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Jaja, Morgenstund' und so weiter – was noch?

(NSFW)
von

Vorwort zu diesem Kapitel:
Hinweis: Ich habe Tseng eränzt. Ich sehe ja ein, ein "Rufus Shinra im HQ"-Kapitel funktioniert ohne Tseng einfach nicht😭 Komplett anzeigen

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Rufus

Im obersten Stockwerk des Hauptquartiers schlug Rufus Shinra die Augen auf. Hier, in seinem Schlafzimmer, fern vom Rest der Welt, wollte niemand etwas von ihm. Der dunkle Raum war klimatisiert, achtzehn Grad. Das sagte ihm die Konsole an der Wand gegenüber. Seine Arme ruhten auf der angenehm kühlen Bettdecke, doch darunter drückte sich der warme Körper einer Frau an ihn. Ihr weicher Kopf schmiegte sich an seine Schulter und er umfasste sie seinerseits, hielt sie fest in dieser morgendlichen Zweisamkeit. Dann jedoch gab sie ein Murren von sich, und ihm wurde schlagartig klar, warum: Der Wecker neben ihm dröhnte schon die ganze Zeit. Deswegen war er wach. Es war fünf Uhr morgens. Ein neuer Tag. Er schaltete den Wecker aus.

Augenblicklich entspannte sie sich in seinen Armen. Er schloss noch einmal kurz die Augen, während er ihr einen Kuss auf den hellblonden Schopf gab. Sie seufzte und er spürte, dass sie schon wieder dabei war, zurück in den Schlaf zu sinken, aus dem sein Wecker sie so unsanft gerissen hatte. Im Zimmer erhellte noch kein Tageslicht die weißen Wände oder die helle Seidenbettwäsche durch die verglaste Fensterfront. Er griff nach dem Kristallglas mit Wasser neben dem Wecker und nahm vorsichtig einen Schluck. Sie reagierte nicht mehr, war wieder eingeschlafen. Er stellte das Glas lautlos zurück und hielt sie sanft fest, während er sich aus dem Bett stahl, ohne ihren Schlaf erneut zu stören. Einen Moment später stand er vor dem Bett, ihr Kopf noch immer auf dem Kissen. Ein eindeutiger Erfolg.

Wie jeden Morgen in den letzten Monaten eigentlich. Er nahm noch den Wecker zur Hand und stellte ihn für seine Frau auf sechs Uhr und acht Minuten, bevor er ihn neben ihrem Handy platzierte, das auch auf dem Nachttisch lag. Sein Blick ging sehnsüchtig zu ihr zurück. Die zerzausten Haare, die roten Punkte um ihre Nase, das pinke Seidenhemd, die Wärme unter der Decke im gekühlten Raum. Ja, die Temperatur war ideal zum Schlafen. Aber erst durch die Wärme ihrer Haut wurde der Schlaf wirklich schlafenswert. Mit einem Seufzen hob er den Blick, vor ihm die Glasfront, dahinter Midgars Himmel, Midgar, kalt, vernebelt an diesem Morgen im November. Seine Stadt. Rund um die Uhr. Das ganze Jahr. Immer. Sie würde ihn immer gnadenlos daran erinnern, dass er weiter musste. Also schlüpfte er, ein letztes Mal den Kopf nach seiner Frau drehend, schnell in eine Hose aus Kaschmir und verließ ohne ein weiteres Geräusch das gemeinsame Schlafzimmer.

„Ich nehme also an, die Welt brennt nicht?“, begrüßte er Tseng, der auf der anderen Seite der Tür auf seinen Einsatz gewartet hatte.

„Korrekt“, bestätigte Tseng.

„Sonst Auffälligkeiten?“, fragte Rufus, schon auf halbem Weg vorbei an Tseng Kontrollbereich am Eingang des Penthouses.

„Nicht seit gestern Abend“, erwiderte Tseng, und mit einem unterdrückten Gähnen zog er sich hinter seine Tür zurück, wo er, so stellte Rufus sich vor, einen großen Becher Grüntee auf seinem Tisch mit den Bildschirmen zu stehen hatte.

In wenigen Schritten hatte Rufus den hellen offenen Wohnbereich durchquert, der die große Mitte der Etage einnahm; in der Küche dahinter hatte das Personal bereits von ihm ungesehen, aber von Tseng überprüft seinen Espresso und ein kleines Glas Wasser bereitgestellt. Das Dampfen aus der Tasse war kaum noch sichtbar. Er griff nach dem Henkel und noch während sein Blick über die glänzenden Oberflächen schweifte, leerte er die Tasse in zwei zügigen Schlucken, danach stellte er die Tasse zurück und setzte das Wasser an. Allmählich begannen seine Gedanken zu arbeiten. Die Firma ging strammen Schrittes auf das Quartals- und vor allem das Jahresende zu. Er erwartete einige Berichte. Am besten, er beeilte sich an diesem Morgen.  

Rufus betrat durch die zweite Tür der Küche den hinteren Bereich des Penthouses, in dem das Laufband stand. In der einen Ablage blinkte bereits sein Geschäftshandy, geladen und gebrieft, in der anderen steckten eine Wasserflasche und sein privates Handy. Er wusste, ungefähr zur gleichen Zeit, nur unzählige Stockwerke unter ihm, betrat gerade Sephiroth das firmeninterne Gym und begann ein gnadenloses Muskeltraining, das für dessen massigen Körper sorgte. Rufus hingegen begnügte sich, in Gedanken an seine junge Frau, zunächst mit einer Anzahl an Liegestützen und Sit-Ups. Anschließend stellte er das Laufband auf einen moderaten Anstieg ein und begann seinen Morgenspaziergang, immer ordentlich auf siebeneinhalb Kilometer die Stunde. Und jetzt, es war mittlerweile 5:12, nahm er erstmals sein Businesshandy zur Hand.

Die erste Nachricht war die wichtigste. „Statusbericht: keine Auffälligkeiten“, eingegangen um exakt 5:00 vom Sicherheitsbüro. So musste er zumindest nicht direkt irgendwelche zusätzlichen Termine koordinieren. Er entnahm der anderen Ablage die kleinen weißen Kopfhörer und steckte sie sich in die Ohren. Während sein Puls konstant um die 120 schlug, ließ er sich von seinem Stab über einen Bildschirm eine Zusammenfassung der wichtigsten Nachrichten aus der ganzen Welt, dem Land, Shinra und der neuesten Social-Media-Trends geben. In China meldeten die Behörden offenbar eine mysteriöse Ausbreitung einer seltsamen Lungenkrankheit. Rufus runzelte die Stirn. Es wurde keine Relevanz für den globalen Markt erwartet. Warum erhielt er diese Nachricht dann? Er griff nach dem Wasser.

Voraussichtliche Jahresbilanzen, Rohdaten, Makoförderung, Makoverbrauch, Budgets unterschiedlicher Abteilungen – die Forschung hatte zu viel Geld ausgegeben, Sephiroth welches durch stramme Pläne eingespart – Produktentwicklung, Abschlusszahlen der Offiziersakademie bei SOLDAT ... Rufus sortierte eine Menge Zahlen, ehe er zum Analyseteil des Briefings überging: Mit der Beliebtheit des Unternehmens online war das so eine Sache. Die meisten Bubbles, so seine Berichte, sahen die Monopolstellung in Sachen Energieversorgung, zumal sie sich als Konzern in die Politik einmischten, nicht gerne. Dennoch wusste das gesamte Land, dass Shinra mehr als fair bezahlte und Gewinn nicht nur um des Gewinns willen machte, sondern ihn auch teilte. Die Firsts als Aushängeschilde taten den Rest. Insgesamt also eher keine Verschiebung der Onlinemeinung. Er schaute auf die Ecke des Laufbandbildschirms: Mittlerweile war er fünfunddreißig Minuten gelaufen. Er stellte fünf Minuten Cooldown ein und legte das Handy sowie die Kopfhörer beiseite. Den Blick starr geradeaus gerichtet, ohne wirklich etwas zu betrachten und in dem Versuch, an nichts zu denken, lief er die letzten Minuten ab, nun bedeckt von einer angenehmen Schweißschicht.

Sobald das Laufband stoppte, nahm er erneut die Wasserflasche zur Hand, verließ den Raum in Richtung des angrenzendes Bads und versuchte, die Flut an aufgenommenen Informationen für einen Moment abzuschütteln, aber für später doch im Hinterkopf zu behalten. Er ließ die Kaschmirhose auf dem Marmorboden zurück und brauste sich in der ebenerdigen Dusche schnell den Schweiß vom Körper, in der Hand die Zitrusseife, die seine Frau so schätzte. Er schmunzelte kurz bei dem Gedanken, dass irgendjemand diesen Zitrusduft an ihm roch und sich wunderte, ob das denn zu ihm passte. Er schüttelte den Gedanken ab.

Im Spiegel nach der Dusche stutzte er den sporadisch verstreuten Bartwuchs, der bei ihm nie so recht hatte einsetzen wollen, wusch sich das Gesicht und öffnete dann den Schrank über dem Waschbecken. Die P50 ließ er gerne aus – aber ein wenig Rich Cream konnte nicht schaden. Danach ein paar Sun Drops, auch im November, wie er von Genesis gelernt hatte. Hautalterung hatte keine Jahreszeiten. Schließlich fuhr er sich, in den Händen ein paar Pumpstöße Oribe verteilt, durch die Haare. Diese Handgriffe saßen seit über fünfzehn Jahren. Insgesamt hielt er sich für vorzeigbar.

Mit einem Handtuch um die Hüfte gewickelt ging er durch den Wohnbereich zurück ins Ankleidezimmer, wo sein Anzug bereits für ihn ausgebreitet war. Auf dem Beistelltisch daneben lag sein üblicher Nussriegel: Nüsse, Haferflocken, möglichst wenig Zucker, alles möglichst clean, optimiert hergestellt von, natürlich, Shinra für Shinra. Er packte den Riegel aus und steckte ihn sich in den Mund, während er sich für den Tag kleidete: Leinenhose, Leinenhemd, schwarze Veste, Leinenjackett, ideal geschneidert, makellos gebügelt. Ein letzter Bissen, den Stoff noch einmal glatt streichen, auf etwaige Krümel überprüfen. Im Spiegel sah er nun aus wie Rufus Shinra, Präsident der Shinra Electric Power Company. Er neigte den Kopf. Bevor er Präsident Shinra für den Tag wurde, hatte er allerdings noch eine letzte Sache zu erledigen.

Zurück in der Küche gegenüber, Espressotasse und Glas waren bereits weggeräumt worden, war zwar schon alles vorbereitet, aber er legte Wert darauf, die eigentlichen Handgriffe selbst auszuführen. Meditativ wog er Kaffeebohnen, ließ sie zermahlen, fing sie im Sieb auf und klopfte den Kaffee fest, bevor er einen Espresso aus der voreingestellten Maschine zog. Während der Kaffee lief, wandte er sich jedoch der Königsdisziplin zu: Er befüllte zunächst den Metallbehälter mit frischer Milch aus dem Kühlschrank. Ein ruhiges Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus, als er sie langsam aufschäumte, nicht zu stark. Dann nahm er sich ein schönes großes Kristallglas aus dem Schrank, füllte die Milch ein und ließ am Schluss langsam den Espresso darüber laufen. Damit machte er sich wieder auf den Weg, vorbei an Tsengs Kontrollinstanz am Eingang, zurück ins Schlafzimmer, aus dem nun wieder der Wecker zu hören war. Das Chaos in der Küche überließ er dem Personal.

Seine Frau schlug gerade seufzend auf den Wecker, als er zur Tür hereinkam. Er drückte hingegen nur leicht auf den Dimmschalter neben sich, und ein sanftes Licht erfüllte den Raum, ohne zu blenden. „Na?“, sagte sie heiser und rückte im Bett ein Stück, damit er sich zu ihr setzen konnte. Er schloss die Tür hinter sich, durchquerte das Zimmer und überreichte ihr den Kaffee. „Handy“, sagte sie dann noch, und er griff nach ihrem Handy neben dem Wecker, um es ihr zu reichen. Sie wischte darauf herum, während sie an ihrem Kaffee nippte und sich bei ihm anlehnte. Er betrachtete sie, wie langsam Leben in sie kam. Sie kämmte sich mit den Fingern geistesabwesend durchs Haar. Die niedlichen kleinen Rötungen um ihre Nase blieben.

„Was Spannendes?“, fragte er.

„Taylor Swift hat bei den American Music Awards abgeräumt und auch dort performt“, sagte sie abwesend. Wenn sie als nächstes noch „Was hat das bloß zu bedeuten?“ sagte, konnte sie sich wahrlich mit Sephiroth zusammentun. „Sie ist jetzt ‚Künstlerin des Jahrzehnts‘, was auch immer das bedeutet.“

Rufus strich ihr über den Arm. Was ihn anging, klang die Bezeichnung recht eindeutig.

„Der Kaffee ist übrigens toll, danke“, sagte sie. Wie eigentlich auch jeden Morgen. Also wieder ein voller Erfolg. „Oh Gott, guck!“, sagte sie dann plötzlich und hielt ihm das Handy hin. Ein Onlinevideo von einem Shinra-Soldaten, der beim Wachdienst über eine Katze stolperte. Er schmunzelte. Das hatten sie ihm beim Briefing nicht erzählt.

„Katzenvideos“, sagte er. „Dafür wurde das Internet erfunden.“

„Wofür, wenn nicht für Katzen?“, erwiderte sie.

„Was steht heute so an?“, fragte er und rückte am Kopfende des Bettes zurecht. Wie es klang: nichts Weltbewegendes. Ein Abschlussbericht der Abteilung, Lunch mit Martha, ein Planungstreffen für ein neues Projekt, das im nächsten Kalenderjahr eingeleitet werden sollte. Ein wenig stellte er auf Durchzug. Innerlich war er wieder bei dem Krankheitsausbruch in China, dem einzigen Störfaktor in diesem sonst sehr gewohnten Bericht. Prognosen, wonach lokale Ereignisse keinen globalen Einfluss haben sollten, hatten sich bereits in der Vergangenheit als falsch herausgestellt. Er nahm sich vor, die Budgetabteilung mit der Anfertigung möglicher Szenarien zu beauftragen für den Fall, dass das ganze Land von einer schweren Grippewelle erfasst werden sollte. Immerhin war China ein wichtiger Handelspartner.

„Und ich dachte, wenn du mir irgendwann wieder zuhörst, könnten wir gemeinsam bei meinem Liebhaber vorbeischauen“, sagte sie, bevor sie den Kaffee leerte.

„Wenn er dich glücklich macht“, erwiderte Rufus. Sie schenkte ihm ein Lächeln. „Am besten, ich geh jetzt runter.“ Er würde sie in Ruhe aufstehen und ihren eigenen Anzug für die Arbeit anlegen lassen. Er war schon dabei, sich zu erheben, da streckte sie ihm wie jeden Morgen das Kaffeeglas entgegen, und er tat missbilligend. Er mochte ihr den Kaffee zubereiten und bringen, aber er räumte ihn ganz sicher nicht weg. Er gab ihr einen letzten Kuss auf die Stirn und verließ das Schlafzimmer, hinter dessen Tür Tseng erneut Stellung bezogen hatte.

Die Bildschirme ratterten weiter, während Tseng ihn wortlos zum Aufzug begleitete und ihm seine zwei Handys reichte. Tseng würde hier bei der First Lady bleiben, Rufus würde sich in sein Büro begeben, in direkter Nähe seines Sicherheitschefs. Bevor er zur Arbeit im Stockwerk darunter ging, machte er jedoch einen Umweg auf die SOLDAT-Etage: Noch vollkommen dunkel. Keines der Büros besetzt, auch nicht Sephiroths. „Ha“, entfuhr es Rufus. Mit einem gewissen Stolz überprüfte er jeden Morgen, ob er auch wirklich als Erster anfing, und sein Maßstab dabei war Sephiroth. Rufus hatte morgens vor ihm anzufangen und abends nach ihm aufzuhören. So gehörte sich das für den Unternehmenschef, befand er. Zufrieden kehrte er der Etage den Rücken. So begann der Tag gut. Und keine zwei Minuten später ließ sich Präsident Rufus Shinra im Stuhl hinter seinem massiven Schreibtisch nieder.

Rufus (alternativ)

<em>[Dieses Kapitel ist nur Volljährigen zugänglich]

Seph

Sephiroths Blick fiel zuallererst auf den schlafenden Genesis neben sich. Er seufzte wohlig. Draußen war es dunkel und – soweit er das durch die schalldichten Fenster einschätzen konnte – still. Er streckte eine Hand aus, um Genesis, der mit dem Rücken zu ihm lag, sanft mit den Fingerspitzen über die Schulter zu fahren. Die glatten weißen Laken raschelten dabei leise. Sephiroth atmete noch einmal tief durch und stahl sich dann aus dem Bett, ohne Genesis zu wecken.

In der Küchenzeile direkt hinter der Schlafzimmertür wartete sein Müsli darauf, aus dem Kühlschrank genommen zu werden. Er lockerte den Skyr, in dem er es angerührt hatte, mit ein wenig Wasser auf und zerbröselte Nüsse darüber, ehe er es im Stehen und möglichst geräuschlos löffelte. Dabei nahm er das Handy zur Hand. 4:27, er lag gut in der Zeit. Er entriegelte es mit Genesis‘ Geburtsdatum 1179 und checkte Twitter. Sechs AMAs für Taylor, die mehr als zehnminütige Performance würde er sich jetzt nicht anschauen. Ein virales Shinra-Katzen-Video. Der Soldat kam ihm bekannt vor, auch wenn der Name ihm nicht sofort in den Sinn kommen wollte. Er mochte Katzen. Das Handy musste er jetzt allerdings weglegen, um das Müsli aufzuessen. Seine Lebensgeister erwachten.

Anschließend stellte er die Schüssel in die Spüle. Und brachte ein wenig Bewegung in seinen steifen Rücken. Es war nicht leicht, auf die vierzig zuzugehen, auch wenn Genesis ihm versicherte, dass die erste vier sich nicht mehr so schlimm anfühlte wie die erste drei. Hm. Jünger wurden sie wohl alle nicht. Er bewegte den Kopf, um den Nacken zu lockern. Es half wohl alles nichts.

Er schlich sich noch einmal lautlos zurück ins Schlafzimmer, um sich etwas anzuziehen, und verließ dann das Quartier, um mit dem Aufzug nach unten zum ersten Training des Tages zu fahren. Er betrat den allgemeinen Fitnessraum als Erster und schaltete das Licht ein. Hochglanzgeräte, soweit das Auge reichte, für alle möglichen Muskelpartien. Was er jedoch zuerst ansteuerte, war der Cardiobereich weiter hinten. Er würde sich kurz auf hoher Geschwindigkeit einlaufen, anschließend zwanzig – so sehr er den Klang des Begriffs verabscheute – Burpees in etwa dreißig Sekunden absolvieren und dann noch ein wenig schnell seilspringen. Das sollte ihn genug erwärmen für sein Muskeltraining.

Er entschloss sich spontan, als Muskelgruppe des Tages die Rückenpartie zu bestimmen, obwohl er zuvor eigentlich Core im Sinn gehabt hatte. Die Wasserflasche im Anschlag, verließ er den Cardiobereich und suchte, noch während er sich im Gehen streckte, die Geräte auf. Acht Übungen, zwölf Wiederholungen, für die erste Hälfte je vier, für die zweite Hälfte je drei Sätze. Latzug, Rückenstrecken mit Gewicht und an verschiedenen Maschinen, schließlich griff er zu den Hanteln. Als er fertig war, fühlten sich die Muskeln in seinem Körper angenehm gefordert, aber nicht überanstrengt an. So ging er ins Cooldown, um Sehnen und Muskeln zu strecken und die Gelenke beweglich zu halten. Und dabei nie das Wasser vergessen. Vielleicht konnte er so seinen alternden Rücken überreden, so jung zu bleiben wie seine Haut. Zum Schluss fuhr er sich über das verschwitzte Gesicht. Insgesamt ein erfolgreiches Training nach seinem Dafürhalten. Allmählich trudelten auch andere Soldaten ein, was sein Signal war, wieder zu verschwinden. Es war schon fast sechs.

Oben stieg er unter die Dusche, um sich den Schweiß vom Körper zu reiben. Anschließend öffnete er seine Haare und kämmte sie einmal ordentlich durch. Aus dem Schrank über dem Waschbecken nahm er eine weiße Pumpflasche mit hellgrünem Deckel zur Hand und verteilte ein wenig von dem feinen Feuchtigkeitsnebel vor allem in den Spitzen und im Nacken. Zwar mochte er keinen Duft in Kosmetik, aber dieser war recht flüchtig und erinnerte ihn eigentlich nur ein Sportduschgel. Schließlich nahm er eine schwarze Pumpflasche mit achteckigem Deckel her und verteilte das Schutzspray so sparsam wie möglich, aber so großzügig wie nötig. Ein paar Tropfen honigfarbenen Öls aus einem runden Behälter. Noch einmal kämmen. So sollten seine Haare für den Tag gepflegt sein. Er band sie im Nacken zusammen und ließ die Längen schwerelos über seinen Rücken fallen.  

Er musste nur noch erneut lautlos ins Schlafzimmer schleichen, um seine Uniform anzulegen, und in der Küche die Müslischale spülen. Anschließend rührte er ein neues Müsli an: eine halbe Packung Skyr, eine ordentliche Portion Vollkorn-Haferflocken, verrühren, ab in den Kühlschrank für den nächsten Tag. Mittlerweile musste es etwa Viertel nach sechs sein. Zeit, ins Büro zu gehen. Und mit einem letzten Blick zurück auf die geschlossene Schlafzimmertür verließ er ihr gemeinsames Quartier.


Nachwort zu diesem Kapitel:
Ich nehm auch Wünsche für zukünftige Kapitel entgegen. :) Komplett anzeigen

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