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Deedlit
Untoter Krieger

Ashram
Deedlit

SD-Parn und SD-Deedlit
(c) 1990 by Group SNE / Kadokawa Shoten Publishing Co., Ltd.


Im Review zur Record of Lodoss War OVA wurde eine externe Seite verlinkt, auf der die Übersetzung der deutschen Fassung stark kritisiert wurde. Dies nahm OVA Films zum Anlass, die Übersetzerin der meisten OVA-Films-Veröffentlichungen eine Stellungnahme zu den genannten Vorwürfen verfassen zu lassen.
Inzwischen hat auch der Autor des Reviews eine Stellung diesbezüglich abgegeben, in der er seine Position verteidigt.


Stellungnahme zur Review von Daniel "Worm" Benkmann,
Record of Lodoss War - Sprachvergleich


Hallo Herr Benkmann,
wie ich erfahren habe, gibt es einen Bericht von Ihnen auf der Animexx Web-Seite mit einer ausführlichen Kritik der Übersetzungsqualität der deutschen Untertiteln der von mir übersetzten japanischen Anime-Serien, Record of Lodoss War OVA und Record of Lodoss War - Chronicles of the Heroic Knight - TV-Serie.
Da mir qualifizierte Kritiken sehr wichtig sind, habe ich Ihre Darstellung sofort gelesen. Mit Erstaunen habe ich diese zur Kenntnis genommen. Man hat den Eindruck, daß die Übersetzer nachlässig und unfähig sind, also geradezu völlig ungeeignet für diese Arbeit. Aussagen von Ihnen, wie zum Beispiel "... Aber offensichtlich konnte der Übersetzer nur leidlich gut Japanisch und hatte absolut keine Ahnung vom Englischen - so was soll's ja geben. ..." lassen darauf schließen, daß Sie sich in der Übersetzerszene gut auskennen, vielleicht sogar selbst Übersetzungen machen? Vielleicht können wir uns ja darauf abstimmen, was ein guter Übersetzer für Voraussetzungen mitbringen muß, als da wären:
1. Der Übersetzer sollte die zu übersetzende Sprache, hier Japanisch, perfekt beherrschen, "Native speaker" nennt man die Leute, die ihre Muttersprache zum Einsatz bringen.
2. Auch die deutsche Sprache für Untertitelung und Synchronisation sollte möglichst perfekt angewendet werden können.
3. Schon vorhandene Übersetzungen, meist Japanisch-Englisch sollten von ihm zum Vergleich herangezogen werden.
4. Er muß entscheiden welchen Vorrang er der Übersetzung gibt. Ist es die Werktreue, möglichst am Original zu bleiben und den Charakter zu wahren, oder ist es eine sinngemäße, aber am westlichen Konsumenten orientierte Fassung.





Wenn ich mir Ihre Kritik anschaue, muß ich feststellen, daß Sie zwar einen Vergleich zwischen englisch/amerikanischer und deutscher Übersetzung anstellen, aber nicht in der Lage sind als erstes eine Beurteilung der japanischen Originalfassung und der englisch/amerikanischen Fassung abzugeben. Bei den Übersetzungen arbeiten Lektoren der Untertitelungsfirma, Personen von Seiten des Herausgebers und neben mir auch andere Übersetzer mit sehr viel Sorgfalt daran, die Originalmanuskripte aus dem Japanischen so authentisch wie möglich ins Deutsche zu übertragen und eine Brücke zwischen den unterschiedlichen Kulturen zu schlagen. Ich versuche, als jemand der Japanisch als Muttersprache spricht und in beiden Kulturen und Gesellschaftsstrukturen zu Hause ist, diesem Auftrag so gut wie möglich nachzukommen.
Wenn Sie erfahrungsgemäß festgestellt haben, daß sich generell die deutschen Untertitel der Animes von den amerikanischen unterscheiden, (Ihrer Meinung nach "... mit wesentlich weniger Sorgfalt angefertigt wurden ...") muß man sich doch fragen, ob nicht ein Konzept oder ein Gedanke dahintersteht. Warum investiert der Herausgeber so viel Zeit und Geld für die Erstellung der Übersetzung, wenn er dies im Vergleich, leichter mit der amerikanische Version machen lassen könnte? Ich habe beim übersetzen festgestellt, daß die amerikanische Version der Übersetzung, im Gegensatz zu unserer, einer anderen Philosophie unterliegt. Die Amerikaner sind sehr konsequent im amerikanisieren der Texte. Sie orientieren sich dahingehend, daß der amerikanische bzw. der westliche Zuschauer/Leser leichter konsumieren kann. Sie sind oft reißerischer, legen auf ganz andere Sachverhalte wert, als die Japaner es tun und vermitteln oft schlichtweg eine andere Atmosphäre, als das Original ausstrahlt. (Dabei ist unbedingt zu bemerken, daß meiner Meinung nach, die Korrektheit der Inhaltswiedergabe bei beiden im allgemeinen gleichwertig ist.) Wir haben uns das Ziel gesetzt, mit der Übersetzung dem Original so nah wie möglich zu sein und für das deutsche Publikum spannende und interessante Unterhaltung zu bieten. Daß es dabei sprachlich und verständnisgemäß nicht immer "West-Konform" zugeht, ist nur zu verständlich. Schließlich wurden die Animes für ein japanisches Publikum gemacht. Ich kann mir vorstellen, daß viele deutsche Zuschauer mit der amerikanischen Fassung besser klarkommen, da sie bereits auf den westlichen Geschmack verändert wurde.

Es ist ein bißchen mit dem hiesigen chinesischen Essen zu vergleichen. Das chinesische Essen, das die meisten chinesischen Restaurants hier servieren, ist dermaßen verwestlicht, daß originalgetreue Gerichte von vielen als weniger lecker empfunden werden.
So finde ich es unmöglich, wenn Sie Vergleiche zwischen amerikanischen und deutschen Untertiteln anstellen und behaupten "... daß mein Vergleich gerechtfertigt ist und Aussagekraft über die Qualität der deutschen Untertitel besitzt. ...". Ich kann Ihnen bei vielen Kritikpunkten ja nicht einmal meine Übersetzung erklären, da Sie den japanischen Originaltext nicht verstehen. Na ja, und wenn Sie dann auch noch schreiben, "... daß die Untertitel von Record of Lodoss War durchaus kein Einzelfall sind, sondern allgemein die deutschen Untertitel von Animes mit wesentlich weniger Sorgfalt, als die Untertitel der amerikanischen Releases angefertigt werden ..." muß das ja heißen, daß auch meine zahlreichen Kollegen, Ihrer Meinung nach, qualitativ minderwertige Arbeit abliefern.
Noch ein paar Zeilen der Erläuterung, daß der Übersetzung in Form von Untertiteln Grenzen gesetzt sind. Wie bekannt, stehen uns bei den Untertiteln nur eine begrenzte Zahl von Anschlägen zur Verfügung, die je nach Einblendlänge der Titel variieren. Das heißt, je kürzer ein Untertitel steht, desto weniger Anschläge. Zum Beispiel, steht ein Titel zwei Sekunden im Bild, hat der Übersetzer nur ca. 20 Anschläge zur Verfügung. (Das ist eine goldene Regel bei der Untertitelung.) Da Englisch grundsätzlich kürzere Wörter besitzt und grammatikalisch nicht so aufwendig ist, hat die englische Übersetzung mehr Möglichkeiten in der Formulierung. Man kann den Inhalt mehr ausschmücken. Aber warum dies, wenn im Original die Wortwahl einfach ist? Eine Übertreibung kann zwar nett sein, entspricht meiner Meinung nach aber nicht dem Original.
Ganz problematisch finde ich den Vergleich zwischen Untertitelung und Synchronfassung, da es sich dabei um einen nicht zulässigen Vergleich handelt. Die Synchronisation bietet weit mehr Möglichkeiten in der Übersetzung als die Untertitelung. Fairer wäre ein Vergleich der deutschen und amerikanischen Synchronisationsfassungen. Natürlich muß dabei das japanische Original als Grundlage genommen werden, um einen korrekten Vergleich anstellen zu können.



Da Sprachübersetzungen nicht, wie im naturwissenschaftlichen Bereich durch mathematische Formeln oder ähnliches, international übertragbar sind, fällt der Stil bei jedem Übersetzer anders aus. Leider hat mein Stil bei Ihnen nicht den Anklang gefunden oder wie Sie selbst formulierten, "... allgemein die deutschen Untertitel von Animes ...". Das haben Sie ja deutlich genug bemängelt. Schade. Ach ja, und was die Namensgebung angeht, kann ich es mir als Übersetzer nicht erlauben, irgend etwas auszudenken. Sehr oft sind es die Japaner, die sich bei der Schreibweise von Namen etwas Abenteuerliches ausdenken. Bei japanischen Charakteren ist es relativ einfach, da eine fast einheitliche Schreibregel für japanische Namen besteht. Aber sobald es Phantasienamen sind, ist die Schreibweise unberechenbar. (Zum Beispiel "Lodoss") Ein Beispiel dafür ist der oft kritisierte Fall "Gim", der von mir nicht "Zwerg" sondern "Dwarf" genannt wird. Es gibt durchaus auch im Japanischen ein Wort das "Zwerg" heißt. Ich hätte das Wort "Zwerg" bestimmt eingesetzt, wenn im japanischen Originalskript nicht "DOWÂFU", also "Dwarf", sondern "KOBITO" gestanden hätte. Es bedarf mehr Informationen, inwiefern das Geschlecht der "Dwarf" sich mit dem der "Zwerge" der westlichen Mythologie gleicht. Sie sehen zwar ähnlich aus wie ihre westlichen Artgenossen, aber ich weiß nichts darüber ob es die "Zwerge" sind. So steht "Dwarf" hier in der Serie als Eigenname für das Geschlecht dem Gim zugehörig ist. Für den Großteil der japanischen Zuschauer, die der englischen Sprache kaum mächtig sind, hört sich "Dwarf" wie ein Phantasiename an. Für sie müssen die Namen, die in der Serie vorkommen, sehr exotisch klingen.
Natürlich möchte ich mich nicht von Fehlern freisprechen und bin deshalb dankbar für Hinweise und konstruktive Vorschläge.
Hier noch ein paar exemplarische Stellungnahmen zu Ihrer Kritik. Was Ihre Meinung zum metaphorischen Stil betrifft, möchte ich keine Diskussion führen, da es sich hauptsächlich um den Geschmack des Lesers handelt. Merke, über den Geschmack kann man sich streiten ... Ich will es aber nicht. Ich würde Sie aber hiermit bitten, weiterhin nicht so vorlaut, auf dieser unqualifizierten Basis (da Sie ja kein Japanisch können) zu urteilen und somit den gesamten Berufsstand in Mißkredit zu bringen.
Ansonsten freue ich mich, daß diese spezielle und herrliche Kultur auch hier im Westen ihre Liebhaber (Fans) findet, die viel Zeit investieren, um sich mit ihr auseinanderzusetzen.


Vielleicht lernen Sie ja in Zukunft Japanisch und können dann die Originalversion genießen? Dann gibt es keinen Ärger mehr über die Sprachqualität der Übersetzung. Egal welche Version Sie auch besser finden, wünsche ich Ihnen weiterhin viel Spaß und Freude mit Animes.

Herzliche Grüße

Y. Araki



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Sehr geehrte Frau Araki,

Zuallererst möchte ich mich bei Ihnen dafür bedanken, dass Sie sich die Kritik der Fans zu Herzen nehmen und sich bemühen auf sie einzugehen. Ich hätte mir zwar eine etwas unpolemischere Antwort gewünscht, aber ich schätze in dieser Hinsicht habe ich mit meinem Text den ersten Stein geworfen und will mich deswegen über die ein oder andere Stichelei Ihrerseits gar nicht beschweren. Mit dieser Antwort werde ich auf jeden Fall versuchen auf den Boden der sachlichen Argumente zurückzukehren.

Bevor ich konkret auf Ihre Stellungnahme eingehe, will ich zunächst noch einige allgemeine Dinge über meine Sprachvergleiche zur Record of Lodoss War OVA und TV-Serie anmerken, da ich den Eindruck habe, dass Sie deren Intention etwas missverstanden haben. Es war weder meine Absicht deutsche Anime-Übersetzer allgemein als "unfähig" oder "geradezu völlig ungeeignet für diese Arbeit" darzustellen noch die Arbeit ihrer amerikanischen Kollegen als das einzig Wahre hochzustilisieren. Und um Gottes Willen wollte ich schon gar nicht dazu anregen, dass man die englische Übersetzung als Grundlage für deutsche Untertitel heranzieht. Mir ging es einzig und allein darum aufzuzeigen, warum meiner persönlichen Meinung nach die deutschen Untertitel von RoLW nicht so gut sind wie die englischen. Dabei habe ich mich bemüht meine Meinung nachvollziehbar darzulegen. Nicht umsonst habe ich mir die Arbeit gemacht für möglichst viele relevante Szenen sowohl die deutschen Untertitel als auch die englischen Untertitel zusammen mit den Texten der englischen Synchronfassung abzutippen. Ich wollte, dass der Leser sich anhand dieser Beispiele selbst ein Urteil bilden kann und nicht einfach, wie das im Internet nur allzu oft praktiziert wird, meine Meinung als leeres Geschwafel ohne festes sachliches Fundament ins Netz stellen. Ihre Behauptung, dass ich mit meinem Sprachvergleich "den gesamten Berufsstand in Misskredit bringe" halte ich für ziemlich abenteuerlich, zumal ich in meinem Text ausdrücklich die Leistung des amerikanischen Übersetzers lobe, der schließlich auch zu Ihrem Berufsstand gehört. In der Tat habe ich sehr großen Respekt vor dem Beruf des Übersetzers, da ich aus eigener Erfahrung weiß wie schwer es ist, einen Text adäquat aus einer Sprache in eine andere zu übertragen. Insbesondere Japanisch gehört wohl zu den am schwersten übersetzbaren Sprachen überhaupt und als Übersetzer kann man da wahrscheinlich wesentlich mehr Dinge falsch als richtig machen.

Ihr Hauptproblem mit meinem Sprachvergleich scheint zu sein, dass ich die englische Übersetzung mit der deutschen Übersetzung vergleiche und nicht das japanische Original direkt mit seiner Übersetzung. Mir ist durchaus bewusst, dass diese Vorgehensweise problematisch ist, weshalb ich auch ausdrücklich darauf am Anfang meines Textes hinweise. So weiß jeder Leser unter welchen Vorraussetzungen dieser Vergleich entstanden ist und wie er diesen folglich zu beurteilen hat. Sie sind offenbar der Meinung, dass man einen derartigen Vergleich zwischen zwei verschiedenen Übersetzungen nicht anstellen darf ohne auch die Originalfassung verstehen zu können. Ich hingegen bin durchaus der Ansicht, dass man sich nach Betrachtung von 5 verschiedenen Übersetzungen eines Textes (neben der deutschen und englischen Fassungen habe ich mir auch noch drei unterschiedliche Fan-Übersetzungen angesehen) ein Urteil darüber bilden kann, welche Übersetzung besser gelungen ist als eine andere. Ich behaupte jedoch nirgendwo in meinem Text, dass so ein Vergleich dann absolut gleichwertig mit einem Vergleich ist, in den noch die Originalfassung mit einbezogen würde. Mag sein, dass mein Hinweis am Anfang des Textes diesbezüglich nicht deutlich genug war.

Im übrigen kann man auch ohne die Originalfassung jemals gelesen/gehört zu haben sehr gut schlechte Wortwahl oder schlechten Satzbau in den Untertiteln kritisieren, wie ich das auch an vielen Stellen meines Sprachvergleiches getan habe. Denn ein unübersichtlicher und unschöner Bandwurmsatz in den Untertiteln wie z.B. "Am Ende des erbitterten Kampfes starben die beiden Göttinnen, die des Lichtes und die der Finsternis, auf dem neu entstandenen Land, das vom Kontinent abgeschnitten war." ist in den seltensten Fällen zu rechtfertigen - egal was in der Originalfassung gesagt wird. Wie Sie selber schon sagen, müssen Untertitel kurz sein, damit man sie als Zuschauer möglichst schnell erfassen kann. Und in diesem Fall hätte man problemlos auch im Deutschen den Satz in mehrere kürzere Sätze zerteilen können.
Auch diese "Dwarf"-Sache hat im Prinzip nichts damit zu tun, welche Fassung ich jetzt mit welcher verglichen habe. Der Punkt ist einfach der, dass Record of Lodoss War eine Serie ist, die extrem vom westlichen Fantasy-Genre geprägt ist. Wenn man mal auf die Entstehungsgeschichte von RoLW zurückblickt, wird man feststellen, dass die Serie im Endeffekt ihre Wurzeln im sehr bekannten amerikanischen Pen&Paper-Rollenspiel "Dungeons&Dragons" hat, das sich wiederum eine Vielzahl an Elementen der klassischen westlichen Fantasy-Literatur, wie sie u.a. maßgeblich von J.R.R. Tolkien geprägt wurde, zu eigen gemacht hat. In diesem ganz bestimmten Subgenre der Fantasy tritt sehr häufig eine zwergische Rasse auf, deren Eigenschaften zwar von Werk zu Werk leicht unterschiedlich sein mögen, die aber im Großen und Ganzen ganz eindeutig an einigen Charakteristika zu erkennen ist. Jeder, der sich nur etwas in diesem Genre auskennt, wird Ihnen bestätigen können, dass Gim zweifellos ein Angehöriger dieser Rasse ist, die im Englischen "Dwarf" und im Deutschen "Zwerg" genannt wird (die Ähnlichkeit seines Namens mit Tolkiens Figur "Gimli" kommt sicher auch nicht von ungefähr). Und genau aus diesem Grund haben die Japaner hier auch das Wort "Dowâfu" verwendet und nicht "Kobito", da es sich eben nicht um einen "japanischen Zwerg" sondern um einen Zwerg handelt, der dieser westlichen Fantasy-Literatur entspringt. Und genau diese Art von Zwergen wird auf Deutsch in jedem Buch, in jedem Rollenspiel, in jedem Film, in jedem Computerspiel, das sich in demselben Fantasy-Subgenre wie RoLW bewegt, als "Zwerg" bezeichnet. Es handelt sich hier einfach um Jahrzehnte alte Genre-Konventionen, denen Sie sich als Übersetzer, der ein Werk dieses Genres übersetzt, eigentlich bewusst sein sollten. Genausowenig wie es einem Übersetzer, der einen Western übersetzt, in den Sinn kommen sollte, "Cowboy" mit "Kuhjunge" zu übersetzen, sollte Ihnen als Übersetzer in den Sinn kommen ein Wort wie "Dwarf", für das es eine etablierte deutsche Übersetzung in diesem Genre gibt, nicht zu übersetzen. Mit einer "Verwestlichung" der Texte zur "leichteren Konsumierbarkeit" hat das rein gar nichts zu tun - in der Tat haben im Fall von Record of Lodoss War die japanischen Macher der Serie ganz bewusst westliche Mythen und Namen verwendet. Warum sollte man die Serie nun also für ein westliches Publikum wieder "entwestlichen"?
Und selbst wenn ich Ihr Argument gelten lasse, dass sich das Wort "Dwarf" für Japaner wie ein Phantasiename anhört und sie es dann eben auch als solchen behandeln und nicht übersetzen, bleibt trotzdem noch die Tatsache, dass sie es sehr inkonsistent verwenden. Mal heißt es "Der Tunnel von Dwarf" als würde es sich bei "Dwarf" um einen Eigennamen handeln (ansonsten müsste es ja "Der Tunnel der Dwarf" bzw. "Der Tunnel der Dwarfs" heißen) und dann ist wieder von "Dwarfs" im Sinne einer Gattungsbezeichnung die Rede. Außerdem widersprechen sie selber Ihrer obigen "Phantasienamen"-Argumentation, indem sie andere in der japanischen Sprachfassung verwendeten englischen Begriffe, die ihren Ursprung im westlichen Fantasy-Genre haben, eben doch übersetzen und nicht als "Phantasiename" behandeln. Warum übersetzen Sie zum Beispiel "Dragon" mit "Drache" und lassen es nicht einfach so in den deutschen Untertiteln stehen? Sie könnten doch hier haargenau dieselbe Argumentation wie bei "Dwarf" anwenden. Die Japaner haben sehr wohl eigene Begriffe für "Drache", nur wird hier eben ganz gezielt in der japanischen Fassung das Wort "Dragon" gewählt, weil die in RoLW vorkommenden Drachen nun mal eindeutig westliche Drachen sind und keine asiatischen. Ich könnte jetzt noch weitere ähnliche Beispiele aufzählen, aber das würde den Rahmen dieses Textes sprengen.
Fakt ist, dass Sie sich, egal wie Sie es hindrehen, wegen der Nichtübersetzung von "Dwarf" entweder Inkonsequenz, mangelnde Recherche oder beides vorwerfen lassen müssen. Dass Sie sogar selber schreiben "aber ich weiß nichts darüber ob es die "Zwerge" [der westlichen Mythologie] sind" zeigt, dass Sie sich vor der Übersetzung offenbar nicht sonderlich genau mit dem Genre von RoLW und der Entstehungsgeschichte der Serie auseinandergesetzt haben. Und genau das ist es, was ich in meinem Sprachvergleich als "wesentlich weniger Sorgfalt" bezeichne. Es gibt noch andere Stellen, an denen dieser Mangel an Sorgfalt ersichtlich ist, z.B. wenn in den Untertiteln Begriffe (bzw. deren Abkürzungen) wie "OK" vorkommen, die in diesem Genre auch recht wenig verloren haben. Und gerade da Sie so sehr betonen wie wichtig es Ihnen ist, möglichst nahe am japanischen Original zu bleiben, verwundert es schon, dass sich in den ach so "amerikanisierten" englischen Untertiteln genaue Erklärungen zu den japanischen Wortwitzen im "Welcome to Lodoss Island!"-Teil der RoLW TV-Serien Folgen befinden, wohingegen bei Ihnen die Wortspiele teilweise durch dumme Furz-Gags ausgetauscht wurden.
Aber ich will jetzt gar nicht meinen gesamten Sprachvergleich hier nochmal wiederholen. Jeder Leser kann sich anhand der Beispiele, die ich dort aufführe, selbst eine Meinung dazu bilden, ob die deutschen Untertitel nun mit Sorgfalt erstellt worden sind oder nicht. Ich denke aber, dass Sie nicht so einfach jegliche in meinen Sprachvergleichen geäußerte Kritik damit wegwischen können, dass ich nicht die japanische Originalfassung als Vergleichsbasis herangezogen habe.

Was meine Aussage betrifft, dass in den meisten deutschen Untertiteln mit weniger Sorgfalt ans Werk gegangen wird als bei den amerikanischen/englischen Untertiteln, so gebe ich zu, dass dies vielleicht ein bisschen hart formuliert ist. Die Aussage entspricht zwar leider schon meiner persönlichen Erfahrung, aber ich hätte den gewissen Satz, den sie gleich dreimal zitieren, wohl nicht in dieser verallgemeinernden Form hinschreiben sollen. Zumal mein Sprachvergleich wirklich nicht als Feldzug gegen sämtliche deutsche Untertitel gedacht war, sondern einzig und allein meine Bewertung der deutschen Untertitel von Record of Lodoss War zum Inhalt hat. Und wie ich auch in meinem Text betone (vielleicht nicht deutlich genug), sind die deutschen Untertitel zu RoLW durchaus in Ordnung. Nur finde ich persönlich die englischen eben schöner. Nicht mehr und nicht weniger wollte ich mit meinem Sprachvergleich aussagen.

Ich bin gerne dazu bereit, mit Ihnen noch genauer über bestimmte Stellen Ihrer Übersetzung zu diskutieren. Ihre Aussage "Ich kann Ihnen bei vielen Kritikpunkten ja nicht einmal meine Übersetzung erklären, da Sie den japanischen Originaltext nicht verstehen" finde ich ziemlich unsinnig. Wenn Sie nicht in der Lage sind auch jemandem eine Übersetzung zu erklären, der die Originalsprache nicht versteht, haben Sie Ihren Beruf verfehlt. Sollten Sie wirklich Interesse daran haben, Ihre Entscheidungen bei der Übersetzung weiter zu erörtern, stehe ich Ihnen gerne für einen weiteren (hoffentlich sachlichen) Diskurs zur Verfügung.


Mit freundlichen Grüßen,
Daniel Benkmann