Erinnerungen und Prophezeiungen
Da einige wissen wollten, wie es mit den unwilligen Verlobten Sesshoumaru und Shiro weitergeht, habe ich die Fortsetzung geschrieben.
Ich habe das erste Kapitel extra so geschrieben, dass auch Leute, die die erste Fanfic nicht kennen, wissen, worum es geht. (Hoffe ich.)
Es wird weniger mit Humor ( als der Tensaiga-Zwischenfall), dafür aber mehr Action und Spannung.
Viel Spass beim Lesen.
1. Erinnerungen und Prophezeiungen
Der Vollmond tauchte den Waldrand in ein silbriges Gewirr aus Licht und Schatten. Nur ein sehr aufmerksamer Beobachter hätte die Gestalt bemerken können, die dort stehen geblieben war, sich zu orientieren schien. Es war eine junge Frau, eher noch ein Mädchen, das verriet der lange, kostbare Kimono, dessen Ärmel so weit waren, dass sie fast den Boden berührten. Er zeigte sich im fahlen Licht als blau, nur an den Absätzen zu den Handgelenken und am Hals waren Streifen in weiß erhalten geblieben, dafür aber mit hochwertigen Stickereien, Blumen, verziert. Dieses Mädchen war eindeutig aus sehr reichem, vornehmem Hause, eine hime, eine Prinzessin.
Der Beobachter hätte sich sicher gefragt, was solch ein vornehmes Mädchen nachts im Wald tat, ohne Schutz, ohne Begleitung. Nur Sekunden später hätte er die Antwort gewusst.
Ein Blick empor zum Vollmond beleuchtete ein ebenmäßiges Gesicht mit großen grünen Augen. Man konnte sie schön nennen. An ihrer Stirn zeigte sich ein kleiner grüner Stern. Aber der Wind, der jetzt aufkam und mit ihrem fast taillenlangen, rotem Haar spielte, enthüllte spitze Ohren. Sie war kein Mensch. Sie war eine hime der Youkai, eine Dämonenprinzessin.
Sie sah sich um, schien zu wittern, sich umzuhören. Dabei spielte der Wind mit ihrem Kimono, öffnete den mühelos. Sie besaß keinen Gürtel. Der Grund dafür zeigte sich unter dem Obergewand: sie trug schwarze Schuhe, eine schwarze weite Hose, wie sie für gewöhnlich Männer zu tragen pflegten. Im Mondlicht glitzerte es metallen: eine Rüstung aus kleinen, sorgfältig gearbeiteten Metallplättchen schützte ihren Oberkörper. An der linken Seite blitzte Stahl: ein Schwert. Es wurde von einem aus Seilen gedrehten Gürtel dort gehalten, der wiederum von einem grünen Seidentuch verdeckt wurde. Auch die Plättchen der Rüstung wurden von grünen Seidenbändern zusammengehalten, so Schutz und Beweglichkeit zu gleicher Zeit sichernd.
Die ganze Kleidung, ihr ganzer Auftritt verriet Macht und Reichtum- aber auch Stärke und Kampfbereitschaft.
Ihr Name war Shiro vom Südclan. Sie war die Zwillingsschwester des Anführers der Hundeyoukai im Süden, Akamaru. Und sie war im Auftrag ihres Bruders unterwegs, zu einem Wesen, dem sie recht zwiespältig gegenüberstand. Aber sie wusste, sie hatte keine Wahl gehabt. Sie prüfte erneut die Luft, suchte die Aura, den Geruch des Youkai, der sich hier aufhalten sollte. Und dann fand sie, was sie suchte.
"Sesshoumaru vom Westclan..." dachte sie, als sie weiter in diese Richtung ging. Er verdeckte sein Youki nicht, aber das hatte sie auch nicht erwartet. Dem Herrn der westlichen Gebiete war es sicher nur recht, wenn jeder wusste, dass er in der Gegend war. Ein anderer Youkai müsste schon bemerkenswert dumm, unerfahren oder sehr von sich überzeugt sein, sich ihm im Kampf zu stellen. Etwas, das sie selbst allerdings schon getan hatte, um ihrer Ehre willen. Sie hatte verloren, und nun gehörte ihr Leben ihm. An sich war das schlimm genug, aber sie waren ja auch noch durch das Wort ihrer Väter verlobt- und Sesshoumaru weigerte sich, sie zu heiraten, war ihr Vater doch Verräter an seinem gewesen.
Aber Shiro musste ihm zugestehen, dass er sie so fair wie möglich behandelt hatte, sich bemüht hatte, wenigstens im Süden ihren Ruf zu wahren. Dennoch fühlte sie sich ein wenig unbehaglich bei der Vorstellung, ihn wieder zu sehen. Sie war ein wenig ärgerlich über sich selbst. Das war ein Gefühl, das einer Youkai, erst recht, einer Prinzessin, unwürdig war. Überdies hatte ihre Warnung Vorrang.
Sesshoumaru, der Herr der westlichen Gebiete, lehnte an einem Baum, die Beine nachlässig ausgestreckt, während er seinen beiden Begleitern zusah, wie sie versuchten, Fische zu fangen, die Rin, das kleine Menschenmädchen, zum Frühstück essen sollte. Er blickte unwillkürlich auf, als er eine Youkai-Energie spürte, stark, und sich rasch nähernd. Irgendwie kam sie ihm bekannt vor. Er stand auf, ging ein Stück den Fluss weiter, um zwischen seine Begleitung und den Fremden zu kommen. Ein wenig überrascht erkannte er das Youki, erkannte auch die Youkaiprinzessin, die sich höflich vor ihm auf ein Knie niederließ, die Rechte an die Brust legte: der Gruß eines Samurai oder Boten.
"Shiro." Seine Überraschung lag nicht in seiner Stimme.
"Sesshoumaru-donno.." Sie hätte ihn um keinen Preis der Welt mit der Endung "-sama" angeredet, die zwar äußerst respektvoll war, aber von seinen Begleitern, einem Menschenmädchen und einem Krötenyoukai benutzt wurde. Sie hätte sich nie auf deren Niveau begeben. So war die Anrede sehr höflich- aber nicht demütig. "Ich bringe Botschaft von meinem Bruder Akamaru, dem Herrn der südlichen Gebiete."
"Du darfst aufstehen."
Shiro presste unmerklich die Zähne zusammen, zwang sich aber, daran zu denken, dass ihm ihr Leben gehörte und erhob sich. Sie wäre auch ohne Erlaubnis aufgestanden, war sie ihm doch fast ebenbürtig. Mit diesem einen Satz hatte er ihr wieder gezeigt, dass er sie verachtete.
"Was will dein Bruder?"
Sie zwang sich zur Ruhe. Selbstbeherrschung war eine der wichtigsten Tugenden bei den Youkai. "Wie du weißt, ist es üblich, bei der Übernahme der Herrschaft zum Berg Halel zu reisen, um sich dort von der Berggöttin die Zukunft der Regentschaft sagen zu lassen, ihr eine Frage zu stellen, wie man sein Lebensziel erreichen kann. Auch Akamaru tat dies." Sie blickte zu Sesshoumaru auf. Zu ihrer Überraschung schien etwas wie ein Schatten durch seine bernsteinfarbenen Augen zu ziehen. Aber da er schwieg, fuhr sie fort: "Die Berggöttin beantwortete seine Frage, doch dann fragte sie ihn, ob er je etwas von der Insel der Bestien gehört habe. Er musste verneinen. - Hast du, Sesshoumaru-donno? Dann müsste ich nichts berichten, das du bereits weißt."
"Die Insel der Bestien...Ich hörte Legenden davon. Dort sollen Magier leben, die Menschen opfern für Wesen, die niemand kennt, eben, diesen Bestien." Der Youkaifürst schien gelangweilt: "Und was ist daran so wichtig, dass Akamaru dich schickt?"
"Die Berggöttin sagte ihm, dass die Magier dort Menschen opfern für die Bestien, aber die Bestien werden einmal im Jahr selbst geopfert, der so genannten "Bestie der Tiefe". Alle 50 Jahre jedoch haben die Magier einen Youkai dieser "Bestie der Tiefe" geopfert, jedes Mal aus einer anderen Gattung. Nun sind dieses Jahr wieder 50 Jahre um. Die Berggöttin sagte, dass die Magier diesmal einen Youkai aus der Familie der Hunde opfern wollen."
Unwillkürlich legte Sesshoumaru die Hand an sein Schwert: "Das können sie vorhaben."
"Bitte, hör mich zu Ende an. Sie wollen nicht einfach irgendeinen Hundeyoukai opfern, sondern aus der stärksten aller Familien, dem Westclan."
Er nahm die Hand vom Schwertgriff:"Danke für die Warnung. Aber traut ihr mir gar nichts zu?"
Shiro sah zu Boden, sie wusste nicht so ganz, wie er auf ihre nächsten Sätze reagieren würde: "Verzeih. - Die Göttin selbst warnte Akamaru. Wenn das Opfer am Tag der Sommersonnenwende diesmal gebracht werden kann, sind 1000 Jahre um. Und die "Bestie der Tiefe" wird erwachen. Dies sei eine Gefahr für alle Wesen, Tiere, Menschen und Youkai. Und sie sagte Akamaru noch, das Opfer müsse verhindert werden, um jeden Preis. Die "Bestie der Tiefe" dürfe nicht das Blut der Hundeyoukai und das Herz der Menschen bekommen."
Sesshoumaru zog ein wenig die Augen zusammen. Er hatte verstanden: "Inuyasha."
"Das ist, was mein Bruder und ich befürchten."
"Und warum warnt ihr nicht meinen Halbbruder selbst?"
Shiro unterdrückte ein Seufzen. Sie wusste, dass sich die Brüder nicht sonderlich verstanden: "Du bist für mich weitaus leichter zu finden, als er." Aber das müsste er selbst wissen. Sein Youki war deutlich stärker als das des Halbdämons. Sie fuhr jedoch sachlich fort: "Überdies hoffte Akamaru, dass du ausnahmsweise einmal deinem Halbbruder beistehen würdest. Die Magier der Insel der Bestien scheinen über eine große Macht zu verfügen."
"Menschenmacht." Das klang verächtlich.
Shiro teilte seine Einschätzung über Menschen, aber sie warnte:"Es handelt sich wohl nicht um Menschen. Oder nicht nur. Die Göttin des Berges Halel wäre sonst nicht so besorgt."
Sesshoumaru drehte sich um, sah über das Wasser des Flusses. Auch er selbst war, nach dem Tod seines Vaters, zum Berge Halel gegangen. Er dachte an das seltsame Wesen, das dort lebte, mit dem Oberkörper einer Frau, einem Gesicht, das zwischen uralt und sehr jung hin und her zu wechseln schien. Ihr Unterleib war mit dem Berg verschmolzen. Aber noch nie hatte ein Youkaifürst von ihr schlechten Rat bekommen, seine Frage nicht beantwortet bekommen. Seine eigene Frage an die Berggöttin hatte gelautet, wie er es schaffen könne, stärker als sein Vater zu werden. Sieben Aufgaben hatte sie ihm genannt. Sechs waren erfüllt. Und die siebente Aufgabe hatte gelautet: geh und helfe dem Blut der Hundeyoukai und dem Herz der Menschen. Er hatte nicht verstanden, was er tun solle...bis jetzt, als Shiro das so gesagt hatte.
War das seine letzte Herausforderung, seine größte? Würde er dann endlich stärker sein, als es sein Vater je gewesen war?
Endlich, sein größter Wunsch erfüllt?
Er traute Inuyasha zu, dass dieser gegen eine Handvoll Magier Probleme bekommen würde. Der Hanyou war vorlaut, impulsiv und rechnete grundsätzlich nie mit Magie. Sein Menschenanhang war da vermutlich auch keine große Hilfe.
Nun gut. Wenn er zum Schluss sein Ziel erreichen konnte, müsste er eben Inuyasha zur Seite stehen.
Er drehte sich wieder um. Die Youkaiprinzessin sah ihm voll ins Gesicht, etwas, das er bei einem weniger mächtigen, ihm untergebenen, Youkai nie geduldet hätte. Aber obwohl ihr Leben ihm gehörte, er sie als Tochter eines Verräters missachtete, fand er sie stark und stolz genug, ihr das durchgehen zu lassen. Er hatte schon gegen sie gekämpft, und war sich bewusst, dass er ohne sein Schwert Tokejin erhebliche Probleme gegen sie gehabt hätte. Shiro war von den Zwillingen vom Südclan die Stärkere, Mächtigere. Und ihre Selbstbeherrschung war selbst in seinen Augen bemerkenswert. Überdies musste er daran denken, dass sein Vater sie einst für würdig gehalten hatte, sie als Braut für seinen Erben auszusuchen.
"Komm." Er wandte sich um und kehrte zu seinen Begleitern zurück.
Shiro folgte ihm ohne ein Wort zu sagen. Sie wusste, welche Entscheidung er getroffen hatte, wenn sie auch fälschlicherweise annahm, er verspüre etwas wie Geschwisterliebe. Die Zwillinge des Südclans waren seit ihrer Geburt beisammen, spürten Schmerz und Freude des anderen mit.
Rin und Jaken kamen sofort heran: "Sesshoumaru-sama?" Sie errieten schon, dass der friedliche Vormittag ein Ende gefunden hatte.
Das Menschenmädchen lächelte auch der Youkaiprinzessin zu. Immerhin hatte diese schöne Dame sich schon einmal in einen riesigen Hund verwandelt, sie auf sich reiten lassen. Rin hatte das sehr nett gefunden- und ahnte bis heute nicht, dass Sesshoumarus Befehl Shiro damals an den Rand ihrer Selbstbeherrschung gebracht hatte: "Guten Morgen, Shiro-sama."
"Hol Ah-Un. Wir gehen." Der Youkaifürst sah zu Shiro: "Du kommst mit mir."
Die hime der Hundeyoukai wusste, dass sie nicht widersprechen konnte. Offiziell waren sie noch immer verlobt, und sie hatte ihr Ehrenwort gegeben, dass ihr Leben ihm gehöre. Überdies hatte ihr Bruder sie geschickt, und Akamaru stand in Inuyashas Schuld. Der hatte ihm immerhin das Leben geschenkt. Es war kaum davon auszugehen, dass er diese Schuld dadurch bezahlen wollte, dass er zuließ, dass der Hanyou verfüttert werden sollte. Und sie waren Zwillinge. Einer stand für den anderen ein. So würde sie es nun auch tun. Daher sagte sie nur: "Du kannst sicher sein, dass ich dir folgen werde, wohin du willst und solange du willst." Sie fügte nicht hinzu, und zu welchem Ende du willst. Denn das wusste er ebenso gut wie sie selbst.
Sesshoumaru warf einen Blick seitwärts, wo Rin und Jaken auf den Drachen geklettert waren, nun zu ihm sahen: "Gehen wir."
Da er losging, folgte ihm Shiro. Hinter sich hörte sie mit ihrem guten Gehör das leise Tapsen der Pfoten des Drachen. Sie war ein wenig überrascht, dass der Youkaifürst wusste, wo sich sein ungeliebter Bruder aufhielt, aber sie konnte unmöglich fragen. Es war unter Youkai nicht üblich, mehr als das notwenige zu reden.
"Shiro-sama.."
Rins Anrede ließ die Youkaiprinzessin zusammenzucken. Sie hatte keine Lust, sich mit einem Menschenwesen zu unterhalten. Aber sie wusste vom letzten Treffen, dass Sesshoumaru äußerst eigentümlich reagierte, was dieses eine Kind betraf. So wandte sie den Kopf, sah zurück.
"Dein Kimono ist wunderschön..." meinte die Kleine begeistert: "Du siehst damit wie eine echte Prinzessin aus!"
Täuschte sich Shiro oder hatte Sesshoumaru eine leichte Handbewegung gemacht, scheinbar amüsiert? Aber ihr war klar, dass sie antworten musste: "Ich bin auch eine echte Prinzessin."
"Oh, ja..." Rin war ein wenig zerknirscht, dass sie das vergessen hatte: "Tut mir leid, Shiro-hime. Ich hatte ja euer Schloss gesehen."
"Ja." Die Youkai blickte wieder nach vorne, in der Hoffnung, das Gespräch damit zu beenden.
Rin, der durchaus klar war, dass sie manchmal zumindest bei Youkai für redselig galt, schwieg denn auch.
Sesshoumaru ging unbeirrt voran. Er konnte, wenn er sich genügend konzentrierte, die Aura seines Halbbruders auf große Distanz spüren. Zumeist interessierte es ihn freilich nicht, wo sich Inuyasha herumtrieb. Aber nun hatte er einen guten Grund, ihn zu suchen.
Der Hanyou und sicher auch seine Begleitung waren jedoch ziemlich weit weg. Wenn das Opfer bereits in der Mittsommernacht vollzogen werden sollte, war es durchaus möglich, dass ein Angriff bald erfolgte. Es waren nur noch zwei Wochen bis dorthin. Er blieb stehen. So waren sie zu langsam, sollte Inuyasha rechtzeitig gewarnt werden. "Shiro, nimm deine wahre Gestalt an. Jaken, ihr fliegt hinterher."
Während sich der Drache in die Luft erhob und sich Rin an Jaken festhielt, sah sie hinunter. In einem kurzen Aufwallen von Energie hatten sich die beiden Youkai verwandelt, ihre wahre Gestalt angenommen. Sesshoumaru war nun ein riesiger weißer Hund mit roten Augen, auf dessen Stirn noch immer die blaue Mondsichel zu sehen war, während Shiro ein etwas kleinerer Hund mit schwarzen langem Fell und noch immer grünleuchtenden Augen war. Die beiden Riesenhunde blickten sich kurz an, ehe sie in den Wald hineinliefen. Hoch über ihnen schwebte Ah-Un dahin, musste sich freilich anstrengen, mit ihnen Schritt zu halten.
Die Hundeyoukai liefen hintereinander durch den Wald. Obwohl sie keine Aggressivität ausstrahlten, genügten allein ihr Tempo und ihre Auren, dass Vögel vor ihnen aufflatterten, Tiere und kleinere Youkai hektisch das Weite suchten. Niemand wusste, was die beiden hier wollten, aber niemand hatte das Verlangen, ihnen im Weg zu stehen.
Sesshoumaru spürte die Aura seines Halbbruders immer stärker. Endlich, nach Stunden, als sie eine Ebene erreicht hatten, trieb ihm der Wind auch die Witterung zu. Und andere Botschaften.
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Das nächste Kapitel heisst : (K)ein Opfer für die Bestie.
Wer so nett ist, und mir einen Kommi hinterlässt, bekommt, wie immer, eine Info- ENS, wenn ich sehe, dass das nächste Kapitel on ist.
bye
hotep
(K) ein Opfer für die Bestie
Hallo,
danke für eure Kommis.Freut mich, dass ich euch unterhalten kann.
Viel Spass beim Lesen.
2. ( K) ein Opfer für die Bestie
Inuyasha und seine Gruppe waren seit dem frühen Morgen unterwegs. Sango und Kagome gingen nebeneinanderher, beide je einen kleinen Youkai tragend. Kiara, die in Sangos Arm lag, sah trügerisch nach einem kleinen Kätzchen aus, und der Fuchsdämon Shippou saß auf der Schulter des Mädchens aus dem 20.Jahrhundert. Inuyasha ging voraus, Miroku machte den Schluss. Er wollte im Augenblick nicht zu nahe bei Sango sein, da er deren Handabdruck noch immer im Gesicht hatte. Er wusste zwar, dass sie seine Hand an ihrem Hinderteil nicht gerade schätzte, aber wer hätte da schon widerstehen können? So vergnügte er sich damit, den beiden Mädchen vor ihm beim Gehen zuzugucken.
Der Wald, durch den sie gerade liefen, war hell und freundlich. Kagome spürte keine Splitter des shiko no tama, Inuyasha witterte nichts in weitem Umkreis. Und obwohl sie bis auf Kagome auch das Youki eines Dämons wahrnehmen konnten, warnte sie nichts. Es schien einfach ein schöner, heller Sommermorgen zu sein.
Etwas wie ein Schrei war zu hören. Inuyasha blieb stehen, hob den Kopf, um prüfend die Luft einzuatmen. Etwas war plötzlich da, das konnte er riechen. Aber ehe er es deuten konnte, fiel Nebel über die Gruppe, schwer und dicht, es vollkommen unmöglich machend, auch nur die Hand vor Augen zu sehen. Die Überfallenen waren zu kampferfahren, um nicht zu reagieren. Kiara sprang sofort von Sangos Arm, vergrößerte sich zu einem pferdegroßen Katzenwesen, während ihre Herrin sich schon den großen Bumerang von der Schulter riss. Kagome ließ Shippou praktisch fallen, als sie sich Pfeil und Bogen nahm. Miroku drehte den Mädchen den Rücken zu, versuchte, hinter sich etwas erkennen zu können. Wenn er den oder die Verursacher des Nebels sehen konnte, könnte er vielleicht sein Schwarzes Loch einsetzen. Ein vertrauter leiser Klang ließ die Gruppe wissen, dass Inuyasha sein Schwert gezogen hatte:
"Kagome?" fragte er.
"Ja...Kannst du etwas riechen?"
"Nein. Es ist so..." Er schrie unwillkürlich auf.
Seine Freunde waren für einen Moment bestürzt, ehe auch auf sie etwas wie Funkenregen niederging. Sango versuchte die schmerzenden Lichter mit ihrem Bumerang abzuwehren, aber es waren zu viele und es tat zu weh. In dem Nebel war es für die Überfallenen auch unmöglich, zu erkennen, wer oder was da von außerhalb des Dunstes auf sie schoss. Kagome fühlte sich fast an elektrische Funken erinnert. Diese kleinen Lichter taten weh, brannten sich in die Haut, versengten den Kleidung. Aber weglaufen? Wohin in dieser undurchdringlichen Suppe?
"Inuyasha?!" rief sie: Warum unternahm er denn nichts? Sein Feuerrattengewand schützte ihn doch sicher: "Inuyasha?!"
Keine Antwort.
"Sango?" fragte sie, während sie gleichzeitig versuchte, ihr Gesicht mit den Armen zu schützen. Diese Lichter taten so weh. Und es wurden immer mehr, waren schon keine Funken mehr, eher wie Strahlen.
"Ich bin hier..." Eine Hand berührte sie: "Aber was ist das nur??" Auch in der Stimme der Dämonenjägerin lag Schmerz. Und obwohl sie jetzt so nahe neben Kagome war, konnten sich die beiden nicht sehen.
Etwas stieß gegen die Mädchen: "Sango? Kagome-sama??" Sie waren erleichtert, dass Miroku zu ihnen gefunden hatte. Aber auch er keuchte: "Das ...das werden wir nicht mehr lange aushalten..."
Das wusste auch Kagome. Aber, wo war der Rest? "Shippou? Inuyasha?!" Sie konnte kaum mehr rufen. Es tat einfach zu weh.
Als sich der Nebel endlich lichtete, lagen nur regungslose Gestalten auf dem hellen Waldgrund.
Der Mönch erwachte als erster. Mit leisem Stöhnen richtete er sich auf, sah sich um. Immerhin schienen die unbekannten Angreifer nicht an ihrem Tod interessiert gewesen zu sein. Ein Stück entfernt konnte er Shippou sehen, der sich zu regen begann. Kiara lag auch da. Selbst die Youkai hatte dieser Angriff ganz schön mitgenommen. Er kniete nieder, beugte sich über die Mädchen. Auch deren Kleidung zeigte Brandflecken: "Kagome-sama...Sango...?"
"Hoshi-sama.." Sango schlug die Augen auf: "Ist...ist es vorbei?"
"Leider nein."
Dieser Satz genügte, dass die Dämonenjägerin sich aufrichtete, Kagome erschreckt die Augen öffnete.
Miroku nickte seitwärts: "Inuyasha fehlt. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass er geflohen ist."
"Inuyasha..?!" Kagome saß sofort, ungeachtet ihrer Brandwunden: "Dann hatten sie es auf ihn abgesehen."
"Ja Und uns wollten sie nur außer Gefecht setzen." Sango kniete sich hin: "Das ist ihm oder ihnen auch ganz gut gelungen." Sie rieb sich die Arme: "Wir sind wie Anfänger in die Falle gegangen."
"Keiner hat eine Falle bemerkt." Der Mönch stand auf und holte seinen Stab, bückte sich und trug Shippou zu ihnen: "Hier, Kagome-sama."
"Danke. Nein, also ich habe nichts gespürt, keinen Splitter, gar nichts. Und Inuyasha hat ja auch nichts gerochen..." Sie sah auf den Fuchsyoukai: "Hallo, kleiner Shippou...geht es wieder?"
"Ja.." Der Kleine bemerkte durchaus, dass es den Menschen auch nicht gerade hervorragend ging und sprang aus ihrem Arm: "Mir geht es gut...aber Inuyasha..."
"Hast du gesehen, wer ihn weggeholt hat?" fragte Kagome sofort: "Hast du etwas erkennen können, im Nebel?"
"Nicht richtig...ich ..es roch nur so komisch, nach Hund, irgendwie."
"Nach Hund???" kam es im Chor zurück.
"Nein", piepste jemand. Aus Kagomes Kragen kroch eine winzige Gestalt. Myoga, der alte Flohgeist.
Sie starrte ihn überrascht an: "Was machst du denn hier? Ich dachte, du warst bei Inuyasha?"
"Oh, ja, das war ich. Aber als der Nebel kam und dieser Angriff begann...nun, wie soll ich das sagen..."
"Erschien es dir bei Kagome sicherer als bei Inuyasha", ergänzte Sango: "Aber was war das mit dem Hund? Hundeyoukai haben uns doch nicht überfallen?"
"Nein, das natürlich nicht." Myoga schien fast empört.
"Erzähl nur weiter", meinte Kagome und begann ihren Rucksack nach der Erste- Hilfe-Tasche zu durchsuchen. Sie hatte immerhin eine Brandsalbe dabei. Die könnten sie jetzt gut gebrauchen.
"Also, ich kenne den Geruch von Hunden und Hundeyoukai. Das war irgendwie anders, glaube ich..."
"Glaubst du?" Miroku war stehen geblieben, sah sich nun um: "Aber ihr seid euch einig, dass es nach Tier roch. War es irgendein anderer Youkai? Aber sicher waren es mehrere."
"Ja." Shippou setzte sich betont aufrecht hin: "Ich sah im Nebel mehrere Gestalten, die Inuyasha fassten, als ich bewusstlos wurde. Er konnte sich nicht wehren, dabei hätte ihn doch seine Kleidung schützen müssen. Oder Tessaiga."
"Dann hat jemand einen guten Bannspruch gegen ihn gebraucht." Sango nahm die Creme von Kagome: "Danke..." und begann sich einzureiben, als sie plötzlich den Kopf hob. Auch Kiara, die inzwischen aufgewacht war, maunzte warnend.
"Wir bekommen Besuch..." Miroku fasste seinen Stab fester.
Die Mädchen standen auf. Wer konnte, spürte ein Youki, eine Dämonenenergie, die alles andere als beruhigend war, zumal in ihrem momentanen desolaten Zustand.
Scheinbar aus dem Nichts erschienen zwei Gestalten, die sie erstaunt erkannten.
"Sesshoumaru!" Kagomes Wiedersehensfreude hielt sich in Grenzen. Noch überraschter war sie über seine Begleitung: "Shiro??"
Der männliche Youkai trug seine gewohnte Kleidung, die weibliche ebenfalls offen Rüstung und Schwert. Sie hatte ihren Kimono bei Rin gelassen, um freier kämpfen zu können, sollte es nötig sein.
"So habe ich mir das vorgestellt." Der kühle Blick des Youkaifürsten glitt über die Gruppe.
"Inuyasha ist entführt worden", erklärte Miroku, der annahm, dass das der Grund für den Auftritt hier war. Hatte der Halbbruder etwas mitbekommen? "Falls du weißt, von wem, sag es uns."
"Ja, bitte, Sesshoumaru, damit wir ihm helfen können." In Kagomes Stimme lag ernste Sorge. Sie konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass der ältere Bruder hier rein zufällig vorbeikam, so kurz, nachdem eine mittlere Katastrophe eingetreten war.
"Helfen?" Das klang spöttisch. Erneut wanderte der Blick über sie, suchte die Verletzungen: "Ihr habt ja gerade auch versagt."
"Wir werden es immerhin versuchen", fauchte sie sofort.
"Was ist hier geschehen?"
Da Kagome im Augenblick wohl nicht in der Verfassung war, einen sachlichen Bericht abzuliefern und Inuyasha nicht da war, um sie gegen seinen älteren Bruder zu schützen, übernahm lieber Sango den Report. Allerdings waren die Menschen, die die feine Nase von Hundeyoukai wohl am besten kannten, leicht über diese Frage erstaunt.
Sesshoumaru hörte mit wie üblich regungsloser Miene zu, unterbrach sie aber kein einziges Mal. Dann erst meinte er: "Shiro."
Die rothaarige Youkaiprinzessin verzog unmerklich den Mund. Aber es war nur zu normal, dass jeweils der niederrangigste Youkai mit Menschen sprach. So erzählte sie zum zweiten Mal von der Warnung der Berggöttin, dass die Magier der Insel der Bestien einen Hundeyoukai des Westclans opfern wollten, vermutlich Inuyasha.
"Magier?" meinte Kagome: "Also, Menschen? Dann hätte er sich doch wehren können?"
"Es sind vermutlich keine Menschen. Der Geruch, der hier in der Luft liegt, ist nicht der von Menschen. Aber auch nicht von Youkai. Sie müssen ihre Witterung verborgen haben. Das kann kein gewöhnlicher Mensch. Sie haben sogar verbergen können, wie und wohin sie mit dem Han...mit Inuyasha sind." Shiro widerstrebte die Unterhaltung, aber sie wusste, dass es noch unmöglicher gewesen wäre, hätte Sesshoumaru diese Erläuterungen abgegeben. Er hatte sowieso für einen Youkaifürsten schon viel mit dieser Gruppe geredet: "Aber dieser Nebel von dem ihr spracht...Demnach müssen sie zumindest Wettermagie beherrschen, ein recht schwieriger Teil der Magie. Oder sogar Elementmagie - Mich überrascht, dass sie Tessaiga nicht hier gelassen haben. Man entführt niemanden und lässt ihm seine Waffe." Shiro sah, wie die Menschen sie erstaunt anstarrten: "Oh, wir alle wissen natürlich, was geschieht, hat er Tessaiga nicht mehr. Aber woher wissen sie es? Und warum gehen sie dieses Risiko ein? Sie müssen sehr von ihrer Macht überzeugt sein." Sie versuchte, sich einzureden, dass dies ja keine gewöhnlichen Sterblichen waren. Sie hatte sie schon im Kampf gesehen. Es war dann sicher nicht so herabsetzend, mit ihnen zu sprechen.
Das, was die Youkaiprinzessin da gerade gesagt hatte, war auch wieder wahr, und Inuyashas Freunde tauschten einen Blick. Da schien sich jemand sehr gut auf die Entführung vorbereitet zu haben.
Die Youkai ergänzte die letzte Information: "Das Opfer soll zur Sommersonnenwende stattfinden."
"Das ist ja schon in weniger als zwei Wochen??" Kagome sah seitwärts: "Dann müssen wir uns beeilen. Wo ist diese Insel?"
"Im Norden, weit im Norden, habe ich mal gehört", antwortete Myoga, der die Augen nicht von Shiro ließ: "Aber das ist nur eine Legende. Ich weiß nicht, ob da jemand etwas Genaueres gehört hat. Ich erinnere mich nur, es gab in meiner Jugend Gerüchte über Piratenüberfälle, an der Küste. Angeblich, um die Menschenopfer zu holen. Aber ich wusste nicht, dass sie auch Youkai opfern...und ich...ah...ich muss einfach..." Er sprang los, landete an Shiros Hals und begann zu saugen.
Die Youkaiprinzessin fasste sofort hin, hielt ihn zwischen ihren spitzen Nägeln: "Ein Flohgeist?"
"Bitte..." keuchte Myoga: "Ich habe schon solange kein so edles und süßes Blut mehr bekommen...bitte, Shiro-hime, lasst mich noch ein wenig..."
"Shiro." Sesshoumaru betrachtete den Flohgeist fast nachdenklich: "Wenn ihm nichts mehr über die Insel einfällt, kannst du ihn töten."
"Nein!" schrie Kagome sofort: "Er gehört Inuyasha...und wie kannst du es wagen..."
"Ruhig..." flüsterte Sango: "Sonst drückt sie noch tatsächlich zu. Und du weißt, wie stark sie ist. Gegen die beiden haben wir im Moment miese Karten."
Shiro hob die Hand ein wenig, musterte Myoga, dem der Schweiß ausbrach: "Also?"
"Ich weiß wirklich nicht mehr viel. Die Insel soll im Norden liegen, also nördlicher als nördlich...also...sehr weit im Norden." Der Flohgeist redete in gewisser Panik: "Ich hörte nur, dort sei eine Gegend, in der unbekannte Magien am Werk seien, gefährlich selbst für Youkai. Und ich hörte in meiner Jugend, dass sie eine Bestie dort verehren, die sie die Bestie der Tiefe nennen. Das soll ein Wesen sein, das schläft und nur aufwacht, um Opfer zu bekommen. Es hieß, wenn diese Kreatur endgültig erwacht, wird es gefährlich. Aber das habt Ihr zuvor ja schon erwähnt, Shiro-hime. Am ehesten müsste Euch der Youkaifürst im Norden darüber Auskunft geben können, Sesshoumaru-sama. Aber diese Magier leben wohl ganz für sich und für die schlafende Bestie."
"Dann gehen wir nach Norden", sagte Kagome und blickte zu ihren Freunden: "Wir müssen Inuyasha irgendwie finden und retten, bevor er geopfert werden kann."
"Dummkopf." Sesshoumaru sah sie eine Weile an.
Sie begann sich unter dem kühlen Blick ausgesprochen unwohl zu fühlen: "Was soll das heißen? Wenn du eine Ahnung hast, riechen kannst, wo sie ihn hingebracht haben, kannst du es uns ja sagen." In ihr tauchte ein unangenehmer Gedanke auf: "Ich weiß ja, dass du ihn hasst, aber willst du wirklich zulassen, dass er irgend so einer Bestie geopfert wird???"
"Ihr seid zu schwach und zu langsam für eine Suche. - Dort hinten im Wald sind Jaken und Rin. Nehmt sie mit in das Dorf, in dem ihr gewöhnlich lebt. Und beschützt sie." Das war ein klarer Befehl.
Ein Befehl, der bei den Freunden seines Halbbruders etwas wie ungläubiges Erstaunen auslöste. Denn das konnte nur bedeuten...
"Ihr habt verstanden. - Shiro, tu mit Myoga, was du willst."
Der arme Flohgeist, noch immer zwischen den Nägeln der Youkaiprinzessin eingequetscht, keuchte entgeistert auf. Diese hob ihn erneut ein wenig hoch, suchte seinen Blick: "Edles und süßes Blut, hast du gesagt?"
"Ah...ja, Shiro-hime...bitte...lasst mich..."
Shiro betrachtete ihn noch einmal, ehe etwas wie ein Lächeln um ihren Mund glitt. Myoga sah es und machte sein Testament. Er hatte Sesshoumaru einmal so lächeln gesehen....Zu seiner grenzenlosen Überraschung setzte sie ihn an ihren Hals: "Nimm noch einen Schluck, als Dank für ein Kompliment", sagte sie, ehe sie zum Youkaifürsten blickte.
Dieser nickte leicht: "Wir gehen nach Norden." Er musterte noch einmal die Gruppe, die ihn noch immer etwas fassungslos anstarrte: "Und wagt es nicht, mir in die Quere zu kommen."
"Nein", antwortete Miroku langsam: "Wir gehen ins das Dorf zu Kaede. Sie wird sich auch um Rin kümmern, da bin ich mir sicher."
"Danke", brachte Kagome hervor: "Ich bin froh, dass du deinem Bruder helfen willst..."
Shiro nahm Myoga von sich, warf ihn mehr hinüber zu Miroku. Der Flohgeist war Kummer gewohnt und landete elegant auf dessen Schulter.
Die Menschen und kleinen Youkai konnten nur noch zusehen, wie sich bei beiden Besucher in Energiebälle verwandelten und in hohem Tempo Richtung Norden verschwanden.
"Na ja...sie sind sicher schneller als wir, stärker. Und, wenn mich nicht alles täuschte, will Sesshoumaru Inuyasha da wirklich rausholen. Vielleicht widerspricht das doch seinem Stolz, einen Sohn seines Vaters irgendeiner Bestie vorgeworfen zu sehen." Sango blickte in die Runde: "Und wir gehen ins Dorf zurück?"
"Ja." Miroku drehte sich um: "Oder, Kagome-sama?"
"Ja, müssen wir wohl. Sonst haben wir die beiden am Hals. Sesshoumarus Warnung war ja sehr deutlich. Und er hat Recht, dass sie schneller sind als wir. Hoffentlich finden sie Inuyasha...lebendig." Eine Pause. "Aber mich würde wirklich interessieren, ob er jetzt was mit Shiro hat oder nicht..." Das Mädchen aus dem 20. Jahrhundert sah sehr nachdenklich Richtung Norden.
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Nun, ihn das zu fragen, traut sich nicht einmal Kagome *g*
Jetzt sind sie allein zu zweit auf einer gefährlichen Rettungsmission. Und auf so einer Reise lernt man sich schon ein wenig näher kennen...
Das nächste Kapitel heisst: Im Reich des Katzenclans.
Wer so nett ist, und mir einen Kommi hinterlässt, bekommt, wie gewohnt, eine InfoENS, sobald ich sehe, dass es on ist.
bye
hotep
Im Reich des Katzenclans
Hallo allerseits,
danke für eure Kommentare!
ich gebe zu, sehr Gentleman ist er nicht gegenüber seiner Braut. Aber die Reise hat ja gerade erst begonnen..
Viel Spass beim Lesen!
3. Im Reich des Katzenclans
Im Nordwesten verwandelte sich Sesshoumaru in seine menschenähnliche Gestalt zurück und Shiro folgte seinem Beispiel. Sie sah ihn an, erwartete irgendeinen Grund, warum er ausgerechnet hier, in einer Ebene voller grasiger Hügel angehalten hatte. Er schien auch zu wittern. Suchte er den Weg?
Aber da er einfach weiterging, folgte sie. Um nichts auf der Welt hätte sie sich soweit erniedrigt, ihn um eine Erklärung zu bitten.
Der Youkaifürst wusste allerdings, dass sie nicht erkannte, was los war und sagte: "Hier enden die westlichen Gebiete, die meinem Vater einst unterstanden und nun mir. Wir kommen zur Grenze. - Der Nebel war deiner Meinung nach Elementmagie?"
"Oder Wettermagie. Denkst du nicht genauso?"
Keine Antwort, was sie als ein ja nahm.
Erst nach gut fünf Minuten fuhr sie fort: "Jeder, der Youki besitzt kann in gewisser Hinsicht Gewitter verursachen, bestimmte Phänomene. Aber für solch einen Nebel muss man sehr erfahren oder mächtig in seiner Kunst sein. Es könnte besser sein, wenn wir mit jemandem sprechen, der die beherrscht."
"Shiro."
Das war eindeutig ein Tadel. Sie verstand das. Sie hatte für einen Moment vergessen, dass sie hier nicht mit ihrem Bruder unterwegs war, mit dem sie schon immer Gedanken ausgetauscht hatte. Sie sollte sich wirklich ein wenig zusammennehmen. Es war nicht üblich unter Youkai, zuviel zu reden, und darunter fielen auch Mutmaßungen oder Theorien. Youkai handelten, sie sprachen nicht.
Sesshoumaru dachte nach. Sie hatte insoweit recht, dass es sich vermutlich um eine Magie handelte, die aus Elementmagie entstanden war. Luft, Erde, Feuer, Wasser und die dazugehörigen Phänomene. Leider fiel ihm außer Kagura, der Windherrscherin, niemand ein, der solche Erscheinungen kontrollieren konnte. Und bevor er Narakus Abkömmling um Rat bat, sollte eher die Welt untergehen.
Aber da gab es noch jemanden. Er hatte in den Nordwesten gewollt, um Auskunft über die Insel der Bestien zu bekommen. Nun fiel ihm jedoch ein, dass sie auch eine Form der Elementmagien beherrschten. Es war zwar ein wenig fraglich, ob sie ihm so bereitwillig Auskunft geben würden. Aber soweit er sich entsann, hatten sie noch Schulden bei ihm.
Wieder prüfte er den Geruch des Landes. Dort vorne war der Fluss, der seit den letzten Kriegen die Grenze bildete. Er konnte auch das Dorf an der Brücke wittern. Die ersten Äcker kamen auch schon in Sicht.
Shiro war etwas verwundert, dass sie auf ein Menschendorf zuhielten, schwieg jedoch. Er hatte gesagt, dass sie hier noch in seinem Herrschaftsbereich waren und er würde sicher wissen, was er tat. Nicht, dass sie Schwierigkeiten erwartet hätte. Im Süden achteten die Menschen sehr darauf, die herrschende Youkaifamilie zu unterstützen, um sich deren Schutz zu sichern. Vermutlich war das hier ebenso. Und wenn nicht, so war sie überzeugt, selbst allein gegen so wenige erbärmliche Menschen nicht einmal ihr Schwert ziehen zu müssen.
Die ersten Bauern hatten das Paar entdeckt, das auf sie zukam. Einige rannten sofort ins Dorf zurück, während andere vorsichtig näher kamen. Als sie sahen, dass sie sich nicht geirrt hatten, blieben sie stehen, verneigten sich höflich. Niemand hier im Westen vergaß die Hochachtung, die man dem Youkaifürsten entgegenbringen sollte, kein Bauer und kein Menschenfürst. Ein Mann mit langen weißen Haaren und Rüstung konnte sich Respekts sicher sein.
Der alarmierte Dorfvorsteher kam angelaufen, verneigte sich schon in zwanzig Meter Distanz tief und verharrte so, bis der Besuch bei fast bei ihm war. Dann fiel er auf die Knie. "Welche Ehre...Was wünscht Ihr?"
"Nichts." Sesshoumaru ging weiter. "Geht an eure Arbeit."
Der Dorfvorsteher atmete unmerklich auf. Natürlich hätte niemand gewagt, dem Herrn der westlichen Gebiete einen Wunsch abzuschlagen, aber wenn er gar nichts wollte, war es nur umso besser. Allerdings hätte er schon gern gewusst, wer die Dame dabei war. Es handelte sich ganz offenkundig auch um eine Youkai...war das etwa die neue Herrin? Fragen wäre vermutlich jedoch glatter Selbstmord. So erhob er sich nur vorsichtig und winkte seine Nachbarn zurück auf die Felder zu gehen.
Shiro bemerkte nun die Brücke über den Fluss. Für Menschen ging hier das Land einfach weiter, vielleicht besaß es auf beiden Seiten des Wassers sogar den gleichen Herrn. Aber für Youkai war hier eine scharfe Grenze. Der Geruch des Lands veränderte sich. Das erklärte auch, warum Sesshoumaru seine Menschenform angenommen hatte. Betrat ein Youkai, zumal ein Fürst, ein Land in Energieform, war das mit Sicherheit eine Drohung, fast schon eine Kriegserklärung. Und das hatte er im Augenblick gewiss nicht vor. Sie nahm eher an, dass er jemanden wegen der Insel der Bestien oder der Elementmagie fragen wollte. So folgte sie ihm über die Brücke, schloss ihm auch an, als er zu schweben begann, in die Weiten dieser Steppengebiete hin.
Es war schon einige Zeit vergangen, als er an einem Hügel stehen blieb. "Shiro, warte hier."
Sie war erstaunt: "Du willst meine Begleitung nicht?"
Er wandte ihr nur den Blick zu und zum zweiten Mal an diesem Tag wurde sie daran erinnert, dass sie nicht zu ihrem Zwillingsbruder sprach: "Verzeih. Ich werde hier warten." Sie ließ sich einfach nieder und sah ihm zu, wie der ein Dimensionsportal öffnete und scheinbar im Nichts verschwand. Daraus konnte sie schließen, dass er sein Ziel genau kannte, denn nur dann konnte man einen solchen Tunnel öffnen, oder wenn man das Youki eines anderen zielgenau spürten konnte. Es wäre ihr ein Leichtes gewesen, mit Hilfe einer Wasserschale seine Bewegungen zu verfolgen, aber hier war weit und breit kein Wasser. Sie müsste sich schwer täuschen, hätte er das nicht so geplant. Anscheinend wusste er über ihre Fähigkeiten deutlich besser Bescheid, als sie über die seinen. So müsste sie wohl einfach warten. Das Ärgerliche war nur, dass sie die Insel der Bestien mit Hilfe des Wassers nicht finden konnte. Wie für den Dimensionswechsel benötigte sie einen genauen Ort, oder ein genaues Youki als Ziel.
Die Youkaiprinzessin schloss die Augen, begann, sich zu entspannen, die Quellen ihrer Energie zu suchen. Falls sie wirklich weiter reisen sollten, zu dieser Insel, würde sie sicher alles Youki benötigen, das sie besaß.
Sie blickte erst auf, als sie eine Energie spürte, die sie alarmierte. Da kam ein Youkai, und nicht gerade ein schwacher. So stand sie auf, drehte sich um. Ein Dimensionsportal wurde geöffnet und eine junge Frau, ein wenig älter als sie, kam heraus. Shiro betrachtete sie abschätzend. Lange, grüne Haare, spitze Ohren, Rüstung, ein Schwert. Das war eine hochrangige Youkai, wie sie selbst. Die Witterung, die ihr in die Nase stieg, nach, war das allerdings eine aus einer Katzenfamilie.
Die Unbekannte blieb stehen: "Tatsächlich. Eine Hündin, hier?"
"Ist das dein Land, das du so zu fragen wagst?" Shiro richtete sich instinktiv auf.
"Ja. Und das meiner Geschwister." Die Fremde musterte sie abschätzend: "Hast du gerade einen Kampf verloren und dich hierher geflüchtet? Wie bedauerlich.."
"Du solltest nicht von dir auf andere schließen. Ich verliere fast nie." Shiro erwiderte den Blick ebenfalls begutachtend. Das war kein sehr freundlicher Empfang.
"Oh, ich wüsste schon mindestens einen Hund, gegen den du verlieren würdest." Die Unbekannte kicherte: "Sesshoumaru soll wieder in seinem Land sein..."
Shiro zwang sich zur Selbstbeherrschung: "Auch du würdest verlieren. - Du und deine Geschwister gebieten hier?" Das klang ein wenig abschätzig, als würden hier weit und breit außer ihr und ihren Geschwistern nur noch Menschen leben.
Die Katzenyoukai lächelte: "Ich bin Koura, die älteste der vier Könige. Und wie ist dein Name, damit ich meinen Geschwistern erzählen kann, welcher dumme Köter mir den Morgen verdorben hatte, ehe ich sie tötete?"
"Sei dir nicht so sicher." Die Hundeyoukai fasste instinktiv an ihr Schwert: "Ich bin Shiro vom Südclan. - Und was weißt du schon über Sesshoumaru."
"Hiaum..." Der Laut klang fast weich miauend: "Ich kenne ihn natürlich, habe auch schon gegen ihn gekämpft...."
Shiro zog ein wenig die Augen zusammen: "Ja. Und er hat dir gefallen, nicht wahr. Katze!" Das klang nach einer Beleidigung. "Aber du lügst, warum solltest du noch leben?" Nun ja, dachte sie gleichzeitig. Warum lebe ich noch?
Koura lächelte wieder. "Sag nur, er gefällt dir nicht. Dann wärst du die dümmste Hundeyoukai, die herumläuft. Der Herr aller Hundeyoukai...Aber für jemand wie dich würde er sich nie interessieren."
Shiro spürte, wie ihr Youki ansteigen wollte, als die Katzenkönigin Salz in einer Wunde strich, von der sie doch nichts ahnen konnte: "Nun, das sei dahingestellt," gab sie nur kalt zurück, suchte aber nach einem Weg, das Koura heimzuzahlen: "Aber ganz sicher interessiert er sich nicht für eine Katze, die dreimal im Jahr über jedes männliche Wesen herfällt, das sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringt."
Etwas wie ein unterdrücktes Fauchen war zu hören, als Koura ebenfalls die Hand an ihr Schwert legte: "Du bist sehr von dir eingenommen, Töle. Ich bin die älteste und stärkste meines Clans. Und ich habe schon viele Youkai getötet, die ähnlich große Töne von sich gaben."
"Das sagst du." Eine erneute Beleidigung. "Ich würde mich nie von jemandem besiegen lassen, der sein eigenes Fell ableckt."
"Ah, ihr Hunde, immer so ernst, immer auf Ehre aus, nicht wahr?" Etwas wie ein Kichern: "Nun gut, meine Liebe: Dann stirb. Und mögen wir uns erst in der Hölle wieder sehen, Shiro vom Südclan." Sie zog ihr Schwert: "Mal sehen, was du so kannst."
"Hauptsache, du hörst auf zu reden. - Aber das wird in sehr kurzer Zeit sein...." Auch Shiro hatte ihre Waffe zur Hand genommen.
Für einen Moment standen sich die beiden weiblichen Youkai gegenüber. Beiden war bewusst, dass ein solches Duell erst mit dem Tod einer von ihnen enden würde. Dann jedoch sprang Koura auf ihre Gegnerin zu. Shiro hob ihre Klinge. Stahl knirschte auf Stahl, dann wichen beide auseinander. Sie tauschten noch einige Schläge, ohne dass ihre Schwerter mit ihrem Youki aufgeladen wurden. Das was ein reines Abtasten, das Überprüfen, wie gut die Widersacherin sei in der Fechtkunst. Und beide gewannen den Eindruck, einer ebenbürtigen Gegnerin gegenüberzustehen.
Beide sprangen zurück. "Nicht schlecht für eine Töle." Koura schien amüsiert: "Dein Fechtlehrer hat sich wirklich Mühe gegeben..."
"Du kämpfst anscheinend lieber mit dem Mund", stellte Shiro ruhig fest: "Oder hast du noch andere Fähigkeiten?"
"Du wirst sie gleich kennen lernen. Und dir dann wünschen, es nicht gesehen zu haben." Die Katzenyoukai hob ihr Schwert wieder etwas: "Ich kenne nur zwei Wesen deiner Art, die zu beachten sind..."
Shiro wusste nur zu gut, wen sie meinte, war aber etwas verwundert, dass diese Katzenkönigin sich anscheinend schon mit beiden Brüdern angelegt hatte und noch immer am Leben war. Vielleicht musste sie wirklich vorsichtig sein. Sie hielt ihr Schwert schräg vor sich, zur Abwehr bereit, da sie nicht wusste, über welche Fähigkeiten ihre Gegnerin und deren Klinge verfügten. Aber sie sagte: "Schön, dass du wenigstens zwei beachtenswerte Hundeyoukai kennst. Ich kenne keine Katze, die einer Erwähnung wert ist."
"Damit zeigst du nur deine Dummheit. Aber das Intelligenzniveau von Hunden war noch nie besonders."
"Immerhin haben wir ein Niveau. Davon kann bei dir und deinesgleichen ja wohl nicht die Rede sein."
Koura ließ ihr Youki aufflammen, sich mit ihrer Klinge verbinden. Shiro sah es und aktivierte ebenfalls ihr Schwert, auf der Hut. Dennoch war sie etwas überrascht, als ihre Gegnerin ihr Schwert gegen sie ausstreckte und einen Strahl Eis auf sie schoss. Die Hundeyoukai sprang hoch, überschlug sich und landete abwehrbereit. Eis. Das bedeutete, dass sich wirklich aufpassen musste. Einmal, um nicht von dem Strahl an sich erwischt zu werden und zum zweiten: innerhalb kürzester Zeit wäre der Boden glatt. Aber dieses Miststück mit der spitzen Zunge sollte hier nicht so einfach wegkommen. Als erneut Eis auf sie zuschoss, schlug sie mit der Klinge einen Bogen, aktivierte so ihre Abwehr aus Youki. Das Eis wurde reflektiert und Koura konnte sich nur durch einen Überschlag vor ihrer eigenen Attacke in Sicherheit bringen. Das Gras, wo sie eben noch gestanden hatte, wurde knirschend weiß.
Keine 5 Minuten später bildete die Steppe in fast tausend Meter Umkreis eine rutschige, spiegelnde Fläche. Koura konnte mit der Glätte besser umgehen, war sie es doch gewohnt. Sie bemerkte durchaus, dass ihre Gegnerin ab und an ins Rutschen kam. Darin bestand ihr eigener Vorteil, denn sie musste sich zugeben, dass dieses Hundeweib stark und schnell war. Aber das bedeutete nicht viel. Beide kämpften mit so hohem Youki, wie es nur Leute tun konnten, die sich gerade gegenseitig beleidigt hatten.
Sesshoumaru war weit in das Landesinnere gegangen. Er wusste, wo das Schloss der Katzen lag, so dass er das Portal hatte benutzen können. Sein Erscheinen hatte postwendend dazu geführt, dass drei der vier Geschwister ihn vor dem Tor erwarteten.
Die zweitälteste Schwester betrachtete ihn, als er stehen blieb: "Kommst du in Frieden oder zum Kampf?"
"Ich habe eine Frage an euch." Er ließ die Hand demonstrativ an der Seite herabhängen, eine Geste, die die anderen zu schätzen wussten.
"Dann frage."
"Koura ist nicht hier?"
"Nein. Was willst du von ihr?"
Er ging nicht darauf ein: "Du beherrschst Feuermagie."
"Ja." Sie wurde immer verwirrter.
"Kann ein Mensch Elementmagie beherrschen?"
"Nein", war die prompte Antwort: "Unmöglich. Auch kein niederer Youkai. Man braucht sehr viel Youki, um Feuer herzustellen... oder auch andere Elemente. Vielleicht könnte es ein extrem starker Hanyou, aber ich glaube es nicht."
"Kennt ihr die Insel der Bestien?"
"Ich habe davon einmal gehört", sagte der einzige Bruder der Katzenkönige: "Sie soll im Norden liegen, aber viel weiter im Osten. Eher im Gebiet, das Masaki beherrscht. Dort sollen seltsame Opfer einer Bestie dargebracht werden. Du stellst sehr bizarre Fragen, Sesshoumaru."
"Weißt du noch mehr über diese Insel? Über die Bestie?"
"Nein." Der Katzenyoukai hob den Kopf: "Spürt ihr es, Schwestern? Koura.."
"Sie muss kämpfen..." Die Katzen sahen sich alle an.
Auch Sesshoumaru spürte jetzt Youki. Koura und Shiro, dachte er. Sind sie aneinander geraten? Aber warum?
"Gehen wir. Vielleicht müssen wir unserer Schwester helfen."
Sesshoumaru drehte sich ebenfalls um. Vier gegen Shiro, das konnte schlecht enden, auch, wenn er sich keinen Grund vorstellen konnte, warum die zwei Youkaiprinzessinnen so in Kampfstimmung gekommen waren. Für einen Moment nahm er an, das sei um ihn, aber DIESEN Gedanken verdrängte er sofort wieder. Das war unmöglich. Shiro war zwar seine offizielle Braut, aber er hatte ihr gesagt, dass eine Heirat durch den Verrat ihres Vaters unmöglich geworden war. Und Koura...nein. Sie mochte ihn als Gegner...als Partner??? Undenkbar. Er war ein Hundeyoukai, sie eine Katze...nein. Unmöglich. Vermutlich war alles nur ein Missverständnis. Ein möglicherweise fatales Missverständnis, das es unverzüglich zu bereinigen galt.
So gelangten vier starke Youkai innerhalb kürzester Zeit auf einem Hügel im Vorland und betrachteten etwas erstaunt die Szene zu ihren Füssen.
Sesshoumaru sah auf den ersten Blick, dass Shiro und Koura hart kämpften. Keine der beiden konnte es sich leisten, den Blick von der anderen zu lassen. Und beide dürften festgestellt haben, dass sie wirklich ebenbürtige Gegnerinnen waren. Die, die als erstes einen Fehler beging, deren Youki als erstes nachließ, wäre auch die, die verlor. Egal, wie dieser Kampf ausging, das konnte einen erneuten Krieg bedeuten, und das war es ganz sicher nicht wert. Nicht, wenn Inuyasha und die Insel der Bestien sein Ziel waren.
Beide Youkai standen knapp voreinander, die Klingen gegeneinander gepresst. Die Schwerter leuchteten unter dem Youki, als sie sich bemühten, die andere niederzuringen, Blitze zuckten um sie, verrieten die eingesetzten Energien. Sie waren vollkommen aufeinander konzentriert. So wurden sie mehr als überrascht, als ein heftiger Schlag von unten nach oben ihre Schwerter auseinander trieb. Zugleich war ein Youki zu spüren, das beide alarmierte. Mit Überschlag sprang Shiro zurück, erhaschte noch einen Blick auf eine breite Klinge, eine Hand mit Streifen am Handgelenk.
"Sesshoumaru." Sie landete weich.
Koura war ebenfalls zurückgesprungen, hatte verblüfft bemerkt, wer den Kampf unterbrochen hatte: "Sesshoumaru!"
Der sah zu Shiro: "Wir kamen in Frieden her. - Koura."
Die Hundeyoukai presste unmerklich die Zähne zusammen. Sie wollte ihm schon sagen, dass diese Katze sie beleidigt hatte, aber das hätte nur noch mehr demonstriert, wie wenig sie sich in der Hand gehabt hatte.
Die Katzenkönigin hatte ihre Geschwister bemerkt und blickte neugierig wieder zu den beiden Hundeyoukai. Jetzt glaubte sie den Grund für die ärgerliche Reaktion Shiros zu verstehen, da sie annahm, das sei Sesshoumarus Partnerin. Und Hunde halfen sich gegenseitig. So gesehen war es gut, dass er den Kampf nur unterbrochen hatte. Andererseits: waren die beiden in Frieden hergekommen, würde dieses Hundeweib sicher Ärger mit ihrem Partner bekommen. Schade, dass sie sich das nicht ansehen konnte. Aber im Unterschied zu Katzen hatten diese Köter ja so eine strikte Rangordnung, waren die weiblichen Youkai immer hinter den männlichen zurück. Diese Shiro würde nie über ein eigenes Gebiet herrschen können, wie sie selbst. So sagte Koura nur: "Was willst du hier?"
"Deine Geschwister haben bereits geantwortet. Wir gehen weiter nach Osten." Er betrachtete Shiro, die sich immer mehr ärgerte, dass ihre Selbstbeherrschung zum ersten Mal seit langer Zeit versagt hatte, auch wenn ihr Gesicht ausdruckslos blieb.
Koura gestattete sich ein Auflachen, da sie durchaus bemerkte, dass sich eine Spannung zwischen den beiden Hundeyoukai aufgebaut hatte: "Nun, dann störe ich euch nicht weiter. - Kommt, gehen wir."
Als die Katzen verschwunden waren, wandte sich Shiro ab, sah über die gefrorene Erde. Sie konnte sich nicht vorstellen, dass jetzt nichts kam.
Sie, die immer so stolz auf ihre Besonnenheit war, hatte sich wie ein...ja, wie ein erbärmlicher Mensch benommen, aus Gefühlen heraus, aus einem Beleidigtsein heraus, das eigentliche Ziel dieser Reise aus den Augen verloren. Sesshoumaru hätte sich niemals von den hingeworfenen Worten einer Katze so aufstacheln lassen, einen Kampf herauf beschworen, obwohl das tatsächliche Ziel die Insel der Bestien war. Und die Rettung Inuyashas.
"Dein Stolz war stärker als deine Selbstbeherrschung."
Sesshoumaru klang ruhig wie immer.
Shiro spürte, wie er hinter ihr war. Sie sah noch immer über die Ebene: "Ich werde dir nie wieder einen Grund geben, an meiner Fassung zu zweifeln." Das war alles, was sie versprechen konnte. Er musste sie ja nun erst recht gering schätzen, sich dazu beglückwünschen, eine so dumme, unbeherrschte Youkai nicht zur Gefährtin zu haben. Und sie nahm sich fest vor, dass ihr dieser Fehler nie mehr unterlaufen würde, egal, was sie das kosten mochte.
"Das glaube ich dir sogar." Er wandte sich ab und ging. Eine Strafe wäre vollkommen sinnlos gewesen, da er erwartete, dass sie sich an ihr Versprechen halten würde. Und er wusste, dass Koura über eine äußerst spitze Zunge verfügte.
Shiro folgte sofort.
Da sie schwieg, meinte er: "Die Insel der Bestien soll im Osten liegen. In dem Land, das Masaki beherrscht."
"Masaki?" Der Name sagte ihr etwas: "Oh, das ist der 12000 jährige Youkai. Er soll ein Nagetierverwandter sein."
"Ja. - Bis zu seiner Grenze werden wir noch unsere volle Energie zeigen."
Das war sinnvoll. Danach müssten sie ihr Youki verstecken, um nicht auf sich aufmerksam zu machen. Es wäre nicht nötig, das die Magier wüssten, dass sie Besuch bekommen würden. Beide wechselten in ihre Energieform, die sie rasch in den Osten bringen würde.
Inuyasha wurde sich mühsam bewusst, dass er wieder einigermaßen klar im Kopf wurde. Die Bannkreise und Zaubersprüche, die ihn meist in einem Dämmerzustand hielten, mussten sich abermals abschwächen. Er überblickte inzwischen, dass das der Fall war, ehe man ihm Essen und Trinken brachte. Unter diesen komischen Fellen und Kapuzen waren seine Entführer so gut verborgen, dass er noch immer nicht wusste, wie sie aussahen oder ihren Geruch hätte einordnen können. Und er war hier vollkommen hilflos. Zwar befand sich Tessaiga an seiner Hüfte- die Entführer mussten wissen, was geschah, wenn er es nicht mehr trug- aber es hätte genauso am anderen Ende der Welt sein können. Er war an ein Gestell gefesselt, mit Ketten, die eine solche magische Kraft besaßen, dass er sich nicht vorstellen konnte, ein vollwertiger Youkai könnte sie brechen. Vermutlich nicht einmal Sesshoumaru.
Die Tür wurde geöffnet und eine Gestalt kam herein, wie immer mit Kapuze und in einen bodenlangen Fellmantel gehüllt. "Du bist wach?"
"Was soll das hier werden?" fragte Inuyasha zum wohl zehnten Mal.
Diesmal bekam er allerdings Antwort: "Du sollst stark sein, wenn der Tag des Opfers naht."
"Des Opfers?" Der Hanyou schluckte.
"Ja. Du bist das perfekte Opfer für die Bestie der Tiefe, da sie wieder erwachen soll." Der Vermummte brach ein Stück Brot ab: "Nur alle 1000 Jahre gibt es diese Möglichkeit, und es muss ein Hundeyoukai sein." Er schob es dem Gefangenen in den Mund.
Inuyasha kaute und schlang hastig: "Äh...ich bin kein Youkai."
"Nein, du bist noch besser. Ein Halbmensch mit dem Blut der Hundeyoukai des Westclans...Wir sind sehr glücklich, die Bestie der Tiefe so stärken zu können."
Die Freude lag allerdings nur auf der Seite der Entführer.
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Das dürfte das erste Mal sein, dass jemand den Hanyou der Familie für wertvoller als den Youkai hält.
Im nächsten Kapitel " In den nördlichen Gebieten" bekommt Masaki beunruhigenden Besuch und Sesshoumaru erfährt etwas aus seiner Familiengeschichte.
Wer so nett ist und mir einen Kommi hinterlässt, bekommt auch von mir die Info ENS, wenn ich sehe, dass das Kapitel freigeschaltet ist.
bye
hotep
Die nördlichen Gebiete
Hallo,
und weiter geht es in Richtung Nordosten.
Masaki bekommt Besuch in seinen Ländern....
Viel Spass beim Lesen!
4. Die nördlichen Gebiete
Die beiden leuchtenden Energiekugeln verwandelten sich in zwei menschenartige Wesen zurück, als sie den Rand eines riesigen Waldgebietes erreichten. Für die empfindliche Nase von Hundeyoukai wechselte hier der Geruch des Landes erneut, zeigte, dass sie sich wieder einer der unsichtbaren Grenzen näherten, die Youkaifürsten hohen Ranges um ihre Reiche gezogen hatten. Masaki, der Herr dieses Teiles der Welt, war ein sehr alter Youkai, respektiert und angesehen in seinem Land, aber beide suchten keinen Streit mit ihm oder seinen Leuten.
So gingen sie hintereinander in den Wald. Sesshoumaru führte, wie schon gewohnt.
Die Mittagszeit mochte vorüber sein, als plötzlich Wesen dicht vor sie sprangen. Jetzt erst bemerkten die beiden Reisenden sie, deren schwaches Youki, das sie zuvor schlicht ignoriert hatten. Sesshoumaru erkannte Rüstung, Schwerter, und fasste bereits an den Griff von Tokejin, während er nach links wich, um Shiro Platz zu machen. Dann betrachtete er die fünf Unbekannten, die ebenfalls die Hände an die Waffen gelegt hatten. Hände war falsch. Dort, wo man solche Gliedmassen hätte erwarten dürfen, befanden sich je drei scharfe, aber anscheinend erstaunlich biegsame, Krallen. Die grüne Haut bezeugte ihre Reptilienverwandtschaft: schuppig und von harten Hornplatten übersäht. Am Kopf und den Schultern trugen sie hornige Auswüchse. Alle besaßen die gleiche Rüstung, die gleichen Schwerter, an die sie nun die Krallen gelegt hatten.
"Halt, Youkai", sagte einer von ihnen: "Dies hier ist das Gebiet Masaki-samas."
"Ich weiß." Sesshoumaru erkannte, dass das wohl eine Patrouille von Masakis Youkai sein musste: "Wir reisen nur durch das Gebiet."
"Wohin wollt ihr?"
Er fand diese Grenzformalitäten ausgesprochen lästig. Wenn er Streit hätte beginnen wollen, wären diese fünf schon tot. Aber es gab auch noch eine andere Möglichkeit. Er ließ sein volles Youki aufflammen. Shiro begriff und tat das Gleiche.
Die fünf einfachen Youkai zuckten zusammen, als sie erfassten, wen sie da gestoppt hatten- und dass jeder der beiden sie alle fünf vermutlich mühelos umbringen hätte können. Hastig gaben sie den Weg frei und das Paar setzte seine Wanderung fort.
"Wir müssen Masaki-sama informieren..." sagte einer leise.
"Ja. Das sind mit Sicherheit keine gewöhnlichen Youkai. Das muss ein Fürst oder so sein. Und seine Partnerin."
"Es waren Hundeyoukai, ich konnte es wittern."
Die fünf sahen sich an, ehe sie hastig zu ihrem Herrn liefen.
Masaki war ein sehr alter Youkai. Er saß in seinem Schloss auf einem bequemen Sessel. Ein warmes Feuer brannte in einer Flammenschale hinter ihm. Sein Gesicht war weich und rundlich, zeigte durch die Knopfaugen und die beiden langen Vorderzähne, die über seine Oberlippe standen, dass seine Vorfahren Nagetiere gewesen waren.
Er empfing die Nachricht seiner Krieger zunächst etwas irritiert. Hundeyoukai? Ein Youkaifürst?? Dann fiel es ihm ein: im Westen herrschte eine mächtiger Hundeclan, auch im Süden. Aber da die westlichen Gebiete näher waren, standen die Chancen gut, dass es sich um Sesshoumaru handelte. Und eine weibliche starke Hundeyoukai? Er erinnerte sich gehört zu haben, dass es so jemanden im Süden geben sollte.
Masaki seufzte unhörbar. Er hatte Besucher gern- aber nicht vermutlich stärkere Youkaifürsten, die unangemeldet und bewaffnet in sein Gebiet kamen. Er würde wohl nachsehen müssen, was sie hier wollten. So erhob er sich. Hoffentlich passte ihm seine Rüstung noch. Er hatte sie sicher hunderte von Jahren nicht mehr angehabt. Aber er musste herausfinden, was Sesshoumaru - wenn er es denn war- hier wollte, das war nun einmal sein Pflicht als Herrscher hier. Und wenn es das letzte wäre, was er je tun würde.
Mit gewissem Beklagen seines etwas ungerechten Schicksals machte er sich auf den Weg in die Waffenkammer. Immerhin würde er ungefähr den Weg wissen, den die Eindringlinge genommen hatten. Seine Krieger hatten ihm den Treffpunkt beschrieben und ihr Tempo, so dass er abschätzen konnte, wo er sie abfangen würde.
Der alte Masaki unterdrückte noch sorgfältiger sein Youki, als ihm seine Nase verriet, dass sich kurz vor ihm Hundeyoukai aufhalten mussten. Es war schon dunkel geworden, aber der dreiviertel Mond war hell genug, dass er sie vor sich auf der Waldlichtung sehen konnte. Sie saßen beide da, jeweils mit dem Rücken an beide Seiten der große Eiche auf dem Mittelpunkt der Wiese gelehnt. Für einen Moment war er irritiert, ehe er begriff, dass sie so freien Blick über die gesamte Lichtung hatte. Nichts und niemand käme ungesehen an sie heran. Sie waren vorsichtig, unterdrückten auch so vollständig ihre Aura, dass nur der schwache Geruch sie noch verriet. Er war alt und erfahren genug, sein Youki so vollständig zu verbergen, aber wenn das so junge Leute schon konnten, mussten sie eine magische Stärke, aber auch eine Selbstbeherrschung haben, die für die Zukunft noch einiges erwarten ließ. Und selbst auf diese Distanz erkannte Masaki, dass sie vornehm gekleidet waren. Seine Leute hatten recht gehabt. Das war ein Hundefürst. Er müsste sich wohl mit ihm unterhalten. Unangenehm, aber nicht zu ändern. Der Herr dieses Waldes fasste unwillkürlich an sein Schwert. Er fühlte sich zu alt für Kämpfe und versuchte seit Jahrhunderten schon, ihnen aus dem Weg zu gehen. Aber das hier konnte wirklichen Ärger bedeuten, auch, wenn diese Hundeyoukai nicht den Eindruck machten, sein Land erobern zu wollen.
Er zuckte etwas zusammen, als er plötzlich Menschen witterte. Männliche Menschen, um genau zu sein, ungewaschen und nach altem Blut riechend. Das konnten nur Banditen sein. In seinen dichten Wäldern versteckten sich oft solche Banden, belästigten seine menschlichen Siedler und nicht zuletzt darum schickte er immer wieder Youkai-Patrouillen durch sein Land. Es waren sicher an die zwanzig und Masaki sah mit gewissem Interesse zu, wie sie sich um die Lichtung aufbauten, sogar ohne ihn selbst zu bemerken, anscheinend glaubten, dieses Paar dort sei eine leichte Beute.
Mal sehen, wie sich die Hundeyoukai dazu stellen würden.
Beide trugen deutlich Rüstung und Schwerter, schienen aber noch immer nachlässig dort zu sitzen. Hatten sie etwa nicht bemerkt, dass sie eingekreist worden waren? Dann müssten sie aber eine schlechtere Nase besitzen, als bei Youkai üblich, zumal Hundeyoukai. Masaki wartete also ab. Er sah, wie die Banditen losrannten, möglichst leise, um die scheinbar Schlafenden nicht zu wecken. Sie teilten sich auf, zehn auf den Mann, zehn auf die Frau. Der Herr der Wälder bemerkte, wie der Youkaifürst seine Rechte hob. Selbst auf diese Distanz sah er grünliches Licht, spürte ein Youki, das er als recht bemerkenswert empfand. Aus der Hand des Hundeyoukai drang ein dünner grüner Strahl aus Youki, ähnlich einer Schnur einer Peitsche. Diese zuckte einmal quer hin und her und es waren zehn Banditen weniger. Zugleich hatte die Hundedame ihre Hände gehoben. Auch ihr Youki stieg so an, dass Masaki ein wenig schluckte. Kleine Lichtbälle kamen aus ihrer Hand- und auch hier waren die Angreifer tot, ehe sie auch nur begriffen hätten, wen oder was sie da attackiert hatten.
Nicht schlecht, dachte Masaki. Sie haben sich in keinster Weise angestrengt. Er ließ sein Youki aufflammen. Na schön. Mit einem gewissen innerlichen Seufzen ging er hinaus, auf das Paar zu, das sofort seine Anwesenheit gespürt hatte, aufgestanden war und ihn nebeneinander erwartete.
"Ich bin Masaki, der Herr der Wälder. - Ich danke euch, dass ihr diese Banditen erledigt habt. Sonst hätte ich es tun müssen. Wer seid ihr und wohin wollt ihr?"
Sesshoumaru zog leicht die Augen zusammen. Eine solche Frage war äußerst unhöflich.
Der alte Youkai wusste das natürlich: "Verzeih. Aber diese Frage erschien mir nahe liegend. Ihr habt nicht mich aufgesucht..."
"Ich bin Sesshoumaru."
"Der Herr der westlichen Gebiete. Das dachte ich mir." Da keine weitere Vorstellung erfolgte nickte Masaki einfach der jungen Dame zu: "Darf ich trotzdem fragen, was ihr hier sucht? Ich kann mir nur vorstellen, dass ein wichtiges Geschäft so mächtige Youkai in diese abgelegenen Regionen führt. - Setzen wir uns doch."
Er wartete gespannt. Setzten sie sich auf den Boden, während er noch stand, war das ein Zeichen, das sie ihm nichts anhaben wollten. Beide ließen sich sofort nieder. Erleichtert folgte er ihrem Beispiel.
"Kennst du die Insel der Bestien?"
Sesshoumarus Frage ließ Masaki mehr als verwirrt dreinblicken: "Ja, natürlich. Sie liegt im Norden..."
"Was weißt du über die Magier und diese Insel?"
"Wie gesagt, sie liegt im Norden. Früher, das letzte Mal vor gut 1000 Jahren, kamen öfter die Magier über die Berge dort hinten. Man nennt sie die Drachenkette. Sie entführten Menschen aus diesen Wäldern. Seitdem dort oben das Kloster am Pass ist, kamen sie nicht mehr. Aber ich hörte, sie würden nun übers Meer kommen, Dörfer an der Küste überfallen, um Menschenopfer zu fangen. Sie pflegen dort einen widerwärtigen Kult, in dem sie Menschen fressen lassen."
"Nicht nur Menschen. Alle 50 Jahre auch einen Youkai."
"Oh, das hast du Recht, Sesshoumaru. Ja, ich erinnere mich. Aber sie haben sich schon lange nicht mehr hier sehen lassen." Masaki wurde langsam neugierig: "Youkai opfern sie auch? Mir kam es immer so vor, als ob sie selbst etwas Youkaiähnliches seien. Keine richtigen, irgendetwas anderes. Darf ich fragen, warum du...ihr, so an der Insel interessiert seid?"
Sesshoumaru zögerte nicht. Es mochte hilfreich sein: "Diese Magier haben meinen Halbbruder entführt."
Masaki überlegte nicht lange. Die Magier mussten sich ihrer Sache sehr sicher gewesen sein- oder sie hatten keine Ahnung, mit wem sie sich diesmal eingelassen hatten: "Ich verstehe. - Nun, ich kann euch nicht viel weiterhelfen. Aber, wie gesagt, oben im Gebirge der Drachenkette liegt ein Kloster. Seit dem die Mönche dort waren, kamen die Magier nie mehr diesen Weg. Und was nördlich der Drachenkette ist, weiß ich nicht. Dort liegen Gebiete mit ungewohnter, ja, unbekannter Magie. Da geht kein Mensch hin und auch kein Youkai. Das ist...fremdes Gebiet." Er bemerkte die leicht verächtlichen Blicke seiner Gäste. Nun ja. Vielleicht mochten sie als Hunde Neugier besitzen: seine Vorfahren waren zumeist ihre Opfer gewesen und er hatte eine gewisse Vorsicht bewahrt. So erhob er sich: "Ich würde euch empfehlen, zum Kloster zu gehen. Morgen früh könnt ihr gewiss dort nachfragen."
"Warum erst morgen früh?"
"Das Kloster ist des Nachts von einem starken Bannkreis umgeben. - Gute Reise." Masaki ging, deutlich erleichtert. Ob sich Hundeyoukai und Magier gegenseitig umbringen würden, interessierte ihn nicht. Er und sein kleines Reich waren sicher, das war alles, was für ihn zählte.
"Was für ein Feigling", sagte Shiro.
Sesshoumaru gab ihr im Stillen recht, stand aber auf: "Das Kloster ist im Gebirge."
"Ja." Sie deutete nach Norden: dort stiegen schwarzblau Berge in die Nacht: "Und ich wittere einen Bannkreis."
"Ja. Komm."
Kurz darauf war die Lichtung leer.
Das Kloster lag auf halber Höhe zum Pass, direkt an dem alten Weg hinauf. Es war nicht sehr groß, lebten doch nur der Abt und fünf Mönche zurzeit darin. Aber seit dem es das Kloster gab, wurden seine Mitglieder sorgfältig ausgesucht. Nur wer in Magie talentiert war, wurde seit frühester Jugend hier ausgebildet. Und der Bannkreis, der das Kloster umgab, wurde mit ebenso großer Sorgfalt gepflegt wie die Mönche Wache nach Norden hielten.
Die Youkai blieben stehen, als sie vor sich eine starke Barriere spürten. Sesshoumaru warf einen Blick seitwärts, den Shiro verstand:
"Ich komme durch", meinte sie, ein wenig verletzt. Für wie schwach hielt er sie eigentlich? Der Bannkreis war stark, ja, aber für ein Wesen ihrer Art und Bedeutung kein größeres Hindernis.
Er ging sofort hindurch und sie folgte ihm. Obwohl beide etwas wie ein unangenehmes Ziehen spürten, überwanden sie die Barriere.
Der Abt und die Mönche wurden geweckt, als sie eine Veränderung in ihrem Bannkreis spürten. Etwas überrascht sahen sie im Mondlicht ein Paar auf ihr Kloster zukommen.
"Das sind Menschen?" fragte einer der Mönche verwirrt seinen Abt: "Sie...sie sehen so anders aus..."
"Ich weiß nicht, was sie sind. Ein Paar, das durch unseren Bannkreis kam, kann eigentlich nur menschlich sein." Oder es sind Youkai einer Klasse, die ich nie kennen gelernt habe. Der Abt zögerte, das zu sagen, denn die nächtlichen Besucher hatten die Klosterpforte erreicht. Der junge Mann mit den langen weißen Haaren sah hinauf und alle Mönche waren sicher, dass er sie bemerkt hatte. Aber er nickte nur seiner Begleiterin zu, die höflich den Klopfer am Tor betätigte. Der Abt säumte nicht länger und ging hastig den steilen Hang hinunter zur Pforte. Entweder waren das menschliche Gäste, die vielleicht sogar Hilfe benötigten- oder es waren Wesen jener anderen Art. Aber warum diese dann anklopfen sollten, statt einfach das gesamte Kloster in die Luft zu jagen, war eine Frage, die er nicht zu beantworten wusste.
Er öffnete das Tor: "Guten Abend", sagte er mit einer höflichen Verneigung. Was immer dieses Paar war: die Kleidung deutete auf Reichtum und Macht.
"Wir haben eine Frage." Der junge Mann musterte ihn kühl.
"Dann kommt hinein, edler Herr...und die Dame." Der Abt blieb unverändert höflich, auch, wenn sein Puls etwas in die Höhe ging, als er die spitzen Ohren der beiden bemerkte, die Hände, die mehr Klauen waren. Das waren also wirklich Youkai, hochrangige, starke Youkai. Aber sie machten nicht den Eindruck, den schlechten Ruf ihrer Gattung bestätigen zu wollen. So führte er seinen Besuch in den Hauptraum des Tempels. Beide ließen sich sofort an der Wand nieder und er kniete ihnen gegenüber .Seine Mönche, wohlmöglich noch verwirrter als er, folgen dem Bespiel.
"Shiro." Sesshoumaru gab damit deutlich zu erkennen, dass er nicht mit den Mönchen reden wollte.
Sie hatte es sich schon gedacht: "Masaki, der Herr der Wälder, sagte uns, ihn könntet uns Auskunft geben über die Insel der Bestien." Sie bemerkte das unwillkürliche Aufwallen einer Emotion: "Und über die Magier, die dort leben."
Der Abt starrte sie an: "Ja, ich kann Euch einiges erzählen, aber..."
"Nun?" Shiro hob ein wenig die Augenbrauen, nicht willens, sich in eine zu große Diskussion mit einer so primitiven Lebensform einzulassen.
Die Mönche betrachteten ihren Besuch. Im flackernden Licht der Kerzen drängten sich die weißen Haare des Youkai auf, die goldenen Augen, die sie ungerührt musterten. Auch die junge Frau betrachtete sie gelassen, mit einer Neugier, wie sie selbst vielleicht Schmetterlinge ansahen.
So fühlt man sich also, dachte der Abt plötzlich, wenn man nicht als ebenbürtiges Lebewesen angesehen wird. Aber sie sind bemerkenswert zurückhaltend. So sagte er: "Ich kann Euch die Geschichte dieses Klosters erzählen. - Oder, wenn Ihr wünscht, sagt, was Ihr schon wisst, und ich ergänze, was wir wissen."
"Die Insel ist im Norden", sagte Shiro, bemüht, diesen Besuch abzukürzen. "Die Magier dort sind magische Wesen, vielleicht Hanyou, aber eher keine Youkai. Sie opfern Menschen ihren Bestien. Einmal im Jahr opfern sie aber diese Bestien der Bestie der Tiefe. Alle 50 Jahre opfern sie der Bestie der Tiefe einen Youkai, immer aus einer anderen Gattung. Dieses Jahr soll es ein Hundeyoukai sein. Und 1000 Jahre sind um, so dass die Bestie der Tiefe erwachen soll."
"Tausend Jahre sind schon wieder um..." murmelte der Abt.
Prompt setzten sich beide Besucher auf. "Wie bitte?" sagte Shiro.
"Oh. Dann besteht dieses Kloster seit tausend Jahren schon. - Ja, was Ihr hörtet, stimmt. Sie fangen Menschen und opfern sie den Bestien. Das tun sie nun schon gewiss zweitausend Jahre, wenn nicht länger. Ich weiß nicht, was Ihr mit Hanyou meintet, aber die Magier sind Menschen mit magischen Fähigkeiten. Soweit WIR hörten. Sie überfielen oft auch die Länder hier auf der Seite des Gebirges um Menschen und Youkai zu opfern. Vor tausend Jahren war es wie heute, wenn Ihr recht habt. Sie wollten ebenfalls einen Hundeyoukai opfern. Aus irgendeinem Grund muss das abschließende Opfer, das die Bestie der Tiefe erwachen lässt, ein Hundeyoukai sein. - Ich nehme an, dies seid Ihr auch?" Keine Antwort, aber das genügte dem Abt: "So entführten sie eine...eine Dame aus dem Westen, um sie zu opfern. Ihr Gemahl und ihr Sohn wollten sie befreien und zogen hier her, durch dieses Gebiet, zur Insel der Bestien."
Sesshoumaru richtete sich unwillkürlich auf. Vor tausend Jahren? Hundeyoukai? Aus dem Westen? Das konnte sich nur um seinen Großvater handeln...und seinen Vater.
Der Abt bemerkte das plötzliche Interesse: "Sie waren auf der Insel und es gelang ihnen die...die Dame zu befreien. Dann kehrten sie zurück und sprachen mit Masaki-sama. Dieser gründete hier das Kloster. Und soweit wir wissen, wurden besonders ausgebildete Mönche aus dem Westen geschickt, um diesen Pfad zu bewachen. Seither halten wir hier Wache und es kam auch kein Magier mehr hierher." Er neigte sich etwas vor: "Wenn Ihr ein wenig Zeit hättet: in meinem Zimmer habe ich eine Pergamentrolle, auf der der erste Abt niederschrieb, was damals geschah."
"Hol sie", bedeutete Sesshoumaru. Das war ja wirklich interessant. Hatten es diese Magier doch schon einmal gewagt, sich mit seiner Familie anzulegen. Nun, wenn sie so schwer von Begriff waren, müsste er es ihnen diesmal gründlicher beibringen, was sie das kostete. Aber es wäre sicher nützlich, zu erfahren, wie sein Großvater und sein Vater diese Magier und die Bestie der Tiefe für 1000 Jahre bändigen konnten.
Shiro warf ihm einen raschen Blick zu. Ihre Gedanken verliefen ähnlich. Mit einem kleinen Unterschied: es war auch ihr Großvater gewesen, der um diese Zeit den Westen beherrscht hatte. Ihre Mutter war seine Tochter gewesen. Wenn es ihrer beider Großvater und sein Sohn geschafft hatten, der Bestie der Tiefe ihr Opfer zu entreißen, dann würden es sicher auch sie können.
Es dauerte einige Zeit, bis der Abt zurückkehrte. Seine Mönche wurden immer nervöser, auch wenn ihre Besucher nur einfach schweigsam vor sich hinsahen. Oder vielleicht auch, weil sie es taten. Von einem goldenen und einem grünen Blick nicht aus den Augen gelassen zu werden, angeschwiegen zu werden, in dem sicheren Bewusstsein, die eigene Magie sei absolut nutzlos gegen diese Wesen...
Sesshoumaru und Shiro spürten, dass die Menschen nervöser wurden, aber es war ihnen vollkommen gleichgültig. Sie warteten auf den Abt.
Endlich kam dieser zurück, kniete sich nieder. "Vergebt. Die ältesten Rollen sind eben auch die untersten. - Darf ich Euch vorlesen?"
"Fass zusammen", befahl Sesshoumaru, der nicht die geringste Lust verspürte, länger als notwenig in einem Menschenbau zu sitzen.
Der Abt überflog das Pergament hastig: "Nun, wie ich bereits sagte, sollte bereits vor tausend Jahren die Bestie der Tiefe erwachen. Eine Hundeyoukai aus dem mächtigen Westclan sollten geopfert werden. Ihr Gemahl und ihr Sohn machten sich daran sie zu befreien, was auch gelang. So konnte die Bestie der Tiefe nicht erwachen und schläft für weitere tausend Jahre. Jetzt ist es also wieder soweit. - Wenn das Opfer in der Nacht der Sommersonnenwende dargebracht werden kann, wird die Bestie der Tiefe erwachen. Das sollte also verhindert werden." Der Abt sah auf: "Darf ich fragen, ob ein...ein Opfer bereits entführt wurde?"
"Ja." Shiro nahm nicht an, dass ihr Begleiter antworten wollte: "Und wir wollen ihn zurückholen."
"Ich verstehe." Der Abt nickte: "Wieder ein Hundeyoukai ... Hier im Pergament heißt es, dass die beiden Hundeyoukai damals in den Tempel gingen, in das Labyrinth im Berg, wo die Bestie schläft und ihr Verletzungen beibrachten. Sie konnten sie wohl nicht töten, aber so schwächen, dass sie nicht erwachen konnte. Und da das Opfer nicht dargebracht wurde, mussten die Magier die Bestie der Tiefe erneut 1000 Jahre lang...nun, anfüttern."
"Das bedeutet, wenn wir die Bestie der Tiefe schwer verletzen und das Opfer retten, schläft sie wieder für 1000 Jahre." Shiro nickte leicht. "Wie ist der Weg zu der Insel der Bestien?"
"Ihr müsst über den Pass der Drachenkette. Danach kommen ein Tal und eine weitere Gebirgskette, die man die Drachenspitzen nennt. Wir kennen sie nur vom Sehen, wenn man oben auf dem Pass steht. Niemand, der ein Mensch oder ein gewöhnlicher Youkai ist, wagt sich weiter. Die, die es taten, kehrten nie zurück."
"Aber die Magier kamen doch durch?" fragte die Youkaiprinzessin prompt. "Und die Hundeyoukai auch."
"Ja, sicher. Aber sie können wohl auch Nebel oder so erschaffen, sich praktisch unsichtbar machen. Und was Wesen Eurer.." Er hätte fast Sorte gesagt, verbesserte sich aber gerade noch: "Eurer Macht betrifft, so weiß ich es nicht."
"Dass die Magier Nebel erschaffen, hörten wir. Weiter."
"Nach dem Gebirge der Drachenspitzen kommt wohl schon das Gebiet, in dem diese Magier zuhause sind. Und mehr weiß ich nicht. Hier im Pergament heißt es allerdings noch..." Der Abt starrte auf das Papier in seiner Hand, sah dann langsam auf, blickte zu dem jungen Mann: "Ich befürchte, das wird Euch nicht gefallen, edler Herr."
"Rede."
"Nun, Herr..." Der Abt starrte erneut auf das Pergament: "Ihr seid doch ein Hundeyoukai?"
"Ja." Sesshoumaru wurde schon ungeduldig, als er die plötzliche Furcht witterte und verstand: "Rede. Was es auch ist, du hast nichts zu befürchten."
"Wie Ihr wisst, werden Menschen für die Bestien geopfert, die dann selbst einmal im Jahr der Bestie der Tiefe geopfert werden." Der Abt holte noch mal tief Luft, vertraute dann doch dem Wort seines Gastes: "Die Menschen werden einer speziellen Hundeform vorgeworfen. Die Macht der Bestie der Tiefe beruht hauptsächlich auf geopferten Menschen und Hunden."
Inuyasha... dachte Sesshoumaru. Darum ist er das perfekte Opfer.
"Darum der Hundeyoukai als letztes Opfer", meinte Shiro. "Und darum könnte die Bestie der Tiefe anfällig gegen Angriffe unserer Gattung sein."
"Ja, Herrin", sagte der Abt höflich, erleichtert, dass die beiden dies sachlich nahmen. "Und die beiden letzten Hundeyoukai, also, die von vor tausend Jahren, sagten den ersten Mönchen, die diese Chronik niederschrieben, auch, dass nur Hundeyoukai die Bestie der Tiefe besiegen könnten. Es sei das Blut der Hundeyoukai und das Herz der Menschen, das sie am Leben halte."
Sesshoumaru und Shiro blickten sich an. Das war der Satz, den die Göttin des Berges Halel über Inuyasha gesagt hatte. War das der Schlüsselsatz des Ganzen? Dann durfte diese Bestie der Tiefe um keinen Preis das einzige Opfer erhalten, das sie nicht nur erwachen lassen würde, sondern auch noch mehr stärken würde, als alles andere.
Der Abt hatte den Blickwechsel bemerkt und fuhr fort: "Mehr kann ich Euch leider nicht sagen. Ich denke, Ihr seid stark und mächtig. Und Ihr habt vermutlich die besten Chancen, die ein Wesen gegen die Magier und die Bestie der Tiefe haben kann. Es heißt hier im Pergament nur noch, wenn die Bestie erwacht, wird sie weiter fressen, was sie bislang erhielt. Also Menschen und Youkai."
Shiro nickte unmerklich. Darum achteten diese Magier immer so sorgfältig darauf, Youkai aller Gattungen zu opfern...Es wurde wirklich Zeit, dass diesem Treiben ein Ende gesetzt wurde. Da es um Inuyasha ging, dem ihr Bruder verpflichtet war, gleich zweimal.
Sie blickte zu ihrem Begleiter. Die ersten Strahlen der Morgensonne erhellten schon die Bergwelt draußen. Sesshoumaru erhob sich und sie folgte diesem Beispiel.
Der Abt und seine fünf Mönche sahen ihnen nach, als sie erneut den Bannkreis passierten, ohne dass weiter etwas geschah.
"Nun, gehen wir wieder an unser Werk", meinte der Abt mit einem leisen Seufzen: "Und vergessen wir nicht, ein Gebet für unsere Besucher zu sprechen."
"Aber..." begann einer der Mönche: "Ich sah doch...wir alle sahen doch...was sie sind."
"Sie sind Wesen, die eine sehr schwere Aufgabe vor sich haben." Der Abt drehte sich um: "Sie werden unsere Gebete brauchen können."
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Die nördlichen Wälder hatten ein paar nette Überrasschungen parat.
Jetzt begeben sie sich in Gebiete, aus denen so gut wie keiner zurückkam. Das nächste Kapitel heisst: Im Drachental.
Wer so nett ist und mir einen Kommentar hinterlässt, bekommt auch eine InfoENS, wenn ds neue Kapitel on ist.
bye
Hotep
Im Drachental
Hallo!
Da es wohl nicht so ganz rüberkam: Ja, die beiden sind Cousin und Cousine.
In den ganzen Streitigkeiten der letzten Jahrhunderte ist das nur etwas in Vergessenheit geraten. *g*
Auch ein Grund, ein wenig netter zu der Verlobten zu sein, zumal sie ja versucht, zu gehorchen.
Viel Spass beim Lesen.
5. Im Drachental
In den schroffen Gipfeln der Drachenkette, deren nördlicher Seite, bewegte sich eine menschliche Gestalt. Die dunkle, feste Lederbekleidung, der durchtrainierte Körper verrieten eine Person, die sich oft hier aufhielt, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Der Jäger war gern auf dieser Seite der Berge, wagten sich doch hier nur sehr wenige Wesen her, die ihm Konkurrenz machen konnten. Und die kleinen pelzigen Tiere, die hier lebten, brachten ihm ein gesichertes Einkommen ein. Er war stark genug, auch mit Raubtieren oder den wenigen Youkai fertig zu werden, die sich in diese Einöde vorgewagt hatten. Sein Name war Komori. Seine langen dunkeln Haare hatte er zu einem Zopf zusammengebunden, um ihn nicht bei der Jagd zu behindern.
An diesem Morgen war er schon weit oben in den Steilhängen gewesen. Die sechs Felle an seinem Gürtel bezeugten, dass er bereits eine erfolgreiche Jagd hinter sich gebracht hatte. Nun kletterte er wieder hinunter zum Pass.
Da er dort eine Bewegung bemerkte, blieb er stehen, musterte, vorsichtig hinter einen Felsbrocken bleibend, die Gegend. Nicht alles was hier lebte, war ihm freundlich gesinnt. Aber das, was er da sah, bereitete ihm Freude.
Auf dem Plateau der Passhöhe standen ein junger Mann und seine Frau, die in die Wolkendecke des Tales hinuntersahen, das sich dort befand. Das Tiefe selbst lag wie immer unter den Nebeln verborgen.
Komori betrachtete die beiden: der Mann trug eine schwarze, sicher teure Rüstung, mit Blättern, die auch den Unterleib schützen, Schwertabfangdornen und eine Art Fellmantel um die rechte Schulter. Der Kerl hatte zwei Schwerter und seine langen Haare fielen bis zur Höhe der Oberschenkel. Seine Begleiterin hatte erstaunlicherweise ebenfalls Rüstung und Schwert, aber der Jäger hatte schon gehört, dass das im Süden manchmal üblich sei. Auch ihre roten Haare waren so lang, dass sie viel Zeit und Geld für die Pflege aufwenden müsste. Er warf einen Blick umher. Tatsächlich, sie waren allein. Dann hatten sie sich sicher verirrt. Es kamen selten genug Reisende in diese Berge. Wenn er diese beiden da in bewohnte Regionen führen sollte, müssten sie schon ordentlich was springen lassen. Er kletterte hinunter.
Die beiden drehten sich um, wenngleich die Hände am Schwert. Na ja, dachte er, sie sind kampferfahren. Ich bin mal lieber höflich.
"Guten Morgen, edle Herrschaften", sagte er mit einer gewissen Verneigung: "Mein Name ist Komori. Kann ich Euch behilflich sein?" Er rechnete eigentlich mit Erleichterung und einer Ja- Antwort. Aber der junge Mann betrachtete ihn mit einem seltsamen Blick, so dass er den Kopf automatisch hastig wieder senkte. Diese Augen hatten eine sonderbare Farbe, fast golden. Ihr Ausdruck verriet, das ihr Besitzer daran gewöhnt war, seinen Willen durchzusetzen, forderten Aufmerksamkeit und Gehorsam - und jagten ihm einen Schauder über den Rücken. Komisch, dachte der Jäger. Das ist mir schon lange nicht mehr passiert.
"Was ist dort unter den Wolken?" Die Stimme des Fürsten- das musste einer sein- war tief und ruhig.
"Dort liegt das Tal der Drachen, edler Herr." Da keine Antwort kam, fuhr er fort: "Es heißt so. Aber kein Mensch kam je von dort zurück. Manchmal, wenn der Wind die Wolken verweht kann man von hier oben Drachen erkennen. Daher der Name. - Ich würde Euch nicht raten, weiterzugehen, zumal mit einer Dame. Wenn Ihr wollt, bringe ich Euch zurück in bewohnte Gebiete."
"Hm." Das klang seltsam.
Komori hielt es für einen Verhandlungstrick: "Nun, ich würde natürlich hoffen, dass ich eine Belohnung bekomme. Aber dafür kann ich Euch versprechen, dass ihr beide dort heil ankommt. Immerhin bin ich kein irgendwer sondern ein Hanyou." Er blickte auf, wartete auf das leise Erschrecken, das er kannte, dann die erleichterte Zusage.
Diesmal war es anders. Die grünen Augen der jungen Frau weiteten sich ein wenig, die goldfarbenen des jungen Mannes blieben unergründlich. Zum ersten Mal sah der Jäger den beiden voll ins Gesicht. Der Fürst trug Streifen links und rechts auf den Wangen, eine Mondsichel auf der Stirn. Als der auffrischende Wind das lange, silbrige Haar bewegte, zeigte er spitze Ohren. Der Jäger erschrak bis ins Mark. Fast vorsichtig sah er zu der Dame. Auch sie hatte eine Markierung, einen grünen Stern, auf der Stirn und spitze Ohren.
In diesem Augenblick schloss er mit seinem Leben ab, als er begriff, wem er da gegenüberstand, wem er gesagt hatte, was er sei. Sie waren vollblütige Youkai und so, wie sie ihre Aura, ihr Youki verstecken konnten, in Menschenform waren und Schwerter trugen, ausgesprochen hochrangige Youkai. Und deren Verachtung gegenüber Hanyou wie ihm war ihm nur zu gut bekannt, hatte ihn in diese Einöde getrieben.
Er hatte nur eine Bewegung gesehen, bevor er Krallen an der Kehle spürte, sich hochgehoben fühlte.
"Ein Hanyou", sagte der Fürst.
Der Jäger rang nach Luft, legte instinktiv seine Hände auf die ihn würgende Klaue. "Ich...ich bitte..." brachte er keuchend hervor, wusste aber, dass er nichts entgegenzusetzen hatte.
"Was weißt du über das Tal dort noch?"
"Lasst mich..."
"Falsche Antwort."
Unmerklich wurde der Griff verstärkt, aber Komori fühlte, wie sein Genick am Nachgeben war: "Herr...." würgte er.
Sofort ließ der Druck nach. Keuchend sog er die Luft ein, sah sich aber immer noch anscheinend ohne Schwierigkeiten schwebend gehalten: "Drachen leben dort. Ich habe einmal oder zweimal welche gesehen, von hier oben aus..." Zu seiner gewissen Erleichterung wurde er abgestellt. Er hatte zwar mit dem Leben abgeschlossen, aber es war ihm nur zu bewusst, das es verschiedene Arten des Sterbens gab. Und ein rascher Tod durch ein Schwert erschien ihm plötzlich verlockend.
"Rede."
"Ich habe dort sehr seltsame Wesen gesehen." Komori überlegte, wie er das sagen sollte: "Ihr habt gewiss schon Drachen kennen gelernt, vermutlich sogar getötet, aber das sind andere Drachen, als woanders. Sie sind sehr...anders." Er wusste nicht, wie er das erklären sollte, beschloss aber, bei der Wahrheit zu bleiben. Nach allem, was er je in Erfahrung gebracht hatte, was die Nase dieser Youkai sicher scharf genug, um auch nur einen Umschwung in seiner Stimmung, geschweige denn, eine Lüge zu bemerken: "Einmal sah ich einen Drachen, der tot am Boden lag. Er war riesengroß. Und ein anderer fraß an ihm. Dieser war ein wenig kleiner, hatte einen dicken Kopf mit Hörnern und wirkte vielleicht entfernt wie ein Büffel, den man im Südland zur Feldbearbeitung hernimmt. Einmal habe ich auch einen anderen Drachen gesehen. Ich nannte ihn für mich einen Peitschenschwanzdrachen, denn er ging zwar auf allen vieren, hatte aber einen sehr langen, dünnen Schwanz. Ich bin sicher, dass er ihn wie eine Waffe einsetzen kann. Und einmal fand ich weiter unten, denn ein Stück habe ich mich in die Wolken gewagt, ein Stück einer Drachenhaut. Sie war unglaublich hart, durchscheinend und glänzend zugleich. Ich bin sicher, dass das eine Art Panzer war. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass etwas oder jemand durch diese Panzerung kommen kann." Komori dachte noch einmal nach. Alles, was er wusste, würde sein Leben um einige Sekunden verlängern: "Aber der Pfad, der dort hinunterführt ist zu schmal, zu steil für die Drachen, sonst würden die Wesen in den Wäldern gewiss von ihnen belästigt werden. Vögel gibt es dort unten auch. Sie sehen wie Schmetterlinge aus, so bunt, obwohl es deutlich Vögel sind. Aber mehr weiß ich nicht..." Er sah von einem zum anderen, überlegte flüchtig, ob er weglaufen solle, auch, wenn das sicher sinnlos war.
"Du kannst gehen." Die dunkle Stimme des Youkaifürsten schreckte ihn auf.
Erst jetzt bemerkte er, dass die junge Frau ihm den Weg freigegeben hatte, der ihn nach Süden, in Sicherheit führen würde, und lief los, so eilig er konnte, immer in der Furcht, sie würden ihn doch noch töten. Aber nichts geschah.
Sesshoumaru blieb am Rand des Plateaus stehen, blickte hinab: "Drachental."
"Wir werden vorsichtig sein müssen, unser Youki weiter verbergen." Shiro warf einen Blick auf die gegenüberliegende Bergkette, wo der nächste Pass sich als eine Mulde zwischen den Spitzen zeigte. Dort hinter konnte gut schon das Gebiet beginnen, das die Magier kontrollierten. Es war sicher besser, sie nicht spüren zu lassen, wer sich ihnen näherte.
Sesshoumaru sprang los, tief hinab in die dichte Wolkenschicht und sie folgte ihm.
Zu ihrer Überraschung trafen sie unter den Wolken etwas wie einen Schild. Sie sprangen zwar hindurch, aber mussten nach Luft ringen. Sie hatten damit nicht gerechnet. Erst im Landen erkannten sie, dass es sich nicht um eine magische Barriere handelte, sondern einfach das Klima hier unten so befremdend war.
Unter der dicken Wolkendecke staute sich eine unerwartete Wärme und Luftfeuchtigkeit. Es wirkte wie ein Treibhaus, auch wenn keiner der beiden Youkai gewusst hätte, was das war. Die ganze Vegetation hier war üppig, von ungewöhnlich riesigem Wuchs. Sie waren beide schon in dichten Wäldern gewesen, gerade die in Masakis Land galten als fast schon undurchdringlich, aber so etwas wie hier hatten beide noch nie gesehen. Hinzu kam, dass die hohe Luftfeuchtigkeit die Gerüche speicherte, es schwer machte, zu unterscheiden, wie nahe oder fern oder wie alt eine Witterung war.
"Die Bäume sind sehr groß." Shiro legte die Hand an ihr Schwert: "So mögen auch die Drachen hier größer sein."
"Ja. Der Hanyou log nicht." Sesshoumaru hob ein wenig den Kopf, überprüfte die Gerüche: "Gehen wir."
Beide nahmen an, wenn menschliche Magier und ihr eigener Großvater hier durchgegangen waren, müssten es auch sie schaffen, ungewohntes Klima hin oder her. Und der Weg nach Osten, zum gegenüberliegenden Gebirge, war für sie nicht zu verfehlen. Youkai verliefen sich nicht, gleich, wie dicht der Dschungel um sie auch sein mochte, wie viele Blüten hier die verschiedensten Duftstoffe ausstrahlten, wie sehr es im Unterholz raschelte. Menschen hätten hier Zweifel bekommen, Angst, etwas, das diesen beiden Wanderern praktisch fremd war.
Die Sonne stand schon hoch am Himmel, das spürten sie an der zunehmenden Wärme, die die Luft hier bedrückend machte, schwerer zu atmen, die Gerüche aber auch intensivierte. Für die empfindlichen Nasen von Hundeyoukai bot der Cocktail der verschiedenen dumpfen Witterungen ein verwirrendes Spiel, ein Labyrinth, aus dem schwer etwas zu erkennen war. Aber dennoch erkannten sie immer mehr Geruchsteilchen von Verwesung. Irgendwo vor ihnen lag etwas im Tod.
Dieser Eindruck verstärkte sich noch, wurde deutlicher, je weiter sie nach Osten vordrangen. Sie gingen hintereinander, vorsichtig genug, ihr Youki vollständig zu verbergen, aber auch vorsichtig genug, die Hand am Schwertgriff zu haben. Im dichten Grün des Urwaldes hörten sie öfter das Rascheln von kleinen Tieren, spürten die Gegenwart anderer Wesen.
Der Aasgeruch wurde immer heftiger, beleidigte ihre Nasen zusehends. Jetzt konnten sie auch wittern, dass das unmöglich von einem einzigen Tier stammen konnte. Und durch all den Tod roch es auch nach Leben.
Die Erklärung fand sich auf einer Waldlichtung an einem Teich. Ein großer, vierfüßiger Drache lag dort, von einer Art, die sie noch nie gesehen hatten, massig und fast dick zu nennen. Sein Hals mochte ebenso lang sein wie sein Schwanz. Von ihm ging offenkundig der Verwesungsgeruch aus. Drei kleinere Drachen fraßen an ihm. Auch sie stanken nach Verwesung, dass es für die Nasen von Hundeyoukai fast erstickend wurde.
"Yodo-Drachen", murmelte Shiro.
Sie hatte einmal von diesen Wesen gehört. Sie waren ungefähr eidechsenförmig, aber viel größer und massiger, ohne Schwanz mochten sie gut zweieinhalb Meter messen. Nur ihre spitzen Schnauzen und die knopfförmigen Augen erinnerten fast an Säugetiere. Sie drehten den Neuankömmlingen neugierig die Köpfe zu. Aber da sich Sesshoumaru und Shiro ihnen nicht näherten und auch nicht sehr tot wirkten, fuhren sie lieber mit ihrer eigentlichen Tätigkeit fort.
Die Hundeyoukai gingen unbeirrbar nach Osten. Hier unten im Tal, unter der dichten Wolkendecke, gab es keinen Wind, der den Gestank beseitigt hätte, aber je weiter sie sich von der Lichtung entfernten, um so angenehmer wurde die Luft.
Dann erst meinte Sesshoumaru, ohne im Gehen innezuhalten oder sich umzudrehen: "Yodo-Drachen?"
"Aasfresser. Früher sollen sie auch viel weiter im Süden vorgekommen sei, in den Sümpfen der Tiefebene."
"Ihre Zähne sind giftig."
Sie war erstaunt, nahm aber doch an, dass jemand, der Gift in seinem Körper produzierte, das einschätzen konnte. "Ungewöhnlich für Aasfresser", murmelte sie, ohne eine Antwort zu erwarten.
Tatsächlich erfolgte auch keine und so folgte sie ihm weiter auf dem ungebahnten Pfad durch den Urwald. Ab und an schlug er Lianen oder zu lästige Gewächse mit seiner Youkipeitsche weg und sie nahm an, dass er darum voranging. Sie hatte nicht diese Fähigkeit. Ihr Youki konnte sie nur in kleinen Bällen ausschicken- oder aber zu einem Schutzschild formen. Aber jeder Youkai war da anders.
Ab und an spürte sie andere Lebewesen, aber niemand ließ sich sehen. Nur einmal, als sie dicht über ihnen etwas im Laub bemerkte, guckte sie hinauf- und begegnete einem dunklen Blick. Das Lebewesen dort roch nach ebenfalls nach Verwesung, schien also auch ein Aasfresser zu sein. Es gab hier in diesem feuchtwarmen Klima sicher viele Pflanzenfresser- und auch genügend Raubtiere, so dass wohl auch für die dritte Art Wesen der Tisch reichlich gedeckt war. Dieser kleine Drache, der sie anstarrte, klammerte sich mit festem Griff seiner hakenartigen Krallen an den Baum, hing kopfüber hinunter.
Als die Dämmerung hereinbrach wurde es unter der Wolkendecke, unter dem dichten Kronendach fast schlagartig dunkel. Obwohl die Augen der Wanderer nachts recht gut sehen konnten, hielt Sesshoumaru an und sprang auf einen Ast, ließ sich mit dem Rücken zum Stamm nieder. Shiro folgte, suchte sich einen auf gleicher Höhe.
"Willst du hier die Nacht verbringen, Sesshoumaru-donno?" erkundigte sie sich nur höflich.
"Ja."
Das mochte sinnvoll sein. Sie wussten nicht, wie viele der großen Drachen nachtaktiv waren. Auch, wenn ein Fleischfresser an ihnen keine leichte Beute gefunden hätte- ein Kampf in derartiger Dunkelheit wäre schwierig. So lehnte sie sich an den Stamm und entspannte sich. Sie empfand es fast als ein wenig angenehm, nicht selbst entscheiden zu müssen, nicht die Verantwortung zu tragen, nicht die ältere Schwester zu sein. Und nichts in ihr wehrte sich gegen den bedingungslosen Gehorsam, den er forderte.
Die Nacht in dem fremden Tal war voller Geheimnisse. Schreie tönten ab und an durch den Wald, seltsame Gerüche drangen in die Nase, von Blüten, die sich wohl nur nachts öffneten. Menschen hätten sich vermutlich gefürchtet, vor dem Rascheln im Unterholz, dem leichten Vibrieren im Baum, das verriet, dass ein sehr schweres Tier vorbeiging. Die Youkai blieben entspannt sitzen. Nur für eine Schlange endete die Nacht tödlich, als sie in den weiten Ärmel von Sesshoumarus haori kriechen wollte. Sie löste sich auf, ehe sie wusste, dass sie sich keine Baumhöhle ausgesucht hatte.
Bei Sonnenaufgang machten sich die Hundeyoukai wieder auf den Weg. Sie nahmen die Witterung der Berge vor sich schon durch den Dschungel wahr. Es konnte nicht mehr weit sein, bis sie das Tal durchquert hatten.
Es mochte gegen Mittag gehen, als Sesshoumaru stehen blieb. Shiro sprang sofort neben ihn. Sie waren auf einer etwas lichteren Stelle- und direkt vor ihnen befand sich etwas, das sich im Blätterwerk verbarg. Sie konnten es deutlich riechen. Groß, und ein Fleischfresser. Beide hatten die Hände schon am Schwert. Für einen Augenblick geschah nichts.
Dann fiel der Youkaiprinzessin eine Bewegung unten am Boden auf, obwohl dort nichts zu wittern war. Sie begriff: "Es sind zwei", murmelte sie: "Ein Drache und ein Junges ohne Geruch. Wir sollten sie umgehen. Muttertiere sind aggressiv." Wieder dachte sie zu spät daran, dass sie nicht mit ihrem Bruder unterwegs war.
Aber diesmal kam kein Tadel: "Wir können sie nicht umgehen."
"Warum?" Etwas in seiner Stimme hatte ihr verraten, dass das keine gute Nachricht war.
"Weil wir bereits umzingelt sind." Er drehte sich nach links, zog Tokejin.
Shiro nahm ihr Schwert ebenfalls zur Hand, sah vorsichtig nach rechts.
Im nächsten Moment schien die Hölle loszubrechen. Von vorn aus dem Dickicht der Kronen schossen zwei Köpfe auf die Youkai zu, von links und von rechts ebenfalls, nur etwas niedriger, etwas kleiner. Sesshoumaru sprang hoch, auf die linken Angreifer zu und Shiro tat das Gleiche nach rechts. Sie mussten zunächst die Einkreisung brechen. Die Köpfe besaßen eine seltsame, spiegelnde Haut, bläulich, und sie musste daran denken, dass dieser Hanyou erwähnt hatte, er habe einen Teil der Panzerung eines Drachen, eine durchsichtige Schuppe, gefunden. Noch im Sprung erkannte sie, dass es sich nicht um sechs Angreifer, sondern nur um drei handelte. Jeder der drei Drachen besaß zwei Köpfe. Und diese Schuppen waren vermutlich hart wie Diamant. So legte sie alle Kraft in den Schlag, als sie ihr Schwert gegen den Hals des rechten Kopfes fallen ließ. Der Aufprall war so hart, dass es ihr um ein Haar die Klinge aus der Hand gerissen hätte. Nur ihrem langjährigen Training war es zu verdanken, dass sie sofort nachging, nachfasste. Dennoch wurde sowohl ihre eigene Energie auf sie zurückgeworfen, als auch abgesplitterte Teile der Schuppen.
Obwohl sie wie geplant seitwärts auf dem Boden landete, ging sie in die Knie, da ihr rechtes Bein von dem reflektierten Youki und den Splittern getroffen worden war. Sie riskierte einen Blick seitwärts und erkannte, dass Sesshoumaru offenbar "seinen" Drachen getötet hatte.
Das durfte doch nicht wahr sein. War sie soviel schwächer als er? Sie richtete sich hastig auf, als die beiden Köpfe ihres Gegners in ihre Richtung schwenkten. Sie musste es wenigstens schaffen, den hier in die Flucht zu treiben, wenn sie ihn schon nicht töten konnte, oder ihn zumindest so lange zu beschäftigen, bis Sesshoumaru den großen getötet hatte. Vermutlich waren das Mutter plus Jungtier und zwei Halbwüchsige gewesen. Nun, sie hatten sich die falsche Beute ausgesucht und in ihrem Familienkreis würde es heute sicher Lücken geben.
Sie legte ihr Gewicht auf ihr linkes Bein, als sie erneut hochsprang, wieder angriff, obwohl sie wusste, wie wenig das bringen würde. Aber diesmal war sie auf der Hut, entkam durch einen Überschlag der Reflektion und den Splittern. Dennoch war sie nicht zufrieden mit sich, als sie landete. Ihr Angriff schien diesem Doppelköpfigen Drachen mit der Diamanthaut ebenso wenig auszumachen, wie ein Mückenstich. Aber aufgeben, fliehen, kam nicht in Betracht. Sie warf erneut einen Blick seitwärts. Sesshoumaru schien über der Mutter zu schweben, als er Tokejin in die Schnauze des linken Kopfes trieb. Ein gewaltiges Aufbrüllen war zu hören, und der Kopf, beide Köpfe, wandten sich ihm zu, versuchten ihn zu fassen. Noch in der gleichen Bewegung war er jedoch auf der Schnauze gelandet, in die Knie gegangen und wieder abgesprungen, sein Schwert mit sich ziehend. Der Gegenangriff lief ins Leere.
Selbst Shiro konnte mit einem Seitenblick erkennen, dass die Drachenmutter den verletzten Kopf tief hängen ließ. Etwas wie ein Knurren war zu hören, ehe sie sich zurückzog, wohl, um das Kleine zu schützen. Der Halbwüchsige, den Shiro am Hals gehabt hatte, verschwand ebenfalls in der dichten Vegetation. Sie blieb stehen, senkte ihr Schwert zu Boden. War es das gewesen?
In jähem Zorn biss sie sich mit den oberen Fangzähnen auf die Unterlippe. War sie doch so viel schwächer? ER tötete einen halbwüchsigen Diamantdrachen, verletzte die Mutter und sie schaffte es nicht einmal, einen Halbstarken anzukratzen?
Sesshoumaru schob sein Schwert zurück: "Tokejin ist aus besonderem Material."
Shiro sah ein wenig erstaunt zu ihm. Hatte er bemerkt, wie zornig sie war und sollte das jetzt eine Art Trost sein? Sie hätte nie gedacht, dass er dazu in der Lage wäre, aber sie nahm es dankbar an, schob ihr Schwert ebenfalls wieder in den Gürtel. "Drachen mit einer Haut wie Diamant."
"Ja." Er wandte sich ab und ging weiter.
Sie folgte ihm, instinktiv nun aber öfter witternd. Wo es eine Überraschung gegeben hatte, konnten auch noch weitere lauern.
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Das war es auch schon weider. Im nächsten Kapitel, "Die Drachenspitzen" erfahrt ihr etwas über Erste Hilfe bei Youkai in Lebensgefahr.
Und Inuyasha lernt etwas Neues über seine Kidnapper.
Über Kommentare würde ich mich, wie immer, sehr freuen.
bis dann
hotep
Die Drachenspitzen
Hallo
vielen Dank für eure Kommentare.
Ich hoffe, dass das hier bis Sonntag on ist, als Gebburtstagsgeschenk..*g*
Das letzte war ja ein ruhiges Kapitel, in dem nicht viel passiert ist, was sich aber ändert:
Viel Spass beim Lesen!
6. Die Drachenspitzen
Endlich erreichten sie die gegenüberliegenden Berge. Wie auch die Drachenkette auf der anderen Seite des Tales stiegen die Felsen steil und schroff empor. Vermutlich war das auch der Grund, warum sich hier die Wolken zu so einer dichten Decke sammelten- und der Grund, warum die Drachen dieses Tal nicht verlassen konnten. Die beiden Hundeyoukai sprangen von Felsvorsprung zu Felsvorsprung hinauf, bis sie die Wolken erreicht hatten. Dann machte es die mangelnde Sicht unmöglich, größere Sprünge zu tun, und sie mussten langsam, wie Menschen, klettern.
Sesshoumaru war wie immer voran. Die Wolken waren nun so dicht, dass selbst er keinen Meter mehr sehen konnte. Auch seine Nase witterte nur mehr Feuchtigkeit, alle anderen Gerüche blieben verborgen. Aber er nahm an, dass dieser Nebel bald aufhören würde. Im Sprung hinab war diese Schicht vielleicht fünfzig Meter dick gewesen, das hatten sie sicher gleich geschafft. Er hörte hinter sich, unter sich, ein heftiges, erschrockenes Einatmen. Da er Shiros Selbstbeherrschung kannte, war er alarmiert, blieb stehen und versuchte, sie unter sich zu erkennen.
Sie hatte sich mit ihrer linken Hand an einem Felsen festgehalten. Diese leuchtete nun ein einem seltsamen bläulichen Licht auf und er erkannte, dass es sich um das Youki seiner Begleiterin handelte. Zu seiner gewissen Überraschung starrte Shiro auf ihre Hand, die Lippen zusammengepresst, während ihre Rechte nach ihrem Schwert tastete.
"Iori", sagte sie.
Er verstand.
Iori oder Drachenwurm.
Ein wurmartiger Parasit, der sich vom Youki einfacher Youkai und Drachen ernährte. Er saugte sich voll und ließ dann wieder von seinem Opfer ab. Traf er jedoch ein Wesen mit mehr Energie, einen hochrangigen Youkai, sah die Sache anders aus. In diesem Fall nutzte der Iori das volle Youki seines Opfers, saugte es praktisch leer und teilte sich im Körper des Youkai, vermehrte sich, bis dieser platzte, egal, in welcher Form er sich befand. Jeder einigermaßen starke Youkai tötete daher Drachenwürmer, wo immer er sie sah. Sie waren darum praktisch ausgerottet, aber hier in diesem Tal, wo es viele Drachen und keine Youkai gab, hatten sie wohl überlebt. Und der hier hatte sicher bislang nur Drachen zum Saugen gefunden, bis Shiro in ihn fasste- und er damit die einzige Gelegenheit zur Fortpflanzung bekam, die er je finden würde.
Das einzige Gegenmittel, das es gegen einen Iori gab, war, das betroffene Glied schnellstens abzuschneiden, um zu verhindern, dass der Parasit den gesamten Körper befallen konnte.
Das hatte Shiro nun auch vor. Sie tastete mit der Rechten nach ihrem Schwert, um sich selbst den linken Arm abzuschneiden, so ihr Leben zu retten. Sie zuckte unwillkürlich zusammen, als sich etwas fest um ihren linken Oberarm legte, sie herumgerissen wurde, mit dem Rücken an den Berg gedrückt wurde.
"Nein", sagte Sesshoumaru.
Die Youkaiprinzessin starrte ihn an, für einen Augenblick verwirrt. Wusste er denn nichts von einem Iori? Dann glaubte sie zu begreifen. Er hatte natürlich das Recht, über ihr Leben und ihren Tod zu entscheiden...aber solch einen Tod wollte er für sie? Sie konnte nicht verhindern, dass etwas wie Panik, Todesangst, in ihr aufstieg. Sie hatte sich zwar sofort wieder unter Kontrolle, aber sie war sich bewusst, dass er es bemerkt haben musste. Vermutlich ein weiterer Grund, sie zu verachten.
Sesshoumaru hatte das Aufflackern der Panik beobachtet, aber auch, dass sie sich sofort beherrscht hatte, und erriet, dass da ein Missverständnis vorlag. So erklärte er: "Wenn du deinen Arm abschneidest, kannst du dich nicht regenerieren. Ich werde den Iori mit meiner Giftklaue töten. Dann solltest du stark genug sein, deinen Arm wiederherstellen zu können."
Shiro war zunächst erleichtert, dass er sie nicht tot sehen wollte, sondern ihr helfen wollte. Aber sie wusste, dass seine giftige Attacke tödlich auch für ein Wesen ihrer Art war, und hoffte nur, dass er es gut dosieren konnte. Aber vermutlich hatte er Recht. Tat sie nichts, würde der Iori sie schrecklich töten. Schnitt sie ihren Arm ab, so wusste Sesshoumaru wohl am besten, dass sich auch ein noch so starker Youkai nicht regenerieren konnte. So hatte sie anscheinend nur noch eine Möglichkeit, beide Arme zu behalten. Daher wandte sie den Kopf seitwärts, spürte, wie er sich etwas auf sie legte, wohl, um sie festzuhalten, fühlte das weiche Fell an ihrem Kopf, aber auch, wie die Hand um ihren Oberarm sich plötzlich quälend veränderte.
Ein Schmerz, wie sie ihn so noch nie gekannt hatte, erfasste sie und unwillkürlich zuckte ihre Rechte zu den beiden Schwertern, die er im Gürtel hatte, nun an ihrer rechten Körperseite lagen. Aber sie musste sich beherrschen. Nur so hatte sie den Hauch einer Chance, ihren linken Arm zu behalten. Überdies schmerzten sie die Schwertabfangdornen seines Panzers, da sie sich in ihre rechte Schulter bohrten, als sie sich bewegte.
Sie musste sich zusammennehmen, sie musste sich beherrschen. Aber sie spürte, wie sich die Giftklaue in ihren Arm fraß und zum ersten Mal in ihrem Leben begriff sie, warum Menschen vor Schmerzen schreien konnten, etwas, das einem Youkai für gewöhnlich nie passierte. Aber sie musste sich zusammennehmen. Es war notwenig, was er hier tat, und sie wollte nicht als so beschämend kläglich da stehen.
Sesshoumaru hatte durchaus bemerkt, wie ihre Rechte zu seinen Schwertern gezuckt war. Und beobachtete aus den Augenwinkeln, was sie weiter tat. Sollte ihre Selbstbeherrschung versagen, sie doch Tokejin ziehen wollen, müsste er rasch aufspringen, auch, wenn das bedeuten würde, dass der Iori noch lebte.
Aber zu seiner Beruhigung schien ihre Kontrolle so groß zu sein, wie er immer angenommen hatte. Und so gab er weiter sein Gift in ihren Körper.
Endlich spürte er nichts mehr von dem Parasiten. Er betrachtete ihren linken Arm. Seine dokka-so hatte den Stoff ihres haori zerfressen, der gesamte Arm war nun schwarz, dürr, sah verbrannt aus, die Finger waren nur mehr wie Vogelkrallen. Shiro hatte die Augen geschlossen, ihr ganzer Leib war entspannt. Ein Mensch wäre wohl in Ohnmacht gefallen, ein Youkai konnte das nicht. Aber ihr Körper hatte bereits mit der Regenerierung begonnen, sie in den für Youkai so seltenen Schlaf geschickt.
Sesshoumaru stand auf. Hier in diesen Wolken konnten sie nicht bleiben. Shiro würde vermutlich Stunden, vielleicht Tage schlafen, bis sie sich erholt hatte. Und wo ein Drachenwurm gewesen war, konnten auch andere sein. So bückte er sich, legte den Arm um ihre Taille und warf sie sich mehr oder weniger über die rechte Schulter, ehe er weiter bergauf stieg, durch die dichte Wolkendecke des Drachentals.
Wie er schon vermutet hatte, waren es keine zehn Höhenmeter mehr gewesen, ehe er aus den Wolken kam, die Sonne wieder spürte. Vielleicht noch einmal fünfzig Meter aufwärts fand er einen kleinen Nadelbaum, der sich tief über eine sandige Stelle neigte. Dort ließ er Shiro nieder. Sie bewegte sich nicht, war im tiefen Schlaf, den nur schwerverletzte Youkai schliefen. Er blieb neben ihr stehen, sah sich um, ehe er sich an einem Felsen niederließ und still Wache hielt.
Bei Sonnenuntergang blickte er zu ihr. Ihr verletzter Arm war noch immer schwarz, aber er schien dicker geworden zu sein, wieder sich einer menschlichen Form anzunähern. Sie war also so stark, wie er erwartet hatte. Beruhigt sah er zum aufgehenden Mond. Sie würden Zeit verlieren, aber noch war der Tag der Opferung weit genug entfernt. Und es war kaum zu erwarten gewesen, dass sie auf dem Weg zur Insel der Bestien keine Schwierigkeiten haben würden. Mit einem Drachenwurm hatte er zugegeben nicht gerechnet, da sie so gut wie ausgestorben waren, aber das bewies nur, dass man auf alles vorbereitet sein sollte.
In der Nacht waren die Geräusche des Drachentales nur gedämpft zu hören, selbst für die guten Ohren eines Hundeyoukai. Hier oben am Berg schien es keinerlei nachtaktiven Tiere oder sonstige Wesen zu geben, aber da das trügerisch sein mochte, achtete er unwillkürlich auf alle Gerüche und Geräusche, die der Nachtwind zu ihm trug.
Das einzige Lebewesen, das sich in seine Nähe verirrte, war jedoch ein kleines Schuppenfaultier, ein harmloser Pflanzenfresser, der ihn aus Knopfaugen neugierig musterte. Da er seine Energie vollständig unterdrückte, ahnte es nicht, wie nahe es so arglos einem Fleischfresserverwandten kam. Er bewegte sich nicht und so verschwand es wieder in der Dunkelheit.
Bei Sonnenaufgang stand er auf, trat zu seiner Begleiterin. Ihr Arm war noch immer schwarz, sah nun aber wieder vollständig menschlich aus. Sie war wirklich stark, sicher die stärkste unter allen weiblichen Hundeyoukai. Und selbst in dem tiefen Schlaf sah sie immer noch schön aus. Es freute ihn insgeheim, dass sie so war, wie sie war- und sie rechtmäßig ihm gehörte. Es war wirklich fast bedauerlich, dass ihr Vater zum Verräter geworden war, er sie so nicht zur Herrin des Westens machen konnte.
Er wandte sich wieder ab und blieb am Rand der sandigen Bodens sehen, blickte über das Drachental. Dort drüben, an der Drachenkettte, von hier aus nicht mehr wahrzunehmen, lag das Menschenkloster. Wenn diese Mönche dort recht hatten, sein Großvater und sein Vater hier unterwegs gewesen waren, mochte es durchaus sein, dass sie auf ihrem weiteren Weg zu der Insel der Bestien auch noch andere Wesen treffen würden, die solche Erzählungen kannten. Es wäre sicher interessant, etwas aus der Vergangenheit seiner Familie zu erfahren. Seltsamerweise fiel ihm jetzt ein, dass er auf seine Frage, wie er stärker als sein Vater werden könne, von der Berggöttin von Halel auf diese Reise geschickt worden war. Hatte sie von der Reise von vor tausend Jahren gewusst? Vermutlich. Sie gab Youkaifürsten Ratschläge, angeblich, seit es Youkai gab.
Also war sein Vater vielleicht auf dieser Reise so stark geworden? Er würde es wohl abwarten müssen. Bislang waren sie auf keine großen Schwierigkeiten gestoßen, aber nach allem, was sie bereits gehört hatten, begann hinter diesen Bergen das Reich der Magier der Insel der Bestien. Und ein Land mit fremder Magie. Das deutete darauf hin, dass der Drachenwurm erst der Anfang der Probleme gewesen war. Aber es war gleich. Bis zur Sommersonnenwende mussten sie die Insel gefunden haben, die Magier besiegt haben, sollte nicht Inuyasha geopfert werden, die Bestie der Tiefe erwachen.
Gegen Mittag bewegte sich Shiro. Für einen Augenblick leuchteten ihre gewöhnlich grünen Augen in tiefem Rot, dann war sie klar bei Bewusstsein. Ihr erster beabsichtigter Blick fiel auf ihren Arm. Dieser sah vollkommen wiederhergestellt aus und sie bewegte vorsichtig die Finger. Da das gelang, setzte sie sich auf, suchte ihren Begleiter. Er stand noch immer da, blickte über das Tal. Sie erhob sich. Er musste wissen, dass sie wach war, aber er sah sich nicht um. War er zornig, dass sie wegen ihres Fehlers Zeit verloren hatten? Sie hätte den Drachenwurm spüren müssen, aber sie hatte nie mit einem solchen Lebewesen gerechnet. Sie guckte zu ihrem Ärmel. Kurz darauf hatte ihr haori wieder zwei lange Ärmel und sie sah tadellos aus.
Erst dann trat sie zu dem Youkaifürsten: "Ich bedauere, dass ich den Iori nicht spürte. Es war mein Fehler. Ich danke dir, Sesshoumaru-donno, dass du meinen Arm gerettet hast." Das klang formell, aber sie hätte nicht gewusst, was sie sonst hätte sagen sollen. Und auch wenn sie verlobt waren, so vergaß sie doch nicht, dass er sie für ehrlos hielt. Und dass es an ihr lag, ihm zu beweisen, dass sie seiner vielleicht doch würdig wäre, gleich, was ihr Vater je getan hatte.
Er drehte sich um, schien sie zu mustern, ehe er sagte: "Gehen wir."
Shiro folgte ihm ohne weiteres Wort.
Als sie die Höhe der Drachenkette erreicht hatten, blieben die beiden Hundeyoukai stehen. Ihre langen Haare wehten leicht im Abendwind. Zu ihrer Überraschung erstreckte sich hinter dem Gebirge keine Ebene, gar ein See mit einer Insel, wie sie es erwartet hatten, sondern zunächst eine Art Hügelland, dicht mit Nadelwald bewachsen. Dahinter schien ein Flachland in Richtung Norden zu kommen. Aber der westliche Abendwind brachte ihren empfindlichen Nasen auch eine vage Nachricht von Salzwasser und Meer, zeigte ihnen, dass dort ein großes Wasser war. Und wohl auch eine Insel sein mochte.
"Sesshoumaru-donno?"
"Was ist?"
"Lebt Inuyasha noch?"
Er sah sie an: "Es ist noch nicht der Tag."
"Ich weiß." Sie blickte über das Hügelland: "Aber er wird allein sein. Und er kann nicht erkennen, dass wir unterwegs sind. Vielleicht weiß er inzwischen, was geschieht, wenn er geopfert wird, was geschieht, wenn die Bestie erwacht."
Der Youkaifürst sah nun auch nach Norden. Das war eine Möglichkeit, an die er nicht gedacht hatte. Und Inuyasha war zwar unbeherrscht und dickköpfig, aber wenn er wusste, dass von seinem Opfertod das Erwachen einer menschenfressenden Bestie abhing...Shiro hatte Recht. Er könnte versucht haben, Selbstmord zu begehen. Sesshoumaru nahm zwar an, dass die Magier Vorsorge dagegen getroffen hatten, aber...
Er versuchte, sich nach Norden zu konzentrieren, die Aura seines Halbbruders zu finden, konnte aber nichts spüren. Das konnte natürlich bedeuten, dass der Hanyou tot war, aber vermutlich waren sie auch einfach nur zu weit noch weg. Er sah zu seiner Begleiterin, begegnete einem ruhigen grünen Blick. "Wir sind zu weit weg", sagte er daher.
Shiro nickte unmerklich: "Soll ich es mit Wasser versuchen? Dort unten ist eine Quelle."
Er war zwar etwas überrascht, da er angenommen hatte, sie benötige für ihre Wassersehfähigkeiten einen genauen Richtungspunkt, sprang aber hinunter. Sie folgte. Erst, als sie beide neben der Quelle saßen, sagte er: "Du hast ein Ziel?"
"Ich kann die Insel so nicht finden", gab sie zu: "Aber ich kann sehen, ob jemand noch lebt oder nicht, wenn ich seine Aura kenne. Ich weiß jedoch noch immer nicht, wo er ist."
"Dann sieh."
Sie starrte auf die ruhige Wasseroberfläche, suchte ihr Youki, mit dem sie solche Dinge sehen konnte.
Sesshoumaru schwieg, beobachtete sie nur genau, sah, wie sich plötzlich ihre Augen weiteten: "Er lebt."
"Ja." Sie blickte noch immer in das, was für sie nun ein Spiegel war: "Es ist ein ummauerter Raum, er ist angebunden...allein." Sie schloss kurz die Augen, da es sie sehr anstrengte: "Mehr sehe ich nicht."
"Er lebt, also besteht noch immer die Gefahr, dass die Bestie erwachen kann. Und er kann keinen Selbstmord begehen." Der Youkaifürst hob den Kopf: "Umso wichtiger ist es, dass wir rechtzeitig die Insel finden. Das hat Vorrang."
Sie verstand den Hinweis: "Ich weiß. Vorrang vor allem."
Inuyasha hob irritiert den Kopf. Seine Betäubung war wieder am Nachlassen, was ihm verriet, das die Stunde seines Essens gekommen sein musste. Dennoch war ihm gerade so gewesen, als ob er etwas wie eine fremde Aura gespürt hätte. Aber er war hier allein, das musste ein Irrtum gewesen sein, eine Täuschung, hervorgerufen durch die ganzen Bannsprüche, die sie ihm aufgehalst hatten.
Gestern hatten sie ihm erlaubt, zu baden. Die ganze Zeit hatte er Tessaiga am Gürtel gehabt...und diese blöden Zauber hatten verhindert, dass er es anfassen konnte. Sie hatten einfach seine Hände so gebannt, dass er die Finger nicht abbiegen konnte. Einfach, genial und gemein.
Inuyasha sah sich um, wie jeden Tag, wenn er klarer im Kopf wurde. Und wie jeden Tag erblickte er nur gemauerte vier Wände, eine massive Tür. Oben an der einen Mauer war eine niedrige, aber lange Öffnung, durch die Luft und Licht hereinkam, das den Raum in Dämmerlicht hüllte. Wenn wieder einer der Magier kommen würde, um ihm Essen und Trinken zu bringen, käme auch wieder Fackellicht in diesen Kerker. Vor zwei Tagen hatte er immerhin seine Frage beantwortet bekommen, wie es seinen Freunden gehe, ob sie tot seien. "Nein", hatte der Magier fast freundlich erwidert: "Wir bringen keine Unschuldigen um", was das potentielle Opfer dann fast zum Lachen gebracht hatte.
"Und wie nennt ihr das, wenn ihr eure Bestie füttert?" hatte er sich erkundigt.
"Aber das kann man doch nicht vergleichen. Das ist eine heilige Handlung..." war die Antwort gewesen.
Inuyasha schüttelte sich noch immer bei dem Gedanken. Tolle Moralvorstellungen hatten sie hier. Aber er war erleichtert gewesen, endlich zu erfahren, dass seinen Freunden nichts passiert war. Und dass er Hoffnung haben konnte, dass sie ihn suchen würden. Ganz sicher würden sie nicht tatenlos zusehen, wie er irgendeiner Bestie vorgeworfen werden sollte. Noch hatte er dieses Vertrauen und er war sich sicher, dass Kagomes Pfeil es schaffen würde, ihn von den Bannsprüchen zu befreien. Hätte er erst Tessaiga in der Hand, könnten diese Magier ihr Haustier schon mal abschreiben.
Er sah zur Tür, da der Riegel entfernt wurde. Wie gestern kamen sie zu zweit, beide in diese seltsamen Kapuzenfellmäntel gehüllt. Selbst seine Nase konnte nicht sagen, ob sie Menschen waren oder nicht. Irgendetwas Hundeartiges war mit dabei, aber er konnte es nicht deuten, hatte er einen solchen Geruch doch noch nie zuvor wahrgenommen. In jedem Fall brachten sie ihm Essen und Trinken. Das Opfer sollte in guter Verfassung sein. Einer der Magier steckte die mitgebrachte Fackel in den Wandhalter, währen der andere sich dem Gefangenen mit einem Tablett näherte, auf dem Brot und ein Krug mit Wasser standen.
Weder Sesshoumaru noch Shiro hätten sagen können, was der Grund war, warum sie sich erhoben. Die Gerüche hatten sich nicht geändert, sie hatten nichts gehört, aber beide spürten deutlich, dass ihnen Gefahr drohte. Jeder war fast beruhigt, dass es der andere auch so empfand und sie waren zu vorsichtig, um nicht seitwärts zu treten, Rücken an Rücken stehen zu bleiben, in die Dämmerung um sie zu blicken, den Berghang hinauf und hinunter.
Aus dem Dunkel der beginnenden Nacht löste sich um sie ein Kreis von gut zehn schweigsamen Gestalten, alle sicher gut zwei Meter groß, mit gepanzerter Rüstung und Streitkolben in den Gürteln. Die schwarzen haarlosen Köpfe hatten etwas menschenähnliches an sich, aber die beiden Hundeyoukai wussten, dass das beileibe keine Menschen waren. Sie hatten Legenden über sie gehört - und über ihre sagenhaften Kampffähigkeiten.
"Berggeister", stellte Sesshoumaru fest.
"Ogre," ergänzte Shiro.
Sie fassten nach ihren Schwertern.
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Das sieht nach etwas Ärger aus.
Das nächste Kapitel spielt bei den Ogre...
Wer so nett ist, mir einen Kommntar zu hinterlassen, bekommt als Dankeschön eine ENS, wenn ich sehe, dass das Kapitel on ist.
Eure
hotep
Im Lager der Ogre
Hallo,
danke für euer Mitlesen und natürlich insbesondere für die, die mir ssagen,was ihnen gefallen hat, oder unlogisch war, meine lieben Kommischreiber!
Zwei Hundeyoukai gegen zehn Berggeister?
Weiter geht es mit den kleinen Überraschungen auf dieser Reise.
7. Im Lager der Ogre
Für einen langen Moment starrten sich die beiden Gruppen stumm an, dann deutete einer der Berggeister auf Sesshoumaru: "Okrich, " sagte er.
Da keiner der Ogre den Streitkolben zur Hand nahm, zogen die Youkai ebenfalls nicht die Schwerter. Vielleicht sollte das gar kein Angriff sein. Und wenn auch nur die Hälfte der Legenden stimmte, würden selbst sie sich gegen zehn Ogre hart tun. Nicht, dass sie nicht gewinnen konnten, aber ein Kampf würde Zeit- und Energieverlust bedeuten, vielleicht sogar Verletzungen.
"Okrich." Der Youkaifürst war sich nicht sicher, ob das einfach das Wort für "Guten Tag" sein sollte.
"Das bedeutet mächtiger, starker Youkai", erklärte Shiro unerwartet, ohne den Kopf zu drehen.
"Du sprichst ihre Sprache?"
"Nein. Unser Lehrer erzählte nur, dass seltsamerweise Ogre zwei Wörter für Youkai haben: hochrangige und einfache, obwohl die Arten selten miteinander Kontakt haben." Sie betrachtete den Halbkreis vor sich, der offenbar heftig miteinander diskutierte. "Sie scheinen dich richtig einzuordnen, obwohl du dein Youki unterdrückst."
Mit dieser Einschränkung hatte sie Recht. Das Deuten und das Wort Okrich galt nur ihm, nicht ihr. Sesshoumaru nahm die Hand vom Schwert.
Der Wortführer nickte ihm zu, brachte etwas wie eine leichte Verneigung zustande: "Okrich..." Er winkte.
Eine Einladung? Sesshoumaru war neugierig geworden. Woran erkannten ihn die Berggeister als starken Youkai, überhaupt, als Youkai? Und warum nicht Shiro? Weil sie weiblich war? Hatten sie noch nie einen weiblichen Youkai gesehen? Er spürte ihren Rücken plötzlich durch die Rüstungen an seinem: sie musste zurückgewichen sein. Er drehte sich etwas, erkannte auch den Grund. Die Ogre vor ihr hatten Streitkolben zur Hand genommen. Ganz offensichtlich beschränkte sich die Einladung auf ihn. Shiro hatte die Hand am Schwert, es aber noch nicht gezogen. Sie würde auf seinen Befehl hören.
"Lass", sagte er daher und legte die Hand auf ihre Schulter.
Die Berggeister starrten sie an. Aber keiner griff an. Nur der bisherige Wortführer kam näher, blieb etwas seitwärts stehen.
"Okrich...?" fragte er. Dann folgte etwas in seiner Sprache, dass die Youkai nicht verstanden.
Shiro betrachtete den Kreis um sie, schätzte Möglichkeiten, Angriffswege ab. Warum auch immer die Ogre Sesshoumaru achteten- sie schienen sie eher als potentiellen Feind zu betrachten. Mit dieser Geste hatte er zwar angedeutet, dass sie unter seinem Schutz stehe- aber würden das die Berggeister auch so sehen?
Der Youkaifürst blickte zu dem Wortführer, der mit seinen Leuten sprach, dann sich erneut angedeutet verneigte, seltsam genug bei einem schwarzen Wesen, dessen Haut eher einer Schlange ähnelte, und das so groß war, das selbst Sesshoumaru nur die Brust erreichte. "Okrich..." Er deutete in die Nacht, nickte eifrig, anscheinend, um anzudeuten, dass er mit ihnen gehen solle. Die anderen schoben die Streitäxte wieder weg, was Shiro ein wenig erleichtert zur Kenntnis nahm.
"Gehen wir mit", meinte Sesshoumaru.
So waren die beiden Hundeyoukai kurz darauf im nächtlichen Gebirge unterwegs, umringt von einer grimmig aussehenden Schar Berggeister.
Shiro nutzte die Gelegenheit, diese Wesen näher zu betrachten. Die Haut ähnelte einer glatten Reptilienhaut, auch die Augen ließen eher an eine Schlange denken, glitzerten aber in einem deutlich warmen Gelb. Alle trugen die gleiche Rüstung: Beinschienen, einen Brustpanzer und eine Art Panzer um die Hüfte, alles in hellem Metall gehalten. Trotz der Größe und Masse bewegten sie sich fast lautlos und sie erkannte an einzelnen Bewegungen, dass sie wohl sehr schnell werden konnten. Das waren Kampfmaschinen. Sie entsann sich der Legenden, nach denen die Berggeister von frühester Jugend an zum Kämpfen erzogen wurden. Früher sollte es sogar einmal welche gegeben haben, die als Leibgarden bei Fürsten dienten...menschlichen oder Youkai, aber das waren nur Gerüchte gewesen. Sie begegnete einem gelben Blick. Der riesige Ogre neben ihr schien sie ebenso neugierig zu betrachten- nicht nur sie selbst, sondern auch Sesshoumaru. Shiro blieb eng neben ihrem Begleiter. Sie nahm schwer an, dass sie, falls sie allein gewesen wäre, bereits einen Kampf zu überstehen gehabt hätte. Und allein gegen zehn Ogre- sie war ehrlich genug, sich einzugestehen, dass ihre Chancen nicht gerade gut gewesen wären.
Sesshoumaru bemerkte durchaus, dass sie an seiner Seite blieb und nahm an, dass sie damit betonen wollte, dass sie unter seinem Schutz stünde, um einem sinnlosen Kampf auszuweichen. Angst hätte er ihr nie unterstellt. Aber noch etwas fiel ihm zum ersten Mal auf: sie hielt sich zwar an seiner Seite, war aber immer den höfischen Respektsabstand von einem Schritt zurück. Sie war wirklich als Prinzessin ausgebildet worden und beachtete das automatisch. Nein, dachte er plötzlich. Sie wurde nicht einfach als Prinzessin erzogen. Sie wurde dazu erzogen, meine Gemahlin zu sein.
Er dachte an einen Tag vor sicher gut zweihundert Jahren, als sein Vater ihm ihren Vater und die Zwillinge vorgestellt hatte, gesagt hatte, diese junge Youkai sei seine Braut. Shiro hatte genauso überrascht ausgesehen, wie er selbst sich gefühlt hatte. Beide hatten es schleunigst verborgen. In den nächsten Tagen war ihnen erlaubt worden, sich beim Schwerttraining näher kennen zu lernen, immer in Anwesenheit der Väter. Sesshoumaru musste zugeben, dass sich Shiro seit jenem Trainingskampf deutlich verbessert hatte.
Die Wanderung führt zu einem ovalen Taleinschnitt in der Gebirgskette. Die Felswände stiegen hier vollkommen senkrecht empor, unmöglich, zu erklimmen. In diesem Tal brannten mehrere große Feuer, zeigten Hütten und Zelte. Eine Menge von Berggeistern drängte sich heran. Offenbar war die Nachricht schon vor ihnen angekommen. Das war ein Lager, fast schon ein Dorf. Die Hundeyoukai waren leicht überrascht, hatten sie bislang doch nicht gewusst, dass es derartiges gäbe.
Ein Raunen lief durch die Anwesenden. Immer wieder fiel das Wort "Okrich".
Während sie durch die Menge geführt wurden, fiel beiden auf, dass hier auch alle Ogre gleich aussahen, die gleiche Rüstung trugen. War das eine Armee? Das würde auch erklären, warum es hier keine Frauen zu geben schien, keine Kinder. Ein Kriegslager? Vielleicht gar gegen die Magier der Bestien? In jedem Fall wäre eine Unterhaltung angebracht.
An einer Stelle war anscheinend der Dorfplatz. Zwei riesige Feuer brannten an den beiden Enden. Auf der zu den Felsen liegenden Seite loderten Flammen auch in zwei Pfannen. Große Steine lagen dort, sechs an der Zahl, im Halbkreis der Felswand entlang. Auf drei saßen Ogre, die anscheinend höheren Ranges waren, sich nun erhoben.
Der Mittlere trat etwas den Ankömmlingen entgegen. Auf seinem Brustpanzer leuchtete ein Zeichen, das keiner der Youkai kannte. Er schien der Anführer zu sein.
Die Patrouille wich zurück, so dass die Gäste nun allein von dem Führungstrio waren. Der Anführer starrte Sesshoumaru an, ehe er etwas sagte.
Der erwiderte den Blick ruhig, obwohl er dafür leicht nach oben blicken musste. Der Ogre war selbst für einen seiner Art recht groß und gut einen Kopf höher als der Youkaifürst.
Der Anführer nickte: "Okrich..." Er sagte etwas und jemand eilte davon. Dann deutete der Befehlshaber ein wenig hinter sich zu den großen Steinen, die anscheinend als Sitzgelegenheiten für die Ranghöchsten dienten, sah wieder zu Sesshoumaru: "Okrich..."
Dieser verstand, dass er sich dorthin setzen sollte und war beruhigt. Das sah nach Gastfreundschaft aus und nicht nach einem Angriff. Zu zweit gegen ein ganzes Kriegslager von Berggeistern hätte problematisch werden können. Vielleicht hatte der Bote einen Dolmetscher holen sollen. So ging er langsam hin, ließ sich gemeinsam mit den drei Ogre-Führern nieder, an der rechten Seite des Häuptlings.
Shiro hatte sich nicht bewegt. Ihr war klar, dass diese Einladung nicht für sie galt und nahm an, dass sie aus irgendeinem Grund für rangniedriger eingestuft wurde. Vielleicht, weil sie weiblich war. Wer wusste das schon. So blieb sie ungerührt stehen.
Sesshoumaru betrachtete nun die Menge der Ogre. Sie starrten ihn alle mit gewisser Neugier an, soweit er das bei der Dunkelheit einschätzen konnte.
Der Anführer sagte etwas. Alle Berggeister wichen sofort zurück, seitwärts, an die Ränder des Dorfplatzes, so dass eine freie Fläche entstand, begrenzt nur von den zwei riesigen Feuern. Sesshoumaru sah, wie ein einzelner Ogre von der anderen Seite langsam in diesen offenen Bereich trat, sich gelassen hinstellte, den Streitkolben im Gürtel. Die Youkaiprinzessin hatte sich nicht bewegt, blickte noch immer zu ihm und den Anführern der Berggeister, so dass sie nicht mitbekommen haben konnte, was da auf sie wartete. Sie war zu selbstbeherrscht, um sich umzudrehen, Neugier zu zeigen.
"Shiro."
Sie guckte sofort zu ihm und er nickte leicht hinter sie. So drehte sie sich doch um. Als sie die freigelassene Fläche sah, den einzelnen Berggeist, der ihr gegenüberstand, begriff sie. Das hier sollte ein Kampf werden. Wollten die Ogre testen, wie stark sie war? Na schön. Gegen einen hatte sie Chancen. Sie legte die Hand an den Schwertgriff.
Der riesige Ogre nickte, fasste aber nicht den Streitkolben, sondern an den Gürtel. Ohne seine Gegnerin aus den Augen zu lassen, öffnete er ihn, nahm ihn ab und warf ihn samt dem Streitkolben seitwärts.
Die Youkaiprinzessin dachte nach. Glaubte er etwa, er würde mit ihr ohne Waffen fertig werden? Oder sollte das ein Kampf mit bloßen Händen werden? Etwas in ihr sträubte sich dagegen, mit dem Schwert gegen einen Unbewaffneten zu kämpfen, der sich seiner Waffe zuvor entledigt hatte. Überdies schien er auf etwas zu warten. Also doch, ein Duell ohne Waffen. Während sie ihr Schwert samt Scheide aus dem Gürtel zog, überlegte sie, was der Grund dafür sein konnte. Hatten die Berggeister gehört, dass es mächtige Schwerter gäbe und wollten kein Risiko eingehen? Oder vermuteten sie, dass sie beide ihr Youki unterdrückten und rechneten sich bei einem Kampf ohne Dämonenenergie gute Chancen aus? Oder warum sollte das sonst der Fall sein? Gleich. Sie musste gewinnen.
Sie drehte sich leicht, warf ihre Waffe knapp vor Sesshoumarus Füße, ehe sie sich wieder ihrem Gegner zuwandte. Er war fast zwei Köpfe größer als sie. An Kraft und Kondition war er ihr sicher überlegen. Und sie vermutete, dass er auch recht schnell sein konnte. Sie musste die Sache hier also rasch erledigen. Irgendwie musste sie es dabei auch schaffen, außerhalb seiner Reichweite zu bleiben: Hatten diese riesigen Hände sie erst einmal gefasst, nahm sie an, dass der Ogre sie buchstäblich in der Luft zerreißen konnte. Und sie durfte nicht ihr Youki zeigen. Sie waren schon nahe an dem Bereich, den angeblich die Magier beherrschten. Kämpfte sie mit voller Energie, so würde sie mit Großbuchstaben hinschreiben, dass hier ein starker Youkai sei. Das wäre unmöglich.
Dieser Kampf würde nicht einfach werden.
Sesshoumaru war etwas überrascht gewesen. Ein Duell? Und sogar ohne Waffen? Die Berggeister konnten doch unmöglich davon ausgehen, dass Shiro ein Mensch sei? Was sollte das? Er überlegte alle Legenden, die er je über dieses Volk vernommen hatte. Er hatte damals seinem Lehrer nicht gerade gut zugehört. Im Westen gab es keine Ogre und er war überzeugt gewesen, dass er sie besiegen könnte, träfe er mal einen.
Sie galten als sehr gute Kämpfer, wurden von frühester Kindheit an zum Kampf gedrillt. Shiro würde es sicher schwer gegen einen Gegner haben, der gewiss auch Ausbildung im waffenlosen Kampf besaß. Zumal, wenn sie ihr Youki nicht einsetzen durfte. Sie war vermutlich selbstbeherrscht genug, das nicht zu tun, aber es bedeutete ein Handicap für sie. Ogre waren...Jetzt fiel ihm ein, dass sie keinen Unterschied im Geschlecht kannten, besser gesagt, nur ein einziges kannten. Kein Wunder, dass sie sich fragten, warum seine Begleiterin ihm ähnlich und doch nicht war. Vermutlich nahmen sie an, dass sie eine andere Sorte Youkai sei, ein niederrangiger, vielleicht sein Diener. Und so diesen antesten wollten. Das führte zu einem anderen. Ein Test, ja. Er entsann sich plötzlich und blickte zu den beiden Gegnern, die sich gegenüberstanden, sich abzuschätzen schienen. Das war es. Shiro durfte den Ogre nicht töten, wollte sie hier lebend rauskommen. Aber sollte er es ihr sagen? Es galt unter Youkai für eine absolute Schmach, mischte sich einer in den Kampf eines anderen ein. Sesshoumaru war überzeugt, Shiro würde lieber tausendmal sterben, als eine solche Warnung von ihm zu bekommen. Sie war zu stolz dafür. Und sie war vielleicht auch klug genug, die Falle für sich zu erkennen und zu vermeiden. Denn unter Ogre war ein Kampf ohne Waffen nur ein Übungskampf, ein Training, in diesem Fall ein Test. Brachte jemand einen anderen dabei um, war das praktisch Mord, mit allen Konsequenzen, die das bei einem solchen Kriegervolk hatte.
Die Youkaiprinzessin musterte ihren Gegner nochmals. Er stand da, mit herabhängenden Armen, scheinbar massig. Sie musste herausfinden, wie schnell er war. An seiner Stärke brauchte sie nicht zu zweifeln. Er erwartete offenbar einen Angriff von ihr. Nun, das konnte er haben. Sie lief los, direkt auf ihn zu. Das Raunen der Zuschauer überhörte sie, voll auf den Gebirgsgeist konzentriert, der die Arme vor sich hochriss, um ihre Attacke abwehren zu können. Im gleichen Moment sprang sie jedoch hoch, überschlug sich über ihm in der Luft. Der Ogre konnte es kaum gesehen haben, als er auch schon seine Hände zu Fäusten ballte. Während sie mit dem Kopf nach unten direkt über ihm schwebte, schossen seine Arme empor, um sie zu treffen. Shiro hatte damit gerechnet. Ihre Hände legten sich auf die Fäuste ihres Gegners, als sie sich von seinem Schwung weitertragen ließ. Mit einem nochmaligen Überschlag landete sie gut drei Meter hinter ihm. Er fuhr herum.
So weit, so schlecht, dachte sie. Er ist stark, schnell, kampferfahren. Und vermutlich im waffenlosen Kampf besser geübt, als ich.
Sie hatte zwar angefangen, diese Methode zu trainieren, als sie erfuhr, dass Sesshoumaru sich weigerte, sie zu heiraten, sich dann aber auf Schwertkampf verlegt, um ihn schlagen zu können. Obwohl sie sich deutlich verbessert hatte, war sie ihm - und seinem Schwert Tokejin- unterlegen. Vom waffenlosen Kampf ohne Einsatz von Youki hatte sie nur wenig behalten. Ihr Trainer damals war sogar ein Mensch gewesen. Gegen einen Gebirgsgeist sah das etwas anders aus. Und vermutlich müsste sie ihn besiegen, ohne ihn zu töten. Brachte sie ein Mitglied des Stammes um, wäre die Frage, wie die Zuschauer reagieren würden. Und sie wollte nicht unbedingt ausprobieren, wie ihre Chancen gegen sicher gut 500 Ogre standen.
Ihr Gegner machte zwei lange Schritte auf sie zu, wollte nach ihr greifen. Sie schien vor Schreck auszurutschen, als ihre Füße seitwärts glitten. Aber sobald ihre Hände den Boden berührten, streckte sie sich und ihre Beine schlugen aus. Der Ogre riss sein Schienbein zurück, aber der Tritt traf noch sein Knie, wenn auch nicht so hart, wie es die Youkaiprinzessin geplant hatte. Sie schnellte außerhalb der Reichweite ihres Kontrahenten auf die Füße, wich ein wenig zur Seite, dann immer mehr, zwang dadurch den Gebirgsgeist, sich im Kreis zu drehen.
Dieser wusste inzwischen, dass sein Gegner- Gegnerin- ebenfalls recht schnell und kampferfahren war, und leistete sich nicht den Fehler, sie aus den Augen zu lassen. Als sie wieder auf ihn zukam, rechnete er mit einer raschen Attacke. Seine Hand fuhr durch die Luft und er schrie unwillkürlich triumphierend auf, als er ihr Gesicht erreichte.
Shiro hatte noch bemerkt, dass der Gegenangriff schon eingeleitet worden war, war aber zu spät zurückgesprungen. Ein tiefer Kratzer an ihrer Wange zeigte, wo sie die Kralle erwischt hatte. Sie schüttelte leicht den Kopf, um ihn wieder klar zu bekommen. Der Aufprall war erstaunlich hart gewesen. Da der Ogre wieder in bemerkenswertem Tempo auf sie zukam, wich sie aus. Sie musste erst wieder vollkommen klar sein.
So wurde der Kampf mehr zu einer Hetzjagd. Die Youkai rettete sich manchmal bloß durch ein rasches Beiseitehechten, schaffte sich nur durch Gegenangriffe Luft. Praktisch immer griff sie tief an, versuchte, durch Attacken auf die Beine des Gegners, diesen zu schwächen. Beulen und Risse dort, wo der Berggeist keine Rüstung trug, bezeugten einen gewissen Effekt ihrer Strategie.
Der Häuptling der Ogre sagte etwas in seiner Sprache zu Sesshoumaru. Der erriet, was es war, da es durchaus bewundernd klang. Und auch der Youkaifürst konnte nicht umhin, Shiros Taktik anzuerkennen. Sie wollte offenkundig ihren Gegner schwächen, versuchte jedoch nicht, ihn zu töten. Sie hatte wohl begriffen, dass es nur um eine Prüfung ging.
Ein lauter Ruf war zu hören. Der Berggeist, der gerade erneut Shiro hatte angreifen wollen, blieb stehen, sah sich um. Auch die anderen Ogre blickten tief in das Tal hinein, verneigten sich höflich. Die Youkaiprinzessin nahm an, dass dort jemand kam, der den Kampf unterbrochen hatte, wagte jedoch nicht, den Kopf zu wenden, von ihrem Gegner wegzugucken, auch, wenn dieser sich nicht mehr um sie kümmerte.
Zwei Ogre tauchten aus dem Dunkel der Nacht in den Feuerschein. Einer war wie alle anderen mit dieser Rüstung bekleidet und einem Streitkolben. Ihm folgte ein anderer mit einem langen Stab in der Hand, an dem oben ein Wimpel flatterte. Er trug eine Art Kette um den Körper gewickelt, zumindest wirkte es auf den ersten Blick so. Später erkannten die Hundeyoukai, das es ein hemdartiges Gewand aus Metallplättchen war, ähnlich Shiros Rüstung.
Die Häuptlinge standen höflich auf, die übrigen Berggeister verneigten sich. Die Gäste nahmen an, dass dies dort der wahre Anführer war, vielleicht der Schamane oder wie auch immer das bei diesem Volk hieß. So erhob sich auch Sesshoumaru, betrachtete nachdenklich den Herankommenden. Dieser starrte ihm in die Augen, dann glitt sein Blick über die Rüstung, das Schulterfell und blieb an den zwei Schwertern im Gürtel hängen.
Er deutete auf Tokejin: "So'unga?" fragte er.
Wäre es für einen Youkaifürsten nicht undenkbar gewesen, wäre Sesshoumaru mit offenem Mund dagestanden. Die Ogre kannten So'unga? Das Höllenschwert? Dann waren sein Großvater, sein Vater bei ihnen gewesen? Ganz offensichtlich war es sinnvoll, zu antworten: "Nicht So'unga."
Der Schamane nickte leicht und sah sich um, deutete dann auf Shiro und sagt etwas. Sein Begleiter übersetzte, wenn auch mühsam: "Youkai dort...?"
"Ja. - Okrich, " ergänzte Sesshoumaru.
Wieder meinte der Schamane etwas, dass der Dolmetscher übersetzte: "Du bist Okrich...das ist nicht Okrich...Aber, sagt er: ist das okrich-ele?"
Das war eine schwer zu beantwortende Frage. Sesshoumaru zog leicht die Augen zusammen. Was immer das bedeutet mochte: war es gut oder schlecht für Shiro.
Der Schamane ging langsam zu der Youkaiprinzessin. Diese rührte sich nicht. Bislang schienen die Ogre und vor allem ihre Anführer zwar genau zu wissen, was ihr Begleiter war, hatten mit ihr aber Probleme. Der offenbar sehr geachtete Berggeist trat dicht zu ihr, musterte sie genau. Sie blickte unwillkürlich zu Sesshoumaru. Aber da er ruhig dastand, tat sie es auch. Der Schamane fasste ihre Haare, schien sie zu betrachten, was sie ohne Bewegung duldete. Plötzlich begriff sie. Hatten die Ogre immer nur mächtige Youkai mit weißen Haaren kennen gelernt? War das das ganze Problem? Aber das bedeutete auch, dass vor tausend Jahren hier ihr Großvater durchgereist sein musste. Als jedoch der Priester der Berggeister die Hand auf ihre Schulter legte, diese nach vorn über ihre Rüstung wandern ließ, machte sie unwillkürlich einen Schritt zurück. Das wurde langsam zuviel.
Im gleichen Augenblick erkannte sie, dass Sesshoumaru neben ihr stand. Er war anscheinend sehr schnell geworden. Der Schamane sah zu ihm, nickte wieder und sagte etwas in seiner Sprache.
Der Dolmetscher kam eilends heran: "Er sagt, du bist Okrich...mächtiger Youkai. Und das ist Okrich-ele, gehört dir. Kommt an das Feuer. Er will dir erzählen."
"Vor tausend Jahren waren...Okrich...bei euch?" Der Youkaifürst ging langsam wieder zu seinem Sitz zurück. Shiro folgte ihm. Da sie sicher war, dass sie offenbar als sein Eigentum eingestuft wurde, ließ sie sich neben ihm im Kniesitz auf den Boden nieder.
"Ja." Der Dolmetscher tat das gleiche neben dem Schamanen.
Neugierig rückten die anderen Berggeister jetzt wieder näher heran.
Der Priester fragte etwas, das sofort übersetzt wurde: "Du kennst diese Okrich mit So'unga?"
"Ja. Meine Vorfahren."
"Dann sollst du die Geschichte hören."
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Das nächste Kapitel heisst : Eine interessante Nacht.
...
und dabei geht es nicht nur um die Vergangenheit.*g*
Wenn jemadn so nett ist, und mir einen Kommentar hinterlässt, der bekommt, wie gewohnt, eine ENS von mir, sobald ich sehe, dass das Kapitel freigeschaltet wurde.
Bis dann
Hotep
Eine interessante Nacht
Hallo!
Es freut mich, dass euch die Geschichte so gefällt.
Weiter geht es, mit einem recht kurzen Kapitel..naja..ist ja nur eine Nacht.
Viel Spass beim lesen!
8. Eine interessante Nacht
Die Feuerpfannen loderten hell, als der Schamane der Ogre zu erzählen begann. Seine gelben Augen waren auf Sesshoumaru gerichtet. Immer nach zwei Sätzen machte er eine Pause, in der der Dolmetscher übertragen konnte. Dieser übersetzte zunächst ungeübt, als habe er schon sehr lange keine andere Sprache mehr gesprochen, dann flüssiger.
"Vor tausend Sommern war es, als großes Unglück über das Volk der Ogre gekommen war und die Waldmenschen dort in den Wäldern."
Der Schamane deutete nach Norden, wo die Hundeyoukai bei Tageslicht noch Hügel voller Nadelbäume gesehen hatten. Dort lebten Waldmenschen?
"Die Magier von der Insel kamen und brachten großes Leid. An einem Tag im Sommer erschienen über die hohen Berge zwei Wesen und kamen in das Land der Ogre. Beide waren mit Schwertern bewaffnet, beide hatten Haare. Lange, weiße Haare. Und Fell über der Schulter."
Die Gäste waren deutlich interessiert.
Als der Dolmetscher fertig war, fuhr der Schamane fort:
"Die Ogre dachten, sie seien auch Magier. Sie waren keine Waldmenschen und keine Ogre. So griffen sie sie an. Der eine hatte ein Schwert, das zehn Ogre mit einem Hieb tötete. Später erfuhren wir, dass das So'unga ist."
Shiro sah rasch zu Sesshoumaru auf, aber der schien ungerührt. So nahm auch sie sich zusammen. Aber es war dennoch ein seltsames Gefühl, in einem Lager von sicher 500 Berggeistern erzählt zu bekommen, der eigene Großvater habe sich mit ihnen einen Kampf geliefert.
"Der andere rief den Ogre zu, sie suchten keinen Streit. Kein Magier der Insel hatte je solch ein Schwert und so ruhte der Kampf. Die beiden waren Okrich, starke Youkai, Hundeyoukai. - Du sagst, du kennst sie?"
"Mein Vater und mein Großvater."
Als der Schamane das übersetzt bekommen hatte, nickte er und berichtete weiter. Das wurde wieder gedolmetscht: "Sie kamen hierher und erzählten, auch ihnen hätten die Magier Leid zugefügt, Okrich-ele entführt. Und unser Volk erzählte über sein Leid."
Also bedeutete dieses Wort einfach weiblicher Youkai? Kein Wunder, dass sich Ogre so hart mit zwei Geschlechtern taten, wenn sie nur über eines verfügten.
"Sie waren eine Nacht hier, dann gingen sie zur Insel der Magier. Als sie zurückkamen, waren sie verletzt. Aber sie hatten Okrich-ele gefunden. Und sie brachten alle Ogre mit, die auf der Insel bauen mussten. Ogre sind stark und die Magier haben ihren Tempel dort vor tausend Sommern mit ihnen gebaut. Sie gezwungen."
Das erklärte den Respekt, den die Berggeister Sesshoumaru entgegengebracht hatten. Hundeyoukai hatten Leute ihres Volkes gerettet.
"Sie waren hier. Es gab großes Fest und die Verletzungen heilten. Okrich sagten, dass So'unga die Bestie verletzt hatte."
Das war keine gute Nachricht. Sesshoumaru wusste nur zu gut, dass das Höllenschwert jetzt für immer von der Erde verbannt war. Konnte etwa bloß dieses eine Schwert die Bestie auch nur verletzen? Unwahrscheinlich, dachte er. Sie hatten - freilich zu zweit - So'unga besiegt und in der Hölle versiegelt. Tokejin verfügte auch über ungewöhnliche Kräfte. Und wenn Inuyasha nicht vollkommen geschwächt war, würde er sicher Tessaiga benutzen können. Das musste zu schaffen sein. Sie waren zu dritt, nicht nur zu zweit, denn, wenn er sich recht entsann, hatte seine Großmutter nicht mit Schwertern umgehen können.
"Du hast So'unga nicht??"
"Mein Vater befahl, es zu versiegeln." Irgendwie hatte er das Gefühl, es erklären zu müssen.
Der Schamane nickte, als er das übersetzt bekommen hatte. Auch bei seinem Volk galt eine strikte Rangordnung. "Aber ihr wollt zu den Magiern der Insel? Als Feinde?"
"Ja. Sie haben meinen ...Bruder entführt." Das Zögern war kaum wahrzunehmen. "Sind auch heute wieder Ogre auf der Insel?"
"Nein." Der Dolmetscher wurde immer schneller und so kam das Gespräch allmählich in Gang: "Nachdem Okrich die Bestie so geschwächt hatten, errichteten die Magier eine Barriere zwischen sich und den Waldmenschen und dem Volk der Ogre."
"Eine magische Barriere?"
"Ja. Wenn ihr bis morgen wartet, werden wir sie euch zeigen. Niemand von uns kann sie durchbrechen."
Shiro sah unwillkürlich zu ihrem Begleiter. Der Abt des Menschenklosters hatte doch gesagt, dass seit tausend Jahren die Magier nicht mehr den Weg durch das Drachental genommen hatten. Alle hatten sie geglaubt, dass sei des Klosters wegen- aber nach diesem Bericht hatten sich die Magier selbst den Weg abgeschnitten, nach dem sie festgestellt hatten, dass sie auf diese Art auch mit Gegenbesuchen rechnen mussten. Mit äußerst starkem Gegenbesuch. Kamen sie darum nur über das Meer, um Menschen zu fangen? Hundeyoukai waren nicht dafür bekannt, mit dem Ozean vertraut zu sein.
Sesshoumaru nickte leicht. "Zeigt sie uns." Er war sicher, dass eine solche Barriere, an der Waldmenschen und Ogre scheiterten, für ihn noch lange kein Hindernis darstellen musste. Und wohl auch nicht für seine Begleiterin.
Der Schamane sah zu Shiro, meinte etwas, das sofort übersetzte wurde: "Vor tausend Jahren war auch Okrich-ele hier... Ich soll dich dorthin bringen, wo sie war."
Die Youkaiprinzessin war interessiert, immerhin war das auch ihre Großmutter gewesen, blickte aber höflich empor: "Sesshoumaru-donno?"
"Geh."
Sie stand sofort auf. Der Dolmetscher ging voran und sie folgte ihm in die Dunkelheit, weg von den lodernden Feuern, aber auch weg von den Hütten und zusehenden Berggeistern. Wohin brachte er sie? Es war Wissbegierde, keine Angst, die sie so fragen ließ. Weiter hinten in dem Taleinschnitt blieb er stehen, direkt vor einem schmalen Spalt in der senkrechten Felswand. Er blickte zu ihr, dann griff er hinunter. Kurz darauf hatte er eine Fackel in der Hand.
"Okrich-ele..."
"Entschuldige", meinte sie höflich, da ihr seine Rangstellung bei den Berggeistern unbekannt war: "Was ist das Wort ele? Bedeutet das, es gehört mir, wie mir ein Schwert gehört? Besitz?"
Der Dolmetscher schwieg einen Moment, ehe er sagte: "Okrich ist starker Youkai, Hundeyoukai. Ele wird beschützt. Aber auch Hundeyoukai."
Hm, dachte Shiro, die das ein wenig wurmte. Als ob sie nicht auf sich selbst aufpassen konnte. Aber nun gut, von ihnen beiden war Sesshoumaru der Stärkere, wie sie selbst leidvoll erfahren durfte. Aber dann bedeutete Okrich nicht einfach starker Youkai, sondern explizit Hundeyoukai? Und Okrich-ele war die Bezeichnung für einen weiblichen Hundeyoukai? Einen weiblichen, verheirateten, wohl sogar.
Der Übersetzer ging in den Spalt, der sich rasch erweiterte und im Fackellicht für die guten Augen einer Youkai ein faszinierendes Schauspiel bot.
Hier war eine Höhle von fast kreisrundem Zuschnitt. Der Boden war feinster, weißer Sand. Im Hintergrund sprudelte eine warme Quelle. Aber was so selten und schön war, war die Höhlendecke. Sie glitzerte im Fackellicht, als sich das Feuer in den Kristallen brach, mit denen die Decke hier übersät war. Der Dolmetscher steckte die Fackel in einen ausgehöhlten Stein, entzündete noch einige. Die gesamte Höhlendecke reflektierte das Licht in den verschiedensten Farben. Es war, als ob die Höhle in einem Regenbogenlicht erleuchtet wurde.
Shiro hatte so etwas noch nie gesehen, und sie nahm an, sich nicht einmal hätte vorstellen können, das es so etwas gäbe.
Der Dolmetscher drehte sich um: "Okrich-ele kann hier baden und schlafen."
"Danke." Sie sagte es ernst, da sie annahm, diese Höhle habe für die Ogre eine bestimmte Bedeutung, sei vielleicht ein heiliger Ort.
Er verneigte sich leicht und ging. Sie hätte ihn um ein Haar noch gefragt, was mit Sesshoumaru sei, aber der sollte vermutlich noch ein wenig mit dem Schamanen reden, dessen Neugier befriedigen. Sie war fast amüsiert. Jetzt musste er wohl sprechen, denn er hatte ihr ja erlaubt, zu gehen. Die heiße Quelle...sie hatte schon einige Zeit kein Bad mehr genommen und war sich sicher, es würde ihre Muskeln entspannen, wieder kampfbereit machen, zumal der linke Arm durch die Regeneration noch ein wenig schwerfällig war.
Kurz darauf hatte sie Rüstung und Kleidung abgelegt und glitt in das warme Wasser, allerdings zu vorsichtig, um nicht ihr Schwert neben sich in den Sand zu legen, für den Fall, dass doch etwas anderes als Gastfreundschaft hinter diesem Angebot steckte. Ihre langen, roten Haare ringelten sich auf dem weißen Sand, als sie den Kopf zurücklegte, sich entspannte. Hier hatte auch ihre Großmutter gebadet? Seltsam war es schon, so auf den Spuren der Familienvergangenheit zu wandeln. Ihre Mutter war zu früh gestorben, als dass sie viel von ihrer Familie hätte erzählen können. Ob Sesshoumaru das auch so empfand? Aber was er dachte und meinte, war eigentlich unmöglich zu erraten. Sie konnte nur nach dem gehen, was er ihr sagte. Fragen wäre unhöflich gewesen, schlimmer, einer Youkaiprinzessin unwürdig.
Sie sah empor zu der glitzernden Decke. Das war sicher ein einmaliges Badezimmer und sie konnte sich gut vorstellen, dass diese Höhle für die Ogre eine Art Heiligtum darstellen mochte. Hier würde sie vermutlich eine ruhige Nacht verbringen können.
Sie ertappte sich dabei, wieder an ihren Begleiter zu denken. Nun, gab sie sich zu, eigentlich war es nicht verwunderlich. Seitdem ihre Väter sie verlobt hatten, war ihre Ausbildung auf ihn ausgelegt gewesen: zunächst dazu, eine perfekte Gemahlin zu sein, dann aus ihrem Zorn über seine Zurückweisung, darauf, ihn zu besiegen. Ein unmerklicher Seufzer. So, wie es nun aussah, hatte sie beides nicht geschafft. Sie hatte ihn nicht besiegen können und jetzt gehörte ihr Leben ihm. Zum anderen war er sicher noch immer nicht willens, sie zur Herrin des Westens zu machen. Kinder eines Verräters starben gewöhnlich mit ihrem Vater....und wurden nicht geheiratet. Alles, was sie in diesem Leben noch zuwege bringen konnte, war, seine Anerkennung zu erreichen, durch Mut, ehrenhaftes Verhalten und Gehorsam.
Shiro schloss die Augen. Ihr war klar, dass diese Reise sie so nahe an ihn herangebracht hatte, wie sie es nur hoffen konnte. Und sie wünschte insgeheim, dass es so noch eine Zeit gehen mochte. Irgendwie war es jetzt fast so, wie es immer hätte sein sollen und sie begriff zum ersten Mal, dass sie so zufrieden war, glücklich war, wenn das einer Youkai ziemen sollte.
Das Wasser der warmen Quelle schlug leichte Wellen, als sie sich tiefer hinein schob, noch immer die Augen geschlossen, sie sich der Träume erinnerte, die sie als junges Mädchen gehabt hatte.
Die Youkaiprinzessin fuhr plötzlich hoch, als etwas sie warnte, ihr die Anwesenheit eines anderen Lebewesens verriet. Sie starrte Sesshoumaru an, der am Rand der Quelle stand und sie erschrak etwas, wenn sie daran dachte, was er in ihren Gedanken hätte lesen können.
"Dein Arm?" fragte er.
Ihr wurde klar, dass er annahm, sie habe geschlafen, sich nochmals regenerieren müssen. Was war jetzt besser: zuzugeben, dass man einfach geträumt hatte- von IHM geträumt hatte- oder zuzugeben, dass man noch immer schwach war? Eines wäre so peinlich wie das andere. Sie suchte den Mittelweg: "Ich dachte an Großmutter. Wenn sie hier war, mit Großvater und deinem...deinem Herrn Vater..." Sie verbesserte sich hastig in die offizielle Anrede: "Dann muss sie auch verletzt gewesen sein. Der Schamane meinte doch, alle Youkai seien verletzt gewesen."
"Er sagte, Okrich seien verletzt." Er betrachtete sie.
Shiro war klar, dass das Wasser sie einigermaßen vor seinem Blick schützte, aber dennoch empfand sie die Situation als unangenehm. "Mein Arm ist voll kampffähig", meinte sie daher.
"Dreh dich um."
Ein wenig verwundert befolgte sie die Anweisung, bis ihr kurz darauf ihre empfindlichen Ohren verrieten, was er da in ihrem Rücken tat. Entgeistert schloss sie die Augen. Natürlich wusste sie, dass Ehepartner durchaus gemeinsam badeten...aber so? Das waren sie doch nicht? Nun gut, die Quelle war groß genug aber dennoch...Das war eine Situation, in die sie lieber nicht gekommen wäre.
Sie blickte sich nicht um, nicht einmal, als sie an den Wellen fühlte, dass er ebenfalls im Wasser war.
"Du kannst dich wieder umdrehen. Die Barriere ist gegen Hundeyoukai."
"Tatsächlich?" Sie sah sich um. Er war an die von ihr entfernteste Stelle der Quelle gegangen, lehnte jetzt entspannt im Wasser. Vermutlich hatte er auch einfach seinen Körper lockern wollen, kampfbereit machen wollen. Natürlich. Er würde ihr sicher nicht zu nahe kommen wollen, bedeutete eine Paarung doch auch die Eheschließung. Daran hätte sie vorher schon denken können. Sie meinte daher ruhig: "Ich denke, die Barriere wird auch andere zurückhalten. Der Ogre sagte doch, sie und die Waldmenschen würden auch gehindert." Sie war etwas geschmeichelt, dass er sich mit ihr beraten wollte. Hielt er doch soviel von ihr?
"Ja. Aber die Magie sollte auf uns ausgelegt sein."
"Sofern die Magier gemerkt hatten, wer sie da vor tausend Jahren besuchte." Shiro richtete sich etwas auf: "Um sie zu brechen, werden wir wohl viel Youki brauchen."
"Ja."
"Dann wird uns etwas einfallen müssen."
Schweigen.
Anscheinend war er ihrer Meinung. So fuhr sie fort: "Wusste der Schamane, wie viele Magier dort auf der Insel sind?" Im gleichen Moment hätte sie die Frage am liebsten zurückgenommen.
Prompt begegnete sie bernsteinfarbenen Augen: "Angst?"
Sie hatte diese Beleidigung provoziert, das war ihr klar. So meinte sie nur: "Du weißt, das es das nicht ist. - Wenn die Magier schon vor tausend Jahren in der Lage waren, Ogre zu Sklavenarbeiten heranzuziehen, sollten sie gewisse Macht besitzen. Und ihre Anzahl wäre kampftaktisch von Interesse."
"Wir werden sehen." Er lehnte sich zurück, schloss die Augen.
Sie nutzte die Gelegenheit und stand auf, ging aus der Quelle, um sich rasch anzuziehen. Als sie ihm einen Blick zuwarf, hatte er sich höflich abgewendet, was ihr verriet, dass er doch hingeguckt haben musste. Aber das war kaum zu ändern. Sie schob ihr Schwert wieder in den Gürtel und setzte sich an die Höhlenwand, streckte nachlässig ein Bein aus und blickte ins Nichts.
Irgendwann hörte sie, dass auch der Youkaifürst aus der Quelle kam, sich wieder anzog. Aber sie wandte nicht den Kopf. Erst als er an der gegenüberliegenden Wand Platz nahm, sah sie zu ihm: "Sesshoumaru-donno?"
"Was ist?"
"Wo ist So'unga?" Sie hatte das Recht zu fragen, war es doch das Schwert auch ihres Großvaters gewesen.
Er wusste das: "In der Hölle versiegelt."
"Es war Schuld an vielem Blutvergießen." Sie lehnte den Kopf zurück an die Höhlenwand. "Das habe ich gehört." Sie wollte nicht so neugierig sein, zu fragen, wer es wie versiegelt habe.
Wieder bemerkte er ihre Zurückhaltung "Ich- und Inuyasha- haben es versiegelt."
Shiro schwieg. Die Brüder hatten mal zusammengearbeitet? Das war ein wenig überraschend, aber wohl notwendig gewesen. Vielleicht würden sie es auch dann tun, wenn es gegen die Bestie der Tiefe gehen würde.
Die Fackeln in der Höhle brannten langsam aus, ohne dass sich einer der Hundeyoukai gerührt hätte. Sie saßen entspannt da und warteten auf den nächsten Tag, der sie wieder ein Stück näher an ihr Ziel bringen würde.
***********************************************
Das war es auch schon.
Das nächste Kapitel heisst "Die magische Grenze" und ihr erfahrt auch, wie es dem armen Inuyasha inzwischen geht....
Über Kommis würde ich mich, wie immer, sehr freuen.
Eure
Hotep
bye
Die magische Grenze
Und weiter geht es...*g*
Zwei Hundeyoukai und eine magische Barriere.
Nun ja. Die Magier rechnen mit Sesshoumaru...
Viel Spass beim Lesen!
9. Die magische Grenze
Der aufgehenden Sonne bot sich in den Nadelwäldern ein Anblick, den sie so noch nie gesehen hatte. Eine Gruppe von zwanzig Berggeistern, angeführt von allen drei Häuptlingen und dem Schamanen, wanderte in Richtung Norden. In der Mitte der Einheit Ogre spazierten zwei vollkommen andere Wesen, eines mit langen weißen und eines mit langen roten Haaren. So umringt wirkten sie fast wie Gefangene, aber tatsächlich war es die Höflichkeit der Berggeister, das Bemühen, die geehrten Besucher zu beschützen.
Sie mussten einige Hügel überqueren, die dicht mit Nadelwald bewachsen waren, ehe sie an eine kleine Ebene kamen. Vor ihnen lag ein vielleicht zweitausend Schritt langes Tal, ehe erneut ein breiter Wall emporstieg. Dieser war nur dünn mit Bäumen bewachsen. Fast genau ihnen gegenüber war jedoch eine tiefe, u-förmige Mulde. Die Ogre wichen ehrerbietig auf die Seite, ließen die Gäste voran. Die beiden Hundeyoukai blieben nebeneinander stehen, Shiro, wie immer den Schritt zurück, der höflich war, und musterten die vor ihnen liegende Gegend. Ihre Sinne verrieten ihnen nur zu gut, dass dort auf dem nächsten Hügel eine Barriere war, magisch und alt. Auch die natürliche Pforte in der Mitte war mit einem Bannkreis gesichert. Die Magier der Insel dürften sich komplett mit einer solchen Barriere umgeben haben, um sich zu schützen. Der Auftritt der Hundeyoukai vor tausend Jahren musste sie nervös gemacht haben, dachten die beiden gleichzeitig, etwas stolz auf ihren Großvater.
Shiro wandte den Kopf nach links, witterte: "Youkai", meinte sie.
Sesshoumaru hatte es ebenfalls gespürt. Hier im Wald und dort auf der Ebene versteckten sich einfache Youkai. Nichts, das ihnen auch nur im entferntesten gefährlich hätte werden können. Normalerweise mieden so schwache Wesen sogar die Gegend, wenn er dort war. Aber dadurch, dass sie beide ihr Youki so vollständig verbargen, spürten die Youkai kein mächtigeres Wesen. Er betrachtete nochmals die Barriere vor sich, dachte nach, ehe er den Kopf ein wenig wandte: "Shiro?"
"Ja?" Und da sie annahm, er wolle wissen, was sie von der Barriere hielt: "Sie ist sehr stark, aber mit Youki für uns beide kein Problem. - Die Magier werden uns aber spüren."
"Sie werden Youki spüren."
Sie sah ihn an, begriff dann: "Sie werden keinen Unterschied erkennen können. Sie sind sicher keine Youkai."
Der Dolmetscher kam heran: "Okrich...?"
"Ja."
"Ist der Bann zu stark?"
"Nein."
Der Übersetzer tat seine Pflicht und etwas wie ein Murmeln lief durch die Berggeister. Dann fragte der Schamane etwas. Der Dolmetscher gab es weiter: "Okrich will den Bann brechen? Aber dann wissen die Magier, dass ihr kommt."
"Nein."
"Äh...Gut. Können wir euch noch helfen?"
"Nein." Sesshoumaru war sicher, dass er und Shiro alles tun konnten, was notwendig war. Je weniger Leute hier zu finden waren, um so weniger würden die Magier auch spüren oder wittern können. Ihm war immer noch nicht klar, ob das Hanyou oder Menschen mit seltsamen Fähigkeiten waren, aber es war bestimmt besser, kein Risiko einzugehen.
Die Ogre sagten etwas, das nach "Viel Glück" und Abschied klang, ehe sie sich wieder zurückzogen. Nur der Schamane blieb stehen. Anscheinend wollte er "Okrich" mal mit magischen Fähigkeiten sehen.
"Shiro?"
"Ich treibe sie von links her." Sie warf einen Blick in die Ebene: "Willst du den Bann allein brechen?" Die Frage war mehr als höflich, fast schon neugierig. Sie hätte diesen starken Bann allein nicht brechen können- oder es wäre zumindest überaus schwer gewesen.
"Nein. Zu zweit ist es besser." Auch ihm war klar, dass die Zauber dort vor ihnen äußerst stark waren- und dazu auf Hundeyoukai ausgelegt.
"Ja." Sie wandte sich nach links.
Der Schamane sah neugierig zu, wie die beiden auseinander liefen, ihre Schwerter zogen. Kurz darauf erkannte er, was sie vorhatten, als sich ihre Klingen mit ihrem Youki aufluden. Breite Energieentladungen scheuchten die einfachen Youkai der Ebene auf, die in kopfloser Flucht vorwärts, in Richtung auf die Barriere stürzten, in Richtung auf den Einschnitt. Der Ogre zollte dabei dem Tempo seiner Besucher gewisse Bewunderung. Sie waren hier und dort. Er hatte keine Ahnung, was Schafe oder Schäferhunde waren, sonst hätte er die Techniken wieder erkannt. Kurz bevor alle Youkai in panischer Furcht das Tor erreichten, waren die beiden Hundeyoukai schon wieder davor. Der Schamane beobachtete fasziniert, wie bei beiden plötzlich eine Energie aufflammte, die er kaum hatte ahnen könnten, und er war sich jäh sicher, dass er die Macht von Okrich noch immer unterschätzt hatte. Das Youki der beiden verband sich, wurde gegen die Barriere geschickt, die zerbrach, als habe es sie nie gegeben.
Sesshoumaru und Shiro liefen voran, gefolgt von den einfachen Youkai. So gelangten sie in das Gebiet der Magier. Der Schamane der Ogre schien zu lächeln, auch, wenn das kein Berggeist konnte, als er sich abwandte und zu seinen wartenden Stammesangehörigen ging.
Kaum, dass sie durch die Barriere waren, als Sesshoumaru auch schon nach rechts den Hang hinauf schnellte. Shiro folgte ihm sofort. Er suchte einen dichten Nadelbaum, sprang dort auf einen Ast. Sie tat das Gleiche, blieb so eng neben ihm stehen, wie es die Dornen an seiner Schulter erlaubten. Ihr beider Youki war schon wieder unterdrückt.
Die einfachen Youkai hatten sich inzwischen beruhigt, verteilten sich wieder, allerdings diesmal auch in der Ebene auf der anderen Seite des Bannkreises. Zwischen den Ästen der anderen Bäume erkannten sie dort eine Fläche von gewiss fast einer menschlichen Tagesreise. Dahinter glitzerte etwas in der Sonne: ein weiterer Bannkreis, aber auch das Meer, wie der Wind verriet, der von Norden kam. Beide witterten, suchten die Nachrichten. In der Weite war ein einzelner hoher Berg zu erkennen. Vermutlich war das der Berg auf der Insel der Bestien, ihr Ziel.
"Die Magier sollten bemerkt haben, dass ihr Bannkreis gebrochen wurde." Shiro blickte nachdenklich nach Norden. "Ich hoffe, sie sind dumm genug, zu glauben, diese Horde primitiver Youkai konnte ihren Bannkreis brechen."
"Sie sollten es vermuten." Sesshoumaru zog leicht die Augen zusammen, da seine Nase ihm einen seltsamen Geruch meldete, der sich näherte. Die eigentümliche Witterung hatte es auch an dem Ort gegeben, wo Inuyasha und seine Freunde überfallen worden waren. "Und sie sind schnell."
Shiro versuchte ebenfalls in der Ebene etwas zu erkennen. Dort näherten sich einzelne Gestalten, die in Felle gehüllt waren. Ihr Geruch war eigentümlich, eine Mischung von Mensch, Hund...Und dazu die Ausstrahlung von Youki. Was waren das nur für Wesen? Gut, das Youki war nicht gerade besonders groß, aber Menschen hatten normalerweise keines. Und diese eigentümliche Geruchsmischung. Ihr wurde fast schlecht davon, was gewöhnlich ein Zeichen war, dass dort eine gewisse Gefahr für sie lauerte, auch, wenn sie sie nicht wahrnehmen konnte.
So beobachtete sie nur, wie die Gestalten, es waren fünf an der Zahl, stehen blieben, scheinbar die einfachen Youkai bemerkten, die sich nun versteckten. Einer der Vermummten deutete zu dem Bannkreis in der Mulde. Dann verteilten sich die Magier. Noch immer konnten die Beobachter nicht sagen, was das für Wesen waren. Zu ihrer gewissen Überraschung streckten die Unbekannten die Arme aus. Youki schoss aus ihren Fingern, scheuchte die Youkai auf, so wie sie selbst es zuvor auf der anderen Seite der Barriere gemacht hatten. Das mussten die Funken sein, die so geschmerzt hatten, von denen Inuyashas Freunde ihnen berichtet hatten. Die Magier bildeten einen regelrechten Jagdtrupp, scheuchten die Youkai zurück auf die andere Seite. Dann schlossen sie alle fünf ihr Youki zusammen. Der Bannkreis flammte wieder auf, allerdings schwächer als zuvor. Das konnte bedeuten, dass das hier nur ein Trupp war, der rasch die Barriere wieder schließen sollte. Verstärkt werden könnte sie später immer noch. Oder es war nur die Vorhut. Andere, mächtigere würden kommen.
Kurz diskutierten die Gestalten im Pelz miteinander. Selbst die empfindlichen Ohren von Hundeyoukai konnten nicht verstehen, was dort gesagt wurde. Dann gingen sie wieder zurück in Richtung der Insel, bogen dann aber seitwärts über die Ebene.
"Eine Patrouille", schlussfolgerte die Youkaiprinzessin, unangenehm überrascht: "Sie überwachen ihr Gebiet."
"Noch."
"Was meinst du?"
"Beim großen Opfer werden gewiss alle auf der Insel sein. Und das ist morgen Nacht."
"Ja. Aber dort ist noch eine Barriere."
Sesshoumaru schwieg. Er sah das auch, aber das war eben nicht zu ändern. Und er würde sich durch nichts von seinem Ziel abbringen lassen.
Shiro warf ihm einen Seitenblick zu: "Bleiben wir hier bis zum Einbruch der Dämmerung? Es sind vermutlich doch Menschen, sie dürften nachts nicht so gut sehen."
"Ja. - Sie haben das Youki von Hundedämonen und den Geruch von Menschen." Er sagte es fast nachdenklich vor sich hin und sie begriff, dass es eigentlich nicht für sie bestimmt war.
So schwieg sie, drückte sich aber etwas näher an den Baumstamm, da durch die letzten Bewegungen die Dornen seiner Schulterspange unangenehm nahe an ihrem Gesicht waren. Das würde sicher schwerer als ursprünglich gedacht werden, allein diese Magier zu besiegen. Und was diese Bestie der Tiefe alles können würde, müsste sich auch noch erst feststellen lassen. Aber ihr Großvater und sein Sohn hatten es geschafft, da müssten sie es doch auch erledigen können., zumal Inuyasha ja sicher auch in den Kampf eingreifen würde, wenn sie ihn nur rechtzeitig gefunden hätten. Sie sah Probleme vor sich, spürte aber keine Angst. Es waren Menschen, da war sie sich sicher, wenn auch mit ungewöhnlichen Fähigkeiten. Und Menschen waren zu besiegen. Man musste nur wissen, was es mit dieser seltsamen Tatsache auf sich hatte, dass sie über Dämonenenergie verfügten, damit angreifen konnten. Unwillkürlich zuckte sie zurück, als ihr Begleiter vom Baum sprang, seine Dornen nur zwei Finger an ihrem Gesicht vorbeistrichen. Aber sie folgte, ließ sich neben ihm am Fuß der Tanne nieder.
Auf der Insel der Bestien, im weiß angekalkten Tempel, verneigte sich einer der Magier höflich, als er das Arbeitszimmer betrat: "Erhabener Gin..."
Der Hohepriester sah auf: "Was gibt es denn?"
"Die Barriere am südlichen Tal wurde durchbrochen. Eine unserer Patrouillen war zufällig in der Nähe und innerhalb von Minuten dort. Eine ganze Gruppe einfacher Youkai befand sich auf unserem Gebiet. Sie jagten sie zurück und verschlossen das Tor erneut. Anderes war nicht zu entdecken, kein Youki, keine Fußspuren."
"Und?"
"Wir vermuten, es sei einfach Zufall gewesen. Vielleicht haben diese Waldmenschen drüben oder die Ogre einen Krieg veranstaltet und die Youkai gerieten zwischen die Fronten."
"Möglich. Diese Barriere ist doch aber auf Youkai ausgerichtet." Das klang nachdenklich.
"Ja, erhabener Gin. Aber das Tor wurde seit tausend Jahren nicht mehr geöffnet. Möglicherweise wurden die Bannsprüche einfach schwächer."
"Ja, das mag sein. Tausend Jahre sind doch eine lange Zeit. - Wie geht es unseren Opfern?"
"Die Menschen sind wie immer. - Und der Hanyou...Wir haben heute wieder den Bann gelöst, der ihn schlafen lässt, ihm Essen gebracht. Er fragte wieder nach seinen menschlichen Freunden. Und meinte, sie würden ihn rausholen."
"Was für ein vertrauensseliger, dummer Narr."
"Ja. Er musste einige Male belehrt werden, dass diese Insel weit weg ist, sehr weit weg ist, und ohne Magie nicht erreicht werden kann. Und dass uns ein Bannkreis vor Youkai, gerade auch Hundeyoukai, schützt. Und dass durch den zweiten Bannkreis keine Menschen kommen. Erst da schien er wirklich zu begreifen, dass er sterben wird."
"Gut. Todesangst stärkt die Gefühle der Menschen. Und gemeinsam mit seinem Youkaiblut...Er ist in Wahrheit das perfekte Opfer!" Der Hohepriester nickte leicht: "Sonst noch etwas?"
"Nein, Erhabener. Keine ungewöhnlichen Vorkommnisse."
Inuyasha hatte mit seltsamer Gefühllosigkeit zugehört, wie selbstsicher die Magier ihm erzählt hatten, dass ihn nichts und niemand hier befreien konnte. Er selbst konnte nichts tun, die Bannsprüche allein, die ihn fesselten, hätte er vielleicht mit dem roten Tessaiga losbringen können, aber sobald die Magier ihn verließen, aktivierten sie auch wieder diese anderen Flüche, die ihn in Betäubung halten würden. Und diese Magier waren so sachlich, so selbstsicher, dass ihn tatsächlich ein kalter Schauder über den Rücken gelaufen war. Morgen sollte er also der Bestie der Tiefe vorgeworfen werden?
"Warum?" fragte er nur.
"Warum wir gerade dich opfern?" Der Magier hatte den Krug wieder auf das Tablett abgestellt. Immer stellten die Opfer die gleiche Frage.
"Warum wollt ihr unbedingt diese Bestie wecken?"
"Das ist unsere Aufgabe. Sie schläft seit grauer Vorzeit, als sie jemand hierher bannte. Und sie ist das letzte der Göttermonster. Niemand vermag so wie sie alle Lebensbereiche zu erschrecken, zu quälen, zu jagen, zu töten. Und dann sind wir, ihre demütigen Diener, die Herren der Welt." Der Magier nickte leicht. "Und du bist derjenige, der die Ehre haben wird, sie vollständig erwachen zu lassen." Er nahm das Tablett und war mit seinem fackeltragenden Begleiter verschwunden, ehe Inuyasha Antwort gefunden hatte.
Der Hanyou starrte auf die verschlossene Tür. Er hatte schon zuvor gewusst, dass seine Lage nicht gerade rosig war, aber langsam fasste ihn Hoffnungslosigkeit. Ihm war in den letzten Minuten klar geworden, dass ihn seine Freunde nicht rausholen konnten, er sich selbst nicht befreien konnte. Ihn konnte nur noch ein Wunder retten- und er glaubte nicht an Wunder. Sein Tod war also eine beschlossene Sache. Alles was er noch tun konnte, war vermutlich, dieser Bestie die übelste Magenverstimmung zu verschaffen, die sie je gehabt hatte.
Er spürte, wie sein Herz schneller schlug. Sein Mund war plötzlich trocken und eine seltsame Beklemmung in der Brust ließ ihn tiefer atmen, auch, wenn sein Atem noch immer regelmäßig ging. Er würde also das Opfer abgeben, das diese Bestie auf die Erde losließ? Er würde nicht nur einfach sterben, sondern schuld daran sein, dass diese Bestie auf die ahnungslose Menschheit losgelassen wurde. Er wäre schuld, er hatte sie nicht beschützen können...
Er war zu lange schon auf der Welt, um nicht zu wissen, dass es genügend Lebewesen gab, die ihm ein Schwert zur Begrüßung irgendwohin rammen wollten- oft in dem ehrlichen Bedauern, dass es so schnell gehen sollte. Aber ein solches Ende ärgerte ihn fast. Er wurde auf diese Art dafür verantwortlich, dass diese Bestie wieder lebte. Er wäre schuld an jedem Menschen, jedem Wesen, dass sie töten würde. Und er konnte nichts daran ändern. Er war hier absolut hilflos. Und die eisige Kälte in seiner Magengrube kam von der Vorstellung, was solch ein Monster alles anrichten könnte. Er spürte, wie die Bannsprüche wieder begannen, seinen Verstand zu lähmen- und er erkannte, wenn er wieder erwachen würde, wäre der Tag seines Todes gekommen.
Und während er in die Dämmerung der Betäubung abtauchte, dachte er seltsamerweise daran, dass er diesen Magiern nicht den Gefallen tun würde, schreiend zu sterben. Er würde ihnen zeigen, was er wert war, bis zum Ende nicht aufgeben. Einem unlogischen, blinden Stolz gehorchend, würde er nicht zulassen, dass sie ihn schwach sehen würden.
Sesshoumaru lehnte sich ein wenig zurück, als er versuchte, durch den Bannkreis dort hinten die Aura, die Lebensenergie seines Halbbruders zu spüren. Er nahm nicht an, dass es diesem gelungen sei, sich selbst zu töten. Er rechnete damit, auf einen Inuyasha bei vollem Verstand zu stoßen, auf Gedanken, vielleicht sogar, eine Art Gedankenaustausch, Besprechung stattfinden zu lassen, und war überrascht, als er die Energie endlich gefunden hatte. Da war kein bewusster Gedanke und er fiel mit seiner eigenen Aura in die Tiefen des Bewusstseins, in die Gefühle, die der Hanyou kurz vor seiner Betäubung gehabt haben musste.
Sesshoumaru war selbstverständlich klar gewesen, dass sein Halbbruder über weitaus mehr Gefühle verfügte als er, und sie deutlich weniger beherrschen konnte. Aber dennoch wurde er überrascht, als ihn auf einmal Wellen an Emotionen förmlich überschwemmten. Da war Hoffnungslosigkeit, tiefe, dunkle Hoffnungslosigkeit, Hilflosigkeit. Und das Bewusstsein, sterben zu müssen. Eine Verzweiflung war da, die aber seltsamerweise eher daraus zu rühren schien, dass er als Beschützer versagt hatte, die Menschen nicht schützen konnte, als mit eigener Angst vor dem Tod.
Aber da war noch etwas anderes, mit dem der Youkaifürst nie gerechnet hatte. Hinter all diesen schwarzen Gedanken lag noch immer ein unbeugsamer Stolz, der unbedingte Wille, die eigene Ehre zu bewahren, bis zum bitteren Ende. Unwillkürlich rang er etwas nach Luft. Diese unbekannten Gefühlsregungen hatten ihn schockiert, aber jetzt traf er auf seine eigene Gedankenwelt. War Inuyasha ihm soviel ähnlicher, als er immer geglaubt hatte? War das Youkaiblut in ihm doch der stärkere, auch seelische Anteil?
Shiro hatte bemerkt, dass ihr Begleiter geistig abwesend war und zu Recht angenommen, er suche die Aura seines Bruders. Als sie jetzt das leise Luftholen hörte, blickte sie überrascht seitwärts. Ihre Verwunderung stieg noch, als sie erkannte, wie sich bei beiden Streifen auf seiner Wange plötzlich verbreiterten, zu einem breiten Streifen wurde. Bei ihrem Bruder war das immer das untrügliche Zeichen von Zorn. Was hatten die Magier mit Inuyasha getan, dass sein Halbbruder so zornig werden konnte? Zorn war die einzige überschäumende Emotion, die sie je bei einem Youkai ihres Ranges gesehen hatte.
Sesshoumaru zog sich zurück, atmete tief durch. Mein kleiner Bruder, dachte er unwillkürlich. Ich hätte nie geglaubt, dass er soviel Stolz und Ehrgefühl besitzt. Er tut immer so...menschlich. Er bemerkte den Blick, den die Youkaiprinzessin auf ihn warf, und wurde sich bewusst, dass er vermutlich die Emotionen, die er bei Inuyasha gefühlt hatte, auch ausgestrahlt hatte. So zwang er sich zur Ruhe: "Er lebt", sagte er: "Aber sie halten ihn wohl mit Bannsprüchen bewusstlos."
"Diese Bannsprüche dürften nicht gegen uns wirken", meinte Shiro mehr fragend.
"Nein. Gegen mich nicht." Er wusste nicht genau, wie stark sie wirklich war.
Sie nickte leicht. Dann müsste sie sich auch in dieser Beziehung vorsehen. Aber sie konnte sich nicht vorstellen, dass, war sie darauf vorbereitet, Flüche von Menschen, selbst durch Youki verstärkt, ihr sehr gefährlich werden konnten.
Beide blickten schweigend hinüber in Richtung Norden, betrachteten den Bannkreis, die Gegend vor sich und warteten einfach auf den Sonnenuntergang.
Bei Einbruch der Dämmerung standen die Hundeyoukai auf und gingen über die Ebene, so rasch sie ohne Youki einzusetzen vermochten.
Immer wieder witterten sie Patrouillen, immer öfter, je weiter die Nacht voranschritt. Da ihnen nur zu klar war, dass sie sie jetzt noch nicht töten konnten, ohne die anderen vorzuwarnen, auch kein Youki einsetzen durften, sahen sie sich gezwungen, sich im Gras niederzukauern, einmal sogar hinzuwerfen, um einer Entdeckung zu entgehen. Das war unangenehm, verdrießlich und sogar ein wenig peinlich, aber beiden war klar, dass bei einem Kampf gegen eine Überzahl und einen unbekannten Gegner, die Notwendigkeit eine stärkere Macht war als der persönliche Stolz. Und immerhin sah sie hier ja niemand, außer sie sich einander. Und keiner der beiden nahm an, dass der andere diese Situation besonders witzig fand, oder je darüber später ein Wort verlieren würde.
Je weiter sie vorankamen, umso öfter trafen sie auf riesige Felsbrocken, die wahllos in der Gegend lagen. Manche waren so groß, dass auf ihnen Pflanzen wuchsen, Bäume. Und immer stärker wurde vor ihnen der Geruch eines starken Bannkreises und des Meeres.
Gut eine Stunde vor Sonnenaufgang blieben sie stehen. Sie hatten den Rand der Ebene erreicht. Vor ihnen senkte sich das Land rasch, wie in eine große Schüssel, die mit Wasser angefüllt war, Salzwasser. Im Osten konnten sie das offene Meer wittern. Das hier war wohl eine Bai, zu der nur ein schmaler Kanal führte. In der Mitte dieser Bucht erhob sich ein einzelner Berg, ein erloschener Vulkan. Zu seinen Füßen breitete sich eine Insel aus, auf der ein Dorf lag. Von diesem führte eine breite, lange Treppe hinauf zu einem weißen Gebäude an den Flanken des Vulkans und die Betrachter nahmen an, dass es sich um den Tempel handelte. Dort musste sich auch der Eingang in das unterirdische Labyrinth befinden, in dem die Bestie der Tiefe hausen sollte. Und dort hin mussten sie. Aber zunächst war das größere Hindernis der Bannkreis, der sich um die Insel erstreckte. Sesshoumaru wandte den Kopf, sprang dann auf den ihnen am nächsten liegenden Felsbrocken, allerdings nicht ganz hinauf, um seine Silhouette nicht gegen den Mond zu verraten. Shiro folgte ihm sofort auf den kleinen Vorsprung. Nebeneinander stehend betrachteten sie noch einmal die Szenerie zu ihren Füßen. Ihre Haare bewegten sich leicht im Nachtwind.
"Es sind gewiss fünfhundert", sagte die Youkaiprinzessin unangenehm überrascht. Sie hatte mit vielleicht fünfzig Magiern gerechnet. "Und durch den jetzt verstärkten Bannkreis kommt kein Lebewesen mehr, das Youki aufweist. Allerdings auch kein Mensch."
"Darum sind die Patrouillen heute Nacht alle zurückgekehrt." Sesshoumaru war es nun klar.
Sie nickte, betrachtete aber weiter die Insel: "Was willst du nun tun, Sesshoumaru-donno?"
Für einen Moment nahm er an, dass ihr nichts einfiel, erkannte dann, dass sie nur höflich sein wollte: "Den Bannkreis kann kein Mensch und kein Wesen mit offenem Youki durchdringen. Also bleibt nur eine Möglichkeit."
Etwas wie ein Lächeln huschte um Shiros Mund: "Man sollte nie vergessen, in was sich der Gegner alles verwandeln kann."
Sie hatte ihn also verstanden. Dann würde sie gewiss auch einsehen, dass es nur eine Vorgehensweise gab, die sinnvoll war: "Wir verwandeln uns auf der Insel zurück und gehen zum Tempel. Auf dem Weg dorthin töten wir jeden Magier, den wir treffen. Inuyasha ist schon dort im Berg, ich spüre es. Darum werde ich hinunter gehen, ihn befreien und die Bestie der Tiefe angreifen. Mit ihm zusammen wird es gelingen, wie es Großvater und Vater gelungen ist. Du bleibst oben am Tempel. Es darf kein Magier uns in den Rücken kommen."
Sie nickte leicht, um ihren Gehorsam anzuzeigen, betrachtete erneut das Dorf auf der Insel. Fünfhundert Menschen mit Youki...Sie konnte einen derartigen Angriff reflektieren, darum war es sinnvoll, wenn sie die Rückendeckung übernahm, auch, wenn sie gern gegen die Bestie angetreten wäre. Aber ihr war nun nur zu bewusst, dass das ein sehr heftiger Kampf werden würde, der ihnen da bevorstand. Und sie war zu ehrlich, um sich nicht einzugestehen, dass dabei sehr wohl etwas schief laufen konnte. Und vielleicht...Nein, entschied sie. Es hatte keinen Zweck, es vor sich selbst ableugnen zu wollen. Sie wollte eines unbedingt noch erreichen, dann mochte dieser Kampf ausgehen, wie immer es das Schicksal bestimmte. Ohne den Blick von der Insel zu nehmen, sagte sie leise: "Wir sind Youkai. Ich habe gesagt, ich werde dir folgen, solange du es willst. Dennoch: Darf ich dich um einen Gefallen bitten?"
"Was denn?" Er konnte sich nichts vorstellen.
"Bevor wir uns verwandeln, dort hinüberschwimmen...behandele mich bitte einmal als deine Braut." Sie spürte, wie er fast zusammenzuckte: "Verzeih. Ich meinte nicht, dass du...dass wir heiraten sollten. Ich bitte dich nur um den Brautkuss." Sie sah noch immer hinab.
Er verstand sie wirklich nicht. Aber nun gut. Wenn es dazu dienen würde, dass sie besser oder beruhigter kämpfen würde, warum nicht? Er hatte schließlich noch nie gehört, dass jemand an einem einzigen Kuss gestorben wäre. Offenbar waren weibliche Youkai doch noch ein wenig anders. "Shiro." Sie drehte sich zu ihm. Täuschte er sich oder lag da in ihren grünen Augen etwas wie Ängstlichkeit? Aber er legte den rechten Arm um ihre Schultern, zog sie an sich.
Shiro war froh, ihren Wunsch erfüllt zu bekommen, hatte sie doch mit Tadel, sogar auch einer Strafe gerechnet. So blickte sie einfach in die bernsteinfarbenen Augen über ihr, schloss aber instinktiv die ihren, als sie seinen Mund auf dem ihren spürte.
Er war etwas bedenklich, was sie bezweckt hatte, fürchtete fast ein wenig, sie sei läufig, obwohl ihre Witterung nichts verriet. Aber sie tat nichts weiter, machte keinen Versuch, ihn zu Weitergehendem aufzufordern, und so fand er die Szene anregend und amüsant genug, sie nicht sogleich zu beenden. Sein weiches Schulterfell flog empor, wickelte sich um Shiro, zog sie enger an ihn heran, obwohl er an die Dornen seiner Rüstung dachte. Als er unter weichen Lippen scharfen Reißzähnen begegnete, wurde ihm seltsamerweise zum ersten Mal wirklich bewusst, dass sie ein Wesen seiner eigenen Art war. Natürlich war ihm bekannt gewesen, dass sie eine Hundeyoukai war, aber irgendwie war das nun etwas anderes. Was, sollte ihm erst Stunden später aufgehen, zu einem Zeitpunkt, an dem er damit nie gerechnet hatte.
Dumpfer Trommelschlag von der Insel begrüßte den aufgehenden Morgen und das Paar auf dem Felsen fuhr hastig auseinander, starrte zur Insel hinüber, wo immer mehr Trommeln einfielen, sich eine dichte Menge auf dem Dorfplatz sammelte, Richtung Tempel drängte. Beiden wurde klar, dass sie sich geirrt hatten. Nicht in der folgenden Nacht würde das große Opfer stattfinden, sondern im Laufe des heutigen Tages.
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Das nächste Kapitel heisst: "Der Tag des Opfers."..
und Inyuasha ist die Hauptperson...
Wer so nett ist, und mir einen Kommi hinterlässt, dem schreibe ich eine ENS, wenn ich sehe, dass das Kapitel on ist.
bye
hotep
Der Tag des Opfers
Hallo!
Ich freue mich sehr, dass es euch so gefällt.
Und jetzt heisst es : armer Inuyasha...
10. Der Tag des Opfers
Das erste, was durch Inuyashas Bewusstlosigkeit drang, war das dumpfe Geräusch, das die Wände erzittern ließ. Wenig später zuckten seine Ohren, als er Trommeln erkannte und begriff, dass das da draußen wohl der rötliche Schimmer der Morgendämmerung war. Also war heute der Tag der Opfer angebrochen, der letzte Tag seines Lebens...und der erste Tag an dem diese Bestie der Tiefe aufwachen sollte. In einer Art hilflosem Wutausbruch versuchte er noch einmal, sich gegen seine Fesseln zu werfen, auch, wenn er wusste, sie würden halten. Er konnte es nicht abwenden, das war ihm nur zu klar. Hätte es irgendeine Möglichkeit gegeben, das hier zu verhindern, egal, um welchen Preis...aber er brach resigniert diesen Gedanken ab. Seine Bewacher hatten ihm schon gesagt, dass sie alle fünfzig Jahre einen Youkai opferten und dass sie stets sämtliche Vorsichtsmassnahmen ergreifen würden. Seine Freunde waren weit, und selbst, wenn sie näher kommen konnten, würden die magischen Sperren ihnen den Weg verbauen. Selbst die stärkste miko sei hilflos, hatten die Magier gesagt, und auch, wenn Inuyasha wusste, was Kagomes Pfeile anrichten konnten...diese Typen würden schon wissen wovon sie sprachen. Woher sie nur ihr Youki hatten? Das mussten doch Menschen sein.
Er zuckte unwillkürlich zusammen, als er hörte, wie der Riegel an der Tür bewegt wurde. Heute kamen sie nicht zu zweit, wie sonst. Heute waren sie zu sechst. Zwei Fackelträger und vier andere. Alle trugen wieder diese seltsame Vermummung.
"Oh, gleich so viele Besucher", spottete er automatisch: "Welche Ehre..."
"Du hast heute jede Ehre verdient", sagte einer der vier, die näher zu ihm kommen: "Denn ehe die Sonne sich heute wieder senkt, wird sich unser aller Schicksal erfüllt haben."
"Ja, vielleicht", gab der Hanyou zu: "Aber ich bin mir echt nicht sicher, ob du mit deinem zufrieden sein wirst." Er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass dieses komische Wesen, das sie hier erwecken wollten, so dankbar wäre, diese Magier wirklich am Leben zu lassen. Er war etwas verwirrt, als die vier an dem Gestell herumfingerten, an das er gefesselt war, erkannte dann den Grund. Der Teil, an den er gebunden war, konnte abgenommen werden, Zu viert hoben sie ihn herunter, legten ihn auf den Boden. Der eine Fackelträger marschierte voran, dann kamen die vier, die das nun einem X ähnelnde Gestell mit Inuyasha drauf trugen, dann der andere Fackelträger.
Trotz seiner alles andere als schönen Lage, musste der Hanyou etwas grinsen, als sich die vier redlich abmühen mussten, ihn samt dem Gestell hochkant durch die Tür zu bringen.
Einer der Magier sah es: "Hast du denn keine Angst?"
"Vor euch Idioten? Nein. Und ich bin sicher, wenn ihr mich ungefesselt lassen würdet, hättet ihr ein Schoßtier weniger."
"Wenige waren jetzt noch so mutig", sagte der Magier langsam: "Aber auch du wirst irgendwann deine Fassung verlieren."
Nein, schwor sich Inuyasha. Das werde ich nicht. Ich werde, wenn ich schon sterben muss, niemandem eine Schande machen. Mir selbst nicht und meinen Freunden nicht...und meiner Familie nicht. Komische Vorstellung, dachte er gleichzeitig. Wieso meiner Familie? Aber ihm fiel dann ein, dass sein Vater sich für ihn und seine Mutter geopfert hatte, ohne zu zögern. Sollte er sich vor ihm blamieren? Sesshoumaru hielt ihn sowieso für schwach und feige. Er musste ihm ja nicht unbedingt mit seinen letzten Atemzügen Recht geben.
Die Magier trugen ihn durch Gänge. Es wurde heller, lichter und sie erreichten schließlich eine große Halle. Dort wurde Inuyasha samt dem Gerüst aufrecht an etwas anderes befestigt. Neugierig sah er sich um. Das hier war kaum der Fütterungsort für die Bestie der Tiefe. Das sah sehr nach einer riesigen Tempelhalle aus, aus Stein gebaut, unerwarteterweise. Ein Gang von Säulen ließ das Tageslicht herein. Draußen konnte er eine Treppe erkennen, die fast so breit wie der gesamte Tempel war. Dann aber sah er sich lieber wieder in der Halle um. Hier drängte sich ein ganzer Haufen Magier. Zum ersten Mal fiel sein Blick zu seinen Füßen nieder und er erschrak unwillkürlich. Dort gähnte eine Grube von sicher gut acht Metern Durchmesser und der gleichen Tiefe. Seine Nase verriet ihm, dass dort unten Unrat lag, aber auch Blut und Knochenreste, von Menschen und noch etwas anderes. Und die Witterung von Hundeartigem war da. War das doch der Ort, wo die Bestie gefüttert werden würde? Er erkannte unter sich ein Gitter aus dicken Stangen, das wohl ein kräftiges Lebewesen zurückhalten sollte.
Ein Magier trat zu ihm, ebenso in diesem Fell eingemummt, wie alle anderen. "Ich bin Gin, der Hohepriester."
"Ach...Ich denke mal, du weißt, wer ich bin?" Das klang nicht sehr freundlich.
"Natürlich, Inuyasha. Du bist der einzige, der das Blut der Hunde hat und das Herz der Menschen. Du bist der Auserwählte."
"Warum gefällt mir meine Rolle nur nicht so gut?" Inuyasha wurde zum ersten Mal in seinem Leben zynisch. Aber er wusste, er musste sich zusammenreißen, seine Gefühle unterdrücken.
"Du bist noch immer mutig, das gefällt mir. - Nun, da du unser erwähltes Opfer bist, werde ich dir genau alles erklären. Damit du weißt, warum du so wichtig bist."
Der Hanyou verbiss sich den Kommentar, zu neugierig, was hier ablief: "Also, was wird das hier? Wohnt da unten in dem Loch etwa die Bestie?"
"Oh nein.." Gin schien fast amüsiert. "Fangen wir einmal mit meinen Brüdern dort an. Siehst du, wie sie niederknien, was sie dort anbeten?"
Inuyasha sah hin. Inmitten der niedersinkenden Magier erkannte er eine weiße Säule. Darauf befand sich ein großes rotes Gefäß, nein, eher ein riesiger Edelstein. "Und was ist da drin?"
"Hast du nicht noch nicht gefragt, wie Menschen wie wir zu Youki kommen?"
"Schon, aber ich dachte, ihr wäret Hanyou."
"Man sollte nie von sich auf andere schließen, hat dir das nie jemand beigebracht?" In der Stimme des Tempelobersten lag leiser Tadel: "Nun, darin ist das Youki, das wir benutzen können. Unser Herr und Gebieter, die Bestie der Tiefe leiht es uns."
"Ihr benutzt das Youki eines magischen Wesens?" Inuyasha dachte nach. Er hatte diesbezüglich wirklich keine gute Ausbildung genossen, aber: "Das geht doch nicht...Youki können nur Wesen benutzen, die dazu geboren sind. Menschen nie."
"Darum sind ja die Menschen so wichtig, " erklärte Gin geduldig. Dies war wirklich ein interessantes Opfer, würdig, der Erweckende zu sein: "Wir opfern Menschen, damit auch ihr Wesen in das Youki einfließt. So können wir es benutzen."
"Ihr...ihr opfert Menschen, nur um Youki benutzen zu können, das ihr sonst nie hättet?"
"Ja."
Der Hanyou knirschte mit den Zähnen. "Was seid ihr bloß für Menschen!"
"Bescheidene Diener...." Gin winkte ein wenig seinen Untergebenen zu. Draußen das Trommeln hatte sich verändert. Einer der Magier trat zu dem roten Gefäß, nahm es behutsam. Etwas floss daraus in einen großen Krug. Ein zweiter Magier nahm diesen und trat aus dem Tempel hinaus. Aufbrausender Jubel verriet, dass nun alle Zuschauer wussten, dass sie wieder ihre jährlichen Anteil Youki bekommen würden. Der Hohepriester sah zu seinem Gefangenen: "Mit Youki allein sind wir mächtig genug, der Bestie zu dienen. Nur so können wir die Bannkreise ziehen, die uns und sie schützen, nur so werden wir alt genug, unseren Auftrag erfüllen zu können."
"Na, bis jetzt hattet ihr wohl nicht viel Glück damit", sagte Inuyasha, ohne nachzudenken.
Der Hohepriester starrte ihn an, ehe er wütend sagte: "Wir waren so nahe dran vor tausend Jahren, so nahe!"
"Aber es hat wohl nicht geklappt?" Der Hanyou schöpfte etwas wie Hoffnung.
"Nein. Diese Hundeyoukai haben die Bestie der Tiefe so schwer verletzt, dass sie erneut...nun, sie wurde wieder kleiner. Und wir konnten von vorn anfangen."
Inuyashas Ohren zuckten: "Hundeyoukai?"
"Gib dich keiner Hoffnung hin. Nachdem unser Opfer befreit worden war, haben wir die Bannkreise erneut gelegt. Und diesmal speziell auf Hundeyoukai. Selbst dein Halbbruder käme da nicht durch. Seine Macht genügt nicht."
Als ob Sesshoumaru sich auf eine Rettungsmission begeben würde, dachte der Hanyou. Und auch noch mir zuliebe. Wenn Rin mit hier wäre...vielleicht. So meinte er nur: "Ich denke mal, dass ihr da keine Sorge haben müsstet. - Wer waren denn die Hundeyoukai vor tausend Jahren?"
"Dein Vater und dein Großvater." Gin bemerkte den Blick: "Wusstest du das nicht?"
"Nein." Toll, Vater, dachte er: du warst wirklich anscheinend immer da, wenn dich jemand gebraucht hat. Ob das von mir auch mal jemand sagen wird? Oder denken sie eher, dass ist der dämliche, unbrauchbare Hanyou, der die Bestie erwachen ließ? Aber angeborene Neugier ließ ihn weiterfragen: "Und jetzt verteilt ihr euer Youki an alle?"
"Ja. Alle Mitglieder unseres Ordens erhalten es heute. Gestern war ihr Youki sicher schon schwächer, aber heute sind sie wieder so stark wie es nur geht. Wir hier, der innere Kreis bekommen es sowieso ständig, um stark zu sein, die Bannkreise aufrechthalten zu können." Der Hohepriester betrachtete seinen Gefangenen: "Jetzt folgt gleich ein Teil, der dich sicher interessieren wird."
"Ach, und was?"
"Das erste Opfer des Tages."
"Das erste..? Wie viele habt ihr denn vor?"
"Du bist noch immer neugierig und ohne Angst. Eine seltsame Mischung...Nun, es gibt drei. Zunächst hier oben. Dann werden wir die Bestien und dich hinunter in das Labyrinth bringen, zunächst sie der Bestie der Tiefe darbringen, um sie zu stärken. Und dann bist du dran."
"Keh!" machte Inuyasha leise. Dann jedoch erstarrte er, als er sah, wie sich die Magier alle um das Loch zu seinen Füssen versammelten- und sah, was einige der Ordensleute da heran zerrten. Eine Menschenfamilie, einen Mann eine Frau und ein kleines Mädchen: "Was habt ihr vor...?" fragte er unwillkürlich, obwohl er es ahnen konnte.
Gin antwortete denn auch nicht, sondern begann mit einem Gebet in einer sehr altertümlich klingenden Sprache. Die Menschen wehrten sich verzweifelt, aber sie hatten keine Chance. Inuyasha versuchte instinktiv erneut, seine Fesseln loszuwerden. Verdammt! Er konnte hier doch nicht nur rumhängen, zusehen, wie diese drei da geopfert werden sollten. Die Magier stießen die Menschen hinunter in den Schacht. Die Familie schrie auf, als sie die gut acht Meter hinabfielen, hart aufkamen. Inuyasha witterte frisches Blut, Tränen und zerrte mit aller Kraft an seinen Banden. Aber die hielten.
"Verdammte Bastarde!" wütete er: "Dafür werdet ihr bezahlen!"
Metallenes Knirschen verriet, dass das Gitter unter ihm beiseite glitt. Er zwang sich, hinunter zu sehen. Die drei Menschen drückten sich verängstigt an die Wand, die Eltern hatten ihre Tochter hinter sich geschoben. Er hätte ihnen so gern geholfen, aber er hatte keine Chance. Und was war das, was er witterte? Was kam da? Die drei schrieen unwillkürlich auf, als sie Schatten in die Grube kommen sahen. Der Hanyou starrte entsetzt hinunter. Die Bestien, wie der Hohepriester sie genannt hatte, waren Hunde, eine riesenhafte Art von Hunden, mit einem Gebiss, das mehr als beeindruckend war. Vier davon schoben sich in die Grube. Er schloss die Augen, um wenigstens nicht zusehen zu müssen, aber seine Nase, seine Ohren verrieten ihm nur zu deutlich das folgende Drama.
In diesem Moment schwor er sich, wenn er nur eine Chance hatte, würde er diese Magier alle umbringen, und wenn es das letzte wäre, das er in seinem Leben tun konnte. Verdammt. Er hatte ja auch schon einiges falsch gemacht in seinem Dasein, aber gegen diese miesen Verbrecher war er ja geradezu ein Heiliger. Er spürte, wie Tessaiga an seiner Hüfte pulsierte und wusste, dass das Schwert wollte, das er es einsetzen würde. Hätte er nur irgendwie gekonnt, wären von dem Tempel nach fünf Minuten nur noch Trümmer übrig gewesen. Was für ein teuflischer Plan, was für Schurken...
Die Magier drängten sich eng um die Grube, um den Tod der Opfer zu sehen. Der Hohepriester nickte etwas: "Bringt Inuyasha nun hinunter in das Labyrinth. Und holt die beiden älteren Hunde. Die Bestie der Tiefe soll sie heute bekommen."
"Ich bring dich um!" In Inuyashas Stimme lag ein solcher Ingrimm, dass der Oberpriester unwillkürlich nach den Fesseln sah.
Aber die dürften halten. So meinte er: "So zornig, wegen ein paar belangloser Menschen? Und keine Angst um dich? Komisch. Wir hatten ja schon einige sture Youkai, aber keiner machte sich Sorgen um die Menschen. Nun, du bist ja auch ein halber Mensch."
"Lieber ein Hanyou als solche Bastarde wie ihr!"
"Weil du ein Hanyou bist, stirbst du..." Gin wandte sich ab und ging.
Andere Magier kamen und hoben Inuyasha samt dem X, an das er gefesselt war, wieder auf. Er war viel zu wütend, um Angst zu haben, zugleich auch voll Trauer um die Menschen, die er nicht hatte retten können. Der Himmel allein wusste, wie viele diesen Tod schon gestorben waren. Es musste doch eine Möglichkeit geben, diese miesen Typen aufzuhalten. Kagome, dachte er, Miroku, Sango...wo seid ihr? War es euch wirklich unmöglich, durch diese Bannkreise zu kommen? Diese Kerle waren sich so sicher, aber sie wissen ja nichts von euch, von euren Fähigkeiten. Freunde, wenn ihr nur einigermaßen nahe seid, bringt diese Typen um...keiner von ihnen darf überleben. Und diese Bestie nehme ich mir vor, irgendwie werde ich es schaffen. Vater hat es geschafft, da kann ich es auch schaffen...
Er konnte nur nach oben sehen, an die Decke, aber ihm fiel auf, dass er nun durch einen Felsengang getragen wurde, wohl Treppen hinunter. Ein wenig mühsam drehte er den Kopf, versuchte etwas mehr zu erkennen. An seiner linken Seite war Fels, es war wohl ein Gang in den Berg hinein. In regelmäßigen Abständen brannten Fackeln. Auf der rechten Seite war etwas wie eine Höhlung im Berg zu erkennen. Der Gang, die Treppe schien sich um diese Höhle zu winden. Ja, eine Wendeltreppe um diesen Mittelschacht war es, verstand er. In diesem Loch war eigentlich nichts zu erkennen. Dort war etwas Braunes, Hartes, wie er es so noch nie gesehen hatte. Seltsame Muster hatten sich darauf geformt. War das vielleicht erstarrte Lava des letzten Ausbruchs? Aber es sah so seltsam vertraut aus...Er war sicher, er hatte so etwas schon einmal gesehen. Aber er konnte sich nicht daran erinnern.
Es schien endlos zu dauern, dieses Getragenwerden. Trommeln waren zu hören, entfernt von oben. Inuyasha starrte noch immer auf das seltsame Gebilde in der Mitte. Plötzlich fiel es ihm ein, und er konnte einen Schauder nicht unterdrücken. Das dort erinnerte ihn an eine Puppe, dem Mittelding zwischen Larve und Insekt. Konnte diese Bestie der Tiefe ein Insektenverwandter sein? Dann wäre sie riesig. Und das hier war erst der Hinterleib, das konnte er nun klar erkennen. Etwas Schwarzes lag jetzt außerhalb des Puppenpanzers, schwarz zusammengelegt. Waren das die im Entstehen begriffenen Flügel? Aber sie sahen nicht wie Insektenflügel aus...schwarz, eng zusammengefaltet erinnerten sie ihn eher an Feldermäuse. Die Luft hier unten wurde stickiger, auch durch die ganzen Fackeln und er konnte nur den Gestank eines sehr großen Tieres wahrnehmen und diesen seltsamen Geruch, den die Magier verbreiteten. Was war das nur für ein Lebewesen? Er wandte wieder den Kopf, versuchte, etwas zu erkennen, als sie eine riesige Höhle erreichten. Wieder wurde das X an das er gefesselt war, aufrecht an der Wand befestigt. Zu seinen Füßen gähnte wieder ein Schacht, diesmal aber nur vielleicht drei Meter tief. Und hier war die Witterung eindeutig nach Blut von Hunden. Ein Geräusch über ihm ließ den Hanyou nach oben blicken.
Inuyasha war niemand, dem es an Mut fehlte, das wusste er, aber er spürte einen eisigen Schauder über den Rücken laufen, als er dort oben seinem Tod in die Augen sah. Er hatte recht gehabt. Der gesamte Mittelschacht des Berges wurde von der Bestie der Tiefe angefüllt. Sie hing dort mit dem Kopf nach unten. In der Dämmerung über sich konnte er Augen erkennen, gelb leuchtend, die scheinbar aus unzähligen Einzelaugen bestanden. Facettenaugen der besonderen Art. Insektenaugen, dachte er. Viel mehr Einzelheiten waren nur schwer auszumachen, aber er starrte in seltsamer Faszination hinauf. Er erkannte einen Kopf, rund, fast wie der eines Menschen, aber dicht behaart. An den Schultern bewegte sich etwas, ohne dass er es in dem Dämmerlicht identifizieren konnte. Anscheinend war das Lebewesen erwacht, zumindest soweit, dass es fressen konnte. Passierte das immer wieder und wurde es so angefüttert, bis es nach tausend Jahren diese riesige Größe erreicht hatte? Aber er würde wohl auf die meisten seiner Fragen keine Antwort mehr bekommen.
Jaulen ließ ihn nach vorn sehen. Die Magier schleiften zwei der riesigen Hunde nicht sonderlich sanft den Gang hinunter. Es waren fast zehn, die es dann schafften, die sich wehrenden Tiere in die Grube zu seinen Füssen zu werfen. Irgendwie erinnerte ihn das fast an einen Futternapf.
Und da begriff er.
Er sah wieder hinauf zu der Bestie, gerade noch rechtzeitig, um zu sehen, wie sich die Körperteile, die er nicht hatte identifizieren können, von den Schultern lösten und nach unten schossen. Das Tempo war atemberaubend hoch. Er blickte wieder hinab. Jetzt erkannte er, dass es eine Art Fangarme war, ähnlich denen, die diese Gottesanbeterinnen hatten. Ein Hund war gepackt worden, wurde jetzt mit Leichtigkeit in die Höhe gehoben. Das Tier versuchte verzweifelt, sich zu wehren, aber es hatte keine Chance. Mit einem gewissen faszinierten Grausen starrte den Hanyou wieder hinauf zu der Bestie der Tiefe, die auf diese Art die von den Hunden gefressenen Menschen und ihre Energie und das Blut der Hunde bekam. Etwas in dem runden Kopf öffnete sich zu einem kreisrunden Loch, über und über besetzt mit weißleuchtenden Zähnen. Die Fangarme stopften den Hund dort hinein, das Loch schloss sich. So also sollte er auch enden? So also sollte er dieses Vieh dort oben endgültig erwachen lassen? Instinktiv zerrte er noch einmal an seinen Fesseln, aber diese hielten. Er hatte nichts anderes erwartet.
Der Hohepriester hatte den Befreiungsversuch bemerkt. Natürlich. Jeder Youkai hatte es noch mit der Angst zu tun bekommen, wenn die Hunde geopfert wurden. Er kniete mit seinen Ordensbrüdern hier und huldigte der Bestie der Tiefe. Nach tausend Jahren war es endlich soweit. Und da nun gerade der zweite Hund verschlungen wurde, waren es nur noch Minuten, ehe das Ziel endlich, nach so langer Zeit erreicht war. Gin sah noch einmal zu dem Hanyou, begegnete einem bernsteinfarbenen Blick. Und er musste sich zugeben, irritiert zu sein. Es gab keine Angst in diesen Augen, oder in dem Geist dahinter. Es war ein Ingrimm, eine Wut, die den Hohepriester nur hoffen ließ, dass die Fesseln halten würden. Dieser Blick versprach ihm den sicheren Tod, würde sich dieses Opfer doch noch befreien können. Aber das war unmöglich. Gin gab sich jedoch zu, dass er unwillkürlich ein bisschen beeindruckt war. Noch jeder Youkai, den sie hier geopfert hatten, war spätestens nun in Panik verfallen, hatte geschrieen...und ausgerechnet ein Halbblut tat nichts dergleichen. Ein umso würdigeres Erweckungsopfer war er. "Nun, meine Brüder, " sagte er: "Legt Inuyasha der Bestie der Tiefe vor. Unser Herr soll entscheiden, ob er unser Opfer heute annimmt."
Vier Magier erhoben sich und traten zu dem Hanyou, der ein wenig irritiert war. Aber als er von der Wand abgenommen wurde, noch immer an dieses Holz gefesselt auf die Grube gelegt wurde, begegnete er den gelben Augen der Bestie. Und er spürte, wie ihn wirkliche Todesangst erfasste, seinen ganzen Körper zu lähmen schien. Einer der Magier beugte sich noch einmal zu ihm, zerrte an seinem Obergewand, öffnete es, so dass er mit entblößter Brust dalag.
Mist, dachte Inuyasha...es tut mir Leid, Freunde, ich habe versagt. Es tut mir leid, Vater...du hast diese Bestie bekämpft und ich werde sie nun erwachen lassen...Ich darf diese Mistkerle nicht sehen lassen, was ich für Angst habe...sie sollen es nicht merken. Aber seine Gedanken verloren sich in einem überwältigenden Gefühl der Panik, als sich oben die Vordergliedmassen wieder lösten und sehr langsam diesmal zu ihm herunter kamen. Keuchend starrte Inuyasha auf die Krallen an den Fangarmen, die knapp über ihm verharrten, ehe sich einer ganz bedächtig auf seine Brust senkte.
Die beiden Hundeyoukai hatten sich in ihre wahre Gestalt verwandelt, einen weißen und einen schwarzen Riesenhund. In dieser Form verfügten sie über ihr größtes Magiepotential. Schon in Menschenform verstanden sie es, ihr Youki so zu verstecken, dass es kaum jemand aufspüren konnte. In diesem Zustand aber war es nach außen hin so vollständig verschwunden, dass sie den Bannkreis durchqueren konnten. Dazu war es notwendig, dass sie das Stück durch das Meer bis zu der Insel schwimmen mussten, aber das war nicht zu ändern. Die Barriere hielt alle Lebewesen mit offen gezeigtem Youki, aber auch alle Menschen ab. Hatten die Magier nicht daran gedacht, dass man Youki verstecken konnte? Und dass Hundeyoukai eben auch als Tiere erscheinen konnten? Wenn nicht, war das ein tödlicher Fehler.
Am Ufer der Insel schüttelten sich die beiden Riesenhunde, ehe sie wieder menschliche Form annahmen.
Shiro blickte fragend zu ihrem Begleiter. Das Trommeln dröhnte laut in ihren empfindlichen Ohren. Sesshoumaru nickte leicht, ohne sie anzusehen: "Shiro."
"Ja."
"Es darf niemand von diesen Magiern überleben. Großvater und Vater haben die Bestie der Tiefe schwer verletzt und doch haben sie sie wieder gefüttert. Das soll nicht mehr passieren."
"Das wird nicht mehr passieren." Sie klang ruhig.
So ruhig, dass er sich zu ihr wandte. Der Blick der grünen Augen verriet nur Gelassenheit. Wieder begriff er, dass er hier einem Wesen seiner Art, mit annähernd seiner Macht gegenüberstand. Sie waren Youkai, zum Kampf geboren und Shiro würde genauso gelassen in den Kampf gehen, wie er selbst, ohne jedoch den Blick von dem zu wenden, was vielleicht kommen würde. Er zog Tokejin. Auch Shiro nahm ihr Schwert zur Hand. Seltsamerweise hatte sich das Trommeln nun verändert, war langsamer. Auch die Geräusche der Menschenmenge auf dem Dorfplatz waren anders. Und beide fühlten ein rasches Ansteigen des Youki. Waren sie schon bemerkt worden?
Sesshoumaru ließ mit einem Schwenk seiner Klinge die Häuser vor ihnen in einer Explosion verschwinden, ehe er loslief. Shiro folgte ihm sofort. Die Magier auf dem Platz fuhren erstaunt herum. Sie waren gerade mit der Verteilung des Youki beschäftigt. Ungebetene Besucher hätten durch die Bannkreise abgehalten werden sollen. Ehe die Menge begriff, was los war, die ersten reagieren konnten, stürmten die Youkai mitten durch sie hindurch, rechts und links alles tötend, was in die Reichweite der Schwerter kam. Ihr Ziel war der Tempel.
Während sie die steile Treppe empor rannten, fassten sich unten die ersten. Ein wütender Aufschrei war zu hören, Empörung über die so abrupt unterbrochene heilige Handlung, Erbitterung über die Mörder ihrer Ordensmitglieder und den Hundeyoukai war klar, was ihnen blühte, wenn diese Magier sie besiegen konnten.
Oben am Tempel war niemand, da der gesamte Innere Kreis sich zur eigentlichen Opferung in das Labyrinth des Berges begeben hatte.
Sesshoumaru blieb kurz stehen, drehte sich um. Unten hatten sich die überlebenden Magier zusammengedrängt, kamen jetzt ebenfalls die Treppe empor. Warum hatten sie nur auf einmal mehr Youki als gestern? Es waren gewiss noch dreihundert. Das würde nicht einfach werden, für Shiro.
Die Youkaiprinzessin hatte ebenfalls angehalten, sah zu ihm. Sie sollte hier die Rückendeckung übernehmen. Ihr war klar, was das für sie heißen würde, gegen diese Überzahl zu kämpfen, mit diesem erstaunlichen Youki. Gut. Dämonenenergie bei Menschen war immer erstaunlich, aber die Höhe war beachtlich. Sie würde irgendwann müde werden.
Sesshoumaru wandte sich wieder zum Tempel: "Ich werde mich beeilen", versprach er, als er weiterlief.
Shiro blickte ihm hinterher: "Aishiteru, aite", sagte sie leise, von einem Gefühl bewegt, das an Hoffnung grenzte, ehe sie sich umdrehte, um den tödlichsten Kampf ihres Lebens zu bestehen.
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Shiro sollte hoffen, dass das niemand gehört hat. Was für ein Benehmen für eine Dämonenprinzessin!
ai shiteru bedeutet "ich liebe dich von ganzem Herzen". Und aite ist der (Lebens) Gefährte....
Das nächste Kapitel heisst: "Die Bestie der Tiefe."
Wie immer würde ich mich über Kommentare sehr freuen. An die, die so nett waren, mir eine Stellungnahme zu hinterlassen, schicke ich, wie gewohnt, eine ENS, wenn das neue Kapitel oben ist.
bye
hotep
Die Bestie der Tiefe
Hallo,
ganz lieben Dank für eure Kommentare.
Es geht weiter und ich hoffe, dass es euch auch gefällt....
11. Die Bestie der Tiefe
Sesshoumaru hatte die leisen Worte gehört, die Shiro gesagt hatte, als er in den Tempel hineinlief. "Aishiteru, aite." Während er hastig begann, die einzelnen Kammern und Räumen nach zurückgebliebenen Magiern zu durchsuchen, stellte er fest, dass er äußerst verwundert war. "Ich liebe dich von ganzem Herzen" von einer Youkaiprinzessin zu hören war extrem ungewöhnlich Und "aite", Gefährte, hätte sie ihn nur nennen dürfen, wären sie verheiratet gewesen. Was sollte das?
Er lief weiter durch den Tempel, mit gezogenem Schwert. An der tiefen Grube blieb er kurz stehen. Seine Nase verriet ihm, dass hier Menschen von Hunden zerrissen worden waren, noch nicht sehr lange zuvor. Auch Inuyasha war hier gewesen. Hatten die Magier ihn gezwungen, da zuzusehen? Dann wäre er bestimmt wütend gewesen. Der Youkaifürst drehte sich um, suchte den Weg in das Labyrinth. Er musste sich beeilen. Zum einen würde Shiro irgendwann ihr Youki in der Abwehr erschöpft haben, die überlebenden Magier ihm im Rücken sein, zum zweiten durfte Inuyasha nicht geopfert werden, sollte nicht die Bestie der Tiefe erwachen. Und aus dem Berg hörte er Geräusche, fühlte etwas wie ein leichtes Beben. War diese Bestie etwa schon am Erwachen? Dann würde ein Kampf gegen sie schwerer werden.
Er fand endlich einen Gang hinunter. Nach vielleicht zehn Metern ging ein Stichgang nach rechts ab. Er bog sofort ein, um zu überprüfen, ob dort vielleicht jemand war. Die Magier hatten heute so überraschend viel Youki mehr gehabt, dass er es sich nicht leisten konnte, einen von ihnen im Rücken zu haben, während er gegen die Bestie kämpfen würde. Gestank stieg ihm in die Nase. Unrat, Blut und seltsame Hunde. Dann erreichte er ein Gitter. Dahinter befand sich das große Loch, in dem diese Hunde gewöhnlich lebten. Zwei waren noch hier, der ursprünglichen vier, aber das konnte er nicht wissen. Er wusste nur, dass diese Hunde nicht auf ihn losgelassen werden sollten, da er sie nicht kontrollieren konnte, und hob sein Schwert. Aus der Klinge von Tokejin drangen Strahlen seiner Energie. Die beiden Hunde wurden einfach zerrissen.
"Nein! Was tust du da mit meinen Lieblingen!"
Sesshoumaru fuhr herum. Also doch! Ein Magier war vor ihm aufgetaucht. Sofort schlug er aus der Drehung zu.
Die vermummte Gestalt ging zu Boden. Noch im Fallen keuchte der Magier auf: "Warum tust du das? Warum bist du hier?"
Während der Hundeyoukai über ihn sprang, weiterlief, dachte er bei sich, dass das eigentlich eine gute Frage war. Warum war er im Grunde hier? Was wollte er auf dieser Insel, in diesem Tempel? Die Berggöttin von Halel hatte ihn auf diesen Weg geschickt, als er sie um Rat anging, wie er stärker werden konnte als sein Vater. Er hatte eigentlich angenommen, dass sein Vater auf dieser Reise so stark geworden war, vielleicht nach dem Kampf gegen die Bestie.
Aber nun hatte er plötzlich Zweifel. Während er die gewundene Treppe fand, in alle Ecken und Nebenräumen sah, dachte er weiter nach. Sein Großvater, sein Vater waren hier hergekommen, um seine Großmutter, ein Familienmitglied zu retten. Warum war er hier? Eigentlich war es ihm vollkommen egal gewesen, ob Inuyasha geopfert werden sollte oder nicht. Er hatte sich nur für das "nicht" entschieden, um die Bestie nicht stärker werden zu lassen, als unbedingt nötig, da er gegen sie kämpfen wollte. Aber nun hegte er plötzlich Zweifel, ob das sein Vater je so gesehen hätte. An seinen Großvater konnte er sich kaum erinnern, aber vermutlich hätte er dieses Motiv auch nicht sonderlich geschätzt.
Sesshoumaru musste plötzlich an die Gedanken denken, die Gefühle, die er von Inuyasha empfangen hatte. Er war ihm doch ähnlicher, als er je zuvor gedacht hätte. Und während er wieder über die Treppen hinunterlief, wurde ihm bewusst, dass Inuyasha, hätte ihm jemand gesagt, er, Sesshoumaru, sollte hier geopfert werden, vermutlich nie gezögert hätte, ihn rauszuholen. Aus keinem anderen Grund, als weil er sein Bruder war, das Blut ihres Vaters in sich trug.
Verdammt, dachte der Youkaifürst plötzlich. Genau das ist es. Inuyasha ist das einzige Lebewesen, das noch das Blut meines Vaters in sich hat. Und ich habe nur aus praktischen Erwägungen verhindern wollen, dass er stirbt. Sicher, er hat das Blut von Menschen in sich...aber auch das Blut meiner Familie, unseren Stolz, unser Ehrgefühl. Ich habe in ihm immer das Halbblut gesehen und ihn wegen der Hälfte seines Blutes verachtet. Und dabei die andere Hälfte vollkommen übersehen.
Das führte zu etwas anderem.
Auch Shiro hatte er vorgeworfen, schlechtes Blut zu haben, da ihr Vater ein Verräter sei. Aber die andere Hälfte in ihr, ihre Mutter, war die Schwester seines eigenen Vaters gewesen. Auch diese Hälfte hatte er vollkommen übersehen. Ich bin sträflich blind gewesen, dachte er plötzlich. Vater, du wärst sicher nicht zufrieden mit mir. Du hast immer die Familie gerettet, Familienmitglieder beschützt. Und ich bin jetzt hier in einer fatalen Lage. Ich habe meine Braut, meine Verlobte, die ich hüten sollte, oben gelassen, lasse sie einen Kampf kämpfen, den sie kaum gewinnen kann. Drehe ich um und helfe ihr, wird dort unten mein Bruder geopfert und die Bestie der Tiefe wird erwachen. Rette ich Inuyasha, besteht die Aussicht, dass Shiro stirbt. So oder so habe ich versagt. Ich habe die beiden Wesen hier, die meine Familie sind, auf die ich aufpassen sollte. Und ich kann sie nicht beide beschützen. Ich habe versagt, Vater. Du hast mich damals gefragt, was ich beschützen will und ich meinte, nichts. Ich habe es nicht verstanden, was du damit sagen wolltest. Jetzt weiß ich es. Inuyasha hat es schon viel eher begriffen.
Er blieb für einen Moment stehen, starrte in den Mittelschacht, als er erkannte, dass sich dort etwas bewegte. Mit leisem Grausen erkannte er die Puppenhülle eines riesigen Insekts. Etwas pulsierte darunter. War diese Bestie schon am Erwachen? War Inuyasha schon geopfert worden? Aber seine empfindlichen Ohren hörten von weiter unten noch das Murmeln von Gebeten. Es konnte noch nicht vorbei sein. Er rannte weiter, vorbei an den seltsamen Fledermausflügeln der Bestie, als er plötzlich etwas witterte, das ihn noch schneller werden ließ. Unverkennbar das Blut seines Halbbruders.
Auf dem letzten Treppenabsatz blieb Sesshoumaru stehen. Das Bild, das sich ihm bot, würde er wohl nie wieder vergessen können.
Vor ihm dehnte sich eine riesige Höhle, die sich nach oben in den Schacht öffnete, wo sich die Bestie der Tiefe befand. Gut fünfzig dieser vermummten Gestalten knieten auf dem Boden der Kaverne, die Hände nach vorn ausgestreckt. Auf einem Schacht lag ein Holzkreuz, an das Inuyasha gefesselt war. Dieser starrte hinauf, wo sich zwei Fangarme gegen ihn ausstreckten, mit Krallen daran. Sie hatten ihn wohl schon verletzt, denn sein bloßer Oberkörper zeigte tiefe blutende Kratzer. Aber was den Hundeyoukai so berührte, war der Ausdruck in den Augen seines Halbbruders. Da war nur eines zu erkennen: der unbeugsame Wille, irgendwie durchzuhalten, irgendwie doch noch zu überleben.
Mein kleiner Bruder...dachte er und fragte sich unwillkürlich, ob er in dieser Lage auch diesen Mut aufgebracht hätte. Wohl schon, schließlich war er Sesshoumaru, aber trotzdem...
Der Hohepriester sah auf. Mit einer lauten Stimme sagte er: "Unserem Herrn gefällt das Blut der Hundeyoukai! Freut euch, meine Brüder, denn jetzt wird er das Herz der Menschen nehmen!"
"Keh!" machte Inuyasha kaum hörbar, starrte aber wieder mit zusammengebissenen Zähnen hinauf, wo sich die Krallen ihm näherten.
Sesshoumaru verstand. Noch hatte ihn niemand bemerkt. Er hob sein Schwert, verband seine Energie damit. Dies war die beste Gelegenheit, möglichst viel Schaden anzurichten. Und wenn er das so recht einschätzte, kamen die Fangarme diesmal, um zu töten. Er ließ sein volles Youki quer durch den Raum jagen.
Sicher fast dreißig der Magier waren tot, ehe sie auch nur wussten, dass sie angegriffen worden waren. Die Energie zerriss die unteren Teile der Fangarme- und auch das hölzerne X, an das Inuyasha gefesselt war, der so allerdings auch seinen Teil des Youki abbekam. Er stürzte die drei Meter in den Schacht.
Für einen Moment blieb der Hanyou regungslos auf dem Boden des Lochs liegen, verwirrt durch den Umschwung, mitgenommen durch die Dämonenenergie...und fassungslos. Er erkannte den Geruch, die Energie. Sesshoumaru?! Das konnte er nicht glauben. Aber, warum nicht, dachte er plötzlich und raffte sich mühsam zum Knien auf. Nur dieser Idiot würde es fertig bringen, bei einer Rettungsaktion den ungeliebten Halbbruder gleich mit umzulegen. Oder was hatte das hier werden sollen? Er hörte von oben Kampfgeräusche, witterte, dass der Hundeyoukai gegen die noch überlebenden Magier kämpfte. Inuyasha sah hinauf. Die Fangarme der Bestie näherten sich ihm wieder und er wusste von zuvor, dass sie bis hier unten reichten. Nun waren sie allerdings deutlich kürzer, aber er wollte nicht ausprobieren, ob das bedeutete, dass er hier in Sicherheit war. Mühsam blieb er knien, tastete nach Tessaiga. Seine Arme und Beine wollten ihm nicht gehorchen. Zu lange waren sie so seltsam gefesselt gewesen. Aber ihm war klar, dass er hier mitkämpfen musste. Allein hätte selbst Sesshoumaru gegen diese Magier plus ihr Haustier keine Chance. Flüchtig überlegte der Hanyou wie sein Halbbruder eigentlich durch diese ganzen Bannkreise gekommen war, beschloss aber, das auf später zu verschieben, als die Fangarme sich ihm immer mehr näherten. Er musste etwas tun und zwang alle Kraft, alle Beweglichkeit, die er aufbringen konnte, in seine Hände. Er aktivierte sein Schwert, suchte die Windnarbe, als er hinaufsah. Erneut begegnete er diesen seltsamen Facettenaugen der Bestie, aber diesmal pulsierte Tessaiga in seiner Hand, diesmal hatte er keine Angst mehr. Diese überdimensionierte Fangheuschrecke oder was auch immer das war, würde gleich sehen, mit wem sie sich hier eingelassen hatte. "Kaze no kizu..." In seinen Angriff legte er all seine Wut, die er bei den Opferungen dieses Tages empfunden hatte.
Die Bestie der Tiefe erkannte, dass da etwas auf sie zuraste und riss die Fangarme hoch, um sich zu schützen, aber die Energie traf sie am rechten Auge. Einige der Facetten erloschen.
Gut, dachte Inuyasha. Auch, wenn ich hier in diesem dämlichen Loch bin und noch immer nicht aufstehen kann...ich mache sie fertig. Ist sie erst einmal blind, kann man sie leicht umbringen.
Etwas wie ein Beben erschütterte das Labyrinth, als sich die Bestie im Schmerz wandte. Inuyasha guckte wieder hoch. So würde das klappen. Er müsste nur lange genug mit Tessaiga angreifen. Er entdeckte seinen Halbbruder am Rande des Schachtes, der ihn seltsam ansah.
"Was treibst du da unten?"
"Ich kann nicht aufstehen. Was hast du Idiot dir eigentlich dabei gedacht, mich voll mitzuerwischen?"
"Du wärst tot, wärst du auf dem Holz geblieben."
Das stimmte, das wusste auch der Hanyou. Aber er fragte doch noch, während er Tessaiga erneut seitwärts hielt, versuchte, wieder die Windenergie zu sammeln: "Was haben dir die Magier denn getan?"
Sesshoumaru war für einen Augenblick irritiert, ehe er begriff, dass Inuyasha gar nicht in Erwägung zog, er sei hier, um ihn zu retten, sondern nur, weil er selbst eine Fehde mit den Magiern hätte. Er trat ein wenig zurück, um die Windnarbe nicht abzubekommen. Während er empor zur Bestie blickte, sagte er gelassen: "Sie haben meinen Bruder entführt."
Inuyasha war so verblüfft, dass er für einem Moment lang wirklich annahm, er habe zwei Halbbrüder, ehe er verstand, dass damit wohl er selbst gemeint war. Er griff wieder die Augen an, sah, wie Sesshoumaru emporsprang, seitwärts einen Energieangriff auf die Bestie losließ, wohl auf deren linken Flügel. Das Untier wandte den Kopf zu dem Hundeyoukai, öffnete den Mund. Ein Feuerstrahl schoss heraus. Der Youkaifürst machte einen raschen Überschlag in der Luft, um auszuweichen.
Die Brüder stellten unangenehm berührt fest, dass diese Bestie auch noch angreifen konnte. Das würde hart werde, zumal die Fangarme gerade wieder auf Inuyasha losschossen, versuchten, ihn zu erreichen. Offenbar hatte dieses Wesen nach wie vor die Absicht, ihn zu fressen, um ihre volle Energie zu bekommen. So schleuderte er ein erneutes kaze no kizu empor. Wieder gegen das schon betroffene linke Auge. Wenn er es zumindest auf einem Auge blind machen könnte, wäre es für die Halbbrüder einfacher.
Sesshoumaru hatte zwischenzeitlich festgestellt, dass sein Energieangriff an dem Panzer oder was auch immer das war, abgeprallt war. So käme er nicht durch die Verteidigung der Bestie. Somit verstand er langsam, warum das so schwierig war, dieses Wesen zu besiegen. Und er gewann eine Vorstellung davon, was mit allen Youkai und Menschen geschehen würde, würde dieses Geschöpf auf die Welt losgelassen. Inuyasha saß da unten in diesem Loch zwar fest, weil er aus irgendeinem Grund nicht aufstehen konnte, aber er hatte so die Möglichkeit, diese Bestie zu blenden. Und er nutzte sie. Sesshoumaru stellte mit gewissem Erstaunen fest, dass sein kleiner Bruder tatsächlich seinen Teil des Kampfes übernahm, so, wie er es von Shiro auch erwartet hatte und erwarten konnte. Hatte er sich wirklich so verrechnet, die beiden einzigen Wesen verachtet, die ihm bedingungslos loyal zur Seite standen...und annähernd seine Macht erreichten? In jedem Fall war es kampftaktisch wichtig, dass dieses Ungeheuer nicht Inuyasha fressen konnte, nicht voll erwachen konnte- und dass sein Bruder weiterhin angreifen konnte. Also müsste er Entlastungsangriffe starten, auch, wenn er selbst mit Tokejin nicht durch diesen Panzer kam. Aber es würde genügen, um das Monster immer wieder von dem Hanyou abzulenken, dem die Möglichkeit zu geben, weiter die Augen zu attackieren, die einzige Schwachstelle, die dieses Wesen zu haben schien.
So sprang er erneut hoch, schlug die Klinge in einem flirrenden Bogen. Sein Youki schoss wieder auf den seltsamen Fledermausflügel los, wurde aber, wie zu erwarten war, reflektiert. Während er zurücksprang, weich landete, dachte er nach. War es ihm nur so vorgekommen, oder war diesmal nicht alles zurückgeworfen worden? Dann wäre das eine zweite Möglichkeit, die Bestie der Tiefe zu schwächen. Inuyasha jagte ebenfalls gerade einen erneuten Angriff empor. Da er sich nicht von seinem Bruder zurücksetzen lassen wollte, attackierte auch der Youkaifürst wieder. Im gleichen Moment erkannten beide, dass die Bestie nicht dumm war. Sie hatte das System hinter ihren Angriffen durchschaut. Die beschädigten Fangarme schossen wieder los, diesmal allerdings nicht gegen Inuyasha, sondern gegen Sesshoumaru. Der begriff es, versuchte noch in der Luft, auszuweichen. Der eine Fangarm griff dadurch fehl, der andere traf ihn allerdings mit voller Gewalt an der linken Schulter. Unwillkürlich stöhnte der Hundeyoukai auf, als die Wucht des Aufpralls ihn rückwärts schleuderte, er am Knacken hörte, dass sein Schulterschutz, wohl auch ein Teil seiner Rüstung, geborsten war.
"Keh!" murmelte Inuyasha und schwenkte hastig Tessaiga, um wieder einen Angriff der Windnarbe zu starten, die Bestie von Sesshoumaru fernzuhalten. Er hockte hier unten in dem Loch. Hochzuspringen war im Augenblick noch immer nicht möglich und er brauchte die Hilfe seines Halbbruders. In der gleichen Sekunde sah er, dass sich der Mund der Bestie wieder öffnete. Die noch funktionsfähigen Facetten musterten ihn und er wusste, dass diesmal er den Feuerstoss abbekommen würde. Instinktiv riss er die Arme sichernd hoch, als die Flammen auf ihn zurasten. Sein Gewand aus Feuerrattenhaaren war feuerfest und schützte ihn so vor dem vollen Angriff. Dennoch sah er etwas rußgeschwärzt aus, als die Attacke vorbei war. Verdammt, dachte er. Ich sitze hier unten direkt unter ihrem Maul. Ich muss hier raus...! Er stützte sich auf Tessaiga ab, als sich etwas um seine Taille legte.
Erschrocken zuckte er zusammen, erkannte dann, dass Sesshoumaru hinter ihm war, mit ihm hochsprang. Was sollte das denn? Langsam verstand der Hanyou die Welt nicht mehr. Seit wann neigte sein älterer Bruder denn zu Hilfsaktionen? Er fühlte sich losgelassen und glitt zu Boden, da seine Beine ihm noch immer nicht so recht gehorchen wollten. Er blickte zu dem Youkai auf. Dessen Rüstung war gebrochen, hatte ihn aber wohl soweit geschützt. Aber auch sein Atem war nicht mehr so ganz ruhig. Dieser Kampf schien selbst an Sesshoumaru zu zehren.
"Das linke Auge ist schon fast zerstört. Greif weiter an!" Mit diesem Befehl sprang der ältere Bruder wieder empor, versuchte erneut, den linken Fledermausflügel anzufallen.
Inuyasha unterdrückte seinen Fluch, da er wusste, dass er Recht hatte. Tessaigas Attacken hatten es schon fast geschafft, die Bestie auf dem linken Auge zu blenden. War das erst einmal gelungen, würde die nicht mehr so gut zielen können, wie gerade eben, als sie erneut Feuer gegen Sesshoumaru spuckte, der nur durch einen Überschlag ausweichen konnte. So ließ der Hanyou erneut ein kaze no kizu los, mit aller Kraft. Er brauchte nur an die armen Menschen denken, die da oben den Hunden vorgeworfen worden waren, die armen Hunde; die diese Bestie hier gefressen hatte....und an das, was sie anrichten würde, wäre sie endgültig wach.
Beiden war klar, dass die Bestie der Tiefe noch nicht mit voller Kraft kämpfen konnte, da ihr Hinterleib noch immer in dem Puppenpanzer steckte, auch die Fledermausflügel noch nicht ausgebreitet werden konnten. Sesshoumaru überlegte kurz, seine wahre Gestalt anzunehmen, da er so mächtiger war, aber so groß die Höhle auch sein mochte: er würde sich so eher selbst behindern. Es half nicht, er müsste weiter mit Tokejin angreifen, zumal er glaubte, wahrzunehmen, dass sich in dem Fledermausflügel Risse bildeten. Hatte die Bestie keine Flügel und keine Augen mehr, gab es keine Magier mehr, war vielleicht mehr als tausend Jahre die Welt sicher.
Die dauernden Angriffe waren ermüdend, zumal außer der Tatsache, dass die Bestie nun auf einem Auge blind war, kein sichtbarer Erfolg zu erkennen war. Das rechte Auge schützte sie nun mit den verbliebenen Fangarmen, drehte auch ihren Kopf rasch weg, sobald sie Feuer gespuckt hatte. Inuyasha war inzwischen aufgestanden, obwohl er müde war, keuchte. Aber er wollte und durfte nicht nachlassen. Die Erinnerung an diese Menschenfamilie war genug Motivation. Er ließ erneut die Windenergie los, rutschte aber ein wenig auf dem Höhlenboden aus, da er in eine Blutlache getreten war. Das kaze no kizu lief nicht gegen das rechte Auge der Bestie, wie es geplant war, sondern mehr nach links- Richtung Sesshoumaru. Dieser witterte sofort, was da seitlich auf ihn zukam und fuhr herum, riss den Schwertarm hoch. Tokejins Energie prallte direkt auf die Tessaigas. Für einen Moment schienen sie sich aufzuheben, ehe beide miteinander verschmolzen und in die Höhe fuhren- auf die Bestie zu. Die Brüder konnten nur zusehen, als der gemeinsame Angriff auf die Schulter des Wesens traf. Es gab ein helles Aufleuchten, dann fiel der Flügel hinunter. Der Hundeyoukai sprang gerade noch zurück.
Normalerweise hätte er seinen jüngeren Bruder für diesen missglückten Angriff zur Rechenschaft gezogen. Das war haarscharf gewesen. Aber nun hatten sie dadurch einen Weg gefunden, diese Bestie ein für alle Mal zu erledigen. Er drehte sich um. Inuyashas Ohren zuckten, verrieten seine Nervosität. Er wusste, was Sesshoumaru von solch einem Fehler hielt.
"So geht es." Der Youkaifürst kam neben den Hanyou: "Wir müssen die Energien vereinen. - Wenn du noch welche hast."
"Keh!" Inuyasha hob sein Schwert: "Ich sehe wohl noch besser aus, als du."
Das stimmte nur bedingt, sahen beide doch schon mitgenommen aus, bei beiden war der Atem schwer geworden. Aber beide wollten nicht aufgeben. Die Bestie der Tiefe spürte, dass sich da unten erneut Unheil zusammenbraute und sah zu ihren Gegnern, öffnete wieder den Mund, um Feuer zu speien. Noch hatte sie genug Energie dafür. Die Brüder sprangen auseinander, um dem Strahl zu entgehen, wendeten aber noch in der Landung. Der gemeinsame Angriff erfolgte seltsam koordiniert, als hätten sie es schon hundertmal geübt. Die Energiewelle, die auf die Bestie zuraste, war so groß, dass diese etwas wie einen schrillen Schrei von sich gab.
Als das Licht erlosch, starrten die beiden nach oben.
"Sie ist weg...?" brachte Inuyasha hervor.
"Nein. Sie hat sich nur drastisch verkleinert." Sesshoumaru konnte in der Schwärze über ihnen noch etwas erkennen: "So muss es auch vor tausend Jahren gewesen sein."
"Vater war hier und hat gegen die Bestie gekämpft."
"Und Großvater. - Darum brauchten die Magier tausend Jahre um sie wieder zu ihrer Größe zu bringen. Aber diesmal wird sie niemand mehr füttern. - Komm."
"Wohin?" Aber Inuyasha folgte seinem großen Bruder, der sein Schwert weg schob. Der Hanyou behielt Tessaiga in der Hand, stützte sich beim Treppensteigen immer wieder darauf ab.
Normalerweise hätte Sesshoumaru eine Bemerkung dazu gemacht, eines der mächtigsten Schwerter der Welt als Stock zu benutzen. Aber er musste sich selbst ab und an an der Höhlenwand abstützen. Sein Youki war ziemlich niedrig geworden. Mit leisem Unbehagen wurde ihm klar, dass er für Shiro nicht gerade eine Hilfe wäre, wenn sie oben ankämen. Aber die Youkaiprinzessin musste ihren Teil gut erledigt haben. Kein einziger Magier war bislang in diesen Höhlen aufgetaucht.
Der Weg nach oben, in den Tempel, schien den beiden endlos zu dauern. Dort empfing sie Schweigen. Da war kein Kampfgeräusch zu hören, kein Youki zu erspüren. Ohne sich umzusehen ging Sesshoumaru zu dem Säulengang vor dem Tempel. Inuyasha folgte ihm, ohne zu fragen. Beide starrten auf das Bild, das sich ihnen bot. Rechter Hand war eine Kammer, in der wohl ein seltsamer Mechanismus verborgen gewesen war. Zwei Magier lagen tot darin, der Mechanismus war zerstört. Links war ein anderes der Ordensmitglieder, Shiros Schwert im Leib. Sie selbst lag in der Mitte, das Gesicht nach unten, regungslos. Ein Blick hinaus verriet, dass die Treppe mit Magier übersät war. Kein einziger war entkommen.
"Shiro?!" Inuyasha war mehr als überrascht, hatte er doch nie damit gerechnet, dass sein Bruder in Begleitung gekommen war- und dann auch noch in dieser. Er wankte mehr als er ging, zu der Youkaiprinzessin, ließ sich neben ihr auf die Knie nieder und drehte sie vorsichtig um. "Shiro? Was ist hier nur geschehen. - Wach auf."
Sesshoumaru warf noch einmal einen Blick herum, als er erriet, was sich hier für ein Drama abgespielt haben musste, ehe er herankam, die Hand an den Schwertgriff legt.
Inuyasha sah auf- und begriff: "Tensaiga? - Sie ist tot?" Das konnte doch nicht wahr sein? Was war denn auf einmal mit den Youkai los? Sein Halbbruder kam, rettete ihn- und das mit seiner ungeliebten Braut, die offenkundig bei der Befreiungsaktion ihr Leben riskiert hatte.
"Ja. - Und Tensaiga nutzt hier nichts." Er konnte das Pulsieren des Schwertes nicht spüren, also konnte es ihm hier nicht helfen.
"Aber warum?" Der Hanyou hielt Shiro noch immer im Arm. "Ist es, weil Tensaiga das Leben der Schwachen schützt? Ist sie zu stark dafür?"
Sesshoumaru ließ sich auf ein Knie nieder, betrachtete seine Braut: "Sie hat erschöpfend gekämpft. Irgendwann am Schluss wollte der Magier links an ihr vorbei. Sie hatte nicht mehr genug Youki, um ihr Schwert zu aktivieren. So hat sie es wohl geworfen, um ihn zu töten. Im gleichen Moment muss sie bemerkt haben, dass es eine Falle war, auf der anderen Seite die beiden in die verborgene Kammer liefen, um irgendeinen Mechanismus zu aktivieren. Ich vermute, sie hatte nicht die Kraft mehr, aufzustehen. So hat sie alles Youki, das sie noch hatte, in einen Energieball gesteckt und die Kammer explodieren lassen. - Tensaiga könnte ihre Seele zurückbringen. Aber sie würde den Körper sofort wieder verlassen. Ohne Youki kann kein Youkai existieren."
Das war vermutlich die längste Rede, die Inuyasha je von seinem Halbbruder gehört hatte. Aber er fragte doch: "Kann man denn gar nichts tun um sie doch noch zu retten? Es muss doch etwas geben! - Alles Youki? Ich hätte nicht gedacht, dass das möglich ist. Etwas bleibt doch immer..."
"Man braucht dafür sehr große Selbstbeherrschung und einen starken Willen." Und das hattest du, dachte er. Es tut mir leid, Shiro. Ich habe dich nicht beschützt.
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Bevor mir jemand Drohungen schickt:
das nächste Kapitel heisst: Shiro.
bye
hotep
Shiro
Es freut mich, dass Shiro so euer Mitgefühl hat.
Aber, wie ich schon mal sagte, ich habe eine Schwäche für happyends.Und einige von euch wissen ja schon, dass ich gern ein paar überraschende Wendungen einbaue...
Viel Spass beim Lesen!
12. Shiro
Die Youkaiprinzessin hatte sich der Menge der vermummten Gestalten zugewandt, die die Treppe hinaufgestürzt kamen, und ihr Schwert gezogen. Sie schätzte, dass es sicher noch an die 300 Magier sein mussten, auch, wenn sie im Vorbeilaufen schon so viele wie möglich getötet hatten. Sesshoumaru hatte Recht. Niemand dieser Menschen durfte überleben. Wer wüsste schon, ob es in tausend Jahren noch einmal zwei so starke Youkai geben würde, von den vielen Opfern, die sie dazwischen bringen würden, ganz zu schweigen. Niemand durfte diese Riten mehr durchführen, niemand mehr wissen, wie man die Bestie der Tiefe erwecken würde.
Es waren viele Gegner und Shiro fasste unwillkürlich ihr Schwert mit beiden Händen. Zum Glück behinderten sie sich auf der Treppe gegenseitig. Und die obersten griffen schon mit erhobenen Händen an, schickten das seltsame Youki in Richtung der Hundeyoukai. Sie spürte schmerzhaft die Treffer, wo sie nicht ihre Rüstung schützte, aber sie musste warten, bis der große Angriff kam, um ihn zurückzuwerfen. Erst, als sie sah, dass sicher an die zweihundert Ordensmitglieder Youki gegen sie sandten, schwang sie ihre Klinge in einem Kreis, reflektierte die Energie so, und schickte sie gegen die Magier zurück. Sie hatte ihr volles Youki eingesetzt und sah mit gewisser Befriedigung, wie die vermummten Gestalten reihenweise zu Boden gingen. Aber dann merkte sie, dass sie einen Fehler gemacht hatte. Weitere Angriffe dürfte sie nicht so mit vollem Einsatz zurückschicken. Diese Art der Verteidigung kostete sie viel Kraft und sie würde sie einteilen müssen. Dazu waren es zu viele Gegner und das Youki war bemerkenswert; es würde außerdem selbst sie verletzen können, wenn sie zu viele Treffer erzielen konnten.
Shiro war eine Youkai, ein Wesen, für das das Spüren und der Umgang mit magischer Energie selbstverständlich zum Leben dazugehörten. Aber der nun entstehende Kampf aus wutentbrannt gegen sie geschleudertem Youki, ihrer eigenen Abwehr- und damit Gegenattacke- brachte sie an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit.
Immer wieder verteidigte sie sich ohne langes Nachdenken, immer wieder kamen vereinzelte Angriffe durch ihren Schutzschild, brannten Löcher in ihre Kleidung, schwärzten ihre Rüstung an der Aufprallstelle. Sie hatte schon am ganzen Körper solche Treffer davongetragen. Aber sie fühlte keinen Schmerz mehr, besessen davon, ihre Aufgabe zu erfüllen, dass niemand dieser Magier an ihr vorbeikam, niemand Sesshoumaru in den Rücken gelangen konnte. Ihr Zeitgefühl war ebenfalls schon lange verloren gegangen.
Auf einmal hörten die Angriffe auf. Fast ein wenig verwirrt ließ Shiro ihr Schwert sinken, versuchte, herauszufinden, was nun los war. Sie spürte jetzt auch, wie viel ihrer eigenen Energie schon eingebüßt worden war, wie schwer sich ihr Schwertarm anfühlte. Es mochten noch um die fünfzig Magier sein, die sich nun in einer Gruppe zusammendrängten, offenkundig beratschlagten. Sie hätte sie leicht attackieren können, aber sie wagte es nicht. Ihre Energie war deutlich gesunken und sie konnte sich keine Verschwendung mehr leisten. Sie musste den nächsten Angriff abwarten, ihn wieder reflektieren, versuchen, möglichst viele ihrer Gegner ins Jenseits zu befördern. Und ihr war klar, dass der wilde Zorn, der die Magier blind in ihre Gegenangriffe hatte laufen lassen, nun vorbei war. Jetzt würden sie in koordinierte Absprache angreifen, alle gemeinsam versuchen, ihre Abwehr zu überwinden. "Sie haben es verstanden", dachte sie: "Was für ein Desaster. Und ich bin schon müde..." Aber aufgeben kam nicht in Frage. Es war ihre Pflicht, dafür zu sorgen, dass niemand den Tempel betrat und sie würde sie erfüllen. Sie hob ihre Klinge, bereit, einen erneuten Kreis aus Youki zu ziehen. Ihr Schwert fühlte sich schwerer an als gewohnt, und ihr wurde klar, dass sie sich dem Rand der Erschöpfung näherte. Ihr Youki war schon sehr niedrig geworden. Viele Angriffe würde sie nicht mehr überstehen. Es gab nur noch diesen einen, mächtigen, und sie musste so viele ihrer Gegner töten, wie es nur ging. Danach würde sie vermutlich praktisch keine Energie mehr besitzen. Und der Kampf dann....
Sie schob diesen Gedanken weg. Sesshoumaru verließ sich auf sie und er sollte nicht sagen können, sie sei zu schwach gewesen, sich ihren Gegnern zu stellen, unfähig, ihren Teil des Kampfes zu übernehmen. Egal, was es sie kosten mochte, sie musste ihre Pflicht erfüllen.
Die Magier hatten sich formiert. Eine scheinbar riesige Menge aus Youki kam auf die Youkaiprinzessin losgeschossen, gewiss soviel, wie sie es von einem starken Youkai kannte. Wären die Bestienverehrer noch nicht ebenfalls müde gewesen, hätte sie ein ernstes Problem bekommen. Auch so benötigte sie praktisch alle Energie, die sie noch auftreiben konnte, als sie ihren Abwehrkreis zog, das Youki zu den Angreifern zurückschickte.
Mit einem leisen Aufstöhnen ging sie auf ein Knie nieder. Das war es, dachte sie...ich kann nicht mehr. Fast zögernd blickte sie zu der Treppe. Vor ihren Augen schien alles zu verschwimmen, aber sie erkannte, dass dort nur noch regungslose Gestalten lagen. Hatte sie es doch geschafft? Im gleichen Moment bemerkte sie einen Schatten rechts von sich. Einer der Magier lebte noch, wollte an ihr vorbei. Nein! schrie sie innerlich auf. Das durfte nicht passieren. Aber sie hatte praktisch keine Energie mehr, um ihn anzugreifen, ihre Klinge damit aufzuladen. Ohne weiter nachzudenken, warf sie das Schwert.
Sie sah noch, wie der Vermummte zu Boden ging, ehe sie sich vorbeugen musste, sich mit einer Hand abstützte, müde, wie nie zuvor in ihrem Leben. Selbst ihre Nase schien nicht mehr zu funktionieren, ihr Gefühl für Youki war schon lange erstorben. Aber sie hatte es wohl geschafft, ihren Auftrag erfüllt. Im gleichen Moment hörte sie einen Laut hinter sich. Ein Mensch hätte ihn nie wahrgenommen, aber die Ohren von Hundeyoukai waren deutlich besser.
Entsetzt wandte sie den Kopf, sah die Katastrophe.
Der Mann, den sie gerade mit dem Schwert getötet hatte, hatte sie nur ablenken sollen, im Schutz des letzten großen Youki-Angriffs. Zwei andere waren links an ihr vorbeigekommen, hatten eine vorher nicht sichtbare Tür geöffnet. Obwohl Shiro das Bild vor Augen verschwamm, erkannte sie einen Raum, in dem sich ein großer Mechanismus befand, Hebel, Zahnräder. Die beiden vermummten Gestalten begannen, irgendetwas auszulösen. Der Youkaiprinzessin wurde klar, das alles vergeblich gewesen war, wenn diese zwei mit ihrem Plan durchkamen. Irgendetwas wurde dort ausgelöst, und sie brauchte nicht nachzudenken, dass es etwas war, das Sesshoumaru an seiner Mission hindern sollte. Aber was konnte, was sollte sie nur tun? Sie hatte nicht einmal mehr die Kraft aufzustehen, geschweige denn, sich rasch ihr Schwert zu holen. Sie durfte doch nicht versagen, sie musste ihren Auftrag erfüllen, ihre Pflicht tun...
Es gab nur noch eine einzige Möglichkeit. Sie schloss die Augen, als sie die Linke hob, sich auf das letzte Youki konzentrierte, das sich in ihr befand. An ihrer Hand entstand eine Kugel aus reiner Energie. Shiro stöhnte auf, als ein Schmerz sie durchfuhr, wie sie ihn noch nie erlebt hatte. Mühsam öffnete sie wieder die Augen, versuchte, die Energie noch zu lenken. Unwillkürlich schrie sie auf, als ihr Wille, ihre Entschlossenheit alles Youki, das sie noch besaß, in diese Kammer schickte, und sie gemeinsam mit dieser Energie auch ihre Seele verließ.
Weit entfernt im Süden saß der Youkaifürst auf seinem Hocker. Neben ihm kniete ein Mensch, der ihm gerade einen Brief vortrug. Akamaru hörte konzentriert zu, als er plötzlich ein vertrautes Youki spürte, das seines berührte. Shiro? Dachte er überrascht. Die Zwillinge waren seit ihrer Geburt eng miteinander verbunden. Aber nie zuvor hatte er seine Schwester über eine solche Distanz wahrgenommen. Und dann fühlte er etwas, das er noch nie empfunden hatte. Es war, als höre er einen wortlosen Schrei in furchtbarer Todesqual. Nee-chan! Dachte er und sprang auf. Liebe, große Schwester!
Der menschliche Mann neben ihm zuckte ebenso zusammen, wie die anderen im Raum, als der Hundeyoukai sich plötzlich in eine Kugel aus reiner Energie verwandelte und schnurstracks zur Decke hinaus flog.
Ein wenig verwirrt starrten alle auf das Loch, das da nun war, ehe einer der Youkai meinte: "Es muss eine sehr schlechte Nachricht gewesen sein, die er da bekam..."
Auf der Plattform des Tempels knieten Inuyasha und Sesshoumaru noch immer neben Shiro. Der Hanyou betrachtete sie: "Wenn sie Youki braucht, damit du Tensaiga einsetzen kannst...Kannst du ihr nicht von deinem abgeben?"
"Nein." Dem Youkaifürsten war klar, dass er selbst schon zu wenig hatte, um davon genügend abgeben zu können. Und bis er sich regeneriert haben würde, könnte wohl auch Tensaiga ihre Seele nicht mehr zurückholen.
Ein wenig verwirrt sah er, wie sein Bruder mühsam aufstand. War der etwa schon wieder so erholt? Aber Inuyasha wankte etwas, als er wortlos zur Treppe ging, die Stufe dort hinunterschlich, bemüht, den Toten aus dem Weg zu gehen. Sesshoumaru starrte ihm nach. Wollte er ihn jetzt verlassen? War er etwa auch der Meinung, dass er Shiro nicht allein hätte hier lassen sollen? Zu diesem Ergebnis war er ja schon selbst gelangt. Es war seine Schuld, dass sie tot war, allein seine. Sie hatte diese ganze Reise über getan, was immer er von ihr verlangt hatte, was immer sie gekonnt hatte. Und als er von ihr das Unmögliche gefordert hatte, hatte sie auch dies getan, ohne Rücksicht auf den Preis, den sie das kosten würde.
Er sah auf, erkannte, dass Inuyasha unten auf dem Dorfplatz etwas Rotes besorgt hatte, nun zurückkehrte. Wenigstens wandte der eigene Bruder ihm nicht den Rücken zu. Aber was hatte er da geholt?
Es dauerte, bis der erschöpfte Hanyou wieder oben war. Keuchend ließ er sich auf die Knie fallen: "Hier...Da drin ist Youki. Dieser Oberpriester sagte zu mir, da drin sei das Youki, das sie verwenden. Sie waren nur Menschen, aber sie tranken das hier wohl einmal im Jahr, um auch Youki zu haben...Vielleicht hilft das dann doch auch ihr?"
"Youki?" Jetzt verstand Sesshoumaru: "Und sie haben es heute verteilt. Darum waren sie heute so viel stärker als gestern. Nun, einen Versuch ist es wert."
"Wie bekommen wir das Youki aus diesem Stein in Shiro?"
"Stelle es ihr auf den Bauch." Mühsam erhob sich Sesshoumaru. Er musste sich sogar mit der Hand abstützen, was ihm etwas unangenehm, um nicht zu sagen peinlich war. Während Inuyasha gehorchte, zog sein älterer Bruder Tensaiga. Diesmal pulsierte es. Vielleicht konnte es wirklich so funktionieren. Er zog ein wenig die Augen zusammen, als er die Wesen aus der anderen Welt entdeckte und hob das Schwert. Mit einem Schlag zertrümmerte er den Stein und zerteilte die Wesen aus dem Jenseits.
Shiros Körper zuckte leicht. Aber sie öffnete weder die Augen, noch bewegte sie sich. Prüfend beugte sich Inuyasha über sie. Für einen Augenblick wollte er das Ohr an ihre Brust legen, ehe ihm einfiel, dass das Sesshoumaru vielleicht nicht so gern sehen würde. So lauschte er aus gewisser Distanz: "Ihr Herz schlägt...." Er richtete sich auf: "Sie lebt wieder! Aber anscheinend ist sie noch zu matt zum aufwachen. Ich wusste gar nicht, dass Youkai in Ohnmacht fallen können."
"Sie schläft eher, Dummkopf." Das Schwert wanderte wieder in die Scheide. Seine Erleichterung nach außen verbergend, setzte sich der Youkai wieder neben Shiro.
Eine große Menge Youki war zu spüren und die Brüder blickten alarmiert auf. Wer immer dort sich näherte, war stark- und sie waren beide noch zu erschöpft für einen neuen Kampf. Mit gewisser Überraschung, aber auch Erleichterung, erkannten sie Akamaru, der kurz vor ihnen sich in Menschengestalt zurückverwandelte, entsetzt die Szene betrachtete. Die beiden Brüder vom Westclan offenkundig erschöpft, der ältere mit zerbrochner Rüstung, seine eigene Zwillingsschwester regungslos zwischen sich auf dem Boden.
"Nee-chan! - Und ihr...Habt ihr gekämpft?"
"Manno..." stöhnte Inuyasha: "Das kann man wohl sagen. Sieh dich mal um."
"Was ist mit ihr?" Der besorgte Zwillingsbruder ließ sich auf die Knie nieder: "Nee-chan!"
"Sie lebt." Sesshoumaru klang ruhig.
Akamaru betrachtete seine Schwester: "Sie schläft...obwohl sie nicht sehr verletzt ist." Er sah auf: "Was ist passiert?" Es war eigentlich eine höfliche Frage. Plötzlich zuckte er zusammen, witterte, ehe er merklich nachdrücklicher sagte: "Was ist hier mit ihr geschehen?"
"Sie hatte im Kampf ihr komplettes Youki verbraucht", erklärte Inuyasha hilfsbereit. "Deswegen war sie tot. Tensaiga, Sesshoumarus Schwert, kann die Seele zurückholen. Und damit das ging, brauchten wir Youki. Ohne Youki keine Youkai."
"Das ist mir klar, aber..." Akamaru starrte wieder auf seine Schwester, zog sie etwas hoch: "Nee-chan?"
Keine Antwort.
Wieder witterte er, ehe er fast tonlos sagte: "Was habt ihr..." Er schluckte das Wort Idioten gerade noch hinunter: "Nur getan?!"
"Wieso?" fragte Inuyasha verwirrt: "Wir haben versucht, deine Schwester wieder zu beleben. Sag bloß, dass dich das stört."
"Wenn es das nur wäre..." Der Youkaifürst des Südclans sah ein wenig empor, begegnete Sesshoumarus Blick: "Du müsstest es doch spüren."
Der schüttelte leicht den Kopf: "Ich weiß nicht, was du meinst."
"Ihr habt ihr einfach ein anderes Youki gegeben!"
"Ja, aber nur als ...Anfang, damit ihre Seele wieder da ist." Der Hanyou sah immer verwirrter zu Akamaru: "Jetzt sag schon, was los ist!"
Dieser überlegte kurz, dass er sich von niemandem derart herumkommandieren lassen würde, als von Inuyasha. Aber dieser hatte ihm zweimal das Leben gerettet bzw. geschenkt. Und etwas anderes war viel wichtiger. So blickte er erneut zu Sesshoumaru: "Du warst mit ihr tagelang zusammen und spürst es nicht?"
Ein leichtes Zusammenziehen der Augen verriet die Verärgerung. Aber Sesshoumaru war sich nur zu bewusst, dass weder er noch sein Bruder im Moment sonderlich kampffähig waren- und Akamaru im Vollbesitz seiner Kräfte war. Außerdem machte der sich nur Sorgen um seine Zwillingsschwester. So prüfte auch er das Youki- und erstarrte. Jetzt begriff er und er wusste, dass sie einen noch größeren Fehler gemacht hatten, als Akamaru bereits vermutete. "Inuyasha!"
"Was ist denn?" fragte der leicht verärgert: "Hallo! Würden die Herren Youkai vielleicht auch einem Hanyou sagen, was hier los ist?"
"Ihr habt ihr ein sehr starkes Youki gegeben", seufzte Akamaru, dem nun klar war, dass sie es nicht mit Absicht so getan hatten. "Und das wehrt sich nun gegen die Seele meiner großen Schwester. Wenn ihre Seele gewinnt, kann sie auf die Quelle ihres eigenen Youki zugreifen. Dann habt ihr ihr so das Leben gerettet. Aber gewinnt das Youki, das ihr ihr gegeben habt, wird ihre Seele ausgelöscht und das Youki wird eine neue Seele in ihrem Körper erschaffen."
"Hä?" machte Inuyasha etwas verständnislos: "Seele gegen Youki? Ich dachte immer, das ist eine Einheit, wenn man ein Youkai ist."
"Wenn man kein fremdes Youki bekommt!" In Akamarus Stimme lag deutliche Verärgerung, eindeutig mehr, als es der Selbstbeherrschung eines Youkaifürsten ziemte.
"Das Ganze ist noch schlimmer, als du denkst, Akamaru." Sesshoumarus gepresster Satz bewirkte, dass ihn die anderen beiden sofort alarmiert anguckten. So fuhr er fort: "Es ist nicht nur das Youki eines starken Youkai. Es ist das Youki der Bestie der Tiefe."
Ein Beobachter hätte das einmalige Erlebnis gehabt, zwei Youkaifürsten und einen äußerst starken Hanyou sich gegenseitig in fassungslosem Entsetzen anstarren zu sehen.
"Soll das heißen", brachte Inuyasha endlich hervor: "Wenn Shiros Seele stark ist, ist alles in Ordnung. Gewinnt aber das Youki, wird die Seele der Bestie der Tiefe..."
"In Shiros Körper auferstehen." Akamaru zog seine Schwester wieder etwas empor, betrachtete sie in offenkundiger Verzweiflung: "Und nach allem, was mir die Berggöttin des Berges Halel erzählte, darf diese Bestie nie aufwachen."
"Wirklich nicht." Der Hanyou musste nur wenig zurückdenken: "Sie wollte mir lebendig das Herz rausschneiden." Er schauderte etwas, ehe er fast vorsichtig zu seinem älteren Bruder blickte. In Sesshoumarus Augen lag etwas, das er noch nie gesehen hatte, eine ganze Welt aus Gefühlen. Etwas wie Mitleid, Fassungslosigkeit und noch etwas, das er nicht deuten konnte. So meinte er fast behutsam: "Was sollen wir jetzt nur machen? Was können wir tun, um ihr zu helfen?"
"Ich hoffe für dich, dass du keine Ahnung hattest, dass das Youki der Bestie der Tiefe war." In der Stimme seines Halbbruders lag eine Kälte, die selbst Inuyasha noch nie gehört hatte.
Für einen Moment war er echt sprachlos. Seit wann zeigte der Hundeyoukai denn etwas wie Gefühle? Und dann auch noch wegen eines Mädchens, das er als seine Braut zurückgewiesen hatte? Zu allem Überfluss fiel ihm jetzt ein, dass dieser Hohepriester etwas davon gesagt hatte, sie würden sich das Youki der Bestie der Tiefe leihen, aber er hatte da nicht weiter überlegt oder nachgedacht. So fauchte er postwendend zu seiner Verteidigung: "Ehrlich, irgendwie hatte ich heute Vormittag schon ein bisschen was anderes zu tun, als ehrfürchtig diesen Mistkerlen zuzuhören!"
Sesshoumaru erhob sich noch ein wenig mühsam. Aber er sah ins Nichts. Er war der Ranghöchste hier und er musste die Entscheidung treffen. "Die Bestie der Tiefe darf nicht erwachen, da sind wir uns einig. - Akamaru, du hast noch dein volles Youki. Nimm Shiro und Inuyasha und bringe sie in das Dorf, in dem Inuyasha für gewöhnlich lebt. Dort werdet ihr gewiss auch diesen Mönch mit dem Kazaana treffen. Bewacht Shiro. Wenn sie als sie selbst erwacht, ist es gut. Erwacht aber die Bestie der Tiefe, so wird es euch zu dritt gelingen, sie zu töten."
Akamaru blickte zu ihm auf. Er wusste, dass das die einzige Möglichkeit war, wenigstens abzuwarten, ob Shiros Seele gewinnen könnte. Ansonsten hätten sie sie hier sofort töten müssen, denn ganz offenkundig war davon auszugehen, dass er allein- und die beiden in nicht regeneriertem Zustand- niemals gegen die Bestie ankommen würden. Er fasste Shiro und stand mit ihr in den Armen auf: "Du hast recht." Seine Stimme klang wieder gleichmütig. Nun gab es ein wenig Hoffnung: "Ich werde Inuyasha-sama und nee-chan in dieses Dorf bringen." Er wollte nicht fragen, was der Herr der westlichen Länder vorhatte. Neugier ziemte sich nicht gegenüber und für einen Youkaifürsten.
Inuyasha hatte da weniger Etikettesorgen: "Und was willst du tun, großer Bruder?" fragte er, während er aufstand.
Ich werde ihr helfen, diesen Kampf zu gewinnen, dachte Sesshoumaru, aber er schwieg.
"Keh", machte sein jüngerer Bruder ein wenig beleidigt, sah aber zu Akamaru: "Wie willst du mich auch noch tragen?"
"Gar nicht. Ich erschaffe ein Dimensionsportal. Du kannst mit mir zusammen durchgehen. Dann werden wir in deinem Dorf ankommen." Akamaru wandte sich ein wenig um. Vor ihm erschien etwas wie dunkle, bewegte Luft. Er ging hindurch und Inuyasha folgte ihm, nicht, ohne noch einen Blick auf seinen Bruder zu werfen. Aber der starrte geradeaus ins Nichts.
In dem kleinen Dorf herrschte tiefer Frieden. So besorgt Inuyashas Freunde auch waren, so hofften sie doch, dass es zwei so starken Youkai gelingen würde, ihn da rauszuholen. Kagome und Sango saßen mit der Priesterin des Dorfes, der altern Kaede, auf der Plattform von deren Hütte und beobachteten Shippou und Rin, die gemeinsam mit Stiften zeichneten, die Kagome aus ihrer Zeit mitgebracht hatte. Sogar Jaken lehnte, wenn auch etwas abseits da und guckte zu. Er war froh, dass Rin sich ohne ihn beschäftigte, mit Shippou spielte und malte- und dass er nicht allein die Verantwortung für sie trug. Miroku stand ein wenig abseits und hörte zu, fuhr jedoch plötzlich herum, als er das Youki eines sehr starken Youkai spüren konnte. Auch Sango, die Dämonenjägerin, Kaede und Kagome, die es ebenfalls fühlen konnten, standen auf.
Verblüfft erkannten sie den Herrn des Südens...und die regungslose Gestalt, die er in den Armen trug. "Akamaru?! Shiro?"
Und dann schrie Kagome auf: "Inuyasha!" Sie raste förmlich los, dem Hanyou mehr oder weniger in die Arme: "Bin ich froh! Ich habe mir solche Sorgen gemacht!"
"Na ja...Sesshoumaru hat mich sozusagen aus dem Kessel geholt, als er schon über dem Feuer hing..." Inuyasha sah kurz auf sie, wandte sich dann an Kaede: "He, Hexe, kann Akamaru Shiro irgendwo hinlegen? Sie muss sich erholen."
"Shiro-hime sieht ohnmächtig aus", meinte Sango besorgt: "Und wo ist Sesshoumaru?"
Die Menschen schwiegen, plötzlich betroffen. Wie hoch war der Preis gewesen, den die beiden Youkai für Inuyashas Rettung bezahlt hatten?
Rin kam heran: "Wo ist Sesshoumaru-sama?" In ihren Augen glitzerte es verdächtig.
"Er kommt wohl später", sage Inuyasha daher hastig. Er konnte es nicht ertragen, jemanden weinen zu sehen: "Shiro ist übler dran."
Kaede kannte die Youkaizwillinge nur aus den Erzählungen der anderen, aber sie wusste nicht nur von daher, dass ein starker Youkaifürst vor ihr stand: "Komm, Akamaru-sama. Du kannst deine Schwester in meine Hütte bringen." Sie ging voran, zog hastig Decken hervor: "Hier. Und vielleicht könntet ihr uns dann erzählen, was geschehen ist."
Akamaru legte seine Schwester vorsichtig ab, deckte sie zu, ehe er aufsah: "Inuyasha-sama..."
"Ja, klar, ich erzähle, zumindest, soweit ich das mitgekriegt habe. - Rin, hör auf! Ich sage doch Sesshoumaru kommt noch. Er wollte noch irgendetwas erledigen, hat aber natürlich UNS nicht gesagt, was."
"Du hast es doch gehört." Kagome legte den Arm um die Kleine: "Und jetzt geh mit Shippou weitermalen. Du möchtest Sesshoumaru doch kein verweintes Gesicht zeigen, wenn er kommt."
Das war ein Argument, das die Kleine einsah. Und ihre Ängste waren beseitigt. So lief sie hinaus. Die Älteren setzten sich um die regungslose Youkaiprinzessin und Inuyasha begann, zu erzählen, so gut er es konnte.
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Was Sesshoumaru vorhat, um ihr zu helfen?
Nun, das nächste Kapitel heisst: Das Land der Seele.
Wer so nett ist und mir einen Kommentar hinterlässt, dem schicke ich auch eine ENS, wenn ich sehe, dass das Kapitel freigeschaltet ist.
bye
hotep
Das Land der Seele
Hallo,
danke für eure Kommis!
Es freut mich, dass euch auch diese Wendung so gefallen hat.
Sesshoumaru hat also eine Idee, wie man Shiro helfen könnte....
13. Das Land der Seele
Sesshoumaru starrte eine Weile ins Nichts, versuchte, sich zu regenerieren, soviel Youki wie möglich zu erschaffen. Er sah im Augenblick bloß eine einzige Möglichkeit, auch nur zu versuchen, Shiro bei diesem Kampf um ihre Seele, um ihr Leben zu helfen, kannte er doch ein einziges Lebewesen, das er in dieser Situation um Rat fragen konnte. Und sie sollte nicht noch einmal allein einen Kampf um ihr Leben führen müssen.
Als er spürte, dass es gehen müsste, erschuf auch er ein Dimensionsportal und verließ die Insel der Magier, die nun zu einer Insel der Toten geworden war.
Als er an seinem Ziel ankam, fühlte er sich schon wieder reichlich müde. Er zuckte innerlich die Schultern: er fühlte sich fertig, erschöpft? Was sollte dann erst Shiro sagen?
Er sah sich um. Vor ihm war das Felsplateau, zu dem er gewollt hatte. Immerhin hatte er es bis hierher geschafft. Das seltsame Wesen dort hatte sein Kommen gespürt und blickte nun zu ihm. Die Berggöttin von Halel musterte ihn, als habe sie ihn noch nie gesehen, als er zu ihr kam, sich ohne weitere Anrede auf dem Stein vor ihr niedersinken ließ, auf dem jeder Youkaifürst zu Beginn seiner Herrschaft um ihren Rat fragte.
Ihr Unterleib war mit ihrem Berg verschmolzen. Oben schien sie fast menschlich zu sein. Ihr Gesicht war unbewegt, als sie meinte: "Für gewöhnlich besuchen mich Youkaifürsten in anständiger Kleidung!" Sie bezog sich auf seine gesplitterte Rüstung. "Und ich erinnere mich, dir deine Frage schon beantwortet zu haben, Sesshoumaru."
"Du weißt, was geschehen ist." Das war eine Feststellung. Ein wenig besorgt spürte er, wie sehr allein dieser Dimensionstunnel sein Youki wieder reduziert hatte.
"Der Spiegelsee im Inneren meines Berges, den mir einst der Gott der Zeit schenkte, zeigt mir, was ich will. - Ich muss euch wohl gratulieren. Ihr habt der Bestie der Tiefe eine zweite Möglichkeit gegeben." Sie klang verärgert.
Zu Recht, gab Sesshoumaru zu. Sie hatte Akamaru gewarnt, der hatte die Warnung weitergegeben. Sie hatte alles ihr mögliche getan, das Erwachen dieser Bestie zu verhindern.
Die Berggöttin musterte ihn: "Und jetzt willst du wieder einen Rat von mir? Ich beantworte niemandem zwei Fragen, das solltest du wissen."
"Ich will nicht für mich fragen."
Diese ruhige Antwort bewog die Berggöttin, ihn genauer zu betrachten. Er wirkte kühl wie eh und je, wenn auch noch müde nach einem harten Kampf. Aber war da nicht etwas, das er nicht gehabt hatte, als er nach dem Tode seines Vaters hier gewesen war? "Nun", meinte sie daher: "Ich höre."
"Du weißt sicher, wie man Shiro helfen kann, den Kampf um ihre Seele zu gewinnen."
"Du willst ihr helfen?" Das klang fast ungläubig.
"Ich pflege niemanden im Stich zu lassen, der in Erfüllung meines Auftrags zu Tode kam."
Das war wahr, gab sich die Berggöttin zu, die schon fast an etwas wie romantische Gefühle gedacht hatte. Aber sie meinte nur: "Shiro...das ist schwierig. Ich werde in meinem See nachsehen." Sie schloss die Augen.
Sesshoumaru wartete geduldig, während er sein Youki erneuerte, spürte, wie langsam wieder Kraft in ihn floss.
Die Berggöttin sah ihn an: "Wie weit würdest du gehen, um ihr zu helfen?"
"Soweit, wie es nötig ist."
"Dein Youki ist noch nicht voll wieder da. Dennoch: Komm zu mir und lege deine Hand an meinen Körper."
Er stand auf, kam zu ihr. Ein wenig zaudernd legte er die Hand an ihre bloße Schulter, hörte, wie sie unwillkürlich kicherte:
"Du weißt doch, dass mein Körper nur eine Illusion ist. Komm mit mir."
Einen Augenblick war er verwirrt, dann spürte er, wie ihn eine fremdartige Magie umfasste, mit sich nahm. Aber er war neugierig genug, sich nicht zu wehren. Wohin brachte ihn die Berggöttin? Das erkannte er praktisch sofort. Er stand in einer Höhle, tief im Berg. Das vor ihm musste der Spiegelsee sein.
"Geh an das Ufer meines Sees." Die Stimme der Göttin schien von überall zu kommen.
Er gehorchte wieder, trat an das Ufer. Das Wasser war schwarz und glänzend, schien Bilder zu reflektieren.
Irritiert starrte er auf die Vision, die sich ihm bot. Solch eine Landschaft hatte er noch nie gesehen, obwohl sie seltsam vertraut war.
Es war eine düstere Landschaft, scheinbar ohne jede Farbe. Schwarze Berge erhoben sich in einen dämmerigen Himmel, über den vermeintlich ein Sturm düstere Wolkenfetzen trieb. Im Vordergrund erkannte er etwas, das wie ein niedergebranntes Dorf aussah. Etwas Helles bewegte sich zwischen den Ruinen auf dem Boden. Mit gewissem Entsetzen erkannte er Shiro. Sie war fast durchscheinend, trug aber weder Rüstung noch Schwert. Und sie kroch auf Knien und Ellbogen voran.
"Was ist das?" fragte er, bemüht, ruhig zu bleiben.
"Du siehst in das Land, das ihre Seele einst beherbergte. Das Weiße dort ist ihre Seele. Aber da ihr Youki zerstört wurde, ist auch das Land um ihre Seele zerstört. Sie weiß im Moment nicht, was sie ist, wer sie ist...Sie hat alles vergessen."
"Wie kann sie dann gegen das Youki der Bestie der Tiefe gewinnen?"
"Sie hat nur einen gewissen Vorteil. Das Youki der Bestie hat sich in diesem Land aufgelöst. 19 Youkai verschiedener Rassen wurden der Bestie der Tiefe in den letzten tausend Jahren geopfert. Diese 19 Teile sind nun zerstreut worden. Sie muss soviel davon finden, in sich aufnehmen, wie möglich. Dann wird sie stärker werden. Haben sich aber zehn der einzelnen Youki selbst gefunden, wird die Bestie erwachen und direkt die anderen suchen. Dann ist sie verloren."
"Wie kann sie die Youki finden?"
"Es sind blaue Flammen."
Sesshoumaru dachte nur kurz nach: "Wie kann ich ihr helfen?"
"Willst du es wirklich? Das ist ein Risiko, für dich. Du müsstest in das Land ihrer Seele gehen."
"Und?"
Die Berggöttin wusste, dass er entschlossen war: "Nun gut. Aber es wird dich viel Energie kosten, auch nur kurz dort zu sein. Ich werde dich zurückholen müssen. Und du darfst ihr nicht sagen, wer du bist und was sie ist. Keine Namen. Sie darf keine fremden Informationen für ihre Erinnerung bekommen. Wenn sie es sich nicht aus sich selbst erfährt, würde sie mit Sicherheit wahnsinnig werden. Und was dich betrifft: Dein Youki wird danach ziemlich niedrig sein. Du bist jetzt noch nicht wiederhergestellt. Und ein zweiter Versuch...dafür benötigst du sicher eine Pause."
"Wir werden sehen." Er hob den Kopf: "Ich werde ihr aber sagen können, wo sie die blauen Flammen finden kann?"
"Ja. Aber nur als Hinweis. Wenn du sie selbst findest. Aber am besten wäre es, wenn sie zu der Quelle ihres eigenen Youki gelangen könnte. Dann hätte das Fremde keine Chance mehr. Deine Prinzessin ist stark und mächtig in ihrer Magie."
Seine Prinzessin. Aber Sesshoumaru widersprach nicht.
Shiro:
Etwas Seltsames ist in meinen Gedanken...gar nichts...ist es....Ich öffne die Augen, starre in den Himmel. Er ist dunkel...schwarze Wolken fliegen...Was ist das? Wo bin ich? Ich? Wer bin ich? Ein seltsames Gefühl in mir sagt mir, dass ich Angst haben sollte...Angst, ja...Aber ich habe vergessen, was das ist...ich habe alles vergessen, das weiß ich plötzlich. Aber...meine Aufgabe? Ich muss meine Aufgabe doch erfüllen....Ich richte mich auf. Egal, was ist, wo ich bin...ich weiß, ich habe eine Aufgabe und ich muss sie erfüllen. Wenn ich mich nur erinnern könnte, was meine Aufgabe ist? Etwas ist um mich...Ruinen...solch ein Bild habe ich schon einmal gesehen. Feuer, Menschen, die schreien und laufen...es ist ein niedergebranntes Menschendorf. Aber bin ich ein Mensch? Ich weiß es nicht. Aber was auch passiert ist: ich muss meine Aufgabe erfüllen. Irgendwoher kommt die Erinnerung an laufen, vier Pfoten, die rasch über Gras eilen. Ich muss auf vier Pfoten vorankommen. Wenn ich irgendwohin komme, wird auch meine Erinnerung daran zurückkommen, was meine Pflicht ist. Ich muss sie tun.
Aber etwas ist falsch. Etwas stimmt nicht. Es ist so mühsam, so voranzukommen, auf vier Pfoten....Habe ich überhaupt Pfoten? Und ich bin so müde...so erschöpft...Was war nur meine Aufgabe?
Ich setze mich hin, ziehe die Hinterbeine an, drücke die Vorderbeine dazwischen. So zu sitzen scheint mir vertraut. Und doch ist etwas falsch. Ich weiß nur nicht, was das sein könnte. Die ganze Welt um mich sieht dunkel aus, zerstört. War ich das? Oder bin ich das einzige Wesen hier, das noch lebt? Was war nur meine Aufgabe?
Etwas ist plötzlich da. Ich zucke zusammen. Etwas Helles, viel leuchtender als diese ganze Welt um mich. Es ist ein Lebewesen, das weiß ich auf einmal.
"Geh auf zwei Beinen", sagt das fremde Wesen: "Und suche die blauen Flammen."
"Ist...das meine Aufgabe?" frage ich.
Das Helle verschwindet schon wieder: "Suche die blauen Flammen und tu deine Pflicht!"
Meine Pflicht? Das muss ich dann tun. Warum habe ich es nur vergessen? Und was bedeutet das auf zwei Beinen gehen? Doch, das weiß ich. Ich stehe auf, richte mich ganz auf. Ja, genau. So ist das besser. Zwei Beine, zwei Arme. Wieso kam ich nur auf vier Pfoten? Aber das ist gleich. Ich muss die blauen Flammen suchen. Wer auch immer das Wesen war: es klang nicht unfreundlich. Vielleicht wollte es mir helfen?
Die blauen Flammen? Ich sehe mich um. Irgendwie scheint es dort hinten ein bisschen heller zu sein. So gehe ich dorthin. Ja, so komme ich viel besser voran. Es hatte Recht. Zwei Beine sind besser zum vorwärts kommen. Dann wird das mit den blauen Flammen auch stimmen...
Es ist nur eine kleine blaue Flamme, die scheinbar aus dem Boden ragt. Ich knie mich daneben nieder, fasse mit beiden Händen danach. Etwas wie Hitze und Wärme dringt in mich, eine Energie, die mir bekannt vorkommt, mir wohl tut. Ja, der Fremde hat mir geholfen. Ich richte mich auf, blicke mich um. Seltsam. Etwas wie ein grünlicher Schimmer scheint sich über die Wiesen zu legen, bräunliche Färbung auf den Bergen. Die ganze Welt scheint ein wenig farbiger geworden zu sein. Machen das diese blauen Lichter? Wenn ja, dann muss ich sie suchen.
Sesshoumaru rang nach Luft, als er feststellte, dass er wieder am See der Berggöttin war. Er saß auf dem Boden, lehnte an der Höhlenwand. Es war sehr anstrengend gewesen, in diese fremde Welt vorzudringen. Mit gewisser Bestürzung hatte er Shiro zugesehen, wie sie auf allen Vieren vorankroch. Anscheinend hatte sie eine dunkle Erinnerung daran behalten, dass sie in ihrer wahren Gestalt ein Hund war, mit vier Pfoten. Aber da sie, als sie gestorben war, in menschlicher Gestalt gewesen war, hatte ihre Seele nun auch eine menschliche Gestalt. Um diesem entwürdigenden Schauspiel ein Ende zu bereiten, hatte er ihr als erstes gesagt, sie sollte auf zwei Beinen gehen, obwohl der Hinweis auf die blauen Flammen viel wichtiger gewesen wäre. Seltsam. Warum hatte er nicht zuerst das Notwendige gesagt? Vielleicht, weil er gehört hatte, wie sie immer wieder vor sich etwas von ihrer Aufgabe hingemurmelt hatte. Sie hatte alles vergessen: aber nicht, dass sie eine Pflicht zu erfüllen hatte, als sie zuletzt bei Bewusstsein, besser, am Leben gewesen war.
"Ja, deine Braut verfügt über ein ausgeprägtes Pflichtbewusstsein." Die Stimme der Berggöttin schien auf seine Gedanken zu antworten und unwillkürlich richtete er sich etwas auf:
"Liest du meine Gedanken?"
"Nein. Aber ich habe natürlich gesehen, was dort drüben geschah. - Sie hat ein Youki gefunden, das eines Wurmes. In ihr tauchen jetzt Erinnerungen an Farben der Erde auf. Wenn sie andere Youki findet, wird sie sich auch an anderes erinnern...denke ich."
"Denkst du?"
"Nun, ich habe in allen Zeitaltern noch nie von einer derartigen Lage gehört, in der sich eine Seele befand. Wir werden abwarten müssen, was sie mit deinem Hinweis anfangen kann."
"Ich muss noch einmal dorthin, ihr sagen, wo sie Youki finden kann, die blauen Flammen. Oder wo sie die Quelle ihres eigenen Youki finden kann."
"Sesshoumaru, dein Youki ist noch bei weitem nicht regeneriert." Die Berggöttin seufzte. Aber sie wusste nur zu gut, wie stur Hunde sein konnten, wenn sie etwas beschützen wollten. "Warte ein wenig. Und beobachte in meinem See, was Shiro tut. Vielleicht weißt du dann auch, wie du ihr weiterhelfen kannst."
Statt einer Antwort trat der Hundeyoukai an das schwarze Wasser, betrachtete schweigend die Bilder, die aus der Tiefe aufzusteigen schienen. Shiro, oder eher, ihre Seele, sah sich suchend um. Spürte sie weitere blaue Flammen? Sie musste soviel Youki wie nur möglich finden, oder zu der Quelle ihres eigenen finden. Wo war diese nur? In diesem Augenblick bemerkte er, wie sich für ihn das Bild wandelte, die Landschaft veränderte und er begriff, dass er gerade den Weg sah, zu einem grünen Hügel, auf dem etwas Weißes, wie ein Bauwerk stand, wie eine eingefasste Quelle, mit Marmor überzogen. Ob seine eigene Youki-Quelle auch so aussah? Oder war das bei jedem Youkai anders? Er verdrängte rasch diesen Gedanken, suchte wieder Shiro. Er sah, wie sie weiter auf die Berge zuging. Warum auch immer sie das tat: es war gut. In direkter Linie vor ihr konnte er eine weitere Flamme erkennen. Ein zweites Youki würde hoffentlich auch ihre Erinnerungen weiter hervorkommen lassen.
Shiro:
Vor mir ist wieder so eine blaue Flamme. Ich lege die Hände um sie. Diese Energie tut mir gut, diese Wärme. Jetzt weiß ich auch, was das ist. Das ist Youki, die Energie, die ich zum Leben brauche. Darum geht es mir soviel besser, wenn ich diese Flammen in mir aufnehme. Seltsam ist nur, warum sich die Landschaft wieder verändert. Selbst der Himmel ist nicht mehr schwarz, sondern blau, das Gras grün...Alle Farben werden intensiver. Was Youki bewirken kann...Ich erstarre. Youki. Natürlich. Jetzt fällt es mir ein. Ich bin kein Mensch. Ich bin ein Youkai, ein höherwertiges Wesen mit magischer Macht. Hat der Unbekannte mir darum gesagt, ich solle diese blauen Flammen sammeln? Damit ich stärker werde, Youki bekomme? Vielleicht sogar, meine Erinnerungen wieder finde? Dann hat er es gut mit mir gemeint. Und dann muss ich diese Flammen suchen. Er sagte, es ist meine Pflicht. Diese Berge...irgendetwas sagt mir, dass ich dort hin gehen sollte...Ich werde es tun.
Die Berggöttin sagte leise: "Sie hat das Youki eines Vogelartigen gefunden. Daher sieht sie nun den Himmel und die Erde wieder in allen Farben. Das Land ihrer Seele fängt an sich zu regenerieren. Und sie erinnert sich daran, dass sie eine Youkai ist. Gut. Sie ist stark."
"Ich werde noch einmal dorthin gehen und ihr den Weg zur Quelle ihres Youki sagen."
"Ein wenig musst du dich gedulden, Sesshoumaru. Du weißt, dass ihr mit deinem Tod nicht geholfen ist."
Er hätte sie gern kühl gemustert, aber da er sich in ihrem Inneren befand, ging das wohl schlecht. Überdies hatte sie Recht. Er benötigte noch mehr Youki, musste wieder stärker werden. Diese Reise in das Land einer fremden Seele benötigte ungemein viel Magie. Er hatte gespürt, dass er nur mit Hilfe der Berggöttin den Rückweg geschafft hatte. Dieses Mal war anstrengend genug gewesen, ein zweites Mal wäre vermutlich auch das letzte Mal, denn noch einmal würde er sich in so kurzer Zeit kaum wiederherstellen können. Und der Weg war für Shiros Seele sicher noch weit. Er musste ihr so viele Dinge wie nur möglich mit auf diesen Weg geben.
In dem kleinen Menschendorf lag Shiro ruhig unter der Decke. Sie schien zu schlafen, aber die drei Wesen, die um sie an den Hüttenwänden lehnten, beobachteten sie misstrauisch. Ein Youkaifürst, ein Hanyou und ein menschlicher Mönch.
Miroku hob ein wenig den Kopf, sah zu Akamaru. Er wusste, dass der Hundeyoukai kaum direkt antworten würde, aber dennoch war seine Neugier zu groß: "Kannst du etwas Youki von Shiro-hime spüren, Akamaru-sama?"
Dieser schüttelte unmerklich den Kopf.
Inuyasha sah zu seinem Mönchsfreund: "Das kann dauern. Ich habe keine Ahnung, wie lange oder was dann passieren wird. Und Sesshoumaru ist auch noch nicht hier. Der Geier weiß, was er schon wieder treibt."
Akamaru ließ den Blick nicht von seiner Zwillingsschwester. Er war sicher, dass er es fühlen würde, wäre ihr eigenes Youki da. Aber bislang konnte er noch immer nur das Fremde spüren.
Miroku nickte leicht: "Hoffen wir mal, dass er weiß, was er tun muss, um ihr zu helfen. - Und wenn es nicht funktioniert, diese Bestie der Tiefe tatsächlich in Shiro erwacht...?"
"Du weißt, was wir dann tun müssen." Inuyasha nickte etwas bedrückt zu der Youkaiprinzessin.
"Dann müssen wir die Bestie töten." Akamaru sagte es nüchtern.
Der Mönch starrte ihn an: "Du kannst dann tatsächlich deine Zwillingsschwester töten?"
"Das ist dann nicht mehr meine Schwester. Ihre Seele ist dann endgültig fort. Und ich werde das Monster umbringen, das sie getötet hat." Der Hundeyoukai klang sachlich. Es war einfach eine Tatsachenfeststellung und Miroku fragte sich zum verschiedensten Mal, warum diese Youkai so menschenähnlich aussehen konnten, es aber wohl nicht waren.
Akamaru fuhr fort: "Wenn du dein schwarzes Loch einsetzt- wohin verschwinden dann die Wesen?" Er war sich bewusst, dass er direkt mit einem Menschenwesen sprach, aber es mochte gut sein, dass dieser Mönch und sein kazaana die einzige wirksame Methode gegen die Bestie der Tiefe war, wenn diese Shiros Magie einsetzen konnte.
"Das weiß ich nicht. Ich glaube, dass weiß niemand."
"Kommt, denkt jetzt mal ein bisschen optimistisch." Inuyasha setzte sich gerader hin: "Deine Schwester ist verdammt stark, das weißt du auch, Akamaru. Wenn das jemand schafft, wer denn außer ihr? Zumal, wenn Sesshoumaru ihr tatsächlich helfen will, wie auch immer, warum auch immer?" Aber er erinnerte sich, wie seltsam sein Halbbruder da ausgesehen hatte, als sie Shiro tot gefunden hatten. Er würde ihr helfen, da war sich der Hanyou sicher. Ob sie ihn auf dieser Reise mal gerettet hatte und er sich so revanchieren wollte? Egal. Inuyasha schob den Gedanken beiseite. Das ging ihn nichts an und außerdem: wer kapierte schon die Gedanken Sesshoumarus? Wichtiger war jetzt, darauf zu achten, dass die Bestie der Tiefe keine Gelegenheit bekam, auf die ahnungslose Welt losgelassen zu werden.
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Und da gibt es ein Problem:
Das nächste Kapitel heisst: "Die Quelle des Youki" und eine arme Seele wird bald merken, dass der Weg dahin mit Fallen gespickt ist...
Über Kommentare würde ich mich sehr freuen. Die Schreiber bekommen, wie imemr eine Infoens, wenn ich sehe, dass das neue Kapitel on ist.
bye
hotep
Die Quelle des Youki
Hallo,
vielen Danke für eure Komemntare.
Und weiter geht es im Land der Seele....
14. Die Quelle des Youki
Shiro - oder besser: ihre Seele - erreichte die Berge im Land der Seele, ohne eine weitere blaue Flamme, ein weiteres Youki gefunden zu haben. Immerhin erinnerte sie sich schon wieder, dass sie eine Youkai war, und sie hatte bemerkt, dass die Landschaft um sie farbiger wurde, freundlicher. Nun stand sie etwas irritiert am Fuß eines steilen Berges. Sollte sie dort hinauf? Aber da war rechter Hand von ihr wohl eine Höhle. Ein Blick dorthinein konnte gewiss nicht schaden. So ging sie hinüber.
Zu ihrer Überraschung sah diese Höhle gar nicht nach einer Höhle aus. Höhlen waren dunkele, feuchte Orte, wenn sie ihren kaum vorhandenen Erinnerungen trauen konnte.
Das hier war ein Ort im Fels, dessen Boden aus harten, gleichmäßigen Platten bestand. Auch die Wände schienen bearbeitet worden zu sein. Und er war kreisrund. Was auch immer das war: es wirkte eigentlich ganz übersichtlich. Aber im Hintergrund öffnete sich eine Spalte tiefer in den Berg hinein. Sie empfand einen instinktiven Widerwillen dorthinein zu gehen, aber dann erkannte sie in dem Pflanzenbewuchs an der Wand eine kleine blaue Flamme. Sie schien sich auf etwas zu befinden, dass sie nach einigem Nachdenken erfasste. Das war ein Leuchter. So schien es fast, als brenne da eine Fackel, aber das war sicher eine Täuschung.
Sie musste diese blauen Flammen suchen, dieses Youki in sich aufnehmen. Beide Male, wo sie es bislang getan hatte, war sie stärker geworden, hatte sich das Land um sie freundlicher gestaltet. Und auch ihre Erinnerungen kamen wieder. So betrat sie fast behutsam den Raum. Seltsame Figuren waren da an die Wände gezeichnet, und sie hatte keine Ahnung, ob sie ihre Bedeutung nur vergessen hatte oder nie kennen gelernt hatte. Aber ihr Instinkt warnte sie vor diesem Raum und jahrhundertelanges Kampftraining hatte ihren Gespür geschärft, sie auch gelehrt, diese unterbewussten Ahnungen für ernst zu nehmen. Dies war so tief in ihr verankert, dass sie das nicht hatte vergessen können. Sie blickte sich sorgfältig um, konnte aber keine Falle entdecken. Dennoch blieb sie auf der Hut, schlich fast auf Zehenspitzen hinüber, vorsichtig jede Platte vor sich zunächst nur antippend, um keine verborgene Falle auszulösen. Aber nichts geschah. So erreichte sie endlich diese seltsame "Fackel" streckte die Hände aus, berührte das Youki.
Ein Geräusch, eher geahnt, als gehört, ließ sie sich sofort zu Boden werfen, abrollen. Mit gewissem Entsetzen erkannte sie eine Art Sichel, die von der gegenüberliegenden Wand gekommen war, jetzt diesen Leuchter zerstört hatte. Eine Sicherung. Aber wofür?
Instinktiv fasste sie an ihre Hüfte- und berührte Metall. Irritiert sah sie an sich herunter. Zuvor war es noch nicht da gewesen. Jetzt trug sie eine Rüstung und ein Schwert. Das stand ihr auch zu, entsann sie sich nun. Sie war nicht irgendeine Youkai. Sie war eine Prinzessin der Hundeyoukai. Da war sie sich auf einmal ganz sicher. In ihr stiegen Bilder auf, von Duellen, vom Training. Sie war ganz bestimmt gut ausgebildet im Kampf.
"Wo ist sie da? Und woher kommt in ihrer eignen Seele eine Falle?" erkundigte sich Sesshoumaru, der nach wie vor in den Spiegelsee der Berggöttin sah.
"Das ist der Beginn des Weges zur Quelle ihres Youki. Des kürzesten, aber auch gefährlichsten Weges. Und wie bei jedem Youkai ist auch das bei Shiro gegen Eindringlinge gesichert. Sie wird noch einige Schwierigkeiten haben, wenn sie durch den Berg geht. Andererseits ist sie so sicher schnell an der Quelle, vermutlich schneller, als die Bestie der Tiefe erwachen kann in ihr." Die Stimme der Göttin des Berges Halel hallte in der Höhle wieder, die sich tief in ihr selbst befand.
"Dann muss sie diesen Weg gehen. Was sind das für Fallen, die noch auf sie warten?"
"Das weiß ich nicht. Jeder Youkai ist da anders."
"Sie will aus dieser Höhle wieder fortgehen. Das werde ich nicht zulassen." Sesshoumaru schloss die Augen, als er sich auf die fremde Seele konzentrierte.
Shiro fuhr herum, als sie etwas hinter sich spürte, sah erleichtert dieses seltsam leuchtende Wesen, das ihr schon einmal geholfen hatte.
"Hör zu", sagte es hastig, als sei es in Eile: "Du musst diesen Weg durch den Berg nehmen, auch, wenn er gefährlich ist. Hüte dich vor Fallen. Nur dann gelangst du schneller an die Quelle des Youki als dein Gegner. Das ist deine Aufgabe, hörst du?"
"Ja. - Wer bist du?"
"Du nanntest mich aite..." Das Wesen verschwand wieder.
Die Youkaiprinzessin drehte sich sofort um, betrat vorsichtig wieder die Höhle. Dieses fremde Wesen hatte schon bewiesen, dass es es gut mit ihr meinte, und wenn es sagte, es sei ihre Aufgabe, die Quelle des Youki zu finden, so war es das sicher auch. Zudem hatte es frühzeitig gewarnt, dass der Weg gefährlich sei. Auch das deutete darauf hin, dass es die Wahrheit gesagt hatte. Wie hatte es erwähnt? Sie habe es aite genannt? Gefährte? Irgendwo in ihrem Hinterkopf sagte ihr eine Stimme, dass sie das tatsächlich getan habe. Sie entsann sich nicht wo, wann oder zu wem, aber wenn das ihr Gefährte war, würde er sie sicher nicht verraten. Undenkbar war das unter Hundeyoukai. Soviel glaubte sie noch zu wissen. Sie empfand es als etwas schwierig, nicht zu wissen, welche Erinnerung in ihr wirklich war, welche sie nur erfand, aber sie schob es beiseite. Sie musste diese Quelle des Youki finden, das war anscheinend ihre Aufgabe. Vielleicht würde sie dann auch erfahren, wo sie hier war, warum und wie sie hier wieder wegkam, denn ihr war nun klar, dass das nicht die Welt war, in die sie geboren wurde.
Der Spalt im Hintergrund der Höhle führte in eine tiefe Schwärze. Shiro holte tief Atem, ehe sie dort hineinging, vorsichtig witternd, auch auf alle Geräusche lauschend. Sie mochte Höhlen nicht, hatte einen Widerwillen dagegen. Aber wenn es sein musste, musste es sein. Behutsam tastete sie sich an der Wand entlang, bemüht, nicht aus Versehen in einen anderen Gang zu gehen, den Weg zu der Quelle zu verlieren. Der Spalt war eng und sie konnte ohne Probleme beide Seiten mit den Händen berühren. Sie wusste nicht, wie weit sie gegangen war, als sie vor sich einen seltsamen Laut hörte. Sofort blieb sie stehen, lauschte. Der Laut wiederholte sich, schien in einer größeren Höhle wiederzuhallen. Es klang, als berührte sich etwas, Metallplättchen? War dort jemand mit Rüstung?
Noch lautloser bewegte sie sich voran, alle Sinne angespannt. Dann erkannte sie vor sich Lichtschimmer. Vorsichtig blieb sie noch im Spalt stehen, versuchte zu erkennen, was dort vor ihr lag. Es war eine riesige Höhle, in der Bäume wuchsen. Zumindest war das ihr erster Eindruck. Dann erkannte sie, dass es wohl eher etwas war, das wie Bäume aussah. Gewiss, dort waren Stämme, Äste, alles in Schwarz, aber statt der Blätter hingen dort Plättchen an den Zweigen, die sich in einem nicht vorhandenen Wind drehten. Wenn sich diese Metallplättchen berührten, klang es wie kleine Glocken. Sie konnte nicht abschätzen, wie viele Bäume oder gar Plättchen es waren. Sie wusste nur, sie müsste quer durch diesen seltsamen Wald. Am anderen Ende der Höhle würde sie wieder ihr Weg weiter zur Quelle führen. Ob hier auch eine Falle lauerte? Sie müsste vorsichtig sein. Ihr Gefährte hatte sie ja gewarnt. So legte sie die Hand an den Schwertgriff, als sie einen weiten Sprung hinaus in die große Höhle machte, sich dann rasch umsah.
Sesshoumaru lehnte an einem Stein und betrachtete die Szene im Spiegelsee. Er konnte sich nur erinnern, einmal in seinem Leben so matt gewesen zu sein, nachdem ihn Tessaigas Windnarbe getroffen hatte. Ein drittes Mal konnte er unmöglich in diese fremde Welt gehen, um Shiro zu helfen. Das musste sie jetzt allein durchstehen.
"Sie ist immerhin kampferfahren", sagte die Berggöttin, ihr Oberkörper schien aus dem Felsen neben ihm zu wachsen.
Ein wenig irritiert, dass sie in sich selbst auftauchen konnte, erwiderte er: "Sie ist eine Hundeyoukaiprinzessin."
"Höre ich da gewissen Besitzerstolz?"
"Was für ein Unsinn."
"Schon gut. - Der Spiegelwald....." Das klang nachdenklich.
"Was tut er?"
"Er birgt Erinnerungen. Es soll schon Youkai gegeben haben, die sich im Spiegelwald verlaufen haben, in ihrem eigenen oder in dem eines anderen."
"Dann hat diesen Ort jeder Youkai?"
"In der einen oder anderen Form, ja. Soweit ich weiß, " schränkte sie ein: "Ich bin zwar seit undenklichen Zeiten mit der Erforschung von Youkai beschäftigt, aber jeder von euch ist ein wenig anders."
Shiro hatte kein Wesen um sich entdecken können und betrachtete erneut die seltsamen Bäume vor sich. Ob von ihnen eine Gefahr ausging? Aber wenn sie nicht aufbrach, würde sie es nie erfahren. So machte sie sich vorsichtig auf den Weg, witternd, lauschend und immer auf Scherereien gefasst.
Sie wusste nicht, wie lange sie schon im Wald ging, als sie bemerkte, dass diese seltsamen Blattplättchen Bilder zeigten. Ein flüchtiger Blick hinauf zeigte ihr, dass sie sie spiegelten. Zumindest nahm sie das an. Erst, als sie einmal genauer hinsah, erkannte sie, dass es verschiedene Personen waren, von denen eine sie selbst zu sein schien. Die andere war eine Youkai von offenbar hohem Rang, mit langen, schwarzen Haaren und grünen Augen. Shiro blieb stehen und starrte das Bild an. Sie kannte sie. Da war sie sich ganz sicher... Es dauerte einen Moment, ehe sie wusste, dass dies ein Bild ihrer Mutter war. Überall an diesem Baum spiegelte sich das Bild ihrer Mutter. Und am Nachbarbaum war nicht ihr eignes Bild. Es war jemand, der ihr sehr ähnlich sah, aber sie hatte doch nie solche Streifen am Gesicht gehabt?
Plötzlich fiel ihr ein, dass das ihr Bruder war, ihr Zwillingsbruder, um korrekt zu sein. Akamaru. Sie war ein wenig erleichtert. Sie hatte sich immerhin schon an ihre Familie erinnert. Prüfend studierte sie die anderen Bäume, aber die Personen dort sagten ihr nicht soviel. Vermutlich hatte sie sie auch einmal kennen gelernt, aber im Moment konnte sie sich nicht an sie erinnern. Für einen Augenblick zögerte sie. Ob sie sich in diesem Wald doch ein wenig umsehen sollte? Vielleicht gab es da noch andere Bäume, mit anderen Personen und Dingen, die sie wissen sollte, an die sie sich erinnern sollte...? Aber dann dachte sie nicht weiter in diese Richtung. Sie hatte eine Aufgabe zu erfüllen. Und hatte aite nicht etwas von einem Gegner gesagt, der ebenfalls das gleiche Ziel hatte? In diesem Fall durfte sie hier sicherlich keine überflüssige Zeit verlieren. Und immerhin hatte sie nun die Gewissheit, dass sie einen Gefährten hatte, einen Zwillingsbruder und eine Mutter. Als sie weiterging gab es ihr einen kleinen Stich ins Herz, als ihr einfiel, dass ihre Mutter gestorben war, als sie noch sehr klein gewesen waren. Aber das war eben so und da es gewiss schon lange her war, war es nichts mehr, dass sie interessieren durfte.
Am Ende der riesigen Höhle mit den Spiegelbäumen entdeckte sie wieder einen schmalen Spalt. Offenkundig musste sie dort weiter gehen. Vorsichtig lauschte sie, ob sich etwas in der Dunkelheit verbarg, aber sie konnte nichts hören, auch nichts wittern. So betrat sie wieder den dunklen Gang, mit beiden Händen rechts und links die Wände abtastend, ob etwa ein Seitengang abzweigen würde.
Erneut musste sie sich zwingen, hineinzugehen, aber es war eben ihre Pflicht, auch wenn sie einen deutlichen Widerwillen gegen solche dunklen Gänge hatte. Selbstverständlich keine Angst, aber eine Abneigung.
Sie hatte über tausendsechshundert Schritte gezählt, als sie etwas vor sich witterte, das ihr ganz und gar nicht gefiel. Hitze. Eine starke, große Hitze. Brannte da der Berg vor ihr?
Sie blieb stehen, versuchte, etwas vor sich zu erkennen. Ein Hauch eines roten Schimmers lag vor ihr. Und ihre Nase verriet ihr nur zu deutlich, dass es dort mehr wie heiß war. Aber sie hatte keine Wahl und so ging sie weiter, bis sich schließlich der Spalt wieder zu einer großen Höhle öffnete. Sie blieb vorsichtig noch in der Schlucht stehen, versuchte, den Aufbau vor sich zu erkennen. Die ganze Höhle war von einem riesigen See angefüllt. Lava, glühendrotes Gestein, schwappte hin und her. Wie sollte sie nur da hinüber kommen?
Da entdeckte sie einzelne Steinpfosten, die seltsamerweise nicht geschmolzen waren, sondern wie Pfeiler einer Brücke eine Art Weg quer über den Feuersee bahnten. Sie sah vorsichtig noch einmal nach rechts und links, aber diese Pfosten schienen die einzige Möglichkeit zu sein, weiter voran zu kommen. Zum Glück war sie eine Youkai. Ein Mensch hätte nie so weit springen können. Und wenn sie daneben oder zu kurz sprang, fand ihr Abenteuer hier ein jähes Ende. Die Hitze, die von unten aufstieg, machte ihr das nur zu deutlich.
Sie schätzte die Entfernung zu dem ersten Steinpfosten ab. Sie musste unbedingt genau landen, sonst... Aber daran dachte sie nicht. Es war ein Muss. Und so holte sie nicht einmal tiefer Luft, als sie lossprang, punktgenau auf der oberen Plattform des Pfostens landete, die vielleicht vierzig mal vierzig Zentimeter maß. Sie richtete sich auf. Die Hitze hier war hoch genug, um sie müde zu machen. Also müsste sie sich schon deswegen beeilen.
Sie machte den nächsten, weiten Satz, landete weich in den Knien. Ihr Blick fiel in den Feuersee. Für einen Moment schien es ihr, als sähe sie ein Bild, das Bild eines Mannes mit einem großen Hundekopf, ehe es sich wieder in dem glutflüssigen Gestein auflöste. Sie war sicher, den zu kennen. Aber es war zu warm hier und sie hatte gewiss nicht viel Zeit. So machte sie den nächsten Satz.
Als sie so vier Pfosten geschafft hatte, sah sie erneut das Bild in der Lava. Diesmal fiel ihr ein, wer das war. Ihr Vater. Er hatte sie und Akamaru verraten, hatte sie töten lassen wollen- und das selbst mit dem Leben bezahlt. Wie war das nur gewesen? Aber das war im Augenblick gleich. Sie musste weiter.
Sie sprang weiter. Jedes Mal wurde das Fliegen leichter und sie entsann sich plötzlich, dass sie schweben konnte...es schon getan hatte. Was hatte sie nur alles vergessen? Nun, zumindest ihren Namen, fiel ihr ein. Wie hieß sie? Aber das konnte sie sicher auch noch später herausfinden. Im Augenblick war ihre Aufgabe wichtig...und dass sie diese Quelle schneller finden würde, als ihr Gegner. Ganz sicher war das das einzige, das im Moment zählte...
Sie stoppte auf einem der Steinpfeiler. Wieder hatte sie ein Bild in der Lava gesehen, Ein Gesicht mit kühlen, bernsteinfarbenen Augen und langen, silbrigen Haaren. Sie entsann sich der wegwerfenden Geste...er hatte sie zurückgewiesen....Sesshoumaru!!!
Oh ja, sie erinnerte sich. An die ungeheure Demütigung, an ihren Zorn, das verbissene Training, um ihm in einem offenen Kampf besiegen zu können. Und dann tauchten andere Bilder in ihr auf: das Duell, das sie gegen ihn gekämpft hatte, wie sie verloren hatte. Er hatte sich geweigert, sie zu töten, und es hatte Tage gebraucht, ehe sie begriff, dass das keine Folter von ihm war, sondern er ihrem Vater nicht dienlich hatte sein wollen. Ihr Vater war derjenige, der sie tot sehen wollte, nicht Sesshoumaru. Und irgendwie war da noch etwas. Aber sie konnte es nicht einordnen. Es war nur ein Gefühl, eine Erinnerung an ein Gewicht auf sich, brennenden Schmerz an ihrem linken Oberarm...und Dankbarkeit. Ja, sie war ihm da irgendwie dankbar gewesen. Aber warum? Aber das war im Augenblick wohl ihr geringstes Problem. Sie hatte einen Gegner und sie musste die Quelle des Youki schneller finden, als dieser. So sprang sie weiter, in immer rascherem Tempo, da sie sich immer besser daran erinnern konnte, wie man flog.
Die Berggöttin hatte unwillkürlich seitwärts gesehen, als das Bild in der Lava aufgetaucht war, aber der Youkaifürst starrte mit unbeweglichem Gesicht in den Spiegelsee. Sie hätte gern gewusst, was er dachte.
Ihr Vater hatte sie verraten, urteilte Sesshoumaru. Und mein Bild trägt sie gleich daneben? Das kann nicht sein. Ich hätte gedacht, nach unserem Duell, nach dem gemeinsamen Kampf gegen ihren Vater, hätte sie verstanden, dass ich nicht anders handeln konnte. Die Tochter eines Verräters...und die Tochter der Schwester meines Vaters. Er verdrängte den Gedanken rasch. Wichtiger war, dass sie schnell genug war, und stark genug, den möglichen weiteren Fallen zu entkommen.
Shiro erreichte endlich den anderen Rand des Lavasees. Die Pfosten schienen direkt auf einen weiteren Erdspalt zuzurühren. Der letzte Sprung brachte sie in diese schmale Höhle. Für einen Augenblick blieb sie im Dunkeln stehen, lauschte, witterte, ob eine weitere Falle dort war. Aber bislang waren diese Gänge frei von Hindernissen gewesen. Gut. Das hieß nicht, dass dem weiterhin so sein musste. Vorsichtig tastete sie sich weiter.
Irgendwann bemerkte sie, dass es vor ihr wieder heller wurde. War dort das nächste Hindernis? Aber dann drang frische Luft in ihre Nase, der Geruch nach Gras. Hatte sie etwa den Weg durch den Berg geschafft? Sie blieb dennoch auf der Hut, suchte, ob auf den letzten Wegstück noch eine Falle war. Da jedoch nichts passierte, erreichte sie den Ausgang sicher und blickte sich draußen um. Zu ihrer Überraschung war ein weites grünes Tal vor ihr, wie eine Schale. In der Mitte erhob sich ein grasbewachsener Hügel. Und auf diesem erkannte sie deutlich ein weißes Bauwerk, das offenkundig ein Brunnen war. Das musste die Quelle sein, zu der sie sollte. Erneut sah sie sich um, konnte aber keinen Gegner erkennen, keine Gefahr wittern. So rannte sie los, zunächst hinab, auf den Grund des Tales, dann den Hügel wieder hinauf.
"Sie scheint es geschafft zu haben!" sagte die Berggöttin nachdenklich: "Ich kann das Youki der Bestie nicht erkennen. Hoffentlich macht sie jetzt nicht noch einen Fehler." Und da ihr Besucher sie ein wenig fragend ansah: "Sie muss in den Brunnen springen. Ihre Seele und ihr Youki vereinen sich dann. Und nur dann."
"Das hättest du mir sagen müssen."
"Ich habe nicht daran gedacht. - Und ich dachte nicht, dass sie so schnell ist. Shiro ist wirklich stark in ihrer Seele."
Sesshoumaru blickte schweigend wieder in den Spiegelsee.
Shiro blieb stehen. Irgendwie erinnerte sie das hier an etwas. Ein Hügel, weiße Säulen...Aber sie kam nicht drauf, warum ihr dieses Bild so bekannt erschien. Und da war etwas anderes gewesen...Schreie, eine Menge, die wütend auf sie einstürmte, bereit, sie zu zerreißen. Was war nur geschehen? Aber letztendlich war es im Augenblick egal. Sie musste zu dem Brunnen. Jetzt war sie fast da und sie konnte und wollte nicht auf den letzten Metern aufgeben.
Als sie die scheinbar marmorne Umfassung erreichte, beugte sie sich über die Tiefe. Hier war sie nun. Und was sollte sie jetzt machen? Leider hatte sie nicht die geringste Ahnung. In dem Brunnen war kein Wasser und sie konnte auch keine blauen Flammen erkennen. Dies musste doch aber die Quelle des Youki sein? Ob diese erst funktionieren würde, wenn sie etwas Bestimmtes täte? Aber was? Sie dachte nach. Wo auch immer sie hier war, es war eindeutig ein Land, in dem Youki sichtbar war. Wenn das die Quelle des Youki war- war es die Quelle jeden Youki in dieser Welt? Oder war es nur ein Youki? Ihr Youki? War das hier etwa der Ursprung ihrer eigenen Magie? Und war es darum so wichtig gewesen, dass sie sie erreichen konnte? In diesem Fall konnte es sein, dass sie dort am Grund des Brunnens eine Lösung finden konnte. Vielleicht war das der Quell verstopft oder irgendetwas in dieser Art. Ohne weiter zu zögern sprang sie in die schwarze Tiefe.
Im gleichen Moment hätte sie fast aufgeschrieen. Als sie in die Dunkelheit eintauchte, schien diese sich plötzlich zu verwandeln. Helle Funken tauchten auf, leuchtend in der Finsternis, die sich immer dichter um sie sammelten. Und sie selbst schien zu schweben, nicht weiter zu fallen. Was geschah hier nur, mit ihr? Shiro spürte, wie sie das ungewohnte Gefühl der Angst überkam. Aber zugleich wusste sie auch, dass sie das richtig gemacht hatte. Irgendwie war es nun so, wie es sein sollte...
Das war der letzte Gedanke, ehe sich ihre Seele und ihr Youki wieder vereinten.
Akamaru zuckte etwas zusammen, rutschte zu seiner regungslosen Zwillingsschwester: "Nee-chan?"
"Was ist?" fragte Inyuasha sofort: "Hat sie es geschafft?"
"Ich denke...Ich kann ganz deutlich nun ihr Youki spüren. Und von dem der Bestie ist nichts mehr da. Sie wird gewonnen haben."
"Und warum wacht sie nicht auf?" Der Hanyou erhob sich, schob Tessaiga in den Gürtel. Wenn die Bestie nicht mehr erwachen könnte, müsste er hier auch nicht rumsitzen und Wache schieben.
"Es wird sie sehr angestrengt haben." Miroku stand ebenfalls auf: "Ich versteh ja nicht gerade viel davon, aber ich kann mir vorstellen, dass solch ein, tja, Kampf, auch für eine starke Youkai erschöpfend ist. Zumal sie vorher ja auch schon gekämpft hatte. - Akamaru-sama...ich würde vorschlagen, dass wir Shiro-hime Kaede überlassen. Sie wird dir sicher sagen, wenn sie wach wird." Der Mönch formulierte das behutsam. Immerhin wusste er, dass der Besucher ein recht starker Youkaifürst war.
Akamaru nickte. Das war sinnvoll. Und er mochte es nicht, länger als notwendig, in der Hütte dieser Priesterin zu sein. Irgendwie spürte er hier die reine Energie und es verursachte ihm ein gewisses Unbehagen. Aber diese Priesterin würde sicher gut auf seine Schwester aufpassen, solange diese den Heilschlaf schlief. So verließ er die Hütte, blieb auf dem Dorfplatz stehen. Die Bauern, die an ihm vorbeigingen, verneigten sich höflich. Die wenigsten wussten, dass die beiden Gäste Youkai waren, sondern hielten sie für menschliche Adelige, die überfallen worden waren. So oder so hatte der vornehme Herr Anspruch auf Respekt.
Inuyasha kam zu ihm: "Kaede ist mit Kagome auf ihrem Kräuterfeld. Ich habe Sango gebeten, die beiden zu holen. - Sesshoumaru ist noch immer nicht hier."
"Ich weiß."
"Klar. - Ich bin froh, dass es Shiro besser geht. Es...na ja, es hätte mir echt leid getan, wenn ihr was passiert wäre, nur weil sie mich retten wollte."
Akamaru glaubte ihm das sogar. Er wusste, dass der Hanyou manchmal sehr menschliche Züge an den Tag legte.
Inyuasha zuckte zusammen, witterte, die Hand schon an Tessaiga: "Verdammt! Das ist doch....Fujin no mai... Kaguras Angriff! Kagura...Und da ist das Feld! Kagome..!" Er rannte los. Miroku, der gerade aus der Hütte getreten war, folgte ihm sofort.
Akamaru war leicht überrascht, holte die beiden aber ohne Mühe ein: "Werden sie angegriffen?"
"Ja. - Willst du mir helfen?"
"Ich stehe in deiner Schuld, Inuyasha-sama."
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Kagura? Ja, man sollte doch alte Feinde nicht so ganz aus den Augen verlieren..*g*
Shiro ist also schon mal wieder mit Seele und Youki in ihrem richtigen Körper. Eigentlich kann nicht mehr viel schiefgehen..oder?
Das nächste Kapitel heisst: "Meine Gefährtin Shiro"...und es ist nicht das letzte.
Wie imemr würde ich mich über eure Anmerkungen zu diesem Kapitel sehr freuen.
bye
hotep
Meine Gefährtin Shiro
Hallo,
Kagura ist aufgetaucht und das bedeutet, dass Naraku mal wieder eine Idee hatte. Aber ob sein Plan so klappt?
15. Meine Gefährtin Shiro
Inuyasha und Akamaru, der sich höflich an seiner Seite gehalten hatte, erreichten kurz vor Miroku das Kräuterfeld.
"Verdammt", knirschte der Hanyou, als er die Szene sah. Gewiss hunderte von einfachen Youkai hatten Kaede und Kagome angegriffen. Der Priesterin war es noch gelungen, einen Bannkreis zu ziehen, aber da drin steckten die beiden nun fest. Sango hatte sie nur holen wollen, und darum ihren Bumerang nicht dabei gehabt. Sie lag jetzt verletzt in Kagomes Armen, schien es immerhin auch noch irgendwie in den Bannkreis geschafft zu haben. Inuyasha drehte den Kopf, während er Tessaiga aus der Scheide riss. Die magische Klinge verbreiterte sich rasch:
"Akamaru, wenn du irgendwo eine Youkai auf einer Feder siehst, das ist die Anführerin, Kagura! Bring sie um!!"
Statt einer Antwort zog der rothaarige Youkaifüst sein Schwert und sah sich um. Als er das Youki über sich spürte, sprang er hoch, verband seine Energie mit der Klinge.
Kagura überwand ihre Verblüffung, dass sich ein vollwertiger Youkai, noch dazu dieses Ranges, von einem Hanyou Befehle erteilen ließ, notgedrungen sehr rasch und schlug hastig ihren Fächer auf, um Windenergie gegen Akamaru laufen zu lassen, seinem Angriff zuvorzukommen. Sie legte keinen Wert auf einen Kampf gegen einen derart starken Youkai, aber sie wusste, dass sie von ihrem Herrn beobachtet wurde und ihren Auftrag erfüllen musste.
Miroku sparte es sich unterdessen, sein schwarzes Loch zu öffnen, da er wusste, dass in Kaguras Begleitung für gewöhnlich auch die gefährlichen Hölleninsekten waren, die ihn vergiften würden. So schlug er nur mit seinem Mönchsstab auf die einfachen Youkai ein, um zu Kaedes Bannkreis vorzudringen. Die alte Priesterin hatte schon Schweißperlen auf der Stirn und würde ohne seine Unterstützung sicher nicht mehr lange in der Lage sein, das Zauberfeld aufrecht zu erhalten. Kaede sah erleichtert, wie er rasch zu ihr durchkam, ohne Probleme ihre Magie durchquerte. Hastig ließ er sich neben ihr nieder, übernahm mit die magische Abwehr.
"Kaze no kizu!"
Inuyashas Ruf und die Energie, die die Windnarbe entlang lief, ließ Akamaru unwillkürlich nach unten sehen. Er spürte etwas wie ein Frösteln über seinen Rücken wandern, als er zusehen konnte, wie die Tessaigas Macht die einfachen Youkai buchstäblich zu Hunderten in Stücke riss. Zum ersten Mal wurde ihm bewusst, dass Inuyasha, sogar als sie gegeneinander kämpften, und er selbst von Ausläufern des kaze no kizu getroffen worden war, nie mit voller Kraft zugeschlagen hatte. Einen direkten Treffer mit dieser kompletten Macht hätte selbst er, Akamaru, wohl nicht überlebt. Inuyasha hatte ihn wirklich nie als Feind betrachtet.
Eilig riss er seine Klinge empor, um die Sicheln aus Wind abzufangen, die Kagura unterdessen gegen ihn geschickt hatte. Sie blickte sich hastig um, schien etwas zu suchen, ehe sie eine weitere Fächerbewegung machte. Akamaru landete auf dem Boden, sprang aber sofort wieder empor, um sie anzufallen. Gerade noch rechtzeitig erkannte er ihren Angriff auf sich und warf sich noch in der Luft herum, um dem Windsturm auszuweichen. Als er wieder zu ihr sehen konnte, war sie verschwunden. Auch die noch lebenden Youkai flüchteten.
Tessaiga noch aktiviert lief Inuyasha zu dem Bannkreis: "Kagome...ist alles okay?"
"Ja, mit mir schon. Sango ist verletzt."
"Es geht schon..." Diese richtete sich etwas mühsam auf: "Der Angriff kam so plötzlich und unerwartet..."
"Ja." Miroku stand wieder auf und sah sich um: "Was wollte sie denn hier? Kagura taucht doch nie ohne Grund auf."
"Ist doch klar." Inuyasha schob sein Schwert weg: "Sie dachte, wir sind abgelenkt und unvorsichtig und wollte Kagomes Splitter klauen."
"Ich weiß nicht." Kaede stand beschwerlich auf: "Irgendetwas sagt mir, dass das nicht der Grund war. Sie hätte direkt Kagome angreifen können. Stattdessen galt der erste Angriff Sango, die gerade kam. Und dann ließen sie mir noch die Zeit, einen Bannkreis zu errichten. Es war eher, als ob sie wollte, dass wir beschäftigt werden..."
"Du meinst, Kaede-sama, das war ein Scheinangriff?" Miroku betrachtete die Überreste der Youkai um sich: "Bisschen viel Aufwand...und wofür?"
"Scheinangriff?" echote Inuyasha etwas empört: "Das waren ganz schön viele...und der Bannkreis der alten Hexe hätte auch nicht mehr lange gehalten. Außerdem, was hätte Kagura denn davon gehabt, hier einen Scheinangriff zu starten?"
"Sie hat uns immerhin hierher gelockt", erwiderte Akamaru langsam, der sein Schwert ebenfalls wieder in den Gürtel geschoben hatte. "Wer ist diese Kagura?"
"Ein Abkömmling Narakus", erwiderte Kagome sofort. "Er ist ein Hanyou und ziemlich mächtig. Außerdem ist er hinter den Splittern des Juwels der vier Seelen her. Und er will Inuyasha umbringen."
Akamaru tat, als habe er sie nicht gehört, hob aber ein wenig witternd den Kopf, um sich den Geruch einzuprägen.
"Aber warum sollte sie uns hierher locken wollen?" Miroku blickte sich um: "Geht es wirklich, Sango?"
"Ja, danke, hoshi-sama." Sie stand aufrecht: "Es war wohl mehr der Schock. - Jedenfalls sind wir jetzt alle aus dem Dorf...und..."
"Nee-chan!" Akamaru lief los.
Unwillkürlich folgten ihm die anderen, so schnell sie jeweils konnten. Fürchtete der Hundeyoukai tatsächlich, jemand habe sie alle aus dem Dorf gelockt, um seiner Schwester etwas anzutun? Shiro war sicher noch nicht wieder wach und konnte sich gegen einen Angriff nicht wehren. Aber was sollte Naraku für ein Interesse an der Youkaiprinzessin haben? Außer, dass er sich einen weiteren Gegner in Akamaru schuf, hätte er kaum etwas dabei zu gewinnen. Obwohl, dachte Kagome aus leidvoller Erfahrung: er sammelte Gegner wie andere Leute Briefmarken.
Der Herr des Südens erstarrte, als er den Dorfplatz erreichte. Kaedes Hütte hatte nur noch drei Seiten, die vierte fehlte, das Dach war eingestürzt. Nur die Selbstbeherrschung eines Youkai verhinderte, dass er blindlings dorthin rannte, zumal ihm seine Nase bereits verriet, dass seine Schwester nicht mehr dort war. Stattdessen sah er sich erst einmal um.
Inuyasha war schon neben ihm: "Mist!" war sein Kommentar, ehe er einen weiteren Satz machte, zu Shippou und Rin sprang, die regungslos auf dem Boden des Platzes lagen. Er bückte sich: "He, Shippou! Was war denn hier los? Hallo?!"
Kagome kam angehastet: "Oh nein!" Sie kniete neben Rin nieder, zog die Kleine ein bisschen auf. Wenn dem Mädchen etwas passiert war, würde das Sesshoumaru sicher nicht mit einem Schulterzucken abtun, wenn er wieder hierher kam.
"Rin..." keuchte jemand.
Alle sahen zur Hütte. Unter den eingestürzten Holzbalken kroch Jaken hervor: "Rin...?"
"Sie ist bewusstlos", sagte Kagome, die annahm, dass das die Frage sein sollte: "Sie hat eine ziemliche Beule, aber wird bald aufwachen. Wie geht es Shippou, Inuyasha?"
"Der hat auch eine Beule. Aber bei seinem Dickschädel wird er gleich wieder da sein. - Was war hier los, Jaken?"
"Das möchte ich auch wissen."
Die Stimme und das Youki genügten, damit sich alle umwandten. Sesshoumaru kam heran, offenkundig vollkommen wiederhergestellt, blieb neben dem Youkafürsten des Südens stehen und musterte die Zerstörung.
Jaken kam eilig heran, warf sich vor seinem Herrn auf die Knie, schielte aber nebenbei zu Akamaru: "Shiro-hime ist entführt worden..."
Kagura trat neben einen jungen Mann mit langen schwarzen Haaren, der nachlässig an einem Baum saß: "Er hat sich Shiro geholt."
"Ich weiß." Naraku sah sie nicht einmal an.
"Irgendwie ist mir wirklich schleierhaft, was du mit diesem Angriff bezweckt hast. Ich sehe keinen Nutzen darin, wer Shiro gerade hat."
"Du und Inuyasha...ihr seht das Offensichtliche nicht." Das klang ein wenig spöttisch.
Sie presste ärgerlich die Lippen zusammen, wollte ihn aber nicht reizen. Er konnte verdammt unangenehm werden: "Bevor ich es vergesse: Inuyasha hat Akamaru Befehle erteilt."
"Ja. Und ich nehme doch an, dass es der edle Akamaru-sama nicht lange ertragen wird...Sie können es alle nicht leiden, wenn ihnen jemand Befehle erteilt." Naraku blickte amüsiert auf: "Und dann gibt es in der Familie noch ein bisschen mehr Streit. Darum auch ist Shiro so wichtig, verstehst du, Kagura?"
Sie dachte nach: "Dadurch, dass Yuri jetzt Shiro entführt hat, gibt es nicht nur Streit zwischen Sesshoumaru und Yuri um die westlichen Länder, sondern auch Akamaru wird seine Schwester wiederholen wollen und mit Yuri streiten. Und Akamaru wird Inuyasha töten wollen, da er nur dann keinem Hanyou mehr gehorchen muss. Sesshoumaru und Inuyasha streiten sich sowieso..."
"Sehr richtig. Was für eine nette kleine Familienfehde. Und am Ende gehört der Sieger mir." Seine Handbewegung ließ Kagura unwillkürlich schaudern, wusste sie doch, dass er damit eine Absorption meinte. Er würde das Youki des Siegers in sich aufnehmen wollen. Aber sie sagte nur: "Die Macht eines vollwertigen, hochrangigen Youkai...und natürlich das Youki von Shiro, wenn sie sich erholt hat."
"Shiro?" Naraku sah ins Nichts. Er hatte nicht die Absicht, seiner unzuverlässigen Begleiterin zu sagen, dass er für die Youkaiprinzessin an eine ganz andere Verwendung dachte. Die Idee war ihm gekommen, als er in Kannas Spiegel zugesehen hatte, wie Akamaru seine Zwillingsschwester in Kaedes Dorf gebracht hatte. Er hatte stets gern einen Blick auf dieses Dorf. Was auch immer geschehen war, die Youkaiprinzessin war da zwar sehr schwach, aber erst einmal wiederhergestellt, war sie sicher mächtig in ihrer Magie. Es mochte reizvoll sein, ein einziges Mal einen Abkömmling nicht aus sich selbst zu erschaffen, sondern aus einem anderen Wesen. Und da sie Sesshoumaru sicher hasste, müsste es ein Leichtes sein, sie auf seine, Narakus, Seite zu ziehen.
Kagura merkte, dass sie keine weiteren Auskünfte bekommen würde: "Dann gehen wir?"
"Ja." Er erhob sich. Es war wirklich ein Glück gewesen, dass er Yuri gefunden hatte: "Diese Hundejungen sollen sich nur gegenseitig umbringen. Das macht es für mich einfacher." Er schien im Nichts zu verschwinden, als er das Dimensionsportal öffnete.
Kagura folgte ihm.
"Ich...ich weiß nicht genau, was los war..." begann Jaken seinen Bericht ein wenig unglücklich: "Ich saß dort, vor der Hütte, als Akamaru-sama, Inuyasha und der Mönch die Hütte verließen. Rin und der Fuchsdämon malten wieder ihre Bilder. Dann, einige Minuten später, spürte ich ein Youki...ein sehr starkes. Ich bin mir sicher, dass es ein sehr mächtiger Youkai war, der gewiss an Eure Stärke..." Er korrigierte sich hastig, als er das kaum bemerkbare Zusammenziehen der Augen sah: "Der jedoch vermutlich schwächer ist, als Ihr, Sesshoumaru-sama. Jedenfalls stürzte dann die Wand ein, und das ganze Dach begann zu schwanken. Dabei konnte ich einen Blick auf den Youkai werfen. Er trug eine Rüstung und ein Schwert. Aber was auffallend war, waren seine langen weißen Haare." Jaken sah erneut vorsichtig auf: "Ich bin mir sicher, dass er ebenfalls ein Hundeyoukai ist."
"Ein Hundeyoukai?" Akamaru machte einen weiten Satz über Jaken hinweg, über Kagome, die noch immer Rin im Arm hielt, und blieb kurz vor der Hütte stehen, witterte.
Sesshoumaru kam zu ihm. Die beiden prüften noch einmal die Luft, so intensiv, dass Inuyasha neugierig zu ihnen sprang: "Was habt ihr denn?"
"Frag deine Nase", beschied ihm sein älterer Bruder.
Der Hanyou tat es, starrte dann die beiden Youkaifürsten an: "Aber das ist doch...das ist nicht möglich."
"Offenkundig doch." Akamaru drehte sich leicht, versuchte, noch einmal die Gerüche aufzunehmen: "Aber dann bleibt die Frage, was sich dieser Naraku davon verspricht, ihn hier zu unterstützen?"
"Naraku?" wiederholte Sesshoumaru.
Inuyasha lieferte die gewünschte Aufklärung und fuhr fort: "Ja, das ist jetzt ganz klar. Kagura hat uns weggelockt, damit dieser....dieser Youkai hier Shiro entführen konnte. Aber warum macht der das?"
Rin erwachte endlich, setzte sich auf: "Sesshoumaru-sama!" Sie strahlte ihn an.
Der wandte ihr nur kurz die Augen zu, schwieg aber, versuchte, noch einmal die Gerüche zu sortieren. Offenkundig witterten sie alle drei das Gleiche. Und egal, ob es unmöglich sein musste: ihre Nasen irrten sich nicht.
"Warum?" Akamaru schien überrascht: "Aber, Inuyasha-sama, du hast wohl etwas übersehen. Meine große Schwester ist eine von sehr wenigen weiblichen Hundeyoukai, zumal, mit dieser Macht. Wer sie zur Gefährtin hat..." Er brach ab. Es war vermutlich nicht gerade angebracht, dieses Thema vor Sesshoumaru anzuschneiden.
Der Hanyou sah etwas verwirrt aus: "Soll das heißen, du glaubst, er hat sie entführt, um sie zu seiner Frau zu machen? Aber was soll der Vorteil für Naraku sein? Der Mistkerl hilft niemandem, wenn er keinen Vorteil hat."
"Das ist mir gleich." Akamaru richtete sich auf und legte die Hand an sein Schwert: "Niemand entführt meine Schwester. Ich werde sie finden und den Kerl umbringen, der sie verschleppt hat. Und diesen Naraku gleich dazu."
"Nein." Sesshoumaru sagte es gelassen: "Du kannst das Youki deiner Schwester finden. Aber sie gehört mir. Und niemand stiehlt mein Eigentum, ohne dafür zu bezahlen."
Vermutlich war Rin die einzige, die nicht mit offenem Mund unter den menschlichen Zuhörern war.
Akamaru schien ebenfalls ein wenig irritiert. "Nun, ich weiß selbstverständlich, dass sie noch immer offiziell deine Braut ist..." Er begegnete dem Blick seines Gegenübers: "Wie du willst", sagte er nur noch. Er kannte seinen Platz in der Rangordnung.
Kagome kam zu Inuyasha: "Ein anderer Hundeyoukai hat sie entführt?" erkundigte sie sich bei niemand bestimmten, nahm aber an, dass ihr die vollwertigen Youkai nicht antworten würden. "Wie viele gibt es denn?"
"Keine Ahnung", sagte Inuyasha: "Aber das Problem ist, dieser Typ muss aus unserer Verwandtschaft sein. Er riecht so..."
"Und wo ist das Problem?"
Der Hanyou sah von seinem Bruder zu seinem Cousin: "Ihr wusstet auch nichts von ihm, oder?"
"Nein." Akamaru blickte zu ihm: "Aber so oder so müssen wir uns beeilen. Nee-chan ist sicher noch viel zu geschwächt, um Widerstand zu leisten."
"Du kannst doch ihr Youki finden, hast du gesagt?" Inuyasha sah kein Problem: "Dann können wir hingehen und den Kerl erledigen."
"Wir?" Sesshoumaru hob leicht die Augenbrauen. Aber im Grunde war er nicht überrascht.
"Ja, wir. Immerhin hat sie bei meiner Rettung mitgeholfen, da drehe ich nicht Däumchen, wenn sie gekidnapped wird."
"Wir kommen auch mit", sagte Kagome sofort und drehte sich ein wenig, um sich von Sango und Miroku die nickende Bestätigung abzuholen: "Und auch, wenn wir nur Menschen sind...vielleicht könnten wir behilflich sein. Und wenn es nur ist, dass Naraku auftaucht: ich kann die Splitter fühlen."
"Ein starker Hundeyoukai..." deutete Akamaru an, der nicht zu unhöflich werden wollte. Immerhin hatte dieses Menschenmädchen schon einmal den Heerführer seines Vaters vernichtend geschlagen. Ihre Pfeile waren nicht ohne.
"Ja", sagte sie nur: "Aber immerhin: während ihr mit ihm kämpft, könnten wir nach Shiro...Shiro-hime suchen. Es ist ja nicht gesagt, dass er sie freiwillig wieder rausrückt."
Jaken war herangekommen: " Äh...Sesshoumaru-sama...?"
Der wandte ihm den Kopf zu.
"Mir ist da noch etwas eingefallen...Er...der Youkai hat die Seitenwand eingerissen, dabei einen solchen Druck erzeugt, dass Rin und Shippou davonflogen. Aber dann ging er zu Shiro-hime und beugte sich über sie. Dabei sagte er etwas, das ich vergessen hatte. Jetzt ist es mir aber wieder eingefallen."
"Und was?" fragte Inuyasha prompt. Wie konnte es sein Bruder nur mit diesem Langweiler aushalten?
"Er sagte, endlich habe ich dich gefunden, meine Gefährtin."
"Wie bitte?" meinte Kagome verwirrt. "Ich...ich dachte..." Sie brach ab, da sie erkannte, dass es vermutlich gesünder sei, nichts zu sagen.
Akamarus grüne Augen leuchteten: "WAS hat er gesagt?"
"Sie sei seine Gefährtin", stammelte Jaken und blickte vorsichtig zu seinem Herrn auf, ob der ihn vielleicht schützen würde.
Aber Sesshoumaru sah ins Nichts. Unmöglich, dachte er. Shiro hat gewiss nie einen anderen Partner akzeptiert, nicht solange ich lebe und sie. Naraku. Ganz sicher hat dieser Feigling da die Hand im Spiel.
Der rothaarige Hundeyoukai schüttelte den Kopf: "Das glaube ich nie. Nicht nee-chan. Sie würde eher sterben..." Er brach ab: "Ist das etwa Narakus Plan?"
"Hä?" machte ein irritierter Hanyou: "Also, ich glaube nicht, dass Shiro jemand anderen als Sesshoumaru..."
"Eben." Akamaru sah zum Herrn der westlichen Länder: "Ich kenne diesen Naraku nicht, aber er scheint ein raffinierter Intrigant zu sein. Und feige."
"Ja." Das Urteil konnten alle anwesenden Menschen plus Inuyasha im Chor bestätigen. Dieser fuhr fort: "Dann verstehst du, was er geplant hatte?"
"Ich denke, er arbeitet auf zwei Spuren: er will diesen Unbekannten unterstützen und gegen Sesshoumaru, dich oder mich aufhetzen. Als Belohnung hat er ihm wohl nee-chan versprochen. Er hat keine Ahnung, dass sie niemals ihr Wort brechen würde, eher den anderen töten wird. Und als zweites: er nimmt wohl an, dass ich ebenfalls nicht zu meinem Wort stehe, gegen dich, Inuyasha-sama, oder gegen Sesshoumaru vorgehe. Er will uns gegeneinander aufhetzen."
Der Herr der westlichen Gebiete nickte leicht. Das war auch seine Meinung. Naraku würde die fundamentale Ehrenhaftigkeit der Zwillinge nie begreifen. "Such das Youki."
Akamaru gehorchte, suchte die Lebensenergie seiner Zwillingsschwester.
Shiro öffnete mühsam die Augen. Sie fühlte sich noch immer erschöpft, ihr Youki war bei weitem noch nicht wiederhergestellt, aber irgendetwas sagte ihr, dass sie außer Gefahr war. Verwirrt erkannte sie, dass sie in einem Haus war, auf Decken lag.
"Oh, dir geht es besser?" sagte einer Männerstimme: "Es freut mich, wenn ich dir helfen konnte, meine Gefährtin."
Sie drehte überrascht den Kopf. Neben ihr kniete ein junger Mann, eindeutig ein Hundeyoukai. Seine Augen waren von derselben Farbe wie ihre eignen, oder die von Akamaru: grün. Aber wo ihre Haare rot waren, hatte er schneeweiße. Gefährtin, hatte er gesagt? War er derjenige gewesen, der ihr in diesem seltsamen, fremden Land geholfen hatte? War er ihr Gefährte? Ihr Partner? Sie konnte sich nicht an ihn erinnern.
Sie schloss für einen Moment die Augen. Sie entsann sich, eine Reise mit Sesshoumaru gemacht zu haben, aber ihre letzte Erinnerung war der Kampf vor dem Tempel der Magier...und danach an dieses seltsame Land. Aber war davor oder danach oder währenddem etwas geschehen?
Sie sah ihn wieder an. Es half nichts. Bis sie wusste, was passiert war, musste sie das glauben, was er sagte. Und im Augenblick war sie sowieso viel zu schwach, um etwas zu unternehmen, zumal gegen einen so mächtigen Youkai. Er war sicher genau so stark wie sie, wenn sie ihr volles Youki besaß - eher noch stärker. Das würde auch dazu passen, dass er ihr Gefährte war...Warum konnte sie sich nicht erinnern? Und warum sagte ihr eine Stimme in ihr, dass hier etwas falsch war?
Er betrachtete sie mit gewissem Stolz: "Du bist wirklich schön, das freut mich. Er hatte mir versprochen, dass du schön bist."
"Verzeih", meinte sie vorsichtig: "Ich...ich weiß deinen Namen nicht."
"Natürlich. Ich heiße Yuri, liebe Shiro."
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Ein Bild von Yuri ist neu in der Charkterbeschreibung.
Das neue Kapitel heisst: "Familienfehde".Und Sesshoumaru darf feststellen, dass man manchmal erst merkt, was man besitzt, wenn es jemand anderer haben will.
Wer so nett ist und mir einen Kommentar hinterlässt, dem schicke ich eine Infoens, wenn das neue Kapitel on geschaltet ist.
bye
hotep
Familienfehde
Vielen Dank, dass ihr so aufmerksam mitlest - und kommentiert.
Viel Spass beim lesen!
16. Familienfehde
Shiro richtete sich zum Sitzen auf. Sie fühlte sich noch immer ein wenig schwach, aber sie befand sich gewiss nicht mehr in Gefahr, zumindest, was ihr Youki betraf. Dieses seltsame Land, in dem sie da gewesen war...war das das Land zwischen Leben und Tod gewesen? Hatte sie dort um ihr Leben gekämpft? Und da der Youkai neben ihr sich erhob: hatte ihr Yuri dort geholfen, ihr Leben zu retten? In diesem Fall war sie ihm zu Dank verpflichtet.
Er bot ihr höflich die Hand, um ihr beim Aufstehen zu helfen. Sie nahm sie dankbar an, zumal sie registrierte, dass sie noch immer Rüstung und Schwert trug. Gefangene war sie sicher keine. Also hatte er Recht und sie war seine Gefährtin? Aber warum sagte ihr etwas, dass da noch irgendetwas anderes war, dass sie vergessen hatte? Nun entsann sie sich auch, dass sie in diesem Land sich auch erst an alles erinnern musste. Hatte sie noch irgendetwas übersehen?
Yuri hielt ihre Hand fest und so blickte sie zu ihm auf. Er war gewiss älter als sie, aber nicht sehr viel. Seine Rüstung war teuer gearbeitet und reichte ihm rechts und links über die Schultern hinab, bestand dort allerdings nur aus kleinen Metallösen, die ineinander gehakt waren. So blieb ihm genug Beweglichkeit. Ein wenig seltsam fand sie es, so in Augen zu sehen, die denen ihres Zwillingsbruders- oder ihren eigenen- so ähnelten. War er irgendwie ein Verwandter? Seiner Witterung nach konnte es stimmen. Auch das sprach dafür, dass er ihr Gefährte sein mochte.
"Shiro."
"Ja?"
"Auch, wenn du im Augenblick noch nicht voll wiederhergestellt bist..." Er konnte nicht widerstehen. Eine so starke und schöne Hundeyoukai zu finden, zur Gefährtin zu bekommen.... Er kannte nur einen, der da abgelehnt hatte.
Bevor sie seine Absicht ahnen konnte, hatte er den anderen Arm um sie gelegt, sie an sich gezogen und küsste sie.
Shiro erstarrte unwillkürlich in seinem Arm. Wenn er ihr Gefährte war, hatte er natürlich das Recht...aber...aber was war das für ein Aber? Und warum schauderte ihr so vor dieser Berührung?
Aus ihren Gedächnis tauchte eine Erinnerung auf: ein Felsen, ein weiches Schulterfell um sie, das sie gegen Dornen eines Brustpanzers drückte, eine Hand an ihrem Nacken, wie eine zärtliche Drohung....Sesshoumaru! Und sie war sich nun sicher, dass sie da keinen Widerwillen empfunden hatte.
Behutsam wich sie zurück. Wenn Yuri ihr Gefährte war, wollte sie ihn nicht verärgern: "Ich spüre etwas, das sich nähert..."
Er hob den Kopf: "Du hast Recht. Dein Bruder scheint uns zu besuchen. Komm. Wir wollen ihn empfangen." Wortlos, aber noch immer sehr irritiert, folgte sie ihm. Hoffentlich konnte ihr ihr Zwillingsbruder helfen, sich vollständig zu erinnern.
Es war eine sehr gemischte Gruppe, die durch ein Dimensionsportal auf der Ebene erschien, das von zwei mächtigen Youkai erschaffen worden war. Die Menschen waren ein wenig verwundert, dass sie tatsächlich mitgenommen worden waren, noch dazu auf eine so eindeutig "unmenschliche" Reisemöglichkeit. Akamaru war zwar relativ menschenfreundlich eingestellt, aber nicht nur Kagome fragte sich, was auf der Reise nach Norden und bei Inuyashas Befreiung geschehen war, dass Sesshoumaru doch irgendwie verändert hatte. Er redete immer noch wenig, wirkte immer noch kühl, aber er behandelte Inuyasha jetzt ohne jede Verachtung, wenn auch mit der betonten Rangfolge des älteren Bruders gegenüber dem jüngeren. Der Hanyou hatte ihnen zwar berichtet, dass sie gemeinsam gegen diese Bestie der Tiefe gekämpft hatten, aber das konnte kaum die Ursache sein. Andererseits, dachte Kagome: wer kann schon verstehen, was in dem Schädel eines Youkai vor sich geht.
Akamaru blieb stehen, drehte leicht den Kopf: "Dort vorn."
Das bezog sich auf das Schloss, das sich gut zweitausend Schritte vor ihnen erhob, nicht auf die leicht flirrende Luft vor ihnen, die sie alle erkannten.
"Ein Bannkreis...." Inuyasha fasste bereits nach seinem Schwert: "Das ist kein Problem." Tessaigas Klinge leuchtete rot auf und er schlug zu. Das Flimmern verschwand sofort.
Sesshoumaru dachte nach. Diese Magie war recht stark. Natürlich hätte dieser Bannkreis für ihn kein Hindernis dargestellt, wohl für Akamaru auch nicht. Der unbekannte Hundeyoukai war jedoch gewiss kein Schwächling. Er sah zu dem Schloss, wo sich etwas bewegte. Offenbar hatte man dort bemerkt, dass der Bannkreis gebrochen worden war. Ein Trupp Soldaten kam herausgelaufen.
"Youkai", sagte Akamaru und legte die Hand an sein Schwert.
"Verzeih, Sesshoumaru-sama", meinte Miroku vorsichtig, der durchaus bemerkt hatte, dass und wem sich Akamaru unterordnete: "Überlasst diese dort uns und geht direkt zum Schloss. Immerhin hat der Herr dort Shiro-hime als Geisel." Und da der Hundeyoukai ihn ansah: "Nur ein Vorschlag...."
"Inuyasha, du bleibst bei ihnen." Gegen diese paar Handvoll Youkaikrieger in Menschenform würden sein jüngerer Bruder und dessen Anhang keine Probleme haben. Und er wollte nicht noch einmal in eine Situation kommen, in der er das Leben seines einzigen Bruders aufs Spiel setzte.
Der Hanyou wollte eigentlich dagegen protestieren, so rumkommandiert zu werden, aber die beiden Youkai waren schon per Dimensionsportal unterwegs zum Schloss. So murmelte er nur ein leises "Keh!" das den Adressaten nie erreichte, ehe er Tessaiga hob, um die Angreifer zu erwarten: "Bleib hinter mir, Kagome!"
"Dann treffe ich dich ja mit einem Pfeil." Sie hatte den Bogen schon gespannt.
"Bloß nicht!" Er sah sich hastig um: Sango hatte ihren Bumerang in der Hand, Miroku seinen Mönchsstab quer. "Sag mal, Miroku, was sollte das vorhin eigentlich, hä? Machst meinem Herrn Bruder so tolle Vorschläge, dass wir hier den Müll aufsammeln und die beiden können losziehen und den Helden spielen und Shiro rausholen?"
"Wir halten ihnen den Rücken frei", meinte Sango versöhnlich: "Und das heißt doch immerhin, dass Sesshoumaru uns und insbesondere dir das zutraut."
Inuyasha wollte eigentlich noch was dazu sagen, aber da die ersten Krieger sie fast erreicht hatten, verschob er das auf später, schwenkte ein wenig seine Klinge, um die Windenergie einzufangen.
Die beiden Youkaifürsten warfen einen kurzen Blick zurück, als sie vor dem offenen Schlosstor erschienen. Wie sie erwartet hatten, hatten Inuyasha und seine Menschen gegen die gut fünfzig Krieger keine Probleme. Und das, ohne das dieser Mönch sein schwarzes Loch einsetzte. Kagomes erster Pfeil allein hatte für sicher fünf der Krieger das Ende bedeutet, als er mitten durch die Gruppe hindurch geflogen war, alle auflösend, die die helle Energie berührte. Weitere Krieger schienen nicht im Schloss zu sein So betraten die beiden langsam den Schlosshof, sahen sich um. Akamaru spürte deutlich das Youki seiner Zwillingsschwester- und es näherte sich.
"Was für eine unerwartete Überraschung", sagte eine männliche Stimme seitwärts.
Die jetzt offen gezeigte Energie dort war stark und beide fühlten nun auch Shiro. So drehten sie sich um. Die rothaarige Youkaiprinzessin stand neben einem männlichen Hundeyoukai und beide Besucher waren etwas irritiert, als sie bei ihm die grünen Augen erkannten, verbunden mit den weißen Haaren. Er wirkte fast wie eine Mischung aus ihnen beiden.
"Ist alles in Ordnung, nee-chan?" erkundigte sich Akamaru prompt, ehe er daran dachte, dass er als Fürst der Youkai solche privaten Gefühle nicht zeigen sollte.
Sie nickte leicht, schwieg aber.
"Sesshoumaru und Akamaru...und dann auch noch zusammen." Der Schlossherr wirkte noch immer sehr amüsiert: "Damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet."
"Und wer bist du?" fragte Sesshoumaru kalt.
"Yuri. - Der Name sagt dir nichts? Er wird dir bald etwas sagen." Das klang nun auch eisiger: "Du hast das, was rechtmäßig mir zusteht. Und ich will es haben."
"Und das wäre?"
"Dein Rang als Herr der Hundeyoukai, dein Titel als Herr der westlichen Länder."
"Ist das alles? Bist du ganz sicher, dass du nicht auch noch die Sonne oder den Mond willst?"
"Ganz sicher. Ich will nur mein Recht, mein Eigentum. - Wobei mich wundert, dass du hierher gekommen bist. Ich nahm an, Akamaru würde kommen. Mit dir hatte ich wirklich noch nicht gerechnet."
"Du entführst meine Braut und rechnest nicht mit mir?"
"Dein Gedächnis ist beklagenswert. Du hast vor langer Zeit meine Gefährtin zurückgewiesen."
"Deine..." Sesshoumaru fixierte Shiro, die nichts zu dieser Anrede sagte.
"Nee-chan?!" Akamaru war ebenfalls mehr als verblüfft.
Shiro bemühte sich um ein regloses Gesicht. Die Überraschung der beiden ließ sie vermuten, dass ihr Gefühl sie nicht getrogen hatte, Yuri sie angelogen hatte. Aber wenn er ihr da in diesem seltsamen Land geholfen hatte, war sie ihm Dank schuldig.
Sesshoumaru musterte sie nochmals. Konnte es sein, dass sie sich noch immer nicht alles ins Gedächtnis rufen konnte? Und dieser Yuri hatte das ausgenutzt? So meinte er langsam: "Erinnerst du dich an die Worte, die du zu mir sagtest, als wir uns am Tempel der Magier trennten?"
Shiro war in diesem Moment froh, dass sie als Youkai nicht erröten konnte, da es ihr einfiel. Und sie war dankbar, dass er das so formuliert hatte. "Aishiteru, aite" hatte sie gesagt...und er hatte das unangenehmerweise anscheinend noch gehört. "Ich liebe dich, mein Gefährte...". Aite....Sie starrte ihn an: "Die blauen Flammen?"
"Ja."
Yuri hatte etwas irritiert diesem seltsamen Gespräch gelauscht, ebenso Akamaru. Aber dieser war beruhigt, als er sah, wie sich seine Zwillingsschwester entspannte. Anscheinend war das irgendein Hinweis gewesen.
Shiro schloss kurz die Augen. Sesshoumaru hatte ihr also in dieser fremden Welt geholfen. Verachtete er sie doch nicht mehr so? Und immerhin: er war mit ihrem Bruder hierher gekommen, hatte sie gesucht. In ihr war ein Gefühl, das an Hoffnung grenzte. Sie sah ihn wieder an, bemerkte, wie er kampfbereit zu ihrem Nachbarn blickte:
"Yuri, du wirst nichts von allem bekommen, was du von mir haben willst. Gar nichts."
"Wir werden es sehen."
"Warum glaubst du eigentlich, der rechtmäßige Herr der westlichen Länder zu sein?" fragte Akamaru plötzlich: "Oder willst du meine Gebiete auch gleich dazu?"
"Nein. Du hast sie ja ordnungsgemäß von deinem Vater geerbt, lieber Cousin. - Überrascht?"
"Nein. Der Geruch der Familie ist vorhanden." Der rothaarige Youkaifürst sah, wie seine Schwester ein wenig zur Seite wich.
"Du behauptest also, ich hätte das Erbe meines Vaters zu Unrecht?" Sesshoumaru gab sich kühler, als er war. War das etwa noch ein Halbbruder? Aber das konnte nicht sein. Sein Vater hatte nie etwas erwähnt. Und was immer Yuri war: er war in jedem Fall ein vollblütiger Youkai, und ein recht mächtiger.
"Ich unterstelle nicht dir ein Fehlverhalten, Sesshoumaru. Sondern deinem Vater. Er war ein Lügner und Verräter. Und ein Mörder. Der Mörder seines eigenen Bruders." Yuris Gesicht verzerrte sich: "Er hat meinen Vater getötet, um sich selbst in den Besitz der Länder zu bringen, um selbst die Macht zu haben."
"Dein Vater war also der jüngere Bruder des meinigen." Ja, er erinnerte sich, dass sein Vater ihm gegenüber einmal erwähnt hatte, er sei gezwungen gewesen, seinen eigenen Bruder zu töten.
"Das hat er dir wohl erzählt? Oh, sogar meine Mutter hat mir das immer erzählt, als sie floh. Dein Vater wusste nichts von ihr, nichts von mir und so konnte sie jahrelang in Sicherheit leben. Sonst hätte er uns gewiss auch umgebracht. - Aber dann kam Naraku und hat mir die ganze Wahrheit erzählt. Er war ja der Berater meines Vaters und er berichtete mir, dass in Wahrheit mein Vater der Erbe gewesen war, dein Vater ihn betrogen und ermordet hatte."
"Naraku." Das kam neutral.
Yuri schien für einen Moment irritiert, fuhr aber fort: "Und daher fordere ich dich auf, mir das alles zu überlassen. So oder so wirst du es tun. Aber da es nicht deine Schuld war, liegt mir nichts an deinem Tod."
"Es dürfte vollkommen sinnlos sein, dir zu sagen, dass dich Naraku angelogen hat", meinte Akamaru mit einem raschen Seitenblick auf Sesshoumaru, dann an ihm vorbei zum Schlosstor, wo gerade Inuyasha und die Menschen heranliefen, stehen blieben, als sie die Situation erkannten. "Deine Krieger sind jedenfalls erledigt." Die vier näherten sich nun langsamer.
"In der Tat." Yuri hatte es schon bemerkt: "Und mich wundert ein wenig, Akamaru, dass du Sesshoumaru helfen willst. Immerhin hat er deine Schwester beleidigt." Ihm fiel jetzt erst auf, dass Shiro nicht mehr neben ihm stand, sondern ein Stück zur Seite gewichen war, näher zu ihrem Bruder. Nun ja, er hatte sie angelogen, gehofft, sie würde zu spät merken, dass er noch nicht ihr Gefährte war. Einmal im Leben hatte er unehrenhaft gehandelt- aber sie war eine zu verlockende Beute.
"Ich werde dir nichts überlassen." Sesshoumaru sagte es sachlich: "Du willst also darum kämpfen?"
"Ja. Aber, wie gesagt, ich habe nichts gegen dich persönlich. Du hast weder meinem Vater noch mir etwas angetan. So fordere ich dich zu einem Duell um alles. Weißt du, was ein marspa i dilumi ist? "
Sesshoumaru nickte langsam.
Inuyasha und seine Begleiter wussten es nicht, aber sie erkannten, dass Akamaru deutlich besorgt wurde, Shiros Augen sich weiteten. Was immer das für eine Duellform war - das schien hart zu werden.
Yuri fuhr ruhig fort: "Niemand soll mir nachsagen, dass ich nicht fair gewesen sei. Du kannst dich zwei Stunden lang vorbereiten. Und dann treffen wir uns dort vor dem Schloss."
"Einverstanden." Sesshoumaru betrachtete seinen neuen Cousin fast nachdenklich. Dieser schien sich zu bemühen, ehrenhaft zu sein. Sein Fehler war, dass er auf Narakus Märchen hereingefallen war. Der verstand es wirklich, die Schwächen seiner Opfer zu finden. Er drehte sich um und verschwand scheinbar im Nichts. Die zwei Stunden Vorbereitung würde er brauchen.
Auch Yuri war für die anderen plötzlich verschwunden und so kam Inuyasha zu Akamaru:
"Was ist das denn für ein Kerl? Und wieso Duell?"
"Yuri ist der Sohn des jüngeren Bruders Eures Vaters und unserer Mutter. Also, unser aller Cousin. Naraku hat ihm eingeredet, dass euer Vater den seinen getötet hat, um sich das Erbe anzueignen. Und Yuri hält sich nun für den rechtmäßigen Herrn des Westens. - Das Duell ist ein uralter Ritus. Nur Youkaifürsten dürfen sich zu solch einem Duell verabreden, es durchführen. Und es wird sehr, sehr hart, für beide."
"Was bedeutet dieses marspa i dilumi? Das ist keine Sprache, die ich kenne." Sango sah zu dem Herrn des Südens auf. Obwohl sie eigentlich wusste, dass er ein starker Youkai war- die Geschwister benahmen sich eher wie menschliche Fürsten und so behandelte sie sie unwillkürlich auch: höflich, aber ohne Furcht.
Akamaru nickte leicht: "Das ist auch aus keiner Sprache, die heute mehr gesprochen wird. - Nee-chan?"
"Ich weiß es auch nicht." Shiro kam heran: "Aber es ist kein gewöhnliches Duell. Und es geht um alles."
"Ja." Akamaru betrachtete sie besorgt: "Das ist, was mich daran stört."
"Wieso?" erkundigte sich Kagome neugierig und den Zwillingen fiel wieder einmal auf, dass diese Menschen keinerlei Furcht oder Hemmungen hatten, direkt mit ihnen zu reden.
Der Bruder übernahm die Antwort, um seiner Schwester die Peinlichkeit zu ersparen: "Der Sieger bekommt alles. Die westlichen Gebiete...und auch nee-chan."
"Du meinst..." Sango starrte die Youkaiprinzessin an: "Der Sieger bekommt dich zur Frau...und du kannst nichts dagegen tun, Shiro-hime?"
Diese schüttelte leicht den Kopf.
Akamaru dolmetschte die Geste: "Es ist noch ärger. Sie gehört buchstäblich dem Sieger. Dieser kann sie umbringen, als Dienstmädchen verwenden, heiraten...was auch immer. So ist das Recht."
"Recht?!" empörte sich Kagome: "Das sind ja Zustände wie im..." Sie hätte fast Mittelalter gesagt: "Das musst du dir doch nicht gefallen lassen, Shiro-hime...Du bist stark..."
Diese hätte fast gelächelt. Aber sie sagte: "Nun, das nützt mir nichts. Der Sieger bekommt alles, auf das Sesshoumaru einen Anspruch hat. So ist die Regel. Das ist kein gewöhnliches Duell. Es ist..." Sie zögerte ein wenig, da sie immerhin mit einem Menschenmädchen sprach: "Es ist eine Sache, die heilig ist. Kein Youkaifürst würde da betrügen. - Und Yuri schlug das auch vor, weil er ehrenhaft sein will."
"Sesshoumaru wird gewinnen." Inuyasha war sich ganz sicher: "Egal, um was es da geht."
"Das ist nicht gesagt, Inuyasha-sama." Akamaru dachte nach: "Ich weiß nur, diese Duelle finden sehr selten statt, da sich kaum ein Youkaifürst traut, eine solche Forderung auszusprechen. Ist die Forderung aber ausgesprochen, muss sie angenommen werden. Es ist eben eine sehr heilige Sache. Und es ist ein uralter Ritus. Ich denke, das letzte Mal, als ein solches Duell stattfand...nun, es werden gewiss 1000 Jahre sein..."
"Und was passiert da?"
"Ich weiß nur das, was wir von unserem Lehrer hörten. Und ihr werdet es sehen. Es sind mehrere Runden, die zunächst nur die Selbstbeherrschung demonstrieren sollen, dann aber immer mehr an die Energie, an die Kraft gehen. Und zum Schluss erst kommt ein eigentlicher Kampf mit dem Schwert. Wer zuerst kein Youki mehr hat, hat verloren."
"Das hört sich wirklich hart an", murmelte Sango besorgt: "Und wenn Yuri gewinnt..."
"Stirbt Sesshoumaru, die westlichen Länder wechseln den Besitzer und ..." Akamaru blickte zu seiner Schwester: "Es tut mir leid, nee-chan. Ich kann und darf dir nicht helfen."
"Ich weiß." Das klang ruhig. Sie war überzeugt, wenn Yuri gewinnen würde, würde er sie in Wahrheit zu seiner Gefährtin machen, zur Herrin der westlichen Gebiete. Sie müsste sich sehr täuschen, wenn er nicht ein Faible für sie hätte. Und was Sesshoumaru im Falle eines Sieges tun würde...Sie ärgerte sich ein wenig, dass sie das da am Tempel gesagt hatte, oder eher, dass er es gehört hatte. Eine Youkaiprinzessin sagte nicht: Ich liebe dich, erstens nie und zweitens ganz sicher nicht gegenüber jemandem, der sie über so lange Zeit verachtet hatte. Jetzt tat er es wohl weniger, aber sie nahm noch immer nicht an, dass er sie zur Herrin des Westens machen würde. Immerhin: er hatte ihr da in diesem seltsamen Land geholfen, schien ihr geholfen zu haben, wieder ins Leben zurück zu kommen. Also war er kaum an ihrem Tod interessiert. Nun, das war er eigentlich noch nie gewesen, gab sie sich zu. Aber was er wollte, von ihr, war ihr ein Rätsel.
Sesshoumaru hätte ihr diese Frage vermutlich nicht einmal beantworten können. Er hatte sich zu einem einsamen Platz begeben, einer Berghöhe, von der aus er einen weiten Blick über das Meer hatte. Dort hatte er sich niedergelassen, an einen Stein gelehnt und suchte nun die Ursprünge seines eigenen Youki. Das legendäre marspa i dilumi würde ihn zwingen, alle Reserven, die er hatte, einzusetzen. Er gab sich nicht der Illusion hin, dass dieser Yuri schwach war. Das konnte selbst für ihn, Sesshoumaru, eine sehr interessante und schwierige Herausforderung darstellen, zumal die heiligen Regeln ein zu rasches Vorgehen, ein zu schnelles Verletzen und Töten des Gegners untersagten. Und kein Youkai hätte sich soweit erniedrigt, bei diesem Brauch zu betrügen, zumal das einer Art Selbstmord gleichgekommen wäre. Denn jeder andere würde diesen Betrüger und Schänder des Rituals jagen und ihn töten wollen.
Plötzlich musste er daran denken, wie er in Shiros Seelenwelt eingedrungen war. Die Quelle ihres Youki war wie ein Marmorbrunnen gewesen. Wie die seine wohl aussah? So versuchte er diesmal tiefer in sich zu versinken als je zuvor, dieses Land zu erreichen. Es war schon seltsam, dass er es zum ersten Mal in einem anderen als sich selbst besucht hatte.
Irgendwann schien er über einer Landschaft zu schweben, die ihm vertraut vorkam. Dort war ein Teich...und er fühlte sich davon angezogen. So landete er dort. Das musste der Ort sein, an dem sein Youki entstand, der Ursprung seiner Energie als Youkai. Er konzentrierte sich darauf, wie er es gewohnt war. Aber diesmal konnte er zusehen, wie eine Fontäne aus hellem Licht in den Scheinhimmel dieser Landschaft schoss, als er spürte, wie sich sein Youki erhöhte.
Mit gewisser Verwunderung bemerkte er plötzlich einen anderen, zweiten Teich, nur wenig entfernt. Beide schienen durch einen leeren Kanal verbunden zu sein. Was war das? Aber als er versuchte, diesen zweiten Teich, dieses zweite Youki zu erreichen, stieß er an eine unsichtbare Wand. Was war das nur? Besaß er mehr Youki, als er je gedacht hätte? Konnte er es aus irgendeinem Grund nicht abrufen? War darum sein Vater stärker als er?
Aber letztendlich war es gleich. Im Augenblick konnte er nur auf sein gewohntes Youki zugreifen und er war sich sicher, dass das genügen würde. Immerhin war er nicht irgendwer, dass würde Yuri schon noch feststellen. Aber irgendwo war es ein angenehmer Gedanke, irgendwann einmal über mehr Macht verfügen zu können. Und das damit sein größter Wunsch in Erfüllung gehen würde.
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Hundeyoukai unter sich, nicht wahr?
Was für eine Familie.
Das nächste Kapitel heisst: "Um Ehre und Leben", wenn das legendäre Duell beginnt.
Wer so nett ist und mir einen Komemntar hinterlässt, dem schcike ich eine Inf- ENS, wenn ich sehe, dass das nächste Kapitel freigeschaltet ist.
bye
hotep
Um Ehre und Leben
Hallo,
Ein legendäres Duell unter Youkai, also. Der Begriff marspa i dilumi entstammt keiner mir bekannten Sprache. Ich habe ihn erfunden.
Viel Spass beim Lesen!
17. Um Ehre und Leben
Inuyasha drehte sich um: "Wenn der Kampf da draußen auf der Ebene stattfinden soll, sollten wir ja von da oben, dem Turm der Schlossmauer, zusehen."
"Wie können auch rausgehen. Da sehen wir sicher viel besser, " schlug Kagome vor. Immerhin war das anscheinend ein einzigartiges Ereignis und sie bezweifelte stark, dass menschliche Zuschauer je dabei gewesen waren.
Der Hanyou starrte sie an: "Spinnst du, du dumme Pute..." begann er.
"Mach Platz", fauchte sie prompt, ohne nachzudenken.
Noch während Inuyasha zu Boden ging, sah Kagome nur noch etwas Metallenes vor sich, fühlte Krallen an der Kehle.
Akamaru zwang sie, zu ihm aufzublicken, während er ruhig sagte: "Mach das noch einmal, wenn ich daneben stehe, und du bist tot."
Das Mädchen aus dem 20. Jahrhundert schluckte ihre Bemerkung lieber hinunter. Sie hatte zum einen nicht damit gerechnet, dass sich Akamaru zu Inuyashas Schutz berufen fühlen würde und zum zweiten hatte sie einfach vergessen, dass er ein Youkaifürst ungefähr der gleichen Rangstufe wie Sesshoumaru war. Und für Menschen vermutlich nur ein klein wenig mehr übrig hatte. So starrte sie in die grünen Augen, die sie jetzt vollkommen erbarmungslos musterten.
"Akamaru", keuchte Inuyasha, während er sich aufraffte: "Lass sie...sie meint das nicht so..."
Kagome war etwas beeindruckt, dass er sie selbst jetzt noch decken wollte und beteuerte hastig: "Es...es war ja ein Versehen..." Sie sollte ihre Stimmungen wirklich besser kontrollieren, wenn Youkai neben ihr standen, dachte sie. Shiro bewies es ihr ja bis zum Exzess, wie das ging.
Der rothaarige Youkaifürst gab sie frei und wandte sich ab.
Vorsichtig fast sah sie zu Inuyasha: "Danke", murmelte sie: "Und warum sollen wir nicht raus?"
"Das wird ein Kampf, der das Youki erschöpfen soll. Was meinst du, was das da für Energien freigesetzt werden. Ihr habt ja gar keine Ahnung, was Sesshoumaru so drauf hat." Er sah zu seinen Freunden, fuhr aber fort: "Und dieser Yuri hat ihn sicher nicht herausgefordert, weil er ein völliger Schwächling ist."
"Das ist er nicht", bestätigte Shiro unerwartet. "Er ist stärker als ich."
"Ihr meint, da oben sind wir etwas geschützt, weil wir Abstand haben, aber immer noch zusehen können." Sango drehte sich etwas: "Na, dann gehen wir doch schon mal. In gut eineinhalb Stunden soll es ja anfangen." Sie bemerkte, dass ihre Freunde ihr folgten- und Akamaru. So blieb sie stehen, drehte den Kopf: "Verzeih, Shiro-hime...du willst nicht zusehen?"
"Ich muss sogar. Aber draußen."
"Du bist ja sozusagen der Preis für den Sieger", meinte Inuyasha offen: "Aber kannst du dich gegen das Youki schützen? Ich denke mal, dass da ganz schön die Fetzen fliegen werden."
"Ja." Sie sagte nicht, auf welchen Teil des Satzes sich das bezog, aber sie wandte sich ab und ging zum Tor hinaus, auf die Ebene, um dort die beiden Kontrahenten zu erwarten.
Die anderen stiegen im Turm die Holzleitern hinauf- Akamaru sprang einfach nach oben- und setzten sich mehr oder weniger bequem auf den Boden.
Nach einer Weile Schweigen sah Miroku seitwärts. "Darf ich dir eine Frage stellen, Akamaru-sama?" Der drehte den Kopf zu ihm und der Mönch empfand das als Bejahung. "Diese Art Duell darf nur von Youkai sehr hohen Ranges gekämpft werden, hast du gesagt. Warum?"
"Es geht um die Ehre. Natürlich auch Leben und Tod."
Miroku konnte mit dieser Antwort relativ wenig anfangen, wollte aber nicht nachhaken. Die Szene vorhin mit Kagome und Inuyasha hatte die Freunde des Hanyou wieder daran erinnert, wer sich hier scheinbar gleichrangig zu ihnen gesellt hatte. So blickte er nur hinunter, von Shiro mit dem Rücken zum Schloss in einer Entfernung stand und wartete.
Eine wohlbekannte Energie hinter ihnen ließ die Zuschauer sich umdrehen. Sesshoumaru betrachtete seinen Halbbruder ein wenig nachdenklich, wie diesem vorkam. Unwillkürlich stand Inuyasha auf.
Vielleicht sollte er seinem älteren Bruder Glück wünschen? In Anbetracht ihres langjährigen Verhältnisses kam ihm das zwar wie Hohn vor, aber immerhin hatte ihn Sesshoumaru da vor dem Opfertod gerettet. Und vielleicht würde der einzige Bruder, den er je hatte, in wenigen Stunden nicht mehr da sein. So meinte er langsam: "Onii-san..." Ehrenwerter Herr älterer Bruder, eine höfliche und hoffentlich nicht zu intime Anrede. Sesshoumaru schien leicht überrascht, sagte aber nichts. So fuhr er fort: "Denk dran: du kannst nur gegen mich verlieren."
Sesshoumaru schüttelte flüchtig den Kopf. Das Talent seines jüngeren Bruders zur falschen Zeit das Falsche zu sagen schien fast unbegrenzt. Aber er meinte nur: "Inuyasha...", ehe er vom Turm sprang und hinaus in die Ebene ging, wo sich Shiro umdrehte. Während er langsam sich ihr näherte, fragte er sich, warum er überhaupt zu Inuyasha gekommen war. Hatte er etwa erwartet, sein Bruder würde ihm irgendwie Auf Wiedersehen sagen? Ihn im Gedächnis behalten wollen? Das wären allerdings typisch menschliche Eigenschaften, gab er sich zu. Und irgendwie hatte Inuyasha ihn wohl sogar beruhigen wollen. Aber niemand außer seinem jüngeren Bruder hätte es geschafft, das so zu sagen, dass er es als Beleidigung empfinden konnte. Letztlich war es gleich. Vor ihm lag nun ein langer und harter Kampf. Da brauchte er sich den Kopf nicht über Inuyasha zu zerbrechen.
Aus einem Dimensionsportal kam Yuri zu Shiro. Sicher hatte auch er die letzten beiden Stunden damit verbracht, sein Youki zu sammeln, sich in möglichst energiereiche Form zu bringen. Die beiden Kontrahenten betrachteten sich, ehe Yuri sich zu seiner Cousine wandte:
"Ich denke, du kennst den Ablauf eines marspa i dilumi, Shiro-hime?"
Sie registrierte dankbar, dass er sie nicht mehr als Gefährtin ansprach. "Ja. Wie wir es lernten."
"Dann hilf uns."
Sie wusste, was er meinte und da er etwas die Arme hob, trat sie zu ihm.
Die Zuschauer waren etwas verblüfft, als sie sahen, wie die Youkaiprinzessin den beiden Gegnern die Schwerter abnahm, getrennt auf den Boden legte, ihnen beiden aus der Rüstung half.
"Was soll das denn jetzt?" fragte Inuyasha bei seinem Nachbarn nach.
Akamaru konnte und wollte ihm die Auskunft nicht verweigern: "Die erste Runde dient der Darstellung der eignen Selbstbeherrschung. Waffen oder Rüstungen zeugen da von Feigheit und mangelnder Selbstkontrolle. Und nee-chan hilft ihnen, da sie es kaum gegenseitig tun können, es aber auch unter der Würde eines Fürsten wäre, dies in der Öffentlichkeit selbst zu tun. Wenn Jaken da wäre, würde gewiss er Sesshoumaru helfen, aber so ist nur sie da. Und der Sieger hat ja das Recht, sie zur Dienerin zu machen."
"Ob ihre Hände zittern?" murmelte Kagome unwillkürlich.
Akamaru fixierte sie: "Shiro wird niemals zittern."
"Natürlich", sagte sie hastig, da sie nicht noch einmal seine Hand an der Kehle haben wollte: "Das meinte ich auch nicht so wörtlich. Aber ihr ist doch sicher klar, dass da ihr Schicksal entschieden wird. Und sie selbst nichts tun kann. Das würde mich mehr aufregen, als wenn ich selbst etwas unternehmen könnte."
Akamaru gab ihr im Stillen Recht. Wenn dieses Duell vorbei war, war seine ältere Schwester vermutlich den weitesten Weg gegangen, wer auch immer dort gewinnen würde.
Die beiden Gegner entfernten sich nun von Shiro und den neben ihr liegenden Rüstungen und Waffen. Vielleicht gut fünfzig Meter entfernt blieben sie einander gegenüber stehen.
"Du darfst anfangen", erklärte Yuri ruhig.
Sesshoumaru, der noch immer das Fell um die rechte Schulter gewickelt hatte, fasste statt einer Antwort zu seinem Oberteil, öffnete es, entblößte so seine Brust. Zur Verwirrung der Zuschauer hob er seine Hand, versetzte sich selbst einen tiefen, blutenden Kratzer.
"Um Himmels Willen..." brachte Kagome hervor. "Was ist das denn für ein Duell??!"
Während Yuri das Gleiche tat, antwortete Inuyasha: "He, das sind Youkai, keine Menschen. Die Wunden verheilen in Nullkommanix wieder."
"Ja", erwiderte Sango, die begriffen hatte: "Aber das Heilen kostet jedes Mal ein bisschen Youki. Und jede Verletzung schwächt sie so ein klein wenig. Das kann lange dauern."
"Ansonsten", ergänzte Miroku: "Scheint mir das eine ziemlich harte Prüfung der Selbstbeherrschung zu sein. Mit jeder Runde, jeder Verletzung dürfte es schwieriger werden, sich selbst noch einmal weh zu tun. Obwohl ich glaube, dass das Schmerzempfinden bei Youkai anders als bei Menschen ist."
"Schon." Inuyasha zuckte leicht mit den Ohren, als er zusah, wie sich Sesshoumaru erneut einen tiefen Kratzer versetzte: "Aber ihr habt recht: das ist nicht gut für die Nerven und für das Youki."
"Und das ist erst die erste Runde?" Kagome sah zu Akamaru: "Wie lange soll das denn gehen, um Himmels Willen?"
"Die erste Runde oder das gesamte marspa i dilumi?" fragte der sogar zurück, damit beweisend, dass auch er angespannt war.
"Alles."
"Die erste Runde....ich glaube zehn Minuten. Dann kommt eine andere. Und das gesamte marspa...nun, das geht solange, bis einer der beiden kein Youki mehr hat. Und wenn es eine Woche dauern würde."
Die Menschen starrten mit leisem Grausen und doch Faszination hinunter. Ganz offenkundig waren die ersten Verletzungen schon wieder geheilt. Aber keiner von ihnen hätte sich selbst so verletzen mögen. Und das war erst die erste Runde? Kein Wunder, dass diese Duellform selbst unter Youkai nicht sonderlich beliebt war.
Nach zehn Minuten kamen die beiden Gegner zu Shiro. Keiner von ihnen atmete schwer, keiner zeigte ein Anzeichen von Müdigkeit. Aber das war auch nicht zu erwarten gewesen. Jeder nahm sein Schwert- Sesshoumaru Tokejin- und kehrte wieder zu seinem Duellplatz zurück.
"Ein Schwert...und keine Rüstung?" Miroku sah zu dem einzigen Youkaifürsten, der ihm Auskunft geben konnte. Akamaru starrte offenkundig aufmerksam hinunter. So fuhr er behutsam fort: "Was passiert jetzt?"
Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Sango stöhnte im Einklang mit Kagome auf, als sich Yuri vor Sesshoumaru aufbaute, der die Hand mit Tokejin sinken ließ, so dass die Klinge zu Boden deutete. Und der neuerkannte Cousin hob sein Schwert, ritzte deutlich überlegt die Haut seines Gegners. Sesshoumaru bewegte sich nicht, ließ auch Tokejin wo es war. Nach einer Minute sprang Yuri in weitem Bogen zurück. Nun senkte er sein Schwert und Sesshoumaru begann, ihn fast behutsam aufzuschneiden.
Akamaru und Inuyasha sahen aufmerksam nach unten, nicht im Mindesten so geschockt wie die Menschen, sondern eher mit fachmännischer Interesse.
"Was für ein Duell", ächzte Sango: "Das ist ja schlimmer, als alles was ich je sah!"
"Diese Art...das fordert die Selbstbeherrschung auf äußerste, " bestätigte Miroku: "Ich bin sicher, niemand außer Youkaifürsten hätte die Kontrolle, sich nicht zu wehren, obwohl man ein Schwert in der Hand hat. Aber wer sich wehrt, hat verloren, nicht wahr, Akamaru-sama?"
"Ja."
Kagome starrte den rothaarigen Hundeyoukai an: "Aber...das heißt doch auch...sie vertrauen sich. Ich meine, was würde passieren, wenn der Gegner zu tief schneidet, oder einfach drauflos haut? Den anderen tötet?"
"Er wäre nie der Sieger. Jeder Youkai, der etwas auf sich hält, würde ihn jagen. Bei diesem Duell zu betrügen..." Akamaru brauchte nicht weiter zu reden. Es war ein heiliges Ritual.
Inuyasha nickte etwas: "Das ist ein echt typisches Youkaiduell. Selbstbeherrschung ist eine der wichtigsten Tugenden...Ich bin gespannt, was da noch kommt."
"Du wusstest nichts von einem marspa i dilumi, Inuyasha-sama?"
"Nein. Aber ich kann mir so langsam vorstellen, was da abgeht...Und ich bin froh, dass ich das nicht machen muss."
"Ja, bin ich auch."
Die Menschen starrten die beiden an. Sie wussten nur zu gut, dass es Inuyasha nicht an Mut fehlte und sie bezweifelten auch, dass Akamaru so etwas wie Angst empfand. Was kam da also noch - wenn das der einfache Einstieg in das Duell war?
Die beiden Duellanten schienen noch immer unverletzt. Sie waren stark genug, solche kleinen Kratzer in wenigen Sekunden heilen zu lassen. Und beide wollten ihren Körper in Topform haben, wenn es zu dem eigentlichen Kämpfen kommen würde. Diese ersten Runden sollten nur Selbstbeherrschung demonstrieren, die Fähigkeit, sich im Zaum zu halten. Es war nicht sehr einfach, ein Schwert in der Hand zu haben und sich nicht damit zu verteidigen, es war aber noch schwerer, das eigene Youki zurückzudrängen, zu verhindern, dass es den Gegner verletzte oder man sich gar in einen Hund verwandelte. Und je weiter diese Runde voranschritt, umso schwieriger wurde es. Aber keiner der beiden zeigte nach außen irgendeine Reaktion.
"Endlich", flüsterte Kagome, als die beiden Hundeyoukai wieder seitwärts zu Shiro gingen, ihre Schwerter niederlegten: "Das hat mich fast krank gemacht. Aber...was kommt jetzt?"
"Sie ordnen ihre Kleidung, also sind diese Selbstbeherrschungstests vorbei", murmelte Miroku.
"Jetzt werden bald Zuschauer kommen", erklärte Akamaru unerwartet. Und da ihn alle fragend ansahen: "Nun stehen die Prüfungen im magischen Bereich bevor. Sie werden ihr Youki zeigen. Und jeder, in weitem Umkreis, der etwas davon versteht, wird wissen, dass hier ein marspa i dilumi stattfindet. Und das natürlich ansehen wollen. Wie gesagt, das gibt es selten genug."
Magische Prüfungen? Sango und Kagome blickten sich an. Sie hofften, dass das nicht so arg werden würde, für die Zuschauer. Beide hatten unwillkürlich Mitleid empfunden, auch wenn diese Verletzungen für Youkai wohl nicht so schlimm waren, wie sie für Menschen gewesen wären. Am liebsten wären sie gegangen, aber sie hatten das dumpfe Gefühl gehabt, dann nicht nur selbst bei Akamaru unten durch gewesen zu sein, sondern auch Inuyasha ziemlich blamiert zu haben. Also mussten sie da durch. Und, wenn die Menschenmädchen ehrlich waren, für sie war das sicher weit weniger nervenaufreibend, als für Shiro. Die Youkaiprinzessin stand mit dem Rücken zu ihnen und sah regungslos dem Duell zu, das auch über ihre Zukunft entscheiden würde. So konnten die Menschen und ihr Bruder ihr Gesicht nicht sehen, aber keiner bezweifelte, dass ihre Miene genauso ruhig war, wie ihre sonstige Haltung.
Die Duellanten ließen die Schwerter und die Rüstungen noch immer liegen als sie sich erneut auf ihre Plätze begaben.
Yuri betrachtete seinen Gegner, während er sein eigenes Youki aufflammen ließ. Er erwartete nicht, dass Sesshoumaru beeindruckt wäre. Sie dürften ziemlich gleich stark sein. Aber bei diesem Duell zählte Stärke weniger als Ausdauer und Kampftaktik. Die Energie seines Cousins offenbarte sich nun ebenfalls. Für einen langen Moment blieben sie so stehen, versuchten abzuschätzen, wie weit der andere noch gehen konnte, denn beiden war klar, dass der jeweils andere ebenso wenig schon alles gezeigt hatte.
Dennoch genügte die aufflammende Energie, dass die Zuschauer oben im Schloss in Deckung gingen, soweit sie menschlich waren. Akamaru schien unberührt und Inuyasha hob nur schützend einen Arm, vor Kagome, bis sich der Staub gelegt hatte.
"Nicht schlecht, dieser Yuri, " murmelte er: "Das wäre mal ein Gegner für Tessaiga...Oh, entschuldige, Akamaru."
"Schon gut", sagte der sofort. Immerhin wusste er inzwischen, dass Inuyasha nie die volle Macht Tessaigas gegen ihn eingesetzt hatte. Wenn er ehrlich war, legte er darauf auch gar keinen Wert.
Die menschlichen Zuschauer richteten sich vorsichtig hinter der Brüstung wieder auf, sahen hinunter. Um die beiden Duellanten hatte sich nun etwas wie dunkle Bälle gebildet, eine seltsame leuchtende Schwärze.
"Ich habe Youki noch nie so gesehen..." flüsterte Sango. Aber das hatten nur sehr wenige Menschen- und von denen lebte kaum einer noch.
Die beiden Kugeln aus Youki dehnten sich aus, bis sie einander berührten. Dann zuckten Blitze auf, leuchtend stahlblau in der Schwärze, als sich beide Youkai bemühten, den anderen zurückzudrängen. Shiro beobachtete das wachsam. Sie hielt ihre Hand am Schwert, da sie wusste, was früher oder später kommen würde. Auch ihrem Zwillingsbruder war das bewusst und er blieb auf der Hut, obwohl er ein ganzes Stück weiter entfernt war. Aber immerhin waren hier auch die Menschen und er wusste nicht, wie rasch Inuyasha da werden konnte.
Die beiden Sphären schienen förmlich Funken zu sprühen, als die eingesetzten Energien immer höher stiegen. Wind entstand. Shiros lange Haare flatterten und sie zog ihr Schwert, bereit, einen Abwehrkreis zu ziehen. Sie war zwar bei weitem noch nicht wiederhergestellt, aber sie würde tun, was sie konnte, um sich zu schützen.
"Wahnsinn..." murmelte Miroku: "Solches Youki habe ich noch nie gespürt..."
"Das geht noch höher." Inuyasha betrachtete das Schauspiel. Er nahm an, dass bald eine Explosion erfolgen würde und war bereit, Kagome in Sicherheit zu bringen.
"Zuschauer!" Sango deutete geradeaus: "Aber sie kommen nicht näher. Das scheinen auch Youkai zu sein. - Wie du sagtest, Akamaru-sama, " fügte sie höflich an.
Der nickte etwas. Das hatte er sich schon gedacht. Dieser Aufbau zweier so mächtiger Youki würde Neugierige anlocken. Aber sie würden nicht näher kommen, um nicht aus Versehen bei einem der Kämpfe in Mitleidenschaft gezogen zu werden.
Die dunklen Kugeln drückten immer noch gegeneinander. Selbst Kagome, die mit dem Spüren von Youki nicht viel am Hut hatte, konnte langsam die bedrohliche Energie fühlen, die dort von den Youkaifürsten eingesetzt wurde. Eine Spannung entstand in der Luft, wie vor einem nahenden Gewitter, so empfand sie das. Sie merkte, dass Inuyasha sie rasch ansah. Für ihn fühlte sich das vermutlich noch viel gefährlicher an.
In diesem Augenblick gaben die beiden Youkibälle unter der Energie des jeweils anderen nach. Eine heftige Explosion erfolgte und eine Druckwelle jagte los. Staub wirbelte auf, Wind, der fast wie eine Wand wirkte, schoss vom Kampfplatz in alle Richtungen.
Shiro riss hastig ihr Schwert herum, in einem Abwehrkreis, um sich zumindest vor den übelsten Folgen zu schützen. Im gleichen Moment fuhr Akamaru herum, die Linke ausgestreckt. Dann erreichte die Druckwelle auch schon das Schloss. Inuyasha hatte Kagome gepackt und war hinuntergesprungen, um hinter der Mauer einigermaßen in Sicherheit zu sein, aber selbst das erwies sich als zu wenig. Die ganze Vordermauer des Schlosses brach in sich zusammen, auch der Turm, von dem aus sie bislang zugesehen hatten. Akamaru hatte sich Sango und Miroku buchstäblich unter die Arme geklemmt und hatte ebenfalls einen weiten Satz hinunter gemacht.
Als der Wind und der Staub sich legten, hob Inuyasha vorsichtig den Kopf, noch immer Kagome mit seinem Körper deckend: "Nicht schlecht!" Er starrte auf die Trümmer vor sich, richtete sich dann auf: "Wo sind sie denn jetzt?"
"Oh nein, " meinte Kagome und setzte sich auf: "Sie waren ja im Mittelpunkt dieser Explosion..." Aber sie bemerkte, wie der Hanyou leicht den Kopf schüttelte, sicher anscheinend, dass nichts Tragisches passiert war.
Der rothaarige Hundeyoukai stand schon wieder: "Sie sind gleich wieder da."
"Danke, Akamaru-sama", sagte Sango höflich, während sie sich aufraffte: "Ohne deine Hilfe wären wir sicher verletzt worden."
"Ja, ich danke dir auch." Der Mönch erhob sich ebenfalls: "Alles in Ordnung, Sango?"
"Ja." Die Dämonenjägerin sah vorwärts: "Und Shiro-hime?" Aber da entdeckte sie sie auch schon. Die Youkaiprinzessin hatte das Youki zu einem Gutteil umlenken können, war aber von der Druckwelle und der Energie in die Knie gezwungen worden. Jetzt stand sie wieder auf, deutlich ein wenig mühsam. Sie war näher an der Explosion gewesen.
Die beiden Duellanten erschienen scheinbar aus dem Nichts wieder auf dem Kampfplatz. Obwohl bei beiden die Kleidung vollkommen in Ordnung war, wirkten sie doch ein wenig müder, ohne dass einer der menschlichen Zuschauer das genau hätte benennen können. Sie gingen zu Shiro, die sich bückte, nach Sesshoumarus Rüstung griff, um ihm beim Anziehen zu helfen. Er war der Ranghöhere - zumindest im Moment noch- und so musste sie bei ihm anfangen.
"Jetzt kommt der Schwertkampf", murmelte Inuyasha. "Schon? Ich dachte es wären zwei magische Prüfungen?"
"Nicht, wenn sie sich auf diesen Ablauf verständigt haben." Akamaru zuckte ein wenig die Schultern: "Und der Verbrauch ihres Youki bei diesem magischen Duell gerade muss recht groß gewesen sein. Zumindest von deinem Bruder weiß ich, dass er auch Youki über sein Schwert einsetzt. Und ich denke mal, Yuri wird das ebenfalls tun. So wollten sich beide die Energie für den Hauptgang aufsparen."
"Dann geht es jetzt wirklich zur Sache." Miroku nickte leicht, als er im Hintergrund deutlich die Energien mehrerer starker Youkai spürte, die offenkundig hier zusehen wollten.
"Sie kämpfen, bis einer kein Youki mehr hat, nicht wahr?" fragte Kagome niemanden Bestimmten: "Oder bis einer aufgibt."
"Keiner wird sich ergeben", sagte Inuyasha prompt: "Das wäre unmöglich. Aber Sesshoumaru ist nicht gerade ein einfacher Gegner, das dürfte der gute Yuri auch schon gemerkt haben." Etwas wie leiser Stolz lag in seiner Stimme.
Überrascht starrte ihn das Mädchen aus der Neuzeit an. Seit wann war er denn stolz auf seinen Bruder? Der Kampf gegen die Bestie der Tiefe schien interessante Nebenwirkungen zu haben.
Shiro hatte beiden Youkaifürsten geholfen und sah nun regungslos zu, wie die beiden wieder auf ihre Plätze gingen, diesmal mit Rüstung und Schwert. Aber in der Art, wie die zwei sich bewegten, sich nun gegenüberstellten, lag etwas, das zuvor nicht da gewesen war, etwas Grimmiges, Entschlossenes, das verriet, dass der folgende Kampf kein Spiel sein würde. Keiner würde auf Gnade hoffen oder sie geben, in diesem Duell, das das Schicksal der westlichen Länder und auch ihr eigenes, Shiros, entscheiden würde.
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Also beginnt jetzt die letzte Runde.
Das nächste Kapitel heisst: Magie und mächtige Schwerter.
Es ist aber noch nicht das letzte..*g*
Wer so nett ist und mir einen Kommentar hinterlässt, dem schicke ich eine Info, wenn ich sehe, dass das neue Kapitel freigeschaltet ist.
bye
hotep
Magie und mächtige Schwerter
Vielen Dank für eure Komemntare und dass ihr immer noch mitlest und es euch so gefällt.
Das marspa i dilumi hat diesmal ein, sagen wir, ungewöhnliches Ende.
Anscheinend hat niemand bemerkt, dass es da noch jemanden gab, der an Shiro in "gewisser Weise" interessiert war.
18. Magie und mächtige Schwerter
Shiro sah regungslos zu, wie die beiden Youkaifürsten sich nun gegenüberstanden, einander musterten. Sie wusste, dass sich in diesem Kampf auch ihr Schicksal entscheiden würde, aber sie hätte nicht sagen können, wer ihr als Sieger lieber gewesen wäre. In einem war sie sicher: gewann Yuri, würde er der Herr der westlichen Gebiete. Und er hatte ja schon angekündigt, dass er sie in diesem Fall zur Gefährtin wollte. Damit wäre ihre Ehre wiederhergestellt, und sie würde den Platz einnehmen, der ihr seit Jahrhunderten zugedacht worden war. Überdies war dann auch Akamaru sicher stolz auf sie. Ihre Pflicht gegenüber ihrer Familie, ihre Ehre rieten ihr dazu, zu hoffen, dass Yuri gewinnen würde. Aber sie wusste auch, dass sie seine Berührung als unangenehm empfunden hatte. Das war jedoch gleich. Sie kannte ihre Pflicht. Sie war eine Prinzessin und als solche Handelsware. Sie hatte immer gewusst, dass sie von Glück sagen konnte, wenn sie den Partner, den ihr Vater für sie ausgesucht hatte, auch nur mochte.
Warum also sträubte sich etwas in ihr, zu hoffen, dass Yuri gewinnen würde?
Aber sie wusste die Antwort. Es war die Erinnerung an eine Hand, die sich wie beiläufig auf ihre Schulter legte, aber so ihr Ansehen im Süden wiederhergestellt hatte, die Erinnerung an einen Körper, der sich auf sie legte, um ihren Arm von dem Drachenwurm zu befreien, die Erinnerung an einen Arm um sich, als sie sich bei der Insel der Magier geküsst hatten. Und sie musste sich zugeben, dass da etwas in ihr Sesshoumaru den Sieg wünschte. Obwohl er sie doch sicher nicht zur Herrin des Westens machen würde. Irgendwie hatte er es geschafft, dass sie ihre Ehre geringer schätzte, als den Wunsch, in seiner Nähe zu sein. Der Himmel wusste, wie er das gemacht hatte, war er doch kühl wie eh und je zu ihr. Aber er hatte ihr da in dem Land der Seele geholfen, hatte ihr wohl auch auf der Insel der Magier das Leben gerettet. Und sie wünschte sich gegen jedes bessere Wissen, dass er gewinnen würde.
Die beiden Hundeyoukai zogen ihre Schwerter, betrachteten sich noch einmal abschätzend. Beiden war klar, dass dies ein Kampf war, der, einmal angefangen, auch bis zum Ende durchgekämpft werden musste.
Dann rannte Yuri mit hohem Tempo auf seinen Gegner los, schlug zu. Youki schoss aus seiner Klinge. Sesshoumaru sprang hoch, drehte sich um die eigene Achse, ehe er sein Schwert niedersausen ließ. Sein Youki traf den Boden knapp vor Yuri, der seinerseits zurücksprang, sofort wieder angriff, mit atemberaubendem Tempo. Sesshoumaru wurde dadurch in die Defensive gedrängt
Für die menschlichen Zuschauer waren die Bewegungen der Youkai kaum zu sehen. Alles, was sie erkennen konnten, war der aufgewirbelte Staub, die Wolken aus Erde, hier wehendes weißes Haar, dort das Aufblitzen von Youki.
"Keh", murmelte Inuyasha, der da eher noch mithalten konnte: "Er ist schneller als Sesshoumaru!"
"Noch", sagte Akamaru sachlich.
Der Hanyou begriff: "Das Tempo wird er nicht lange durchhalten können, meinst du? Aber warum macht er das dann? Er kann doch nicht davon ausgehen, dass Sesshoumaru davon so beeindruckt ist, dass er aufgibt."
"Kaum. Aber vielleicht hofft er, ihn so zu ermüden. Oder durch die Deckung zu kommen. Du siehst selbst, dass die Abwehr deines Bruders ziemlich riskant ist. Wenn er einmal zu langsam reagiert, geht der Sieg an Yuri."
Inuyasha ließ die Augen nicht von dem Duell. Akamaru hatte Recht. Dieses wahnwitzige hohe Tempo und der dadurch entstehende Verlust an Youki würden Yuri bald langsamer machen. Und dann hatte Sesshoumaru gute Chancen. Anscheinend hatten die beiden unterschiedliche Taktiken. Wenn es Yuri mit diesem Gewaltakt allerdings gelang, durch die Deckung seines Gegners zu gelangen, hatte sein Bruder verloren. Und der Hanyou sah nur zu gut, dass die Paraden Sesshoumarus manchmal wirklich spärlich waren. Aber die Zeit reichte dann und wann augenscheinlich nur dazu, die Klinge beiseite zu schieben, oder das Youki einfach abzuwehren. Selbst angreifen tat er nicht. Offenkundig wartete er ab, hoffte wohl auch auf die Ermüdung seines Kontrahenten.
Der Kampf dauerte vielleicht zehn Minuten, als Yuri mit einem weiten Satz zurücksprang, anscheinend tief Luft holte. Als sich der Staub legte, erkannten auch die Menschen Sesshoumaru. Beide Duellanten wirkten etwas mitgenommen, aber sie fixierten sich mit regungslosen Gesichtern. Gleich würde die nächste Runde beginnen.
Sesshoumaru gab sich zu, überrascht gewesen zu sein. Yuri hatte ihn mit einer Wildheit und Geschwindigkeit angegriffen, die ihn fast erschreckt hatte. Er war noch nie auf einen Gegner gestoßen, der von Kraft und Schnelligkeit her mit ihm mithalten konnte- oder ihm sogar überlegen war. Dann aber hatte er nachgedacht. Mit diesem wilden Angriff verschwendete Yuri viel Youki. Dafür würde er noch bezahlen müssen. Warum nur tat er das? Hatte er demonstrieren wollen, wie schnell, wie gut er war? Ja, dachte er plötzlich. Das könnte sein. Zum einen eine Show für die Zuschauer und zum anderen eine Dominanz durch Geschwindigkeit zu erreichen. An sich eine gute Taktik, aber nicht für einen langen Kampf. Niemand konnte diesen Verbrauch an Youki lange durchhalten. Also würde auch Yuri jetzt langsamer werden, sich seine Kraft besser einteilen.
Diesmal griff er an. Wieder berührten sich die Gegner nicht, wie es menschliche Kämpfer getan hätten, wieder wirbelte das Youki, das die Schwerter auflud, den Boden hoch. Aber diesmal war der Kampf deutlich langsamer, so dass auch die Menschen erkennen konnten, dass Yuri immer wieder scheinbar ungedeckt war, so einen Angriff herausforderte- um ihn dann abzublocken. Sesshoumaru nutzte dabei oft die Druckwellentechnik Tokejins - und vereinzelte Wellen trafen auch. Yuri konnte nicht, wie es einst Shiro im Duell getan hatte, diese Art Angriff reflektieren und musste einige Verletzungen in Kauf nehmen. So änderte er seine Taktik erneut, forderte nicht mehr zu Angriffen auf, sondern versuchte nun seinerseits wieder zu attackieren.
Sesshoumaru lernte in dieser Phase viel über seinen Gegner: die Geschwindigkeit, den Rhythmus und die antrainierten Bewegungsabläufe. Und er erkannte bald, dass er zwar einem starken Youkai gegenüberstand, dessen Youki sicher sehr hoch war, einem hervorragenden Fechter- der aber ganz sicher noch nie in einem Duell auf Leben und Tod gekämpft hatte, zumindest nicht gegen einen ebenbürtigen Gegner. Das konnte fatale Folgen für Yuri haben.
Inuyasha atmete tief durch. Kagome warf ihm einen raschen Blick zu: "Kann er gewinnen?" fragte sie, als sie die Aufregung in seinen Augen sah.
Er nickte, nicht im Zweifel, wen sie meinte. Dieser erste, schnelle Angriff von Yuri hatte ihn besorgt gemacht, aber er kannte seinen Bruder doch zu gut, um nicht zu wissen, dass der erstens nicht gerade schwach war und zweitens seine Taktik im Kampf stets seinem Gegner anpasste. Darum würde es für Yuri sicher immer schwerer werden, je länger das Duell dauerte, da Sesshoumaru bald Kraft und Kampfesweise abschätzen können würde.
Wieder griff Yuri an. Sesshoumaru schien auszuweichen, überschlug sich aber noch in der Luft, wendete sofort und ließ eine Energiewelle auf den anderen zulaufen. Yuri fuhr herum, schaffte es gerade noch, die Attacke aufzufangen. Mit einer harten Armbewegung schleuderte er das Youki von sich. Er zog die Augen etwas zusammen, betrachtete seinen Cousin mit etwas wie widerstrebendem Respekt. Dass dieser noch soviel Energie aufbringen konnte, überraschte ihn doch. Er selbst hatte, das erkannte er jetzt, mit seinem ersten, wilden Angriff, ziemlich viel Youki verbraucht. Allzu lange würde er diesen Schlagabtausch hier nicht mehr überstehen können. Es war dumm von ihm gewesen, so wild drauflos zu kämpfen. Aber das war nun nicht mehr zu ändern. Allerdings war ihm jetzt klar, dass er sich beeilen musste, wollte er hier gewinnen. Und wenn er sich nicht sehr täuschte, spürte auch Sesshoumaru den Energieverlust. Also blieb ihm nur noch eine Wahl. Er musste erneut angreifen, zusehen, dass er ihn ermüdete, und möglichst rasch zu einem Ende des Kampfes kommen. So griff er wieder an, versuchte, die Entscheidung zu erzwingen.
Sesshoumaru wusste, dass Yuri diesmal zur Sache kam, versuchte, ihn direkt zu töten. Und in einem hatte sich sein Cousin nicht verschätzt: auch er hatte schon einen hohen Energieverlust hinnehmen müssen, auch er fühlte, wie sein Arm langsam schwerer wurde. Es war zu schade, dass er einfach nicht auf diese andere Youkiquelle in sich zugreifen konnte. Vielleicht müsste er noch lernen, mit dieser Zusatzenergie umzugehen.
Die Zuschauer erkannten, dass fast kein Youki mehr eingesetzt wurde, sich die Youkaifürsten annähernd wie Menschen duellierten. Und allen war klar, dass das kaum kampftechnisch notwendig war, sondern durch den Energieverlust bedingt war. Sango hielt Kagomes Hand und drückte sie fest, so beunruhigt war sie. Dem Mädchen aus der Neuzeit tat es weh, aber sie war froh drum, lenkte sie der Schmerz doch auch von ihrer eignen Aufregung ab.
Irgendwann kam ein Moment, in dem die beiden Kämpfer dicht voreinander standen, beide die Schwerter vereint nach oben weisend. Ein Kräftemessen um die letzten Zentimeter hatte begonnen. Beide sammelten alle Kraft, alles Youki, das sie noch in sich auftreiben konnten, in dem Versuch, die Klinge des Gegners nach hinten zu drücken, diesen zu töten. Blitze schienen erneut um sie zu zucken.
Sesshoumaru wusste, dass er fast am Ende war. Sein Energiepegel war so niedrig, wie nur nach dem Kampf gegen die Bestie der Tiefe. Aber Yuri konnte es nur schlechter gehen, nach diesem kräfteraubenden Kampf, vor allem nach dieser energiefressenden ersten Phase. Und dieser Kerl sollte nicht die Länder bekommen, die einst seinem Vater gehört hatten, gar nichts sollte er bekommen...
Plötzlich dachte er an Shiro. Als sie ihnen geholfen hatte, die Rüstungen anzuziehen, hatte er bei Yuri für einen Augenblick Begehren wittern können, auch, wenn sich dieser sofort beherrscht hatte. Er konnte sich nur zu gut vorstellen, was der mit ihr tun wollte.
Er hatte fast keine Energie mehr.
Ging es mit Youki nicht, müsste es eben mit Muskelkraft gehen. Egal wie.
Er musste gewinnen.
Er musste sie beschützen.
In diesem Augenblick spürte er etwas in sich, als sei ein Damm gebrochen, floss wieder Youki in ihm. Mit jäher Erleichterung begriff er, dass er endlich Zugang zu der zweiten Youkiquelle in seiner Seele gefunden hatte
Mit aller neu erwachten Energie drückte er unvermittelt heftig gegen Yuris Schwert. Dieser flog buchstäblich rückwärts durch die Luft, prallte hart auf den Boden. Sesshoumaru blieb stehen, lud Tokejin mit seinem Youki auf.
Yuri sah es und stand auf, so rasch er noch konnte, hob das Schwert. Er spürte nur zu deutlich, dass sein Gegner wieder Energie hatte, woher auch immer, - und sein eigenes Youki war praktisch aufgebraucht. Mit gewisser Verzweiflung starrte er in die bernsteinfarbenen Augen, wappnete sich für den nächsten Angriff, der kommen würde- und der wohl der letzte sein würde. Er sah, wie Sesshoumaru auf ihn zusprang, vor ihm war, wie Tokejin hochzuckte, an seinem eigenen Verteidigungsschlag vorbei gegen seine Kehle kam - dort war und wieder zurückgezogen wurde. Verwirrt begriff er, dass er gerade verschont worden war. Sein erschöpfter Geist versuchte, einen Grund dafür zu finden. Aber ihm fiel keiner ein, außer einem. Sein Sterben zu verlängern.
Eine fast entspannt wirkende Geste Sesshoumarus ließ erneut Youki gegen ihn laufen. Yuri wollte ausweichen, aber die Energie traf ihn. Wieder spürte er, dass er geschont wurde. Aber sein eigener Youkilevel war so niedrig, dass er nicht mehr in der Lage war, zu stehen. Langsam brach er in die Knie, sein Schwert noch immer halb erhoben. Der Überlebenswille war so mächtig wie nur je, auch wenn ihm jetzt klar war, dass er verloren hatte. Er sah zu seinem Gegner auf. Die bernsteinfarbenen Augen musterten ihn ohne Regung. Yuri spürte etwas, das er als aufflackernde Todesangst erkannte- zum ersten Mal in seinem Leben-, als Sesshoumaru erneut sein Schwert hob, diesmal ohne Youki einzusetzen, die abwehrende Klinge ohne Schwierigkeiten beiseite schob.
Die Waffe fiel aus der kraftlosen Hand. "Mach ein Ende", flüsterte Yuri. Ein Youkai ergab sich nicht, aber er wusste, er würde ein schnelles Ende dem Katz- und Mausspiel vorziehen, zu dem dieses Duell nun geworden war.
"Der Kampf ist in der Tat vorüber." Sesshoumaru ließ die Spitze von Tokejin an der Kehle des Unterlegenen ruhen.
Yuri begriff nicht. Warum tötete ihn sein Cousin nicht? Auf was wartete er? Sollte er etwa um seinen eigenen Tod betteln? Oder um sein Leben? Er sah wieder empor. Hier so zu knien, die Klinge an der Kehle...nichts in seinem Leben hatte ihn je auf diese Lage vorbereitet.
Die Zuschauer rund um Inuyasha hatten ebenso wie dieser aufgeatmet. Nicht, dass Akamaru oder die Menschen Sesshoumaru gerade liebten, aber immerhin kannten sie ihn schon länger, er war Inyuashas Bruder...und irgendwie bezweifelten sie nicht, dass er der rechtmäßige Herr der westlichen Gebiete war. Aber Kagome war plötzlich unruhig. Irgendetwas stimmte nicht, dass wusste sie auf einmal hundertprozentig.
Und dann geschah alles gleichzeitig.
Shiro brach plötzlich in die Knie, fiel dann zu Boden, die Arme auf ihren Leib gepresst.
"Splitter des Juwels!" rief Kagome.
Und Inuyasha riss gleichzeitig Tessaiga heraus: "Naraku!"
Sesshoumaru fuhr ebenfalls herum.
Über dem Kampfplatz war ein roter Ball erschienen, ein Bann und Schutzkreis, in dem sich ihrer aller Feind befand. Fast spöttisch sah er sich um, ehe er direkt über Shiro zu schweben begann:
"Wehre dich nicht gegen meine Bannsprüche, Shiro-hime", sagte er höflich: "Dann endet der Schmerz sofort."
"Vergiss es", brachte die hervor. Sie kämpfte gegen die übelsten Flüche, denen sie sich je gegenüber gesehen hatte. Und da einer von ihnen ihren absoluten Gehorsam unter diesen Fremden bewirken sollte, sah sie erst recht keinen Grund, aufzugeben. Aber sie war immer noch nicht auf der gewohnten Höhe ihrer Fähigkeiten.
Yuri starrte fassungslos von einem zum anderen. Ja, das war Naraku, der Berater seines Vaters...zumindest hatte der das gesagt? Sein Kopf war müde durch den harten Kampf und sein Youki war fast am Ende. Sesshoumaru kannte ihn? Und wer war dieser andere Junge mit langen weißen Haaren, der heranlief, plötzlich ein riesiges Schwert schwenkte? Das musste Inuyasha sein. Aber er hatte doch gehört, dass sich die Halbbrüder des Westclans bis aufs Blut bekämpfen würden? Was hatte Naraku mit Shiro vor? Und wie konnte er es wagen, ein marspa i dilumi zu unterbrechen?!
"Sesshoumaru!" brüllte Inuyasha und ließ Tessaigas volle Macht los. Erst, als die Energiewelle unterwegs war, fiel ihm ein, dass sein Bruder schon zu schwach sein konnte, um den Trick zu wiederholen, mit dem sie die Bestie der Tiefe erledigt hatten. Oder, dass der zu spät begreifen würde, was er vorhatte. Mist, dachte er. Ich habe gerade vielleicht gerade meinen eigenen Bruder umgelegt....
Yuri sah eine rote Energie mit wahnsinnigem Tempo auf den Herrn der westlichen Länder zulaufen. So stark war der Hanyou der Familie??!!! Und wollte er jetzt die Gelegenheit nutzen, seinen Bruder zu töten?
Naraku blickte hinab, und hatte einen ähnlichen Gedanken. Es wäre klassisch Inuyasha, nicht über die Folgen nachzudenken, ebenso klassisch, wie der Warnruf im letzten Augenblick.
Sesshoumaru drehte leicht den Kopf. Als er Tessaigas Energie in rot auf sich zurasen sah, begriff er, was Inuyasha plante. Einen winzigen Bruchteil einer Sekunde fühlte er sich fast geschmeichelt, das sein Bruder annahm, er sei noch immer stark genug, diese Energie abfangen zu können, mit seiner eigenen dazu aufladen zu können. So hatten sie die Bestie der Tiefe vernichtend geschlagen und so könnte es hier auch gegen Naraku klappen. Ein wenig ärgerlich war es allerdings, dass Inuyasha auf die Idee gekommen war, Inuyasha die Führung übernommen hatte, aber er war zu nüchtern, um nicht zu sehen, dass das Ergebnis zählen würde. Er riss Tokejin hoch. Ein Fehler, eine Schwäche wäre jetzt tödlich für ihn.
Die zuschauenden Youkai rückten unwillkürlich näher. Was war jetzt los? Wer war dieser Unbekannte, der es gewagt hatte, das heilige Duell zu unterbrechen? Und das da musste doch ein Hanyou sein? Aber da war noch ein Hundeyoukai...? Mehr neugierig, aber auch empört näherten sie sich.
Sesshoumaru riss seinen Arm hart hoch, um die Welle abzufangen, vereinigte sein Youki mit dem seines Bruders, wie sie es schon einmal getan hatten. Und warf den Wirbel mit aller Kraft, die er noch aufbringen konnte, gegen den rötlich leuchtenden Bannkreis, der Naraku umgab. Für einen Augenblick fühlte er einen entsetzlichen Schmerz, ehe er in die Knie brach, dennoch fast neugierig emporblickend. Zwei Kräfte waren vereint- und die Wirkung war zumindest für die Brüder des Westclans zufrieden stellend. Der Bannkreis zerbrach. Naraku schaffte es gerade noch, sich selbst ein Stück höher in die Luft zu bringen, als fast gleichzeitig Akamaru eine Welle an Youki auf ihn zulaufen ließ, wütend darüber, dass dieser Kerl seiner Schwester Schmerzen zugefügt hatte, sie entführen ließ und auch Inuyasha töten wollte. Überdies hatte er das marspa i dilumi unterbrochen.
Naraku stellte sofort fest, dass er ohne Bannkreis gegen drei Hundeyoukai keine Chance hatte. Immerhin hatte der Trick mit Shiro geklappt. So begann er sich aufzulösen, sagte aber noch: "Du hast verloren, Sesshoumaru-sama..." Das klang spöttisch: "Niemand außer mir wird Shiro besitzen..." Damit war er verschwunden.
Nur Sekunden später standen Akamaru und Inuyasha neben Shiro, die Menschen liefen ebenfalls heran.
Sesshoumaru warf einen Blick zu Yuri, der noch immer am Boden kniete. "Das marspa i dilumi ist vorbei. Du hast keine Energie mehr."
"Dann...aber du musst mich töten. Ich ...ich will nicht, dass es Naraku gelang, den Ablauf des marspa zu zerstören...Ich habe verloren. Und ich bin bereit zu sterben."
"Ich töte kein Familienmitglied, weil Naraku es will." Sesshoumaru schob sein Schwert weg. Was hatte diese Ansammlung von Dämonen mit Shiro gemacht? Und warum hatte er gemeint, er, Sesshoumaru, hätte verloren? Das war wichtiger, als der Tod eines Familienmitgliedes.
Inuyasha schob Tessaiga weg, während Akamaru sich neben seiner Schwester auf die Knie fallen ließ, diese emporzog. "Nee-chan..?"
Shiro schüttelte leicht den Kopf: "Wenn ich nicht so schwach noch wäre..dieser Mistkerl.."
"Was hat er denn getan?" erkundigte sich Inuyasha, als Kagome neben ihm war:
"Ein Splitter des Juwels!" Sie starrte auf den Bauch der Youkaiprinzessin: "Er hat ihr einen Splitter eingepflanzt. Und keinen kleinen."
"Dann müssen wir ihn uns holen." Er dachte meist nicht nach.
"Inuyasha-sama!" Akamaru klang entsetzt: "Es ist meine Schwester!"
"Äh...natürlich. Ich will sie ja nicht töten. Was sind denn das für Bannflüche?"
"Ich werde den Splitter reinigen", sagte Kagome und ließ sich auf die Knie nieder: "Er ist so voll von dunkler Energie..."
"Nein!"
Die Aussage kam gleich von mehreren und so sah sie erstaunt auf: "Was meint ihr?"
"Kagome-sama..." meinte Miroku vorsichtig: "Natürlich ist der Splitter mit dunkler Energie gefüllt...Shiro-hime ist eine Youkai. Wenn du den Splitter reinigst..."
"Oh." Das stimmte. Daran hatte sie gar nicht gedacht. "Aber wie kann man diese Bannsprüche lösen? Sie hängen sicher mit dem Splitter des Juwels zusammen."
"Reinige den Splitter!"
Alle starrten die Youkaiprinzessin an.
"Nee-chan?" erkundigte sich Akamaru vorsichtig: "Du weißt, was Kagomes Pfeile für Wirkung haben?"
"Haltet ihr mich für so schwach?" knurrte Shiro leicht, das Gesicht in Anstrengung verzerrt: "Tu es, Kagome. Du bringst mich damit sicher nicht um. Und der Bann im Splitter ist der härteste."
"Gut." Kagome legte vorsichtig die Hände auf den Bauch der Youkaiprinzessin, konzentrierte sich auf den Splitter.
Plötzlich hatte sie das Gefühl, inmitten eines Hurrikans zu sein. Ein Sturm aus dunkler Energie tobte um sie, zerrte an ihr, und sie wurde sich bewusst, dass das das Youki Shiros sein musste. Es wehrte sich gegen ihre Kraft als Priesterin, aber ihr war auch klar, dass Shiro ihre Abwehr bewusst unterdrückte, so gut sie es konnte. So stark war sie? Nun, Kagome hatte zuvor das Youki von Sesshoumaru und Yuri gespürt...aber irgendwie beruhigte es sie, dass auch ein weiblicher Youkai derartige Energie aufbringen konnte. Sie konzentrierte sich stärker auf den Splitter. Das war ihr Ziel und sie musste es finden. Die schwarze Ausstrahlung des Juwelensplitters war für sie immer deutlicher und sie ließ sich vom Orkan des Youki treiben, bis sie plötzlich sich an einer Stelle wieder fand, in der es keinen Wind zu geben schien. Das Auge des Sturms. Und direkt vor ihr war schwarz, fast lila leuchtend, der Splitter. Sie konnte Narakus Aura förmlich spüren und näherte sich vorsichtig. Das musste sie reinigen. Hoffentlich behielt Shiro Recht und das brachte sie nicht um. Für einen Augenblick zauderte Kagome, als sie sich daran erinnerte, wie sehr Akamaru seine Schwester mochte. Aber die hatte es ja selbst befohlen und würde wohl wissen, was sie konnte. So berührte sie den Splitter mit ihrer eigenen Ausstrahlung als Priesterin. Fast sofort, begann der hell zu leuchten.
Shiro stöhnte kurz auf. Die Umstehenden zuckten zusammen. Wer konnte, spürte, dass im dunklen Youki etwas strahlend hell aufflammte.
Kagome wich geistig vom Splitter zurück, versuchte, den Weg zurück in ihren eigenen Körper zu finden. Das letzte was sie wahrnahm, war, wie Shiros Youki sich über dem hellen Splitter schloss, wie eine Muschel über einer Perle.
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Das nächste Kapitel heisst Shiros Entscheidung.
Wer so nett ist, mit einen Kommi zu hinterlassen, dem schicke ich auch eine Info, wenn das neue Kapitel on ist.
Und ein wenig Schleichwerbung..*g*
die meisten werden es ja schon wissen : ich habe eine andere FF hochgeladen: Spielt mein Spiel. Wer will, kann auch da gern reinsehen. Es ist aber eine andere Welt und ein anderer Stil als das hier...*g*
bye
hotep
Shiros Entscheidung
Hallo,
vielen Dank, dass euch die Geschichte so gefällt.
Naraku hatte sich, wie üblich, doppelt abgesichert...
19. Shiros Entscheidung
Kagome fiel erschöpft rückwärts. Inuyasha fing sie sofort auf: "Alles in Ordnung?" fragte er besorgt.
"Ja, klar doch." Sie richtete sich auf: "Was ist mit...?"
Das fragte sich nicht nur sie. Die Youkaiprinzessin setzte sich auf, sah zu Boden, ehe sie zu dem Menschenmädchen blickte: "Ich danke, dir, Priesterin." Das klang bemerkenswert höflich, wenn man bedachte, wer da sprach.
"Nee-chan? Du konntest den Bann brechen?" Akamaru betrachtete seine Zwillingsschwester.
"Den, ja.."
"Was hätte er bewirkt?"
Shiro drehte sich leicht, um auf die Knie zu kommen: "Es war ein starker Fluch. Hätte Kagome den Splitter nicht gereinigt, wäre ich zu unbedingtem Gehorsam diesem Fremden gegenüber gezwungen worden."
Naraku, dachte Sesshoumaru: so weit wolltest du gehen? Aber da war noch etwas anderes, das wusste er. Warum kniete sie da, obwohl alle anderen inzwischen standen? Körperliche Schwäche war sicher nicht Schuld.
"Der Splitter ist jetzt hell in dir", erklärte Kagome, die ihn sah: "Aber anscheinend kannst du ihn neutralisieren."
"Das ja. Ich kann ihn von mir abhalten." Sie blickte wieder zu Boden. Sie erkannte, was als nächstes kommen würde.
"Shiro."
Sie hatte es befürchtet. Sesshoumaru wusste, dass da noch ein Bann war: "Es gibt einen zweiten Fluch. Und den konnte ich weder brechen noch kann ich ihn neutralisieren. Ich war zu sehr mit der Abwehr des anderen beschäftigt und nicht so stark wie gewöhnlich."
"Noch einer? Der Mistkerl ist wirklich das Letzte!"
Inuyashas Kommentar konnten die anderen nur zustimmen. Und allen war klar, dass Naraku das gewusst hatte. Er war gewiss davon ausgegangen, dass sie sich als erstes gegen den Gehorsamsfluch wenden würde, zumal der durch das Juwel verstärkt wurde. Im günstigsten Fall hätten beide Flüche gewirkt.
Auch Yuri stand inzwischen dabei, obwohl ihm noch immer nicht so ganz klar war, was hier passierte und vor allem, warum er noch am Leben war. Etwas entfernt hielten die übrigen Zuschauer, aber niemand wagte sich näher. Es waren starke Youkai dabei, aber offenkundig war das eine Familienangelegenheit der Hunde und niemand wollte da gleich alle auf dem Hals haben.
Shiro starrte zu Boden, aber sie wusste, sie musste ihre Schande gestehen. "Sein Bann bewirkt, dass ich nie von einem anderen als ihm Nachwuchs bekommen kann." Fast vorsichtig blickte sie auf. Ihr Verlobter und ihr Bruder starrten sie gleichermaßen an. Auch Yuri, der sich etwas hinter Sesshoumaru hielt, schien mehr als erstaunt.
Darum sagte er, ich hätte verloren, dachte der Herr der westlichen Gebiete: Was soll ich mit einer Gefährtin, die mir keinen Erben schenken kann. Und eine andere, so starke Youkai zu finden...Umgekehrt hat dieser Mistkerl eine Chance gefunden, sich womöglich statt seiner Abkömmlinge einen echten Erben zu verschaffen. Nein, das werde ich unter keinen Umständen zulassen. Und das weiß sie. Darum kniet sie noch da. Sie rechnet damit, dass ich sie töte.
"Verzeih, Inu no taishou..."
Yuris vorsichtige Bemerkung ließ Youkai, Hanyou und Menschen zu ihm sehen. Vor allem der angesprochene Sesshoumaru war mehr als überrascht. Inu no taishou...der Anführer der Hunde. Natürlich hatte sein Vater diesen Titel getragen und nun stand er ihm zu, aber noch nie hatte ihn jemand damit angeredet. Damit bewies Yuri seine Unterwerfung.
So fragte er: "Was ist?"
"Ich bin mir über die Konsequenzen dieses Fluches im Klaren. Du kannst keine Gefährtin gebrauchen, die dir nie einen Erben schenken kann. Aber ich bitte dich, bevor du Shiro tötest...Erlaube mir, sie zur Gefährtin zu nehmen. Ich habe kein Land, das ich vererben könnte."
Diese schwankte in Gedanken leicht hin und her: natürlich war eine Ehe mit Yuri besser, als getötet zu werden, aber...
"Nein."
Sesshoumarus kühles Wort hatte unterschiedliche Wirkungen. Yuri und Akamaru blieben schweigend und regungslos stehen, aber Inuyasha meinte etwas fassungslos: "Du willst sie also wirklich umbringen?"
Nein, dachte sein älterer Bruder. Ich will nicht. Und schon gar nicht, weil Naraku es vermutlich so als Alternative geplant hatte: "Wir gehen zum Berge Halel."
Shiro erhob sich sofort. Das war eine gute Idee. Sie war unwillkürlich etwas erleichtert. Die Berggöttin dort gab Youkaifürsten Rat. Vielleicht konnte sie ihnen auch sagen, wie man diesen Bannfluch brechen könnte.
Sesshoumaru drehte leicht den Kopf: "Inuyasha, du kommst mit."
Der wollte nicht so unbedingt seine Freunde hier lassen, aber die nickten nur.
"Das ist doch deine Familie", meinte Kagome, die mit am besten wusste, wie lange er darunter gelitten hatte, als Hanyou keine zu haben.
"Wir kommen schon klar", sagte Miroku.
"Wir sehen uns dann im Dorf", ergänzte Sango. Immerhin waren da auch noch Jaken und Rin und Sesshoumaru würde sie sicher abholen.
Dieser setzte sich in Bewegung und sein Bruder folgte ihm sofort. Aus irgendeinem Grund, vielleicht eine Erinnerung aus Kindertagen, wusste er, wo sich sein Platz befand und ging an die rechte Seite seines älteren Bruders, wenn auch einen Schritt zurück. Der Herr des Südens blieb hinter ihm, Yuri kam links neben Akamaru. Shiro, die sich an Sesshoumarus linker Seite hielt, wenn auch ebenfalls mit dem höfischen Schritt Respektabstand, schloss die Familie ab.
Die Youkai, die zugeschaut hatten, wichen hastig zur Seite, als die fünf in Keilformation auf sie zukamen. Keiner legte Wert darauf, ihnen im Weg zu stehen. Sekunden später öffnete Magie ein Dimensionsportal und die Hundeyoukai waren verschwunden. Die Zuschauer starrten nun auf die Menschen, die noch übrig geblieben waren.
"Was jetzt?" erkundigte sich Kagome ein wenig beunruhigt.
"Wie gehen auch", sagte Sango und nahm ihren Bumerang zur Hand: "Ganz einfach."
Miroku sah hinüber: "Ich denke nicht, dass sie mit uns kämpfen wollen..."
Das entsprach den Tatsachen. Erstens war das marspa i dilumi vorbei, um dessentwillen sie hergekommen waren und zweitens: diese Menschen hatten ihnen nichts getan, standen aber ganz offenkundig unter dem Schutz des Hundeclans. Wozu Ärger heraufbeschwören? So entfernten sich die Youkai mit fast unziemlicher Hast.
Die Göttin des Berges Halel sah alarmiert auf, als sie Youki spürte, das sich rasch näherte, in einer Menge, die sie so noch nie erlebt hatte. Ein Dimensionsportal öffnete sich und sie starrte mehr als überrascht auf ihre fünf Besucher. Ihre Stimme klang fast resignierend: "Sesshoumaru...wenn du bei mir wohnen willst, solltest du es sagen..."
"Es gibt ein Problem."
"Ich weiß. Aber ich habe deine Frage schon beantwortet. Auch die, die du für Shiro gestellt hast. Und den anderen auch."
"Mir hast du noch nie eine Frage beantwortet", protestierte Inuyasha prompt, der die seltsame Frau fasziniert ansah.
"Das ist wahr.- Was willst du wissen, Inuyasha?"
Der Hanyou zögerte nicht. Das mit Shiro war das größere Problem, als wo er Naraku finden könnte. Früher oder später würde er den Mistkerl umbringen: "Wie kann man diesen Bann lösen?"
"Gar nicht."
Sesshoumaru zog die Augen zusammen: "Unsinn. Jeden Bann kann man lösen."
"Ja, zum Beispiel wenn der Verursacher stirbt", ergänzte Inuyasha. Immerhin schloss sich sogar Mirokus schwarzes Loch, wäre Naraku tot.
Die Berggöttin starrte ihre Besucher missmutig an, ehe sie plötzlich verschwand.
"He!" Inuyasha lief zu dem Felsen, der vor Sekundenbruchteilen noch ihr Unterleib gewesen war. Aber jetzt war keine Spur mehr da. Resigniert drehte er sich um: "Na toll. Und was jetzt?"
Auch die anderen drei blickten fragend zu Sesshoumaru, der zum ersten Mal in seinem Leben wusste, wie man sich als verantwortliches Familienoberhaupt fühlt. Wohin war sie denn nur verschwunden? Wollte sie in ihrem Spiegelsee nachsehen?
Minuten später tauchte sie wieder auf. Sie schien ein wenig zerzaust, wirkte etwas in Mitleidenschaft gezogen, als sei sie nahe an großer Hitze gewesen. Mit einem leisen Ächzen blickte sie sich um, sah dann zu Sesshoumaru: "Du hast gute Verbindungen. Das hatte ich ganz vergessen..."
"Gibt es jetzt eine Möglichkeit, den Bann zu brechen oder nicht?" erkundigte sich der Hanyou etwas ungeduldig.
"Dieser Bann kann nicht gebrochen werden, nicht einmal, wenn Naraku stirbt." Die Göttin bemerkte, wie Shiro kurz die Augen schloss und fuhr rasch fort: "Aber es gibt eine Möglichkeit den Bann umzuleiten."
"Was soll das denn jetzt heißen, Alte?" Inuyashas Geduld war langsam erschöpft.
Die Berggöttin gab Youkaifürsten seit Urzeiten Ratschläge, aber so hatte sie wirklich noch niemand tituliert: "Sei still, Hundejunge. Und hör zu. - Eigentlich wäre es unmöglich, an diesem Bann etwas zu verändern. Aber Shiro war schon einmal in dem Land der Seele. Und wer dort war, bekommt etwas anderes mit, als jene, die dort nicht waren. Sie kann durch das Tor der Dämmerung gehen. Was auch immer dann dort passiert, konnte ich auch in meinem Spiegel nicht sehen. Aber soviel: wenn sie es schafft wieder zurückzukehren, wird der Bann umgeleitet." Sie sah zu der Youkaiprinzessin: "In diesem Fall kannst und wirst du von demjenigen Nachwuchs haben können, der der erste ist oder gewesen ist."
"Das ist zu riskant", protestierte Akamaru sofort: "In ein unbekanntes Land...unbekannte Gefahren...ich bitte dich, Inu no Taishou...schicke Shiro dort nicht hin." Auch er verwendete nun wohlweislich die Ehrenanrede. Er wusste, dass er schwächer als Yuri war, kannte ihrer beider Platz in der Rangfolge. Und wenn Yuri das so sagte, konnte er es unmöglich nicht tun.
Dieser trat etwas vor: "Ich begreife, dass du sie nicht gebrauchen kannst, Inu no Taishou, aber sie kann noch immer als meine Gefährtin in Sicherheit und Sorglosigkeit leben."
Sesshoumaru wurde sich plötzlich bewusst, dass seinem Cousin sehr am Wohlergehen Shiros lag. Aber er schwieg.
"Du willst sie doch nicht töten?" erkundigte sich Inuyasha prompt, was drei grüne Augenpaare auf ihn lenkte.
Shiro richtete sich etwas auf: "Nein", sagte sie ruhig.
Sesshoumaru blickte sie an, sagte aber noch immer nichts.
"Nein", wiederholte sie daher: "Ich habe mein ganzes Leben lang immer darauf gehört, was mein Vater mir befahl, das Familienoberhaupt befahl. Aber diesmal werde ich es nicht tun. Ich werde durch das Tor zur Dämmerung gehen, was auch immer mich dort erwarten mag. Und ich werde erst zurückkehren, wenn der Bann soweit gebrochen ist, dass er umgeleitet werden kann. Wenn ihr mir einen Gefallen tun wollt, bringt diesen Mistkerl von Naraku um. Aber versucht nicht, mich aufzuhalten, durch das Tor der Dämmerung zu gehen."
Akamaru starrte seine Schwester an, als sähe er sie zum ersten Mal, Yuri hielt unmerklich den Atem an. Inuyasha sah besorgt zu seinem älteren Bruder, ebenso wie die Berggöttin. Das war ein Bruch mit der Tradition, mit der bedingungslosen Rangordnung der Hundeyoukai. Und alle rechneten mit einer Gegenmaßnahme des Herrn der Hunde.
Sesshoumaru hatte Shiro nicht aus den Augen gelassen. Jetzt meinte er nur: "Woher willst du wissen, was ich dir befehle? Und dein Leben gehört mir."
"Dessen bin ich mir bewusst." Jahrhundertelange Erziehung zum Gehorsam unter das Familienoberhaupt und der bedingungslose Ehrenkodex zwangen sie wieder zur Ruhe. Sie gewann ihre gewohnte Fassung zurück. "Willst du meinen Tod?"
"Folge mir." Er wandte sich ab und verschwand in einem Dimensionsportal. Sie schloss sich ihm eilig an, um ihn nicht zu verlieren.
"Äh...habe ich gerade was verpasst?" erkundigte sich Inuyasha.
"Ich weiß es nicht, Inyuasha-sama..." Akamaru starrte seiner Schwester hinterher: "Sie war so...bestimmt. Und jetzt das...wird er sie töten?"
"Möglich", gab der Hanyou zu. "In jedem Fall, Yuri, war das eine bescheuerte Idee, zu sagen, du willst sie heiraten."
So etwas hatte dem Hundeyoukai auch noch keiner erzählt, schon gar kein Hanyou, aber er hatte durchaus die Energie des kaze no kizu einschätzen können, die Inuyasha eingesetzt hatte. Und er wusste, dass er dagegen Probleme haben würde. Somit kannte er auch seinen Platz in der Hierarchie: "Was meinst du damit, Inuyasha-sama?"
"Sesshoumaru gibt nichts von seinem Eigentum her. Du hast Shiro mit diesem Angebot sicher keinen Gefallen getan."
"Du meinst, er wird sie eher töten, als mir zu überlassen. Vermutlich. Aber ich wollte es versuchen." Er fügte nicht hinzu, dass er von einer solchen Braut begeistert gewesen wäre. Selbst, wenn er keinen Nachwuchs hätte.
Die Sonne ging im Westen rotglühend unter, als Sesshoumaru und Shiro auf einem grasigen Hügel erschienen. Zur Verwunderung der Youkaiprinzessin befand sich links neben ihnen ein steinernes Grab. Sie sah hinüber nach Westen, in das weite Land dort. Ihre Nase verriet ihr nur zu gut, dass sie sich kurz vor der Grenze befanden. Dort lagen die westlichen Länder. Was sollte das? Wollte er sie hier töten und dort gleich begraben? Es schien ein vornehmes Grab zu sein, wenn auch außerhalb der Grenze seiner Ländereien.
Er sah zur untergehenden Sonne: "Dies ist das Grab von Yuris Vater. Mein Vater tötete ihn, weil er musste. Aber er begrub ihn dort, von wo aus man den weitesten Blick hat. - Ich töte kein Familienmitglied, nur weil es in Narakus Spiel passt. Das hätte er bedenken sollen." Er ließ den Blick nicht von dem versinkenden Ball am Horizont: "Shiro, hiermit gebe ich dir dein Ehrenwort aus unserem Duell zurück. Du kannst selbst über dein Leben und deinen Tod entscheiden. Und ich gebe dir alle Bedingungen aus dem marspa i dilumi zurück."
Sie starrte ihn fassungslos an. Was wollte er? Was sollte sie tun? Verachtete er sie nun so sehr, dass er sie nicht einmal mehr in seiner Verpflichtung wollte? Sie fand keine Worte.
Ruhig fuhr er fort: "Es liegt bei dir, was du tun willst. Du kannst mit Akamaru in den Süden gehen, du kannst mit Yuri gehen. Ich werde nichts dagegen unternehmen."
"Das Tor zur Dämmerung?" brachte sie heraus.
"Was ist damit?"
"Ich werde dort hindurch gehen, diesen Bann brechen."
"Wenn du das tun willst, stelle ich eine Bedingung."
"Und die wäre?" Sie war noch immer verwirrt.
"Vor uns liegt die Grenze zu den westlichen Ländern. Bevor du durch das Tor der Dämmerung ins Unbekannte gehst, musst du mir dorthin folgen." Er sah sie noch immer nicht an. "Aber überlege es dir gut, Shiro. Wenn du mir folgst, werde ich dich nie wieder einem anderen überlassen." Er ging langsam vorwärts, überquerte die unsichtbare Grenze.
Shiro starrte ihm nach, kaum fassend, was sie da gehört hatte. Sie sah noch immer regungslos zu ihm, als er seine wahre Gestalt annahm, sich in einen riesigen weißen Hund verwandelte, der weiterhin in den Sonnenuntergang blickte. Da glitt etwas wie ein Lächeln um den Mund der Youkaiprinzessin und ruhig machte sie die wenigen Schritte, die sie von der Grenze trennten. Ohne erkennbares Zögern überschritt sie sie, ehe sie ihre Energie auflodern ließ, sich ebenfalls verwandelte. Der weiße Hund drehte den Kopf.
Für einen Augenblick standen sich die Youkai gegenüber, dann machte Shiro einige Schritte, so dass sie Schnauze an Schwanz standen. Wie es von ihr erwartet wurde, senkte sie den Kopf und stupste ihrem Partner in die Weichen, ehe sie einige Sprünge weg machte, sich umblickte. Das war der Beginn ihrer Scheinflucht, aber auch der Beginn des uralten Paarungsrituals.
Und Shiro wusste, sie müsste nicht allein ins Unbekannte gehen.
Auf dem Berge Halel herrschte Schweigen. Die beiden Youkai, der Hanyou und auch die Göttin starrten noch immer auf den Fleck, wo die beiden verschwunden waren.
Akamaru suchte die Energie seiner Schwester, besorgt, ob sie noch am Leben wäre. Als er das Youki fand, atmete er unwillkürlich durch.
"Was ist?" fragte Inuyasha: "Hat er sie...?"
"Sie lebt." Aber der Herr des Südens hatte noch mehr gespürt, als nur das. Shiro hatte ihr volles Youki gezeigt. Und das tat man nur in einem heftigen Kampf- oder...Aber dieses Oder schien ihm dann doch recht unwahrscheinlich.
So blieben alle schweigend stehen. Niemand hätte gewusst, über was man sich unterhalten sollte. Und keiner wollte gehen, ehe nicht zumindest Sesshoumaru zurückgekehrt war. Selbst die Berggöttin von Halel erkannte, sie müsste warten. Das war eine Hundesache, eine Familienangelegenheit. Und wenn der Morgen graute, würde man sehen, was geschehen war.
Die Sonne war noch nicht wieder über dem Horizont, als Toutousai, der Dämonenschmied etwas unsanft geweckt wurde. Er spürte eine heftige Energieentladung- so heftig, dass ihm angst und bange wurde. Vorsichtig stand er auf. Er kannte ja einige starke Youkai, aber das...? Als er hinaussah, erkannte er seinen Besuch- mit nichts weniger als großer Begeisterung.
"Oh...Sesshoumaru..." Und da war noch jemand dabei? Eine Dame, offenkundig. Auch recht stark. Hektisch sah sich der Schmied um. Das war so ungefähr der schlimmstmögliche Wecker. Aber fliehen? Er saß hier ziemlich in der Falle.
"Du wirst ein Schwert schmieden, Toutousai."
"Nein! Ich habe dir schon hundertmal gesagt, dass du mein Tensaiga hast..." Das wurde immer leiser. Dem armen Schmied war klar, dass das möglicherweise seine letzten Worte waren. Diese Youkaidame war auch eindeutig stark. Und Sesshoumarus Meinung über abgelehnte Aufträge kannte er zu Genüge.
"Idiot. Nicht für mich."
"Äh?" Toutousai sah zu der vornehmen jungen Dame. Oh, das war auch eine Hundeyoukai. Aber, wenn Sesshoumaru ein Schwert für sie haben wollte...Nun ja...warum sollte er sich weigern? Sie trug offensichtlich eine gute Klinge, aber natürlich war das kein Vergleich...
"Du wirst es aus ihrem Fangzahn schmieden."
Der Schmied und Shiro starrten sich gleichermaßen entgeistert an. Aber dann nickte sie: "Wie du befiehlst, Sesshoumaru-donno."
Toutousai seufzte etwas, wandte sich aber ab, um seine Zange zu holen. Warum auch immer er schon wieder ein solches Schwert schmieden sollte- solange Sesshoumaru es nicht für sich wollte, sah er keinen Grund sich zu weigern. Aber er spürte doch Schweißperlen an seinem Rücken hinablaufen, als er zu der Dame trat: "Äh...."
Shiro öffnete kommentarlos den Mund. Toutousai schloss kurz die Augen. Als er vor so langer Zeit aus den Fangzähnen des mächtigsten Youkai Tensaiga und Tessaiga gemacht hatte, hatte er bei weitem keine solche Angst gehabt, die Zähne zu ziehen. Der Herr war da stets sehr freundlich gewesen. Aber er wusste nicht, wie diese Dame reagieren würde, obwohl sie anscheinend gehorsam gegenüber Sesshoumaru war. Dieser würde ihn wohl kaum umbringen oder umbringen lassen, ehe er das bestellte Schwert gefertigt hatte. Und Inuyasha war weit. So blieb ihm nichts anderes übrig.
Shiro zuckte doch etwas zusammen, als ihr der rechte Fangzahn ausgerissen wurde. Natürlich würde er innerhalb eines Tages nachgewachsen sein, aber es war trotzdem unangenehm. Was sollte das? Wozu benötigte dieser seltsame Schmied einen Zahn von ihr? Aber die Namen Tessaiga und Tensaiga...das waren auch Fangzähne. Wollte ihr Sesshoumaru etwa auch so ein mächtiges Schwert geben?
Toutousai sprang fast zurück, den Zahn in der Zange. Immerhin lebte er noch, hatte ihn die Dame nicht getötet. So nahm er den Fang in die Hand. "Gutes Material..." murmelte er, als die Berufsehre durchkam: "Daraus werde ich ein gutes Schwert schmieden können...allerdings, ich denke mehr zur Verteidigung geeignet."
"Das stimmt", sagte Shiro überrascht. Das musste ein genialer Schmied sein, wenn er anhand ihres Fangzahnes ihre Kampftechnik erkennen konnte. So seltsam er aussah- er konnte offenkundig etwas.
"Toutousai."
Fast erschreckt sah der Schmied auf. "Was willst du noch? Wie lange es dauert? Nun, .."
"Du wirst noch etwas in dieses Schwert einbringen." Die Fragezeichen auf dem Gesicht des Dämonenschmieds waren kaum zu übersehen. So ergänzte Sesshoumaru: "Meinen Fangzahn."
Toutousai hatte das Gefühl, gleich in Ohnmacht zu fallen: "Wie bitte? Ich meine...das ist nicht dein Ernst...?"
"Dieses Schwert ist meine Morgengabe an meine Gemahlin."
Der Schmied verstand jetzt einiges. Aber da war noch immer das Problem: weigerte er sich, den Zahn zu ziehen, brachte ihn Sesshoumaru um. Zog er den Zahn...? Was wäre denn dann? Immerhin schien ihm doch ein Einwand angebracht: "Sesshoumaru....Es ist sehr großzügig von dir...aber es gibt da ein technisches Problem."
Der Youkaifürst hob leicht die Brauen, sparte sich aber die Frage.
Toutousai seufzte: "Ich habe die Schwerter aus den Zähnen deines Vaters geschmiedet, ja. Ich kann auch aus dem Fangzahn..." Er hätte fast "von der da" gesagt, aber er korrigierte sich hastig: "Deiner Gemahlin ein Schwert machen. Aber das sind immer sehr individuelle Schwerter. Und.." Er wusste den Namen nicht.
"Shiro", sagte diese.
"Shiros Art ist eben Verteidigung."
"So soll auch etwas anderes dabei sein. Zieh meinen Fangzahn und schmiede."
Toutousai hatte den leisen Nachdruck gehört und wusste, dass er gerade mit seinem Leben spielte: "Ich werde es eben versuchen...Aber das ist schon ein ziemlich...ausgefallenes Schwert dann." Selbst in seinen wüstesten Alpträumen hätte er sich keine Situation wie diese ausmalen können: er trat mit einer Zange in der Hand auf Sesshoumaru zu, der den Mund öffnete, um ihn einen Zahn ziehen zu lassen. Der Schmied schluckte noch einmal kurz, ehe er den Befehl ausführte. Es war ein ziemlicher Satz zurück, als er die Zange mit dem Zahn herauszog. Aber der Herr der westlichen Länder schloss nur den Mund. So fühlte Toutousai sein zweites Werkstück an: "Oh, oh, " murmelte er: "Das wird nicht einfach..., das zu verbinden."
"Wenn es einfach wäre, bräuchte ich dich nicht", erklärte Sesshoumaru kühl: "Wie lange brauchst du?"
"Hm...nun ja...ich habe auch noch andere Kunden...nein, schon gut. Ich werde mich beeilen. Aber gewiss eine Woche."
"Danke", sagte Shiro höflich, ehe sie sich rasch abwandte, da sie bemerkte, dass der Youkaifürst ein Dimensionsportal öffnete. Sekunden später waren die beiden verschwunden.
Toutousai starrte auf die beiden Fangzähne in seiner Hand. Mit so etwas hätte er eigentlich nicht gerechnet. Myoga hatte ihm doch erzählt, dass Sesshoumaru seine vorherbestimmte Braut zurückgewiesen hatte? War der Name nicht Shiro gewesen? Und jetzt hatte er sie doch akzeptiert? Na, den ältesten Sohn seines Herrn zu verstehen, war ihm irgendwie noch nie geglückt. Aber das Schwert, das er jetzt machen sollte...hm. Das würde schwierig werden. Die Technik der neuen Fürstin der westlichen Länder war ganz offenkundig mehr auf Verteidigung ausgelegt. Und Sesshoumarus Stärke lag ebenso eindeutig in der Attacke. Er würde sich wohl überraschen lassen müssen, welche Fähigkeiten sich aus der Verbindung ergeben würden. Aber als er langsam in seine Werkstätte zurückkehrte, bildete sich so langsam eine Vorstellung aus. Sie arbeitete mit Youki in der Verteidigung...das wäre eine Möglichkeit....Diese neue Aufgabe war sicher die reizvollste der letzten Jahrhunderte.
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Das nächste Kapitel heisst: "Das Tor der Dämmerung"
Und einige Leute erleben die größte Überraschung ihres Lebens.
Wer so nett ist, mir einen Kommi zu hinterlassen, dem schicke ich eine ENS, wenn ich sehe , das es freigeschaltet wurde.
bye
hotep
Das Tor zur Dämmerung
Und weiter geht es.
Falls der Bann geändert werden kann, kann Shiro ja dann auch Nachwuchs bekommen. Aber vorher gibt es noch den Weg ins Unbekannte. Wenigstens ist sie nicht allein.
Und Inuyasha bekommt ein unerwartetes Problem.
Viel Spass beim lesen!
20. Das Tor zur Dämmerung
Die Wartenden auf dem Berge Halel sahen auf, als sie spürten, dass sich ein Dimensionsportal öffnete. Mit gewisser Erleichterung erkannten sie, dass zwei Youkai kamen.
"Nee-chan..." sagte Akamaru ein wenig besorgt, ehe er etwas zu tief Luft holte.
Yuri sah seine Cousine an: "Ich freue mich, dich wieder zu sehen, Shiro-hime...", begann er, als auch er erstarrte.
Inuyasha konnte die Nachricht kaum fassen, die ihm seine Nase zutrug. Aber es war ganz eindeutig, dass Shiro sehr nach seinem Bruder roch. Und umgekehrt. So sah er ihn ein wenig fragend an.
Sesshoumaru nickte unmerklich: "Wir werden durch das Tor der Dämmerung gehen."
"Wir?" wiederholte die Berggöttin skeptisch: "Du kannst es wohl auch, du warst ja auch in Shiros Seele, aber..."
"Ich lasse meine Gefährtin nicht allein ins Unbekannte."
Die männliche Verwandtschaft nahm diese Bestätigung nur zur Kenntnis. Keiner hätte sich getraut, etwas zu sagen, oder auch nur gewusst, was er hätte sagen sollen, ohne sich in die Nesseln zu setzen. Selbst Inuyasha hielt es für besser, den Mund zu halten.
"Gut..." dehnte die Göttin, die es langsam aufgab, sich noch über diese Familie zu wundern: "Aber niemand weiß, was euch dort erwartet. Und wie lange ihr fort seid."
"Ja." Sesshoumaru drehte etwas den Kopf: "Inuyasha."
"Was? Soll ich etwa mit?"
"Nein. Aber lass es dir von Akamaru erklären. - Was sollen wir nun tun?" Das galt wieder der Göttin.
"Berührt meine Schulter."
Die beiden gehorchten und fanden sich kurz darauf im Inneren des Berges Halel, am Spiegelsee wieder.
Inuyasha starrte mehr als verblüfft hinterher: "Was sollte das denn jetzt schon wieder? Kein Auf Wiedersehen oder so...Also, Akamaru?"
"Ich nehme an, er meinte, dass du dich um die westlichen Länder kümmern sollst, bis er wieder da ist."
"Ach, und warum das?"
"Du bist der Erbe, solange Inu no Taishou keinen eigenen Sohn hat. War dir das nie klar?"
Eigentlich nicht, dachte Inuyasha. Klasse. Da hat der Herr Bruder mir ja mal wieder was aufgehalst. Obwohl: eigentlich war es schon verwunderlich, wie sehr er auf einmal einen auf Familie machte. Was war denn bloß los? Und was sollte er jetzt tun? Ein wenig hilfesuchend sah er zu Akamaru: "Also bin ich jetzt gerade der Herr der westlichen Länder? Und was macht man da?"
"Du hast keine Ausbildung bekommen, was ein Landesherr machen muss?" erkundigte sich Yuri überrascht: "Aber das habe sogar ich gelernt..."
"Keh", machte Inuyasha: "Mein Vater starb am Tag meiner Geburt. Da war das wohl was anderes. Und ich bin ein Hanyou, schon vergessen?"
"Tja.." Akamaru dachte kurz nach: "In meinen Ländern läuft das ja ganz gut. Dann gehen wir zu eurem Schloss und ich werde es dir erklären..."
"Ich auch," ergänzte Yuri. Die strikte Rangordnung erforderte, dass sie den Höherstehenderen unterstützten, ihm halfen. Und beide Hundeyoukai gaben sich zu, dass sie ebenfalls Hanyou gering geachtet hatten- bis zu dem Tag, an dem sie auf diesen einen hier trafen.
"Unserem Schloss?" Inuyasha war etwas bis sehr überrascht, aber anscheinend fanden das alle völlig normal. So zuckte er die Schultern: "Na ja...ich müsste dann nur meinen Freunden sagen, wo ich bin..."
"Hol sie doch zu dir", schlug Yuri vor: "Im Schloss ist genug Platz, wenn ich mich recht erinnere."
Schlossbesitzer war er also auch noch...Inuyasha beschloss, aufzuhören, sich zu wundern. Seitdem diese Magier ihn gekidnappt hatten, schien die Youkaiwelt aus den Fugen geraten zu sein. Er hatte auf einmal lauter starke Youkai in der Verwandtschaft, die ihn unterstützen, sein Bruder war geradezu nett...irgendwie musste da was passiert sein, das ihm entgangen war. Er war jetzt Landesherr in Stellvertretung? Das konnte ja heiter werden. Er, der keine Ahnung davon hatte? Aber Miroku oder Sango würden ihm da sicher helfen können. Und seine Cousins hatten das ja schon angekündigt. Er schüttelte leicht den Kopf. Sesshoumaru verheiratet und er, der Hanyou, Herr der westlichen Länder...Mit leisem Grinsen dachte er, dass Naraku seinen Plan nie so geplant hätte. Hunde waren doch immer für Überraschungen gut.
Das Schloss lag ziemlich weit im Westen und die wenigen Youkai dort lebten ein verschlafenes Dasein. So waren sie mehr als überrascht, starke Youki zu spüren. Der Verwalter lief sofort in den Hof, erkannte überrascht, dass zwei Hundeyoukai ankamen, einer davon musste der rothaarige Herr des Südens, Akamaru, sein. Wer war der andere? Und der in der Mitte...das konnte eigentlich nur ein Hanyou sein. Inuyasha. Was war da nur los? Und warum war Sesshoumaru-sama nicht da, wenn das Schloss angegriffen wurde? Der Verwalter blieb vorsorglich einfach stehen.
"Was wollt ihr?"
"Ich bin Inuyasha", sagte der Hanyou, nicht sonderlich erstaunt über diese Begrüßung: "Und ich soll hier die Verwaltung übernehmen..."
"Aber...ich meine...." stotterte der Verwalter verwirrt: "Sesshoumaru-sama..."
"Genau, der hat das gesagt."
Das war nicht zu glauben. Irgendwie musste es sich um eine Intrige handeln, durch die dieser Herr des Südens sich auch den Westen unter den Nagel reißen wollte. Wer war eigentlich dieser dritte im Bunde? "Verschwinde", sagte der Verwalter daher: "Oder soll ich etwa lachen? Sesshoumaru-sama würde nie seine Geschäfte einem dämlichen Hanyou anvertrauen..." Im gleichen Augenblick stellte er fest, dass der unbekannte Youkai mit den weißen Haaren und grünen Augen ihn an der Kehle gepackt hatte, hochhob. Himmel, war der Kerl schnell und stark. Das Youki war fast so groß wie das des Herrn...
"Wenn der Anführer aller Hundeyoukai beschließt, für die Dauer seiner Abwesenheit seine Amtsgeschäfte von seinem Bruder erledigen zu lassen, seinem Erben, so ist das nichts, was dich angeht." Yuri klang kalt: "Und dass du offenkundig nicht auf dem Laufenden bist, beweist nur deine Unbrauchbarkeit. Soll ich ihn töten, Inuyasha-sama?"
Der Verwalter glaubte, nicht recht gehört zu haben. Ein so starker Hundeyoukai und sprach einen Hanyou mit der ehrenvollen Anrede an? Und...Sekunde...hatte er da gerade was von töten gesagt?! Entsetzt starrte er zu dem Hanyou, der ihn musterte. Jetzt erkannte er diesen Blick. So hatte der alte Herr auch manchmal geguckt. Stimmt ja, dachte er entgeistert. Inuyasha ist der Halbbruder Sesshoumarus und auch, wenn er ein Hanyou ist- sein Vater hätte mich vermutlich für meine Bemerkungen schon umgebracht...
"Lass ihn, Yuri", sagte Inuyasha: "Er ist ein Trottel, also ignorier ihn."
"Ich kann nur hoffen, dass nicht alle Mitarbeiter so sind", murmelte Akamaru: "Sonst dauert das hier. Und irgendwann muss ich auch mal wieder in den Süden."
"Geh nur..." meinte Inuyasha prompt.
"Nein. Du brauchst ja eine Einführung."
Yuri hatte den Unglückshund inzwischen losgelassen. Dieser lag jetzt auf dem Boden, starrte hinauf. Was war nur passiert? Wieso verstanden sich vollwertige Youkai mit einem verachtenswerten Hanyou? Oder besser: wie stark war dieses Halbblut geworden, dass sich vollwertige Youkai, Youkaifürsten, ihm unterordneten? Und wieso hatte ihm Sesshoumaru-sama die Regentschaft anvertraut? Was war nur passiert? Andererseits: Inuyasha war der Sohn des alten Herrn und der hätte sicher nichts dagegen gehabt, dass die Familie einig war, auch sein jüngerer Sohn geachtet wurde. Er begegnete dem Blick des Hanyou und senkte hastig den Kopf: "Darf ich Euch das Schloss vorführen?" sagte er nur: Wenn dieser Hanyou so gut war, dass ihm diese starken Youkaifürsten folgten und Sesshoumaru ihm vertraute, so war es sicher gesünder für ihn, das auch zu tun.
Inuyasha war direkt erleichtert: "Ja, klar. Wie heißt du eigentlich?"
Er wusste nicht, dass gerade die relative Unhöflichkeit seiner Frage dem Verwalter einen echten Prinzen verriet. "Tana, Inuyasha-sama. Ich bin hier der Haushofmeister." Er erhob sich vorsichtig, um seiner Arbeit nachzugehen.
Im Berge Halel standen Sesshoumaru und Shiro am See. Er kannte diese Höhle schon und sie besaß genug Selbstbeherrschung, sich nicht neugierig umzusehen. Die Stimme der Göttin kam scheinbar von allen Seiten: "Nun, mir wurde gesagt, dass ihr in den See springen sollt. Dies ist ein Spiegelsee, den mir einst der Gott der Zeit schenkte, damit ich sehen und Rat erteilen könnte. Ich weiß jedoch nicht, wohin ihr dann gelangt oder was dann sein wird. Aber dies ist die einzige Möglichkeit, den Bann zu brechen."
Die beiden Youkai sahen sich kurz an, ehe sie ohne weitere Worte in den See sprangen. Zu ihrer Überraschung fühlte es sich nicht so an, wie sie erwartet hatte, kalt und nass. Es war eher, wie ein Nebel, als würden sie eine feste Oberfläche durchspringen. Und sie besaßen genug Magie, um zu erkennen, dass sie die gewöhnliche Dimension verlassen hatten. Es musste sich um ein Dimensionsportal handeln, allerdings um keines, wie sie selbst es erschaffen konnten, um rasch zu reisen.
Wo würden sie nur landen?
Keiner der beiden hätte sagen können, wie viel Zeit vergangen war, als sie bemerkten, dass sie nun in einer gewöhnlichen Dimension fielen. Sie mussten irgendwo anders sein und sahen sich im Landen kurz um.
Scheinbar handelte es sich auch um eine Höhle, wenn auch riesigen Ausmaßes. Die Decke über ihnen war kaum zu erkennen, die Wände schon gar nicht. Die Felsen in der Kaverne wurden von einem seltsamen roten Licht erleuchtet.
Instinktiv blieben die beiden Hundeyoukai nebeneinander stehen, sich unwillkürlich Rücken an Rücken drehend.
Shiro wollte schon fragen, wo sie wären, aber sie begriff gerade noch rechtzeitig, dass sie ihren Gefährten nicht so blamieren konnte. Er würde es auch kaum wissen. Aber was würde nun geschehen? Oder sollten sie irgendwohin gehen? Alle Richtungen sahen gleich aus.
"Komm", sagte Sesshoumaru und ging.
Etwas erstaunt folgte sie ihm, spürte dann aber auch eine Aura, entfernt, aber doch noch bemerkbar, eine Reinheit, eine Energie, die nur von einem Gott ausgehen konnte. Waren sie hier etwa in der Welt der Götter gelandet? Eine andere Dimension? Shiro erinnerte sich, gehört zu haben, dass Götter und Youkai oft als beide Seiten der Macht angesehen wurden, Energien, die sich gegenseitig aufhoben. Vielleicht war das in der Tat eine Möglichkeit, den Bann zu brechen. So blieb sie an der Seite ihres Gefährten, wie immer allerdings den höflichen Schritt zurück.
Ein Ende der seltsamen Höhle war nicht abzusehen, als ihnen ein junger Mann entgegenkam, in einem Kimono, unbewaffnet. Seine langen dunklen Haare fielen ihm tief ins Kreuz hinab. Auf seiner Stirn erkannte Shiro die Mondsichel, die auch Sesshoumaru dort trug. Aber dies war eindeutig ein Gott, sie spürte die helle Aura nur zu deutlich.
"Ich bin Tsuki", sagte er und sie begriff. Tsuki, Gott des Mondes. Aber was sollte das hier, jetzt? "Immerhin habe ich einst versprochen, auf dich aufzupassen, Sesshoumaru, und ich stehe zu meinem Wort. - Ich kenne euer Problem. Wie weit würdet ihr gehen, um den Bann zu beseitigen?"
"Soweit es nötig ist", erwiderte der Youkaifürst für beide. Shiro schwieg, da es sehr unhöflich gewesen wäre, hätte sie gegenüber jemandem geantwortet, der offenbar ihren Gefährten schon lange kannte. Woher, hätte sie allerdings äußerst interessiert.
"Gut. - Ihr befindet euch hier in meinem Reich. Es liegt außerhalb der euch bekannten Dimensionen. Von hier aus ist es mir möglich, Vergangenheit, Gegenwart und die Zukunft zu sehen. Ich kann euch daher einen Rat geben. Aber ich bin sicher, die vor euch liegende Prüfung wird das Unangenehmste sein, das euch je begegnet ist." Er blickte zu Shiro.
Diese antwortete daher: "Ich ging nicht durch das Tor der Dämmerung, um Unannehmlichkeiten auszuweichen."
"Dann geht dort entlang. Irgendwann werdet ihr einen See erreichen, der von Nebelschleiern verhüllt ist. Dort legt eure Rüstungen und Schwerter ab und springt hinein. Auf der anderen Seite dieses Tores werdet ihr die Lösung finden. Aber ich sage euch jetzt schon, dass ihr durch dieses Portal nur zurückkehren könnt, wenn ihr eure Aufgabe erfüllt habt." Beide Hundeyoukai sahen ihn nur an und so fuhr er fort: "Gut, wenn ihr bereit seid,...geht. Aber ich kann und darf euch nicht mehr sagen. Den Rest müsst ihr allein erraten."
"Gut." Sesshoumaru drehte sich um und ging schon in die angegebene Richtung, was Shiro dann doch ein wenig unhöflich fand.
Dieser Gott hatte ihnen immerhin eine Möglichkeit aufgezeigt, diesen Bann zu brechen, egal, wie unangenehm das auch werden mochte. Und er war ein Wesen mit einer Macht, die die ihre weit übertraf. So verneigte sie sich höflich ein wenig: "Ich danke dir..." ehe sie ihrem Gefährten folgte.
Der Mondgott sah den beiden nach. Er war sicher, dass sie nicht im Mindesten eine Ahnung davon hatten, was sie dort erwarten würde. Aber sie würden natürlich weder das noch Angst je zeigen. Youkai! Stur wie eh und je. Aber er war doch neugierig, ob nicht auch ihre Fassung sie verlassen würde, wenn sie bemerken würden, auf was sie sich da eingelassen hatten.
Im Schloss des Westens hatte sich Inuyasha auf den Stuhl des Hausherrn gesetzt, seine beiden Cousins sich rechts und links daneben höflich niedergelassen.
"Verzeih, wenn ich das so frage, Inuyasha-sama..." begann Akamaru vorsichtig: "Kannst du lesen?"
"Ja, klar."
"Gut." Der Herr des Südens wechselte mit Yuri einen raschen Blick. Sie hatten schon befürchtet, auch das in einem Schnellkurs beibringen zu müssen. Aber anscheinend hatte der kleine Cousin doch irgendwas gelernt.
"Auch schreiben", ergänzte der Hanyou etwas ärgerlich: "Meine Mutter hat mir durchaus was beigebracht, bis sie starb."
"Wir wollten dich nicht beleidigen", sagte Akamaru sofort: "Tana, dann bring uns mal die Bestandslisten, über die Größe und die Bewohner der westlichen Gebiete."
Der Haushofmeister warf sich zu Boden: "Wie Ihr wünscht..." Er hätte nur zu gern gewusst, was da passiert war, aber ihm war klar, dass zu große Neugier auch leicht den Tod zur Folge haben konnte. So gehorchte er einfach.
"Sag mal, Inuyasha-sama", meinte Yuri, als sie unter sich waren: "Du hast schon erwähnt, dein Vater starb am Tag deiner Geburt. Und deine Mutter wohl auch recht bald. Wer hat dich denn dann weiter ausgebildet?" Besonders gut konnte der wohl nicht gewesen sein. Vermutlich einfach ein Mensch.
Inuyasha schien erstaunt. "Na, niemand. Sie warfen mich aus dem Schloss und dann war ich allein auf mich gestellt..."
"Sie haben dich hier, aus diesem Schloss...? Dem Schloss deines Vaters?" Das sollte Sesshoumaru zugelassen haben?
"Nein, nein...dem Schloss meiner Mutter. Also, der Familie meiner Mutter. Sie hatten keine Lust, einen Hanyou dazuhaben..." Inuyasha klang sachlich.
Yuri betrachtete ihn. Sein eigener Vater war wegen Hochverrates getötet worden und er hatte bei seiner Mutter gelebt. Nach deren Tod hatte sein Großvater mütterlicherseits ihn als Erben erzogen. Irgendwie hatte er bislang immer gedacht, er habe als so früher Vollwaise eine nicht sehr schöne Kindheit gehabt. Aber dass eine Familie ein Kind verstoßen würde, weil es ein Halbblut war, war ihm noch nie in den Sinn gekommen. Nun gut, gab er sich zu, er hatte von Hanyou bislang auch nicht gerade viel gehalten. Aber trotzdem: Menschen, nichts als erbärmliche Menschen, hatten es gewagt, den Sohn des Anführers aller Hundeyoukai nur darum zu verabscheuen, weil sein Vater ein Youkai war? Er sah zu Akamaru, begegnete dessen grünem Blick.
"Wo liegt denn dieses Schloss?" erkundigte sich der Herr des Südens.
"Wieso?" Inuyasha war etwas verwirrt.
"Niemand wirft ein Mitglied unserer Familie aus einem Schloss. Kein Youkai und kein Mensch."
Der Hanyou begriff plötzlich: "He, nein, keinen Rachefeldzug. Die Menschen, die das taten, sind ja schon lange tot."
"Wenn du meinst..." Yuri zuckte unmerklich die Schultern: "Willst du diese Beleidigung ungesühnt lassen?"
"Oh, Mann, Yuri, wenn ich jeden umgelegt hätte, der mich Hanyou nannte und missachtete, gäbe es heute vermutlich in ganz Japan weder Menschen noch Youkai. Und ein ganzer Haufen hat für Bosheiten bezahlt."
Wieder begegneten sich die Blicke der vollblütigen Youkai. Sie hatten sich nie zuvor vorgestellt, wie das Leben eines Halbblutes aussehen mochte, verachtet von allen Seiten. Natürlich hatten sie gewusst, dass reinblütige Youkai Hanyou verwarfen, aber sie hatten unwillkürlich immer geglaubt, Menschen wären froh, ihr Blut auf diese Weise aufgebessert zu bekommen. Dass auch diese Halbblütern mit Verachtung begegneten, war ihnen neu. Und noch etwas war ganz deutlich. Inuyasha hatte jeden getötet, der ihn zu sehr verletzt hatte. Hatte er solcherart diese Stärke erreicht, in andauernden Kämpfen auf Leben und Tod? Irgendwie waren die beiden Hundeyoukai ganz froh, dass das jetzt alles so gelaufen war. Und sie würden ihm eben nun das beibringen, was unter Youkaifürsten notwendig war.
Inuyasha zuckte etwas zusammen: "Oh, ich wollte doch noch meinen Freunden sagen, dass sie herkommen sollen..."
"Ich habe mir erlaubt, einen Boten zuschicken, " erwiderte Akamaru: "Der sie einladen soll, hierher zu kommen."
"Danke, gut, dass du dran gedacht hast." Anscheinend würde er sich zusammenreißen müssen, um sich nicht vor diesen Youkaicousins zu sehr zu blamieren. Es war lange her, seit er richtig etwas gelernt hatte, aber er wollte sich doch nicht lächerlich machen, wenn sie ihn schon so in der Familie aufnahmen.
Der Bote, den Akamaru losgeschickt hatte, war ein Youkai. Er ging davon aus, ein paar Menschen eine Botschaft zu überbringen und war etwas verwirrt, als die Bauern vor ihm nicht davonliefen. Als er als nächstes einem riesigen Bumerang ausweichen durfte und einen Mönch sah, der Bannzettel in die Hand nahm, korrigierte er seine Meinung rasch. Er hätte wissen müssen, dass jemand wie Inuyasha-sama keine gewöhnlichen Sterblichen einladen würde. So hob er hastig die Hand: "Ich bringe Botschaft von Inuyasha-sama!"
Die Dämonenjägerin fing den Bumerang ab: "Nachricht von Inuyasha?"
"Wo ist er? Wo sind die anderen?" erkundigte sich der Mönch. Sie hatten den Hundeclan zuletzt bei Yuris Schloss gesehen: "Wie geht es Shiro-hime?"
"Das weiß ich nicht", sagte der Bote höflich, da er erkannte, dass diese Menschen wohl recht vertraut mit der Herrscherfamilie waren: "Ich weiß nur, dass Sesshoumaru-sama und Shiro-hime irgendwohin gingen. Währenddessen ist Inyuasha-sama der Verwalter der westlichen Länder. Und er lädt euch in das Schloss ein."
Die Menschen tauschten einen Blick, ehe die Dämonenjägerin antwortete: "Das ist sicher eine große Ehre, aber Inuyasha wird verstehen, dass wir das Dorf nicht ungeschützt lassen wollen. Sag ihm aber, danke. - Oh, und sage ihm bitte, Kagome sei nach Hause zurückgekehrt."
"Ich werde es tun." Der Youkai verschwand sofort.
Miroku trat neben seine Freundin: "Hätten wir nicht doch mitgehen sollen? Vielleicht bräuchte Inuyasha unseren Rat..."
"Vielleicht. Aber er hat jetzt eine Familie. Meinst du nicht, dass so Leute wie Akamaru oder dieser Yuri ihn weniger achten würden, wenn er Menschen um Rat fragt? Ich denke mal, dass das eine Familienangelegenheit ist. Und immerhin: Sesshoumaru hat ihn da so eingesetzt. Und der weiß normalerweise, was er tut."
Sesshoumaru und Shiro erreichten nach Stunden einen See. Dichte Nebelschwaden umhüllten das Wasser, machten es selbst ihnen unmöglich, zu erkennen, wie groß der See war, oder wie tief. Wie es ihnen der Mondgott befohlen hatte, entledigten sie sich ihrer Rüstungen, ihrer Schwerter. Sesshoumaru legte mit leisem Zögern auch sein Schulterfell ab. Anscheinend sollten sie möglichst unauffällig wirken, was auch immer sie dort auf der anderen Seite erwarten mochte. Er sah zu Shiro. Diese blickte über den See, schien erraten zu wollen, was vor ihnen lag. Die Worte des Gottes hatten nicht sehr angenehm geklungen, aber sie mussten seinem Rat folgen. Es war die einzige Möglichkeit, Narakus Plan endgültig zu vereiteln. So trat er neben sie.
Gemeinsam sprangen sie ab, fielen wie in dem See am Berge Halel nicht ins Wasser. Auch hier befand sich wieder ein Portal, das anscheinend aus der Welt des Mondgottes wieder hinausführte, in die Dimension, die sie kannten. Aber dennoch war diesmal etwas anders. Der seltsame Sprung durch die Dimensionen war schmerzhaft, und beide fühlten, wie etwas an ihnen zu zerren schien, begannen zu spüren, wie sie müde wurden. Es war viel anstrengender, als der Sprung im Berge Halel. Aber Tsuki hatte sie ja gewarnt, dass es schwer werden würde.
Endlich spürten sie festen Boden unter den Füssen, fielen praktisch auf ihn, da sie ihn zu spät erkannten. Ungewohnt für beide. Sie waren anscheinend in einer Hütte gelandet, Holzboden, Holzwände, Pfosten...
Shiro richtete sich mühsam auf. Ihre langen, roten Haare fielen auf ihre Hände. Und da erstarrte sie. Fast vorsichtig warf sie noch einmal einen Blick auf ihre Finger. Eisige Kälte schien sich in ihrem Körper auszubreiten, als sie aufsah. Sesshoumaru hatte sich ebenfalls aufgesetzt, blickte sich um. Zu ihrem gewissen Entsetzen hatte auch er sich verändert. Und auch er schien zu bemerken, dass etwas äußerst Ungewöhnliches geschehen war, denn er hob die Hand, fasste seine Haare. Sie waren noch immer so lang wie eh und je, waren nun aber schwarz.
"Sesshoumaru-donno..." flüsterte Shiro, fassungslos, wie noch nie in ihrem Leben.
"Tsuki hat nicht gelogen." Er klang ruhig, obwohl auch er ein mehr als seltsames Gefühl in der Magengegend spürte: "Das ist die unangenehmste Situation, die ich mir hätte auch nur vorstellen können."
Sie nahm sich zusammen: "Dieser Sprung durch die andere Dimension...er hat uns unser Youki entzogen...vollständig, " sagte sie sachlich: " Aber wir leben noch."
"Ja. Aber wo auch immer wir hier sind, eines ist klar. Wir sind keine Youkai mehr, sondern nichts als erbärmliche Menschen."
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Die netten Überraschungen des Lebend: Inuyasha-sama regiert die westlichen Länder und Sesshoumaru und Shiro sind Menschen...
Das nächste Kapitel heisst: "Die härteste Prüfung".
Wer so nett ist, und mir einen Kommentar hinterlässt, dem schicke ich auch eine ENS, wenn ich sehe, dass das neue Kapitel freigeschaltet ist.
bye
eure
hotep
Die härteste Prüfung
Hallo,
schön, dass ich euch doch noch überraschen konnte. Es war ja die letzte Wendung in der Geschichte.*g*
Flitterwochen stellt man sich landläufig anders vor.
Viel Spasss beim Lesen.
21. Die härteste Prüfung
Wenn Sesshoumaru oder Shiro je entgeistert gewesen waren, so in diesem Augenblick, als sie erkennen mussten, dass sie jede magische Fähigkeit verlassen hatte, jene Stärke und Macht auch, die einen Youkai ausmachte. Ihre Nase, Ohren, selbst ihre Augen lieferten ihnen nur noch Bruchteile der gewohnten Erkenntnisse. Sie waren eindeutig zu nichtsnutzigen, erbärmlichen Menschenwesen geworden.
"Warum?" flüsterte Shiro, ohne die Hoffnung zu haben, ihr Gefährte würde die Antwort wissen.
Sesshoumaru wandte den Kopf, versuchte, möglichst viele Informationen zu bekommen, so gut das mit diesen schlechten Sinnesorganen ging. Gewisses Beschützergefühl ließ ihn jedoch sagen: "Nun, es wird aus irgendeinem Grund nötig sein, um diesen Bann zu zerstören. Tsuki warnte uns. Wir können erst wieder zurück, und wohl erst wieder Youkai werden, wenn der Bann gebrochen ist. - Komm. Wir müssen herausfinden, wo wir sind."
Shiro sah sich kurz in der Hütte um. Es schien ein Lagerhaus zu sein. Allerlei Kästen und verschlossene Pakete lagen herum und selbst für die schlechte Nase eines Menschen roch es hier merkwürdig. Aber sie folgte ihrem Gefährten hinaus.
Dort blickten sich die beiden um.
"Ein Schrein", stellte Sesshoumaru fest. War das der Grund für ihre Verwandlung? War hier ein heiliger Ort? Aber was waren das dort für seltsame Gebilde im Hintergrund?
"Inuyasha?...Shiro?!"
Das Paar fuhr herum.
"Kagome?!" brachte Shiro mehr als verblüfft heraus.
Das Mädchen aus der Neuzeit starrte ihre Besucher ebenso verwirrt an: "Sesshoumaru? Das bist doch du? Was macht ihr hier? Was ist denn nur passiert? Ihr seht so...anders aus..." Sie wollte nicht gerade menschlich sagen, da sie annahm, dass das eine Beleidigung für so starke Youkai wäre. Aber Sesshoumaru mit schwarzen Haaren erinnerte sie sehr an Inuyasha, wenn er als Mensch die Neumondnacht erlebte, zumal die Streifen in seinem Gesicht verschwunden waren. Und beide Youkai waren unbewaffnet, was ebenfalls recht bemerkenswert war.
Sesshoumaru verriet sofort, dass die Veränderung nur äußerlich war: "Wo sind wir?"
"In Tokio, in der Neuzeit, also, 5oo Jahre nach der euren. ...Äh, kann ich euch irgendwie helfen?"
Tsuki musste sich dabei etwas gedacht haben. So sehr es ihm innerlich widerstrebte, antwortete doch der Youkaifürst: "Shiro, erzähle ihr, was geschehen ist."
Diese wollte anfangen, aber Kagome winkte schon ab: "Äh...kommt doch erst einmal ins Haus. Wenn die Sache so liegt, wie ich denke, solltet ihr besser unsere Gastfreundschaft in Anspruch nehmen." Sie formulierte sehr behutsam. Irgendwie fand sie es unheimlich lustig, so mächtige Youkai in der von ihnen verachteten Menschenart vor sich zu sehen. Zum anderen war ihr nur zu bewusst, was diese beiden anrichten konnten, hätten sie wieder Youki und wären sauer. Außerdem war sie wirklich neugierig, was da passiert war. Und sie konnte sich nur vorstellen, dass das irgendwie mit diesem Bannfluch Narakus zusammenhängen konnte.
Kurz darauf saßen die drei im Wohnzimmer der Higurashis. Kagome hatte beide sehr höflich- mit den ihr bekannten Titeln- ihrer Mutter vorgestellt, die nun die Gäste freundlich ansah.
Shiro seufzte unhörbar, berichtete aber kurz, von dem Bannfluch, und dass dessen Umleitung wohl nur hier, in dieser fremden Zeit, möglich wäre.
"Das verstehe ich nicht", meinte Kagome: "Aber ich kapiere, dass sich Naraku wie immer doppelt abgesichert hat. Ist der Splitter in dir durch seinen Bann und dein eigenes Youki dunkel, wirkt der Bann, der dich in Gehorsam gegenüber Naraku zwingt. Ist der Splitter dagegen hell und du kannst ihn in dir versiegeln, wirkt dieser Bann mit dem Nachwuchs."
Die Youkaiprinzessin sparte sich eine Antwort. Auch, wenn sie nun in einem Menschenkörper steckte, so sah sie doch keinen Grund, ihre Eigenheiten auch zu verändern.
So herrschte eine Weile Schweigen.
"Ich verstehe nichts von Magie oder Flüchen", erklärte Fr. Higurashi plötzlich und nicht nur ihre Tochter fragte sich, warum sie dann überhaupt etwas sagte: "Aber es hängt wohl alles mit dem Splitter in Ihnen zusammen, Prinzessin Shiro. Und so denke ich mir, dass Sie hierher geschickt wurden, da man in einem Krankenhaus den Splitter entfernen könnte."
"Natürlich. Mama, du hast recht." Kagome richtete sich auf: "Und das geht nur, denn du ein Mensch bist, Shiro-hime. Aus zwei Gründen. Erstens kann so dein eigenes, dunkles Youki den Splitter nicht..." Sie hätte fast "verunreinigen" gesagt, verbesserte sich aber gerade noch: "Aktivieren, dich in diesen Gehorsamsbann bringen. Und zum zweiten wird in einem Krankenhaus ja auch Blut abgenommen und so. Und wenn die Ärzte sehen würden, dass du kein Mensch bist, dann wäre was los. - So bist du unauffällig."
"Was ist ein Krankenhaus?" erkundigte sich Shiro nur, obwohl in ihr ein unangenehmes Gefühl aufstieg, das sie rasch als Angst erkannte. Jemand, dazu noch ein einfacher Mensch, sollte ihr den Splitter entfernen? Also, wohl herausschneiden? Soweit sie wusste, waren Menschen viel schmerzanfälliger als Youkai.
"Ein Haus, in dem Ärzte kranke Menschen heilen. - Ich könnte dich morgen dahin bringen. Und wenn die Ärzte mir dann den Splitter geben, so kann ich ihn weiter rein halten und mit ins Mittelalter zurücknehmen."
Shiro sah vorsichtig zu ihrem Gefährten, begegnete dessen bernsteinfarbenen Blick:
"Tu es."
Sie nickte leicht: "Gut, Kagome." Es war immerhin eine Möglichkeit. Und es würde die Verwandlung in einen Menschen erklären. Natürlich. Kein Mensch würde sich trauen, an einer Youkai herumzuschneiden. Und Kagome hatte mit dem Splitter und dem dunklen Youki die Situation treffend geschildert. Blieb allerdings immer noch die Frage, warum sie so weit in die Zukunft geschickt worden waren. Aber Tsuki hatte gesagt, er habe versprochen, Sesshoumaru zu helfen. Also würde es gewiss einen Grund haben.
Fr. Higurashi stand auf: "Ich werde dann unser Gästezimmer vorbereiten und etwas zum Abendessen kochen." Sie verschwand.
"Abendessen?" wiederholte Sesshoumaru mehr als irritiert, ehe ihm einfiel, dass ein menschlicher Körper gewiss auch menschliche Bedürfnisse hatte. Essen und Schlafen, zum Beispiel. In der Tat. Das war äußerst unangenehm. Tsuki hatte das fast untertrieben.
Kagome nickte: "Ihr seid unsere Gäste." Sie wollte sich gar nicht vorstellen, was wäre, wenn die beiden irgendwo in Tokio allein unterwegs waren - und schon zweimal nicht, was wäre, wenn sie sich wieder in Youkai verwandeln würden.
Vor dem Abendessen hatte Kagome ihrem kleinen Bruder und auch ihrem Großvater eingeschärft, die Gäste ja nicht schräg anzugucken oder anzureden. "Auch, wenn sie im Moment wie Menschen aussehen - sie sind keine. Und sie haben einige ganz schöne oder eher unschöne Eigenheiten. Falls sie sich zurückverwandeln können, würden sie sicher jeden töten, der sie beleidigt hat. Haltet euch bloß zurück."
Das hatte sie noch ein paar Mal gesagt, und so schwiegen die beiden auch dazu, dass die Tischmanieren der Fremden etwas eigentümlich waren. Immerhin hatte keiner der beiden Youkai je mit Besteck gegessen, geschweige denn, überhaupt je Menschennahrung zu sich genommen. Sie konnten sich nur an dem Benehmen der Menschen orientieren, was für beide sehr unerfreulich war. Überhaupt, diese Notwendigkeit, etwas essen zu müssen... immerhin war diese Menschennahrung recht angenehm, so überraschend und merkwürdig diese neuen Empfindungen auch waren. In jedem Falle konnten sie nur hoffen, dass sie hier bald fertig waren, den Bann umgeleitet hatten, und wieder ihre wahre Natur zurückbekommen würden. Aber der Mondgott hatte sie ja gewarnt. Und sie waren zu sachlich, um nicht zu wissen, dass dies wohl die einzige Möglichkeit war, die selbst der Herr der Zeit für sie gesehen hatte. So mussten sie eben durch diese äußerste Prüfung ihrer Selbstkontrolle.
Allerdings gingen sie nach dem Abendessen sofort in das Gästezimmer.
Shiro betrachtete das Bett: "Menschen müssen schlafen, um sich zu regenerieren."
"Ja."
"Weißt du, wie lange, Sesshoumaru-donno?"
"Gewiss sechs bis acht Stunden. Sie schlafen doch, solange es dunkel ist."
Sie legte sich nieder, sah zur Decke empor. Wie schliefen Menschen? Wie konnte sie nun einschlafen? Es war mehr als eigentümlich, den Körper, in dem man steckte, nicht richtig kontrollieren zu können. Und es war ihre Schuld, dass sie hier waren. Wäre sie nicht so schwach gewesen, hätte sie diesen Bann brechen können...
Aber es war eben geschehen. Und so musste sie nun alles tun, damit der Fluch beseitigt würde. Sie gestand sich ein, nervös zu sein, ein Gefühl, dass einer Youkaiprinzessin nicht ziemte. Aber, wenn sie sich vorstellte, was ein Mensch morgen mit ihr tun sollte...Sie verdrängte diesen Gedanken. Es musste sein.
Sesshoumaru legte sich neben sie, ohne dass sie den Blick von der Decke nahm. Auch ohne seine Hundenase erriet er, dass ihr wegen morgen unbehaglich war. Kagome hatte gesagt, sie würde sie begleiten, ihr alles erklären, aber natürlich müsste Shiro allein diese Operation über sich ergehen lassen. "Shiro-ko..."
Überrascht drehte sie sich zu ihm. "- ko", das war keine unter Youkai übliche Anrede, bedeutete das doch eine romantische, ja, zärtliche Beziehung.
Ruhig fuhr er fort: "Tsuki sagte, es sei eine unangenehme Situation. Aber der einzige Weg."
"Ich weiß. Verzeih, wenn ich unruhig wirke."
"Auch ich werde dich morgen begleiten. Du bist meine Gefährtin. Und falls du das vergessen hast, wirst du es noch einmal lernen müssen..."
Shiro begriff zunächst nicht, fühlte sich dann aber an ihn gezogen. Menschenkörper hin oder her - sie konnten sich nur aneinander halten in dieser fremden Welt. So schloss sie die Augen, als sie spürte, wie er seinen Mund auf den ihren legte.
Am folgenden Morgen begleitete Kagome die beiden Youkai, denn das waren sie selbst jetzt noch in den Augen des Mädchens der Neuzeit, in das Krankenhaus. Verstohlen beobachtete Kagome dabei die beiden, die ja noch nie Autos oder so gesehen hatten. Aber sie wirkten trotz Menschenform so kühl und beherrscht wie eh und je. Nun ja, was hatte sie auch erwartet? Dass sich diese Dickköpfe mit ihrer äußeren Form geändert hätten?
Als sie das Krankenhaus betraten, musste Shiro trotz aller Selbstbeherrschung ein wenig schlucken. Selbst für die schlechte Nase eines Menschen roch es hier sehr eigentümlich und sie wollte gar nicht wissen, wie es auf ihre gewöhnlichen Sinne wirken müsste. Überdies spürte sie, wie der menschliche Körper auf ihre Empfindungen reagierte. Sie war sicher, ihre eigene Angst wittern zu können, zwang sich aber zur Ruhe. Es musste sein. Es gab keinen anderen Weg. So folgte sie Kagome zu einem Raum, in dem einige Stühle standen.
Diese drehte sich um: "Sesshoumaru...du kannst hier warten."
"Ich gehe mit."
"Äh...das geht nicht...es ist etwas für Frauen...verstehst du...?" Kagome suchte nach Worten: "Und sobald wir fertig sind, kommen wir her. Dann können wir besprechen, wie es weiter geht."
"Hm." Dem Youkaifürsten war das nicht sehr recht, aber sie mussten sich in dieser Beziehung, in dieser Zeit, wohl auf Inyuashas Freundin verlassen. Noch etwas, das unangenehm war. So lehnte er sich gegen die Wand, verschränkte die Arme. Falls etwas schief ging, seiner Gefährtin etwas passierte, würde er eben den Arzt töten, selbst, wenn er hier nur in Menschenform war.
Der Arzt erhob sich höflich: "Ahja, Sie hatten angerufen, nicht wahr? Frau..wie war doch gleich Ihr Name?"
"Higurashi", sagte Kagome sofort, die zwar wusste, dass er damit Shiro gemeint hatte, aber eigentümlichen Fragen zuvorkommen wollte. Und ihre Mutter hatte angerufen gehabt.
Die Youkaiprinzessin nahm das nur zur Kenntnis.
So fuhr der Arzt fort: "Mein Name ist Dr. Yamamoto. Sie sagten, Sie haben Schmerzen im Unterleib. So kommen Sie, legen Sie sich bitte dorthin. Wir machen erst einmal einen Ultraschall."
Kagome sah, wie Shiro unwillkürlich die Lippen zusammenpresste und erklärte hastig: "Das tut nicht weh."
Das war der Hundeyoukai dann doch richtig peinlich. Erkannte man so sehr, wie nervös sie war? Sie musste da durch. So trat sie zu der Liege, betrachtete aber das seltsame Gebilde genau, neben dem sich der Arzt nun niederließ. Etwas wie ein Brummen war zu hören. Shiro zwang sich zur Gelassenheit, als sie sich hinlegte.
Dr. Yamamoto sah zur ihr: "Sie hatten noch nie einen Ultraschall?"
"Ich war noch nie in einem Krankenhaus."
"Gut. Ich erkläre es Ihnen. Machen Sie bitte ihren Bauch frei. Mit Hilfe dieses Gerätes kann man schmerzfrei überprüfen, wie es in Ihrem Körper aussieht, was wohl der Grund für Ihre Beschwerden ist."
Shiro hatte ihre Kleidung inzwischen verschoben. Auch das war unangenehm, so halb bekleidet vor einem fremden Mann zu liegen und sie verstand, warum Kagome ihren Gefährten vor der Tür gelassen hatte. Dieser hätte das kaum gebilligt. Immerhin würde es schmerzfrei abgehen, denn sie vermutete stark, dass sie in dieser Menschenform auch das Schmerzempfinden einer Menschenfrau haben würde.
"So." Dr. Yamamoto nahm etwas in die Hand: "Dann sehen wir mal. - Hier auf diesem Monitor kann man erkennen, wie es in Ihnen...oh, was ist das denn?" Er fuhr noch einmal über den Bauch der Youkaiprinzessin, drückte fester auf, was in ihr den Wunsch weckte, ihre Klauen zu haben.
Kagome bemerkte, wie sich unwillkürlich die Hand versteifte. Hoffentlich bekam Shiro jetzt nicht plötzlich ihr Youki zurück, sonst wäre der Arzt schon mal erledigt.
"Da ist ja ein Splitter...Glas oder so etwas. Hatten Sie einmal einen Unfall?"
Shiro sah fragend zu Kagome. Da diese hastig nickte, erwiderte sie: "Ja...aber es ist lange her."
"Da scheint dieses Ding eingewachsen zu sein, in Ihrem Körper geblieben zu sein. Jetzt bereitet es Ihnen Schmerzen. Nun, dann müssten wir es herausholen. - Keine Sorge, das ist nur ein kleiner Eingriff. Es liegt Gott sei Dank so, dass man es ambulant herausschneiden kann. Wenn Sie wollen, mache ich es sofort."
"Keine Sorge" Dachte Shiro: "Und er redet von herausschneiden. Nun, es hilft nichts. Das muss sein". "Tun Sie, was nötig ist", sagte sie daher: "Und je eher, desto besser."
"Gut." Der Arzt schaltete den Bildschirm aus: "Dann kommen Sie bitte mit." Er sah zu Kagome: "Sie können ja draußen waren. Es dauert vielleicht eine dreiviertel Stunde. Sie können Ihre Schwester dann nach Hause begleiten. Vielleicht sollten Sie ein Taxi rufen. Sie wird noch ein wenig schwach sein, durch die Betäubungsspritze."
"Danke", sagte Kagome, die lieber dabeigeblieben wäre, aber einsah, dass das wohl unmöglich war. So ging sie hinaus.
Sesshoumaru richtete sich sofort auf.
Hastig kam sie zu ihm: "Kein Problem. Der Arzt sagte, er holt den Splitter sofort raus. In einer dreiviertel Stunde ist Shiro wieder hier. Ohne den Splitter."
"Ich will dabei sein."
"Das ist unmöglich. Eine Operation muss steril sein...sauber, ohne fremde Leute. Sonst wird ein Mensch dadurch krank. Wenn du da reinplatzt, gefährdest du Shiro." Sie überlegte, was sie noch sagen könnte, aber er lehnte sich schon wieder gegen die Wand.
Es half nichts. Solange sie in Menschenkörpern steckten, mussten sie auf die Bedürfnisse dieser erbärmlich schwachen Leiber eingehen. Und so gern er neben seiner Gefährtin gewesen wäre - nicht um den Preis, dass sie krank wurde, oder ihr gar etwas schlimmeres passierte.
Kagome atmete etwas auf, dass er offenbar vernünftig war. Aber sie beneidete die Youkaiprinzessin nicht. Sie war vollkommen ahnungslos, was auf sie zukam, in einem fremden Körper, einer fremden Welt. Das war sicher nicht einfach.
Gut fünfhundert Jahre früher senkte sich der Abend über das Schloss des Hundeclans. Yuri und Akamaru standen auf der äußeren Mauer und betrachteten den Sonnenuntergang.
"Inuyasha macht sich", sagte der Ältere der beiden: "Ich hätte nicht gedacht, dass er sich so schnell einarbeiten könnte."
"Nun, ich auch nicht." Der Herr des Südens sah zur Sonne: "Aber seine Mutter scheint ihn durchaus als Prinzen erzogen zu haben. Zu schade, dass sie so früh starb."
"Möglich. - Ich hätte nie geglaubt, dass das Leben als Hanyou so schwer ist."
Akamaru nickte unmerklich. Beide hatten in den nebenbei gemachten Bemerkungen Inuyashas gelesen. Und beide hatten begriffen, dass sie nie mitbekommen hatten, dass es zwar selten, aber durchaus Hanyou gab- von denen die meisten allerdings nicht sehr alt wurden. Und wie oft Inuyasha aus keinem anderen Grund hatte kämpfen müssen, als am Leben zu bleiben. Es war nicht verwunderlich, dass er so stark geworden war. Er hatte sich nicht über diese Tatsache beschwert, sie einfach als gegeben hingenommen, nicht ahnend, dass genau dieses Verhalten die Bewunderung seiner Cousins erweckte. Wie auch die Tatsache, dass er eine angeborene Autorität besaß. Nicht einmal Yuri kam auf die Idee, anzuzweifeln, wer die Nummer zwei hinter Sesshoumaru war.
Akamaru wandte den Kopf: "Bleibst du noch länger hier?"
"Soll ich? Du willst zurück in den Süden, nicht wahr? Aber Inu no taishou befahl dir, dich um Inuyasha-sama zu kümmern."
"Dessen bin ich mir bewusst."
"Gut. Ich übernehme das. Ich habe keine großen Gebiete, um die ich mich kümmern müsste. Mein Großvater war ein recht einfacher Hundeyoukai."
"So einfach auch nicht. Dein Schloss hat eine gewisse Größe. - Danke, Yuri. Dann gehe ich zu Inuyasha-sama und bitte ihn, mich zu entlassen." Die Rangordnung wurde wie stets strikt befolgt.
Shiro empfand schlichtweg etwas wie Todesangst, als sie den Raum um sich betrachtete. Die Wände waren mit seltsamen weißen Vierecken bedeckt, die Liege, auf die sie sich setzen sollte, war sehr hoch. Aber was sie so erschreckte, waren die fremdartigen Geräte, die dort standen, blinkten, piepsten. Der Arzt hatte zumindest gesagt, es seien Geräte, aber Shiro war sich nicht sicher, ob das nicht eine sehr ungewöhnliche Form von Dämonen sei.
Eine Frau in weißer Kleidung kam herein: "Sie haben gerufen, Dr. Yamamoto?"
"Ja, Schwester. Messen Sie bitte den Blutdruck der Patientin."
"Schwester?" Dachte Shiro etwas verwirrt. "Sie sehen sich gar nicht ähnlich. Aber nun gut". Dann jedoch zuckte sie zusammen, als die Frau ihr ein Band um den Arm legte. Wollten sie sie fesseln? Instinktiv riss sie sich los.
"Hallo!" machte die Frau: "Was soll das denn?"
"Oh..." Der Arzt drehte sich um: "Higurashi-san, Sie brauchen sich nicht so aufzuregen. Es ist wirklich ein ganz harmloser Eingriff. Jetzt lassen Sie Schwester Nuriko schon Ihren Blutdruck messen. Oder haben Sie das etwa auch noch nie gemacht?"
"Nein", gab Shiro zu, duldete aber, dass die Frau erneut ihren Arm nahm, ein Band fest darum schlang.
Dr. Yamamoto schüttelte den Kopf: "Waren Sie etwa noch nie bei einem Arzt?"
"Nein. Ich habe gewöhnlich gute Selbstheilungskräfte." Shiro starrte auf ihren Arm. Das Blut wurde abgeschnürt und sie empfand es selbst mit diesem Menschenkörper als unangenehm. Aber es würde gewiss noch viel ärger werden.
Schwester Nuriko löste das Band: "Sie sind wirklich sehr aufgeregt. Blutdruck über 180..."
"Beruhigen Sie sich, Higurashi-san." Der Arzt kam heran. "So. Jetzt müsste ich Sie bitten, ihre Hose wieder hinabzuziehen, damit ich an den Splitter komme."
Die Youkaiprinzessin sah instinktiv zur Tür. Aber Flucht wäre unmöglich. Immerhin hatte der Mondgott ihr helfen wollen, da durfte sie sich doch nicht aus Feigheit einfach davonmachen. Und wie hätte sie vor ihrem Gefährten dagestanden?
Schwester Nuriko hatte den Blick gesehen: "Oh, gehört dieser gutaussehende Typ da draußen etwa zu Ihnen?" Und da sie bemerkte, wie fragend die Patientin sie anschaute: "Groß, schlank, dunkle lange Haare bis zur Hüfte? Traumhaft. Ich habe noch nie so lange Haare bei einem Mann gesehen....?"
"Er ist mein...Gemahl." Shiro war eingefallen, wie man das bei Menschen nannte. Aber dann blickte sie entgeistert auf die rechte Hand des Arztes, in der sich ein äußerst spitzer Gegenstand befand. Eine Nadel. Wollte er etwa damit den Splitter ertasten?
Dr. Yamamoto kannte diesen entsetzten Blick: "Sie haben Angst vor Spritzen? Keine Sorge. Ich betäube zuerst die Stelle an der Haut, dann spüren Sie nichts von der Betäubungsspritze. Und der Schnitt, den ich dann machen muss, ist recht klein. Ich habe ja schon im Ultraschall gesehen, wo der Splitter zu finden ist. Sie sind gewiss in wenigen Tagen wieder vollkommen fit."
"Betäuben?" Dachte die Youkaiprinzessin. "Haben diese Menschen der Zukunft einen Weg gefunden, Schmerzen zu verhindern? Ist das der Grund, warum wir in diese Zeit geschickt wurden? Ich muss ihnen wohl vertrauen. Eine andere Wahl habe ich nicht." Sie bemerkte den Blick, den Arzt und Schwester tauschten, verstand ihn aber nicht.
Nuriko sagte fast fröhlich, gewohnt, ängstliche Patienten von der Spritze abzulenken: "Sie sind verheiratet? Wie lange denn schon?"
"Zwei Tage."
"Oh, dann kann man ja noch gratulieren. Und Ihr Mann sieht wirklich gut aus, das muss ich Ihnen lassen. Er wäre sicher auch meine Geschmack..."
"Du aber nicht seiner", dachte die Hundeyoukai automatisch, ehe sich gewisser Zorn in ihr regte. Was unterstand sich diese Menschenfrau eigentlich? Im gleichen Augenblick spürte sie einen Stich im Bauch, dann einen leichten Druck. Sie sah an sich hinunter. Der Arzt hatte ihr die Spritze gegeben, zog sie gerade zurück.
"Na, also, " meinte er: "Das war doch nicht so schlimm, oder? Und wenn die Betäubung einsetzt, werden Sie nichts mehr spüren, das kann ich Ihnen versprechen. Ich setze jetzt hier einen Schirm über ihren Körper, damit Sie nicht zusehen müssen. Es wäre zwar nicht schlimm, aber die meisten Leute gucken ungern zu, wenn man sie aufschneidet."
Sein fast fröhlicher Tonfall reizte Shiro, eine Dummheit zu machen. Nur ihre lebenslang erworbene Selbstbeherrschung hielt sie zurück. Sie hielten sie ja für ihresgleichen. So gingen also Menschen miteinander um? Aber sie sagte: "Lassen Sie den Schirm weg. Ich will zusehen. - Und Sie brauchen nicht zu fürchten, dass ich aufspringe. Ich muss das durchziehen. Ich habe keine Wahl."
Der Arzt nahm an, dass der Splitter seine Patientin so schmerzte, aber Shiro dachte an das Vertrauen, das Sesshoumaru in sie setzte. Er hatte sie in diese fremde Welt begleitet. Sie durfte jetzt unmöglich die Fassung verlieren, alles sinnlos machen, was sie bislang erreicht hatte.
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Arme Shiro...
Das nächste Kapitel heisst dann :"Ein Ende und ein Anfang.."
Wie immer werde ich denjenigen, die so nett waren, mir einen Kommentar zu hinterlassen, eine ENS schicken, wenn ich sehe, dass das Kapitel freigeschaltet ist.
bye
hotep
Ein Ende und ein Anfang
Hallo,
ich freue mich sehr, dass ihr der letzten Wendung der Geschichte auch noch gefolgt seid.
Also dann: Viel Spass beim Lesen!
22. Ein Ende und ein Anfang
Sesshoumaru lehnte scheinbar gelassen an der Wand des Krankenhauses. Seine Entscheidung war schon längst gefallen. Menschenkörper hin oder her. Wenn diese Ärzte hier versagten, Shiro etwas passierte, würde er sie töten.
Kagome, die in Zeitschriften blätternd ihm gegenübersaß, kannte ihn gut genug, um seine Gedanken zu erraten. Sie konnte nur hoffen, dass Shiro nach 45 Minuten wirklich in Ordnung war. Oder dass sie nicht vorher vor Schmerz aufschrie. Gut, sie kannte die Selbstbeherrschung der Youkaiprinzessin, aber es konnte doch sein, dass jemand, der plötzlich in einem Menschenkörper steckte, menschliche Empfindungen hatte, damit nicht so umgehen konnte?
Tatsächlich kämpfte Shiro nur um ihre Beherrschung. Nicht, dass sie Schmerzen verspürte. Diese "Spritze", wie der Arzt gesagt hatte, schien das zu verhindern. Aber sie hatte bei der Operation zusehen wollen - und nicht gewusst, dass hier noch ein Unterschied zwischen Menschen und Youkai war. Einem Wesen ihrer Art machte es nicht aus, Blut zu sehen, egal ob fremdes oder eigenes. Nichts und niemand hatte sie drauf vorbereitet, dass es in einem menschlichen Körper Panik erweckte, das eigene Blut zu sehen. Der Geruch trieb in ihr, trotz der einfachen menschlichen Nase, Übelkeit hoch. Aber sie hätte sich um nichts auf der Welt so weit erniedrigt, diesem Arzt zu sagen, er solle jetzt doch den Schirm hinstellen, damit sie nicht mehr hingucken müsse. So blieb sie regungslos liegen, schloss die Augen und versuchte, sich zu entspannen.
Es war notwendig, sagte sie sich vor: und diese Menschen hier wollten ihr helfen. Das war alles. Nur kurze Zeit, dann war alles überstanden. Nur noch ein bisschen, und dieser Splitter war entfernt, der Bann konnte dann umgeleitet werden. Hoffentlich. Was wäre, wenn das der falsche Weg war? Aber sie konnte sich nichts vorstellen, warum sie sonst in dieser Zeit gelandet wären. Der Mondgott hatte sich doch hoffentlich etwas dabei gedacht. Und immerhin war diese Menschenfreundin von Inuyasha hier. Das war in der Tat hilfreich, zumal sie den Splitter sicher verwahren konnte. Und dann würden sie doch wahrscheinlich wieder in diese Dimension des Zeitgottes kommen, ihre Waffen und vor allem ihr Youki zurückerhalten. Die Beschränktheit eines menschlichen Körpers war schwer zu ertragen.
Es würde bald vorbei sein, bald wäre sie endlich frei von diesem törichten Splitter. Sie gab sich zu, dass nur die Tatsache, dass Kagome ihr den Splitter gereinigt hatte - und sie selbst stark genug gewesen war, ihn zu versiegeln -, ihr das Schicksal erspart hatte, willenlos diesem Naraku zu dienen. Der Kerl war schon so gut wie tot, da war sie sicher, hatte sie doch mitbekommen, dass sowohl Sesshoumaru als auch Inuyasha ihn mit Freude getötet hätten, von Akamaru ganz zu schweigen.
"Ah, da haben wir es ja..." sagte der Arzt.
Sie öffnete die Augen. Er legte den Splitter mit einer Art kleiner Zange beiseite. Shiro war erleichtert. Für einen Moment war ihr eingefallen, dass normale Menschen sich nicht gegen den Zauber des Juwels wehren konnten oder wollten. Aber wenn er es nicht berührte, war es nur umso besser.
Dr. Yamamoto bemerkte, dass sie seitwärts blickte: "Ja, das ist der Übeltäter. Ich muss nur noch den Schnitt vernähen, dann ist alles vorbei. Es ging doch gut, nicht wahr?"
"Ja..." Shiro wusste nicht so ganz, was sie sagen sollte. Natürlich war es gut, wäre der Splitter draußen, aber eigentlich hatte sie gehofft, sofort danach wieder eine Youkai zu sein. Aber vielleicht dauerte das noch, vielleicht würde das erst wieder so sein, wären sie in dieser seltsamen Dimension des Mondgottes. Ihr blieb wohl nichts, außer abzuwarten. Das war allerdings etwas, das ihr sehr widerstrebte. Aber zuerst war etwas anderes wichtiger. "Überlassen Sie den Splitter dann Kagome. Ich habe ihn ihr versprochen."
Dr. Yamamoto fand das mehr als merkwürdig, aber er sagte nichts. In dem Ton der Patientin hatte eine unbewusste Arroganz gelegen. Sie war daran gewöhnt, Befehle zu erteilen. Sicher war sie nicht gerade aus einer einfachen Familie. Warum sich einen Schiefer einziehen und ihr widersprechen? So machte er sich wortlos an das Vernähen der Wunde.
Sesshoumaru und Kagome sahen auf, als die Tür geöffnet wurde. Die Schwester kam heraus. Mit einem gewissen Bedauern im Blick sah sie zu dem Hundeyoukai: "Sie können jetzt zu Ihrer Frau..." Der Kerl sah wirklich ausgesprochen attraktiv aus. Warum liefen ihr nie solche Typen über den Weg?
Kagome stand sofort auf und ging mit. Sie musste schleunigst den Splitter des Juwels hüten. Zu ihrer Erleichterung lag er seitwärts in einer Schale. Sie holte ein kleines Gefäß aus Glas heraus und verstaute ihn sicher darin.
Sesshoumaru war neben Shiro stehen geblieben, die hastig ihre Kleidung geordnet hatte, um sich nicht zu blamieren und den Arzt Sanktionen auszusetzen. Er ahnte sicher nicht, wie gefährlich sein Tun im Mittelalter gewesen wäre. Der Hundefürst sah sie an und sie erwiderte den Blick. Mehr war nicht nötig. Beide wussten, dass soweit alles geschehen war, was nützlich war. Wie sie aus dieser Zeit wieder wegkamen - und vor allem, wieder zu Youkai werden würden - lag nun bei Tsuki.
Kagome kam heran: "Wenn dir nicht schwindlig ist, Shiro-hime, könnten wir gehen..."
Dr. Yamamoto, der sich im Nebenzimmer die Hände gewaschen hatte, hatte diese Anrede gehört. Prinzessin Shiro. Er gratulierte sich zu seinem richtigen Riecher. Sie WAR aus keiner einfachen Familie.
Kagome fuhr fort: "Ich denke, dass ihr dann von zuhause aus...auch selbst nach Hause könnt."
Das war möglich, gaben sich die Hundeyoukai zu. Vielleicht befand sich das Tor zu Tsukis Dimension in diesem Schrein, bei dem Kagome lebte. Shiro richtete sich auf. Für einen Augenblick war ihr schwindlig, dann ging es. So stand sie auf. Menschlicher Körper hin oder her, eine solche kleine Verletzung durfte sie doch nicht behindern. Sie fühlte noch immer keinen Schmerz, da die Betäubung noch anhielt. Sie konnte diesem fremden Stoff in ihrem Körper gewahr werden. Wäre sie in ihrer wahren Gestalt, hätte sie sich entgiftet, aber sie wusste, dass dies hier als Mensch wohl besser war.
Kagome nahm nur zur Kenntnis, dass die beiden sie ansahen. Da die Youkaiprinzessin schon wieder recht fit wirkte, beschloss sie, wie auch schon auf dem Hinweg, mit den beiden zu Fuß zu gehen. Sie wollte keine überfüllte U-Bahn riskieren, nicht mit zwei Leuten, die sich jetzt vermutlich jederzeit wieder in Youkai verwandeln würden. Ihre Phantasie reichte, sich auszumalen, was die beiden anrichten konnten, selbst ohne Schwerter. Und dass diese zwei irgendwie großartig dankbar wären, ...nun, das wäre zwar sicher nett, aber Kagome wagte es dann doch zu bezweifeln.
Ohne Zwischenfälle erreichte das ungewöhnliche Trio den Higurashi-Schrein. Kagome sah zögernd zu ihren Gästen: "Wenn ihr noch etwas essen wollt..."
"Nein", antwortete Shiro sofort, sicher, dass sie hier für beide sprach.
Das Mädchen aus der Neuzeit zuckte die Schultern: "Ich werde meine Sachen packen und dann durch den Brunnen in eure Zeit reisen. Ich denke aber, dass euch das verwehrt ist. Nur ich kann durch den Brunnen, kein anderer Mensch." Da keine Antwort kam, ging sie. Youkai! Sie würde sie wohl nie verstehen.
Sesshoumaru sah zu dem Lagerhaus, in dem sie gelandet waren. Wenn es hier einen Weg zurück geben würde, dann sicher dort. So ging er hinüber. Seine Gefährtin folgte ihm sofort. Als sie den Schuppen betraten, spürten beide selbst mit den menschlichen Körpern eine fremde Energie. Suchend blickten sie sich um, konnten aber im Halbdunkel nichts erkennen. Dann packte sie etwas mit unerwarteter Kraft. Es war, als seien sie in einen Sturm geraten. Aber beide wehrten sich nicht, erkannten sie doch die Energie eines Gottes. Und beide spürten in diesem Wirbel ihre eigene dunkele Macht zurückkehren, dass sie endlich wieder zu Youkai wurden.
Als sie festen Boden unter den Füssen spürten, blickten sie sich um. Ja, sie waren wieder in der seltsamen Höhle des Gottes der Zeit, an dem See. Vor ihnen lagen ihre Rüstungen, ihre Schwerter. Beide Hundeyoukai bewaffneten sich wieder, ohne ihre Erleichterung erkennen zu geben. Dass Tsuki sie zurückgeholt hatte, konnte nur bedeuten, dass der Zauber tatsächlich gebrochen worden war. Und es war ein herrliches Gefühl, wieder die volle Leistung der eigenen Sinne abrufen zu können, das eigene Youki zu spüren.
Sie wandten sich ab und gingen den Weg zurück, den sie gekommen waren. Youkai verliefen sich nicht und so erreichten sie einige Stunden später den Ort, an dem sie den Gott getroffen hatten. Dieser erwartete sie bereits.
"Ich sehe, dass ihr verstanden hattet", sagte er: "Ich werde euch jetzt in eure Zeit zurückschicken. Aber bedenkt, dass dort inzwischen drei Monate vergangen sind."
Drei Monate? Und Inuyasha, Akamaru und Yuri...dachten beide unwillkürlich, aber sie schwiegen.
Der Mondgott hätte fast gegrinst. Youkai und ihre Eigenheiten. Man könnte ganze Bücher drüber schreiben. Stur, stolz und immer auf ihr Ansehen bedacht. Aber er drehte sich nur um und die beiden folgten ihm.
Inuyasha saß, wie nun schon seit Wochen, auf dem Platz des Schlossherrn. Yuri kniete neben ihm, aber er schwieg jetzt meist. Er fand es erstaunlich, wie leicht sich der Hanyou eingearbeitet hatte. Solch eine gute Auffassungsgabe hätte er einem Halbblut nicht zugetraut, was aber offenkundig ein Vorurteil gewesen war. Einige Male hatten sie gegeneinander trainiert - und dabei die gesamte Schlossbelegschaft als Zuschauer gehabt. Die allermeisten der Hundeyoukai hier waren ganz froh, dass sie den beiden keinen Grund geliefert hatten, auf sie loszugehen. Seit einer Woche war nun auch dieses Menschenmädchen, Kagome, hier. Ihre magischen Fähigkeiten hatten Yuri in gewisser Weise beeindruckt. Er konnte ihre helle Energie spüren. Seltsam, warum sie dann so nah mit einem Hanyou befreundet war. Aber das ging ihn nichts an. Wesentlich interessanter war gewesen, dass sie berichten konnte, wo Inu no Taishou und seine Gefährtin abgeblieben waren. Yuri hatte sich doch langsam Gedanken gemacht. Aber da nun der Bann gebrochen war, würden Sesshoumaru und Shiro gewiss auch bald kommen. Kagome hatte wohlweislich verschwiegen, dass die beide in ihrer Zeit reine Menschen gewesen waren. Sie konnte sich vorstellen, wie die zwei reagieren würden, würde sie das ausplaudern. Und sie wollte Inuyasha nicht gegen seine neugewonnene Familie aufhetzen.
Yuri sah auf, als er spürte, wie sich ein Dimensionsportal öffnete: "Inuyasha-sama..."
"Sesshoumaru!" Der Hanyou sprang auf und rannte los. Endlich wäre er diesen blöden Job los, endlich könnte er wieder Naraku hinterher jagen. Er hatte zwar die Verwaltung gemacht, so gut er konnte, aber er hatte darüber nicht vergessen, wo sein eigentliches Ziel lag.
Yuri folgte ihm ebenso in den Schlosshof, wie die Bediensteten, wo der Herr der Hundeyoukai und seine Gefährtin erschienen waren. Die Diener ließen sich schnellstens auf die Knie nieder, während es sich Bruder und Cousin erlaubten, stehen zu bleiben.
"Alles in Ordnung?" erkundigte sich Inuyasha sofort und sah von seinem Halbbruder zu seiner Schwägerin.
"Sonst wären wir kaum hier." Sesshoumaru blickte ein wenig seitwärts: "Shiro-hime wird hier bleiben und die Verwaltung übernehmen. Ich gehe und werde Naraku töten."
"Keh, sei dir nicht so sicher, dass ich dir was übrig lasse!" Inuyasha bewies sofort, dass er von der strikten Rangordnung noch immer nicht viel hielt, wenn es um seine eigenen Belange ging.
"Ich werde keiner Frau dienen." Ein Hundeyoukai erhob sich: "Der Hanyou war ja unerfreulich genug, Sesshoumaru-sama, aber ich werde nie einer Frau dienen!" Er sah ein wenig besorgt, wie Inuyasha und Yuri sofort die Hände an den Schwertern hatten, aber zum Youkaifürsten blickten, diesem die Entscheidung überließen. Da er annahm, dass sein Einwand Gehör finden würde, sah er verächtlich zu der neuen Fürstin, begegnete einem kalten, grünen Blick.
"Darf ich ihn töten, Sesshoumaru-donno?" erkundigte sich Shiro sachlich.
"Warte kurz", sagte Inuyasha: "Toutousai war hier und hat ein Schwert gebracht, dass ihr bestellt hattet, für dich. Er schlug vor, es Friedensbote zu nenne, aber das ist ein ziemlich dämlicher Name für ein Schwert."
Shiro sah kurz zu ihm: "In der Tat. - Als ob ich ein Schwert bräuchte, um den zu töten."
Der so angesprochene Hundeyoukai schluckte ein wenig, wollte jetzt aber nicht zurück. Ein weiblicher Artgenosse war sicher nicht so stark, wie sie hier tat.
"Shiro."
"Sesshoumaru-donno?"
"Strafe, aber töte nicht."
"Wie du befiehlst."
Yuri nahm interessiert die Hand von seinem Schwertgriff. Er hatte Shiro noch nie im Vollbesitz ihrer Kräfte erlebt und war recht neugierig, wie lange sie brauchen würde, den vorlauten Dämon zu bestrafen. Allerdings spürte er nur zu deutlich, dass sie von den Zwillingen des Südens die Stärkere war.
Shiro hob langsam die Hand, den Rangniederen fixierend. Falls der sich entschuldigen würde, würde sie ihm das sogar nachsehen. Aber der legte die Hand an das Schwert, bereit, es zu ziehen. Was für ein Narr. Sie sammelte ihr Youki in der rechten Handfläche, ehe sie den Energieball losschickte. Der Hundeyoukai ließ hastig sein Schwert los, versuchte sich mit den Armen zu schützen, aber die Energie der Fürstin ließ ihn buchstäblich durch die Luft fliegen, rücklings gegen die Wand prallen. Er blieb am Boden liegen, eher geschockt von der demonstrierten Macht des Youki, als verletzt. Mit einer solchen Kraft hatte er bei einem weiblichen Hundeyoukai nie gerechnet.
Nicht schlecht, dachte Yuri.
Inuyasha nickte bloß. Er kannte seine Schwägerin doch schon etwas länger: "Dann brauchst du mich hier ja nicht mehr", meinte er nur zu seinem Bruder.
Dieser sah an ihm vorbei: "Yuri."
Der Angesprochene war etwas irritiert, ehe er begriff. Zeremoniell ließ er sich auf ein Knie nieder, legte die rechte Faust auf den Boden - eine eindeutige Unterwerfungsgeste: "Wie du befiehlst, Inu no taishou", sagte er.
Vermutlich verstanden nur Shiro und Inuyasha, worum es hier genau ging. Menschen hätten viel mehr Worte benötigt: lass die Finger von meiner Frau und hilf ihr, hätte wohl ein Menschenfürst gemeint. Und Yuri hatte genau das zugeschworen.
Sesshoumaru war zufrieden und wandte sich ab. Dieses Mal könnte er sich in aller Ruhe der Jagd nach Naraku widmen, sicher, dass in seinen Ländereien alles in Ordnung laufen würde.
Er hatte etwas geschafft, das sein Vater versucht, aber nicht beendet hatte: die gesamte Familie hinter sich zu bekommen. Es würde keine Kämpfe mehr unter Hundeyoukai geben. Und gemeinsam wären sie stark genug, es mit jeder anderen Gruppe auszunehmen. Sein eigener Wunsch nach Macht, Stärke, war in Erfüllung gegangen, wenn auch anders, als er sich das je vorgestellt hatte. Und er war sicher, wenn Naraku erst einmal erledigt war, würde er in den nächsten Jahrhunderten das Youkaireich schaffen, wie er es immer beabsichtigt hatte.
"He, Sesshoumaru?" sagte Inuyasha.
"Was ist?" fragte der zurück, ohne sich umzudrehen.
"Naraku gehört mir!"
Vielleicht, dachte der Youkaifürst. Und vielleicht brauche ich dich dazu, kleiner Bruder: du bist der einzige, der mir widerspricht, der mich immer weiter antreiben wird, stärker zu werden, besser. Aber er meinte nur: "Versuch es!" Er erschuf einen Dimensionstunnel und verschwand.
"Keh!" machte Inuyasha leise, ehe er loslief, um Kagome zu holen, sich seinerseits wieder auf die Jagd zu begeben.
Yuri erhob sich und sah zu Shiro: "Möchtest du dein neues Schwert sehen, Shiro-hime?"
"Ja." Sie drehte sich zu ihm: "Und dann möchte ich es gegen dich ausprobieren."
"Gern."
Die Bediensteten spitzten die Ohren. Das konnte interessant werden, diesem Training zuzusehen.
Das wurde es in der Tat.
Toutousai hatte ein neues Meisterwerk geschaffen. Shiro hatte schon mit ihrem alten Schwert einen Youkiangriff reflektieren können. Aber ihre neue Klinge besaß eine weitergehende Fähigkeit, die sie sicher Sesshoumarus Fangzahn verdankte: sie schickte das Youki des gegnerischen Schwertes nicht einfach zurück, sondern nahm es zu einem gut Teil in sich auf. Je mächtiger der Gegner, desto stärker wurde das Schwert, desto härter die Rückgabe des Angriffs. Die Youkaifürstin wusste das zu schätzen. Sie würde mit diesem Schwert- und Yuri hinter sich- gewiss keinerlei Probleme haben, die westlichen Länder zu verwalten, bis der Herr der Hunde von seiner Jagd zurückkam.
Und endlich wäre alles so, wie es hatte sein sollen.
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Finis Historiae.
Ende der Geschichte.
Ich hoffe, euch hat auch das letzte Kapitel gefallen, ich habe mich bemüht, alle Fäden zusammenzuführen.
Als kleine Information, falls jemand von euch Lust auf Amaterasu in persona hat und wissen will, was aus der Sache mit der Hundedämonenhütte geworden ist:
demnächst erscheint von Sesshoumaru-sama und mir eine Art Fortsetzung zu Tensaigas engültige Bestimmung, mit den gleichen Personen, aber logischerweise weniger Romantik.*g* Tensaigas Kampf- Im Zentrum der Macht.Und natürlich geht es um zwei Brüder und deren Schwerter ....
Von mir läuft noch "Spielt mein Spiel", diese Geschichte hat insgesamt 13 Kapitel. Danach erst kommt etwas Neues.
Genug der Werbung.
ich möchte mich noch einmal bei euch allen bedanken, die ihr dieser Geschichte so aufmerksam bis zum Ende gefolgt seid. Ich freue mich, dass sie so großen Anklang gefunden hat.
Bis dann
eure hotep