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Tango

Das Rosa Cama in Buenos Aires
von

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Der siebte Tanz

Hallo^^

Da bin ich mal wieder mit einem neuen Tanz ^__^

Ich hoffe, ihr freut euch alle darüber und erwartet schon mit Spannung, wie es weitergeht :D

Ich will aber nicht zu lange vom Lesen abhalten, also viel Spaß:
 

Schon den ganzen Tag war Carmen unruhig.

Heute!

Heute war der Tag, an dem Julio ihr eine Nachricht zukommen lassen wollte; er hatte es ihr versprochen und sie hatte es geschafft den Hurenwirt zu überzeugen ihr den Tag sich selbst zu überlassen.

Der Vormittag floss nur zäh wie das Harz eines Baumes dahin und auch der Mittag und der Nachmittag wollten und wollten nicht vergehen. Die Hoffnung der jungen Frau, am Morgen noch so stark und enthusiastisch, schwand mit jeder Minute, die sich quälend dehnte und in der doch nichts geschah.

Emilie hatte es schon längst aufgegeben ein Gespräch mit der Jüngeren anzufangen. So saß diese nun, den Blick starr auf die Straße, die man durch die geöffnete Tür sehen konnte, gerichtet und wartete, dass sich etwas tat.

Sie war vollkommen alleine; die anderen Huren waren spätestens nach ihrem zwanzigsten Seufzer, jeder einzelne fuhr dem Zuhörer durch Mark und Bein, aus dem Raum geflüchtet.

Erneut ein Seufzer; erneut ein Blick auf die laut tickende, erschreckend langsame Uhr, die in der finstersten Ecke des Zimmers hing. Seit dem letzten Blick waren gerade zwei Minuten vergangen; es war ihr, als wären es zwei Ewigkeiten gewesen.

Es klopfte.

Carmen riss den Kopf herum, so schnell, dass ihr Genick bedrohlich knackste. Ein Mann stand in der Tür, mittleren Alters; grobschlächtig, kein besonderes Gesicht.

Das Herz schlug der Hure bis zum Hals und nicht fähig, den Kloß in ihrer Kehle, der sie so am Sprechen hinderte, zu schlucken, sah sie den Fremden mit den dunklen Haaren fragend an.

Er wirkte unsicher, als er seinen Dreispitz vom Haupt nahm, ihn sich vor die Brust hielt, den Kopf leicht neigte und fragte: „Könnt Ihr mir verraten, wo…“

„Ich! Ich bin es!“, rief sie, nicht auf das Ende seiner Frage wartend, in der Erwartung, er sei ein Freund Julios.

„Ihr?“ Der Mann hob erstaunt die Brauen und musterte sie unverhohlen. „Eine Frau? Eine Hurenwirtin?“

„Was?“ Verwirrt hielt sie in ihrer Bewegung inne.

„Ich suche den Hurenwirt.“, sagte er und verlagerte sein Gewicht auf das linke Bein.

„Ach so.“ Wieder dehnte ihre Brust ein Seufzer. „Der ist im Wirtshaus, zwei Straßen weiter nördlich.“ Der Mann bedankte sich und verschwand wieder.

Ihr Blick fiel abermals auf die Uhr. Sie zählte das Ticken: 22, 23, 24…

„Verzeihung?“ Wieder die Stimme eines Mannes. Wahrscheinlich hatte der Kerl nicht verstanden, was sie ihm erklärt hatte.

„Der Hurenwirt ist zum Navio de Oro mit einem Freund, das sagte ich doch bereits!“, fauchte sie und machte sich nicht die Mühe den Kopf von der Uhr abzuwenden.

29, 30…

Ein Räuspern.

War dieser Mann denn wirklich so begriffsstutzig? Zornig drehte sie nun doch den Kopf. Gerade wollte sie ihn erneut anfahren, da erkannte sie, dass es ein ganz anderer Mann war. Dieser, der nun in der Tür stand, hatte feine Kleidung an, die eines Dieners, und seine gepuderte, weiße Perücke war ordentlich zu einem Zopf gebunden. Das Gesicht hatte er ebenso gepudert und als wäre er eine Frau, hatte er sich einen Schönheitsfleck aufgeklebt. Seine spitze, lange Nase kräuselte sich, ebenso wie seine strichgleichen Lippen, als müsste er eine Arbeit erledigen, die ihm ganz und gar nicht behagte. Carmen hielt einen Moment die Luft an und überließ ihm das Sprechen: „Ich möchte zu einer gewissen Señora Carmen. Kennt Ihr sie? Mein Herr schickt mich, ihr eine Botschaft zu überbringen.“ Er gab sich keine Mühe das Herablassende in seiner Stimme zu verhehlen. War er doch etwas besseres, als dieses schäbige Frauenzimmer, das sich Kurtisane schimpfte.

„Ich bin Carmen. Gib mir die Nachricht, die Don Julio mir ausrichten lässt.“ Er schnaubte verächtlich, als sie ihn mit dem ‚Du’ ansprach, dennoch trat er ein, verneigte sich tief, es grenzte schon an Spott, und zog aus der Innentasche seines Rockes ein Schreiben.

Carmen wollte es ihm gerade aus der Hand nehmen, da zog er es ihr wieder weg und sagte, ein schwaches Grinsen auf den Lippen: „Mein Herr trug mir auf, äußerst vorsichtig zu sein, denn geriete dieser Brief in die falschen Hände, so sagte er, dann wäre er hinüber.“ Die junge Frau schnappte nach Luft und starrte in die hinterlistigen Augen des Bediensteten. „Euch liegt wohl viel am Wohl meines Herrn. Wie viel?“

„Ich verstehe nicht…“ Oh doch, sie verstand genau, was er wollte. Er war auf eine Balgerei im Bett aus, für die sie hinhalten sollte. Er erpresste sie eiskalt mit einem Lächeln auf den Lippen.

Pfui, dieses Gesinde! Am liebsten hätte sie ausgespuckt, doch sie riss sich zusammen und entgegnete auf sein Nicken, das auf das obere Stockwerk deutete: „Wenn du mir das Schreiben vorliest und schwörst, Stillschweigen über den Inhalt zu gewähren, so will ich deiner Bitte Folge leisten.“

„So sei es denn.“ Er streckte ihr seine Hand entgegen und sie ergriff sie zögerlich. Sein Händedruck zersplitterte ihr beinahe den Handteller; ihn zu befriedigen würde anstrengend.

Also öffnete er den Brief und las vor: „Meine geliebte Carmen“ Er hielt inne, schielte kurz zu ihr auf und kommentierte: „Geliebte? Was hast du mit ihm angestellt?“

„Halt das Maul und lies!“, fauchte sie. Achselzuckend fuhr er also fort: „Ich schickte meinen Diener, dass er dir diesen Brief überbringt und nun, da er in deinen Händen ist, ist er sicher. Mein Herz, ich möchte nicht zu sehr abschweifen, denn würde ich beginnen deine Schönheit oder meine Liebe zu dir zu beschreiben, so würde dieser Brief an das Unendliche grenzen. So fasse ich mich denn also kurz und sachlich: Ich will, nein ich muss dich wieder sehen! Noch heute will ich mich mit dir treffen. Kennst du den alten Brunnen der westlichen Ruine? Mit Sicherheit. Dort musst du um fünf Uhr am Nachmittag erscheinen.

Geliebte Carmen, erscheinst du, so weiß ich, dass deine Liebe ebenso unerschöpflich ist, wie die Meine, doch kommst du nicht, so muss ich wohl schweren Herzens erkennen, dass es nur eine Spielerei war; nicht mehr.

In der Hoffnung, dass letzteres niemals der Fall ist, sende ich dir tausend liebe und heiße Küsse überallhin und freue mich auf unser Treffen.

In Liebe, dein Julio.“ Der Diener faltete den Brief wieder zusammen und steckte ihn zurück in das Kuvert. Das Grinsen auf seinen dünnen Lippen war noch breiter geworden und er wisperte: „Die tausend Küsse kann ich mit Leichtigkeit überbringen.“ Carmens Angesicht jedoch hatte sich versteinert und bedächtig drehte sie sich zu der Uhr um.

Sie schlug gerade das erste Viertel nach der fünften Mittagsstunde; die Kirchturmuhr, aus weiter Ferne, stimmte in das Läuten mit ein.

Natürlich hatte auch der Diener die Schläge vernommen und sein Grinsen wurde noch hämischer, was sie nicht für möglich gehalten hätte. Süffisant erklärte er: „Nun, meine liebe Carmen, so liebt Ihr meinen Herrn also nicht? Lasst ihn eiskalt sitzen, um Euch mit mir im Bett zu vergnügen?“

„Nein.“ Es war ein Flüstern gewesen, fassungslos und mit leerer Stimme, doch jetzt schrie sie: „Nein! Ich muss zu ihm! Geh mir aus dem Weg! Ich muss zu ihm!“ Sie wollte den Diener wegstoßen und aus der Türe rennen, doch war er zu stark und hielt sie, die Arme besitzergreifend um sie geklammert, fest. Sie wehrte sich gegen ihn, schlug mit ihren Fäusten gegen seine Brust und schrie, doch es half nichts, er war zu stark.

Mit der Zeit ließ ihr Widerstand nach. Sie sah ein, dass es keinen Zweck hatte und dem Schreien folgte ein leises Schluchzen.

Noch nie in ihrem Leben war sie so unendlich verzweifelt gewesen. Nun würde Julio denken, sie hätte nur mit ihm gespielt, sie nähme alles nicht ernst, sie liebte ihn nicht.

Dabei gab es nichts auf der Welt, das sie so sehr liebte wie ihn, nicht einmal ihr eigenes Leben.

„Wenn wir es schnell hinter uns bringen, ist er vielleicht noch da.“ Spott, Ironie, Sarkasmus, Hohn, all das tropfte aus seiner Stimme und ließ die Tränen, die aus ihren Augen quollen nur größer werden. Nun wartete Julio auf sie und sie musste sich einem Anderen hingeben. Wie konnte sie ihm das antun?

Seine Verlobte musste das nicht tun.

Erneut vernahm sie seine burschikose Stimme: „Wenn du mir nicht deine Kammer zeigst, dann treiben wir es eben hier unten, mir ist’s gleich.“ Bei diesen Worten zuckte sie zusammen. Alles, nur das nicht, denn käme der Hurenwirt zurück und sähe sie hier unten, so würde er zürnen und wüten und sie vielleicht noch schlagen. Also deutete sie auf ihre Tür und stolperte hinter dem Mann her, als er sie schnellen Schrittes hinter sich her zog.

„Wie ist dein Name?“, fragte sie; die Tränen liefen ihr noch immer über die Wangen. Julio! Ihr war egal, wie der Kerl hieß, sie wollte nur zu ihrem Julio! Nie wieder wollte sie einen anderen Freier als ihn.

„Alejandro Insida.“ Er hatte kein Interesse daran, ob sie seinen Namen kannte, sie hörte das.

Diesem Alejandro Insida wollte sie sich nicht hingeben! Er würde grob sein und von ihr Dinge verlangen, die sie kaum wagte, auszusprechen. Julio hatte nichts von ihr verlangt.

Er war sanft gewesen – zärtlich – als wäre es ihr erstes Mal gewesen.

Dieser Kerl stieß die Tür auf, stieß sie aufs Bett, entledigte sich schon im Stehen seiner Kleidung und machte sich dann an die Ihre.

Ihr unterdrücktes Schluchzen hörte nicht auf und auch ihre Tränen versiegten nicht.

Ihr war, als hätte ihr Leben geendet.
 

Wo blieb sie nur? Wieso war sie nicht schon längst da?

Die Kirchturmuhr schlug die halbe Stunde. Sollte er noch länger bleiben und darauf warten, dass sie nicht kam?

Er saß auf einem Mauervorsprung, die Unterarme auf die Oberschenkel gelegt, die Hände verschränkt, den Rücken tief gebeugt und den Kopf nutzlos zwischen den Schultern hängend. Sie hatte seine Liebe also nicht erwidert? Es war also doch nur die Heuchelei einer Hure gewesen, die sich einen Freier erhalten wollte?

Wahrscheinlich tat sie so etwas öfter. Wahrscheinlich log sie jedem Mann das Blaue vom Himmel, damit er bei ihr blieb – er war sich so sicher gewesen, dass es echt war.

Hätte er doch nur auf Ramón gehört und sich von ihr fern gehalten, so blutete sein Herz nun nicht. Die Kehle schnürte es ihm zusammen und seiner Brust wurde die Luft von schweren Eisenketten abgesprengt.

Sie würde nicht mehr kommen. Mit Sicherheit.

Julio lehnte sich zurück, kramte seine Pfeife aus der Tasche seines Rockes, stopfte sie mit Tabak und entzündete diesen.

Es tat gut. Sehr gut.

Das ihm so vertraute Kratzen im Hals, wenn er daran zog und das leichte Schwindelgefühl, weil er schon so lange nicht mehr geraucht hatte. Er kaute unruhig auf dem Mundstück herum; sonst tat er das nie. Er hatte Carmen vor Augen, wie er sie bei ihrem ersten Zusammentreffen gesehen hatte. Das lockige, braune Haar offen, über ihre Schultern fallend, und das rote Kleid. Obwohl sie weder Reifrock noch Poschen getragen hatte, hatte er ihr gebärfreudiges Becken erkennen können. Ihre kirschroten Lippen flammten in seiner Erinnerung auf und als er an den Moment dachte, in dem sich diese mit seinen trafen, schien sein Mund zu brennen.

Schnell nahm er noch einen Zug von der Pfeife.

Ihre wunderbaren, katzengleichen Augen, umrandet von langen, schwarzen, dichten Wimpern, leuchteten klar in seinen Gedanken und diesen verruchten und gleichzeitig schüchternen Blick darin, der so charakteristisch für Carmen war, würde er wohl nie vergessen. Ebenso wenig wie ihre weichen Rundungen, die außer ihm noch so viele andere Männer kannten.

Er wollte den Kopf in den Nacken legen, stieß ihn sich dabei aber an der Wand, an der er lehnte. Der Schmerz holte ihn zurück in die Gegenwart.

Carmen war nicht gekommen.

Sie liebte ihn nicht; wie sollte es anders sein?

Aber so fiel es ihm wenigstens leichter, Esperanza in die Augen zu sehen.

Er hoffte nur, dass irgendwann dieses Ziehen, das drohte seine Seele zu zerreißen, nachlassen würde, obgleich er wusste, dass es niemals ganz aufhören würde.

Schweren Herzens erhob er sich also und ging mit hängenden Schultern durch die Straßen und Gassen Buenos Aires, bis er an seinem Haus ankam und ein Diener ihm Eintritt gewährte. Er suchte das Zimmer Ramóns auf.
 


 

Es tut mir leid! T^T

Bitte steinigt mich nicht und denkt euch auch keine sonstigen Foltermetoden aus, bei denen ich schmerzhaft mein Leben aushauchen muss T__T

Aber es wäre doch zu einfach und zu kitschig, würde alles auf Anhieb funktionieren, oder?

Ich hoffe auf jeden Fall, dass euch das Kapitel trotzdem gefallen hat und muss mich auch noch einmal bei meinem Beta-chan entschuldigen, dass sie dank mir den tollen Namen Alejandro nicht mehr so sehr mag wie früher uû
 

Wir sehen uns dann hoffentlich spätestens beim nächsten Tanz, lG, Terrormopf^^



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Kommentare zu diesem Kapitel (2)

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Von: abgemeldet
2007-10-02T22:37:07+00:00 03.10.2007 00:37
Hach, es gefällt mir nicht, das zu sagen, aber du hast recht. Und irgendwie bin ich dir dankbar, dass du uns einen Haufen Kitsch erspart hast. XD Den Findling kriegst du aber trotzdem an die Birne, keine Sorge. -__-
Maaann, das ist so fiiiies! Dieser sch*** Alejandro Insida! Der Name passt echt hervorragend. Soweit ich weiß, ist insidiae doch das lateinische Wort für Falle, Hinterhalt, oder? Oder hat das keine Bewandtnis? Der hat den Brief doch garantiert vorher gelesen und dann ewig und drei Tage gewartet. Und die Beschreibung seines Aussehens erinnert mich auch noch an diesen abartigen Kerl, den Lestat mal ausgesaugt hat. Buah... Das war's, Sympathie werd ich wohl NIE für diesen Menschen hegen können... (will ich auch gar net. -__-)
Herrje, ich hab ehrlich keine Vorstellung, wie du das jetzt noch retten willst. Einfach Julios Haus stürmen wird Carmen ja net können und zu ihr zurückkommen wird er auch nicht. Wenn ich das so sehe, dann könnte doch glatt eine feine Herrschaft aus seiner Familie was damit zu tun haben. Und warum zum Henker hat Julio sich Insida ausgesucht?! Kennt er dessen Charakter etwa nicht?
Mannomann, mal sehen, wie das Gespräch mit Ramón verläuft, oder was auch immer das wird. Wenn es überhaupt geschildert wird.
Übrigens hab ich beschlossen, jetzt mit Bodybuilding anzufangen, damit ich dir demnächst einen ganz besonders großen Stein 'entgegen' werfen kann. -__- Und das ist ein gewaltiges Opfer, merk dir das. Immerhin sehen diese Muskelfrauen ziemlich... ähm ja... gut aus?
Ach ja, als dieser erste Mann ins Rosa Cama kam, da stand einmal Brut statt Brust.

Nun gut, lG Pluie
Von:  Allmacht
2007-10-01T19:25:37+00:00 01.10.2007 21:25
Man sollte dich wirklich steinigen. *droh*
Was hast du den beiden damit nur angetan.
Ich hoffe, dass er nun keine Dummheit macht.

lg



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