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Sieg

von

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Sieg

Prolog

Kühle Luft wehte Kai entgegen, als die Haustür hinter ihm ins Schloss fiel. Es war an der Zeit, das Leben wieder spannender zu gestalten.

Das Bladen war vorüber, und er langweilte sich – für seinen Geschmack, viel zu oft. Ein Grund dafür wieder mit dem Training zu beginnen. Das neue Fitnessstudio an der Ecke war die ideale Gelegenheit dafür.
 

Vielleicht war das die perfekte Gelegenheit, seine Gedanken von Tala abzulenken.

Bei dem Gedanken an den Rotschopf umfasste er die Taschenriemen kräftiger, so dass die Knöchel weiss hervortraten.
 

Elender Tala, geh mir endlich aus dem Kopf!
 

Sie hatten schon immer eine komplizierte Beziehung zueinander. Aber der Kontaktabbruch war die bisher härteste Probe für Kai. Er vermisste ihn – auch wenn er das nie zugegeben hätte.

Entschlossen schritt er über den vom Nachtregen nassen Asphalt und stand wenig später vor dem 'Wolfs Gym'.
 

War klar, dachte er, dass mich der Name angesprochen hatte.

Kapitel 1

Kapitel 1
 

Das Fitnesszentrum war in einem modernen Gebäude mit Glasfassade untergebracht. Kai atmete nochmal tief durch und trat dann ein.

Er wollte ja sein 'Gratis-Probetraining', das er eigentlich hatte ablehnen wollen, nicht verpassen. Immerhin war es auch eine Gelegenheit wieder unter Menschen zu kommen. Ein prüfender Blick zur Empfangstheke liess ihn erleichtert ausatmen. Die Blondine, bei der er den Termin ausgemacht hatte war nicht da. Sie hatte ihn misstrauisch gemacht.
 

*
 

„Hey“, hatte er zu der jungen Frau gesagt als er das Fitnesszentrum in der vergangenen Woche zum ersten Mal betreten hatte. Diese hatte sich daraufhin umgedreht.

„Oh, hallo“, flötete sie ihm entgegen, während sie ihn eingehend gemustert hatte.

Kai war einen Schritt näher getreten.

„Kann ich hier ein Abo abschliessen? Ich würde gern wieder regelmässig trainieren.“
 

Die Frau hatte sich vorgebeugt und mit dem Oberkörper auf den Tresen gelehnt und ihn angelächelt

„Klar, du kannst das Abo gleich bei mir machen – ich bin Lisa. Aber mach doch zuerst ein Probetraining. Dann siehst du, ob es dir gefällt.“
 

Ihr Lächeln war recht anzüglich. Kai war das unangenehm. Aber das Studio sah sauber aus und war mit den modernsten Geräten ausgestattet.
 

„Ich bin hier Personaltrainerin. Du kannst gerne bei mir dein Training buchen. ...Obwohl, sehr nötig scheinst du das nicht zu haben.“ Sie lachte hell auf.

Andere Männer wären wohl beeindruckt gewesen. Kai liess die ganze Aktion kalt.

Deshalb gehe ich nicht gerne unter Menschen, dachte Kai.

Ausserdem interessierte er sich nicht für die weichen, runden Frauenkörper. Muskulöse, kantige Männer, zogen ihn an.
 

„Ich würde lieber mit einem Kerl trainieren“, meinte er trocken.

Etwas enttäuscht lehnte sich die Trainerin zurück und stemmte die Hände in die Hüften.

Kai räusperte sich. „Ich mache viel Krafttraining. Da brauche ich Jemanden, der Gewichte heben kann. Sorry“, fügte er noch entschuldigend hinzu.

„Na dann. Passt Samstag um 8 Uhr?“, fragte sie und tippte bereits etwas ein.

„Ja, passt“, war die knappe Antwort Kais.

Erneut musterten die braunen Augen von Lisa ihn eingehend.

„Du bist Kai Hiwatari, stimmt's?“, fragte sie neugierig.

„Ja.“

„Etwas einsilbig, was?“, meinte sie. „Dacht ich schon, als du reingekommen bist.“

Sie lächelte wieder und spielte mit ihrem blonden Pferdeschwanz.

„Ich hab deine Karriere verfolgt. Schön, dass du bei uns ins Training kommen willst. Ich könnte mal ein paar Fotos von dir machen, kämen auf unserer Website sicher toll an.“

Kai knurrte abweisend. „Ich will hier Sport treiben und kein Maskottchen sein.“

Die Blondine seufzte. „Ihr Blader seid echt alles etwas anstrengend.“

Kai hob misstrauisch eine Augenbraue. „Ihr?“, fragte er.

„Genau“, antwortete sie. „Denkst du du bist der einzige Blader, der hier trainiert?“

„Ehemalig“, stellte Kai klar.

Sie lächelte erneut und legte den Kopf schief. „Stimmt. Na dann, viel Spass am Samstag.“
 

*
 

Wenig später scrollte Tala durch seinen Terminkalender. Lisa hatte ein neues Probetraining eingetragen.

Samstag, 8 Uhr, Kai Hiwatari

Endlich, dachte Tala. Ich freue mich auf das Spiel.

Er kategorisierte den Termin als besonders wichtig.
 

„Wie fandest du ihn?“, fragte er über die Schulter an Lisa gewandt.

Sie überlegte: „Kurz angebunden. Auch etwas unfreundlich, wenn ich es mir überlege“, fügte sie hinzu.

Tala lächelte spitzbübisch. „Das ist er.“

Kapitel 2

Kapitel 2

Am selben Abend erzählte Lisa ihrem Freund von dem Vorfall.

„Tala reagierte ganz schön merkwürdig“, fügte sie noch hinzu.

Ihr Freund, ein weisshaariger Russe namens Bryan, hatte die Geschichte mit breiter werdendem Lächeln verfolgt.

„Meine Liebe, mach dich auf was gefasst.“ Lächelnd umarmte er seine Freundin und ahnte, dass die kommenden Tage turbulent sein würden.
 

Wenig später schrieb er eine SMS an Tala.

Deine Obsession trägt wohl Früchte

Dazu sendete er ein Pfirsich Emoji.
 

*
 

Als besagter Samstag kam und Kai das Studio betrat, war die Theke leer.

Kai störte sich daran nicht. Das Schild mit dem Pfeil und der Aufschrift Umkleide konnte er auch ohne Hilfe lesen.

Kurze Zeit später war er umgezogen im Trainingsraum. Viel war nicht los, was ihm gerade recht war. Ein älterer Mann war mit seiner Frau am Radfahren und unterhielt sich keuchend mit ihr.

Kai fand das erst etwas grotesk, dann niedlich. Er schlenderte durch den Raum, wo noch zwei Muskelpakete Gewichte stemmten. Sie warfen ihm einen kurzen Blick zu, wandten sich dann aber wieder ihrem Training zu. Ein kurzer Blick von Kai reichte aus, um herauszufinden, dass diese beiden nicht in sein Beuteschema passten. Der Halbrusse seufzte.
 

Muss ich echt in einen Gruppenkurs gehen, um Menschen kennenzulernen? Ist ja peinlich.
 

Einige Laufbänder standen in einer Reihe am Fenster. Eines davon nahm Kai in Beschlag. Er warf sein Handtuch über das Gerät und setzte Kopfhörer auf. Er würde sich ja wohl alleine warmmachen dürfen. Es zeugte auch nicht von Professionalität, dass der Trainer noch nicht da war. Gemächlich begann Kai mit seinem Ausdauertraining und versank schnell in der Musik. 
 

Eisblaue Augen beobachteten Kai genau, seit er das Studio betreten hatte.

Tala stand versteckt in einer Nische, die nicht leicht einsehbar war. Er hatte die stummen Kommentare genüsslich verfolgt.
 

Mal sehen, ob ich ihn gleich zur Weissglut treiben kann
 

Kai bemerkte Talas Näherkommen nicht. Er starrte aus dem Fenster und konzentrierte sich auf den Laufrhythmus.

Das unvermittelte Drücken der „Not-Aus-Taste“ brachte Kai ins Schwanken. Als er sein Gleichgewicht wiedergefunden hatte, nahm er die Kopfhörer ab. Wütend drehte er sich um.

Die eisblauen Augen von Tala bohrte sich Kais Rot.
 

„Nein“, war alles, was Kai sagte, als er sein Gleichgewicht wiederfand. Seine Stimme war so kühl wie immer.

„Was denn? Du hast doch um einen männlichen Trainingspartner gebeten.“ grinste Tala. 

„Ja, hab ich, dabei habe ich aber nicht mit einem Clown wie dir gerechnet.“

Obwohl es Kai getroffen hatte wie ein Schlag vor die Brust, war seine Stimme kühl, fast genervt.
 

Tala lehnte sich lässig gegen das Laufband. „Clown, was?“

Er liess seinen Blick über Kai wandern. „Wenn ich dich so anschaue, hast gerade eher du die Verfassung eines Clowns. War dein letztes Training dein letztes Match?“

Kai verschränkte die Arme vor der Brust.

„Selbst wenn, geht's dich einen feuchten Dreck an. Ich trainiere erst mit dir, wenn die Hölle zufriert.“
 

Was treibt der Teufel hier?
 

Tala schob gespielt beleidigt die Unterlippe vor. „Jetzt hast du mich aber gekränkt, Hiwatari. Alle sagen, ich mache hier einen tollen Job. Und du siehst aus, als hättest du's nötig.“ 
 

Etwas an Talas Betonung ging Kai gegen den Strich. Unwillkürlich ballte er die Hand zur Faust.
 

Ich bezweifle, dass sich das auf meinen Fitnesszustand bezogen hatte.
 

Knurrend schnappte er sich sein Handtuch.

„Ich trainiere alleine. Auf das Probetraining pfeif ich.“

Gerade als er sich umdrehen und vom Laufband steigen wollte, drückte Tala einen Knopf und das Gerät setzte sich wieder in Bewegung. Kai verlor das Gleichgewicht erneut, und sah seinen Kopf schon auf dem Band aufschlagen, da wurde er von einem starken Arm aufgefangen.

„Siehst du, du brauchst meine Hilfe. Sonst verletzt du dich noch“, säuselte Tala in sein Ohr, als er den Kleineren wieder aufrichtete.

Barsch schlug Kai den Arm des Rothaarigen weg. „Geht's noch? Du hast sie doch nicht alle!“

Tala liess sich nicht aus der Ruhe bringen.

„Mein lieber Kai, du hast zwei Möglichkeiten, entweder du trainierst jetzt, mit mir, oder du machst es mit ihr.“ Er deutete mit dem Daumen über seine Schulter.

Kai sah in die gezeigte Richtung, wo die junge Blondine gerade den Raum betrat und ihm zuzwinkerte.
 

Kühl wandte er seinen Blick wieder dem Russen zu.

„Ich nehme Variante 3 und trainiere a.l.l.e.i.n.e.“

Sein Herz raste. Auf diese Begegnung war er nicht vorbereitet gewesen.
 

Tala legte den Kopf schief und lächelte.

„Das geht nicht. Wir dürfen die Kunden nicht ohne Instruktion an die Geräte lassen. Da versteht der Chef keinen Spass. Ich meine stell dir vor, dir wäre eben was passiert. – schrecklich schlechte Werbung.“ Tala legte seine Unterarme auf das Laufband und stützte seinen Kopf darauf. „Also was ist? Nervös?“
 

Kais rasendes Herz verriet, dass der Russe ins Schwarze getroffen hatte. Kleine Schweisstropfen sammelten sich auf seiner Stirn.

Knurrend sah er sich kurz in dem Raum um. Das Rentnerpärchen hatte aufgehört zu treten und fand die Unterhaltung der beiden offenbar spannender. Auch die Blicke der Muskelpakete waren auf Tala und ihn gerichtet.

Resigniert seufzte der Halbrusse und stieg vom Laufband.

„Ich hasse dich.“, warf er dem Rothaarigen noch an den Kopf.

Kais Puls raste, was nichts mit dem Aufwärmtraining zu tun hatte.
 

Talas Fingerspitzen kribbelten.

Ich freue mich darauf deine stolze Fassade zum Einsturz zu bringen.
 

Er registrierte alles an Kai, von dem schnellen heben und senken der Brust, bis zum Schweiss auf seiner Stirn. Er wusste, dass er gewonnen hatte. Triumphierend schob er Kai zur Kraftstation für den Oberkörper.

Kapitel 3

Kapitel 3

„Du hast ganz schön nachgelassen“, meinte Tala nach Kais zweitem Set. 

Die roten Augen funkelten gefährlich. „Halt die Klappe und mach deinen verdammten Job.“

„Natürlich“, säuselte Tala, „Fussvolk wie ich, muss schliesslich für sein Geld arbeiten. Nicht so wie du. – Noch zwei.“

Kai rümpfte die Nase. Seine Muskeln spannten sich. „Was weisst du schon.“ Mit rhythmischen Atemzügen begann der Kleinere sein nächstes Set.
 

Tala beobachtete den Halbrussen eine Weile schweigend.
 

Noch immer die gleiche kalte Fassade. Ich weiss, dass dahinter dein Temperament lauert.
 

„Du machst das falsch. Du musst die Muskeln hier anspannen“, sagte Tala und legte seine Hand auf den unteren Bauch des Halbrussen.

Kais Körper verkrampfte sich sofort bei der Berührung. Jeder Muskel spannte sich bis zum Bersten, und ein Stromstoß durchfuhr seinen Körper. Auch wenn sein Gesicht nicht das geringste Anzeichen dafür erkennen liess.

„Nimm deine Griffel da weg“, schnauzte er Tala kühl an.
 

Ein wölfisches Grinsen zog sich über das Gesicht des Rothaarigen. Federleicht strich er über Kais Bauch, ehe er seine Hand zurückzog.

„Geht doch“, spottete er. Tala hatte Kais Reaktion genau bemerkt und genoss es.
 

Bröckelt dein Stolz etwa schon?
 

Der Halbrusse war froh, dass sein Gesicht durch das Training schon gut durchblutet war und die Schamröte deshalb nicht zu erkennen war. Mit starr nach vorn gerichtetem Blick trainierte er weiter.
 

Die Stunde Training mit Tala dauerte quälend lange. Bei jeder Berührung, schossen Blitze durch Kais Körper. Die Stimme des Russen drang in sein Innerstes. So ausgelaugt war er nach dem Training auch in seiner Spitzenzeit nicht gewesen.
 

Als Tala verkündete, dass das Probetraining zu Ende war, schnappte sich Kai kommentarlos sein Handtuch und verschwand in der Umkleide. Das leise, aber melodische Lachen Talas klang ihm noch in den Ohren, als er die Tür fest geschlossen hatte, gegen die er sich rücklings anlehnte.
 

Tala sah dem Kleineren nach, als er in der verschwand. '
 

Also kann ich Kai noch immer aus dem Konzept bringen, auch wenn er es nicht zeigt. Ich freu mich jetzt schon auf das nächste Training.
 

Er grinste schelmisch.

Seit Tala seine Karriere beendet hatte, vermisste er den Kontakt zu Kai. Niemanden brachte er so gerne zum schwitzen wie ihn. Mit keinem anderen Menschen verbrachte er so gerne Zeit. Leider war der Grauhaarige so unnahbar, dass Tala keine Ahnung gehabt hatte wie er sich dem Halbrussen hätte nähern sollen. Aber war es nicht genau das, was ihn reizte?
 

Noch immer lehnte Kai an der Tür. Sein Puls kam nicht zur Ruhe. Ihm war heiss.

Warum geht er mir so unter die Haut?
 

Die Stellen an denen Tala ihn berührt hatte, brannten. Er schloss die Augen und war wieder auf der Party der BBA.
 

*
 

Es war mehr als ein Jahr her. Kai hatte sich auf die Feier gefreut, auf alte Blader, alte Freundschaften – doch er war allein. Ray und Max hatten abgesagt, Kenny wirkte nervös und unsicher, Tyson zu laut. Alles an diesem Abend fühlte sich falsch an.

Und dann war Tala hereingekommen. Strahlend, selbstbewusst, voller Energie. Er lachte, scherzte, umarmte alte Bekannte – und Kai? Kai bekam kaum einen Blick, ein kurzes Nicken, mehr nicht.
 

Warum ignoriert er mich so?
 

Die Frage hatte über ein Jahr in seinem Kopf gebrannt.

Kai beobachtete, wie Tala sich zu Bryan bewegte. Die beiden waren nah, viel zu nah, als dass es nur Freundschaft sein konnte. Ein Arm um Bryans Schulter, ein verschmitztes Lachen, ein Körper, der sich gegen den anderen lehnte. Kai spürte einen Stich. Er wusste jetzt, dass zwischen ihnen mehr lief – rein körperlich, wie Bryan später beiläufig bestätigte. Kein Problem, nur Spaß, keine Gefühle. Und trotzdem… es traf Kai härter, als er wollte.
 

Dann der Blick im Bad. Nur ein Moment, aber er hatte sich tief eingeprägt: Talas Augen, dunkel, verlangend, direkt auf ihn gerichtet. Nicht auf ihn persönlich, nicht als Einladung – doch es war genug, um Kai bis heute durch Mark und Bein gehen zu lassen.
 

Warum hat er mich damals so stehen lassen?

Ein Jahr voller Fragen, ein Jahr voller Stolz. Nie würde er zugeben, dass er Tala begehrte. Nie, dass er es genoss, dass er ihn so aus der Reserve locken konnte.
 

*
 

Seufzend stiess sich Kai von der Tür ab und wechselte die Klamotten. Jede Minute unter demselben Dach wie Tala strengte ihn so sehr an, als würde er einen Marathon laufen. Also spritzte er sich Wasser ins Gesicht und fuhr sich über die Haare. An seiner Trinkflasche nippend ging so ruhig wie möglich zum Tresen.
 

Tala unterhielt sich derweil mit der Blondine, der er wohl etwas überaus lustiges zu erzählen schien, sie kriegte sich kaum noch ein vor Lachen. Sie warf Kai einen kurzen Blick zu. „Tala macht das Administrative mit dir. Bis bald.“ Sie zwinkerte Kai im vorbeigehen zu und warf einen forschenden Blick auf Tala.
 

„Das Administrative?“, fragte Kai als er am Tresen ankam.

Tala tippte bereits auf der Tastatur herum. „Das Abo, du Schnellmerker.“ Seine Augen glitten vom Bildschirm weg zu Kai und über dessen verwuscheltes Haar. Dann bohrten sich die Eisaugen direkt in die von Kai. „Scheinst etwas fertig zu sein, hat es denn Spass gemacht?“, fragte er unschuldig.

„Geht. Das Personal hier ist merkwürdig“, antwortete Kai trocken. Er hielt dem Blick stand, aber seine Knie wurden unter diesem Blick weich.

„Ach? Die anderen Gäste sind sehr zufrieden. Ich werde dich schon ...überzeugen.“ Wie beiläufig leckte sich Tala über die Lippen.

„Also ein Abo für ein Jahr?“, fragte er geschäftsmässig.

„Solange deine Gesellschaft da nicht inkludiert ist, ja.“ Kai hatte den Blick abgewandt und stellte seine kühle Fassade zur Schau.

„Adresse?“, kam es von Tala, der eifrig tippte. Kais Blick wanderte wieder zu dem Rothaarigen. Tonlos nannte er seine Adresse, die Tala längst kannte.

„Bar oder mit Karte?“, fragte Tala weiter.

Kais Aufmerksamkeit wanderte zum Fenster. Es begann zu regnen. „Karte“, antwortete er monoton.

„Nummer?“, fragte der Russe.

Abwesend nannte Kai seine Nummer. Er sinnierte, ob er sich wohl einen Schirm ausleihen könnte. Er hasste Regen.

„Danke“, kam es belustigt von Tala.

Der veränderte Tonfall riss Kais Blick vom Fenster los und zu Tala. Dieser schob gerade sein Smartphone in die Hosentasche.

„Sag mal, spinnst du?“, fragte Kai, der begriffen hatte, dass Tala die Nummer in sein eigenes Telefon statt in den PC eingetippt hatte. „Du löschst das sofort wieder“, setzte Kai nach.

„Nö“, flötete Tala belustigt.

„Ich hab dir meine Nummer nicht gegeben, du Dämlack!“

Tala blickte verwundert. „Oh doch, hast du. Gerade eben.“

„Ich hab die Nummer für das System gegeben, nicht für dich. Was weiss ich, was du mit deinen Drecksgriffeln damit anstellst!“

Tala beugte sich über den Tresen, wie die Blondine die Woche zuvor. Dummerweise hatte die Geste bei Tala eine ganz andere Wirkung.
 

Wie ein Magnet wurden Kais Augen von dem Russen angezogen. Sein Atem ging flach.
 

„Ich kann dir schon zeigen, was ich mit meinen Griffeln so anstellen kann. ...Aber ich glaube, das wäre zu viel für dich.“

Kai wurde rot. „Ah leck mich, du Trottel.“

„Gerne, wo denn?“, rief im Tala noch nach, als die Tür zum Studio hinter Kai zuknallte. Regen hin oder her. Kai musste da raus.

Kapitel 4

Kapitel 4

Durchnässt und unterkühlt kam Kai in seiner Wohnung an. Es war noch nicht mal Mittag und er hatte schon mehr als genug von diesem Samstag. Nach einer langen Dusche liess er sich erschöpft auf die Couch fallen und durchforstete gelangweilt das Fernsehprogramm.
 

Dann ertönte das bekannte 'Ping' sein Smartphones. Mit mulmigen Gefühl entsperrte er das Gerät: Eine unbekannte Nummer. Erleichtert stellte er fest, dass es nur eine Info über das Fitnessabo war – inklusive kleinem Spa-Bereich.
 

Mit einem zweiten 'Ping' folgte: Es war ein Foto, ohne Kommentar. Kai überlegte kurz, es zu löschen, seine Neugierde war aber grösser.
 

Natürlich war es ein Foto von Tala – mit freiem Oberkörper. Mit dem letzten Rest seiner Selbstbeherrschung legte er das Gerät weg. Er unterdrückte den Drang sich das Bild einzuprägen. Sein Ego würde es nie und nimmer zulassen, dass er bei Tala nachgab.
 

Diese Blösse gebe ich mir nicht. Tala ist nicht der einzige Mann auf der Welt.
 

*

Grinsend verstaute Tala sein Smartphone in der Tasche. Er hatte mit keiner Reaktion gerechnet, ahnte aber, dass seine Aktion Kai zur Weissglut getrieben hatte.

„Was grinst du so? Sieht gefährlich aus.“ Lisa kam gerade aus einem ihrer Gruppenkurse. Sie musterte Tala. „Warum hast du kein Shirt an? Das tust du sonst nie.“

Tala lächelte entschuldigend, während er sich anzog. „Ich musste da was… loswerden.“

„Gehts etwa um Kai?“, fragte sie schelmisch.

Tala warf ihr einen Blick zu. „Ach was. Du siehst Geister.“

Sie legte den Kopf schief. „Du bist anders, wenn du mit ihm zusammen bist, weisst du.“ Sie glaubte es kaum, tatsächlich schlich sich eine sanfte Röte auf Talas Wangen – etwas, das sie noch nie zuvor gesehen hatte.

„Quatsch“, meinte Tala leichthin und ging davon.

Es scheint fast so, als wäre er verliebt.

Ein Lächeln konnte sie nicht unterdrücken, als sie Tala nachsah.
 

*
 

Es war Sonntag. Kai hatte den Rest des vergangenen Tages mit gammeln und schlafen verbracht. Das unvorteilhafte Liegen auf der Couch und das harte Training rächten sich mit Muskelkater.
 

Es war bereits Nachmittag und seit er aufgewacht war, spielte er mit dem Gedanken, den Spa-Bereich im Fitness auszukundschaften. Halb hoffte er, dem Russen zu begegnen, halb wünschte er, Tala möge in der Hölle schmoren.
 

Sein Nacken war steif und die Begegnung mit Tala hatte ihn ausgelaugt. Gleichzeitig kribbelte es in Kai und er wankte zwischen Unbehagen und Verlangen.
 

Ein Blick in den Briefkasten brachte ein dickes Couvert zum Vorschein. Kai riss es auf und fand eine Schlüsselkarte darin. Wie Kai klar wurde, hatte er diese am vergangenen Tag nicht mitgenommen. Ausserdem ein Zettel. Darauf stand ein vierstelliger Code für den Sonderzugang, falls das Studio geschlossen sein sollte. Er drehte den Zettel um und liess ihn beinahe fallen. Sein Herzschlag beschleunigte sich und ihm wurde warm. Es war das Foto, welches Tala ihm am Vortag geschickt hatte. Perversling dachte Kai bei sich, steckte das Bild aber hastig ein – er brauchte ja den Code.
 

Nur Minuten später stand er vor dem Studio. Es war leer. Entspannt atmete Kai aus und suchte die Sauna. Schnell fand er sein Ziel.

Handtücher lagen bereit. Also packte er seine Sachen in einen Spind und wickelte sich das Tuch um die Hüfte. Zu Kais Freude war auch die Sauna leer. Es war keine klassische Sauna mit heissen Steinen, sondern eine Infrarotsauna. Die heizte schnell auf und war weniger aufwändig. Kai stellte seine Wunschtemperatur ein und betrat den Raum. 
 

Alles war aus Holz, sah sauber sowie einladend aus. Auf dem Rücken liegend genoss er die Hitze. Seine Muskeln entspannten sich. Sogar seine Gedanken kamen etwas zur ruhe. Er döste ein und vergass jedes Zeitgefühl.

Erst als ein Luftzug seinen erhitzten Körper streifte, öffnete er seine Augen wieder. 
 

„Wundert mich jetzt doch, dass du schon wieder hier bist.“

Kai musste nicht hinsehen, um das Grinsen in Talas Gesicht zu sehen. Er kannte es zu gut. 

„Hast du kein Zuhause?“, maulte er den Rothaarigen an, während er die Augen vorsichtshalber wieder schloss.

Tala trat näher, das Holz knarzte leicht unter seinen Schritten – Kai musste unwillkürlich schlucken.

„Doch, aber hier ist es interessanter.“
 

Wann er wohl herausfindet, dass meine Wohnung oberhalb des Studios ist?
 

Tala liess seinen Blick lange über Kai gleiten. Unbewusst presste er seine Fingernägel in die Handfläche. Kai machte ihn wirklich halbwahnsinnig.

„Rutsch mal“, sagte Tala und setzte sich auffällig nahe neben den Halbrussen.
 

Kais Herz hämmerte gegen seine Brust.
 

Als er Talas Körper an sich spürte, richtete Kai sich doch auf.

„Ist hier zu wenig Platz oder was? Und wenn wir schon dabei sind, schick mir keine halbnackten Bilder. Für sowas gibt es Datingapps. Geh mir nicht auf den Sack!“

Nur mit aller gebotenen Selbstbeherrschung schaffte Kai es, sich auf das Gesicht des Russen zu konzentrieren – und den Rest seines Körpers zu ignorieren.

Tala grinste. „Ich wüsste andere Dinge die ich mit deinen Weichteilen anstellen könnte.“ Er beugte sich nahe zu Kai. Die feine Silberkette um seinen Hals glitzerte bei der Bewegung. „Ich weiss, das dir gefällt, was du siehst.“
 

Talas Finger zuckten. Er hätte sich gerne auf Kai gestürzt.
 

Kai wich keinen Millimeter zurück. „Träum weiter, Tala!“ Kais Ton war kühl. Aber das Kratzen in der Stimme konnte er ebenso wenig verbergen wie das Schlucken. 

Mit seinem Blick nahm Tala jede Regung von Kais Muskeln wahr. „Hast du etwa Durst? Du klingst etwas ...heiser.“ Das letzte Wort flüsterte der Rothaarige. 

„Kümmer dich um deinen eigenen Mist und lass mich zufrieden, schon mal was von persönlichem Freiraum gehört?“, knurrte Kai und stand auf. Wohl etwas zu schnell, denn ihm wurde kurz schwindlig. 

„Soll ich dich wieder auffangen?“, säuselte Tala.

„Halt dein Fressbrett“, knurrte Kai und stützte sich an der Wand ab. Als der Schwindel abklang setzte sich der Grauhaarige in Bewegung Richtung Tür. Eine Hand – oder nur Fingerspitzen? – glitten leicht über seinen Oberschenkel und ließ ihn innehalten.

Tala, den Kopf lässig auf die Hand gestützt grinste.

„Tu das nie wieder!“, sagte Kai mit eisiger Stimme. Die Röte auf seinem Gesicht nahm der Aussage jedoch etwas die Schärfe.

Der Rothaarige grinste, zuckte aber angesichts Kais loderndem Blick nicht mit der Wimper. „Na gut.“ Tala flüsterte. „Ich tu's erst wieder, wenn du mich darum bittest.“

„Schlaf erst, bevor du träumst“, knurrte Kai. Allerdings bröckelte seine sonst so kühle Fassade zunehmend. Die Hitze, Tala, die Stimme – zu viel. Kai griff nach der Türe. 

„Du willst schon gehen?“, schnurrte Tala.

Kai drückte den Griff hinunter.

„Ich wollte mich entspannen und deine Gesellschaft stört dieses Vorhaben ungemein.“ Er war halb zur Tür raus, als sich der Halbrusse nochmal umdrehte.

„Lösch die Nummer!“.

Sein Blick glitt über den breitbeinig dasitzenden Tala. Er bereute es sofort sich umgedreht zu haben. Der Anblick hatte sich in Kais Netzhaut eingebrannt. Kais Herz hämmerte, und er hasste sich dafür, dass Tala ihm so durch Mark und Bein ging. Wortlos ging Kai zur Umkleide und verliess eilig das Studio.
 

Um sich abzukühlen spazierte er durch die Stadt, blieb ab und an bei Schaufenstern stehen oder warf einen Blick in die Lokale.

Hier würde ich gern mal essen,

dachte er, als er an einem italienischen Restaurant vorbeikam. Er hatte eine Schwäche für Pizza.

Wie ein Schalter, der plötzlich umgelegt wird, tauchte vor seinem inneren Auge die Szene auf: er sass mit Tala im Restaurant, ass Pizza und trank Rotwein. Ein Knurren entwich Kais Kehle und irritierte einen vorbeigehenden Passanten, doch der Halbrusse bog schon um die nächste Ecke.
 

Unbewusst spielte Kai mit dem Smartphone in der Hosentasche. Er hatte das lästige Gerät nach der letzten Nachricht Talas auf stummgeschaltet – doch in diesem Moment vibrierte es kurz.
 

Kai schaffte es, die Nachricht zu ignorieren, bis er wieder in seine Wohnung war. Ignorieren, das ist die richtige Strategie, dachte er. Er leerte seine Hosentaschen und legte den Inhalt auf die Kommode im Eingangsbereich. Sein Blick fiel auf das Foto, das er seit dem Briefkastenbesuch mit sich herumtrug. Unentschlossen spielte er damit herum, bis er es schliesslich mit einem Magneten an den Kühlschrank hängte. Allerdings mit dem Code nach vorne.
 

Er seufzte. Diese Einsamkeit ödete ihn wirklich an. Aber musste seine einzige Gesellschaft ausrechnet die des Rotschopfs sein? Dating-Apps sagten Kai nicht zu, aber vielleicht war der richtige Zeitpunkt gekommen dem Mist noch eine Chance zu geben.

Resigniert holte er sein Smartphone von der Kommode und entsperrte es. – Die Nachricht hatte er zwischenzeitlich vergessen. Nach dem Entsperren öffnete sie sich automatisch. Ein weiteres Foto – von Tala, in der Sauna, das Handtuch, das Tala um die Hüften gewickelt hatte, lag locker über seinen Schultern. Kurz vor der Körpermitte war das Bild abgeschnitten. Mistkerl,dachte Kai mit hochrotem Kopf und verwarf die Idee mit den Dating-Apps wieder.“

Kapitel 5

Kapitel 5

In der folgenden Woche hatte Kai seinen Plan, Tala zu ignorieren in die Tat umgesetzt. Der Russe war jedes Mal da, wenn er zum Training kam, – oder kam kurz darauf. Langsam fühlte Kai sich regelrecht gestalkt. Er hatte absichtlich keine feste Trainingszeit. Mal kam er am Morgen, mal am Mittag. Nur halbherzig gab er zu, dass ihm die Aufmerksamkeit gefiel.
 

Ausser anzüglichen Blicken liess Tala ihn in Ruhe. Kai zog sein Training eisern durch. Immer in Sichtweite der eisblauen Augen. Auch Kai behielt den Russen immer im Blick.
 

Es war später Nachmittag am Freitag, als Kai das Studio, wie üblich, bereits mit Kopfhörern auf den Ohren betrat. Er liess seinen Blick durchs Studio schweifen, aber ihm fiel kein Rotschopf auf. Schulterzuckend ging er in die Umkleide und dann zu den Ausdauergeräten. Da fiel ihm Tala doch ins Auge. Er sicherte den Trainierenden bei der Langbank ab. Und auf der Bank lag Bryan, der eine Hantel in die Höhe stemmte.
 

Bryan trainiert auch hier?, schoss es Kai durch den Kopf. Tala wirkt professionell, sprachen seine Gedanken weiter. Verdammt, warum interessiert mich das überhaupt? Kai war nicht klar gewesen, dass er seit über zwei Minuten im Studio stand und die beiden anstarrte. Erst als das eisblau von Talas Augen ihn fixierte, erwachte er aus seiner Trance.
 

„Das ist der Letzte!“, war Talas Stimme zu vernehmen. Bryan ächzte und stiess die Hantel ein weiteres Mal in die Höhe. Als wäre sie federleicht, nahm Tala ihm die Langhantel ab und legte sie zu den anderen Gewichten.
 

Kai hatte seine Übungen inzwischen vergessen. Seine Konzentration war in Urlaub gefahren. Sein Fokus galt Tala. Ihm war heiss. Der Rothaarige strich gerade über Bryans Brust und lächelte dabei. Dass der Weisshaarige Tala irritiert ansah, entging Kai. Erst als Bryan sich aufsetzte, mit einem Handtuch den Schweiss abwischte und Kai zuwinkte, setzte sich Kai in Bewegung und ging auf die beiden zu.
 

„Hey Kai, du trainierst jetzt also hier?“, fragte der Weisshaarige. „Tala hat das nicht erwähnt“, setzte er mit einem forschenden Blick zum Rotschopf hinzu.

Tala lächelte unschuldig. „Hab ich wohl vergessen.“

Bryan schaute noch verwirrter und stand auf. „Kai, wir gehen nachher noch was trinken, willst du mit?“

Kai schüttelte den Kopf.

„Komm schon, ist lange her – wäre doch nett, mal wieder Zeit zusammen zu verbringen.“ Ein erneuter Blick in Talas Richtung.

„Der Kleine verträgt doch nichts. Ausserdem…“, Talas Blick wanderte zu Kai: „ist er dazu viel zu feige.“

Kais Augen verengten sich. Er packte sein Handtuch und ging zu den beiden Russen. „Zu feige, ja? Ich ertrage deine Anwesenheit schon hier. Da kommt es auf eine Stunde mehr oder weniger auch nicht an.“

Tala beugte sich zu dem Kleineren vor, keine Hand passte mehr zwischen ihre Gesichter. „Ach ja, übernimm dich aber bloss nicht, es könnte“, er überlegte, „anstrengend werden.“

Kai schluckte, wich aber nicht zurück. Diese Blösse würde er sich nicht geben. „Ich komme mit, scheinst ja ausser deinem Lover da nicht viele Freunde zu haben.“

Bryan verfolgte das Gespräch und wirkte nun eher amüsiert als verwirrt.

„Ich geh duschen, dann können wir los“, verkündete Kai und marschierte zu der Umkleide.
 

Manchmal ist er zu leicht zu manipulieren, dachte Tala.
 

„Tala“, sagte Bryan, „du weisst schon, dass ich bei Lisa in festen Händen bin oder? Ich kann – und will – nicht wieder als dein Notfallfick herhalten.“

Der Rothaarige grinste breit. „Natürlich. Aber er weiss das ja nicht. Spiel mit, ja? Der alten Zeiten wegen.“

Bryan stöhnte genervt. „Muss das sein? Ich mag Kai und du bist doch schon seit Jahren hinter ihm her.“

„Deswegen“, antwortete Tala. „Aber…“, er grinste wölfisch, „ich will, dass er zu mir kommt.“

Bryan legte sich sein Handtuch über die Schultern. „Ihr habt doch beide einen Knall. Einen Drink, dann bin ich weg.“

„Geht auf mich!“, rief der Rothaarige Bryan nach, als dieser Kai in die Umkleide folgte.
 

*
 

Etwas später sassen die drei in einer kleinen schummrigen Bar. Kai trug noch seine Jogginghose, da er keine anderen Klamotten dabei hatte. Ihm war sein Aufzug unangenehm, deshalb hatte er sich auf eine Bank in die Ecke gesetzt. Das schwarze T-Shirt ging ja klar.

Bryan sass ihm gegenüber und studierte die Karte.

„Lass das Lesen, das strengt dich nur an“, meinte Tala, als er drei Gläser auf dem Tisch abstellte.

Bryan roch an einem. „Vodka Lemon? Ist es dafür nicht etwas früh?“

„Ach was, es ist Freitag“, antwortete Tala und umfasste dabei Bryans Kinn. „Lass uns Spass haben.“

Bryan liess die Behandlung geschehen. „Ich will einen Strohhalm.“

Tala fuhr über Bryans Unterlippe. „Klar, ich hol dir einen. Möchte die Prinzessin vielleicht auch einen? Oder etwa ein süsses Schirmchen?“, fragte der Rothaarige an Kai gewandt. Er fummelte noch in Bryans Gesicht herum, aber sein Blick galt Kai.

Talas Augen waren dunkler als sonst. Der durchdringende Blick liess Kai an der Bank festkleben und seine Handflächen schwitzig werden. Angewidert hatte er die Interaktion der beiden beobachtet. Angewidert, eifersüchtig und fasziniert. Nichts davon war in seinem Gesicht zu lesen. Und nichts davon gestand er sich auch nur eine Sekunde lang selbst ein. Sein Blick schweifte zu den Gläsern.
 

„Danke, ich brauch nichts.“, sagte Kai trocken und leerte den Drink in einem Zug. Auffordernd hielt er dem Rothaarigen das Glas vor die Nase.

Tala liess von Bryan ab. „Da hab ich wohl schlafende Hunde geweckt“, grinste er und nahm Kai das Glas ab. „Übernimm dich bloss nicht, Hiwatari.“ Gemütlich schlenderte er zurück an die Bar.
 

Bryan wischte sich gerade über den Mund als er vonKais roten Augen fixiert wurde. Dem Blick ausweichend nippte er an seinem Drink. Kai schwieg.
 

„Ist was?“, fragte Bryan schliesslich.

„Was soll sein?“, fragte Kai zurück.

„Keine Ahnung, du schaust mich an, als würdest du meinen Kopf am liebsten auf der Tischplatte zertrümmern.“

Kai blinzelte. „Ach nichts. Wie gehts dir?“

„Smalltalkfähig, wenn auch wenig überzeugend.“ Bryan grinste und setzte sein Glas ab.

„Eine Antwort wäre hilfreicher gewesen“, fand Kai kühl.

Bryan seufzte. „Mir gehts gut. Hab einen netten Job bei einer Finanzberatung. – Viel zu tun. Deshalb komm ich nur selten dazu in Talas Studio zu trainieren.“

Kai konnte die Überraschung in seinen Augen nicht verbergen. „Talas Studio?“

„Ja, Talas Studio“, bestätigte Bryan. „Wusstest du nicht, dass es ihm gehört? Er hat eine nette Wohnung, gleich in der Etage darüber.“

Kai verschränkte die Arme vor der Brust und lehnte sich zurück. „Ach was.“

Wir dürfen die Kunden nicht ohne Instruktion an die Geräte lassen… erinnerte er sich. Mistkerl, dachte er und schnaubte.
 

„Was treibst du so?“, fragte Bryan. „Ist still um dich geworden.“

Kais Blick heftete sich an den am Tresen lehnenden Tala, der sich mit der Barkeeperin unterhielt. „Ach nichts besonderes.“ Ein leichtes Grinsen stahl sich auf Kais Lippen. „Mein Leben wurde in der vergangenen Woche gerade wieder etwas… interessanter.“
 

Bryan folgte dem Blick des Halbrussen und zog eine Augenbraue hoch. Idioten, dachte er sich und nippte erneut an seinem Drink, um ein Lächeln zu unterdrücken.
 

Ein Glas mit Strohhalm und Cocktailschirmchen wurde vor Kais Nase abgestellt. „Bitte sehr“, sagte Tala. Dabei schob er Bryan den zweiten Strohhalm zwischen die Lippen. „Nun würde ich mich aber auch gerne setzen, ich bin nicht euer Laufbursche.“ Damit platzierte sich der Russe neben Kai – viel näher als nötig.

Der Rothaarige begann eine Unterhaltung mit Bryan über Muskelaufbau, während er seinen Oberschenkel wie zufällig gegen den von Kai drückte.

„Ist es bequem?“, fragte Kai säuerlich.

Tala wandte ihm den Blick zu. Seine Augen blitzten. „Ja, danke für deine Rücksicht. Warum? Ist dir zu warm?“

Lässig nahm Kai das Schirmchen zwischen Daumen und Zeigefinger und warf es Tala ins Gesicht. Kommentarlos nahm er einen Schluck von seinem Drink und wandte den Blick von dem Rothaarigen ab.
 

Die Bar füllte sich. Alt und jung tummelten sich hier. Tala führte derweil sein Gespräch mit Bryan weiter. Erst als der Rothaarige abrupt das Thema wechselte, kehrte Kais Aufmerksamkeit zu den beiden zurück.

„Na Bryan, vergnügen wir uns nachher noch in der Horizontalen?“, fragte Tala gerade und leckte sich lüstern über die Lippen. Kais Hände krampften sich leicht um sein Glas, doch sein Blick blieb stur auf die Tischplatte gerichtet.

Zu Kais Überraschung ging der Weisshaarige nicht auf Talas Anmache ein.

„Sorry… ähm, heute nicht.“ Er stellte sein leeres Glas auf den Tisch.

„Ich geh dann mal, viel Spass noch euch zweien. Kai, hat mich gefreut dich zu sehen.“

Er steckte ihm die Hand hin um sich zu verabschieden. Kai schlug ein. „Mich auch, Bryan.“

Etwas unsicher stand Bryan vor Tala. „Bis dann…“ brachte er schließlich hervor.

Tala packte ihn blitzschnell am Kragen und zog ihn zu sich heran. Ein kurzer Biss in die Unterlippe, und er ließ ihn wieder los.
 

Bryan schüttelte den Kopf, sichtlich verstört verliess er das Lokal. Kai sass still, sein Herz hämmerte, und ein widerwilliges Kribbeln fuhr ihm durch den Körper – Talas Dreistigkeit brachte ihn aus der Fassung, mehr als ihm lieb war.
 

*
 

Etwas verloren blieben Tala und Kai zurück. Doch der Russe fing sich schnell wieder. Er drehte sich Kai zu. „Also nur noch wir beide.“ Dabei strich er mit seiner linken Hand über Kais Oberschenkel.

Kai schlug die Hand weg. „Lass den Mist du Perversling.“ Seine Stimme war belegt. Den Kopf hatte Kai auf die Hand gestützt. Mit der anderen hielt er den Drink, aus dem er abermals einen kräftigen Schluck nahm.

Tala liess sich von der kalten Fassade nicht beeindrucken. Er musterte den Kleineren. „Mit dir kann man sich echt schlecht amüsieren“, stellte Tala fest.

„Hättest halt wen anders mitnehmen sollen, wenns dir nicht passt“, meinte Kai gelangweilt.

Tala trank ebenfalls einen Schluck. „Nein danke. Ich bin mit der Gesellschaft ja nicht unzufrieden. Aber… etwas mehr Action würde ich mir schon wünschen.“ Wieder begab sich Talas Hand auf Wanderschaft. Er strich den Innenschenkel des Halbrussen entlang. Erst als er den drohenden Seitenblick von Kai bemerkte stoppte er.
 

„Wag es nicht, Tala.“ Kais Stimme war leise aber noch immer belegt.
 

Ist er angetrunken?

Wunderte sich Tala. Mit einem Blick auf Kais Glas stellte er fest, dass dieser nun den zweiten Drink intus hatte. Unvermittelt erhob sich der Rothaarige. „Na gut, noch ein Drink und dann geb ich mich zufrieden.“ Ohne eine Antwort abzuwarten, ging er erneut zur Bar.
 

Kais Augen waren schwer. Sein Blick glitt über die anderen Gäste ohne sie wirklich zu sehen. Ich hätte nicht auf leeren Mangen und nach dem Training trinken sollen. Warum hab ich mich nur dazu breitschlagen lassen? Sein Blick glitt zu Tala, er musterte dessen breiten Rücken und die schmale Hüfte. Seine Augen glitten über die definierten Beine, den Muskulösen hintern. Verlangen kam in ihm auf. Ach, dachte Kai, deswegen. Verdammte Scheisse. Nur mit Mühe riss er den Blick wieder los.
 

Wenig später stand der dritte Drink vor Kais Nase, diesmal mit violetter Palme und Flamingo-Strohhalm. Mit hochgezogener Augenbraue musterte Kai das Glas, zudem sich ein weiteres, kleines gesellte.

„Du hast nichts von einem Kurzen gesagt“, warf er dem Russen vor, der sich wieder neben ihn setzte.

„Nein“, bestätigte Tala achselzuckend. „Du hast ja auch nicht gefragt.“ Er hielt Kai seinen eigenes Shotglas hin.

„Angst? Ich kann es dir auch einflössen, wenn du willst?“, er leckte sich wieder über die Lippen und fixierte Kais Augen. Sie waren glasig, dunkel, unergründlich.
 

Ohne anzustossen kippe Kai den Alkohol hinunter. Es schüttelte ihn kurz. Dann schnappte er die Palme aus seinem Drink, leckte provokativ an dem Holzstäbchen entlang und platzierte das Dekor in Talas Shotglas.

„Angst? Wovor?“, meinte er kühl. „Selbst ein Welpe würde sich vor dir nicht fürchten. Du spuckst nur grosse Töne.“

Talas Grinsen wurde wölfisch.

„Nein, fängt die Prinzessin etwa an zu spielen? Ich kann meinen Worten gerne Taten folgen lassen, aber ich bezweifelte, dass du das aushalten kannst.“
 

Kai schluckte. Er war in dem Blick seines Gegenübers gefangen. Tala leerte seinen Kurzen ohne mit der Wimper zu zucken. Dabei liess er Kai nicht aus den Augen. Dieser intensive Blick liess Kai nicht los. Er versuchte etwas von Tala wegzurutschen, aber da war die Wand. Ihm wurde abwechselnd heiss und kalt. Verdammter Alkohol, schoss es ihm durch den Kopf.

Wie zufällig rutschte Tala nach. Er klaubte die Palme aus seinem glas und drehte sie zwischen Daumen und Zeigefinger. Talas Gesicht kam näher. Kai spürte den heissen Atem auf seinen Lippen, roch den Schnaps, den der Grössere eben getrunken hatte und spürte wie sich sein Hirn zunehmend vernebelte.
 

„Du musst“, hauchte Tala, „mich nur darum bitten.“ Seine Worte waren ein flüstern, doch in Kai hallte jedes Wort wie ein Echo wieder. Talas Lippen waren nur Millimeter von seinen entfernt. Er fragte sich wie er wohl schmecken würde, wie es sich wohl anfühlen könnte sie auf seinen zu spüren, sie mit seiner Zunge zu necken.

„Ich sehe schon, wir sind bald soweit.“ Das diabolische Grinsen auf Talas Gesicht riss Kai aus seinen Gedanken.

„Träum weiter“, fand er schwach und zog seinen Drink heran.
 

Die Bässe hämmerten in Kais Kopf. Eine Unterhaltung war bei dieser Lautstärke nichtmehr möglich. Er wollte nach Hause, da er mehr als genug getrunken hatte und die Nähe zu Tala kaum noch ertrug. Gänsehaut überzog seinen ganzen Körper. Ein Blick auf sein halbleeres Glas verriet ihm: Der Rotschopf würde ihn wohl kaum kampflos gehen lassen. Also nahm er einen weiteren Schluck.

Sein Blick glitt in den hinteren Teil der Bar, wo sich eine kleine Tanzfläche befand. Einige Körper bewegten sich rhythmisch darauf, waren aber nur schemenhaft durch die blinkenden und farbwechselnden Lichter zu erkennen.
 

„Ich geh tanzen“, verkündete Kai und stemmte sich gegen Tala, damit dieser ihm aufstehen liess. Wie lange hatte er nicht getanzt? Aber so kam er zumindest von dem Rothaarigen weg und konnte sich etwas bewegen – und wieder Atmen.
 

Sichtlich erfreut rutschte Tala zur Seite und liess Kai aufstehen. Der drehte sich um und stiess mit dem Zeigefinger gegen Talas Brust. „Ich tanze alleine“, verkündete er mit träger Stimme, griff an Tala vorbei zu seinem Glas und leerte auch diesen Drink. 
 

Eisblaue Augen verfolgten, wie Kai, leicht wankend, zur Tanzfläche schlurfte.

Tanzen? In deinem Zustand wird es eher ein torkeln.

Dachte er bei sich und nahm einen Schluck ohne Kai aus den Augen zu lassen.
 

Es war wie ein Rausch als Kai die kleine Tanzfläche betrat. Die Körper, die Lichter, der Geruch und der hämmernde Bass bohrten sich in sein Bewusstsein. Für den Augenblick verdrängten sie alles andere aus seinem Kopf – fast alles. Talas Augen blitzten immer wieder in seinen Gedanken auf und schienen sich in die tanzenden Lichter einzufügen. Er begann sich zu bewegen. Die Jogginghose, die er noch immer trug war vergessen. Sein Aufzug war ihm so egal wie der Rest der Welt. Im Takt der Musik fügte er sich in die wogende Menge ein und liess sich treiben.
 

Minutenlang lehnte Tala an einer Wand im Schatten. Fasziniert betrachtete er Kai, der sich ungezwungen auf der Tanzfläche bewegte. Talas Drink war inzwischen ebenfalls leer und er stellte das Glas auf eines der Runden Tischchen am Rand.
 

Er hatte sich geirrt – was selten vorkam. Kai bewegte sich nicht torkelnd, im Gegenteil, er tanzte gut und zog – für Talas Geschmack – bei weitem zu viel Aufmerksamkeit auf sich. Ihn umgab ein Hauch von Erotik.
 

Tala fing seinen Blick auf. Kai hatte ihn entdeckt. Seine roten Augen glühten und schienen aus dem Dämmerlicht herauszustechen. Wie fremdgesteuert bewegte sich Tala auf ihn zu.

Leicht strich er an Kais Seiten entlang und stellte sich hinter ihn. Er nahm seinen Tanzrhythmus auf und ihm die Hände an die Hüften.

Hitze durchzuckte Tala, als Kai seinen Hintern gegen ihn stiess und den Kopf nach hinten warf. Talas Verlangen brannte wie Lava in seinem Innern. Kai grinste ihn überlegen an während er sich zu ihm umdrehte. Unvermittelt presste Kai sein Bein gegen Talas Schritt und packte ihn an den Haaren. „Wer“, flüsterte er ihm zu, „will hier wen?“
 

Dann presste Kai seine Lippen auf Talas. Kais Kuss war fordernd. Ohne Scham glitt seine Zunge in Talas Mund und erkundete ihn. Seine Hand grub sich tiefer in die Haare und die Leidenschaft Kais erfüllte Talas ganzen Körper. Sekunden, Minuten später beendete Kai den Kuss.

„Danke für die Drinks.“ Dann verschwand er und liess Tala stehen. 
 

Sekundenlang war Tala völlig perplex. Dann fing er sich, leckte sich über die Lippen und dachte:

Dass, lieber Kai… das frage ich mich langsam auch.

Kapitel 6

Kapitel 6

Die Aspirintablette sprudelte im Wasserglas. Kai beobachtete wie die Bläschen an die Oberfläche trieben.

Ich hab Tala geküsst, wiederholte er gedanklich zum unzähligsten Mal.

Sein Blick schweifte durch die penibel saubere Küche und blieb an dem Zettel mit dem Code hängen.

Ich hab ihn geküsst und will es wieder tun, seine Gedanken kreisten.

In der Hoffnung die hämmernden Kopfschmerzen zu vertreiben stürzte er das Aspirin in einem Zug hinunter.

Hätte ich mal besser einen Kochkurs besucht, dachte er als er das Glas in der Spülmaschine verstaute.

Dann hätte ich mir diese Blösse nicht gegeben. – Verdammter Tala.

Damit nahm er den Zettel vom Kühlschrank, drehte in um und pinnte das Foto wieder daran.
 

*
 

Ein zerknitter aussehender Tala betrat sein Fitnessstudio.

Lisa, musterte ihn belustigt. „Na, wie war dein Abend?“, fragte sie unschuldig.

„Hast du nichts zu tun?“, gab Tala zerknirscht zurück.

„Doch!“, antwortete sie säuselnd. „Ich muss mich um meinen Chef kümmern.“

Resigniert kramte Tala in einer Schublade.

„Bryan hat gestern erzählt…“, ein scharfer Blick aus den Eisaugen traf die Blondine. „Dass du und Kai ganz schön anstrengend seid.“

„Ach was?“, antwortete Tala knapp.

„Du magst ihn?“, fragte Lisa weiter.

Tala fand das Gesuchte und schluckte eine Kopfschmerztablette.

„Nein.“ Antwortete er nach einer viel zu langen Pause.

„Bryan meint du stündest schon länger auf ihn…“

„Bryan“, sagte Tala lächelnd, „ist ein liebeskranker Idiot.“

Lisa lächelte verträumt. „Wenn du es zugeben würdest, wärst du gar nicht so ein Arsch, sondern ein wirklich toller Freund. Zeig das doch mal deinem Schwarm.“

Sie zwinkerte Tala zu und ging zur Kundschaft.
 

Der Russe schaute ihr nach.

Ein wirklich toller Freund. Tja dumm nur, dass ich von Kai sehr viel mehr möchte als Freundschaft. Er stützte sich mit den Ellenbogen auf den Tresen ab und legte seinen Kopf in die Hände. Verdammt was für ein Kuss.
 

An diesem Tag arbeitete Tala wie auf Automatikbetrieb. Er schwatzte zwar mit der Kundschaft, korrigierte Übungen und gab Ratschläge zur Ernährungsberatung, aber seine Gedanken schienen auf Wanderschaft zu sein.

Es war schon Abend, als sich Lisa neben ihn stellte. Ohne die Tür wirklich zu sehen, beobachtete Tala den Eingang, wie schon den ganzen Tag.
 

Weiss er noch von dem Kuss?

Talas Geist rotierte.

Hat es ihn auch so aus der Fassung gebracht? Soll ich ihn anrufen?
 

„Tala?“
 

Der Angesprochene blinzelte und richtete seinen Blick auf Lisa.
 

„Ich hab dich gerade zum dritten mal gerufen.“ Die Blondine lächelte.

„Du bist heute wirklich nicht zu gebrauchen. Geh nach oben.“

Ihr Ton war tadelnd, aber es schwang Belustigung darin.
 

Tala fuhr sich durch das rote Haar.

„Ja, du hast ja recht. Sorry. Morgen bin ich wieder ganz da.“

„Natürlich“, antwortete Lisa gelassen.
 

Tala ging in Richtung der Treppe.

„Ach und Tala?“, hallte Lisas Stimme ihm nach. Der Russe drehte sich halb um.

„Schreib ihm – aber freundlich!“, lachte die Blondine, während sie die Theke aufräumte.
 

*
 

In der Wohnung angekommen legte sich Tala auf die Couch. Seine Hand schob das Smartphone gedankenverloren hin und her, während sein Blick durchs Wohnzimmer schweifte.

Eine halbleere Chipstüte lag auf dem Couchtisch. Daneben eine leere Plastikflasche eines Sportgetränks. Auf der Kommode an der Wand, lagen Dokumente auf denen Ernährungspläne unordentlich gestapelt waren. Eine Zimmerpflanze, die gerne mal wieder Wasser gehabt hätte, stand daneben.

Talas Blick glitt über die Pinnwand mit Fotos neben dem Fernseher. Verschiedene Selfies mit Freunden, ein Foto von der Studioeröffnung und ein Teambild der Demolition Boys. Talas Blick glitt in die linke, obere Ecke. Ein Bild von Kai. Er hatte es auf der Website der BBA gesehen. Es stammte von Kais letztem Interview. Kai lehnte an der Wand, die Arme vor der Brust verschränkt.
 

Wie der Fotograf es wohl geschafft hat ihn dazu zu überreden?
 

Die Pose und der bohrende Blick waren so sehr Kai, dass Tala nicht widerstehen konnte und das Bild ausgedruckt hatte.
 

Er setze sich auf und entsperrte sein Smartphone. Der Kontakt Kai Hiwatari hatte in der Chat App noch immer ein graues Männchen.

Er hat meine Nummer also nicht gespeichert.

„Schreib etwas nettes“, sagte er halblaut zu sich.

Er überlegte kurz und tippte schliesslich:
 

'du tanzt überraschend gut'

in das Chatfenster von Kai und sich ein.

Nach einer weiteren kurzen Pause drückte er auf 'senden'.
 

Er wollte das Gerät gerade auf die ohnehin schon überfüllte Kommode legen, als es sich überraschend mit einem 'Ping' meldete.
 

'und du küsst überraschend schlecht'
 

Kai hatte geantwortet. Ein Funkeln lag in Talas Augen. Triumph und ehrliche Freude.
 

'oh, dann schulde ich dir wohl eine bessere Demonstration' tippte Tala rasch.
 

Erwartungsvoll starrte er auf das Display – minutenlang. Dann, wieder das 'Ping'.
 

'träum weiter'
 

Auf dem Anzeigebild war ein Foto aufgetaucht. Ein Foto von Kai, der mürrisch in die Kamera schaute. Er hatte Talas Nummer gespeichert.
 

*
 

Die Woche verging für Tala, als wäre sie aus zähem Schleim. Kai hatte sich im Studio nicht blicken lassen und seit der SMS herrschte Funkstille. Tagelang hatte er Bryan dazu bearbeitet sich seinem Plan anzuschliessen. Am Donnerstag war es dann soweit.
 

„Warum?“, fragte Bryan genervt, „muss ich nochmal mit?“

Tala, der drei Pizzakartons trug seufzte.

„Weil er mir die Tür wieder vor der Nase zuschlagen würde.“

Bryan betrachtete die Rotweinflasche und antwortete:

„Na frag dich mal warum. Ihr seid sowas von anstrengend. Ich hätte den Abend auch mit meiner Freundin verbringen können, anstatt mit euch Idioten abzuhängen.“

Tala grinste und stiess mit der Hüfte gegen Bryan. „Du bist eben ein wahrer Freund.“
 

*
 

Die Türklingel schrillte zum dritten Mal. Genervt stand Kai von der Couch auf und drückte auf die Gegensprechanlage. „Was?“, schnarrte er bissig in das Mikrophon.
 

„Pizza“, kam die prompte Antwort von Bryan.
 

Was will der hier? Und warum bringt er Pizza mit?

Nach kurzem Zögern, drückte er den Knopf, der die Tür unten öffnete.

Seine Wohnungstür machte nur er einen Spaltbreit auf.

Wenig später trat Bryan, eine Rotweinflasche in der Hand in seinem Sichtfeld. Dahinter Tala, beladen mit drei Pizzen. Kais Blick wanderte über Bryan, zu den Pizzaschachteln und blieb schliesslich an dem Rothaarigen kleben.
 

„Du schon wieder“, murrte er Tala entgegen.

Tala grinste spöttisch. „Du siehst auch gut aus.“

Kais Augen verengten sich leicht.

„Mach mal Platz!“, klinkte sich Bryan ein, riss die Tür auf und drückte sich an Kai vorbei in die Wohnung. „Danke, dass du uns hereingebeten hast“, warf er Kai noch über die Schulter zu, während er sich die Schuhe auszog.

„Wenn du anfängst zu reden“, drohte Kai an Tala gewandt, „schmeiss ich dich eigenhändig raus.“ Dann trat er einen Schritt zur Seite und liess Tala, inklusive Pizza, hinein.
 

„Nette Bude“, stellte Bryan beeindruckt fest. Interessiert schaute er sich um und entdeckte ein gerahmtes Foto der 'Demolition Boys' an der Wand. Er ging darauf zu und betrachtete das Bild lächelnd. „Mann ist das lange her. Wir sahen gut aus.“ Er stemmte die Hände in die Hüften und sah sich weiter um.
 

Tala fläzte sich derweil auf Kais Couch. Die Pizzen hatte er auf dem Holztischchen vor dem Sofa deponiert.

„Machs dir nicht zu gemütlich“, warnte Kai und schloss die Tür. Der Halbrusse setzte sich demonstrativ weit von Tala entfernt hin.

„Salami oder Peperoni?“, fragte Tala und sortierte die Pizzen.

„Salami“, fand Kai knapp.

Der Russe schob ihm die Schachtel zu. „Du musst schon näher kommen, um zu essen.“

Kai murrte, aber die Pizza überzeugte ihn schliesslich.
 

„Lasst mir was übrig!“, rief Bryan den anderen zu.

Tala rollte mit den Augen. „Keine Angst, dein widerliches Sardellenzeug frisst dir ohnehin keiner weg.“ Er schob Bryans Pizza auf die andere Seite.

„Hast du Weingläser und einen Flaschenöffner?“, fragte Bryan an Kai gewandt, während er zur offenen Küche ging.

Kai kaute geniesserisch. Lecker, dachte er. „Zweite Schublade. Die Gläser stehen links neben dem Kühlschrank“, sagte er zwischen zwei Bissen.
 

Schnell hatte Bryan den Flaschenöffner gefunden. Er entkorkte den Wein und entsorgte den Abfall ordentlich im Müll. Meine Güte, Kai ist so ordentlich wie früher, dachte er lächelnd. Mit der geöffneten Flasche in der Hand sah er sich nach den Gläsern um. Da zog ein einzelnes Foto am Kühlschrank seine Aufmerksamkeit auf sich. Darauf war Tala zu sehen – oben ohne.

Der grosse Russe unterdrückte ein lautes auflachen. Er konnte sich lebhaft vorstellen, wie Tala sich lasziv geräkelt hatte und Kai dann dieses Bild zugespielt hatte.

Die Beiden sind wirklich zwei unverbesserliche Idioten. Fahren voll aufeinander ab, kriegen es aber trotzdem nicht auf die Reihe.

Kurzerhand beschloss er Kai etwas in die Bredouille zu bringen. Er schnappte sich drei Gläser und ging ebenfalls zur Couch.

Tala und Kai hatten ihre Pizzen schon halb verschlungen.

„Wie nett“, bemerkte Bryan, „dass ihr mit dem Essen gewartet habt.“ Er stellte die Gläser ab und goss Wein ein.

„Kai?“, fragte er in die Stille.

Der Angesprochene warf ihm über das Pizzastück einen Blick zu. Seine Aufmerksamkeit galt eindeutig mehr dem Essen.

„Warum“, Bryan grinste neckend, „hängt an deinem Kühlschrank ein halbnacktes Bild von Tala?“
 

Kai hustete. Er hatte sich an der Pizza verschluckt. Mist, schoss es ihm durch den Kopf. Er musste Tala nicht ansehen. Er wusste, dass dessen Grinsen kaum noch breiter werden konnte. Er wusste, dass die eisblauen Augen voller Triumph und Genugtuung leuchteten.
 

„Ist der Code vom Gym“, bemerkte Kai, bemüht gleichgültig. „Keine Ahnung ob der da“, er deutete mit dem Daumen auf Tala, „jedem eine solche Visitenkarte schickt.“

Um den Moment zu überspielen schnappte sich Kai sein Weinglas und trank einen grossen Schluck. Mit gespielt kühler Mine widmete er sich dann wieder der Pizza. Er vermied es aber Tala anzusehen.

„Natürlich“, grinste Bryan und fing nun ebenfalls an zu essen.
 

Tala klappte seine Pizzaschachtel zu und erhob sich. „Ich geh mal aufs Klo“, verkündete er.

Aus dem Augenwinkel beobachtete Kai den Grösseren. „Erste Tür rechts“, bemerkte er knapp, bevor er seinen Blick auf Bryan richtete.
 

Als Tala ausser Sicht- und Hörweite war klappte Kai seine leere Schachtel ebenfalls zu. Er nahm sein Glas und fixierte Bryan. „Was läuft da eigentlich zwischen euch?“, fragte er ohne Umschweife.

Überrascht sah Bryan auf und wischte sich mit dem Unterarm über den Mund. „Nichts.“

Kais Augenbraue hob sich fragend.

Bryan atmete etwas genervt aus, als er seine Aussage weiter ausführte.

„Überhaupt nichts“, setze er nach, „Schon seit mehr als einem Jahr. Ich hab ne feste Freundin. – Lisa, aus dem Fitnessstudio.“
 

Überraschung blitzte in Kais Augen auf. Er verschränkte die Arme vor der Brust. „Das sah aber in der Bar kürzlich anders aus.“

Resigniert legte Bryan sein Pizzastück hin und schaute Kai direkt an. „Sag mal, du merkst auch nichts, was? Der Psycho wollte dich provozieren und ich hab eben mitgespielt, der Freundschaft wegen.“
 

Und ich Trottel bin voll darauf reingefallen, Scheiss-Tala.

„Ihr seid doch nicht ganz dicht.“ Kais Ton war kühl, aber versöhnlicher. Er hatte Bryan immer gemocht, gerade wegen der eisernen Loyalität des Weisshaarigen. Tala hatte einen so guten Freund eigentlich nicht verdient.

Bryan grinste belustigt. „Na das sagt der Richtige.“
 

„Also du und Lisa?“, durchbrach Kai die Stille.

Bei der Erwähnung des Namens glänzten Bryans Augen. „Ja, sie ist eine Wucht. Vielleicht verstehst du jetzt warum ich eigentlich keine Lust dazu habe den Abend mit euch zwei Pappenheimer zu verbringen.“
 

*
 

Das Badezimmer war ebenso aufgeräumt wie der Rest der Wohnung. Schamlos öffnete Tala den Spiegelschrank und betrachtete den Inhalt. Nichts Interessantes, stellte er fest und schloss ihn wieder. Er öffnete die Tür zum Flur und schloss sie geräuschlos wieder. Aus dem Wohnzimmer drangen leise die Stimmen der Anderen.

Der Russe beschloss seine Erkundungstour fortzusetzen. Da die Wohnung nur aus zwei Zimmern, Bad und Küche bestand, war das Objekt seiner Neugierde – das Schlafzimmer – schnell gefunden. Ohne zu zögern öffnete Tala die Tür zu Kais privatem Schlafraum.

Grautöne mit Akzenten von Dunkelblau dominierten den Raum. Ein grosses Bett stand darin und von der Fensterfront aus hatte man einen fantastischen Ausblick auf die Stadt.

Hemmungslos ging Tala zum Nachttischschränken und öffnete die Schublade. Ein Buch, offenbar ein Krimi, Taschentücher und ein Ladegerät kamen zum Vorschein. Langweilig, dachte der Rothaarige. Spannender war das schlichte Regal auf der anderen Seite, zwischen Bett und Fenster. Tala strich über das Gemachte Laken und umrundete Kais Schlafstätte. Auf dem Regal standen zwei weitere gerahmte Bilder. Kai mit den 'Bladebreakers' und wieder die 'Demolition Boys'.
 

Tala erinnerte sich an den Abend. Es war kurz vor dem Turnier gewesen. Sie waren alle Essen gegangen. Er hatte zwei identische Anhänger gekauft. Einen hatte er behalten, und den anderen Kai geschenkt. Vermutlich, dachte Tala, war genau das die Zeit, als Kai für mich mehr als ein Freund wurde. Etwas silbernes blitzte neben dem Foto auf und stach Tala ins Auge. – Der Anhänger. In Kyrillischen Buchstaben war das Wort 'Sieg' (победа) eingraviert.

Er hat ihn aufgehoben?

Tala umfasste das gleiche Stück, welches er um den Hals trug.
 

Wusste doch, dass deine kalte Fassade nur Show ist. Ich will diese Fassade nicht nur bröckeln sehen, ich will sie niederreissen.
 

Ein Grinsen, halb gerührt, halb lüstern zeichnete Talas Gesicht. Die Händle lässig in den Hosentaschen vergraben, ging er zurück ins Wohnzimmer.
 

Kais Blick streifte den Rothaarigen, als dieser sich wieder auf der Couch niederliess. Etwas in Talas Mimik machte Kai stutzig. Was heckt er wieder aus? Ohne Tala aus den Augen zu lassen, leerte Kai sein Weinglas und begann dann die Pizzakartons einzusammeln.

„Nettes Schlafzimmer, dein Bett sieht …bequem aus.“ Bemerkte Tala, während er sich auf der Couch zurücklehnte.

Kai, der gerade zur Küche ging murrte zurück: „Schade nur, dass du das nie erfahren wirst.

Er verstaute die Kartons im Abfall und schaltete Musik an. Alles, dachte er, ist besser als Talas Gerede zu ertragen. Er konzentrierte sich auf den Song, dessen pulsierender Bass ihn etwas beruhigte.
 

Als Kai aus der Küche zurückkam erhob sich Bryan. „So ihr beiden. Ich geh dann, im Gegensatz zu euch muss ich morgenfrüh zur Arbeit.“ Der Weisshaarige streckte sich ausgiebig. „Ah und bevor ich es vergesse – hier.“ Er legte einen Zettel auf den Tisch, den sich Tala sogleich schnappte.

„Ein Yoga-Gutschein von Lisa?“, fragte er belustigt. „Für mein eigenes Studio. Ein schlechter Scherz.“

Bryan zog sich seine Schuhe an. „Sie meint ihr beide hättet etwas Entspannung nötig.“ Dabei warf er erst Tala, dann Kai einen vielsagenden Blick zu. Stumm bestätige er Lisas Aussage und warnte die beiden davor seine Freundin zu verärgern.

Mit einem Winken verabschiedete er sich von den Beiden und verliess die Wohnung.
 

Auffordernd blickte Kai zu Tala, der keinerlei Anstalten machte die Wohnung zu verlassen. Kai runzelte die Stirn. „Du hast gegessen, getrunken und meine Privatsphäre missachtet. Denkst du nicht das reicht für heute?“ Er blieb im Raum stehen und verschränkte die Arme vor der Brust. Talas Grinsen nahm wölfische Züge an.
 

Der Russe lehnte sich demonstrativ noch weiter auf der Couch zurück. „Ich wär eher für eine erneute Tanzeinlage deinerseits. Dann kann ich dir auch gleich demonstrieren, dass ich sehr wohl ein guter Küsser bin.“
 

„Raus hier!“, Kais Ton war kühl und gefährlich.

Seufzend erhob sich Tala. „Du gönnst einem auch nicht das kleinste bisschen Spass. Du könntest dich wenigstens für die Pizza bedanken.“
 

Kai folgte dem Grösseren zur Tür und überwachte mit schmalen Augen wie Tala sich die Schuhe zuband. „Ihr wart nicht eingeladen“, meinte er trocken.
 

Tala richtete sich auf und nahm seine Jacke vom Haken. Er machte einen Schritt auf Kai zu, der keinen Millimeter zurückwich. Provokativ langsam zog Tala das Pendant zu Kais Anhänger unter seinem Shirt hervor, welches an einer feinen Silberkette um seinen Hals hing.

„So egal, lieber Kai“, hauchte er dem Kleineren ins Ohr, „wie du immer tust, bin ich dir nicht.“

Damit legte er seine Lippen überraschend leicht auf die von Kai, bevor er auf dem Absatz kehrt machte und die Wohnung verliess.
 

Mit schmalen Augen starrte Kai auf das zugefallene Türblatt an. Seine Lippen kribbelte. Warum, dachte er, lässt es mich nicht einfach kalt? – Elender Tala.

Kapitel 7

Kapitel 7

Kai hatte schlecht geschlafen. Der leichte, fast zärtliche Abschiedskuss von Tala am Vorabend hatte ihn mehr aufgewühlt als die Knutscherei in der Bar. Es hatte auch mehr bedeutet, als ihm lieb sein konnte. Er setzte sich im Bett auf und sein Blick fiel auf den Anhänger.

Diese eine kleine Verbindung.

Kai dehnte seinen Nacken. Seine Anspannung wurde zunehmend körperlich spürbar.
 

Hatten sie sich wirklich all die Jahre immer im Blick gehabt?
 

Dieser elende Teufel, mein Leben wäre sehr viel unkomplizierter ohne ihn, dachte Kai während er aufstand. Nach einem starken, schwarzen Kaffee entschloss er sich dazu, dass körperliche Ertüchtigung das beste Mittel gegen Grübelei war. Der kurze, fast lästige Wunsch, Tala schon jetzt wiederzusehen, ignorierte er.
 

*
 

Kai sah sich unauffällig im Fitnessraum um. Heute war es gut besucht. Den Rotschopf entdeckte er aber nicht.

„Suchst du Tala“, erklang eine melodische Stimme hinter dem Halbrussen.

Kai drehte sich um und schaute in die warmen braunen Augen von Lisa, der Trainerin.

„Ich ähm… nein.“ War seine schwache Antwort.

Lisa lächelte wissend. „Er hat heute einen Termin mit einem Hersteller von Fitnessgeräten. Gegen Abend ist er wieder da.“

Kai zog eine Augenbraue hoch. „Ich hab nicht gefragt“, stellte er fest.

Lisa lachte leichthin. „Hast du nicht? Naja, egal. Jetzt weisst du es.“ Sie winkte ihm und ging zu den Gewichten.

Etwas verwirrt schaute Kai ihr nach. Seine Verwirrung wandelte sich zu leichter Sorge als die zierliche Frau zwei 30 Kilo Hanteln an sich nahm. Er ging ihr nach.

„Brauchst du Hilfe?“, fragte er und machte grosse Augen als die Blondine die Hanteln nicht ohne Anstrengung aber Souverän anhob.

Kai pfiff leise. „Nicht schlecht. Das hätte ich dir nicht zugetraut“, meinte er anerkennend.

Lisa grinste dankend. „Tja, Yoga hilft bei Körperspannung und Atmung. Ausserdem baut es die Tiefeinmuskulatur auf. Das hilft auch beim Gewichte heben.“ Mit leicht zur Seite geneigtem Kopf musterte sie Kai. „Wenn du magst, komm doch heute Abend vorbei – Spätkurs um acht.“
 

Kai überlegte kurz. Die Verfassung Lisas sprach für Yoga. Ausserdem war da der Gutschein, der noch auf dem Couchtisch lag und Bryans Drohung. Vielleicht würden die Übungen mit den komischen Namen ja auch seine Verspannungen etwas lösen. „Gut“, sagte er schlicht. „Ich komme.“
 

„Grossartig!“, rief Lisa aus. „Dann lass das Training aber für heute bleiben. Du wirst als ungeübter Yogi gefordert sein.“

Sie schaute Kai noch nach, der sich ein Getränk aus dem Kühler des Studios schnappte und es dann verliess. Grinsend zog Lisa ihr Smartphone aus der Tasche.
 

'Komm heute Abend in meinen Yogakurs, das wird lustig'

sie fügte noch ein Kuss-Emoji hinzu und schickte die Nachricht an Bryan.
 

'Tala, heute Yoga um 8. Kai kommt auch!'

diese zweite Nachricht versah sie mit einem herausfordernden Smiley und sendete sie ihrem Chef.
 

Vor dem Geschäftstermin hatte sie den Rothaarigen kurz gesehen. In einer Stimmung, wie sie ihn kaum je erlebt hatte. Auf ihre Fragen hatte sie zwar keine klaren Antworten erhalten, aber durch die Erzählung von Bryan konnte sie sich den Rest mehr als lebhaft zusammenreimen.
 

*
 

Tala betrat den Raum für die Gruppenkurse. Etwas verwundert stellte er fest, dass Bryan dabei half die Matten zu verteilen. „Du hier?“, wandte er sich an seinen langjährigen Freund.

Bryan legte die letzte Matte ab. „Das lass ich mir sicher nicht entgehen. Du und Kai beim Yoga? Ich muss noch eine gute Ecke zum filmen finden.“ Er lachte und drückte seiner Freundin einen Kuss auf die Stirn.

„Filmen kostet extra“, scherzte Tala und begann sich auf einer Matte in der hintersten Reihe zu dehnen.
 

Langsam füllte sich der Raum, Lisas Stammkundinnen trafen ein. Tala störte es nicht im Geringsten, dass er, abgesehen von Bryan, der einzige Mann war. Ein Grinsen zuckte über sein Gesicht, wohlwissend, dass Kai diese Tatsache deutlich mehr stören wird.
 

Als letzter betrat Kai den Raum. Mit seiner Jogginghose und dem weiten Shirt, stach er unter den Frauen in engen Yogaklamotten hervor wie ein Pfau unter Enten. Es war für Tala nicht die erste Yogastunde. Häufig hatte Lisa ihn dazu verleitet mitzumachen. Inzwischen wusste er den ruhigen Sport sogar zu schätzen. Daher hatte er sich eine halblange Trainingshose, mit eng anliegender Innenhose sowie ein enges ärmelloses Shirt angezogen. Sein Grinsen hätte kaum diabolischer sein können, als Talas Augen Kai fixierten.
 

Bin gespannt, ob du das durchziehst, Hiwatari.
 

Kai hatte den Raum kaum betreten – da wollte er ihn wieder verlassen. Lisa, die etwas derartiges geahnt hatte, kam ihm aber zuvor.

„Schön, dass du kommst. Da hinten ist noch eine Matte frei… gleich neben Tala.“

Bryan, der sich im Schneidersitz auf einer Matte ganz vorne gesetzt hatte, konnte schon jetzt sein Lachen kaum unterdrücken.

Zerknirscht steckte Kai der Blondine den Gutschein entgegen. „Danke für die Einladung“, murmelte er in einem Ton der vor Sarkasmus triefte. Resigniert stellte er sich auf die ihm zugewiesene Matte.

Das die Frauen, von alt bis jung, sich alle das Lachen ebenso verkniffen wie Bryan, entging dem Halbrussen nicht. Mit – wie er meinte – erhabener Mine wartete er auf den Beginn des Kurses.
 

Während Lisa die Teilnehmer begrüsste und ihr Vorhaben in der Stunde kurz umriss, beugte sich Tala zu Kai. „Hoffentlich bringe ich dich nicht aus der Balance“, flüsterte er ihm zu.
 

„Wehe, du kommst mir auch nur einmal zu nahe. Dann zieh ich dir den Gong da“, Kai nickte zum Gong in der Ecke, „über den Schädel.“
 

„Bitte stellt euch hüftbreit hin und konzentriert euch auf eure Atmung. Wie beginnen mit einem Sonnengruss“, ertönte Lisas Stimme und sie turnte die Übung elegant vor.

Wie auf Kommando beugten sich alle vor und machten die Übung nach. Sogar Kai. Bis auf die

ruhige Atmung klappte das sogar ganz gut.

Kai warf aus dem Augenwinkel einen Blick auf Tala. Verwundert stellte er fest, dass der Rotschopf die Übung ebenso grazil wie Lisa ausführte und dabei einen konzentrierten, ruhigen Gesichtsausdruck machte.
 

Etwas entspannter wiederholte Kai den Sonnengruss gemäss Lisas Anweisung. Er lächelte kurz. Bryan stellte sich dabei deutlich steifer an als der Halbrusse.
 

„Nun gehen wir in den Herabschauenden Hund, um die Dehnung zu vertiefen“, wies Lisa an. Wieder führte sie die Übung vor. Nun verstand Kai, weshalb beim Yoga alle enge Klamotten trugen, sein Shirt rutsche ihm übers Gesicht.

Das leise Lachen von Tala drang an sein Ohr. „Was für eine Aussicht.“ Auch ohne es zu sehen, wusste Kai, dass der Russe bis über beide Ohren grinste.

Bissig zischte Kai zurück: „Halt die Klappe und konzentrier dich auf deine Atmung.“

Kai richtete sich auf und löste die Pose langsam.

„Das ist doch bescheuert“, knurrte er leise, zog das Shirt über den Kopf und warf es neben seine Matte.

Ein deutliches Räuspern von Tala war zu hören, ebenso ein vernehmliches Lachen von Bryan.
 

Die Aussicht wird immer besser, dachte sich der Rotschopf, zwang seinen den Blick von Kai weg und starrte wieder auf die Matte zwischen seinen Händen.
 

Das Räuspern ignorierte Kai beflissen, Bryans Lachen überging er, da der Herabschauende Hund des Weisshaarigen eher einer Herabschauenden Kröte glich.
 

Lisa verkniff sich ebenfalls ein Lachen und versuchte ruhig fortzufahren: „Nun kommen wir zur 'Kriegerpose'“, erklärte sie und zeigte die Haltung sogleich vor.
 

Kai machte die Pose nach und spürte zunehmend, dass Yoga doch ganz anstrengend war.

„Du hast eine tolle Körperspannung, Kai“, lobte Lisa. „Fast perfekt! Tala, kannst du kurz helfen?“
 

Der Russe schaute zu Kai und stellte sich seitlich neben ihn. „Wehe dir“, drohte Kai gefährlich leise.

Tala lächelte, sagte aber nichts. Mit den Fingerspitzen drückte er leicht gegen Kais Schulterblätter, so dass sich der Kleinere minimal drehte. Tala trat einen Schritt zurück. „Perfekt“, sagte er anerkennend und musterte Kai mit ungewohnt ernstem, fast analytischem Blick.
 

Als Tala wieder in die Pose ging, konnte Kai sich nicht daran hindern ihn zu beobachten. Mit der ruhigen Atmung war es wieder vorbei. Tala sah stark und unnahbar aus. Kai konnte sein Gesicht nicht sehen, aber die gespannten Muskeln und die Eleganz liess das Blut in seine Wangen steigen.
 

Verdammt. Er ist eine Wucht, schoss es Kai ungewollt durch den Kopf.

Grossartig, jetzt fang ich auch noch an den Perversling zu bewundern.

Kai konnte ein Schnauben nicht unterdrücken, was wieder ein Lachen von Bryan zur Folge hatte.
 

Lisa schaute tadelnd zu ihrem Freund. „Bryan, Yoga ist kein Zuschauersport.“

Der Weisshaarige nickte zu den beiden Männern. „Doch, wenn Kai und Tala teilnehmen, schon.“

Fast alle Teilnehmerinnen mussten kichern.
 

„Gut“, sagte Lisa streng. „Zurück zur Atmung. Wer jetzt noch lacht, macht zur Strafe fünf Sonnengrüsse extra.“

„Das war es wert“, kam es vernehmlich von einem noch lachenden Bryan.
 

Lisa räusperte sich und warf Bryan einen leicht vorwurfsvollen Blick zu. „Wir kommen zum Baum, bevor wir mit den Partnerposen enden“, verkündete sie und zeigte vor.
 

Eisern starrte Kai auf die Matte vor sich. Er war kein Baum, er war ein Berg. In kerzengerader Pose, versuchte er mit seiner ganzen Selbstbeherrschung das Wort Partnerposen aus seinem Gehirn zu verbannen.
 

„Tala“, ertönte Lisas Stimme, „achte auf deine Balance.“
 

Aus dem Augenwinkel beobachtete der Russe seinen Nebenmann.

Kai ist unerschütterlich – und ich gerate nur beim Anschauen ins schwanken.
 

Bryan konnte sich lebhaft vorstellen, was Tala, bei der doch recht simplen Pose aus dem Gleichgewicht gebracht hatte. Das unterdrückte Lachen des Weisshaarigen wurde zu einem Prusten und er musste sich auf den Händen abstützen um nicht auf die Matte zu knallen.
 

„Bitte sucht euch einen Partner, wir beginnen mit der Stuhlhaltung.“ Lisa winkte ihren Freund zu sich und machte die Pose vor. Dabei verschränkten sie ihre Arme und gingen, Rücken an Rücken, in die Hocke.
 

Natürlich stand Tala, bevor sich Kai nach einer Partnerin hatte umsehen können, bei ihm auf der Matte. „Wollen wir“, fragte der Rothaarige mit leicht anzüglicher Stimme.

Kai seufzte entnervt, drehte ihm dann aber den Rücken zu.
 

Als Kai synchron mit Tala in die Hocke ging, spürte er schon das Brennen in den Oberschenkeln. Die Pose war anstrengend. Aber der breite, starke Rücken von Tala, der gegen seinen eigenen gedrückt wurde, fühlte sich gut an. Die Wärme, die von Tala ausging, breitete sich in Kais Körper aus. Sein Atem beschleunigte sich spürbar.

„Atme“, sagte Tala ruhig. Seine Stimme hatte nichts provokantes. Sie wirkte auf Kai beinahe… beruhigend. Langsam blies Kai die Luft aus und atmete hörbar wieder ein. Sein Puls verlangsamte sich wieder. „Gut so“, sagte Tala leise.
 

„Sehr gut! Jungs!“, lobte Lisa ehrlich erfreut. „Ihr könnt euch setzen und die Pose lösen. Die letzte Pose ist die sitzende Vorwärtsbeuge.“ Wieder nahm sie Bryan als Vorzeigeobjekt. Sie setzten sich mit nach vorn ausgestreckten Beinen zueinander. Dann fassten sie sich gegenseitig an den Armen und beugen sich abwechselnd nach vorne, um die Dehnung im Rücken zu vertiefen.
 

Tala und Kai sassen sich ebenfalls gegenüber. Die Unterarme des jeweils anderen umfassend. Kai war sich des festen Griffs von Talas Händen nur zu bewusst. Er verlor sich in dem intensiven Blick von Talas eisblauen Augen. Der Raum um ihn war plötzlich inexistent. Erst als Tala sanft zog, und Kai so in die Vorwärtsbeuge führte, kam Kai wieder zu sich.

Er spürte die wohltuende Dehnung im Rücken, das Gegengewicht an seinen Fußsohlen und hörte die regelmäßigen, tiefen Atemzüge des Größeren.

„Sehr gut.“ Talas Stimme war nur ein raunen, welches Kai einen Schauer über den Rücken jagte. „Noch etwas mehr.“

Sanft löste Tala die Pose wieder und liess Kai sich aufrichten. Wieder ein Blick. Rot traf auf Blau. Als würde die Gravitation nicht länger vom Erdkern ausgehen. Nun beugte sich Tala langsam vor. Die Silberkette in seinem Nacken glitzerte. Der Russe schloss die Augen und atmete tief. Kais warme Hände drückten sanft – und fühlten sich unglaublich gut an.

Von mir aus, dachte er, kann die Zeit jetzt stehen bleiben. Diese Nähe…
 

Lisa lächelte während sie das Licht dimmte, leise drang ihre Stimme durch den Raum. „Sehr gut. Ihr könnt nun mit Savasana ausklingen lassen. Legt euch auf den Rücken.“
 

Die leise Stimme brachte Kai und Tala wieder in die Realität zurück. Sie lösten sich voneinander, wobei der Rothaarige sanft über die Unterarme des Kleineren strich. Misstrauisch musterte Kai den Rotschopf. Er liess ihn aber ohne einen bissigen Kommentar gewähren, während er sich auf den Rücken legte und die Augen schloss.

Schnell merkte er, wie seine Atmung ruhiger wurde. Er spürte die Präsenz der Russen neben sich wie eine existente Aura.
 

Tala dachte, sein klopfendes Herz müsste im ganzen Raum zu hören sein. Die Nähe zu Kai hatte ihn in einen richtigen Rausch versetzt. Millimeter für Millimeter schob er seine Hand in Richtung Kai, bis er dessen Fingerspitzen fühlen konnte.
 

Tiefes Atmen und gelegentliches Kleiderrascheln waren die einzigen Geräusche im Raum.
 

Kai zuckte zusammen, als die warmen Finger von Tala sich mit seinen verhakten. Kurz zuckte er weg, liess es dann aber zu. Von der Berührung ging ein Kribbeln aus. Für diesen kurzen Moment schob er seinen Stolz beiseite und konzentrierte sich auf die kleine, aber vielsagende Berührung. Ein stolzes Lächeln breitete sich auf Talas Gesicht aus.
 

Mit kaum hörbaren Schritten durchstreifte Lisa den Raum. Zufrieden blieb ihr Blick, etwas länger als üblich, auf Kai und Tala ruhen. Langsam ging sie zurück zum Gong. Sie bemerkte das leise Schnarchen von Bryan und unterdrückte ein Glucksen. Mit kreisenden Bewegungen entlockte sie dem Gong ruhige, fast hypnotische Töne und brachte ihre Teilnehmer so in die Gegenwart zurück.
 

Langsam lösten sich die Finger voneinander. Kurz blieb in Kai eine Leere – fast schon ein Vermissen zurück. Als er die Augen öffnete und sah, dass Tala ihn anfunkelte, kam sein Stolz zurück.

Er zog sich sein Shirt wieder über.

„Du bist ganz schön… beweglich. Das beeindruckt mich“, säuselte Tala anzüglich.

Kai stand auf. „Pass bloss auf, sonst bringe ich dich noch ausserhalb der Matte ins Schwitzen.“
 

Bryan sprach leise mit Lisa. Dann fragte er vernehmlich: „Soll ich beim nächstenmal auch Händchen halten?“
 

Alle Köpfe im Raum drehten sich nach hinten. Für den Bruchteil einer Sekunde trafen Kais Augen auf den glühenden Blick von Tala. Dann wurden seine Wangen brennend heiss und sein Magen zog sich zusammen. Tala stützte die Hände in die Hüften und zuckte mit den Schultern. Eilig verabschiedete sich Kai von der Gruppe und verliess leicht fluchtartig den Raum.

Kapitel 8

Kapitel 8

Erst in seiner Wohnung, hinter verschlossenen Türen, konnte sich Kai wieder entspannen. Die frischen Erinnerungen an die Yogastunde holten ihn aber schnell wieder ein. Im war heiss, als er an die Nähe zu Tala dachte, vermischte sich die Hitze mit einer Erregung, die er lange nicht so intensiv gespürt hatte.
 

Nach einer kalten Dusche fiel der Halbrusse erschöpft ins Bett. Sein letzter Blick galt dem Anhänger, bevor ein tiefer, zufriedener Schlaf ihn übermannte.
 

*
 

Kai verbrachte ungewöhnlich viel Zeit im Fitnessstudio, auch wenn er währenddessen kühl und distanziert blieb. Tala suchte seine Nähe, auch die Neckereien blieben nicht aus. Kai musste sich aber eingestehen, dass er das Spielchen mit Tala inzwischen genoss.
 

Tage später – Kai hatte das Studio eben verlassen, während Tala oben Papierkram erledigte, Betrat Bryan das Studio. Er wollte seine Freundin überraschen. Er begrüsste eine verstimmt wirkende Lisa.

Vorsichtig fragte er: „Ist was nicht in Ordnung?“

Lisa strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Ich dachte nach dem Yoga, hat es bei den Beiden endlich gefunkt. Aber sie tun, als wäre nichts gewesen.“

Bryan lachte auf. „Ich hab dir doch gesagt, dass sie es nicht auf die Reihe kriegen.“ Er beugte sich wissend zu der Blondine und fuhr ihr liebevoll über die Wange. „Ich hätte da eine Idee, wie wir das Ganze etwas… beschleunigen könnten.“
 

*
 

Kais Smartphone vibrierte. Erfreut über die Ablenkung an diesem eintönigen Nachmittag las er die Nachricht. Bryan hatte etwas in den Gruppenchat geschrieben, mit Anhang.
 

'Habt ihr Lust am Samstag mit Lisa und mir zum See zu fahren?'
 

Dazu ein Foto eines idyllischen Sees auf einer Lichtung, umringt von Wald. Ebenso befand sich eine Wegbeschreibung in der Nachricht. Bei der Vorstellung, Zeit mit Tala am See zu verbringen, wurde er nervös.
 

Noch während Kai auf das Bild starrte, erschien eine Nachricht von Tala.

'Bin dabei!'

Kai verzog das Gesicht. Natürlich.
 

'Vielleicht zieht sich Kai ja wieder aus.' – die nächste Nachricht von Tala.
 

Trottel, dachte Kai, konnte aber ein Grinsen nicht verhindern.
 

'Ich sehe schon, der Ausflug wird so entspannt wie die Yogastunde.'

Das war ein Kommentar von Bryan.
 

Kai rollte mit den Augen und tippte…

'Ich fahre. 9 Uhr vor dem Studio. Fünf Minuten warte ich – dann bin ich weg.'
 

'Oh der Herr organisiert jetzt also Fahrgemeinschaften. Sehr romantisch'

Nach diesem Kommentar von Bryan legte Kai das Handy genervt weg.
 

*
 

Genau um neun am kommenden Samstag – es war ein sonniger Tag im Spätfrühling – hielt ein dunkler Sportwagen vor dem Wolfs Gym.

Mit Rucksack ausgestattet, die Hände lässig in den Hosentaschen lehnte Tala an einem der mannshohen Fenster.

Kai liess die Scheibe herunter. Ohne die Sonnenbrille abzusetzen fragte er: „Wo ist der Rest?“ Eine Begrüssung blieb aus.

Tala ging zum Wagen hinüber und stützte sich auf dem Dach ab. „Lisa ist krank. Bryan ist bei ihr.“

Kai schnaubte und schien zu überlegen. Kurz dachte Tala er würde den Motor starten und einfach wieder losfahren.

„Geht's dann los? Die fünf Minuten sind um“, stellte Tala schnippisch fest.

Kai wandte sich wieder der Strasse zu und das Fenster schloss sich. Kurz darauf hörte Tala das Klicken, das die Türen entriegelte. Er öffnete die Beifahrertür und stieg ein.
 

Im Auto war es angenehm kühl. Der Bass wummerte leicht im Innenraum.

„Schicker Wagen“, stellte Tala fest. „Brauch man ja auch unbedingt in der Stadt.“

Kai sparte sich einen Kommentar und stiess nur ein leises: „Hmpf“, aus.
 

Für Tala war der Laut gleichbedeutend mit: wenns dir nicht passt, steig aus.

Der Russe grinste und wandte den Blick wieder der Strasse zu.
 

Eine Weile fuhren sie schweigend durch die Stadt. Nur ein gelegentliches Knurren von Kai, wenn er sich über einen anderen Wagen aufregte, unterbrach die Stille.

Sie waren bereits am Stadtrand, als Tala in seinem Rucksack kramte und eine Flasche Wasser herausnahm.

„In meinem Auto wird nicht getrunken!“, stellte Kai nach einem kurzen Seitenblick fest.

Unbeeindruckt schraubte Tala die Flasche auf. „Ist doch nur Wasser“, fand er gelassen.

Kai fuhr etwas schneller. „Mein Auto – meine Regeln.“

Tala schraubte die Flasche wieder zu. „Na gut, dann lässt du mich eben fahren.“

„Wenn die Hölle zufriert.“ Kais Blick blieb auf die Strasse gerichtet, aber sein Ton war gereizt.

Tala lehnte sich näher zum Fahrer. „Ich fahre, – oder fange an dich anzugraben.“ Er unterstrich seine Drohung, indem er leicht über Kais Oberarm strich.

Kais Griff um das Lenkrad verkrampfte sich kurz. „An der nächsten Ecke halte ich an.“

Seinen Sieg geniessend lehnte sich Tala zurück.
 

Bei der nächsten Gelegenheit fuhr Kai an die Seite und sie tauschten die Plätze. Kai verschränkte die Arme hinter dem Kopf, lehnte sich zurück und musterte Tala aus dem Augenwinkel. „Kannst du überhaupt fahren?“

Zur Antwort drückte Tala das Gaspedal durch, schoss mit quietschenden Reifen auf die Straße zurück und schaltete schnell hoch. Dann lehnte erl ässig einen Ellenbogen aus dem geöffneten Fenster. „Was denkst du wohl?“, konterte er mit einer Gegenfrage.
 

Kann er eigentlich auch etwas nicht?, wunderte sich Kai halb frustriert, halb beeindruckt.
 

Nun kramte Kai die Wasserflasche aus Talas Rucksack und trank hörbar.

Etwas empört fragte Tala: „Was soll das denn?“

„Kai wischte sich mit dem Handrücken über den Mund, grinste kalt und fügte hinzu: „Mein Auto – meine Regeln.“
 

*
 

Staub wirbelte auf, als Tala das Auto parkte.

Kai stieg aus, streckte sich kurz und warf Tala den Rucksack zu.

„Da, dein Zeug.“
 

Der See glitzerte in der Sonne, während ein warmer Wind die umliegenden Bäume zum Rascheln brachte.

„Dein Auto, deine Regeln? Mal sehen, ob du auch hier draußen Herr der Lage bist.“ Grinsend schulterte Tala den Rucksack und ging los.

Kai folgte ihm, den Blick einen Moment zu lange auf seinen Rücken gerichtet.
 

Unter einer Eiche, nahe des Ufers, machten sie es sich bequem. Kai lag bereits bäuchlings auf seinem Strandtuch und las in seinem Buch, das er mitgebracht hatte.
 

„Ins Wasser?“, fragte der Rothaarige mit einem schnippischen Grinsen. Kaum angekommen, hatte er sich seines Shirts entledigt und stand nun in Badehose vor Kai, die Hände in die Hüften gestemmt.
 

Nach einem kurzen Blick über die Schulter widmete sich Kai wieder seinem Buch. „Nein.“

Tala legte den Kopf leicht schief. „Ist dir nicht heiss?“

Demonstrativ blätterte Kai um und schwieg.

„Du bist echt hier rausgefahren um zu lesen?“

„Ja“, ertönte die knappe Antwort.

Tala schnaubte. „Langweilig.“

Wieder raschelte eine Buchseite. „Dann geh schwimmen!“
 

Trockenes Laub und kleine Äste knackten unter Talas Schritten, als er davonging. Erst als Kai ein Platschen im Wasser hörte, schnaubte er leise und blätterte zwei Seiten zurück. Er hatte keine Ahnung, was er eben gelesen hatte.
 

In viel zu kurzen Abständen wurde Kais Blick vom Ufer angezogen. Immer wieder glitt sein Blick zu dem roten Haarschopf, der zwischen den leichten Wellen hervorstach. Nach einer Weile probierte er er sich wieder auf sein Buch zu konzentrieren. Nur dank seiner eisernen Disziplin konnte er den Text überhaupt verarbeiten – bis sein Handy vibrierte.
 

Eine Nachricht von Bryan im Gruppenchat.

'Seid ihr am See angekommen oder musste die Rückbank des Wagens hinhalten?'

dazu hatte er ein Auberginen-Emoji geschickt.
 

Kai errötete, schnaubte und legte das Gerät gleichzeitig verlegen und genervt weg. Zu einer Antwort liess er sich nicht herab. Mein Privatleben scheint ja spannend zu sein.
 

Wenig später fand Kai seinen Krimi wieder richtig interessant. Da fiel ein Schatten auf die Buchseite. Er wollte sich gerade nach der unliebsamen Störquelle umsehen, als kaltes Wasser auf seine Waden tropfte. Eilig drehte er sich um und zog die Beine an.
 

„Du bist nass“, fauchte er den Russen an.

Uneingeladen setzte sich Tala auf Kais Strandtuch. „Ich weiss.“

Kai rutschte etwas weiter weg. „Leg dich gefälligst auf deinen eigenen Platz.“

„Ich find's hier aber viel…“, Tala musterte Kai anzüglich, „…heisser.“

„Du sitzt im Schatten“, stellte Kai trocken fest. Mit einer Hand an Talas Schulter, versuchte er den Grösseren wegzuschieben.
 

Talas vom Seewasser gekühlte Haut war weich. Die Silberkette mit dem Anhänger an Talas Hals glänzte. Tropfen fielen von seinen Haaren auf Kais Handrücken. Nun bereute Kai, dass er nicht ins Wasser gegangen war. Jetzt war ihm definitiv heiss – und daran hatte die Sonne weniger Schuld als der Rothaarige.
 

Kai schluckte trocken. Abrupt stemmte sich Tala gegen seine Hand und stützte sich links und rechts neben Kai ab. Ihre Gesichter waren nur fingerbreit voneinander entfernt. Wassertropfen fielen nun auf Kais Shirt und liefen an seinem Hals entlang.
 

Talas Augen bohrten sich in die tiefroten des Halbrussen. Er fühlte den unregelmässigen, schnellen Atem von Kai auf seinen Lippen. Die Kühle des Sees war bereits verflogen.

„Ich will…“, – Tala schob sein Gesicht noch einen Hauch näher – „ein Eis.“

Kai wich dem Blick des Russen nicht aus.
 

In Talas Kopf liefen die Knutscherei in der Bar und der kurze Kuss nach dem Pizzaabend in Endlosschleife. Wie gerne er das wiederholen würde.
 

„Ein Eis?“, fragte Kai kühl, aber mit kratziger Stimme.

Tala nickte leicht.

Kai streckte seine Beine unter Talas Körper aus.

Tala bewegte sich keinen Zentimeter.

„Du bist gerade aus einem See gekommen“, murmelte er. „Und das ist dein größtes Problem?“

Tala grinste. „Ich habe viele Bedürfnisse.“

„Offensichtlich.“

„Du könntest mir helfen, das eine oder andere zu… befriedigen.“

Trotz des leisen Flüsterns hallte Talas Stimme in Kais Kopf nach. Kais Magen zog sich zusammen. Aber so leicht wollte er es ihm dann doch nicht machen – zumindest noch nicht. Er brachte seine Lippen dicht an Talas Ohr.

„Da hinten ist ein Kiosk“, flüsterte er dem Russen zu. Dann liess er sich auf den Rücken fallen und grinste den grösseren an. Triumph schimmerte in seinen Augen.

Tala blinzelte. Seine Augen, gerade noch dunkel und verschleiert, blitzten amüsiert. Kurz war er versucht, den Untenliegenden dennoch zu Küssen. Seine Finger zuckten. Dann erhob er sich.

„Ich bringe dir auch eins mit“, sagte er und ging mit federndem Schritt davon.
 

Kai zwang sich, dem Rothaarigen nicht nachzuschauen. Stattdessen genoss er die Wärme des Sonnenlichts und die leichte Brise, die durch die Baumkronen wehte.
 

Etwas kaltes im Nacken liess ihn zusammenzucken.

„Immer noch Erdbeere?“ Tala lächelte verschmitzt, nahm das Eis vom Nacken des Halbrussen und hielt es ihm hin.

Kais Blick fiel auf Talas Haare. Er riss sein Eis am Stiel auf und richtete seinen Blick wieder auf den See. „Ich mag eben rot.“

„Das sehe ich.“ Tala grinste und setzte sich neben Kai.
 

Eine Weile sassen sie schweigend nebeneinander und genossen die Aussicht. Das Wasser kräuselte sich leicht und Lichtflecken fielen durch das Blätterdach.
 

Ihre Schultern berührten sich. Kai genoss die stille Nähe. Ein Seitenblick auf Tala verriet Kai, dass dieser ihn mit seinen eisblauen Augen verschlang. Der Russe bemerkte, dass Kai ihn beobachtete und leckte provokant über die gesamte Länge von seinem Eis.
 

Kai verkrampfte sich. Das Blut schoss durch seinen Körper und sammelte sich in seiner Körpermitte. Verdammt, schoss es ihm durch den Kopf.

„Taktvoll“, meinte er bemüht ruhig, rollte mit den Augen und wandte sich wieder dem Ufer zu.

Tala ass normal weiter, grinste aber wölfisch. „Es funktioniert. Subtilität wird überbewertet.“
 

Als Tala sein Eis, ohne weitere Provokation, fertig hatte, kramte er in seinem Rucksack. Er zog sein Smartphone hervor und lachte kurz auf.

Fragend zog Kai eine Augenbraue hoch.

„Ach nichts.“ Tala legte sich auf den Rücken und schloss die Augen.

Misstrauisch schaute Kai zu dem Rotschopf hinab und legte sich daneben.
 

Das leise Rauschen der Wellen und der Geruch des Waldes wiegten Kai in einen Zustand des Friedens – bis er durch das Klicken eines Handys, das ein Foto machte, daraus herausgerissen wurde.
 

Er riss die Augen auf und starrte Tala finster an.

„Das war nicht, was ich denke, oder?“

Unschuldig legte der Russe sein Smartphone weg. „Keine Ahnung wovon du redest.“

Kais Handy vibrierte.

– Wieder eine Nachricht von Bryan:

'Wenn ihr noch länger nicht antwortet muss ich annehmen, dass ihr etwas perverses treibt!' Diesmal war die Nachricht begleitet von einem Pfirsich-Emoji, einer Aubergine und drei Tröpfchen.
 

Darunter hatte Tala ein Foto gesendet – eines, dass er vor Sekunden aufgenommen hatte. Kai auf dem Rückenliegend, entspannt. Tala lag auffällig nah bei ihm, die lüsternen Augen auf Kai gerichtet, die Zunge leicht über seine Lippen fahrend.

Bryans Reaktion auf das gesendete Foto war, natürlich, ein Emoji – welches sich ebenfalls die Lippen leckte.
 

Kai hatte das Gefühl, dass Tala diesen Blick öfter drauf hatte, als ihm bewusst war – ein Blick, der Kais Knie in Pudding verwandelten und eine erbarmungslose Hitze durch seinem Körper trieb.
 

Erregt, aber seine Fassade wahrend, legte sich Kai wieder hin. „Ihr seid schamlose Idioten.“

Er richtete seinen Blick auf Tala, dessen Grinsen kaum vielsagender hätte sein können.

„Hast du heute auch noch einen anderen Gesichtsausdruck drauf?“

Natürlich veränderte sich die Mimik des Russen nicht.

„Solange du in meiner Nähe bist; Nein.“

Kai schloss die Augen wieder. „Das Foto stell ich dir in Rechnung.“
 

Die Sonne sank tiefer und bekam ein kräftiges Orange. Der Wind hatte etwas aufgefrischt und Tala dazu gebracht sein Shirt wieder anzuziehen.

„Du warst nicht im Wasser“, stellte der Russe fest.

In Kais Augen spiegelte sich die untergehende Sonne.

„War mir zu kalt.“

Tala packte sein Handtuch in den Rucksack. „Ich hätte schon dafür gesorgt, dass dir warm wird.“

Er streckte Kai die Hand hin, um ihm beim aufstehen zu helfen.

Leicht errötend wandte Kai sein Gesicht ab. „Das hast du.“

Er ergriff Talas ausgestreckte Hand.
 

*
 

Kai stieg auf der Fahrerseite ein und machte somit eine Diskussion überflüssig. Die Musik drehte er lauter, als sie vom Parkplatz in die Strasse einbogen. Der Tag hatte ihn wirklich entspannt.

Seine Nähe ist wie ein Rausch. Sein Blick glitt über Tala.
 

Ein leichtes Seufzen entwicht dem Russen, als er einen letzten Blick auf den See werfen konnte. Trotz des Schweigens schien die Luft zwischen ihnen elektrisch geladen zu sein, als wollten Blicke sagen, was Worte nicht konnten.
 

Kai konnte ein leichtes Lächeln nicht unterdrücken. Prüfend musterten die eisblauen Augen den Fahrer, bevor er ihm eine Hand auf dessen Oberschenkel legte.

Ganz kurz schien es, als wollte Kai das Bein von der Berührung wegziehen. Dann räusperte er sich und warf einen Seitenblick auf Tala. Kai wandte sich wieder der Strasse zu. Die Hand Talas streichelte seinen Oberschenkel auf eine Weise, die eindeutig war. Kai reagierte mit einem heiseren Knurren.
 

„Schlaf bei mir“, drang Talas raue Stimme an Kais Ohr.

Kapitel 9

Kapitel 9

Schlaf bei mir, hallte es in Kais Kopf nach. Fast tranceartig, lenkte er um die letzte Kurve, als das Fitnessstudio in Sicht kam.

Von seinem Oberschenkel, an der Stelle wo Tala ihn noch streichelte, schien ein verräterisches Pulsieren auszugehen, das ihn zunehmend erfüllte.

Wenn ich das zulasse, kann ich nie wieder in den Spiegel schauen.

Sein Griff um das Lenkrad verkrampfte sich, während er einparkte.

Er geniesst es, mich aus der Fassung zu bringen. …verdammter Tala.
 

Der Russe konnte fast hören, wie es hinter Kais Stirn arbeitete. Er spürte, dass seine Berührung seinen Nebenbann nicht kalt liess. Auch wenn Kais ausdruckslose Mimik etwas anderes zu vermitteln versuchte.

Noch ein bisschen, dann verliert er die Kontrolle.

Erinnerungsfetzen blitzten in Talas Kopf auf: Kai, den er auf dem Laufband aufgefangen hatte. Die Hitze seines Körpers, als Tala ihn in der Sauna gestreift hatte. Die roten Augen, die ihn in der Bar verschlungen hatten. Die Küsse. Der Anhänger auf Kais Nachttisch. Die Yoga-Stunde.

Ich will mich auf ihn stürzen. Talas Muskeln spannten sich an, wie bei einem Wolf, der zum Sprung ansetzte.
 

Der Motor des Wagens verstummte. Ein elektrisiertes Schweigen lag in der Luft.

„Du willst doch nicht schlafen, oder?“ Kais Stimme war rau.
 

Wie auf Autopilot folgte Kai dem Rothaarigen. Mit jedem Schritt wurde Kai klarer, dass er gerade gegen seinen eigenen Körper verlor.
 

Mit einem Klicken öffnete Tala die Tür. Als Kai die offene Einzimmerwohnung betrat, wusste er, dass er verloren hatte. Auch wenn sein Kopf sich weigerte das zuzugeben.
 

Ein cremefarbenes, abgerundetes Sofa dominierte den Wohnbereich. Auf einer Kommode lagen verstreute Papiere – Fitnesstrainings und Ernährungspläne. Ein Wasserglas stand verlassen auf dem Couchtisch. Kai Blick registrierte die Pinnwand, an der ein Foto von ihm hing. Kais Blick glitt weiter zum Bett, das halb verborgen hinter einem Regal mit Nippes stand. Die Laken waren zerwühlt.
 

„Setz dich, Idiot“, erfüllte Talas Stimme den Raum. Mit blitzenden Augen und hinter dem Kopf verschränkten Armen sass er bereits auf dem Sofa.
 

Kai schloss für einen Moment die Augen. „Verdammt“, murmelte er leise, bemüht um die Kontrolle, die sein Körper längst aufgegeben hatte. Steif setzte er sich neben Tala.
 

Mit seinem Handy schaltete Tala Musik an. Harte Riffs klangen leise, aber durchdringend aus den Boxen.

„Romantisch“, fand Kai trocken.

Wie Pfeile schossen Talas eisblaue Augen zu Kai, der sich weiter versteifte.

Langsam breitete sich das bekannte Grinsen auf Talas Gesicht aus. „Nur ein Blick von mir, und dein Puls läuft Amok stimmt's?“
 

Das kurze Vibrieren des Handys ersparte Kai eine Antwort.

Talas Grinsen wurde dreckiger.
 

'Ihr übertreibt es nicht zu sehr, oder?'

Eine weitere Nachricht von Bryan, diesmal mit Vulkan-Emoji.
 

Der Halbrusse ahnte Böses und wollte sein Handy aus der Hosentasche ziehen – da nagelte Tala ihn gegen die Rückenlehne der Couch.
 

Das Sofakissen in Kais Rücken fühlte sich an wie ein Stein.

Hitze ging von dem Körper aus, der sich über ihn beugte.

Talas Lippen strichen über den Hals des Kleineren.

„Sag mir“, raunte er, „dass du mich hasst. Oder willst du schon verlieren?“

Die Finger des Halbrussen bohrten sich in Talas Hüfte und zogen ihn noch näher. „Ich hasse dich“, knurrte er heiser.
 

Ein Finger fuhr an Kais Hosenbund entlang und zog sachte daran. Das Blut rauschte in Kais Ohren. Für einen Moment hörte er nichts anderes. Leicht hob er den Kopf – da fanden Talas Lippen schon seine.
 

Erst auf den zerwühlten Laken begann Kais Kopf wieder zu denken.

Sein Atem wurde schneller.

Wo Tala ihn berührte, schien seine Haut zu glühen.

Ungewollt bog sich sein Rücken durch.

Stoff raschelte. Die Musik wummerte im Hintergrund, vermischt mit keuchenden Atemzügen. Kais Körper brannte unter Talas Gewicht.

„Fuck…“, murmelte Kai ohne zu wissen, ob er sprach oder nach Luft rang.

Talas Antwort war ein leises, rauchiges Lachen an seinem Ohr. „Glaubst du, du hast noch die Kontrolle? Denk noch mal nach“, raunte er.

„Später“, brachte Kai keuchend hervor.
 

*
 

Kais Blick fiel auf seine zerwühlten Klamotten auf dem Boden, während sein Atem sich langsam beruhigte.

„Du bist unerträglich“, murmelte er mehr zu sich selbst als zu Tala.

Schamlos schob sich Tala in sein Blickfeld. „Unwiderstehlich, meintest du?“, sagte er mit belustigter Stimme.

Mit triumphierend leuchtenden Augen reichte er Kai ein Glas Wasser und kostete dabei seinen Sieg aus.

„Bleibst du hier?“

Froh etwas zu tun zu haben, nahm Kai das Wasser an. Mit einem Knurren wandte er Tala den Rücken zu und machte es sich bequem.
 

*
 

Ein Klopfen riss Kai aus einem ungewohnt tiefen, erholsamen Schlaf. Sofort verrieten ihm die Gerüche und der Körper neben ihm, was letzte Nacht geschehen war.

„Scheisse“, nuschelte er, den Arm über die Augen gelegt.

Ein Lachen drang an sein Ohr. „Guten Morgen, Prinzessin. Zeit aufzustehen – oder wollen wir weitermachen?“
 

Murrend sammelte Kai seine Klamotten auf.

Was bin ich nur für ein Idiot. Wie kann er mich so aus der Fassung bringen.

Sein Blick streifte den noch unbekleideten Tala.
 

Das Klopfen wurde immer penetranter.
 

Amüsiert beobachtete Tala den stummen Kampf, den Kai mit sich selbst führte.

Nur in Jogginghose riss er die Tür auf. „Was?“
 

„Verdammt, Tala, Lisa wartet seit über einer… Stun…de…“, Bryans Worte verstummten abrupt. Sofort hatte er die Situation erfasst, Tala ohne Shirt, Kai, der sich neben dem Bett gerade seines überzog.

Lässig lehnte sich der Weisshaarige an den Türrahmen.

„Ach so? Ihr habt es also endlich auf die Reihe gekriegt?“

Kai schnappte seine Tasche. „Keine Ahnung, wovon du sprichst“, und drückte sich an Bryan vorbei.

Tala grinste nur triumphierend, liess ihn ziehen und genoss seinen Sieg.

Kapitel 10

Kapitel 10

Das Fitnessstudio war gut besucht, was Kais Unbehagen nur verstärkte, als er es betrat.

„Hallo Kai“, begrüsste ihn Lisa mit einem wissenden Grinsen. „Hast du gut… geschlafen?“

Röte stieg ihm in die Wangen, als er sich räusperte.

„Deine Erkältung scheint ja schnell vorbeigegangen zu sein.“ Die Röte nahm seiner Aussage den Biss.

Lisa lachte auf. „Was für ein Glück, nicht?“, sagte sie, ohne eine Antwort zu erwarten.
 

Kai wandte sein Gesicht zur Seite, als er Schritte auf der Treppe hörte. Ohne Lisa nochmal anzusehen, verliess er das Studio mit einem knappen: „Bis dann.“
 

Tala konnte durch das Fenster gerade noch die Rückseite des davonbrausenden Wagens sehen und lächelte.
 

„Und?“, fragte Lisa, die Augen neugierig funkelnd.

Bryan legte lässig einen Arm um sie und kam Tala zuvor. „Glaubst du wirklich, das ist schon ein Happy End? Nach allem, was wir von den beiden kennen? Ich tippe auf Chaos.“

Tala lehnte sich zurück, verschränkte die Arme und lächelte kalt. Chaos? – wie zutreffend. Seine Gedanken rasten, ein präziser Plan formte sich in seinem Kopf.

„Du weisst doch, ich liebe Herausforderungen“, murmelte Tala leise, mehr zu sich selbst als zu den anderen. Dann ließ er seinen Blick über Lisa und Bryan gleiten, ein triumphierendes Funkeln in den Augen.

Lisa seufzte und schüttelte den Kopf. „Ihr seid echt unmöglich.“ Sie wandte sich wieder ihrer Arbeit zu.

„Oh, der Spaß fängt gerade erst an“, flüsterte Tala, während sein Grinsen immer breiter wurde. „Ich hab was zu erledigen“, sagte Tala lässig und verliess das Studio.

„Und die Arbeit?“, rief Lisa ihm etwas frustriert nach, die Hände in die Hüften gestemmt.
 

*
 

Wie konnte ich nur so einbrechen? Talas Geruch haftete noch an ihm. Seine aufgeräumte Wohnung wirkte leer – fast schon kalt.

Genervt und zugleich unruhig strich sich Kai durch die Haare. Erinnerungen, wie Tala sich darin festgekrallt hatten, zuckten durch seinen Geist – sofort wurde ihm wieder heiss.

Mistkerl, dachte er, aber die gewohnte Schärfe blieb aus. Er fuhr sich mit den Fingerspitzen über seine Lippen. Tala dominierte seine Gedanken.
 

*
 

Mal sehen, wie sehr ihn das aus der Fassung bringt, dachte Tala als er die kleine Schachtel einsteckte.

Die Innenstadt war belebt und die Sonne schien warm auf seinen Rücken. An einem Lebensmittelgeschäft blieb er stehen und studierte die Auslage.

Ich mag eben rot, hallte es in seinem Kopf wieder. Seine Gedanken waren wieder an dem See. Wenn er will, dachte Tala lächelnd, kann er sogar süss sein.

Grinsend betrat er den Laden. Sein Herzschlag wurde bei der Vorstellung Kai erneut aus der Fassung zu bringen schneller. Die vergangene Nacht hatte sich eingebrannt – und er wollte mehr.
 

Mit einer Tüte bepackt trat er den Rückweg an. Unbewusst streichen seine Finger über die Schachtel in seiner Hosentasche.
 

*
 

Nach einer kalten Dusche, deren Wirkung er nicht ganz auskosten konnte, sass Kai auf der Couch.

Abwesend spielte er mit seinem Handy. Das Gerät war bisher stumm geblieben – verdächtig still. Seine Gedanken kreisten unentwegt um den Russen.

Um wenigstens einen Funken seiner Beherrschung wiederzufinden kramte er den Krimi aus dem Rucksack hervor und begann zu lesen.
 

*
 

Die Nacht war schon angebrochen, als Tala mit leichten Schritten zu Kais Wohnung spazierte. Der Wind, der sanft um seine Kleider wehte war warm. Es wurde Sommer.
 

Mach auf!

Tippte Tala in sein Handy ein, als nach dem Klingeln eine Reaktion ausblieb. Eine Mischung aus Belustigung und Ungeduld breitete sich in ihm aus.
 

Seit Minuten stand Kai vor der Gegensprechanlage. Schon mehrfach hatte er den Finger erhoben, um den Knopf für den Türöffner zu betätigen – und jedesmal wieder gesenkt.

Das Buch lag geöffnet auf dem Couchtisch, daneben eine Tasse Kaffe. Ein warmer Luftzug wehte durch das geöffnete Fenster in die Wohnung.
 

Mach auf!'
 

Die SMS bewegte Kai dazu, den Knopf doch zu drücken, wenn auch wiederstrebend.
 

*
 

Sanft fiel die Tür hinter Tala ins Schloss. Mit verschränkten Armen stand Kai an der Wand und musterte seinen Gast.

„Hast du mich vermisst?“, fragte Tala und trat einen Schritt näher.

Kai schnaubte und ging zur Couch. „So sehr wie ein Zahnarzttermin.“

Mit herausforderndem Blick liess er sich provokativ nahe neben Kai nieder. Die Tasche hatte er auf den Couchtisch gestellt.

Er spürte, wie die Atmung seines Nebenmanns sich beschleunigte.

„Nervös?“, fragte er anzüglich.

„Entspann dich erstmal selbst.“ Demonstrativ lehnte sich Kai zurück, liess Tala aber nicht aus den Augen. Seinen schneller werdender Herzschlag ignorierte er.
 

Tala zog einen Film aus seiner Tasche, beugte sich zu Kai und hielt ihn ihm vor die Nase.

„Angst?“, säuselte er.

Ein Horrorstreifen, wie kindisch, dachte Kai als er das Cover betrachtete.

Sein Blick fand die stechenden blauen Augen. „Vor dem Film? Nein.“
 

Schon in den ersten Filmminuten spritzte Blut. Die Darsteller schrien und rannten panisch durch das Bild.

Was für ein Müll, dachte Kai.

Seine lässige Körperhaltung hatte er beibehalten.

Tala war noch näher an ihn herangerückt und presste gelegentlich seinen Oberschenkel gegen den von Kai oder streifte leicht mit dem Arm seine Seite.

Jede Berührung jagte ein Schauer über Kais Körper. War es wirklich Zufall? Es hätte auch eine Kinderserie laufen können – er konnte dem Inhalt nicht folgen.
 

Tala spürte, wie sich die Spannung, die nichts mit dem Film zu tun hatte, langsam aufbaute. Sein Verlangen wuchs stetig an.

Dann beugte er sich unvermittelt vor und zog einen kleinen Korb mit reifen, dunkelroten Erdbeeren hervor.

Fragend zog Kai eine Augenbraue hoch.

„Ich dachte du magst rot?“, fragte der Russe in Unschuldston.

Kais Blick schnellte zu dem roten Haarschopf.
 

Tala grinste schelmisch, als er Kai die Erdbeeren hinhielt. „Hungrig?“

Kai schnappte sich eine Beere. „Nicht so, wie du denkst.“

Die Süsse breitete sich in seinem Mund aus. Er liebte Erdbeeren. Wieder der leichte Druck gegen sein Bein. Seine Gedanken vernebelten sich zunehmend.

„ich dachte“, raunte Tala, zwischen den anhaltenden Schreien im Film. „Wir könnten heute mal dein Bett… ausprobieren.“
 

„Träum weiter.“ Kai stand auf, seine Kehle war trocken und seine Stimme kehlig.

Er ging in die Küche, sein Blick fiel auf das Foto von Tala am Kühlschrank. Kurz schloss er die Augen und atmete hörbar aus. Dann kehrte mit einer Flasche Vodka und Gläsern zurück.

Talas Gesicht wanderte über den Halbrussen. „Du brauchst keinen Alkohol um mich zu verführen.“

„Aber um deine Gesellschaft zu ertragen.“ Kai schenkte ein, schnappte sich die letzte Erdbeere und lehnte sich mit dem Glas in der Hand wieder zurück. Er hatte bewusst etwas Abstand von dem Grösseren gehalten.
 

Gleichzeitig vibrierten die Handys der beiden.

Nicht das Spiel schon wieder, dachte Kai, rollte mit den Augen und ignorierte die SMS.

Erst als Tala etwas eintippte, schnappte sich Kai verärgert sein Gerät. Kais Handflächen wurden schwitzig, als er las.
 

'Ich hör nix – schon wieder Workout im Horizontalen?'

Ein Bananen-Emoji begleitete die Nachricht.

‚Bald‘

schrieb Tala knapp, mit einem sabbernden Smiley.
 

Mal sehen, wie lange er durchhält, dachte Tala und grinste in sich hinein.
 

„Du solltest deine Träume nicht als Tatsachen verkaufen“, kommentierte Kai die SMS etwas genervt.

Tala beugte sich vor. Der Film war nur noch Nebensache. „Ich kann dir gerne mehr von meinen Tagträumen erzählen…“, er fuhr nun, überhaupt nicht zufällig, Kais Seite unter dessen Shirt entlang.
 

Sofort spannten sich Kais Muskeln unter der Berührung. Die Hitze, die er bisher unterdrückt hatte, traf ihn mit voller Wucht.

Warum bringt mich das so aus der Fassung?, hämmerte es in Kais Kopf.
 

„Lass den Mist. Ich hab Rückenschmerzen. Dein Bett ist unbequem.“

Tala zog seine Hand zurück. „Ich sagte ja, wir probieren heute deines aus – zieh dich aus. Ich massier dich.“

Kais rote Augen fixierten misstrauisch Talas Gesicht.

„Hättest du wohl gern“, gab er nur zu Protokoll.

Tala lachte auf. „Ja, aber du vergisst, dass ich auch Fitnesstrainer bin. Ich habe ein Interesse daran, dass es deinem Körper gut geht – und ich weiß genau, wie ich dich lockern kann.“
 

Tala rutschte auffällig lange auf Kai umher, um 'eine gute Position' zu finden.

„Ein bissiges hast du’s jetzt?“ von Kai brachte ihn schließlich zum Stillsitzen.

Langsam fuhren Talas Kühle Finger über den erhitzten Rücken. Kais Muskeln verkrampften sich sichtbar.

Tala beugte sich zu seinem Ohr vor. „Entspann dich“, raunte er. „Ich beisse nicht – ausser du bittest mich darum.“

Um die Lüge sofort zu entlarven biss er Kai, nicht allzu sanft, in die Halsbeuge.

Scharf zog der Untenliegende die Luft ein. Gerade wollte er protestieren, als Talas Hände begannen seine Schultern zu kneten.
 

Mit zunehmender Entspannung gab sich Kai den Berührungen hin.

Auf dem Fernseher flimmerte inzwischen der Abspann des Films.

Talas Massage war kräftig und bewundernswert professionell. Kais Atmung wurde ruhig und er döste beinahe ein. Ein Klaps auf seinen festen Hintern riss Kai augenblicklich aus seinem friedlichen Zustand.

Ruckartig drehte er sich um und beförderte Tala damit fast zu Boden.
 

Talas eisige Augen glänzten unheilverkündend. Schnell hatte er sein Gleichgewicht wieder und beugte sich auf allen Vieren über Kai.

„Es ist Zeit für eine Gegenleistung“, seine Stimme war heiser.

Die Massage hatte seine Erregung so gesteigert, dass er das Spiel zum Höhepunkt bringen wollte.

Jetzt ist es vorbei mit deiner Eisfassade. Dachte Tala und senkte seine Lippen fordernd auf Kais.

Ungewollt, vergrub Kai seine Hand in Talas Haaren. Der Kuss wurde intensiver. Kais Stolz bröckelte. Er verlor sich in dem Rausch des Kusses und sog die Hitze, die von Talas Körper ausging, in sich auf.

Jetzt habe ich dich fast da, wo ich dich haben will. Dachte Tala als er den Kuss unerwartet löste und sich aufrichtete.

Sein Blick glitt über den untenliegenden Kai. Seine Eisaugen waren glasig. Sein Atem rau.

Kai biss sich leicht auf die Unterlippe. Schnell hob und senkte sich sein Brustkorb. Er spürte Talas Gewicht auf seinem Becken.

„Wir wollen doch nicht, dass du morgen wieder Rückenschmerzen hast.“ Ein lüsternes Grinsen zierte Talas Gesicht, als er aufstand. Während er zum Schlafzimmer ging, entledigte er sich seines Shirts.
 

Die roten Augen klebten am Rücken des Russen. Sie sogen das Muskelspiel in sich auf, als Tala davonging.
 

Er war wie ferngesteuert, als er dem Rothaarigen ins Schlafzimmer folgte. Sein Kopf hatte sich abgemeldet. Wieder übernahm sein Körper die Kontrolle. Kais Herz hämmerte gegen seine Brust, das Blut floss in seine Lenden.

Fast alle übrigen Klamotten Talas lagen verstreut auf dem Schlafzimmerboden.

Vor dem Bett zögerte Kai. Als Tala ihn auf sich zog und erneut in einen wilden Kuss verwickelte, erlosch der letzte Funke von Kais Selbstbeherrschung.
 

Atemlos lösten sie sich aus dem Kuss. Ein leichter Druck an Kais Hüfte verriet, was Tala von ihm wollte.

Kai grinste überlegen und zwang Tala zurück auf die Matratze.

Der Russe liess ihn gewähren. „Schon wieder so selbstsicher?“, flüsterte Tala. Er zog Kais Kopf zu sich hinunter.

Heisser Atem glitt über Kais Lippen.

„Mal sehen, wie lange das andauert.“
 

Einen Moment versanken sie im Blick des Anderen. Ein Keuchen entfuhr Kai, als Talas Finger über seinen Rücken glitten und langsam tiefer wanderten.

Sein Puls raste, als er Talas Wärme direkt an seiner Haut spürte.
 

Unwillkürlich warf er den Kopf in den Nacken, während er sich dem Rhythmus anpasste. Die Stöße liessen seinen Körper erbeben.

Tala zog ihn wieder zu sich hinab. „Du kämpfst immer noch, ja?“, stieß der Rothaarige keuchend hervor, während er seine Stirn sanft gegen Kais drückte.

Kaum hörbar stöhnte Kai, als Talas Bewegungen ihn unaufhaltsam forderten.

„Sag einfach Bescheid“, murmelte Tala dicht an seinem Ohr, seine Stimme rau vor Vergnügen. „Wenn du willst, dass ich dich erlöse.“

Kais Hände schlossen sich fest um Talas Schultern. Er schmeckte einen Hauch von Blut, als er sich auf die Unterlippe biss, versuchte die Oberhand zu behalten – und passte sich doch jeder Bewegung des Untenliegenden an.

Jetzt habe ich dich genau da, wo ich dich haben will, dachte Tala und sog gierig den Anblick in sich auf.
 

Ein Schweißfilm überzog Kais ganzen Körper, als er sich von Talas Becken gleiten ließ. Lust und Scham liessen seine Wangen gleichermassen erröten, als er auf die Laken fiel – den Rücken Tala zugewandt.

Federleicht strich der Zeigefinger des Russen Kais Wirbelsäule entlang. Genüsslich beobachtete er die Gänsehaut, die sich ausbreitete. Seine Finger glitten weiter über Kais Seite, während er näher rückte.
 

Das wiederum liess Kai nicht zu. „Lass das.“ Er stand auf und schnappte sich seine Boxershorts.

Tala lachte, eine Mischung aus Triumph und Belustigung.

„Wie schade für dich, dass du das nicht früher gesagt hast.“

Kai öffnete das Fenster und sog gierig die frische Nachtluft ein, die hoffentlich die Röte aus seinem Gesicht vertrieb.

Er warf einen Blick über die Schulter – ein Fehler.

Tala lag schamlos auf dem Bett und verschlang ihn mit Blicken. Sofort stieg die Hitze wieder in Kai auf. Ungewollt seufzte er.

„Ich hasse dich.“

Tala leckte sich überlegen über die Lippen.

„Ich liebe es, dass du mich hasst.“

Kai knurrte und murmelte unverständliche Flüche. Sein Blick glitt über die zahllosen Lichter der Stadt.

Er zuckte zusammen, als er den grösseren Körper hinter sich spürte. Etwas Kühles legte sich um seinen Hals.

„Jetzt“, raunte Tala an seinem Ohr, „gehörst du mir.“

Sanft strich der Russe über die feine Silberkette, die nun um Kais Hals lag. Seine eigene blitzte im Mondlicht auf.
 

„Sieg“, stand auf beiden Anhängern.

Kais Finger fanden automatisch die gravierte Schrift. Langsam fuhr er über das Wort.

„Übertreib es nicht“, murmelte er.



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Kommentare zu dieser Fanfic (1)

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Von:  kikoxd
2026-04-19T11:01:00+00:00 19.04.2026 13:01
Tolle Beyblade FF

Ich mochte die Yoga Stunde und die Strandszene sehr :)
Für mich ist die FF etwas abrupt geendet, hätte mir etwas mehr Gefühl gewünscht. Leidenschaft war ja viel da ;)






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