Tag 2
Am nächsten Morgen fühlte ich mich seltsam kaputt. Zwar hatte ich geschlafen, aber es war, als hätte ich es nicht getan, nein eigentlich sogar noch schlimmer. Andauernd musste ich gähnen, fror, mir war schwindelig und ich war extrem nervös.
Letzteres war ich zwar sowieso immer, aber, was ich nicht für möglich gehalten hatte, es konnte sogar schlimmer werden…
Bei jedem Geräusch, das ich nicht sofort zuordnen konnte, zuckte ich zusammen, schwankte leicht beim Gehen, als wenn ich Alkohol getrunken hätte.
Naja, jedenfalls würde ich es mir so vorstellen, wenn man betrunken war, genau sagen konnte ich es nicht, da ich noch nie wirklich Alkohol getrunken hatte!
Craig hatte mich geweckt, war aus dem Zimmer verschwunden und kam zehn Minuten später wieder nach oben. Als er bemerkte, dass ich mich noch immer unter meiner Bettdecke verkroch - es war eben kalt hier drinnen - zog er mir diese weg.
“Wir kommen zu spät zur Schule, wenn du weiter schläfst.”, stellte er fest, streckte sich leicht, wobei er zu seiner Tasche ging, um sich neue Sachen rauszusuchen.
Seelenruhig begann er sich umzuziehen. Ihm war es egal, dass ich ihn dabei beobachtete…
Erst das weiße T-Shirt aus, dann musste sich noch einmal gestreckt werden, der Pulli für den Tag wurde rausgekramt, wobei er sich so bückte, dass er mir den Arsch rausstreckte, zum Schluss, nachdem alle Kleidung für heute rausgesucht war, zog er sich auch noch die Shorts aus, sodass er ohne Kleidung in meinem Zimmer stand…
Warum auch immer, aber ich fühlte, wie meine Wangen heiß wurden… Sicherlich hatte ich mir eine Grippe eingefangen! Denn Craig ohne Kleidung zu sehen, war ja wohl nichts besonderes, wir duschten ja auch nach dem Sport meist alle zusammen…
Wie dem auch sei, fast schon schwerfällig wandte ich den Blick ab, krabbelte aus meinem Bett, wankte zum Schrank und landete erst einmal auf dem Fußboden.
“Tweek?” Fragend sah der, mittlerweile wieder halb bekleidete Craig mich an.
“Hast du gesoffen, oder warum kippst du um?”
Kopfschüttelnd winkte ich ab, stand wieder auf und suchte mir etwas zum Anziehen heraus. Von wegen gesoffen… Es wussten schließlich alle, dass ich keinen Alkohol trank! Schmeckte mir, glaub ich, nicht…
Ich wurde angegrinst, er zog sich weiter an und meinte zu mir: “Beeil dich, deine Mom ist am Frühstück machen.”
“Woher weißt du das?”
“Weil ich sie darum gebeten habe?”
Darauf wusste ich keine Antwort mehr, zuckte die Schultern und seufzte. Jetzt musste ich die schon warm getragenen Sachen ausziehen und eiskalte aus dem Schrank anziehen. Allein schon bei dem Gedanken bekam ich eine Gänsehaut. Das war nicht fair…
Vor Kälte zitternd begann auch ich mich umzuziehen, bemerkte dabei, dass Craig auf meinem Bett saß und mich dabei beobachtete… Und irgendwie war mir das peinlich!
Allerdings beschloss ich, nichts zu sagen, da er nichts Dummes denken sollte… Das musste nicht sein!
Daher drehte ich ihm einfach den Rücken zu, damit er einfach nicht merkte, dass ich sicherlich rot im Gesicht war.
Was in aller Welt war bloß mit mir los…? Ich stieß einen leisen Seufzer aus, zog meine Jeans, dann ein T-Shirt, einen Pulli und eine Sweatjacke an.
Als wir nach unten gingen, musterte Craig mich genau. “Bist du krank?”
“Nein.”
“Sicher?”
“Ja.”
Ein Versuch, ihn anzugrinsen scheiterte irgendwie kläglich, sodass ich nur dümmlich schaute…
“Ahja…” Mehr sagte er dazu nicht mehr, setzte sich an den Tisch und wartete, dass auch ich saß.
Wie auch immer Craig es geschafft hatte, es stand kein Kaffee auf dem Tisch, sondern Kakao.
“Guten Morgen Tweek.”, begrüßte Mom mich lächelnd, “Gut geschlafen?”
Als Antwort bekam sie nur ein Zusammenzucken. Warum in aller Welt schlich sie sich auch von hinten an???
“Er zittert, ihm scheint kalt zu sein und er kippt um, wenn er läuft.”, berichtete mein Gegenüber meiner Mutter, “außerdem ist er ziemlich rot um die Nase.”
Na super, er machte sie jetzt darauf aufmerksam, dass es mir nicht gut ging. Dabei hatte ich es in den letzten Jahren immer vermieden, meine Eltern merken zu lassen, wenn es mir schlecht ging! Es interessierte sie sowieso nicht!
‘Das hat mit seinem ADS zu tun.’, würde sie jetzt sicherlich sagen, und tatsächlich: “Mach dir keine Sorgen. Das kommt vom ADS.”, lächelte sie. Ich konnte einfach nicht anders, als meinen Kopf mit einem ‘RUMMS’ auf die Tischplatte fallen zu lassen. Blöde Aktion, denn ab da kamen auch noch Kopfschmerzen dazu…
Ich war ihm echt dankbar, dass er es ab diesem Augenblick dabei beließ. Craig versuchte meiner Mutter nicht mehr klar zu machen, dass das sicher nicht vom ADS kam, aber ich wusste, dass er genau das dachte.
Das restliche Frühstück verlief in erster Linie schweigend. Ich trank meinen warmen Kakao, stand schließlich auf, ging ins Bad, wo ich dieses ekelhafte Gesöff wieder hoch würgte. Wenigstens hatte es gewärmt, als ich es trank…
Nur empfehlen kann ich es nicht, es schmeckt widerlich!
Zählte Cappuccino eigentlich auch zur Wette…?
Während ich mich erneut erbracht, klopfte es an der Tür. “Tweek! Komm jetzt da raus! Wir müssen langsam los!”
Mühsam brachte ich ein “Bin Zähneputzen…”, heraus, würgte erneut und spukte alles ins Klo.
Nie wieder Kakao für mich!
“Dann mach auf! Ich will auch noch da rein!”
Einen neuerlichen Brechreiz unterdrückend öffnete ich die Tür. Craig sagte nichts, ging zum Waschbecken und putzte sich die Zähne. Ich tat es ihm gleich, kämmte meine Haare und seufzte.
“Fertig…”
Mit Kopf- und Magenschmerzen, Schwindel, totaler Müdigkeit, Nervosität und extrem frierend verließ ich hinter Craig das Haus.
“Du solltest zum Arzt gehen.”
“Nein.”
“Du kannst nicht mal gerade gehen.”
“Egal.”
Ich ging nie zum Arzt. Der würde mir eh das Gleiche erzählen, was meine Eltern meinten. Also wusste ich schließlich schon, was ich hatte. Mich störte es eben nicht, dass ich nicht geradeaus gehen konnte, dass mir mein Kopf solche Schmerzen bereitete, dass ich nicht richtig denken konnte, dass ich selbst mit vier Schichten Kleidung fror…
Hoffentlich war in der Schule die Heizung an!
Wir kamen am Zielort an und wie schon am ersten Tag wurden wir schon erwartet.
Als Cartman mich erblickte, wie ich mich schwankend auf meinen Platz setzte und den Kopf auf den Tisch fallen ließ, schrie er vor Begeisterung auf.
Mit geschlossenen Augen versuchte ich diese penetrant nervige Stimme zu verdrängen, doch es klappte nicht.
“Craig, was immer du getan hast, du bist der Größte! Es ist etwas passiert!”, rief der Fettarsch freudig.
“Dude, ich weiß nicht, ob das wirklich gut ist…”, hörte ich Kyles Stimme, “schau ihn dir an, er sieht krank aus!”
“Ach was!”, kam die Antwort von Clyde, “der schauspielert nur, damit wir ihm die Wette erlassen.”
Mühsam setzte ich mich auf. Ich wollte ihnen keinen Grund geben, weiter darüber zu diskutieren, ob ich schauspielerte oder nicht!
Allerdings interessierte das gerade keinen, sie waren in ihre hitzige Diskussion vertieft, weswegen keiner bemerkte, dass sie wieder da waren. Die Ratten…
“Oh mein Gott, nicht jetzt…”, murmelte ich, schreckte gehörig zusammen und sprang von meinem Stuhl auf. “Ohne mich! Ich bin weg!” Fluchtartig versuchte ich das Klassenzimmer zu verlassen, konnte mich aber nicht auf meinen Füßen halten, knickte ein und fiel zu Boden. “Au…”
Die anderen waren zwar jetzt auf mich aufmerksam geworden, aber was keiner merkte war, dass die Ratten Kenny angriffen!
“Sie wollen ihn fressen!”, brüllte ich, zeigte auf Kenny und ließ dann meinen Kopf auf den Boden sinken.
“Er ist echt nicht okay…”
“Er glüht förmlich.”
“Vielleicht hat er eine Grippe?”
“Von heute auf morgen? Butters, halts Maul.”
“Aber…”
“Kein Aber! Bringen wir ihn zu Schwester Gollum.”
“Ich mach das.”
Ich merkte, wie ich hochgehoben wurde und öffnete die Augen. Sofort fuhr ein heftiger Schmerz durch meinen Kopf. Es dauerte eine Weile, bis dieser nachließ.
Cartman war der, der mich aus dem Zimmer trug, Butters folgte ihm. Die Anderen blieben im Raum zurück.
“Super! So haben wir keinen Unterricht mehr!” Sobald die Tür hinter ihm geschlossen war, wurde ich wieder auf meine eigenen Füße gestellt. “Du kannst selber laufen, Dude.”
Von wegen… meine Knie gaben nach, aber sofort zog er mich wieder hoch.
“Hör auf damit, das ist nicht lustig!”
“Eric… ich glaub, er spielt das nicht…” Butters’ Stimme war leise, er hatte Angst vor Cartman. Ein Wunder, dass er überhaupt den Mund aufmachte, aber er hatte Recht. Doch das sagte ich nicht, ich wollte nicht von Cartman getragen werden, wollte nicht zur Schulkrankenschwester und auch nicht, dass sich irgendwer Sorgen machte!
Also stand ich, so gut es ging auf meinen eigenen Füßen, drehte mich um und schwankte zurück ins Klassenzimmer. Zwar war es mir extrem unangenehm, dass alle mich so sahen, aber immer noch besser, als wenn im Krankenzimmer meine Eltern benachrichtigt wurden.
Was ich nicht erwartet hatte war, dass mich tatsächlich niemand wegschickte.
Hätte mich nach dem Unterricht jemand gefragt, was wir gemacht hatten, wäre das einzige, was ich hätte antworten können, dass es sich alles extrem hingezogen hatte.
Das Nachsitzen am Nachmittag tat insoweit gut, dass niemand irgendetwas erzählte, wo man zuhören musste. Es war einfach nur ruhig.
Zu meinem Erstaunen saß Kenny aber ebenfalls mit mir im Raum und das sogar ohne irgendwelche Verletzungen. Irgendetwas lief hier verdammt falsch…
Heftiges Schütteln durchfuhr meinen Körper, ich zitterte, zuckte bei jedem Geräusch zusammen und versuchte mich zu beschäftigen, indem ich nervös meine Hände knetete.
Ich wollte nicht mehr…
Irgendwie musste ich diesen unendlichen Druck doch loswerden können, der mich förmlich zusammen drückte. Sonst hatte ich einfach eine Tasse Kaffee getrunken, aber ich wollte nicht riskieren, wieder allein sein zu müssen. Vor allem nicht, nachdem sie sogar Kenny angegriffen hatten!
Nach dem Nachsitzen, welches von Direktorin Viktoria mit einem, meiner Ansicht nach viel zu lauten: “Ihr könnt jetzt gehen.” beendet wurde, wartete Cartman auf mich.
“Oh nein…”, kam ein Seufzen über meine Lippen. Viel schlimmer erschrak ich allerdings, als Kenny wie aus dem Nichts auftauchte und mir eine Hand auf die Schulter legte.
“Das wird schon.”, stellte er aufmunternd fest.
“Da seid ihr ja endlich!”, schimpfe Cartman. Scheinbar würde Kenny auch mit kommen… Wenigstens etwas… Obwohl, mit einem Idioten und einem Geist zusammen zu sein, war auch nicht das Wahre.
Der Weg war seitens Cartman mit Hasstiraden gegen Kyle gepflastert, der scheinbar beschlossen hatte, wer wann aufpassen würde, dass ich keinen Kaffee trank. Kenny dagegen passte auf, dass ich nicht umkippte, schlecht ging es mir noch immer.
Wir kamen bei mir Zuhause an und wurden von meiner Mutter begrüßt.
“Hallo Tweek, hallo Jungs. Wie war euer Tag?”
“Huh…”, antwortete ich nur mit zittriger Stimme und wankte nach oben, gefolgt von den beiden anderen.
Nach dem Essen, Mom hatte uns Pommes nach oben gebracht, schaltete Cartman den Fernseher an, machte es sich auf meinem Bett bequem und seufzte zufrieden auf.
“Habt ihr auch Cheesy Poofs oder Kekse?”, wollte er wissen, woraufhin ich mit den Schultern zuckte. “Selbst wenn, du kriegst keine. Es gab grad erst Essen.”, erklärte ich ihm, wollte erneut zum Sprechen ansetzen, doch schon wieder überkam mich eine Welle der Übelkeit und ich eilte ins Bad, um mich erneut zu übergeben.
Dieser Druck, diese Schmerzen, unerträglich… Ich kämpfte eine Weile mit mir selbst, setzte mich dann auf den Badewannenrand und schloss die Augen.
Es tat schon fast gut, einfach nur da zu sitzen, doch sobald ich mich erhob, fing es wieder an.
Genau in diesem Augenblick erinnerte ich mich an einen Bericht, den ich mal im Fernsehen gesehen hatte. Ein Mädchen konnte mit dem Druck nicht mehr umgehen und schnitt sich die Arme auf…
Mit einer frischen Rasierklinge saß ich auf dem Boden, betrachtete das silberne Metall. Mehrmals setzte ich sie auf meinem Arm an, zog sie aber wieder weg. Das konnte ich nicht machen, wirklich nicht.
Oder war ich echt so verzweifelt? Erneut setzte ich die Klinge auf meinen Arm auf, entschied mich dann, sie nicht an der Pulsader, sondern auf der Oberseite des Arms anzusetzen.
Mit geschlossenen Augen atmete ich noch einmal tief durch, drückte die Klinge auf die Haut und zog sie darüber. Ein ziehender Schmerz fuhr meinen Arm hoch, aber es blutete nicht…
Es musste aber bluten, damit es funktionierte! Das hatten sie im Fernsehen gesagt!
Also wiederholte ich die Prozedur drei Mal, bis endlich die erlösende rote Flüssigkeit meinen Arm hinunter lief.
Und tatsächlich, aller Druck fiel mit den Tropfen auf zu Boden. Eine Weile betrachtete ich das Farbenspiel, stand dann auf, noch ein wenig wackliger auf den Beinen als vorher, wusch das Blut von meinem Arm, wickelte einen Verband darum - ein Pflaster reichte nicht aus - und legte die mittlerweile gesäuberte Rasierklinge in meinen Schrank.
Jetzt machte ich nur noch den Boden sauber, zog den Ärmel über den Verband und verließ befreit das Bad.
Draußen stand Cartman und blickte mich säuerlich an.
“Na toll, du hast sicher das Klo vollgestunken! Musst du genau dann scheißen gehen, wenn ich aufs Klo will?”
Unsanft schubste er mich beiseite und wacklig, wie ich auf den Beinen war, landete ich mal wieder auf dem Boden. Aber egal. Mir ging es soweit dennoch gut. Mit zufriedenem Gesichtsausdruck kam ich in mein Zimmer, blickte auf die Uhr und gähnte.
Sechs Uhr abends… Mir egal, was die anderen beiden noch machten, aber ich kuschelte mich in mein Bett und schloss die Augen. Ich war müde. Und trotz diesem Erschöpfungsgefühl ging es mir super. Zufrieden seufzte ich. Zwar hörte ich noch, wie Kenny mich irgendetwas fragte, war aber Außerstande, den Inhalt des Satzes herauszufiltern.
Sekunden später war ich eingeschlafen.
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So, jetzt noch einmal ich mit dem gleichen Kommentar wie am Anfang, nur ein wenig ausgefeilter, ihr habt ja jetzt alles gelesen >.<
Bitte teert und federt mich nicht dafür, dass Tweek sich die Arme aufschneidet ._.
Das ist niemals eine Lösung, es gibt immer bessere Wege!
Ich will nichts verherrlichen oder verharmlosen, nur muss ich ja auch iC bleiben...
Ich hoffe, ihr verzeiht mir QQ
Wenn es große Proteste gibt, kann ich das Kapitel auch neu schreiben und mir etwas anderes ausdenken, versprochen!
