimaru unter die Lupe nehmt. Ich will wissen, ob er wirklich mit in der Sache drin steckt, bevor wir zu übereilt handeln.« Sai, sowie ich nickten ihr zu. »Verstanden«, sprachen er und ich wie aus einem Munde.
»Gut.« Tsunade wandte sich an Ibiki.
»Dann gib den beiden jetzt die nötigen Informationen, die du bisher gesammelt hast und erkläre ihnen, wie sie am besten Vorgehen sollten«, an Sai und mich gewandt sagte sie: »Ich zähl auf euch!«
»Du kannst dich auf uns verlassen«, versicherte ich ihr, ehe Sai und ich uns zu Ibiki wandten, um mit ihm den Lagebericht durchzugehen und eine Strategie auszuarbeiten.
»Dann weih uns mal in deinen Plan ein«, sagte ich an ihn gewandt. Ibiki grinste hinterlistig.
»Nur all zu gern.«
In der Taverne
Zwei Wochen. So lange waren wir schon unterwegs und versuchten einen Anhaltspunkt zu finden, der uns auf der Spur der Rebellengruppe oder Orochimaru brachte. Mit Hilfe von gezielt gesetzten Gerüchten die wir in der Nähe der Grenzen von Oto-Gakure streuten, versuchten wir Aufmerksamkeit zu erregen, so wie Ibiki uns angeraten hatte, doch bis jetzt war nichts passiert. Keiner ging näher auf unser Locken ein. Entweder wir gingen nicht effizienter mit unseren Behauptungen um oder wir suchten an der falschen Stelle. So oder so. Wir waren noch keinen einzigen Schritt weiter gekommen.
Seufzend hob ich mein Glas an die Lippen und trank einen Schluck von meinem Getränk, während ich unaufällig meinen Blick durch die zu dieser späten Stunde gut besuchten Taverne schweifen ließ.
Hauptsächlich waren Männer anwesend, die ihren Feierabend mit einem oder mehreren Krügen Bier genossen und sich mit anderen austauschten. Mein Blick blieb an einer Gruppe Männern mittleren Alters hängen, die die Köpfe eng zusammen gesteckt hatten und immer wieder in meine Richtung starrten, während sie miteinander tuschelten. Damit hatten sie angefangen, seitdem wir über die Schwelle des Gasthauses getreten waren. Frauen waren hier wohl nicht gerne gesehen. Ich seufzte wieder. Solange sie mich nur böse anstarrten würde ich es weitesgehends ignorieren.
Bedacht unauffällig spähte ich wieder zu Sai hinüber, der sich am Tresen der Bar niedergelassen hatte und sich mit dem Wirt unterhielt. Dieser hielt wohl nicht viel von der Unterhaltung, den sein Gesichtsausdruck blieb ernst und neutral, während er einen Krug polierte. Selbst von meinem Platz aus erkannte ich, dass wir auch hier kein Glück haben werden.
Dies bestätigte sich, als Sai ein paar Minuten später sich wieder vom Wirt abwandte und zurück zu mir an den Tisch kam. Schwer seufzend ließ er sich mir gegenüber nieder.
»Lass mich raten: Er weiß rein gar nichts oder?!«
»Zumindest behauptet er das.« Sai sah kurz über seine Schulter zurück zum Wirt, ehe er sich wieder zu mir wandte. »Ich denke jedoch, dass er irgendwas verheimlicht.«
»Hmm~«
Nachdenklich sah ich ebenfalls zum Wirt und versuchte ihn durch sein äußeres Erscheinungsbild einzuschätzen. Er war groß. Muskulös. Hatte mehr Haare am Kinn als auf dem Kopf und trug anständige Kleidung, die ihm als Wirt hervorstechen ließ. Nichts an seinem Auftreten ließ etwas vermuten, dass er etwas zum verstecken hätte. Er war ein normaler Wirt in einer normalen Taverne, in einer normalen ländlichen Gegend. Und doch musste ich Sai im stillen Recht geben. Denn der Ausdruck in seinen Augen gefiel mir nicht. Er verbarg etwas, soviel stand fest.
»Hat er sich für deine Worte interessiert?«, fragte ich, als ich mich wieder auf Sai konzentrierte.
»Nur mit halben Ohr«, seufzte Sai wieder und er nahm einen Schluck von dem Bier, dass er von der Bar mitgebracht hatte. »Er schien sich überhaupt nicht für die Gerüchte zu interessieren, die ich ihm so offenkundig präsentierte. Und trotzdem hatte ich genau mitbekommen wie er aufhorchte, als ich Eagle-Eye erwähnte.«
Eagle-Eye ist das computergestützte Erkennungssystem das alles überwachte und registrierte. Dieses KI-System war für die Sicherheit in Konoha verantwortlich und bis jetzt unantastbar gewesen, bis es die Rebellen in Sektor 7 eingebrochen waren ohne von dem System entdeckt zu werden. Dies war aber dank Tsunade nicht öffentlich bekannt gemacht worden und dies nutzten wir aus. So sah es zumindest Ibiki's Plan vor, denn wer auch immer stuzig bei unseren Gerücht wurde, hatte insgeheim auch etwas mit The RePressed zu tun. Und unser lieber Wirtsmann landete ganz oben auf unserer Verdächtigen-Liste. Er war die erste heiße Spur die wir finden konnten und ich hoffte, dass wir mit unserer Vermutung nicht falsch lagen.
»Es passiert was«, warnte ich Sai leise vor, als ich den Wirt dabei verstohlen beobachtete, wie er mit einem Mann an der Bar leise sprach und dabei uns einen Blick aus verengten Augen zuwarf, ehe er sich wieder auf seinen Gesprächspartner konzentrierte. Dieser riss ungläubig erst seine Augen auf, als auch er kurz in unsere Richtung sah.
Ich musterte ihn ebenfalls kurz. Er war ein Mann mittleren Alters, mit dünner Statur. Seine langen teils schon ergrauten Haare, die er im Nacken zusammengebunden hatte, waren dünn und fettig und er sah allgemein sehr ungepflegt aus. Seine Klamotten wirkten verschlissen und abgetragen und von seinen Schuhen fing ich gar nicht erst an. Eindeutig. Auch bei ihm hatte ich ein sehr ungutes Gefühl.
»Was siehst du?« Sai lehnte sich etwas zu mir vor.
»Unser Wirt unterhält sich mit einem Mann und beide sehen abwegig in unsere Richtung. Ich denke sie wissen etwas.«
»Hmm«, gab Sai diesen Laut von sich, ehe er leicht grinste. »Dann sollten wir ihnen wohl auf den Zahn fühlen gehen.« Er machte Anstalten sich zu erheben, doch ich hielt ihn auf, indem ich leicht mit dem Kopf schüttelte.
»Noch nicht. Ich denke wir sollten sie noch eine Weile beobachten, um ganz sicher zu gehen, bevor wir etwas unternehmen.«
Sai sah mich verständnislos an, dann schnaubte er abfällig. Ihm war anzusehen dass er mich für einfälltig hielt, jetzt da wir nun eventuell einen Anhaltspunkt gefunden hatten. »Ich werde ganz sicher nicht...« Er wurde unterbrochen, als ein Betrunkener plötzlich schwankend vor unserem Tisch zum stehen kam.
Geringschätzig betrachtete er uns durch seine stark alkoholisierten Augen bei denen es mich wunderte, dass er noch geradeaus schauen konnte. Er rülpste laut und ungeniert, ehe er uns wieder fixierte. »Ich habe gerade ein sehr interessantes Gerücht gehört«, lallte er und hob seinen Krug Bier an seinen Mund um einen großen Schluck zu trinken, wobei die Hälfte an seinen Mundwinkeln überschwappte und an den Seiten herunter tropfte.
»Hachiro mein guter«, er wischte sich Bier aus seinen langen und ungepflegten Bart, ehe er zu einer Gruppe Männer hinüber deutete. Ich erkannte, dass es die gleiche Truppe war, die mich vorhin schon beobachtet hatten. Er sah zu einem Rothaarigen Typen der wohl Hachiro war und dessen Nase durch den konsumierten Alkohol röter leuchtete als sein Haar, der dämlich zurück grinste und dabei eine Reihe sehr ungepflegter Zähne präsentierte.
»Er hat mir gerade erzählt, dass ein Bekannter von ihm der aus einem anderen Dorf stammt, ihm erzählt hat das vor kurzem ein Mann mit dunklen Haaren und blaser Haut zusammen mit einer hübschen Frau deren Haar wie Kirschblüten aussehen sollte, in ihr bescheidenes Dorf aufgetaucht waren und Gerüchte verbreitet haben. Angeblich sollen sie wissen, wie man an das schwer bewachte Sicherheitssystem kommt, was von Konoha besser beschützt wird als seine eigenen Bürger.« Abschätzig sah er erst Sai dann mich an.
»Seine Beschreibung passt Haargenau auf euch zwei.« Sofort erstarben alle Gespräche im Wirtshaus, denn der Mann vor uns hatte nicht gerade in einen leisen Ton gesprochen. Sofort lagen aller Augen auf uns und es herrschte eine solche drückende Stille im Raum, dass ich unruhig auf meinem Stuhl herum rutschte.
»Die Frage die wir uns nun alle stellen ist: Woher habt ihr diese Informationen und was bezweckt ihr damit dies groß herum zu posaunen?« Seine vom Alkohol ganz glasigen Augen fixierten uns mit einer solchen schärfe, die mir sagte, dass er noch gut genug klar denken konnte um uns misstrauisch gegenüber zu stehen. Verstohlen tauschte ich mit Sai einen Blick.
»Wir sind auf der Suche nach jemanden«, veriet ich zögerlich und zog so die Aufmerksamkeit des Mannes auf mich. Sein Blick wanderte unangenehm über mich hinweg und ein dreckiges Grinsen erschien auf seinem Gesicht. »Dann meine Schöne hoffe ich dass du nach mir gesucht hast«, rief er laut und dröhnendes Lachen und Pfeifen ertönte im Hintergrund von seinen Leuten. »Ich hätte nichts dagegen wenn du mir ein bisschen Aufmerksamkeit schenken würdest.« Er fasste sich vielsagend in den Schritt und machte in meine Richtung einen Luftkuss. Mein Blick wurde kalt. Angewiedert verzog ich mein Gesicht, während ich den Mann niederstarrte. »Nein, danke.«
Meine Abweisung schien ihm zu erzürnen.Energischer als nötig gewesen stellte er seinen Krug auf unserer Tischkante ab und beugte sich soweit zu mir vor, dass ich den Alkohol aus seinen Mund riechen konnte.
»Du wagst es mich abzuweisen?«, begann er und ich starrte ihm unerschrocken entgegen. Und ob ich dies tat. Sai der mein aufbrausendes Temperament kannte und wusste, das dies gleich so richtig eskalieren konnte, versuchte versöhnlich dazwischen zu gehen.
»Das reicht jetzt«, sagte er und starrte den Mann mit einen emotionslosen Blick aus seinen dunklen Augen an. »Wir sind nicht hier her gekommen um Ärger zu machen, sondern weil wir auf der Suche nach einem wichtigen Mann sind und nicht nach einem sturzbetrunkenen Rübel, der keinen Anstand und auch keine Manieren gegenüber einer Frau hat.« Der Trunkenbold starrte Sai angriffslustig an, dann legte er den Kopf in den Nacken und lachte schallend auf. Dann drehte er sich vielsagend zu seinen Kumpels um. »Habt ihr das gehört? Der kleine Hanswurst denkt er könnte sich mit mir anlegen!« Die Männer stimmten in das Lachen des Mannes vor uns mit ein. Dieser beugte sich nun ganz nah zu Sai vor. »Du kannst es gern versuchen, Kleiner.«
»Das einzige kleine hier ist dein Schwanz.«
Sai lächelte ohne eine Emotion zu zeigen zu dem Mann auf, der die Beleidigung erst ein paar Sekunden später verstand. Wütend verzog er sein Gesicht und holte mit der Faust zum Schlag aus.
»Na warte«, rief er laut und seine Faust schoss auf Sai zu, der gelassen zu dem Mann aufsah. Kurz vor seinem Gesicht blieb die Faust des Mannes in der Luft stehen, denn Sai hatte ihn mit Hilfe seines Jutsu's bewegungsunfähig gemacht. Die schwarze mit Chakra-getränkte Tinte schlängelte sich um den ganzen Körper des Mannes und im ersten Moment begriff dieser nicht, was geschehen war.
»Was zur...«, kam es überrascht über seinen Mund während es im Wirtshaus wieder mit einem Schlag mucksmäuschenstill war. Jeder Anwesende starrte in unsere Richtung und die Stimmung kühlte sich von Sekunde zu Sekunde immer weiter ab. Alamierend sah ich mich um und bemerkte dass der dürre Mann der sich vor ein paar Minuten noch mit dem Wirt unterhalten hatte, verschwunden war.
»Sai...«, begann ich, wurde jedoch von einer lauteren Stimme unterbrochen.
»Das sind verdammte Ninja's!«, schrie einer der Männer, der zu unseren Schluckspecht vor uns gehörte, laut durch den Raum. Obwohl es jeden wohl schon selbst klar geworden war, nach Sai's Vorstellung. Er hatte uns gerade alles zunichte gemacht, nur weil er den Mann hat beleidigen müssen. Ich würde erst später auf ihn wütend sein können. Jetzt erst mal mussten wir heil aus dieser Situation wieder heraus kommen, denn die Feindseeligkeit im Raum war fast mit den Händen zu greifen.
»Verschwindet«, zischte jemand aus der Menge.
»Ihr habt hier nichts zu suchen!«, rief ein anderer.
»Dreckiges Ninja-Pack!«
Ich wechselte mit Sai einen Blick, während die Stimmen der Anwesenden Leute immer lauter wurden. Es war allgemein bekannt, dass Ninja's in der Bevölkerung nicht mehr gut dastanden, da sie uns die Schuld daran gaben, dass die vorangeschrittene Technologie wegen uns und unseren Anbitionen verboten worden war. Aus dieser Frustration ist The RePressed erst entstanden. Sie schürten den Hass gegen uns in der Bevölkerung noch weiter an und dieses Ausmaß sahen wir nun hier live vor uns. Vorhin waren sie uns gegenüber nur misstrauisch, da wir nur Fremde in ihren Augen waren die seltsame Behauptungen überall herum erzählten. Doch jetzt; jetzt starrten sie uns alle hasserfüllt an und einige knackten schon mit den Knöcheln, mehr als nur Kampfeslustig.
Bevor jedoch die ganze Situation eskalieren konnte erschallte plötzlich ein lauter Pfiff, der mir unangenehm ins Ohr fuhr. Bei dem schrillen Geräusch verzog ich leicht mein Gesicht, ehe ich wie alle anderen zum Wirt sah, der mit seinem Pfeifen schlagartig für Ruhe im Raum gesorgt hatte. Bedacht langsam kam er hinter dem Tresen vor und trat zu uns an den Tisch. Automatisch ging ich in Kampfstellung, denn er strahlte so eine Bedrohung aus, dass es mir die Nackenhaare aufstellten. Er sah erst mich, dann Sai dunkel an, ehe sein Blick sich auf den Mann richtete, der immer noch von Sai's Tinte gefesselt war.
»Ich entschuldige mich für Jiro«, der Wirt klopfte Jiro behutsam doch kräftig auf seine breite Schulter. Dieser zuckte leicht unter der Berührung zusammen, obwohl er sich nicht bewegen konnte. Ich sah wie er schluckte. Er hatte eindeutig Respekt vor dem Wirt. Und nicht nur er. Alle Anwesenden im Raum hielten sich still im Hintergrund und ich verengte leicht meine Augen. Unser Verdacht ihm gegenüber bestätigte sich immer mehr. Dieser Wirt hatte wirklich etwas zu verbergen, doch heute würden wir wohl nicht mehr herausfinden was es war. Soviel stand fest. Der Wirt richtete seinen Blick wieder auf uns.
»Sein Verhalten war nicht besonders freundlich euch gegenüber gewesen. Er vergisst immer gern seine Manieren wenn er mehr getrunken hat als gut für ihn ist.« Jiro wollte schon lautstark protestieren, doch ein scharfer Blick von dem Wirt ließ ihn abermals verstummen.
»Ich dulde keine Rauferei in meiner Taverne. Also wärst du so freundlich und würdest du dein Jutsu von ihm nehmen?!«
Der Wirt lächelte Sai zwar freundlich an, man konnte dennoch die Ernsthaftigkeit in seinen Zügen sehen. Sai schien dies auch wahrzunehmen, obwohl er sich außenhin nichts anmerken ließ. Er erwiederte das Lächeln des Wirtes. »Natürlich«, sagte Sai und löste mit einem Fingerzeichen sein Jutsu auf. Die Tinte zerfloss, rann wie Wasser an den massiven Körper von Jiro hinunter und sammelte sich zu einer Pfütze am Boden, ehe sie sich in den Behälter an Sai's Hüfte zurück zog. Der Wirt nickte zufrieden.
»Da nun dies geklärt ist, möchte ich dass ihr meine Taverne verlasst. Ich dulde hier die Anwesenheit von Ninja's nicht. Egal was ihr mit euren Behauptungen vor habt oder nach wem ihr sucht, ihr werdet hier niemanden finden der euch weiter helfen wird. Der Hass auf euch Shinobi ist dafür viel zu groß!« Noch einmal sah er uns mit einem scharfen und gleichzeitig verachtenden Blick an. »Verschwindet jetzt und lasst mir ein ordentliches Trinkgeld da. Für euch will ich den doppelten Preis für mein Bier, dass ihr getrunken habt.« Wir wiedersprachen ihm nicht. Deshalb verließen wir die Taverne zwar unbeschadet, doch mit erheblich leichteren Geldbeutel. Es hätte schlimmer kommen können.
Hinter einer Ecke im sicheren Abstand zur Taverne blieb ich stehen und funkelte Sai an.
»Super gemacht«, fuhr ich ihn wütend an. »Das war wohl die erste richtige Spur die uns näher an unser Ziel gebracht hätte und du vermasselst es!« Sai sah mich trotzig an. »Wenn ich den Rübel nicht aufgehalten hätte, hättest du ihm bestimmt zwei Sekunden später eine rein gehauen und wir wissen beide, dass du dabei die halbe Taverne zerstört hättest. Dies hätte das ganze noch schlimmer gemacht, als nur diesen Rausschmiss zu kassieren.« Ich öffnete den Mund um ihn dagegen zu sprechen, fand aber kein weiteres Argument. Denn Sai hatte Recht.
Geräuschvoll atmete ich aus und legte meinen Kopf in den Nacken um mich wieder zu beruhigen und um nachzudenken. »Was machen wir jetzt?«, fragte ich seufzend und Sai sah mich an als zweifelte er an meinem Verstand. »Das liegt doch wohl auf der Hand! Wir werden hier bleiben und weiter den Wirt beschatten. Er verbirgt etwas und wir müssen heraus finden ob er was mit Orochimaru oder mit The RePressed zu tun hat.«
»Dass wird jetzt wohl nicht mehr nötig sein«, ertönte eine Stimme über uns aus dem Dunkeln und im nächsten Moment sprangen vier Schatten vom gegenüberliegenden Dach zu uns hinunter und kesselten uns zwischen ihnen ein.
Das Oto- Quartett
Sofort stellte ich mich mit Sai Rücken an Rücken, kaum dass wir von den vier Shinobi´s umzingelt waren. Mit geballten Fäusten, die ich auf Brusthöhe vor mich hielt, schenkte ich den beiden Männern, die links und rechts seitlich neben mir standen nur einen kurzen Blick, ehe ich mich auf die einzige Frau in der Truppe konzentrierte, die mir direkt gegenüber stand. Kurz musterte ich sie. Sie hatte langes rotes Haar und hübsche Gesichtszüge, wenn sie diese nicht so höhnisch verziehen würde. Ihre braunen Augen sahen mir kalt entgegen und es fehlte jedliche Emotion in ihnen. Genau wie ihre Begleiter strahlte sie eine solche Gefahr aus, die mich frösteln ließ.
»Wer seid ihr?«, fragte ich ruhig, obwohl ihre Kleidung sie schon verriet. Keiner von ihnen trug ein Stirnband das verriet zu welchen Dorf sie angehörten und das Design ihrer Outfits schrien regelrecht nach Orochimaru.
Die Frau vor mir wechselte kurz einen Blick mit ihren Kollegen, ehe sie sich wieder an mich wandte und mir wieder einen äußerst überheblichen Blick zuwarf.
»Uns ist schon vor ein paar Tagen berichtet worden, dass zwei Personen an der Grenze zu Oto-Gakure sich herum treiben und interessante Gerüchte verbreiten«, überging sie einfach meine Frage und ihr Blick wurde noch härter, als er sich direkt in meinen bohrte.
»Es war pures Glück dass wir in der Nähe patrolliert haben, als uns unser Informant wegen euch informierte.«
Ein leises Kichern ertönte hinter der Frau und der dürre Mann, der sich vorhin noch mit dem Wirt unterhalten hatte trat in mein Blickfeld. Wie wir richtig vermutet hatten, war er ein Spion und der augenscheinlich für Oto-Gakure arbeitete. Sein Grinsen war breit und seine Augen funkelten hinterhältig, als er ein kleines Säckchen in der Hand leicht auf und ab hüpfen ließ. Dem Klimpern zur Folge war das sein Lohn dafür, dass er uns bei den Oto-nins verpfiffen hatte. Gerne würde ich ihm noch ein paar Münzen mehr drauf legen, denn er hatte nicht nur für sie gute Arbeit geleistet. Dank ihm hatten wir endlich einen direkten Weg zu Orochimaru gefunden. Die Frau drehte sich ebenfalls zu den Mann um und sah ihm kühl entgegen.
»Verschwinde. Deine Arbeit hier ist längst getan. Der Rest geht dich nichts mehr an!«, warf sie dem Helferlein giftig entgegen, dessen breites Grinsen sofort erstarrte. Leicht ängstlich sah er sie mit großen Augen an, ehe er sein Genick einzog.
»Natürlich. Verzeiht mir«, murmelte er leise und verbeugte sich noch einmal für seine Torheit entschuldigend vor ihr, ehe er sich trollte und wie ein Schatten in der Dunkelheit verschwand.
Ein Prusten ertönte links von mir. Der Mann mit den sechs Armen lachte schallend los, ehe er sich an die Frau wandte und ihr einen schellmischen Blick zuwarf.
»Taiyuya, musst du immer so unhöflich zu anderen sein? Der Arme hätte sich fast eingepisst.«
Taiyuya richtete ihren Blick auf den Mann links neben mir und verengte bissig ihre Augen.
»Halt die Fresse, Kidoumaru.«
»Na, na...«, vorwurfsvoll hob er ihr belehrend seinen Zeigefinger vor die Nase und wackelte leicht mit diesen hin und her. »So sollte sich eine junge Dame nicht ausdrücken.«
Taiyuya sah so aus als würde sie sich gleich auf Kidoumaru stürzen, als der dicke Kerl rechts von mir sich laut räusperte.
»Ihr könnt eure Streitereien wann anders fortsezten«, sagte er in einem harten Ton, was die beiden sofort inne halten ließ. »Wir haben hier wichtigeres zu erledigen.«
Der Blick des kräftig gebauten Mannes landete wieder auf mir und Sai und die anderen beiden taten es ihm nach einen weiteren giftigen Blickwechsel untereinander knurrend gleich.
»Also, wärt ihr beiden nun so freundlich und würdet uns erklären warum ihr solche Gerüchte hier in der Gegend verbreitet?«
Nervosität breitete sich plötzlich in mir aus und ich musste mehrmals schlucken, da plötzlich ein dicker Kloß meine Kehle unangenehm verengte. Dieser Kerl ströhmte so ein beängstigendes Chakra aus, dass mir einen leichten Angstschweiß auf meine Haut trieb. Zum Glück übernahm Sai das reden.
»Es sind nicht nur Gerüchte die wir verbreiten«, log er frei heraus. »Wir wissen wirklich wie wir an das System Eagle-Eye heran kommen.«
Stumm sahen uns die vier an. Ihr Unglaube stand ihnen regelrecht ins Gesicht geschrieben. Es war offensichtlich, dass sie Sai kein Wort glaubten.
»Die Sache ist die, mein Freund«, erhob der Weißhaarige Kerl der direkt vor Sai stand und ihn mit einem aufgesetzten Lächeln kühl ansah, seine Stimme. »Wir glauben euch kein Wort. Also, wenn ihr nicht sterben wollt, sagt ihr besser die Wahrheit.«
»Sakon«, warnte der dicke Typ seinen Kollegen, der ihn nicht einmal einen Blick schenkte. Er starrte weiterhin Sai an und versuchte ihm mit seinen Worten Angst einzujagen. Sai allerdings ließ sich nicht von ihm einschüchtern. Furchtlos sah er Sakon entgegen und hatte auch noch die Nerven dazu ihn anzulächeln.
»Ob ihr mir glaubt oder nicht ist mir eigentlich relativ egal und es ist allein eure Entscheidung, doch Fakt ist, dass es für euch ein fataler Fehler wäre uns jetzt und hier einfach zu töten. Orochimaru wäre nicht sehr begeistert davon, wenn er erfährt welchen Vorteil er gegenüber den Fünf Dörfern er damit verlieren würde.«
Sai lehnte sich mit seinen Worten sehr weit aus dem Fenster und ich hätte ihm gern meinen Ellenbogen warnend in den Rücken gerammt, doch ich traute mich nicht, da Taiyuya jede meiner Bewegungen genauensten beobachtete. Bei dem Namen des abtrünnigen San-nin´s allerdings versteiften sich die vier gleichzeitig, ehe sie uns angriffslustig entgegen starrten.
»Woher willst du kleiner Wicht wissen, was unser Meister braucht und was nicht!«, zischte Sakon Sai scharf entgegen.
»Der lügt doch wie gedruckt!«, meinte Kidoumaru.
»Lasst sie uns Töten!«, schlug Taiyuya vor und schenkte mir dabei ein zuckersüßes Lächeln, während ihr Ausdruck in ihren Augen nicht mörderischer sein konnte.
Das war´s. Es war offensichtlich dass sie uns kein Wort glaubten. Sie würden uns umbringen, wenn wir uns nicht schnell was anderes einfallen lassen würden.
Mein Blick fiel auf den dicken Kerl, der als einziger nichts gesagt hatte. Nachdenklich musterte er uns. Er schien eindeutig der klügste Kopf in der Truppe zu sein.
»Wartet«, sagte er langsam und hielt damit die anderen drei auf, die sich schon für einen Angriff bereit gemacht hatten. Erleichtert atmete ich aus und hoffte, dass wir es noch heil aus dieser Situation heraus schafften. Die vier waren unser Weg zu Orochimaru und wir durften es jetzt nicht vermasseln. Es war unsere einzige Chance, bevor die Mission scheiterte, bevor sie überhaupt richtig angefangen hatte. Wir mussten unbedingt um einen Kampf herum kommen.
»Warum sollten wir auf dich hören, Jiroubou?«, spottete Sakon, als er Jiroubou einen kurzen Blick zuwarf. »Du hast uns gar nichts zu sagen.«
»Genau«, pflichtete Kidoumaru Sakon bei und hob seinen Finger an seinen Mund. Ein langer Chakrageladener Faden löste sich von seinen Lippen und diesen zog er lang und länger, als er seinen Finger wieder von seinem Mund entfernte. Er erinnerte mich immer mehr an eine Spinne. Eklig.
»Ich will ihr Blut sehen«, sagte Taiyuya und holte eine Flöte aus ihrer Gesäßtasche hervor.
»Ich sagte, ihr sollt warten!«, knurrte Jiroubou nun lauter und agressiver los, was die anderen nur mit einem genervten Seufzen und bösen Blicken quittierten.
»Worauf denn, verdammt noch mal!« Taiyuya sah Jiroubou angepisst an, was dieser jedoch gefließendlich ignorierte.
»Was ist wenn sie doch die Wahrheit sagen?«, stellte er die Frage in die Runde und die drei brachen gleichzeitig in Gelächter aus.
»Das glaubst du wohl selbst nicht oder?!«, meinte Kidoumaru.
»Aber was ist, wenn doch«, hielt Jiroubou dagegen und beäugte erst mich dann Sai mit einem scharfen Blick. Er versuchte die Situation richtig einzuschätzen, ehe er voreilig handelte wie seine Kollegen es tun wollten. Dies gefiel mir ein klein wenig an ihm. Er ließ sich nicht gleich von Emotionen leiten und ging überlegt an die Sache ran.
Stumm verfolgten Sai und auch ich das Geschehen. Alles hing jetzt von der Entscheidung von diesem Jiroubou ab. Keiner von uns beiden wollte noch mehr Öl ins Feuer schütten, als ohnehin schon. Ein paar Sekunden verstrichen, indem Jiroubou uns nur nachdenklich anstarrte. Dies machte mich noch nervöser und ich musste an mich halten nicht von einem Bein aufs andere zu hüpfen. Ich durfte mir mein Unbehagen nicht anmerken lassen, was sehr schwer war, da mein Herz in einen unregelmäßigen Takt wild gegen meine Brust klopfte.
»Ich denke wir sollten die beiden zu Meister Orochimaru bringen«, schlug Jiroubou vor und zog mit seinen Worten sogleich den Missmut seiner drei Kollegen auf sich.
»Was?! Wieso sollten wir dass denn tun?«, fragte Sakon gleich ungläubig. Er zweifelte offensichtilich an dem Verstand seines Kameraden.
»Genau, es wäre viel besser sie zu töten«, sagte Taiyuya, während Kidoumaru ihr beipflichtete. Jiroubou blieb jedoch standhaft.
»Überlegt doch mal. Der Bursche hat Recht mit dem was er sagt. Ist es wirklich wahr was er behauptet, dann bin ich mir sicher, dass Meister Orochimaru davon erfahren möchte. Soll er entscheiden, wie es mit den beiden hier weiter gehen soll. Wenn sie für unseren Meister keinen Nutzen haben, dann können wir sie immer noch Töten.«
Stille senkte sich über die Gruppe, als die anderen drei Jiroubou´s Worten durch den Kopf gehen ließen. Gespannt verfolgten wir das Geschehen, denn von dieser Entscheidung hing alles für uns ab.
»Ich denke«, fing Kidoumaru zögerlich an. »Das Jiroubou recht haben könnte«
Sakon schnaubte nur, entspannte dabei aber seine Haltung wieder, genau wie Kidoumaru. Alle drei sahen nun zu Taiyuya, die immer noch angepisst wirkte.
»Na schön«, lenkte sie nach ein paar Sekunden des zögerns ein und warf Jiroubou einen äußerst giftigen Blick zu, ehe sie ihren Finger auf ihn richtete. »Du übernimmst für diesen Irrsinn die komplette Verantwortung.«
Dieser nickte entschieden.
»Natürlich.«
»Okay.«
Damit richtete Taiyuya wieder ihren Blick auf mich. Das Zuckersüße kalte Lächeln kehrte auf ihre Lippen zurück, was mir immer noch leicht Angst machte.
»Da habt ihr ja noch einmal Glück gehabt was?!«, sagte sie an mich und Sai gewandt, während sie ihre Flöte an den Mund hob.
»Wartet«, erhob ich erschrocken meine Stimme, als ich merkte wie sie ihr Chakra in die Flöte fließen ließ. »Ich dachte, ihr bringt uns zu Orochimaru.«
»Für dich immer noch Meister Orochimaru, Miststück«, fauchte sie mir verbessernt entgegen. »Und keine Sorge, du wirst unseren Meister schon noch früh genug zu Gesicht bekommen.«
»Taiyuya. Rede nicht so viel und fang endlich an. Ich habe keinen Bock ewig hier dumm rum zu stehen«, sagte Kidoumaru und Taiyuya schenkte ihm einen kurz genervten Blick.
»Ich mach ja schon.«
Mit diesen Worten legte sie die Öffnung der Flöte an ihre Lippen und holte tief Luft, um diese in das Instrument fließen zu lassen. Noch bevor Sai oder ich etwas dagegen unternehmen konnten ertönte der erste Laut aus dem Istrument und mit jedem weiteren darauf folgenden Ton spürte ich, wie sich ein unglaubig starkes Gen-Jutsu über mich und Sai legte. Selbst für mich war es unmöglich sich vollständig vor diesem Gen-Jutsu zu schützen oder gar dagegen anzukämpfen. Ich merkte wie es mich in seinen Bann zog und mit jedem weiteren Klang dieser schrecklich klingenden Melodie wurde es immer schwärzer um mich, bevor ich gänzlich in eine unendliche Dunkelheit gezogen wurde, aus der ich allein nicht wieder heraus kam.
~.~
Ich mochte die Dunkelheit nicht. Sie war Kalt und erdrückend. Wie ein dunkler Schleier legte sie sich um mich und zog mich weiter in das unendliche Nichts hinunter von dem ich wusste, dass es kein Entkommen gab. Wie viel Zeit war vergangen? Waren es nur Sekunden, Minuten, Stunden oder sogar schon Tage, die ich hier in diesem Nirvada verbrachte? Die schreckliche Melodie, die leise in meinem Bewusstsein gespielt hatte, war mit einem Mal verschwunden und langsam versuchte ich etwas, irgendetwas wahrzunehmen. Verzweifelt war ich damit beschäftigt meine Sinne nach etwas auszustrecken, was mir half hier wieder heraus zu kommen. Doch da war nichts. Ich war allein...
»...ura.«
Ich runzelte meine Stirn. Rief jemand nach mir oder bildete ich mir dies nur ein?
»Sakura.« Da - schon wieder. Jemand rief meinen Namen.
Wer war das?
Ich versuchte meine Augen zu öffnen, doch die Dunkelheit in der ich immer noch schwebte, machten meine Lieder sooo sooo schwer.
»Sakura, wach auf!«, forderte mich diese Stimme drängend auf, aufzuwachen.
Jemand rüttelte mich.
Missmutig gab ich einen missfallenden Laut von mir, als ich mich langsam aus dieser bleischweren Benommenheit heraus kämpfte. Wieder rief die Stimme meinen Namen und dieses Mal klang sie schon lauter und näher als zuvor. Blinzelnd versuchte ich ein weiteres Mal meine Augen zu öffnen und beim dritten Versuch klappte es endlich.
»Na endlich«, sagte jemand direkt neben mir und ich erkannte, dass es Sai war, der neben mir auf dem Boden saß. Langsam rappelte ich mich in eine sitzende Position auf und nahm unsere Umgebung wahr. Wir waren allein in einem dunklen Raum, der komplett aus grauem Stein erbaut worden war. Eine einzelne Fackel, die neben der Holztür in ihrem Halfter hing spendete schwach etwas Licht. Ich sah mich in diesem sperrlichen Licht im Raum noch einmal etwas genauer um, doch da war nichts. Der Raum war komplett leer, bis auf uns zwei.
»Wo sind wir?«, fragte ich, obwohl ich es mir schon denken konnte. Sai sah sich ebenfalls im Raum um, ehe sein Blick vielsagend sich wieder auf mich legte.
»Was denkst du wohl?!«, stellte er mir eine sarkastisch ausgesprochende Gegenfrage und ich bedeckte ihn mit einem genervten Blick.
»Wie lange sind wir schon hier? Und wo sind diese vier Oto-nin´s abgeblieben?«
Sai zuckte nur als Antwort mit seinen Schultern.
»Ich weiß es nicht. Ich bin erst vor ein paar Minuten wieder zu mir gekommen und habe nur dich schnarchend neben mir entdeckt.«
»Hey«, meinte ich und kniff meine Augen leicht zusammen, als ich Sai böse anstarrte. »Ich schnarche nicht.«
»Und ob du das tust«, hielt er dagegen und zeigte sein unechtes Lächeln, was mir so sehr an ihm auf die Nerven ging.
»Und war so laut, dass ich mich frage, wie ich es den ganzen Weg bis hier her nicht gehört hatte.«
Genervt rollte ich mit den Augen und gab Sai einen Klapps auf die Schulter. Ich war im Moment nicht sonderlich zu Scherzen zumute, vor allem nicht, wenn ich nicht wusste wo genau wir eigendlich waren und vor allem, wenn ich nicht wusste was jezt genau auf uns zukam. Wieder sah ich mich im Raum um. Fand aber immer noch nichts, was uns irgendwie nützlich wäre.
Seufzend wandte ich mich wieder zu Sai um, der mir ruhig entgegen sah.
»Wir sollen uns besser einen Plan überlegen, wie wir am besten weiter vorgehen sollten, jetzt wo wir noch unter uns sind.«
Sai stimmte mir mit einem knappen Nicken zu.
»Du hast Recht«, sagte er und sein Blick wurde ernst, als er überlegend seinen Daumen an seine Unterlippe legte.
»Ich denke wir sollten bei unserer Behauptung bleiben. Wir werden Orochimaru einfach von Eagle-Eye erzählen und sehen ob er etwas davon weiß. Weiß er bereits davon, können wir mit Sicherheit davon ausgehen, dass er mit The RePressed in Verbindung steht«, schlussfolgerte Sai und ich gab ihm im stillen Recht. Doch würde es so einfach sein? Orochimaru war für seine kleinen Spielchen bekannt und man wusste nie, was der San-nin dachte oder vor hatte. Er war ein schwer durchschaubarer Mensch und es würde kein leichtes Unterfangen werden herauszufinden, ob er wirklich seine bleichen Finger mit im Spiel hatte oder nicht.
»Wir müssen sehr vorsichtig sein«, legte ich Sai und auch mir selbst nahe. »Wir dürfen auf keinen Fall etwas überstürzten, denn ansonsten wird das ganze hier wirklich mit unseren Tod enden.«
»Ich weiß.« Sai seufzte. »Am besten überlässt du mir das Reden. Ich werde schon Orochimaru davon überzeugen, dass wir für ihn unverzichtbar sind. Das wird schon, vertrau mir!«
Dieses mal seufzte ich, nickte aber langsam. Sai klang viel zu zuversichtlich, was mir Sorgen bereitete. Ich versuchte aber mein Unbehagen zu verstecken. Wir sprachen hier von Orochimaru. Einer der gefährlichsten Männer der gesammten Shinobi-Welt überhaupt. Angstschweiß bildete sich auf meiner Haut bei den Gedanken an den gefürchteten San-nin. Ich war ihm in meinem Leben schon ein paar Mal über den Weg gelaufen und bei jeder Begegnung saß die Angst tief in meinen Knochen, denn Orochimaru strahlte so viel Kälte, Bosheit und Skurpellosigkeit aus, dass ich mich jedes Mal wie eine kleine Maus fühlte, die vor einer großen und äußerst hungrigen Schlange saß, wissend, dass sie gleich verschlungen wurde.
Ich schluckte.
»Ich hoffe du hast Recht.<<