Von Mechanikern, die nichts können
Wow, das Kapitel ist echt lang geworden. Es ist eigentlich schon seit über einer Woche fertig, aber ich hatte Probleme mit dem Internet und konnte es deshalb nicht hochladen.
Eines fettes Dankeschön and meine einzige Kommentatorin elina, die wahrscheinlicha auch meine einzige Leserin ist.
Noch mal was zu Story:
Ich komme aus Unterfranken und versuche, den Dialekt sprachlich in die Dialoge einzubauen. Falls jemand nichts mit dem Wort "fai" anfangen kann, es unterstreicht die Bedeutung eines Satzes noch mal.
eure Youko
Von Mechanikern, die nichts können
Am nächsten Tag saß die Klasse 9a, nachdem sie in Sport gelernt hatten, dass man das Band bei der Rhythmischen Sportgymnastik nicht wie eine Bratpfanne schwingt und wie man bis acht zählt („Euer Gesicht ist vor Anstrengung bis acht zu zählen verzerrt!“), und in Englisch, dass man keine Dusche haben kann („Nein! Man kann keine Dusche haben! Man kann nur eine nehmen!“ Sven reißt Dusche aus der Wand raus: „Jetzt hab ich eine genommen.“), in ihrem abgegammelten Klassenzimmer und Frau Gelbsall laberte sie mit Krebsnebeln und Parabolflügen zu.
Youko schaute abwesend aus dem Fenster und erspähte ein schwarze Katze, oder einen Kater, das wusste Youko nicht genau.
„Aliss, da läuft ne Katze“, sagte Youko, nicht bemüht leise zu sprechen.
„WAS?! Da läuft ne KOTZE?“, schrie Aliss entsetzt.
Plötzlich ertönt lautes Gelächter.
„Hm? Was is los? “, fragte Aliss.
Keiner antwortete ihr.
„Hey! Du da!“, sagte Aliss laut, flüsterte aber dann zu Youko, „Wie heißt der?“
Diese antwortete zugleich: „Des is Friedrich!“
„Friedrich! Was is passiert?“
Angesprochener schaute sie nur an und machte keine Anstalten ihr zu antworten. Frau Gelbsall hatte wohl Aliss’ Gebrüll gehört und erklärte allen, die es nicht mitbekommen hatten, was gerade so lustig gewesen war: „Ich sach zur Diana: ‚Ess’ net so viel, sonst musste aufs Klo.“, schau die anderen da im Eck an und sach. 'Des gilt auch für euch.’ Dann brüllt der Flow einfach rum: ‚Ich schreib immerhin mit, net so wie der Timo!’ Dann is Stille und irgendwo hört man noch: ’Gibt es wirklich rote Birnen?’ Ihr seid so einmalig! Richtig knuffig!“ Die Mathematiklehrerin lächelte den teilweise schlafenden, essenden und brüllenden Kindern zu.
„Achsooo“, meinte Aliss uninteressiert, „Was war jetzt mit der laufenden Kotze?“
Luna hatte nun auch etwas gehört. „Häh, was is los?“
Youko schlug ihren Kopf auf das Pult. „Nicht Kotze. Sondern Katze! K-A-T-Z-E!“
Ihre Banknachbarin machte wieder das „Wie-langweilig“-Geräusch: „Achsooo.“
Auf einmal sprang Timo auf und sprühte mit Deo herum. Es war ein Axe.
„Bum chika wah-wah!“, machte Danielus.
Aus Versehen sprühte Timo sich selber ins Gesicht.
Frau Gelbsall ergriff sofort die Initiative: „Wenn jetzt noch jemand isst –" Sven mit Brot in der Hand machte „Hmpf!“ „ -Oder mit Deo rumsprüht –" Timo wischte sich Tränen aus den Augen „- Wird derjenige raus gesperrt! Und dann mach ich die Tür zu!“ Sie deutete auf die Fenster, hinter denen es steil bergauf zum Pausenhof ging.
„Da war abba grad ne Katze!“, rief Simon.
„Was hat das denn jetzt damit zu tun?“, flüsterte Youko Aliss ins Ohr.
Doch plötzlich brüllte Simon Tobias an: „DU BIST KEINE ENTE!“
„Ich bin ein Huhn!“, verteidigte sich Tobias, „Das Huhn in mir erwacht zum Leben!“ Er machte einige Gackergeräusche, um es seinem Mitschüler zu veranschaulichen.
Verzweifelt versuchte Frau Gelbsall ihren Unterricht über Krebsnebel weiterzuführen. Besonders lustig fand die 9a den Gewichtsvergleich zwischen 1cm³ von diesem Nebel und Granit. 1cm³ Krebsnebel entsprachen mehreren Tausenden m³ Granit. Irgendjemand gab den Kommentar ab „Wiegt fast so viel wie der Tobi!“
Schließlich wurde die Klasse vom Schulgong erlöst.
„Stop!“, versuchte sich Frau Gelbsall durchzusetzen, „Wie heißt das letzte Lösungsverfahren?“ Doch es war zum verzweifeln. Die einzigen Antworten waren „Tobi is gay!“ und „Häääääääh? Ich bin die Fee!“ Fee war der Spitzname einer Schülerin, deren eigentlicher Name Frieda war. Der Nickname war auf einer Faschingsparty entstanden, bei der Frieda mit Feenflügeln aufgetaucht war. Alle rannten auf den Flur und wären fast in die draußen stehende Leiter gerannt. Offenbar wurde endlich das seit langem flatternde Licht repariert.
„Wer hat Aufsicht?“, fragte Tom, da die Jungs wieder mal den Lehrer ärgern wollten, der gerade das Unglück hatte, Aufsicht im Unterkeller zu haben.
„Berchi! Mc Berger!“, antwortete Chantal.
„Was zum Teufel ist bitte Mc Berger?“, informierte sich Belle entsetzt.
„Des hat der dicke Danny in der 7. Klasse mal gesungen. Mc Berger! Mc Berger! Kentucky Fried Staude and the Pizza Riger!“, sang Youko zur Melodie vom „Burger Dance“ von DJ Ötzi und machte die dazugehörigen Bewegungen dazu. Frau Staude war damals die Englischlehrerin gewesen. Oft wurde sie jedoch “Oma Stauda” genannt. Riger war der unbeliebte Mathematiklehrer, der immer seine wenigen Haare über seine Halbglatze kämmte.
„Des habt ihr also gemacht, als ihr klein und unschuldig wart?“, fragte Belle verwundert.
Youko konnte gar nicht antworten, da Tom mit einem lauten Knall gegen die Backsteinwand rannte. Doch die Mitschüler beachteten den am Boden liegenden Kerl nicht weiter, der sich schützend die Hand vors Gesicht hielt. Als er nach einer Minute immer noch dalag, was für den Wirbelwind Tom sehr ungewöhnlich war, ging Flow mit seinem Coffee-To-Go zu ihm hin.
„Jetz’ komm’ scho’!“, sagte er und klopfte einmal fest auf seinen verletzten Mitschüler.
Dieser zeigte immer noch keine Reaktion und so begannen langsam alle sich Sorgen zu machen und hinzugehen.
„Bist du OK?“, erkundigte sich Timo vorsichtig.
Jetzt drehte sich Tom um, sodass er jetzt mit dem Bauch nach oben lag, aber er hielt die Hände immer noch vor sein Gesicht. Nach zwei weiteren Minuten der Stille riss Tom plötzlich die Hände weg und rief mit komischer Stimme: „Tobi is gay!“
Alle hatten sich furchtbar erschrocken, lachten aber bald.
Nun kam letztendlich auch noch Luna mit mal wieder schlechter Laune aus dem Klassenzimmer.
„Oh, Luna, du bist soooooo langsam!“, sagte Youko. Das war so eine Art Ritual zwischen den beiden, hatte aber eigentlich keinen Sinn.
„Halt die Fresse!“, schnappte Luna.
„Ey, ey, ey!“, machte Belle.
„Kluger Satz“, bemerkte Youko.
Belle fuhr weiter fort: „Sei ma ruhig! Luna, Youko hat grad nen geilen Tanz aufgeführt! Voll lustig!“
„Sklavin der Liebe?“, fragte Luna hoffnungsvoll.
„Nee… so was anderes!“
„Mach mal vor!“, forderte Luna.
„Nein! Jetzt kommen die ganzen Leute aus dem Klassenzimmer!“, empörte sich Youko. Womit sie durchaus Recht hatte. Die restlichen Schüler der anderen neunten Klassen begaben sich nun auf den Schulflur.
Youko wirbelte herum und wäre beinahe in einen Mechaniker gerannt, der gerade auf seine Leiter wollte. „Sorry“, murmelte sie.
Auf dem Weg in den ersten Stock musste sich das Trio durch den Haufen sich versteckenden Klassenkameraden bahnen und sehr viele Treppen steigen; vorbei am Oberkeller, dem Ober-Oberkeller und dem Erdgeschoss bis sie endlich dort ankamen. Doch plötzlich kam ein Fünftklässler angerannt, laut „Kleinkinderalarm!“ brüllend.
Belle stutzte. „Ist das einer von euren Fünftklässlern?“, fragte sie verwundert. Damit meinte sie die Neulinge aus Youkos Dorf, von denen diese täglich Neues berichtete.
„Spinnst du? Unsre sind nicht so cool“, entrüstete sich die Angesprochene, „Unsre brüllen im Vorbeirennen so was wie: „Let’s go! Chicken ficken!“ oder „Jeder, der hinter uns ist, ist schwul! ...Und lesbisch!“ Hallo?! So warn wir früher nie!“
„Früher war halt alles besser“, meinte Luna, während sie die Tür zum Mädchenklo öffnete.
„Jaja, die Jugend von heu-„, fing Belle an, doch sie wurde von Luna unterbrochen, die laut quietschte: „Misi Bisi!“ Stellte dann aber fest, dass sich außer Misa-Misa noch andere Mädchen dort befanden und tadelte dann kopfschüttelnd: „Youko, dass du immer so laut sein musst.“
Youko öffnete gerade den Mund, um zu protestieren, doch Misa-Misa kam ihr zuvor: „Häh? Des warst doch du!“
„Du checkst es halt net!“ Luna war beleidigt.
„Echt ma, du bist sooo schlecht, Misa“, fügt Belle hinzu.
Misa-Misa hatte einen Hang zu auffälligen Outfits. Heute trug sie einen knallgelben Haarreif mit einem Plastikapfel oben drauf.
Belle packte Youko am Arm und zog sie zu der mittleren Kabine und meinte: „Mal schaun, was auf der Jungs-Tür steht.“ Seit einigen Tagen gab es eine ‚Jungs-Tür‘, wo die Namen einiger Jungs standen und die Meinungen von anderen Mädchen zu diesen.
Drinnen fiel den Beiden auf, dass auch der Name eines Jungen in ihrer Klasse auf der Tür war:
Danielus.
Danielus zog oft rosa an und Belle vermutete, dass einige Oberteile aus der Mädchenabteilung des H&M stammten.
„Der Geilste überhaupt…megasüß…voll sexy…“, murmelte Youko, „Was?!...Moment mal!“ Sie heftete ihre Augen auf eine Aussage, die wohl auf einer Unterstufentoilette nichts zu suchen hatte.
„Meine Freundin hat’s mit ihm versucht aber er war zu klein?!“, riefen beide unbeabsichtigt laut.
„Was?“, quiekte Luna und hämmerte gegen die Kabinentür.
„Ich würde jetzt zu gern wissen, wer das geschrieben hat“, meinte Youko.
„Ich auch…aber les mal das! Das ist fast noch besser!“, forderte Belle sie auf.
Youko lachte sich einen ab. „Des stimmt irgendwie: ‚Eingebildet und schwul‘!“
Luna hämmerte weiter gegen die Tür. „Ich will wissen wer und was! … Moment! Schwul? Danielus!“
„Bingo! 100 Punkte. Bei 101 gäb’s ne Waschmaschine!“, rief Youko.
„DAS ist alt“, meinte Belle.
„ich wa-heiß“, antworte Youko und ging wieder aus der Kabine raus.
„Wer ist Danielus?“, fragte Misa-Misa.
Luna winkte ab. „Das ist so ein schwuler Typ aus unsrer Klasse, der sich für mega-gutaussehend hält.“
Sie unterhielten sich noch ein paar Minuten bis der Schulgong ertönte und ihnen bedeutete, dass die Pause vorbei war.
Nachdem sie sich von Misa-Misa verabschiedet hatten, gingen die drei wieder nach unten zu ihrem miefigen Klassenzimmer.
Der Mechaniker stand unten und kratzte sich verwirrt den Kopf. ‚Mit der Lampe war alles in Ordnung, mit den Kabeln auch. Warum ging sie nicht?‘
Er sprach drei Schülerinnen an, die gerade vorbeiliefen.
„Ist das die flackernde Lampe?“ Er deutete auf die Neonröhre, die er gerade bearbeitete.
Die drei nickten.
Ein Rätsel. Warum funktionierte das dumme Ding nicht? Er tauschte die Lampe einfach aus, damit er wenigstens etwas gemacht hatte und ging wieder zurück zu seiner Werkstatt.
„Erst austauschen und dann merken, dass es die Falsche war … odda wat?“, sagte Belle und kratzte sich nachdenklich am Kopf, „Immerhin sah er gut aus!“
Da war Luna aber anderer Meinung: „Der Heimi sieht viel besser aus!“
Youko rief sich Heimis Gesicht in Erinnerung und schüttelte sich. Sie hatte ja persönlich nichts gegen ihn, zugegeben sie kannte ihn kaum, aber er hatte Schlauchbootlippen und seine Augen quollen irgendwie immer aus ihren Höhlen.
In den Augenwinkeln sah Youko, dass Belle wohl gerade das Gleiche dachte wie sie. Doch da die Diskussion, ob Heimi gut aussah oder nicht, schon oft geführt worden war, blieben die Beiden einfach still.
Die drei Schülerinnen setzten sich auf ihre Plätze, wo Aliss bereits auf sie wartete.
„Ich hab ihn wieder gesehen!“, verkündete sie fröhlich.
Doch Youko fiel gerade wieder etwas ein.
„Brenderella!“, rief sie nach dem Jungen, der vor ihr saß. Eigentlich hieß er ja Brenden, aber er hatte unendlich viele Spitznamen.
„Hörst du mir überhaupt zu?“, fragte Aliss beleidigt und zog einen Schmollmund.
„Wart‘ mal“, beschwichtigte Youko sie, „Brendetta!“
Doch der Junge im gestreiften Pulli war so damit beschäftigt, die Kapsel von einem Überraschungsei mit Papier und Alufolie zu bekleben, dass er sie nicht hörte.
‚Es ist zum verzweifeln‘, dachte Youko grimmig und schoss einen eiskalten Blick nach vorne.
Sven und Friedrich lachten sich total kaputt und Aliss war immer noch ein Schmollmauz.
Youko atmete tief durch und brüllte schließlich: „BRENDETTA!“
Nun hatte sie nicht nur Brendens Aufmerksamkeit, der vor Schreck sein präpariertes Ü-Ei hatte fallen lassen, auf sich gezogen, sonder die im Umkreis von drei Metern. Nur Tom, der gerade mit dem Landkartenhaltegerüst tanzte, hatte nichts mitbekommen.
„Ruhig Brauner. Es wird alles gut.“ Frank zwinkerte verständnisvoll, als ob er es mit einer geistig Gestörten zu tun hätte.
„Dich hat keiner gefragt!“, giftete Aliss ihn an. Die Beiden ließen keine Gelegenheit aus, den anderen fertig zu machen.
„Uuuuh, jetzt hab ich aber Angst!“, schoss Frank zurück.
Brenden drehte sich um und murmelte irgendwas Unverständliches.
„Ähm… hast du –" , fing Youko an.
„Du behindertes, kleines Kind! Wenn ich so aussähe wie du, würde ich meinen Kopf abschneiden und im Klo versenken!“, stritt Aliss mit Frank.
Dieser setzte seinen ‚klugen‘ Blick auf und sprach besserwisserisch: „Des geht doch gar nicht. Ja? Verstanden? Weil wenn ich keinen Kopf habe, kann ich auch meinen Körper nicht mehr steuern.“
„Da hilft die Vakuumhülle auch nix.“
Frank stupste seinen Banknachbarn Quilus an und flüsterte: „Uuuuh, Lissi fährt hartes Geschütz auf!“ Beide kicherten.
"Hast du das Interview?", fragte Youko. Als neuer Leiter der Technikgruppe musste Brenden der Schülerzeitung ein Interview geben. Weil er keine Ahnung von Tecknik hatte oder auch Angst, etwas Falsches zu sagen, hatte er beschlossen die Fragen einem Kollogen zu geben, der sich besser auskannte. Leider vergaß er immer die Antworten mitzubringen.
Brenden murmelte irgendwas, das wieder nicht zu verstehen war. Youko deutete das einnfach mal als 'nein'. Na gut, dann würde sie ihn eben nerven bis er es endlich auf die Reihe brächte. Aber im Moment war der anstehende Geschichtstest zu bestehen.
Der kauzige Geschichtslehrer Herr Thomas betrat das Klassenzimmer. Herr Thomas war ein aufgeweckter, runzliger, alter Lehrer, der immer begeistert über jeden Kommentar war. Dann blitzten seine Augen hinter der Brille auf der Nasenspitze und er kicherte wie ein kleines Mädchen, dem gerade etwas peinlich war. Er hatte einen einzigen Pullover in unendlich vielen Farben und Ausführungen, den er immer über ein schlichtes weißes Hemd anzog. Das Lustigste an der Erscheinung des Lehrers waren jedoch seine Schuhe, die einen 3 cm Absatz hatten. Damit stöckelte Herr Thomas dann immer wie eine Tussi zum Klassenzimmer. Er wackelte zum Pult und stellte seinen Koffer ab. Angespannt beobachtete die Klasse, wie er den Koffer öffnete und .... das Buch herausholte. Als der Lehrer die verwirrten Blicke der Schüler bemerkte, erklärte er: "Ich glaub', wir wiederholen erstmal den ganzen Stoff und dann schreib ich die Ex, weil sonst fällt die wieder so schlecht aus wie die erste."
Ja, den Hammerdurchschnitt von 4,31 würde wohl niemand so schnell vergessen. Also begann Herr Thomas die Klasse schon wieder über die Truman-Doktrin, die Byrnes-Rede und der Sowjetisierung der Ostgebiete aufzuklären. Zu fast jedem Ereignis fiel ihm noch ein Weiteres ein, das nur am Rande etwas mit dem Schulstoff zu tun hatte. Obwohl sie hätte zuhören müssen, weil sie auf einer glatten 4 stand, schweiften Youkos Gedanken schon bald ab. Erst als Herr Thomas ganz laut "Ahaaaaaaaaaaaa!" rief, versuchte sie dem Unterricht wieder zu folgen.
"Ja, du hast auch Verwandte, die mal in der DDR gewohnt haben?", fragte Lehrer begeistert.
"Nee. Ich wollt' nur sagen, dass wir da, glaub' ich, 'nen Rohrbruch haben, weil da is'n Tropfen und der Wasserfleck wird da auch immer größer!", antwortete Danielus, der sich gerade mitten in einer Erzählung des Geschichtslehrers gemeldet hatte, und deutete an die Decke auf eine Stelle oberhald der zweiten und dritten Tischreihe. Genau über der Lücke zwischen Toms und Tobias' Pult und Aliss' und Youkos Pult.
Wie zur Bestätigung fiel ein Wassertropfen von Decke auf Toms Kopf.
Danielus sprach weiter: "Soll ich zum Hausmeister gehen?" Irgendjemand machte leise: "Hallo, hallo, ich bin der Hausmeister Krause."
"Ach, die Decke hält das bis zum Ende der Stunde aus", versuchte Herr Thomas die nun aufgedrehte Klasse zu beruhigen. Er machte einen enttäuschten Eindruck, offenbar hatte der Lehrer auf einen sinnvollen Beitrag gehofft, wenn Danielus sich schon einmal in dem Schuljahr meldete. Herr Thomas fuhr mit seinem Unterricht fort, aber die Klasse war nun so von dem Tropfen an der Decke fasziniert, dass sie nur noch mit halben Ohr zuhörte. Besser gesagt, gar nicht.
Tom rannte kreischend über die Tische.
Tobias hielt seine Hande unter die Stelle, wo der Tropfen heruntergefallen war, und schaute dümmlich wie ein Hummer nach oben.
Diana schüttelte Timo und brüllte: "Rette mich! Rette mich!"
Quilus berechnete gerade die Geschwindigkeit des gefallenen Tropfen, wenn der Tropfen ein 1 mg gewogen hätte.
Sven lachte und haute mit der Hand auf das Pult.
Friedrich schüttelte den Kopf und murmelte: "Meine Fresse."
Kilian imitierte eine Sirene.
Frank rief: "Tobias, ich hab dir g'sacht, du sollst dich nicht auf die Wasserleitung setzen!"
Luna schaute ängstlich zur Decke.
Belle machte ein genervtes "Uuuuh."
Aliss und Youko schoben ihren Tisch in die Ecke, damit sie nicht nass wurden.
Und Mathew... er versuchte seine Beine mit einem Miniventilator zu rasieren.
"Jetzt guckt nach vorne! Da fällt jetzt keine übergewichtige Frau in ner Badewanne von der Decke!", rief Herr Thomas, um die panischen Schüler zu beruhigen. Erfolglos.
"Was willst'n du hier?", fragte Sven entrüstet, als die beiden Mädchen sich und den Tisch in die Ecke manövrierten.
"Ich hab dich eben gern!", antwortete Youko fröhlich und umarmte den armen Jungen.
Ein entsetztes "AAAAAH!" ertönte. Youko ließ Sven lieber los und hockte sich auf ihren Platz.
Auf einmal herrschte Stille. Tom hing an der Tafel. Tobias wandte langsam seinen ausdruckslosen Blick Sven zu.
Sven rief laut: "Was denn?" Die Schallwellen wurden von den Luftteilchen weitergegeben und ein zweiter Tropfen erzitterte. Alle schauten ängstlich an den Unglücksort.
Plötzlich musste Flow laut niesen. Timo, der in seine übliche Kippposition mit dem Stuhl eingekehrt war, wurde von der hohen Tonlage des Niesers so überrascht, dass er nach hinten kippte und seinen Kopf am Fenster anschlug.
Nun war es geschehen: Ein zweiter Tropfen fiel von der Decke. Erneut brach Panik aus.
Tom kreischte wie ein Affe.
Linus wandte sich zu Ina um und brüllte: "AAAAAH! AAAAAH! AAAAAH!"
Von Frieda kam ein verwirrtes "Häh?"
Timo schlug seinen Kopf erschreckend oft hintereinander seinen Kopf auf den Tisch.
Mathew war der Ventilator aus der Hand gefallen, welcher sich nun auf dem Boden selbstständig machte.
Tobias gackerte wie ein Huhn.
Erneut trat Stille ein. Doch diesmal starrten alle Tobias an.
"Wenn irgendwas passiert, leite ich Evakuierungsmaßnahmen ein!", beschwichtigte Herr Thomas die Klasse, die sich nun endlich abreagiert hatte. Rufe wie "Achso!" oder "Sie ziehen ja dann den Stöpsel raus!" waren zu hören. Irgendjemand, von dem Youko glaubte, dass es Timo war, rief "Herr Thomas, ich will ein Kind von Ihnen!"
Besagter Lehrer kicherte in den Ärmel seines lila Pullovers hinein. "Jetzt hab ich den Faden verloren. Wo war ich grad?"
Keine Antwort seitens der Klasse. Nur Tom, der sich gerade auf seinen Platz weit weg vom Wasserfleck setzte, verursachte ein Geräusch.
Herr Thomas war entrüstet. "Ey, kein Schwein hört mir zu!"
Doch mit seiner Predigt über das Desinteresse der 9a kam er nicht weiter. Ein unheilvolles Rumoren war nämlich zu hören. Kilian rannte panisch zu Tür und rüttelt am Türgriff. "Es geht nicht auf!", kreischte er.
"Oh, geh weg, du Mungo." Frank nahm die Sache lieber selbst in die Hand. Er drückte die Klinke fest nach unten und zog anschließend an dem dottergelben Modell, das perfekt auf das hellgelbe Holz der Türe abgestimmt war. Doch die Tür öffnete sich nicht.
Die Wassertröpfchen nahmen immer mehr zu und verließen zahlreich ihren Platz neben der Neonröhre. Mittlerweile waren einige aufgesprungen und diskutierten mit Kilian und Frank, ob sie zu dumm seien, um eine Tür zu öffnen. Youko konnte wegen dem Dröhnen nur einige wenige Wortfetzen von dem verstehen, was Frank sagte. "...nicht abgeschlossen...nicht auf..."
Nun konnte Aliss sich einen Kommentar nicht mehr verkneifen. "Total verwirrt, der Bub", sie hob ihre Stimme, "Seid ihr geistig zu beschränkt, oder was? Man muss fai drücken!" Und damit rauschte sie nach vorne.
Frank hob eine Augenbrauen und sprach: "Das. Glaube. Ich. Nicht."
Aliss probierte es mit Drücken und Ziehen, aber das hellgelbe Holz bewegte sich kein Stück.
Ein lautes Scheppern ertönte und eine der metallenen Bodenfließen fiel Tobias auf den Kopf. Riesige Wassermassen ergossen sich aus dem Loch in der Decke auf den Boden. Alle sahen den Wasserfall an.
Nun versuchten Kilian, Tobias und Sven die Türe aufzubrechen und warfen sich gleichzeitig gegen diese. Um sich vor der Überflutung zu retten, hatten sich einige Schüler und Schülerinnen auf ihre
Stühle und Tische gestellt. Diejenigen, die an den Fenstern saßen versuchten das Fenster zu öffnen, das groß genug war um hinauszugelangen. Aber auch dieses ließ sich nicht öffnen und hielt sich wie die anderen Fenster fest geschlossen.
Wer noch auf dem Boden stand, dem reichte das Wasser jetzt bis zu den Knöcheln.