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Brennendes Wasser

Engel der vergessenen Zeit
von

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Engel der vergessenen Zeit - 14

„Nein!“, schrie Lydia auf, „lass meine Schwester daraus!“ Wie schon einmal stand sie zitternd vor ihm und flehte um Erbarmen für Lenya. „Das ist eine Sache zwischen dir und mir, sie hat nicht das Geringste damit zu tun!“

Hohl und kalt war das Lachen, das er ihr zur Antwort gab. „Liebste Lydia“, zischte er ohne Xilia aus den Augen zu lassen, „Sie hat sehr wohl etwas damit zu tun, sieh sie dir doch an! Weite starke Flügel“, er zog an den zarten Federn, wie um seine Aussage zu untermauern, „die kraftlos zu Boden hängen, liebliche Hände, denen das Feuer nichts anhaben kann.“

Genüsslich zählte er auf, was Lenya von gewöhnlichen Menschen unterschied. „Einst war dies eine Sache zwischen dir und mir, doch dann hast du deine Schwester zur Wächterin gemacht!“

Schlagartig wurde Lydia bewusst, dass er Recht hatte. Es war allein ihre Schuld, dass Lenya heute hier war. Fassungslos starrte sie ihn an, wagte es aber nicht, den Blick auf ihre Schwester zu richten.

„Lydia, hör nicht auf ihn“, war die sanfte Stimme der Gefangenen zu hören, weder verängstigt noch vorwurfsvoll, sondern eine geheimnisvolle Leere überdeckend, die sie selbst nicht von sich kannte.

Lydia wusste nicht, ob sie nun darauf hören sollte oder nicht, für sie stand fest, dass sie etwas tun musste um die Situation unter Kontrolle zu bekommen. Verbittert und entschlossen trat sie auf den Mann zu. Die Verletzungen und die Erschöpfung, die sie so außer Gefecht gesetzt hatten, waren nun, da sie erneut vom verzauberten Wasser umgeben war, gemildert, so dass sie nicht länger beeinträchtigt war.

„Du wirst es noch bereuen, dass du jemals in unser Leben getreten bist!“, drohte sie vor Wut zitternd und fest entschlossen.

Sie hielt die Hände zusammen, konzentrierte sich und rief die Magie, die sie bewahrte. Die Flammen erwachten in ihrem Körper, ließen große Flügel auf ihrem Rücken wachsen. Nun war auch der zweite Engel zu neuem Leben erwacht, angefacht von dem Zorn, der tief in ihr geschlummert hatte, trat sie dem alten Feind nun entgegen.

„Wunderbar“, sagte er vergnüglich und lächelte böse, „Nun habe ich die zwei Wesen, die mich damals bestohlen haben, bei mir. Und niemand, auch du nicht, Nixe!“, herablassend sah er sie an, „Niemand wird euch helfen!“

Viel zu lange schon hatte er auf diesen Moment warten müssen, die Ewigkeit, die Xilia in der verhassten Amphore verbracht hatte, war nur ein kurzer Augenblick im Vergleich zu der Zeit, die er schon auf seine Rache wartete.

Damals, als er das Paradies verlassen musste, damals als sie ihm den Großteil seiner Macht genommen und ihn entwürdigt zurückgelassen hatten. Es war gerade zu lächerlich, was sie ihm gelassen hatten, die gesamte Welt hatte ihm zu Füßen gelegen, bis die zwei Kriegerinnen im Auftrag ihres Gottes kamen um ihn auf den rechten Weg zurückzubringen.

Natürlich hatte er abgelehnt, er verhandelte nicht mit Frauen, und mit Gottes Dienerinnen schon gar nicht.

Diesen Gott, der alles für sich beanspruchen wollte, der alles dafür tat, damit seine Position nicht ins Wanken geriet, er hasste ihn wie die Pest. Verbannt hatte er ihn, verbannt aus einem einzigen Grund heraus: Er fürchtete ihn. Fürchtete ihn, so wie all die anderen ihn fürchteten.

Er nahm ihm seine Macht und teilte sie zwischen seinen treusten und liebsten Engeln auf, auf dass durch sie niemals wieder Schaden entstehen sollte.

Viele Jahrtausende war dies nun her, kein Mensch erinnerte sich dieser Zeit, doch in seinem schwarzen Herzen loderte das Feuer des Hasses noch wie eh und je.

Lange hatte er nach ihnen gesucht, das Geheimnis der Wiedergeburt war schnell gelöst. Fieberhaft suchte er nach den Wächterinnen, Jahr um Jahr, doch stets wussten sie sich vor ihm zu verbergen.

Er richtete seine gesamte Aufmerksamkeit auf die Suche, fahndete überall, Späher, Kobolde, Vögel hatte er ausgeschickt, sogar den Wind fragte er. Eine Antwort bekam er dennoch nicht.

In all der Zeit stifteten seine Untertanen Unheil, töteten, zerstörten. Seine schiere Anwesenheit erweckte in den Menschen eine tiefe Angst, schüchterte sie ein. Keiner wusste, wie viel Macht er damals wirklich eingebüßt hatte, sorgsam war er darauf Bedacht gewesen, die Wahrheit zu verbergen.

Viele Jahre war er damit erfolgreich gewesen, doch dann kam sie.

Das Wasser hatte er immer verabscheut, und als das Wasserreich Jaribya immer höher aufstieg, spürte er, dass es an der Zeit war zu handeln.

Er unterwarf Jaribya und all seine Bewohner problemlos, die Nixen waren ein friedlebendes Volk gewesen und daher keine echte Gefahr. Sie leisteten nur kurzen Widerstand, ohne jemals wirklich eine Chance gehabt zu haben.

Jaribya wurde dem Erdboden gleichgemacht, das Wasserreich teilte das Schicksal vieler Völker, die vor langer Zeit die Erde bewohnten.

Auch der Hass und das sofortige Eingreifen der Schutzgöttin Xilia hatte dies nicht verhindern können, sie war ein schwerer Gegner gewesen, der sein Geheimnis sofort durchschaut hatte, dennoch war es ihr letztlich nicht gelungen, irgendetwas zu verhindern. Es hatte all sein Können erfordert, Xilia in die Amphore zu sperren, doch er hatte sie besiegt.

Und dann, als er die Hoffnung schon fast aufgegeben hatte, seine teuflische Macht je wiederzuerlangen, hatte er schließlich den Hinweis bekommen, der alles änderte.

Es war ein Kobold gewesen, der es erfahren hatte. Erfahren, dass eine der Wächterinnen in einem kleinen Mädchen wiedergeboren worden war, wie sie hieß und wo sie lebte.

Ohne zu zögern war er aufgebrochen, das Mädchen in die Finger zu bekommen solange sie sich der Magie und ihrer Aufgabe noch nicht vollständig bewusst war.

Mit Leichtigkeit spürte er die Eltern des Kindes auf, sie waren schnell bekehrt, das Mädchen selbst jedoch nicht so einfach. Mit einem kindlichen Trotz hielt sie an ihrer Schwester fest, wollte unbedingt bei ihr bleiben.

Ein Problem, dass er später zu beheben gedachte, alles was zählte, war das Mädchen. So zahlte er für Beide, einen hohen Preis zwar, doch um Geld ging es ihm nicht. Das war unwichtig. Er hatte sie, musste nicht mehr tun, als ihren Willen zu brechen und die uralte Magie würde wieder durch seinen Körper fließen.

Doch sie floh und machte dadurch alle Bemühungen auf einen Schlag wieder zunichte. Niemals hätte er erwartet, dass der Engel so früh erwachen konnte, doch dadurch hatte sie alles nur hinausgezögert.

Letztendlich hatte sich Lydias Flucht als das Beste herausgestellt, das ihm je hatte passieren können. Sie hatte Lenya zur zweiten Wächterin gemacht, dadurch vereinfachte sich die Suche enorm. Hatte er eine, hatte er sogleich beide.

Und nun, da es endlich soweit war, würde ihn niemand aufhalten können, weder die zwei schwächlichen Wächterinnen noch die aufbrausende Göttin Xilia.



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Kommentare zu diesem Kapitel (2)

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Von: abgemeldet
2007-10-31T11:07:01+00:00 31.10.2007 12:07
Ich mag das, total.. „Liebste Lydia“, total geil!
Von:  Melodya
2007-10-14T09:41:04+00:00 14.10.2007 11:41
hey cool... auch, wenn es net grad lang war...aber keine sorge ich liebe diese FF.. achja ich bin auch etwas altmodisch ich schreib auch erst auf einen block und dann auf PC..^^.. da haben wir was gemeinsam..XD...
ich freu mich schon auf montag... auf das nächste kapitel^^...

grüssle
angel




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