Frankreich
Vor langer, langer Zeit, als Gott noch allmächtig war, und die Pilger der ganzen Welt in Jerusalem Einzug hielten, lebte ein Mann namens Ruffy in Frankreich, dem Land der Krieger. Er war ein einfacher Schmied, wusste jedoch meisterlich mit dem Schwert umzugehen. Er hatte Weib und Kind. Sein kleiner Sohn starb, als er gerade einmal 4 Monate alt war. Seine Frau war von Kummer überwältigt und nahm sich das Leben. Nun war er wieder allein .... in der kalten Winternacht ...
Gurian nickte und trieb sein Pferd an, schneller zu reiten. Schließlich stoppte er es, indem er die Zügel herumriss. „Ihr da, macht den Weg frei.“ Seine Stimme war ein wenig höher als gewöhnlich bei einem Mann, da er gerade einmal 15 Jahre war. Der Priester vor ihm nickte bedächtig und zog den kleinen Karren bei Seite. Auf dem Boden unweit von ihm lag eine tote Frau, in hellblaues, schmutziges Tuch gehüllt. Zwei weitere Männer waren gerade damit beschäftigt, ein Loch auszuheben, welches wohl als Grab dienen würde. 10 Reiter konnte man in der Ferne erkennen. Sie kamen schnell näher und ritten wortlos an dem Priester, dessen Name übrigens Palro war, vorbei. Die weißen Kreuze auf ihren Umhängen bewiesen, dass sie Kreuzritter waren. Doch was wollten sie in dem kleinen Dorf hinter dem Hügel? Palro schickte sich an, ihnen zu folgen, blieb dann jedoch stehen. Er sah über seine Schulter auf die beiden Männer, die gerade mit dem Grab fertig waren. Er bückte sich noch einmal über die blasse Frau. Der Wind hatte das Tuch von ihrem Gesicht geweht. Palros Augen glitten über ihre Augen, die Nase und blieben schließlich an einem kleinen goldenen Kreuz, welches sich an ihrem Hals befand, hängen. Er sah sich noch einmal um und riss es ihr dann vom Hals. Er stand auf und sah die zwei Männer an. „Köpft sie ...“, sagte er schlicht. Die Männer sahen Palro verwirrt und ein wenig entsetzt an. „Sie war eine Selbstmörderin ... köpft sie!“, sagte er nun energischer, drehte sich um und folgte den Rittern. Langsam hob der eine Mann seine Axt und ließ sie auf die Frau niedersausen.
Ruffy schlug auf das glühende Eisen vor sich ein, Funken stoben und das Hämmern der Schmiedewerkzeuge erklang dumpf. Von weitem hörte man das Trappeln unzähliger Pferdefüße. Er hob den Kopf und sah den Kreuzrittern entgegen, die nun von seiner spärlichen Hütte hielten. „Unsere Pferde müssen beschlagen werden. Und wir brauchen Proviant. Wir bezahlen auch“, sagte ein Hochgewachsener Mann Mitte 40. Offenbar war er der Anführer. Ruffy nickte nur leicht und schlug weiterhin auf das Stück Eisen vor sich ein.
Ekera lehnte sein Schwert gegen einen Pfosten und sah auf die kleine Hütte, welche sich nur wenige Schritte unter der Schmiede befand. „Der Mann ist der, den ihr sucht, Herr“, sagte ein, ebenfalls Großgewachsener Mann mit kurzem, blonden Haar und trat neben ihn. „Hältst du immer noch an dem Ratschlag fest, den du mir gegeben hast, Romos?“, wollte Ekera und sah ihn an. „Ja Herr, das tue ich. Doch solltet ihr bedenken, dass die Beerdigung, die wie vorhin gesehen haben, seine Frau galt.“ Ekera nickte.
Ruffy nahm ein Brandeisen und beseitigte den überflüssigen Knorpel an dem Huf eines Pferdes. Kauend fragte ihn ein Mann, mit langem, blonden Haar: “Was heißt das dort?“ Ruffy sah in die Richtung, in die der Mann mit seinem Finger wies. Verschlungene Zeichen waren in einen Holzbalken geschnitzt worden. „Was für ein Mann ist ein Mann, der nicht die Welt verbessert“, antwortete er schlicht und wand sich wieder seinen Arbeiten zu. Ekera kam und verlangte: „Lasst mich mit diesem Mann allein.“ Als alle die Schmiede verlassen haben, ging er auf Ruffy zu, der weiterhin unberührt auf das glimmende Hufeisen vor sich einschlug. „Ich ...kannte deine Mutter“, fing Ekera an und beobachtete Ruffy, „Ich müsste noch erwähnen, dass es gegen ihre Einwände war .... doch ich habe sie nicht gezwungen.“ Er schwieg kurz und sah Ruffy an, der nun den Kopf hob aber ebenfalls wortlos blieb. „Ich ... bin dein Vater, Ruffy.“ Ruffy starrte einige Zeit auf den Boden, bevor er wieder auf das Hufeisen eindrosch. „Ich bin auf dem Weg nach Jerusalem. Dort habe ich 100 Mann unter Waffen. Du könntest mit mir gehen. Du bekommst Gehalt, Verpflegung und meinen Dank. Dies kann ich dir anbieten.“ „Meine Heimat ist hier ...“ „Das, was es zu deiner Heimat gemacht hat, ist nun tot.“ Ruffy schüttelte nur stumm den Kopf und ging.
Romos saß als letzter auf sein Pferd auf. Er sah noch einmal zu Ruffy zurück. „Wir werden in 3 Tagen am Hafen sein. Wir nehmen die südliche Route über den Bergpass“ , sagte er, wendete sein Pferd und ritt davon.
Später, es war bereits stockdunkel, eilte Palro zur Schmiede, in der Ruffy immer noch beschäftigt war. Er blieb neben ihm stehen und sah auf das glühende Eisenstück in seinen Händen. Offenbar sollte es einmal ein Schwert werden. „Du hättest mit ihnen gehen sollen, Ruffy.“ Der Schmied antwortete nicht, sondern drosch weiter auf das Eisen ein. „Man sagt, Jerusalem sei die Stadt Gottes, dort wirst du von allen Sünden befreit werden!“, beharrte der Priester weiter, „Und niemand brauch mehr diese Stadt, als du, Ruffy! Was hält dich noch hier? Du bist von Gott verlassen, geh hinfort nach Jerusalem. Vielleicht macht dies das Los deine Frau in der Hölle erträglicher.“ Ruffy sah kurz auf. Seine Augen glänzten vor Schmerz. Dann wendete er sich jedoch wieder seiner Arbeit zu. Palro überlegte kurz, bevor er näher an Ruffy herantrat. „Ich frage mich nur, was sie dort ohne Kopf macht.“ Ruffy hielt inne und starrte den Priester an. Seine Augen glitten über den Hals des noch recht jungen Mannes und blieben an dem kleinen, goldenen Kreuz hängen. Das Kreuz ... hatte er es nicht seiner Frau geschmiedet, und es ihr zur Hochzeit geschenkt? Wütend riss er das noch nicht fertige Schwert herum und rammte es in den Magen des Priesters. Dieser schrie auf und fiel in das Feuer, welches man dazu benutzte, das Eisen zu erhitzen. Voller Zorn beugte sich Ruffy über ihn und riss ihm die Kette mit dem Kreuz von dem Hals. Sich windend richtete sich Palro auf und taumelte brennend weiter. Flamen loderten aus seiner Priesterkutte und steckten bald alles andere in Brand. Ein letzter verzweifelter Schritt, dann fiel er zu Boden und stand nicht mehr auf. Ruffy drückte das Kreuz an seine Brust und rannte aus der Schmiede.
Das heilige Land
Blinzelnd öffnete Ruffy die Augen, schloss sie jedoch sogleich wieder. Grelle Sonnenstrahlen bahnten sich ihren Weg zur Erde hinab. Leise hörte er das Meer rauschen. Abermals unternahm Ruffy den Versuch, die Augen zu öffnen, die sich nur langsam an das helle Licht gewöhnten. Schließlich rappelt er sich taumelnd auf und sah sich um. Das Schiff, auf welchem er sich noch vor einiger Zeit befunden hatte, war zerstört. Überall lagen Schiffsteile umher, Leichen wurden an das sandige Ufer von Israel geschwemmt. Offenbar hatte Ruffy als einziger überlebt. Er nahm seine wenigen Habseligkeiten, unter anderem sein Schwert und einen kleinen Rucksack mit Kleidung. Die Bilder des vergangenen Tages schossen ihm wieder durch den Kopf. Sein Vater war in Messina an einem Fieber gestorben ... Kurz zuvor hatte er ihn noch zum Ritter ernannt ... und Baron von Iblin ... Nun war es an seiner Aufgabe, den König von Jerusalem die Treue zu schwören und das Volk zu beschützen. Mit dem Schwert seines Vaters in der Hand stieg Ruffy über ein paar Leichen, welche am Boden lagen. Ein wild schnaubendes Wiehern drang in sein Ohr. Langsam hob er den Kopf und sah ein schneeweißes Pferd, welches versuchte, sich von Tauen zu befreien. Ruffy ging auf es zu und half ihm dabei. Das Pferd stob davon, ohne dass er es hätte einfangen können. Tief niedergeschlagen nahm er wieder seine Habseligkeiten und machte sich auf den Weg in die Wüste.
Ruffy fiel zu Boden und ließ die Hand in das kühle Nass einer kleinen Pfütze gleiten. Er spürte das Wasser wohltuend auf seiner Haut. Es war also doch keine Fata Morgana. Schnell senkt er den Kopf und trank gierig das kühle Nass. Ein leises Schnauben war zu vernehmen, dann senkte das weiße Pferd den Kopf und trank ebenfalls. Ruffy sah leicht auf, sprang dann empor und packte die Zügel. Das Tier scheute kurz, blieb dann jedoch ruhig. Erleichtert schwang sich Ruffy empor und ritt mit ihm davon.
Schneller als ein Pfeil ritt der junge Sarazene durch die Wüste, ein weiterer folgte ihm. Schließlich bremste der erste ab. Das pechschwarze Pferd, auf dem er saß, hatte weder Sattel noch Zügel, gehorchte seinem Herren jedoch sofort. Stolz hob es den Kopf und schnaubte kurz. Der Mann ließ seinen Blick über die Sanddünen schweifen, während ein weiterer neben ihm anhielt. Er war prächtiger gekleidet, als der auf dem schwarzen Pferd, in goldene Seidentücher. Der andere war offenbar sein Diener, nur in schlichtes Weiß und Grau gehüllt. Beide waren verschleiert, nur die Augen konnte man erkennen. Der Diener wies mit dem Finger auf eine einzelne, grüne Palme, die in der Einöde der Wüste grotesk aussah. In ihrem Schatten befand sich ein weißes Pferd und sein ziemlich mitgenommen aussehender Reiter. Der junge Sarazene presste die Beine an die Flanke des schwarzen Tieres und ritt auf ihn zu. „Er sagt, das Pferd dort, gehört ihm“, sagte er mit tiefer, männlicher Stimme, die einen Hauch Akzent besaß und deutete auf den Mann in den schillernden Gewändern hinter sich. „Und warum?“, fragt sein gegenüber schlicht. Er besaß schwarzes Haar und trug lumpige, verdreckte Kleidung. „Weil es auf seinem Land steht. Er sagt, er will mit euch um das Pferd kämpfen.“ „Mir ist nicht nach einem Kampf.“ „Dann müsst ihr ihm das Pferd überlassen.“ Ruffy schüttelte den Kopf und zog sein Schwert. „Nein.“ In wildem Galopp ritt der Sarazene auf ihn zu, einen Speer in der Hand. Zischen warf er das Geschoss, welches an der Schwertklinge abprallte und zu Boden fiel. Nun zog er einen langen Säbel, sprang behänd von seinem Reittier und griff Ruffy an. Dieser parierte die Schwertstreiche gekonnt. „Al Tahal! Al Tahal!“, rief der junge Mann auf dem schwarzen Hengst immer wieder, während sein Tier sich im Kreis drehte. Schließlich holte Ruffy zum alles vernichtenden Schlag aus und zerschnitt seinem Gegner die Kehle. Blut spritzte aus der riesigen Wunde. Tot fiel der Mann zu Boden. Der andere Sarazene biss die Zähne zusammen und stieg von seinem Pferd. Ruffy hob den Kopf. „Ihr müsst das zu Ende führen, was ihr angefangen habt“, sagte der Sarazene nur und hob den Kopf, um seine Kehle zu entblößen. Ruffy hob das Schwert, nichts ahnend, dass sein Gegenüber bereits die Hand in seinem Mantel hatte, den Griff eines Schwertes umklammernd. Kopfschüttelnd senkte Ruffy wieder das Schwert. „Bring mich nach Jerusalem ...“
Vor den Stadttoren Jerusalems hielt Ruffy an. „Ich bin dir zu Dank verpflichtet ... Nun kannst du gehen.“ Fragend hob der Sarazene seine Augenbraue, was man jedoch unter dem Schleier nicht erkennen konnte. Seine Augen waren von einem satten azurblau. Goldene Pünktchen waren darin enthalten. Der Rest seines Körpers war verschleiert, man konnte nur ahnen, dass er groß und stark war. „Gehen? Aber ich bin euer Sklave ... euer Gefangener, da ihr meinen Herren getötet habt.“ Ruffy schüttelte den Kopf. „Nein ... ich war selbst mal ein Sklave ... oder kam dem sehr nahe. Ich werde nie einen Sklaven besitzen, noch jemanden solch ein Leid zufügen. Geht.“ Der Gegenüber nickte und wendete sein stolzes Pferd. „Eure Güte wird unter euren Feinden bekannt sein, noch bevor ihr sie treffen werdet“, waren seine letzten Worte, bevor er im wildem Galopp in die Wüste ritt.
Lorenor Zorro al Chirat
Der Wüstensand unter den Hufen seines Pferdes stob auf, als der Sarazene durch die Einöde ritt, immer weiter, über Dünen und Geröllfelder, vorbei an Oasen und Karawanen, ohne ihnen auch nur einen Blick zu würdigen. Das Pferd hielt mühelos sein Tempo, verspürte nicht einmal einen kleinen Durst in sich aufkeimen. Es war ein Pferd der Wüste und nur sein Besitzer konnte es reiten. Es sprang behänd über eine umgestürzte, verdorrte Palme und hielt schließlich, auf Druck seines Heeren, an. Der Sarazene sah nach links und rechts, bevor er sein Reittier Weitertrieb, welches nun in einen leichten Trab fiel. Es ritt die Sanddüne empor und blieb dort stehen. Ein leichtes Lächeln huschte über das, unter dem Schleier verborgene Gesicht des Sarazenen. Vor ihm erstreckte sich ein riesiges Lager. Zelte standen in Reih und Glied, davor waren Kamele und Pferde an Pfosten geleint. Es herrschte geschäftiges Treiben, welches nur ab und zu von dem Blöken eines Dromedars unterbrochen wurde. Sanfte, immergrüne Palmen säumten einen kleinen Bachlauf, an dessen Ufer Schilf und Gras wuchs. Der junge Mann lenkte sein Pferd in die Menschenmenge hinein. Ehrfürchtig senkten die Menschen die Köpfe und verharrten, bis er vor rüber geritten war. Vor dem größten Zelt hielt er schließlich an. Ein junger Knabe kam herbeigeeilt und versuchte, das Pferd an den Zügeln zu packen, stellte dann jedoch mit Erstaunen fest, dass es überhaupt keines hatte. Der Reiter bellte eine barsche Antwort und der Junge verschwand. Sanft klopfte der Sarazene an die Flanke des Tieres, glitt hinab und ging auf das Zelt zu. Das Pferd schnaubte kurz und verschwand dann trabend. „Ah, Zorro!“, wurde der junge Mann begrüßt. Ein älterer Herr in dunkle Seide gehüllt, eilte auf ihn zu. Der Sarazene, dessen Name Zorro war, kniete nieder und sagte ehrfürchtig: „Salamaleikum, Salahadin.“ Der Mann hob die Hand. „Aber Zorro, erhebe dich doch. Du weißt, wie ich über diese Unterwürfigkeit denke.“ „Verzeiht, Salahadin, aber ihr seid nun mal der König.“ „Schön und gut, aber du bist mein oberster Offizier, ein gefürchteter Sarazene, du brauchst nicht niederknien.“ Zorro erhob sich. Salahadin, ein älterer Araber mit langem, schwarzen Bart und stahlgrauen Augen, sah ihn an. „Wo ist dein Diener?“ Zorro stockte und überlegte. „Er wurde getötet ... von einem Mann namens Iblin ... Der Baron von Iblin.“ Salahadin nickte. Dann drehte er den Kopf zu einem seiner Diener. „Bringt ihm Wasser!“ Eilig verschwand ein kleiner Junge, von höchstens 9 Jahren und kehrte mit einem Becher reinem, klaren Wasser zurück, was Zorro sofort hinunterspülte, nachdem er seinen Gesichtsschleier zur Seite geschoben hatte. „Nun ruh dich aus, Zorro.“ Der Angesprochene nickte, gab dem Jungen den Becher zurück, drehte sich um und verschwand.
<Ja, ich weiß, kurz und knapp ... aber hey, ein Kapitel xD>
Die Schlacht
Einige Wochen zogen ins Land, in der Ruffy mit seinen neuen Aufgaben und Pflichten als Baron von Iblin vertraut gemacht wurde. Der König von Jerusalem, Telrachid Höchstselbst hatte ihn empfangen, sein Treuegelübte abgenommen und ihm alles erklärt. Er würde zu seinem Landsitz nach Iblin kehren und dort das Volk beschützen. Und irgendwann, wenn der König Schutz benötigte, solle er ihn beschützen. So machte sich Ruffy auf nach Iblin, stellte aber schon bald fest, dass zwar sein Vater großartig war, seine Ländereien jedoch nicht. Er baute Brunnen und Felder und war bald in den Herzen der fast 100 Familien, die auf seinem Land lebten. Eines Tages lernte er auch Prinzessin Nami kennen, die Schwester Telrachids. Sie kehrte auf dem Weg nach Kanaan bei ihm ein. Auf den ersten Blick hin verliebte sich Ruffy bereits in sie, was er aber keineswegs zugeben hätte. Zu tief saß noch die Trauer um seine verstorbene Frau. Des Weiteren lernte er Sanji kennen, jener blonde Mann, der Namis Verlobter war. Er war, in Ruffys Augen, ein Scharlatan, der sich nicht um das Volk mühte, sondern nur seinen eigenen Interessen hinterher pilgerte. Außerdem war er sehr auf Krieg aus, wollte die Sarazenen und Muslime vernichten. Smoker, der Stadthalter Jerusalems, war gegen ihn, also auf Ruffys Seite. Er war hoch gewachsen und hatte graues Haar. Wahrscheinlich nannte man ihn Smoker, weil er immer mindestens 2 Zigarren im Mund hatte. Ruffy hatte im Grunde nichts gegen die Muslime, für ihn waren sie auch nur Menschen. Sie glaubten an Gott, genau wie die Christen, wo war da bitteschön der Unterschied? Andere waren nicht der Meinung. Zu Sanjis engsten Freunden gehörte Baldor, der Herr über die Festung Krak. Auch er wollte Krieg, überfiel hinterhältig muslimische Karawanen und mordete und plünderte, wo er nur konnte. Meistens kam er nur mit einem blauen Auge davon, da man ihm nichts beweisen konnte, weil alle starben und somit keiner als Zeuge dienen konnte.
Eines Tages, Ruffy war gerade dabei bei der Ernte mit zu helfen, erhielt er einen dringenden Ruf des Königs. Blutüberströmt galoppierte ein Reiter in die Stadt und brachte noch „Krak ... Hilfe ...“, hervor, bevor er tot zusammenbrach. Eilig rief Ruffy seine Ritter zusammen und stob, eine Staubwolke hinter sich lassen, davon.
Zorro schlug fest mit der Hand auf den Tisch. „Sie werden es bereuen, unsere beste Karawane angegriffen, und zerstört zu haben!“ „Beruhige dich, Zorro, ich habe unser Heer bereits versammelt. Es wird im Morgengrauen losziehen.“ „Richtung Krak ...“, murmelte Zorro siegessicher, drehte sich um und stapfte aus dem Zelt.
Im Morgengrauen brach riesiger Tumult los. Männer rissen die Zelte ab und legten sie sorgfältig zusammen, andere schöpften das Wasser aus dem kleinen Bach oder tränkten die Tiere. Zorro stand mit verschränkten Armen vor seinem Zelt und beobachtete das Treiben. Der junge Hengst neben ihm scharrte unruhig mit der Hufe. „Bald geht es los, Al Hatal“, sagte der junge Sarazene und sah zum Himmel empor. „Möge Allah unseren Weg beschützen.“
Das Land flog unter den Hufen der Pferde dahin. Riesige Staubwolken wurden aufgewirbelt. Schließlich hielten sie, indem Ruffy seinen Arm ausstreckte. Vor ihnen lag die riesige Festung Krak. Menschen stoben schreiend davon und rannten auf die Burg zu. Von weitem sah man eine riesige Wolke bräunlichen Sandes. Dort mussten bereits die Sarazenen sein. Ruffy schloss die Augen. Er musste das Volk beschützen, so hatte ihm der König es aufgetragen. Er schluckte und ritt auf die Sarazenen zu. Dann hielt er abermals. „Wir müssen das Volk beschützen. Sie werden nicht rechtzeitig in der Burg sein, deswegen müssen wir angreifen. Kommt ihr mit mir?“ Die Ritter nickten zaghaft, war ihnen doch bewusst, gegen solch eine Übermacht nichts ausrichten zu können. Ruffy gab dem Schwert einen Kuss auf die stumpfe Seite der Klinge. Dann hob er es zum Himmel empor und ritt mit einem Kampfschrei voraus.
Zorro zog grinsend die Augenbrauen hoch. „Die wollen uns doch nicht wirklich angreifen. 50 Mann sind das höchstens. Die haben nicht die geringste Chance.“ Er schüttelte über so viel Unverstand den Kopf und drehte sich auf seinem Pferd um. „Allahu Akbar!“ Die anderen Sarazenen antworteten ihm einstimmig. Zorro riss ein Schwert aus der Scheide und hielt es zum Himmel empor. „Allah ist mit uns!“ Dann stob sein Pferd durch einen leichten Schenkeldruck davon. Die anderen folgten ihm. Mit unerträglich lautem Knall krachten die Sarazenen und die Ritter zusammen. Zorro schwang geschickt sein Schwert und hieb seinem Gegner den Arm ab, ehe er ihn mit seiner Klinge durchbohrte. Nur bei großen Schlachten nahm er alle drei Schwerter, bei so einem kleinen ‚Kämpfchen’ würde es Unsinn sein, sie zu nutzen. Er sprang leichtfüßig von Al Hatal hinab und beobachtete seine Genossen. Ein nicht besonders großer Sarazene fiel ihm auf. Eine Strähne nachtblauen Haars lugte unter seinem Helm hervor, sonst konnte man nichts von seinem Gesicht erkennen. Mit wildem Kampfgeist schwang er sein Schwert hin und her, parierte die Angriffe seines Gegners oder duckte sich unter ihm weg. ,Nicht schlecht ...’, dachte Zorro zufrieden und beobachtete ihn weiter. Ihn würde er als den Sarazenen des Tages auswählen. Missbilligend schüttelte Zorro den Kopf. ‚Sarazene des Tages’. Totaler Schwachsinn, wenn es nach ihm gehen würde. Am Abend jeder Schlacht wurde der beste Kämpfer ausgesucht und belohnt. Und an Zorro lag es, den besten Kämpfer herauszusuchen. Einer von Salahadins Ideen. Es soll die Kampfmoral stärken. Unwillkürlich verdrehte Zorro die Augen und musterte den Sarazenen weiter, der nun selbst zum Angriff überging. Das Schwert blitze gefährlich in der Sonne. Plötzlich rannte ein Ritter von der Seite auf ihn zu, die Streitaxt über den Kopf gehoben. Zorro schnappte fassungslos nach Luft. Zwei gegen Einen! So etwas war nicht fair! Verstanden diese Christen denn nichts von Ehre?! Wütend duckte sich Zorro unter Al Hatal hinweg und zog das Schwert. Währenddessen war der Ritter bei dem Sarazenen angekommen. Dieser war zu überrascht, als das er den Angriff hätte gut abwehren können. So konnte er nur das Schwert hochreißen und die Attacke nach unten ablenken. Hart traf ihn die Axt in die Seite. Er schnappte nach Luft und presste die Hand auf die tiefe Fleischwunde. Man hörte einen wütenden Kampfschrei, dann verlor der Ritter den Kopf. Das Haupt des anderen folgte ihm. Zorro wischte sich das Blut von der Wange und grinste selbstzufrieden. „Zwei gegen Einen ist nicht fair ... Jetzt werden sie in der Hölle schmoren“, sagte er selbstzufrieden und besah sich dann die Wunde des Sarazenen, der komischerweise zurückzuckte und sich gehetzt umsah. Verlegen zog er den Helm noch tiefer ins Gesicht. Zorro ignorierte dies, wusste er doch, das die anderen immer ein wenig verlegen waren, wenn sich der Offizier um die einfachen Sarazenen kümmerte. Zorro pfiff leise und Al Hatal kam angetrabt. „Bring ihn zurück, er muss seine Wunde versorgen lassen, Al Hatal“, sagte er und tätschelte dem Schwarzen Hengst die Flanke. Bereitwillig legte sich das Pferd hin und ließ den Sarazenen aufsitzen. Verwirrt zog Zorro die Augenbrauen hoch. Seit wann legte sich das Pferd einfach so hin und ließ jemanden aufsitzen? Oftmals musste Zorro erst minutenlang auf ihn einreden, damit er schließlich seinen Stolz nachgab und jemanden anderem auf sich reiten ließ. Immer noch verwirrt schaute er Al Hatal hinterher, der nun im dichten Kampfgetümmel verschwand. Er schüttelte den Kopf und wandte sich wieder der Schlacht zu. Moment mal ... kannte er diesen Ritter dort nicht? Zorros Augen verengten sich zu Schlitzen, damit er ihn besser sehen konnte. Ja, es war dieser Ruffy, der ihn hatte am Leben gelassen. Zorro nickte bedächtig und überlegte kurz, dann formte er die Hände zu einem Trichter und rief: „Kale uwra! Kale uwra!“ Verunsichert sahen ihn die Sarazenen an. Er nickte nur und schritt mit langen Schritten auf Ruffy zu. Er schnappte sich ein Schild, das auf dem Boden lag und zog es ihm über den Schädel. Bewusstlos sank der Ritter zu Boden.
Du?!
Benommen rappelte sich Ruffy auf. Er wurde unsanft auf die Beine gezerrt und weiter geschleppt, dann wieder zu Boden geworfen. Eine kalte Klinge bohrte sich in seine Wange, dann wurde sie neben ihm in den Boden gerammt. „Eure Güte wird unter euren Feinden bekannt sein, noch bevor ihr sie treffen werdet“, vernahm er eine tiefe Stimme. Blinzelnd hebt Ruffy den Kopf und starrt in wohlbekannte, grüne Augen. Goldene Pünktchen waren darin enthalten. Doch nun trug der Mann nicht mehr einen Schleier. Man konnte seine männlichen Gesichtszüge erkennen. Er hatte kurzes, grünes Haar und trug 3 Schwerter bei sich. „Ihr wart nicht der Diener dieses Mannes ...“, murmelte er. Sein Gegenüber schüttelte den Kopf. „Nein, er war meiner.“ Dann zog er die Klinge aus dem Sand und steckte sie mit Engelsgeduld wieder zurück in die dazugehörige Scheide. „Ihr könnt gehen. Ihr habt mein Leben verschont, also verschone ich das eure. Aber wenn ihr nach Krak geht, werdet ihr sterben, so viel ist gewiss.“ Ruffy richtete sich benommen auf und nahm sein Schwert, welches ihm gerade zugeworfen wurde. Dann sah er sich um. Nur noch etwa 40 von seinen 50 Mann waren am Leben. Sie saßen stumm da und erwarteten seine Befehle. Ruffy stellte sich neben Zorro. „Ich muss nach Krak ... Ich muss das Volk beschützen, so wurde es mir befohlen.“ „Dann seid ihr verloren ...“, antwortete Zorro nur und sah in die Ferne. Goldenes Blinken stach ihm in die Augen. Tausende von Männern schritten durch die Einöde. In Mitten der Massen trugen 8 Priester ein riesiges, goldenes Kreuz. Jerusalem war hier. Zorro nickte Ruffy noch einmal zu, der leicht lächelte, sein Pferd bestieg und mit seinen Rittern verschwand. Das Heer der Christen hielt vor den Stadttoren Kraks. Hinter Zorro galoppierte Salahadin persönlich auf einem schneeweißen Araber einher. „Sie wollen Verhandeln ...“,murmelte er bloß und wies mit dem Finger auf den Fuchs neben sich. Zorro verstand, schwang sich auf den Rücken des Pferdes und ritt einige Schritte hinter Salahadin. Dann ließ es sein Pferd anhalten. Salahadin selbst ritt weiter und blieb vor Tetrachid stehen. „Zieht mit eurem Heer von dannen. Ich werde mich um Baldor kümmern.“ Tetrachid wiegte den Kopf nach vorn. Er hielt sich die Hand vor den Mund und hustete. Seit 3 Jahren war er an Lepra erkrankt. Es würde nur noch wenige Monate dauern, dann wäre sein Leben vorbei. Er trug eine goldene, verzierte Maske, damit man sein entstelltes Gesicht nicht sah, und weiße Leinenhandschuhe. „Zieht ihr von dannen ... Ich werde mich selbst um Baldor kümmern und er wird seine gerechte Strafe erhalten, so wahr ich hier stehe.“ Salahadin überlegte kurz. „Kommen wir überein?“, fragte Tetrachid. „Wir kommen überein“, antwortete sein Gegenüber, wendete sein Pferd und ritt davon. Tetrachid hingegen trabte mit seinem Heer nach Krak. Baldor kam die Stufen hinunter gerannt. „Was zum-?“ Doch weiter kam er nicht, denn Tetrachid war bereits von seinem Pferd geglitten und hatte ihn mit der Reitpeitsche eine schallende Ohrfeige gegeben. „Ihr seid hiermit verhaftet und zum Tode verurteilt, Baldor, ehemaliger Herr über Krak!“ Dann wandte der König sich strauchelnd um und stützte sich auf den herbeigeeilten Smoker. „Bringt ihn weg ...“
„Wir lassen ihn einfach so ungeschoren davonkommen?!“, brüllte Zorro nun fast. „Beruhige dich, Zorro. Tetrachid wird sich um ihn kümmern.“ „Ja und?! Wir hätten das gesamte Heer Jerusalems heute und jetzt vernichten können!“ „Ja Zorro, wir hätten. Doch mir ist es lieber, nicht so viele Sarazenen zu verlieren. Wir warten. Und nun schweig, wasch dir das Blut ab.“ Zorro biss die Zähne zusammen, drehte sich um und verschwand aus dem Zelt.
Al Hatal stupste ihn mit seinen weichen Lippen an. Zorro konnte nicht anders, er musste grinsen. „Ist ja gut ... Ich bin nicht sauer auf dich.“ Er tätschelte dem Hengst den Kopf und ging in sein Zelt. Dort entledigte er sich seiner Kleidung, sodass er nur noch in Unterwäsche da stand. Die Zeltplanke wurde zurückgeschlagen und ein junger Sarazene erschien. Zorro erkannte ihn als Rachid, ein meisterhafter Bogenschütze, der den Feinden schon viel Schaden zugefügt hatte. „Was gibt es, Rachid?“, fragte er und wusch sich das Blut vom Gesicht. „Der Sarazene, den ihr mit eurem Pferd in die Krankenstation geschickt habt, lässt sich von den Ärzten nicht behandeln. Er schreit immerzu nach euch und lässt keinen an sich heran.“ Verwirrt zog Zorro die Augenbrauen hoch. „Nach mir? Warum?“ Sein Gegenüber zuckte bloß mit den Schultern. Der Offizier nickte, zog sich ein sauberes Hemd über und eilte Rachid hinterher, der ihn durch die Menge zu einem großen, weißen Zelt führte. Er schlug die Plane zurück und trat ein. Zorro schlüpfte ebenfalls hindurch. Der junge Sarazene, dem er noch vor einigen Stunden geholfen, hockte auf einer kleinen Holzpritsche, die Beine an den Oberkörper gezogen. Er hatte immer noch seine Rüstung an und den Helm auf dem Kopf. Näherte sich einer von den Ärzten, zog er sofort sein Schwert, um sie sich von Leibe zu halten. „Wahrscheinlich eine Schockreaktion“, flüsterte Rachid im zu. Zorro nickte und ging ein paar Schritte näher. „Nun, was willst du von mir?“ Der Sarazene sah die Ärzte und Rachid misstrauisch an. Zorro hob die Hand. „Lasst uns allein.“ Ein wenig verunsichert verließen die anderen das Zelt, nur noch der Offizier und der junge Sarazene waren übrig. Zorros Gegenüber ließ das Schwert fallen, rappelte sich schnell auf und fiel ihm um den Hals. Schluchzend drückte er sich an ihn. Völlig perplex blieb Zorro stehen, die Augen geweitet. Er hatte schon viel in den Schlachten erlebten, aber das hier war neu. Er räuspert sich. „Ähm ...“ Mehr fiel ihm nicht ein. Der Sarazene riss sich den Helm vom Kopf. „Zorro, ich bin’s!“ Ein Schwall nachtblauen Haares umfing sein Gesicht. Dieser Duft. „Ku ... Ku .. Kuina?!“, stotterte der Offizier starr. Die Frau vor ihm lächelte glücklich, wobei ihre tiefblauen, fast schwarzen Augen leuchteten. „Ich.“ Zorros Erstaunen verschwand, stattdessen wurde er sauer, ziemlich sauer. „Was zum Donner machst du hier?!“, schrie er fast. Kuina wich erschrocken zurück. „Na ja ... ich ... ich“, stotterte sie schuldbewusst. „Ich konnte dich doch nicht einfach so gehen lassen ... Ich liebe dich, Zorro. Woher sollte ich denn wissen, dass du lebend wieder zurückkommst? Natürlich, du bist ein guter, ein sehr guter Schwertkämpfer, aber einfach allein daheim sitzen konnte ich nicht ...“ Schüchtern senkte sie die Augen. Zorro seufzte. Diese Frau tat alles, um zu rebellieren. Er ging einige Schritte vor, nahm Kuina in den Arm und küsste sie leidenschaftlich. Dann trat er einige Schritte zurück und sah sich um. "Und wo ist dein Schleier? Dich können alle Männer sehen!" Kuina zuckte bloß mit den Schultern:" Wenn ich mich als Mann ausgebe, kann ich keinen Schleier tragen, ist doch wohl klar." "Aber jetzt ist es raus, du wirst sofort diese Rüstung ausziehen, einen Schleier überstreifen und dann mit einer persönlichen Leibwache zurück nach Hause, zur Oase Qual Zokar, reiten, verstanden?!" Dies war eindeutig keine Frage, sonder eine Aufforderung. Kuina reckte trotzig das Kinn vor, ihre Augen blitzten. "Nein! Ich bleibe hier, bei dir, und niemand kann mich davon abhalten! Zwar werde ich meine Rüstung gegen die Abaaya (weibliche Schleierbekleidung) tauschen, aber ich werde keinen Schleier vor mein Gesicht ziehen!" Zorro zog scharf die Luft ein. Normalerweise müsste die Frau tun, was der Mann verlangte. Wenn nicht durfte er sie schlafen. Doch Zorro brachte es nicht über sich, ihr auch nur ein Haar zu krümmen, dafür liebte er sie zu sehr. Doch Kuina war noch lange nicht fertig. Sie tippte Zorro unsanft mit dem Zeigefinger gegen die Brust. Ihre Stimme war schrill und bestimmend: "Außerdem steht von einem Schleiernichts im Koran, dem heiligen Buch Gottes, also hatte dies Allah nicht gewollt. Das ist wieder nur von euch Männern erfunden worden! Zu Hause darf ich den Schleier ablegen, warum nicht auch Außerhalb?! Zorro schluckte. "Weil ... Weil....", stotterte er bloß. “Na bitte, du weißt es selbst nicht!", fuhr sie ihn an. Er rang sichtbar nach Fassung, die er nach wenigen Sekunden auch wieder erlangte. "Himmel, ich bin der Mann, die Frau muss tun, was der Mann sagt!" Nun geriert Kuina in Rage, den pochenden Schmerz in ihrer Seite bemerkte sie nicht. "Verflucht sollen alle Männer seien! Sie unterdrücken die Frauen nur und beuten sie aus! Außerdem bin ich noch längst nicht deine Ehefrau, ich kann tun und lassen, was ich will!" "Deine Eltern und andere Verwandte sind tot, Kuina! nur der Vater eines Mädchens kann seine Tochter verheiraten lassen! Und dein Vater weilt nicht mehr unter uns! Sei froh, dass ich mich deiner angenommen habe!", schrie Zorro schon fast. "Ach, dann hast du dies wohl alles bloß aus Mitleid getan, und nicht, weil du mich liebst?!" Zorro wollte gerade zu einer Erklärung ansetzen, als er stockte. Schweißperlen hatten sich auf Kuinas Stirn gebildet, sie rang sichtbar nach Atem. Ohne Vorwarnung fiel sie vornüber. Zorro konnte sie gerade noch auffangen, ehe sie auf den Boden schlug. Das Gewand, welches sie unter ihrem Lederharnisch trug, war rot vor Blut. , Verdammt, ich streite mich mit ihr, während sie schwer verletzt ist, ich Dromedar!’, schalt sich Zorro im Stillen. „Rachid! Die Ärzte, sofort!“, brüllte er. Keine Minute später eilten die in weiß gekleideten Doktoren herbei, die recht verwirrt dreinschauten, als sie merkten, dass Kuina eine Frau war. Sie wagten jedoch nicht, dies anzusprechen, war Zorro doch nicht nur Offizier, sondern auch ein Edelmann. Stumm verfolgte der grünhaarige Sarazene., die die Ärzte die bewusstlose Kuina auf das Feldbett legten, ihren Lederharnisch auszogen und dann das blutverschmierte Untergewand aufschnitten, wobei er peinlich genau darauf achtete, dass die Ärzte ja nicht zu viel sahen. Sie reinigten die tiefe Wunde mit einem übel riechenden Mittel und verbanden sie dann. Schließlich kam eine der Ärzte auf den ruhelos umhertigerten Zorro zu. „Die Wunde ist nicht lebensgefährlich“, sagte er, wobei er das erleichterte Ausatmen des Offiziers gekonnt ignorierte, „Sie wird einige Zeit Ruhe brauchen und einen schmerzlindernden Tee trinken müssen.“ Zorro nickte und schickte sich an, zu ihr zu gehen. „Kenn ihr diese Frau, Offizier? Natürlich ur, wenn mir die Frage gestattet ist.“ Zorro blieb noch einmal stehen. Soll er dies erzählen, oder nicht? „Diese Frage ist nicht gestattet“, antwortete er dann einfach und ging zu Kuina.
Geschlagene und ruhelose zwei Stunden später erwachte Kuina schließlich wieder. Zorro hatte sie in sein Zelt bringen lassen, wo es angenehmer und luxuriöser war. Hier musste sie nicht das Stöhnen und Ächzen der anderen Verletzten ertragen und hatte statt der harten Holzpritsche ein weiches Lager mit Unmengen verzierten Kissen und Decken. Ein durchscheinender Seidenbaldachin umspannte ihr Lager. Zorro war unaufhörlich bei ihr, hegte und pflegte sie und wechselte alle fünf Minuten den feuchten, kühlen Lappen auf ihrer Stirn. Blinzelnd öffnete Kuina die Augen. Verschwommen sah sie ein Gesicht vor sich, welches leise fragte:“ Alles in Ordnung? Hast du Schmerzen?“ Kuina blinzelnde abermals und nahm nun Zorros besorgtes Gesicht vor sich war. „Ja ja, geht schon …“, murmelte sie. Etwas hartes wurde an ihre Lippen gesetzt und eine unangenehm riechende wie schmeckende Flüssigkeit drang in ihren Mund und benetzte den Gaumen. Gierig trank Kuina, auch wenn der Tee noch so scheußlich schmeckte, wenigstens erfrischte er sie. Langsam kehrten ihre Lebensgeister zurück. Sie nahm einen leichten Duft von Lavendel war, der Zorro immer umhüllte. Sein Gesicht war dem ihren ganz nahe. „Tu das nie wieder …“; flüsterte er. Kuina spitzte die Lippen und gab ihm einen Kuss auf die Nasenspitze. Dann umfing die Dunkelheit wieder ihren Körper, ihren Geist und sie fiel in einen traumlosen Schlaf. Zorro eilte durch die aufgeschlagenen Zelte. Er fühlte sich ungut, echt miserabel. Er wollte Kuina nicht allein lassen, doch was sollte er tun? Salahadin hatte nach ihm gerufen, und er musste wohl oder übel zu ihm. Wenn nicht, so wäre er wohl selbst gekommen, und dann hätte er Kuina entdeckt. Zorro wollte lieber nicht wissen, was er dann getan hätte, da Frauen bei einer Schlacht bekanntlich Unglück brachten. Zorro stolperte über einen Zelthering und fiel beinahe auf die Nase, konnte aber gerade noch das Gleichgewicht halten. Auf arabisch vor sich hinfluchend eilte er weiter, bis plötzlich das große, seidene Zelt des Königs vor ihm auftauchte. Zorro blieb stehen und schluckte hart. Dann drückte er sich selbst die Daumen, schlug die Zeltplanke zurück und ging hinein. Salahadin erwartete ihn bereits. Er saß auf einem großen, weichen Kissen und trank Tee. Er wies mit der Hand auf das Kissen vor sich und Zorro nahm Platz. Eine dampfende Tasse Tee wurde ihm gereicht, die er zögernd in der Hand hielt. „Trink Zorro, sonst wird er kalt. Er ist schon nicht vergiftet.“ Zorro blinzelte verwirrt, war er doch in Gedanken bei Kuina gewesen. Hastig setzte er die Tasse an die Lippen und trank, wobei er sich die Zunge verbrannte. Salahadin legten den Kopf leicht schief und musterte Zorro über den Rand seiner Tasse hinweg. „Mir scheint, du bist ein wenig nervös, Zorro“; sagte er mit ruhiger Stimme. Sein Gegenüber bekam einen leichten Rotschimmer im Gesicht und schwieg. Salahadin hielt es für besser, nicht weiter nachzufragen. Er trank leise vor sich hinsummend seinen Tee und beobachtete Zorro aus dem Augenwinkel. Sein oberster Offizier schien wie auf heißen Kohlen zu sitzen. Schließlich gab Salahadin seine leere Teetasse einem Bediensteten und räusperte sich. „Nun Zorro, wer wird heute ,Kämpfer des Tages’?“ Zorro schreckte auf. „Was? Oh … Ähm …“ Er überlegte krampfhaft. Den Sarazenen, den er eigentlich hatte nehmen wollen, hatte sich aus seine große und zudem als Frau entpuppt. , Irgendein Name …’, dachte er nervös und sagte schließlich prompt:“ Rachid.“ Salahadin nickte und schlug die Beine ineinander. Zorro räusperte sich. „Ähm, ist mir eine Frage gestattet, Salahadin?“ Der Angesprochene zog die Stirn kraus, nickte dann jedoch. „Warum haben wir heute das Herr Jerusalems nicht angegriffen? Wir hätten sie locker besiegen können, wir waren überlegen!“ „Zorro, ich warte darauf, dass sie eine unüberlegte Tat begehen. Sollen sie doch kommen, warum wir? Dann müssten sie durch die Wüste, Hunderte würden schon allein bei dem Marsch sterben. Die anderen wären so kraftlos, dass sie sich kaum wehren könnten. So überleben tausende unserer Männer.“ Zorro schlug mit der Faust auf den Perserteppich vor sich. „Aber wir hätten sie mit einem Streich besiegen können“ Erst das Heer Jerusalems, dann Krak! Jerusalem wäre endlich unser, und diese elenden Christen tot!“, sagte Zorro, wobei seine Stimme mit jedem Wort lauter wurde. Salahadin sah ihn lange an, bevor er sprach:“ Dein Herz ist von Wut und Zorn zerfressen, Zorro. Ich sehe bei jeder Schlacht, wie du deine Gegner bestialisch tötest, ohne einen Funken Reue. Was haben dir die Christen angetan, dass du sie so sehr hasst?“ Seine Stimme war leise, doch Zorro wäre es lieber gewesen, er hätte ihn angeschrieen. Seine Hände fingen an zu zittern, grausame Bilder zogen vor seinem inneren Auge vorbei. Salahadin legte Zorro die Hand auf die Schulter. „Geh.“ Zorro stand auf, die Augen auf den Boden gerichtet. „Salamaleikum …“; murmelte er und verschwand aus dem Zelt. Salahadin sah ihm hinter her. „Schick nach Kalatifa“; befahl er einem 11. jährigen Jungen, der eilig davonrannte. „Ich muss wissen, was mit meinem Offizier los ist.“
