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Der Clan

Story aus dem Lande Alcerast
von

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Prolog - Der Schattenrat

Prolog
 

Sie kamen, als Mog'Natal sie rief, die, die ihre Seele willig - nein, begierig - der Dunkelheit verkauft hatten. Einst waren sie wie Mog'Natal tief spirituelle Wesen. Einst hatten sie die natürliche Welt studiert und den Platz, den die Arcs, die Dämonen der Natur, darin einnahmen. Sie hatten von den Tieren des Waldes und der Felder gelernt, von den Vögeln in der Luft und von den Fischen in den Flüssen und Ozeanen. Und sie waren Teil dieses Kreislaufs, nicht mehr und nicht weniger.

Doch das war Vergangenheit. Diese ehemaligen Schamanen, diese neuen Zauberer, hatten nur für kurze Zeit die Macht geschmeckt und empfanden sie als unwiderstehlich süss - wie einen Tropfen Honig auf der Zunge. So wurde ihre Begierde mit immer grösserer Macht belohnt. Mog'Natal selbst hatte von seinem Meister Tar'Zuhl gelernt, bis der Schüler den Lehrer übertraf. Tar'Zuhl hatte dafür gesorgt, dass die Clans der Arcs zu jener wilden, unaufhaltsamen Woge der Gewalt wurde, die sie heute darstellte, aber Tar'Zuhl hatte auch der Mut gefehlt noch weiter zu gehen. Er hatte eine Schwäche für die angeborene Würde seines Volkes. Mog'Natal war aus anderem Holz geschnitzt.

Die Clans hatten alles getötet, was es in dieser Welt zu töten gab. Sie war verloren ohne Ventil für ihre Blutgier. In einem verzweifelten Versuch die brutalen Sehnsüchte in ihren Herzen zu stillen, fielen die Clans übereinander her. Es war Mog'Natal, der ein neues Ziel für die Gier der Clans fand. Schon bald würden sie in eine neue Welt aufbrechen, die voll war mit einfacher, ahnungsloser Beute. Ihre Blutgier würde einen neuen Höhepunkt erreichen und so benötigte die wilde Meute einen Rat, um sie zu leiten. Mog'Natal sollte diesen Rat führen.

Er nickte ihnen zu, als sie eintraten, und seinen kleinen, funkelnden Augen entging nichts. Einer nach dem anderen kamen sie, wurden wie gezähmte Bestien zu ihrem Meister gerufen.. Zu ihm.

Sie versammelten sich um einen Tisch, die gefürchtetsten und verhasstesten Mitglieder aller Arc-Clans. Einige sahen schrecklich aus, hatten für ihr dunkles Wissen mit mehr als nur ihrer Seele bezahlt. Bei anderen bemerkte man nichts; ihre Körper waren unversehrt und stark, Mit starken Muskeln und blitzenden Augen. Darum hatten sie bei ihrem dunklen Handel gebeten. Alle waren sie skrupellos, listig und schreckten vor nichts zurück, um ihre Macht wachsen zu lassen.

Aber keiner von ihnen war nur annähernd so böse wie Mog'Natal.

"Wir die hier versammelt sind" begann der grosse, schwarze Dämon mit seiner heiseren Stimme, "sind die Stärksten unserer Clans. Wir kennen die Macht. Wir wissen, wie man sie bekommt, wie man sie einsetzt und wie man mehr davon kriegt. Andere beginnen sich gegen den einen oder anderen auszusprechen. Ein Clan will zu seinen Wurzeln zurückkehren, ein anderer hat keine Lust mehr, hilflose Säuglinge zu töten. "Seine dicken schwarzen Lippen verzogen sich zu einem herablassenden Lächeln. "Das passiert, wenn Arcs schwach werden."

"Aber, grosser Herr", sagte einer der Zauberer, "wir haben das Volk der Kersen getötet. Was können wir in dieser Welt noch ermorden?"

Mog'Natal lächelte und schob seine dicken Lippen über die scharfen, langen Reisszähne. "Nichts", sagte er "Aber andere Welten warten."

Er breitete seinen Plan vor ihnen aus und genoss die Machtgier, die er in ihren roten Augen las. Ja, es würde gut werden. Es würde die mächtigste Armee sein, die es je gegeben hatte, und an der Spitze dieser Horde würde er stehen, Mog'Natal.

"Und wir werden der Rat sein, nach dessen Pfeife die Clans tanzen", sagte er schliesslich. "Jeder von uns ist eine mächtige Stimme. Doch der Stolz der Arcs ist so gross, dass sie nicht erfahren dürfen, wer sie wirklich lenkt. Lasst jedem seinen Glauben, dass er seinen Speer schwingt, weil er es wünscht, nicht, weil wir es ihm befehlen. Wir werden im Geheimen wirken. Wir sind die Wanderer in den Schatten, eine Macht, die durch ihre Unsichtbarkeit noch an Grösse gewinnt. Wir sind der Schattenrat, und niemand soll je von unserer Existenz erfahren."

Doch eines Tages sollten so manche es doch herausfinden...

Vorgeschichte - Ragnar's Reise

Sogar den Tieren war kalt in einer solchen Nacht, dachte sich Ragnar. Abwesen berührte er seinen wölfischen Begleiter und kraulte Snowfoot hinter einem seiner weissen Ohren. Das Tier war zufrieden und schmiegte sich an ihn. Gemeinsam starrten der Wolf und der Arc-Häuptling auf den lautlos fallenden Schnee, der von dem schroffen Halbkreis des Eingangs zu Ragnars Höhle umrahmt wurde.

Eins hatte Ragnar , der Führer der Eiswolf-Clans in einem angenehmen Klima gelebt. Er hatte seinen Hammer im Sonnenlicht geschwungen und die Augen zusammenkneifen müssen, wenn das Licht sich im Metall brach und ihm rotes Menschenblut entgegenspritze. Einst hatte er sich mit seinem gesamten Volk verbündet gefühlt, nicht nur mit seinem Clan. Seite an Seite hatten sie gestanden, eine stolze Welle des Todes, die in Windeseile über die Hügel jagte und die Menschen hinwegfegte. Gemeinsam hatten sie an den Feuern gesessen , schallend gelacht und sich Geschichten über glorreiche Schlachten erzählt, während die Kinder neben der ersterbenden Glut dösten und von Heldentaten träumten.

Aber nun fror die Handvoll Dämonen, aus denen der Eiswolf-Clan noch bestand, allein in ihrem Exil in den Alterac-Bergen dieser fremden Welt. Ihre einzigen Freunde waren die grossen weissen Wölfe. Sie unterschieden sich stark von den riesigen schwarzen Wölfen, die Ragnars Volk einst geritten hatte, aber ein Wolf war ein Wolf, egal welche Farbe sein Fell hatte. Mit entschlossener Geduld und Draenors Kräften hatten sie die Tiere auf ihre Seite gebracht. Jetzt jagten Arc und Wolf gemeinsam und hielten sich in den langen schneereichen Nächten gegenseitig warm.

Ragnar drehte sich um, als ein leiser schluchzender Laut aus dem Inneren der Höhle ertönte. Sein hartes, von den Jahren der Sorge und des Zorns gezeichnetes Gesicht, wurde bei diesem Klang weicher. Seine kleine Tochter, die noch bis zum Namenstag ohne Namen war, hatte geweint, während sie gefüttert wurde.

Ragnar überliess Snowfoot der Betrachtung des Schnees und ging zurück in die innere Kammer. Felis hatte eine Brust entblöst damit das Kind daran saugen konnte, und hatte es gerade davon entfernt. Wahrscheinlich hatte es auch deswegen geweint. Felis streckte ihren Zeigefinger aus. Ihr scharfer Nagel, stiess sie tief in die Brust, bevor sie den kleinen Kopf ihres Kindes wieder an die Brust liess. Ihr Gesicht zeigte keine Anzeichen von Schmerz, allerdings zeichnete sich ganz deutlich die Güte und die Freude die sie ihrer Tochter entgegenbrachte. Nun nahm das Kind nicht nur die nahrhafte Muttermilch, sondern auch das Blut seiner Mutter auf. Dies war die richtige Nahrung für eine gesunde starke Kriegerin, die später als Tochter Ragnars an dessen Stelle als Häuptling des Eiswolf-Clans treten sollte.

Ragnars Herz war erfüllt mit Liebe für diese Frau - diese Kriegerin, die in Mut und List in nichts nachstand - und für die gesunde Tochter die sie ihm geboren hatte.

Doch dann breitete sich das Wissen in ihm aus, dass nun die Zeit gekommen war um zu Handeln. Er setzte sich und seufzte schwer.

Felis sah ihn an, und ihre leuchtend grünen Augen verengten sich. Sie kannte ihn nur zu gut. Er wollte ihr nichts von seiner plötzlichen Entscheidung sagen, auch wenn er wusste, dass sie richtig war. Doch nun hatte er keine Wahl.

"Wir haben nun ein Kind" sagte er und seine Stimme drang dunkel aus seiner breiten Brust.

"Ja" antwortete Felis voller Stolz. "Eine gute, starke Tochter, die den Eiswolf-Clan führen wird, wenn ihr Vater glorreich in seiner letzten Schlacht gefallen ist. Dereinst in vielen Jahren."

"Ich trage die Verantwortung für ihre Zukunft" fuhr der grosse Wolfsdämon fort, während er sich seine schwarzen Felle auf seiner blassen Haut zurechtzupfte. Er wusste er hatte nun ihre volle Aufmerksamkeit. In diesem Moment wurde Ragnar wieder einmal klar wie schön seine Gefährtin war, das Feuer in der Höhle schmeichelte ihrer zarten aber dennoch kräftigen Figur. Er wollte diesen Anblick in seinem Gedächtnis einbrennen, bevor er weiterredete. "Hätte ich mich nicht gegen Mog'Natal gewandt, würde unsere Tochter mit mehr Spielkameraden aufwachsen. Wir wären auch weiterhin geschätzte Mitglieder der Clans."

Felis knurrte und zeigte ihrem Gefährten ihre Zähne um ihr Missfallen auszudrücken "Du wärest nicht der Gefährte, denn ich mir an meine Seite gewünscht hätte, hättest du nicht so gehandelt." Ihre Augen funkelten "Ragnar vom Eiswolf-Clan bleibt nicht stumm und sieht zu wie unser Volk zur Schlachtbank geführt wird wie die Schafe der Menschen. Nach allem was du erfahren hast, musstest du dich erheben, Liebster. Hättest du das nicht getan, hättest du nicht das Recht dich Häuptling nennen zu dürfen."

Ragnar nickte ihren wahren Worten zu "Mog'Natal wollte nur seine Macht vermehren und missbraucht unser Volk schändlich für seine Zwecke."

Er erinnerte sich wieder an den Schock und den unbändigen Zorn, als er vom Schattenrat und Mog'Natals Verrat erfahren hatte. Er versuchte die anderen von der drohenden Gefahr zu überzeugen. Man hatte sie benutzt wie Schachfiguren, um die Karsen zu vernichten, von denen er nun wusste, dass sie die Ausrottung nicht verdient hatten.

Und auch die Reise in dieses Land, das alles war die Entscheidung des Schattenrats und nicht die der Arcs. Und alles nur für Mog'Natals Machtgier. Wie viele der stolzen Dämonen waren im Kampf für ihn gefallen, für so etwas Leeres. Ragnar schauderte.

"Ich sprach gegen ihn und man verbannte uns ins Exil. Mich und alle die mir glaubten. Es ist eine Schande."

"Mog'Natals Schande" unterbrach in Felis " Dein Volk ist nun frei, Ragnar. Dieser Ort ist erbarmungslos, doch wir haben die Eiswölfe als Gefährten, unser Volk ehrt und erhält die alten Traditionen und unsere Kinder werden als freie Wesen geboren und leben.

Ragnar senkte sein Haupt "Sie verdienen mehr. Alle hier verdienen mehr und ich werde es ihnen geben."

Er richtete sich auf, zu seiner ganzen riesigen Gestalt. Sein gewaltiger Schatten fiel über Frau und Kind. Felis' erschütterter Blick und die nervösen Bewegungen ihres weiss, schwarz gestreiften Schweifes verrieten, dass sie bereits wusste was er sagen wollte. Trotzdem musste es ausgesprochen werden, um zum unwiderruflichen Schwur zu werden.

"Es gab einige die auf mich hörten, auch wenn sie immer noch zweifelten. Ich werde zurückkehren und sie überzeugen, und sie werden ihr Volk in den Kampf führen. Wir werden nicht länger die Sklaven der Hexer sein. Wir werden nicht verloren oder vergessen sein, in Schlachten die nur ihnen dienten. Dies schwöre ich - ich Ragnar Rok, Häuptling des Eiswolf-Clans!"

Er legt seine Kopf zurück und öffnete seinen mit Reisszähnen bestückten Mund, beinahe unmöglich weit. Er rollte mit den Augen als ein ohrenbetäubender, tiefer und wutentbrannter Schrei seine Kehle verliess.

Das Baby fing an zu weinen und selbst Felis zuckte zusammen. Der Schrei des Schwurs, er wusste auch wenn der Schnee den Schrei dämpfte, würden ihn alle angehörigen des Clans hören und sich vor seiner Höhle versammeln, um den Grund des Schreies zu erfahren. Und dann würden auch sie schreien.

"Du wirst nicht allein gehen Liebster" sagte Felis. Ihre sanfte Stimme stand im krassen Gegensatz zu dem ohrenbetäubendem Lärm von Ragnars Schrei des Schwurs. "Wir werden mit dir kommen."

"Ich verbiete es!"

Mit einer Geschwindigkeit die selbst Ragnar überrascht, stand Felis plötzlich vor ihm. Nur einen Herzschlag später blinzelte Ragnar, als ihn ein Schmerz durchfuhr und Blut über sein Gesicht lief. Sie hatte ihm einen tiefen Kratzer in seine Wangen gerissen. "Ich bin Felis, die Tochter von Rhakish, dem Sohn von Otan! Niemand verbietet mir, meinem Gefährten zu folgen, nicht einmal Ragnar selbst. Ich bleibe bei dir und werde sterben wenn es sein muss. Pah!" wütend spuckte sie auf den Boden.

In diesem Moment als, Ragnar sich das Blut von seiner Wange wischte, quoll sein Herz beinahe über vor Liebe, die er für dieses Wesen empfand. Hatte es jemals einen glücklicheren Mann gegeben? Er konnte es sich nicht vorstellen.

Obwohl Orson Darkscythe und sein Clan im Exil gelandet wären, hätte Mog'Natal davon erfahren, hiesse der grosse Kriegsherr Ragnar und seine Familie in seinem Feldlager Willkommen. Den Wolf betrachtete er allerdings mit Misstrauen, was aber auf Gegenseitigkeit beruhte.

Die Nacht schien Darkscythe selbst ein wenig kühl, weshalb er sich auch amüsierte, als seine Gäste ein Teil ihrer schwarzen Felle auszogen und sich über die Hitze beschwerten. Die Sümpfe waren eben etwas ganz anderes als die eisigen Berge Alcerasts.

Ragnar hatte einen guten Zeitpunkt für seinen heimlichen Besuch gewählt. "Es tut mir leid, dass ich deinen Clan in Gefahr bringe" waren seine ersten Worte.

Darkscythe winkte ab "Der Tod soll kommen wenn er will, wir werden ihn ehrenvoll empfangen."

Er gab seinen Gästen Essen und Trunk. Auch die heranwachsende kleine Dämonin leckte gierig die klebrige Flüssigkeit von den Fingern ihrer Mutter.

"Eine gute starke Tochter" nickte Darkscythe.

"Ja" lächelte Ragnar "Sie wird eine guten Anführerin für meinen Clan. Doch ich bin leider nicht gekommen damit du meine Tochter bewundern kannst. Ich will dir von Mog'Natals Machenschaften berichten. Hör zu und fälle dein eigenes Urteil alter Freund"

Leise damit die Wachen nichts hörten, begann Ragnar zu erzählen. Er erzählte alles, was er wusste - vom Handel mit den Dämonenlords... von der obszönen Quelle von Mog'Natals Macht... und vom Verrat durch den Schattenrat.

Darkscythe hörte mit unbewegter Mine zu, doch in seiner Brust hämmerte sein Herz so stark wie seine Sense auf seine Gegner einzuhämmern pflegte. Aus jedem anderen Mund hätte er diese Worte als Lüge empfunden, doch war es ein alter Freund der hier zu ihm sprach. Er war für diese Worte ins Exil gegangen und das verlieh ihnen Gewicht. Langsam biss er in eine grosse Lammkeule und kaute auf dem Fleisch herum. Seine Gedanken jagten ihn hin und her doch für ihn gab es nur einen Schluss. Es musste die Wahrheit sein.

"Ich glaube dir Freund. Und vertrau mir ich werde Mog'Natals Taten nicht einfach so auf mich nehmen. Für mein Volk werde ich mit dir gemeinsam gegen die Dunkelheit kämpfen." Gerührt streckte Ragnar seine Hand aus, Darkscythe ergriff sie." Leider kannst du nicht lange in diesem Lager bleiben auch wenn es eine Ehre für mich wäre, aber ich habe eine Höhle für euch wo ihr sicher sein werdet. Wir werden Mog'Natal gemeinsam zur Strecke bringen Freund."
 

Die Wache sagte nichts, während sie die Besucher zu dem geheimen Ort führte. Ragnar konnte das Plätschern des Baches schon hören "Felis, ich wusste auf meinen alten Freund ist Verlass. Es wird nicht lange dauern bis..."

Ragnar erstarrte. Ein Geräusch, das dies vom Bach übertönte hatte seine Aufmerksamkeit errungen.... Das Knacken eines Astes unter einem schweren Fuss.

Er brüllte und griff nach seinem Hammer, doch sie waren schon da. Er hörte Felis' schrillen Kampfschrei als sie angriffen. Aus dem Augenwinkel sah er wie Snowfoot einen Gegner ansprang und zu Fall brachte.

Ohne Stolz hatten sie sich angeschlichen, Gewürm denen die Ehre eines Dämons nichts bedeutete. Doch es waren viele Würmer und sie waren überall, und während ihre Münder in unnatürlichem Schweigen verschlossen blieben sprachen ihre Waffen eine machtvolle Sprache.

Eine Axt grub sich tief in Ragnars Schenkel und liess ihn fallen. Der Gegner stürzte auf ihn zu. Er konnte gerade noch seine starken Hände um dessen Hals legen und kraftvoll zudrücken. Nun zeigte der Wurm doch noch Gefühle, als er verzweifelt nach Luft rang. Zufrieden hörte er als das Genick seines Gegners unter dem Druck brach. Plötzlich ein scharfes Aufheulen, dann eine jähe Stille. Ragnar wusste ohne hinzusehen, dass Snowfoot gefallen war. Doch er unterdrückte sein schmerzendes Herz und warf sich auf einen neuen Gegner. Doch als ein schriller Schrei an seine Ohren drang, erstarrte er. Verzweifelt wandte er sich um doch es war schon zu spät. Ragnar brüllte vor Wut und Trauer, als er Felis' leblosen und beinahe in Stücke geschlagenen Körper entdeckte. Ihr Mörder über ihr.

In einem fairen Kampf wäre Ragnar ein würdiger Gegner gewesen. Doch er war verletzt und besass keine Waffe mehr ausser seinen Händen. Er versuchte gar nicht mehr sich zu verteidigen, sondern griff instinktiv nach dem schreienden Bündel, das seine Tochter darstellte... und starrte verwirrt auf die Blutfontäne, die aus seiner Schulter schoss. Seine Reflexe waren durch den Blutverlust verlangsamt, und bevor er reagieren konnte lag auch sein rechter Arm zuckend neben seinem linken. Die Würmer liessen nicht zu, dass er seine Tochter im Tode noch einmal an sich schmiegte.

Ragnar sank zu Boden und war nun mit seinem Gesicht nur Zentimeter von dem seines Kindes entfernt. "Nehmt ... mein Kind" flehte er aus Angst, dass sie es auch noch töten würden. Der Angreifer beugte sich über ihn "Wir werden den Balg den Bestien des Waldes überlassen. Bete, dass du nicht mehr lange genug lebst, um zu sehen wie sie es zerfleischen." Und dann waren sie weg.

Ragnar Sinne schwanden. Der Blick auf seine Tochter verblasste und ihre Schreie verstummten langsam "Verzeiht, dass ich das alles über uns... gebracht habe" flüsterte er mit letzter Kraft bevor ihn alle Lebensgeister verliessen.
 

"Beim Licht! Was für ein Lärm" Der 20- jähriger Frammis Dexter rümpfte die Nase "Wir könnten auch genauso gut umkehren"

Leutnant Gregor Greyes grinste seinen persönlichen Diener an.

"Du hast wohl nichts verstanden. Es geht nicht darum mit Nahrung zurückzukommen, es geht darum aus dem Schloss herauszusein." Der General nippte an seiner Flasche und ignorierte den besorgten Blick seiner Dieners. Was ginge es ihn den an, wie viel sein Herr trank?

Gregor Greyes war rasch im Rang gestiegen, da er schon fast die wundersame Fähigkeit besass, in der Schlacht in jede angreifende Arc-Horde eine Lücke zu schlagen. Seine Vorgesetzten glaubten, dies läge an seinem Können und seinem Mut. Greyes hätte ihnen sagen können, dass sein Mut einen flüssigen Helfer hatte, aber dies machte für ihn keinen Sinn.

Sein Ruf schadete seinen Chancen bei den Frauen ebenso wenig wie sein Aussehen. Er war so gross und attraktiv. Sein schwarzes Haar fiel bis auf seiner Schultern, er hatte stahlblau Augen und einen kleinen, sorgsam gestutzten Kinnbart. Er war die perfekte Mischung aus Held und Kämpfer. Es interessierte ihn nicht, wenn Frauen sein Bett ein wenig trauriger und weiser verliessen und manchmal auch mit ein paar blauen Flecken, schliesslich gab es noch viele andere.

Der Lärm begann ihn zu stören "Verdammt was soll dieser Lärm. Sorgt dafür, dass er aufhört" Er trat Nightsorrow, seinen schwarzen Hengst kräftiger als nötig in die Flanke und breschte durch die Büsche. Doch plötzlich blieb der Hengst so heftig stehen, dass Greyes, eigentlich ein hervorragender Reiter, beinahe über den Hals des Pferdes fiel. Wüten schlug er Nightsorrow auf den Hals, beruhigte sich aber dann und starrte ungläubig auf das Bild, das sich ihm bot. Auf einer kleinen Lichtung, lagen drei Arcs und ein riesiger weisser Wolf. Zwei Männer und eine Frau, wenn interessierte es welches Geschlecht der Wolf hatte.

"Beim Licht... was für ein Anblick" stammelte Frammis der ihm gefolgt war. Er näherte sich einem kleinen Bündel, von dem ein leises Wimmern ausging. Auch Greyes näherte sich und betrachtete das Bündel. Er hatte noch nie zuvor ein Arc-Welpe gesehen. "Vorsicht Herr vielleicht beisst es" stotterte Frammis als Greyes seine Arme ausstreckte und das Kind aufhob. Der Alkohol trübte zwar seine Sinne, doch sein Geist arbeitete so nüchtern wie lange nicht mehr "Frammis weißt du eigentlich dass du einem genialen Mann dienen darfst?" "Ja Herr... aber verratet ihr mir warum das genau jetzt eine so grosse Rolle spielt?" Greyes ging mit dem Bündel zu seinem Pferde und stieg auf "Weil dein Herr nun etwas in den Händen hält, das ihn berühmt, reich und vor allem mächtig machen wird."

Rain

Frammis Dexter war ganz nervös, da sein Herr nicht gerade gut gelaunt - er tobte vor Wut - war. Als sie die Festung erreicht hatten war Greyes so konzentriert gewesen wie auf dem Schlachtfeld.

Mit jedem Tag sank die Gefahr die von den Clans der Arcs ausging. Die Soldaten langweilten sich. Es gab zwar diese Turniere, bei denen man die überdrüssige Aggressivität loswerden konnte, und ganz nebenbei füllte es noch die Taschen des Besitzers, aber ein Ersatz für die echte Schlacht war es nicht.

Diese Ase, wie man die weiblichen Arcs auch nannte, und die sie gefunden hatten, würde unter menschlicher Aufsicht aufwachsen. Mit der Geschwindigkeit und der Stärken der Arcs, aber ausgestattet mit dem Wissen ihres Lehrmeisters Greyes, würde sie in jeder Schlacht fast unbesiegbar sein.

Allerdings gab es ein Problem. Dieser Junge Dämon wollte nicht fressen und wurde in den letzten Tagen immer blasser und stiller. Auch wenn man keine Ahnung hatte von Arcs, so war doch für jeden klar, dass das Geschöpf im Sterben lag.

Und das machte Greyes sauer. Einmal hatte er sogar versucht der Ase, die er Rain getauft hatte, klein gehacktes Fleisch in den Mund zu stopfen. Aber er hätte das kleine Wesen damit nur beinahe erstickt. Als Rain es wieder ausspuckte, fluchte er, liess sie in das Stroh fallen und trampelte aus der Zelle, die der Ase als Behausung diente.

Seit dem war Frammis sehr vorsichtig mit dem was er tat und sagte. Dennoch endete eine Unterhaltung zwischen ihm und Greyes öfters damit, dass sich Frammis vor einer auf ihn zufliegenden Flasche - manchmal voll manchmal auch leer - flüchten musste.

Dexters Frau Lebis, eine Dame mit braunem Haar und rosigen Wangen, stellte ihm einen Teller mit seinem Essen auf den Küchentisch und begann ihm den verspannten Nacken zu massieren "Und gibt es Neuigkeiten?" fragte sie. Erst vor ein paar Wochen hatte sie ein zweites Kind zur Welt gebracht und bewegte sich immer noch entsprechend. Selen das kleine Mädchen, das mit ihrer neugeborenen kleinen Schwester in einem Bett schlief, war bei der Ankunft ihres Vaters aufgewacht und lauschte nun der Unterhaltung der Eltern.

"Ja und keine guten" antwortete Frammis langsam, während er lustlos in der Suppe herumstocherte "Die Ase stirbt. Sie nimmt nichts an mit dem man sie füttert"

Lebis schüttelte nur den Kopf "Greyes hätte es gar nicht erst hierher bringen sollen, ich bin froh wenn es wieder vorbei ist. Schlimm genug, dass die erwachsenen den ganzen Tag Lärm machen und Brüllen. Ich kann es kaum erwarten bis die Internierungslager fertig sind und dieses Problem endlich aus Durnholde verschwunden ist." Ihr schauderte.

Selen lag ruhig im Bett. Ihr kleines Hirn arbeitete auf Hochtouren. Sie hatte schon Gerüchte von einem Dämonen-Säugling gehört, aber es war das erste mal, dass sie wach war als ihre Eltern davon redeten. Arcs waren sehr stark, grausam und Angst einflössend mit ihren scharfen Klauen und Zähnen. Und ihre Sinne sollen viel besser sein als die der Menschen. Mit ihren spitzen Ohren sollen sie alles hören, mit ihren Nasen alles riechen und mit ihren Augen sogar im Dunkeln sehr weit sehen können. Aber ein Baby konnte nicht grausam und Angst einflössend sein. Im selben Moment wachte Sarah auf und schrie ihren Hunger laut hinaus.

Lebis hob sie auf und fing an sie zu säugen "Selen du solltest doch schlafen" schimpfte sie.

"Das habe ich, aber ich habe Papa kommen hören."

Frammis hob seine ältere Tochter auf seine Knie "Lass sie doch. Sie kann ohnehin nicht schlafen bis Sarah fertig ist. Ausserdem seh ich sie immer seltener und sie wächst so schnell." Er streichelte ihr durch das blonde Haar bevor er wieder das Thema wechselte. "Wenn die Ase stirbt, werden wird das alle bereuen" murmelte er.

Selen zupfte ihren Vater am Ärmel "Du Pa sag mal. Wenn es ein Baby ist.... Wieso wollt ihr es dann mit Fleisch füttern?" Beide Erwachsenen sahen sie plötzlich erstaunt an. Selen zeigte auf ihre Schwester "Ihr füttert Sarah doch auch nicht mit Fleisch." Auf Frammis besorgter Mine zeichnete sich langsam ein Lächeln "Das ist es." Flüsterte er "Selen du bist ein Schatz" Er umarmte seine kleine Tochter so fest, dass diese anfing mit den Armen zu rudern.

"Frammis..." mahnte ihn Lebis ein wenig ungehalten.

"Selen hat recht" strahlte Frammis "Die Arcs mögen ja Barbaren sein, aber dennoch säugen sie ihre Jungen genau wie wir. Wahrscheinlich ist es erst ein paar Monate alt und hat noch nicht einmal Zähne." Er zögerte doch Lebis wusste genau was er sagen wollte und schüttelte den Kopf.

"Nein... das kannst du nicht von mir verlangen..."

"Liebling denk daran was das für uns bedeuten würde. Wenn dieser Arc dank uns überlebt, werden wir alle ein besseres Leben haben."

"Das kann ich nicht" schluchzte Lebis und schlug eine Hand vors Gesicht um ihre Tränen zu verstecken.

"Bitte... es ist ja nicht für lange"

"Es sind Monster Frammis!"

Die kleine Selen zupfte ihren Vater wieder am Ärmel "Pa wieso weint Mami?"

Lebis wischte sich schnell übers Gesicht "Ich weine nicht Liebes, siehst du alles okay. Dein Pa hat da nur etwas was ich für uns tun muss..."
 

Greyes überhäufte die Familie Dexter regelrecht mit Geschenken als er erfuhr, dass die Frau seines Leibdieners beschlossen hatte, das sterbende Arc-Baby zu säugen. Schon bald tauschte die Familie ihr kleines Haus gegen ein grösseres und schliesslich zogen sie in ein riesiges Gemach im Schloss selbst. An ihrer Tür standen regelmässig frisches Obst, duftende Bienenwachskerzen und das beste Fleisch. Lebis hiess von nun an Mistress Dexter und musste sich nicht mehr um die Küche kümmern, sondern konnte ihre ganze Zeit ihren Kindern und Greyes "Spezialprojekt" widmen. Frammis erhielt sein eigenes Pferd und die kleine Selen trug von nun an feine Kleidung und bekam sogar einen Lehrer der ihr das Lesen und Schreiben beibrachte, sein Name war Sven Jorson ein nervöser, freundlicher Mann.

Allerdings durften sie das kleine Wesen, das von nun an bei ihnen lebte nicht erwähnen. Rain war für Selen so was wie eine Schwester und nachdem Sarah an einer schweren Krankheit verstarb, war sie ihre einzige. Rain lernte bald mit ihren eigenen Händen einen Löffel zu halten und einen widerlichen Schleim aus Blut, Kuhmilch und Porridge zu essen. Kurze Zeit darauf tauchten bewaffnete Männer auf und entrissen sie Selens Armen. Sie weinte und protestierte, erhielt jedoch nur einen Schlag als Antwort.

Ihr Vater versuchte sie zu beruhigen, und wie es sich für ein braves Kind gehörte stimmte sie dann doch zu, Rain nur noch beiläufig zu erwähnen.

Aber im Innern schwor sie sich, dieses seltsame Wesen mit dem langen, buschigen, schwarz, weiss gestreiften Schweif und den spitzen Ohren, die zu ihrer Schwester geworden war, niemals zu vergessen. Niemals!
 

"Nein, nein so!" Sven Jorson trat neben seine Schülerin "Halte ihn so, hier zwischen deinen Fingern... genau so. Und nun mache eine Bewegung wie einen Ring."

"Was ist ein Ring?" fragte ihn Rain. Sie war gerade sechs Jahre alt geworden und schon ziemlich gewachsen. Von ihrer Figur her hätte man sie niemals für einen Krieger gehalten, so zierlich wirkte die kleine Gestalt mit ihrer blassen Haut. Rain hatte sich, die für Arcs typische Fähigkeit, ihr dämonisches Antlitz hinter einem menschlichen zu verbergen, selbst angeeignet. Nur ihre Augen strahlten noch mit der dämonischen Intensität und verrieten sie. Schon oft hatte sich Jorson über ihre seltsamen Augen gewundert, eines war blau, das andere grün. Doch er war immer davon überzeugt, dass sie dies von ihren Eltern haben musste.

Rain legte ihre schmalen Finger um den Griffel den ihr Jorson gegeben hatte. Die Tontafel rutschte ihr zwar immer wieder aus den Händen, dennoch war sie wild dazu entschlossen den Buchstaben zu meistern, den ihr Lehrer "O" nannte.

Jorson blinzelte hinter seiner grossen Brille "Oh, natürlich" Er hantierte an seiner Hand herum und zog ein kleines, metallernes Objekt von seinem Finger und hielt es Rain vor die Nase "Dies hier ist ein Ring"

Rains Gesicht erhellte sich "Ah, wie wenn sich ein Wurm zusammenrollt" sagte sie. Sie naschte häufig diese kleinen Tierchen, wenn sie den Weg in ihre Zelle fanden.

"Ja so in etwa" stimmte ihr Jorson zu. "Los versuch es, aber diesmal allein." Rain konzentrierte sich und mit zittriger Hand machte sie Jorsons Bewegung nach. Die Umrisse waren zittrig doch Rain wusste, dass man ein "O" erkennen konnte und hielt ihrem Lehrer stolz die Tafel hin. Dieser lächelte "Gut gemacht Rain. Ich glaube wir können nun mit den Zahlen beginnen."

"Oder vielleicht sollten wir zuerst das Kämpfen lernen, richtig Rain?" Ein schlanker Mann, Leutnant Greyes stand im Türrahmen. Er trat ein und Rain hörte wie hinter ihm das Schloss zufiel. Sie hatte nie versucht zu fliehen, doch man schien es von ihr zu erwarten.

Rain kniete sofort nieder, so wie man es ihr beigebracht hatte und als sie eine freundliche Berührung auf ihrem Kopf wahrnahm, wusste sie, dass sie sich erheben durfte. Als sie aufstand fühlte sie sich klein und ungeschickt neben dem grossen Greyes. Sie betrachtete seine Stiefelspitzen und wartete auf seine Anweisungen.

"Wie macht sie sich im Unterricht?" wandte sich Greyes an Jorson.

"Sehr gut, ich hätte nicht erwartet, dass Arcs so intelligent sind, aber..:"

"Sie ist nicht intelligent, weil sie ein Arc ist" unterbrach ihn Greyes scharf "Sondern weil ihr, ein Mensch, sie gelehrt habt. Vergesst das nich Sven Jorson." Dann wandte er sich zu Rain "Und du.... Vergisst das auch niemals!"

Rain schüttelte ihren Kopf so heftig das ihr schwarzes Haar nur so durch die Luft wuselte.

"Sie mich an Rain" sagte Greyes während er auf sie zukam. Langsam hob sie ihren Kopf. "Du gehörst mir!" Eine behandschuhte Hand erhob sich und schlug ihr ins Gesicht. Obwohl der Leutnant weit ausgeholt hatte, spürte Rain den Schlag kaum. es schmerzte viel mehr das ihr Herr sie geschlagen hatte. Sie berührte ihre Wange, ihre schwarzen Fingernägel waren scharf wie Rasierklingen, doch Rain wäre nie auf die Idee gekommen sie zu benutzen.

"Antworte wenn man dich anspricht!" fuhr Greyes sie an

J-Ja... Ja Mylord" stammelte Rain. Ihre zarte, ein wenig heisere Stimme war nur ein Flüstern.

"Exzellent" sagte Greyes und sein zorniges Gesicht wich einem freundlichen Lächeln. Seine Zähne waren weiss im Gegensatz zum Schwarz seines Bartes. In Rain stieg Erleichterung auf, so schnell war alles wieder gut. Ihre Lippen formten sich zu einem bildhübschen Lächeln. In diesen Momenten, dachte Rain, sah sie Greyes immer so seltsam an. So als würde er von irgendwas angezogen werden. Aber diesen Gedanken verdrängte sie immer ganz schnell.
 

Der Leutnant wandte sich wieder an den Lehrer "Ihr sagtet, sie kann dem Unterricht folgen? Heisst das sie kann lesen und schreiben?

Jorson rückte seine grosse Brille zurecht "Sie liest schon sehr gut und versteht wie man schreibt, aber sie hat noch ein wenig Probleme, die Buchstaben mit dem Griffel zu bilden.

"Exzellent" wiederholte Greyes "Dann haben wir keine Verwendung mehr für eure Dienste."

Rain atmete tief ein und sah Jorson unsicher an. Auch der Lehrer schien über dies Nachricht sehr überrascht.

"Aber Herr es gibt noch so viel was ich ihr beibringen wollte. Sie weiss noch nicht über Geschichte oder Kunst und sie kennt nur wenig Zahlen..."

"Von Geschichte oder Kunst muss eine Sklavin keine Ahnung haben und die Zahlen kann ich ihr selbst beibringen. Rain, du glaubst doch auch, dass die eine Zeitverschwendung wäre."

Rain dachte an den Tag an dem Jorson ihr eine kleine Holzskulptur zeigte und ihr erzählte wie sie geschnitzt worden war. Sie hätte gerne noch mehr über solch schöne Sachen gelernt.

"Der Wunsch meines Herren ist mein Wunsch..." log sie leise und verbarg ihre wahren Gefühle in ihrem Herzen.

"So ist es. Du musst nur wissen wie man kämpft." Mit ungewohnter Zuneigung legte Greyes ihr einen Arm um die Schulter. Rain zuckte zusammen

"Ich habe dich lesen und schreiben lernen lassen, damit es dir eines Tages vielleicht einen Vorteil gegenüber deinen Gegnern bringen kann. Ich werde dafür sorgen, dass du jede Waffe perfekt beherrschst, die ich jemals gesehen habe. Ich werde dir Strategien und Tricks beibringen und du wirst unschlagbar sein in der Gladiatorenarena. Wie hört sich das an?"

Rain schaute zu Jorson. Eine tiefe Traurigkeit breitete sich aus, als der Griffel und die Tontafel zum letzten Mal in der Tasche verschwand und der schmale Lehrer durch die Tür schritt. Greyes wartete auf ihre Antwort und da sie nicht wieder geschlagen werden wollte sagte sie "Klingt aufregend... Ich bin froh, dass mein Herr so entschieden hat."

Ein Anfang

So lange sich Rain erinnern konnte, war dies das erste Mal, dass sie die dunkeln Gefilde verlassen durfte. Zwei Wachen gingen vor ihr, zwei weitere und Greyes hinter ihr. Staunend ging sie die sich windenden Gänge und Treppen entlang. Und dann lag da eine Helligkeit vor ihr, die sie blinzeln liess. Sie trat langsam auf die Quelle des Lichts zu und Unsicherheit breitete sich in ihr aus. Als die Wachen vor ihr ins Licht traten, blieb sie stehen. Der Boden hatte nicht die gewohnte graue Farbe, sondern war gelblich braun und schwarze Dinge die den Wächtern ähnelten folgten jeder Bewegung derselben.

"Wieso bleibst du stehen" fauchte Greyes "Geh raus! Andere hier drinnen würden einen Arm dafür geben um ins Sonnenlicht treten zu dürfen!" Rain zeigte auf die seltsamen schwarzen Dinge auf dem Boden und schämte sich, als die Wachen anfingen zu lachen. Einer musste sogar weinen von seinem Lachanfall, Greyes wurde knallrot *Beim Licht... hab ich mir einen Dämon angeschafft der Angst vor seinem eigenen Schatten hat?!" Er gab der Wache hinter Rain ein Zeichen. Dieser stach die Spitze seines Speers in Rains Rücken so dass sie nach vorne stolperte. Ihre Augen brannten vom Sonnenlicht und sie hob die Hände um sie zu bedecken. Und doch... fühlte sich diese Wärme gut an auf ihrer blassen, fast weissen Haut. Ihr schwarz, weiss gestreifter Schweif, der unterdessen beinahe so lang wenn nicht gleich lang war wie sie selbst, fuhr nervös durch die Luft. Sie blinzelte, senkte ihre Arme, damit sich ihre Augen an das Licht gewöhnten.

Etwas grosses, Grünes ragt vor ihr auf.

Reflexartig richtete sich auf und knurrte es an. Die Wachen lachten erneut, dieses Mal aber, kam von Greyes Seite her nur ein zufriedenes Nicken.

*Ganz ruhig das ist nur eine Attrappe" sagte er *Sie besteht aus Sackleinen, Stroh und Farbe, Rain. Es soll einen Ork darstellen."

Rain fühlte erneut wie die Scham in ihr aufstieg, denn nun sah auch sie, dass das Wesen vor ihr nicht lebte. Sie sah sogar wo die Puppe zusammengenäht worden war.

"Sieht ein Ork wirklich so aus?" Fragte sie mit ihrer zarten, ein wenig heiseren Stimme.

Greyes lächelte "Nun ein wenig. Er soll nicht lebensgetreu sein, er dient lediglich zu Übung." Eine der Wachen reichte ihm ein langes Stück Holz, dass Greyes der Ase nun vor die Nase hielt.

"Sie her, dies ist ein Holzschwert. Ein Schwert ist eine Waffe und wir benutzen hölzerne zur Übung. Wenn du gut genug bist bekommst du ein echtes. Sieh nun genau hin."

Greyes umfasste das Schwert mit beiden Händen. Er stürmte auf den Übungsork zu. In Windeseile hatte er die Distanz überbrückt und traf den Ork dreimal, zuerst den Waffenarm, dann quer über den Bauch und die Drehung weitergeführt, führte zu einem kräftigen Schlag gegen den Kopf. Wäre dies ein echter Kampf, mit echten Schwertern gewesen, läge Greyes' Gegner nun in Stücken vor ihnen. Rain hatte alles genau beobachtet, Greyes atmete nur ein wenig schneller als vorhin. "Nun du!" Er reichte ihr das Holzschwert. Sie tat es ihm gleich und nahm die Waffe in beide Hände. Es fühlte sich gut an in ihrer Hand, es passte fiel besser als der Griffel, beinahe schon vertraut. Sie korrigierte ihren Griff und versuchte nachzuahmen was ihr Herr gemacht hatte.

Greyes stupfte eine der wachen an "Siehst du? Sie ist ein Naturtalent. Los Rain greif an!" Rain fuhr herum. Ihr Körper bewegte sich schon fast wie von alleine, zum ersten Mal schien er ihr wirklich zu gehorchen. Sie hob das Schwert und stiess, zu ihrer eigenen Überraschung, einen Kampfschrei aus. Ihre Schläge prasselten auf den Ork nieder, genauso schnell wie Greyes', nein... noch viel schneller. Nach dem dritten Schwertstreich holte sie plötzlich reflexartig mit ihren Klauen aus. Das Material der Puppe wurde zerfetzt und der Übungsork flog in hohem Bogen durch die Luft. Rain fürchtete etwas schrecklich falsch gemacht zu haben. Ihre Sicherheit verwandelte sich in Tollpatschigkeit und so fiel sie über ihre eigenen Füsse und zu Boden, wobei sie das Schwert zerbrach. Sich noch aufrichtend machte sie sich bereits für ihre Strafe bereit, als laute Rufe an ihre spitzen Ohren drangen. Da Rain noch nicht so viel Kontakt mit Menschen hatte, ausser Jorson und Greyes, hatte sie noch einige Schwierigkeiten mit den Feinheiten von unartikulierbaren Lauten. Dennoch hatte sie das Gefühl, dass sie sich diesmal nicht auf Ärger gefasst machen müsse. Greyes hatte ein breites Grinsen aufgesetzt, die Wachen ebenfalls. Einer von ihnen schlug die Handflächen aufeinander, was ein Lautes Geräusch verursachte. Greyes trat auf sie zu.

"Gut gemacht, sehr gut."

Rain schaute ihn verdutzt an "Ich... hab nichts falsch gemacht? Das Schwert... und den Ork.... Ich hab sie kaputt gemacht."

"Verdammt gut war das! Du schwingst zum ersten Mal ein Schwert und dann gleich sowas" Greyes legte freundschaftlich einen Arm um Rains Schulter, die sich erst verspannte aber gleich wieder lockerer wurde. "Stell dir doch vor. Du... Im Gladiatorenring... alle Leute jubeln dir zu. Du würdest hereinkommen und landest bei deinem Gegner gleich zu Beginn so einen Treffer. Kannst du dir nicht denken, dass das gut ist?"

Rain verstand und nickte. Wieder lächelte Greyes und Rain tat es ihm gleich. Der Leutnant war noch nie so nett zu ihr gewesen, sonst schlug er sie immer. Manchmal versuchte er auch Dinge bei ihr zu machen die sie nicht ganz einordnen konnte. Zum Beispiel hatte er ihr des Öfteren Mal in ihr Hinterteil gekniffen. Rain wusste nicht was dies zu bedeuten hatte aber es gefiel ihr nicht. Doch so nett wie heute war er noch nie.

Greyes wandte sich an seine Wachen "Du setze die Puppe wieder auf die Stange. Und du hohl noch ein Schwert... ach hol gleich mehrere Rain wird sie bestimmt alle zerbrechen."

Neben der Tür in der einer der beiden Wachen verschwand entdeckte Rain einen schlanken Mann mit kurzen hellbraunen Haaren. Er trug eine lange Robe mit den Farben Schwarz, Rot und Gold, was ihn als einen von Greyes Dienern identifizierte. Neben ihm stand ein kleines Menschlein mit langem krausem Haar. Es unterschied sich vollkommen von den Wachen die Rain kannte. Es war klein und zart... war dies vielleicht ein menschliches Kind?

Ihre Blicke kreuzten sich, das Kind schien überhaupt keine Angst vor ihr zu haben, im Gegenteil. Als sie sich anschauten, lächelte es Rain zu und fing an zu winken.

Rain versuchte sich eine passende Erwiderung einfallen zu lassen, während sich der Mann und das Mädchen bereits wieder entfernten.

Rain fragte sich, was da gerade passiert war, als sie sich zu den jubelnden Männern zurückdrehte und ihre Hände um ein neues Schwert schloss.

Des kleinen Mädchens Brief

Bald schon hatte sich eine Routine eingefunden, der Rain die nächsten Jahre folgte. Bei Sonnenaufgang wurde sie gefüttert. An den Händen und Füssen trug sie Ketten, die es ihr erlaubten bis in den Übungshof zu schlurfen, um ihre Übungen zu machen. Zuerst wurde sie von Greyes selbst ausgebildet. Er zeigte ihr alles sehr genau und lobte sie oft beinahe schon übertrieben. Doch dann gab es auch Tage an denen Rain am liebsten in ihrer dunklen Zelle geblieben wäre. Greyes war dann immer fürchterlich schlecht gelaunt, schrie sie an und schlug sie wenn sie etwas falsch machte. Seine Bewegungen waren meist unkontrolliert und er sprach undeutlich oder während er eine Flasche am Mund hatte, Rain verstand nicht was mit ihm an solche Tagen los war, denn den Geist namens Alkohol kannte sie nicht. Sie redete sich deshalb stets ein, dass sie unwürdig war und wenn sie bestraft werde, sie es verdient habe. Das Lob war nur die Grosszügigkeit ihres Herrn.

Nach einigen Monaten kam jedoch ein weiterer Mann hinzu, so dass Rain Greyes nur noch selten sah. Sie kannte den Mann nur als Sergeant. Er war nach menschlichem Mass riesig - weit über sechs Fuss gross, mit einer breiten Brust, die von krausem blondem Haar bedeckt war. Seine Haare waren ebenfalls blond und passten zu dem langen Bart, der zu zwei Zöpfen geflochten wurde. Der Mann trug einen schwarzen Schal um den Hals geknotet und in einem seiner Ohre steckte ein grosser goldener Ohrring. Am Tag als er sich Rain und den anderen Kämpfern vorgestellt hatte, sagte er "Seht her" dabei wies er auf den Ohrring "Ich hab ihn lange Zeit nicht mehr herausgenommen. Ich habe schon Tausende von Soldaten ausgebildet und ich stelle jedes Mal dieselbe Herausforderung: Reisst den Ohrring aus meinem Ohr heraus und ihr dürft mich windelweich prügeln. Ihr glaubt mir vielleicht noch nicht, aber wenn ich mit euch fertig bin, würdet ihr eure eigene Mutter verkaufen um mir eine runterhauen zu dürfen." Er lachte "Aber falls ich wirklich mal s langsam sein sollte, dass ich einem Angriff von euch Schlappschwänzen nicht abwehren kann, dann hab ich es verdient mein Ohr zu verlieren."

Während er diese Worte sagte ging er vor den, in einer Reihe aufgestellten Soldaten auf und ab. Schliesslich blieb er vor Rain stehen "Das gilt besonders für dich du Hündin! Frauen kriegen hier keine Sonderbehandlung"

Rain senkte ihren Blick. Man hatte ihr beigebracht, niemals die Hand gegen einen Menschen zu erheben, doch dieser Mann hier verlangte genau das von ihr. Trotzdem nahm sie sich vor, niemals nach dem Ohrring zu greifen, denn sie wusste, dass sie bereits jetzt sehr schnell war.

Eine grosse Hand schob sich unter ihr Kinn und hob es hoch "Du siehst mich an wenn ich mit dir rede, verstanden?!"

Nun war Rain total verwirrt. Greyes wollte nicht, dass sie ihn ansah und dieser Mann wollte genau das Gegenteil. Wie sollte sie sich verhalten?

Ihr langer Schweif wedelte unruhig. Sergeant teilte die Gruppe nun in Zweiergruppen ein und da sie eine ungerade Zahl bildeten, stand Rain schlussendlich allein da und bekam Sergeant als Partner. Er warf ihr ein Holzschwert zu, es war länger als jene die sie sonst hatte. In einem Reflex fing sie das Schwert auf. Sergeant nickte zufrieden.

"Sehr schön. Saubere Auge-Hand-Koordination" Er hatte wie alle anderen Männer, eine gepolsterte Rüstung umgelegt und trug einen Schild. Rain trug nichts dergleichen. Sie steckte das Holzschwert in den etwas feuchten Untergrund und formte einige Fingerzeichen. Ein unheimliches Licht umhüllte sie und als es verschwand, war ihr langer Schweif verschwunden, sie hatte ihre menschliche Form angenommen. Nun konnte man sie nur noch wegen ihrer Augen oder den Reisszähnen als Dämon erkennen. Sie tat das immer vor einem Kampf, damit ihr der Schweif nicht im Weg war, oder ein Handicap hätte darstellen können.

"Dann wollen wir doch mal sehen wie du kämpfst."

Ohne weitere Warnung griff Sergeant an.

Rain zuckte kurz zurück, doch dann rückte sich irgendwas in ihr an die richtige Stelle und sie wich geschickt aus. Von ihrer Rolle aus warf sie sich gleich ihrem Gegner entgegen und liess ihr Schwert in einem eleganten Halbkreis nach vorne sausen. Beinahe hätte sie ihn am Kopf getroffen, doch auch Sergeant war geschickt. Er liess den schweren Schild, trotz seiner Grösse zur Seite schnellen und schlug Rain beinahe das Schwert aus der Hand. Rain wurde die Luft aus den Lungen gedrückt, als sie sein mächtiger Schlag in den Bauch traf. Sie beugte sich weit nach vorn und fiel auf die Knie, schaffte es aber sich mit Hilfe des Schwertes gleich wieder aufzurichten. Mit einer Hand strich sie sich den dünnen Film aus Speichel und Blut aus dem Mundwinkel. Sergeant griff bereits wieder an. Die drei kurzen Schläge die er austeilte hätten einen ungeschützten Mann getötet. Rain gewann ihr Gleichgewicht zurück. Ein seltsames heisses Gefühl durchfuhr sie und ihre Welt verengte sich. Sie sah nur noch den Mann vor ihr. All ihre Frustration und Hilflosigkeit machten auf einmal einem Wunsch platz: Töte Sergeant!

Sie stürmte auf ihn zu und liess einen Kampfschrei erklingen, dessen Macht sie selbst überraschte. Sie hob die Waffe und schlug zu, hob und schlug, sie deckte den Riesen mit Schwerthieben ein.

Sergeant versucht sich zu befreien, doch er rutschte aus und fiel zu Boden, wo er die Schläge nur noch mit seinem eigenen Schwert parieren konnte. Ein wildes Verlangen stieg in ihr auf, Sergeants Kopf zu zermalmen. Sie stellte einen Fuss auf seinen Bauch, damit er nicht wegrollen konnte. In ihrem Rausch warf Rain ihr Schwert weg und streckte ihre Hände aus. Wenn sie sie doch nur um Greyes Hals hätte legen können...

Sie erstarrte in ihrer Bewegung. Ihre Finger waren nur Zentimeter von Sergeants Kehle entfernt. Wenn sie zugedrückt hätte...

Und dann waren mehrere Männer über ihr, brüllten sie an und zerrten sie vom reglosen Körper des Ausbilders herunter. Sie wurde auf den Rücken geworfen und musste die Arme heben um die Hiebe mit den Attrappen abwehren zu können. Sie hörte wie Metall auf Metall rieb und sah etwas metallische sich in die Höhe erheben.

"Halt! Aufhören" die Stimme Sergeants klang so kräftig, als habe er nicht eben noch kurz vorm Tode gestanden. Rain wurde mit einem Ruck wieder auf die Beine gezogen und Sergeant trat lachend auf sie zu "Gut gemacht, Mädchen. Ich war noch nie so nahe daran meinen Ohrring zu verlieren, und das beim ersten Kampf." Er klopfte ihr so heftig auf die Schulter, dass sie beinahe einknickte "Du bist die geborene Kriegerin, nur scheinst du wohl ein wenig dein Ziel aus den Augen verloren zu haben." Er deutete auf den Ohrring "Hier das sollte dein Ziel sein, nicht das Leben aus mir herauszuquetschen."

Rain versuchte zu sprechen "Es tut...Tut mir leid. Ich weiss nicht was in mich gefahren ist... Ihr habt angegriffen und plötzlich..." das Bild mit Greyes zuckte nocheinmal kurz durch ihre Gedanken, doch sie behielt es für sich. Schlimm genug, dass sie sich nicht beherrschen konnte.

"Bei den meisten Feinden hättest du richtig gehandelt" unterbrach Sergeant ihre Gedanken "Gut gedacht. Jedoch bei den meisten Menschen reicht es, wenn du sie zu Boden wirfst und es beendest. In einem echten Kampf kann die Blutgier deine Haut retten, aber in einem Gladiatorenkampf, da arbeitet man hiermit..." er tippte sich an die Stirn "...und nicht hiermit" er klopfte sich auf seinen muskulösen Bauch und grinst Rain triumphierend an. Dann sah er ihr in die Augen "Ich möchte, dass du ein paar Bücher über Strategie und Taktik liest. DU kannst doch lesen oder?"

Rain nickte " Ja ein wenig"

"Sehr gut, du musst die Regeln einer Schlacht verinnerlichen. Diese Anfänger hier kennen sie alle "Er zeigte mit dem Zeigefinger einmal in die Runde der Rekruten "Dies wird für kurze Zeit ihr Vorteil dir gegenüber sein " Er drehte sich zu den Rekruten "Aber nicht lange hört ihr? Denn Dieses Geschöpf hier hat Mut und Stärke und ist dabei noch ein Kind..."

Die angesprochenen warfen Rain neidische oder feindselige Blicke zu. Trotzdem spürte Rain plötzlich Wärme und ein Glücksgefühl, dass sie noch nie erlebt hatte. Sie hatte beinahe einen Mann - einen Menschen - getötet, und doch war sie dafür nicht bestraft worden, sondern man ermutigte sie sogar, sich noch zu verbessern. Sie sollte verstehen, wann man den Tod des Gegners suchen musste und wann man ... was zeigen sollte? Wie nannte man es, wenn man das Leben eines Gegners verschonte?

"Sergeant?" Rain überwand ihre Frucht, für diese Frage bestraft zu werden, und stupfte den Ausbilder an. "Manchmal... nun ihr habt mir gesagt, solle man nicht töten... Weshalb?"

Sergeant schenkte ihr ein Lächeln "Man nennt dies Gnade Rain auch das wirst du noch lernen"

Rain wiederholte dieses Wort lautlos. Es war ein schönes Wort, es gefiel ihr.
 

"Wie war das?" Obwohl Frammis dieser speziellen Unterhaltung zwischen seinem Herren und dem Mann, den er angeheuert hatte, um Rain auszubilden, nicht unmittelbar beiwohnen durfte, drang Greyes' schrille Stimme bis zu ihm vor. Frammis hörte auf, den Dreck von Greyes' Stiefeln zu putzen und bewegte sich langsam auf die halboffene Türe zu um der Unterhaltung lauschen zu können. Er betrachtete dies allerdings nicht als Lauschen, sonder als einen wichtigen Beitrag, um das Wohlergehen seiner Familie zu schützen.

"Ich habe sie gelobt weil sie eine gute Taktik angewandt hat" Sergeant irgendwas schien nicht so als wolle er sich rechtfertigen. Greyes tobte. Frammis hatte seine Arbeit völlig vergessen. Er linste durch den Türspalt, eine Bürste in der einen, einen dreckigen Stiefel in der anderen Hand und lauschte konzentriert. Er schrieb beinahe auf, als ihm jemand auf die Schulter tippte.

Selen grinste ihn frech an. Ihre blauen Augen glitten von ihrem Vater zur Tür und sie wusste was er offensichtlich tat.

Doch Frammis' Gefühl von Scham wurde von seiner Neugier überspielt und so hob er nur einen Finger an die Lippen und wandte sich wieder, diesmal mit Selen, der Tür zu.

"Wie dem auch sei..." murmelte Sergeant schliesslich " Lord Greyes, ich möchte, dass Rain sich ein paar Bücher ansieht" Greyes sprang beinahe auf vor Wut "WAS?!" Die beiden verfielen wieder in hitzige Diskussionen.

"Nun warum bringt ihr einem Arc das Lesen bei, wenn er nicht lesen soll?" der Sergeant ignorierte das unverständliche Murmeln seines Gegenübers und fuhr fort "Sie hat ein Gehirn, was auch immer ihr von ihr denkt, Mylord. Wenn ich sie so ausbilden soll, wie ihr es wünscht, ist es unumgänglich, dass sie Kampftaktiken lernt, Karten studiert, Belagerungstechnicken..."

Der Hüne zählte diese Sachen ruhig an seinen dicken Fingern ab, bis Greyes schliesslich explodierte "Also gut! Ich werde das vermutlich irgendwann bereuen..." Murmelnd ging er auf ein Bücherregal zu und suchte einige Foliante raus "Selen!" brüllte er.

Frammis und seine Tochter zuckten zusammen. Selen strich sich rasch ihr blondes Haar glatt und setzte ein freundliches Lächeln auf, als sie den Raum betrat.

Sie trat vor Greyes und machte einen Knicks "Ja, Mylord?"

"Hier." Er legte ihr die Bücher auf die Arme. Sie waren gross und lagen schwer im Gewicht. "Bring diese Bücher zu Rains Wächter, er soll sie ihr übergeben."

"Ja, Sir..." Sie antwortete als würde ihr so was jeden Tag befohlen, doch für ihren Vater war dies einer der schlimmsten Befehle die er seinen Herrn je ausgesprechen hören hatte. "äh Sir... die Bücher sind etwas schwer.... Darf ich in mein Quartier gehen und einen Sack holen?"

Selen wirkte wie ein gehorsames Mädchen. Nur ihre Eltern wussten welche scharfer Verstand - und welche scharfe Zunge - sich hinter ihrem verführerischen Antlitz versteckte. Greyes Mine erhellte sich und er strich ihr über ihr helles Haar.

"Natürlich Kind. Aber bringe sie ihm direkt, verstanden?"

"Ja Sir, danke" Sie versuchte einen Knicks, wurde aber durch das Gewicht der Bücher beinahe zu Boden gedrückt, und liess es dann bleiben.

Selen strahlte als Frammis hinter ihr die Türe schloss "Oh Paps! Ich werde sie sehen!"

Frammis Stimmung sank. Er hatte gehoffte sie habe das Interesse an der Ase verloren. "Nein, du gibst die Bücher nur ihrem Wächter, das ist alles."

Sie senkte traurig denk Kopf "Es ist nur ... seit Sahras Tod... ist sie die einzige kleine Schwester die ich noch habe."

"Sie ist nicht deine Schwester, sie ist ein Arc. Ein Tier, das nur für den Kerker oder Gladiatorenkämpfe taugt, vergiss das nicht."

Frammis Dexter hasste es, seine Tochter enttäuschen zu müssen, aber es geschah nur zu ihrem Besten. Niemand durfte wisse, dass sie sich für Rain interessierte. Es würde nicht gut enden, würde Greyes davon erfahren.

Rain schlief fest. Sie war erschöpft von den aufregenden Übungen des Tages, als die Tür zu seiner Zelle aufgestossen wurde. Der Wächter war ihr einen grossen Sack zu Füssen "Hier. Der Leutnant sagt, die sind für dich. Du sollst sie lesen und dich mit ihm darüber unterhalten", sagte er. Rain beachtete den Ansatz von Verachtung in seiner Stimme nicht und wandte ihre Aufmerksamkeit dem Sack zu.

Als die Tür wieder zugezogen wurde, öffnete Rain langsam den Knoten und griff hinein. Ihre Finger schlossen sich um etwas Rechteckiges und Hartes, das leicht nachgab. Das konnte nicht sein... Sie kannte das Gefühl. Rasch zog sie den Gegenstand heraus und betrachtete ihn im Licht.

Es war tatsächlich ein Buch

Sie las den Titel laut vor: "Die Geschichte der Allianz von Lord-Lordaeron." Enthusiastisch griff sie nach einem zweiten Buch, dann nach einem dritten. Es waren alles Werke über die Kriegskunst. Als sie eines der Bücher durchblätterte, fiel ein kleines, mehrfach gefaltetes Blatt Papier heraus.

Neugierig und langsam faltete sie es auseinander. Es war ein Brief. Langsam bewegten sich ihre Lippen ohne einen Laut von sich zu geben.
 

Liebe Rain
 

Unser Lord G hat befohlen, dass du diese Bücher haben sollst. Ich freue mich für dich. Ich habe nicht gewusst, dass du lesen lernen durftest. Er hat es mich auch lernen lassen und ich lese sehr sehr gerne. Ich vermisse dich und hoffe, dass es dir gut geht. Was sie mit dir im Hof machen, sieht aus als würde es weh tun, aber ich hoffe, du bist in Ordnung. Ich würde gerne weiter mit dir reden. Willst du das auch? Wenn ja, schreibe eine Notiz auf die Rückseite dieses Blatts und lege es wieder gefaltet in das Buch zurück. Ich werde versuchen dich zu besuchen. Wenn das nicht klappt, suche du nach mir. Ich bin das kleine Mädchen, das dir einmal zugewunken hat. Ich hoffe, du schreibst zurück!!!

In Liebe

Selen

P.S.: Sage niemandem etwas über diesen Briefe, oder wir kriegen GROSSE SCHWIERIGKEITEN!!!
 

Rain liess sich auf ihren Strohhaufen fallen. Sie konnte es kaum glauben, was sie gerade gelesen hatte. Sie erinnerte sich an das kleine Mädchen, hatte sich damals gefragt, weshalb es ihm gewunken hatte. Es kannte sie offensichtlich... und mochte sie. Wie konnte das sein? Wer war dieses Menschenkind?"

Sie betrachtete ihre scharfen Nägel an ihren Fingern. Das musste reichen. An ihrem linken Arm entstand ein Kratzer der bald wieder geheilt sein würde. Sie stiess ihren Finger so tief wie möglich hinein und zog ihn wieder heraus. Ein dünner Blutfaden war ihr Lohn. Mit ihrem Nagel schrieb sie ein einziges Wort auf die Rückseite des Blattes:

JA.

Die Begegnung mit dem eigenen Blut

Rain war gerade zwölf Jahren alt geworden, als sie ihren ersten Arc sah. Sie trainiere ausserhalb der Festung. Seit sie ihren ersten Kampf im Ring gewonnen hatte, war Greyes mit Sergeants Plan einverstanden und gewährte ihr mehr Freiheit. Rain trug noch eine Kette an einem Fuss, die mit einem grossen Felsbrocken verbunden war. Trotz Rains Stärke hätte selbst sie es nicht vermocht damit zu fliehen. Die Kette war breit und sah nicht so aus als könnte man sie zerbrechen. Rain hatte sich schnell daran gewöhnt, denn die Kette liess ihr viel Spielraum und der Gedanke an Flucht war ihr nie gekommen. Sie war Rain, die Sklavin, Greyes war ihr Herr, Sergeant ihr Ausbilder und Selen ihre geheime Freundin. Alles war so, wie es zu sein hatte.

Rain bedauerte, dass sie mit keinem der Männer Freundschaft geschlossen hatte, mit denen sie trainierte. Jedes Jahr kamen neue und alle waren sie gleich: jung, ehrgeizig, arrogant und etwas verwirrt über die zierlich aussehende Gestalt, die wie eine Furie losschlug. Ihnen zuliebe nahm Rain immer ihre menschliche Gestalt an, nicht so an diesem Tage. Sergeant war stets der einzige, der eingriff, wenn sich die anderen gegen sie verbündeten. Und obwohl diese Männer Rain für ihren Feind hielten, wusste sie, dass sie nicht ihre Feinde waren. Es wäre falsch, ihnen wehzutun oder sie gar zu töten.

Rain hörte gut und achtete immer auf die Unterhaltungen zwischen den Männern. Da sie sie für ein gehirnloses Tier hielten, sahen sie keine Veranlassung, in ihrer Gegenwart ihre Zungen zu hüten. Wer achtete schon auf seine Worte, wenn der einzige Zeuge ein dummes Tier ist?

Auf diese Weise erfuhr Rain, dass die Arcs, die einst furchtbare Gegner darstellten, schwächer wurden. Immer mehr wurden gefangen und in etwas gebracht, was man "Internierungslager" nannte. Durnholde war das Hauptquartier, und die Kommandanten jener Lager lebten dort, währen Untergebene die täglichen Routinearbeiten in den Lagern verrichteten. Greyes war der oberste Vorgesetzte von allen Kommandanten. Ab und zu gab es noch ein paar Kämpfe, aber diese wurden zunehmend seltener. Einige Männer, die an der Ausbildung teilnahmen, hatten vor Rain noch nie einen Arc kämpfen sehen.

Sergeant hatte sie in den letzten Jahren in die Finessen des Nahkampfs eingeführt. Rain beherrscht jede Waffe die zum Einsatz kam perfekt: Schwert, Breitschwert, Speer, Morgenstern, Netz, Axt, Keule und Hellebarde. Sie selbst erhielt dabei immer nur die dürftigste Rüstung. Die Zuschauermenge fand es spannender, wenn die Kämpfer so gut wie ungeschützt waren.

Nun stand sie in der Mitte der Ausbildungsgruppe. Diese Übung war für sie nichts neues mehr, und war eher für die anderen Rekruten gedacht. Sergeant nannte dieses Szenario "Überwältigung". Die Übenden waren - natürlich - Menschen, die so taten, als wären sie einem der letzten rebellischen Arcs begegnet, der sich ihnen nicht kampflos ergeben wollte. Rain war - natürlich - der uneinsichtige Feind. Ihre Aufgabe war es, drei verschiedene Möglichkeiten zu finden, um die "rebellische Ase" gefangen zu nehmen oder zu töten.

Rain war nicht gerade begeistert von der Übung, denn es gefiel ihr nicht, das Ziel von bis zu zwölf Männern zu sein. Sie bevorzugte den Kampf Mann gegen Mann. Vor allem störte sie das Leuchten in den Augen der Männer und das Lächeln auf ihren Lippen. Rain war nur mit einem Holzschwert bewaffnet und trug keine Rüstung, während die Männer gepanzert waren und echte Waffen trugen. Es war unwahrscheinlich, dass sie grossen Schaden anrichten konnte. Anfangs hatte sie Schwierigkeiten, sich in diesem Szenario zu beherrschen. Doch sie lernte schliesslich Übung von Realität zu unterscheiden und verlor unterdessen nie die Kontrolle dabei. Wenn es zu Zwischenfällen kam, vertraute sie auf Sergeant der rechtzeitig einschritt.

Sie kamen auf sie zu.

Wie Rain erwartet hatte, wählten sie den einfachen Angriff als die erste ihrer der Möglichkeiten. Zwei von ihnen trugen Schwerter, vier Speere und der Rest hatte sich mit Äxten bewaffnet. Einer sprang vor.

Rain parierte den Schlag, liess sich zu Boden sinken und wischte dem jungen Rekruten mit einem schnellen Fussfeger die Beine weg. Die Überraschung war deutlich auf seinem Gesicht zu erkennen und er keuchte als er zu Boden fiel.

Rain stand bereits wieder und erwartete den Angriff der anderen. Mit ihrem Schwert fegte sie einen von ihnen weg, als wäre er nur ein lästiges Insekt und mit ihrer freien Hand griff sie nach dem Speer des nächsten. Sie entriss ihn seiner Hand und richtete die Spitze gegen ihn. Im richtigen Kampf hätte sie den Speer nun direkt in ihren Gegner gerammt, aber dies war nur eine Übung und Rain behielt die Kontrolle. Sie hob den Speer als ein furchtbares Geräusch alle erstarren liess.

Rain drehte sich um und sah einen kleinen Wagen, der sich der Festung über die enge geschwundene Strasse näherte. Dies geschah häufig, und die Reisenden waren stets gleich: Bauern, Händler, neue Rekruten oder Beamte auf der Durchreise.

Nicht so dieses Mal.

Dieses Mal zogen die wiehernden Pferde einen Wagen voller wilder Wesen mit langen Schweifen und wütend flackernden Augen hinter sich her. Sie standen gebeugt in einem Metallkäfig und man sah, dass sie am Boden des Wagens fest gekettet waren. Ihr wildes Aussehen erfüllte sie mit Schrecken. Manche von ihnen waren gewaltig, und deformiert. Alle hatten sie wild flackernde Augen, spitzige Ohren, Reisszähne in ihren Mäulern und lange Schweife...

Und dann begriff sie die Wahrheit. Das waren Arcs. Ihr so genanntes Volk. Genauso sahen auch sie die Menschen.

Ihre Hände wurden taub und das Übungsschwert entglitt ihren Fingern. Kein wunder, dass mich die Menschen hassen. Ich bin Angst einflössend, ein Monster. Egal wie zierlich ich wirke ich bleibe eine Bestie.

Einer dieser Bestien drehte sich und sah Rain direkt in die Augen. Sie wollte wegsehen, konnte es aber nicht. Sie starrte zurück und hielt den Atem an. Im gleichen Moment gelang es dem Arc irgendwie die Kette aus dem Boden zu reissen. Mit Händen die sich an der Kette blutig gescheuert hatte griff er nach den Käfigstangen und bog sie auseinander. Der Arc landete schwer auf dem Boden als er aus dem fahrenden Käfig sprang, überschlug sich, stand einen Herzschlag später auf den Beinen und rannte auf Rain zu. Trotz seiner zahlreichen Wunden bewegte er sich rasend schnell auf sie zu. Er öffnete seinen Mund und brüllte etwas, was wie Worte klang: "Kagh! Bin mog g'thazag cha!"

"Greift an ihr Narren!" schrie Sergeant und griff selbst nach einem Schwert. Obwohl er keine Rüstung trug lief er dem Arc entgegen.

Der Arc machte sich nicht einmal die Mühe Sergeant anzuschauen. Mit der Kette holte er aus, traf Sergeants Brust und schleuderte ihn weit zurück. Er lief unaufhaltsam weiter, wobei seine Mähne, welche einen langhaarigen Irokesenschnitt darstellte wild in der Luft zuckte. Sein Blick war auf Rain fixiert und erneut rief er die Worte: "Kagh! Bin mog g'thazag cha!"

Endlich überwand Rain ihre Angst, wusste jedoch nicht was sie tun sollte. Sie hob ihr Übungsschwert und nahm eine Verteidigungshaltung ein, statt anzugreifen. Dieses wilde Wesen lief auf sie zu. Es war mit Sicherheit feindlich. Aber es war immerhin ein Arc. Es gehörte seinem eigenen Fleisch und Blut an, seinem Volk. Rain brachte es nicht über sich in zu attackieren.

Während Rain noch darüber nachdachte, warfen sich die Männer auf den Arc, und dessen leicht grünlicher Körper ging unter den Schlägen der Schwerter und Äxte zu Boden. Blut floss zwischen den Stiefeln der Männer hindurch, als sie den Haufen aus grünlichem und rotem Fleisch betrachteten, der einst ein lebendes Wesen war.

Sergeant stützte sich auf einen Ellenbogen "Rain!" rief er "Bringt sie sofort in die Zelle zurück!"
 

"Was beim Licht hast du getan?!" brüllte Greyes und starrte den Sergeant, der ihm so empfohlen worden war, der mittlerweile jedoch der Mensch war, den er mehr als alle anderen hasste. "Sie sollte nie einen anderen Arc zu Gesicht bekommen... aber jetzt weiss sie es, verdammt noch mal!"

Der Sergeant strich sich genervt über seinen Bart "Nun, ich dachte, Sir, dass ihr es mir wohl sagen würdet, wenn ihr verhindern wollt, dass Rain einen anderen Arc zu Gesicht bekommt. Ich dachte, Sir, dass ihr vielleicht eine Zeit für die Ankunft eines Wagens voller Arcs ausmachen würdet, zu der sich Rain in seiner Zelle aufhält, da ihr ja nicht wollt, dass sie Arcs sieht. Ich dachte, Sir, dass..."

"Es reicht!" brüllte Greyes. Er holte tief Luft und beruhigte sich "Der Schaden ist angerichtet, wir müssen nun überlegen wie wir ihn reparieren.

Auch der Sergeant antwortete weniger erregt "Rain wusste also nicht wie sie aussieht?"

"Nein. Keine Spiegel, keine ruhigen Wasserflächen. Sie hat gelernt, dass Arcs Abschaum sind."

Beide überlegten. Der Sergeant kratzt sich am Bart und sagt "Nun weiss sie es also, na und? Nur weil sie ein Arc ist, heisst das nicht, dass sie eine gehirnlose Bestie bleiben muss. Würde man ihr erlauben menschlicher..."

Greyes wurde wieder sauer "Sie ist kein Mensch! Ich will nicht, dass sie sich für einen Menschen mit Schweif hält!"

"Dann sagt mir Sir, für was soll sie sich halten?" Die Antwort des Sergeants verunsicherte Greyes. Er hatte nie darüber nachgedacht. Alles war so einfach als sie den Arc-Welpen damals gefunden hatten. Bilde sie aus und stelle sie an die Spitze einer Armee um die Allianz anzugreifen.

Aber dies würde nicht funktionieren. Rain musste verstehen wie Menschen dachten und handelten... aber würde sie dann nicht rebellieren?

Er holte tief Luft "Rain muss geleitet werden. Sie hat lange genug mit den Rekruten trainiert, sie soll sich von nun an auf die Gladiatorenkämpfe beschränken. Wir haben die Arcs fast vernichtet, ihr Anführer Darkscythe ist geflohen und sie sind ein versprengtes Volk. Wir werden bald frieden haben. Wir müssen den Rekruten nicht mehr beibringen wie man Arcs tötet. Sie werden nur noch an Schlachten gegen andere Menschen teilnehmen."

"Männer die in Frieden leben, benötigen ein Ventil für ihre Blutgier", sagte Greyes. "Rain soll sich fortan auf die Gladiatorenkämpfe beschränken. Sie wird unsere Taschen füllen und uns Ehre einbringen." Er grinste. "Ich bin noch keinem Mann begegnet, der einen Arc besiegen konnte."

Zwischen-Kapitel: Das eigene Volk?

Rains aufstieg im Gladiatorenring konnte man nur als phänomenal bezeichnen. Sie erreicht ihre vollständige Grösse, als sie noch sehr jung war und sah nun aus wie eine normale menschliche Frau... mit diesen gewissen Unterschieden eben. Sie war die Herrscherin des Rings und alle wussten dies.

Wenn Rain nicht gerade kämpfte, lebte sie allein in ihrer Zelle, die ihr immer kleiner vorkam, obwohl Greyes ihr gestattet hatte einen grösseren Platz zu beanspruchen. Aber ein Arc hatte eben das Bedürfnis, sich zu bewegen. Ihre Behausung bestand aus einem kleinen abgetrennten Schlafbereich und einem wesentlich grösseren Raum, wo sie trainieren konnte. Der darin eingelassene Ring wurde von einem Gitter abgedeckt, so dass Rain den Himmel sehen konnte. Der Raum selbst war beinahe leer. An den Wänden waren ein paar Übungsschwerter aufgehängt worden, die Rain benutzen konnte und an einem Plätzchen im Ring war auch Rains alter Freund, die stark mitgenommene "Ork-Puppe". Wenn Rain mal nicht schlafen konnte, ging sie zum Ring und starrte in den Himmel oder reagierte ihre Unruhe an der Puppe ab.

Das einzige was ihr Leben erhellte, waren die Bücher, die sie von Selen geschickt bekam, ihre Botschaften und die Tafel mit dem Griffel. Sie unterhielten sich mehrmals die Woche auf diese Weise und Rain stellte sich die Welt draussen vor, wie Selen es ihr beschrieb. Ein friedlicher, wunderschöner Ort voller Liebe und Glück, in der auch sie einen Platz hatte.

Nicht selten glitt ihr Blick zu dem bräunlichen Wickeltuch mit dem gestickten Muster eines weissen Wolfskopfes, in dem sie damals gefunden wurde. Doch meist wandte sie sich sofort wieder ab, da sie dachte, ihre Gedanken sollten nicht auf diesen Pfad wandern. Was hätte es ihr gebracht? Sie hatte schon öfters in Büchern (die ihr Selen immer heimlich schickte) gelesen, dass Arcs in kleinen Gruppen lebten von denen jede, ihr eigenes Symbol hatte. Was sollte sie also tun? Greyes sagen sie wolle keine Sklavin mehr sein - dürfe sie also bitte gehen, um nach ihrem Volk suchen?

So absurd der Gedanke auch war, er liess sie nicht mehr los. Ihr eigenes Volk...

Selen hatte auch ihr eigenes Volk, das aus Lebis und Frammis Dexter bestand. Man liebte sie und sorgte für sie. Rain war froh, dass sie so liebevoll aufwuchs, denn sonst hätte sie wahrscheinlich nie die Wärme entwickelt die sie der Asin entgegenbrachte.

Rain fragte sich manchmal, was wohl die anderen Mitglieder der Familie Dexter über sie dachten. Selen hatte ihr erzähl, dass Lebis sie an ihrer Brust gesäugt hatte, um sie zu retten. Anfangs war Rain gerührt, doch sie begriff schnell, dass sie dies nicht aus Liebe zu ihr tat, sonder um ihre Position bei Greyes zu verbessern.

Greyes! Alle ihre Gedanken endeten bei Greyes. Nur wenn sie Selen schrieb, oder im Ring nach ihrem goldenen Haar suchte, fühlte sie sich, als wäre sie frei und gehöre niemandem. Sie konnte sich auch den aufregenden Momenten hingeben die Sergeant "Blutrausch" nannte, wenn auch nur für kurze Zeit. Wenn Greyes sie besuchen kam, um neue Taktiken oder die Abläufe der Kämpfe zu besprechen, war da keine Zuneigung, kein Gefühl von Familie, die sie mit diesem Mann verband. Wenn der Leutnant gut gelaunt war, konnte er strahlen und redete mit ihr wie mit einem kleinen Kind. Doch wenn er verärgert war, konnte er toben, er konnte befehlen lassen, dass man sie schlug oder verhungern liess oder er konnte Rain ihre über Alles geliebten Bücher verbieten lassen.

Rain wusste, dass Selen kein privilegiertes Leben führte so wie Greyes. Sie war eine Dienerin, beinahe schon eine Sklavin. Aber man nannte nur die Ase Sklavin und Selen wurde auch nicht geschlagen oder angespuckt, sie hatte Freunde und man respektierte sie. Sie hatte ihren Platz gefunden.

Langsam ohne, dass es Rain selbst merkte, umklammerte ihre Hand das Wickeltuch und presste es fest an ihren schlanken Körper. Als die Tür aufgeschlossen wurde erschrak sie, schnell wickelte sie sich das Wickeltuch um einen Arm. Eine Wache trat ein "Komm schon" sagte die Wache ziemlich schlecht gelaunt und reichte ihr die Ketten " Zeit für den Ring. Ich habe gehört heute haben sie einen besonderen Gegner für dich" Er grinste humorlos "Greyes wird dir das Fell über die Ohren ziehn, wenn du nicht gewinnst."



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Kommentare zu dieser Fanfic (2)

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Von: abgemeldet
2005-07-26T21:01:28+00:00 26.07.2005 23:01
ups... scho n bissl lang.... -.-
njo... ich war's ned! *pfeifend wegrenn*
Von: abgemeldet
2005-07-26T21:00:51+00:00 26.07.2005 23:00
woooohooooo! endlich hab ich des teil gefunden wo ma kommis schreibt!
aba sry, des gehört ned hierher.. *umguckt ob eh niemand gehört hat*
finnich voll cool, dassu jetzt 7 Kappis da hast, auf am is ja nur 2 (aso hier ja eigentlich 6 kappis, un auf am 1, un dann eben noch der prolog, aba issa jetzt egal)
joah... was ich sagen wollte.... *übaleg* .... (ich sollte ned so viel mist verzapfen, ne?)...... ich find deine ffs voll cool, un bitte schreib endlich asra tales weida! *bettel*
ich hab zwar noch ned geschafft, dass ich mehr als n paar seiten von der ff les, aba ..... ich arbeite dran! ehrlich! irgendwann, wenn ich allenin daheim bin, druck ich'S aus! [des lesen am papier mach ich dann nämlich sowieso... nur am pc mag ich des ned... un meine mum sagt imma, ich verschwend papier un druckerschwärze so, wenn ich ma sieben seiten oda so drucke... aba wenn ich outlines ausdruck (die dann rot werden, weil mei drucker dumm is, un ich sie mir sowieso von tora nochma geben lass),fragt se nur, woher ich imma die schön bilda hab.... versteh eina mütter...
habsch jetzt scho gesagt, dass ich des was ich bis jetzt gelesen hab voll cool finde? voll geil beschrieben alles.... *träum*
k... jetzt hör ich auf mit müll abladen..... ^^"
imma weida so!
kiss, yuri

P.S.: n bissl müll-werbung muss leida nochsein: mein blog-teil-viech: falls irgendjemandem stinke stinke langweilig is: www.myblog.de/yurichan

sry, majoh^^"


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