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Brennendes Wasser

Engel der vergessenen Zeit
von

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Engel der vergessenen Zeit - 19

Er betrachtete die Situation entspannt und gelassen, ganz so, als wäre er nichts weiter als ein Außenstehender, dem eine Geschichte erzählt wurde. Eine wundersame Geschichte zwar, dennoch ohne Bedeutung. Ihm war es gleich, wie lang der Kampf noch andauern würde, letztendlich war er seinem Ziel noch nie näher gewesen. Seine uralte Magie sollte endlich wieder ihm gehören, noch dazu verlor er einen gefährlichen Feind. Letzten Endes hatte sich das Ganze doch zu seiner Zufriedenheit entwickelt.

Xilias Eingreifen war unerwartet gewesen, unvorhersehbar wie ein Sturm im Frühjahr. Doch auch sie war nicht in der Lage ihm die Stirn zu bieten, war ihm bei weitem nicht ebenbürtig. Eine Göttin zwar, in all ihrem Glanz erstrahlend, doch letztendlich machtlos. Nicht ohne Grund war ihr Volk vernichtet worden, immer und immer wieder dachte er mit Genugtuung daran. Die Erniedrigung seiner Feinde machte ihm Mut und gab ihm Kraft, und in diesem Augenblick durchflutete ihn nahezu grenzenlose Macht, die nur durch Lydias Tod noch gesteigert werden konnte. Denn dann würde sie endlich wieder ihm gehören, eine unbeschreibliche Magie, nach der er schon viel zu lange die Finger ausstreckte.

Nichts konnte ihn jetzt noch aufhalten, bestialisch lachend betrachtete er die am Boden liegende Wächterin, die kraftlos gegen die Bewusstlosigkeit ankämpfte. Ein Anblick, den er niemals aus seinem Gedächtnis würde löschen wollen.

Xilias Lichtnetz war ebenso lächerlich. Unwirksam. Es konnte ihn weder aufhalten noch vernichten, da die Göttin jedoch ihre gesamte Macht benötigte um es aufrecht zu erhalten, hatte er nicht viel von ihr zu erwarten. Sie konnten noch so viel kämpfen. Es war vorbei. Er wusste es, und sie sicher auch. Es war nur noch eine Frage der Zeit – und er hatte alle Zeit der Welt.
 

Lydia war verkrampft, litt Höllenqualen, schrie innerlich vor Schmerzen, die sie nie gekannt hatte. Sie wollte ankämpfen gegen die Tränen, doch dazu blieb keine Kraft. Sie konnte kaum atmen, dennoch gelang es ihr irgendwie bei Bewusstsein zu bleiben.

Sie war eine Wächterin. So hart es auch war, sie musste tun, was sie schon immer gewusst hatte. Das Gelübde war bindend, duldete kein Zögern. Die Heilige Flamme musste weiter brennen, Lenya hatte alles dafür getan um ihr, die sie die Magie nun schon wesentlich länger kontrollierte, schließlich die eine Möglichkeit, die eine Chance zu geben, die alles entscheiden sollte.

Sie durfte Lenyas Willen nicht verachten, ihr Tod war ein Teil ihres Kampfes gewesen. Noch hatte sie ihn nicht verloren. Und auch wenn Lydia sich im Moment nichts sehnlicher wünschte als ihrer Schwester zu folgen, sie wusste, dass es nicht sein durfte.

Sie biss sich auf die Zunge, richtete sich mühsam auf. Ihre Beine wollten sie kaum tragen, doch Lydia brach nicht zusammen. Noch immer liefen die Tränen über ihre blutverschmierten Wangen, das Wasser auf ihrer Haut schien zu brennen.

Warum nur war sie so schwach? Jeder Tropfen ihres Seins schien ihr Bewusstsein zu verlassen.

Nur ein einziger Gedanke hielt die erschöpfte Frau auf den Beinen, magische Flammen, die Lydia tief in ihrem Herzen hütete. Ihr Blick war ausdruckslos, ihr Körper blass wie an einem trüben Wintermorgen. Ein tiefer Wille gab ihrem leeren Anblick einen Hauch von Leben, sie war wie in Trance, geführt von einem inneren Feuer, das im blauen Licht erblasste.

Es gab nur einen einzigen Versuch.

Die Heilige Flamme musste brennen. Sie durfte nicht erlöschen.

Alles hing nur von ihr ab.

Es kam nun darauf an, wie viel Kraft wirklich in Lydia steckte.

Sie fühlte sich schwach. Über den Tod erhaben war jemand, der keine Gefühle zuließ. Keine Angst, keinen Schmerz, keine Liebe. Jemand, der gleichgültig in der Welt wandelte, weit ab von allem, das das Herz berühren konnte. Kälter als der schwärzeste Schatten. Dunkler als die eisigste Nacht.

Ihre Aufgabe verlangte es, doch Lydia konnte es nicht. Sie hatte geglaubt, die Macht des Feuers gäbe Sicherheit, Schutz gegen die Kälte. Sie hatte es geglaubt, einst, vor langer Zeit.

Nichts hatte davon noch Bedeutung, nichts war ihr geblieben.

Nichts, bis auf ein Versprechen, dass sie einst gegeben hatte; die Heilige Flamme zu schützen und notfalls dafür zu sterben. Erneut wurden Zweifel in ihr laut, Zweifel, die sie nicht hegen durfte, es aber dennoch tat. Mit welchem Recht konnte ein Gott seine treuen Diener zum Tode verurteilen? Wer war er, der sie fesselte und sie zwang ihr eigenes Leben zu vergessen? Warum ließ er zu, dass jene, die am härtesten kämpften, dafür noch gestraft wurden?

Hatte der Teufel nicht doch Recht? Recht damit ihn zu verfluchen?

Es war egal.

Es war nicht mehr wichtig.

Es gab nur noch eine Sache, die Lydia tun musste und sei es, dass sie dabei zu Grunde ging. Eine einzige Aufgabe, die sie dazu brachte, aufzustehen und zu kämpfen. Sich ihrem Feind entgegen zu stellen, mit all der Macht, die sie aufbringen konnte.

Doch es war nicht das Gelübde, für das sie kämpfte.

Es war Lenya.



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Kommentare zu diesem Kapitel (2)

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Von: abgemeldet
2008-03-23T22:17:24+00:00 23.03.2008 23:17
ich find das auch schade, dass es zuende geht ^^° aber ein bisschen bleibt uns die story noch ein wenig.. *schwärm* ich find es einfach super!
Von:  Melodya
2008-01-07T22:11:40+00:00 07.01.2008 23:11
war wieder voll spannend... schade, dass es bald zu Ende geht...*heul*... freu mich schon aufs nächste^^...

grüssle
angel


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