Erinnerungen: Eine Art der Herausforderung
Hey!
Das Kap ist leider recht kurz geworden, sorry, aber dafür wird das nächste wieder etwas länger, mit Diego und es wird auch nicht allzu lange auf sich warten lassen.
LG
Eure Stoechbiene
9. Zorro Erinnerungen: Eine Art der Herausforderung
Ich muss mich mehr konzentrieren! Dies ist der letzte Kampf am heutigen Tag, der Kampf gegen mich selbst, die drohende Erschöpfung, die Niederlage. Schweiß perlt auf meiner Stirn, rinnt meine Schläfen hinab, meine Augen sind müde, meine Arme schwer wie Blei. Es kostet mich mit jedem Hieb mehr Kraft meine Konzentration nicht zu verlieren, einfach Herr der Lage zu bleiben.
Doch mein Gegner ist nicht zu unterschätzen! Schnell, gewandt, clever. Er ist nicht umsonst mein Meister. Aber dieses Jahr beim Weihnachtsturnier des Dojos muss ich ihn einfach schlagen, das habe ich mir selbst geschworen! Ich bin achtzehn, trainiere täglich mehrere Stunden und ich habe ein festes Ziel vor Augen. Wenn ich es jetzt nicht schaffe ihn zu besiegen, wann dann?
Hart treffen die Bambusschwerter aufeinander, drücke fest dagegen, versuche meinen Gegner in die Knie zu zwingen, doch er hält mit gleicher Kraft dagegen. In diesem Moment gibt es keine Freundschaft, keinen Meister, keinen Schüler, nur der Wille zum Sieg.
Ich verringere den Druck ein wenig, versuche eine Finte, mein Ego platzt sonst. Wissentlich lasse ich mich in die unterwürfige Position lotsen, gaukle eine kurze Schwäche vor, nur um die Überraschtheit meines Kontrahenten zu nutzen, um noch stärker zurückzuschlagen. Unsere Waffen reiben übereinander, ein letztes Aufbäumen, Stille.
Nur mein Puls dröhnt in meinen Ohren. Erst das dumpfe Geräusch als das Shinai meines Gegenübers auf dem Boden landet, holt mich langsam in die Realität zurück. Es passiert mir oft, dass ich beim Kämpfen mit den Gedanken derart abschweife, dass ich nichts weiter als meinen Gegner und seine Waffe wahrnehme, vielleicht noch einen Teil von mir selbst. Die Welt um mich herum wird unwichtig, versinkt hinter einem grauen Schleier des Vergessens. Kämpfen liegt mir nun mal im Blut, bedeutet mir sehr viel, aber eben dann doch nicht alles.
Tief atme ich ein und aus, versuche meinen Herzschlag zu beruhigen, ehe ich meine eigene Waffe senke. Was für ein geiler Tag! Aber die härteste Prüfung liegt erst noch vor mir. Kaum ist ein Kampf vorbei, wartet schon die nächste Herausforderung auf mich. Aber ich muss Stärke beweisen, sonst kann ich diesen Kampf nicht gewinnen.
Noch immer bin ich innerlich aufgewühlt, will mein Puls sich nicht besänftigen und so wie ich mich kenne, wird das auch noch ein Weilchen dauern. Ich ziehe mir mein Bandana vom Kopf und fahre mir damit kurz über das Gesicht, bevor ich es an meinem Oberarm befestige. Es muss eh wieder gewaschen werden.
Ein letztes Mal schimpfe ich mich an diesem Tag einen verrückten Idioten, dann lasse ich mich auf die Knie sinken, lege das Shinai auf den Boden und verneige mich.
„Meister?“ „Alles in Ordnung mit dir, mein Junge?“ In all den Jahren in denen ich ihn nun schon kenne, hat sich Kuina’s Vater kaum verändert. Egal ob er einen Sieg erringt oder eine Niederlage einstecken muss, er lächelt immerzu, sieht stets das positive. Allein diese Tatsache lässt ihn in meinen Augen zu einem wahren Meister werden.
„Mir geht es gut. Danke für den fairen und schönen Kampf.“ „Ich muss dir danken, du bist ein ausgezeichneter Kämpfer geworden, Zorro.“ „Danke, Meister. Aber ich möchte sie um etwas bitten und es ist mir ernst damit. Und glauben sie mir, ich werde dafür kämpfen, egal wie lange und was es mich kosten wird, aber ich gebe nicht auf.“
Er nickt mir zu. „So sprich.“ „Ich möchte sie um die Hand ihrer Tochter Kuina bitten.“ Scheiße bin ich nervös! Bitte jetzt keinen Schweißausbruch oder gar einen roten Kopf bekommen. Ganz ruhig!! Aber das leise Gemurmel der anderen Teilnehmer trägt nicht gerade dazu bei, dass ich mich entspanne.
„Es ist dir also ernst?“ „Ja.“ „Du weißt, dass du dann für sie verantwortlich bist, sie versorgen und beschützen musst?“ „Ja.“ „Gut. Aber meinst du nicht, du solltest besser sie fragen?“ Ich nicke und sehe auf. Aber ich komme gar nicht dazu ein Wort zu sagen, denn im selben Moment fällt mir meine Freundin auch schon um den Hals.
„Kuina, willst du –“ Nie schmeckte ein Kuss von ihr süßer als in diesem Moment, zeigte sie mir so sehr ihre Zuneigung und Liebe. Ich bin der glücklichste Mensch auf Erden! „Ja…natürlich…!“ Fest drücke ich ihre zierliche Gestalt an mich, will sie nie wieder loslassen.
So fühlt sich also das pure Glück an, wie es durch meine Adern pulsiert, mich regelrecht schweben lässt. Seit Tagen war mir flau im Magen, allein wegen dieser winzigen, aber dennoch so bedeutenden Frage. Doch meine Ängste, sie würde ablehnen oder ihr Vater mich rauswerfen, waren unbegründet. Wir werden heiraten! Und ich verspreche, ich werde immer für sie da sein.
Bienchens kleine Cocktailrunde:
Christmas Cocktail Heavenly Days
1 Zuckerwürfel 4cl Haselnußsirup
1 Spritzer Brandy 4cl Zitronensaft
2 Spritzer Cranberrysaft 1Tl Grenadine
Champagner Mineralwasser
Himbeeren zur Deko