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Brennendes Wasser

Engel der vergessenen Zeit
von

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Engel der vergessenen Zeit - 4

In dem Turmzimmer war eine merkwürdige Kraft am Werk. Sie schläferte Lydia ein, zumindest glaubte sie es. Doch ob es nun wirklich eine Magie war oder ob ihre Verletzungen ihr die Kraft raubten, vermochte sie nicht zu entscheiden. Wenn sie doch nur wüsste, dass es Lenya gut ginge. Wüsste sie, dass Lenya in Sicherheit wäre, alles wäre soviel einfacher. Dem Gelübde folgend, würde sie sich das Leben nehmen und ihre Macht damit auf ihre Schwester übertragen. Doch es war zu riskant.

Lydia wusste, dass sie kämpfen musste. Antreten gegen eine Kreatur, die vor Jahrtausenden versiegelt worden war. Eine Kreatur mit entsetzlicher Macht. Doch gleichzeitig wusste sie auch, dass sie sich nicht widersetzen durfte, sich nicht widersetzen konnte.

Mühsam richtete sie sich, gegen die einschläfernde Benommenheit ankämpfend, auf, unterdrückte den erneut aufflammenden Schmerz und sah sich die Amphore genauer an.

Das Leuchten des Wassers ließ ihr keine Ruhe. Eine tiefe Stille ging von diesem Wasser aus, gleichzeitig brodelte es, als würde eine enorme Hitze darunter verborgen werden. Einer inneren Stimme folgend, hielt Lydia ihre Hand in die Amphore und durchbrach damit die Wasseroberfläche. Sofort spürte sie einen Brennen auf der Haut, das an ihr zog, sie nicht loszulassen schien. Lydia wankte, fiel jedoch nicht hin. Sie war gefangen, konnte sich nicht wehren. Die Macht zog an ihr, zog mit einem festen Griff. Was sie auch versuchte, mit ihrem geschwächten Körper fand Lydia keinen Halt. Sie spürte wie ihre Füße vom Boden abhoben und ihr Gesicht der Wasseroberfläche gefährlich nahe kam. Einen erstickenden Schrei unterdrückend, gab das Mädchen nach und fiel durch das Wasser der Amphore in die Tiefe.
 

Das Knacken einiger Zweige ließ sie herumfahren. Bis hierher war sie gekommen. Unentdeckt. Doch nun spürte Lenya, dass sie hinter ihr waren. Sie waren ihr also tatsächlich auf die Spur gekommen, waren ihr tatsächlich gefolgt.

Geschickt verschwand sie hinter einem großen Baum und kletterte an ihm herauf. Der Aufstieg bereitete ihr keine Mühe, leicht wie eine Feder zog sie sich an den Ästen hoch und erreichte schließlich die Baumkrone. Dort blieb sie ruhig sitzen und beobachtete ihre Verfolger. Ganz offensichtlich hatten sie sie nicht gesehen, sie trampelten unbeholfen zwischen den Bäumen umher, schienen etwas zu suchen und doch kein Ziel zu haben.

Lenya hätte gerne laut losgelacht, wäre ihre Situation nur etwas fröhlicher gewesen. Doch sie musste bereit sein. Jeder Zeit bereit dafür, Lydias Kräfte in Empfang zu nehmen, wenn diese die Welt der Lebenden verließ. So wollte es das Gelübde.

Den zarten Duft der Blätter einatmend, richtete Lenya sich auf und balancierte über die Äste noch weiter in die Spitze des Baumes. Ihre Verfolger waren nirgends zu sehen, scheinbar waren sie weitergegangen. Dies war der Moment auf den sie gewartet hatte. Sie faltete die Hände vor der Brust, senkte den Kopf, wie um zu beten und löste dann die Finger langsam von einander. In ihren Handflächen spürte sie die Macht, die sie soeben gerufen hatte, die geheime Macht, die Lydia und sie bewachten.

Feuerkugeln lagen nun in ihren Händen, Feuerkugel von entsetzlicher Macht. Feuerkugeln, die Lenya nicht verletzen und dennoch großen Schaden anrichten konnten. Die Wächterin fürchtete diese Kraft nicht, sie konnte sie kontrollieren, seit sie ein kleines Mädchen war. Und nun sollte sie ihr die Flucht ermöglichen. Die Flucht vor den Dienern des Teufels.

Lenya konzentrierte sich auf die Kugeln. Sie konnte sie frei nach ihrem Willen formen und einsetzen. Die Zeit war gekommen, da sie die wahre Gestalt ihrer Meisterin offenbaren mussten, die lange im Verborgenen gelebt und gewirkt hatte.

Das Feuer in ihren Händen erlosch, wurde zu reiner Energie und durchfloss Lenyas Körper. Sie hatte die Augen geschlossen, als die Magie ihr die Maske nahm und der Engel in ihr von neuem erwachte. Als sie die Augen wieder öffnete, breitete sie ihre weißen schimmernden Flügel aus, flog in den Himmel und ihren Verfolgern davon.



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Kommentare zu diesem Kapitel (2)

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Von: abgemeldet
2007-06-18T11:02:51+00:00 18.06.2007 13:02
Ich stimme Angel_Eyes zu, dass ist bist jetzt und hierhin wirklich das schönste und interessanteste der bisherigen Kapitel.
Die Beschreibung des Baums auf den Lenya klettert ist wirklich sehr in Ordnung.
Allerdings sind mir in diesem Kapitel zwei Sätze aufgefallen, die ich sehr merkwürdig finde. Zumindest den einen. Bei Gelegenheit kannst du ihn mir ja erklären: "Einen erstickenden Schrei unterdrückend.." Verrat mir mal bitte, wie man einen erstickenden Schrei, der eigentlich keiner ist, unterdrücken kann?! Ich werd daraus nicht schlau.
Und wenn du Flügen beschreiben willst, was du auch sehr Gefühlsvoll und sehr beeindruckend gemacht hast, dann entscheide dich bitte für etwas, aber mach es dann nicht falsch. ^^°
Du schreibst: "Als sie die Augen wieder öffnete, breitete sie ihre weißen schimmernden Flügel aus, flog in den Himmel und ihren Verfolgern davon." - Wenn du willst, das die Flügel weiß schimmern, dann schreib auch weiß, wenn du willst das sie weiß sind und schimmern, dann mach bitte ein Komma dazwischen xD ~ Ich liebe dich!
Von:  Melodya
2007-04-04T20:30:39+00:00 04.04.2007 22:30
so geil..*schwärm*.. jetzt mal ohne witz, ich fand das kapitel bisher echt das beste...
du musst mir unbedingt sagen, wenn es weitergeht.. ich platze vor Neugier...

grüssle
angel


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