Der Kauf
Kapitel 1: Der Kauf
„Und dieses Mittel wirkt wirklich?“ Ungläubig starte Jacky auf den kleinen Tonbecher in ihrer Hand.
„Drei Tropfen im Monat und Ihr werdet nicht Schwanger“, versicherte der Mann hinter dem Verkaufstresen diensteifrig. Normalerweise wollte niemand gerade dieses Produkt erstehen, doch die Frau vor ihm, der mehrlagige Kimono wies sie als hoch stehende Persönlichkeit aus, wollte wohl eine Pause vom ständigen Schwanger sein.
„Okata sama, seid Ihr Euch auch sicher, das zu erwerben? Sesshoumaru sama könnte darüber sehr erzürnt sein.“
„Das interessiert mich momentan weniger. Ich habe nun schon fünf Kinder mit ihm und will momentan kein sechstes. Da kann er toben, mich anbrüllen und mir drohen. Ich ändere meine Meinung vorläufig nicht.“
10 Jahre waren seit dem Zwischenfall mit den Wölfen vergangen. Es war eine ruhige Zeit gewesen. Jacky hatte sich nicht viel verändert und die junge Frau neben ihr auch nicht.
„Jacky-Sama!“ Eine weitere junge Frau eilte an ihre Seite. „Darf ich das haben?“
Rin hielt ihr eine Kette aus Muscheln hin.
„Aber ja.“
„Danke!“
Aus Kindern sind Erwachsene geworden, dachte sich die Fürstin und sah ihr hinterher. Rin war nun ungefähr 20 und schon lange im heiratsfähigem Alter. Doch sie wollte nicht und Sesshoumaru hatte bisher auch jeden Kandidaten für nicht würdig empfunden und vertrieben. Souna, Jaken und auch Jacky rauften sich deswegen aus verschiedenen Gründen die Haare. Souna und Jaken weil selbst der beste Prinz aus irgendeinem entfernten Fürstentum, und dicht mit dem Kaiserhaus verwandt, seiner Lordschaft nicht gut genug für seine Rin war. Jacky war von Haus aus der Meinung, dass es sich bestimmt schon noch ergeben wird, wenn ihre Stieftochter es selbst wollte und der Richtige daher kam. Insgeheim ahnte die Fürstin schon auf wen sie wartete.
In manchen Dingen störte sie persönlich das Mittelalter sehr. Besonders die Art, wie Frauen hier behandelt wurden. Da nahm sich ihr Ehemann nicht aus.
Dabei verstand sie ihn zu gut. Das alles beruhte nur aus seinem Beschützergefühl heraus, welches er ihr und den Kinder gegenüber entwickelt hatte.
Akiko neben ihr war nun mit Ryo verheiratet. Trotzdem ging sie noch ihrem Dienst nach, da die Kinder neben Rin, Sango, Kagome, Nodoka und Mira niemand anderes als Kindermädchen akzeptierten. Hangetsu und Shippou waren die besten Kumpels geworden. Beide waren etwas gewachsen und immer noch total verspielt. Miyu, Tôya und die anderen Geschwister wuchsen und gediehen prächtig. Die Zwillinge und ihr Stiefsohn Hangetsu sahen es als ihre Pflicht an, sich um die Jüngsten zu kümmern. Dabei hatten sie selbst genügend um die Ohren. Als sie alt genug waren, bekamen sie Privatunterricht. Jacky hatte protestiert und gemeint, sie könnten auch weiter zusammen mit den anderen Kindern unterrichtet werden. Doch da setzte sich nun Sesshoumaru durch und ließ keine Wiederworte zu. Die Drei waren intelligente und fleißige Kinder. Jacky wusste aber ab einem bestimmten Alter würde sie der Unterricht nur noch leidlich interessieren. Neben der normalen Schule unterwies Sesshoumaru seine Kinder persönlich in der Kampfkunst. Dazu kamen für Miyu noch Benimmunterricht und für Tôya und Hangetsu Reitstunden.
Sesshoumaru selbst war momentan nicht im Schloss und auf einer Inspektionsreise zusammen mit Inu Yasha in den Norden zu den Wölfen, die das Schloss von Meiyos Familie wieder aufgebaut haben.
Kagome war in den letzten 10 Jahren selten bis nie da gewesen und widmete sich ausgiebig ihrem Studium. Ein halbes Jahr war es nun her seit die fast- Frau-Doktor sie besucht hatte. Inu Yasha war darüber äußerst wütend gewesen und hatte sie trotzdem öfters besucht. Was dort geschehen war, darüber ließ sich der Hanyou nie aus. Seine Miene wurde nur bei jeder Stippvisite in der Zukunft immer finsterer. Was nur bedeutete, dass sie auf längere Sicht gesehen nicht zu ihnen kommen konnte.
Jacky ahnte was Kagome machte, sie schrieb an ihrer Doktorarbeit und das konnte dauern. Da konnte sich ihren Mann nicht bei gebrauchen. Vermutlich hatte sie ihn des Öfteren zu Boden befördert, weil er sie wieder mal unangemeldet und grundlos besucht hatte.
Sango und Miroku hatten neben Hakuro noch drei weitere Kinder zusammen und so wie es aussah, bald auch Nummer fünf.
Tenshou vertrat momentan seinen Enkelsohn. Er selbst hatte das Land bereist. Hatte alte Bekannte wieder getroffen, alte Bündnisse wiederbelebt und neue, wichtige Freundschaften geschlossen.
Ab und an ließen sich auch Inu no Taishou und seine zwei Frauen blicken. Besonders wenn es ein Fest gab oder ein weiteres Enkelkind geboren wurde.
„Nun schön, ich kaufe das Teil. Was kostet es?“
Der Käufer nannte den Preis und Jacky holte einige Münzen aus dem Geldversteck in ihrem Kimono. Sie legte sie auf den Tresen, nahm das Tongefäß und verstaute es vorsichtig in ihrem Beutel.
„Danke für Ihren Einkauf, meine Dame. Bitte beehren Sie mich bald wieder mit Ihrer Anwesenheit.“
„Ich habe zu danken.“
Jacky ging zusammen mit Akiko zum nächsten Stand und begutachtete die ausgelegte Ware.
Seit einigen Jahren veranstalteten sie immer im Frühjahr und im Spätherbst, nach der Ernte, einen Markt, wo jeder Einheimische und auch Fremde ihre Waren anboten. Bei der Einführung waren alle äusserst spektisch gewesen. Doch inzwischen profitierte jeder davon. Es floss Geld in die Staatskasse des Fürstentums und die Leute verdienten ordentlich. Die Waren befanden sich nun an einem Fleck und man musste nicht Kilometer weit reisen, um was Bestimmtes zu bekommen. Gerade hier in der Provinz von Japan war das ein enormer Fortschritt.
Vier Wochenende lang konnte jeder seine Erzeugnisse anbieten. Dabei hatte es sich eingebürgert, dass am Anfang und am Ende des Marktes ein kleines Fest stattfand. Menschen und Dämonen amüsierten sich dabei prächtig. Beide Rassen hatten sich aneinander gewöhnt und es herrschte meist Eintracht unter ihnen. Ab und an kam es zu Auseinandersetzungen, doch das regelte sich schnell. Sesshoumaru galt als harter, aber gerechter Richter. Alle nahmen seine Urteile ohne Widerspruch hin. Urteilte aber seine Frau, wenn er nicht zugegen war, wurden alle Seiten angehört und Jacky besah sich den Tatort, sollte es einen geben, immer selbst. Ihr fehlten die dämonischen Voraussetzungen und Eigenschaften und daher musste sie sich immer auf das Verlassen, was die Indizien und ihr Bauchgefühl ihr sagten.
Und ihr Bauch irrte sich meist nie.
Der Markt würde heute Abend seine Pforten schließen und erst im Herbst wieder öffnen. Jacky besah sich gerade einige schöne Stoffe an einem Stand, als hinter ihr ein Tumult ausbrach.
„Kannst du nicht aufpassen!“, brüllte ein Mann, als sie sich umdrehte. Sie sah etwas Kleines mit weißen Haaren durch die Menge laufen. Eine abgehetzte junge Frau hinterher.
Jacky erkannte sofort ihren zweitjüngster Sprössling.
Endlich hatte Jojoshi sie gefunden und rief:
„MAMA!“
„Solltest du nicht im Schloss warten?“, begrüßte sie sie nicht gerade freundlich und sah wütend auch sie herunter.
Verwundert blickte sie zu ihr hoch und merkte schnell, dass Mama von ihrer Gegenwart alles andere als begeistert war.
Sango keuchte hinter ihr, sich den Bauch haltend:
„Ich habe alles probiert, aber sie war nicht davon abzubringen, dich zu suchen. Sie hat die ganze Zeit geweint und war durch nichts zu beruhigen.“
Jojoshi war im Gegensatz zu den anderen Geschwistern das reinste Mutterkind. Während sich die anderen beiden Eltern ihre Aufmerksamkeit schenkten, hing sie sehr an der Mutter und schien Sesshoumaru gegenüber etwas ängstlich und bedachter zu sein.
„Mama wo seiest du?“
Sie brachte immer noch Wörter durcheinander.
Mit einem unschuldigen Blick sah Jojoshi zu ihr auf. Die Natur hatte ihr im Gegensatz zu den anderen Kindern blaue Augen gegeben. Klammerte sie sich deshalb so an Jacky?
Sie beugte sich nun herunter und nahm ihre Tochter auf die Arme. Sofort drückte sie sich an sie. Jacky war klar, dass sie sie nun nicht mehr los wurde. Aufseufzend sagte Jacky zu Sango:
„Geh bitte wieder ins Schloss, er bleibt nun bei mir.“
„Mach ich.“
„RIN!“
Jacky blickte sich um, sah sie an einem Stand stehen und mit einem jungen Mann reden. Erst beim zweiten Mal hinsehen erkannte sie in ihm Kohaku wieder. Der junge Dämonenjäger war seit zwei Jahren, sehr zum Verdruss von Sango, nicht mehr hier gewesen. Er hatte sich einer Gruppe junger Mönche angeschlossen und war im Lande umher gereist. Besorgt sah sie nun zu Sango hin, die ihn nun auch bemerkt hatte. Ihr Gesicht wurde weiß und langsam, mit bedächtigen Schritten ging sie auf ihren Bruder zu. Er war kein Mönch geworden, freute sie sich insgeheim. Kohaku sah auf und bemerkte Sango.
„Entschuldige mich bitte für einen Moment, Rin“, sprach er die junge Frau vor ihm an.
Die drehte sich um und erblickte seine Schwester. Schnell trat sie zur Seite, um dem nun endlich wieder vereinten Geschwistern nicht im Wege zu stehen.
„Du warst lange nicht da. Ich habe mir große Sorgen gemacht“, begrüßte sie ihn.
„Ich hatte viel zu büßen.“
„Ach du Trottel.“ Damit schloss sie ihn in ihre Arme.
„Ane-ue, wenn uns nun jemand sieht.“ Verzweifelt versuchte der hochrote junge Mann sich mit mäßigem Erfolg aus ihrer Umarmung zu befreien.
„Willkommen Zuhause, Kohaku-kun“, unterbrach Jacky schnell die herzliche Begrüssungsszene vor ihr. Verlegen entließ Sango ihn Tränenüberströmt aus ihren Armen.
„Jacky sama.“ Kohaku verbeugte sich tief vor ihr.
„Wir sollten nach Hause gehen. Ich habe alles, was ich brauche. Und ihr?“ Die Fürstin wandte sich mit einem fragenden Blick an die Frauen.
„Ich bin versorgt“, winkte Akiko ab.
„Lass uns gehen, Jacky sama.“ Überglücklich ergriff Rin ihre Hand und zog sie Richtung Schloss zurück. Jacky hatte sie schon so lange nicht mehr ausgelassen Lachen gesehen. Selbst Sesshoumaru war schon aufgefallen, dass seine Stieftochter ruhiger ist seitdem Kohaku weg war. Und das war ein Zeichen dafür, wie es in Rin wirklich aussah.
Familienleben
Kapitel 2: Familienleben
„MAMA!“ Hangetsu kam in Begleitung von Shippou angerannt und schlang seine Arme um ihre Beine.
„Warum bist du nicht im Unterricht?“, fragte sie ihn gleich.
„Ich bin fertig mit meiner Lektion, da durfte ich gehen.“
„Und du Shippou?“
An den Fuchsdämon gewandt.
„Bei mir war es das Gleiche“, winkte der ab.
„Fein. Dann geh ich nun rein, ziehe mich um und ihr macht euch über Aufgaben her.“
„Dürfen wir auch mit? Bitte! Bitte! Bitte!“, bettelte Hangetsu sie aufgeregt an.
„Wenn dein Vater wieder da ist, dürft ihr mit.“ Jacky tat es in der Seele weh, dass sie immer noch nicht mitdurften. Aber Strafe war Strafe. Sie persönlich war schon lange gegen übertrieben lange Zeit der Verbannung. Ihr Streit deswegen mit Sesshoumaru klang ihr erneut im Ohr nach. Solange er es nicht erlaubte, wollte sie ihm auch nicht in den Rücken fallen. Wenigstens in einem Bereich sollten sie einer Meinung sein. Ob es ihr nun passte, oder nicht. Egal wie heftig ihre Auseinandersetzungen in Bezug auf die Kindererziehung auch sein mögen. Die Fürstin vermutete fast, dass er genau aus eben diesem Grund das Verbot noch nicht aufgehoben hatte.
„Ach Menno.“ Der junge Hundedämon stapfte enttäuscht mit dem Fuss auf.
„Tut mir Leid, Hangetsu, ich habe die Spielregeln nicht gemacht, sondern dein Vater und der hat allen Grund dazu es zu tun. Erinnere dich an das letzte Mal, als ihr dabei sein durftet.“
Mit traurigem Blick nickten die beiden Freunde.
Vor vier Jahren war die gesamte Rasselbande mit einmal verschwunden und nach stundenlangem Suchen hatte man sie einträchtig tief schlafend im Wald bei der heißen Quelle gefunden. Sesshoumaru war äusserst ungehalten gewesen. Was so gesehen sogar noch untertrieben gewesen war. Gerade weil er damals, so wie in diesem Jahr, nicht an den Festivitäten hatte teilnehmen können.
Im Nachhinein hatten alle, inklusive Jacky, Tenshou, quasi der gesamte Hofstaat, einen Vortrag von Sesshoumaru über Verantwortung und nachlässige Pflichterfüllung gegenüber dem Fürstentum anhören dürfen. Besonders die Fürstin hatte sehr unter der ganzen Sache gelitten. Seine Worte taten da auch nicht gerade gut. Im Gegenteil, ihr eh schon schlechtes Gewissen schlug voll zu und sie konnte sich noch nicht mal mit ihm darüber richtig zanken, da er ja recht hatte mit seinen Worten. Und das schmerzte sehr.
Sie war hochschwanger gewesen und eigentlich gar nicht mehr hätte aufstehen dürfen. Doch die Sorge um die Kinder wog mehr. Der Schock über das Wiederfinden der Bande hatten bei ihr vorzeitige Wehen ausgelöst. Ihre zweitjüngste Tochter Jojoshi war bis jetzt das einzige Kind, bei dem Sesshoumaru nicht dabei war. Daher war er bei seiner Rückkehr sehr wütend gewesen und hatte seine Kinder und Shippou mit harten Maßnahmen bestraft. 2 Monate kein langes Aufbleiben, keine Extraportionen beim Essen, keine Gute-Nacht-Geschichten, kein Ausgehen und kein Spielen mit den anderen Kindern. Sie durften nur in der Burg bleiben und lernen. Parktisch Hausarrest. Jacky hatte ihn auf diese Zeitspanne herunter gehandelt.
Er wollte es ein Jahr so haben. Doch sie wusste, dass Kinder bei dieser Bestrafung eingehen würden. Die nun ausgehandelte Zeit war auch so schon genug. Doch Strafe musste sein. Ohne ein Wort sich vom Palastgelände zu entfernen war unverzeihlich.
„Wann kommen er und Inu Yasha denn wieder?“, wollte nun Shippou wissen.
„Ich weiß es nicht. Er hatte zwar versprochen, es noch vor dem Ende des Marktes zu schaffen, vermutlich sind beide aber aufgehalten wurden.“ Innerlich wünschte sie beide zurück. Es war mehr ein, kommt-gefälligst- zurück, sonst- setzt- es- was- Erflehen. Von Außen lies sie sich ihre Gefühle nicht anmerken.
„Warum nur müssen die sich auch immer in irgendwas verwickeln lassen?“ Die Miene von dem Fuchs sprach Bände. Beide kannten die Eigenarten der beiden Halbbrüder zu genau.
„Das scheint derer beider Talente zu sein. Genau wie der Vater.“ Tenshou trat zu ihnen. „Was hast du da in der Tasche, Jacky, das riecht komisch.“
„Ich will eine neue Gesichtscreme ausprobieren“, wich sie ungeschickt aus.
„Sicher?“ Prüfend musterte er sie.
„Doch, doch“, winkte sie schnell ab, „ Ich hab seit dem letzten Kind eine Sorgenfalte mehr auf der Stirn und die will und will nicht weggehen. Vielleicht hilft die Creme.“ Sie strich sich über die besagte Stelle.
„Falten? Ich sehe keine einzige. Du bist genauso schön und makellos wie an dem Tag, als ich dich kennen gelernt habe.“ Der alte Youkai kaufte ihr die Story mit den ersten Alterserscheinungen nicht wirklich ab. Er fragte sich allerdings, was sie eigentlich wirklich vor hatte mit dem Zeugs.
„Findest du?“ Gekonnt anzweifelnd sah sie ihn an.
„Finde ich. Nun aber rein mit euch und umziehen.“
„Jawohl, oyakata sama.“ Sie verbeugte sich und ging zusammen mit den Kindern und Frauen rein. Tenshou blieb nichts anderes übrig als ihnen nur noch Kopfschüttelnd hinterher zu blicken.
Kohaku blieb bei ihm stehen und konnte den Blick von Rins Rückenansicht nicht lösen. Zu gerne wäre er einen Moment länger mit ihr alleine geblieben.
„Sie ist eine wunderschöne, erwachsene Frau geworden, nicht wahr, Kohaku-kun?“, fragte ihn der alte Hundedämon und riss ihn damit aus seiner Betrachtung.
„Schon möglich“, murmelte der nur tief rot geworden und ging in die Richtung, in der sein Zimmer lag.
„Kohaku-Kun, das Schloss ist vergrößert worden. Ich bringe dich zu deinen Räumlichkeiten.“
Ryo trat auf ihn zu und deutete in eine andere Ecke des riesigen Gelände.
„Deine Familie hat nun ein eigenes Gebäude zugewiesen bekommen, gleich neben dem Tempel. Okata sama und oyakata sama haben es ihnen geschenkt.“
„Danke, Ryo kun.“
Er folgte dem Hundedämon.
Im Schlafzimmer von Jacky und Sesshoumaru:
„MAMA!“
Drei Mitglieder der Rasselbande kamen auf sie zugestürzt, blieben vor ihr stehen und blickten freudig zu ihr auf.
„Ich darf sie zu erst umarmen!“, bestimmte Miyu einfach.
„Warum eigentlich immer du zuerst?“ Tôya sah sie trotzig an.
„Weil ich die Älteste bin“, gab sie altklug zurück.
Während sich die Zwillinge noch stritten, umarmte Inochi, der drittälteste, die Beine seiner Mutter einfach.
„Geh da weg, jetzt bin ich dran!“ Miyu wollte ihn zur Seite schieben, doch Jackies strenger Blick von oben ließ sie innehalten:
„Du kommst auch gleich dran!“
Die Fürstin ließ sich aufs Bett fallen und wusste genau, jetzt gab es erst Recht eine Knuddelattacke. Und wie erwartet, sprangen ihre Kinder zu ihr aufs Bett und umarmten sie fest.
Der jüngste Sprössling, Jume, dieser immer weiter (und wie Jacky fand, unkontrollierbar) wachsenden Familie, ließ auch nicht lange auf sich warten und machte sich mit einem lauten „MAMA“, auf sich aufmerksam.
„Akiko, würdest du sie bitte herbringen?“, bat Jacky das Kindermädchen.
„Ja. Okata sama.“
Sie kam der Bitte ihrer Fürstin gerne nach.
„Mama, hast du uns was mitgebracht?“, fragte Tôya sie.
„Habt ihr alle denn auch fleißig gelernt?“, stellte sie die Gegenfrage.
„JA!“, dröhnte es ihr mehrstimmig und dem vollem Brustton der Überzeugung entgegen.
„Dann zeigt mir doch erst mal, was ihr nun alles könnt.“
„Jaken-Sama hat uns schon wieder von seinen Reisen mit Papa erzählt“, berichtete Inochi gelangweilt.
„Macht er das denn immer noch?“, wunderte sich Rin.
„Stell dir vor“, gähnte Miyu.
„Die Einzigen, bei denen mir der Unterricht Spaß macht, sind Miroku sama und Miyouga jiji“, bekräftigte auch Hangetsu mit vollem Eifer in der Stimme.
„Und der Unterricht bei Sesshoumaru?“, wollte Jacky nun genauer wissen. Sie erzählten so wenig über ihre vielen Aufgaben. Die Chance wollte sie sich nicht entgehen lassen. Manche Eigenarten der Kinder waren genau auszumachen, welcher Elternteil was vererbt hat. Diese war eindeutig Sesshoumaru zuzuschreiben.
„Papa ist sehr streng“, erzählte Miyu mit einem enttäuschten Unterton in der Stimme.
„Ich weiß, mein Schatz, aber er will nur, damit aus euch intelligente und gut kämpfende Hanyous werden.“ Sie konnte gut nachvollziehen, was ihre Tochter meinte.
Sie selbst hatte ihn immer noch als Lehrer. Sesshoumaru trainierte sie in der Kampftechnik. Und da war er gnadenlos. Wenn sie nicht gerade mit anderen Dingen beschäftigt war und er auch Zeit hatte, verzogen sie sich in die Trainingshalle. Dort tobten sie sich aus. Dort redeten sie über Dinge, die sie im Schloss nicht besprechen konnten. Ihr Zufluchtsort vor alltäglichen Dingen. Es tat beiden gut und es wurde inzwischen zu einem richtigen Ritual. In einem Nebenraum hatte Sesshoumaru zum 30. Geburtstag seiner Frau einen Ruheraum mit Bett und einer Badewanne einrichten lassen. Das Wasser musste man leider immer noch per Hand einfüllen, doch das störte sie beide nicht bei ihren Aktivitäten.
Es war ihre Wellnessoase, wie Jacky es mal nannte. Jeder hielt sich davon fern, wenn die Beiden sagten, sie gingen trainieren. Selbst die Kinder wussten, dass die Eltern dann nicht gestört werden wollten.
„Mama, du wolltest uns was geben“, holte die Stimme ihrer Tochter Miyu sie wieder auf den Boden zurück. Sie vermisste Sesshoumaru einfach zu sehr. Nach über 10 Jahren war sie immer noch wie am ersten Tag in ihn verliebt und tief in sich wusste sie ihm ging es nicht anders. Nie hätte sie erwartet, dass ihr so eine Liebe vergönnt gewesen sei.
„Erst eure Aufgaben, dann die Geschenke“, bat sie nachdrücklich.
„Ach Menno.“ Gefallen tat ihnen dies gewiss nicht, ihre Reaktion sprach für sich.
„Werdet nicht frech! Sonst gibt es gar nichts.“
Sogleich war sie von strahlenden und sehr lieben Kindern umgeben. Die Großen liefen los und holten ihre Hefte. Jacky suchte aus ihrer Tasche das Tongefäß heraus und betrachtete es ausgiebig.
„Mama, was du da hast?“, wollte ihre Zweitjüngste, Jojoshi, wissen.
„Nur eine Gesichtscreme.“
„Wofür gut?“
„Ihr macht mir alle immer so viel Sorgen, davon bekomm ich Falten im Gesicht. Und diese Creme macht sie wieder weg.“
„Mama schön.“
„Das ist lieb, mein Spatz.“
„Okata sama, die Kleine ist wieder eingeschlafen.“ Akiko deutete auf das Bündel Hanyou im Bett der Eltern.
„Wir lassen sie besser da“, flüsterte Jacky leise.
Die Jüngste war erst 2 Jahre und mittags nach dem Essen, im Gegensatz zu den anderen Kindern, noch richtig müde. Sie war mit Abstand bis jetzt auch die ruhigste von allen.
„Mama.“
Die Kinder erschienen wieder und hielten ihr alle der Reihe nach die Hefte hin.
Jacky begutachtete alles und fragte:
„Habt ihr Hausaufgaben auf?“
„Leider.“
Sie bemerkte die ausgeprägt geringe Begeisterung der Kinder.
„Und was?“
„Eine Zusammenfassung über die Erlebnisse von Jaken-Sama mit Papa.“ Die verdrehten Augen sagten noch mehr aus.
„Setzt euch gleich hin, dann habt ihr es hinter euch. Und nicht wieder voneinander abschreiben!“, ermahnte sie noch zusätzlich. Komisch, das hatte ihre Mutter auch immer zu ihr gesagt. Wie seltsam, dass manches doch bei jeder neuen Generation Kinder auftaucht.
„PAPA! INU YASHA!“, riefen Miyu, Tôya und Hangetsu mit einmal aus, rannten, die zwei jüngeren Geschwister, inklusive Rin und Shippou im Schlepptau zur Tür, schoben sie auf und waren nicht mehr zu sehen. Jume war wieder erwachte und folgte der Kinderschar tapsend, nachdem sie vom Bett mehr runter glitt, als das sie stieg. Aiko liess die Fürstin alleine, als alle weg waren, um etwas im Kinderzimmer weg zu räumen.
Gott sei Dank, sie sind wieder da, seufze Jacky erleichtert in Gedanken.
Sie besah sich das Gefäß, was sie immer noch in der Hand hielt, und fasste einen Entschluss. Sollte sie jetzt zögern, würde sie es nie tun.
Langsam und sich immer noch nicht sicher, ob es richtig war, was sie tat, ging sie zur Kommode, wo immer ein Krug mit Wasser und einige Tonbecher standen. Sie goss etwas Flüssigkeit in eines der Gefäße und öffnete das, was sie noch immer festhielt. Mit Bedacht ließ sie drei Tropfen ins Wasser fallen. Verschloss den Topf wieder. Sie schob die oberste der Schubladen auf, ließ ihn schnell da drinnen verschwinden und schloss die Lade wieder.
Mit einem Seufzer und dem festen Entschluss, Sesshoumaru nichts davon zu berichten, nahm sie den Becher auf und in einem Zug kippte sie das Wasser samt Beimischung runter.
Die Welt verschwamm vor ihren Augen, kaum war das Gesöff ihre Kehle runtergerannt und ein Brennen bis zum Magen hinterlassend. Ein Würgereiz stieg ihrem Rachen hinauf und vermittelte ihren Geschmacksknospen einen bitteren Eindruck. Von ihren Füssen ausgehend breitete sich ein Kribbeln im ganzen Körper aus. Es zog über den Bauch bis zum Kopf. Sogar ihre Ohren, die Augenlider, und die Nase kribbelten unangenehm. Besonders schlimm war es in den Finger- und Fussspitzen.
So musste es ich anfüllen, wenn man in einen Ameisenhaufen gefallen ist, dachte sie bei sich. Ihr Innenohr vermittelte ihr einen heftigen Schwindelanfall. Alles drehte sich in die falsche Richtung. Verzweifelt suchte sie einen Anker in diesem Chaos und fand ihn einzig und allein in der Kommode. Mit aller Kraft klammerte sie sich daran fest. Ihre Knöchel traten vor Anstrengung weiß hervor.
Endlich, nach einer ihr erscheinenden Unendlichkeit, hörte das Drehen auf. Liess das Kribbeln nach und sie fühlte sich nicht mehr schlecht.
Mit einer Bewegung strich sie sich die Haare aus der Stirn. Hola, die Waldfee, war das heftig. Ich habe mich das letzte Mal so gefühlt als ich schwer krank war.
Sie hatte immer noch die Augen geschlossen, als neben ihr ein entsetzter Schrei erklang:
„Okata sama!“
Changes
Kapitel 3: Changes
„Mir geht es gut, Akiko. Mir war kurz schwindelig.“
„okata sama! Eure Ohren und Euer Gesicht! Was ist passiert?“ Die Stimme ihrer Untergebenen dröhnte einem Schrei gleich in ihren Ohren.
„Was ist damit, es ist doch alles wie….“ Sie faste sie an die Ohrmuschel und verstand mit einmal Akikos Ausruf. „immer.“
Es stimmte absolut etwas nicht. Sie brauchte sofort einen Spiegel.
„Was ist geschehen?“
Mira erschien auf der Türschwelle. Blieb verschreckt stehen und brachte endlich hervor:
„Heilige Scheiße. Jacky, Was hast du gemacht?“
„Nichts, außer…“
„Sagt nicht, Ihr habt diese komischen Tropfen eingenommen?“ Akiko sah sie entsetzt von der Seite an.
„Was für Tropfen?“, verlangte Mira gleich zu erfahren.
„Ich habe auf dem Markt ein Mittel erstanden und das eben geschluckt. Anscheinend hat es irgendwelche Nebenwirkungen, die der Händler mir nicht sagen wollte.“
„Aber ganz eindeutige Nebenwirkungen. Sieh in den Spiegel.“ Irgendwie war Jacky die ganze Sache nun doch äusserst peinlich.
„Das will ich die ganze Zeit schon tun, doch ihr lasst mich ja nicht!“ Erbost sah sie von Mira zu Akiko und wieder zurück.
„Schon gut, Jacky. Geh nur, ich möchte nicht wissen, was dein Mann dazu sagen wird.“
Sie verstand immer noch nicht, was Mira damit meinte und trat nun endlich vor den bodenhohen Spiegel in ihrem Ankleidezimmer. Blickte eine Weile hinein, schien es erst gar nicht glauben wollen, bevor sie selbst zur Ruhe zwang und sagte:
„Okay, das ist nicht nett. Spitze Ohren und diese komischen Zeichen im Gesicht. Das einzige, was ich mag, sind die Fingernägel.“ Jacky hielt die Hand nach oben und besah sie sich. „Wenigstens brechen die nicht so schnell ab.“
„Was für ein Teufelszeug hast du da eigentlich geschluckt?“, wollte ihre Stellvertreterin nun wissen.
„Wenn du Sesshoumaru was davon sagst, bring ich dich um.“ Drohte ihre Fürstin gekonnt mit den Krallen.
„Schon gut. Ich sage ihm bestimmt nichts.“ Beschwichtigend hob Mira ihre Hände. Obwohl ihr durchaus klar war, dass der Angesprochene hier jederzeit reinplatzen konnte, wollte sie ihre Fürstin und Freundin wieder auf ein Level herunterbringen, wo sie vernünftig mit ihr reden konnte.
„Ich habe ein Verhütungsmittel gekauft.“
Die Hundedämonin riss die Augen auf.
„Du hast Recht, Sesshoumaru darf davon nichts wissen. Doch du hast nun ein Problem am Hals. Teste deine Nase und riech an dir.“
„Und warum sollte ich das tun?“ Jacky sah den Sinn nicht dahinter.
„Tu es einfach.“
Jacky tat ihr den Gefallen. Sie roch etwas seltsam zwischen den Beinen, wie sie fand. Wußte aber immer noch nicht, was Mira damit meinte:
„Ich kann dir immer noch nicht ganz folgen...“
„Du bist läufig“, klärte die Hundedämonin sie auf.
„Ich bin bitte schön was?“ Ungläubig und mit offenstehenden Mund starte Jacky sie an.
„Du bist gerade in der Phase einer Hundedämonin, wo sie alle Männchen anlockt und sehr paarungswillig ist.“
„Und wann hört das auf?“ Hoffentlich bald, betete sie innerlich.
„Sobald du dich mit einem Männchen gepaart hast.“
„Verdammte Scheisse!“ Warum in drei Teufels Namen musste eigentlich ihr immer so was passieren?, stellte sie sich selbst die Frage.
„Du sagst es. Wenn du nicht willst, dass ein anderer dich anspringt, dann musst du es Sesshoumaru beichten. Und zwar bald.“
„Was soll sie mir beichten?“, erklang eine bekannte männliche Stimme hinter ihnen.
Vor Schreck zuckten die drei Frauen zusammen. So schnell hatten sie nun doch nicht mit seiner Anwesenheit gerechnet.
Jacky sah zu Mira und Akiko. Sie wußte, da musste sie alleine durch.
„Bitte geht. Das ist eine Angelegenheit zwischen ihm und mir.“
Sesshoumaru´s Nase hatte ihm was gesagt, was er nicht glauben konnte. Seine Frau roch wie eine läufige Hundedämonin. Sah von hinten aber nicht so aus.
„Nehmt die Kinder mit und kommt erst morgen früh wieder“, befahl er den beiden Frauen.
„Akiko, Mira, könntet ihr bitte diesen Händler ausfindig machen und fragen, ob es ein Gegenmittel gibt“, bat Jacky sie noch.
„Machen wir.“
Es dauerte eine Weile, bis auch das letzte Kind aus den Räumlichkeiten der Eltern verschwunden war, Papa war wieder da, warum sollten sie da auch gehen? Dann waren sie beide endlich alleine.
„Was ist passiert, Jacky?“ Sesshoumarus Körper reagierte auf ihren Geruch. Er musste sich sehr zusammennehmen, um sich nicht gleich auf sie zu stürzen. Erst musste er wissen, was passiert war.
Jacky druckste rum und überlegte fieberhaft, was sie ihm sagen sollte. Sie entschied sich für die Wahrheit. Langsam drehte sie sich um und präsentiere sich ihm. Sie sah seinen entsetzten Blick. Ihr nun erwachter hündischer Instinkt riet ihr, sich sofort von ihm zu entfernen. Sie wich zurück.
„Jacky, du benimmst dich kindisch. Was ist passiert?“, verlangte er von ihr zu erfahren. Schritt für Schritt folgte er ihr, bis sie mit der Wand hinter sich zusammenstiess.
Fieberhaft sah sich nach einer Fluchtmöglichkeit um. Sah keine. Dafür stand er zu dicht vor ihr und roch einfach zu gut. Verdammt noch eins. Ich will hier raus! Ich kann es ihm einfach nicht sagen. Aber andererseits. Sein Geruch. So männlich. So wild. So animalisch. Ich kann ihm nicht wiederstehen. Er ist er. Mein Gefährte. Ihr Herz pochte noch schneller als es vor Aufregung schon tat. Das Blut dröhnte durch ihre Adern. Schneller, immer schneller wurde es durch ihren Körper gepumpt. Lies fast keinen Platz mehr für einen klaren Gedanken. Reiß dich zusammen, ermahnte sie sich. Ich muss es ihm sagen, bevor, ja bevor es zu spät ist. Nur langsam und unter äusserster Anstrengung konnte sie ihr Innerstes halbwegs wieder unter Kontrolle bringen.
Sie nahm ihren ganzen Mut zusammen und bat ihn:
„Bitte nicht böse sein.“
„Ich werde langsam böse mit dir, wenn du mir nicht bald sagst, was du gemacht hast.“
Seine Stimme klang eiskalt. Er war wütend, das war offensichtlich.
Es half ihr in dieser Lage auch nicht sehr weiter. Im Gegenteil. Sie wollte weglaufen und sich verstecken. Vor ihm und vor ihrem Körper. Er teilte ihr Dinge mit, die sie bis heute noch nie an ihm wahrgenommen hatte. Er reagierte zu überdeutlich auf seine Anwesenheit. Auf seinen männlichen Geruch, sein Wesen. Auf ihn. Ihr Knie fingen an zu zittern, drohten weg zu brechen. Ihr war heiß und kalt. Langsam fühlte sie sich wie im Delirium. Erneut riss sie sich zusammen. Sie musste es ihm beichten. Es ging nicht anders.
„Ich habe ein Mittel gekauft. Für was bestimmtes. Anscheinend hatte der Verkäufer mit nicht mitgeteilt, das es solch eine Nebenwirkung hat.“ Sie deutete mit ihren Krallen auf ihr Gesicht.
„Wofür war das Mittel?“
„Für... für... Gegen. Ähem. Gegen.“ Reiß dich zusammen Jacky und sag es ihm, trat sie sich selbst gedanklich in den Allerwertesten. „Ein Verhütungsmittel.“
Stumm sah er sie zunächst an.
„Ein Verhütungsmittel also. Und das wolltest du mir verheimlichen. Habe ich Recht?“
Jacky konnte nur noch nicken. Ein dicker Kloß verschloss ihre Kehle. Es war mehr als peinlich für sie. Wenn sie sich nicht verwandelt hätte, dann hätte er davon nie etwas mitbekommen. Beschämt sah sie zur Seite.
„Warum hast du nichts gesagt?“ Sesshoumaru stand nun direkt vor ihr und hob ihr Gesicht an.
„Ich dachte, es wäre dir nicht Recht, wenn ich es nehme.“
Seine Augen und sein Gesicht zeigten keine Regung. Sogar um seine Lippen zuckte es nicht ein bisschen.
„Kagome hätte dir sicherlich was geben können, wenn du was gesagt hättest“, durchbrach seine Stimme die anhaltende Stille um sie herum.
„Dann hättest du nie was dagegen gehabt?“ Ungläubig starrte sie ihn an.
„Nein. Ich habe gesehen, dass die Kinder dich sehr im Atem halten. Darum wollte ich mich eine Weile von dir fern halten.“
„Und wie lange hättest du das ausgehalten?“
Sie kannte ihren Mann in der Beziehung zu genau.
„Nicht lange“, gab er daher nach einer weiteren kleinen Pause, die Jacky wie ein Jahrhundert vorkam, zähneknirschend zu.
„Ich auch nicht.“
Endlich lächelte er sie an.
„Jacky.“ Im nächsten Moment hatte er sie auf die Arme genommen und Richtung Bett getragen.
„Als Hundedämonin bist du viel schwerer“, stellte er verwundert fest.
„Bin ich das?“ Ihre Stimme hatte einen einkalten Ausdruck angenommen. Ihre Augen glühten gefährlich zu ihm rauf.
„Ja“, murmelte er an ihren Lippen, bevor er sie küsste. Sonst hätten sie sich wegen nichts wieder gestritten. Und sicherlich dann das halbe Schloss in Schutt und Asche gelegt.
Die von ihr sorgsam ausgewählten und zurecht gelegten Beschimpfungen gingen unter. Einfach ausgelöscht in dem Moment, wo er sie auf die Art küsste, wie nur er es konnte. Von ihr vergessen und nicht mehr wichtig. Sie konnte nur noch dem Drang nachgeben, der ihr die Hundedämonin einredete. Die Vereinigung mit einem männlichen Hundedämon. Mit ihm. Ihrem Mann, Partner, Gefährten.
In den frühen Morgenstunden schlug Sesshoumaru die Lider auf. Es war noch dunkel. Vor seinen Augen schien ein unbekannter Schleier zu liegen. Er suchte mit der Hand nach seiner Frau und fand ihren Körper neben sich liegen. Ihr Geruch schien sich wieder normalisiert zu haben. Die Nacht würde er so schnell nicht wieder vergessen. Vielleicht sollten sie das Mittel behalten. Trotzdem. Irgendwas war anders als sonst. Er schlief zwar ab und an, wenn sein Körper danach verlangte, aber selten bis nie, wenn er mit seiner Frau so zusammen gewesen war.
Was war nur los? Er fühlte sich anders als sonst an. Bekam er eine von diesen seltenen Hundedämonenkrankheiten? Langsam stand er auf und blickte auf seine Frau hinunter. Selbst jetzt war sie immer noch wunderschön. Irgendwas aber war anders an ihr. Er kam einfach nicht drauf was. Er trat in das Badezimmer nebenan und hatte ein seltsames und unbekanntes Bedürfnis zu erledigen. Zurück im Schlafzimmer bemerkte er bei einem Blick auf Jacky, dass sie wach war. Mit einem Satz war sie aus dem Bett und hatte ihr Schwert in der Hand. Sie hielt es ihm entgegen und keuchte erschrocken:
„Wer sind Sie und wo ist mein Mann?“
„Mach dich nicht lächerlich, Jacky, ich bin es, Sesshoumaru.“ Was sollte der Aufstand? Ich bin doch immer noch ich, dachte er bei sich. Ich fühle mich zwar etwas matt. Aber ansonstend ist doch alles beim Alten.
„Wer auch immer Sie sind, Sie sind nicht Sesshoumaru.“ Seine Frau beharrte darauf, dass er nicht er sei.
„Verdammt, Jacky! Was soll das?“
Er griff nach der Klinge und schob sie mit den bloßen Händen weg. Er schnitt sich und es tat weh. Richtig weh. Unbewusst blickte er auf seine Hand und erstarrte.
Keine Krallen.
Es waren die normalen Finger eines Menschen. Er sah zu dem Spiegel, der rechts von ihm an der Wand hing und erstarrte. Was der stolze Hundedämonenfürst da sah kam für ihn einem Alptraum gleich. Er trat näher und hatte das Gefühl, sich in einer anderen Welt zu befinden.
Ihm wurde übel. Ja, unbekannter Weise sogar regelrecht schlecht von den vielen, unbekannten Gefühlen, die sein Innerstes mit einmal beherrschten.
Er rief sich zur Ruhe und sah noch mal genauer hin. Es musste eine Erklärung dafür geben. Insgeheim hoffte er immer noch, dass einer von Jackies nervtötenden Weckern läuten würde. Doch erst als er sich selbst kniff, und es wieder weh tat, wurde ihm bewusst, dass das hier kein sueraler Alptraum war, sondern schlicht und ergreifend die Realität.
Er kniff noch einmal die Augen zusammen, riss sie erneut auf und musterte sein Gegenüber im blankpolierten Metall.
Ein hoch gewachsener Mann sah ihn entgegen. Ein muskulöser, gutausehender Mann. Soweit passte alles noch mit dem überein, was er normalerweise von seinem Spiegelbild erwartete.
Doch dann sah man Abweichungen.
Die Haare dunkel, nicht weiß. Die Augen blau, nicht golden. Die vertrauten und so oft schon gesehenen Zeichen im Gesicht weg. Sogar die spitzen Ohren waren normalen gewichen. Was war nur in aller Kami Willen geschehen ? Sogar die Haare zwischen seinen Beinen war anders. Er suchte und fand kein einzige Spur Youki in sich. Nicht einen winzigen Tropfen.
Jacky trat hinter ihn und roch an seinen Haaren. Der Geruch war unverkennbar. Verwirrt steckte sie ihr Schwert wieder weg.
„Was ist passiert, Sesshoumaru?“, fragte sie ihn.
„Ich weiß es nicht.“
Er fühlte eine erneute Verzweiflung in sich aufkommen, die noch schlimmer war, als die davor. Das Gefühl des völlig Hilflos sein und nicht wissen-können-was als nächstes sein sollte, folgte.
„Jacky“
Sie verstand ihn auch ohne Worte und schlang die Arme um ihn. Er war ein Mensch. Sie eine Hundedämonin.
Desillusion
Kapitel 4: Desillusion
„Jacky, wir haben ihn nicht mehr gefunden“, berichtete Mira ihnen im Büro des Fürstenpaares, wo der Rat zusammengekommen war, um über die Angelegenheit zu beraten.
Tenshou hatte bei dem Bericht, oder besser Beichte, der beiden zusammen mit Inu Yasha einen Lachanfall bekommen.
„Das ist nicht witzig!“, knurrte Jacky sie gekonnt an.
„Verzeih“, entschuldigte sich Tenshou bei ihr, während Inu Yasha immer noch Grinste.
„Du bist nun nicht nur eine einfache Hundedämonin, Jacky, sondern ein Dai-Youkai“, erhielt sie die Erklärung von ihrem Schwiegergroßvater weiter.
„Darf ich mich deshalb auch mit diesem Fellteil hier abschleppen?“ Sie hatte genau wie Sesshoumaru sonst den nun vorhanden Schweif über ihre rechte Schulter geworfen. Ihre Haare waren weiß, ihr Schweif war weiß und die Augen golden. Sesshoumaru hingegen hatte nun ihre Attribute. Rote Haare, blauer Blick.
„Ja, das ist ein spezielles Merkmal von Dai Youkais“, erklärte ihr Souna.
„Wir müssen diesen Kerl finden!“ Jacky stand auf und fing hektisch an auf und ab zu laufen. Interessiert beobachteten sie die anderen Anwesenden.
„Bevor wir uns auf die Suche machen, musst du, Jacky, erst lernen, wie man mit dem Körper einer Hundedämonin umgeht.“ Ruhig wie gewohnt klang die Stimme von Sesshoumaru durch den Raum. Die ganze Zeit hatte er geschwiegen. Er hatte etwas erlebt, was seine Frau ihm als Schock beschrieben hatte. Dank ihrer Erklärung wußte er nun auch, dass der wohl immer noch nach hallte und ihm den Mund verschlossen hatte. Nicht nur sie hatte viel zu lernen, er auch. Bis sie den Mann gefunden hatten, der ihr diese Mittel angedreht hatte.
Wieder spürte er eine Wut in sich aufziehen, die nichts Gutes verhieß. Dieser saure Geschmack in seinem Mund sorgte dafür, dass er sich unwohl fühlte.
„Dann sollten wir damit noch heute anfangen. Tenshou, Mira, Souna, helft ihr mir dabei?“, bat Jacky sie, als sie ihre Rumtiegerei endlich einstellte und zu ihrem Platz zurückkehrte.
„Wie die Fürstin befiehlt.“ Ihr Schwiegergroßvater verbeugte sich vor ihr.
„Ach nun hör schon auf damit.“
Früher hätte sie sich ebenfalls vor Lachen ausgeschüttet. Doch irgendwie war ihr momentan nicht danach. Im Gegenteil. Sie hatte ein schlechtes Gewissen Sesshoumaru und den anderen gegenüber, weil sie so etwas Dummes gemacht hatte. Ahnte sie doch nicht, was das für Auswirkungen haben würde, wenn sie ein recht harmloses Mittel einnahm. Was genau war da nur schief gelaufen?
Katsuro erschien im Zimmer und verbeugte sich vor ihnen:
„Wir haben herausgefunden, dass er in Richtung Osten aufgebrochen ist.“
„Dann nix wie hinterher.“ Inu Yasha war schon halb an der Tür, als ihn die Stimme seiner Schwägerin erreichte:
„Weißt du denn, wie er riecht?“
„Nein. Aber du hast doch dieses Gefäß, oder?“ Verwirrt drehte er sich zu ihr um.
„Das habe ich, in der Tat.“
„Ich hole es her.“ Akiko stand auf und ging in das Fürstenschlafzimmer davon. Kurz darauf erschien sie wieder mit zwei Kindern im Schlepptau.
„Mama ist Youkai“, erklärte ihre zweitjüngste Tochter der jüngsten.
„Mama, Papa, wann normal?“, wollte die wissen.
„Das werden wir bald wieder sein. Und Inu Yasha, hast du schon eine Spur?“, an ihren Schwager gewandt.
Der Hanyou hatte an dem Gefäß gerochen.
„Das habe ich. Bin dann weg.“
„Ist gut.“
„Keine Umwege über die Neuzeit“, drang die Stimme seines Bruders an sein Ohr, als er schon halb auf der Tür war. Sein Blick sprach Bände, als er sich wieder zu ihnen umdrehte.
„Wie käme ich dazu?“
„Oh, ich dachte.... was ist denn?“ Sesshoumaru fühlte eine Hand mit Krallen auf seinem Arm liegen, der ihn kniff. Er drehte sich sauer um und blickte in das eiskalte Gold der Augen seiner Frau. Er verstand nun ungefähr warum manche seiner Gegner bei dem Anblick das Weite suchten.
„Geh nun, Inu Yasha. Für dein eigenes Wohl.“
Bei der Stimme seiner Schwägerin sah er zu, dass er schnell Land gewann.
Immer noch ein in sich reingrinsender Hanyou nahm die Spur des Mannes auf, der Jacky dieses Gebräu angedreht hatte. Irgendwie fand er es komisch, dass ausgerechnet sein stolzer, arroganter Herr Bruder in dieser Lage gefangen war. Hoffentlich lernte der nun endlich mal am eigenen Leibe, was es hieß ein Mensch zu sein.
Die Zurückgebliebenen diskutierten noch kurz, was Jacky alles zu lernen hatten, als ein lauter Knurrer aus Sesshoumaru´s Richtung erklang. Es war nicht wie sonst er selbst, sondern sein Magen.
„Du musst endlich was Essen, Sesshoumaru, das habe ich dir heute früh schon erklärt.“
„Menschen und ihre komischen Angewohnheiten.“ Er war angefressen. Am liebsten würde er irgendwas kurz und klein hauen.
Jacky hatte bei seinen Worten erst die Augen zusammengekniffen und schon die passende Antwort parat gehabt. Irgendwas in ihrem Innern wollte sich mit einmal nicht mit ihm auseinandersetzten. Lag es an ihrem schlechten Gewissen, das ihr den Mund verschloss? Oder einfach daran, dass sie ihn verstand und alle unbedachten Worte aus seiner Richtung verzieh? Sie wusste es einfach nicht.
„Ich lass dir was von Isamu zubereiten. Am besten fangen wir mit einfachen Dingen an.“
Jacky bestellte Reisbrei bei einem wartenden Diener.
Sesshoumaru und Mira standen mit Jacky in der Trainingshalle. Sie befand sich in der Mitte und sah beide erwartungsvoll an.
„Schließ deine Augen und sage mir, was du riechst“, bat Mira sie.
Jacky tat ihr den Gefallen. Gut, man sollte mit kleinen Dingen anfangen, wie sie fand.
Sie sog die Luft durch ihre Nase ein, filterte sie durch die Riechorgane und sagte:
„Verschimmelndes Holz mit einem Lack. Dann Schweiß von mir selbst und Sesshoumaru. Reis, Stroh und einen komischen Geruch aus unserem privaten Zimmer. Dort hinten rechts in der Ecke riecht es nach Urin und ganz entfernt nehme ich auch noch Blut war. Und das könnt ihr alles riechen ohne gleich verrückt zu werden?“
Du meine Güte, sagte sie zu sich selbst. Das alles können die riechen, ohne den Verstand zu verlieren. Da komm ich mir ja Mensch total primitiv vor. Ein Wunder, dass wir überhaupt über den Status der Steinzeit hinausgewachsen sind.
„Sesshoumaru hat wieder von meiner Seife genommen und du Mira, hast deinen Enkel gerade erst gefüttert und er hat wieder gekleckert.“
„Wird Zeit, dass du wieder ein Mensch wirst“, beschied sie ihr gleich.
„Das will ich ja auch. Obwohl, diese Fingernägel sind göttlich.“ Sie klimperte damit. „Die brechen wenigstens nicht ab. Während meine eigenen ein hoffnungsloser Fall sind.“
„Wir werden dir nun zeigen, wie man als Dämon kämpft“, unterbrach Sesshoumaru das für ihn uninteressante Gespräch der Frauen. „Greif Mira an.“
Jacky sah erst unsicher aus, doch dann begriff sie, dass sie sie mit ihren Klauen angreifen sollte. Sie hob sie hoch und rannte auf Mira zu. Sie war so schnell bei ihr, dass sie vergaß, richtig durchzuziehen und landete mit ihrem Körper in der Wand hinter ihr. Jacky befreite sich von den Überresten und drehte sich um.
„Hm, ich muss wohl noch lernen, dass ich nun schneller bin, als sonst“, konstatierte sie für sich.
„Gehen wir raus und testen deinen Körper auf freiem Gelände.“ Sesshoumaru ging voraus, Jacky und Mira folgten.
„Du deine Hand nicht richtig hochgenommen und dadurch den richtigen Zeitpunkt verpasst um richtig anzugreifen“, erklärte ihr ihre Stellvertreterin auf den Weg nach draussen.
„Das habe ich gemerkt. Ich war so überrascht von der Geschwindigkeit, dass ich vergaß, was ich eigentlich wollte.“
„Das habe ich gemerkt.“
Sesshoumaru hatte sich bei ihrem Angriff zurückgezogen. Er ist regelrecht in Deckung gehechtet. Eine Angst war von seinem Magen ausgehend in alle Glieder gestiegen. Eine Angst, die ihm einredete, dass er jeden Moment sterben würde, wenn er hier stehen blieb. Instinktiv hatte er dieser Eingebung nachgegeben und war geflohen. Er war sauer auf sich selbst und seine unsinnige Reaktion auf etwas, was er Tag für Tag erlebte. Und für das er Jahrhunderte lang trainiert hatte. Verdammt, verdammt, verdammt. Er kam sich wie der letzte Volltrottel vor.
Diese Menschen mit ihren vielen unsinnigen Gefühlen. Verzichten konnte er gut und gerne auf die vielen neuen Eindrücke, die er gewann. Wieder und wieder sagte er sich innerlich, dass er lernen musste damit umzugehen und seine unnötige Angst um jeden Preis ablegen.
Draußen testete Jacky ihre Beine. Sie kam schneller zum Dorf und wieder zurück, als je zuvor. Ohne außer Atem zu sein stoppte sie wieder bei den beiden.
„WOW! Ich bekomme noch einen Geschwindigkeitsrausch.“
„Übertreib es nicht. Du musst noch viel lernen, bevor wir uns auf den Weg machen. Komm.“ Auch in seinem nun menschlichen Körper versuchte ihr Mann auf ultracool zu machen.
Sie trainierten hart.
Jacky lernte, was es bedeutete ein Dämonin zu sein. Es war nicht leicht für sie, gab sich aber alle Mühe. Besonders wollte sie Sesshoumaru beweisen, dass sie sehr wohl kämpfen konnte und das sie nicht minderwertig auf diesem Gebiet war, wie er sie manchmal spüren lies,
Abends brachte sie ihre Kinder ins Bett und gab dem Kammerherrn Akio den Befehl:
„Bitte lass heißes Wasser in die Wanne für meinen Mann ein. Und besorg ihm heute eine reichhaltige Nahrung.“
„Jawohl, okata sama.“ Er verbeugte sich und ging hinaus.
„Mama. Warum hast du dich verwandelt?“, fragte nun Miyu sie, als sie sie zudeckte.
„Ich bin verzaubert worden und Papa auch.“
„Werdet ihr wieder die Alten?“, wollte nun Tôya wissen.
„Aber sicher doch. Wir werden den bösen Mann finden und ihm sagen, dass er uns wieder zurückverwandeln muss.“
„Dürfen wir mit?“, fragte nun Hangetsu.
„Das ist viel zu gefährlich für euch.“ Wenn ihnen was passieren würde, würde sie sich das nie verzeihen.
„Warum denn? Wir sind doch schon fast 12 Jahre alt.“ Miyu und Tôya sahen sie fest an.
„Trotzdem seid ihr noch jung und zu klein. Oder wollt ihr, dass wir traurig sind, wenn euch was geschieht?“
Beide schüttelten mit sehr ernsten Gesichtern den Kopf.
„Mama, dann musst du uns auch versprechen, dass euch nie was passiert.“ Inochis Stimme durchbrach die Stille.
„Nur wenn ihr immer schön brav lernt.“
„Das machen wir“, versprachen alle hoch und heilig.
„Und Shippou sicherlich auch“, betonte Hangetsu zusätzlich.
„Gut, dann schlaft schön. Morgen ist ein neuer Tag mit neuen Abenteuern.“
„Mama, wir haben dich lieb“, betonte nun der zweitälteste.
„Ich euch auch. Bis morgen.“
Sie erhob sich, blies die Kerze aus und ging zur Tür. Sie drehte sich noch einmal um und warf, so wie jeden Abend, allen noch einmal eine Kusshand hin. Ihre Kinder taten so, als würden sie sie auffangen. Dann verließ sie sie endgültig.
„Warum hast du mir diese viele Essen bestellt?“, empfing ihr Mann sie wütend.
„Du hast nun den Körper eines Menschen und du hast heute schwer trainiert. Dadurch hast du wichtige Mineralstoffe und Spurenelemente verloren. Iss. Ich habe Akio gebeten, dir ein Bad herzurichten. Du wirst es brauchen.“
„Wofür?“ Er sah den Sinn nicht dahinter. Ihm war alles Zusätzliche nur lästig. Überhaupt hatte Jacky sich noch nie so um ihn gesorgt, ja gar so bemuttert. Es lag alles nur daran, dass er nun ein schwacher Mensch war, der mehr Pflege und Zuwendung brauchte als wenn er ein Youkai war. Er spürte erneut, wie sein Zorneslevel wieder nach oben schoss.
„Um deinen Körperl zu entspannen. Oder willst du morgen einen Muskelkater haben?“ Ihre Augenbrauen waren nach seiner Art nach oben gerutscht, auch der Blick hätte von ihm sein können. Nur tief in sich wusste sie genau wie er sich fühlte. Dafür kannte sie ihn inzwischen zu gut. Und sie versuchte einfach alles um ihn in dieser Lage zu helfen, für die sie sich schuldig fühlte.
„Nur, wenn du mit reinkommst.“ Zu zweit machte es immer am meisten Spaß. Muskelkater war für ihn bisher immer ein Fremdwort gewesen.
„Warum sollte ich?“ Erneut rutsche eine ihrer Augenbrauen nach oben.
„Willst du mich nicht so kennen lernen, wie sonst ich dich?“ Prüfend sah er sie an und bemerkte befriedig wie ihre Ohrenspitzen rot wurden.
„Bei dem Angebot kann ich nicht widerstehen“, gab sie schliesslich nach.
Später lagen sie im Bett und Jacky fragte ihn:
„Sesshoumaru, wie oft werden Hundedämoninnen läufig?“
„Alle 10 Jahre.“
„Und für wie lange?“
„Von einer Nacht bis zu einem Monat. Nur in der Zeit kann sie empfangen. Warum?“ Neugierig sah er sie an.
„Was ist, wenn es in der letzten Nacht geklappt hat, bevor du dich verwandelt hast?“
Er strich ihr in einer schon lange geübten Geste die Haare aus der Stirn.
„Dann wird es ein richtiger Hundedämon, nur von dir.“
Sie beugte sich über ihn und küsste ihn ausgiebig.
„Und was ist, wenn es nicht geklappt hat und ich, wie, wenn ich normal bin, nun jeden Monat empfangsbereit bin?“
„Du meinst läufig?“
Sie nickte:
„Dann ist die Sache klar.“
„Ja.“ Ihr ´Ja` klan eher verzweifelt als freudig.
„Du hast noch viel zu lernen, Jacky-Ko.“
„Du auch, Sesshoumaru-Ko. Schlaf. Du wirst es brauchen.“
Sonst schlang er immer seinen Schweif um sie, dieses Mal machte sie es mit ihm.
„Ich liebe dich immer noch, Sesshoumaru-ko“, flüsterte sie ihm noch ins Ohr.
Er lächelte und fühlt Glück und Geborgenheit in sich aufsteigen. Nur bei ihr war er zu Hause. Er schloss seine Lider und war sofort eingeschlafen.
Jacky wachte über ihn, lauschte in die Kinderzimmer und dachte nach.
Ihr war die ganze Sache immer noch nicht geheuer. Und in der stillen einsamen Nacht schlug ihr schlechtes Gewissen, welches sie den Tag über tapfer verdrängt hatte, voll zu. Verzweifelt suchte sie einen Weg aus ihrer Lage. Sie sah keinen, ausser die Sache an zu nehmen, die ihr das Schicksal, welches sie anscheinend herausgefordert hatte, ihr auferlegte.
Ich bin die dummste Kuh, die es seit Menschheitsgedenken gibt, sagte sie sich immer wieder selbst. Am liebsten hätte sie sich selbst den Hintern versohlt.
Am nächsten Morgen wachte Sesshoumaru mit einem so heftigen Muskelkater auf, dass er noch nicht mal eine Teetasse ohne leises Stöhnen halten konnte. Jacky animierte ihn dazu, sich trotzdem etwas zu bewegen und verordnete ihm eine Runde Tai Chi. Das beim Frühstück gerade Tenshou und Jacky ein gemeines Grinsen nicht verhindern konnten, verzieh er ihnen nicht so schnell.
Vier Wochen später wusste Jacky endlich mit ihrem neuen Körper umzugehen. Sesshoumaru hatte immer noch Probleme damit, die vielen unbekannten Emotionen zu erkennen und einzuordnen. Hätte er seine Frau nicht, wäre er verloren gewesen.
„Morgen reisen wir los“, kündigte er im Rat an. „Inu Yasha wird uns begleiten.“
„Die Spur führt Richtung Süden auf Kyoto zu“, berichtete der Hanyou ihnen.
„Dann will er dort seine Sachen also verkaufen. Das müssen wir verhindern. Wer weiß, was er noch alles an Schaden anrichtet.“ Seit drei Tagen fühlte Jacky eine unbekannte Rastlosigkeit in sich.
„Ihr solltet erst übermorgen los. Sesshoumaru und Jacky haben vorher noch was zusammen zu erledigen“, mischte sich gerade Mira ein.
Zuerst verstand sie keiner, bis Tenshou sagte:
„Eigentlich passiert das doch nur alle 10 Jahre, oder nicht?“
„Vermutlich weil sie ursprünglich ein Mensch war, hat ihr Körper den Rhythmus beibehalten“, nickte die Hundedämonin weise.
„Das ist nicht euer Ernst, oder?“ Endlich hatte es auch Jacky verstanden. „Wenn ich diesen Rhythmus eines Menschen habe, dann bin ich nicht nur einmal im Monat empfänglich, sondern das für mehrere Tage!“ Sie war so entsetzt, dass ihr fast die Luft wegblieb. Da wollte sie erstmal eine Weile keine Kinder bekommen und nun dies.
„Dann sollten wir die Abreise verschieben“, bestimmte Sesshoumaru ohne rot oder verlegen zu werden.
„Ist das denn so wichtig?“ Jacky war immer noch der Meinung, dass das irgendwie umgangen werden konnte. Sie vermisste ihren Ehemann so wie sie ihn kannte, als Dämon und nicht als Mensch. Er war jetzt auch stark, keine Frage, aber irgendwas war da, was er in seiner jetzigen Form nicht hatte. Lag es am fehlenden Youki? Hatte sie darum Bedenken, wenn sie sich ihm auf diese Weise näherte. Weil er kein Youkai mehr war? Sie würde bestimmt die Kontrolle über sich verlieren und was dann? Würde sie ihn verletzen mit ihren Krallen oder hatte sie genau wie er in seinem normalen Zustand die absolute Kontrolle über sich?
„Tut mir Leid, Jacky, aber du kannst dich davor nicht drücken, du musst schon dem Ruf der Natur folgen.“ Mira zuckte mit den Schultern.
„Mir bleibt wohl auch nichts erspar“, seufze sie auf.
„Dann hat es den Tag nicht geklappt“, war alles, was Sesshoumaru dazu sagte. Er spürte, wie eine unbekannte Wut in ihm aufstieg. Seine Frau benahm sich mal wieder seltsam.
Jacky wusste gleich, dank ihrer nun vorhandenen Sinne, was in ihrem Mann vorging.
„Ich habe meine Gründe, warum ich so denke, Sesshoumaru-ko.“
Erst jetzt dämmerte es ihm, was sie meinte.
„Du wirst dieses Mal nicht darum rumkommen, Jacky-ko.“
„Das wird mir langsam bewusst.“
Grummelnd hatte sie den Kopf auf die Hand aufgestützt und sah angepisst zur Seite.
Aufbruch
Teil 5: Aufbruch
„Also echt“, regte sich Jacky auf und sah von einem ihrer Kinder zum anderen. „Da wollen wir endlich aufbrechen und ihr! Und ihr... !“ Jacky hatte Probleme ihre Wut im Zaum zu halten.
Wie die Orgelpfeifen standen sie vor ihr, hatten die Köpfe gesengt und trauten sich nicht auf zusehen. Mamas Zornausbruch zog über sie hinweg wie eine Gewitterwolke.
Dabei hatte alles mit einer Idee angefangen, die allen logisch und einfach erschien. Dank Shippous Verwandlungstricks hatten sie versucht sich unter das Reisegepäck der Eltern zu schmuggeln. Ihre Mutter hatte sie erschnüffelt und sofort zur Rede gestellt. Sie konnten alle von Glück sagen, dass es sie war und nicht Papa.
„Es tut uns Leid, Mama“, entschuldigte sich Hangetsu als erster bei ihr.
„Das sollte es auch. Das hier wird kein Ferienausflug, sondern der Weg euren Papa und mich wieder normal werden zu lassen. Oder wollt ihr das etwa nicht?“
„Doch, aber Mama, warum dürfen wir denn nie mit? Wir sind doch langsam alt genug dafür! Immer nur im Schloss bleiben und lernen ist echt doof und total langweilig!“, beschwerte sich Tôya bei ihr.
„Tôya hat recht. Immer nur lernen, lernen und noch mal lernen. Besonders die tollen Geschichtsstunden bei Jaken sind völlig sinnlos.“ Miyu hatte noch nie den Sinn dahinter gesehen gerade bei dem Krötendämon auch noch aufmerksam zu sein.
Innerlich seufze Jacky auf und dachte an ihre Schulzeit zurück.
„Also, ich wiederhole es nun zum tausendsten Mal: Ihr lernt, damit ihr euren Vater später unterstützen könnt in der Verwaltung des Fürstentums und damit ihr es danach zusammen mit Hangetsu weiterleiten könnt.“
„Aber Mama, du und Papa werden doch nicht sterben, oder?“, fragte der zweitälteste Sohn Inochi mit einem ängstlichen Gesichtsausdruck zurück.
„Nein.“ Ihr war das Thema alles andere als angenehm. „Aber irgendwann haben wir keine Lust mehr uns um euch und das Fürstentum zu kümmern und dann müsst ihr in der Lage sein, es selbst zu können. Ohne unsere Hilfe. Verstanden?“
„Nein.“
Jacky rieb sich die Stirn. Eine Geste, die sie sich im Laufe der letzten 10 Jahre angewöhnt hatte. Ein Zeichen dafür, dass sie kurz vorm Explodieren war.
„Warum nehmt ihr euch nicht einmal ein Beispiel an Hangetsu und lernt wie er brav seine Lektionen? Er ist in Mathe weiter wie ihr beiden, in der Kampfkunst zeigt er mehr Willen. Und ihr? Ihr rebelliert gegen ALLES! Ich habe jetzt wirklich langsam genug davon. Die Aktion heute setzt dem Ganzen nur noch die Krone auf. Darum verdonnere ich euch zu einer besonders netten Strafe: Ihr werdet mir von mindestens 5 Büchern eine Kurzzusammenfassung schreiben, bis wir wieder da sind. KEINE Wiederworte!“, betonte sie noch mal, als sie sah, wie gerade die älteren zu einer Bemerkung ansetzten.
Trotzig sahen ihre Kinder sie an und schlugen in einer Inu Yasha liken Geste die Arme unter. Auch der Ausdruck in ihren Augen hätte von ihrem Onkel stammen können.
Anscheinend musste sie härte Saiten aufziehen. Es war ihr nicht recht. Im Gegenteil. Aber wer uneinsichtig blieb, musste eben mit den Konsequenzen leben. Tief holte sie Luft, bevor sie zu ihrer Triade ansetzte:
„Da ihr immer noch glaubt, dass ihr alles dürft, werdet ihr bis zu unserer Rückkehr zusätzlich in verschiedenen Bereichen des Schlosses und im Dorf eingesetzt.“
Sie sah, wie langsam der stare Blick aus den Augen wich und sich Unbehagen einschlich. Sie fuhr ruhiger fort:
„Das gilt auch für dich, Shippou. Du warst an der Aktion genauso beteiligt wie der Rest der Bande.“ Immer unsicherer sahen sich alle an.
„Bisher zeigt nur Hangetsu Reue. Da ihr ihn aber mit angestiftet habt, muss er das gleiche durchmachen wir ihr. Du darfst dich bei deinen Geschwistern für die aufgebrummte Strafe bedanken, Hangetsu.“
Da erst sah sie ein schlechtes Gewissen in ihren Gesichtern. Ja regelrecht Reue. Das hatten sie nun nicht gewollt.
„Hoffentlich seht ihr nun ein, was ihr für einen Bockmist verzapft habt.“
Damit drehte sie sich um und trat aus dem Kinderzimmer nach draußen auf den Gang.
„Manno. Ist das doof“. Tôya setzte sich auf sein Bett, stützte den Kopf auf seine Hand und fing an zu schmollen.
„Leider hat sie recht“, seufze Inochi und sprang zu ihm.
„Es tut mir Leid“, sagte nun Hangetsu. „Wegen mir müsst ihr nun alle diese Strafe durchmachen.“
„Vergiss es und entschuldige dich nicht immer“, knurrte Miyu ihn wütend an. „Wir haben dich angestiftet. Eigentlich müssten wir uns bei dir entschuldigen.“
„Verzeih mir, Schwester.“
„Also manchmal frage ich mich echt, ob du wirklich ein Bruder von uns bist.“ Tôya sah ihn seltsam von der Seite an.
„Wenn man es realistisch betrachtet, nur halb“, gab Hangetsu leise von sich.
„KE! Hör endlich auf damit. Du gehörst dazu.“
„Wir haben noch Glück, dass Mama uns erwischt hat und nicht Papa. Erinnert euch an das letzte Mal.“
„Bloß nicht!“, riefen alle entsetzt aus. Das wollte niemand mehr erleben. Da war diese Strafe ja regelrecht eine Erholung dagegen.
„Vielleicht sollten wir einfach tun was Mama gesagt hat. Dann wird sie nicht mehr wütend auf uns sein“, schlug Hangetsu vor.
„Wir sollten uns entschuldigen, dann wird sie uns verzeihen und uns nicht mehr bestrafen wollen“, hoffte Miyu.
„Genau. Ich mag nicht schon wieder irgendein verstaubtes Buch in die Hand nehmen. Wozu eigentlich?“, fragte sich Tôya genau wie seine Schwester.
Wenn Mama an ihrem Bett saß und ihnen Geschichten erzählte, fanden sie das ganz toll. Aber selbst lesen und sich das alles selbst erarbeiten war einfach nur doof. Da waren sich die Geschwister einmal einig. Sonst stritten sich die Zwillinge um alles. Aber wenn es darum ging, Unsinn anzustellen, waren sie steht´s ein eingespieltes Team und stifteten die anderen Kinder mit an.
Jacky dachte sich das gerade auf den Weg nach unten. Sie selbst vergaß mit unter, was sie alles in ihrer Kinderzeit angestellt hatte. Mama hatte sie dann immer mit den gleichen Sachen bestraft, wie sie heute ihre eigenen. Seltsam, dachte sie gerade wieder. Es stimmt doch, bei manchen Sachen ähnelte man seinen Eltern.
„Und?“ Sesshoumaru empfing sie mit einer hochgezogenen Augenbraue in seinem Büro.
Seufzend erzählte sie von dem neusten Streich des Nachwuchses. Als er von ihrer sich ausgedachten Strafe erzählte, sah er sie erst zweifelnd an, dann sagte er mahnend:
„Aber nicht wieder weich werden, wenn sie hier ankommen und sich entschuldigen und das werden sie.“
„Ich weiß schon.“
Mit eingezogenen Schweif sah sie ihn um Vergebung bittend an. Dieses Thema hatten sie schon öfters gehabt. Jackies Problem in diesem Fall war ganz einfach, wenn sie alle bei ihr erschienen und sie um Vergebung betend zu ihr mit den gleichen goldenen Augen wie ihr Vater aufsahen, war jede Missetat vergessen und vergeben.
Sesshoumaru hatte sie deswegen schon öfters in Gebet genommen und sie ermahnt, dass die Kinder diesen Umstand gnadenlos ausnützen würden. Jacky war dies sehr wohl bewusst, aber bei diesen goldenen Hundeaugen wurde doch jeder weich.
„Jacky“, sprach ihr Mann sie an, „geh runter. Ich komme gleich nach und kümmere mich um den Rest.“
Sie nickte nur und sagte ihm auf den Weg nach draußen:
„Nicht wieder Sun tse. Dafür sind sie weiß Gott noch zu jung.“
„Wie die Dame wünschen.“ Er deutete eine kleine Verbeugung an.
Kopfschüttelnd schloss sie die Tür hinter sich. Seitdem er ein Mensch geworden war, benahm sich ihr Mann mit unter noch seltsamer als sonst schon.
Es dauerte zwar eine Weile, Inu Yasha neben ihr war kurz davor die Geduld zu verlieren, erschien Sesshoumaru endlich vor ihnen.
„Und wie haben sie ihre Strafe aufgenommen?“, wollte Jacky gleich wissen.
„Äh, recht gut“ wich ihr Mann ihr aus. Er sah sie nicht direkt an und sie bemerkte gleich, dass seine Ohren rot geworden waren. Jacky ahnte was passiert war und sagte nur:
„Gut, dann weißt du nun endlich, warum ich sie nie richtig bestrafen kann.“
Er sagte nichts, doch sein Verhalten sprach Bände. Dieses Menschsein hatte nur Nachteile, wie er zum wiederholten Male dachte.
Er begann Schwach zu werden. Und das gefiel ihm überhaupt nicht. Je eher sie was dagegen unternahmen, um so besser. Jacky hingegen fand sich mit ihrer Lage wunderbar zurecht und er...? Er kam sich wie der letzte Versager vor. Waren Menschen auf andere Art stärker? Diese Frage beschäftigte ihn nicht erst seitdem er in diese Lage gekommen war. Aber momentan machte sich dieses komische Gefühl im Magen breit, so als hätte er ein schlechtes Gewissen gegenüber seiner Frau und seinen Kindern. Warum konnte er auch nicht sagen. Diese vielen menschlichen Gefühle verwirrten ihn zu Sehens. Wie nur kamen seine Frau und die anderen Menschen damit klar?
„Sesshoumaru? Alles in Ordnung?“
Eine klauenbewerte Hand suchte vorsichtig nach seiner und drückte sie. Auch das störte ihn. Für seinen Geschmack ging seine Frau viel zu sanft mit ihm um. Behandelte ihn gerade so als sei er aus Glas und nicht der, der er eigentlich war.
„Können wir dann endlich mal los?“, maulte Inu Yasha aus dem Hintergrund.
„Ist ja schon gut.“
Jacky haute ihrem Schwager kameradschaftlich auf die Schulter, vergaß kurzzeitig, dass sie momentan stärker war. Wütend befreite sich der Hanyou aus dem Holzstapel in dem er nach seinem unfreiwilligen Flug gelandet war.
Mit einem rotem Gesicht ging Jacky zu ihm herüber, hielt ihm die Hand hin, die er nur sehr zögerlich ergriff und half ihm auf. Sein Blick sprach Bände. Auch ihm war klar, dass sie es nicht so meinte, wie die Geste wirkte.
„Es tut mir sehr Leid, Inu Yasha, aber anscheinend vergesse ich von Zeit zu Zeit, dass ich momentan kein Mensch bin.“
Wütend klopfte er sich den Staub von der Kleidung:
“Wird wirklich Zeit, dass ihr beiden wieder normal werdet. Mann, ich vermisse regelrecht die Kampfstunden mit dir, Sesshoumaru.“
„Das freut mich zu hören, ototo-Chan.“ Er hatte richtig Schwierigkeiten seine Erheiterung über den Zustand seines Bruders zurückzuhalten und aus einem ihm unbekannten Grunde musste er ihn weiter reizen und necken.
„WIE WAR DAS?“ Inu Yasha hasste es, wenn er so genannt wurde.
„STOPP!“ Jacky stellte sich vorsorglich zwischen die beiden.
Und dann passierte das, was man als ein Wunder bezeichnen durfte:
Sesshoumaru lachte. Laut, befreiend, sich den Bauch haltend. Tränen tropften aus seine Augen nach unten.
„Jetzt wird mir die Sache doch zu unheimlich“, bemerkte Mira leise an.
„Du hast Recht“, stimmte ihr Mann ihr flüsternd zu.
Der Fürst versetzte seinen ganzen Hofstaat in Angst und Schrecken bei seinem ungewohnten Verhalten. Nur Tenshou schlug befriedigt die Arme unter. Für sich bemerkte er, dass das schon lange mal überfällig war.
Jacky hatte ihn zwar schon mal lachen gehört, aber das war schon so lange her und sie war sich sicher, dass Sesshoumaru das nur für sie allein getan hatte. Aber nun hatte er ein Publikum und wie Jacky ihren Mann kannte, gefiel ihm das sicherlich ganz und gar nicht.
Fieberhaft dachte sie nach wie sie ihn wieder auf den Boden zurückholen konnte. Sie sah nur eine Lösung. Es war zwar nicht die weiseste, aber die einzige, die ihr momentan in den Sinn kam.
Langsam trat sie auf ihn zu, zog sein Gesicht in ihre Richtung und küsste ihn einfach.
Er verschluckte sich und bekam einen Hustenanfall. Erleichtert klopfte Jacky ihm sachte auf den Rücken bis der Anfall vorbei war und sie sich auf sein Donnerwetter einstellen durfte.
„Verdammt, Weib, was hast du dir dabei gedacht?“, brachte er immer noch nach Luft schnappen schliesslich hervor.
„Und was hast du dir dabei gedacht, mich einfach als Weib zu bezeichnen?“, knurrte sie ihn gekonnt an.
„Du hat mich vor allen lächerlich gemacht“, keuchte er leise.
„Dafür hast du schon ganz alleine gesorgt, mein Lieber. Wer musste denn mit einmal laut lachen? Hm?“
Verwirrt sah er sie an, dann schlug er mit der Faust auf den Boden, wedelte mit schmerzverzerrten Gesicht die Hand und fluchte:
„Verdammte schei**e!“ Dann stand er auf, ergriff den Arm seiner Frau, zerrte sie zu Ah-Uh, rief Inu Yasha zu sich und endlich konnte es los gehen.
„Passt auf euch auf!“, rief Hangetsu von der obersten Turmspitze ihnen noch nach und winkte zusammen mit den anderen Kindern wie wild.
Unten im Hof bemerkte Tenshou an:
„Hoffentlich endet das nicht in einem Desaster.“
Seufzend stimmten ihn alle nickend zu.
Das Geheimnis einer Frau
Kapitel 6: Das Geheimnis einer Frau
Jacky stand mit einmal neben dem Feuer, das Schwert in der Hand. Sie hatten für die Nacht Halt an einem kleinem Bachlauf gemacht. Sesshoumaru hatte zwar laut protestiert und gemeint, dass er sehr wohl auf Ah – Uh schlafen könne und sie wegen ihm nicht pausieren bräuchten.
Sein Magengrummeln und Jackies Hinweis, dass er für sie auch immer angehalten hätte, wenn sie unterwegs seien, ließ ihn verstummen. Still muffelte er vor sich hin. Ihm gefiel momentan nichts. Innerlich grinste Jacky vor sich hin, sie wusste doch sehr wohl, wie Sesshoumaru sich fühlte.
Inu Yasha neben ihr liess mit einmal Tessaiga sinken und sagte:
„Kagome.“
„Oh, dann ist sie wohl fertig mit ihrer Doktorarbeit.“ Jacky steckte ihr Schwert wieder weg. Erstarrte in ihrer Bewegung und sah vorsichtig zu Inu Yasha hin. Irgendwie roch Kagome anders, als die Frauen, die sie bisher traf.
„Hoffentlich. Aber warum rennt sie alleine durch den Wald?“ Jacky brauchte ihr Dämonenkräfte nicht zu bemühen, um zu wissen, dass ihr Schwager wütend war. „Warum hat sie mich nicht gerufen? Wofür haben wir eigentlich diesen Flattermann?“ Wer damit gemeint war, war ganz offensichtlich.
Mit einem gewagten Sprung stand Kagome mit gespannten Bogen vor ihnen und raunzte:
„Wer seid Ihr und was habt Ihr auf dem Grund von ... oh, Inu Yasha, du bist es und HÄ....? Wer ist das denn?“
Kagome klappte förmlich der Mund runter. Einen weiblichen Sesshoumaru sah man nun auch nicht alle Tage. Das sie Jacky und ihren Schwager auf den ersten Blick nicht erkannte, war nur all zu verständlich. Die kurze Erklärung sorgte bei Kagome dafür, dass ihre Mundwinkel verdächtig zuckten und sie das erste was ihr in den Sinn kam herausflutschte:
„Und ich dachte schon, ihr hättet die Geschlechter getauscht.“
„WIE WAR DAS?“
Das erste Mal, seitdem Jacky ein Youkai war, bekam sie rote Augen. Sesshoumarus Gesichtsausdruck brauchte nicht weiter gedeutet werden.
„Tut mir echt Leid, ist mir nur so rausgerutscht.“
Die Prinzessin wedelte hastig mit den Händen und verbeugte sich schließlich vor den beiden:
„Gomen nasai, Sesshoumaru sama, Jacky sama.“
„Schon gut, ich hab das zuerst auch gedacht“, sprang Inu Yasha seiner Frau ungeschickt bei.
„Sagt mal, habt ihr sie noch alle?.“
Beleidigt drehte sich Jacky ab und sprang mit einem Satz in die Baumkronen über sich, verfehlte den ausgesuchten Ast und landete wieder auf dem Boden.
„Aua. Ich hab's doch sonst immer gekonnt.“ Sie rieb sich ihren schmerzenden Hintern. Die Pein jagte in zuckenden Wellen den Rücken nach oben bis zum Kopf.
„Du warst unkonzentriert und hast dich von deinen Gefühlen ablenken lassen.“ Sesshoumaru stand mit einmal neben ihr und ließ in einer ungewohnt zarten Geste seine Hand über ihren schmerzenden Rücken gleiten. „Schon bald spürst du nichts mehr und morgen früh ist es geheilt.“
„Ja, Meister Yoda“, versuchte sie die Sache ins Lächerliche zu ziehen.
„Jacky“, zischte er sie an.
„Ehemann?“ Sie klimperte mit den Wimpern. Seine ganze Aura strahlte Wut aus. Da wollte er ihr beistehen und sie... sie benahm sich mal wieder unmöglich. Vorsichtig lächelte sie ihn an und kam sich wie ein Trampeltier im Porzellanladen vor. Warum nur konnte sie es momentan nicht sein lassen ihn zu necken? Schnell wandte sie sich ab und Kagome zu:
„Und? Hast du es geschafft?“
„Du meinst, meinen Titel? Ja, ich bin nun Frau Doktor.“
„Gratulation. Und wie sehen deine weiteren Pläne aus?“ Jacky konnte ihre Hilfe wirklich gut gebrauchen.
„Also wi, äh ich, also wi... ich... ich werde für immer bei euch, ich meine, für immer bei dir, Inu Yasha bleiben.“ Verlegen stammelnd hatte sie endlich einen kompletten Satz rausgebracht.
Erst sah Inu Yasha sie verwirrt an, dann umarmte er seine Frau spontan:
„Kagome!“
„Und das war alles, was du uns zu sagen hattest?“ Prüfend sah Jacky sie an. Sie war der Meinung, dass ihre angeheiratete Schwägerin ihr noch was anderes mitzuteilen hatte. So wie sie sich verhielt gab es noch was anderes mitzuteilen.
Knallrot sah Kagome zur Seite und meinte ausweichend:
„Äh, die Zeremonie ist in einem halben Jahr und äh, Inu Yasha kommst du bitte mit darüber?“
Sie zeigte auf eine freie Stelle etwas den Bach hinunter. Das wird der sprichwörtliche Gang nach Canossa, sagte sie sich selbst.
„Ja, aber wi...?“ Kagome ließ ihn nicht aussprechen, zerrte ihn einfach in die angegebene Richtung.
„Inu Yasha sollte anfangen seine Nase besser zu gebrauchen“, bemerkte Jacky an.
„Warum? Außer, dass ich ihm das auch schon öfters gesagt habe.“ Befriedigt stellte Sesshoumaru mal wieder fest, dass es doch was für sich hatte, wenn andere auch seiner Meinung waren.
„Ich will ihr nicht vorgreifen. Immerhin ist es ihre Sache, wem sie es zuerst sagt.“
Fragend blickte Sesshoumaru seine Frau von der Seite an, dann dämmerte es ihm:
„Ja, das sollten wir ihr überlassen.“
„Du wusstest es auch immer vor mir, nicht wahr, anata?“, fragte Jacky mit einmal in die Stille um sie herum hinein.
„Ich wollte es immer von dir hören. Dein verlegener Blick ist einfach nur süß.“
Zart küsste er sie auf die Wange. Obwohl seine Worte eine leichte Zornesfalte bei ihr verursacht hatte. Verlegen? Ich? Jacky konnte nur noch den Kopf schütteln. Dieser Mistkerl. Böse konnte sie ihm nicht sein. Denn es gab auch zahlreiche Sachen an ihn, die er selbst an sich nicht mochte, sie aber liebte. Verlegen. Noch mal schüttelte sich Jacky innerlich.
Woanders, aber nicht weit entfernt...
„WIE BITTE?“
Inu Yasha zog Kagome nach dem ersten Schock fest in seine Arme:
„Danke, anata, danke. Danke. Danke.“
„Wofür bedankst du dich eigentlich?“; fragte seine Frau ihn schließlich leise.
„Das es dich gibt. Und das ich mit dir eine richtige Familie gründen kann.“
„Dummkopf. Du hast doch schon eine Familie. Sesshoumaru, Jacky, die Kinder und nun mich und das hier:“
Sie nahm seine Hand und legte sie sich auf den Bauch. Fest drückte sie seine und sah ihn verliebt an:
„Es tut mir Leid, Inu Yasha, ich habe dich bei deinen Besuchen immer wieder rausgeworfen. Dabei habe ich mich jedes Mal gefragt, wann du wieder kommen würdest.“
„Warum nur hast du mich nie dagelassen? Bis auf deinen Geburtstag vor drei Monaten?“
„Weil ich mir über einiges klar werden musste.“
„Und über was?“, fragte er schliesslich nach einer Weile der Stille, in der sie einfach nur dastanden und sich festhielten.
Sie sah erst zur Seite, bevor sie ihm gestand:
„Man hat mir eine Stellung in einem der renommierten Krankenhäuser in Europa angeboten, wenn ich meinen Doktor bestehe.“
Entsetzt sah Inu Yasha seine Frau von der Seite an, hatte schon das passende Gegenargument auf der Zunge und schwieg doch, als er bemerkte, dass da noch mehr kommen würde.
„Ich habe sehr lange, wirklich sehr lange überlegt, was ich machen soll. Ich habe sogar mit Jackies Vater gesprochen. Und mit Mama, Opa, Souta und mit Kaede oba chan. Alle rieten mir, dass ich meinem Herzen folgen sollte. Und mein Herz sagte mir, dass es zu dir will, Inu Yasha. Nur zu dir.“
Er drückte sie noch fester an sich, er wusste oder spürte, dass sie noch was bedrückte.
„Dann wurde mir morgens immer schlecht. Oder wenn ich auf Arbeit irgendeinen komischen Geruch in die Nase bekam. Am schlimmsten war dieser Reiniger, den sie benutzen, um die Operationssäle zu reinigen. Ich bin dann nur noch rausgerannt aufs Klo und habe gewürgt. Zuerst dachte ich nur, ach, das ist alles nur Aufregung, der Stress wegen meiner Doktorarbeit etc. Und dann passte ich in meine Hosen und Röcke nicht mehr rein und Mama meinte“ Sieh holte tief Luft bevor sie fortfuhr: „Mama meinte, ich sollte doch unbedingt zum Arzt gehen. Ich wollte nicht. Bis ich dann, nachdem ich die Doktorarbeit abgegeben hatte und die Anspannung von mir abfiel, einfach zusammenbrach. Vor allen Leuten. War das peinlich. Nachdem ich wieder erwachte, sagte mein Kollege das zu mir, was ich schon lange wusste, aber nie wahr haben wollte.“
„Das du ein Kind erwartest, nicht wahr?“, warf er einfach ein.
„Ja, Inu Yasha. Unser Kind. Und ich blöde Kuh war blind. So blind. Es tut mir so unendlich leid, Inu Yasha. Ich wußte weder ein noch aus. Es war die Chance meines Lebens, doch im Grunde wußte ich es. Ich konnte es nicht. Ich konnte und will auch nie wieder so lange von dir getrennt sein. Niemals. Ich wollte und will von nun an immer an deiner Seite sein. Ich habe endlich erkannt, was ich machen will in meinem Leben. Dir und dem Fürstenpaar zur Seite zu stehen und etwas aufbauen, was einmalig ist in Japan. Auch wegen dem hier.“
Inu Yasha wusste was sie meinte. In ihrer Zeit wäre ein Kind wie ihres zu auffällig. Egal ob es nun noch Attribute eines Dämons in sich hatte oder weil er vielleicht stärker, schneller als die anderen sein würde.
Zart wischte er nun seiner Frau die Tränen unter ihren Augen weg.
„Es ist gut, Kagome. Und ich freue mich, dass du dich für mich entschieden hast. Sonst...“
„Was sonst?“ Fragend drückte sie sich etwas von ihm weg und sah ihn misstrauisch an. Sie traute ihm so ziemlich vieles zu. Doch was dann kam, das überstieg selbst ihren Horizont.
„Sonst wäre ich dir gefolgt, hätte dich trotz deines Protestgeschreis von dort weggeholt. Denn du gehörst mir, für immer.“
Verwirrt sah nun Kagome ihren Mann an und fing dann haltlos an zu lachen.
„Das ist nicht witzig!“, knurrte Inu Yasha sie an und wurde rot.
„Verzeih. Aber allein die Schlagzeilen: aufgehender Star der Medizin wird von Mann mit langen weißen Haaren, Hundeohren und in einer Samurairüstung entführt, ist einfach nur eine groteske Vorstellung.“
„Das ist nicht grotesk, das ist Ernst. Ich lasse nicht zu, dass du mir weiterhin wegläufst!“ Jetzt wurde er energisch. So sehr, dass Kagome ihren Inu Yasha fast nicht mehr erkannte.
„Das werde ich auch nicht mehr“, versprach sie ihn daher fest. Sie zog seinen Kopf zu sich herunter und küsste ihn lange auf den Mund.
„Und lass uns zu den anderen beiden zurückkehren. Ich würde zu gerne wissen, was genau passiert ist“, bat sie ihn. Sie wusste, dass Jacky vor Neugierde platzte.
„Das kann ich dir auch so sagen“, hielt Inu Yasha sie vorsorglich auf. Aus guten Grund, wie er fand.
„Und?“
Kagome sah fragend zu ihm auf.
„Besser ich erzähle es dir, bevor sich Sesshoumaru wirklich langsam wie eine Witzfigur vorkommt.“
Inu Yasha hatte Recht mit seiner Vermutung, Kagome hielt sich nach dem Bericht erneut vor Lachen den Bauch. Sie rieb sich die Tränen aus den Augenwinkeln und brachte endlich hervor:
„Das ist, hust, also äh, es war gut, dass du es mir hier erzählt hast.“ Sie schaffte es gerade so ihre Beherrschung wieder zu finden.
„Das komische ist, Sesshoumaru beginnt immer mehr wie ein Mensch zu reagieren, während Jacky eine Mischung aus beidem ist.“
„Hm, auf der einen Seite ist es sicherlich eine gute Lektion für die beiden, aber andererseits könnte es sich irgendwann negativ auswirken. Wird Zeit, dass wir diesen Mann ausfindig machen.“
„Vermutlich hast du Recht. Komm jetzt, du bist sicherlich müde und... moment Mal“, unterbrach er sich selbst, „wenn du uns besuchen kommst, warum kommst du eigentlich hier lang und nicht weiter nördlich?“ Sein Blick bohrte sich regelrecht in sie.
Knallrot geworden gestand sie ihm kleinlaut:
„Ich habe mich wohl etwas verlaufen...“
„Kagome! Warum in drei Teufels Namen hast du nicht einen von diesen blöden Wölfen, die eh nur gelangweilt bei Kaede oba chan rumhängen, mitgenommen?“ Inu Yasha ging fast die Hutschnur hoch.
„Ich hab's ausgeschlagen.“ Kagomes Stimme glich eher einem Flüstern.
„Also echt, manchmal frage ich mich, was du noch alles für Gefahren durchmachen musst, um zu wissen, dass du nicht stark genug für alle Gegner bist!“ Inu Yasha hatte angehalten und rang mit den Armen. Nachdem was er eben erfahren hatte, fand er Kagomes Verhalten alles andere als Verantwortungsbewusst. Es hätte sonst was passieren können. Ausmalen wollte er sich das lieber nicht.
„Das weiß ich selbst. Aber ich war schon so lange nicht mehr alleine unterwegs und die Luft war so herrlich und wenn ich Gefahr wahrgenommen hätte, wäre ich ihr aus dem Weg gegangen.“ Sie klang gerade wie ein naives Dummchen in seinen Ohren.
„Und wie hättest du sie wahrgenommen, wenn ich denn mal fragen darf?“ Seine Augenbraue fing an zu zucken. Das konnte doch nicht wahr sein...
„Hach, Mann, Inu Yasha, ich habe neben meinem Studium doch auch bei Kaede oba chan gelernt. Schon vergessen?“, versuchte sie ihn zu erinnern.
„Nein, aber trotzdem will ich nicht, dass du einfach so alleine durch einen fremden Wald rennst. Du siehst, wo das geendet hat. Was wäre gewesen, wenn das nicht zufällig wir gewesen wären, sondern irgendwelche Dämonen oder Räuber?“ Das wärs noch. Er sitzt im Schloss, denkst sich nichts und seine Kagome liegt irgendwo verletzt oder noch schlimmeres. Dabei schien seine Phantasie geradezu Purzelbäume zu schlagen.
„Behandle mich nicht immer so, als sei ich völlig hilflos!“
Kagome wurde langsam, aber sicher sauer und verstand nun ansatzweise, warum sich Jacky wegen so was andauernd mit Sesshoumaru stritt.
„Du bist ein Mensch und damit nicht immer in der Lage dich zu wehren. Du bist zwar eine Miko, aber einige Gegner sind auch für dich eine Nummer zu groß“, erinnerte er sie mit einem frostigen Unterton in der Stimme.
„Das weiß ich selbst“, gab sie patzig zurück. Verdammt. Ich will mich nicht mit ihm streiten. Warum können wir uns nicht einmal normal unterhalten ohne gleich in irgendwelchen Diskussionen zu enden?
„Und warum hält sich die Dame nicht daran?“ Sein Gesichtsausdruck war finster geworden.
„Weil ich nicht immer verlangen kann, dass du und der Rest der Welt auf mich aufpassen soll. In meiner Zeit braucht das auch niemand.“
„In deiner Zeit herrschen auch ganz andere Gefahren als hier. Begreif das endlich!“
Manno, ich krieg noch ne Krise. Warum müssen wir immer wieder bei dem gleiche Thema landen und streiten?, fragte sich der Hanyou zum wiederholten Male.
„Ich hab´s begriffen. Aber du solltest in deinen Dickschädel endlich reinbekommen, dass ich nicht so wehrlos bin, wie du immer meinst.“
„KE! Und du solltest endlich begreifen, dass du nach unserer Hochzeit einer noch weit anderen Gefahr ausgeliefert bist als vorher.“
„So und welche?“ Kagome verstand immer noch nicht auf was er raus will.
„Du bist nun einen Prinzessin. Wenn dich jemand entführt, bist du ein wunderbares Druckmittel gegen uns alle. Na, geht das nun in dein Spatzenhirn rein?“ Der letzte Satz war ihm einfach rausgerutscht.
„Inu Yasha, treib es nicht so weit. Denk dran, dass das da immer noch um deinen Hals hängt.“ Sie tippte mit dem Fingernagel auf den Rosenkranz.
„Gut das du es erwähnst, wann werde ich den denn endlich mal los?“ Mal wieder versuchte er ihn erfolglos abzunehmen.
„Bei deinem momentanen Verhalten sicherlich nicht so schnell.“ Sie kochte regelrecht vor Zorn.
„KAGOME! Ich hab die Schnauze von diesem Dingen gestrichen voll. Es ist ja fast so, als sei ich dein Hund und nicht dein Ehemann!“ Sauer fing er nun erst recht an an dem Kranz zu ziehen.
„So, wirklich? Wenn du das so siehst... osuwari!“
Der Kranz glühte einmal schwach auf und nichts geschah.
„O s u w a r i“, buchstabierte Kagome noch einmal vorsichtig.
„Yatta!“ Unvermittelt sprang Inu Yasha um seine Frau herum, blieb vor ihre stehen und grinste sie frech an:
„Endlich kann mir dieses blöde Teil nichts mehr anhaben. Wenn du es mir dann auch noch abnehmen würdest...“
Kagome verstand nun gar nichts mehr. Laut Kaede oba chan müsste die Wirkung des Rosenkranzes nie nachlassen. Aber warum ging er mit einmal nicht mehr? Vielleicht weil wir damals beim Kampf gegen Sou´ unga doch nicht mehr alles wiedergefunden haben, als sie kaputt ging? Aber danach ging er doch noch? Warum nur jetzt nicht mehr? Was ist anders als damals? Fieberhaft dachte sie nach und wusste einfach keine Antwort auf ihre Fragen.
Kagome sah ihren Mann an, dann sagte sie schliesslich leise:
„Vielleicht sollte ich das tun. Aber Andererseits dürfte das nicht sein.“ Sie war immer noch ziemlich verwirrt von dem ganzen.
„Bist du auch wirklich mein Inu Yasha?“, fragte sie ihn noch mal vorsichtshalber.
„Kagome!“ Er zog Tessaiga. „Reicht das?“
„Doch doch..“ Sie hob abwehrend ihre Hand. Gott, das hätte auch schief gehen können. Warf sie sich selbst vor.
„Nun nimm mir das blöde Teil schon ab. Ich verspreche dir hoch und heilig, dass ich mich auch benehmen werde.“
„Wirklich?“ Prüfend musterte sie Inu Yasha noch mal von oben bis unten. So ganz traute sie ihm in diesem Fall nicht ganz.
„Im Namen aller mir bekannter Götter gebe ich dir mein Ehrenwort.“
„Du weißt schon, was du damit sagst?“ Jetzt waren ihre Augenbrauen nach oben gerutscht. Immer noch ging ihr prüfender Blick über ihn. Musterte seinen Gesichtsaudruck. Bemerkte, dass seine Hundeohren verdächtig zuckten.
„Ja, und nun weg damit.“
Dann endlich gab sie nach, immerhin hat er es damals doch auch in Spanien geschafft sich zu benehmen:
„Nun gut. Ich werde ihn dir abnehmen, aber nur solange, bis ich mit Kaede oba chan darüber geredet habe.“
„Nein.“ Energisch sah ihr Mann sie an.
„Bitte?“ Nun änderte sich ihr Gesichtsaudruck von prüfend in fragend.
„Du wirst nicht mit der alten Frau darüber reden! Das Ding bleibt ab, Ende der Diskussion!“
Streng sah er sie an. Seufzend dachte sie an die vielen Augenblicke wo ein einfacher Befehl ihn vor weiteren Unheil bewahrt hatte. Also musste sie zukünftig einen anderen Weg finden ihren Herzallerliebsten vor irgendwelchen Gefahren zu schützen. Vermutlich weiß da sein großer Bruder Rat.
„Also gut, ich werde mit ihr reden, warum er nicht mehr geht, aber mehr auch nicht. Immerhin kann man das Teil vielleicht für andere Dinge noch verwenden. Zufrieden?“ In Kagomes Kopf setzte sich immer mehr ein Plan fest, der ihrem Mann nicht gefallen dürfte.
„Gut, aber nur Reden!“
Bedrohlich sah er sie an.
„Versprochen.“ Sie musste mit Jacky sprechen. Die wusste sicherlich eine Lösung. Und Sesshoumaru ging ihr nun gar nicht mehr aus dem Kopf. Tenshou dachte sie nur.
„Ehrenwort?“
„Ehrenwort.“
Leise seufze sie auf. Schwierig und manchmal wie ein Kleinkind war er schon manchmal, aber ansonsten...
Sie faste nach seiner Kette. Sofort entlud sie sich in einem grellen Blitz und schleuderte die junge Miko mit einer heftigen Druckwelle in den nächsten Busch.
„KAGOME!“ Sofort war Inu Yasha an ihrer Seite und stützte sie.
„Es geht mir gut. Und es hier auch.“ Sie legte die Hand auf ihren Bauch.
„Kagome! Inu Yasha! Alles in Ordnung?“
Aufgeregt erschien in einem atemberaubenden Tempo Jacky vor ihnen.
„Alles klar. Ich habe nur Inu Yasha versucht die Kette abzunehmen. Anscheinend geht sie nicht mehr.“
Die momentane Dai Youkai steckte ihr Schwert weg. Keuchend erschien Sesshoumaru bei ihnen. Er hielt sich die schmerzende Seite. Innerlich verfluchte er alles und jeden.
„Seltsam. Sicherlich gib's dafür eine Erklärung.“ Nachdenklich sah die Fürstin auf die beiden herunter.
„Bestimmt weiß Kaede oba chan Rat“, wiederholte Kagome ihre eigenes Gesagte laut.
„Das machen wir aber erst nachdem wir das Problem hier gelöst haben!“, warf Sesshoumaru schnell ein, als er die entschlossenen Gesichter der beiden Frauen sah. Soweit komms noch, dass hier noch länger als schwächlicher Mensch rumrennen muss.
„Hast ja recht, ein Schritt nachdem anderen. Kommt jetzt, sicherlich hat Kagome Hunger. Ich habe einige Fische gefangen.“
Jacky schritt mit dem gleichen Gang wie sonst Sesshoumaru vor ihnen her.
Wegelagerer
Kapitel 7: Wegelagerer
Einige Tage waren sie nun schon unterwegs. Jacky lief seit einer Weile immer voraus, während die anderen auf Ah-Uh hinterher flogen. Sesshoumaru war sauer. Nicht nur, dass seine Frau nicht bei ihnen blieb, sondern auch, weil er nicht neben ihr herum rennen konnte. Sie hielt die Rangfolge mal wieder nicht ein. Am Anfang hatte er es probiert, doch nach nur, seiner Meinung nach, kurzem Stück ging ihm die Puste aus und er bekam Seitenstechen. Und dann ihre Bitte sich doch besser zu Inu Yasha und Kagome auf Ah- Uh zu setzten sorgte nur dafür, dass er noch wütender auf sie wurde als eh schon.
„Sesshoumaru, du atmest beim Laufen falsch“, erklärte seine Frau ihm dann auch noch Abends beim Lagerfeuer.
„Ich habe noch nie darauf geachtet, ob und wie ich beim Laufen zu atmen habe“, gab er reichlich patzig zurück. Seine Wut wollte einfach nicht verfliegen.
„Weil dein normalerweise Hundedämonenkörper von Natur aus auch gewusst hat, wie man das macht. Wir Menschen, nun, wir haben diese Fähigkeit verloren und müssen sie uns schwer wieder antrainieren.“
„Ihr seid seltsame Geschöpfe“, war sein ganzer Kommentar dazu.
Er fand jeden Tag eine neue Eigenart heraus, die ihm nicht zusagte. Trotzdem, seine Frau hatte ihn in der Vergangenheit mehr als einmal bewiesen, dass die Menschenrasse andere Stärken hatte. Warum fand er sie nicht bei sich selbst? Was waren das nur ihm nicht bekannte Kräfte?
Jacky hielt vor ihnen unvermittelt an und sah in die Untiefen des Waldes vor ihnen. Sie zog leise ihr Schwert aus der Scheide. Ah- Uh stoppte hinter ihr. Inu Yasha sprang von seinem Rücken und stellte sich neben sie. Er schnüffelte und zog nun Tessaiga:
„Boa, was stinkt denn hier so?“
„Geh nach hinten und decke unseren Rücken“, bat Jacky ihn sehr leise. Der Geruch vor und um sie herum war ekelerregend.
Er nickte nur und tat wie geheißen.
Mit einem wilden Schrei stürzte eine Rotte Wildschweindämonen auf die kleine Lichtung in der sie unfreiwillig anhalten mussten und bedrohten sie mit ihren Äxten und Keulen. Jacky wurde fast schon schlecht von dem Gestank.
„He, ihr da! Ohne Wegezoll dürft ihr nicht passieren!“ Ein besonders nett aussehendes männliches Exemplar mit vielen Schädeln als Gürtelschmuck um die fette Hüfte. Aus seinen kleinen Äuglein musterte er sie feix und nahm besonders die zwei Frauen genauer in Augenschein.
Jacky sah sich zu Sesshoumaru um, der nun neben sie trat:
„Und wer hat euch das Recht geben hier Wegezoll kassieren zu dürfen?“ Seine Stimme klang ruhig. Ja fast gewöhnt amüsiert.
„Der Fürst der westlichen Länder, über die ihr ungefragt reist.“
„So, tatsächlich? Ich wußte noch gar nicht, dass der Fürst der westlichen Länder hier Wegezoll verlangt. So viel ich weiß, verlangt seine Lordschaft überhaupt keine Zölle auf seinem ganzen Gebiet.“ Jacky sah ihn leicht belustigt an. Dann drehte sie sich zu ihrem Mann um und fragte ihn lauf:
„Oder weiß du etwas, was ich noch nicht weiß?“
„Ich verschweige dir nichts.“
„Sicher?“, fragte sie noch mal nach. In der Vergangenheit hatte ihr Göttergatte solche Sachen ihr gegenüber öfters wissentlich vergessen zu erwähnen.
„Ganz sicher“, bestätigte er mit fester Stimme.
„Wenn das so ist, dann haben wir es hier mit einem ganz einfachen Räuberpack zu tun, die sich nur auf unsere Kosten bereichern wollen, oder wie siehst du das, Sesshoumaru?“
„Ich sehe das genauso, Jacky.“
„Saaaggtetetet Ihr Sesshoumaru?“, fragte einer der Anwesenden sie vorsichtig und zeigte zitternd mit dem ausgestreckten Finger auf sie beide.
„Ganz genau. Und wenn ich mich recht erinnere, gehörst du zu der Räuberbande, die uns vor über zehn Jahren schon mal belästigt haben. Einen Teil von euch als neue Wachen eingestellt und ein Teil ist schreiend weggerannt. So wie die Dinge liegen, gehörst du wohl zum Memmenverein, oder etwa nicht?“
Jacky konnte regelrecht sehen, ihm vor Angst anfingen die Beine zu schlotterten.
Dann erinnerte sie sich genauer.
„He, du bist doch der Typ, der vor Angst vor mir in Ohnmacht gefallen ist, obwohl ich nur Buh gemacht habe.“
„BITTE TUT UNS NICHTS! Wir werden auch nie nie nie wieder was böses machen!“
Er fiel vor Sesshoumaru und ihr selbst auf die Knie, streckte seine Hände in die Höhe und flehte sie geradezu an.
„He, was ist denn mit dem los?“; wunderte sich einer seiner Kameraden.
„Keine Ahnung. Nun reiß dich mal zusammen. Das ist ja oberpeinlich mit dir und so was will Räuber sein.“ Ein weiterer zerrte die Heulsuse nach oben.
„Ihr versteht nicht. Das da ist das Fürstenpaar.“
Alle starrten die beiden an.
„Und das da ist bestimmt der jüngere Halbbruder mit dessen Gefährtin.“
„Son Quatsch kannste deiner Großmutter erzählen. Als würden die gerade zufällig hier lang kommen. Immerhin ist das nicht der Weg ins südliche Fürstentum, wo dessen Cousin herrscht. Wir haben uns doch extra die Ecke ausgesucht, oder nicht?“
Zustimmendes Nicken von allen Seiten.
„Außerdem ist der Fürst männlich und nicht eindeutig weiblich.“
Der Sprecher zeigte auf Jackies Brüste.
„Wie kannst du es wagen!“
Sesshoumaru wollte schon vorpreschen, doch Jacky hielt ihn am Schlafittchen fest.
„Überlass das dieses Mal mir, Schatz.“
„Wenn du denn meinst.“ Er zog sich in seinen Schmollwinkel zurück. Ihm blieb aber auch nicht eine Peinlichkeiten erspart.
„Ist es euch etwa lieber, wenn der Fürst männlich wäre?“
Alle schüttelten ernsthaft den Kopf.
„Außerdem wie das klingt: Fürst, mein Fürstchen. Als wäre er ein Hund. Also wirklich.“
„JACKY!“, kam es aufgebracht aus dem Hintergrund. Sie selbst sah nur aus dem Augenwinkel, wie Kagome sich selbst auf die Hand biss, damit sie nicht in schallendes Gelächter ausbrach.
„Gut, da wir das geklärt haben... kommen wir doch zu dem eigentlichen Problem.“ Sie schlug die Arme unter und blickte von einem zum anderen Räuber. „Ihr befindet euch auf meinem, entschuldige Schatz“, aus dem Hintergrund wurde sie wüst angerempelt und korrigierte sich sogleich, „unserem Besitz, raubt in unserem Namen unbescholtene Reisende aus und dann habt ihr auch noch die Frechheit uns zu belästigen. Also das ist doch der Gipfel der Unverfrorenheit! Also wie wollen wir es machen? Entweder ihr haut freiwillig ab oder ich teste mein Schwert an euch aus. Ihr habt dir Wahl.“ Sie zog es probehalber und spielte damit rum.
„Bitte lasst uns gehen!“, kam die wimmernde Stimme der Heulsuse.
„Son Blödsinn! Das sind doch nur vier und zwei davon sind nur Menschen! ANGRIFF!“, befahl der Anführer ihnen.
Sogleich griff jeder nach einer Waffe. Jacky sprang beiseite, wich dem Ausfall des Anführers aus, griff mit der Schwertscheide zwischen seine Beine und brachte ihn zu Fall. Keuchend und japsend kam er auf dem Boden auf und stand im nächsten Moment wieder. Jacky war schon neben ihm, verpasste ihm einen Schlag mit der Klinge am Hals, zog durch und rannte schon weiter. Der leblose Körper fiel zu Boden und verursachte nur noch ein dumpfes Aufklatschgeräusch.
Der nächste Gegner stürzte sich auf sie. Jacky brauchte die Klinge nur etwas seitlich drehen und schon spritzte das Blut aus einer hässlichen Bauchwunde heraus. Vor Schmerz wimmernd brach er zusammen und hielt sich seine herausquellenden Gedärme fest.
Sie sah nur noch eine hochgehobene Axt von der Seite. Ein Drücken von ihr mit der Scheide zur Abwehr. Nur eine winzige Drehung von ihr und er lag in seinem eigenen Blut gebadet vor ihr.
Jacky bemerkte nicht, was sie tat. Sie war verfallen. Dem Rausch des Kampfes. Dieser seltsamen Stimme, die ihr sagte, dass sie alles töten musste was sich ihr näherte. Für sie galt nur eins, der Blutrausch. Der Geruch des Lebenssaftes hatte etwas in ihr geweckt, was sie nicht kannte. Das Gefühl unbesiegbar zu sein. Das Gefühl, über allen Lebewesen zu stehen. Machtvoll zu sein und nicht mehr die einfache Menschenfrau, die sie sonst war. Nichts und niemand konnte sie jetzt noch aufhalten. Immer schneller, immer brutaler mordete sie einen Gegner nach dem anderen ab.
Ihre Augen glühten rot. In ihrem Mundwinkel sah man ihre Fangzähne blitzen. Geifer tropfte von ihnen nach unten. Irgendwo hörte sie jemanden hysterisch lachen. Ihr war nicht bewusst, dass sie es selbst war. Sie war nur noch eine Kampfmaschine, von ihren Gefühlen und Instinkten geleitet.
Wie eine Furie fiel sie über die Männer her und mordete alles ab, was sich ihr in den Weg stellte.
Irgendwann drang eine Stimme an ihr Ohr. Wollte ihr was sagen. Schwächling. Stör mich nicht. Es wurden mehr. .Immer lauter versuchten sich da wer Gehör zu verschafften. Was sagten sie? Aufhören? Nein, jetzt noch nicht. Noch ist es nicht vorbei, das Morden. Dieser Rausch, der mich zum ersten Mal leben lässt. Dieses Aufleben meiner Selbst, meines wahren Iches. Ich muss noch mehr machen. Noch mehr töten, Nur dann ich bin ich. Ich werde alles auslöschen was sich mir in den Weg stellt.
ALLES.
Und Jeden. Egal ob Freund oder Feind.
Was will der denn von mir? Weiße Haare und diese Aura... Nur ein mickriges Halbblut.
Der hat doch keine Chance gegen mich, die starke Dai Youkai.
Halbblut.... Hanyou.... Ich kenne ihn. Dieser Geruch ist so ähnlich wie von ihm...
Halbblut? Halbblut...
Sie stockte mitten in ihrem Angriff. Sah die Person vor ihr an. Bemerkte seine Entschlossenheit, seinen Willen, der ihrem sehr ähnlich war. Dieses Schwert, diese rote Kleidung, diese weißen Haare... und der Mann neben ihm. Ich kenne seinen Geruch....eindeutig. Zu deutlich. Was ist das? Warum vergeht mir die Lust zu töten? Warum will ich nicht weitermachen? Will sie nicht morden wie die anderen?
Es ist wegen ihm. Ich darf sie nicht angreifen. Nicht sie. Niemals sie.
Ihre Augen wechselten von rot zu golden. Verwirrt als sei sie neu auf dieser Welt angekommen, sah sie sich um. Bemerkte die vielen Leichen um sich herum. Sah die Verstümmelungen. Die schweren, todbringenden Verletzungen. Starrte auf ihre Hand. Das Schwert von dem der rote Lebenssaft tropfte.
Nur sehr langsam sickerte in ihr bewusstes Denken was hier geschehen sein musste. Was sie, die eigentliche Menschenfrau, getan hatte. Sie fing an zu zittern. Starte auf zum wiederholten Male ihre Hand. Ihre Ärmel. Das Gewand welches sie hocheben konnte. Die Haare. Überall Blut. Er klebte sogar in ihrem Gesicht. Überreste von Gedärmen zog sie von ihrer Nasenspitze.
Mit einer Bewegung warf sie ihr Schwert so weit wie nur möglich von sich. Ihr wurde schlecht vom Blutgeruch, der nicht weggehen wollte.
„Oh, mein Gott. Was habe ich getan?“ Unfassbar starrte sie erneut auf ihre blutroten Klauen, spürte noch einmal den erlebten Blutrausch. Sah vor ihrem Auge die Opfer, die sie gerissen hatte. Nein, ermordet hatte, korrigierte sie selbst gleich wieder. Ihr Körper gab nach. Sie sank zu Boden. Schlug die Arme über die Augen. Das Bild vor sich aus zu löschen versucht. Doch als sie die Lider schloss spulte ihr innerer Filmprojektor alles noch mal haarklein ab. Das Entsetzen über ihre Tat war so groß. So unendlich. Und so schmerzlich.
„Es ist gut, Jacky.“ Sesshoumaru ging neben ihr auf die Knie. Umarmen wollte er sie nicht. Konnte es nicht. Er stand genauso unter Schock wie sie selbst.
„Habe ich euch was angetan?“, fragte sie leise nach. Nach einer viel zu langen Zeit wie er fand.
„Nein“, brachte er schliesslich hervor.
„Aber ich wollte, nicht wahr?“, schaffte sie es endlich hervor zu pressen.
Er konnte nichts sagen. Das war Antwort genug.
„Oh mein Gott. Oh mein Gott“, murmelte eine Weile vor sich her. „Das wollte ich nicht. Ich hatte ja keine Ahnung. Es tut mir Leid. Es tut mir Leid. So unendlich.“ Sie hielt sich nun ihre Hände vors Gesicht. Sie wollte es nicht sehen. Sie begriff erst jetzt, was es hieß ein Dämon zu sein. Und diese Erkenntnis war wie eine bittere Pille für sie. Eine Medizin auf die sie gerne verzichtet hätte. Dabei war bis dahin doch alles so glatt gelaufen. Im Gegenteil sie kam doch bis eben noch besser mit der Situation zurecht als ihr Angetrauter. Bis eben war diese Welt wunderschön. Und nun musste alles zusammenbrechen. Dieses Gebilde, diese Illusion wie eine Seifenblase platzen.
„Du nimmst dich beim Kämpfen immer zurück, nicht wahr, Sesshoumaru?“, schaffte sie es nun doch sehr leise, ja gar mehr flüsternd ihn zu fragen.
„Würde ich es nicht tun, würde es immer so enden.“ Seine Worte klangen wie ein Hohn in ihren Ohren. Niemand hatte sie auf das hier vorbereitet. Niemand.
„Ich bin so ein Dummkopf. Ich dachte ich hätte alles unter Kontrolle und hätte in so kurzer Zeit alles gelernt, was es zu einem Dämon braucht. Aber ich bin noch Welten davon entfernt.“ Sie fing an haltlos zu weinen.
Sesshoumaru nahm sie in die Arme. Er hatte sie noch nie gerne weinen gesehen. Ihm war klar dass seine Geste nur gering war gegenüber dem was sie gerade durchmachte. Mit den Schuldgefühlen, mit denen sie nun zu kämpfen hatte.
„Auch das machen Dämonen normalerweise nicht“, flüsterte er leise in ihr Haar.
Sie nickte nur stumm.
Kagome war zu einem Bach gelaufen und holte Wasser. Stumm stand sie nun daneben und sah ihnen zusammen mit Inu Yasha zu. Etwas Neues war so eine Situation für beide nicht. Der Hanyou kannte solche Momente nur zu genau. Von daher würde er gerade seiner Schwägerin nie einen Vorwurf machen. Und seiner Meinung nach war es so oder so die gerechte Strafe die diese Bande ereilt hatte. Wer wusste schon wen die alles schon ausgeräubert hatten. Mit welchen Folgen. Hoffentlich war ihr vermeintlicher Zaubermeister nicht auch darunter. Das fehlte ihnen gerade noch zu ihrem Glück. Laut wollte er seine Bedenken lieber nicht aussprechen und noch zusätzliches Öl ins Feuer kippen.
Es dauerte eine Weile, bis Jacky sich wieder erholte von ihrem Schock. Langsam erhob sie sich von Sesshoumaru´s Schulter und sah ihre angeheiratete Schwägerin aus verweinten Augen fragend an.
„Hier, trink etwas. Da hinten beim Fluss ist ein Onsen.“
„Danke. Es tut mir Leid, ich hätte euch alle beinahe angegriffen.“ Sie nahm ihr sehr vorsichtig und bedacht die Flasche aus der Hand, als hätte Jacky Angst Kagome doch noch zu verletzen.
„Schon gut. Ich will nicht wissen, was ich angestellt hätte, hätten Inu Yasha und ich die Kräfte getauscht.“
Verwirrt sah Jacky sie erst an, dann nickte sie:
„Danke für dein Verständnis.“
„Beim nächsten Mal weißt du es eben und nimmst dich zurück.“ Kagomes Worte klangen wie ein Befehl in ihrer aller Ohren. Doch jeder wusste, dass aus ihr das gleiche Erschrecken sprach, das in ihnen allen noch steckte.
Jacky nickte erneut zur Bestätigung. Sprechen fiel ihr äußert schwer.
„Inu Yasha“, sprach sie ihren Schwager trotzdem sehr viel später an, als sie nach ihrem Bade weiterzogen. In einem nahe gelegenen Dorf hatten sie eine Nachricht mit einem kurzen Bericht an Tenshou mit der Bitte sich den Überresten an zu nehmen gesendet.
„Was ist denn?“, fragte der nicht gerade freundlich zurück.
„Es tut mir leid. Aber wärest du nicht direkt vor mir aufgetaucht, dann hätte ich, dann hätte ich...“ Sie sprach nicht weiter. „Danke noch mal.“
Sie drückte kurz seine Hand. Drehte sich unvermittelt um und lief weit vor ihnen her. Das schlechte Gewissen pur.
„Das war sehr hart für sie heute“, sagte Sesshoumaru mit einmal in die bedrückende Stille hinein.
„Das war es. Hoffentlich weiß sie aber nun wie wir uns immer fühlen“, antwortete Inu Yasha nicht gerade freundlich und mit untergeschlagenen Armen. Sein harten Worte hörte Sesshoumaru nicht. Er war mit anderen Dingen beschäftigt. Sonst hätte er seinen Bruder schon zur Rede gestellt. „Beim nächsten Mal werde ich alleine Kämpfen“, fuhr dieser unvermittelt fort.
„Tu das nicht“, widersprach Kagome ihm sofort.
„Warum denn?“
„Sonst hat sie immer Angst, sie könnte jemanden verletzen. Und das ist nicht gut. Sie muss damit zwar nun fertig werden. Aber wie ich sie kenne, wird sie das auch schaffen.“
„Du hast wie immer recht, Kagome-ko.“
„Leider“, seufze die ergeben auf.
Besorgt blickte Sesshoumaru seiner weit vorauslaufenden Frau nach. Sie wird es schaffen, das wusste er. Trotzdem blieb ein bitterer Geschmack in seinem Mund zurück, den er einfach nicht los wurde.
Hitze
Kapitel 8: Hitze
„Wir gehen in das Dorf dort drüben und besorgen uns was zu essen.“ Mit diesen Worten verabschiedeten sich Kagome und Inu Yasha von dem Fürstenpaar.
Jacky nickte nur. Machte sich noch nicht mal die Mühe die Augen zu öffnen. Sie saß auf einem Ast und döste auf Hundeart vor sich her. Dabei sendete sie ihre Sinne über die Gegend in der sie die Nacht verbringen würden.
Sesshoumaru hatte nicht den ersten Versuch seit der Sache vor einer Weile unternommen, sie dazu zu kriegen, sich zu ihm herunter zu bewegen und mit ihm zu reden. Jacky hatte nur zu ihm heruntergeblickt und gemeint:
„Es gibt nichts zu besprechen. Die Sache ist gegessen und vergessen.“
Sesshoumaru gab sich keinen Illusionen hin, dazu kannte er seine Frau zu genau. Sie litt und wollte die Sache alleine durchstehen. So typisch für sie. Aber dann fiel ihm was auf. Sie reagiert genau so, wie er sonst immer reagieren würde, wenn er noch ein Dämon wäre. Besorgt sah er erneut zu ihr auf und verstand nun was sie damit meinte, wenn sie sagte, er würde sich ihr nicht öffnen und immer alles alleine durchstehen will.
Diese Erkenntnis schmeckte ihm gar nicht. Und wie schon so oft zu vor verfluchte er seine momentane schwache menschliches Dasein mit all seinen Gefühlen und anderen Dingen.
Mit einem Satz sprang Jacky von ihrem Aussichtspunkt und verkündete ihrem Mann:
„Ich gehe baden.“
„Jacky, hör endlich auf, dich mir zu entziehen.“
„Das tue ich nicht. Ich will nur mich baden, um diesen, diesen Gestank von mir abzuwaschen...“
Ihre Stimme war zum Ende hin ganz leise geworden und erstarb schließlich ganz. Ohne ein weiteres Wort rannte sie zu der Stelle wo ihre feine Nase einen Onsen erschnüffelt hatte. Sesshoumaru sah ihr hinterher. Seit der Sache war sie so komisch drauf. Wusch sich und ihre Kleidung bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Er wusste warum sie das machte, sie wollte ihre Schuld damit abwaschen. Dabei hätte er sich gleich dazu stellen dürfen. Denn er hätte es ihr sagen sollen. Das mit dem Blutrausch. Er hätte sie besser vorbereiten müssen. Und das hatte er nicht getan. Dann wäre sie anderes in den Kampf gegangen. Die Schuld wog bei ihm genauso groß wie bei ihr. Und das tat genauso weh wie die Tatsache, dass sie sich seitdem nicht mit ihm Reden wollte. Ja, ihm glatt alles verweigerte was man als normale Beziehung nun mal so tat. Weil sie ein schlechtes Gewissen hatte. Ihm gegenüber und auch Inu Yasha und Kagome. Darum ging sie ihnen aus dem Weg.
Es befand sich niemand anderes am Onsen. Schnell entledigte sich Jacky ihrer Sachen und ließ sich in das heiße Wasser gleiten.
Aufseufzen begann sie sich mit ihren Händen zu waschen und trat sich gedanklich selbst in den Hintern, weil sie ihre Waschsachen bei Sesshoumaru im Rucksack gelassen hatte.
Ein Rascheln im Gebüsch und ein eindeutig männlicher Geruch ließ sie nach ihrem Schwert suchen. Es war nicht Sesshoumaru, sondern ein anderer, eindeutig niedriger, Hundedämon trat aus einer nahen Baumgruppe auf sie zu.
„Hallo Süße, wie wärs mit uns zweien? Dein lieblicher Geruch hat mich direkt zu dir geführt.“
„Bitte?“
Jacky musste ihn angesehen haben, als hätte er nicht mehr alle Flöhe bei sich.
„Nun hab dich doch nicht so. Ausziehen brauchst du dich auch nicht mehr, wie praktisch.“
Genervt legte Jacky eine Hand auf ihre Stirn und fing an die zu massieren. Was wollte der denn hier und überhaupt von ihr? Weiß der denn nicht mit wem er es zu tun hatte?
„Du stinkst. Verschwinde besser, sonst bereust du es.“
„Aber meine Süße, wenn ich zu dir in das Wasser steige, dann rieche ich bestimmt wie eine ganze Lotusblütenwiese für dich. Und außerdem... wenn du bald in richtiger Stimmung bist, ist es dir sicherlich ganz egal, ob ich stinke oder nicht.“
Nachher in richtiger Stimmung bin? Sie verstand nur Bahnhof.
„Wovon redest du eigentlich?“
Jacky stand eindeutig auf dem Schlauch.
„Dann ist das hier das erste Mal für dich? Heute muss echt mein Glückstag sein.“ Er rieb sich die Hände.
„Oro?“
Bin ich doof, oder was meint der da eigentlich? Moment mal... Jacky starrte den Mondstand an, überprüfte ihren eigenen Geruch genauer und kam selbst dahinter warum sie sich mit dem da abgeben durfte. Sie befand sich nun in freier Wildband und zog mit ihrem lieblichen Geruch gerade in dieser Phase im Monat natürlich jeden männlichen Hundedämon im Umkreis von mehreren Kilometern an. Dagegen musste sie was tun. Ein Wunder, dass ich nicht noch das Bein gehoben habe, um noch mehr anzulocken.
„Okay, dann will ich dir mal was sagen und rette dir damit sicherlich das Leben... weißt du, wer Sesshoumaru ist?“
„Der Fürst der westlichen Länder?“ Er riss regelrecht seine Augen auf.
„Richtig, der Kandidat hat 500 Bonuspunkte gewonnen. Und was heißt das für dich?“
„Gehörst du etwa ihm?“
Das Entsetzen in seinem Blick sprang sie regelrecht an.
„Das tue ich. Und wenn dir dein Leben lieb ist, dann sieh zu, das du Land gewinnst!“
„Aber ich dacht, ich meine gehört zu haben, dass er ein Menschenweib zur Gefährtin gewählt hat.“
„Und du meinst nicht, dass er nicht mehr als nur eine Frau hat?“ Das würde sie natürlich nie zulassen, wäre sie sie selbst. Aber in diesem Fall waren ihre alle Mittel recht.
Ihre Augenbrauen hatten sich bedrohlich gehoben.
„Doch!“
Damit drehte er sich um und war schneller hier verschwunden, als er hergekommen war.
„Sayonara, baka! Ya ne und auf nimmer Wiedersehen! Leute gib's. Kaum sag ich den Namen von meinem Mann, schon hauen alle ab.“
Sesshoumaru, dachte sie weiter, ich muss zu ihm zurück. In meinem Wahn diesen Geruch von mir abzuwaschen, habe ich völlig vergessen, dass er momentan nicht sehr wehrhaft ist. Dabei fiel ihr was auf. Ich habe immer noch einen leichten bitteren Geschmack im Mund, doch eigentlich geht es mir wieder besser. Der Schock scheint in Dämonenkörper schneller zu vergehen als in ihrem normalen.
Schnell sprang sie aus der heißen Quelle, trocknete sich nur notdürftig ab, zog sich an und rannte zu ihrem Mann zurück.
Besorgt sah er sie an, als sie wieder bei ihm war.
„Gott sei dank, dir geht es gut.“ Spontan umarmte sie ihn und drückte ihn fest an sich. Überrascht erwiderte er ihre Geste.
„Ich hatte völlig vergessen, dass man dich momentan nicht alleine hier in fremden Wäldern lassen kann. Tut mir Leid.“
Verlegen setzte sie sich, zog ihn zu sich auf den Schoss.und sah ihn von der Seite an.
„Ich bin nicht so wehrlos, wie du denkst.“
„Das weiß ich doch, anata.“
Wie seltsam, dachten beide gleichzeitig. Eigentlich war es doch immer umgekehrt, wenn sie gerade wegen diesem Thema diskutiert haben.
Sie suchte nach seiner Hand und überlegte kurz, ob sie ihm von ihrer Begegnung am Onsen erzählen sollte oder nicht. Sie entschloss sich dazu, ihm das kurze Meeting im Nebel zu beichten.
„Wie kann er es wagen!“
Jacky hatte es kommen gesehen und beobachtete ihren aufgebrachten Ehemann dabei, wie er aufsprang und seiner gewohnten Art nachging, wie ein eingesperrtes Tier auf- und abzumarschieren.
„Ich bringe ihn um!“
Sesshoumaru zog sein Schwert und ging in die Richtung, aus der Jacky gekommen war.
„Lass ihn nur. Er hat mich auf was gebracht, was ich völlig missachtet hatte bei unserer kleinen Reise.“
Verlegen sah sie zu Boden. Deutete aber mit der Kralle an ihrem Zeigefinger auf den Mond über ihr. Wie sie ihren Mann kannte brauchte er nur den Erdtrabanten ansehen und kurz nachrechnen um zu wissen was Sache war.
„Ich ahnte es. Komm.“
Wie immer ergriff er ihre Hand und zog sie tiefer in den Wald. An einer kleinen Lichtung hielt er an und fing an sich aus zu ziehen.
„Und wenn nun jemand kommt? Besonders dein Bruder samt Frau? Immerhin sind wir hier unter freien Himmel und nicht in einem Onsen und nicht gerade tief im Wald und...“
„Jacky, du plapperst.“
Nackt stand er vor ihr und sah sie streng an.
„Oder willst du wieder mit einem dieser niedrigen Dämonen Bekanntschaft machen?“
„Nein. Nein. Nun gut, ich folge dir ja schon.“
Schnell zog sie sich aus, legte ihre Anziehsachen so hin, dass sie sich drauflegen konnte. Was sie auch schnell tat. Immer noch sehr verlegen sah sie zu Sesshoumaru hoch, der nur mit dem Kopf schütteln konnte. Ihm war kalt, darum legte er sich zu ihr und suchte nach ihrer Wärme.
Später sagte sie leise zu ihm:
„Sag mal, mein Geliebter, was genau hast du alles in deiner Jugend getrieben, dass bei nur der Erwähnung deines Namens alle weglaufen?“
Schon mehrfach war ihr das aufgefallen, nicht erst heute mit dem Typen am Onsen.
„Ich bin der Fürst der westlichen Länder und der Inu no Taishou. Jeder Hundedämon sollte meinen Namen kennen.“
„Aber das alle gleich weglaufen oder vor Angst sich vor dir in den Staub werfen. Also echt, deine Teenagerzeit muss sehr aufregend gewesen sein.“
Sie zog sein Gesicht zu ihres und küsste ihn zart auf den Mund.
„Ich habe mir nur Respekt verschafft.“
„Oh ja, der große Sohn, der Erbe seines Papis. Sei ehrlich, du hast das genossen, richtig?“ Ihre Hand schob eine seiner nun roten Strähnen über die Schulter.
„Manchmal schon, doch es gab auch Zeiten, da habe ich es gehasst.“
„Warum?“
Sie legte ihren Kopf schief und sah ihn fragend an.
„Papa war fast nie da und kämpfte viel. Die Zeiten waren noch unruhiger als heute. Ich war nur mit meinen Erziehern, einigen Palastwachen und dem tollen Miyouga alleine.“
„Armer Prinz. Und jetzt, bist du immer noch alleine?“ In ihrer Stimme lag ein Hauch von Amüsiertheit. Er selbst gab sich als die Kühle selbst aus, als er weitersprach:
„Nein. Dank dir und den Kindern. Ich will auch nicht mehr alleine sein. Selbst wenn ich nur mit Inu Yasha unterwegs bin, weiß ich, dass ich nie wieder sein werde. Er und auch die anderen geben mir das Gefühl nicht nur ihr Anführer zu sein, sondern als seien sie ein Teil von allen und ich gehöre auch dazu. Das hat man mir nie beigebracht, das hast du mich gelehrt. Danke.“
Jetzt küsst er sie.
„Sesshoumaru“, flüsterte Jacky nach einer Weile des Schweigens. „Ich möchte mich bei dir entschuldigen:“
„Warum denn?“
„Weil ich dich in diese Lage gebracht habe. Wenn ich dieses Mittel nicht gekauft hätte und vielleicht vorher mit dir geredet hätte, dann wäre es nie....“
„Pst. Es ist schon gut. Wie hat mal eine Frau mit langen roten Haaren, die ich zufällig sehr genau kenne, zu mir gesagt, manchmal geschehen Dinge, weil sie geschehen müssen. Vielleicht um jemanden eine Lektion zu erteilen oder weil die Zeit reif für sie waren.“
Verwundert sah nun Jacky ihn an und merkte dann an:
„Du hast mir ja mal zu gehört. Ich glaubs ja nicht!“
„Ich höre dir immer zu, Jacky-ko. Immer.“
Sie sah, wie er die Augen schloss.
„Aishite ru, Sesshoumaru-dono“, flüsterte sie ihm ins Ohr.
Er murmelte leise was zur Antwort, bevor er endgültig einschlief.
Wie seltsam, dachte Jacky sich. Wir verändern uns beide. Ich wollte es nie wahr haben, aber es passiert. Aus mir wird der Dämon und aus ihm wird ein Mensch. Er redet viel mehr als früher. Ich spüre das er damit ein Problem hat und trotzdem macht er es unbewusst. Er verändert sich, gewöhnt sich an die vielen Gefühle. Was passiert nur mit ihm, wenn er sie plötzlich nicht mehr hat? Und warum habe ich sie dann noch? Weil ich ein Mensch war? Oder tragen Dämonen die gleichen Gefühle in sich und zeigen sie nur nicht so deutlich? Oder können sie sie wirklich besser verstecken als wie Menschen es je in der Lage sein werden?
Fragen über Fragen. Und eine blieb für sie immer noch ungelöst, was passiert mit ihr, wenn sie wieder überfallen werden? Würde sie sich dieses Mal unter Kontrolle halten können?
Überfall
Kapitel 9: Überfall
„Oh, Eure Lordschaft! Wir sind so froh, dass Ihr persönlich auf unser Bittgesuch an Euch herkommt.“
Im Dorf warfen sich einige Bewohner vor Inu Yasha und Kagome auf den Boden. Verwirrt sahen sie zu ihnen herunter.
Fragend und sehr leise wandte sich Inu Yasha an seine Angetraute:
„Gehört die Ecke auch noch zu uns?“
„Hm, schon möglich. Egal, wenn wir ihnen helfen, dann werden sie uns sicherlich auch Nahrung geben.“ Die Ärztin wüsste nur zu gerne was hier los und ob sie wirklich helfen konnten.
„Jacky hat mir aber Geld mitgegeben“, widersprach der Hanyou seiner Angetrauten.
„Dann geben wir es ihnen dann. Fragen wir erstmal genau worum es geht.“
Er nickte bestätigend.
„Was ist euer Anliegen?“ Ganz der Hundeprinz in Person.
„Ja, Herr. Bitte folgt mir.“
Ein älterer Herr, ganz offensichtlich der Dorfälteste, erhob sich schwerfällig und ging vor ihnen zu einem Feld. Er warf sich sogleich wieder in den Staub und erklärte von untern zu ihnen herauf:
„Seht ihr das hier? Kein einziges Reiskorn ist mehr dort wo es sein sollte. Kein Wassergraben mehr so wie wir ihn mal anlegten. Alles umgegraben.“
Inu Yasha fasste sich an den Kopf und rieb sich die Stirn mit einer seiner Krallen. Gab es Deja jus wirklich?, fragte er sich gerade selbst.
„Ist hier in der Nähe ein Heiligtum oder so was, was abgebrannt ist?“, fragte Kagome sogleich. Sicherlich erinnerte sie sich auch an die äußerst peinliche Situation vor über 10 Jahren zurück. Und hoffentlich bitte keine kleinen Affenkinder, flehte er innerlich an irgendeine Gottheit.
„Nicht das ich wüsste. Oder weiß einer von euch was?“, wandte der Dorfälteste sich an die anderen Bewohner.
Die schüttelten einvernehmend mit dem Kopf.
„Hat jemand genau beobachtet, was geschehen ist?“, erkundigte sich Kagome genauer.
„Kaum setzten wir die ersten Pflanzen, als plötzlich das Wasser abgelassen und die Pflanzen wie von Zauberhand einfach ins Erdreich gezogen wurden.“
„Seltsam. Kannst du irgendwas riechen?“, fragte Kagome ihren Mann. Sein Blick in ihrer Richtung sprach Bände, trotzdem kam er der Aufforderung nach.
„Stinkt irgendwie nach Hase. Ich geh der Spur mal nach.“
Inu Yasha zog Tessaiga, schulterte es und machte sich auf den Weg, immer seiner Nase nach. Wenigstens kein Affe.
Es ging die gesamten Felder entlang, einem kleinen Flusslauf folgend und durch eine kleine Gruppe Bäume. Vor einem großen Hügel blieb er stehen und deutete mit seinem Schwert nach oben.
„Dort ist es. Dann wollen wir sie mal rauslocken Kaze.... was denn?“
Kagome hatte ihn am Ärmel ergriffen und deutete nach hinten:
„Da kommen Reiter, die ich nicht kenne.“
Inu Yasha ließ sein Schwert sinken:
„Die kenn ich auch nicht. Vielleicht gehören die zu dem menschlichen Fürsten, der hier regiert.“
„Oh nein, das ist Hamagata, der Anführer der Samurais vom Fürsten Takeda. Kami stehe uns bei!“ Alle Bewohner ließen sich augenblicklich auf die Knie nieder und fingen an zu beten.
„Hamagata? Fürst Takeda? Sagen die dir irgendwas, Kagome?“
„Nein, noch nie gehört. Vielleicht einer dieser vielen kleinen und unbedeutenen Provinzfürsten in diesen unruhigen Zeiten.“
Die letzten Worte hatte der Anführer gehört, kam schnurstracks auf Kagome zu geritten, warf sie mit einem Fußtritt zu Boden und giftete dabei:
„Weib, wie kannst du es wagen so über meinen Herrn zu sprechen?“
„Und wie kannst du es wagen eine Prinzessin der westlichen Länder und meine Frau zu behandeln?“
Inu Yasha hatte ihn augenblicklich von seinem Ross gezogen und hielt ihn mit nur einem Arm am Kragen gepackt nach oben. Seine Augen glühten gefährlich.
„Und wer bist du? Doch sicherlich nur ein armseliges Halbblut.“ Er spuckte verächtlich auf den Boden.
Mit nur einer Bewegung war der Spötter am nächsten Baum gelandet und blieb dort benommen liegen. Inu Yasha war schon bei ihm, packte ihn erneut am Kragen und zerrte ihn nach oben.
„Halbblut oder nicht. Ich habe immer noch mehr Kraft und Ehre in mir, als dein gesamter lausiger Haufen verkommender Samurais zusammen. Was wolltet ihr hier?“
Mehr als ein Brummeln brachte der Mann nicht mehr zustande. Inu Yashas scharfe Ohren hatten ihn trotzdem gehört.
„Steuern eintreiben? Wovon denn? Anstatt hier den dicken Mann zu markieren, hättet ihr ihnen lieber helfen sollen. Ihre Ernte wurde zerstört! Und da kommt daher und wollt sie auch noch dafür bestrafen, dass sie sie verloren haben? Ich fasse es nicht!“
„Dafür wirst du büßen, Halbblut. Mein Herr macht gerechte Gesetze.“ Unbeeindruckt starte der Mann trotzig nach oben.
„Und wem leistet dein Herr Tributzahlungen?“, fragte nun Kagome ihn. Sie stand nun neben ihrem Mann und hatte ihren Bogen gespannt. Man konnte nie wissen.
„Dem Herrn der südlichen Länder“, murmelte Hamagata schliesslich leise.
„Sieh an, Cousinchen. Ob der weiß, was dein Herr hier treibt, wohl kaum. He, ihr Dorfbewohner, wen habt ihr um Hilfe gebeten? Den Herrn der westlichen Länder oder den Herrn der südlichen Länder?“
„Den Herrn der südlichen Länder. Dann seid Ihr das nicht?“, bekam er die unfassbare Antwort.
„Sehe ich so aus?“
„Ich habe ihn noch nie zu Gesicht bekommen. Und ihr habt Hundeohren von daher...“, er unterbrach sich schnell als er den wütenden Knurrer des Hanyous hört. „Äh, doch wir wissen von den Erzählungen, dass er ein gütiger Dämon sein soll.“ Sehr hastig hatte er das ausgesprochen was ihm gerade als nächstes, sicheres in den Sinn kam.
„Wir hatten uns schon gewundert, dass Ihr so schnell da seid, Herr“, traute sich eine ältere Frau zu sagen.
„Eigentlich sind wir auf der Durchreise. Aber da wir Lebensmittel von euch kaufen wollten, da wollten wir euch helfen.“
„Wer seid Ihr dann, wenn nicht der Herr der südlichen Länder? Ihr seht aus wie ein Dämon.“
„Mein Name ist Inu Yasha und das ist meine Frau Kagome, ich bin der Bruder von Sesshoumaru, dem Herrn der westlichen Länder.“
„Sesshoumaru? Ich hörte von ihm. Er soll sehr unbarmherzig sein.“ Erneut fingen die Leute angstvoll zu zittern an. Und wichen schnell einen Schritt zurück. Ihm kam es vor als seien sie vom Regen in die Traufe gekommen.
„Ach, das war einmal. Heute ist er viel sanfter.“
„Lass das bloß nicht ihn hören“, grinste Kagome eben ihm.
„Momentan ist er eh nichts weiter als ein Schosshündchen“, winkte Inu Yasha ab.
„WIE WAR DAS?“
Sesshoumaru und Jacky landeten mit Ah-Uh direkt hinter ihnen.
„Wo kommt ihr denn her?“ Verwundert drehte sich der Hanyou zu ihnen um.
„Ihr kamt nicht wieder und ich habe was komisches gerochen?“, brachte Jacky hervor, ein Grinsen verkneifen.
Sesshoumaru stand schon bei Inu Yasha und hatte ihm am Kragen gepackt. Schnell kroch Hamagata von ihnen weg. Wer war aber der Kerl, dass er es wagte einen einfachen Hanyou anzufassen und das ohne Probleme?
„Was sollte das heißen, Halbblut?“ Sesshoumaru hatte noch nicht mal bemerkt, dass er in seiner Wut über das ungebührliche Verhalten seines Bruders einen Bruchteil seiner alten Kräfte wieder ans Tageslicht kamen.
„Das nimmst du arroganter Mistkerl auf der Stelle zurück!!!“ Inu Yasha selbst konnte es nicht fassen. So fest hatte Sesshoumaru ihn seit seiner Verwandlung nicht angefasst. Aber bei seinem Verhalten schien mal wieder der tolle, ich bin super und alle haben mir Ehre und Respekt entgegen zu bringen Kerl zum Vorschein gekommen zu sein.
„Keinen Streit!“
Kagome hatte ihren Mann an seinen Ohren gefasst und zog ihn unter seinem Gezeter von seinem Bruder weg. Jacky brauchte ihren Mann nur straffend ansehen:
„Nimm nicht immer alles persönlich.“
„Was weißt du schon?“, schrie er sie aufgebracht an und schlug beleidigt die Arme unter.
„Mehr als du denkst.“
Ein lautes Gebell unterbrach den Streit. Jacky war von lauter Hunden umringt, die sie freudestrahlend anbellten. Ihre Nase sagte es ihr:
„Alles Rüden! Können wir die Sache schnell hinter uns bringen und von hier verschwinden?“, bat sie daher Inu Yasha.
„Aber gerne, liebreizend duftende Schwägerin.“
„Inu Yasha!“, regten sich sowohl Sesshoumaru als auch Kagome auf.
„Äh, ja, also, wo waren wir stehen geblieben? Die Typen.“ Sein Blick verfinsterte sich zu sehens. Er verhiess nichts gutes.
„Das werdet ihr bereuen!“ Der Anführer hatte es zu seinem Pferd geschafft, dass Angesichts des Youki, welches die Hundedämonin ausströmt, nervös tänzeln liess, und dank ihres Fluchttriebes bei Gefahr, einen prachtvollen Abgang vereitelte. Mit einer echten Youkai, und dem Fell nach zu urteilen, sogar einer Dai Youkai, wollte er sich nun doch nicht anlegen. Dafür war sie selbst ihm eine Nummer zu groß. Seine Männer schienen der gleichen Meinung sein wie er und folgten ihm auf dem Fusse.
„Gut, dann können wir uns dem eigentlichen Problem zuwenden.“ Der Hanyou klatschte in die Hände, nahm Tessaiga wieder auf, welches er bei der kleinen Streitszenen mit seinem Bruder verloren hatte, und wandte sich dem Hügel wieder zu.
Das schlimmste Ungeheuer aller Zeiten
Kapitel 10: Das schlimmste Ungeheuer aller Zeiten
„He, Hasen, kommt da raus, sonst blass ich den ganzen Bau weg!“
Inu Yasha hatte Tessaiga geschultert und sah gelangweilt zu dem großen Hügel auf.
Zuerst geschah nichts. Alle sahen sich müde an. Jacky saß inzwischen auf einem Baum, der von eifrig bellenden männlichen Hunden und einem wütenden Sesshoumaru belagert wurde. Mehrfach hatte er die Bande schon vertrieben. Als er sich umdrehte, waren sie einfach von der anderen Seite gekommen. Wenn er sich einen Moment mehr seinen Hundedämonenkörper zurückgewünscht hätte, gäbe es keinen passenderen. Eine breit grinsende Jacky rief von ihrem Aussichtspunkt zu ihrem Schwager rüber:
„Bist du dir mit dem Hasen auch sicher?“
„Riech doch selbst.“
Jacky tat wie geheißen und hielt sich gleich die Nasenlöcher mit der Hand zu.
„Bo, das stinkt ja nur so! Meine Güte, da hat jemand aber dringend ein Bad nötig.“
„Bad? Was soll das sein?“
Unvermittelt fing die Erde unter ihren Füßen an zu beben. Die Bäume zitterten. Die Krumme brach an einigen Stellen auf und legte eine Wasserader frei. Kagome hielt sich bei Inu Yasha fest und presste fest die Hand auf den Mund. Ihr war schlecht.
Jacky verlor auf ihrem Baum den Halt, drohte abzustürzen und sprang in einem Satz neben Sesshoumaru, der sich gleich verzweifelt an sie klammerte. Seine dämonischen Kräfte fehlten und Jacky dachte so bei sich, dass sein Heckruder, sprich sein Schweif, ebenfalls für seinen Ausgleichssinn verantwortlich war.
Zuerst sah man nur riesige Ohren, die verdächtig an die von Hasen erinnerten.
Rote, wütende Augen sahen zu ihnen nach unten, als der Mümmelmann komplett sich aus seinem Hügel gegraben hatte.
„Was wollt ihr Mickerlinge von mir?“; fragte er sie dröhnend.
„Bist du dafür verantwortlich, dass die Setzlinge von den Feldern dieser Bauern wieder verschwinden?“
„Und wenn schon. Dich geht es eh nichts an, Hundehalbling.“
Gelangweilt fing der große Hasenmann in seiner Nase zu bohren.
„Wie war das?“, brachte Inu Yasha gepresst zwischen den Zähnen hervor.
Kagome legte ihm beruhigend die Hand auf die Schulter.
„Warum tust du das?“
„Von irgendwas muss ich ja leben. Dieser blöde Fürst hat mein Möhrenfeld umgegraben und dort sein neues Prachtschloss errichtet.“
„Du hattest ein eigenes Möhrenfeld?“
„Ja, jedes Jahr hat der alte Fürst mir mein eigenes Feld einrichten lassen, damit ich davon leben konnte. Doch sein Sohn hat gleich nach der Machtübernahme die schönen Möhren ziehen lassen, bevor sie reif waren und ich fing an Hunger zu leiden. Dieser gemeine Kerl.“
Laut fing er an zu weinen. Sein Schluchzten dröhnte den Anwesenden in den Ohren. Schnell pressten alle ihre Hände darauf.
„Ist ja schon gut.“
Jacky war dem armen Kerl auf die Schulter gesprungen und fing an sein Kinn zu kraulen.
Langsam beruhigte sich der riesige Rammler wieder. Mit feuchten Augen sah er zu der Hundedämonin herunter und meinte dann leise:
„Ich glaube einer dieser Menschen da unten ist äußerst wütend.“
„Der beruhigt sich schon wieder“, winkte sie ab. „Aber du kannst doch nicht einfach die Felder der Menschen hier leer essen, nur weil du Hunger hast. Warum bist du nicht zu den nächst höheren Fürsten gegangen?“
„Ich weiß doch nicht wer das ist.“
„Den Aussagen nach ist das der Fürst der südlichen Länder. Er ist sogar ein Cousin von meinem Mann.“
„Wirklich? Würdest du für mich da hingehen?“
„Warum gehst du nicht selbst hin? Oder schickst ihm eine Botschaft. Ich bin sicher, er kommt sofort hierher.“
„Bist du dir auch sicher? Und außerdem... ich kann... ich kann nicht.... schreiben.“ Die letzten Worte waren sehr leise gesprochen worden. Mehr ein Wispern im Wind. Jacky hatte ihn trotzdem verstanden und nun lächelte sie ihn an:
„Mach dir keine Gedanken. Die Menschen hier haben dem Fürsten schon eine Botschaft zu kommen lassen. Ich bin sicher, dass der Cousin meines Mannes hier bald erscheint. Vielleicht sollten wir auch einige Tage Pause machen.“
„Du bist nett. Sind alle Hundedämonen so?“
„Äh, vielleicht bin ich eine große Ausnahme...“
Verlegen sah sie nach unten.
„Also, wegen deinem Essen überlegen wir uns noch was. Aber nicht wieder einfach die Felder der Menschen abernten. Die haben es noch schwerer als du was zu Essen zu finden.“
„Versprochen.“
„Wirklich?“
Er nickte einmal.
„Gut. Und nun nenne uns deinen Namen.“
„Usagi.“
„Süß. Ich verlasse dich nun.“
Damit sprang sie nach unten neben einen wütenden Ehemann.
„Was sollte das werden? Du kannst doch nicht einfach auf so was draufspringen?“
„Wie war das? Auf so was draufspringen? Jetzt krieg dich wieder ein. Ich habe mit Usagi nur geredet. Der arme Kerl ist ganz alleine auf dieser Welt. Und hat keine Futterstelle mehr. Er wusste weder ein noch aus.“
„Darum musstest du nicht extra zu ihm hochspringen!“
„Ich hatte noch einen anderen Grund, warum ich das tat.“
Jacky deutete auf die Meute Rüden in ihrer Nähe.
„Die werden wir auch noch los“, knurrte Sesshoumaru gekonnt sie an. Verwirrt sah Jacky ihn an. Manches legte er also doch nicht ab, dachte sie bei sich. Kurz schlang sie die Arme um ihn und küsste ihn auf die Wange.
Ein Würggeräusch ließ sie wieder auseinanderfahren.
Kagome war hinter einen Busch verschwunden und gab ihr Frühstück wieder von sich. Jacky folgte ihr und reichte ihr eine Flasche voll frischem Wasser.
„Danke“, murmelte die Miko erleichtert und trank einen Schluck.
„Kagome.“ Verschreckt schloss Inu Yasha seine Frau kurz in die Arme, als die beiden wieder erschienen.
„Schon gut. Es dauert noch eine Weile, dann ist diese Phase Gott sei Dank vorbei.“
Zart küsste er sie auf den Mund.
„Ich schlage vor, dass wir hier bleiben, bis Yusaku hier erscheint“, sagte Jacky.
„Inu Yasha wird auf Ah Uh zu ihm reisen“, befahl Sesshoumaru.
„Warum? Die Dorfbewohner haben doch schon einen Boten geschickt.“
„Und du meinst, der ist angekommen?“, mischte sich nun der Hanyou ein.
Verschreckt sah Jacky von einem zum anderen.
„Ihr meint, dass Muco es nicht geschafft haben könnte?“, fragte eine alte Frau sie.
„Wann habt ihr ihn losgeschickt?“, wollte Kagome wissen.
„Vor über einen Monat.“
Es herrschte Stille, bevor Jacky sich traute zu fragen:
„Wo genau sind wir hier eigentlich?“
„Du als Hundedämonin solltest ein natürliches Gefühl dafür haben, wo genau wir sind“, gab Sesshoumaru zum Besten.
„Ach? Und der Herr hat immer gewusst wo wir uns befinden?“
„Ja.“
„So? Und warum hast du im Grab des Kaisers von China dann die Karte und hast zusammen mit deinem Vater, deinem Großvater und deinem Bruder die Gänge genau angeschaut?“
„Weil wir euch Schwächlingen genau zeigen wollten, wo ihr hinzugehen habt.“
„Die Ausrede kannte ich auch noch nicht.“
Damit sprang sie beleidigt auf den nächsten freien Ast und drehte ihnen ihren Rücken zu.
„Du hast es echt drauf, Bruder“, grinste Inu Yasha und klopfte ihm leicht auf die Schulter.
„Verschwinde, bevor ich richtig wütend werde“, fauchte Sesshoumaru ihn an.
„Bin ja schon weg.“ Schnell begab sich der Hanyou zu dem zweiköpfigen Drachen, schwang sich auf seinen Rücken und war in den senkenden Sonnenschein entschwebt.
Usagi hatte sich auf den Boden gelegt und beobachtete die Geschehnisse um sich herum.
Die nette Hundedämonin hatte also einen Menschen geheiratet. Irgendwie roch der trotzdem seltsam. So als sei er ein Mensch, der ein Dämon ist. Oder war es umgekehrt? Seine Nase konnte es ihm nicht genau sagen. Und die Dämonin im Baum roch seltsam nach Mensch und doch wieder nicht. Er verstand es einfach nicht und wenn er ehrlich mit sich war, wollte er es auch nicht genau wissen.
„Äh, edle Herrschaften. Wenn es euch nichts ausmacht, dann würden wir uns freuen, wenn Ihr bei uns bleiben würdet. Es wäre uns eine Ehre.“ Der Dorfälteste hatte sich vor ihnen verbeugt und deutete auf eine der größeren Hütten.
„Es wäre uns eine Ehre“, erwiderte Kagome und verbeugte sich nun ihrerseits leicht.
„Kommst du herunter?“, fragte Sesshoumaru nach oben.
„Also gut.“
Jacky wollte niemanden beleidigen und sprang neben ihren Mann. Leicht verbeugte sie sich vor den gastfreundlichen Menschen. Obwohl sie nichts hatten, waren sie zu Gästen immer zuvorkommend.
„Edle Dame“, sprach einer der älteren Frauen Kagome an. „Seid Ihr eine Miko?“
„Das bin ich.“
„Euch schickt Kami-sama. Meine Enkeltochter ist schwer krank. Und wenn es Euch keine Umstände macht, würde ich Euch bitten, sie sich anzusehen.“
Dabei verbeugte sich die alte Dame tief vor Kagome.
„Wo genau liegt sie?“
Kagomes Gesichtsausdruck hatte sich verändert. Er wirkte härter, entschlossener. Schnell folgte sie der alten Dame in eine sehr alte Hütte. Kurz darauf erschien sie wieder vor der Tür:
„Diese Hütte steht unter Quarantäne. Niemand kommt hier rein oder raus ohne meine Erlaubnis. Jacky, ich brauche Wasser und bestimmte Kräuter.“
„Was hat sie?“, wollte sie als Gegenfrage wissen.
„Masern.“
„Oh mein Gott. Ich komme sofort und du, Sesshoumaru kümmerst dich um deinen leeren Magen. Wir sorgen dafür, dass sich die Krankheit nicht noch mehr ausbreitet. Nun geh schon.“
„Masern?“, fragte er zurück.
„Ja, eine höchst ansteckende Kinderkrankheit, die bei einem Erwachsenden tödlich verlaufen kann. Sagt, Dorfältester, hat schon jemand mit lauter Pusteln im Gesicht krank daniedergelegen und ist gestorben?“
„Ein Fremder kam vor einer Weile hier durch. Einer seiner Diener war schwer krank. Er starb dann hier im Dorf.“
„Verstehe. Nun gut. Meine Schwägerin ist eine hervorragende Heilerin. Sicherlich weiß sie auch, was sie tun kann, damit nicht noch mehr krank werden.“
Damit ging sie zu Kagome und Sesshoumaru folgte dem Dorfältesten zu dessen Hütte.
Armer Inu Youkai
Dieses Gefühl war grauenhaft. Seine Nase fühlte sich seltsam an. So als würde da was drinnen stecken und nur durch dieses komische Niesen, wie Jacky es nannte, trat etwas Linderung ein. Überhaupt... er, der stolze Fürst der westlichen Länder, fühlte sich nicht wohl. Sein Kopf dröhnte, als würde eine ganze Marschkapelle mit allem Rumtata und Dschingbumm da durchlaufen. Er fühlte sich heiß. Gerade so als hätte jemand in seinem Bauch eine Luke aufgemacht, dort ordentlich Holz reingeschaufelt und das angezündet. Was, in aller Gottes Namen, war das nur?
Auch das Öffnen der Augen fiel ihm ausgesprochen schwer. Jemand hatte seinen Namen gerufen. Die Stimme konnte er noch einordnen, aber mehr auch nicht.
„Sesshoumaru.“ War das seine Frau?
Endlich gelang es ihm die Lider aufzuklappen. Jacky beugte sich über ihn. Ihren Gesichtsausdruck hatte bisher nur bei den Kindern gesehen, sollte eines davon sich mal verletzt haben. Warum nur sah sie ihn so an?
„Was ist denn los, anata?“, fragte er leise. Stimme? Wo war seine wohlklingende tiefe Stimme abgeblieben?
„Mach bitte deinen Mund auf“, bat sie ihn.
Nur zögerlich kam er ihrem Befehl nach. Sie leuchtete mit einer Taschenlampe hinein und murmelte leise:
„Ich hätte es mir denken können.“
„Was ist los?“
„Du hast dich angesteckt“, teilte sie ihm mit.
Verstört sah er zu ihr auf.
„Sagtest du nicht, dass es für Erwachsene tödlich enden könnte?“ An das konnte er sich irgendwie erinnern. War sich aber nicht sicher, ob er seiner Erinnerung trauen konnte, oder nicht.
„Du bist nicht jeder Mensch. Das du dich angesteckt hast ist meine Schuld. Ich war in der Hütte, habe mich zwar gewaschen, aber anscheinend hat das nicht ausgereicht, um dich vor dem Virus zu schützen. Es tut mir Leid.“
„Wir hätten danach nicht miteinander schlafen dürfen, richtig?“ Sein Gehirn schien sich doch noch nicht ganz verabschiedet zu haben.
Sie nickte nur und hielt ihm ein Glas mit Wasser hin:
„Trink. Du brauchst jetzt viel Flüssigkeit.“
Er tat ihr den Gefallen.
„Ist Inu Yasha schon zurück?“
„Zusammen mit Yusaku. Nodoka ist im Schloss geblieben. Sie sind gerade auf den Weg zu diesem Fürsten. Am liebsten wäre ich mit gegangen und hätte dem den Marsch geblasen. Aber Kagome braucht mich hier. Neben dir sind noch drei weitere Menschen erkrankt. Schlaf nun. Ich bin in der Nähe.“
Sie streichelte seine Wange, beugte sich über ihn, küsste ihn zart auf die Stirn und hauchte leise:
„Aishite ru, Sesshoumaru-ko, mein süßer, armer Inu Youkai.“
Er grummelte sauer zur Antwort. Schloss aber gehorsam die Augen und war sofort wieder eingeschlafen.
Irgendwann in der Nacht wachte er wieder auf. Er hatte Durst. Am liebsten wäre er zur nächsten Quelle gelaufen und hätte die in einem Schlag ausgetrunken. Eine Hand legte sich auf seinen Arm. Krallen waren daran und ihm sehr bekannte Zeichen. Erst jetzt merkte er, dass ein Fell dick um ihn gewickelt war. Eine sanfte Frauenstimme sagte leise zu ihm:
„Bleib liegen, anata. Ich hol dir das Trinken.“ Kurz darauf hatte er einen ganzen Krug in der Hand.
„Nicht alles auf einmal“, mahnte ihn Jacky.
Das war auch ihm klar. Sie brauchte ihn nicht erst daran erinnern. Schluckweise trank er das Wasser aus dem Krug. Es rann kühlend seine Kehle herunter und schaffte ihm kurzzeitig Erleichterung.
„Warum bist du hier bei mir und nicht bei Kagome?“
„Den anderen Patienten geht es wieder besser. Das kleine Mädchen spielt auch schon wieder mit den anderen Kindern.“
„Dann muss ich nicht sterben?“
„Das würde ich nie zulassen. Und Tenseiga auch nicht.“
Sie hielt das Schwert nach oben. Es glänzte schwachblau in der Dunkelheit.
„Als du anfingst Fieber zu bekommen und mir beim Mittagessen umgekippt bist, da glitt es einfach aus der Scheide und ließ sich auch nicht mehr zurückschieben. Du bist immer noch mit diesem Schwert verbunden.“
„Papa beschützt uns also immer noch“, brachte er stöhnend hervor.
„Das auch. Ich denke eher, dass dein Dämon noch irgendwo tief in dir vorhanden ist. Er wurde nur, wie soll ich es sagen, versiegelt.“ Nachdenklich sah er nach oben und musste ihr irgendwie recht geben.
„Dabei dachte ich immer, du hättest mein komplettes Youki aufgenommen.“
„Auch möglich. Aber Sesshoumaru, diese Kinderkrankheit, die du hast, verläuft bei normalen Menschen viel langsamer. Du hast innerhalb eines Tages sämtliche Aspekte dieser Krankheit gezeigt. Normalerweise sieht man die Pusteln erst nach einigen Tagen und das Fieber steigt auch nicht über 45 Grad. Das Fieberthermometer ist kaputt gegangen.“ Toll, wieder ein Besuch in der Zukunft.
„Pusteln?“
„Ja.“ Sie hielt mit einmal einen Spiegel in der Hand und zeigte ihm sein Bild. Überall waren kleine rote Flecken zu sehen.
„Verschwinden die wieder?“ Beunruhigt war noch untertrieben bei seiner Reaktion. Bei seiner momentan rauen Stimme klang es fast so als sei er wieder im Stimmbruch gelandet. Jacky musste erst einmal Hüsteln bevor sie erwiderte:
„Das tun sie. Genug geredet, mein kranker Hund, weiterschlafen.“
„Jacky!“, zischte er sie an.
„He, so langsam solltest du mich kennen.“
Sie küsste ihn zart auf den Mund, schlang ihr Fell fest um seinen Körper und drückte ihn an sich.
Es war seltsam. Wenn er schlief fühlte er sich wie auf Wolken. So als könne er schweben. Sein Körper fühlte sich so leicht an, wie ein Feder. Immer wieder fühlte er, wie jemand den Schweiß aus seinem Gesicht abwusch. Eine sanfte Stimme mit ihm sprach. Ihm Mut zuredete.
Dann endlich öffnete er seine Augen. Er wusste, dass einige Tage vergangen waren. Jacky hatte Recht, wie er nun erkannte. Einige seiner Fähigkeiten waren nicht abhanden gekommen. Vielleicht schlief der Dämon in ihm wirklich nur.
Aber andererseits, warum nur war er so schwer erkrankt?
„Kami-sama sei Dank, du bist wieder wach.“
Jackies Stimme ließ ihn aufsehen. Sie sah trotz ihrer momentanen Dämonengestalt abgekämpft aus. Lag das an ihm?
Er suchte nach ihrer Hand, fand sie und drückte sie so fest wie er konnte.
„Es wird alles wieder gut, anata“, brachte er krächzend hervor.
Was war das nur? So schlecht hatte er sich sein Lebtag nie gefühlt. Selbst als Inu Yasha ihm den Arm abgeschnitten hatte. Er damals gestorben war und als Jacky das Kind verloren hatte. Da hatte er eine Leere gefühlt, eine unendliche Leere. Doch jetzt fühlte er sich wie ein ausgelutschtes Kaugummi. Ein anderer oder besserer Ausdruck fiel ihm nicht ein.
„He, Bruderherz, versetzt deiner Frau nicht immer solch einen Schock.“ Inu Yasha trat zu seinem Schlaflager und blickte missmutig auf ihn herunter. Trotzdem sah er die große Erleichterung tief in seinen goldenen Augen versteckt.
„So schnell werdet ihr mich nicht los.“
„Dein Glück.“
„He, keinen Streit. Immerhin warst du für eine Nacht auch krank, Inu Yasha“, mischte sich Yusaku ein.
„Wirklich?“
Interessiert hob Sesshoumaru den Kopf und ließ ihn erschöpft auf das Kissen zurückgleiten. Selbst zu einer sarkastischen Bemerkung war er zu schwach.
„Na, Cousin. Da bist du aber in was reingeraten. Ich hatte mich schon lange gefragt wann der Tag kommt, in dem Jacky und du mal die Rollen tauscht.“
„Spott bringt keinem was.“ Gut, wenigstens das ging noch.
„Das weiß ich doch. Sicherlich willst du wissen, was bei der Sache rausgekommen ist.“
„Hast du ihn verdonnert?“ Gott, warum dröhnte sein Kopf nur bei jeder Bewegung zum Sprecher und diese ganzen Stimmen und Leute um ihn herum machten ihn ganz schwindelig.
„Ich habe ihm sämtliche Macht genommen und sie seinem Verwalter übergeben. Anscheinend war der Typ völlig unfähig. Mann, du hättest mal dessen Gesicht sehen sollen, als wir dort erschienen sind. Besonders weil der Vollhirni Inu Yasha die ganze Zeit für dich gehalten hat. Wir ließen ihn in dem Glauben. Er hat regelrecht gezittert vor Angst.“ Yusaku konnte sein fieses Grinsen nicht verkneifen.
„Und der Hase?“ Sesshoumaru übersah kurzfristig die Untergrabung seiner Autorität.
„Du meinst das Riesenbaby? Das wird erstmal von den umliegenden Bauern mit versorgt. Ein Feld wird vorbereitet, wo nur Sachen für ihn angebaut werden.“
„Riesenbaby?“ War ihm was entgangen?
„Er ist mehr oder weniger noch ein Baby. Er ist gerade mal 250 Jahre alt. Seine Eltern wurden von eurem alten Freund Naraku vor langer Zeit umgebracht. Er überlebte. Vermutlich dachte sich das Puzzle, dass das ein toller Gag ist. Der ehemalige Fürst hat sich daraufhin dem armen Kind angenommen und ihn mit Futter versorgt, denn in seinem Hofschrein wird wohl ein Hasengott verehrt. Als er starb, machte dessen machthungriger Sohn damit Schluss. Er fing auch an, die Menschen auf seinem Land mit immer neueren Steuern das Wenigste aus der Tasche zu ziehen. Auf meinem Grund und Boden kann ich das nicht zulassen. Danke, dass ihr rechtzeitig da wart.“
Zu viel Info für den armen Sesshoumaru.
„Sie haben den Boten zu dir abgepasst und getötet, richtig?“
„Ja.“
„Wie lange war ich weg?“
„Über eine Woche hast du nur geschlafen.“ Jacky drückte seine Hand fester. „Du hattest zeitweise fast 50 Grad Fieber. Normale Menschen würden bei dieser Höhe schon lange gestorben sein. Doch du lebst noch, anata.“ In ihrem Gesicht stand die Angst geschrieben.
„Mein Körper ist anders.“
„Das ist er.“
Er strich eine ihrer Strähnen aus der Stirn.
„Wann hast du das letzte Mal richtig geschlafen?“, fragte er sie.
„Ich weiß nicht. Ist schon ne Weile her. Der Dämonenkörper hat in der Hinsicht viele Vorteile.“
„Übertreib es nicht. Auch du hast deine Grenzen.“
„Das weiß ich. Schlaf nun weiter. Du brauchst noch viel Ruhe. Wenn du wieder aufwachst, werde ich bei dir sein.“
Er nickte nur mit dem Kopf, kam aber ihrer Bitte nach, nachdem er noch einen ordentlichen Schluck aus dem Wasserkrug genommen hatte.
„Wir hatten großen Glück“, hörte er noch Jacky murmeln, bevor er endgültig in Hypsos Reich verschwand.
Ein Inu Youkai völlig am Ende
Ein Inu Youkai völlig am Ende
Endlich, nach Tagen der Bettruhe durfte Sesshoumaru wieder aufstehen. Obwohl es ihm schon seit vorgestern besser ging, bestand seine Ehefrau energisch darauf, dass er noch liegenbleiben sollte, bis sich sich alle sicher waren, dass er wieder gesundet war.
Grummelnd und sich innerlich schwörend, dass sie alle, auch, oder gerade, der Verkäufer für alles bezahlen würde, was man ihm, dem stolzen Hundedämonenfürsten antat mit dem Menschsein. Immer wieder fragte er sich, wie man so schwach nur so lange überleben konnte.
Vorsichtig testete er seine Beine vor der Hütte unter den strengen Blicken seiner Frau und seiner Schwägerin. Sein Bruder hatte sich schon vorsorglich davon gemacht und von seinem Cousin war auch nicht der Hauch einer weißen Haarspitze zu sehen. Warum wohl? Weil sie ihn sicherlich wieder ausgelacht hätten. Feige Bande. Sie wussten zu genau, was ihnen drohte sollte er seine Kräfte je wieder bekommen.
Vor ihm kniete mit einmal einer der Männer aus dem Dorf. Oh bitte, was wollte der denn noch von ihnen? Boss schnell gesund werden und weg hier, das war sein Ziel.
„Bitte verzeiht meine Rüde, doch wir möchten euch allen durch ein Fest für eure Hilfe danken.“
„Nein.“ Sesshoumaru wandte sich ab.
„Unhöfflich wie immer. Natürlich werden wir uns freuen, wenn wir an eurem Fest teilnehmen können.“ Jack verbeugte sich vor dem Mann.
„Damit würdet ihr uns eine große Ehre zuweisen, edle Hundedämonenfürstin.“
Entsetzt drehte sich Sesshoumaru bei den Worten um, während Jacky und Kagome sich schwer taten ihre Erheiterung über die unbedarften Worte des Mannes zu unterdrücken.
„Wie ich schon sagte, es ist uns eine Ehre. Bitte teil das dem Dorfältesten mit.“
„Jawohl.“ Schnell verschwand er aus dem Sichtfeld des sichtlich wütenden Sesshoumaru.
„Wie kann er es wagen! Und du...“
Jacky wusste, dass es ihm überhaupt nicht passte, wie er behandelt wurde und wie die Menschen mit ihr umgangen.
„Was ist, Ehemann?“
„Wie kannst du es wagen, die Einladung dieser, dieser...Menschen anzunehmen!“
„Du, mein geliebter Ehemann hast wohl vergessen, was sich gehört. Sie wollen damit nur ihre Dankbarkeit zeigen. Und wenn wir ihre Einladung nicht annehmen, dann stoßen wir ihnen vor den Kopf. Und du wunderst dich immer, wenn ihr Youkais als herzlose Ungeheuer bezeichnet werdet.“
„Ich habe nur keine Zeit für so was. Wir sollten... wir sollten...“
Verdammt, was in drei Teufels Namen war denn nun los? Er fühlte sich mit einmal zu matt und schlapp. Seine Welt drehte sich in die falsche Richtung. Er fühlte einen klauenbewerten Arm um seine Hüfte und eine sanfte Frauenstimme, die ihm in ruhigen Worten erklärte, dass er es nicht übertreiben sollte.
Kurz darauf lag er wieder im Bett und verfluchte sich und seine Lage noch lauter als vorher.
„Wenn du dich weiter aufregst, wirst du langsamer gesund.“
Jacky beugte sich über ihn und reichte ihm eine Schale mit Wasser.
„Mein süßer Dummkopf. Es tut mir leid.“
„Tut es nicht. Du geniest es richtig, mich in dieser misslichen Lage zu sehen. Habe ich recht?“
Ermattet liess er sich zurückfallen und sah aus halb geschlossenen Liedern zu ihr auf.
„Erwischt. Aber auch nur, weil ich der Meinung bin, dass du eine wunderbare Lektion nun lernst. Und ich auch. Vielleicht sollte es so kommen.“
Immer noch beobachtete er sie auf diese Weise, dann bracht er erneut sein Schweigen:
„Ich kenne den Blick inzwischen zu genau an dir. Dazu brauch ich noch nicht mal meine Sinne.“
„Noch mal erwischt. Doch dazu bist du noch zu schwach. Aishite ru, Sesshoumaru-ko. Werd schnell wieder gesund, mein süßer Hundedämonenfürst.“
Sie beugte sich über ihn, küsste ihn zart auf die Stirn. Dann sah sie wieder streng auf ihn herunter:
„Schlaf nun. Morgen darfst du wieder deine Beine testen.“
„Ja, Frau Oberkrankenschwester.“
Überrascht sah sie auf ihn herunter. Manchmal haute er die seltsamsten Dinge raus, wie sie fand. Er hatte zwar inzwischen die Augen geschlossen. War sich aber sehr sicher, dass er sie trotzdem heimlich beobachtete. Wie auch immer er das hinbekam, aber das scheint die Art zu sein, die er auch als Hundedämon drauf hatte. Schlafen und doch wachsam sein.
„Ich wusste schon immer, warum ich Hunde so mag“, murmelte sie beim Herausgehen leise vor sich hin. Ganz sicher, dass er sie unter keinen Umständen mehr hören konnte.
Eine weitere Woche zog ins Land und Sesshoumaru erholte sich von seiner Erkrankung sichtbar. Missmutig beobachtete er die Vorbereitungen für, seiner Meinung nach unnötige, Fest. Inu Yasha war nach kurz nach Hause gereist und erstatte Bericht. Wie er seinen Großvater, seinen Cousin und den Rest seines Stabes kannte, amüsierten sie sich sicherlich königlich über seinen momentanen Zustand. Zum #Glück dauerte es noch eine Weile, bevor seine Eltern sie mal wieder besuchen kamen. Was die zu all den sagen würden... er konnte es sich bildlich vorstellen. Leise seufzend sah er seiner Frau zu, wie sie mit einem Messer eifrig die Zutaten für irgendeine Mahlzeit zerschnitt. Sie ist eine Fürstin, warum sie von Zeit zu Zeit so etwas machte, war ihm immer noch ein Rätsel. Sicherlich lag das nur an diesem komischen Helfersyndrom unter dem sie litt. Frauen sollten schön sein, Kinder bekommen und ab und zu ein Gedicht vortragen. Warum nur war sie anders? Was hatte sich in den 500 Jahren seit dieser Zeit geändert?
Hätte Jacky ihn gehört, würde sie ihm antworten: Weil das männliche Gehirn zu langsam war zu begreifen, dass wir Frauen nun das Zepter ergriffen haben.
Andererseits konnte er froh sein, dass er genau solch eine Frau gefunden hatte. Sie war sie. Unverwechselbar Jacky. Seine Frau. Warum nur hatte er seit kurzem so ein komisches Gefühl in der Magengrube, wenn er sie ansah? Er liebte sie immer noch. Aber da war was, was ihn wurmte.
Es dauerte eine Weile, bis er dahinter kam. Sie waren schon lange nicht mehr unter sich gewesen. Irgendwie hatte er mit einmal das Gefühl ihr nah zu sein, und doch. Ja, das war die Antwort, die er gesucht hatte. Sie hatten sich und doch nicht.
Wir haben uns verloren. Die Erkenntnis traf ihn wie einen Hammerschlag. Dabei bin ich doch an ihrer Seite und sie an meiner. Warum nur habe ich nur dieses Gefühl, dass wir uns entfremdet haben?
Weil wir nicht mehr miteinander richtig alleine ware. Auch wenn die letzten Jahre es verhältnismässig ruhig war, haben wir doch nie wieder richtig Zeit füreinander gehabt. Sie lebt ihr Leben und ich meins.
Wann nur haben wir uns verloren? Wann nur? Er konnte keinen Zeitpunkt nennen. Es passierte einfach so. Stück für Stück. Das Band, dass uns verband, zerfasert immer mehr. Warum nur ist mir das nie aufgefallen? Warum nur nicht?
Musste es erst soweit kommen? Musste ich mich erst in einen Menschen verwandeln, um das zu sehen?
Verschreckt sah er auf seine Hände. Keine Klauen. Er fasste sich an die Ohren, die nun einen normale ovale Ohrmuschel aufwies und nicht die gewohnte spitze.
Ich kann nicht. Ich kann nicht mit ihr darüber reden. Ich kann es nicht. War das die Angst eines Menschen? Über seine Ängste, Gefühle, Träume und Wünsche zu sprechen? War das andererseits auch eine Kraftquelle, aus der er schöpfte?
Warum nur verzagte es ihm, zu Jacky zu gehen und mit ihr darüber zu sprechen?
„Herr, ist alles in Ordnung?“ Ein Junge von gerade mal 5 Jahren stand direkt vor ihm und sah in fragend an. In seiner Hand hielt er eine Schale voller Reis und Fleisch. „Die nette Hundedämonindame sagte, dass ich das dir bringen soll.“
Erst jetzt fiel ihm auf, dass er im Gegensatz zu den Tagen davor richtig Hunger verspürte.
„Danke.“ Er nahm es ihm ab.
„Sie sagte auch, dass wenn du dich besser fühlst, zu uns in die Mitte kommen sollst.“
„Ich werde darüber nachdenken.“
Immer noch blieb der Junge vor ihm stehen.
„Ich mag es nicht, wenn man mich beim Essen beobachtet“, versuchte Sesshoumaru den Störenfried zu vertreiben.
„Warum bist du so traurig? Ist es wegen ihr?“
„Nein, weil ich nicht der bin, der ich normalerweise bin. Und nun lass mich in Ruhe.“
„Du solltest nicht so traurig schauern. Das sieht nicht gut an dir aus.“
Mit dem gleichen strahlenden Lächeln wie die kleine Rin vor über 10 fast 15 Jahren drehte er sich um und ging zu den anderen Kindern zurück, weiter spielen.
Rin, dachte Sesshoumaru bei sich. Wer nur wird dein zukünftiger Ehemann? Diese Frage quälte ihn schon länger. Jacky hatte mal gemeint, dass sie, also Rin, ihren Zukünftigen schon lange selbst gewählt hatte.
Wenn die Gerüchte stimmten, die ab und an auch zu ihm durchdrangen, dann war dem auch so. Doch Kohaku... der Junge hatte immer noch Schuldgefühle wegen dieser uralten Geschichte. Wer nur konnte den Schmerz in seinem Inneren mildern? War Rin dazu in der Lage? Allein schon für Sangos Seelenfrieden wäre es das Beste.
„He, Mr Griesframm, würdest du mir bitte mal verraten, warum du hier alleine rumsitzt und die verzweifelst versuchst einen auf Supersauer zu machen und den Rühr-Mich-Nicht an spielst?“
Er konnte allen entgehen, nur ihr nicht. Er hätte es wissen müssen. Immerhin war nicht erst seit gestern mit Jacky verheiratet.
„Nun komm schon. Es beisst dich niemand. Und etwas Spaß hat noch nie jemanden geschadet.“
Sie sah auf ihn herunter. Hatte die Arme in die Hüften gestemmt und sah... zum Anbeissen gut aus.
Verdammt, warum kamen ihn in letzter Zeit immer wieder solche Sachen in den Kopf? Könnte es sein, dass er immer noch irgendwo den Hundedämon in sich hatte und der immer noch auf ihren Geruch reagierte. Vorsichtig schielte er an ihr vorbei und versuchte den Mondstand ausfindig zu machen. Erhatte sich also nicht geirrt. Auch die um ihren Bein rumstreichenden Rüden belegten seinen Verdacht.
„Hm, mir ist eher nach einer privaten Party. Nur du und ich.“
Sie legte ihre Hand unters Kinn und sah ihn fragend an:
„Man könnte glatt meinen, dass du immer noch deine gesamten Kräfte hast. Oder irre ich mich in dir?“
„Die Hunde um deinen Beinen sind der bester Hinweis.“
„Dabei dachte ich, dass wir es dieses Mal ausfallen lassen könnten. Du bist immer noch nicht fit genug dafür.“
„So, glaubst du?“
Sesshoumaru versuchte die Hundebande zu vertreiben. Erfolglos.
„Vielleicht solltest du ein Bein heben und dein Revier markieren“, schlug Jacky halb belustigt vor.
„Das ist nicht witzig!“, knurrte er sie gleich gekonnt an. „Ausserdem bist du hier mein Revier und willst du nach mir riechen?“
„Kommt drauf an, was du verspritzt“, gab sie sehr doppeldeutig von sich.
Versteinert sah Sesshoumaru sie erst an, dann fing er laut an zu lachen.
„Komm, lass uns nicht länger warten. Solltest du die Tage mit einer Hundedämonin überleben, können wir bald weiter ziehen.“
Sie zog ihn nach oben, nahm ihn Huckepack und sprang weit weg von der fröhlichen Gesellschaft unter ihnen. An einer schon vor Tagen ausgespähten Höhle liess sie ihn wieder herunter. Sie schaltete eine Taschenlampe ein und ging vor ihm her in die Dunkelheit.
„Hier hört und sieht uns niemand.“
Interessiert sah Sesshoumaru auf das Heu und die anderen Dinge, die darauf hindeuteten, dass sie hier nicht das erste Mal war.
„Du hast es gewusst. Und darum hier alles vorbereitet.“
Ihre Ohrenspitzen wurden rot.
„Du warst länger krank, als wir dachten. Von daher...“
Sie liess den Satz offen.
Ich kann es ihr nicht sagen. Die Gedanken von vorhin schossen ihm wieder durch den Kopf. Warum nur kann ich nicht mit ihr darüber sprechen?
„Was ist?“
Jacky hatte gespürt, dass ihn was bewegte. Sie hatte gerade angefangen, ihren Hakama aufzuschnürren, als sie sein Unbehagen spürte.
„Es ist nichts. Vermutlich liegt das immer noch an der Krankheit.“
„Vermutlich. Wir machen auch langsam und schonen dich. Versprochen.“
„Das brauchst du nicht.“
Er strich eines ihrer Haare aus der Stirn. Jetzt sind wir beide zusammen, und doch. Und doch fühle ich mich ihr so fern.
Das sie die Höhle extra für sie beide vorbereitet hatte, rührte ihn. Und trotzdem fühlte er sich ihr so fremd. Es gefiel ihm überhaupt nicht. Ich muss sie wiederfinden. Er schloss seine Arme um ihren inzwischen nackten Körper und liess sich fallen. Ihr Geruch... Waren seine letzten klaren Gedanken, bevor er sich ganz der Vereinigung mit seiner Gefährtin widmete.
„Wird auch Zeit, dass ihr zwei wiederkommt“, begrüßte ein missmutiger Inu Yasha sie beide. Er hatte den Arm um eine sehr blasse Kagome geschlossen.
„Was ist los?“. Sogleich war Jacky an ihrer Seite.
„Verzeiht, aber mir ist heute nicht gut.“
„Deinem Baby geht es aber gut... du wirst dich doch nicht angesteckt haben.“
Entsetzt sah Jacky sie an.
„Nein, sicher nicht. Die Masern hatte ich als Kind schon.“
„Du hast dich einfach überarbeitet. Ganz einfach.“ Mürrisch sah Inu Yasha seine Frau an. Jacky erkannte an dem Blick, dass sie das Thema nicht zum ersten Mal hatten.
„Schon möglich“, ging Kagome halb auf ihn ein. Sie hielt sich den Kopf.
„Du bist nun im 4. Monat. Da kommen neue Wandlungen hinzu. Fessattacken. Erste Bewegungen des Kindes.“
„Danke, ich weiß über diesen Vorgang nur allzu genau bescheid. Du scheinst mal wieder vergessen zu haben, womit ich mich die letzten 10 Jahre beschäftigt habe, Jacky.“
„Tschuldige. Zu mir kommen einfach zu viele Frauen, dass ich das völlig vergessen hatte.“
„Ab nun übernehme ich den Job.“
Kagome wollte sich erheben, wurde aber von einer Übelkeitsattacke zu Boden gezogen.
„Bringt einen Eimer“, bat Jacky einen der anwesenden Dorfbewohner. Sogleich wurde ihr das gewünschte gebracht. Kagome lehnte sich sogleich darüber.
Als die Würggeräusche abgeklungen waren, näherte sich Jacky langsam wieder ihrer angeheirateten Schwägerin. Dabei immer noch die nun empfindliche Hundenase sich zu haltend. Mit einem langen Arm reichte sie ihr eine Wasserflasche. Inu Yashas Gesicht war unbeweglich geblieben dabei. Doch in seinen Augen stand das blanke Entsetzten.
„Ist das jedes Mal so?“, traute er sich endlich zu fragen.
„Was genau hast du von meinen ganzen Schwangerschaften nicht mitbekommen?“, stellte Jacky die passende Gegenfrage.
„Dein Mann hat uns alle vom Schlafzimmer fern gehalten. Da bekam man nicht viel mit. Ausser das eine Mal mit der Chipstü...he, was ist denn?“
Sesshoumaru mochte nun ein Mensch sein, doch bei manchen Dingen konnte er durchaus seinen Willen durchsetzten. Hier zeigte er sich dadurch, dass er seinen kleinen Bruder am Kragen packte und ihn hinter sich herschleifte mit den Worten:
„Wir müssen reden.“
„Und was wird das nun?“, Yusaku traute seinen Augen nicht zu trauen, als er den beiden hinterhersah.
„Ich würde sagen, Aufklärungsstunde für einen unreifen Hanyou.“ Jacky sah ihnen nach und stellte ihre Lauscher auf. Für den Fall der Fälle. Bei den beiden wusste man nie, wie das endete.
Ein hochroter Halbhundedämon erschien mit einem hochzufriedenen älteren Bruder im Schlepptau.
„Können wir nun los?“ Kagome sah sichtlich erholt aus.
„Gerne. Kommst du, geliebter Ehemann?“ Jacky hakte sich bei Sesshoumaru unter.
„Wir sehen uns im Schloss. Ich lasse Erkundungen wegen dem reisenden Händler einholen.“
Yusaku sah immer noch amüsiert aus, wenn er seinen Cousin und dessen Frau ansah.
„Danke. Ich freue mich sehr darauf, Nodoka und den Welpen zu sehen.“
„Glaub mir, sie freut sich sicherlich auch sehr dich zu sehen, Jacky. Und natürlich auch die Anderen“, schoss er bei dessen Blicken schnell hinterher.
„Danke noch mal für alles.“
Kagome sah zu den Dorfbewohnern hin, die sich zu ihrer Verabschiedung versammelt hatten.
„Wir haben zu danken, Edle Dame. Ohne euch würde das nun ein totes Dorf sein.“
Alle verbeugten sich vor ihnen. Und auch wenn er es nie zugeben würde, hatte Sesshoumaru Tränen der Rührung in den Augen.
Kyoto oder wie finde ich meine Beute in dem Straßengewirr
Kyoto oder wie finde ich meine Beute in dem Straßengewirr
„Laut Yusaku muss er hier irgendwo sein.“ Jacky hielt sich die Nase zu und sah sich um. Wie nur hielten es ihr Mann und Inu Yasha nur diesen Gestank aus, ohne jedes Mal eine Gasmaske zu Hilfe nehmen zu müssen? Ihr selbst war kotzübel von den vielen neuen und unbekannten Gerüchen, die urplötzlich auf sie einströmten.
„Dann teilen wir uns auf, mit zwei feinen Nasen finden wir ihn sicherlich schneller.“ Kagome hatte plötzlich ein Riechfläschchen in der Hand und reichte es Jacky. „Probier das, dann bekommst du deine Nase wieder frei.“
Nickend nahm die Fürstin ihr das Fläschchen ab, schraubte den Deckel auf, roch daran und wurde noch blasser im Gesicht, als schon vorher.
„Behalt es lieber.“ Mit einem angewiderten Gesichtsausdruck reichte sie es der Frau Doktor wieder zurück.
„Komisch, bei den beiden Brüdern hilft das immer.“ Vor sich hinmurmelnd packte Kagome die gut gemeinte Medizin wieder in ihren Arztkoffer.
Jacky glaubte sich gründlich verhört zu haben:
„Könntest du das bitte wiederholen?“
„Was denn?“ Kagome wusste erst nicht, worum es ging. Bis über ihr eine ganze Batterie von Glühbirnen aufging.
„Ach das hast du nicht gewusst? Ich gebe.... was denn?“
Energisch hatten sowohl Sesshoumaru als auch Inu Yasha angefangen an ihrem Ärmel zu zupfen.
„Sollte ich davon nichts sagen?“
„Das geht niemanden was an!“, fuhr Sesshoumaru sie an.
„Ich weiß nicht, aber ich glaube, dass das nun nicht mehr geheim ist. Zumindest nicht vor mir.“ Jacky hatte die Hand unter das Kinn gelegt und blickte von einem der Brüder zum anderen.
Beide zuckten in trauter Eintracht vor Schreck mit den Schultern und drehten sich genauso gemeinschaftlich zu ihr um. In beiden Augen stand so was wie Mordlust.
„Wehe du sagst irgendwem davon!“
Ins Bockshorn jagen lassen wollte sie sich nicht.
„Und was passiert dann, wenn ich es doch tue.“
Ihr Augenaufschlag war mehr als unschuldig.
„Der Spinnenbewanderte Kerker ist dann nur die geringste Strafe für dich.“ Sesshoumaru enthielt mehr als nur eine Warnung für sie.
„Ach damit hast du schon so oft gedroht, das zieht nicht mehr bei mir“, winkte die Fürstin gleich ab. „Was wäre dann die Erweiterung davon?“
„Das wirst du dann sehen.“ Sesshoumaru stellte fest, dass er auf ihre Frage keine richtige Antwort hatte.
„Oh, erziehst du mich dann zu deiner privaten Sexsklavin?“
Sein Blick verschleierte sich, während sich Inu Yasha und Kagome schnell abwandten. Das war nun doch eine Nummer zu hoch für sie beide.
„Ich dachte, das währst du schon.“
Aus Jacky sprudelte es nur so raus. Ihr Erheiterungsausbruch ließ einige andere Reisende irritiert in ihre Richtung blicken und die Augen aufreissen. Eine laut lachende Hundedämonin sah man nun doch nicht alle Tage.
„He, geht es jetzt vielleicht mal weiter?“ Ein wie immer ungeduldiger Hanyou konnte Ehestreitigkeiten momentan wirklich nicht gebrauchen.
„Misch dich nicht ein!“ Die Stimme seines Bruders konnte auch in dieser Lage noch einen eiskalten Ausdruck annehmen.
„Das wars!“ Bevor die beiden Brüder mal wieder ihre alten Streitigkeiten ausgraben konnten, fassten ihre Frauen zu und zogen ihren jeweiligen Mann an den Ohren hinter sich her Richtung Stadt.
„Du wagst es?!“ Sesshoumaru kochte nun erst recht vor Zorn.
„Darauf soll ich noch antworten?“ Jacky drehte sich noch nicht mal zu ihm um.
„KAGOME!“ Auch der Hanyou war über diese grobe Behandlung alles andere als erbaut.
„Benehmt euch und wir hören auf.“
Die beiden gaben sich geschlagen und nickten zustimmend. Anders würden sie nicht aus dieser unwürdigen Lage rauskommen. Wenn das nur niemand aus dem Hundeclan gesehen hatte.
In gemässigtem Schritt und etwas ruhiger gingen sie nun endlich ihrem eigentlichen Vorhaben nach. Kyoto zu durchsuchen nach dem vermeintlichen Verkäufer dieser Antischwangerschaftsmittels.
Jacky lag auf einem Bett in einer Herberge, die nur von Dämonen frequentiert wurde. Sesshoumaru, Inu Yasha und Kagome durften hier nur mit einziehen, weil jeder sie für ihre persönlichen Diener hielt. Ihr Mann hatte mal wieder gekocht vor Zorn wegen der Art wie man ihn hier behandelte. Jacky ahnte was den Besitzern drohte sollte er je seine wahren Kräfte wieder erlangen.
Andererseits war die Lektion, die das Leben ihnen beiden, und gerade ihm, erteilte doch ganz lehrreich. Sie sah das anders als ihr Mann, der momentan vor Zorn aufgrund der Ungerechtigkeit seiner Lage einfach nicht nachdenken wollte. Jacky kannte ihn inzwischen aber so gut, dass sie wusste, dass er irgendwann das gleiche sah wie sie.
Momentan sperrte er sich einfach gegen alle Vernunft und Einsicht. Sicherlich war er zusätzlich zu dem ganzen auch noch sauer auf sie. Zeigte es aber nicht. Jacky ahnte warum, er wollte ihr kein schlechtes Gewissen einreden. Und das tat mehr weh, als wenn er rumgetobt und sich wie immer mit ihr gestritten hätte.
Es gab Zeiten, da verstand sie ihren Mann überhaupt nicht. Und genau das war es, was dafür sorgte, dass die gegenseitige Anziehungskraft nicht nachliess.
„Jacky, kommst du, wir wollen uns in der Stadt umsehen.“ Kagome holte sie aus ihren tiefen Gedanken zurück.
„Wie? Oh ja, ich komme.“ Mit einem Satz stellte sie sich neben ihre angeheiratete Schwägerin und ging vor ihr aus dem Zimmer. Im angemessenen Abstand, den beiden Frauen zu wider war, folgte die Ärztin ihr.
Draussen vor der Herberge warteten schon ungeduldig ihre Männer auf sie.
„Dann können wir ja los.“
Wie schon vorher abgesprochen trennten sie sich. Jedes Paar untersuchte einen anderen Teil des heute stattfindenden Marktes.
Sesshoumaru ging neben seiner Frau her, beachtete die eindeutigen Blicke der Frauen auf ihn nicht und sah sich stattdessen die Auslagen der Verkaufsstände an.
„Wäre das nicht was für unsere Kinder?“ Jacky war an einem stehen geblieben und begutachtete die hölzernen Spielzeuge im Angebot.
„Wir sind nicht zum einkaufen hier.“ Ungeduldig versuchte Sesshoumaru seine Frau weiter zu schieben.
Unwillig folgte sie ihm schliesslich. Vielleicht klappt es ja, wenn er seinen richtigen Körper wieder hatte, hoffte Jacky innerlich.
So sehr sie auch suchten. Egal wen sie fragten, niemand schien ihn gesehen zu haben. Er war nicht auf diesem Markt. Sesshoumaru wollte nicht aufgeben, er wurde immer ungeduldiger. Verdammt noch eins, er konnte sich doch nicht in Luft aufgelöst haben!
Erschöpft kam er am Abend mit seiner Frau wieder bei der Herberge an. Er wurde nur wieder etwas munterer als er seinen Bruder nebst Schwägerin sah, die ihnen aufgeregt entgegenliefen.
„Wir haben ihn gefunden!“, berichtete Kagome ihnen ausser Atem, die Seite haltend.
„Wo ist er?“ Sesshoumarus Ermüdung war wie weggeblasen.
„Er hat seinen Stand schon abgebaut und übernachtet in der gleichen Herberge wie wir.“
Jacky nahm ihren Mann an die Hand und lief vor den anderen in atemberaubenden Tempo her.
Bei ihrer Unterkunft angekommen, rannte sie gleich hinein und sah ihn sofort. Erst jetzt erkannte sie das mönchsartige Gewand was er trug, Damals am Schloss war ihr das gar nicht aufgefallen, wenn sie ehrlich mit sich war. Oder hatte er sie damals nicht getragen? Jacky zweifelte etwas an ihrer Erinnerung, als sie sich zusammen mit ihrem Mann dem Ordensbruder näherte. Auch konnte sie diese nicht wirklich einordnen. Möglich das er wirklich einem sehr kleinen Ableger des Buddhismus angehörte.
„Du!“
Aufgebracht baute sich Sesshoumaru vor ihm auf und sah bedrohlich auf ihn herunter.
„Was wünscht Ihr, mein Herr?“ Der Angesprochene verzog keine Miene und setzte in aller Ruhe seinen Becher mit Tee ab.
„Mach es wieder Rückgängig.“
Sesshoumaru hatte schon ausgeholt und wollte ihn wie immer am Kragen packen und hochhalten. Und wenn es ginge sogar mit seiner Dokassu bedrohen. Selbst das war ihm nicht geblieben.
„Nun mach mal halblang, Honey“, hielt ihn seine Frau stattdessen auf.
Erst jetzt bemerkte der Mönch die Youkai, den Hanyou und die Frau neben dem Kerl, der ihn bedrohte. Sah sich die Auren näher an und verstand nun wer hier vor ihm stand und in welcher Verfassung.
„Jacky-Sama. Sesshoumaru-Sama. Ich kann mir denken was passiert ist. Kann es mir aber nicht erklären.“
„Gibt es denn wenigstens ein Gegenmittel?“, fragte Jacky schnell anstelle ihres aufgebrachten Mannes.
„Das gibt es.“ Ruhig setzte er seinen Tee an und sah sinnend in an die Decke.
„Dann gib es uns!“
Sesshoumarus Wut, die schon seit Wochen schwellte, drohte die Oberhand zu gewinnen. Nur durch den Händedruck seiner Frau konnte er sich gerade noch zurückhalten.
„Ich hab es nicht hier. Nur in meinem Haus im Süden kann ich Euch helfen, Jacky-Sama. Und Euch kann ich gleich helfen, Sesshoumaru-Sama.“
„Ich dachte, wie müsste nur die Kräfte wieder tauschen und gut ist.“
„Magie ist nie so einfach wie es auf den ersten Blick erscheint, mein Kind.“
Mit einem milden Blick sah er sie an. „Ihr habt also die Mixtur genommen und was ist dann passiert?“
Seine Neugier kam erst jetzt an die Oberfläche.
„Mir wurde schlecht, die Welt drehte sich in die falsche Richtung und erst nach einem Blick in den Spiegel sah ich das Maleure.“ Mit kurzen Worten fasste Jacky die Ereignisse zusammen.
„Seid Ihr einmal im Monta läufig?“
„Das geht dich nicht an, alter Mann!“ Aufgebracht fasste Sesshoumaru nun wirklich nach seinem Kragen.
„Lass ihn los, Sesshoumaru, er fragt das sicherlich nur um ein Gegenmittel für mich zu finden. So wie es jeder Arzt tun würde.“ Energisch zog sie an seinem Ärmel. Nur langsam liess er den Mann los. Seine Augen sprachen Bände.
Mit einem entschuldigen Blick auf den Mönch antwortete sie dann:
„Das bin ich.“
„Dann weiß ich was passiert ist. Ich muss mich für meinen unfähigen Schüler bei Euch entschuldigen, Jacky-Sama, Sesshoumaru-Sama, es war sicherlich nicht seine Absicht Euch das anzutun. Ich übernehme die volle Verantwortung.“
Er stand auf und verbeugte sich tief vor ihnen.
Erst jetzt fiel Jacky der leichte Akzent auf, den sie bisher nur bei Shampoo, Mousse, Mae und Colonge gehört hatte.
„Ihr stammt aus China, habe ich recht?“, fragte sie daher.
„Ihr habt gute Ohren, Jacky-Sama.“ Wieder verbeugte er sich. „Mein Orden wurde von der Obrigkeit vertrieben, als wir zu mächtig wurden. Nur ich und einige Wenige gibt es noch. Wir wurden in alle Winde verstreut.“
„Um welchen Orden handelt es sich?“
„Ich bin mir nicht sicher ob Ihr je von uns gehört habt, aber ich gehöre dem Orden der Shaolin an.“
Jacky hörte wie Kagome hinter ihr den Atem einzog. Ihr selbst ging es nicht anders.
„Es ist uns eine Ehre, verehrter Mönch.“ Beide Frauen sahen sich genötigt sich nun vor ihm zu verbeugen. Ihre Mannen schnaubten ungläubig durch die Nase.
„Es ist mir eine Ehre. Ihr seid die Großschwiegertöchter von Tenshou Sama, habe ich Recht?“
„Ihr kennt ihn?“ Verwundert sahen die beiden Frauen ihn an.
„Das ist lange her.“
„Und warum habt Ihr nie einen Ton gesagt, wenn Ihr zu uns gekommen seid?“ Jacky hatte das Bedürfnis den ruhigen Mönch vor sich auf Art ihres Mannes einmal durchzuschütteln.
„Es ziemt sich nicht sich ungebeten aufzudrängen.“
Jetzt war sie Fürstin wirklich geneigt ihn einmal an die Wand zu drücken und ihm ihre Krallen unter zu halten.
„Zurück zu unserem eigentlichen Problem, Mönch. Es wäre gut, wenn wir das schnell erledigen könnten.“
Der warnende Unterton eines sich einmischenden Sesshoumaru war nicht zu überhören.
„Euch, Fürst, kann ich sofort helfen. Aber das mit Euch, Fürstin, wird nicht so leicht zu beheben sein. Ich fürchte, Ihr werdet noch eine Weile in dieser Gestalt rumlaufen müssen.“
„Und für wie lange?“
„Bis, nun ja, bis...“
Inu Yasha bekam ein hochrotes Gesicht bei den Worten des Mönches. Jacky machte ein entsetztes Gesicht. Kagome wusste nicht, sollte sie ihrer angeheirateten Schwägerin alles Gute wünschen oder lauthals anfangen zu lachen. Nur Sesshoumaru blieb ruhig:
„Gut, wenn es nicht anders geht, dann wird die Sache eben auf diese Weise behoben werden.“
„Das ist nicht dein Ernst!“ Jacky glaubte es nicht. Da hatte sie extra sich ein Mittel besorgt, um eben nicht so schnell wieder schwanger zu werden. Nun musste sie es wieder werden, um eben ihre Verwandlung wieder los zu werden.
„Nur nach der Geburt des Kindes wird sich der Körper vollständig wieder umgestellt haben.“ Die Worte des Mönches halten noch eine Weile in ihrem Kopf nach. Das Leben war manchmal nur ungerecht, wie sie fand.
„Was ist denn mit dem Kind?“, fragte nun Kagome den Mönch.
„Was soll damit sein?“
„Ist es denn ein nicht ein vollwärtiger Youkai, wenn, nun, wenn...“ Sie hatte den warnenden Blick ihres Schwagers gesehen und liess den Rest des Satzes lieber ungesagt.
„Interessante Frage. Das kann ich leider aber nicht beantworten.“
„Momentmal, alter Mann.“ Inu Yasha sah sich genötigt, den Mönch am Kragen gepackt hoch zu ziehen. „Wenn du das nicht weißt, woher willst du denn wissen, dass sich das Ganze auf diese Weise wieder aufhebt?“
„In den Schriften, die ich in unserem Tempel studierte, ist nur diese Methode überliefert. Aber nicht was aus dem Kind wurde.“
„Wie immer, die Methoden kennt man, nicht das Ergebnis. Lass ihn los, sonst...“ Kagome zog energisch an der Hand ihres Mannes.
„Ach was sonst?“ Sein Kopf drehte sich in ihre Richtung. In seinem Blick lag etwas belustigendes, wusste er doch, dass sie ihm momentan nicht mit ihrem Lieblingswort nicht gefährlich werden konnte.
„Vielleicht klappt ja, mach Männchen, Inu Yasha“, kam es nun von Jacky, die die Situation irgendwie entschärfen wollte.
„JACKY!“ Augenblick liess Inu Yasha den Mönch los und wandte sich aufgebracht seiner Schwägerin zu.
„Denk nicht mal dran.“ Sofort stellte sich Sesshoumaru dazwischen.
„Keh! Du kannst mir momentan nicht gefährlich werden. Also geh zur Seite. Ich hab ein Hühnchen mit ihr zu rupfen!“
„So, ein Hühnchen also und kein Hündchen, hm?“ Jacky hatte keine Ahnung wieso, aber sie war irgendwie in Streitlaune verfallen.
„Nun reicht es aber. Was soll das eigentlich werden, ihr drei?“ Kagome war kurz davor der Kragen zu platzen.
„Misch dich nicht ein, Weib, das ist eine Angelegenheit zwischen uns dreien.“ Inu Yasha schob sie zur Seite.
„So eine bodenlose Frechheit! Osuwa....“ Ohne Vorwarnung wurde Kagome an die nächste Wand geschleudert. Aufkeuchend blieb sie liegen und sah nur noch Sterne.
„Um Gottes willen! Kagome!“ Sofort war Inu Yasha an ihrer Seite. Untersuchte sie mit seinen Sinnen.
„Wenn ihr oder dem Kind was passiert ist, dann mach ich euch beide persönlich dafür verantwortlich, ist das klar?“ Inu Yasha sah noch nicht mal auf, als er die Worte von sich gab.
„Es tut mir leid.“ Aus Spaß war mit einmal Ernst geworden. Der Streit hatte mit einmal eine komplett andere Richtung angenommen als von Jacky gewollt.
„Schon gut.“ Kagome erholte sich von ihrem Schwindelanfall und stützte sich auf Inu Yasha, der sich vornahm nicht mehr von ihrer Seite zu weichen, bis das Kind da war.
„Ich hab mich provozieren lassen, genauso wie du. Du hast das mit Absicht getan, nicht wahr, Jacky?“
„Ja, ich wollte, dass er von dem Mann ablässt. Ich konnte nicht ahnen, dass das....“ Der Fürstin fehlten die Worte.
„Mein Staub so was auslösen würde.“
Über ihnen erschien aus dem Nichts Kenka.
„Es tut mir leid, Kagome- Sama!“ Aufgebracht flatterte die Gami ihnen um die Köpfe. Ihre Tränen verteilten sich dabei auf allen Anwesenden.
„Du... du ... du blödes Flatterviech! Wenn ihnen was passiert ist, reiß ich dir persönlich die Flügel aus.“
Inu Yasha war mit einem Satz in der Luft und sprang aufgebracht der Dienerin seines Großvaters nach.
„Es gut, dass er so ein Ventil gefunden hat.“ Kagome sah ihnen nach.
„Dir ist auch wirklich nichts weiter passiert?“ Jacky war nun an ihrer Seite und hatte ihr den Arm um die Hüften geschlungen.
„Nein, es geht schon wieder. Macht euch keinen Kopf. Ich bin ja selbst Schuld. Ich hab es ja gesagt.“
„Hier trinkt das, Hime.“ Der Mönch hielt ihr einen Becher mit seltsamen Inhalt hin.
Jacky roch daran, erkannte den Geruch und nickte zustimmend.
„Sobald mein Bruder wieder hier ist, werdet ihr beiden zum Schloss zurückreisen, Kagome. Jacky und ich brauchen euch hier nicht mehr.“ Sesshoumaru hatte der Sache mit sichtlichen Schrecken verfolgt. Ihm war Wort wörtlich der Schreck in die Glieder gefahren. Wenn Kagome und dem ungeborenen Leben unter ihrem Herzen was passiert wäre... das hätte er sich nie verzeihen können.
„Sesshoumaru Sama, bitte kommt in einer Stunde zu dem Schrein auf dem Berg dort hinten.“
Er zeigte hinter sich.
„Warum?“
„Dort wohnt ein alter Freund von mir. Er hat die passenden Zutaten für Eure Rückverwandlung.“
„Gut.“
„Verzeihung, guter Mönch. Aber bleibt er denn auch so? Ich meine, bei der nächsten... Zusammenkunft von uns beiden könnte er sich doch wieder in einem Menschen verwandeln.“
„Keine Angst, edle Dame, dieses Mal wird das nicht passieren. Dafür werde ich sorgen.“
„Dann bin ich beruhigt.“
Wieder er selbst
Wieder er selbst
Es wurde immer später. Jacky lief in ihrem Zimmer wie ein eingesperrtes Tier auf und ab. Inu Yasha war nicht da, von Kenka keine Spur zu sehen. Und von Sesshoumaru keine weiße Haarspitze. War was schief gelaufen? Sie hoffte nicht. Vor einer Stunde hatte sie eine todmüde Kagome unter ihren Protest ins Bett gescheucht.
Leise seufzen sah sich zum wiederholten Male aus dem Fenster. Überlegte sich zum tausendsten Male zum Tempel zu laufen. Hielt sich im letzten Augenblick zurück und hoffte auf das Beste. Ich muss ihnen vertrauen, dass alles gut wird. Was anderes blieb ihr nicht übrig. In dieser stillen Stunde, alleine mit sich selbst und ihren Gedanken, wurde ihr richtig bewusst, wie sehr sie den wirklichen wahren und einzigen Sesshoumaru vermisste.
Erneut starrte sie hinaus und bemerkte nun endlich wie schön diese Nacht eigentlich war. Der Mond in seiner vollen Pracht schien auf die Erde herunter. Fast schon konnte man die einzelnen Strahlen seiner ganzen Pracht erahnen, wie sie sich auf dem kleinen Weiher in dem Garten brachen.
Dauert es wirklich die ganzen Nacht die Verwandlung rückgängig zu machen? Oder gar sogar länger? Oder geht es vielleicht gar nicht, wie gedacht?
Vielleicht hat er sich nun endgültig in einen Hund verwandelt. Vermutlich in einen Königspudel. Allein die Vorstellung löste bei Jacky einen heftigen Lachanfall hervor. Schnell legte sie sich die Hand auf den Mund, um die anderen Bewohner des Hauses nicht zu wecken. Aber das Bild wich eine Weile überhaupt nicht aus ihrem Kopf und es viel ihr äusserst schwer sich auf andere Dinge zu konzentrieren. Du meine Güte, wenn er nur wüsste.
„Jacky-Sama.“ Die vorsichtige Stimme von einem sehr kleinen Wesen brachte wieder zurück in die Realität.
„Was ist, Kenka?“
Über ihr erschien die Gami aus dem Nichts. Sie bemerkte den traurigen Blick. Die hängenden Flügel.
„Es tut mir so leid. Ich hatte keine Ahnung, dass Kagome- Sama in diesem Zustand ist.“
Irgendwie kann man ihr nie lange böse sein. Dieser kleinen, zarten, elfenhaften Persönlichkeit. Trotzdem musste sie endlich einsehen, dass sie ihren Staub nicht immer überall verstreuen durfte.
„Das will ich dir auch geraten haben. Und nun flieg zu Inu Yasha und sag es ihm ebenfalls. Und morgen früh ist dann Kagome dran.“
„Ich habs ja versucht, aber...“
„Was aber?“ Interessiert drehte sich die Fürstin zu ihr um und blickte die Gami fragend an.
„Dieser Sturkopf von einem Hanyou!“
Jacky brauchte nicht weiter nach zu fragen, was geschehen war. Die Gami war sichtlich aufgebracht.
„Du musst ihn verstehen, Kenka. Er hatte nie eine richtige Familie. Immer wurde er verjagt. Weder seine menschlichen Anverwandten noch die seines Vaters haben ihn je akzeptiert. Erst in Kikyou und später dann in Kagome hat er jemanden gefunden, dem er wichtig geworden war. Und, das ist das entscheidende, ihm wichtig geworden war.“
„Aber Inu Yasha wird doch nun von allen anerkannt?“
Irgendwie war das der Gami zu hoch. Warum wollte er nicht einsehen, dass ihn nun jeder akzeptierte?“
„Er hat 200 Jahre um Anerkennung gekämpft. Besonders um das seines einzigen noch im bekannten lebenden Anverwandten. Und das legt man nicht einfach mal so eben ab.“ Die Fürstin schwieg kurz, bevor sie der Gami in einigen Punkten recht gab: „Es liegt daran, dass er nun eine eigenen Familie gründet und die will er mit allen Mitteln verteidigen. In letzter Zeit hat er sich sehr oft mit Sesshoumaru gestritten. Meist grundlos. Aber tief in seinem Herzen hat er Angst, dass die alte Feindschaft der Brüder wieder ausbricht. Das die Youkai ihn vielleicht doch als das sehen was er ist, ein Halbblut.“
„Okata- Sama, wenn er das wirklich denkt, dann sollte man ihm vielleicht endlich eine richtige Aufgabe geben.“
Jacky erstarrte in ihrer Bewegung. Nachdenklich faste sie sich an das Kinn und dachte nach. Kenka hatte Recht. Im Grunde hatte man Inu Yasha bis jetzt noch keine richtige Aufgabe zugewiesen. Im Grunde hatte er die letzten Jahre nur in den Tag hineingelebt.
Warum war ihr das eigentlich nie aufgefallen? Wunderte sie sich über sich selbst.
Weil du es nicht sehen wolltest. Ich werde mit Sesshoumaru darüber reden müssen. Erkannte sie nun selbst. Aber welche Aufgabe würde dem Hanyou gerecht werden? Irgendwie schlich sich ihr mit einmal die Vorstellung ein, dass er als so eine Art Polizist fungieren sollte. Warum eigentlich nicht? Aber, wenn er den guten Cop spielt? Wer spielt dann den des Bad Cops? Ihr fiel nur einer ein. Und darüber musste sie zum zweiten Mal an diesem Abend laut lachen. Oh Gott, bin ich froh über die Tatsache, dass Sesshoumaru nicht über die Fähigkeit des Gedankenlesens verfügte.
Etwas unterbrach ihre Gedanken. Ein Geruch, der sich aufdrängte. In atemberaubener Geschwindigkeit näherte sich derjenige über den sie gerade intensiv nachgedacht hatte.
„Kenka, du kannst nun gehen.“
Die Gami sah auf und bemerkte die bekannte Aura ihres Meisters Enkel.
„Viel Glück“, wünschte sie mit einem Lachen in der Stimme, bevor sie sich selbst in Luft auflöste.
„Freches Gedirze!“, rief Jacky hinterher, den Arm fuchtelnd hinter ihr her wedelnd.
„Wen meinst du?“, unterbrach eine tiefe männliche Stimme ihr Gezeter.
Sir zuckte regelrecht zusammen. So schnell hatte ihn nun auch nicht erwartet. Langsam, mit bedachten Bewegungen drehte sie sich zu ihm um. Blickte dabei zu Boden und traute sich nicht auf zu blicken.
Was war das? Hatte sie wirklich Angst, dass er sich in einen Königspudel verwandelt hatte?
Dieser Gedanke brachte sie dazu nun doch auf zu blicken. Die Neugier in ihr siegte über jedes Unbehagen.
Da stand er nun. In seiner ganzen Pracht. Sanft wehte eine leichte Brise durch seine wieder weißen Haare. Spielten mit dem Fell über seiner Schulter. Vorsichtig lies sie ihre Augen über sein Gesicht wandern. Sah die Streifen auf den Wangen. Bemerkte die Mondsichel auf seiner Stirn. Und sah den Glanz in seinen goldenen Augen, die im Mondlicht aufblitzten.
„Endlich“, sagte er. Pausierte eine Weile, bevor er weiter sprach: „Endlich kann ich dich wieder ganz geniessen.“
Mehr brauchte er nicht zu sagen, um sie mit Tränen in den Augen in seine Arme werfen zu lassen.
„Es tut mir leid, Sesshoumaru. So leid.“
Er schwieg. Genoss nur diesen einmaligen Moment, den er sich so lange herbei gesehnt hatte, diese Frau mit all seinen Sinnen zu geniessen. Seine Frau. Obwohl noch ein Dämon überwog ihr eigener persönlicher Geruch alles andere. (Hund eben)
Er hob ihren Kopf vorsichtig an. Wischte mit einer zarten Bewegung ihre Tränen weg und bemerkte an:
„Ich kenne nur eine Strafe, die dieser Sache gerecht werden könnte.“
„Und welche?“ Sie schob sich etwas von ihm weg und sah ihn warnend an. Statt einer Standpauke erhielt sie eines seiner seltenen Lächeln.
„Ich wüsste da eine gute Methode.“ Damit beugte er sich über sie und küsste sie auf eine bestimmte Weise.
„Das lasse ich mir gerne gefallen“, flüsterte sie leise mit angerauter Stimme, als er sie kurz freigab.
Später lagen sie dicht aneinander gekuschelt nebeneinander und sahen sich an. Jacky streichelte den nun wieder hergestellten Schweif ihres Mannes. Ignorierte sein leises, sehr zufrieden klingendes Knurren.
Innerlich stellte Sesshoumaru für sich fest, dass alle seine Bedenken vorher unbegründet waren und nur auf der Tatsache beruhte, dass er einfach ein Weile lang ein Mensch war mit allen Ängsten und Zweifeln. Eins hat ihn der ganze Ärger gelehrt, diese immer von ihm als Schwach angesehene Rasse hatte andere Stärken. Andere Wünsche. Aber waren sie dadurch nicht vielleicht sogar stärker als er der stolze Dämonenfürst? Vermutlich würde er diese Frage nie beantworten können und im Grunde seines Herzens wollte er das auch nicht.
Es war gut so wie es war. Es musste sich nur noch seine Frau in einen Menschen zurückverwandeln, dann wäre alles wieder wie früher. Nur ganz kurz während der Zurückverwandlung hatte er sich gewünscht sie würde für immer eine Dämonin bleiben. Schnell verwarf er den Gedanken wieder. Er wollte sie als das was sie war, ein Mensch. Nur so liebte er sie und würde sie immer beschützen.
„Meine Schöne“, flüsterte er mit einmal in die Stille hinein.
Verwundert blickte sie auf und ihm tief in seine goldene Augen. Gedanklich war sie meilenweit entfernt gewesen.
„Wir sollten schnell dafür sorgen, dass du schnell wieder die alte wirst.“
Zuerst wusste sie nicht, was sie dazu sagen sollte. Dann fragte sie ihn:
„Willst du das denn überhaupt? Oder wäre es nicht besser, wenn ich so bliebe?“
„Nein. Ich will die Jacky zurück, die ich so liebe.“
Damit zog er sie wieder ganz nach oben zu sich und drehte sie auf den Rücken.
Sie lächelte wissend.
„Das freut mich. Aber Sesshoumaru, du sollst etwas wissen.“
Verwirrt blickte er auf sie herunter.
„Was?“
„Du hast immer noch eine rote Strähne in deinen Haaren.“
Erschrocken zog er seine Mähne nach vorne und fand nach kurzem suchen der Beweis dafür, dass er einmal ein Mensch war. Ohne weiter darüber nach zu denken schüttelte er seinen Kopf, warf die verdächtige Strähne nach hinten und beugte sich über seine Frau.
„Egal.“
„Wirklich?“ Jackies Augen verengten sich zu Schlitzen, bereit ihm alles mögliche entgegen zu schleudern, wenn es sein musste.
„Das ist nur der Beweis dafür wie eng wir beiden im Grunde sind. Wir sind eins.“
„Du bist.... unmöglich! Küss mich, du verrückte Hundedämon.“
Er tat ihr den Gefallen und noch einiges mehr in dieser Nacht.
Früh in den Morgenstunden flüsterte Jacky leise in seine Ohren:
„Aishite ru, oyakata sama.“
Wissend lächelnd sah er auf sie herunter und drückte sie fest an sich.
Home sweet home
Home sweet home
„Inu Yasha Sama?“ Kenka flog in der Gegend rum und fragte sich immer ärgerlicher werden wohin dieser sturköpfige Hanyou nur verschwunden sein könnte.
„Was willst du blödes Insekt von mir?“
Von irgendwo über sich hörte sie die angefressen klingende Stimme des Gesuchten.
Sie schwebte nach oben und sah ihn auf einem großen Ast in der tiefen Verzweigung eines großen Baumes sitzen. Er selbst lag im Dunkeln, doch seine wütenden Augen und die weißen Haare stachen deutlich hervor.
Langsam flog sie auf ihn zu. Setzte sich zu ihm auf den ihr riesig erscheinen Ast. Stumm liess er sie gewähren. Beobachtete sie aber genau.
„Es tut mit leid“, platzte es endlich aus ihr raus.
„Das sollte es auch. Sei froh, dass ihr nichts weiter passiert ist. Sonst wäre es dir schlecht ergangen.“
„Ja, Inu Yasha Sama.“ Tief traurig blickte sie nach unten in die Dunkelheit.
„Ist mein Bruder wieder normal?“, fragte er nach einer ganzen Weile der Stille.
„Das ist er. Ihr solltet ihn und Jacky Sama auf keinen Fall stören gehen!“ Als die kleine Gami mitbekam, dass er aufstand.
„Bin ich lebensmüde? Ich will zu Kagome. Und nachsehen wie es ihr geht.
Erleichtert flog sie auf und schwebte neben ihm her.
„Was machst du hier eigentlich so lange?“, fragte der Hanyou sie endlich.
„Mein Meister will, dass ich auf euch aufpasse.“
„KEH! Das können wir alleine viel besser. Kehre wieder zu ihm zurück.“
Er versuchte sie zu verscheuchen.
„Das geht leider nicht. Er hat es mir befohlen.“
„Argh, der alte Herr ist manchmal zu ängstlich. Früher sind wir alle ohne ihn ausgekommen.“
Missmutig stapfte er Richtung Herberge davon. Die fröhlich grinsende Gami hinter sich herfliegend.
Am frühen Morgen wurde Kagome durch einen seltsamen Geruch geweckt. Es stank wie nach schon lange nicht mehr gewaschenen Füssen. Nach nur einem kurzen Moment hatte sie den Verursacher auch schon ausgemacht.
Ein lautes „ INU YASHA!“ brachte den auf die Beine, Tessaiga gezückt und zum Angriff bereit.
„Wer wagt es?“
„Ich wage es!“ Aufgebracht baute sich Kagome vor ihm auf und deutete auf das Schlaflager.
„Du hast mit den Füssen in meinem Gesicht geschlafen!“
Der Hanyou sah aus als hätte man ihn mit einem Eimer kalten Wasser übergossen,
„Auf keinen Fall. Heute früh lag ich noch richtig rum. Vielleicht hast du dich im Schlaf auch nur gedreht.“
„Bestimmt nicht. Du hast dich mit deinen Schmutzfüssen so herum ins Bett gelegt!“
„Als hätte ich überhaupt eine Veranlassung dazu!“
Er sah sich um. Lächelte triumphierend. Und zeigte auf das Schlaflager unter sich.
„Kagome, du bist so auf gestanden.“ Er zeigte ihr wie.
„Das kann nicht sein, ich habe mich gestern aber so hingelegt!“
Sie legte sich mit dem Kopf Richtung Fenster.
„Da hast du heute früh auch noch gelegen. Was dann passiert ist, entzieht sich meiner Kenntnis.“
„Es ist mir egal wer wann wie aufgewacht ist. Würdet ihr bitte nicht son Lärm veranstalten?“
Jacky hatte die Tür zum Nebenzimmer aufgeschoben und rieb sich die Augen. Mit einmal wurde sich von hinten ergriffen und unter ihrem Protest wieder in das Zimmer gezogen.
„He, was soll das?“
„Erst anziehen, dann kannst du rumschreien.“
Sesshoumaru zeigte auf ihren nackten Körper. Hochrot befolgte sie den Wunsch ihres Göttergattens. Sie hatte völlig vergessen, dass sie ja heute Nacht mit anderen Dingen beschäftigt gewesen war.
Den anderen war noch nicht mal aufgefallen, dass sie ganz unbekleidet vor ihnen stand.
„Äh, dann können wir ja bald los. Nicht wahr?“, fragte eine verlegene Jacky sie nach einer Weile, als sie nun angekleidet wieder in ihr Zimmer kam.
„Erst frühstücken, dann geht's los“, bestimmte Inu Yasha sogleich.
„Essen?“ Kagome wurde käsig im Gesicht und sie rannte hinter das Tuch in der Ecke. Die Würggeräusche waren allen nur zu vertraut. Und der Geruch erst.
„Ist das immer so schlimm?“, fragte eine sich die Nase zuhaltende Jacky leise die anderen dämonischen Anwesenden.
Beide nickten zustimmenden. Unterliesen es aber sich selbst die Nase zuzuhalten. Was für eine Disziplin, bewunderte sie die beiden insgeheim.
Damit Kagome nicht beleidigt ist, ging die Fürstin schon mal vor in den Speisenraum. Misstrauisch beobachteten sie die anderen Gäste. Da Jacky Sesshoumaru nicht erst seit gestern kannte und ihn ab und an auch mal beobachtet hatte, wie er mit solch einer Situation um ging, schritt sie einfach durch den Raum und setzte sich in eine Ecke, wo sie zwar die Türen im Blick hatte, aber nicht die Treppe. Das brauchte sie auch nicht. Ihre Verwandtschaft gesellte sich schon bald zu ihr.
„Ich freue mich richtig auf zu Hause“, sagte Kagome mit einmal zwischen zwei Bissen.
Überrascht sahen sowohl Sesshoumaru als auch Jacky auf. Zufrieden ass hingegen Inu Yasha weiter.
„Ich kenne einen kleinen Dämon mit wuschigem roten Schweif, der es bestimmt nicht erwarten kann gerade dich wieder zu sehen, Kagome Chan.“
„Wie geht es ihm und den anderen Kindern eigentlich?“ Mit einmal wollte die Ärztin alles wissen. Und Jacky, die ihre Nachkommenschaft schmerzlich vermisste, tat ihr nur zu gerne den Gefallen.
Sie deckten sich auf den Markt noch mal mit den Nötigsten ein. Verabschiedeten sich von dem Mönch, der versprach im Herbst wieder zu kommen und seinen Schüler mitzubringen. Damit er die Strafe des Fürsten bekommen sollte.
„Der macht sich doch eher davon, als das er bei uns erscheint.“ War Inu Yashas Meinung dazu. Doch der Shaolinmönch widersprach dem Hanyou:
„Ein Mitglied unseres Ordens weiß wann er sich seiner schwersten Aufgabe zu stellen hat.“
„Dann bin ich echt mal gespannt.“
„Und für Euch wünsche ich viel Gelingen bei eurem Vorhaben.“ Der Mönch verbeugte sich tief vor dem Fürstenpaar.
Eine hochrote Jacky nickte nur und wandte sich schnell ab.
Später stiegen Inu Yasha und Kagome auf den Rücken des Drachens.
„Ich zeige dir wie man fliegt“, sagte Sesshoumaru zu seiner Frau, als diese zu ihnen steigen wollte.
Verwirrt nahm sie ihren Fuss wieder herunter und drehte sich mit einem missmutigen Laut zu ihm herum.
„Das muss doch nicht jetzt sein. Ausserdem bin ich nun schon so lange in meinem Dämonenkörper und warum kommst du erst jetzt damit an?“
„Weil ich dir das erst erklären kann, wenn ich mich in meinem eigenen Körper befinde.“
„Und konnte mir das keiner der anderen erklären?“ Ihr Blick sprach Bände.
„Das habe ich mir verbeten. Doch nun ist es notwendig, dass du es kannst. Sonst sind wir übermorgen immer noch hier.“
„Wollten wir nicht einen Anstandsbesuch bei Nodoka und Yusaku einlegen?“
„Das machen wir auch. Aber nicht jetzt.“
Jacky verstand nur noch Bahnhof.
„Ich denke, ihr fliegt schon mal vor. Das hier kann noch dauern“, bat sie ihren Schwager nebst Frau.
Beide nickten nur und erhoben sich auf ah Uhs Rücken Richtung Himmel.
Angesäuert drehte sich inzwischen Jacky zu ihrem angetrauten Ehegatten um.
„Und wie sieht meine erste Flugstunde aus? Muss ich zu einem Berg gehen und mich todesmutig nach unten stürzen? Friss oder stirb?“
Ihm traute sie das durchaus zu.
„Nein. Beobachte mich.“
Sofort stieg er nach oben und landete nach einer Weile wieder neben ihr. Jacky konnte wirklich nicht sagen, was genau anders sein sollte. Sesshoumaru kannte diesen Blick inzwischen zu gut an ihr.
„Sieh dir meinen Schweif genauer an.“
Das tat sie und nun sah sie den Unterschied.
„Er wird größer, länger und teilt sich so komisch.“
„Er teilt sich wie?“
„Wie empfindlich wir wieder sein können.“ Sie streichelte ihn an einer bestimmten Stelle am Hintern.
Nur langsam beruhigte er sich wieder. Sah sie nur noch einmal streng an, bevor er mit seiner Erklärung fortfuhr:
„Mach die Augen zu und hör auf deine Sinne.“
Sie tat es. Und dann prasselten die Eindrücke auf sie ein, die sie normalerweise automatisch ausblendete, damit sie nicht an Überreizung einging.
Roch sofort etwas bestimmtes aus der Richtung ihres Mannes. Das Streicheln hatte ihn in eine bestimmte Stimmung versetzt. Nur mühselig gelang es ihr diesen Geruch auszuschalten und in andere Bannen zu lenken. Blöder Kerl, dachte sie sich. Nur schwer konnte sie sich auf ihre eigentliche Aufgabe konzentrieren. Endlich nahm sie auch andere Gerüche war. Bemerkte die Blumen, die neben ihnen wuchsen. Den leichten Wachsgeruch der Tannen hinter ihnen. Den torfigen und brennen Geruch der Erde unter ihnen.
Und den von sich selbst. Gut, läufig war sie momentan nicht. Das hätte Mr. Ich- will- so- schnell- wie- möglich- wieder- Vater- werden auch gleich ausgenützt. Das Fell, welches so sehr nach Hund roch und doch so anders als seines. Ihre Haut. Und dann wieder überdeutlich er.
Ach Verdammt. Was sollte das alles eigentlich? Sie verstand es nicht. Mit einmal spürte sie einen festen Arm um ihren Hüften und eine bekannte männliche Stimme herrschte sie an:
„Du verlierst deine Konzentration. Und wärst beinahe abgestürzt“
Erst da machte sie die Augen auf und sah nach unten. Die Erde war nicht mehr unter ihren Füssen sondern ziemlich weit weg.
„Okay. Wenn du mir nun noch verrätst, wie ich das hinbekommen habe, bekommst du einen dicken Kuss von mir.“
„Das Geheimnis beim Fliegen ist einfach. Du denkst nur an was schönes und schon hebst du ab.“
Ihr Blick sprach Bände als sie sich zu ihm herumdrehte.
„Und warum schwebst du nicht, wenn du an mich denkst?“
Er lachte.
„Weil ich weiß wann ich es kontrollieren muss. Aber wenn du willst, können wir das auch mal in der Luft ausprobieren.“
„Unartiger Kerl. An was du schon wieder denkst.“
Sie schlug ihm belustigt auf die Finger. Er liess sie los. Verzweifelt und ihn ausschimpfend schwebte sie Richtung Boden davon. Ihr war klar, dass er sie mal wieder testete. Also wollen wir dem Herrn mal zeigen was ich in seiner tollen Flugstunde gelernt habe. Jacky knackste mit den Händen und konzentrierte sich auf das, was sie vorhin gedacht hatte. Nach einer kleinen Weile stabilisierte sich ihre Fluglage und sie schwebte hinter ihrem Mann her, der sich schon auf den Weg gen Heimat gemacht hatte.
Der Mistkerl hat sich noch nicht mal drum gekümmert, ob ich es schaffe oder nicht. Jacky war angefressen. Eigentlich sollte ich umdrehen und ihn alleine lassen. Mal sehen wie er darauf reagiert.
Doch halt. Sie stockte mitten in ihrer Bewegung.
Er hat mir noch nicht gezeigt wie man landet. Und dieses Fellzeugs wieder einfährt. ARGH! Jetzt kochte sie. Ihr wurde klar, dass er sie nur zu genau kannte. Doch sie hatte ihre Methoden um ihm die Flötentöne auf ihre Weise beizubringen. Der Schlafzimmerentzug wird ihn wieder zur Vernunft bringen, da war sie sich ganz sicher. Und dieses Mal konnte sie sich sogar richtig zur Wehr setzen.
Gegen Abend hatten sie Inu Yasha, Kagome und den zweiköpfigen Drachen wieder eingeholt.
„Übermorgen sind wir wieder Zuhause“, freute sich der Hanyou beim Essen.
„Endlich“, stimmte seine Schwägerin überglücklich ihm zu.
Hometouch
Hometouch
Müde kritzelte Tôya das 10te Strichmännchen in seine Schulrolle. Jakens Geschichte hatten sie schon so oft gelauscht. Wann endlich hatten die Eltern ein Einsehen und besorgten ihnen einen anderen Geschichtslehrer?
Mit einmal stieß ihn seine Schwester an. Unwillig schob er sie weg. Wenn das Jaken mitbekam, dann drehte der noch durch. Erneut stieß sie ihn an. Zerrte dann an seinem Arm, damit er sich endlich zu ihr umdrehte.
Beinahe hätte er sie laut angefaucht, doch dann zog ein Geruch seine Aufmerksamkeit auf sich, der ihm mehr als bekannt vorkam.
„Sie kommen zurück“, flüsterte er erfreut.
Hangetsu warf ihnen eindeutige Blicke zu. Die Zwillinge drehten sich gemeinschaftlich zum Fenster und da sahen sie es:
ein großer zweiköpfiger Drachen kam auf das Schloss zugesteuert. An seiner Seite zwei Hundedämonen mit fliehenden weißen Haaren.
Die Tür wurde so schnell aufgerissen, dass sie drohte aus der Wand zu schnellen. Irritiert unterbrach der Krötendämon seinen Vortrag.
„Was soll das? Haben euch eure Eltern nicht gesagt, dass ihr den Unterricht nicht stören dürft.“
An das jüngsten Mitglieder der Hundedämonenfamilie gewandt.
„Getsu! Miu! Toa! Ship! Inu! Mama! Papa! Kommen!“
Das war das Stichwort für alle dem ultralangweiligen Unterricht von Jaken zu entkommen.
“Verdammt noch eins! Kommt sofort zurück!“ Verzweifelt versuchte er sie aufzuhalten. Mit seinem Stab fuchtelte er wie wild in der Gegend rum und stolperte nur über seine eigenen Füsse, als er ihnen nacheilte.
„Was ist denn passiert, Jaken sama?“ Er wurde von einer sanften Frauenhand wieder aufgerichtet und blickte in das erwachsene Gesicht von Rin.
„Sesshoumaru Sama kommt wieder zurück.“
„Verstehe.“ Rin verkniff sich ein amüsiertes Lächeln. Wusste sie doch wie empfindlich der Krötendämon auf so was reagieren konnte. Stattdessen stand sie auf und ging gemässigten Schrittes die Treppen nach unten. Sie freute sich so sie wieder zu sehen. Denn sie musste ihnen was sagen. In der Zeit wo sie nicht da waren, war das passiert, was sie so lange ersehnt hatte. Und sie war dankbar dafür, dass ihr Stiefvater sie nicht an irgendwen einfach verheiratet hatte. Sie vermutete aber ihre Stiefmutter hinter dieser Tat.
„Ah, Rin Chan. Du hast es schon mitbekommen?“ Tenshou trat aus einem Seitengang zu ihr und stieg mit ihr die Stufen herunter.
„Ich ging gerade am Klassenzimmer durch, als ich von ihnen fast niedergetrampelt wurde. Der Ausruf nach Papa und Mama war dann der entscheidende Hinweis.“
„Wirst du es ihnen gleich sagen?“
„Wir sagen es ihnen zusammen. Er ist momentan mit den drei Wildfängen und Miroku Sama auf Dämonenjagd.“ Man hörte aus ihrer Stimme die gleiche Angst heraus wie aus Jackies wenn ihr Mann die gleiche Arbeit erledigte.
„Du musst damit rechnen, dass deinen Muter auf eine richtige Vermählungsfeier pocht.“
„Das ist mir klar. Und wenn ich ehrlich bin, freue ich mich darauf.“
Der alte Dämon nickte wissend.
Im Hof bot sich ein schon altbekannter Anblick. Jacky hatte Probleme damit jeden ihrer Kinder die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken, die sie gewohnt waren.
Shippou hingegen war überglücklich Kagome in die ausgebreiteten Arme gesprungen.
„Mama? Youkai?“, fragte endlich ..., als sie sich dicht in Jackies Armen an sie presste.
„Für eine Weile noch. Doch in einigen Monaten bin ich wieder die alte.“
„Und ihr habt dann ein neues Geschwisterchen“, verkündete nun Sesshoumaru laut.
Stille herrschte mit einmal auf dem Hof. Alle sahen das Fürstenpaar an. Jacky wäre am liebsten vor Scham im Boden versunken.
„Sesshoumaru“, zischte sie schliesslich.
„Ich glaube ihr habt uns einiges zu erzählen. Nicht wahr, Inu Yasha“, sprach Tenshou seinen jüngsten Enkel an. Hochrot nickte der nur und deutete nach drinnen.
„Mama, was meinte Papa damit?“, fragte nun Miyu auf den Weg nach oben in ihre Räumlichkeiten.
„Was meinst du damit?“ Hoffentlich nicht irgendeine peinliche Frage.
„Na, das mit dem neuen Geschwisterchen.“
Oh bitte nicht.
„Weißt du, wenn du etwas älter bist, bin ich mir sicher, dass euer Vater es euch genau erklären wird.“
Sie brauchte noch nicht mal Sesshoumarus Gesicht zu sehen, dass er wütend wurde. Und rote Ohrenspitzen bekam.
„Warum denn jetzt noch nicht?“ Jetzt wollte es Tôya genau wissen.
„Weil es da was gibt zwischen Frauen und Männer, die nur sie was angeht.“
„Ein Geheimis?“, fragte nun das jüngste Mitglied der Rasselbande sie.
„Genau.“
„Dann wollen wir es auch gar nicht wissen.“ Hangetsu suchte nun nach ihrer Hand.
Innerlich seufze Jacky erleichtert auf. Das war noch mal gut gegangen.
Im Wohnzimmer setzten sich alle auf irgendwelche Sitzgelegenheiten. Die Kinder dicht bei ihren Eltern. Nur Shippou wollte unbedingt bei Inu Yasha und Kagome bleiben. Er roch etwas, was er schon früher mal bei Jacky gerochen hatte. Und danach hat sie wieder ein Kind bekommen. Zu Schade nur, dass die Erwachsenen daraus so ein Geheimnis machten. Er hätte gerne gewusst, was da zwischen Mann und Frau abging, wenn sie alleine sein wollten. Würde er aber schnüffeln gehen, würde ihm Inu Yasha sicherlich den Schädel halb einhauen. Von Sesshoumaru ganz zu schweigen.
„Und was hat sich alles zugetragen?“, wollte nun der alte Dämon hören, nachdem sich alle hingesetzt hatten.
„Also, es ist so das....“ Jacky fing an zu erzählen. In kurzen Sätzen setzte sie alle ins Bild.
„Also müsst ihr doch meine Cousine besuchen gehen“, grinste Kenka von oben herunter. Sie schälte sich mal wieder aus dem Nichts direkt über ihnen.
Anstand sauer zu sein, sah Sesshoumaru nachdenklich zu ihr auf und nickte dann:
„Kein schlechter Vorschlag.“
„Ohne mich“, wehrte sich Jacky gleich. „Wer weiß was dann passiert. Nein, einmal Magie reicht mir für die kommenden Jahrzehnte vollkommen aus.“
„Wir werden dorthin gehen“, bestimmte Sesshoumaru mit Nachdruck. Streng sah er sie an.
„Und ich wiederhole mich nur ungern: Ohne mich.“
„Das bereden wir noch“, knurrte er sie gekonnt an.
„Du wirst verlieren“, drohte sie ihm an.
„Das werden wir noch sehen.“ Seine Augen glühten leicht rot.
„Ich bin dir nun ebenbürdig. Vergiss das nicht.“
„Nur auf einem Gebiet nicht.“
Verständnislos sah sie ihn an. Leise seufzen erklärte er ihr dann:
„Du kannst dich nicht verwandeln.“
Da erst dämmerte es ihr. Und gegen ihren Willen hatte sie mit einmal ein seltsames Bild vor sich.
Eines was sie gar nicht mehr weg bekam. Sie erinnerte sich mit einmal an das eine Bild, was immer noch im Arbeitszimmer hing. Es zeigte zwei riesige weiße Hunde. Jacky erinnerte sich wage an die Szene damals in China im Grab des ersten Kaisers. Alle hatten sich in ihre wahre Gestalt verwandelt. Das was sich in ihrem Kopf abspielte, ging nur in eine Richtung. Und allein die Zerstörungen, die sie beide dabei anrichten würden, wäre sicherlich gewaltig. Nein, dann wolle sie doch lieber in dieser Form bleiben.
„Äh, Sesshoumaru das können wir doch dann irgendwann mal machen. Doch nicht jetzt.“
„Wenn es soweit ist.“
Er und sie wussten genau, was er meinte. Und allein die Vorstellung behagte Jacky überhaupt nicht.
„Und nun zu euch beiden.“ Unvermittelt sah Tenshou zu Inu Yasha und Kagome hin.
Hochrot geworden sah sich das Paar an.
„Äh also. Nun ja, wie soll ich sagen?“. Der Hanyou steckte seine Hände in seine Ärmel und drehte sein Gesicht zur Seite.
„Wirst du etwa Papa, Onkel Inu Yasha?“, platzte Inoue einfach heraus.
„Wie kommst du darauf?“ Mit einem bedrohlichen Blick drehte sich der Hanyou zu seinem Neffen um.
Er war immer noch hochrot.
„Gratuliere. Wurde auch Zeit, dass ihr beiden nachlegt.“ Tenshou stand auf und umarmte die überraschte Kagome.
„Danke“
„Bleibst du nun bei uns, Tante Kagome?“, fragte nun Hangtsu sie.
„Das werde ich.“
„Dann bist du mit deinen Lehren fertig?“, Mira sah sie aufmerksam an.
„Das bin ich. Ich habe meine Doktortitel und habe schon einige Pläne im Kopf, was ich hier machen will.“
„Aber erst bekommst du das Kind und dann sehen wir weiter.“ Ungewohnt streng sah ihr Mann sie an.
„Das werden wir dann sehen“, wiederholte sie die Worte ihres Schwagers mit einem verschmilzten Lächeln.
„Keh! Warum müsst ihr Frauen immer so unvernünftig sein und nicht auf das hören, was wir Männer euch sagen?“
„Weil wir genau wissen, was gut für uns ist und was nicht. Also hör auf dir ständig Sorgen zu machen.“
„Ich mache mir nur Sorgen, weil ich nicht will, dass euch was passiert.“
„Uns passiert schon nicht. Du passt doch immer auf uns auf, oder nicht?“ Kagomes Blick war borend.
„Wer denn sonst?“
Beleidigt schlug Inu Yasha seine Arme noch fester unter.
„Dann bin ich ja beruhigt, anata.“ Leise Lächelnd schaffte Kagome es einen seiner Arme aus seinem Versteck zu befreien und die Finger mit seiner Hand zu verschränken.
Sie sah kurz Jacky an, die genau wusste, was ihre angeheiratete Schwägerin dachte, dass in einigen Punkten die beiden Brüder sich ähnlicher waren, als sie es je zugeben würden.
„Ich werde dir helfen, Kagome“, meldete sich Jacky zu Wort.
„Du hast erst andere Aufgaben“, pfiff ihr Mann sie gleich zurück.
„Das kann warten.“
„Kann es nicht. Du wirst mir in diesem Punkt gehorchen.“
Leise seufze Jacky auf. Immerhin profitierte sie auch davon.
„Wenn das alles geklärt ist, hätte ich auch was mit zu teilen.“ Alle blickten Rin verblüfft an. Meist hielt sich das einst sehr fröhliche Mädchen sich vornehm zurück und sagte nur dann was, wenn man sie direkt ansprach.
„Was ist es denn, Rin Chan?“, fragte nun ihre Stiefmutter. Ahnen tat die Fürstin es schon, doch sie wollte es von ihr selbst hören.
„Ich denke aber, dass Kohaku auch dabei sein sollte.“
Sesshoumaru sah seine Stieftochter ruhig an. Nickte dann. Er winkte einen Diener heran, und befahl den jungen Dämonenjäger her.
Kurz darauf kniete der zusammen mit seiner Schwester und seinem Schwager vor der fürstlichen Familie.
„Rin sagte, dass ihr uns was mitzuteilen hättet“, eröffnete ein freundlich lächelnder Tenshou das Gespräch.
„Ich... ich meine Rin und ich. Wir.. ich will“ Angesichts all der vielen neugierigen Blicke der Anwesenden brachte er keinen vernünftigen Satz heraus.
Schließlich nahm er seinen ganzen Mut zusammen, stand auf, ging zu Sesshoumaru und Jacky hinüber und kniete sich vor dem Fürsten nieder.
„Ich bitte Euch um die Hand von Rin.“
Ruhig sah der Hundedämon auf ihn herunter. Die Zeit verstrich einfach zu langsam für Jackies Geschmack.
„Liebst du sie?“, fragte sie ihn schliesslich.
„Das tue ich, okata Sama.“
„Und du, Rin?“, meldete sich Sesshoumaru endlich zu Wort.
„Aus tiefsten Herzen, Sesshoumaru Sama.“
Das Fürstenpaar tauschte einen Blick, bevor der Hausherr endlich weiter sprach:
„Im Herbst werden wir euch vermählen.“
„Ich danke Euch, oyakata Sama, okata Sama.“
Die beiden erhoben sich wieder. Nur Sango und Miroku blieben vor ihnen verbeugt liegen.
„Ist was passiert?“, fragte Jacky die beiden alarmiert.
„okata sama, Aden ist von uns gegangen.“
Versteinert sah die Fürstin auf ihn herunter. Dann nickte sie.
„Ich verstehe. Er war schon nicht mehr der Jüngste und das er in dem Tempel seine letzten Tage verbringen durfte. Ich bin euch beiden zu dank verpflichtet.“
Im letzten Jahr konnte er schon nicht mehr die Treppen hochgehen. Sango und Miroku hatten sich bereit erklärt ihn bei sich auf zu nehmen. Inzwischen gehörte seine Nachkommenschaft zur festen Wachmannschaft. Kein Erkundungsteam ging ohne einen seiner Enkel oder Urenkel auf Tour.
„Wir werden uns um alles weitere kümmern, okata sama.“
„Ich danke euch.“
Sie verbeugten sich noch einmal und gingen ebenfalls.
„Ich denke, das wars erstmal.“
Jacky erhob sich schwerfällig von ihrem Sitz. Irgendwie war es ihr immer unangenehm, wenn sie sich samt Schweif hinsetzten musste.
Das Ende, oder doch nicht?
Das Ende, oder doch nicht?
Einige Monate später war der Fürst der westlichen Länder geneigt seinen jüngeren Halbbruder mal wieder an die Wand zu nageln. So wie in alten Zeiten. Nur der warnende Blick seiner Angetrauten hielt ihn davon ab.
Es war Weihnachten. Und seit einer Stunde lag Kagome in den Wehen.
Der Tag fing harmlos an. Die Sonne schien müde unter einigen Wolken hervor auf eine Winterlandschaft, die jeder Grußkarte gerecht wurde. Isamu tat alles, um dem Weihnachtsessen, dass der Fürst nun seit einigen Jahren immer am selben Tag befahl, auszurichten. Es war ein Feiertag, den hier niemand kannte. Der zu einer Welt gehört, die noch weit in der Zukunft lag. Auch die Rezepte, nach denen er kochte, stammen von dort. Doch die Fürstin und die Prinzessin freuten sich jedes Mal, wenn man hier ihrem Fest gedachten.
Doch heute war es anders. Schon beim mühseligen Aufstehen heute früh war Kagome seltsam. Sie krümmte sich kurz vor Rückenschmerzen. Weigerte sich zunächst jede Hilfe anzunehmen. Ihr Mann wurde hartnäckig. Und so untersuchte Maho sie schliesslich. Unruhig ging Inu Yasha vor dem Zimmer auf und ab. Machte dadurch jeden in seiner Umgebung nervös.
Der alte Wolfsdämon schob die Tür zum Schlafzimmer auf und sagte, sich die Hände an einem Tuch abwischend:
„Es geht los. Inu Yasha sama, bitte kommt.“
„Ich... ich... warte hier.“
Die ganze Sache kam ihm eindeutig nicht geheuer vor.
„Du wirst ihr beistehen. Das ist deine Pflicht.“
Unerbittlich schob Sesshoumaru seinen sich heftig wehrenden Bruder in das Zimmer. Leise vor sich hin grinsend folgte Jacky ihnen.
„Tante Kagome gut?“, fragte Inoue sein Kindermädchen.
„Doch es ist alles gut.“
Im Zimmer übernahm nun Inu Yasha endlich seine Pflicht und stellte sich hinter seine Frau.
Der Tag ging in die Nacht über und Jacky war froh, dass sie immer noch eine Dämonin war. Alle Versuche von ihr und Sesshoumaru waren bisher nicht geglückt.
Sie hörte immer noch die Worte ihres Vaters, der sie zur Hochzeit von Rin und Kohaku mit der Familie besuchte, dass es nie dann klappt, wenn es soll. Sie sollten sich entspannen und abwarten. Selbst die Besuche im Onsen blieben Fruchtlos. Konnte es nicht doch sein, dass das Mittel doch wirkte?
Die Nacht verging. Kagome wand sich unter Krämpfen. Und dann erschienen endlich diejenigen, die sich kein familiäres Großereignis entgehen ließen. Inu no Taishou, Kin und Izayoi.
Der ehemalige Anführer des Hundeclans wurde ungefragt gleich nach nebenan verfrachtet, wo die restliche Familie saß und das beste hoffte.
Schon mehrfach wollten die Kinder nach ihrer Tante sehen. Jedes Mal hat wer anders sie abgefangen.
Kagome war erschöpft. Von den ständigen Wehen, die sie wach hielten. Die Übermüdung tat ihr übriges. Es wollte und wollte einfach nicht kommen. Nur langsam öffnete sich der Muttermund immer weiter.
Und dann nach unendlich erscheinen Stunden und einem letzten Pressen kam es endlich auf die Welt.
Ein Viertel Hanyou schrie laut und kräftig dem erneut beginnen Tag entgegen.
Verwundert sah Inu Yasha auf seinen Sohn herunter, den ihn seine Mutter ungefragt einfach in den Arm legte. Weiße Haare und die Ohren eines Menschen.
Völlig erledigt und erleichtert lehnte sich Kagome zurück. Ihre Augen fielen zu. Der Rest lief ohne ihr wirkliches Zutun ab.
Auch die Fürstin war müde. Sie erinnerte sich zu genau an die Blicke, die sie von ihren Schwiegereltern und der Stiefschwiegermutter geerntet hatte.
„Später“, hatte sie gleich abgewunken.
Jetzt lehnte sie an der Tür zum Nebenzimmer und wusch sich den Schweiß ab. Sofort war sie von ihren Kindern umrundet.
„Tante Kagome geht es gut, Mama?“, fragte Hangetsu sie als erstes.
„Das ist sie.“
„Und wie geht es dir?“ Besorgt trat Inu no Taishou auf sie zu.
„Müde und ich habe ein verdammt deutliches Bedürfnis nach einem heißen Bad.“
Die zwei Tage und drei Nächte waren nicht ganz Spurlos an ihr vor übergegangen.
Sesshoumaru nickte und winkte einen Diener heran, der das für die Fürstin erledigen sollte.
„Aber ich will alleine baden. Nur dieses Mal, okay?“ Als sie die enttäuschten Blicke der Kinder sah.
Nur widerwillig nickten die alle.
Irgendwann wachte sie auf. Sie lag im Bett, dick eingerollt und einen Schweif um sie gewickelt. Ihr war noch nicht mal aufgefallen, dass sie im Wasser eingeschlafen war.
Ein Arm war um sie geschlungen. Den kannte sie genau.
„Du solltest nicht baden, wenn du so müde bist“, hörte sie zusätzlich seine Worte über sich.
„Hast du mich wieder gefunden?“, brummte sie vor sich her.
„Als du nach über einer Stunde nicht erschienst, brauchte ich nur deinem Schnarchen zu folgen und schon fand ich dich im kalten Wasser.“
„Ich Schnarche garantiert nicht.“ Sie wurde sauer.
„Das tust du nur, wenn du total erschöpft bist.“
„Das wird ja immer schöner.“ Sie seufze auf.
„Weißt du was?“
Sie schob sich etwas von ihm weg. Drehte sich so auf die Seite, dass sie ihm ins Gesicht sehen konnte.
„Was denn?“ Fragend sah sie ihn an.
„Dein Vater hatte recht.“
„Womit?“
„Wir haben es vielleicht übertrieben mit unseren Versuchen. Da konnte es nicht klappen.“
Nachdenklich sah sie ihn an. Dann beugte sie sich zu ihm herüber und strich ihm die rote Strähne von den Schultern.
„Dann versuchen wir es nicht auf Biegen und Brechen. Bisher waren alle unsere Kinder Zufallsprodukte. Immer dann wenn ich es wirklich nicht gebrauchen konnte, wurde ich schwanger.“
Er lächelte sie im schwachen Schein des Mondes wissend an. Und küsste sie schließlich zart. Es war wie ein Versprechen an sie. Ein Schwur geschmiedet im Dämmerlicht des einzigen Zeugens.
„Komm her, Schöne der Nacht“, flüsterte er leise an ihrem Ohr.
Der Aufforderung kam sie zu gerne nach.
Später, sehr viel später schlief sie erneut selig lächelnd ein.
The end.