Wie jede Nacht
Es war mitten in der Nacht. Der Mond hing hoch über der Stadt und tauchte Tokio in ein kühles, silbriges Licht. Die Straßen lagen still da, fast verlassen und nur hin und wieder durchschnitt das Surren eines vorbeifahrenden Autos die nächtliche Ruhe. Ampeln wechselten lautlos ihre Farben, während der Wind leicht durch die leeren Straßen zog. Von außen wirkte die Stadt friedlich. Ganz anders jedoch in einem exklusiven Club, in dem die Nacht noch lange nicht vorbei war.
Drinnen dröhnte die Musik laut aus den Boxen. Die tiefen Bässe ließen den Boden unter den Füßen der Gäste vibrieren, während die Wände den Rhythmus förmlich widerhallen ließen. Bunte Lichter zuckten in schnellen Wechseln durch den Raum und tauchten alles immer wieder in andere Farben. Rot, Blau, Violett und Grün glitten über die Wände, über die Bar und über die Körper der Menschen auf der Tanzfläche. Die Menge bewegte sich im Rhythmus der Musik. Einige tanzten eng aneinander, andere hoben ihre Arme in die Luft und ließen sich einfach vom Beat treiben. Gelächter mischte sich mit der Musik, während Gläser an der Bar klirrten und Barkeeper geschäftig Drinks zubereiteten. Abseits dieser tobenden Party öffnete sich eine Tür zu einem der hinteren Räume, der deutlich vom eigentlichen Clubbereich abgeschirmt lag. Ein gutaussehender junger Mann trat aus diesem Raum hinaus. Während sich die Tür langsam hinter ihm schloss, fuhr er mit beiden Händen über sein Hemd und richtete den Stoff sorgfältig. Er strich die Falten glatt, zog den Kragen zurecht und knöpfte den obersten Knopf wieder zu. Kurz strich er sich auch durch die Haare, ehe sein Blick über die Tanzfläche wanderte. Er setzte bereits einen Schritt in Richtung des Hauptraumes. Hinter ihm öffnete sich die Tür noch einmal. Eine junge Frau trat ebenfalls hinaus. Ihr enges Kleid schmiegte sich an ihre Figur und mit einer schnellen Bewegung strich sie den Stoff über ihre Hüften glatt. Sie warf einen kurzen Blick auf den jungen Mann vor sich, ehe sie rasch zu ihm aufschloss.
„Warte“, sagte sie leise. Sie streckte die Hand aus und griff nach seiner Hand, um ihn aufzuhalten. Der junge Mann blieb stehen und drehte sich leicht zu ihr um. Sein Blick glitt kurz zu ihrer Hand, die noch immer seine festhielt, bevor er ihr in die Augen sah. Die Frau lächelte leicht. Mit der freien Hand griff sie in ihre kleine Tasche und zog einen kleinen, zusammengefalteten Zettel hervor. Sie nahm seine Hand, drehte seine Handfläche nach oben und legte den Zettel hinein.
„Ruf mich an“, sagte sie und sah ihn erwartungsvoll an. Der junge Mann blickte kurz auf das kleine Stück Papier in seiner Hand. Noch bevor er etwas erwidern konnte, trat die Frau einen halben Schritt näher an ihn heran. Sie beugte sich zu ihm vor und drückte ihm einen kurzen Kuss auf die Wange.
„Vielleicht wiederholen wir das ja“, fügte sie mit einem spielerischen Ton hinzu. Für einen Moment blieb sie noch stehen und musterte ihn, als würde sie auf eine Reaktion warten. Dann drehte sie sich schließlich um. Ihr Kleid schimmerte kurz im bunten Licht des Clubs, während sie sich wieder zwischen die tanzenden Menschen auf der vollen Tanzfläche mischte und langsam in der Menge verschwand. Der junge Mann blieb einen Augenblick stehen. Sein Blick folgte ihr kurz durch die Menge, bis sie nicht mehr zu erkennen war. Dann senkte er den Blick auf den kleinen Zettel in seiner Hand. Ohne zu zögern schloss er seine Finger darum. Das Papier knisterte leise, als er es zusammenknüllte. Seine Hand ballte sich fester, bis aus dem gefalteten Zettel eine kleine zerknitterte Kugel geworden war.
„Nicht mein Stil“, murmelte er leise vor sich hin. Er öffnete die Hand wieder und ließ den zerknüllten Zettel achtlos auf den Boden fallen. Ohne noch einmal darauf zu achten, trat er daran vorbei und setzte seinen Weg fort. Zwischen den tanzenden Menschen hindurch bewegte er sich durch den Raum. Mehrmals musste er leicht ausweichen oder sich seitlich an anderen Gästen vorbeischieben, während die Musik weiterhin laut durch den Club dröhnte. Schließlich erreichte er den abgesperrten VIP-Bereich, der etwas ruhiger war als der Rest des Clubs. Dort saßen seine Freunde an einem Tisch. Mehrere halb leere Gläser standen vor ihnen, während sie sich unterhielten und gelegentlich lachend anstießen. Als Kaito Kuroba ihn entdeckte, richtete er sich sofort etwas auf seinem Sitz auf. Mit einem breiten Grinsen hob er sein Glas leicht in die Luft.
„Na endlich!“ rief er über die Musik hinweg. Shinichi Kudo blieb vor dem Tisch stehen. Kaito lehnte sich leicht nach vorne und musterte ihn mit neugierigem Blick.
„Eine ganze Stunde verschwunden, Kudo“, fügte er mit einem amüsierten Ton hinzu und nahm einen Schluck aus seinem Glas.
Neben ihm saß Heiji Hattori, sein bester Freund aus Kindertagen. Heiji beobachtete Shinichi ebenfalls und zog dabei langsam eine Augenbraue hoch. Ein schiefes Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus. Er hob seine Hand und tippte mit dem Finger auf seine eigene rechte Wange.
„Du hast da was“, sagte Heiji amüsiert. Shinichi zog leicht eine Augenbraue hoch und sah ihn fragend an.
„Hm?“ Heiji grinste nur noch breiter und deutete erneut demonstrativ auf seine Wange. Shinichi hob instinktiv eine Hand an sein Gesicht. Als er verstand, was Heiji meinte, strich er mit der flachen Hand über seine Wange und wischte den restlichen Lippenstift seiner kurzen Affäre weg. Er sah kurz auf seine Handfläche, bevor er sie wieder sinken ließ.
„Jetzt besser?“ fragte er trocken. Heiji lehnte sich zurück und lachte leise.
„Viel besser“, antwortete er zufrieden. Shinichi schnaubte leicht, zog einen Stuhl zurück und ließ sich schließlich zu ihnen an den Tisch fallen. Er griff nach seinem Getränk, das noch immer vor ihm stand, hob das Glas an und nahm einen ruhigen Schluck. Während er das Glas wieder auf den Tisch stellte, dröhnte die Musik weiterhin durch den Club. Kaito hatte sich inzwischen neugierig näher zu ihm herübergelehnt. Seine Ellbogen stützten sich auf dem Tisch ab, während er Shinichi mit funkelnden Augen ansah.
„Also?“ fragte er erwartungsvoll.
„Wer war sie?“ Shinichi stellte sein Glas wieder ab und lehnte sich leicht zurück. Ein zufriedenes Grinsen erschien auf seinem Gesicht
„Nur jemand, der ebenfalls Spaß haben wollte“, antwortete er gelassen. Kaito verzog leicht den Mund und verschränkte die Arme auf dem Tisch.
„Das klingt nach einer Ausrede“, meinte er und musterte Shinichi misstrauisch. „Komm schon, ein paar Details.“ Heiji warf ebenfalls einen neugierigen Blick zu Shinichi und hob leicht eine Augenbraue.
Shinichi lehnte sich entspannt in seinem Stuhl zurück. Er verschränkte locker die Arme vor der Brust und ließ seinen Blick kurz über die beiden schweifen. Dann zuckte er leicht mit den Schultern
„Sagen wir einfach…“, begann er mit einem selbstzufriedenen Lächeln,
„sie war ziemlich wild.“ Mehr sagte er nicht.
Die Party im Club ging unbeirrt weiter. Die Musik wechselte zum nächsten Lied, doch die Lautstärke blieb unverändert. Die tiefen Bässe rollten weiterhin durch den Raum und ließen den Boden unter den Füßen der Gäste spürbar vibrieren. Bunte Lichter glitten über die Tanzfläche, wechselten im Takt der Musik ihre Farben und tauchten den gesamten Club immer wieder in andere schimmernde Farbtöne.
Auch im VIP-Bereich war die Stimmung inzwischen noch ausgelassener geworden. Kaito stand mittlerweile sogar auf dem Tisch. Seine Schuhe standen zwischen den Gläsern, während er mit einer Hand sein Glas hoch über den Kopf hielt. Mit der anderen Hand deutete er dramatisch in die Luft, während er laut zu dem Lied mitsang, das gerade aus den Boxen dröhnte.
„Das ist mein Lied!“ rief er begeistert und breitete theatralisch die Arme aus, als würde er vor einem riesigen Publikum stehen. Mehrere Gäste in der Nähe drehten sich zu ihm um. Einige lachten, andere klatschten im Takt, während Kaito mit übertriebener Leidenschaft die nächste Liedzeile mitsang und dabei leicht mit den Schultern im Rhythmus wippte. Heiji lehnte sich entspannt in seinem Stuhl zurück und beobachtete das Ganze mit sichtlicher Belustigung. Sein Blick folgte Kaito, der sich weiterhin auf dem Tisch bewegte, als würde er tatsächlich auf einer Bühne stehen.
„Du benimmst dich wie ein verdammter Rockstar“, sagte Heiji grinsend. Er griff in die Tasche seiner Hose und zog ein paar Geldscheine hervor. Mit einem breiten Grinsen beugte er sich nach vorne und streckte die Hand zu Kaito hinauf. Während Kaito gerade eine besonders dramatische Liedzeile mitsang, schob Heiji ihm die Geldscheine spielerisch in den Gürtel.
„Hier“, sagte Heiji amüsiert.
„Für die Show.“ Kaito unterbrach für einen Moment sein Singen und blickte nach unten. Als er die Geldscheine entdeckte, brach er laut in Gelächter aus. Er griff kurz danach, zog sie ein Stück heraus und wedelte damit in der Luft.
„Jungs!“ rief er triumphierend.
„Die nächste Runde geht auf mich!“ Heiji schüttelte lachend den Kopf und nahm einen Schluck aus seinem Glas, während Kaito bereits wieder weiter sang und sich erneut zur Musik bewegte. Während die beiden herumalberten, hatte Shinichi seine Aufmerksamkeit längst auf etwas anderes gerichtet. Er saß entspannt auf seinem Platz im VIP-Bereich. Sein Körper war locker gegen die Rückenlehne des Stuhls gelehnt, während er sein Glas in der Hand hielt. Sein Blick wanderte langsam über die Menschen auf der Tanzfläche. Schließlich blieb sein Blick an einer jungen Frau hängen. Er beobachtete sie einen kurzen Moment, ehe sich ein leichtes, selbstsicheres Lächeln auf seinen Lippen bildete. Shinichi hob die Hand und winkte sie mit einer lockeren Bewegung zu sich. Die junge Frau mit den langen blonden Haaren bemerkte seine Geste. Sie drehte den Kopf zu ihm und lächelte leicht. Ihre Haare fielen in weichen Strähnen über ihre Schultern, teilweise zurückgesteckt, sodass ihr Gesicht frei blieb. Einen Moment lang zögerte sie, dann machte sie sich schließlich auf den Weg zu ihm. Als sie den Tisch erreichte, stellte Shinichi sein Glas auf dem Tisch ab und zog seinen Stuhl ein kleines Stück zur Seite, um ihr Platz zu machen. Er sah zu ihr auf.
„Komm her“, sagte er ruhig und klopfte leicht auf sein Knie. Die junge Frau blickte kurz zu ihm hinunter. Ein kleines, amüsiertes Lächeln erschien auf ihren Lippen, bevor sie schließlich einen Schritt näher trat. Ohne viel zu zögern setzte sie sich auf seinen Schoß. Das enge Kleid schmiegte sich eng an ihren Körper, während sie sich leicht zu ihm drehte, damit sie ihm gegenübersaß. Ein leises Kichern entkam ihr, als Shinichi sich sofort ein Stück zu ihr vorbeugte. Er neigte den Kopf näher zu ihrem Ohr.
„Möchtest du was trinken?“, flüsterte er mit ruhiger Stimme. Die junge Frau nickte leicht den Kopf. Ein amüsiertes Lächeln spielte auf ihren Lippen.
„Einen Orgasmus, bitte.“, erwiderte sie leise. Shinichi grinste leicht.
Während sie sich unterhielten, legte er seine Hand auf ihr nacktes Bein. Seine Finger ruhten dort einen Moment, bevor sie langsam darüber nach oben glitten, bis zu ihrer Hüfte. Das enge Kleid schmiegte sich perfekt an ihre Figur und wirkte elegant, was Shinichi sichtlich gefiel. Die junge Frau ließ ihre Finger währenddessen zum Kragen seines Hemdes wandern. Spielerisch griff sie nach dem Stoff und zog leicht daran, während sie ihn mit einem unaufhörlichen Lächeln ansah.
„Du bist ziemlich direkt“, bemerkte sie. Shinichi zuckte leicht mit den Schultern.
„Ich verschwende nicht gern Zeit“, antwortete er ruhig. Sie lachte leise über seine Worte und schüttelte leicht den Kopf. Shinichi beugte sich erneut näher zu ihr und flüsterte ihr etwas ins Ohr. Ihre Augen weiteten sich leicht. Gleichzeitig wurde die leichte Alkoholröte auf ihren Wangen etwas deutlicher. Sie biss sich kurz auf die Unterlippe
„Du bist unmöglich“, murmelte sie. Shinichi erwiderte nichts darauf. Stattdessen sah er sie nur mit einem selbstsicheren Lächeln an. Für einen Moment hielten sich ihre Blicke fest. Die Musik spielte weiter, Stimmen und Gelächter erfüllten den Raum, doch keiner von beiden achtete darauf. Langsam hob Shinichi seine Hand und legte sie unter ihr Haar an ihren Nacken. Seine Finger ruhten dort, während er sie vorsichtig ein Stück näher zu sich zog. Dann küsste er sie. Zuerst erwiderte sie den Kuss zögernd. Ihre Lippen bewegten sich vorsichtig gegen seine, während ihre Hände noch einen Moment unsicher waren. Doch nur wenige Sekunden später legte sie ihre Arme um seinen Hals. Ihre Finger verschränkten sich leicht hinter seinem Nacken, während sie sich näher an ihn lehnte. Der zögernde Kuss wurde schnell leidenschaftlicher. In diesem Moment ertönte ein lauter Pfiff. Kaito hatte sich halb zu ihnen umgedreht. Noch immer stand er auf dem Tisch und beobachtete die Szene mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Er steckte sich zwei Finger in den Mund und pfiff noch einmal laut.
„Ohhh!“ rief er durch die laute Musik.
„Casanova, Casanovaaa!“ Heiji, der das Ganze ebenfalls bemerkt hatte, drehte den Kopf zu ihnen und begann ebenfalls zu lachen. Er lehnte sich zurück und schüttelte leicht den Kopf.
„Der Typ verschwendet wirklich keine Zeit“, meinte er grinsend. Doch Shinichi kümmerte das nicht. Er schenkte weder Kaito noch Heiji auch nur einen Blick. Seine Aufmerksamkeit blieb ganz bei der jungen Frau auf seinem Schoß, während er den Kuss mit ihr unbeirrt fortsetzte.
Nach einigen Stunden stolperte Shinichi mit seiner neuen Eroberung küssend in sein Zimmer. Kaum hatten sie die Schwelle überschritten, fiel die Tür hinter ihnen ins Schloss. Ihre Lippen hatten sich noch immer nicht voneinander gelöst. Der Alkohol hatte deutlich seine Wirkung in ihren Körpern entfaltet, was sich in ihren leicht unsicheren Schritten bemerkbar machte. Während sie sich weiter in den Raum bewegten, mussten sie immer wieder leise lachen, weil sie beinahe übereinander stolperten, ohne jedoch den Kuss zu unterbrechen. Die Blondine griff mit beiden Händen nach seinem Hemdkragen und zog ihn näher zu sich. Während sie ihn erneut küsste, begannen ihre Finger ungeduldig die Knöpfe seines Hemdes zu öffnen. Einer nach dem anderen löste sich, während ihre Finger hastig arbeiteten und der Stoff sich langsam öffnete. Shinichi ließ sie gewähren und sah kurz an sich hinunter, während sie weiter an den Knöpfen arbeitete
„Du bist ganz schön ungeduldig“, murmelte er leise gegen ihre Lippen und grinste dabei leicht. Die Blondine hob kurz den Blick zu ihm und schmunzelte.
„Beschwer dich nicht“, erwiderte sie mit einem leisen Kichern, während sie den nächsten Knopf öffnete. Shinichi legte seine Hände an ihre Hüften. Seine Finger schlossen sich leicht um den Stoff ihres Kleides, während er begann, sie langsam rückwärts durch den Raum zu drängen. Schritt für Schritt wich sie zurück, ohne den Blick von ihm zu lösen. Ihre Hände blieben weiterhin an seinem Hemd, während sie rückwärtsging. Dann stießen ihre Kniekehlen gegen die Bettkante. Die Blondine verlor leicht das Gleichgewicht und fiel im nächsten Moment rückwärts auf die Matratze. Ein überraschter, aber belustigter Laut entwich ihr, während sie auf dem Bett landete. Ihre blonden Haare breiteten sich über dem Kissen aus, während sie zu ihm hinaufblickte. Shinichi beugte sich sofort über sie. Seine Hände stützten sich links und rechts neben ihrem Körper auf der Matratze ab, sodass er über ihr war. Er musterte sie kurz, bevor er sich zu ihrem Hals hinunterbeugte. Seine Lippen streiften ihre Haut, während er ihren Hals küsste. Die Blondine atmete hörbar aus und legte eine Hand an seinen Nacken. Ihre Finger glitten leicht durch seine Haare, während sie den Kopf etwas zur Seite neigte.
"Shinichi" Shinichi antwortete nicht sofort. Stattdessen küsste er langsam weiter ihren Hals. Währenddessen glitt seine Hand über ihr nacktes Bein. Seine Finger strichen leicht über ihre Haut, während seine Hand langsam weiter nach oben wanderte. Dabei schob er den Stoff ihres Kleides ein Stück höher. Doch plötzlich ging die Tür zu seinem eigenen Badezimmer auf. Shinichi hielt mitten in seiner Bewegung inne. Sein Kopf hob sich sofort. Im Türrahmen stand Yui, die Hausangestellte der Familie Kudo. In ihren Händen hielt sie einen Korb voll Wäsche, den sie offenbar gerade aus dem Badezimmer holen wollte. Für einen kurzen Moment herrschte absolute Stille im Raum. Yui ihre Augen weiteten sich leicht, als ihr Blick auf die Szene auf dem Bett fiel.
„Oh!“ entfuhr es ihr erschrocken. Sofort senkte sie den Blick und machte einen hastigen Schritt rückwärts.
„Es tut mir leid, Shinichi“, sagte sie schnell. Während sie sprach, verbeugte sie sich leicht und hielt den Wäschekorb etwas fester an sich.
„Ich wollte nur die Wäsche holen.“ Shinichi richtete sich ein wenig auf. Er sah zu ihr hinüber und musterte die Situation einen kurzen Moment. Dann erschien ein amüsiertes Grinsen auf seinem Gesicht.
Er fuhr sich kurz mit der Hand durch die Haare.
„Schon gut“, sagte er ruhig. Er nickte ihr locker zu.
„Mach einfach weiter.“ Yui verbeugte sich noch einmal kurz
„Entschuldigen Sie die Störung“, sagte sie hastig. Ohne noch einmal aufzusehen, drehte sie sich um und verließ mit schnellen Schritten das Zimmer. Kurz darauf fiel die Tür wieder ins Schloss. Es war nicht das erste Mal gewesen, dass Yui ihn in so einer Situation erwischte, insbesondere nicht, wenn er bis in die frühen Morgenstunden feiern gewesen war. Shinichi wandte sich wieder der Blondine auf seinem Bett zu. Er wollte sich gerade wieder zu ihr hinunterbeugen und dort weitermachen, wo sie aufgehört hatten. Seine Hand legte sich wieder an ihre Seite, während er sich näher zu ihr beugte. Doch noch bevor sich ihre Lippen wieder berühren konnten, legte sie ihre Hand gegen seine Brust und hielt ihn auf.
„Warte“, sagte sie leise. Shinichi blinzelte kurz und sah sie fragend an.
„Was ist?“ Die Blondine wirkte plötzlich deutlich unsicherer als zuvor. Sie wich seinem Blick ein wenig aus und setzte sich langsam auf.
„Ich glaube… ich sollte lieber gehen“, murmelte sie und strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Shinichi richtete sich ebenfalls auf und rutschte ein Stück zurück, während er beobachtete, wie sie vom Bett aufstand. Sie griff nach ihrer Handtasche, die neben dem Bett auf dem Boden lag. Danach bückte sie sich kurz, nahm ihre High Heels in die Hand und richtete sich wieder auf.
„War trotzdem ein schöner Abend“, sagte sie schließlich mit einem kleinen, etwas verlegenen Lächeln. Shinichi zuckte leicht mit den Schultern.
„Ja“, antwortete er ruhig. Die Blondine nickte noch einmal kurz. Dann ging sie zur Tür. Für einen Moment blieb ihre Hand auf der Klinke liegen, doch sie drehte sich nicht mehr um. Schließlich öffnete sie die Tür, trat hinaus und zog sie hinter sich wieder zu. Im Zimmer wurde es wieder still. Shinichi ließ sich zurück auf sein Bett fallen. Die Matratze gab leicht unter seinem Gewicht nach, während er ein leises Seufzen ausstieß. Einen Moment lang starrte er einfach nur an die Decke. Doch wirklich störte es ihn nicht. Eigentlich war es ihm egal gewesen. Immerhin wäre sie nur eine weitere unbedeutsame Nummer in seinem Sexleben gewesen.
Die Sonne stand bereits hoch am Himmel, während ihre warmen Strahlen die Straßen auf natürliche Weise erhellten und die Luft langsam aufheizten. Zwischen den hohen Gebäuden der Stadt spiegelte sich das Licht in den Fenstern, während unten auf den Gehwegen reger Betrieb herrschte. Menschen bewegten sich geschäftig durch die Straßen. Einige kamen gerade von der Arbeit und machten sich müde auf den Heimweg, während andere ihren Dienst erst begonnen hatten und mit schnellen Schritten zu ihren Arbeitsplätzen eilten. Wieder andere erledigten ihre alltäglichen Verpflichtungen, gingen mit Einkaufstaschen in der Hand durch die Straßen oder waren auf dem Weg zu wichtigen Terminen. Shinichi hatte in diesem Moment nichts mit dieser Hektik zu tun. Er war erst vor knapp zwanzig Minuten aufgestanden und hatte sich eine entspannte Dusche gegönnt. Das warme Wasser hatte die letzten Spuren der langen Nacht vertrieben, während der Dampf noch eine Zeit lang im Badezimmer gehangen hatte. Nun stand er vor dem Spiegel seines Badezimmers. Er trug bereits eine schwarze Jeanshose und ein schlichtes weißes Shirt. Während er sein Spiegelbild betrachtete, griff er nach einem frisch gewaschenen dunkelblauen Jeanshemd, das über dem Waschbecken hing.
Er hob es an, schüttelte es einmal kurz aus und schlüpfte dann in die Ärmel. Der Stoff glitt über seine Schultern, während er das Hemd ordentlich zurechtzog. Anschließend richtete er den Kragen leicht und ließ die Knöpfe bewusst offen, sodass das weiße Shirt darunter sichtbar blieb. Sein Blick blieb noch einen Moment im Spiegel hängen. Mit einer Hand fuhr er sich durch sein Haar und strich mehrmals hindurch. Einige Strähnen fielen wieder leicht nach vorne, weshalb er sie erneut zurechtzupfte. Er legte sie mit ein paar geübten Bewegungen so, bis sie für ihn richtig saßen. Er neigte den Kopf leicht nach links, dann nach rechts und betrachtete sich noch einmal kritisch.
„Passt“, murmelte er schließlich leise zu sich selbst. Zufrieden wandte er sich vom Spiegel ab und verließ das Badezimmer. Als er zurück in sein Zimmer trat, fiel sein Blick sofort auf seine weißen Sneaker von Nike, die ordentlich neben seinem Bett standen. Er ging hinüber, setzte sich kurz auf die Bettkante und griff nach den Schuhen. Er schlüpfte hinein und zog die Fersen kurz fest. Statt die Schnürsenkel zu binden, steckte er sie einfach locker an die Seiten seiner Sneaker. Dann stand er wieder auf. Während er zur Tür ging, griff er nach seinem Geldbeutel, der auf seinem Schreibtisch lag. Er steckte ihn lässig in seine hintere Hosentasche und klopfte kurz darauf, um sicherzugehen, dass er richtig saß. Anschließend nahm er den Haustürschlüssel vom kleinen Tisch neben der Tür und ließ ihn in seiner vorderen Hosentasche verschwinden. Shinichi öffnete die Tür seines Zimmers und trat hinaus auf den Flur. Ohne zu hasten machte er sich auf den Weg zur Treppe. Seine Schritte waren ruhig und entspannt, während er die Stufen hinunterging und mit einer Hand locker über das Geländer strich. Als er unten ankam, bog er direkt in die Küche ein. Yui stand am Herd und war gerade dabei, das Abendessen vorzubereiten. In einer Pfanne brutzelte Gemüse, während in einem Topf etwas leise vor sich hin köchelte. Der Duft von frisch gebratenem Gemüse erfüllte bereits den Raum. Als sie Schritte hörte, drehte sie leicht den Kopf über die Schulter.
„Shinichi“, sagte sie freundlich. Shinichi blieb kurz im Türrahmen stehen und lehnte sich locker dagegen.
„Hey, Yui“, erwiderte er. Er stieß sich vom Rahmen ab und trat in die Küche. Während er näher kam, beugte er sich leicht über den Herd und sah kurz neugierig in die Töpfe, in denen sie gerade rührte.
„Das riecht gut“, bemerkte er und hob leicht anerkennend die Augenbrauen. Yui lächelte leicht, während sie mit einem Holzlöffel weiter umrührte.
„Das Abendessen ist gleich fertig“, sagte sie ruhig. Shinichi hob leicht eine Hand und schüttelte den Kopf.
„Ich werde heute auswärts essen“, erklärte er gelassen.
„Mit Heiji und Kaito.“ Yui nickte verständnisvoll.
„Dann stelle ich dir trotzdem etwas beiseite“, sagte sie. Shinichi nickte zustimmend und verschränkte kurz die Arme.
„Danke“, meinte er.
„Ich werde es essen, wenn ich irgendwann zurück bin.“ Yui lächelte leicht und stellte den Löffel kurz zur Seite.
„Natürlich“, antwortete sie.
„Dann wünsche ich euch viel Spaß.“
„Danke“, erwiderte Shinichi. Obwohl Yui nur die Hausangestellte war, hatte Shinichi ein gutes Verhältnis zu ihr. Sie arbeitete schon für die Familie Kudo, seit er ein kleiner Junge gewesen war. In vielen Situationen hatte sie sich um ihn gekümmert und einen großen Teil seiner Erziehung übernommen, besonders wenn seine Eltern auf Geschäftsreisen gewesen waren, was manchmal mehrere Wochen dauerte. Deshalb fiel es Shinichi schwer, sie einfach nur wie eine gewöhnliche Bedienstete zu behandeln, auch wenn seine Eltern das oft taten. Shinichi trat schließlich zum Küchentisch. In der Mitte stand eine große Obstschale. Ohne lange zu überlegen griff er hinein und nahm sich einen Apfel. Er warf ihn kurz spielerisch in die Luft, fing ihn wieder auf und drehte ihn einmal in seiner Hand.
Dann biss er hinein.
„Bis später“, sagte er mit vollem Mund, während er sich bereits wieder zur Tür drehte. Yui nickte ihm zu.
„Bis später, Shinichi.“ Mit dem Apfel in der Hand verließ er schließlich die Küche. Seine Schritte hallten kurz durch den Flur, während er zur Haustür ging. Er griff nach der Türklinke, öffnete die Tür und trat nach draußen, um das Haus zu verlassen.
Eine knappe Stunde später saß Shinichi mit seinen besten Freunden in einem französischen Haute-Cuisine-Restaurant namens L'Osier. Das elegante Restaurant war bekannt für seine exquisite Küche und seine ruhige, gehobene Atmosphäre. Große Kronleuchter hingen von der hohen Decke und warfen warmes, goldenes Licht über den gesamten Raum. Die leise klassische Musik, die im Hintergrund gespielt wurde, mischte sich mit dem gedämpften Stimmengewirr der Gäste. Die Tische waren mit makellos weißen Tischdecken gedeckt. Auf jedem Platz lagen sorgfältig poliertes Besteck, glänzende Gläser und kunstvoll gefaltete Stoffservietten. Kellner in eleganten Anzügen bewegten sich ruhig und beinahe lautlos zwischen den Tischen hindurch und servierten die einzelnen Gänge mit geübter Präzision. Das Restaurant bot ein mehrgängiges Menü aus luxuriösem und extrem hochwertigem Essen an, das kunstvoll angerichtet wurde. Jeder Teller sah beinahe wie ein kleines Kunstwerk aus. Feine Soßenlinien zogen sich über das Porzellan, während kleine Garnierungen das Gericht perfekt abrundeten. Die Portionen wirkten zwar auf den ersten Blick klein, doch die Zutaten waren von außergewöhnlicher Qualität. Der Preis war entsprechend enorm gewesen. Doch der Geschmack und die Qualität waren unbeschreiblich. Kaito saß entspannt in seinem Stuhl zurückgelehnt und betrachtete gerade sein Wagyu-Steak auf dem Teller vor sich. Das Fleisch war perfekt gebraten, außen leicht angebraten und innen zartrosa. Dünne Scheiben lagen kunstvoll auf dem Teller, daneben eine kleine Portion Gemüse und eine feine Soße. Er nahm sein Messer und seine Gabel in die Hand und schnitt sich langsam ein Stück ab. Das Messer glitt beinahe mühelos durch das zarte Fleisch.
„Siehst du das?“ murmelte er begeistert und hob das Stück leicht mit der Gabel an.
„Das zerfällt ja fast von alleine.“ Er führte das Stück langsam zum Mund und steckte es sich hinein. Dann begann er absichtlich langsam zu kauen. Seine Augen schlossen sich einen Moment, während er den Geschmack in seinem Mund entfalten ließ. Seine Schultern sanken leicht nach unten, als würde er sich vollkommen in diesem Moment verlieren.
„Unglaublich“, murmelte er schließlich. Er schluckte und ließ den Kopf leicht nach hinten sinken.
„Ich schwöre, das ist das beste Steak, das ich je gegessen habe.“ Shinichi, der ihm gegenüber saß, hob leicht eine Augenbraue und stützte seinen Ellbogen locker auf dem Tisch ab.
„Du sagst das jedes Mal“, bemerkte er trocken. Kaito öffnete wieder die Augen und grinste breit.
„Weil es jedes Mal stimmt“, erwiderte er und schnitt sich sofort das nächste Stück ab. Neben ihnen griff Heiji nach seinem Glas. Darin befand sich Whisky der Marke Suntory Yamazaki, zusammen mit zwei langsam schmelzenden Eiswürfeln. Er hob das Glas leicht an und drehte es ein wenig zwischen seinen Fingern, sodass sich der goldene Whisky langsam im Glas bewegte.
„Yamazaki“, sagte Heiji zufrieden.
„Der König der japanischen Whiskys.“ Er hob das Glas an die Lippen und nahm einen ruhigen Schluck. Einen Moment lang ließ er die Flüssigkeit auf der Zunge ruhen, bevor er sie langsam hinunterschluckte. Dann stellte er das Glas wieder ab und atmete zufrieden aus.
„Verdammt gut“, fügte er hinzu. Shinichi nahm ebenfalls sein Glas und lehnte sich leicht in seinem Stuhl zurück. Er nahm einen kleinen Schluck und stellte das Glas anschließend wieder auf den Tisch.
Währenddessen brachte ein Kellner bereits den nächsten Gang.
„Ihr nächster Gang“, sagte der Kellner höflich und stellte die Teller vor ihnen ab. Die drei warfen kurz einen Blick auf die kunstvoll angerichteten Speisen.
„Das sieht fast zu gut aus, um es zu essen“, meinte Kaito und beugte sich etwas vor.
„Du wirst es trotzdem essen“, erwiderte Heiji trocken. Kaito griff bereits nach seinem Besteck.
„Natürlich.“ Die Gänge, die nach und nach serviert wurden, waren einfach nur himmlisch gewesen. Jeder Teller wurde vom Kellner mit einer kurzen Erklärung präsentiert, bevor er sich höflich verbeugte und wieder verschwand, um den nächsten Gang vorzubereiten.
Währenddessen unterhielten sich die drei Freunde locker miteinander. Kaito schnitt sich noch ein weiteres Stück Steak ab und sah dabei zu Shinichi.
„Also“, begann er und hob leicht eine Augenbraue.
„Wie viele Nummern hast du gestern eigentlich gesammelt?“ Shinichi verzog leicht den Mund und griff nach seinem Glas.
„Keine.“ Heiji, der gerade wieder nach seinem Whisky greifen wollte, hielt kurz inne und begann leise zu lachen.
„Lüg doch nicht.“ Shinichi nahm einen Schluck und stellte das Glas wieder ab. Dann zuckte er mit den Schultern.
„Ich hab sie nicht gezählt und die Zettel immer weggeworfen.“ Kaito hielt mitten in seiner Bewegung inne und sah ihn ungläubig an.
„Du hast sie weggeworfen?“ Shinichi nickte ruhig. Kaito schüttelte grinsend den Kopf und lehnte sich zurück.
„Unfassbar“, sagte er kopfschüttelnd.
„Da geben dir heiße Frauen ihre Nummern und du wirfst sie einfach weg.“ Heiji grinste schief.
„Manche Leute haben einfach zu viel Auswahl.“ Nachdem sie schließlich gegessen hatten, kam ein Kellner mit der Rechnung an den Tisch. Er legte sie vorsichtig auf ein kleines Tablett. Shinichi griff danach und warf einen kurzen Blick darauf. Ohne lange darüber nachzudenken zog er seinen Geldbeutel hervor und nahm seine Karte heraus. Er legte sie auf das Tablett und schob es dem Kellner wieder zu. Der Kellner verbeugte sich leicht.
„Einen Moment bitte.“ Einige Minuten später kam er zurück und legte die Karte wieder vor Shinichi ab. Shinichi nahm sie entgegen und steckte sie zurück in seinen Geldbeutel. Anschließend legte er zusätzlich ein ordentliches Trinkgeld auf das Tablett. Der Kellner verbeugte sich erneut.
„Vielen Dank für Ihren Besuch“, sagte er höflich. Die drei standen schließlich von ihren Plätzen auf. Kaito griff nach seiner Jacke und schlüpfte hinein, während Shinichi sich kurz streckte. Heiji nahm ebenfalls seine Jacke vom Stuhl und zog sie über. Gemeinsam verließen sie das Restaurant. Draußen war die Sonne bereits dabei unterzugehen. Der Himmel färbte sich langsam in warme Orange- und Rottöne, während die ersten Lichter der Stadt zu leuchten begannen. Kaito blieb kurz stehen und streckte die Arme über den Kopf.
„Perfektes Timing“, meinte er zufrieden. Heiji steckte seine Hände in die Taschen seiner Jacke.
„Der Abend fängt gerade erst an“, sagte er. Shinichi grinste leicht. Es war nichts Ungewöhnliches für sie, dass die Sonne bereits wieder unterging, wenn sie unterwegs waren. Seit geraumer Zeit fand ihr Alltag größtenteils im Nachtleben statt. Genauer gesagt, seitdem sie das Alter erreicht hatten, um auf Partys zu gehen.
„Also“, sagte Kaito schließlich und drehte sich zu den beiden.
„In welchen Club gehen wir heute?“ Shinichi hatte bereits begonnen die Straße entlangzugehen.
„Der gleiche wie gestern“, antwortete er gelassen. Heiji schnaubte amüsiert.
„Du willst wohl nachsehen, ob deine Blondine von gestern wieder da ist.“ Shinichi zuckte leicht mit den Schultern.
„Vielleicht.“ Kaito grinste breit.
„Du bist wirklich hoffnungslos.“ Die drei Freunde schlenderten schließlich gemeinsam durch die Straßen der Stadt. Die Lichter der Bars und Clubs begannen langsam aufzuleuchten, während immer mehr Menschen auf den Straßen unterwegs waren. Ihr Ziel war bereits klar. Der Club wartete schon auf sie.
Eine große Schlange an Menschen stand vor dem beliebten Club SEL Octagon Tokyo. Die Gäste warteten hinter den Absperrungen, die sich in einer langen Reihe bis zur Straßenecke zogen. Aus dem Inneren des Gebäudes drangen bereits dumpf die Bässe der Musik nach draußen und ließen den Boden leicht vibrieren. Einige der wartenden Gäste unterhielten sich leise miteinander, während andere immer wieder zur Eingangstür blickten. Manche überprüften noch einmal ihr Outfit, strichen ihre Kleidung glatt oder zogen ihre Jacken zurecht. Vor dem Eingang standen mehrere Türsteher mit verschränkten Armen. Ihre Blicke wanderten aufmerksam über die wartenden Menschen. Sie musterten jeden einzelnen Gast genau und prüften sorgfältig Kleidung, Auftreten und Haltung. Nur wer angemessen gekleidet war und dem strengen Dresscode entsprach, durfte eintreten. Mehrmals wurden Männer aus der Schlange gebeten, zur Seite zu treten. Herren mit abgetragenen Turnschuhen, Shorts, Sandalen, Flip-Flops, ärmellosen Shirts oder sehr sportlicher Kleidung bekamen keinen Zutritt.
„Tut mir leid“, sagte einer der Türsteher knapp zu einem jungen Mann, der gerade versuchte zu diskutieren.
„Heute nicht.“ Der Mann seufzte frustriert und zog sich schließlich zurück. Auch bei den Frauen wurde genau hingesehen. Zu freizügige Kleidung war ein klares No-Go. Eleganz und ein gepflegtes Erscheinungsbild waren das A und O, um in diesem Club Zutritt zu bekommen. Während sich die Schlange langsam vorwärts bewegte, tauchten Shinichi, Kaito und Heiji am Ende der Straße auf. Die drei gingen entspannt nebeneinander den Gehweg entlang. Shinichi hatte eine Hand locker in der Tasche seiner Jeans, während er den Blick kurz über die wartenden Menschen gleiten ließ. Kaito ließ seinen Blick neugierig über die Menge wandern und pfiff leise vor sich hin
„Ganz schön voll heute“, bemerkte er und hob leicht die Augenbrauen. Heiji sah kurz zu der langen Schlange hinüber und zuckte mit den Schultern.
„Wie immer“, meinte er gelassen. Shinichi ging ohne zu zögern weiter. Die drei liefen direkt an der wartenden Menschenmasse vorbei. Einige Gäste sahen ihnen irritiert hinterher, als sie einfach an der gesamten Schlange vorbeigingen und zielstrebig auf den Eingang zusteuerten. Vor der Tür blieb Shinichi schließlich vor einem der Türsteher stehen. Er zog ruhig seinen Ausweis aus der Tasche und hielt ihn ihm hin.
„Abend“, sagte er gelassen. Kaito und Heiji griffen ebenfalls nach ihren Ausweisen und reichten sie dem Türsteher. Der Mann nahm die Dokumente entgegen und warf einen kurzen Blick darauf. Danach griff er zu seinem Klemmbrett und begann die Liste zu überfliegen.
Sein Finger glitt über mehrere Namen, bis er schließlich stehen blieb.
Er hob den Blick wieder zu Shinichi.
„Kudo“, sagte er knapp. Shinichi nickte leicht. Der Türsteher setzte ein kurzes Häkchen hinter den Namen auf der Liste.
„VIP-Bereich ist reserviert“, murmelte er. Dann gab er die Ausweise zurück und trat einen Schritt zur Seite. Mit einer kurzen Bewegung öffnete er die Absperrung.
„Viel Spaß.“
„Danke“, erwiderte Shinichi ruhig. Die drei betraten den Club. Schon im Eingangsbereich schlug ihnen die laute Musik entgegen. Die tiefen Bässe dröhnten aus den Boxen und waren sofort im ganzen Körper spürbar. Bunte Lichter flackerten über die Wände, über den Boden und über die Gesichter der Gäste. Kaito sah sich kurz um und grinste
„Das gefällt mir“, sagte er laut über die Musik hinweg. Eine Mitarbeiterin des Clubs kam ihnen entgegen. Sie trug ein elegantes schwarzes Kleid und lächelte freundlich.
„Guten Abend“, begrüßte sie die drei.
„Der VIP-Bereich für Sie ist vorbereitet. Bitte folgen Sie mir.“ Shinichi nickte leicht.
„Danke.“ Die Mitarbeiterin führte sie durch den Club. Während sie sich durch die Menge bewegten, glitten bunte Lichtstrahlen über ihre Gesichter. Auf der Tanzfläche tanzten bereits zahlreiche Gäste im Takt der Musik. Kaito blieb kurz stehen und sah sich um.
„Hier ist heute richtig was los“, sagte er.
„Beweg dich“, meinte Heiji und legte ihm kurz die Hand auf die Schulter, damit sie weitergehen konnten. Die Mitarbeiterin führte sie schließlich eine kleine Treppe hinauf, die zu einer etwas erhöhten Plattform führte. Dort befand sich ihr VIP-Bereich. Die Plattform war mit einer abgerundeten, eleganten Couch ausgestattet, die sich um einen niedrigen Tisch herumzog. Von dort aus hatten sie eine perfekte Sicht auf den Dancefloor, der direkt unter ihnen lag. Die Mitarbeiterin blieb stehen und deutete auf die Couch.
„Hier wäre Ihr Tisch.“ In der Mitte des Tisches stand ein eleganter Eiseimer mit LED-Beleuchtung. Das Licht schimmerte durch den transparenten Behälter und ließ den Nebel des Trockeneises langsam über den Rand fließen. Im Eiseimer steckten mehrere Flaschen. Eine Champagnerflasche, eine Flasche Whisky sowie einige Softdrinks lagen zwischen den Eisstücken und kühlten. Außerdem standen mehrere Gläser und kleinere Schüsseln mit Kakipi auf dem Tisch.
„Wenn Sie etwas benötigen, lassen Sie es mich einfach wissen“, sagte die Mitarbeiterin freundlich.
„Danke“, antwortete Shinichi. Die Mitarbeiterin verbeugte sich leicht und verschwand anschließend wieder zwischen den Gästen. Die drei ließen sich auf der eleganten Couch nieder. Kaito ließ sich zuerst fallen und streckte zufrieden die Beine aus.
„Nicht schlecht“, meinte er und sah sich anerkennend um. Heiji setzte sich neben ihn und griff nach einem der Gläser auf dem Tisch. Während er es in der Hand drehte, sah er hinunter auf die tanzenden Menschen.
„Die Aussicht ist perfekt“, bemerkte er. Shinichi griff bereits nach der Champagnerflasche im Eiseimer. Er zog sie heraus und wischte kurz das Wasser vom Flaschenhals. Dann hielt er sie leicht schräg und begann den Drahtkorb zu lösen. Kaito beugte sich neugierig nach vorne.
„Mach es ordentlich“, sagte er grinsend. Shinichi drehte den Korken langsam. Im nächsten Moment ertönte ein lauter Knall. Der Korken schoss aus der Flasche und verschwand irgendwo zwischen den bunten Lichtern des Clubs. Ein wenig der prickelnden Flüssigkeit schwappte aus der Flasche und lief über den Flaschenhals. Kaito lachte laut.
„Das nenne ich einen Start!“ Heiji griff nach drei Gläsern und stellte sie nacheinander vor Shinichi auf den Tisch.
„Los, füll ein“, sagte er grinsend. Shinichi hob die Flasche und goss den Champagner langsam in die Gläser. Die goldene Flüssigkeit perlte auf und bildete feine Bläschen. Nachdem alle Gläser gefüllt waren, griff jeder von ihnen nach einem. Kaito hob sein Glas hoch
„Auf eine lange Nacht!“ Heiji hob ebenfalls sein Glas.
„Und auf schlechte Entscheidungen“, fügte er grinsend hinzu. Shinichi hob sein Glas leicht.
„Darauf.“ Mit einem lauten Grölen stießen sie ihre Gläser zusammen.
Dann setzten sie die Gläser gleichzeitig an die Lippen und tranken.
Während sich auf der Tanzfläche unzählige Menschen dicht an dicht bewegten und ihre Körper im Takt der Musik schwangen, herrschte im VIP-Bereich bereits ausgelassene Stimmung. Die schweren Bässe der Musik ließen den Boden spürbar vibrieren, während bunte Lichter über die Gesichter der Gäste flackerten und immer wieder andere Farben über den Raum warfen. Shinichi, Kaito und Heiji hatten es sich auf ihrer Couch bequem gemacht, doch ruhig saßen sie schon längst nicht mehr. Die drei Freunde feierten lautstark. Immer wieder griff einer von ihnen nach einem Glas, während Gelächter und laute Rufe über den Tisch hinweg gingen. Vor ihnen standen bereits mehrere leere Shotgläser, die sich langsam auf dem Tisch sammelten. Zwischen den Gläsern standen noch halbvolle Drinks und die Schüsseln mit Kakipi, aus denen Kaito immer wieder eine Handvoll nahm. In diesem Moment kam erneut eine Mitarbeiterin des Clubs zu ihrem Tisch. Auf ihrem runden Tablett standen zwölf frisch gefüllte Shotgläser, deren Flüssigkeit im bunten Licht leicht schimmerte
„Noch eine Runde für Sie“, sagte sie mit einem freundlichen Lächeln und stellte das Tablett vorsichtig auf dem Tisch ab. Kaito rieb sich begeistert die Hände.
„Perfektes Timing“, rief er laut über die Musik hinweg. Heiji griff sofort nach einem der Gläser und hob es in die Luft, während er sich leicht nach vorne beugte.
„Das wird langsam Tradition“, meinte er grinsend. Shinichi nahm sich ebenfalls einen Shot und drehte das Glas kurz zwischen seinen Fingern. Kaito hob sein Glas.
„Bereit?“ fragte er mit breitem Grinsen. Heiji nickte sofort.
„Immer.“ Die drei hoben gleichzeitig ihre Gläser.
„Auf die nächste Runde!“ rief Kaito. Mit lautem Grölen stießen sie ihre Gläser zusammen. Das Klirren ging beinahe im Lärm der Musik unter.
Dann kippten sie die Shots in einem Zug hinunter, ohne auch nur das Gesicht zu verziehen. Sie hatten bereits so viele davon getrunken, dass sie sich längst an den brennenden Geschmack gewöhnt hatten.
Kaito stellte sein leeres Glas wieder auf den Tisch und wischte sich mit dem Handrücken über den Mund.
„Der wird immer besser“, behauptete er zufrieden. Heiji lachte und griff bereits nach dem nächsten Shot.
„Du sagst das auch bei jedem“, meinte er und kippte den nächsten Shot ebenfalls hinunter. Währenddessen ließ Shinichi seinen Blick über die tanzende Menschenmenge gleiten. Sein Grinsen wurde langsam schief, als etwas seine Aufmerksamkeit erregte. Zwischen den tanzenden Gästen bewegte sich eine Frau in einem eleganten Kleid. Ihr lockiges schwarzes Haar fiel bis zu ihrem Unterrücken und bewegte sich leicht, während sie tanzte. Ihre Hüften zeichneten fließende, perfekte Kreise im Rhythmus der Musik. Shinichi beobachtete sie einen Moment lang aufmerksam. Dann stellte er sein Glas auf den Tisch.
„Bin gleich wieder da“, sagte er knapp. Kaito sah ihm sofort hinterher und grinste breit.
„Natürlich bist du das.“ Shinichi stand auf, strich kurz sein Hemd glatt und verließ ohne zu zögern den VIP-Bereich. Er bahnte sich seinen Weg durch die Menge auf der Tanzfläche, während die Lichter über sein Gesicht flackerten. Kaito beugte sich leicht nach vorne und stützte seine Arme auf dem Tisch ab.
„Und es geht schon wieder los“, murmelte er amüsiert. Heiji nahm einen Schluck von seinem Drink und beobachtete ebenfalls die Szene.
„Schnapp macht das Krokodil“, sagte er trocken.
„Krokodil schnapp.“ Kaito lachte leise. Die beiden sahen zu, wie Shinichi schließlich bei der Frau angekommen war. Er sagte etwas zu ihr und beugte sich leicht zu ihr herunter, um gegen die laute Musik anzukommen. Die Musik war zu laut, um ihre Worte zu hören, doch die Körpersprache war eindeutig. Die Frau lächelte leicht und beugte sich ebenfalls näher zu ihm. Kaito grinste.
„Zu einfach.“ Nach einem kurzen Gespräch drehte Shinichi sich wieder um und führte die Frau mit sich. Hinter ihr folgten noch drei weitere Frauen, offenbar ihre Freundinnen. Kaito hob überrascht die Augenbrauen.
„Oh“, sagte er amüsiert.
„Er bringt gleich Verstärkung mit.“ Wenig später kehrte Shinichi mit ihnen zum VIP-Bereich zurück. Er blieb kurz vor dem Tisch stehen und deutete mit einer lockeren Bewegung auf seine Freunde.
„Das sind Kaito und Heiji“, sagte er knapp. Kaito hob lächelnd sein Glas.
„Freut mich.“ Heiji nickte ihnen ebenfalls zu und hob kurz seinen Drink. Die Frauen setzten sich auf die Couch und griffen neugierig nach den Shotgläsern auf dem Tisch. Eine von ihnen nahm ein Glas in die Hand und hob es.
„Auf den Abend“, sagte sie.
„Auf den Abend“, wiederholte Kaito sofort. Alle stießen erneut an. Die Gläser klirrten zusammen, bevor die Shots wieder in einem Zug hinuntergekippt wurden. Gelächter ging über den Tisch, während einige der Frauen sich weiter unterhielten. Doch Shinichi seine Aufmerksamkeit lag längst wieder bei der Frau mit den lockigen schwarzen Haaren. Er trat einen Schritt näher zu ihr und begann mit ihr zu tanzen. Die Musik pulsierte laut durch den Raum, während sich die beiden im Rhythmus bewegten. Die Frau presste ihren Körper bewusst gegen seinen, während sie ihre Hüften im Takt bewegte.
Shinichi seine Hände legten sich an ihre Taille. Er grinste leicht und beugte sich näher zu ihr herunter.
„Du tanzt ziemlich gut“, sagte er dicht an ihrem Ohr. Die Frau lächelte und sah kurz zu ihm hoch.
„Du auch“, erwiderte sie. Shinichi flüsterte ihr noch etwas ins Ohr. Die Frau lächelte daraufhin und nickte leicht. Shinichi griff nach ihrer Hand und zog sie sanft mit sich.
„Komm“, sagte er ruhig. Gemeinsam verließen sie den VIP-Bereich und bewegten sich durch den Club in Richtung der hinteren Räume.
Kaito beobachtete das Ganze mit einem breiten Grinsen. Er steckte sich zwei Finger in den Mund und pfiff laut hinter ihnen her.
„Amor hat gezielt und Amor hat getroffen!“ rief er lachend. Heiji hob seinen Drink in Shinichi seine Richtung.
„Lass dich nicht aufhalten!“ rief er grinsend. Shinichi drehte sich nicht einmal mehr um. Er führte die junge Frau weiter durch den Club, bis sie schließlich im hinteren Bereich des Clubs verschwanden. Hinter ihnen dröhnte die Musik weiter durch den Club, während Kaito bereits nach der nächsten Runde Shots griff.
Imperium: Kudo
Das leise Klopfen an der Tür drang nur schwach durch die Stille des Zimmers. Shinichi reagierte nicht. Er lag noch immer halb unter der Decke, das Gesicht leicht in das Kissen gedrückt. Sein Atem ging ruhig und gleichmäßig. Die schweren Vorhänge vor den hohen Fenstern hielten das Tageslicht fast vollständig draußen, sodass das Zimmer in ein gedämpftes Grau getaucht war. Neben dem Bett lag sein Handy auf dem Nachttisch. Der Bildschirm blieb dunkel. Auf dem Boden verstreut lagen seine Kleidungsstücke von der vergangenen Nacht. Seine Jeans lag achtlos neben dem Bett, sein Hemd war halb über einen Stuhl gefallen und ein Sneaker lag mitten im Raum, während der zweite irgendwo unter dem Bett verschwunden war. Ein zweites Klopfen an der Tür durchbrach die Stille. Von draußen erklang Yuis Stimme.
„Shinichi?“ Im Bett bewegte sich nichts. Ein leises Grummeln kam unter der Decke hervor. Doch Shinichi machte keinerlei Anstalten, seine Augen zu öffnen oder sich aufzurichten. Die Tür wurde schließlich vorsichtig geöffnet. Yui trat leise in das Zimmer. Sie blieb kurz in der Tür stehen und ließ ihren Blick durch den Raum wandern. Das Chaos auf dem Boden ließ sie kurz die Augenbrauen heben, doch schließlich blieb ihr Blick bei Shinichi im Bett hängen. Sie ging langsam zum Fenster. Mit einer schnellen Bewegung zog sie die schweren Vorhänge auseinander. Im selben Moment fiel grelles Sonnenlicht in das Zimmer.
„Guten Morgen, Shinichi“, sagte sie ruhig. Das Licht traf ihn direkt im Gesicht. Shinichi verzog sofort das Gesicht und hob eine Hand, um sich die Augen abzuschirmen.
„Ugh…“, murmelte er müde und drehte den Kopf zur Seite. Doch das Licht blieb. Langsam bewegte er sich schließlich. Träge drehte er sich auf den Rücken und fuhr sich mit einer Hand über das Gesicht. Seine Haare standen völlig wirr vom Schlaf ab. Er blinzelte mehrmals gegen das helle Licht.
„Wie spät ist es…“, fragte er mit rauer Stimme. Yui drehte sich vom Fenster zu ihm um.
„Es ist bereits nach vier.“ Shinichi blinzelte erneut.
„Nachts?“ Ein kleines Lächeln huschte über Yui ihrem Gesicht.
„Nachmittags.“ Shinichi stieß ein langes, schweres Seufzen aus und setzte sich langsam auf seinem Bett auf. Sofort meldete sich ein leichtes Pochen in seinem Kopf. Er rieb sich kurz die Stirn und schloss für einen Moment die Augen.
„Fantastisch…“ Das Pochen erinnerte ihn sofort daran, wie viel Alkohol am Abend zuvor geflossen war. Shinichi griff nach seinem Handy auf dem Nachttisch und warf einen kurzen Blick auf den Bildschirm. Mehrere Benachrichtigungen erschienen. Ein paar Nachrichten von irgendwelchen Frauen, die ihm über Social Media geschrieben hatten. Er scrollte kurz durch die Nachrichten.
„Hm“, murmelte er desinteressiert. Dann warf er das Handy achtlos wieder auf das Bett. Währenddessen ging Yui durch das Zimmer und begann, die Kleidungsstücke vom Boden aufzuheben. Sie nahm seine Jeans auf, klopfte sie kurz aus und faltete sie ordentlich zusammen, bevor sie sie über den Stuhl legte. Danach hob sie sein Hemd auf. Als sie den Kragen betrachtete, entdeckte sie den Abdruck eines dunkelroten Lippenstifts. Ein leichtes Schmunzeln erschien auf ihrem Gesicht.
„Eine erfolgreiche Nacht, nehme ich an“, bemerkte sie ruhig. Shinichi fuhr sich mit der Hand durch die Haare und sah kurz zu ihr hinüber
„So könnte man es nennen.“ Yui legte das Hemd ebenfalls auf den Stuhl und wandte sich wieder zu ihm.
„Ich habe dich geweckt, weil dein Vater dich sprechen möchte.“ Diese Worte ließen Shinichi kurz innehalten. Seine Hand blieb mitten in der Bewegung stehen, während er sich durch die Haare fuhr. Er sah zu Yui auf.
„Jetzt?“ Yui nickte leicht.
„Er wartet bereits im Arbeitszimmer.“ Eine kurze Pause entstand im Raum. Shinichi ließ sich wieder leicht zurück auf das Bett fallen und starrte zur Decke.
„Natürlich tut er das“, murmelte er trocken. Er atmete langsam aus. Dann richtete er sich wieder auf und stand schließlich auf. Er ging zum Stuhl und griff nach einem sauberen Shirt, das über der Lehne hing. Mit einer schnellen Bewegung zog er es über den Kopf. Während er sich anzog, musterte Yui ihn einen Moment.
„Du siehst müde aus“, stellte sie ruhig fest. Shinichi schnaubte leise.
„Das liegt daran, dass ich es bin.“ Ein schwaches Lächeln erschien auf Yui ihr Gesicht.
„Vielleicht solltest du nachts etwas weniger feiern.“ Shinichi knöpfte gerade seine Jeans zu. Als er fertig war, sah er zu ihr hinüber und grinste leicht.
„Und wo wäre da der Spaß?“ Yui schüttelte leicht den Kopf. Doch ihr Blick wurde kurz darauf wieder ernster.
„Dein Vater wirkt heute… angespannt.“ Shinichi hielt kurz inne. Seine Hand ruhte einen Moment am Verschluss seiner Rolex, während er sie anlegte. Dann zuckte er nur mit den Schultern.
„Er ist immer angespannt.“ Er griff nach seinen Sneakern und zog sie an. Während er sich bückte, fragte er beiläufig,
„Hat er gesagt, was er will?“ Yui schüttelte leicht den Kopf.
„Nein.“ Shinichi richtete sich wieder auf und nickte langsam. Dann ging er zur Tür. Als er an Yui vorbeiging, blieb er kurz stehen. Yui lächelte leicht und begann damit, die Bettdecke ordentlich aufzuschütteln.
„Ich koche dir danach etwas zu essen“, sagte sie ruhig. Shinichi nickte dankend.
„Danke.“ Dann verließ er sein Zimmer. Seine Schritte hallten leise über den Flur, während er sich auf den Weg durch das große Haus machte.
Sein Ziel war das Arbeitszimmer seines Vaters.
Der Flur des Hauses lag still im hellen Licht des Nachmittags. Das Sonnenlicht fiel durch die hohen Fenster entlang der rechten Wand und legte helle Streifen über den dunklen Holzboden. Die Luft im Haus war ruhig, fast unbewegt, als hätte selbst der Nachmittag beschlossen, sich dem stillen Rhythmus dieses großen Hauses anzupassen. Shinichi ging mit ruhigen Schritten durch den langen Korridor. Seine Hände lagen locker in den Taschen seiner Jeans, während seine Sneakers nur ein leises Geräusch auf dem Boden verursachten. Das Haus der Familie Kudo war groß. Schon als Kind hatte Shinichi manchmal das Gefühl gehabt, dass sich die Flure endlos durch das Gebäude zogen. Heute kannte er jeden Winkel dieses Hauses, doch die Größe hatte nie aufgehört, etwas Einschüchterndes an sich zu haben. Am Ende des Flures stand die schwere Tür zum Arbeitszimmer seines Vaters. Shinichi blieb einen Moment davor stehen. Seine Hand legte sich auf die kühle Messingklinke. Für einen kurzen Augenblick bewegte er sie nicht. Es war kein wirklicher Widerstand, eher ein stilles Zögern. Er wusste genau, dass sein Vater ihn nicht ohne Grund hatte rufen lassen.
Dann drückte er die Klinke herunter. Die Tür öffnete sich lautlos.
Das Arbeitszimmer war groß und in dunklen Farben gehalten. Hohe Bücherregale bedeckten die Wände bis zur Decke und waren mit Ordnern, Büchern und Dokumentenmappen gefüllt. Alles stand exakt ausgerichtet nebeneinander, als wäre jedes einzelne Stück Teil eines perfekt geplanten Systems. Der Raum wirkte ruhig. In der Mitte des Zimmers stand ein massiver Schreibtisch aus dunklem Holz. Seine Oberfläche war beinahe vollständig von sorgfältig gestapelten Dokumenten und mehreren Mappen bedeckt. Hinter diesem Schreibtisch saß Yusaku Kudo. Sein Blick ruhte auf mehreren Seiten eines Berichts, während seine Finger ruhig über die Dokumente glitten. Die Schreibtischlampe neben ihm tauchte den Tisch in ein warmes Licht, während der restliche Raum leicht im Schatten lag.
Er bemerkte, dass sein Sohn den Raum betreten hatte. Doch er hob den Kopf nicht sofort. Shinichi trat einige Schritte in das Arbeitszimmer hinein. Hinter ihm schloss sich die Tür mit einem leisen Geräusch. Er blieb stehen. Zwischen ihm und dem Schreibtisch lagen mehrere Meter. Obwohl der Raum groß war, fühlte sich diese Entfernung seltsam deutlich an. An der Seite des Arbeitszimmers, nahe eines großen Fensters, stand ein eleganter Sessel. Dort saß Yukiko Kudo. Sie hatte ein Magazin in den Händen, doch als Shinichi eintrat, hob sie sofort den Blick. Ein warmes Lächeln erschien auf ihrem Gesicht.
„Da ist ja mein Wirbelwind.“ Der Spitzname traf Shinichi wie ein kleines Stück Vergangenheit. Ein leichtes Grinsen erschien auf seinem Gesicht.
„Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich inzwischen zu alt für diesen Namen bin.“ Yukiko legte das Magazin auf ihren Schoß.
„Für mich nicht.“ Ihr Blick wanderte kurz über ihn. Sie bemerkte sofort die zerzausten Haare, den leicht müden Ausdruck in seinen Augen und die Spuren der vergangenen Nacht.
„Außerdem siehst du heute auch noch genauso aus wie früher.“ Shinichi hob leicht eine Augenbraue und lächelte seine Mutter an. Hinter dem Schreibtisch legte Yusaku schließlich den Stift zur Seite.
Langsam hob er den Kopf. Sein Blick ruhte nun auf seinem Sohn. Der Ausdruck in seinen Augen war ruhig, aufmerksam und schwer zu lesen.
„Du bist wach.“ Shinichi zuckte leicht mit den Schultern.
„Mehr oder weniger.“ Yusaku griff nach einer Mappe neben sich.
„Heute Abend findet ein Geschäftsessen statt.“ Allein diese Worte ließen Shinichi innerlich aufseufzen. Es war nicht das Essen selbst, das ihn störte. Die Restaurants, in denen sein Vater solche Treffen veranstaltete, gehörten meist zu den besten der Stadt. Das Essen war hervorragend, der Wein teuer und die Räume elegant. Doch genau das war nie das Problem gewesen. Es waren die Gespräche. Die endlosen Diskussionen über Verträge, Investitionen und wirtschaftliche Strategien. Stundenlange Gespräche, in denen jeder Satz sorgfältig formuliert wurde und jedes Lächeln eine Bedeutung hatte. Shinichi kannte diese Abende. Er hatte sie oft genug erlebt.
Und meistens gab es dort noch einen weiteren Grund, warum er diese Treffen nur ungern besuchte. Die Tochter eines der Geschäftspartner seines Vaters. Sie war ungefähr in seinem Alter und schaffte es bei jedem dieser Essen, sich in seiner Nähe niederzulassen. Ihre Versuche, mit ihm ins Gespräch zu kommen, waren inzwischen beinahe zu einer festen Routine geworden. Sie lachte über alles, was er sagte. Sie stellte ihm Fragen. Und sie versuchte immer wieder, seine Aufmerksamkeit zu gewinnen.
Shinichi wusste schon längst, dass sie in ihn verliebt war. Das Problem war nur, dass dieses Gefühl nicht im Geringsten auf Gegenseitigkeit beruhte. Für ihn waren diese Begegnungen vor allem anstrengend. Yusaku schlug die Mappe auf.
„Mehrere wichtige Partner werden anwesend sein.“ Er hob den Blick wieder.
„Du wirst uns begleiten.“ Shinichi atmete langsam aus und fuhr sich mit der Hand durch die Haare.
„Ein Abend voller Geschäftsleute, die über Verträge reden.“ Ein schwaches Schmunzeln erschien auf seinem Gesicht.
„Klingt nach einem langen Abend.“ Yusaku sein Gesicht blieb vollkommen ruhig.
„Es ist wichtig.“ Shinichi ließ den Blick kurz durch das Arbeitszimmer wandern. Die Regale voller Akten. Die Fotos von internationalen Konferenzen. Die Auszeichnungen an den Wänden. Alles in diesem Raum erinnerte daran, dass das Unternehmen seines Vaters weit mehr war als nur ein Geschäft. Es war ein Imperium. Und Yusaku erwartete offensichtlich, dass sein Sohn eines Tages Teil davon sein würde. Yukiko beobachtete ihren Sohn still. Sie kannte diesen Blick nur zu gut. Sie wusste genau, dass Shinichi diese Welt nicht wirklich hasste. Er genoss den Luxus. Die sorglose Freiheit. Die nächtlichen Partys. Doch all die Verpflichtungen, die mit dem Unternehmen seines Vaters verbunden waren, lagen ihm nicht besonders.
„Du wirst es überleben, Wirbelwind“, sagte sie schließlich mit einem sanften Lächeln. Shinichi sah zu ihr hinüber.
„Das hoffe ich.“ Yukiko stand langsam aus ihrem Sessel auf. Ihr Blick wanderte noch einmal über ihn.
„Du siehst aus, als hättest du seit gestern nur Alkohol zu dir genommen.“ Ein leichtes Grinsen erschien auf Shinichis Gesicht.
„Das kommt hin.“ Yukiko schüttelte amüsiert den Kopf und ging zur Tür. Shinichi warf seinem Vater noch einen kurzen Blick zu. Dann folgte er seiner Mutter hinaus auf den Flur. Hinter ihnen blieb Yusaku allein im Arbeitszimmer zurück.
Die Tür des Arbeitszimmers schloss sich leise hinter ihnen. Der gedämpfte Klang des Schlosses hallte einen Moment durch den Flur des großen Hauses, bevor wieder Stille einkehrte. Das Licht des späten Nachmittags fiel durch die hohen Fenster entlang des Korridors und zog lange, leuchtende Streifen über den dunklen Holzboden. Shinichi blieb einen kurzen Moment stehen. Unbewusst fuhr er sich mit der Hand durch die Haare, als müsste er die Worte seines Vaters erst einmal abschütteln. Neben ihm trat Yukiko und sah ihren Sohn einen Moment lang an. Shinichi bemerkte ihren Blick nicht. Seine Gedanken waren noch immer bei dem Gespräch, das gerade hinter dieser Tür stattgefunden hatte. Die Welt seines Vaters.
Eine Welt aus steifen Anzügen, höflichen Gesprächen und kalkulierten Blicken. Eine Welt, die ihm jedes Mal das Gefühl gab, in einem Raum voller Menschen zu stehen, die alle eine Rolle spielten.
Er atmete langsam aus. Dann setzte er sich in Bewegung. Seine Schritte hallten ruhig über den Flur, während er in Richtung der Treppe ging. Yukiko folgte ihm mit einem leichten Abstand. Sie sagte zunächst nichts. Stattdessen beobachtete sie ihn. Sie kannte jede seiner Bewegungen. Jede kleine Veränderung in seiner Haltung. Die Art, wie sich seine Schultern leicht anspannten oder wie seine Stirn sich unmerklich zusammenzog. Als sie die Treppe erreichten, blieb sie kurz neben ihm stehen.
„Du bist letzte Nacht spät nach Hause gekommen.“ Ihre Stimme war ruhig und warm. Shinichi ließ ein leises Schnauben hören.
„Das passiert." Sie gingen gemeinsam die breite Treppe hinunter. Das Sonnenlicht fiel durch die großen Fenster des Treppenhauses und tauchte den Raum in ein warmes, goldenes Licht.
„War der Abend wenigstens interessant?“ fragte Yukiko schließlich.
Shinichi zuckte leicht mit den Schultern.
„Es war ein Club.“ Ein kleines Lächeln huschte über Yukiko ihr Gesicht.
„Das beantwortet meine Frage nicht.“ Er ließ ein kurzes, müdes Lachen hören.
„Es war laut und chaotisch. Mit Alkohol.. viel Alkohol.“ Er warf ihr einen kurzen Blick zu.
„Also ein normaler Abend.“ Yukiko nickte zufrieden. Als sie das Erdgeschoss erreichten, bog Shinichi automatisch in Richtung Küche ab. Noch bevor sie den Raum betraten, lag der Duft von frisch gebratenem Gemüse und Reis in der Luft. In der Küche stand Yui am Spülbecken und spülte gerade Geschirr. Als sie Schritte hörte, drehte sie sich um. Sie stellte ein Glas zur Seite und trocknete sich kurz die Hände an einem Handtuch ab. Auf der Arbeitsfläche stand bereits ein Teller mit einer warmen Mahlzeit. Der Duft ließ Shinichi unwillkürlich kurz stehen bleiben. Sein Magen meldete sich sofort.
„Du rettest mein Leben.“ Ein kleines, zufriedenes Lächeln erschien auf Yui ihr Gesicht. Yukiko lehnte sich währenddessen locker gegen den Küchentresen und beobachtete die Szene mit einem warmen Blick. Shinichi nahm den Teller und ging ins angrenzende Esszimmer.
Der große Tisch im Raum war bereits gedeckt, obwohl nur ein Platz benutzt wurde. Das Licht der tief stehenden Sonne fiel durch die Fenster und ließ das helle Holz des Tisches warm schimmern. Shinichi setzte sich auf einen der Stühle. Kaum hatte er begonnen zu essen, merkte man, wie hungrig er tatsächlich war. Yukiko folgte ihm und nahm ihm gegenüber Platz. Sie stützte den Ellbogen auf dem Tisch ab und betrachtete ihn. Eine Weile sagte sie nichts. Das leise Klirren des Bestecks war das einzige Geräusch im Raum. Shinichi bemerkte ihren Blick schließlich. Er hob den Kopf.
„Was?“ Yukiko lächelte leicht.
„Nichts.“ Sie legte das Kinn in ihre Hand.
„Ich sehe nur gerne meinen hübschen Sohn an.“ Shinichi schüttelte leicht den Kopf und widmete sich wieder seinem Essen. Yukiko beobachtete ihn noch einen Moment länger. Dann erschien langsam ein amüsiertes Lächeln auf ihrem Gesicht.
„Du weißt, dass du dieses Gesicht immer machst.“ Shinichi sah wieder auf.
„Welches Gesicht?“ Yukiko deutete leicht auf ihn.
„Dieses.“ Sie lehnte sich etwas zurück und musterte ihn mit einem Blick, der gleichzeitig liebevoll und nostalgisch wirkte.
„Du hast genau denselben Ausdruck schon gemacht, als du fünf warst.“ Shinichi blinzelte kurz.
„Mit fünf?“ Yukiko nickte. Ein leises Lachen entkam ihr.
„Dein Vater hat dich damals zu einem Geschäftsessen mitgenommen.“ Sie schüttelte leicht den Kopf.
„Du hast den ganzen Abend neben mir gesessen und genauso geguckt.“ Sie legte den Kopf leicht schief.
„Als würdest du überlegen, ob du lieber aus dem Fenster springen sollst.“ Shinichi ließ ein trockenes Schnauben hören.
„Das klingt nach mir.“ Yukiko lächelte.
„Und jedes Mal, wenn dein Vater dich wieder zu solchen Veranstaltungen mitschleppt, machst du exakt denselben Gesichtsausdruck.“ Shinichi nahm einen weiteren Bissen. Dann zuckte er leicht mit den Schultern.
„Vielleicht, weil sich an diesen Abenden nie etwas ändert.“ Yukiko betrachtete ihn weiterhin aufmerksam. In ihren Augen lag ein warmes, fast stolzes Funkeln.
„Du bist immer noch derselbe wie früher.“ Ein kleines Grinsen erschien auf Shinichi seinen Lippen.
Das Zimmer war in warmes Abendlicht getaucht. Die untergehende Sonne fiel durch die hohen Fenster und legte lange goldene Streifen über den dunklen Holzboden. Staubpartikel schwebten träge durch die Luft und funkelten im Licht, während draußen irgendwo in der Ferne das gedämpfte Geräusch der Stadt zu hören war. Vor dem großen Spiegel seines Zimmers stand Shinichi. Der dunkelblaue Anzug saß makellos an seinem Körper. Die Schultern waren sauber geschnitten, das Hemd darunter glatt und frisch gebügelt. Der Stoff lag kühl auf seiner Haut, viel zu ordentlich für jemanden, der noch am Abend zuvor in einem überfüllten Club verbracht hatte. Shinichi betrachtete sein Spiegelbild einen Moment lang schweigend. Der Anzug ließ ihn älter wirken. Seriöser. Fast so, als würde er bereits in die Welt seines Vaters gehören. Ein Gedanke, der ihm sofort missfiel.
Mit einem leisen Seufzen griff er nach seiner Krawatte und zog den Knoten etwas lockerer, als würde ihm allein der Gedanke an den bevorstehenden Abend bereits die Luft nehmen. Neben ihm vibrierte plötzlich sein Handy auf der Kommode. Das kurze, summende Geräusch durchschnitt die ruhige Stille des Zimmers. Shinichi griff danach. Auf dem Bildschirm erschien der Gruppenchat mit seinen beiden besten Freunden. Ein leichtes Grinsen huschte über sein Gesicht, noch bevor er die erste Nachricht überhaupt gelesen hatte.
Kaito: Sag mir bitte, dass du gerade nicht ernsthaft geschniegelt vor einem Spiegel stehst.“
Shinichi ließ ein leises Schnauben hören und tippte eine Antwort.
Shinichi: Rate mal.“
Die Antwort kam sofort.
Heiji: Du armer Kerl.“
Kurz darauf erschien ein Foto. Shinichi öffnete es. Auf dem Bild stand Kaito vor einem Spiegel, halb angezogen, mit einem überheblichen Grinsen im Gesicht. Hinter ihm war Heiji zu sehen, der sich gerade seine Jacke überzog. Schon beim Anblick des Fotos konnte Shinichi sich genau vorstellen, was die beiden gerade taten. Sie machten sich für den Club fertig. Während er sich für ein Geschäftsessen anzog.
Eine neue Nachricht von Kaito erschien.
Kaito: Wir bereiten uns übrigens gerade auf die wichtigste Mission des Abends vor.“
Shinichi hob eine Augenbraue.
Shinichi: Das kann ja nur nichts Gutes bedeuten.“
Die nächste Nachricht ließ ihn trotzdem leise auflachen.
Kaito: Keine Sorge.“
Eine kurze Pause. Dann erschien die nächste Nachricht.
Kaito: Ich schleppe heute eine Frau für dich ab.“
Shinichi starrte einen Moment auf den Bildschirm. Dann ließ er sich langsam rückwärts auf sein Bett fallen, während ein trockenes Lachen seine Lippen verließ.
Shinichi: Du bist widerlich.“
Heiji: Er meint das ernst.“
Kaito: Jemand muss schließlich dafür sorgen, dass der Partyablauf eingehalten wird.“
Shinichi schüttelte den Kopf und fuhr sich mit einer Hand durch die Haare.
Kaito: Tradition ist Tradition.“
Heiji: Wir tun das nur für dich.“
Ein kleines Grinsen lag trotzdem auf Shinichi seinen Lippen.
Shinichi: Ihr seid wirklich Idioten.“
Kaito: Und du bist der einzige von uns, der gerade zu einem Geschäftsessen muss.“
Heiji: Mit alten Männern in Anzügen.“
Kaito: Und Gesprächen über Urgezeiten.“
Shinichi ließ ein leises Schnauben hören. Dann tippte er eine kurze Antwort.
Shinichi: Ich hasse euch.“
Kaito: Wir wissen deine Liebe uns Gegenüber zu schätzen.“
Heiji: Wir trinken auf dich.“
In diesem Moment hallte eine tiefe Stimme durch das Haus.
„Shinichi.“ Die Stimme seines Vaters. Sie drang vom unteren Stockwerk nach oben und schnitt durch die lockere Stimmung des Moments. Shinichi schloss kurz die Augen. Eine kurze Pause verging.
Dann erklang die Stimme erneut.
„Wir fahren gleich.“ Der Ton war ruhig, aber unmissverständlich. Shinichi richtete sich langsam wieder auf. Sein Blick wanderte noch einmal zum Chat.
Shinichi: Mein Alter ruft.“
Die Antworten kamen sofort.
Kaito: RIP.“
Heiji: Halte durch.“
Kaito: Wenn ich die Frau finde, schicke ich dir ein Foto."
Shinichi schüttelte leicht den Kopf. Dann sperrte er sein Handy und steckte es in die Innentasche seines Jacketts. Langsam stand er auf.
Er trat wieder vor den Spiegel. Der Anzug saß perfekt. Das Bild eines jungen Mannes aus einer wohlhabenden Familie. Elegant. Beherrscht. Genau so, wie sein Vater es sehen wollte. Von unten erklang erneut die Stimme des Hausherren. Diesmal deutlich ungeduldiger.
„Shinichi.“ Er atmete langsam aus. Dann griff er nach seiner Uhr und legte sie um sein Handgelenk. Das Metall fühlte sich kühl auf seiner Haut an, als er das Armband schloss. Für einen Moment blieb sein Blick wieder im Spiegel hängen. Sein eigenes Spiegelbild sah ihn ruhig an. Doch in seinen Augen lag eine deutliche Spur von Widerwillen. Er strich sich noch einmal durch die Haare.
„Fantastisch“, murmelte er trocken. Dann wandte er sich zur Tür.
Als Shinichi die Treppe hinunterging, hallten seine Schritte leise durch die große Eingangshalle des Hauses. Die hohen Fenster neben der Haustür ließen den Schein des frühen Abends in den Raum fallen. Die letzten Sonnenstrahlen des Tages spiegelten sich auf dem glatten Marmorboden und tauchten die Halle in ein goldenes, beinahe ruhiges Leuchten. Unten warteten bereits seine Eltern. Yusaku stand mit gerader Haltung neben der Tür. Der dunkle Anzug saß perfekt an seinem Körper. Das Jackett war geschlossen, die Schultern aufrecht, jede Bewegung wirkte kontrolliert und präzise. Als Shinichi die letzten Stufen erreichte, hob Yusaku den Blick. Seine Augen glitten prüfend über seinen Sohn. Der Anzug. Die sauber gebundene Krawatte. Das ordentlich gestylte Haar. Für einen Moment musterte er ihn schweigend. Dann nickte er knapp. Ein kleines, nüchternes Zeichen von Zufriedenheit. Neben ihm stand seine Frau. Ihr elegantes Kleid fiel weich über ihre Schultern, der Stoff schimmerte leicht im warmen Licht der Halle. Als Shinichi näher kam, erschien sofort ein warmes Lächeln auf ihrem Gesicht. Sie trat einen Schritt auf ihn zu. Noch bevor Shinichi reagieren konnte, hob sie die Hand und strich ihm eine verirrte Strähne aus der Stirn. Die Bewegung war sanft und vertraut. Eine Geste, die sie schon unzählige Male gemacht hatte. Shinichi sah kurz zu ihr. In seinem Blick lag ein leicht amüsierter Ausdruck.
„Du weißt, dass ich das selbst kann“, sagte er. Yukiko lächelte nur.
„Natürlich.“ Sie musterte ihn noch einmal kurz.
„Aber ich mache es trotzdem gern.“ Shinichi schüttelte leicht den Kopf, ließ sie aber gewähren. Er wusste, dass sie diese kleinen Muttergesten mochte. Und er wusste ebenso gut, dass es keinen Sinn hatte, sich dagegen zu wehren. Yusaku warf währenddessen einen kurzen Blick auf seine Uhr.
„Wir sollten los.“ Seine Stimme war ruhig, aber bestimmt. Gemeinsam verließen sie das Haus. Draußen lag die Einfahrt bereits im dämmrigen Licht des Abends. Die letzten Sonnenstrahlen spiegelten sich auf der glänzenden Oberfläche der langen schwarzen Limousine, die vor dem Haus parkte. Der Chauffeur stand neben dem Wagen und öffnete sofort die hintere Tür, als die Familie näher kam.
„Guten Abend.“ Yusaku nickte nur knapp und stieg ein. Yukiko folgte ihm. Shinichi ließ sich schließlich ebenfalls auf den Ledersitz der Limousine sinken. Die Tür schloss sich mit einem dumpfen Geräusch, das die Außenwelt für einen Moment vollständig aussperrte. Im Inneren der Limousine herrschte eine ruhige, gedämpfte Atmosphäre. Das weiche Leder der Sitze, das warme Licht der kleinen Innenbeleuchtung und das leise Summen des Motors ließen die Fahrt beinahe schwerelos wirken. Der Wagen setzte sich langsam in Bewegung. Während die Limousine die Einfahrt verließ und auf die Straße einbog, begann die Stadt draußen langsam an ihnen vorbeizuziehen. Straßenlaternen flackerten nach und nach auf. Schaufenster spiegelten sich in der dunklen Scheibe der Limousine. Menschen liefen über die Gehwege, einige mit Einkaufstaschen, andere lachend vor Restaurants und Bars. Shinichi lehnte sich leicht in den Sitz zurück. Sein Blick wanderte aus dem Fenster. Neben ihm öffnete Yusaku eine schmale Ledermappe und zog einige Dokumente hervor.
„Die Takahashis werden heute ebenfalls anwesend sein“, sagte er ruhig. Sein Blick wanderte zu Yukiko.
„Es wäre gut, wenn du dich besonders mit ihrer Frau unterhältst.“
Yukiko nickte leicht.
„Natürlich.“ Yusaku blätterte durch einige Seiten.
„Außerdem werden mehrere Vertreter der Tanaka-Gruppe erscheinen.“ Yukiko sah ihn kurz an.
„Dann wird es vermutlich ein langer Abend.“
„Sehr wahrscheinlich.“ Während die beiden sich bereits über Gäste, Gespräche und mögliche Themen austauschten, lehnte Shinichi seinen Kopf leicht gegen die kühle Scheibe der Limousine. Sein Blick blieb auf die vorbeiziehende Stadt gerichtet. Die Gebäude zogen langsam an ihnen vorbei. Vor einem Restaurant standen Menschen lachend zusammen. Ein paar Straßen weiter bildete sich bereits eine kleine Schlange vor einem Club. Das Licht der Neonreklamen spiegelte sich kurz in der dunklen Scheibe neben ihm. Shinichi beobachtete die Szene schweigend. Irgendwo dort draußen begann gerade die Nacht. Eine Nacht, die vermutlich deutlich interessanter gewesen wäre als ein Raum voller Geschäftsleute in Anzügen. Er atmete leise aus.
„Langweilst du dich jetzt schon?“ Yukiko ihre Stimme riss ihn aus seinen Gedanken. Shinichi wandte kurz den Blick von der Scheibe ab.
Ein leichtes, schiefes Lächeln erschien auf seinem Gesicht.
„Ich versuche nur, mich mental vorzubereiten.“ Yukiko musste leise lachen. Yusaku blickte kurz von seinen Dokumenten auf.
„Du wirst es überleben.“ Shinichi schnaubte leise.
„Das hoffe ich.“ Die Limousine glitt weiter durch die Straßen der Stadt. Während draußen die Lichter Tokios immer heller wurden, rückte ihr Ziel mit jeder Minute näher.
Die Limousine verlangsamte sich und glitt schließlich lautlos über die breite Auffahrt des Gebäudes. Vor ihnen erhob sich ein imposanter Bau aus hellem Stein und Glas. Hohe Säulen rahmten den Eingangsbereich ein, während warmes Licht aus den großen Fenstern nach draußen fiel und die Auffahrt in ein sanftes, goldenes Leuchten tauchte. Mehrere elegante Fahrzeuge standen bereits vor dem Gebäude. Männer in dunklen Anzügen und Frauen in edlen Kleidern gingen die breite Treppe hinauf, während diskret gekleidete Sicherheitskräfte am Eingang standen. Der Chauffeur stieg aus und öffnete die hintere Tür. Yusaku stieg als Erster aus. Seine Bewegungen waren ruhig und selbstverständlich, als würde dieser Ort genauso zu seinem Alltag gehören wie sein eigenes Arbeitszimmer. Yukiko folgte ihm, ihr Kleid fing kurz das Licht der Lampen ein und schimmerte sanft im Abendlicht. Als Letzter stieg Shinichi aus. Die kühle Abendluft streifte über sein Gesicht. Für einen kurzen Moment blieb sein Blick auf dem luxuriösem Gebäude liegen. Und genau so vorhersehbar, wie er es erwartet hatte.
„Ganz schön beeindruckend“, murmelte Shinichi trocken. Yukiko lächelte leicht.
„Du klingst begeistert.“
„Es hält sich in Grenzen.“ Yusaku warf ihm einen kurzen Blick zu.
„Es wird dir nicht schaden, einmal einen Abend in vernünftiger Gesellschaft zu verbringen.“ Shinichi hob leicht eine Augenbraue, sagte jedoch nichts. Gemeinsam gingen sie die breite Treppe hinauf.
Ein Mitarbeiter trat sofort auf sie zu und verbeugte sich leicht.
„Guten Abend, Herr Kudo. Der anderen Gäste warten bereits auf Sie. Bitte folgen Sie mir.“ Yusaku nickte knapp. Sie wurden durch eine elegante Eingangshalle geführt. Der Boden aus poliertem Stein spiegelte das Licht der großen Kronleuchter wider, während leise klassische Musik durch den Raum schwebte. Der Mitarbeiter öffnete schließlich eine schwere Tür. Yusaku und Yukiko traten ohne zu zögern ein. Shinichi folgte einen Moment später. Der Raum war groß und luxuriös. Hohe Fenster gaben den Blick auf die nächtliche Stadt frei, während mehrere Kronleuchter von der Decke hingen und den Raum in warmes Licht tauchten. Ältere Herren in maßgeschneiderten Anzügen standen in kleinen Gruppen zusammen. Ihre Stimmen waren ruhig und gedämpft. Frauen in eleganten Kleidern hielten Weingläser in den Händen, während sie sich lächelnd miteinander unterhielten. Kellner bewegten sich beinahe lautlos zwischen den Gästen. Auf ihren Tabletts standen Gläser mit teurem Wein, Champagner und dunklem Whisky. Andere trugen kleine, kunstvoll angerichtete Häppchen. Shinichi ließ den Blick langsam durch den Raum gleiten. Alles wirkte geschniegelt. Perfekt organisiert. Und gleichzeitig… unglaublich langweilig. Seine Eltern bewegten sich bereits auf eine Gruppe von Geschäftsleuten zu. Ein älterer Mann mit grauem Haar begrüßte Yusaku sofort mit einem festen Händedruck.
„Kudo! Es ist lange her.“
„Tanaka“, erwiderte Yusaku ruhig. Die beiden Männer tauschten ein kurzes Lächeln aus. Shinichi blieb zunächst einen Schritt hinter ihnen stehen. Ein Kellner kam an ihm vorbei, und Shinichi griff nach einem Glas Whisky.
„Danke.“ Der Kellner nickte leicht und ging weiter. Shinichi nahm einen kleinen Schluck. Der Whisky brannte angenehm warm in seiner Kehle. Er hatte gerade begonnen, den Raum erneut zu betrachten, als die Stimme seines Vaters ihn erreichte.
„Shinichi.“ Allein der Tonfall ließ ihn innerlich seufzen. Er trat näher. Yusaku legte ihm kurz eine Hand auf die Schulter und wandte sich an die Geschäftsleute.
„Das ist mein Sohn. Shinichi.“ Mehrere Blicke richteten sich sofort auf ihn. Shinichi setzte automatisch ein höfliches Lächeln auf. Die Rolle des perfekten Sohnes.
„Freut mich, Sie kennenzulernen“, sagte er ruhig. Der ältere Geschäftsmann musterte ihn interessiert.
„Dein Vater hat schon viel von dir erzählt.“ Shinichi lächelte leicht.
„Ich hoffe nur Gutes.“ Ein paar der Männer lachten leise. Das Gespräch drehte sich schnell um geschäftliche Themen. Investitionen, Kooperationen, zukünftige Projekte. Shinichi nickte hin und wieder. Er stellte gelegentlich eine kurze Frage, gerade genug, um interessiert zu wirken. Innerlich zählte er jedoch bereits die Sekunden. Schließlich sah er seine Gelegenheit.
„Entschuldigt mich einen Moment“, sagte er höflich. Mehrere Blicke richteten sich kurz auf ihn.
„Ich wollte noch kurz mit jemandem sprechen.“ Yusaku sah ihn einen Moment prüfend an. Dann nickte er.
„Natürlich.“ Shinichi wandte sich ab. Mit jedem Schritt entfernte er sich weiter von dem Gespräch. Ein leises Gefühl von Erleichterung breitete sich in ihm aus. Er griff nach einem neuen Glas Whisky von einem vorbeilaufenden Kellner. Gerade als er einen Schluck nehmen wollte, spürte er plötzlich zwei Hände, die sich fest auf seine Schultern legten. So unerwartet, dass er sich beinahe verschluckte. Shinichi hustete kurz und drehte sich um. Hinter ihm stand ein junger Mann mit hellblonden Haaren und einem selbstsicheren Grinsen im Gesicht.
„Du siehst aus, als würdest du hier sterben“, sagte Saguru amüsiert.
Shinichi musterte ihn einen Moment lang. Dann erschien ein leichtes Grinsen auf seinem Gesicht.
„Hakuba.“ Saguru verschränkte locker die Arme.
„Ich wusste doch, dass ich dich hier finde.“ Shinichi nahm einen Schluck von seinem Whisky.
„Ich dachte, du wärst in England.“ Saguru zuckte mit den Schultern.
„War ich.“ Er griff sich ebenfalls ein Glas von einem vorbeilaufenden Tablett.
„Aber meine Eltern meinten, ich sollte heute unbedingt mitkommen.“
Shinichi ließ ein trockenes Schnauben hören.
„Mein Beileid.“ Saguru grinste.
„Du klingst, als würdest du den Abend wirklich genießen." Shinichi ließ den Blick kurz durch den Raum schweifen. Seine Eltern waren noch immer in ein Gespräch vertieft, umgeben von Geschäftsleuten.
Dann sah er wieder zu Saguru.
„Du hast keine Ahnung.“ Saguru hob sein Glas leicht. Shinichi stieß leicht mit seinem Glas an.
Der Abend war inzwischen weit vorangeschritten. Der Raum wirkte noch immer genauso elegant wie zu Beginn, doch die Atmosphäre hatte sich verändert. Die anfängliche förmliche Zurückhaltung war einer lebhafteren Stimmung gewichen. Gespräche wurden lauter, hier und da war ein kurzes Lachen zu hören, während das leise Klirren von Gläsern immer wieder durch den Raum hallte. Die sanften Lichter der Kronleuchter spiegelten sich auf den polierten Oberflächen der Tische und ließen die goldenen Flüssigkeiten in den Whiskygläsern der Gäste sanft schimmern. Kellner bewegten sich weiterhin nahezu lautlos zwischen den Gruppen hindurch und ersetzten leere Gläser oder boten neue Häppchen an. Für Shinichi hatte der Abend mittlerweile etwas von seiner ursprünglichen Schwere verloren. Und das lag ausschließlich an Saguru. Die beiden standen etwas abseits der größeren Gruppen, nahe eines kleinen runden Stehtisches. Auf dem Tisch standen mehrere Gläser, einige halb leer, andere noch unangetastet. Der Duft von Whisky und Wein hing leicht in der Luft.
Saguru lehnte entspannt an dem Tisch und drehte sein Glas langsam zwischen den Fingern. Das bernsteinfarbene Licht des Whiskys fing kurz die Reflexion der Kronleuchter ein. Ein kaum merkliches Grinsen lag auf seinen Lippen.
„Also“, murmelte er leise, während sein Blick durch den Raum glitt, „ich glaube, wir könnten diesen Abend ein wenig… interessanter gestalten.“ Shinichi nahm einen Schluck von seinem Whisky. Der Alkohol brannte angenehm in seiner Kehle, während er Saguru von der Seite musterte.
„Ich bin mir nicht sicher, ob mir dein Ton gefällt.“ Saguru sein Grinsen wurde breiter.
„Vertrau mir.“ Shinichi folgte kurz seinem Blick. Einige Meter entfernt stand eine Gruppe älterer Geschäftsleute zusammen. Graue Schläfen, perfekt geschnittene Anzüge, ernste Gesichter. Sie diskutierten angeregt miteinander, während sie ihre Gläser hielten.
Saguru richtete sich leicht auf.
„Komm.“ Shinichi seufzte leise.
„Das endet bestimmt großartig.“ Saguru ging bereits los. Shinichi folgte ihm. Als sie näher kamen, bemerkten die Geschäftsleute die beiden jungen Männer sofort. Einige Blicke wandten sich ihnen zu.
Saguru setzte ein höfliches Lächeln auf.
„Guten Abend, meine Herren.“ Die Gruppe verstummte kurz. Saguru hob leicht sein Glas.
„Saguru Hakuba“, stellte er sich ruhig vor. „Der Sohn von James Hakuba.“ Sofort hellten sich einige Gesichter auf.
„Ah, natürlich.“ Saguru deutete mit einer leichten Bewegung auf Shinichi.
„Und das ist Shinichi Kudo.“ Mehrere der Männer nickten sofort.
„Der Sohn von Yusaku Kudo.“ Shinichi lächelte höflich.
„Freut mich.“ Einer der älteren Männer sah interessiert zwischen ihnen hin und her.
„Was führt euch beiden denn zu unserer Diskussion?“ Saguru nahm einen kleinen Schluck von seinem Whisky. Sein Gesichtsausdruck blieb vollkommen ernst.
„Wir haben gerade über ein interessantes Konzept gesprochen.“ Sofort war die Aufmerksamkeit der Männer geweckt.
„Ein Konzept?“ fragte einer neugierig. Saguru nickte langsam.
„Eine wirtschaftliche Theorie.“ Shinichi sah ihn kurz von der Seite an.
Er wusste sofort, dass Saguru gerade völligen Unsinn erzählen würde. Und beschloss spontan mitzuspielen. Saguru verschränkte locker die Arme.
„Die Grundidee basiert auf der psychologischen Wirkung von künstlicher Knappheit.“ Die Männer hörten aufmerksam zu. Shinichi nickte leicht.
„Ein kontrollierter Marktengpass.“ Einer der Geschäftsleute runzelte interessiert die Stirn.
„Wie genau soll das funktionieren?“ Saguru setzte ein nachdenkliches Gesicht auf.
„Indem man eine Nachfrage erzeugt, die eigentlich gar nicht existiert.“ Shinichi nahm einen weiteren Schluck von seinem Whisky.
„Der Schlüssel liegt darin, die Wahrnehmung des Marktes zu beeinflussen.“ Die Männer sahen sich kurz an. Einer von ihnen hob beeindruckt die Augenbrauen.
„Das klingt faszinierend.“ Saguru nickte langsam.
„Man könnte es als eine Art wirtschaftliches Paradoxon betrachten.“
Shinichi fügte ruhig hinzu,
„Ein Nachfrageimpuls ohne tatsächliche Nachfrage.“ Die Männer nickten langsam. Einer von ihnen beugte sich etwas vor.
„Und wie würde man so einen Engpass erzeugen?“ Saguru antwortete ohne zu zögern.
„Durch gezielte Informationssteuerung.“ Shinichi setzte nach.
„Wenn man den Eindruck erweckt, dass ein Produkt bald nicht mehr verfügbar ist, steigt der wahrgenommene Wert.“ Ein anderer Mann sah plötzlich begeistert aus.
„Das ist brillant.“ Saguru nickte zustimmend.
„Es ist nur eine Theorie.“ Shinichi hob leicht sein Glas.
„Aber eine interessante.“ Sofort begannen die Männer darüber zu diskutieren. Mit wachsender Begeisterung. Shinichi und Saguru traten langsam einen Schritt zurück. Als sie außer Hörweite waren, konnte Shinichi sich ein leises Lachen nicht verkneifen.
„Das ergibt überhaupt keinen Sinn.“ Saguru grinste breit.
„Überhaupt keinen.“ Shinichi schüttelte amüsiert den Kopf.
„Und sie kaufen es uns komplett ab.“ Saguru hob sein Glas leicht.
„Geschäftsleute lieben komplizierte Theorien.“ Shinichi nahm einen weiteren Schluck von seinem Whisky. Zum ersten Mal an diesem Abend lag ein echtes, entspanntes Lächeln auf seinem Gesicht.
„Ich muss zugeben“, sagte er schließlich,
„du hast diesen Abend gerade deutlich verbessert.“ Saguru grinste.
„Ich gebe mein Bestes.“ Während hinter ihnen noch immer angeregt über ihre vollkommen unsinnige Theorie diskutiert wurde, ließ Shinichi seinen Blick noch einmal durch den Raum gleiten. Die Gespräche, das warme Licht, das leise Klirren von Gläsern. Zum ersten Mal fühlte sich dieser Abend nicht mehr ganz so unerträglich an.
Die Gespräche im Saal verstummten langsam, als die ersten Kellner begannen, die Gäste zu ihren Plätzen zu führen. Der große Raum wirkte nun noch eleganter als zuvor. Die runden Tische waren mit makellos weißen Tischdecken gedeckt. Silbernes Besteck lag sorgfältig angeordnet neben feinen Porzellantellern und mehrere Weingläser standen in perfekter Reihe vor jedem Platz. Kerzen in schlichten Glaszylindern warfen ein flackerndes Licht über die Tische, während die großen Kronleuchter darüber ein goldenes Schimmern in den Raum streuten. Leise Gespräche erfüllten weiterhin die Luft, gedämpft durch den Teppichboden und das höfliche Murmeln der Gäste. Shinichi folgte seinen Eltern zu ihrem Tisch. Yusaku nahm mit der ruhigen Selbstverständlichkeit eines Mannes Platz, der an solchen Abenden zu Hause war. Neben ihm setzte sich Yukiko, deren Lächeln bereits höflich den nächsten Gesprächspartner begrüßte. Shinichi zog seinen Stuhl leicht zurück und setzte sich. Die Tischkante war kühl unter seinen Fingern, als er sie kurz berührte. Ein Kellner trat neben ihn und schenkte Wasser ein.
„Vielen Dank“, sagte Shinichi höflich. Er hob den Blick und ließ ihn langsam durch den Raum gleiten. Ein paar Tische weiter entdeckte er Saguru. Saguru saß bereits zwischen mehreren älteren Geschäftsleuten, die offensichtlich versuchten, ihn in ein Gespräch über Investitionen zu verwickeln. Saguru bemerkte Shinichi seinen Blick und hob leicht sein Glas. Shinichi erwiderte die Geste mit einem kaum sichtbaren Lächeln. Dann öffnete sich erneut die Tür des Saals.
Ein weiteres Paar betrat den Raum, begleitet von einer jungen Frau.
Rotblondes Haar fiel in weichen Strähnen über ihre Schultern. Yusaku erhob sich leicht von seinem Stuhl.
„Atsushi, mein Freune.“ Der Mann erwiderte die Begrüßung mit einem festen Händedruck.
„Yusaku. Es ist lange her.“ Die beiden Frauen begrüßten sich ebenfalls höflich. Dann deutete der Mann auf seine Tochter.
„Meine Tochter.“ Shiho lächelte höflich. Doch als ihr Blick zu Shinichi wanderte, lag darin etwas anderes. Ein leichtes Funkeln.
„Shinichi.“ Ihre Stimme war ruhig. Fast vertraut. Shinichi erwiderte ihr Lächeln mit derselben kontrollierten Höflichkeit, die er den ganzen Abend über trug.
„Shiho.“ Die Familie Miyano nahm schließlich am Tisch Platz. Und wie es der Zufall wollte oder vielleicht auch nicht, nahm Shiho den freien Platz direkt neben Shinichi ein. Der Stuhl wurde leicht zurückgezogen. Der Stoff ihres Kleides raschelte leise, als sie sich setzte. Ein feiner Duft ihres süßlichen Parfums lag plötzlich in der Luft. Das Gespräch der Erwachsenen begann sofort. Geschäfte. Investitionen. Kooperationen. Shinichi nickte gelegentlich höflich. Er war der perfekte Sohn. Mit einer perfekten Haltung. Und perfektes Interesse. Innerlich jedoch ließ er die Worte einfach an sich vorbeiziehen. Neben ihm griff Shiho nach ihrem Weinglas. Der dunkelrote Wein fing das warme Licht der Kronleuchter ein und glühte beinahe wie flüssiger Rubin. Shinichi sein Blick glitt unbewusst zu dem Glas. Nur für einen Moment. Doch dieser Moment genügte.
Die Erinnerung traf ihn plötzlich.
Rückblick
Auf dem kleinen Tisch stand eine fast leere Flasche Rotwein. Die Vorhänge waren nur halb zugezogen, sodass das Licht der Stadt in langen Streifen über den Boden und das große Bett fiel. Neonlichter von draußen spiegelten sich schwach in den Fenstern und tauchten den Raum in ein gedämpftes, goldenes Schimmern. Die Luft im Zimmer war warm. Shinichi stützte sich noch einen Moment über sie, während sein Atem schwer ging und sie lustvoll ein letztes Mal aufschrie. Seine Haare hingen ihm leicht in die Stirn und kleine Schweißperlen lagen auf seiner Haut. Dann zog er sich langsam aus sie raus und ließ er sich zur Seite sinken. Die Matratze gab unter seinem Gewicht leicht nach, als er sich neben sie auf den Rücken rollte. Für einen Moment sagte keiner von beiden etwas. Man hörte nur ihren unregelmäßigen Atem. Die Decke lag locker über ihren Körpern, doch die Hitze unter dem Stoff war noch deutlich zu spüren.
Neben ihm lag Shiho. Ihr rotblondes Haar hatte sich über das Kissen verteilt, einige Strähnen klebten leicht an ihrer Stirn. Ihr Brustkorb hob und senkte sich schnell, während sie versuchte, wieder ruhiger zu atmen. Das Licht der Stadt fiel weich über ihr Gesicht. Shinichi starrte für einen Moment einfach zur Decke. Er spürte noch immer die Hitze in seinem Körper, das leichte Nachbeben der Anstrengung in seinen Muskeln. Neben ihm bewegte sich Shiho leicht. Er spürte ihren Blick, bevor er den Kopf zu ihr drehte. Sie sah ihn an. Nicht so, wie sie ihn sonst ansah. Normalerweise lag in ihrem Blick immer dieses selbstbewusste, leicht spöttische Funkeln. Doch jetzt war da etwas anderes. Etwas ruhigeres. Ihre Finger streiften leicht über seinen Arm. Eine langsame, beinahe gedankenverlorene Bewegung.
„Shinichi…“ Ihre Stimme war leiser als sonst. Er sah sie an. Sie lächelte leicht. Und in diesem Lächeln lag eine Wärme, die ihm plötzlich unangenehm vorkam. Ihre Finger blieben auf seinem Arm liegen. Dann sagte sie ruhig,
„Ich glaube… ich habe mich wirklich in dich verliebt.“ Die Worte waren leise ausgesprochen. Fast vorsichtig. Doch sie füllten plötzlich den ganzen Raum. Für einen Moment sagte Shinichi nichts. Er sah sie einfach an. Und genau in diesem Moment spürte er es. Dieses leise Ziehen irgendwo in seinem Inneren. Dieses unangenehme Gefühl, das ihm sofort sagte, dass etwas gerade eine Grenze überschritten hatte. Dass dieser Moment für sie nicht mehr nur eine Nacht gewesen war. Dass er plötzlich eine Bedeutung hatte, die er nie beabsichtigt hatte. Shinichi sein Blick wanderte langsam zurück zur Decke. Das Licht der Stadt flackerte schwach über die weiße Zimmerdecke. Und ihm wurde in diesem Augenblick vollkommen klar.. Das hier war ein Fehler gewesen.
Das Klirren von Besteck riss ihn zurück. Der Saal erschien wieder vor seinen Augen. Das warme Licht der Kronleuchter. Die gedämpften Gespräche. Das Weinglas. Sie stellte das Glas gerade wieder auf den Tisch. Dann bemerkte sie seinen Blick. Ein kleines, wissendes Lächeln erschien auf ihren Lippen.
„Alles in Ordnung?“ fragte sie leise. Shinichi wandte den Kopf leicht zu ihr. Seine Miene blieb vollkommen ruhig.
„Natürlich.“
Der letzte Gang des Essens war gerade serviert worden, doch die Gespräche am Tisch hatten längst wieder die Richtung der üblichen Themen eingeschlagen. Shinichi hörte nur noch mit halbem Ohr zu. Er hatte den perfekten Moment abgewartet. Als eine kurze Gesprächspause entstand, legte er seine Serviette ruhig neben seinen Teller.
„Entschuldigt mich bitte.“ Mehrere Blicke richteten sich sofort auf ihn.
Sein Vater hob leicht den Kopf.
„Ist etwas?“ Shinichi blieb ruhig.
„Ich habe vorhin eine Nachricht bekommen.“ Er zog sein Handy aus der Tasche, als würde er die Nachricht noch einmal überprüfen.
„Ein wichtiger Kontakt von mir ist gerade in der Stadt. Es geht um eine mögliche Beteiligung an einem neuen Clubprojekt in Ginza.“ Ein kurzer Moment der Stille entstand am Tisch. Das Wort Beteiligung reichte bereits, um das Interesse einiger Geschäftsleute zu wecken.
Shinichi sah kurz zu seinem Vater.
„Er ist nur für ein paar Stunden hier. Wenn ich ihn heute nicht treffe, ergibt sich die Gelegenheit vermutlich erst in Wochen. Vielleicht Monate.“ Yusaku musterte ihn aufmerksam. Sein Blick blieb einen Moment länger auf seinem Sohn liegen, als würde er versuchen zu erkennen, wie viel Wahrheit tatsächlich hinter diesen Worten steckte. Doch schließlich nickte er langsam.
„Geschäft geht vor.“ Ein kaum merkliches Lächeln erschien auf Shinichis Lippen.
„Genau das dachte ich mir.“ Er schob seinen Stuhl zurück und erhob sich.
„Ich wünsche Ihnen noch einen angenehmen Abend.“ Mit einem höflichen Nicken verabschiedete er sich von den Gästen am Tisch und wandte sich dann zum Gehen. Während er sich vom Tisch entfernte, spürte er noch einmal kurz den prüfenden Blick seines Vaters in seinem Rücken. Erst als er einige Schritte vom Tisch entfernt war, erlaubte sich Shinichi ein leichtes Grinsen. Manchmal war die Welt seines Vaters erstaunlich leicht auszutricksen.
Die Gespräche im Saal verstummten hinter ihm, sobald sich die schwere Tür schloss. Der Flur außerhalb des Saals war deutlich ruhiger. Gedämpftes Licht fiel aus den Wandlampen auf den dunklen Teppichboden, während die Geräusche der Veranstaltung nur noch dumpf durch die geschlossene Tür drangen. Shinichi ging einige Schritte den Korridor entlang. Erst als er sicher war, dass niemand aus dem Saal ihm folgte, verlangsamte er sein Tempo. Ein leises, erleichtertes Ausatmen entwich ihm. Er war endlich frei. Mit einer schnellen Bewegung griff er in die Innentasche seines Jacketts und zog sein Handy hervor. Der Bildschirm leuchtete sofort auf und zeigte den Gruppenchat mit seinen beiden besten Freunden.
Er tippte nur eine kurze Nachricht.
Shinichi: Jungs.. bin unterwegs."
Eine Antwort kam fast sofort.
Heiji: Komm schnell. Kaito bekommt gerade die größte Abfuhr seines Lebens."
Shinichi ließ ein leises Schnauben hören.
Shinichi: Das will ich sehen."
Er steckte das Handy wieder weg. Dann griff er mit einer Hand an seine Krawatte und zerrte etwas an ihr. Er lockerte den Knoten vollständig. Mit dieser kleinen Bewegung fiel die angespannte Atmosphäre des Abends beinahe sofort von ihm ab. Gerade als er weitergehen wollte, erklangen hinter ihm Schritte.
„Shinichi.“ Er blieb stehen. Ein kaum hörbares Seufzen entwich ihm, bevor er sich umdrehte. Ein paar Meter hinter ihm stand Shiho. Das Licht der Wandlampen schimmerte leicht in ihren rotblonden Haaren. Offenbar war sie ihm direkt aus dem Saal gefolgt. Ihr Blick glitt kurz über ihn. Von seinem Gesicht zu der gelockerten Krawatte. Dann zurück. Ein leichtes, wissendes Lächeln erschien auf ihren Lippen.
„Du gehst also.“ Shinichi steckte eine Hand locker in die Tasche seiner Anzughose.
„Das war der Plan.“ Shiho verschränkte langsam die Arme. Ihr Blick blieb noch einen Moment auf seiner Krawatte hängen.
„Dieses wichtige Geschäftstreffen in Ginza scheint ziemlich dringend zu sein.“ Ein schiefes Grinsen erschien auf Shinichis Lippen.
„Du solltest wirklich lernen, Gespräche am Tisch zu ignorieren.“ Shiho schüttelte leicht den Kopf.
„Du bist schlecht im Lügen.“
„Und trotzdem hat es funktioniert.“ Für einen kurzen Moment herrschte Stille zwischen ihnen. Dann sagte sie ruhig,
„Du schuldest mir noch eine Antwort.“ Shinichi runzelte leicht die Stirn.
„Eine Antwort?“ Shiho musterte ihn einen Moment lang schweigend. Dann hob sie leicht eine Augenbraue.
„Fukuoka.“ Der Name der Stadt traf ihn unerwartet. Für einen kurzen Moment blieb sein Blick auf ihr ruhen. Shiho fuhr fort, ihre Stimme ruhig, beinahe sachlich.
„Ich habe dir dort etwas gesagt.“ Shinichi schwieg. Die Erinnerung war wie ein Schlag wieder da. Ihr Geständnis.
-Ich glaube… ich habe mich wirklich in dich verliebt.-
Shiho sah ihn weiter an.
„Du hast nie darauf geantwortet.“ Shinichi ließ ein leises Atemgeräusch hören. Dann zuckte er leicht mit den Schultern.
„Ich dachte, meine Reaktion wäre deutlich gewesen.“ Shiho hielt seinem Blick einen Moment stand. Dann lächelte sie leicht. Doch dieses Lächeln wirkte kühler als zuvor.
„Ja.“ Sie trat schließlich einen Schritt zur Seite und machte den Weg frei.
„War sie.“ Ein kurzer Moment verging. Dann fügte sie hinzu,
„Du hast dich kein bisschen verändert.“ Shinichi erwiderte nichts darauf. Er ging einfach an ihr vorbei. Seine Schritte hallten leise über den Teppich, während er den Flur entlangging und die Treppe hinunter in die Eingangshalle des Gebäudes verschwand. Hinter ihm blieb Shiho noch einen Moment stehen.vDoch er drehte sich nicht mehr um. Durch die großen Glasfronten waren bereits die Lichter der Stadt zu sehen. Die Nacht hatte längst begonnen. Und diesmal gehörte sie wieder ihm.
Die Musik des Clubs war schon draußen auf der Straße zu hören. Tiefe Bässe drangen dumpf durch die Wände des Gebäudes und ließen den Boden leicht vibrieren, während sich vor dem Eingang eine lange Schlange wartender Gäste gebildet hatte. Stimmen, Gelächter und das Flackern der Neonlichter mischten sich mit der angenehmen Nachtluft. Shinichi ging wie gewohnt an der Schlange vorbei. Sein Erscheinungsbild hatte sich deutlich verändert, seit er das Geschäftsessen verlassen hatte. Die Krawatte war verschwunden, die beiden obersten Knöpfe seines Hemdes standen offen und seine Haare waren längst nicht mehr so ordentlich gestylt wie zuvor. Einige Strähnen fielen locker in seine Stirn, während er mit lässigem Schritt auf den Eingang zuging. Der Türsteher erkannte ihn sofort und trat ohne ein Wort zur Seite. Shinichi betrat den Club. Bunte Lichter zuckten über die Tanzfläche, während sich die Menschen im Rhythmus der Musik bewegten. Stimmen gingen im Lärm der Bässe unter, Gläser klirrten an der Bar und irgendwo lachte jemand laut auf. Er ging direkt die Treppe zum VIP-Bereich hinauf. Auf der großen Couch saßen bereits seine beiden Freunde. Heiji hatte sich halb nach vorne gebeugt und lachte so sehr, dass er sich mit einer Hand den Bauch hielt. Neben ihm saß Kaito mit verschränkten Armen und einem Gesichtsausdruck, der irgendwo zwischen beleidigt und trotzig lag. Shinichi trat an den Tisch.
„Ich glaube, ich komme genau zur richtigen Zeit.“ Heiji sah sofort auf und grinste noch breiter.
„Du hast das Beste verpasst.“ Kaito schnaubte.
„Halt einfach die Klappe.“ Shinichi setzte sich zu ihnen.
„Was habe ich verpasst?“ Heiji lachte erneut auf.
„Unser Don Juan hier hat versucht, eine Frau abzuschleppen.“ Shinichi hob eine Augenbraue.
„Versucht?“ Kaito schlug mit der Hand auf den Tisch.
„Ich habe ganz normal mit ihr gesprochen!“ Heiji grinste.
„Natürlich.“ Er nahm einen Schluck aus seinem Glas.
„Also… sie stand an der Bar. Lange dunkle Haare, rotes Kleid… und ehrlich gesagt ziemlich hübsch.“ Shinichi lehnte sich leicht zurück.
„Und?“ Heiji grinste breiter.
Rückblick:
Die Musik im Club dröhnte laut durch den Raum, während sich die Menge auf der Tanzfläche bewegte. Die Frau saß an der Bar. Das rote Kleid lag eng an ihrer Figur, während ihr dunkles Haar locker über ihren Rücken fiel. In ihrer Hand hielt sie ein Glas, aus dem sie gelegentlich einen kleinen Schluck nahm, während sie sich mit einer Freundin unterhielt. Dann tauchte Kaito neben ihr auf. Er lehnte sich lässig an die Bar und setzte ein charmantes Lächeln auf.
„So, hier bin ich!“, begann er,
„Was ist dein nächster Wunsch?“ Die Frau sah ihn kurz an. Eine Augenbraue hob sich leicht.
„Wie bitte?“ Kaito grinste. Ihre Freundin verdrehte leicht die Augen.
Die Frau selbst nahm einen Schluck von ihrem Drink. Kaito ließ sich nicht beirren.
„Also… darf ich dir einen Drink ausgeben?“ Die Frau musterte ihn einen Moment. Dann lächelte sie tatsächlich kurz. Doch es war kein flirtendes Lächeln.
„Nein, danke.“ Ihre Stimme blieb ruhig.
„Ich kann für meine eigenen Drinks sorgen.“ Kaito blinzelte. Sie wandte sich bereits wieder ihrer Freundin zu. Und damit war das Gespräch beendet.
„… und dann hat sie sich einfach wieder zu ihrer Freundin umgedreht“, beendete Heiji seine Erzählung. Shinichi starrte ihn einen Moment an.
Dann brach er in ein leises Lachen aus. Heiji brach sofort wieder in Gelächter aus. Kaito sah die beiden wütend an.
„Erstickt an eurem Lachen, ihr Clowns!“ Heiji klopfte ihm grinsend auf die Schulter.
„Du hättest dein Gesicht sehen sollen.“ Shinichi nahm einen Schluck aus seinem Glas und schüttelte amüsiert den Kopf. Kaito verschränkte wieder die Arme und sah zu ihm.
„Und bevor du jetzt denkst, du wärst der große Frauenheld…“ Er deutete mit einem Finger auf Shinichi.
„Ich wette, du hast bei ihr auch keine Chance.“ Für einen Moment blieb es still. Die Musik pulsierte durch den Club, während sich die Lichter über die Menge bewegten. Ein selbstsicheres Grinsen erschien auf Shinichis Lippen. Er stellte sein Glas auf den Tisch. Dann sah er Kaito ruhig an.
„Das werden wir sehen.“
Nur eine weitere Nacht
Die Nacht war längst weiter vorangeschritten, doch im Club fühlte es sich an, als hätte sie gerade erst begonnen. Die Bässe der Musik pulsierten durch den Raum wie ein gewaltiger Herzschlag. Jeder Beat vibrierte durch den Boden, wanderte durch die Möbel, durch die Körper der Menschen. Bunte Lichtstrahlen schnitten durch die warme, leicht nach Alkohol und Parfum riechende Luft. Mal tauchten sie die Menge in violettes Licht, dann wieder in grelles Blau oder tiefes Rot. Gelächter, Rufe, das Klirren von Gläsern und das rhythmische Stampfen der Musik verschmolzen zu einem einzigen, lebendigen Geräuschteppich. Im VIP-Bereich war die Stimmung inzwischen vollkommen ausgelassen. Auf dem niedrigen Tisch vor den Ledersofas standen mehrere halb geleerte Flaschen Whisky, Champagner, Tequila. Zwischen ihnen lagen verstreute Zitronenspalten, Cocktailservietten und ein paar Porn Star Martini, deren süßlicher Duft nach Vanille und Passionsfrucht immer wieder durch die Luft zog, wenn jemand ein Glas anhob. Mehrere Frauen hatten die Jungs im Laufe der Nacht zu sich gewunken. Längst saßen oder tanzten sie mit ihnen, lachten, stießen an, beugten sich nah zueinander, um sich über die Musik hinweg etwas zuzurufen. Direkt vor Heiji stand eine Frau mit langem dunklen Haar und einem schwarzen, figurbetonten Kleid, dessen Stoff im Licht der Clublampen leicht schimmerte. Sein Arm lag locker um ihre Hüfte, als hätte er sie schon seit Stunden dort. Zwischen seinen Zähnen klemmte eine Zitronenscheibe. In seiner anderen Hand hielt er einen Tequilashot. Er hob leicht eine Augenbraue und grinste schief. Die Frau lachte, ihre Augen funkelten im wechselnden Licht. Er reichte ihr das Glas. Ihre Finger streiften kurz seine, als sie es nahm. Ohne zu zögern kippte sie den Shot herunter. Ihr Gesicht verzog sich kurz, während der Alkohol brannte. Sie beugte sich zu ihm vor, um in die Zitrone zu beißen. Ihre Lippen streiften seine. Ein kurzer Moment, kaum länger als ein Atemzug. Überraschung flackerte über ihr Gesicht, als Heijis Hand plötzlich in ihr Haar glitt und er sie ein Stück näher zog. Doch statt zurückzuweichen, lächelte sie nur leicht gegen seine Lippen. Der Kuss wurde sofort intensiver. Ihre Lippen bewegten sich gegeneinander, während sich der Geschmack von Zitrone und Tequila zwischen ihnen vermischte. Heiji spürte das leise Lachen in ihrem Atem, bevor sie den Kuss erwiderte. Seine Finger glitten ein wenig tiefer in ihr Haar, während seine andere Hand ihre Hüfte fester hielt. Er strich mit seiner Zunge sachte über ihre süß schmeckenden Lippen. Sie öffnete sie sofort ein Stück mehr und ein spielerischer Zungenkampf begann. Ein paar Meter entfernt pfiff jemand anerkennend. Heiji löste sich schließlich ein paar Zentimeter, gerade genug, um sie anzusehen.
„Gar nicht schlecht“, murmelte er. Sie grinste breit.
„Du auch nicht.“ Ihre Lippen trafen sich erneut, langsamer. Ein paar Schritte daneben tanzte Kaito mit einer Frau in einem dunkelblauen Kleid, das im Licht der Clublampen funkelte, als wäre es mit winzigen Sternen bestickt. Der Stoff schmiegte sich eng an ihre Figur, während sie sich im Rhythmus der Musik bewegte. Ihre Hüften schwangen mühelos zum Beat. Kaito beobachtete sie kurz mit diesem typischen, leicht verspielten Lächeln. Dann trat sie näher an ihn heran. Und noch näher. Ihr Körper drückte sich nun deutlich gegen seinen, während ihre Hüften sich im Takt der Musik bewegten. Kaito hielt einen Moment inne. Sein Blick wanderte über ihr Gesicht, dann kurz nach unten, dann wieder zurück zu ihren Augen. Ein schiefes, amüsiertes Lächeln erschien auf seinem Gesicht, während er sich unwillkürlich leicht auf die Unterlippe biss.
„Du tanzt ziemlich gefährlich“, sagte er leise, dicht an ihrem Ohr, damit sie ihn überhaupt hören konnte. Die Frau lächelte nur. Ihre Hand glitt langsam von seiner Schulter über seinen Nacken, ihre Finger spielten kurz mit den Haaren an seinem Hinterkopf.
„Ich passe mich nur an.“ Kaito hob eine Augenbraue.
„Ach ja?“ Sie lehnte sich noch ein kleines Stück näher zu ihm.
„Du hast schließlich angefangen.“ Er lachte leise, zog sie mit einer lockeren Bewegung wieder ein Stück näher zu sich und legte eine Hand an ihre Taille.
„Dann sollte ich wohl vorsichtig sein.“
„Zu spät“, flüsterte sie. Ein paar Meter weiter stand Shinichi mit einer Frau an der Wand des VIP-Bereichs. Die Wand hinter ihnen vibrierte leicht vom Bass der Musik. Sie trug ein silbernes Top, das im Licht der Clubbeleuchtung schimmerte, dazu einen schwarzen Lederrock. Ihr langes Haar fiel über eine Schulter, während sie zu ihm aufsah.
Shinichi stand dicht vor ihr. Eine Hand hatte er neben ihrem Kopf gegen die Wand gestützt. In der anderen hielt er sein Glas, in dem das Eis leise klirrte, als er es leicht bewegte. Sein Blick glitt langsam über ihr Gesicht, dann über ihre Figur. Ein selbstsicheres Grinsen erschien auf seinen Lippen.
„Weißt du eigentlich..“, begann er ruhig,
„dass du der attraktivste Anblick in diesem ganzen Club bist?“ Die Frau lachte leise. Sie trat einen halben Schritt näher an ihn heran, sodass kaum noch Abstand zwischen ihnen blieb. Ihr Blick wanderte kurz über sein Gesicht, blieb dann an seinen Augen hängen.
„Und was stellst du noch so fest?“ Shinichi nahm einen kleinen Schluck aus seinem Glas, ohne den Blick von ihr zu lösen. Er stellte das Glas schließlich auf dem kleinen Tisch ab und beugte sich ein wenig näher zu ihr.
„Dass du mir später noch viel mehr von dir zeigen wirst.“ Die Frau hob eine Augenbraue. Sie legte eine Hand locker auf seine Brust. Ihre Finger glitten langsam über den Stoff seines Hemdes.
„Ich denke...“ Ihr Lächeln wurde breiter.
„Das ließe sich einrichten.“ Shinichi erwiderte das Lächeln.
Die Musik vibrierte schwer durch den VIP-Bereich, während sich das Licht der Clubstrahler in den Gläsern auf dem Tisch spiegelte. Shinichi und Heiji standen nebeneinander vor der Couch. Beide hielten ihre Gläser in der Hand. Die Frau im silbernen Top lehnte sich dabei lachend an Shinichi. Ihre Hand lag locker auf seiner Brust, während sie ihn von der Seite ansah. Neben ihnen hatte die dunkelhaarige Frau Heijis Arm über ihre Schultern gelegt. Shinichi hob sein Glas leicht. Heiji stieß mit seinem dagegen. Beide setzten gleichzeitig ihre Gläser an und tranken sie in einem Zug leer. Das Glas klirrte wieder auf dem Tisch, während Heiji kurz ausatmete. Die Frauen lachten. In diesem Moment zerriss ein lautes Knallen die Musik. Der Korken der Champagnerflasche schoss durch die Luft. Die Frau im dunkelblauen Kleid, die direkt neben Kaito stand, zuckte kurz zusammen und lachte gleichzeitig auf. Kaito hob die Flasche bereits mit einem breiten Grinsen. Ohne ein Wort zu sagen setzte er sie direkt an ihre Lippen. Die beiden anderen Frauen lachten sofort und beobachteten die Szene gespannt. Der Champagner lief in einem prickelnden Strom in ihren Mund. Kaito hörte nicht sofort auf. Sein Grinsen wurde breiter.bDie Frau versuchte zu schlucken, während sie gleichzeitig lachen musste. Ein wenig der Flüssigkeit lief aus ihrem Mundwinkel. Lachend hielt sie eine Hand unter ihr Kinn, damit nichts auf ihr Kleid tropfte.
„Okay, okay…“, brachte sie schließlich hervor. Kaito nahm die Flasche erst jetzt weg. Zufrieden musterte er sein Werk. Die Frau schluckte den letzten Rest und sah ihn an. Ihr Blick traf seinen. Langsam wischte sie mit einem Finger über den feuchten Mundwinkel. Dann führte sie den Finger zu ihren Lippen und ließ ihn mit einem kurzen, spielerisch verführerischen Blick verschwinden. Kaito zwinkerte ihr nur.
„Respekt.“ Die Frauen lachten. Ohne viel Aufhebens drehte Kaito sich zur schwarzhaarigen Frau neben Heiji. Er setzte die Flasche an. Der Champagner floss wieder. Sie schluckte deutlich schneller als ihre Freundin. Nur ein kleiner Tropfen lief an ihrem Mundwinkel herunter.
Heiji sah sie überrascht an. Sie lachte. Nun wandte sich Kaito der dritten Frau zu. Der Frau im silbernen Top. Auch ihr setzte er die Flasche an die Lippen. Sie trank. Doch diesmal schluckte sie den letzten Schluck nicht herunter. Stattdessen drehte sie sich plötzlich zu Shinichi. Ihre Hand griff nach seinem Hemdkragen und zog ihn ein Stück zu sich. Sie küsste ihn. Die prickelnde Flüssigkeit in ihrem Mund teilte sich nun zwischen ihnen. Shinichi erwiderte den Kuss kurz, bevor sie sich wieder löste.
„Verschwendung wäre das gewesen“, sagte sie grinsend. Shinichi schmunzelte nur leicht.
„Da hast du recht.“ Kaito setzte die Flasche nun selbst an. Er leerte den letzten Rest Champagner in einem langen Zug. Doch dabei lehnte er sich ein wenig zu weit nach hinten. Ein Teil der Flüssigkeit schwappte über den Flaschenrand. Direkt auf Heijis Hemd. Heiji sah an sich herunter. Der dunkle Stoff war an mehreren Stellen nass. Für einen Moment sagte er nichts. Dann sah er zu Kaito.
„Wie kann man bitte so ein Idiot sein?“ Kaito senkte langsam die Flasche und grinste.
„Das war Teil der Show.“ Die Frauen lachten laut. Shinichi ebenfalls. Heiji griff nach ein paar Servietten vom Tisch und versuchte kurz, sein Hemd zu retten. Nach wenigen Sekunden gab er auf.
„Vergiss es.“ Er warf die Servietten wieder auf den Tisch und nahm stattdessen ein neues Glas. Die Musik pulsierte weiter durch den Club. Lachen, Stimmen und das Klirren von Gläsern vermischten sich mit dem Duft von Alkohol und Parfum. Die Nacht fühlte sich grenzenlos an.
Die Feierlaune im VIP-Bereich stieg immer weiter, während der Alkohol unaufhörlich floss. Der tiefe Bass der Musik vibrierte durch den Boden und ließ selbst die Ledersofas leicht mitzittern. Über der Tanzfläche zuckten bunte Lichtstrahlen durch die warme, nach Parfum, Alkohol und ein wenig Rauch riechende Luft. Stimmen, Gelächter und das rhythmische Stampfen der Musik verschmolzen zu einem einzigen, lebendigen Klangteppich. Auf dem niedrigen Tisch vor den Jungs standen inzwischen mehrere neue Gläser. Einige Flaschen waren bereits leer, andere nur noch halb gefüllt. Kaito saß entspannt zurückgelehnt auf der Couch. Die Frau im dunkelblauen Kleid hatte sich inzwischen wieder auf seinen Schoß gesetzt. Ihr Arm lag locker um seinen Nacken, während sie sich lachend zu ihm hinunterbeugte, um ihm etwas ins Ohr zu sagen, das im Lärm der Musik sonst untergegangen wäre. Heiji saß ihnen gegenüber. Die dunkelhaarige Frau hatte sich halb auf seinen Schoß gedreht, ein Bein über seinem gelegt. Seine Hand ruhte ganz selbstverständlich auf ihrem Knie, während sie sich dicht an ihn lehnte.
„Ich sag dir“, meinte Heiji und hob sein Glas leicht an,
„morgen früh wird keiner von uns wissen, wie wir überhaupt nach Hause gekommen sind.“ Kaito grinste schief und nahm einen Schluck aus seinem Drink.
„Morgen früh?“ Er ließ das Glas wieder sinken.
„Ich plane gar nicht erst, nach Hause zu gehen.“ Die Frau auf seinem Schoß lachte leise. Neben ihnen saß Shinichi und beobachtete das Ganze mit einem amüsierten Blick. Sein Glas ruhte locker in seiner Hand, während er dem Gespräch seiner Freunde zuhörte. Doch die Frau im silbernen Top neben ihm hatte andere Pläne. Sobald sie bemerkte, dass seine Aufmerksamkeit für einen Moment abschweifte, zog sie ihn sofort wieder zu sich. Mal legte sie eine Hand an seinen Nacken, mal beugte sie sich einfach zu ihm herüber.
Jetzt schmiegte sie sich wieder enger an ihn.
„Du bist schon wieder abgelenkt“, murmelte sie mit einem kleinen Lächeln. Shinichi sah kurz zu ihr hinunter.
„Bin ich das?“
„Ja.. aber das kann ich ändern.“ Sie wartete keine weitere Antwort ab und küsste ihn. Shinichi erwiderte den Kuss kurz. Seine Hand lag locker an ihrer Taille, doch kaum lösten sich ihre Lippen wieder voneinander, wanderte sein Blick schon zurück zu seinen Freunden. Er ließ ihre Annäherungen zu. Aber innerlich merkte er längst, wie sein Interesse langsam nachließ. Er mochte schöne Frauen. Sehr sogar. Doch er mochte es nicht besonders, wenn sie sich an ihn klammerten, als hätten sie bereits beschlossen, ihr ganzes Leben mit ihm zu verbringen. Nach einer Weile richtete sich plötzlich die dunkelhaarige Frau neben Heiji auf.
„Ich muss kurz auf die Toilette.“ Die Frau im blauen Kleid rutschte ebenfalls von Kaitos Schoß.
„Ich komme mit.“ Die Frau im silbernen Top löste sich schließlich auch von Shinichi und strich ihr Haar kurz nach hinten.
„Wir sind gleich zurück.“ Kaito hob sein Glas leicht.
„Lasst uns nicht zu lange warten, Ladies.“ Kaito sah den drei Frauen noch einen Moment nach, während sie sich zwischen den tanzenden Gästen entfernten. Die bunten Lichter der Tanzfläche warfen immer wieder kurze Reflexionen auf ihre Kleider, bis ihre Silhouetten schließlich im Gedränge der Menge verschwanden. Langsam zog sich ein breites Grinsen über sein Gesicht. Er griff nach seinem Glas, lehnte sich entspannt in die Rückenlehne der Couch zurück und nahm einen genüsslichen Schluck.
„Also…“, sagte er schließlich zufrieden,
„die Nummer ist im Sack.“ Heiji ließ ein amüsiertes Schnauben hören und nahm ebenfalls einen Schluck aus seinem Drink. Kaito nickte in Richtung Tanzfläche, als könnte er sie immer noch sehen.
„Die geht heute garantiert nicht alleine nach Hause.“ Er drehte sein Glas leicht zwischen den Fingern, sein Grinsen wurde noch breiter.
„Und ehrlich gesagt…“, fügte er hinzu,
„ich finde es großartig, dass heute für jeden von uns was dabei ist.“ Heiji lehnte sich etwas zurück und sah ihm grinsend an.
„Oh, ich verspreche mir von dieser Nacht auch einiges.“ Er stellte sein Glas wieder auf den Tisch.
„Hast du gesehen, wie schnell sie den Champagner runtergekippt hat?“ Kaito lachte sofort.
„Oder wie die Andere an ihrem Finger gelutscht hat.“ Heiji grinste breit.
„Ich sage es euch… die haben Talent.“ Kaito schüttelte lachend den Kopf. Einen Moment später hob Kaito seine Hand. Heiji verstand sofort. Mit einem lauten Klatschen schlugen ihre Hände gegeneinander, als hätten sie gerade den Hauptgewinn gewonnen.
Beide mussten lachen. Erst danach glitten ihre Blicke gleichzeitig zu Shinichi. Er hatte während des ganzen Gesprächs nichts gesagt. Shinichi saß entspannt neben ihnen, das Glas noch immer locker in der Hand. Sein Blick lag irgendwo auf der tanzenden Menge unter ihnen, als hätte ihn das Gespräch nur am Rande interessiert. Als er bemerkte, dass seine Freunde ihn ansahen, zuckte er lediglich mit den Schultern.
„Was?“ Kaito grinste.
„Wie findest du deine Eroberung?“ Shinichi nahm einen ruhigen Schluck aus seinem Glas.
„Sehr.. anhänglich. Wie ein emotionaler Klammeraffe." Kaito lachte leise.
„Perfekt, dass ausgerechnet du die Durchgeknallte erwischt hast.“ Shinichi antwortete nicht sofort. Sein Blick wanderte kurz wieder über die Tanzfläche. Für ihn war das Abschleppen einer Frau längst nichts Besonderes mehr. Es gehörte fast schon zur Routine dieser Nächte. Und wenn er seinen Freunden jetzt sagen würde, dass er eigentlich gar keine große Lust mehr hatte, die Frau später mit nach Hause zu nehmen… würden sie ihm das vermutlich nicht einmal glauben. Also zuckte er nur noch einmal leicht mit den Schultern und nahm einen weiteren Schluck aus seinem Glas. Unter ihnen bewegte sich die Menge weiter im Rhythmus der Musik. Und irgendwo zwischen all den tanzenden Körpern sollte sich diese Nacht gleich vollkommen verändern.
Die Musik im Club war laut genug, dass sie wie ein stetiger Puls durch den ganzen Raum vibrierte. Die Bässe ließen den Boden leicht beben, während farbige Lichtstrahlen über die tanzende Menge glitten. Von oben im VIP-Bereich wirkte die Tanzfläche wie ein lebendiges Meer aus Körpern, das sich im Rhythmus der Musik bewegte. Kaito nahm einen Schluck aus seinem Drink und lehnte sich dann leicht zu Heiji hinüber. Auf seinen Lippen lag dieses breite, amüsierte Grinsen, das meistens nichts Gutes bedeutete.
„Also ich sag’s dir…“, begann er und schüttelte kurz den Kopf, als müsste er selbst über seine eigenen Gedanken lachen.
„Diese eine Nacht von unserem Freund hier wird absolut legendär enden.“ Heiji hob eine Augenbraue.
„Ach ja?“ Kaito stellte sein Glas beiseite und richtete sich auf. Dann räusperte er sich theatralisch, als würde er gleich eine große Bühne betreten.
„Stell dir folgende Szene vor“, sagte er und hob eine Hand dramatisch in die Luft. Plötzlich nahm er eine übertrieben hohe Stimme an.
„Shinichi… bitte…“, jammerte er mit gespielter Verzweiflung.
„Diese Nacht… sie bedeutet mir so viel!“ Heiji brach sofort in Gelächter aus. Kaito wechselte abrupt die Stimme und sprach nun tief und übertrieben gleichgültig.
„Tut mir leid“, sagte er mit trockener Miene, während er sich demonstrativ eine imaginäre Uhr am Handgelenk ansah.
„Ich habe morgen einen Termin.“ Heiji lachte noch lauter. Doch Kaito war noch lange nicht fertig. Mit einer dramatischen Bewegung ließ er sich plötzlich vor Shinichi auf die Knie fallen. Seine Hände legte er flehend vor der Brust zusammen, während er wieder die hohe Stimme annahm.
„Aber Shinichi!“, rief er klagend.
„Was ist mit unserer Verbindung? Was ist mit unseren Gefühlen?!“ Zu Heijis Erstaunen schaffte es Kaito tatsächlich, seine Augen glasig wirken zu lassen. Er schniefte einmal laut und begann dann mit übertriebenem Schluchzen zu spielen.
„Ich habe dir mein Herz geschenkt!“, jammerte er und wischte sich eine imaginäre Träne von der Wange. Heiji musste sich inzwischen den Bauch halten.
„Hör auf… ich kann nicht mehr…“, brachte er zwischen zwei Lachanfällen hervor. Kaito setzte noch einen drauf. Er warf den Kopf leicht zurück, schluchzte dramatisch und streckte eine Hand verzweifelt nach Shinichi aus, als würde gerade eine tragische Liebesszene aus einem Film stattfinden. Mitten in diesem kleinen Theaterstück saß Shinichi vollkommen unbeeindruckt auf der Couch.
Er nahm ruhig einen Schluck aus seinem Glas. Sein Blick glitt kurz zu Kaito hinunter, der noch immer kniend vor ihm seine tragische Liebesgeschichte spielte.
„Du hast wirklich einen Schatten“, sagte Shinichi trocken. Dann wandte er den Blick einfach wieder ab. Heiji lachte immer noch, während Kaito sich schließlich wieder aufrichtete und breit grinste, als hätte er gerade eine preisverdächtige Performance hingelegt. Doch Shinichi hörte ihnen kaum noch zu. Sein Blick wanderte beiläufig über die Tanzfläche unter ihnen. Zwischen den tanzenden Menschen bewegten sich unzählige Silhouetten im wechselnden Licht der Clubbeleuchtung. Arme wurden in die Luft gehoben, Körper drehten sich im Rhythmus der Musik, Gläser blitzten kurz im Licht der Spots auf. Dann fing sein Blick für einen kurzen Moment etwas ein.
Eine Bewegung. Mehr nicht. Doch bevor er wirklich erkennen konnte, wen er gesehen hatte, schoben sich bereits wieder mehrere Menschen davor. Zwei tanzende Gäste kreuzten die Sichtlinie, dann noch ein weiterer. Shinichi runzelte leicht die Stirn. Er sah erneut hin.
Doch wieder versperrten ihm Körper die Sicht. Ohne ein Wort stellte er schließlich sein Glas auf den Tisch. Dann stand er auf. Weder Heiji noch Kaito bemerkten es wirklich, da sie noch immer über Kaitos kleine Theateraufführung lachten. Shinichi ging einige Schritte nach vorne bis zum Geländer des VIP-Bereichs. Von hier aus hatte man einen deutlich besseren Blick auf die Tanzfläche. Er legte eine Hand locker auf das Metallgeländer und ließ seinen Blick erneut durch die Menge gleiten. Dieses Mal verlor er sie nicht sofort aus den Augen.
Sein Blick blieb an einer jungen Frau hängen, die ein paar Meter unter ihm auf der Tanzfläche stand. Er sah sie nur von hinten. Sie trug ein rotes Minikleid, dessen Stoff sich eng an ihre Figur schmiegte und im Licht der wechselnden Scheinwerfer immer wieder kurz aufleuchtete.
Ihre Hüften bewegten sich im Rhythmus der Musik. Nicht übertrieben. Nicht aufgesetzt. Es wirkte mühelos. Fast so, als würde das Lied sich ihrem Körper anpassen und nicht umgekehrt. Bei jeder Bewegung ihres Körpers schwang ihr dunkelbraunes Haar leicht über ihre Hüften. Shinichis Blick blieb fest auf der jungen Frau auf der Tanzfläche liegen. Der Club um ihn herum pulsierte weiterhin im Rhythmus der Musik. Bunte Lichtstrahlen zuckten über die Menge, ließen Gesichter für Sekundenbruchteile aufleuchten und verschwanden dann wieder im Dunkel der tanzenden Körper. Stimmen, Gelächter und das dumpfe Wummern der Bässe vermischten sich zu einem einzigen, lebendigen Geräuschstrom Doch für Shinichi schien all das für einen Moment in den Hintergrund zu rücken. Seine Aufmerksamkeit gehörte allein der Frau im roten Kleid. Er bemerkte weder die erneuten Sticheleien seiner Freunde hinter sich noch die drei Frauen, die gerade aus der Richtung der Toiletten zurückkamen und wieder in den VIP-Bereich traten. Erst als sich plötzlich eine Hand auf seine legte, die locker auf dem Geländer ruhte, blinzelte er leicht und wandte den Blick ab. Die Frau im silbernen Top war wieder bei ihm. Mit einem selbstbewussten Lächeln lehnte sie sich an seine Seite. Ihr Körper schmiegte sich leicht an ihn, während ihre Finger langsam über seinen Oberkörper strichen. Ihr Finger zog kleine, kreisende Bewegungen über den Stoff seines Hemdes, als würde sie ihn ganz bewusst wieder zu sich zurückholen wollen.
„Ich dachte…“, fügte sie hinzu und sah zu ihm auf,
„wir verschwinden zusammen.“ Ihre Lippen verzogen sich zu einem vielsagenden Lächeln. Shinichi hob leicht eine Augenbraue. Sein Blick glitt kurz zur Seite. Wieder hinunter auf die Tanzfläche. Die Frau im roten Kleid bewegte sich noch immer im Rhythmus der Musik. Ihr Haar schwang leicht über ihren Rücken, während sich ihre Hüften mühelos zum Beat bewegten. Dann wanderte sein Blick zurück zu der Frau neben ihm. Zum silbernen Top. Zu ihrem erwartungsvollen Lächeln. Zu der Hand, die noch immer auf seiner Brust lag. Für einen kurzen Moment wirkte es tatsächlich, als würde er abwägen. Sein Blick glitt erneut nach unten. Zurück zur Tanzfläche. Zurück zu dem roten Kleid. Die junge Frau auf der Tanzfläche drehte sich. Sie lachte über irgendetwas, das jemand neben ihr gesagt hatte und wandte dabei den Kopf. Zum ersten Mal konnte Shinichi ihr Gesicht sehen. Für einen kurzen Moment vergaß er alles um sich herum. Die Frau neben ihm. Den Lärm des Clubs. Die Stimmen hinter ihm. Sein Blick blieb einfach an ihr hängen. Ein schwaches, beinahe fasziniertes Grinsen zeichnete sich langsam auf seinem Gesicht ab. Neben ihm runzelte die Frau im silbernen Top leicht die Stirn.
„Hallo?“ sagte sie und tippte ihm leicht gegen die Brust, um seine Aufmerksamkeit zurückzubekommen. Shinichi blinzelte kurz, als würde er erst jetzt wieder in die Realität zurückfinden. Er sah zu ihr hinunter. Sein Gesichtsausdruck war vollkommen ruhig.
„Weißt du was“, sagte er dann ohne Umschweife.
„Du bist mir einfach viel zu langweilig.“ Die Worte kamen so direkt, dass sie für einen Moment irritiert blinzelte.
„Wie bitte?“ Shinichi zuckte nur leicht mit den Schultern.
„Ich habe kein Interesse mehr.“ Der Ausdruck auf ihrem Gesicht veränderte sich sofort. Doch es war keine verletzte Traurigkeit, die dort erschien. Es war Wut. Noch bevor Shinichi reagieren konnte, spürte er plötzlich einen scharfen Schlag. Die Ohrfeige hallte selbst im lauten Club deutlich genug nach, dass mehrere Leute in der Nähe kurz den Kopf drehten.
„Du arrogantes Arschloch!“ Ihre Stimme war scharf vor Zorn. Dann drehte sie sich bereits um und stapfte davon. Ihre beiden Freundinnen sahen kurz zwischen Shinichi und ihr hin und her, bevor sie ihr sofort hinterherliefen. Im VIP-Bereich entstand für einen Moment eine kurze, irritierte Stille. Kaito stand mit leicht ausgebreiteten Armen da, als hätte er gerade einen Unfall beobachtet, den er nicht ganz verstand.
„Was zur Hölle…?“ Heiji hatte die Stirn in tiefe Falten gelegt. Sein Blick wanderte von der Richtung, in der die drei Frauen verschwunden waren, zurück zu Shinichi.
„Was ist denn jetzt passiert?“ Shinichi wirkte vollkommen unbeeindruckt. Er sah ihnen nicht einmal hinterher. Stattdessen zuckte er nur leicht mit den Schultern.
„Keine Ahnung.“ Er wandte den Blick wieder zur Tanzfläche.
„Ich hatte einfach keinen Bock mehr auf sie.“ Während hinter ihm noch immer zwei verwirrte Freunde standen, lag sein Blick längst wieder auf der jungen Frau im roten Kleid.
Kaito saß noch immer mit einem Ausdruck zwischen Ungläubigkeit und Belustigung im Gesicht da, während er in die Richtung der Treppe blickte, über die die drei Frauen vor kurzem verschwunden waren. Für einen Moment wirkte es fast so, als würde er noch einmal durchgehen wollen, was gerade passiert war. Dann brach er plötzlich in lautes Gelächter aus.
„Also das war…“, begann er und schüttelte amüsiert den Kopf, „wirklich nicht das Ende, das ich für diese Nacht erwartet hatte.“ Heiji hob sein Glas und nahm einen ruhigen Schluck. Seine Lippen verzogen sich zu einem schiefen Lächeln, während er über den Rand des Glases hinweg zu Shinichi sah. Shinichi lehnte noch immer am Geländer des VIP-Bereichs. Sein Körper war leicht nach vorne geneigt, seine Arme ruhten locker auf dem kühlen Metall. Sein Blick lag auf der Tanzfläche unter ihnen. Die Menge bewegte sich weiterhin im Rhythmus der Musik. Farben wechselten über Gesichter und Körper, während die Menschen eng aneinander tanzten. Doch die Frau im roten Kleid war inzwischen nicht mehr zu sehen. Sie war irgendwo in der Menge verschwunden. Heiji ließ sein Glas langsam wieder sinken.
„Du weißt schon, dass diese Situation nicht lange geheim bleiben wird“, sagte er trocken. Kaito lachte leise.
„Eine Ohrfeige für… den Frauenheld? Trotz deines Charmes?“ Er hob seine Hände leicht in die Luft.
„Absolutes Kino.“ Shinichi reagierte nicht sofort. Er blieb noch einen Moment am Geländer stehen und ließ seinen Blick über die Tanzfläche gleiten, als würde er dort noch etwas suchen. Dann stieß er sich schließlich leicht vom Geländer ab und ging zurück zu der Couch. Kaito rückte sofort ein Stück zur Seite und machte Platz, sobald Shinichi sich setzte. Fast automatisch legte er einen Arm um dessen Schultern und zog ihn ein wenig näher zu sich, als würde er ein vertrauliches Gespräch beginnen.
„Jetzt mal ernsthaft“, sagte Kaito mit einem breiten Grinsen,
„was zur Hölle ist da gerade passiert?“ Er musterte Shinichi von der Seite.
„Ich meine… klar, sie war ein bisschen anhänglich.“ Er zuckte mit den Schultern.
„Aber trotzdem.“ Kaito deutete vage in Richtung der Treppe, über die die Frauen verschwunden waren.
„Die war verdammt heiß.“ Heiji nickte zustimmend.
„Absolut dein Typ.“ Kaito fuhr fort.
„Und wenn es nur um eine lockere Nummer geht, bist du normalerweise nicht besonders wählerisch.“ Sein Ton war spielerisch, doch in seinem Blick lag echte Neugier. Shinichi griff nach seinem Glas, das noch auf dem Tisch stand. Das Eis darin klirrte leise, als er es anhob und einen Schluck nahm. Sein Gesichtsausdruck blieb vollkommen ruhig.
„Ich muss ja nicht alles nehmen, was sich anbietet.“ Seine Stimme klang beiläufig, fast gleichgültig. Während er sprach, glitt sein Blick kurz zur Seite. Hinunter zur Tanzfläche. Nur für einen Augenblick. Dann wandte er sich wieder seinem Getränk zu. Heiji hatte die kleine Bewegung jedoch bemerkt. Er beobachtete Shinichi einen Moment lang schweigend über den Rand seines Glases hinweg. Seine Augen verengten sich leicht, als würde er versuchen, etwas zusammenzusetzen. Doch er sagte nichts.
Die Nacht im Club war längst bei ihrem Höhepunkt angelangt. Die Musik vibrierte noch immer durch die Wände, doch die Energie der Menge hatte sich verändert. Einige tanzten weiterhin ausgelassen auf der Tanzfläche, andere standen an der Bar oder in kleinen Gruppen zusammen, während neue Drinks über den Tresen geschoben wurden. Das Licht der Scheinwerfer wanderte über Gesichter und Körper, tauchte die Menge abwechselnd in rotes, violettes und kaltes blaues Licht. Im VIP-Bereich saßen Kaito und Heiji noch immer auf der Couch. Vor ihnen standen frische Gläser, während eine weitere halb geleerte Flasche auf dem Tisch lag. Kaito erzählte gerade mit lebhaften Gesten irgendeine übertriebene Geschichte, bei der Heiji bereits zum wiederholten Mal laut auflachen musste. Shinichi stand neben dem Tisch und nahm den letzten Schluck aus seinem Glas. Das Eis klirrte leise, als er es wieder abstellte.
„Du gehst schon?“ fragte Heiji und sah kurz zu ihm auf. Shinichi zuckte leicht mit den Schultern.
„Langsam reicht es für heute.“ Kaito hob sein Glas in seine Richtung.
„Die Nacht fängt doch gerade erst an.“ Shinichi grinste leicht.
„Dann überlasse ich euch beiden den Rest der Eskalation.“ Heiji schnaubte amüsiert.
„Mach dir keine Sorgen. Wir ruinieren den Club schon ohne dich.“ Shinichi griff nach seinem Jackett, das über der Rückenlehne hing und zog es sich über.
„Viel Spaß noch.“
„Den werden wir haben“, erwiderte Kaito grinsend. Shinichi ließ die beiden schließlich hinter sich und ging die Treppe hinunter in Richtung Ausgang. Als er wieder zwischen den Gästen auf der Tanzfläche stand, schlug ihm sofort die Hitze des Clubs entgegen. Die Luft war schwer von Alkohol, Parfum und dem dumpfen Wummern der Bässe. Er bahnte sich seinen Weg durch die tanzenden Menschen, vorbei an der Bar und schließlich in den ruhigeren Bereich nahe des Ausgangs. Hier war die Musik nur noch gedämpft zu hören. Einige Gäste standen dort, unterhielten sich oder warteten darauf, ihre Jacken entgegenzunehmen. Shinichi griff gerade nach seinem Jackettkragen und zog ihn etwas zurecht, als plötzlich jemand gegen ihn stieß. Der Stoß war nicht stark, aber stark genug, dass ein Teil eines Getränks aus einem Glas schwappte. Ein paar Tropfen landeten direkt auf seinem Hemd.
„Oh!“ Eine weibliche Stimme, überrascht und erschrocken zugleich.
„Es tut mir leid!“ Shinichi blickte automatisch auf den dunklen Fleck, der sich langsam auf dem Stoff ausbreitete. Vor ihm stand eine junge Frau in einem roten Minikleid. In ihrer Hand hielt sie noch immer das Glas, aus dem der Drink übergeschwappt war. Sie stellte es hastig auf einem kleinen Stehtisch ab und griff sofort nach ein paar Servietten.
„Warte…“, sagte sie und trat einen Schritt näher.
„Das war wirklich nicht meine Absicht.“ Mit schnellen, etwas hektischen Bewegungen begann sie vorsichtig über den Fleck zu tupfen.
„Ich habe einfach nicht aufgepasst.“ Shinichi wollte gerade etwas sagen, doch in diesem Moment hob er den Blick. Und erkannte sie. Das rote Kleid. Das dunkelbraune Haar, das locker über ihre Schultern fiel. Und dieses Gesicht, das er vorhin nur für einen kurzen Moment gesehen hatte, als sie sich lachend auf der Tanzfläche umgedreht hatte. Ein schwaches, amüsiertes Grinsen erschien auf seinen Lippen.
„Ganz ehrlich…“, sagte er ruhig. Sie hielt kurz inne und sah zu ihm auf.
Shinichi musterte sie einen Moment.
„So wunderschön wie du bist… dürftest du mir eigentlich alles überkippen.“ Die junge Frau tupfte erneut mit der Serviette über den Fleck auf seinem Hemd.
„Das war wirklich nicht meine Absicht“, murmelte sie und konzentrierte sich darauf, den dunklen Fleck irgendwie zu retten. Shinichi beobachtete sie einen Moment lang. Dann griff er mit einem sanftem Druck nach ihrem Handgelenk und stoppte die Bewegung. Überrascht blickte sie wieder auf.
„Hör auf damir“, sagte er ruhig. Sein Blick lag fest auf ihren Augen.
„Du musst mein Hemd nicht retten.“ Sie blinzelte kurz.
„Es ist meine Schuld. Ich muss es doch wieder gut machen.“ Ein leichtes, schiefes Lächeln erschien auf seinen Lippen.
„Dann mach es anders wieder gut.“ Langsam hob sie eine Augenbraue. Dieses kleine, herausfordernde Lächeln erschien sofort wieder auf seinen Lippen. Sein Blick glitt kurz über ihr rotes Kleid, bevor er wieder zu ihrem Gesicht zurückkehrte.
„Du könntest zum Beispiel mit mir verschwinden.“ Die Direktheit ließ sie kurz lachen. Nicht verlegen. Eher überrascht.
„Du kommst ziemlich schnell zur Sache.“ Shinichi zuckte leicht mit den Schultern.
„Warum Zeit verschwenden?“ Sie musterte ihn einen Moment. Ihr Blick wanderte über sein Gesicht, als würde sie versuchen einzuschätzen, ob er bluffte. Dann trat sie selbst einen kleinen Schritt näher. Jetzt war kaum noch Abstand zwischen ihnen.
„Und du glaubst wirklich, mein Interesse wäre so groß?“ Shinichi grinste nur leicht.
„Du bist immer noch hier.“ Für einen Moment blieb sie still. Dann biss sie sich kurz auf die Unterlippe. Dieses kleine Funkeln erschien in ihren Augen.
„Du bist ziemlich überzeugt von dir.“
„Bis jetzt habe ich keinen Grund gehabt, es nicht zu sein.“ Sie lachte leise. Dann griff sie nach ihrem Glas, stellte es aber ohne zu trinken wieder auf den Tisch.
„Weißt du was…“ Sie sah ihn an.
„Ich mag dein Selbstbewusstsein.“ Shinichi erwiderte ihr Lächeln.
„Ich weiß.“ Sie schüttelte amüsiert den Kopf. Dann nickte sie leicht zur Tür. Shinichi sagte nichts weiter. Er nahm einfach ihre Hand. Ganz selbstverständlich. Seine Finger schlossen sich locker um ihre. Sie sah kurz auf ihre Hände. Dann wieder zu ihm. Dieses herausfordernde Lächeln lag noch immer auf seinen Lippen. Sie konnte sich ein leises Lachen nicht verkneifen. Gemeinsam gingen sie zur Tür. Mit jedem Schritt wurde die Musik hinter ihnen leiser. Dann öffnete sich die Tür des Clubs und kühle Nachtluft schlug ihnen entgegen. Ohne ihre Hand loszulassen, führte Shinichi sie hinaus in die Nacht.
Ein Spiel kippt
Der Alkohol der Nacht lag noch schwer in der Luft, als die Tür seines Schlafzimmers ins Schloss fiel. Noch bevor das Geräusch verklungen war, zog Shinichi sie bereits an sich. Seine Hand legte sich an ihre Hüfte, zog sie dichter an seinen Körper, während seine Lippen sofort ihre fanden. Der Kuss war heiß und ungeduldig. Ihre Lippen bewegten sich sofort gegeneinander, als hätte keiner von beiden vorgehabt, auch nur eine Sekunde zu warten. Ihre Hände glitten in seinen Nacken, während seine Finger sich fest in den Stoff ihres Kleides gruben. Der Alkohol der Nacht war noch spürbar in ihren Bewegungen. Der Kuss vertiefte sich schnell. Ihre Münder öffneten sich gleichzeitig, ihre Zungen fanden sich in einem langen, intensiven Spiel. Ihre Körper pressten sich enger aneinander, als würde keiner Abstand zulassen wollen. Seine Hand glitt über ihren Rücken. Dann fand er den Reißverschluss ihres Kleides. Langsam zog er ihn nach unten, während seine Lippen sich nur kurz von ihren lösten, um an ihrem Ohr vorbeizustreifen. Seine Stimme war leise, rau.
„Verdammt …“ Der Stoff lockerte sich, während das Kleid langsam über ihre Schultern rutschte. Sein Blick glitt kurz über sie und ein dunkles, leicht amüsiertes Lächeln erschien auf seinen Lippen.
„Ich wusste ja, dass du gut aussiehst …“, murmelte er leise. Seine Finger strichen über ihre Taille.
„… aber so?“ Ihre Lippen verzogen sich zu einem kleinen, herausfordernden Lächeln.
„Gefällt dir, was du siehst?“ Shinichi beugte sich wieder zu ihr, seine Lippen streiften kurz ihren Hals.
„Viel zu sehr.“ Der Stoff ihres Kleides glitt schließlich über ihre Hüften und fiel zu Boden. Seine Hände lagen jetzt direkt auf ihrer Haut. Warm. Fest. Sein Blick blieb einen Moment an ihr hängen.
„Du hast keine Ahnung, wie gefährlich du gerade aussiehst.“ Ein leises Lachen entwich ihr. Seine Hand wanderte langsam über ihre Hüfte und weiter über ihr Bein. Sie zog ihn wieder zu sich, ihre Finger griffen nach seinem Hemd. Ungeduldig löste sie die ersten Knöpfe. Einer nach dem anderen sprang auf, während ihre Lippen wieder seine fanden. Der Kuss wurde tiefer, verlangender. Ihre Fingernägel glitten über seine Brust, während sich der Stoff seines Hemdes öffnete. Dann zog sie das Hemd von seinen Schultern und der Stoff fiel zu Boden. Ihre Hände glitten über seine Brust, während ihre Augen kurz über ihn wanderten.
„Du bist gefährlich charmant.“
„Und du bist gefährlich schön.“ Seine Hände legten sich plötzlich fester um ihren Hintern. Mit einer schnellen Bewegung hob er sie einfach hoch. Ein überraschtes Lachen entwich ihr, während sich ihre Arme sofort um seinen Nacken legten. Zwei Schritte später ließ er sie auf das Bett fallen. Die Matratze gab weich unter ihrem Gewicht nach, ihre Haare breiteten sich über die Laken aus. Noch bevor sie sich aufrichten konnte, beugte er sich wieder über sie. Ihre Lippen trafen sich erneut. Der Kuss war jetzt langsamer, tiefer. Sein Mund glitt über ihren Hals, während seine Hand über ihr Bein wanderte, langsam vom Knie über ihren Oberschenkel bis zu ihrer Hüfte. Sie zog hörbar die Luft ein bei seinen Berührungen. Ihre Fingernägel krallten sich leicht in seinen Rücken.
„Du weißt wirklich, was du tust …“, flüsterte sie. Seine Lippen lagen noch immer an ihrem Hals, als er antwortete,
„Du machst es mir auch ziemlich leicht.“ Sie lachte leise, ihre Finger glitten durch sein Haar.
„Pass auf …“, murmelte sie.
„Vielleicht übertreibst du es.“ Sein Blick traf ihren. Dieses selbstsichere, leicht herausfordernde Funkeln lag darin.
„Das Risiko gehe ich ein.“ Er löste sich kurz von ihr, nur um Gürtel und die restliche Kleidung abzulegen. Dann beugte er sich wieder über sie, während sich der Rhythmus ihrer Bewegungen langsam veränderte. Seine Lippen lagen an ihrem Hals, seine Hand strich langsam über ihre Hüfte, während ihre Finger über seinen Rücken wanderten. Die Hitze zwischen ihnen war inzwischen deutlich spürbar geworden, schwer in der Luft des Zimmers. Doch plötzlich legte sie ihre Hände fest auf seine Schultern. Mit einer überraschend entschlossenen Bewegung drückte sie ihn nach hinten. Shinichi ließ sich auf den Rücken fallen, ein kurzes, amüsiertes Lächeln blitzte über sein Gesicht, noch bevor sie sich aufrichtete. Im nächsten Moment saß sie auf ihm. Ihr Haar fiel locker über ihre Schultern, während ihre Knie rechts und links neben seinen Hüften auf der Matratze ruhten. Das Licht der Stadt zeichnete weiche Schatten über ihre Haut. Für einen Moment sah sie auf ihn hinunter. Ein leichtes, herausforderndes Funkeln lag in ihren Augen. Shinichis Hände fanden sofort wieder ihre Hüften. Seine Finger legten sich fest an ihre Seiten, während sein Blick langsam über sie glitt.
„Du übernimmst also das Kommando …“, murmelte er leise. Ein kleines Lächeln erschien auf ihren Lippen.
„Beschwerst du dich?“
„Ganz sicher nicht.“ Sie beugte sich wieder zu ihm. Ihre Lippen trafen sich erneut. Der Kuss war tief und langsam, während sie sich über ihm bewegte und ihre Hände über seine Brust glitten. Ihre Fingernägel zeichneten leichte Linien über seine Haut, während ihre Lippen sich wieder von seinen lösten und langsam über seinen Kiefer wanderten. Sein Atem wurde tiefer. Seine Hände lagen noch immer fest an ihren Hüften, während sich ihre Körper enger aneinander bewegten. Ihre Lippen streiften seinen Hals. Sie küsste ihn dort langsam, während ihre Finger über seine Schultern und weiter über seine Brust strichen. Shinichi zog hörbar den Atem ein. Seine Hände wanderten nun über ihre Taille, glitten über ihren Rücken und lösten mit einer gekonnten Bewegung ihren BH. Sie richtete sich ein wenig auf. Ihr BH landete schließlich ebenfalls zu Boden. Ihr Haar fiel leicht nach vorne, während sie auf ihn hinuntersah. Sein Blick lag fest auf ihr. Seine Finger glitten langsam über ihre Seiten.
„Du bist wirklich gefährlich …“, murmelte er. Ein leises Lachen entwich ihr.
„Du wirkst nicht so, als würde es dich stören.“ Shinichi schüttelte leicht den Kopf.
„Ganz im Gegenteil." Sie beugte sich wieder zu ihm. Ihre Lippen fanden erneut seine. Der Kuss wurde intensiver, während seine Hände über ihre Brüste wanderten und seine Finger sich fest um sie legten. Ihre Bewegungen wurden langsamer, aber nicht weniger geladen. Sie richtete sich ein wenig auf, ihr Haar fiel locker über ihre Schultern, während ihr Blick auf ihm lag. Dann begann sie, ihre Hüften langsam über ihm zu bewegen. Eine ruhige, kreisende Bewegung, die jede Berührung zwischen ihnen verstärkte. Shinichi zog scharf die Luft ein. Er spürte deutlich ihre feuchte Mitte durch den Stoff an seiner mittlerweile harten Beule in der Boxershorts. Seine Hände legten sich fester an ihren Hüften, als wollte er jede Bewegung spüren. Sein Atem ging schwerer, während sein Blick an ihr hängen blieb.
„Du siehst wirklich heiß aus..“, murmelte er leise. Ein kleines Lächeln erschien auf ihren Lippen. Statt zu antworten beugte sie sich zu ihm hinunter. Ihre Lippen fanden seine, weich und warm. Der Kuss begann langsam, doch die Spannung zwischen ihnen lag deutlich in der Luft. Ihre Finger glitten durch sein Haar, während sie ihn erneut küsste. Dann, völlig unerwartet, biss sie leicht in seine Unterlippe. Ein leises, scharfes Zischen entwich ihm. Seine Hände griffen fester nach ihren Hüften, sein Blick funkelte jetzt deutlich dunkler als zuvor.
„Okay, das reicht..“, sagte er rau. Noch bevor sie etwas erwidern konnte, bewegte er sich plötzlich. Mit einer schnellen, entschlossenen Bewegung drehte er die Position, sodass sie im nächsten Moment wieder auf dem Rücken lag. Die Matratze gab weich unter ihr nach, während er sich über sie beugte. Für einen kurzen Moment sahen sie sich nur an. Sein Blick lag fest auf ihr. Dann glitten seine Hände über ihre weiche Haut. Seine Finger fanden den Stoff ihres Höschens und zogen es langsam über ihre Beine, bis es schließlich ebenfalls auf dem Boden landete. Kurz darauf griff er selbst nach dem Bund seiner Boxershorts und streifte sie ebenso rasch ab. Sein Blick kehrte zu ihr zurück, ein leichtes, entschlossenes Funkeln darin. Ein schiefes Lächeln erschien auf seinen Lippen.
„Genug gespielt.“ Shinichi kniete sich zwischen ihre Beine und zog sie näher zu sich. Seine Zunge fand sofort ihre feuchte Mitte, langsam, gezielt. Erst spielerisch, dann fordernder. Sein Daumen setzte nach, verstärkte den Druck genau dort, wo ihr Atem bereits ins Stocken geriet. Jede Bewegung brachte sie ein Stück näher an den Punkt, an dem sie die Kontrolle verlor. Sie stöhnte leise und spreizte etwas mehr die Beine. Shinichi richtete sich nun wieder auf. Er fasste ihr Becken, hob es hoch und schob ein Kissen darunter. Dann nahm er seinen harten Schwanz in seiner Hand und klopfte ihn mehrmals auf ihre empfindlichste Stelle, nicht zu fest, aber sehr bestimmt. Er hielt ihr Becken fest, führte seinen Penis langsam in sie ein. Ein tiefer, kontrollierter Stoß, der ihr sofort den Atem raubte. Einen Moment ließ er ihr keine Zeit, sich daran zu gewöhnen, bevor sich sein Rhythmus setzte. Ruhig, dann schneller und bestimmter. Bis jede Bewegung härter wurde und ihr Körper sich ihm spürbar anpasste. Sein Rhythmus wurde schneller, unnachgiebiger. Jeder Stoß traf tiefer als der vorherige, ließ ihren Körper sichtbar reagieren. Es gab kein Zurück mehr. Nur noch dieses Tempo, das sich immer weiter zuspitzte.
Sie schrie bei jedem Stoß. Kurz vor der Explosion nahm er ihre Beine wieder von seinen Schultern, beugte sich über sie und biss leicht in die Nippel und saugte an ihnen. Immer noch spürte sie sein hartes Glied. Beide küssten sich wild und leidenschaftlich. Sie umschlang seinen Oberkörper mit ihren Beinen. Mit ihren Händen hielt sie sich am Kopfteil des Bettes fest. Sie schrie bei jedem Stoß, ihr Körper spannte sich unter ihm an. Kurz vor dem Höhepunkt beugte er sich über sie, seine Lippen fanden ihre Brust, während seine Bewegungen keinen Moment nachließen. Ihre Beine schlangen sich um ihn, hielten ihn fest, als würde sie ihn noch tiefer in sich ziehen wollen. Seine Lippen wanderten weiter über ihre Haut, hinauf zu ihrem Hals, während ihr Atem immer unkontrollierter wurde. Sie spürte ihn tief in sich, jede Bewegung ließ ihren Körper stärker reagieren. Seine Hand fand ihren Kitzler, setzte gezielt nach, verstärkte die ohnehin schon überwältigende Spannung.
„Weiter!“, stöhnte sie, ihre Stimme kaum noch kontrolliert. Ihr Körper bebte unter ihm. Er griff fester nach ihr, hob ihr Becken leicht an, hielt sie genau in dem Rhythmus, der sie immer weiter an den Rand trieb. Seine Bewegungen wurden härter, präziser, ohne den aufgebauten Takt zu verlieren.
„Bitte… weiter…“, keuchte sie. Die Spannung hielt einen Moment zu lange an, gerade genug, um sie an den Punkt zu bringen, an dem sie es nicht mehr aushielt. Ihr Körper zog sich zusammen, unkontrolliert, während sich die Lust in intensiven Wellen durch sie entlud. Für einen Moment verlor sie völlig den Halt, klammerte sich nur noch an ihn.
Shinichi folgte kurz darauf, zog sich zurück und kam auf ihrem Bauch, sein Atem schwer, während die letzten Spannungen langsam nachließen.
Beide lagen nebeneinander auf dem Rücken, während sich ihre Atemzüge langsam beruhigten. Das Zimmer war still geworden. Nur das schwache Licht der Stadt fiel durch die Vorhänge und legte weiche Schatten über die Laken. Sie lächelte leicht, während sie zur Decke blickte.
„Du hast nicht zu viel versprochen“, sagte sie schließlich ruhig. Shinichi drehte den Kopf zu ihr. Sein Blick traf auf ihre violett-blauen Augen und sofort zog sich ein selbstzufriedenes Grinsen über seine Lippen.
„Das weiß ich.“ Sie schnaubte leise amüsiert. Shinichi hob eine Augenbraue und musterte sie.
„Du hast also an meinen Fähigkeiten gezweifelt?“ Sie lachte sofort.
„Das habe ich nicht gesagt.“
„Doch, hast du.“
„Nein, habe ich nicht.“ Shinichi drehte den Kopf etwas mehr zu ihr, sein Grinsen wurde breiter.
„Du hast es gedacht.“ Sie schüttelte leicht den Kopf und sah ihn an, dieses spielerische Funkeln in ihren Augen. Für einen Moment sahen sie sich einfach nur an. Dann richtete sie sich langsam auf. Das Lächeln auf ihren Lippen wurde ein kleines bisschen herausfordernder, während ihr Blick fest auf ihm lag.
„Weißt du was…“, sagte sie beiläufig. Shinichi hob eine Augenbraue.
„Was denn?“ Sie beugte sich ein wenig über ihn.
„Ich zeige dir jetzt, was ich so kann.“ Bevor er antworten konnte, bewegte sie sich über ihn. Ihre Knie ruhten nun rechts und links neben seinen Hüften, während sie sich leicht über ihn beugte. Ihr Haar fiel nach vorne und streifte seine Brust. Shinichis Blick lag interessiert auf ihr.
„Okay?“ Sie legten ihre Lippen sanft auf seine. Ein kurzer Kuss. Langsam löste sie sich wieder. Dann küsste sie seine Wange. Ihre Lippen wanderten weiter über seine Haut, entlang seines Kiefers, bis zu seinem Hals. Ihre Küsse wurden langsamer, während sie sich weiter über ihn beugte. Shinichi spürte, wie seine Muskeln sich leicht anspannten, als ihre Lippen tiefer über seine Haut glitten. Sein Blick folgte ihr. Ein amüsiertes, erwartungsvolles Lächeln lag noch immer auf seinen Lippen. Und im nächsten Moment verschwand sie unter der Decke. Sein Kopf sank leicht zurück ins Kissen, während sich sein Grinsen langsam vertiefte.
Shinichi öffnete widerwillig die Augen, als das Licht der frühen Nachmittagssonne direkt auf sein Gesicht fiel. Ein leises Stöhnen entwich ihm, während er die Stirn leicht verzog und den Kopf tiefer ins Kissen sinken ließ. Sein Körper fühlte sich noch angenehm schwer an von der Nacht. Eigentlich hatte er überhaupt keine Lust aufzustehen. Doch langsam schlich sich ein Grinsen auf seine Lippen. Die Erinnerungen an die vergangene Nacht waren noch zu frisch. Und vor allem lag neben ihm eine Frau, die nicht nur verdammt gut aussah, sondern auch alles andere als langweilig gewesen war. Die Nacht mit ihr war… intensiver gewesen, als er es normalerweise gewohnt war. Sein Grinsen wurde ein wenig breiter. Der Tag konnte eigentlich perfekt beginnen. Mit diesem Gedanken drehte er sich entschlossen zur Seite, bereit, den Morgen genauso fortzusetzen, wie sie die Nacht beendet hatten. Doch mitten in der Bewegung hielt er inne. Die andere Seite des Bettes war leer. Shinichi blinzelte kurz, als müsste sein Kopf erst verarbeiten, was er gerade sah. Die Bettdecke neben ihm war zur Seite geschoben, das Kissen noch leicht eingedrückt. Aber sie war nicht da. Er richtete sich langsam etwas auf und ließ den Blick durch den Raum wandern. Er war sich eigentlich sicher gewesen, dass sie noch schlief. Schließlich war es ziemlich deutlich in Erinnerung geblieben, dass sie irgendwann nach dieser langen Nacht eingeschlafen waren. Sein Blick glitt zur Tür seines Badezimmers. Vielleicht war sie einfach nur dort. Mit einem leichten Seufzen schwang er die Beine aus dem Bett und stand auf. Sein Blick wanderte kurz über den Boden, auf dem noch immer seine Kleidung von der letzten Nacht lag. Dann ging er zum Badezimmer. Er öffnete die Tür. Doch auch dort war niemand. Das Badezimmer war still. Das Licht war aus, das Waschbecken trocken. Keine Spur davon, dass jemand dort gewesen war. Shinichi blieb einen Moment im Türrahmen stehen und runzelte die Stirn. Langsam drehte er sich wieder zurück zum Schlafzimmer. Sein Blick wanderte erneut über den Boden. Und jetzt fiel es ihm erst richtig auf. Ihre Sachen waren weg. Das rote Kleid, ihre Schuhe, alles, was gestern Nacht noch hier eine deutliche Spur ihrer Lust gelegt hatte, war verschwunden. Nur seine eigene Kleidung lag noch verstreut auf dem Boden. Sein Gesicht verzog sich leicht.
„Meint sie das etwa ernst…“, murmelte er vor sich hin. Er fuhr sich kurz durch die Haare und ließ den Blick noch einmal durch den Raum gleiten. Eine Frau, die sich heimlich bei ihm rausschlich. Ausgerechnet bei ihm. Ein ungläubiges, fast beleidigtes Schnauben entwich ihm.
Eine knappe Stunde später stand er vor dem Spiegel seines Zimmers und strich sich erneut durch das noch leicht feuchte Haar. Nach der Dusche hatte er sich angezogen, doch die vorderen Strähnen wollten einfach nicht so liegen bleiben, wie er es wollte. Mit leicht zusammengezogenen Augenbrauen versuchte er es noch einmal. Die Strähnen sprangen wieder zurück. Ein leises, genervtes Ausatmen entwich ihm. Genau in diesem Moment wurde seine Zimmertür ohne Vorwarnung aufgerissen.
„Also, bist du bereit für..“ Kaito blieb mitten im Satz stehen, als er den Raum betrat. Hinter ihm trat Heiji ein, der bereits ein amüsiertes Grinsen auf den Lippen hatte.
„..die nächste Partynacht“, beendete Kaito schließlich und musterte Shinichi vor dem Spiegel. Er hob langsam eine Augenbraue.
„Wow.“ Heiji verschränkte locker die Arme und ließ seinen Blick ebenfalls über Shinichi wandern.
„Du siehst aus, als hätte dir jemand dein Lieblingsspielzeug geklaut.“
Shinichi reagierte nicht sofort. Stattdessen fuhr er noch einmal durch seine widerspenstigen Haare, als würde er ihnen eine letzte Chance geben, sich endlich zu fügen. Sie taten es nicht. Kaito und Heiji tauschten einen kurzen Blick.
„Du bist ja richtig gut gelaunt heute“, murmelte Kaito trocken. Heiji grinste.
„Sehr.“ Kaito lehnte sich locker gegen den Türrahmen, doch seine Augen funkelten bereits neugierig.
„Ich glaube, ich weiß warum.“ Shinichi griff nach seiner Uhr auf dem Tisch.
„Ach ja?“
„Klar“, sagte Kaito zufrieden.
„Du bist gestern ohne Frau nach Hause gegangen.“ Heiji nickte zustimmend.
„Das erklärt die Laune.“ Shinichi schloss das Armband seiner Uhr und warf einen letzten prüfenden Blick in den Spiegel. Dann wandte er sich langsam zu ihnen um.
„Ich muss dich enttäuschen.“ Seine Stimme klang ruhig.
„Deine Vermutung ist falsch.“ Kaito blinzelte. Heijis Stirn legte sich leicht in Falten.
„Moment…“, sagte er langsam.
„Du hattest doch eine?“ Shinichi zuckte nur kurz mit den Schultern.
„Ja.“ Für einen Moment herrschte Stille. Dann richtete sich Kaito sofort ein Stück auf.
„Moment, Moment.“ Sein Grinsen wurde breiter.
„Wer war sie?“ Shinichi griff nach seiner Jacke.
„Keine Ahnung.“
„Keine Ahnung?“ Kaito starrte ihn an.
„Du nimmst eine Frau mit nach Hause und weißt nicht mal, wie sie heißt?“ Shinichi zog sich die Jacke über.
„Ich habe nicht gefragt.“ Kaito schnaubte amüsiert.
„Natürlich hast du nicht gefragt.“ Dann trat er einen Schritt näher, seine Neugier inzwischen völlig ungefiltert.
„Also?“ Er machte eine vage Handbewegung.
„Wie war sie?“ Shinichi antwortete nicht. Er griff nach seinem Schlüssel auf dem Tisch. Kaito gab jedoch nicht auf.
„Komm schon.“ Sein Grinsen wurde breiter.
„War sie wenigstens gut?“ Heiji beobachtete die Szene schweigend, sein Blick glitt kurz zwischen den beiden hin und her. Shinichi blieb kurz stehen. Sein Blick lag einen Moment auf dem Boden, als würde er überlegen, ob er überhaupt antworten wollte.
„Sie war… interessant.“ Mehr sagte er nicht. Kaito starrte ihn an.
„Interessant? Das ist alles?“ Shinichi zuckte nur leicht mit den Schultern.
„Mehr gibt es nicht zu sagen.“ Kaito wollte offensichtlich noch weiterfragen, doch Heiji hob leicht eine Hand.
„Lass gut sein.“ Sein Blick lag einen Moment länger auf Shinichi.
„Der hat heute sowieso keine Lust auf Gespräche.“ Shinichi antwortete darauf nicht. Er ging an ihnen vorbei zur Tür. Doch innerlich brodelte noch immer dieser leise Unmut. Es war nicht nur Ärger. Es war dieses nagende Gefühl, dass etwas nicht in Ordnung war. Er war es gewohnt, die Kontrolle über solche Situationen zu haben. Er war derjenige, der entschied, wann eine Nacht endete. Derjenige, der morgens verschwand. Nicht andersherum. Doch dieses Mal war es anders gewesen. Sie war gegangen. Einfach so.
Ohne ein Wort. Und genau das störte ihn mehr, als er zugeben wollte.
Nicht nur, weil sie es gewagt hatte. Sondern weil es sich anfühlte, als hätte sie ihm etwas vorausgenommen, das eigentlich immer seine Entscheidung gewesen war. Und das kratzte deutlich stärker an seinem Stolz, als ihm lieb war.
Die Straßen der Stadt lebten, obwohl die Nacht längst hereingebrochen war. Neonlichter spiegelten sich auf dem leicht feuchten Asphalt, während sich das Leben in ganz unterschiedliche Richtungen verteilte. Einige Gestalten schlenderten mit schweren Schritten nach Hause, die Müdigkeit noch deutlich in ihren Bewegungen. Andere standen an Bushaltestellen oder vor Eingängen, die Gesichter ausdruckslos, bereit für eine weitere Nachtschicht. Und dazwischen gab es jene, die gerade erst aufblühten. Lachend, laut, voller Energie, als hätte die Nacht für sie erst begonnen. Zu genau dieser letzten Gruppe gehörten die drei Freunde. Kaito lief ein paar Schritte voraus, die Hände locker in den Hosentaschen vergraben, sein Grinsen so selbstverständlich, als wäre die Nacht allein für ihn gemacht. Seine Energie war beinahe greifbar, ansteckend. Die Art von Stimmung, die einen automatisch mitreißt, ob man will oder nicht.
„Ich sag’s euch…“, begann er und drehte sich halb zu den beiden um, während er rückwärts weiterlief,
„heute eskalieren wir komplett.“ Heiji lachte leise auf, schüttelte den Kopf, konnte sich das Grinsen aber nicht verkneifen.
„Als ob wir das je anders machen würden.“
„Heute ist anders“, erwiderte Kaito sofort, sein Blick funkelte.
„Heute wird legendär.“ Heiji hob leicht die Augenbraue, ließ sich aber sichtbar von der Stimmung mitziehen.
„Na dann hoff ich mal, du kannst liefern.“ Neben ihnen lief Shinichi. Im Gegensatz zu den beiden wirkte er… ruhig. Zu ruhig. Seine Hände steckten in den Taschen seiner Jacke, sein Blick war nach vorne gerichtet, doch seine Gedanken schienen ganz woanders zu sein. Die Energie um ihn herum prallte an ihm ab, als würde sie ihn nicht erreichen. Kaito warf ihm einen kurzen Seitenblick zu.
„Ey“, sagte er schließlich, leicht gedehnt,
„du siehst immer noch so aus, als hätte dir jemand dein Leben ruiniert.“ Keine Reaktion. Heiji warf Shinichi ebenfalls einen Blick zu, diesmal etwas prüfender.
„Er ist immer noch angepisst.“
„Ich bin nicht angepisst“, kam es trocken von Shinichi zurück, ohne dass er langsamer wurde. Kaito schnaubte leise.
„Doch, bist du.“ Shinichi antwortete nicht. Stattdessen bog er ohne zu zögern in eine Seitenstraße ein. Den Weg, den sie schon unzählige Male gegangen waren. Der vertraute Weg zu ihrem Stammclub. Ein fester Griff auf seiner Schulter hielt ihn abrupt zurück. Shinichi blieb stehen und drehte leicht den Kopf. Heijis Hand lag noch immer auf ihm, sein Blick ruhig, aber bestimmt.
„Nicht heute“, sagte er. Shinichi runzelte leicht die Stirn.
„Was meinst du?“ Kaito trat neben sie, sein Grinsen kehrte sofort zurück.
„Es gibt eine kleine Planänderung.“ Shinichi sah zwischen den beiden hin und her.
„Was für eine?“
„Wir gehen nicht hierhin“, erklärte Heiji ruhig.
„Wir gehen ins Atom.“ Für einen Moment herrschte Stille. Dann verzog Shinichi sichtbar das Gesicht.
„Ernsthaft?“
„Sehr ernsthaft“, sagte Kaito zufrieden. Shinichi atmete langsam aus und fuhr sich kurz durch die Haare.
„Das ist fast eine Stunde von hier entfernt.“
„Ich weiß“, erwiderte Kaito gelassen.
„Und trotzdem gehen wir da hin“, fügte Heiji hinzu. Shinichis Blick wurde ein Stück kühler.
„Warum?“ Kaito zuckte nur mit den Schultern, als wäre die Antwort offensichtlich.
„Weil Abwechslung gelegentlich gut tut.“ Ein kurzes, skeptisches Schnauben entwich Shinichi.
„Das bezweifle ich.“ Kaito trat einen Schritt näher, sein Grinsen wurde ein kleines bisschen breiter.
„Vertrau uns einfach.“ Shinichi sah ihn einen Moment lang an. Dieses selbstsichere Funkeln in Kaitos Augen war kaum zu übersehen. Es war genau dieser Ausdruck, der meistens bedeutete, dass er sich irgendetwas vorgenommen hatte. Und meistens bedeutete das auch Chaos.
„Ich hab ehrlich gesagt keine Lust auf eine Stunde Fußweg“, murmelte Shinichi schließlich.
„Gut“, sagte Kaito sofort.
„Dann ist es ja praktisch, dass wir nicht laufen.“ Shinichi hob leicht eine Augenbraue. Heiji grinste jetzt ebenfalls.
„Wir fahren.“
„Mit was?“, fragte Shinichi trocken. Kaito steckte seine Hände wieder in die Taschen und lehnte sich minimal zurück.
„Im ganz großem Stil einer Limousine.“ Einen kurzen Moment sagte Shinichi nichts. Dann schnaubte er leise.
„Natürlich.“
„Natürlich“, wiederholte Kaito zufrieden. Shinichi schüttelte leicht den Kopf, konnte sich ein schwaches, fast unwillkürliches Lächeln aber nicht ganz verkneifen.
„Ihr seid unmöglich.“
„Und du liebst es“, konterte Kaito sofort.
„Nein.“
„Doch.“
„Nein.“ Heiji lachte leise.
„Diskussion beendet.“ Kaito klatschte einmal kurz in die Hände.
„Aber bevor wir fahren..“ Shinichi schloss kurz die Augen.
„Bitte sag mir nicht..“
„Doch“, unterbrach Kaito ihn grinsend.
„Wir schlagen uns vorher den Magen voll.“ Shinichi öffnete die Augen wieder, sein Blick eindeutig genervt.
„Und wo?“
„Im Uoteru“, fügte Heiji hinzu, als wäre das die beste Nachricht des Abends. Kaito nickte begeistert.
„Exakt.“ Shinichi seufzte leise, fuhr sich erneut durch die Haare und setzte sich schließlich wieder in Bewegung.
„Ich wollte doch einfach nur Alkohol…“
„Oh, den kriegst du auch.“, sagte Kaito zufrieden und schloss zu ihm auf. Heiji folgte ihnen, das Grinsen noch immer auf seinen Lippen.
Nachdem sie im Uoteru gegessen und bezahlt hatten, trat die kühle Nachtluft ihnen entgegen, als sie das Restaurant verließen. Direkt vor dem Eingang wartete bereits die Limousine lang, schwarz, makellos. Die getönten Scheiben spiegelten die Umgebung wider, während der Fahrer ihnen mit einem kurzen, respektvollen Nicken die Tür öffnete.
Kaito zögerte keine Sekunde.
„Endlich“, grinste er breit und verschwand beinahe schon in den Innenraum, als gehöre ihm der Wagen. Das gedämpfte Licht im Inneren tauchte alles in ein warmes, luxuriöses Ambiente. Weiche Ledersitze, dezente Beleuchtung, ein kleiner Tisch und darauf ein silberner Eiseimer, in dem eine Champagnerflasche kühl ruhte.
„Perfekt“, murmelte Kaito zufrieden. Heiji stieg nach ihm ein, ließ sich entspannt auf die Sitzbank sinken und beobachtete, wie Kaito bereits nach der Flasche griff.
„Du bist echt vorhersehbar“, bemerkte er trocken.
„Ich nenn’s effizient“, konterte Kaito ohne aufzusehen. Mit geübter Bewegung löste er den Drahtkorb, drehte die Flasche leicht und ein dumpfer Knall erfüllte den Wagen, als sich der Korken löste. Diesmal jedoch kontrolliert, ohne dass er quer durch den Innenraum flog.
„Schade“, murmelte Heiji amüsiert.
„Ich hätte gern gesehen, wie du den Fahrer abschießt.“ Kaito grinste nur und goss die prickelnde Flüssigkeit in die bereitstehenden Gläser.
Shinichi stieg als Letzter ein und lehnte sich zunächst schweigend zurück, während sich die Tür hinter ihm schloss und die Geräusche der Stadt abrupt gedämpft wurden. Für einen Moment herrschte nur das leise Summen des Motors und das sanfte Klirren der Gläser.
Kaito reichte ihm eines.
„Komm schon. Vielleicht hilft das ja deiner Laune.“ Shinichi warf ihm einen kurzen Blick zu, nahm das Glas dann aber doch entgegen.
„Die ist nicht so schlecht, wie ihr denkt.“
„Doch“, sagte Heiji ruhig.
„Ist sie.“ Ein kaum merkliches Schnauben entwich Shinichi, bevor er einen Schluck nahm. Die Kälte und das Prickeln des Champagners breiteten sich sofort aus. Die Limousine setzte sich in Bewegung.
Draußen zogen die Lichter der Stadt an ihnen vorbei, verschwommen durch die getönten Scheiben. Die Fahrt dauerte nicht lange. Der Verkehr war überraschend flüssig für diese Uhrzeit. Kaum zwanzig Minuten später verlangsamte der Wagen bereits wieder. Die Musik war schon zu hören, noch bevor die Tür geöffnet wurde. Dumpfe Bässe, die durch die Luft vibrierten, vermischten sich mit Stimmen, Lachen und dem allgemeinen Puls des Nachtlebens. Vor dem Club hatte sich eine lange Schlange gebildet, Menschen dicht an dicht, alle wartend darauf, eingelassen zu werden. Shinichi warf einen kurzen Blick darauf.
„Sieht voll aus.“
„Ist es auch“, sagte Kaito zufrieden, während er ausstieg. Doch sie gingen einfach daran vorbei. Ein kurzer Blick, ein paar Worte mit dem Türsteher und schon wurden sie ohne Zögern durchgelassen. Keine Diskussion, kein Warten. Drinnen schlug ihnen die volle Wucht des Clubs entgegen. Lichtblitze, die im Takt der Musik durch den Raum zuckten. Körper, die sich eng an eng bewegten. Stimmen, die sich im Lärm verloren. Die Luft war warm, schwer, geladen mit Energie.
„Das ist eher mein Geschmack“, murmelte Heiji und ließ den Blick über die Menge schweifen. Eine Mitarbeiterin führte sie zügig durch das Gedränge, vorbei an der tanzenden Menge, bis hin zu einem abgesperrten Bereich. Die VIP-Lounge lag leicht erhöht. Gedämpfter, kontrollierter und doch mitten im Geschehen. Dunkle, elegante Couchs bildeten eine halbgeschlossene Sitzlandschaft, beleuchtet von sanften Neonlichtern in Blau und Violett, die den Bereich in ein fast schon surreales Licht tauchten. Auf dem Tisch davor standen gekühlte Flaschen im Eiseimer, zwei kleine leuchtende Fontänen flackerten ruhig vor sich hin, während Gläser und Snacks ordentlich arrangiert waren. Der Blick auf die Tanzfläche war perfekt. Nah genug, um jede Bewegung zu sehen und weit genug entfernt, um nicht darin unterzugehen.
„Nicht schlecht“, sagte Heiji anerkennend. Shinichi ließ sich ohne große Umstände auf die Couch fallen, lehnte sich kurz zurück, bevor er sich nach vorne beugte und nach einem Glas griff. Seine Bewegungen waren ruhig, fast beiläufig, doch sein Blick glitt bereits über den Raum. Suchend oder vielleicht einfach nur beobachtend. Heiji setzte sich neben ihn, streckte sich leicht aus und atmete einmal tief durch. Kaito hingegen blieb noch stehen. Sein Blick wanderte langsam über die tanzende Menge, blieb hier und da hängen, als würde er bereits nach Unterhaltung suchen. Ein leichtes, wissendes Grinsen lag auf seinen Lippen.
„Oh ja. Das ist eher mein Stil.“, murmelte er leise. Dann ließ er sich schließlich ebenfalls auf die Couch sinken, griff nach einem Glas und hob es leicht an.
„Also“, sagte er zufrieden und sah zwischen den beiden hin und her, „auf eine Nacht, die wir definitiv nicht vergessen.“ Heiji stieß sein Glas locker gegen Kaitos.
„Darauf kann ich mich einlassen.“
„Mal sehen“, murmelte Shinichi ruhig. Er hob das Glas an seine Lippen und leerte es in einem Zug. Das Prickeln des Getränks brannte kurz in seiner Kehle, während er das leere Glas einen Moment in der Hand behielt, als würde er überlegen, ob er sich direkt das nächste einschenken sollte. Sein Blick wanderte zur Seite. Kaito und Heiji waren inzwischen in ein Gespräch vertieft. Kaito sprach mit dieser typischen, lebhaften Gestik, während Heiji ihn mit einem halb amüsierten, halb skeptischen Blick ansah. Offenbar ging es um irgendeine belanglose Geschichte oder zumindest wirkte es so. Beide schienen vollkommen in ihrem Element. Shinichi hingegen fühlte sich… losgelöst davon. Sein Blick glitt wieder über den Club. Die tanzende Menge. Die grellen Lichter. Die dumpfen Bässe, die selbst hier oben noch durch den Boden vibrierten. Die Luft war schwer, durchzogen von Parfum, Alkohol und dieser unterschwelligen Spannung, die jeden Club dieser Art erfüllte. Er atmete leise aus.
„Ganz ehrlich…“, murmelte er schließlich und lehnte sich ein Stück zurück. Kaito sah sofort zu ihm.
„Oh, jetzt wird’s interessant.“ Heiji hob leicht eine Augenbraue.
„Was?“ Shinichi ließ den Blick noch einmal durch den Raum wandern, bevor er wieder zu ihnen sah.
„Ich versteh immer noch nicht, warum wir den Club gewechselt haben.“ Kaito grinste.
„Hab ich dir doch gesagt.“
„Nein“, erwiderte Shinichi trocken.
„Hast du nicht.“ Heiji schnaubte leise. Shinichi machte eine kleine, vage Handbewegung in Richtung Tanzfläche.
„Das hier… ist doch exakt dasselbe.“ Er beugte sich leicht nach vorne, stützte die Unterarme auf den Knien ab.
„Gleiche Musik. Gleiche Stimmung.“ Ein kurzer Blick zu Kaito.
„Nur die Möbel sind teurer.“ Heiji konnte sich ein kurzes Lachen nicht verkneifen.
„Da hast du nicht ganz Unrecht.“ Kaito seufzte gespielt dramatisch und schüttelte den Kopf.
„Du hast einfach keinen Blick für Details.“
„Doch“, sagte Shinichi ruhig.
„Deshalb fällt mir ja auf, dass es keinen Unterschied gibt.“ Ein kurzer Moment Stille. Dann lehnte sich Kaito ein wenig vor, sein Blick bekam dieses vertraute, leicht geheimnisvolle Funkeln.
„Es gibt einen Unterschied.“ Shinichi sah ihn direkt an.
„Welchen?“ Kaito grinste nur.
„Wenn ich dir das jetzt sage, ist die Überraschung weg.“ Heiji verschränkte locker die Arme und nickte zustimmend.
„Genau.“ Shinichis Blick wanderte zwischen den beiden hin und her, leicht genervt.
„Ihr habt also tatsächlich einen Grund.“
„Natürlich haben wir einen Grund“, erwiderte Kaito zufrieden.
„Und du wirst ihn mögen“, fügte Heiji ruhig hinzu. Shinichi hob eine Augenbraue.
„Das bezweifle ich.“ Kaito beugte sich noch ein kleines Stück näher, seine Stimme wurde einen Hauch leiser.
„Warte einfach ein bisschen ab.“ Ein schiefes Grinsen zog sich über seine Lippen.
„Dann verstehst du, warum wir hier sind.“ Shinichi musterte ihn einen Moment, als würde er versuchen, mehr aus ihm herauszulesen. Vergeblich. Ein leises Ausatmen entwich ihm, bevor er sich zurücklehnte und nach der Flasche griff, um sich nachzuschenken. „Das endet nie gut.“ Heiji grinste.
„Doch. Für uns schon.“ Shinichi schüttelte leicht den Kopf, setzte das Glas an und nahm einen ruhigeren Schluck als zuvor.
Während Kaito und Heiji längst in der Atmosphäre des Clubs aufgegangen waren, wirkte Shinichi noch immer wie ein Fremdkörper inmitten dieses pulsierenden Chaos. Die Musik dröhnte, Lichter zuckten über die Menge, Gelächter mischte sich mit dem dumpfen Rhythmus der Bässe, doch all das schien ihn nicht wirklich zu erreichen. Er saß auf der Couch, leicht nach vorne gebeugt und leerte sein mittlerweile sechstes Getränk in einem einzigen Zug. Das Glas setzte er mit einem leisen Klacken auf dem Tisch ab, ohne zu zögern griff er nach der Whiskeyflasche und schenkte sich nach. Die bernsteinfarbene Flüssigkeit schwappte ruhig ins Glas, fing das Neonlicht ein und reflektierte es in flackernden Mustern. Ein paar Sekunden vergingen. Dann ließ sich Heiji neben ihn fallen. Die Couch gab leicht nach, als er sich zurücklehnte und Shinichi von der Seite musterte. Sein Blick war ruhig, aber aufmerksam. Zu aufmerksam, um es als beiläufig durchgehen zu lassen. Shinichi hob sein Glas, ohne ihn anzusehen.
„Was ist?“, fragte er trocken. Heiji zuckte mit den Schultern, als wäre es nichts Besonderes.
„Alles gut.“ Eine kurze Pause.
„Du bist nur… komisch heute.“ Shinichi schnaubte leise, setzte das Glas an und nahm einen längeren Schluck. Erst danach drehte er das Glas leicht zwischen seinen Fingern und beobachtete, wie sich die Flüssigkeit darin bewegte. Sein Blick wurde für einen Moment nachdenklicher. Dann zog sich ein schiefes, kaum greifbares Grinsen über seine Lippen.
„Ich wurde sitzen gelassen“, sagte er schließlich beiläufig. Heiji blinzelte.
„Wie bitte?“ Shinichi hob das Glas leicht an, als würde er auf etwas anstoßen und leerte es direkt wieder.
„Auf eine Art und Weise, die noch nie eine Frau bei mir gewagt hatte.“
Jetzt wurde Heijis Blick deutlich interessierter.
„Moment mal…“ Er richtete sich ein Stück auf.
„Du hast doch gesagt, du hattest gestern eine.“ Shinichi griff bereits nach der Flasche, schenkte sich ohne Eile nach und nickte knapp. „Hatte ich.“ Sein Blick glitt kurz durch den Raum, blieb für einen Moment an Kaito hängen, der ein paar Meter entfernt noch immer in ein Gespräch mit einer Mitarbeiterin vertieft war. Sein Lächeln wirkte mühelos, sein Auftreten gewohnt charmant. Dann wandte Shinichi den Blick wieder ab.
„Und?“, hakte Heiji nach. Shinichi nahm das Glas, lehnte sich zurück und antwortete fast schon gleichgültig
„Sie hat sich rausgeschlichen“ Ein kurzer Moment Stille. Heiji starrte ihn an.
„Du verarschst mich.“ Shinichi schüttelte leicht den Kopf.
„Würde ich nie.“ Ein weiterer Schluck.
„Ich bin aufgewacht… und sie war weg.“ Heijis Gesicht verzog sich. Seine Lippen pressten sich zusammen, die Wangen blähten sich leicht auf, während er sichtlich gegen das Lachen ankämpfte. Ein ersticktes Geräusch entwich ihm. Er drehte den Kopf zur Seite, hob kurz eine Hand vor den Mund, doch es half nichts. Ein kurzes, unkontrolliertes Lachen brach heraus. Sofort räusperte er sich, versuchte sich wieder zu fangen, aber ein Grinsen ließ sich nicht mehr ganz unterdrücken. Shinichi warf ihm einen trockenen Blick zu. „Echt jetzt.“ Heiji hob abwehrend die Hände, immer noch mit diesem verräterischen Ausdruck im Gesicht.
„Sorry… wirklich.“ Ein leises Ausatmen, dann schüttelte er den Kopf. „Das ist nur..“ Er brach kurz ab, weil ihm erneut ein kurzes Lachen entwich.
„..das passiert dir sonst nie.“ Shinichi verzog kaum merklich das Gesicht.
„Ach wirklich?“ Heiji atmete einmal tief durch, fing sich schließlich halbwegs und klopfte ihm dann auf den Rücken.
„Kopf hoch.“ Ein schiefes Grinsen blieb trotzdem auf seinen Lippen. „Passiert den Besten.“ Shinichi schnaubte leise.
„Nein.“ Heiji grinste.
„Doch. Und du bist der Beweis.“ Shinichi schüttelte leicht den Kopf und nahm noch einen Schluck, diesmal langsamer. Heiji lehnte sich wieder zurück, sein Blick wanderte kurz zur Tanzfläche und dann wieder zu ihm.
„Außerdem…“, begann er beiläufig. Shinichi hob eine Augenbraue. „Was?“ Heiji grinste.
„Du wirst gleich sowieso abgelenkt sein.“ Shinichi sah ihn skeptisch an.
„Wovon redest du?“ Heiji zuckte nur mit den Schultern, dieses verdächtig entspannte Lächeln noch immer auf den Lippen.
„Du wirst schon sehen.“ Shinichi seufzte leise, ließ den Kopf kurz nach hinten sinken und schloss für einen Moment die Augen.
„Ihr zwei seid echt nervig.“ Heiji lachte diesmal ganz offen. Kaito löste sich schließlich von der Mitarbeiterin und wandte sich wieder der Lounge zu. Sein Blick fiel sofort auf die beiden und dieses breite, selbstzufriedene Grinsen lag wie selbstverständlich auf seinem Gesicht, als er näherkam.
„Also“, fragte er locker und ließ sich neben sie fallen.
„Was hab ich verpasst?“ Shinichi winkte nur knapp ab, ohne ihn wirklich anzusehen.
„Nichts Wichtiges.“ Doch Heiji grinste bereits ein wenig zu breit, um das wirklich glaubhaft wirken zu lassen.
„Naja…“, begann er und lehnte sich leicht zurück,
„kommt drauf an, wie man’s sieht.“ Kaitos Interesse war sofort geweckt. Seine Augen funkelten leicht.
„Okay.. was ist passiert?“ Shinichi drehte langsam den Kopf zu Heiji, sein Blick eindeutig warnend.
„Lass es.“ Heiji hob beschwichtigend eine Hand. Doch das Grinsen verschwand trotzdem nicht ganz.
„Sagen wir’s so…“, meinte er und warf Kaito einen kurzen Blick zu,
„ich weiß jetzt endlich, warum er heute so besonders drauf ist.“ Kaito hob sofort eine Augenbraue. Heiji konnte sich ein leises Schnauben nicht verkneifen.
„Eine Frau hat sich einfach bei ihm rausgeschlichen.“ Für einen kurzen Moment herrschte Stille. Dann entwich Kaito ein kurzes, überraschtes Lachen. Nicht laut, eher ungläubig.
„Echt jetzt?“, fragte er und sah Shinichi an, ein schiefes Grinsen auf den Lippen.
„Das hätte ich jetzt nicht erwartet.“ Heiji schnaubte leise, diesmal deutlich weniger zurückhaltend.
„Das hätte niemand erwartet.“ Shinichis Gesicht blieb ruhig, doch sein Blick wurde ein Stück schmaler.
„Sehr witzig“, murmelte er trocken. Heiji hob leicht die Hände.
„Hey, ich sag ja nichts.“ Ein kurzes Lächeln zuckte trotzdem über sein Gesicht.
„Es ist nur… ungewohnt.“ Kaito nickte zustimmend, doch in diesem Moment entwich ihm erneut ein Lachen, diesmal deutlich offener. Und Heiji ließ sich sofort davon mitreißen.
„Okay, nein..“, begann er, brach aber selbst kurz lachend ab,
„das ist einfach…“ Er schüttelte grinsend den Kopf. Während die beiden sich in ihrem Lachen verloren, stand Shinichi schließlich auf. Die Bewegung war ruhig, kontrolliert und fast beiläufig. Sein Glas stellte er etwas fester als nötig auf den Tisch, bevor er sich abwandte. Keiner von beiden bemerkte es. Das Lachen übertönte alles. Ohne ein weiteres Wort verließ er die VIP-Lounge. Die Musik traf ihn sofort wieder mit voller Wucht, als er in den offenen Bereich des Clubs trat. Lichter zuckten über die Menge, Stimmen verschwammen im Rhythmus der Bässe, während sich die Körper auf der Tanzfläche dicht an dicht bewegten. Er bahnte sich seinen Weg hindurch, die Schultern leicht angespannt, sein Blick nach vorne gerichtet. Die Luft war schwer. Warm. Aufgeladen. Doch genau das kam ihm gerade recht. Alles war besser, als sich weiter dieses Gelächter anzuhören. Sein Weg führte ihn direkt in Richtung Toilettenbereich, vorbei an der Bar, an lachenden Gruppen, an flüchtigen Blicken, die er kaum wahrnahm. Seine Gedanken waren woanders. Bei dieser einen Sache. Dieses Gefühl ließ ihn nicht los. Und genau das störte ihn mehr, als er es eigentlich zugeben wollte.
Nachdem Shinichi sich im Toilettenbereich kurz gesammelt hatte, trat er wieder zurück in den offenen Clubbereich. Die kühle Luft dort hatte seinen Kopf ein wenig klarer gemacht, zumindest genug, um die aufgestaute Gereiztheit etwas zu dämpfen. Er blieb einen kurzen Moment stehen, ließ den Blick durch die Menge gleiten und strich sich dabei langsam über sein Gesicht. Seine Finger fuhren anschließend durch sein Haar, als würde er die letzten Gedankenreste der vorherigen Minuten einfach abschütteln wollen.
Eigentlich war er nicht einmal wirklich wütend. Nicht auf Kaito. Nicht auf Heiji. Er kannte sich selbst gut genug, um zu wissen, dass er an ihrer Stelle genauso reagiert hätte. Wahrscheinlich sogar schlimmer.
Ein kaum merkliches Schnauben entwich ihm. Gerade wollte er sich wieder in Bewegung setzen, zurück zur Lounge, da trat plötzlich jemand direkt vor ihn. Shinichi blieb stehen. Eine Frau. Kurze schwarze Haare, durchzogen von feinen blauen Strähnen, die im flackernden Licht leicht schimmerten. Ihr Auftreten wirkte im ersten Moment zurückhaltend, fast ein wenig unsicher. Ihre Finger spielten nervös mit dem dünnen Stoff ihres Tops, während ihre Wangen einen leichten, rosigen Schimmer hatten. Als hätte sie sich überwinden müssen, ihn anzusprechen. Shinichi hob leicht eine Augenbraue. Sein Blick ruhte einen Moment auf ihr, aufmerksam, prüfend, nicht abweisend, aber auch nicht sofort interessiert.
„Ähm…“, begann sie leise. Ihre Stimme war kaum mehr als ein Hauch, beinahe verloren in der Lautstärke des Clubs. Sie trat ein kleines Stück näher, als müsste sie die Distanz überbrücken, um überhaupt gehört zu werden.
„Ich… wollte dich nicht stören, aber…“ Sie brach kurz ab, ihre Finger zupften noch einmal an ihrem Top, bevor sie ihn wieder ansah. Shinichi musterte sie nun etwas genauer. Von oben bis unten. Sie sah gut aus. Keine Frage. Und irgendetwas an ihrer Art, dieses leichte Zögern, diese Mischung aus Unsicherheit und Mut hatte etwas… Ungefiltertes. Fast schon niedlich. Ein schwaches, kaum sichtbares Lächeln zuckte über seine Lippen.
„Du störst nicht“, sagte er schließlich ruhig. Die Frau schien für einen Moment erleichtert zu sein. Ein kleines, vorsichtiges Lächeln erschien auf ihren Lippen.
„Okay… gut“, murmelte sie leise. Shinichi ließ den Blick kurz über die Bar schweifen, die nur ein paar Schritte entfernt war. Dann sah er wieder zu ihr.
„Willst du was trinken?“ Für einen Moment wirkte sie überrascht, dann nickte sie leicht.
„Ja.“ Shinichi machte eine kleine Kopfbewegung in Richtung Bar. Gemeinsam traten sie näher heran. Das Licht wechselte hier schneller, bunte Reflexe glitten über ihre Gesichter, während die Musik noch intensiver wirkte. Er bestellte zwei Drinks, ohne lange zu überlegen und lehnte sich dann locker gegen den Tresen. Sein Blick glitt wieder zu ihr.
„Also…“, sagte er ruhig,
„sprichst du immer fremde Leute im Club an?“ Ein leichtes, verlegenes Lächeln huschte über ihr Gesicht.
„Nicht wirklich.“
„Dann fühl ich mich ja geehrt“, erwiderte er trocken. Sie lachte leise. Ein kurzer, ehrlicher Ton, der fast im Lärm unterging. Shinichi nahm sein Glas entgegen, reichte ihr ihres und stieß leicht dagegen. Sie hob ihr Glas ebenfalls leicht an. Während sie tranken, ließ Shinichi sich ein Stück mehr auf die Situation ein. Nicht, weil es ihn wirklich interessierte. Sondern weil es… einfacher war. Ein Ablenkungsmanöver. Und genau das war es, was er in diesem Moment brauchte.
Shinichi lehnte locker am Tresen, das Glas halb gefüllt in seiner Hand, während seine Finger gedankenverloren mit dem Strohhalm spielten. Er drehte ihn langsam zwischen Daumen und Zeigefinger, ließ ihn leicht gegen den Rand des Glases tippen. Sein Blick lag auf der Frau vor ihm. Oder zumindest in ihre Richtung. In Wahrheit war er längst nicht mehr wirklich bei ihr. Ihre Stimme lief weiter, ein gleichmäßiger Strom aus Worten, der sich durch Themen zog, die ihn nicht im Geringsten interessierten. Schuhe. Irgendwelche Geschichten mit ihren Freundinnen. Namen, die er sich nicht einmal ansatzweise merkte. Shinichi hatte längst abgeschaltet. Er nickte hier und da knapp, mehr aus Gewohnheit als aus tatsächlichem Interesse. Sein Blick wanderte zwischendurch über die Bar, zur Tanzfläche, zu den Lichtern. Überall hin, nur nicht wirklich zu ihr. Ein leises Seufzen entwich ihm. Sie bemerkte es nicht. Oder ignorierte es. Sie redete weiter. Ununterbrochen. Shinichi hob schließlich den Blick wieder etwas bewusster, musterte sie einen Moment. Ihre Lippen bewegten sich noch immer, ihre Hände unterstrichen ihre Worte mit kleinen Gesten. Und er wusste genau, dass er sich das nicht noch länger anhören würde. Nicht heute. Nicht in dieser Stimmung. Langsam stellte er sein Glas ab. Dann stand er auf. Die Bewegung war ruhig, fast beiläufig, doch zielgerichtet. Die paar Schritte zwischen ihnen überbrückte er ohne zu zögern. Seine Hand legte sich an ihre Taille.
Fest genug, um ihre Aufmerksamkeit sofort auf sich zu ziehen. Und bevor sie ihren Satz beenden konnte, beugte er sich zu ihr und küsste sie. Ihre Worte verstummten augenblicklich. Die Stimme, die ihn eben noch genervt hatte, verschwand. Ersetzt durch eine angenehme Stille, zumindest für ihn. Die Musik war noch da, laut und drängend, doch alles andere trat für einen Moment in den Hintergrund. Er spürte, wie sie kurz überrascht innehielt. Dann erwiderte sie den Kuss. Ihre Arme legten sich um seinen Nacken, zogen ihn leicht näher zu sich. Ihre vorherige Unsicherheit war verschwunden, ersetzt durch eine deutlich klarere Reaktion. Shinichi blieb ruhig. Er wusste genau, was er tat. Und noch viel mehr wusste er, was als Nächstes passieren könnte, wenn er es darauf anlegte. Ein kurzer Gedanke daran blitzte in seinem Kopf auf.. der hintere Bereich des Clubs, die abgeschirmteren Ecken, die Möglichkeiten. Es wäre einfach. Viel zu einfach. Doch nach einem Moment löste er sich langsam wieder. Sein Blick traf ihren. Ein leichtes Lächeln lag auf seinen Lippen, charmant, aber distanziert.
„Tut mir leid“, sagte er ruhig.
„Ich muss zurück zu meinen Freunden.“ Sie blinzelte kurz, als würde sie den abrupten Wechsel erst verarbeiten müssen.
„Oh…“, murmelte sie leise. Für einen Moment wirkte sie unsicherer als zuvor.
„Sehen wir uns wieder?“, fragte sie dann vorsichtig. Shinichi zuckte nur leicht mit den Schultern. Nicht abweisend. Aber auch nicht festgelegt.
„Vielleicht.“ Mehr sagte er nicht. Dann wandte er sich bereits ab. Ohne zu zögern. Ohne zurückzusehen. Er ließ sie an der Bar stehen, während er sich wieder durch die Menge bewegte. Die Musik nahm ihn sofort wieder ein, das Licht flackerte über sein Gesicht, während er sich seinen Weg zurück bahnte.
Als Shinichi die VIP-Lounge wieder betrat, fiel sein Blick sofort auf die veränderte Situation. Die Couch, die zuvor nur von Kaito und Heiji besetzt gewesen war, war nun deutlich voller. Zwei Frauen saßen bei ihnen. Die Stimmung hatte sich spürbar verändert. Sie wirkte lebendiger, lockerer, durchzogen von leisen Gesprächen und gelegentlichem Lachen, das sich mit der Musik aus dem Club vermischte. Kaito bemerkte ihn sofort. Ein schiefes, beinahe schon triumphierendes Grinsen zog sich über seine Lippen, als er sich ein Stück aufrichtete und Shinichi ansah.
„Da bist du ja endlich“, sagte er zufrieden. Shinichi blieb einen Moment stehen, ließ den Blick ruhig über die Szene gleiten, bevor er langsam näher kam.
„Und?“, fragte er trocken.
„Hab ich was verpasst?“ Kaitos Grinsen wurde noch ein Stück breiter.
„Oh, definitiv.“ Er machte eine ausladende Handbewegung, als würde er etwas präsentieren, worauf er besonders stolz war.
„Unsere Überraschung.“ Shinichi hob leicht eine Augenbraue. Kaito deutete zuerst auf die Frau neben Heiji. Sie saß entspannt, aber aufrecht, ihr Auftreten wirkte gleichzeitig selbstbewusst und ruhig. Der schwarze Lederrock schmiegte sich an ihre Figur, während ihr Top mit der freien Schulter einen dezenten, aber auffälligen Akzent setzte. Ihr braunes Haar war zu einem Pferdeschwanz gebunden, gehalten von einer dunklen Schleife, während sich ein paar Strähnen locker aus der Frisur gelöst hatten und ihr Gesicht umspielten.
„Das ist Kazuha Toyama“, erklärte Kaito. Kazuha lächelte leicht und nickte Shinichi zu. Shinichi erwiderte das Nicken knapp. Kaito verlor keine Zeit und legte mit sichtlicher Zufriedenheit seinen Arm um die Frau neben sich.
„Und das hier…“, fuhr er fort, sein Tonfall deutlich stolzer,
„ist Aoko Nakamori.“ Die junge Frau neben ihm wirkte lebhafter, ihr Auftreten offener. Die enganliegende Shorts und das glitzernde Top fingen das Neonlicht ein, während ihr Haar glatt über ihre Schultern fiel. Ihr Pony bewegte sich leicht bei jeder kleinen Kopfbewegung.
Sie lächelte freundlich.
„Hi.“
Shinichi nickte auch ihr kurz zu.
„Hi.“ Mehr kam nicht. Er ließ sich schließlich auf die Couch sinken, griff beiläufig nach einem der Gläser auf dem Tisch und nahm einen Schluck, während sein Blick noch einmal ruhig über die Runde ging.
Für einen Moment sagte er nichts. Dann lehnte er sich leicht zurück.
„Und das ist jetzt… eure große Überraschung?“, fragte er trocken. Kaito verzog keine Miene.
„Warte ab.“ Heiji grinste jetzt, deutlich entspannter als zuvor.
„Da kommt noch was.“ Shinichi warf ihm einen kurzen Blick zu. „Natürlich.“ Kazuha nickte zustimmend.
„Eine Freundin von uns kommt auch noch.“ Ihre Stimme war ruhig, aber mit einem leichten Unterton von Vorfreude.
„Sie ist noch bei einem Familienessen“, fügte sie hinzu,
„aber sie wollte danach direkt hierherkommen.“ Aoko nickte ebenfalls.
„Sie sollte also nicht mehr lange brauchen.“ Shinichi schnaubte leise, kaum hörbar und schüttelte minimal den Kopf, während er erneut an seinem Glas nippte.
„Klar“, murmelte er. Sein Blick glitt kurz zwischen Kaito und Heiji hin und her. Dieses Überraschungsspiel war durchschaubarer, als sie wahrscheinlich dachten.
„Ganz schön aufopfernd von euch“, fügte er trocken hinzu.
Kaito grinste sofort.
„Wir geben uns Mühe.“ Heiji zuckte mit den Schultern.
„Jemand muss sich ja um dich kümmern.“ Shinichi hob nur leicht eine Augenbraue, das Glas noch in der Hand.
„Sicher.“ Sein Tonfall ließ wenig Zweifel daran, was er wirklich davon hielt. Shinichi lehnte sich leicht zurück, das Glas locker in seiner Hand, während sein Blick ruhig über die Szene vor ihm glitt. Die Stimmung in der Lounge war gelöst, fast ausgelassen. Kaito und Heiji vertieften sich vollständig in ihre Gespräche, wirkten entspannt, aufmerksam und deutlich interessiert an ihrer jeweiligen Gesellschaft. Kaito beugte sich nah zu Aoko, murmelte ihr etwas ins Ohr, woraufhin sie hell auflachte und ihn leicht mit der Schulter anstieß. Neben ihnen saß Heiji dichter bei Kazuha, seine Hand lag auf ihrer, während er ihr eine Strähne aus dem Gesicht strich. Sie ließ es zu, ohne darüber nachzudenken, als wäre es das Natürlichste der Welt. Shinichi beobachtete das einen Moment, ohne wirklich darauf zu reagieren. Dann wandte er den Blick ab. Er hob sein Glas an, setzte es an die Lippen, doch bevor er trinken konnte, hielt er inne. Seine Bewegung stoppte abrupt, als hätte etwas seine Aufmerksamkeit festgehalten. Sein Blick blieb an einer Person hängen. Auf der Tanzfläche. Zwischen den Lichtern, den Bewegungen, den verschwommenen Konturen der anderen Gäste stand eine Frau in einem blauen Minikleid. Der Stoff glitzerte im wechselnden Licht, während ihr langes, braunes Haar locker über ihre Schultern fiel. Shinichis Augen verengten sich leicht. Und dann traf es ihn. Für einen Moment flackerte etwas in seinem Kopf auf.. nicht klar, nicht vollständig, sondern nur in einzelnen Fragmenten. Seine Hand, die über warme, nackte Haut glitt. Das leise Stöhnen unter seinen Berührungen. Ihre Stimme, gedämpft, nah an seinem Ohr. Sein Griff um das Glas wurde unbewusst fester. Er erkannte sie. In genau diesem Moment durchschnitt Kazuhas Stimme die Szene.
„Ran!“ Sie hatte sich halb erhoben und winkte lebhaft in die Menge hinein. Shinichi blinzelte kurz, als würde sein Kopf einen Moment brauchen, um wieder im Hier und Jetzt anzukommen. Fast gleichzeitig spürte er eine Hand auf seiner Schulter.
„Da ist sie ja“, sagte Heiji zufrieden.
„Unsere Überraschung.“ Shinichi sagte nichts. Sein Blick blieb auf der Frau. Ran hatte sich inzwischen durch die Menge bewegt und trat in Richtung Lounge. Als sie den Bereich betrat, verlangsamte sie ihren Schritt leicht, kaum sichtbar, aber nicht ganz zufällig. Dann hob sie den Blick und ihre Augen trafen seine. Kein Lächeln. Kein Zögern. Nur ein kurzer, klarer Moment des Erkennens. Mehr nicht. Es lag nichts Vertrautes darin. Keine Nähe. Keine Wärme. Nur dieses stille, nüchterne.. Ach du. Dann war es auch schon vorbei. Ran wandte den Blick ab und ging weiter, als wäre es nichts gewesen.
„Endlich!“, rief Kazuha und zog sie direkt zu sich.
„Hat ja lange genug gedauert.“
„Sorry, das Essen hat sich gezogen“, erwiderte Ran ruhig. Aoko lächelte.
„Jetzt bist du ja hier.“ Kaito hingegen musterte sie jetzt genauer. Seine Augenbrauen zogen sich leicht nach oben, als ihm etwas einfiel.
„Warte mal…“, sagte er und lehnte sich ein Stück vor.
„Dich kenn ich doch.“ Ein schiefes Grinsen erschien auf seinem Gesicht. Ran sah zu ihm.
„Vor ein paar Tagen“, fuhr Kaito fort und deutete leicht auf sie.
„Du hast mich abblitzen lassen.“ Ein leichtes Zucken ging durch ihre Lippen.
„Ah, stimmt. Ich erinnere mich.“ Heiji grinste.
„Das war echt gut.“ Kaito lachte leise.
„Ich war beeindruckt.“ Die Stimmung blieb locker, fast beiläufig. Ein normaler Moment unter Leuten, die hier und da mal flüchtigen Kontakt hatten. Nur Shinichi bewegte sich nicht. Er saß noch immer da, das Glas in der Hand, inzwischen längst unbeachtet. Sein Blick lag wieder auf Ran, kurz, prüfend, als würde er sich vergewissern, dass das gerade wirklich passiert war. Doch da war nichts mehr. Keine Reaktion von ihr. Keine Andeutung. Als wäre die letzte Nacht zwischen ihnen nie geschehen. Und genau das… ließ die flüchtigen Erinnerungsfetzen in seinem Kopf nur noch deutlicher nachhallen.
Es beginnt jetzt erst
Die Bässe lagen schwer in der Luft der VIP-Lounge und drückten sich durch den Boden, sodass jede Bewegung unweigerlich im Takt mitschwang. Das Licht wechselte langsam zwischen Blau und Violett, glitt über Gesichter, Kleidung und Gläser und ließ alles weicher, fast verschwommen wirken. Kazuha war längst aufgestanden und bewegte sich vor der Couch, völlig im Rhythmus. Ihr Körper wirkte locker, ihre Schritte unkoordiniert und gleichzeitig genau richtig. Ihr Glas hatte sie irgendwo abgestellt und längst vergessen.
„Oh mein Gott!“, rief sie laut, als der Refrain einsetzte und begann sofort mitzusingen, ohne sich darum zu kümmern, ob sie den Text überhaupt traf. Aoko war direkt bei ihr und lachte laut auf, bevor sie genauso selbstverständlich einstieg. Sie klatschte im Takt, drehte sich einmal um sich selbst und ihre Haare schwangen dabei mit der Bewegung.
„Ich liebe das!“, rief sie begeistert dazwischen. Kazuha grinste breit, griff nach Aokos Hand und zog sie näher zu sich, während sie einfach weitersangen. Ran musste gar nicht erst überredet werden. Kaum hatten die beiden sie an den Händen gepackt, war sie schon auf den Beinen. Ein leichtes, ungezwungenes Lachen löste sich aus ihr, während sie sich zwischen ihnen wiederfand.
„Ihr seid echt…“, setzte sie an, brach aber selbst lachend ab, als der nächste Teil des Songs einsetzte. Dann ließ sie sich einfach mitziehen. Sie bewegte sich mit ihnen, passte sich sofort an und ließ jede Zurückhaltung fallen. Ihr Haar fiel locker über ihre Schultern, während sie mitsang, nicht perfekt, aber genau so, wie es in diesem Moment richtig war. Kazuha drehte sich einmal und zog Ran mit sich, während Aoko sofort einstimmte. Ihre Stimmen vermischten sich mit der Musik.
„Das ist mein Part!“, rief Kazuha überzeugt. Ran lachte und stieß sie leicht an.
„Du sagst das bei jedem Part!“ Aoko nickte sofort zustimmend.
„Ja, wirklich!“
„Weil es stimmt!“, erwiderte Kazuha grinsend. Die drei rückten enger zusammen, lachten, sangen und verloren sich vollkommen im Moment. Nichts daran war geplant, es war einfach nur dieses Gefühl, genau dort zu sein, wo man sein wollte. Ein paar Schritte entfernt standen Kaito und Heiji mit ihren Gläsern in der Hand und beobachteten die Szene. Kaito hob sein Glas, sah Heiji kurz an und nahm einen Schluck. Heiji verstand sofort. Ohne ein Wort hob auch er sein Glas und trank. Zwei Schlücke.nKaito zog eine Augenbraue hoch, grinste schief und setzte erneut an. Drei.nHeiji lachte leise durch die Nase, schüttelte kurz den Kopf und machte weiter. Vier. Das Ganze lief vollkommen wortlos ab, nur begleitet von kurzen Blicken und diesem stillen Einverständnis, das immer alberner wurde, je weiter sie gingen. Ein paar Meter weiter saß Shinichi unverändert auf der Couch. Das Glas in seiner Hand war längst nicht mehr das erste. Der Geschmack von Alkohol lag schwer auf seiner Zunge, doch er nahm ihn kaum noch bewusst wahr. Es war zur Gewohnheit geworden, zu trinken, abzusetzen und nachzufüllen. Sein Blick hob sich und blieb sofort bei Ran hängen. Sie drehte sich gerade leicht, ihr Kleid fing das Licht ein, während sie lachte... offen, ehrlich und vollkommen ohne Zurückhaltung. Kazuha zog sie wieder näher zu sich, Aoko redete dazwischen, und alle drei sprachen durcheinander, ohne darauf zu achten, wer gerade was sagte. Und Ran war einfach mittendrin, als hätte es nie etwas anderes gegeben. Shinichi setzte das Glas an, hielt es jedoch einen Moment an seinen Lippen, ohne zu trinken. Sein Blick blieb auf ihr, zu lange und zu bewusst. Er sah die kleinen Details: wie sie den Kopf leicht zurückwarf, wenn sie lachte, wie ihre Finger sich kurz in Kazuhas Arm krallten, wenn sie sich im Takt bewegte, und wie vollkommen sie im Moment war. Und kein einziges Mal sah sie zu ihm. Sein Kiefer spannte sich leicht an. Dann nahm er einen Schluck, diesmal langsamer. Das Brennen zog sich durch seine Kehle, blieb einen Moment bestehen und verschwand ebenso schnell wieder. Sein Blick glitt kurz zu Kaito und Heiji, die inzwischen offensichtlich bei fünf oder sechs angekommen waren. Heiji schüttelte lachend den Kopf, setzte aber trotzdem wieder an, während Kaito ihn mit einem schiefen Grinsen beobachtete. Doch Shinichis Blick fand immer wieder zurück zu Ran. Es war nicht einmal bewusst. Sein Blick fand sie einfach, als wäre alles andere in diesem Raum weniger relevant. Ran sagte gerade etwas zu Aoko, beugte sich leicht zu ihr, und beide lachten. Kazuha sang wieder laut los und zog die beiden mit hinein, sodass sie im nächsten Moment wieder zu dritt sangen. Als wäre nichts gewesen. Shinichi ließ das Glas langsam sinken. Seine Finger schlossen sich fester darum, sodass das Glas leise knirschte. Ein leises Ausatmen entwich ihm. Er war es gewohnt, dass Dinge anders liefen, dass Blicke erwidert wurden, dass Reaktionen kamen und dass Situationen sich nach ihm richteten. Und hier war nichts. Nicht einmal zufällig. Nicht einmal ein kurzer, beiläufiger Blick. Als wäre er Luft. Ein schiefes, kühles Lächeln zuckte kurz über seine Lippen und verschwand sofort wieder. Sein Blick blieb hartnäckig auf ihr, fast herausfordernd, als würde er darauf warten, dass sie es endlich bemerkte. Doch Ran drehte sich wieder, lachte und sang den nächsten Teil mit, vollkommen im Moment und bei den anderen. Und genau das traf ihn mehr, als es sollte. Er setzte das Glas erneut an und leerte es diesmal vollständig. Die Stimmung in der VIP-Lounge hatte inzwischen eine andere Intensität angenommen. Der Alkohol wirkte deutlich. Kaito schwankte leicht, als er versuchte, sich von seiner Position zu lösen. Mit einem schiefen Grinsen und einem leisen, unkontrollierten Lachen machte er ein paar unsaubere Schritte in Richtung Couch.
„Ich sag dir...“, begann er, brach jedoch mitten im Satz ab, als er kurz ins Straucheln geriet. Reflexartig legte er die Hand auf die Rückenlehne, um sich abzufangen.
„Alles gut“, murmelte er selbstzufrieden, als hätte er gerade eine elegante Bewegung hingelegt. Dann ließ er sich neben Shinichi fallen, nicht ganz kontrolliert, eher mit Schwung. Sein Arm legte sich direkt um Shinichis Schultern.
„Du verpasst hier was“, sagte er grinsend. Shinichi reagierte nicht sofort. Sein Blick war ruhig, aber alles andere als entspannt. Ein lautes Klirren durchbrach den Moment. Alle Blicke wandten sich automatisch in dieselbe Richtung. Heiji hatte versucht, sich am Tisch abzustützen, was nicht ganz funktioniert hatte. Ein Glas kippte, dann noch eins und schließlich rollte eine Flasche nach vorne und fiel mit einem dumpfen Geräusch zu Boden. Für einen kurzen Moment herrschte Stille.
„Oh fuck...“, begann Heiji. Im nächsten Moment brach Gelächter aus.
„Das hast du nicht ernsthaft gemacht!“, rief Kaito laut. Heiji fuhr sich durch die Haare und grinste schief.
„Das war… geplant.“
„Natürlich“, entgegnete Kaito trocken. Aoko lachte und schüttelte den Kopf.
„Du machst es schlimmer.“ Kazuha beugte sich zu ihm hinunter. „Warte, ich helfe dir“, sagte sie noch lachend.
„Ich hab’s, ich hab’s“, meinte Heiji und ließ wieder etwas fallen.
"Scheiße!" Ran stand einen Moment daneben, beobachtete das Ganze mit einem leichten Lächeln, bevor sie den Blick durch die Runde schweifen ließ. Dann wandte sie sich ab.
„Ich bin kurz weg“, sagte sie ruhig.
„Ich muss zur Toilette.“
„Ja, geh“, winkte Kazuha ab. Ran griff kurz nach ihrem Glas, stellte es dann doch wieder zurück und verließ die Lounge, ohne große Aufmerksamkeit zu erregen. Shinichis Blick folgte ihr automatisch, bis sie in der Menge verschwand. Erst dann löste sich sein Blick langsam. Zu langsam. Sein Kiefer spannte sich an.
"Was denkt sie eigentlich, wer sie ist…" Der Gedanke kam scharf und unerwartet. Er sah auf sein Glas. Die Flüssigkeit darin bewegte sich ruhig, gleichmäßig, als wäre nichts gewesen. Im Gegensatz zu ihm.
Ein leises, abfälliges Schnauben entwich ihm. Seine Gedanken kreisten.
"Nicht mal ein Blick." Seine Finger schlossen sich fester um das Glas. "Nicht mal ein verdammter Blick."
Ran stand inzwischen an der Bar und unterhielt sich mit einem Mann. Sie lehnte leicht am Tresen, ihr Ellbogen ruhte locker darauf, während ihre Finger spielerisch den Rand ihres Glases berührten.
„Okay, der war wirklich schlecht“, sagte sie lachend. Der Mann grinste zufrieden.
„Schlecht, aber effektiv.“
„Leider ja“, erwiderte sie amüsiert. Er wollte gerade weitersprechen, als sich plötzlich ein Schatten zwischen sie schob. Shinichi trat ohne Zögern zwischen sie.
„Echt?“, sagte er ruhig.
„Das reicht schon?“ Der Mann runzelte die Stirn. „Entschuldigung?“ Shinichi sah ihn direkt an.
„War nicht besonders beeindruckend.“ Der Mann verschränkte die Arme.
„Hat trotzdem funktioniert.“ Ein leichtes Lächeln erschien auf Shinichis Lippen.
„Wenn das dein Maßstab ist…“
„Wer bist du?“, fragte der Mann direkt. Shinichi machte einen halben Schritt auf ihn zu.
„Sagen wir so… ich bin das Upgrade zu dir.“ Der Mann schnaubte leise.
„Große Worte.“ Er warf einen kurzen Blick zu Ran und wieder zurück zu Shinichi.
„Und du meinst, sie interessiert sich für so einen arroganten Typen wie dich?“ Shinichis Blick wurde kälter.
„Was ich schon mit ihr gemacht habe“, sagte er ruhig,
„davon kannst du nur träumen.“ Stille breitete sich zwischen ihnen aus. Der Mann sah irritiert zu Ran. Ran atmete einmal leise durch und hob entschuldigend die Hand.
„Tut mir leid“, sagte sie ruhig.
„Einen Moment, ja?“
„…Klar“, antwortete er zögernd. Ran trat näher zu Shinichi, griff nach seinem Arm und zog ihn leicht mit sich.
„Du kommst mit. Sofort.“, sagte sie leise, aber bestimmt. Shinichi ließ sich mitziehen, warf jedoch noch einen letzten Blick über die Schulter. Ein schiefes, selbstzufriedenes Grinsen lag auf seinen Lippen. Dann verschwand er mit ihr in der Menge.
Vorsichtig drängte Ran sich durch die Menge, ohne stehen zu bleiben. Ihre Finger lagen fest um Shinichis Arm, während sie ihn entschlossen mit sich zog. Die Musik wurde mit jedem Schritt dumpfer, bis nur noch ein fernes Vibrieren übrig blieb. Schließlich erreichten sie einen ruhigeren, hinteren Bereich des Clubs. Dort blieb Ran stehen. Langsam ließ sie seinen Arm los, als würde sie ganz bewusst entscheiden, Abstand zu schaffen. Dann drehte sie sich zu ihm um, verschränkte die Arme vor der Brust und sah ihn direkt an.
„Was sollte das Theater gerade?“, fragte sie ruhig und ohne Umschweife. Shinichi erwiderte ihren Blick sofort. Für einen kurzen Moment sagte er nichts. Seine Gedanken suchten nach einer Antwort, doch stattdessen drängte sich ihm ein ganz anderes Bild auf. Für einen Sekundenbruchteil stellte er sich vor, wie er sie gegen die Wand hinter ihr drückte, seine Hand fest an ihrer Hüfte, während er sich zu ihr vorbeugte. Das Bild kam unerwartet und verschwand genauso schnell wieder, doch es hinterließ ein spürbares Nachklingen. Ein selbstsicheres Lächeln legte sich auf seine Lippen, fast wie ein Reflex. Er machte einen Schritt auf sie zu.
„Theater?“, wiederholte er ruhig.
„Ich habe dich da rausgeholt.“ Ran blieb stehen und wich keinen Zentimeter zurück. Ihr Blick blieb ruhig, wach und vollkommen unbeeindruckt. Shinichi trat noch näher heran. Die Distanz zwischen ihnen wurde kleiner, fast bedeutungslos. Während er sie ansah, schob sich ein weiterer Gedanke in seinen Kopf, klarer und eindringlicher als zuvor. Er stellte sich vor, wie sie nach seinem Kragen griff, ihn ohne Zögern zu sich zog und den Abstand zwischen ihnen selbst aufhob. Sein Kiefer spannte sich kaum merklich an, während er den Gedanken wieder verdrängte.
„Du hast dich offensichtlich gut amüsiert“, sagte er, und in seiner Stimme lag eine unterschwellige Schärfe. Ran hob leicht eine Augenbraue.
„Ich habe mich amüsiert“, erwiderte sie ruhig.
„Und dann bist du aufgetaucht und hast dich aufgeführt, als würde ich dir gehören.“ Ein kurzer Moment Stille entstand zwischen ihnen, dicht und geladen. Shinichi ließ sein Lächeln bestehen, doch es wurde schmaler.
„Vielleicht tust du das“, sagte er leise und trat noch einen halben Schritt näher. Jetzt war kaum noch Abstand zwischen ihnen. Sein Blick glitt unwillkürlich über ihr Gesicht und blieb für einen kurzen Moment an ihren Lippen hängen, bevor er wieder in ihre Augen zurückkehrte. Für einen Augenblick stellte er sich vor, wie er die Distanz einfach überbrückte, wie nah sie sich bereits waren und wie wenig es brauchte, um diese Spannung in etwas anderes kippen zu lassen. Ran blieb vollkommen ruhig.
„Nein“, sagte sie klar.
„Tue ich nicht.“ Ihre Stimme traf ihn ruhig, aber präzise. Shinichis Blick wurde einen Hauch schärfer. Er war es gewohnt, dass Situationen anders verliefen, dass Frauen nachgaben oder ausweichen. Doch Ran tat weder das eine noch das andere. Sie blieb stehen und hielt ihm stand, ohne auch nur einen Schritt zurückzugehen.
„Du könntest einfach gehen“, sagte er leiser.
„Vielleicht gehe ich auch“, erwiderte sie sofort. Ihre Stimme war fest, doch ihr Atem war nicht mehr ganz so gleichmäßig wie zuvor. Shinichi bemerkte es. Sein Blick wurde intensiver.
„Sicher?“, fragte er. Die Frage hing zwischen ihnen. Ran antwortete nicht sofort. Ihr Blick hielt seinen fest, zu lange und zu bewusst, als dass es noch rein sachlich gewesen wäre. Die Spannung zwischen ihnen veränderte sich spürbar. Sie war nicht mehr nur konfrontativ, sondern hatte etwas Tieferes, Schwereres angenommen.
„Du hast dich danebenbenommen“, sagte sie schließlich leise. Doch sie wich keinen Zentimeter zurück. Shinichis Blick glitt erneut kurz über ihr Gesicht, bevor er sich wieder in ihren Augen festsetzte. In seinem Kopf tauchte erneut dieses Bild auf, wie sie ihn zu sich zog, wie wenig Abstand zwischen ihnen blieb und wie schnell sich alles verschieben könnte, wenn einer von ihnen nachgab.
„Du bist jedenfalls noch hier“, sagte er ruhig. Ran zog die Augenbrauen leicht zusammen.
„Ich bin nicht wegen dir hier.“, erwiderte sie.
"Also freu dich nicht zu früh." Ein schiefes Lächeln zuckte über seine Lippen.
„Aber du wirst bleiben.“ Eine Stille breitete sich aus. Diesmal blieb sie länger bestehen. Ihr Blick hielt seinen, unbeirrbar, während der Abstand zwischen ihnen kaum noch existierte. Die Luft zwischen ihnen fühlte sich dichter an, geladen mit etwas, das keiner von beiden aussprach, das aber dennoch deutlich präsent war. Keiner von ihnen bewegte sich. Keiner wich zurück. Und beide wussten, dass es nicht viel brauchte, damit aus dieser Spannung etwas wurde, das sich nicht mehr so leicht kontrollieren ließ. Shinichi beugte sich langsam zu ihr vor, ohne den Blickkontakt auch nur für einen Moment zu lösen. Die Spannung zwischen ihnen füllte den Raum vollständig aus, dicht und greifbar, als hätte sie alles andere verdrängt. Die Musik war nur noch gedämpft zu hören, die Bässe verloren sich irgendwo im Hintergrund, doch zwischen ihnen wurde es nur intensiver.bIn ihm blieb nur ein Gedanke zurück. Er wollte dort weitermachen, wo sie in der vergangenen Nacht aufgehört hatten. Das Bild davon ließ ihn nicht los. Der Moment, in dem er aufgewacht war und sie einfach verschwunden gewesen war, ohne ein Wort, ohne Erklärung. Und dann ihre Ignoranz ihm gegenüber. Als hätte sie das Ganze besser unter Kontrolle als er. Als würde sie das Spiel bestimmen. Sein Gesicht näherte sich ihrem weiter. Er spürte ihren Atem bereits auf seiner Haut, warm und nah. Ihre Lippen waren nur noch einen Hauch voneinander entfernt und für einen Moment schien es, als würde keiner von beiden diesen Abstand noch einmal vergrößern. Dann entzog sie sich ihm. Die Bewegung war ruhig, beinahe elegant. Ran trat einen Schritt zur Seite und stellte sich mit gerader Haltung neben ihn. Bewusst ließ sie Abstand zwischen ihnen entstehen. Als sie ihn ansah, lag ein zuckersüßes Lächeln auf ihren Lippen. Und da war es wieder. Dieses Funkeln in ihren Augen. Diese stille, unausgesprochene Herausforderung. Wer von ihnen hier wirklich die Kontrolle hatte. Shinichi blieb stehen, sein Blick folgte ihr, während sich sein Ausdruck kaum merklich veränderte. Etwas in ihm reagierte sofort darauf, auf diese Distanz, auf dieses bewusste Ausweichen. Ran legte den Kopf leicht schief, das Lächeln blieb bestehen, während sie erneut auf ihn zuging. Langsam diesmal. Ohne Hast. Ohne Zögern. Sie blieb dicht vor ihm stehen, näherte sich ihm wieder an, bis der Abstand zwischen ihnen erneut verschwand. Dann hob sie leicht den Kopf, ihre Lippen nur wenige Zentimeter von seinem Ohr entfernt.
„Ich bin gespannt…“, flüsterte sie leise, ihre Stimme ruhig und weich, „…wer von uns beiden besser spielt.“ Ihre Worte streiften ihn, näher als jede Berührung. Shinichis Blick verhärtete sich minimal, während er sie ansah, als sie sich wieder von ihm löste. Bevor er reagieren konnte, lehnte sie sich noch einmal kurz zu ihm vor und drückte ihm einen flüchtigen, beinahe beiläufigen Kuss auf die Wange. Dann trat sie zurück. Sie drehte sich um und ließ ihn einfach stehen. Zurück in der Spannung, die sie bewusst hinterlassen hatte.
Die Worte von Ran hallten noch immer in Shinichis Kopf nach, während sich sein Gesicht leicht verzog. Etwas daran ließ ihn nicht los. Dieses selbstsichere Auftreten, dieses Spiel, das sie scheinbar mühelos beherrschte. Er spürte deutlich, dass er nicht bereit war, sich darauf einzulassen, ohne die Kontrolle zurückzufordern. Er würde ganz sicher nicht ihr Spielball sein. Und genau das würde er ihr jetzt klarmachen. Ohne zu zögern setzte er sich in Bewegung und folgte ihr durch den Club. Die Musik wurde wieder lauter, das Licht flackerte intensiver, während er sich zielgerichtet seinen Weg zurück zur Bar bahnte. Sein Blick blieb fest nach vorne gerichtet. Ran hatte die Bar gerade erreicht. Der Mann, mit dem sie zuvor gesprochen hatte, stand tatsächlich noch dort und wandte sich ihr sofort wieder zu.
„Tut mir leid. Ich bi...“, begann sie. Weiter kam sie nicht. Ran spürte plötzlich einen festen Griff um ihren Arm. Die Bewegung war bestimmt, aber nicht grob, als sie mit einem Ruck herumgedreht wurde. Im nächsten Moment stand sie direkt vor Shinichi. Sein Blick traf ihren sofort. Seine Augen funkelten herausfordernd, während er sie ansah.
„Wir sind noch nicht fertig“, sagte er ruhig. Seine Stimme war kontrolliert, aber eindeutig. Ran hob leicht eine Augenbraue und sah ihn an. Für einen kurzen Moment sagte sie nichts, dann legte sich dieses ruhige, beinahe amüsierte Lächeln auf ihre Lippen.
„Ach ja?“, erwiderte sie gelassen. Ihre Stimme war weich, doch sie trug eine klare, unmissverständliche Haltung. Shinichi ließ ihren Arm noch nicht sofort los.
„Ich glaube, du hast da etwas missverstanden“, fuhr er fort und hielt ihren Blick fest.
„Du gibst hier nicht den Ton an.“ Seine Worte waren ruhig gesprochen, aber scharf genug, um die Absicht dahinter deutlich zu machen. Ran neigte den Kopf leicht zur Seite, ohne den Blickkontakt zu unterbrechen. Das Lächeln blieb bestehen, doch in ihren Augen lag dieses bekannte Funkeln.
„Überschätz dich nicht. Dieses Feuer ist zu heiß für dich.“, sagte sie ruhig. Es war keine Drohung, zumindest klang es nicht so. Doch gerade diese Gelassenheit verlieh ihren Worten Gewicht. Der Mann neben ihnen war längst zur Nebensache geworden. Er stand noch da, sichtbar irritiert, doch keiner von beiden schenkte ihm weitere Beachtung. Alles konzentrierte sich auf diesen einen Moment zwischen ihnen. Shinichis Blick veränderte sich minimal, als würde er sie neu einschätzen. Dann ließ er ein leises, fast unmerkliches Ausatmen folgen.
„Du willst spielen? Shinichis Blick veränderte sich kaum merklich, als würde er sie in diesem Moment neu einschätzen. Ein kontrolliertes Lächeln legte sich auf seine Lippen.
„Dann spielen wir.“ Mit diesen Worten ließ er ihren Arm los. Langsam trat er einige Schritte zurück, ohne den Blick von ihr abzuwenden. Die Distanz zwischen ihnen wuchs wieder, doch die Spannung blieb bestehen und schien sich sogar noch zu verdichten. Ran erwiderte seinen Blick unverändert, aufmerksam und erwartungsvoll, als würde sie genau darauf warten, was er als Nächstes tun würde. Dann wandte sich Shinichi scheinbar beiläufig zur Seite. Sein Blick fiel auf eine Frau mit kurzen schwarzen Haaren und feinen blauen Strähnen, mit der er bereits zuvor am Abend gesprochen hatte. Er trat zu ihr und begrüßte sie knapp mit einem leisen „Hey“, bevor er sie ohne weiteres Zögern näher zu sich zog und küsste. Die Frau reagierte zunächst überrascht, doch diese Überraschung wich schnell. Sie schloss die Augen und erwiderte den Kuss, ohne sich zurückzuziehen. Währenddessen hob Shinichi den Blick. Direkt zu Ran. Ein schiefes Grinsen lag auf seinen Lippen, während er ihre Reaktion genau beobachtete. Ran bewegte sich zunächst nicht, doch dann drehte sie sich einfach um, als wäre nichts gewesen. Sie wandte sich wieder dem Mann an der Bar zu, und ein zuckersüßes Lächeln erschien auf ihren Lippen.
„Du wolltest mir gerade noch etwas erzählen, oder?“, sagte sie leicht.
Der Mann reagierte sofort und griff das Gespräch wieder auf.
„Ja, genau...“, begann er, doch Ran trat bereits einen Schritt näher.
„Ich bin gespannt“, fügte sie hinzu, während ihre Hand scheinbar zufällig seine berührte. Shinichi löste den Kuss langsam und richtete seine Aufmerksamkeit sofort wieder auf Ran. Sein Blick blieb an ihr hängen, während er jede ihrer Bewegungen beobachtete. Er sah, wie sie lachte.
„Du bist wirklich charmant“, sagte sie mit einem leichten Lächeln, während sie den Kopf ein wenig zur Seite neigte. Der Mann grinste zufrieden. Ran ließ ihre Finger langsam über seinen Arm gleiten und lehnte sich ein Stück näher zu ihm, als würde sie sich ganz bewusst auf das Spiel einlassen. Nicht mit ihm, sondern mit Shinichi. Shinichis Ausdruck verhärtete sich. Dann bemerkte er die Hand des Mannes, die sich auf ihr nacktes Bein legte. In ihm spannte sich alles an. Ohne ein weiteres Wort ließ er die Frau, die noch vor ihm stand, einfach zurück. Mit schnellen, entschlossenen Schritten überbrückte er die Distanz zur Bar. Und im nächsten Moment war er bei ihnen. Mit einer harten Bewegung schlug er die Hand des Mannes von Rans Bein. Stellte sich bewusst zwischen den Beiden. Der Mann zuckte irritiert zurück.
„Hey, was soll das?!“ Shinichis Blick war kalt, als er ihn ansah.
„Fass sie nicht an“, sagte er ruhig. Seine Stimme war leise, aber unmissverständlich.
Der Mann hob leicht eine Augenbraue und richtete sich vor Shinichi auf, ohne auch nur einen Schritt zurückzuweichen. In seinem Blick lag eine klare Haltung, als er kühl entgegnete.
„Ich glaube, das geht dich nichts an.“ Er verschränkte die Arme locker vor der Brust und sah ihn direkt an.
„Was zwischen ihr und mir passiert oder nicht passiert, entscheidet sie selbst.“ Shinichis Augen verengten sich bei diesen Worten. Für einen kurzen Moment blitzte etwas in seinem Blick auf, das er selbst nicht sofort einordnen konnte. Es war nicht nur seine gewohnt kontrollierende Art, die ihn reagieren ließ. Da war noch etwas anderes, etwas Unruhigeres, das sich unter die Oberfläche mischte.
Eifersucht. Der Gedanke war da, verschwand aber genauso schnell wieder, weil der Alkohol längst schneller war als jede klare Überlegung.
„Halt dich einfach von ihr fern“, sagte Shinichi scharf. Ohne weiter zu zögern stieß er den zurück. Die Bewegung kam plötzlich. Der Mann stolperte einen Schritt zurück, fing sich jedoch sofort wieder und richtete sich erneut auf. Sein Blick wurde härter, während er sich wieder nach vorne bewegte. Doch bevor die Situation weiter eskalieren konnte, traten zwei andere Personen dazwischen.
„Okay, reicht jetzt“, sagte Heiji und hob beschwichtigend die Hände, während er sich zwischen die beiden stellte. Gleichzeitig trat Kaito direkt vor Shinichi und legte ihm eine Hand gegen die Brust, um ihn zurückzuhalten.
„Jetzt beruhig dich mal“, murmelte er, sein Ton halb ernst, halb angespannt. Der Mann ließ den Blick noch einmal zwischen ihnen hin und her wandern, bevor er sich schließlich an Ran wandte.
„Weißt du was?“, sagte er mit einem genervten Schnauben.
„Das ist mir zu blöd.“ Er schüttelte leicht den Kopf.
„Mach’s gut.“ Ohne auf eine Antwort zu warten, drehte er sich um und entfernte sich aus der Situation. Heiji ließ langsam die Hände sinken und atmete einmal durch, bevor er sich zu Shinichi drehte.
„Was war das denn bitte?“, fragte er und sah ihn prüfend an. Shinichi antwortete nicht sofort. Sein Blick folgte noch immer dem Mann, sein Kiefer war angespannt. Erst nach einem Moment wandte er den Kopf zur Seite. Dorthin, wo Ran gestanden hatte. Doch sie war nicht mehr da. Sein Blick suchte die Umgebung, glitt über die Menge, bis er sie schließlich wiederfand. Sie war zurück in der VIP-Lounge, bei den anderen. Für einen kurzen Moment blieb sein Blick an ihr hängen.
Dann nahm er erst richtig wahr, dass Heiji und Kaito noch immer neben ihm standen.
„Was ist jetzt dein Problem gewesen?“, fragte Kaito und zog eine Augenbraue hoch. Shinichi zuckte mit den Schultern, als wäre es nichts weiter gewesen.
„Der Typ hat sie belästigt“, sagte er knapp.
„Ich bin nur dazwischen gegangen.“ Sein Ton ließ keinen Raum für Diskussion. Für ihn war das Erklärung genug. Ohne weiter darauf einzugehen, setzte er sich in Bewegung und ging zurück durch die Menge in Richtung VIP-Lounge. Heiji sah ihm kurz nach und tauschte dann einen Blick mit Kaito.
„Belästigt, ja?“, murmelte Heiji leise. Kaito schnaubte amüsiert.
„Klar.“ Für einen kurzen Moment hielten sie den Blickkontakt, bevor beide gleichzeitig losgingen und ihm zurück zur VIP-Lounge folgten, wo die drei Frauen bereits warteten.
Shinichi trat in die VIP-Lounge, dicht gefolgt von Kaito und Heiji. Kaum hatte er den abgesperrten Bereich betreten, fiel sein Blick sofort auf Ran. Sie saß zwischen Kazuha und Aoko, ein Glas locker in der Hand, während sie sich mit ihnen unterhielt. Für einen kurzen Moment hob sich ihr Blick nur kurz und traf seinen. Dann wandte sie sich bewusst wieder ab und widmete sich erneut ihren Freundinnen, als hätte dieser Blick nie stattgefunden. Shinichis Ausdruck blieb ruhig, doch etwas darin verhärtete sich. Ohne ein Wort ging er weiter und ließ sich ein Stück entfernt von ihr auf die Couch sinken. Seine Hand griff nach dem Glas auf dem Tisch, das noch halb gefüllt war und er hob es an, beinahe automatisch. Kaito und Heiji setzten sich neben ihn. Beide sahen ihn erwartungsvoll an. Shinichi bemerkte ihre Blicke, stoppte die Bewegung und hielt das Glas einen Moment vor seinem Mund, bevor er zwischen ihnen hin und her sah.
„Was?“, fragte er knapp. Kaito zog eine Augenbraue hoch und ließ ein trockenes Schnauben hören.
„Was was?“, entgegnete er.
„Du bist den ganzen Abend schon angepisst.“ Heiji verschränkte die Arme locker vor der Brust und musterte ihn aufmerksam.
„Und dann legst du dich mit irgendeinem Typen an“, fügte er hinzu
„Das ist nicht wirklich dein Stil.“ Ein kurzer Moment Stille entstand zwischen ihnen. Shinichi hielt ihren Blick stand, bevor er das Glas ansetzte und den restlichen Inhalt in einem Zug hinunterkippte.
Für einen Augenblick glitt sein Blick wieder zu Ran. Sie lachte als wäre nichts gewesen. Sein Kiefer spannte sich minimal an, bevor er sich wieder Kaito und Heiji zuwandte.
„Sie war das“, sagte er schließlich ruhig. Kaito blinzelte irritiert. „Wovon redest du?“ Shinichi ließ sich einen kurzen Moment Zeit, bevor er antwortete.
„Die Frau von heute Morgen. Es war Ran.“ Die Worte blieben einen Moment im Raum stehen. Kaito riss die Augen leicht auf und sah sofort zu Ran hinüber, bevor er wieder zu Shinichi zurückblickte. „Ran?“, fragte er ungläubig.
„Ernsthaft?“ Heiji nickte langsam, als würde sich für ihn gerade etwas zusammenfügen.
„Ah…“, murmelte er.
„Deswegen bist du heute so ein Idiot.“ Shinichi lehnte sich leicht zurück, seine Haltung wirkte kontrolliert, beinahe gleichgültig.
„Ich musste ihr nur klar machen, wie das hier läuft“, sagte er knapp.
Kaito ließ ein leises, skeptisches Lachen hören.
„So sieht das bei dir aus, ja?“, meinte er und schüttelte amüsiert den Kopf. Heiji sah ihn weiterhin ruhig an.
„Klingt eher so, als hätte sie dir gerade was klar gemacht.“ Ein kurzer, direkter Blick traf Shinichi. Sein Ausdruck veränderte sich kaum, doch etwas darin wurde kühler.
„Übertreib nicht“, entgegnete er ruhig. Sein Blick wanderte erneut zu Ran. Sie saß noch immer zwischen den anderen, vollkommen entspannt und in ihr Gespräch vertieft. Sie sagte etwas, worauf Kazuha sofort lachte, während Aoko sich näher zu ihr beugte. Und kein einziges Mal sah sie zu ihm. Shinichis Finger schlossen sich langsam um das leere Glas in seiner Hand. Für ihn war klar, was das hier war. Ein Machtspiel zwischen ihnen. Und er hatte nicht vor, es zu verlieren. Doch selbst während er diesen Gedanken festhielt, ließ sich etwas anderes nicht verdrängen. Die Eifersucht, die ihn zuvor getroffen hatte, war nicht verschwunden. Sie war noch da. Sein Blick blieb erneut an Ran hängen. Diesmal ein wenig zu lange und deutlich intensiver, als er es sich selbst eingestehen wollte.
Heiji und Kaito waren längst wieder in ein Gespräch mit den Frauen vertieft, ihre Stimmen vermischten sich mit dem dumpfen Klang der Musik, während immer wieder leises Lachen aufkam. Die Stimmung wirkte gelöst, beinahe so, als hätte es die angespannte Situation zuvor nie gegeben. Shinichi saß etwas abseits auf der Couch und hatte sich wieder seinem Getränk zugewandt. Ohne groß darüber nachzudenken, hob er das Glas an und nahm einen Schluck. Sein Blick war zunächst gesenkt, doch noch während er trank, hob er ihn leicht und sah über den Rand des Glases hinweg zu Ran. In genau diesem Moment trafen sich ihre Blicke. Es war kein Zufall. Keiner von beiden wich aus. Für einen kurzen Augenblick schien alles andere in den Hintergrund zu rücken. Die Gespräche, das Lachen, die Musik... all das verlor an Bedeutung, während sich ihre Aufmerksamkeit ausschließlich aufeinander richtete. In Rans Augen lag dieses vertraute Funkeln. Herausfordernd, wach und begleitet von einem leichten Lächeln, das sich langsam auf ihren Lippen ausbreitete, als würde sie genau wissen, welche Wirkung sie hatte. Shinichi hielt ihren Blick. Seine Augen verengten sich leicht, während er das Glas langsam wieder sinken ließ. In seinem Ausdruck lag nun eine klare Entschlossenheit. Das Spiel zwischen ihnen war nicht vorbei. Es hatte gerade erst begonnen.
Kein Spiel mehr
Die Bässe lagen schwer und drückend in der Luft, als würden sie sich nicht nur durch den Raum, sondern durch jeden einzelnen Körper ziehen. Das Licht flackerte träge über die Tanzfläche, tauchte alles abwechselnd in dunkles Blau und gedämpftes Violett, ließ Konturen verschwimmen und Bewegungen weicher erscheinen, als wären sie nur ein flüchtiger Eindruck. Auf der Couch saß Kazuha quer auf Heijis Schoß, ihre Knie leicht an seine Hüfte gezogen, während ihre Arme locker um seinen Nacken lagen. Seine Hand ruhte fest auf ihrem Oberschenkel, hielt sie nah bei sich, während ihre Lippen sich immer wieder fanden. Mal langsam, beinahe spielerisch, dann wieder intensiver, ungeduldiger, als würden sie sich gegenseitig keine Pause gönnen wollen. Ein leises Lachen entwich ihr zwischen zwei Küssen, doch es verlor sich sofort wieder, als sie sich erneut zu ihm beugte, ihre Stirn kurz gegen seine lehnte, bevor sie ihn wieder küsste, vollkommen in ihrer eigenen Welt gefangen. Von Kaito und Aoko war nichts mehr zu sehen. Noch vor wenigen Minuten hatte er ihre Hand genommen und sie ohne großes Zögern aus der Lounge geführt. Sie hatte sich mitziehen lassen, ein kurzes, amüsiertes Lächeln auf den Lippen, doch ihre Entscheidung war klar gewesen. Ein Ort abseits der Blicke, ein Raum, der nicht von anderen geteilt wurde. Während Shinichi noch immer an derselben Stelle auf der Couch saß, leicht zurückgelehnt, ein Bein locker nach vorne gestellt. Das Glas in seiner Hand war halb gefüllt, doch die Flüssigkeit darin bewegte sich kaum. Seine Finger hielten es, ohne wirklich darauf zu achten. Sein Blick war längst nicht mehr bei den anderen. Er lag auf Ran. Sie stand vorne am Geländer der VIP-Lounge, leicht darüber gebeugt, die Hände locker darauf gestützt, während sie auf die tanzende Menge unter sich hinabsah. Ihr Körper war ruhig, beinahe entspannt, als würde sie einfach nur beobachten, als würde sie sich für einen Moment aus allem herausziehen. Doch dann... nur ein kleiner Moment... bewegte sich ihr Blick zur Seite. Sie hatte ihn längst bemerkt. Ohne den Kopf zu drehen. Ohne eine offensichtliche Reaktion. Nur dieses feine Wahrnehmen. Sie blieb noch einen Atemzug so stehen, ließ die Sekunden verstreichen, als würde sie genau entscheiden, wann sie reagierte. Dann richtete sie sich langsam auf. Ihre Schultern spannten sich leicht, als sie sich vom Geländer löste, und mit einer ruhigen, kontrollierten Bewegung drehte sie sich um.
Ihr Blick traf ohne zögern seinen. Ein leises, fast spielerisches Funkeln lag in ihren Augen, als hätte sie genau auf diesen Moment gewartet. Die Musik lief weiter, die Bässe pulsierten durch den Raum, und genau in diesem Rhythmus begann sie sich langsam zu bewegen. Es war nichts auffälliges. Und genau deshalb unmöglich zu ignorieren. Ihre Hände glitten noch einmal über das Geländer, als würde sie sich daran entlangführen, ihre Finger strichen leicht darüber, bevor sie es schließlich losließ. Die Bewegung war ruhig, beinahe nebensächlich, doch ihr Blick blieb fest auf ihm. Dann setzte sie sich in Bewegung. Ein Schritt. Noch einer. Nicht direkt, nicht hastig, sondern so, als würde sie einfach dem Takt folgen und doch war jede Bewegung auf ihn ausgerichtet. Shinichi bewegte sich nicht.
Sein Blick blieb unverändert auf ihr, ruhig und gleichzeitig viel zu aufmerksam. Seine Augen verengten sich leicht, als würde er sie genauer erfassen wollen, als würde er jedes Detail in sich aufnehmen. Ran ließ ihren Körper weiter im Rhythmus der Musik arbeiten. Ihre Hüften bewegten sich langsam, kontrolliert, folgten dem Beat mit einer Selbstverständlichkeit, die nichts Gezwungenes hatte. Es wirkte nicht wie ein Auftritt... eher wie etwas, das ganz natürlich aus ihr heraus entstand. Ihre Hände glitten langsam an den Seiten ihres Körpers nach oben. Ihre Finger streiften über den Stoff, folgten der Linie ihres Körpers, bis sie schließlich in ihrem Haar verschwanden. Für einen Moment blieben sie dort, hielten die Bewegung fest, während ihr Blick ihn nicht losließ. Ein kaum sichtbares Lächeln zog über ihre Lippen. Dann biss sie sich leicht darauf. Nicht übertrieben. Nur ein kurzer, flüchtiger Moment. Aber er reichte um Shinichis Haltung minimal zu verändern. Seine Schultern spannten sich leicht an, sein Griff um das Glas wurde fester, während sein Blick sich noch stärker auf sie fokussierte. Alles andere im Raum verlor an Bedeutung, wurde zu Hintergrundrauschen. Er sagte nichts. Bewegte sich nicht. Und doch war vollkommen klar, dass er sie nicht mehr aus den Augen ließ. Und dass das, was sich zwischen ihnen abspielte, längst nichts mehr mit dem Raum um sie herum zu tun hatte.
Ran lächelte ihn an, beinahe genüsslich, als würde sie den Moment auskosten. In ihrem Blick lag ein ruhiges Wissen, eine Sicherheit, die keinen Zweifel zuließ. Sie wusste genau, was sie tat. Und sie wusste genau, was sie bei ihm auslöste. Der ganze Abend hatte darauf hingearbeitet. Jede Begegnung, jeder Blick, jede beiläufige Berührung hatte dieses Spiel weiter angeheizt. Dieses unausgesprochene Kräftemessen, bei dem keiner von beiden nachgegeben hatte. Doch jetzt lag etwas anderes in der Luft. Etwas Deutlicheres. Sie wollte ihm zeigen, wie weit sie gehen konnte. Und wie sehr er bereits reagierte.
Langsam setzte sie sich in Bewegung. Ihre Schritte waren ruhig, fast lautlos im dröhnenden Bass, doch ihre Präsenz war unmöglich zu übersehen. Ihr Körper bewegte sich weiterhin fließend im Takt, als würde die Musik direkt kontrollierend durch sie hindurchlaufen. Ihr Blick blieb ununterbrochen auf ihm. Als gäbe es nichts anderes mehr in diesem Raum. Mit jedem Schritt kam sie näher, bis sie schließlich direkt vor ihm stand. Für einen kurzen Moment verharrte sie dort, ließ die fast greifbare Spannung zwischen ihnen stehen. Dann hob sie langsam die Hände. Ihre Finger legten sich leicht auf seine Schultern, aber bestimmt, als würde sie ihn genau dort festhalten wollen. Die Berührung war warm, bewusst gesetzt, und sie blieb einen Atemzug lang so stehen, während ihr Blick seinen festhielt. Dann ließ sie sich auf seinen Schoß sinken. Die Bewegung war weich, kontrolliert, beinahe mühelos, als hätte sie diesen Moment längst geplant. Ihre Hüften fanden sofort wieder den Rhythmus der Musik, bewegten sich gleichmäßig, während sie auf ihm saß. Der Abstand zwischen ihnen war verschwunden. Ihr Gesicht war nah. Zu nah, um es zu ignorieren. Shinichis Blick folgte unweigerlich der Bewegung ihrer Hüften, blieb dort einen Moment hängen, bevor er sich zwang, wieder nach oben zu wandern. Zu ihrem Gesicht. Zu ihren Augen. Er hielt diesen Blick.
Doch seine Ruhe war nur Oberfläche. Seine Hände hoben sich, fast wie von selbst, fanden ihren Weg an ihre Taille. Seine Finger legten sich um sie, als wäre es die einzige logische Reaktion auf ihre Nähe.
Doch genau in diesem Moment entzog sie sich. Mit einer einzigen, fließenden Bewegung löste sie sich von ihm, stand auf und drehte ihm den Rücken zu. Es wirkte nicht wie ein Rückzug. Es wirkte wie eine Fortsetzung. Als würde sie ihn bewusst zurücklassen. Genau dort. Sie ging keinen Schritt weg. Stattdessen senkte sie sich langsam in die Hocke. Ihr Rücken blieb aufrecht, ihre Bewegungen präzise, während ihre Hüften weiterhin dem Takt folgten. Jede Bewegung war fast schon elegant in ihrer Selbstverständlichkeit. Dann richtete sie sich langsam wieder auf. Wirbel für Wirbel. Als würde sie ihm jede einzelne Bewegung zeigen. Shinichi schluckte kaum hörbar. Doch in seinem Blick lag etwas, das zuvor nicht da gewesen war. Seine Kontrolle begann zu bröckeln. Er spürte es deutlich. Sein Griff um das Glas wurde fester, bevor er langsam ausatmete, tief, kontrolliert, als würde er sich selbst wieder sammeln.
Dann stand er auf. Die Bewegung war ruhig, fast zu ruhig, als würde er jede Regung unter Kontrolle halten wollen. Ohne ein Wort. Ohne sie anzusehen. Ran blieb stehen, noch im Rhythmus der Musik, mit dem klaren Gefühl, dass er jetzt reagieren würde. Dass er auf sie zugehen würde. Dass er dieses Spiel weiterführen würde. Doch er tat es nicht.
Stattdessen stellte er sein Glas langsam auf den Tisch zurück. Die Flüssigkeit darin bewegte sich leicht, fing das Licht ein, bevor alles wieder still wurde. Und dann ging er. Einfach so. Er drehte sich nicht um. Sein Blick blieb geradeaus gerichtet, während er sich seinen Weg durch die Lounge bahnte. Die Musik, das Licht, die Stimmen... all das schien an ihm vorbeizugehen, ohne ihn noch zu erreichen. Er verließ die VIP-Lounge. Ließ sie zurück. Und mit ihr die Spannung, die noch immer zwischen ihnen hing.
Shinichi trat aus dem Club, und sofort legte sich die kühle Nachtluft über seine Haut, schnitt klar durch die aufgeladene Hitze, die er noch aus der Lounge mit sich trug. Für einen Moment blieb er einfach stehen, als müsste sein Körper erst begreifen, dass der Lärm, die Enge und das flackernde Licht hinter ihm lagen. Dann schloss er die Augen und atmete tief ein. Die Luft war frei von allem, was ihn drinnen umgeben hatte, und dennoch hing die Spannung noch in ihm, festgesetzt, nicht so leicht abzuschütteln. Langsam ließ er den Atem wieder entweichen und öffnete die Augen. Sein Blick hob sich in den Nachthimmel, beinahe still im Gegensatz zu dem Chaos im Inneren. Mit einer ruhigen Bewegung lehnte er sich seitlich an die Mauer, ließ eine Schulter dagegen sinken, als würde er sich äußerlich entspannen, während er innerlich noch immer gegen das ankämpfte, was sie in ihm ausgelöst hatte. Er musste sich sammeln. Musste die Kontrolle wiederfinden. Er würde nicht so reagieren, wie sie es wollte.
Nicht so. Die Tür hinter ihm öffnete sich erneut, und für einen kurzen Moment brach das Dröhnen der Musik wieder nach draußen, begleitet von flackerndem Licht und Stimmen, die sofort wieder verstummten, als sich die Tür schloss. Ran trat hinaus. Das Licht aus dem Club glitt noch einen Augenblick über sie, bevor es verschwand und sie in die ruhigere Dunkelheit der Nacht eintauchte. Sie blieb einen Moment stehen, als würde sie sich orientieren, als würde sie den Wechsel zwischen den beiden Welten bewusst wahrnehmen. Sie hatte ihn noch nicht bemerkt. Shinichis Blick lag bereits auf ihr. Er verfolgte jede noch so kleine Bewegung, ohne sich selbst zu rühren, als wäre er ein Teil der Umgebung geworden. Erst als sie sich ein Stück weiter bewegte, ließ er seine Stimme in die Stille fallen.
„Bist du so besessen von mir… dass du mich jetzt schon verfolgst?“
Seine Worte durchbrachen die Ruhe, ruhig gesprochen, fast beiläufig und doch präzise genug, um sie sofort zu erreichen. Ran blieb stehen. Die Bewegung stoppte nicht abrupt, sondern glitt langsam aus, als würde sie sich erst bewusst werden, was sie gehört hatte. Dann drehte sie sich um und ihr Blick fand ihn sofort. Er lehnte noch immer an der Wand, scheinbar entspannt, die Haltung locker, fast gleichgültig... doch seine Augen lagen fest auf ihr, wach, aufmerksam, viel zu präsent, um wirklich unbeteiligt zu wirken. Ein leichtes Grinsen zog sich über ihre Lippen, während sie auf ihn zuging. Schritt für Schritt. Nicht hastig. Nicht zögerlich. Ihre Bewegungen hatten etwas Ruhiges, etwas Kontrolliertes, als würde sie genau wissen, dass er sie beobachtete und genau das wollte.
„Wenn das so wäre…“, begann sie, ihre Stimme ruhig, weich und dennoch klar,
„dann wärst du nicht so entspannt.“ Sie blieb vor ihm stehen. Nah genug, um seine Präsenz zu spüren.
„Und du hättest mich auch nicht bemerkt.“ Für einen kurzen Moment sagte keiner von beiden etwas. Dann schmunzelte Shinichi leise. Sein Blick glitt über ihr Gesicht, langsamer diesmal, bewusster, als würde er jedes Detail aufnehmen. Das Mondlicht legte sich weich über ihre Züge, ließ sie anders wirken als im Club... ruhiger, klarer, und genau deshalb noch schwerer zu ignorieren. Er stieß sich von der Wand ab.
Die Bewegung war ruhig, doch sie veränderte sofort die Distanz zwischen ihnen. Die wenigen Schritte, die er auf sie zuging, fühlten sich enger an, als würde sich die Luft zwischen ihnen verändern. Er blieb direkt vor ihr stehen und beugte sich leicht zu ihr. Sein Blick hielt ihren fest, während seine Stimme leiser wurde.
„Du bist ziemlich gut in diesem Spiel…“ Ein kurzer Moment verstrich.
„…aber ich spiele längst nicht mehr.“ Ran hob leicht eine Augenbraue.
Ein feiner Zweifel lag für einen Augenblick in ihrem Blick, kaum greifbar, bevor er wieder von dieser vertrauten Gelassenheit überdeckt wurde. Sie musterte ihn, als würde sie seine Worte prüfen, als würde sie nach dem suchen, was wirklich dahinter lag. Dann ließ sie ein leichtes, fast herausforderndes Lächeln folgen.
„Ach ja?“, erwiderte sie ruhig.
„Und ich soll dir das einfach glauben?“ Ihre Stimme blieb leicht, beinahe spielerisch und doch lag darunter etwas anderes, etwas, das sie nicht ganz aussprach. Shinichis Augen verengten sich leicht. Ein kurzer Moment. Dann griff er nach ihrem Handgelenk. Die Bewegung kam plötzlich, aber nicht unkontrolliert. Seine Finger schlossen sich fest um sie, und mit einer fließenden, sicheren Bewegung zog er sie zu sich und drehte sie herum. Ihr Rücken traf auf die kühle Mauer. Ran hielt inne. Ein kurzer, unerwarteter Moment. Nur ein Atemzug, der sich veränderte. Im nächsten Moment stand er dicht vor ihr. Zu nah. Seine Präsenz war unmittelbar, ließ kaum Raum zwischen ihnen. Sein intensiver Blick traf ihren, während er sich leicht zu ihr vorbeugte. Ran spürte seinen warmen Atem an ihrer Wange. Kontrastierend zur kühlen Nachtluft. Er senkte den Kopf ein Stück weiter, bis seine Lippen nah an ihrem Ohr waren.
„Hör auf so zu tun…“, murmelte er leise, seine Stimme ruhig, aber mit einer Schärfe, die sich nicht überhören ließ,
„…als würdest du das nicht genauso wollen.“ Die Worte blieben unausweichlich zwischen ihnen hängen. Als sie sich wieder ansahen, hatte sich etwas verändert. Ihr Blick war weniger verspielt als zuvor. Für einen Moment war da keine Bewegung, nur dieses direkte Aufeinandertreffen. Ran brauchte einen Moment. Man konnte es sehen. Dann fing sie sich wieder. Ihr Lächeln kehrte zurück, doch es war feiner, weniger offensichtlich, als hätte es etwas von seiner Leichtigkeit verloren.
„Pass auf…“, sagte sie leise, ihre Stimme ruhiger, fast sanft,
„dass du nicht das verlierst, was du so unbedingt behalten willst.“ Ein letzter Blick. Dann entzog sie ihm ihr Handgelenk. Die Bewegung war kontrolliert, als hätte sie sich bewusst dafür entschieden, genau jetzt zu gehen. Sie trat einen Schritt zur Seite, ließ den Abstand wieder entstehen, ohne ihn aus den Augen zu lassen. Dann drehte sie sich um und ging zurück zur Tür. Als sie sie öffnete, brach das Licht aus dem Club erneut nach draußen, schnitt durch die Dunkelheit, vermischte sich für einen kurzen Moment mit der Nacht. Doch bevor sie verschwand, drehte sie den Kopf noch einmal leicht über die Schulter. Ihr Blick traf seinen. Ein letzter, bewusster Moment. Dann ging sie hinein. Die Tür fiel hinter ihr zu. Drinnen blieb sie stehen, lehnte sich für einen kurzen Moment gegen die Wand, als müsste sie sich sammeln. Ihr Atem war ruhiger, als er sich anfühlte, doch ihr Herz schlug spürbar schneller. Draußen rührte sich Shinichi nicht. Sein Blick blieb auf die Tür gerichtet, auf den Punkt, an dem sie verschwunden war. Und langsam, kaum merklich, legte sich ein leises Lächeln auf seine Lippen.
Eine Woche später lag warmes, klares Sonnenlicht über dem Anwesen der Familie Kudo und floss durch die hohen Fenster des Esszimmers, wo es sich weich auf der glänzenden Oberfläche des massiven Holztisches brach. Staubkörner tanzten träge im Licht, während draußen absolute Ruhe herrschte. Am Tisch saß Yusaku, aufrecht, vollkommen vertieft in die Unterlagen vor sich. Seine Finger hielten die Seiten präzise, während sein Blick konzentriert darüber glitt, als würde alles andere im Raum nur nebensächlich existieren. Neben ihm saß Yukiko, die ihre Teetasse mit beiden Händen hielt. Der feine Dampf stieg langsam auf, während sie einen kleinen Schluck nahm und ihn dabei aus dem Augenwinkel beobachtete, ohne ihn zu stören. Die Tür öffnete sich leise. Yui trat ein, beinahe lautlos, als wäre sie Teil der Stille dieses Hauses. In ihren Händen hielt sie die Teller, aus denen noch der feine Dampf des frisch zubereiteten Essens aufstieg. Der Duft von Wagyu-Steak und gebratenem Gemüse legte sich langsam in den Raum, warm und einladend, ohne die ruhige Atmosphäre zu durchbrechen. Mit geübten, fließenden Bewegungen stellte sie die Teller auf den Tisch. Das leise Aufsetzen von Porzellan war das einzige Geräusch, das den Raum für einen Moment füllte. Ohne den Blick von seinen Unterlagen zu heben, sprach Yusaku.
„Yui, geh bitte hoch und weck Shinichi“, sagte er ruhig, beinahe nebenbei.
„Er kann ruhig auch einmal am Familienleben teilnehmen.“ Yui hatte gerade den letzten Teller abgestellt, als ihre Bewegung für einen kurzen Moment innehielt. Ihre Finger lagen noch leicht am Rand des Tellers, während sie einen Atemzug lang still verharrte. Langsam hob sie den Blick. Zuerst zu Yukiko, die sie ruhig ansah. Dann zu Yusaku.
„Verzeihung“, sagte sie leise. Erst jetzt hob Yusaku den Kopf. Sein Blick löste sich von den Unterlagen und richtete sich direkt auf sie.
„Shinichi hat das Haus bereits vor einigen Stunden verlassen.“ Die Worte legten sich ruhig in den Raum. Für einen kurzen Moment passierte nichts. Dann zog sich Yusakus Stirn leicht zusammen. Die Unterlagen vor ihm verloren an Bedeutung, während sich seine Aufmerksamkeit nun vollständig auf diese Information richtete. Auch Yukiko hielt in ihrer Bewegung inne, die Teetasse noch in der Hand, ihr Blick nun offen auf Yui gerichtet.
„Ist das so?“, fragte Yusaku ruhig.
„Ja“, antwortete Yui.
„Weißt du, wohin er gegangen ist?“ Ein kaum merkliches Kopfschütteln.
„Nein.“ Die Stille kehrte zurück. Yusaku sah sie noch einen Moment an, als würde er die Situation gedanklich einordnen. Dann nickte er knapp.
„Okay. Danke Yui.“ Yui verbeugte sich leicht.
„Ich wünsche Ihnen einen guten Appetit.“ Ohne ein weiteres Geräusch verließ sie den Raum, die Tür schloss sich ebenso leise hinter ihr, wie sie sich zuvor geöffnet hatte. Für einen Moment blieb es still. Nur das gedämpfte Licht, der aufsteigende Dampf des Essens und die beiden am Tisch. Yusaku lehnte sich minimal zurück, seine Hand ruhte nun still auf den Unterlagen, die er nicht mehr betrachtete. Sein Blick wanderte zu Yukiko, und in seinen Augen lag eine feine, kaum verborgene Irritation.
„Das ist ungewöhnlich“, sagte er schließlich. Yukiko stellte ihre Tasse langsam ab. Ein leises Klirren war zu hören, als Porzellan auf Holz traf. Ein amüsiertes Funkeln trat in ihre Augen, bevor sich ein leises Kichern von ihren Lippen löste.
„Vielleicht ist er ja verliebt“, sagte sie mit einem spielerischen Unterton. Yusaku sah sie einen Moment lang einfach nur an. Dann entwich ihm ein kurzes, raues Lachen. Er schüttelte kaum merklich den Kopf, ein kleines, ungläubiges Schmunzeln lag auf seinen Lippen.
„Shinichi?“, erwiderte er trocken. Ein kurzer Moment verstrich, bevor er den Blick wieder senkte.
„Das glaube ich eher weniger.“
Währenddessen saß der junge Kudo gemeinsam mit Kaito und Heiji an einem Tisch im MO-MO-PARADISE. Die Luft über dem Tisch war erfüllt von aufsteigendem Dampf, der sich in sanften, unregelmäßigen Schwaden nach oben zog und das Licht der Deckenlampen weich brach. Das leise Blubbern der Brühe in den Hot-Pot-Töpfen mischte sich mit gedämpften Stimmen aus dem Raum, während das Klirren von Geschirr immer wieder kurz aufflackerte und sofort wieder im Hintergrund verschwand. Auf dem Tisch standen Teller mit fein geschnittenem Fleisch, frischem Gemüse und kleinen Schälchen mit Saucen, die bereits teilweise geleert waren. In der Mitte lag ein schmaler Teller mit Thunfisch-Sashimi, auf dem nur noch ein einzelnes Stück übrig geblieben war. Kaito beugte sich leicht nach vorne, seine Stäbchen griffen ohne zu zögern danach. Mit einer selbstverständlichen Bewegung hob er das letzte Stück an und ließ es sich schmecken, während sich ein zufriedenes, fast schiefes Grinsen auf seine Lippen legte.
„Zu langsam“, murmelte er beiläufig, während er sich wieder zurücklehnte. Heiji war davon vollkommen unbeeindruckt. Er war mitten in seiner Geschichte, seine Stimme lebhaft, fast schon zu laut für die ruhige Atmosphäre, während seine Hände jede seiner Aussagen unterstrichen. Er beugte sich vor, richtete sich wieder auf, machte eine kurze, übertriebene Geste mit der Hand, als würde er die Szene vor ihnen sichtbar machen.
„Und dann...“, setzte er an, hielt für einen Moment inne, als würde er den richtigen Zeitpunkt abpassen,
„...hat der Typ ernsthaft gedacht, er kommt damit durch.“ Shinichi lehnte sich leicht zurück, das Glas locker in der Hand, und beobachtete ihn einen Moment, bevor ein Lachen über seine Lippen kam. Es war kein lautes Auflachen, eher ein ruhiger, ehrlicher Ton, der sich ganz selbstverständlich in die Situation einfügte.
„Klingt eher so, als hätte er keine Ahnung gehabt, mit wem er sich anlegt“, sagte er trocken. Heiji grinste breit, sofort wieder in der Geschichte gefangen.
„Genau das hab ich ihm auch gesagt.“ Ein kurzes Lachen ging durch die Runde, locker, ungezwungen. Die Spannung, die sonst oft zwischen ihnen lag, war verschwunden. Stattdessen war da eine Leichtigkeit, die sich durch jedes Wort, jede Bewegung zog. Es war spürbar, dass sich etwas verändert hatte, ohne dass es ausgesprochen werden musste. Ein Kellner trat an den Tisch, leise genug, um die Unterhaltung nicht zu stören, und legte die Rechnung neben die Teller. Einer von ihnen griff danach, ein kurzer Blick, ein paar Handgriffe und es war schnell erledigt, ohne dass das Gespräch wirklich ins Stocken geriet. Nach und nach standen sie auf. Die Stühle schoben sich mit einem leisen Geräusch zurück, während sie sich vom Tisch lösten. Shinichi strich sich beiläufig über sein dunkelgraues Hemd, zog den Stoff leicht zurecht, als er sich aufrichtete. Heiji griff nach seiner Kappe, die neben ihm gelegen hatte, setzte sie wieder auf und zog den Schirm ein Stück tiefer. Kaito fuhr sich mit einer lässigen Bewegung über sein Shirt, als würde er etwas Unsichtbares glätten. Gemeinsam verließen sie das Restaurant. Die Tür schloss sich hinter ihnen, und mit ihr blieb die warme, dampfgeschwängerte Luft zurück. Draußen hatte die Dämmerung die Stadt bereits in ein weicheres Licht getaucht. Der Himmel war noch nicht ganz dunkel, doch die Sonne war längst hinter den Gebäuden verschwunden. Die ersten Lichter spiegelten sich in den Fenstern, Straßenlaternen begannen zu leuchten. Die Luft war frischer hier draußen, trug noch einen Hauch von Wärme, vermischt mit dem leichten Zug des Abends. Sie setzten sich in Bewegung, schlenderten nebeneinander die Straße entlang, ohne Eile. Ihre Schritte waren locker, beinahe im gleichen Rhythmus, während ihre Stimmen sich weiter durch die Luft zogen, unterbrochen von vereinzeltem Lachen. Es wirkte mühelos. Als würde sich alles ganz von selbst ergeben.
Es dauerte nicht lange, bis die drei Freunde den Club erreichten und durch den Eingangsbereich traten. Kaum hatten sie die Schwelle überschritten, legte sich die Musik mit voller Wucht über sie. Die Bässe waren tief, drückend, durchzogen den Boden und zogen sich spürbar durch den Körper, während das Licht in schnellen, unregelmäßigen Intervallen über die Menge flackerte und Gesichter, Bewegungen und Farben ineinander verschwimmen ließ. Die Luft war warm, schwer von Parfum, Alkohol und der Hitze der tanzenden Körper. Stimmen mischten sich mit dem Rhythmus, verloren sich jedoch sofort wieder im dominanten Klang der Musik. Ohne stehen zu bleiben, bewegten sie sich durch die Menge. Ihre Schritte waren sicher, vertraut, als würden sie diesen Weg schon lange kennen. Menschen wichen ihnen aus, ließen Lücken entstehen, die sich direkt hinter ihnen wieder schlossen. Heiji ging leicht voraus, Kaito folgte neben ihm, während Shinichi einen halben Schritt dahinter blieb, sein Blick ruhig, wach, ohne sich lange an etwas festzuhalten. Die VIP-Lounge lag erhöht, leicht abgesetzt vom Rest des Clubs. Von dort aus konnte man die tanzende Menge überblicken, ohne vollständig in ihr aufzugehen. Gedämpfteres Licht legte sich über den Bereich, doch die Bässe verloren nichts von ihrer Intensität. Gerade als Shinichi die Absperrung passieren wollte, schnitt eine weibliche Stimme durch den Lärm.
„Shinichi?“ Er blieb stehen. Die Bewegung kam nicht abrupt, sondern glitt aus, als hätte er den Schritt einfach nicht weitergeführt. Dann drehte er sich langsam um. Ein paar Schritte entfernt stand eine blonde Frau. Ihr Blick lag direkt auf ihm, offen, selbstbewusst, begleitet von einem Lächeln, das sofort erkennen ließ, dass sie ihn kannte. Ihr Auftreten war ruhig, aber bestimmt, als würde sie sich seiner Wirkung bewusst sein. Sie trat näher. Nicht hastig, sondern mit einer Selbstverständlichkeit, die keinen Zweifel daran ließ, dass sie sich in seiner Nähe wohlfühlte. Ihre Hand hob sich beinahe beiläufig und fand den Stoff seines Hemdes. Ihre Finger glitten darüber, spielten leicht damit, als würde sie eine vertraute Geste wieder aufgreifen.
„Lange nicht gesehen“, sagte sie, ihre Stimme weich, kaum gegen die Musik ankämpfend. Sie blieb nah vor ihm stehen.
„Wir könnten ja die Vergangenheit nochmal erleben“, fügte sie leiser hinzu. Shinichis Blick senkte sich für einen kurzen Moment auf ihre Hand. Seine Augen folgten der Bewegung ihrer Finger, ruhig, ohne jede Eile. Es lag keine Unsicherheit darin, kein Zögern, nur ein klares Erfassen der Situation. Dann hob er den Blick wieder. Seine Augen trafen ihre. Ein schiefes, ruhiges Grinsen legte sich auf seine Lippen.
Ohne etwas zu sagen, hob er die Hand und griff sanft nach ihrer. Seine Finger schlossen sich um ihre, lösten sie ruhig und kontrolliert von seinem Hemd. Die Bewegung war nicht abweisend, nicht grob, eher selbstverständlich, als würde er etwas korrigieren, das nicht mehr zu ihm passte.
„Danke“, sagte er ruhig. Ein kurzer Moment verstrich zwischen ihnen.
„Kein Interesse.“ Seine Stimme blieb ruhig, fest, ohne jede Unsicherheit. Er ließ ihre Hand los. Ohne einen weiteren Blick wandte er sich wieder ab und setzte seinen Weg fort. Seine Schritte waren gleichmäßig, unverändert, als hätte diese Begegnung keinen Einfluss auf ihn gehabt. Die Absperrung zur VIP-Lounge glitt an ihm vorbei, als er eintrat. Kaito und Heiji standen bereits dort, jeder mit einem Glas in der Hand. Das Licht spiegelte sich in den Flüssigkeiten, während sie sich halb zur Menge, halb zueinander gedreht hatten.
Als Shinichi zu ihnen trat, griff er sich ebenfalls ein Glas. Seine Finger legten sich ruhig darum, während er es leicht anhob. Ein kurzer Blick wurde gewechselt. Kein großes Wort, keine Nachfrage. Dann stießen sie an. Das leise Klirren der Gläser ging im nächsten Bass unter, der durch den Raum vibrierte, während die Musik unaufhaltsam weiterlief.
Die Stimmung in der VIP-Lounge hatte sich aufgeladen, fast greifbar, als würde sie sich direkt in der Luft festsetzen. Die Bässe lagen tief unter allem, gleichmäßig und drückend, ließen den Boden leicht vibrieren und zogen sich durch jeden einzelnen Schritt. Das Licht wechselte langsam zwischen dunklem Blau und gedämpftem Violett, glitt über Gesichter, Kleidung und Gläser und ließ alles weicher wirken, fast unwirklich. Kaito und Shinichi standen nebeneinander, dicht genug, dass sich ihre Bewegungen beinahe automatisch aufeinander abstimmten. In ihren Händen hielten sie jeweils ein Glas, die Flüssigkeit darin schimmerte im wechselnden Licht, während sie sich zunächst nur locker im Takt bewegten. Dann veränderte sich etwas. Ohne sichtbares Signal setzten sie sich gleichzeitig in Bewegung. Zwei synchrone Schritte nach links. Ihre Füße trafen im gleichen Rhythmus auf den Boden, ihre Körper bewegten sich fließend mit der Musik, als wäre es nichts weiter als ein natürlicher Impuls. Im selben Moment drehten sie sich, die Bewegung sauber, kontrolliert, und gingen zwei Schritte zurück, als hätten sie diese Abfolge zuvor abgesprochen. Doch das hatten sie nicht. Gerade das machte es aus. Kaito ließ ein kurzes, schiefes Lachen hören, während er die Bewegung weiterführte, sein Körper locker, mühelos im Rhythmus. Shinichi wirkte ruhiger, doch in seiner Haltung lag eine ungewohnte Leichtigkeit, als hätte er für einen Moment alles andere ausgeblendet. Ein Stück daneben stand Heiji, sein Blick auf die beiden gerichtet. Ein breites Grinsen zog sich über sein Gesicht, während er den Kopf leicht schüttelte.
„Was geht bei euch?!“, rief er laut, seine Stimme kämpfte sich mühelos durch die Musik. Er hob die Hand, als würde er sie anfeuern, ein kurzer Jubel folgte, halb ernst, halb einfach aus der Situation heraus geboren. In diesem Moment öffnete sich der Zugang zur VIP-Lounge. Das Geräusch ging im Bass unter, doch die Bewegung fiel auf. Drei Frauen traten ein. Ihr Lachen war hell, lebendig, und hob sich für einen kurzen Moment vom Rest der Geräuschkulisse ab, bevor es sich wieder darin verlor. Sie blieben nicht stehen, zögerten nicht, sondern traten direkt weiter in den Raum, als wäre es der selbstverständlichste Ort für sie. Kazuha war die Erste, deren Blick die Szene erfasste. Sofort legte sich ein breites Grinsen auf ihr Gesicht. Ihre Hände hoben sich beinahe automatisch, und sie klatschte begeistert, das Geräusch ging im nächsten Bass unter, doch ihre Reaktion war unübersehbar.
„Ihr seht heiß aus!“, rief sie lachend, während sie näher kam. Heiji reagierte sofort. Mit einer fließenden Bewegung trat er zu ihr, legte den Arm um ihre Schultern und zog sie leicht zu sich, als wäre es eine völlig selbstverständliche Geste.
„Das ist Talent“, entgegnete er grinsend, sein Blick kurz auf sie gerichtet. Kaito hob sein Glas leicht an, eine lockere Begrüßung, sein Blick streifte Aoko, die neben Kazuha stand und ihn mit einem amüsierten Ausdruck ansah. Währenddessen hatte Shinichi sich minimal gedreht. Sein Blick fiel auf Ran und blieb dort. Das Licht glitt über ihr Gesicht, fing sich in ihren Augen, während sie ihn ansah. In ihrem Blick lag dieses feine Funkeln, ruhig, bewusst, begleitet von einem leichten Lächeln, das sich langsam auf ihren Lippen ausbreitete. Sie hatte ihn von Anfang an beobachtet. Shinichi hielt ihren Blick. Sein Ausdruck veränderte sich kaum, doch ein feines Lächeln zog sich über seine Lippen. Ruhig, kontrolliert, und dennoch deutlich genug, um es nicht zu übersehen. Ran erwiderte es. Die Musik lief weiter, die Menschen bewegten sich, Stimmen vermischten sich mit dem Bass... doch zwischen ihnen blieb dieser Blick bestehen, ruhig und gleichzeitig geladen mit etwas, das keiner von beiden aussprach.
Die Musik lag schwer in der Luft, vibrierte gleichmäßig durch den Boden der VIP-Lounge und zog sich durch jede Bewegung, jeden Atemzug. Das Licht wechselte träge zwischen dunklem Blau und gedämpftem Violett, glitt über Gesichter, ließ Konturen verschwimmen und fing sich immer wieder in den Gläsern, die in den Händen der Gruppe schimmerten. Sie standen enger zusammen als zuvor, beinahe automatisch, als hätte sich der Kreis um sie geschlossen. Kazuha lehnte sich leicht gegen Heiji, sein Arm lag locker, aber selbstverständlich um ihre Schultern, während sie sich zu ihm hinaufbeugte und ihm etwas ins Ohr sagte. Ihr Lachen war hell, ehrlich, verlor sich jedoch sofort wieder im nächsten Bass, der durch den Raum drängte. Heiji grinste breit, beugte sich ein Stück zu ihr hinunter und antwortete, seine Worte gingen im Rhythmus der Musik unter, doch seine Mimik sprach für sich. Kaito stand ihnen gegenüber, das Glas locker zwischen seinen Fingern, während sein Blick immer wieder zu Aoko glitt. Sie stand nah bei ihm, ruhig, mit diesem leichten, amüsierten Ausdruck, der mehr sagte als Worte. Für einen Moment berührten sich ihre Blicke länger, bevor sich Kaitos Mundwinkel minimal anhob. Etwas abseits davon stand Shinichi. Nicht wirklich getrennt vom allgemeinem Geschehen. Aber auch nicht vollständig Teil dieses Moments. Sein Blick lag auf Ran. Sie stand ihm gegenüber, kaum mehr als einen Schritt entfernt. Das Licht glitt über ihr Gesicht, blieb für einen kurzen Moment an ihren Augen hängen, ließ sie heller wirken, klarer als alles andere um sie herum. Ihr Ausdruck war ruhig, ein feines Lächeln lag auf ihren Lippen, doch es war nicht mehr dieses herausfordernde Spiel von zuvor. Es war zwischen ihnen stiller geworden. Für einen Moment bewegte sich keiner von beiden. Die Welt um sie herum blieb laut, lebendig, doch zwischen ihnen lag eine andere Art von Ruhe, als hätte sich der Raum um sie ein Stück weit zurückgezogen. Shinichi machte einen halben Schritt auf sie zu. Die Bewegung war so klein, dass sie im Rhythmus der Musik beinahe unterging, und doch veränderte sie alles. Der Abstand zwischen ihnen verschwand fast vollständig, ließ ihre Nähe spürbar werden, ohne dass einer von beiden es kommentierte. Sein Blick glitt über ihr Gesicht. Langsamer diesmal. Als würde er sich Zeit nehmen. Seine Hand hob sich. Seine Finger berührten eine lose Strähne ihres Haares, die sich leicht gelöst hatte, und schoben sie mit einer ruhigen, beinahe vorsichtigen Bewegung hinter ihr Ohr. Seine Finger streiften dabei kurz ihre Haut, warm im Kontrast zur kühleren Luft, die durch die Bewegung entstand. Er ließ die Hand nicht sofort sinken. Für einen Atemzug blieb sie dort. Dann beugte er sich zu ihr. Die Bewegung war ohne jede Spur von dem Spiel, das zuvor zwischen ihnen gelegen hatte. Seine Lippen berührten ihre Wange. Kaum mehr als ein flüchtiger Moment. Doch eindeutig. Als er sich wieder zurückzog, blieb sein Blick ohne Herausforderung auf ihr liegen. Ran ihr Körper blieb einen Moment still, als hätte sie die Bewegung erst einordnen müssen. Kein Zurückweichen, kein spielerischer Konter. Nur dieser kurze, stille Augenblick, in dem sich etwas in ihrem Ausdruck veränderte. Ihr Blick hielt seinen. Und dann, ganz leicht, legte sich ein anderes Lächeln auf ihre Lippen. Neben ihnen hatte Heiji gerade den Kopf gedreht, sein Blick fiel zufällig in ihre Richtung. Für einen Moment verharrte er, blinzelte kurz, bevor sich ein breites, schiefes Grinsen über sein Gesicht zog.
„Hab ich was verpasst?!“, rief er laut, seine Stimme schnitt durch die Musik, auch wenn ein Teil seiner Worte sofort im Bass unterging. Kazuha folgte seinem Blick, ihre Augen weiteten sich einen Moment, bevor sie die Hände leicht anhob und ein leises, begeistertes
„Oh!“ von sich gab, ihr Lachen direkt danach wieder einsetzend. Kaito ließ ein leises, wissendes Pfeifen hören, hob sein Glas minimal an und schüttelte kaum merklich den Kopf, während sein Blick zwischen den beiden hin und her wanderte. Aoko neben ihm lächelte nur ruhig, als hätte sie längst verstanden, was sich hier verändert hatte. Shinichi reagierte nicht wirklich darauf. Er ließ den Blick kurz von Ran lösen, griff nach seinem Glas und nahm einen ruhigen Schluck, als wäre nichts weiter passiert. Doch das leichte Lächeln, das sich auf seine Lippen gelegt hatte, blieb. Ran wandte sich nicht ab. Ihr Blick fand ihn wieder. Ganz selbstverständlich. Und während die Musik weiter durch den Raum pulsierte, Menschen sich bewegten, Stimmen sich vermischten, blieb dieser Moment zwischen ihnen bestehen.
Die Tür fiel leise ins Schloss, und für einen kurzen Moment schien das dumpfe Echo der Musik noch in der Luft nachzuhallen, als hätte sich der Klang in ihm festgesetzt und würde nur langsam verblassen. Dann legte sich die Stille des Hauses über alles, ruhig und gleichmäßig, und ließ nichts von dem Lärm zurück, der ihn noch vor wenigen Minuten umgeben hatte. Shinichi trat ein und blieb einen Augenblick im Flur stehen, als müsste sich sein Körper erst an diesen Wechsel gewöhnen. Die kühle Nachtluft lag noch auf seiner Haut, während ihn gleichzeitig die Wärme des Hauses umhüllte. Sein Atem ging ruhig, doch in der Stille wirkte selbst diese kleine Bewegung plötzlich deutlicher. Schließlich setzte er sich langsam in Bewegung, seine Schritte leise und gleichmäßig auf dem glatten Boden, während er sich die Jacke von den Schultern zog und sie beiläufig über seinen Arm gleiten ließ, ohne ihr weitere Beachtung zu schenken. Aus der Küche fiel warmes Licht in den Flur, weich und ruhig, ein stiller Kontrast zu der flackernden Hektik des Clubs. Als er den Raum betrat, stand Yui am Tresen und trocknete das letzte Geschirr ab. Ihre Bewegungen waren präzise und routiniert, beinahe lautlos, nur das leise Klirren von Porzellan war zu hören, das sich sanft in die Stille einfügte. Sie sah nicht sofort auf, und doch war spürbar, dass sie ihn längst bemerkt hatte. Shinichi ging ohne Umwege zum Kühlschrank, öffnete ihn und griff nach einer Flasche Wasser. Ein kurzer kühler Luftzug strich durch den Raum, bevor sich die Tür wieder schloss. Das leise Zischen beim Öffnen der Flasche durchbrach für einen Moment die Ruhe, dann nahm er einen Schluck und lehnte sich leicht gegen die Arbeitsfläche, die Flasche locker in der Hand.
„Du bist früh zurück“, sagte Yui schließlich, ihre Stimme ruhig und gleichmäßig, als würde sie die Stille nicht stören wollen. Shinichi antwortete nicht sofort. Ein leises
„Hm“ kam über seine Lippen, kaum mehr als ein Atemzug, während sein Blick gesenkt blieb und sich scheinbar auf nichts Bestimmtes richtete. Yui stellte das Glas in ihrer Hand beiseite und wischte noch einmal über die ohnehin saubere Fläche, bevor sie schließlich den Blick hob. Ihre Augen glitten ruhig über ihn, blieben einen Moment länger hängen, nicht prüfend, nicht suchend, sondern aufmerksam, als würde sie etwas erkennen, das sich erst jetzt klar zeigte.
„Du bringst keine Frauen mehr mit nach Hause“, sagte sie beiläufig, fast so, als würde sie nur etwas aussprechen, das längst offensichtlich war. Shinichi schüttelte kaum merklich den Kopf, während sein Blick sich erneut auf die Flasche in seiner Hand senkte. Das Licht spiegelte sich in der Oberfläche des Wassers, brach sich leicht, während er sie unbewusst ein wenig drehte.
„Ich hab keinen Grund mehr, welche mitzubringen“, erwiderte er ruhig, ohne jede Betonung, ohne den Versuch, seine Worte zu erklären oder zu rechtfertigen. Yui reagierte nicht sofort. Ihre Bewegung verlangsamte sich unmerklich, bis sie schließlich ganz zum Stillstand kam, das Tuch noch in ihrer Hand, während ihr Blick auf ihm ruhte. Sie beobachtete ihn jetzt genauer, ließ sich Zeit, als würde sie nicht nur seine Worte hören, sondern das, was dahinter lag. Und genau in diesem Moment fiel es ihr auf. Sein Blick war nicht mehr derselbe. Er wirkte klar und gleichzeitig ein wenig entfernt, als würde ein Teil von ihm noch an einem anderen Ort verweilen. Da lag etwas Ruhigeres darin, etwas Weiches, das sich nicht mehr verbarg. Seine Züge wirkten entspannter, fast gelöst, und dieses kaum sichtbare Lächeln hatte sich leise in sein Gesicht geschlichen, ohne dass er es selbst zu bemerken schien. Yui betrachtete ihn einen Moment länger, dann legte sich ein feines, wissendes Lächeln auf ihre Lippen.
„Dann muss sie etwas ganz Besonderes sein“, sagte sie ruhig. Die Worte waren leicht gesprochen, beinahe beiläufig, und doch trafen sie. Shinichi bewegte sich nicht sofort. Sein Blick hob sich kaum merklich, verlor sich für einen Augenblick im Raum, ohne wirklich etwas zu fokussieren, als würde der Satz in ihm nachhallen. Es war kein Widerstand in ihm, kein Versuch, diese Feststellung von sich zu weisen. Stattdessen lag darin nur dieses stille, klare Gefühl, das sich längst in ihm festgesetzt hatte, ohne dass er es benennen musste. Seine Finger lockerten sich leicht um die Flasche, während dieses feine Lächeln auf seinen Lippen blieb und für einen kurzen Moment etwas deutlicher wurde. Er sagte nichts, bestätigte nichts, doch genau darin lag die Antwort. Yui sah es und verstand, ohne dass es weitere Worte brauchte. Sie wandte sich schließlich wieder dem Tresen zu, griff nach dem letzten Glas und setzte ihre Bewegung fort, ruhig und gleichmäßig, als hätte sich nichts verändert. Shinichi stieß sich langsam von der Arbeitsfläche ab, stellte die Flasche zurück in den Kühlschrank und schloss die Tür leise. Seine Schritte entfernten sich ruhig aus der Küche, wurden mit jedem Schritt leiser, bis sie schließlich im Flur verklangen.
„Gute Nacht, Shinichi“, sagte Yui ruhig, ohne sich umzudrehen.
„Nacht“, kam es leise zurück. Dann war er verschwunden, und die Küche wurde wieder still, erfüllt nur noch von dem warmen Licht und dem leisen, unausgesprochenen Wissen, das sich ruhig im Raum hielt.
Nicht wie sonst
Die Bässe dröhnten tief und gleichmäßig durch den Club, ließen den Boden leicht vibrieren und zogen sich durch jeden einzelnen Körper im Raum. Das Licht wechselte in langsamen, fließenden Übergängen zwischen dunklem Blau und intensivem Violett, schnitt durch die Menge, fing sich auf Haut, Kleidung und Glas und ließ alles für einen Moment aufleuchten, bevor es wieder im Halbdunkel verschwand. Stimmen gingen in der Musik unter, vermischten sich mit Lachen und kurzen Rufen, die sofort wieder vom nächsten Beat verschluckt wurden. Zwischen all dem bewegte sich die Gruppe, als wäre sie längst Teil dieses pulsierenden Chaos geworden. Kazuha stand mit dem Rücken dicht an Heiji, ihr Körper schmiegte sich wie selbstverständlich an seinen, während sie sich im Rhythmus der Musik bewegte. Ihre Hüften fanden den Takt mühelos, jede Bewegung wirkte leicht, beinahe spielerisch, während ihre Haare bei jeder Drehung sanft über ihre Schultern glitten. Ein paar Strähnen hatten sich aus ihrem Pferdeschwanz gelöst und fielen locker in ihr Gesicht, doch sie schob sie nicht zurück, ließ sie einfach dort, als wären sie Teil des Moments. Heijis Arm lag um sie, seine Hand ruhte fest auf ihrem Bauch, hielt sie nah bei sich. Seine Bewegungen waren nicht perfekt, nicht einmal annähernd, aber sie waren locker, ungezwungen. Der Alkohol hatte die letzten Reste von Zurückhaltung aus ihm gelöst, hatte seine Schultern entspannt und seine Schritte weicher gemacht. Er ließ sich einfach treiben, folgte ihrem Rhythmus mehr, als dass er selbst einen vorgab. Er beugte sich ein Stück zu ihr hinunter, seine Lippen nah an ihrem Ohr, während sein Atem sich kurz mit der Wärme ihrer Haut vermischte.
„Ich hab absolut keine Ahnung, was ich hier tue“, murmelte er, halb amüsiert, halb ehrlich. Kazuha lachte leise, das Geräusch verlor sich sofort im nächsten Bass, doch die Bewegung ihres Körpers verriet alles. Sie drehte den Kopf ein wenig zu ihm, ihre Wange streifte dabei beinahe seine.
„Man merkt’s“, gab sie grinsend zurück, ihre Stimme leicht, fast neckend. Sie stieß ihn mit der Schulter sanft an, ohne wirklich Abstand zu schaffen, und bewegte sich einfach weiter im Takt, zog ihn unbewusst mit sich. Heiji schnaubte leise, ein schiefes Grinsen zog sich über sein Gesicht, bevor er seinen Griff ein kleines Stück fester werden ließ und sie näher an sich zog, als wollte er genau diesen Moment festhalten. Ein Stück weiter entfernt lag eine ganz andere Art von Energie in der Luft. Kaito und Aoko saßen sich auf der dunklen Couch gegenüber, der niedrige Tisch zwischen ihnen war übersät mit leeren Plastikbechern. Einige lagen auf der Seite, andere standen schief am Rand, als hätten sie es gerade so geschafft. Das Licht spiegelte sich in den dünnen, leicht zerknitterten Bechern und ließ ihre Konturen flimmern. Aoko beugte sich nach vorne, einen Becher zwischen den Fingern, ihre Augen fest darauf gerichtet. Ihre Lippen waren leicht zusammengezogen, ihre Stirn minimal in Falten gelegt, als würde sie jeden Winkel genau berechnen. Ihre gesamte Aufmerksamkeit lag in dieser einen Bewegung.
„Okay… diesmal klappt’s“, murmelte sie leise, fast mehr zu sich selbst als zu ihm. Neben ihr lehnte Kaito entspannt in die Couch zurück, ein Becher locker zwischen seinen Fingern. Sein Blick lag nicht wirklich auf seinem eigenen Versuch, sondern wanderte kurz zu ihr. Ein kaum sichtbares Lächeln zuckte über seine Lippen, während er sie beobachtete. Er ließ seinen Becher aufspringen. Die Bewegung war perfekt angesetzt… zumindest im ersten Moment. Der Becher drehte sich einmal in der Luft, kippte leicht zur Seite und landete mit einem leisen Klacken auf der Tischkante, nur um direkt wieder herunterzufallen. Aoko sah nicht einmal hin.
„Wow“, sagte sie trocken, ihre Augen noch immer auf ihren eigenen Becher gerichtet.
„Das war beeindruckend schlecht.“ Kaito zuckte nur leicht mit den Schultern, als wäre es ihm völlig egal, und lehnte sich noch ein Stück tiefer zurück.
„Ich geb dir eine Chance“, meinte er beiläufig, seine Stimme ruhig, fast gleichgültig. Aoko hob kurz eine Augenbraue, reagierte aber nicht weiter darauf. Stattdessen setzte sie den Becher erneut an die Tischkante, ließ ihn leicht kippen… ein kurzer Moment Spannung… dann landete er sauber auf der Fläche.
„Ha!“, rief sie sofort, ihr Gesicht hellte sich auf, ein breites, ehrliches Grinsen zog sich über ihre Lippen. Sie lehnte sich zurück, ihre Schultern entspannten sich sichtbar, während sie triumphierend auf den Becher deutete.
„Gewonnen.“ Kaito ließ den Blick langsam von dem Becher zu ihr wandern. Für einen kurzen Moment sagte er nichts, als würde er genau diesen Ausdruck auf ihrem Gesicht einprägen wollen. Dann nickte er leicht.
„Sieht so aus“, murmelte er ruhig. Seine Finger spielten noch immer mit dem Rand seines Bechers, drehten ihn langsam, fast gedankenverloren. Schließlich ließ er ihn einfach wieder auf den Tisch sinken und griff stattdessen nach seinem Glas.
„Dann geht der Abend wohl auf mich.“ Aoko grinste zufrieden, hob ihr Glas und stieß leicht dagegen. Ein leises Klirren ging im nächsten Bass unter.
Ein Stück abseits davon, näher am Geländer der VIP-Lounge, stand Shinichi. Sein Körper war leicht gegen das kühle Metall gelehnt, nur so weit, dass es ihn hielt, ohne dass er sich wirklich abstützen musste. Das Glas lag ruhig in seiner Hand, seine Finger locker darum gelegt, während die bernsteinfarbene Flüssigkeit im Inneren das flackernde Licht einfing und in unruhigen Reflexen zurückwarf. Bei jeder kaum merklichen Bewegung seiner Hand zog sich ein schmaler, schimmernder Streifen durch das Glas, brach sich im Licht und verschwand wieder. Sein Blick war längst nicht mehr bei den anderen. Er ruhte auf einer einzigen Person. Unten auf der Tanzfläche bewegte Ran sich zwischen den anderen, eingebettet in das dichte Gedränge aus Körpern, Licht und Musik. Und doch war da etwas, das sie davon abhob. Es lag nicht an einer übertriebenen Bewegung, nicht an auffälliger Gestik. Es war die Art, wie sie sich bewegte. Als würde sie den Rhythmus nicht nur hören, sondern fühlen. Ihre Hüften folgten dem Takt mühelos, ihr Oberkörper blieb dabei entspannt, während sich ihre Arme leicht mitbewegten, ohne je gezwungen zu wirken. Ihr Haar fiel locker über ihre Schultern, glitt bei jeder Drehung sanft über ihren Rücken. Einzelne Strähnen fingen das Licht ein, leuchteten für einen kurzen Moment auf, bevor sie wieder im Schatten verschwanden. Wenn sie sich drehte, bewegte es sich mit ihr, folgte ihrer Linie, als wäre es Teil der Bewegung selbst. Shinichis Blick lag fest auf ihr. Zu aufmerksam, um zufällig zu sein. Und Ran spürte es. Es war kein abruptes Reagieren. Kein plötzliches Innehalten. Ihre Bewegung blieb bestehen, ihr Körper folgte weiterhin dem Rhythmus, als hätte sich nichts verändert. Doch ihr Blick hob sich langsam. Erst nur ein kleines Stück, dann weiter, suchend, bis er schließlich nach oben wanderte. Für einen Moment trafen sich ihre Augen. Mitten zwischen dem flackernden Licht, das ihre Gesichter immer wieder in Schatten und Farbe tauchte. Zwischen all den Bewegungen um sie herum, die für diesen einen Augenblick bedeutungslos wurden. Sie hielt seinen Blick. Und ein feines, kaum sichtbares Lächeln zog sich über ihre Lippen. Nur ein leichtes Anheben, das mehr in ihren Augen lag als in ihrem Mund. Während sie sich weiter im Takt bewegte, als würde dieser Moment sich einfach in alles andere einfügen. Dann hob sie langsam die Hand. Die Bewegung war klein. Fast beiläufig. Und doch eindeutig. Ein Finger, der sich leicht zu sich bewegte. Die stille Aufforderung, Komm runter. Shinichi reagierte sofort. Seine Finger lockerten sich um das Glas, er hob es noch einen Moment an, als würde er die Bewegung zu Ende führen, stellte es dann ruhig auf dem Tisch hinter sich ab. Das leise Aufsetzen ging im nächsten Bass unter, wurde sofort von der Musik verschluckt. Sein Blick löste sich für einen kurzen Moment von ihr. Er glitt zur Seite. Kaito und Aoko saßen sich dicht gegenüber, beide leicht nach vorne gebeugt, ihre Aufmerksamkeit vollständig auf ihre Hände gerichtet.
„Schnick, Schnack, Schnuck!“ Ihre Bewegungen waren schnell, beinahe synchron. Aoko gewann. Ein breites, triumphierendes Grinsen breitete sich auf ihrem Gesicht aus, während sie sofort den Kopf hob und Kaito ansah.
„Schon wieder!“, rief sie, ihre Stimme voller Genugtuung. Kaito verzog das Gesicht leicht, schnaubte leise durch die Nase, griff dann ohne Diskussion nach seinem Glas.
„Das ist nicht mehr normal“, murmelte er trocken, während er es ansetzte und einen Schluck nahm. Aoko lehnte sich zufrieden zurück, ihre Augen funkelten noch immer vor Freude. Shinichis Blick blieb nur einen Moment bei ihnen, nahm die Szene auf, ohne wirklich daran hängen zu bleiben. Dann wanderte er weiter zu Heiji und Kazuha. Sie hatte sich inzwischen vollständig zu ihm gedreht. Ihre Arme lagen locker um seinen Nacken, ihre Finger verschränkten sich leicht hinter seinem Kopf, während sie dicht vor ihm stand. Ihre Körper berührten sich, fast ohne Abstand. Ihre Lippen fanden sich immer wieder, langsam, ungezwungen, als hätten sie den Rest der Welt längst ausgeblendet. Heijis Hand lag fest an ihrer Hüfte, zog sie näher an sich, hielt sie dort, während er sich ein Stück zu ihr hinunterbeugte. Ihre Stirnen berührten sich kurz zwischen zwei Küssen, ein leises Lachen entwich ihr, bevor sie ihn wieder küsste. Alles wirkte mühelos. Ein kurzes, kaum merkliches Schmunzeln legte sich auf Shinichis Lippen. Dann verschwand es wieder. Er wandte sich ab. Ohne Eile setzte er sich in Bewegung. Die Absperrung der VIP-Lounge glitt an ihm vorbei, während er die Stufen hinunterging. Mit jedem Schritt wurde die Musik lauter, drückender, die Bässe stärker, spürbarer in seinem Körper. Die Luft wurde wärmer. Menschen bewegten sich um ihn herum, ihre Körper streiften ihn, wichen ihm aus, schlossen sich direkt hinter ihm wieder. Lichter zuckten über Gesichter, verschwanden, tauchten wieder auf. Doch sein Blick blieb nach vorne gerichtet. Dorthin, wo Ran auf ihn wartete. Shinichi setzte sich in Bewegung und ließ die erhöhte Ruhe der VIP-Lounge hinter sich. Mit jedem Schritt wurde die Musik lauter, als würde sie ihn tiefer in den Raum ziehen. Die Luft war dicht, durchzogen von Parfum, Alkohol und der Hitze der tanzenden Körper. Licht zuckte über Gesichter, brach sich in Bewegungen und verlor sich wieder im nächsten Schatten. Er drängte sich vorsichtig durch die Menge. Schultern streiften ihn, fremde Hände berührten ihn flüchtig, doch er reagierte nicht darauf. Sein Blick blieb geradeaus gerichtet.
„Hey… willst du tanzen?“ Die weibliche Stimme kam von der Seite, nah an ihm, begleitet von einer leichten Berührung an seinem Arm. Für einen kurzen Moment blieb die Hand dort liegen, als würde sie auf eine Reaktion warten. Doch Shinichi reagierte nicht. Er sah nicht hin, verlangsamte seinen Schritt nicht, ließ sich nicht ablenken. Seine Aufmerksamkeit blieb ungebrochen, fest auf das gerichtet, was vor ihm lag. Ohne auch nur den Hauch einer Antwort schob er sich an der letzten Reihe von Menschen vorbei. Dann stand er vor ihr. Ran sah ihn an, und sofort veränderte sich etwas in ihrem Gesicht. Ein Lächeln breitete sich aus. Es lag keine Berechnung darin, kein Spiel. Nur dieses klare, unverfälschte Gefühl, ihn genau hier vor sich zu sehen. Sie zögerte nicht. Ihr Arm hob sich und legte sich um seinen Nacken, ihre Finger fanden Halt an ihm, während sie ihn ein kleines Stück näher zu sich zog. Ihr Körper bewegte sich weiter im Rhythmus der Musik, als hätte sie nie aufgehört. Ihre Hüften folgten dem Takt, ruhig, gleichmäßig, und luden ihn ein, sich daran anzupassen. Ihr Blick blieb ununterbrochen auf seinem. Shinichi ließ sich darauf ein. Seine Hand fand ihren Weg an ihre Hüfte, legte sich dort fest, ohne Druck, aber präsent. Seine Finger spürten die Wärme ihres Körpers durch den Stoff, während sich seine eigene Bewegung ihrem Rhythmus anglich. Kein Zögern. Kein Nachdenken. Sie bewegten sich gemeinsam. Die Musik lief weiter, laut, durchdringend, doch zwischen ihnen entstand etwas, das sich davon löste. Ihre Bewegungen wirkten abgestimmt, fast selbstverständlich, als hätten sie nie etwas anderes getan. Eine einzelne Strähne hatte sich aus ihrem Haar gelöst und fiel leicht in ihr Gesicht. Sie blieb dort liegen, fing das Licht ein, zeichnete eine feine Linie über ihre Wange. Shinichis Hand hob sich. Langsam, beinahe zögernd, als würde er sich dieser Bewegung erst in dem Moment bewusst werden, in dem sie geschah. Seine Finger berührten die Strähne, strichen sie vorsichtig zur Seite und schoben sie hinter ihr Ohr. Dabei streiften seine Fingerspitzen ganz leicht ihre Haut. Ran zuckte kaum merklich bei der Berührung. Nur ein kleines, kaum sichtbares Reagieren ihres Körpers, das sofort wieder in der Bewegung verschwand und doch nicht ganz bedeutungslos blieb. Ihre Blicke hielten sich noch immer. Doch etwas hatte sich verändert. Die Bewegung ihrer Körper verlor langsam an Tempo. Erst kaum spürbar, dann deutlicher. Ihre Hüften folgten dem Takt nicht mehr ganz so konsequent, ihre Schritte wurden kleiner, langsamer, bis sie schließlich ganz still wurden. Um sie herum tanzten die Menschen weiter. Lichter flackerten, Stimmen gingen im Bass unter, der Raum blieb laut und lebendig. Und doch schien all das für einen Moment weiter weg. Als würde sich etwas zwischen sie und den Rest der Welt schieben. Shinichis Blick glitt über ihr Gesicht. Und blieb ein Atemzug an ihren Lippen hängen. Vielleicht zwei. Zu lang, um zufällig zu sein. Die Luft zwischen ihnen wirkte schwerer, ohne dass sich etwas sichtbar verändert hätte. Sein Körper bewegte sich ein kleines Stück nach vorne. Keine bewusste Entscheidung, kein klarer Impuls. Es geschah einfach. Der Abstand zwischen ihnen wurde geringer. Sein Blick hob sich wieder zu ihren Augen, hielt sich daran fest, als würde er dort eine Antwort suchen. Als würde er wissen wollen, ob sie bleibt. Als er nah genug war, hielt er inne. Nur wenige Zentimeter trennten sie noch voneinander. Nah genug, um ihren Atem zu spüren. Warm. Leicht unregelmäßig. Sein Herz schlug schneller. Er spürte es deutlich. In seiner Brust. In seinen Fingern. In der Hand, die noch immer an ihrer Hüfte lag. Sein Blick glitt noch einmal zu ihren Lippen und verweilte dort. Ran sah ihn an. Ihr Atem ging ruhiger… und gleichzeitig nicht mehr ganz gleichmäßig. Ein kurzer Moment, in dem nichts geschah. In dem sie einfach nur dastanden. Dann bewegte sie sich ein kleines Stück nach vorne. Nur so viel, dass die letzte Distanz verschwand. Ihre Lippen trafen sanft seine. Ohne Druck. Ohne Eile. Und im selben Moment zog sich etwas in seiner Brust zusammen, als würde sich alles für einen Augenblick bündeln… nur um sich direkt wieder zu lösen. Sein Herzschlag setzte für einen Bruchteil aus, bevor er schneller zurückkehrte. Seine Hand hob sich fast automatisch, löste sich von ihrer Hüfte und fand ihren Weg zu ihrer Wange. Seine Finger legten sich sanft an ihre Haut, hielten sie dort, als hätte sie genau dort hingehört. Ihr Atem vermischte sich mit seinem. Der Kuss blieb ruhig. Und doch lag etwas darin, das sich nicht mehr zurücknehmen ließ. Ein feines Kribbeln breitete sich aus, zog sich von seiner Brust nach unten, ließ ihn für einen Moment alles andere vergessen. Ein leises, unbewusstes Lächeln schlich sich auf seine Lippen, ohne dass er es bemerkte.
Der Kuss löste sich langsam. Nicht, weil einer von ihnen ihn bewusst beendete, sondern weil der Moment sich ganz von selbst ein Stück weit löste. Ihre Lippen trennten sich nur leicht, als würde sich die Verbindung zwischen ihnen nur widerwillig lösen. Kaum mehr als ein Atemzug blieb zwischen ihnen zurück. Shinichi bewegte sich nicht. Sein Blick lag noch immer fest auf ihr, als hätte sich alles andere um sie herum aufgelöst. Die Musik war noch da, die Menschen bewegten sich, Lichter zuckten durch den Raum… doch nichts davon schien ihn noch zu erreichen. Seine Hand ruhte weiterhin an ihrer Wange. Seine Finger hatten sich nicht gelöst, als hätten sie vergessen, dass sie es sollten. Seine Brust hob und senkte sich etwas ungleichmäßiger als zuvor. Er schluckte leicht.
„Ich…“, begann er leise. Seine Stimme klang ungewohnt. Sein Blick blieb auf ihr, doch seine Gedanken schienen ihm sichtbar zu entgleiten. Seine Stirn zog sich leicht zusammen, als würde er versuchen, etwas zu ordnen, das sich nicht greifen ließ.
„Das mit dir… ist nicht…“, setzte er an und stockte. Sein Blick wich für einen kurzen Moment aus, glitt an ihr vorbei, als würde er dort irgendwo die richtigen Worte finden. Er fand sie nicht.
„Also doch… aber… nicht so wie sonst“, murmelte er schließlich. Und schon in dem Moment, in dem er es aussprach, lag ein Hauch von Irritation in seinem Blick. Ein kurzes, hörbares Ausatmen entwich ihm.
„Ich mein, es ist nichts Besonderes...“ Er stoppte sofort. Sein Kiefer spannte sich an. Ein kaum merkliches Zusammenziehen seiner Augen verriet, dass er genau wusste, wie falsch das klang.
„Nein…“, murmelte er leiser,
„das ist nicht… so meinte ich das nicht.“ Seine Hand löste sich kurz von ihrer Wange, fuhr sich fahrig durch seine Haare, bevor sie wieder zu ihrer Hüfte fand, fast automatisch.
„Es ist nicht nichts, aber auch nicht… also nicht dieses...“ Er brach wieder ab. Seine Worte verloren sich, noch bevor sie fertig werden konnten. Sein Blick suchte ihren, hielt sich daran fest, als würde er dort Halt finden.
„Ich hab das sonst nicht“, sagte er schließlich leiser. Ein kurzer Moment. Sein Daumen strich unbewusst leicht über ihre Hüfte.
„Dieses… dass ich...“ Er schluckte erneut. Seine Finger bewegten sich minimal, unruhig, als würde sein Körper die Spannung ausgleichen wollen, die seine Worte nicht lösen konnten.
„Normalerweise ist das… einfacher“, murmelte er weiter.
„Und bei dir… ist es das nicht.“ Er hielt einen Atemzug inne. Dann sprach er weiter, schneller jetzt, als würde er sich selbst überholen.
„Nicht, dass du kompliziert bist... also doch, aber nicht so… sondern ich… ich bin das gerade.“ Ein leises, fast frustriertes Lachen entwich ihm. Es klang ungewohnt.
„Ich weiß nicht mal, warum ich das sage.“, sagte er leise. Und genau dieser Satz blieb einen Moment zu lange zwischen ihnen hängen. Zu klar. Zu falsch. Sein Blick reagierte sofort darauf. Ein kurzes Aufflackern von Erkenntnis.
„Also nicht so...“, setzte er hastig nach, seine Stimme etwas angespannter.
„Ich mein nicht, dass ich nichts sagen will, aber...“ Er brach wieder ab. Sein Blick verlor sich einen Moment, als würde er gegen seine eigenen Gedanken ankämpfen.
„Ich rede sonst immer locker“, murmelte er leiser. Dann hob er den Blick wieder direkt zu ihr.
„Und bei dir… mach ich das nicht.“ Für einen Moment sagte keiner etwas. Sein Kiefer spannte sich leicht an.
„Und das ist kein gutes Zeichen für mich“, fügte er hinzu. Wieder so ein Satz. Wieder falsch. Wieder genau das Gegenteil von dem, was er eigentlich sagen wollte. Er schloss kurz die Augen. Sein Atem ging etwas schwerer.
„Ich krieg das grad echt nicht hin“, murmelte er leise. Dann, noch leiser. Ein leises, kurzes Lachen unterbrach ihn. Es war kein Auslachen. Kein Spott. Eher dieses sanfte Erkennen, als hätte sie längst verstanden, was er selbst noch nicht in Worte fassen konnte. Sie sah ihn ruhig mit diesem leichten Funkeln in den Augen an. Shinichi holte noch einmal Luft, als würde er es diesmal wirklich sagen. Seine Brust hob sich sichtbar. Sein Blick hielt ihren fest.
„Ich glaub, ich...“ Weiter kam er nicht. Ran griff fest nach seinem Kragen. Ihre Finger schlossen sich um den Stoff, zogen ihn ohne Zögern zu sich herunter. Die Bewegung war ruhig. Sein Blick traf ihren sofort, mitten in diesem unfertigen Geständnis.
„Halt einfach die Klappe“, sagte sie leise. Und im nächsten Moment küsste sie ihn. Ihre Lippen trafen seine direkt, als würde sie genau wissen, was sie tat und warum. Der Kuss war nicht vorsichtig. Nicht tastend. Er war klar. Alles, was er noch sagen wollte, wurde darin unterbrochen. Seine Worte verloren sich vollständig. Seine Hand legte sich fester an ihre Hüfte, seine Finger spreizten sich leicht, hielten sie dort, als würde er sich an diesem Moment festhalten. Sein Körper reagierte sofort. Der Rest der Welt trat noch weiter in den Hintergrund. Als sie sich langsam wieder von ihm löste, geschah es nicht abrupt. Ihre Lippen trennten sich nur langsam, als würde sie den Moment genauso wenig sofort loslassen wollen. Sie blieb nah vor ihm stehen. Ihr Atem strich leicht über seine Lippen. Ihr Blick blieb auf seinem liegen. Ein kurzer Moment verstrich. Dann, kaum hörbar, mehr ein Ausatmen als ein klarer Satz, vollendete er es. Als hätte er das Wort selbst gerade erst verstanden.
„…verliebe mich.“
Einige Tage waren vergangen und dieser Morgen lag ruhig über dem Haus, als Shinichi vor dem Spiegel seines Zimmers stand. Das Licht fiel weich durch die Fenster und legte sich über sein Gesicht, zog helle Linien über seine Konturen, während sein Blick ruhig auf sich selbst ruhte. Für einen kurzen Moment blieb er einfach stehen, als würde er diesen Augenblick festhalten, ohne genau zu wissen, warum. Seine Finger glitten ein letztes Mal durch sein Haar. Die Bewegung war ruhig, sicher, fast beiläufig. Einzelne Strähnen fielen wieder zurück an ihren Platz, als hätten sie sich genau so legen sollen. Ein schmales, zufriedenes Lächeln legte sich auf seine Lippen. Dann wandte er sich ab und verließ sein Zimmer. Seine Schritte waren leicht, kaum hörbar auf dem Boden. Kein Zögern lag darin, keine Spur von Müdigkeit. Es wirkte, als würde ihn etwas tragen, das nicht greifbar war, und doch jede seiner Bewegungen bestimmte. Am oberen Ende der Treppe angekommen, blieb er nicht stehen. Ohne nachzudenken setzte er einen Fuß auf das Geländer, verlagerte sein Gewicht nach vorne und ließ sich mit einer fließenden Selbstverständlichkeit hinuntergleiten. Seine Hand streifte das Holz nur leicht, mehr aus Gewohnheit als aus Notwendigkeit. Unten angekommen, stieß er sich mit einer kleinen Bewegung ab. Seine Füße berührten den Boden und er fing sich mühelos ab, richtete sich auf und ging weiter, ohne innezuhalten. Sein Gang hatte etwas Unbeschwertes, fast schon Spielerisches, als würde ihn nichts wirklich festhalten. Das Esszimmer lag ruhig vor ihm. Der Tisch war bereits reichlich gedeckt. Frisches Obst glänzte im Licht, das durch die Fenster fiel, der Duft von Kaffee lag in der Luft und zog sich warm durch den Raum. Teller, Besteck und Gläser waren ordentlich angeordnet, alles wirkte vorbereitet, fast makellos. Am Ende des Tisches saß Yusaku. Die Zeitung lag aufgefaltet in seinen Händen, sein Blick glitt konzentriert über die Zeilen. Seine Augen bewegten sich ruhig, hielten an bestimmten Stellen inne, als würde er die Informationen nicht nur lesen, sondern einordnen. Der Bericht über sein Projekt füllte mehrere Spalten, die ersten positiven Auswirkungen waren bereits deutlich hervorgehoben. Neben ihm saß seine geliebte Frau. Sie hatte sich leicht zurückgelehnt, eine Hand locker um ihr Glas Latte Macchiato gelegt. Der feine Schaum hatte sich leicht gesetzt, während sie in kleinen Schlucken trank. Ihr Blick war ruhig, nicht auf Unterlagen gerichtet, sondern eher auf den Moment selbst, als würde sie die Stille vor dem Tag bewusst genießen. Die Tür öffnete sich und ihr Sohn trat ein. Seine Präsenz war sofort spürbar, ohne laut zu sein. Seine Schritte klangen ruhig, doch es war die Art, wie er sich bewegte, die auffiel. Leicht. Wach. Ungewöhnlich entspannt.
„Morgen“, sagte er. Seine Stimme war klar, fest und trug eine Wärme in sich, die um diese Uhrzeit selten von ihm zu hören gewesen war.
Ohne innezuhalten ging er direkt auf seine Mutter zu, beugte sich leicht zu ihr hinunter und gab ihr einen flüchtigen Kuss auf die Wange. Die Bewegung war kurz, fast beiläufig, und doch lag etwas darin, das nicht selbstverständlich war. Yukiko blinzelte einen Moment überrascht, bevor sich ein ehrliches Lächeln über ihr Gesicht legte.
„Guten Morgen, mein Schatz“, erwiderte sie leise. Ihr Blick folgte ihm, während er sich bereits setzte, als wäre nichts gewesen. Doch für sie war es nicht nichts. Shinichi ließ sich auf seinen Platz sinken, griff nach einem Brötchen und nahm ohne Zögern einen Bissen. Seine Bewegungen waren entspannt, fast schon gelassen. Kein hastiges Essen, kein müdes Schweigen. Er wirkte wach. Präsenter als sonst.
Und vor allem… gut gelaunt. Yusakus Blick hatte sich längst von der Zeitung gelöst. Er musterte seinen Sohn einen Moment, ohne dass dieser es direkt bemerkte. Es war keine offene Reaktion, kein sichtbares Interesse. Nur dieses ruhige, analytische Erfassen. Er ließ die Zeitung langsam sinken, faltete sie sorgfältig zusammen und legte sie neben sich auf den Tisch. Sein Blick blieb auf Shinichi gerichtet. Die Veränderung war nicht zu übersehen. Die späten Nächte, in denen sein Sohn betrunken nach Hause gekommen war. Die eindeutigen Geräusche seiner flüchtigen Liebschaften aus seinem Zimmer, die nichts dem Zufall überließen. All das war verschwunden. Und jetzt saß er früh am Morgen hier. Und mit einer Leichtigkeit, die beinahe ansteckend war. Ein zufriedenes Grinsen legte sich auf Yusakus Lippen.
„Du bist früh“, stellte er fest. Sein Ton war ruhig, doch in seinem Blick lag mehr als nur eine einfache Beobachtung. Shinichi zuckte leicht mit den Schultern, während er weiter aß.
„Ja“, meinte er locker. Mehr sagte er nicht. Doch seine Stimme klang… unbeschwert. Yukiko beobachtete ihn einen Moment länger, ihr Lächeln blieb.
„Du bist heute besonders gut drauf“, sagte sie schließlich. Shinichi hob kurz den Blick, ein leichtes Grinsen lag in seinen Augen.
„Ist auch ein guter Tag“, antwortete er. Es war keine Floskel. Es klang ehrlich. Yusaku lehnte sich leicht zurück, verschränkte für einen Moment die Finger ineinander, bevor er sprach.
„Am kommenden Samstag ist eine Veranstaltung“, begann er ruhig.
Shinichi reagierte nicht sofort sichtbar. Er nahm einen weiteren Bissen, kaute entspannt, als würde er einfach zuhören.
„Es geht um die Inszenierung neuer Projekte und… Kontakte“, fuhr Yusaku fort und eine kurze Pause entstand. Dann sah er ihn direkt an.
„Ich möchte, dass du uns begleitest.“ Ein Moment verstrich. Yukikos Blick glitt automatisch zu Shinichi. Sie kannte diesen Moment. Zu gut. Die Reaktion, die sonst folgte. Der Blick. Die Abwehr. Die Diskussion. Shinichi hob nicht einmal richtig den Kopf. Er kaute noch, schluckte dann ruhig herunter und nickte einfach.
„Okay“, sagte er. Seine Stimme war ruhig. Keine Spur von Widerstand. Keine Nachfrage, um diese Veranstaltung umgehen zu können. Einfach… Zustimmung. Die Stille, die darauf folgte, war kurz, aber spürbar. Yukikos Augen weiteten sich leicht, während sich ein amüsiertes, fast ungläubiges Lächeln auf ihr Gesicht legte. Yusaku hob minimal eine Augenbraue, denn das hatte er nicht erwartet. Sein Blick blieb einen Moment länger auf seinem Sohn liegen, als würde er prüfen, ob doch noch etwas kam. Nichts geschah. Kein genervtes Seufzen. Kein Ausweichen. Shinichi griff einfach nach seiner Tasse, nahm einen Schluck und lehnte sich entspannt zurück, als wäre das Thema für ihn bereits erledigt. Ein leises, zufriedenes Schmunzeln zog sich über Yusakus Lippen. Ohne ein weiteres Wort griff er wieder nach seiner Zeitung. Doch sein Blick lag nicht sofort auf den Zeilen, sondern noch einen kurzen Moment auf seinem Sohn.
Das leise Klirren von Porzellan und das gleichmäßige Rascheln von Papier füllten den Raum, während sich das Gespräch bereits seit einigen Minuten in derselben ruhigen Bahn bewegte.
„…wenn man das Ganze klar strukturiert, ließe sich das Konzept deutlich effizienter umsetzen“, sagte er und legte das Besteck beiseite, als würde er den Gedanken damit abschließen. Seine Stimme blieb ruhig, kontrolliert, jede Silbe klar gesetzt.
„Es fehlt nicht an Möglichkeiten, sondern an Disziplin in der Umsetzung.“ Yukiko hob ihre Tasse, nahm einen kleinen Schluck und ließ den Blick kurz über den Tisch wandern, bevor er wieder bei ihm liegen blieb.
„Du gehst also davon aus, dass es an den anderen liegt“, entgegnete sie leise. Er hob kurz den Blick.
„Ich gehe davon aus, dass Verantwortung oft weitergeschoben wird.“
„Oder dass Erwartungen nicht immer klar kommuniziert werden“, erwiderte sie und stellte die Tasse leise zurück auf die Untertasse. Ein feines Klirren, kaum mehr als ein Hauch, durchbrach die Stille für einen Moment.
„Erwartungen sind selten das Problem“, sagte er, nun etwas ruhiger, aber nicht weniger bestimmt.
„Es ist die Bereitschaft, ihnen gerecht zu werden.“ Yukiko lehnte sich minimal zurück, musterte ihn einen Augenblick länger.
„Und du glaubst, diese Bereitschaft entsteht einfach so?“
„Nein.“ Seine Antwort kam ohne Zögern.
„Sie entsteht durch Konsequenz.“
„Oder durch Vertrauen“, gab sie leise zurück. Für einen Moment blieb es still. Nicht leer... sondern gefüllt von dem, was zwischen den Worten lag. Ihnen gegenüber saß Shinichi und aß ruhig. Die Bewegungen routiniert, fast automatisch. Sein Blick lag nicht auf seinen Eltern, nicht auf dem Gespräch. Er schien darüber hinwegzugehen, als wäre es etwas, das zwar da war, ihn aber nicht wirklich erreichte. Seine Finger griffen nach seinem Handy, mehr aus Gewohnheit als aus bewusster Entscheidung. Der Bildschirm leuchtete auf. Und in genau diesem Moment veränderte sich etwas. Es war kein großes Reagieren. Kein plötzliches Aufsehen. Nur ein kaum sichtbares Innehalten und ein winziger Bruch in der Bewegung. Seine Augen blieben einen Moment länger auf dem Display, als nötig gewesen wäre. Seine Schultern spannten sich minimal an, lösten sich im nächsten Augenblick wieder.
„Oh verdammt…“, murmelte er leise. Der Satz ging fast im Raum unter, fiel zwischen Besteck und Porzellan, ohne Gewicht und hatte doch genug davon, um ihn selbst in Bewegung zu setzen. Er schluckte hastig, schob sich den letzten Bissen seines Brötchens in den Mund, stand auf. Der Stuhl zog ein kurzes, scharfes Geräusch über den Boden.
„Ich muss los.“ Die Worte kamen schnell, nicht unruhig, aber deutlich zu direkt für den Moment. Er griff bereits nach seiner Jacke, noch während er sprach. Yukiko hob den Blick. Ihre Augen folgten ihm, ruhig, aufmerksam. Eine feine Linie legte sich zwischen ihre Brauen.
„Was ist los?“ Yusaku verstummte mitten im Satz. Seine Hand blieb für einen Augenblick in der Luft stehen, als hätte er den Anschluss verloren. Sein Blick wanderte zu seinem Sohn.
„Jetzt sofort?“ Shinichi zog die Jacke über, wich dem Blick aus.
„Ja.“
„Du bist mitten im Frühstück“, stellte Yusaku fest. Keine Wertung. Nur Feststellung. Yukiko sagte nichts. Sie sah ihn an. Shinichi griff nach der Tür.
„Ich melde mich!“ Die Worte kamen zu schnell. Zu endgültig für einen Moment, der noch nicht abgeschlossen war.
„Warte...“, setzte Yusaku an, doch die Tür fiel bereits ins Schloss. Das Geräusch hallte kurz durch den Flur, lief die Wände entlang und verlor sich dann still im Raum. Nicht die gleiche wie zuvor. Diese war anders. Yusakus Blick blieb noch einen Moment auf der Tür liegen.
„Er ist in letzter Zeit wirklich komisch drauf.“ Yukiko sah ebenfalls dorthin. Ihre Finger lagen locker um die Tasse, als hätte sich nichts verändert. Ein feines Lächeln berührte ihre Lippen.
„Nicht wirklich.“ Er wandte den Kopf leicht zu ihr.
„Du hältst das für normal?“ Sie nahm einen ruhigen Schluck.
„Du denkst in Ergebnissen.“
„Und du in Beweggründen.“
„Beides hat seinen Platz.“ Er griff wieder nach seinem Besteck, drehte es zwischen den Fingern.
„Nur eines davon ist verlässlich.“ Yukiko stellte ihre Tasse ab. Das leise Klirren schnitt durch den Raum, kaum hörbar und doch deutlich genug, um den Moment zu markieren. Ihr Blick traf ruhig den ihres Ehemanns, bevor sie ihn wieder senkte.
Die Tür der Bar Kyu Yasui Tokyo schwang auf. Ein Schwall gedämpfter Musik und Stimmen schlug ihm entgegen, vermischte sich mit dem Geruch von Cocktails, Parfum und warmer Luft. Das Licht war weich, in dunklen Tönen gehalten, zog sich über den Raum, brach sich an Glas und Metall und verlor sich in den Schatten zwischen den Tischen. Shinichi blieb einen kurzen Moment stehen. Sein Atem ging noch etwas schneller, zog sich sichtbar durch seine Brust, während er Luft holte. Eine Hand fuhr sich flüchtig durch sein Haar, strich es zurück, ohne es wirklich zu ordnen. Sein Blick glitt suchend durch den Raum, bevor er sie sofort fand. Ran lehnte am Tresen, ein Ellbogen aufgestützt, das Kinn locker in die Hand gelegt. Ihr Blick lag bereits in seine Richtung, als hätte sie genau gewusst, wann er durch diese Tür kommen würde. Als ihre Augen ihn trafen, hob sich ein feiner Zug von Belustigung auf ihre Lippen.
„Du bist zu spät.“ Keine Schärfe. Keine Überraschung. Nur Feststellung. Shinichi setzte sich in Bewegung, ging direkt auf sie zu. Mit jedem Schritt wurde sein Atem ruhiger, seine Haltung entspannter, als würde sich etwas in ihm ganz von selbst ausgleichen.
„Nur ein bisschen“, erwiderte er, blieb vor ihr stehen. Ran hob eine Augenbraue.
„Du nennst knapp eine Stunde ein bisschen?“ Er zuckte leicht mit den Schultern.
„Ich hatte...“
„...natürlich einen guten Grund“, unterbrach sie ihn. Der Ton war leicht, wirkte vertraut. Als hätte sie diesen Satz schon oft gehört oder ihn einfach erwartet. Ein leises Lachen entwich ihm.
„Ich entschuldige mich ja schon.“
„Hm.“ Sie legte den Kopf schräg, verschränkte die Arme vor der Brust. Ihr Blick glitt langsam über ihn, fast prüfend, ohne wirklich streng zu sein.
„Ich weiß nicht, ob das reicht.“ Shinichi trat ohne zu zögern näher und beugte sich zu ihr hinunter. Seine Lippen trafen für einen kurzen Moment ihre. Die Bewegung war ruhig. Als hätte sie sich aus dem Moment ergeben, ohne dass sie hätte hinterfragt werden müssen.
„Und jetzt?“, fragte er leise. Ran zog sich nur einen Hauch zurück. Gerade genug, um ihn anzusehen. Ihr Blick hielt seinen. Für einen Moment blieb sie still, als würde sie die Wirkung abwägen... oder einfach genießen, dass er da war. Dann hob sich ein kleines Lächeln.
„Definitiv ein Anfang“, sagte sie.
„Aber ich glaube, es braucht mehr, damit ich dir wirklich verzeihe.“ Ein übertriebenes Schmollen zog sich spielerisch über sein Gesicht.
„So streng heute mit mir?“
„Oh ja“, erwiderte sie trocken. Doch die Strenge hielt nicht. Sie löste sich, noch während sie ihn ansah, wich einem warmen Funkeln, das sich in ihren Augen ausbreitete. Ihre Arme sanken langsam, als hätte sie vergessen, dass sie sie verschränkt hatte. Ohne darüber nachzudenken, lehnte sie sich leicht gegen ihn. Die Bewegung war klein, als hätte sie es schon oft so gemacht. Shinichis Blick blieb einen Moment auf ihr liegen. Das Grinsen auf seinen Lippen wurde weicher, verlor die Schärfe des Spiels und blieb als etwas Echtes zurück. Seine Hand legte sich an ihre Seite. Nicht suchend. Nicht vorsichtig. Einfach dort, wo sie hingehörte. Um sie herum bewegte sich der Raum weiter. Gläser klirrten leise, Stimmen überlagerten sich, Schritte glitten über den Boden. Licht zog sich über Gesichter, verschwand wieder, tauchte an anderer Stelle auf. Doch zwischen ihnen blieb es still. Nicht, weil es ruhig war, sondern weil es für einen Moment nichts anderes gab, das Bedeutung hatte.
Der Abend, an dem...
Das fahle Tageslicht drang nur in schmalen, blassen Streifen durch die beinahe vollständig zugezogenen Vorhänge. Der dünne Stoff bewegte sich träge im leichten Luftzug des gekippten Fensters und ließ das Licht flimmernd über die zerwühlten Laken wandern. Der Raum roch nach warmer Haut, nach dem leichten Duft von Parfum und der abgestandenen Wärme eines langen Morgens, an dem niemand es eilig hatte aufzustehen. Ein leises, lustvolles Keuchen verlor sich noch in der Stille, während Shinichi sich schwer atmend neben Ran auf die andere Seite des Bettes fallen ließ. Die Matratze gab unter seinem Gewicht nach, das Bett knarrte kaum hörbar. Für einen Moment schloss er die Augen, rang ruhig nach Atem, während sich sein Brustkorb langsam hob und senkte. Schweiß glänzte fein auf seiner Haut und sammelte sich an seinem Hals, an seinen Schultern, dort, wo das matte Licht ihn streifte. Ran lag auf der Seite zu ihm gedreht, halb in die zerknitterte Bettdecke gehüllt. Eine dunkle Haarsträhne klebte leicht an ihrer Wange, ihre Lippen waren noch leicht geöffnet von ihrem unruhigen Atem. Langsam glitt ihre Hand über seinen nackten Oberkörper, beinahe gedankenverloren, spürte die Wärme seiner Haut unter ihren Fingerspitzen. Ein zufriedenes Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus, ruhig, weich, vollkommen entspannt.
„Du übertreibst es wirklich jedes Mal“, murmelte sie schließlich mit hörbarer Belustigung in der Stimme. Shinichi öffnete die Augen wieder und drehte leicht den Kopf zu ihr. Sofort erschien dieses schiefe, selbstzufriedene Grinsen auf seinem Gesicht, als hätte er nur auf genau so einen Kommentar gewartet.
„Das nennt man Einsatz“, entgegnete er trocken und fuhr sich mit einer Hand durch das verschwitzte Haar, wodurch einzelne Strähnen noch ungeordneter nach hinten fielen.
„Außerdem ist es viel zu warm hier drin.“ Ran hob langsam eine Augenbraue.
„Natürlich.“
„Es stimmt doch.“
„Mhm.“ Ihre Finger zeichneten kleine, langsame Kreise über seine Brust.
„Und das hat rein gar nichts mit deinem Ego zu tun?“ Er sah sie gespielt empört an.
„Mein Ego ist vollkommen unschuldig.“ Ein leises Lachen entwich ihr, warm und ehrlich. Es erfüllte den stillen Raum mühelos.
„Du bist unmöglich.“
„Und trotzdem liegst du immer hier.“
„Leider ja.“
„Leider?“ wiederholte er und zog die Stirn gespielt beleidigt in Falten. Ran biss sich grinsend leicht auf die Unterlippe, als müsste sie ihr Lachen zurückhalten.
„Vielleicht war es gerade noch akzeptabel.“
„Gerade noch?“ Shinichi richtete sich etwas auf und stützte sich auf einen Arm, sodass er nun leicht über ihr hing.
„Das klingt ziemlich respektlos.“
„Dann streng dich nächstes Mal mehr an.“ Ein kurzes, ungläubiges Auflachen entwich ihm.
„Du wirst heute eindeutig zu frech.“ Ran verschränkte amüsiert die Arme vor der Brust, soweit die verrutschte Bettdecke es zuließ, und legte den Kopf leicht schräg.
„Und was willst du dagegen tun?“ In seinem Blick erschien sofort dieses gefährliche, spielerische Funkeln, das sie nur zu gut kannte.
„Das“, sagte er ruhig. Ohne weitere Vorwarnung wanderten seine Hände plötzlich an ihre Seiten. Ran japste erschrocken auf, bevor sofort helles Lachen aus ihr herausbrach. Reflexartig versuchte sie, sich seinen Fingern zu entziehen, zog die Schultern zusammen und wand sich unter ihm.
„Shinichi... nein!“ brachte sie zwischen mehreren Lachanfällen hervor. Er grinste breit.
„Zu spät.“
„Das ist unfair!“ Ihre Stimme überschlug sich beinahe vor Lachen, während sie versuchte, seine Hände wegzuschieben.
„Du weißt genau, dass ich da empfindlich bin...“
„Genau deshalb.“ Die Bettdecke rutschte weiter zur Seite, zerknitterte unter ihren Bewegungen, während Ran sich lachend hin und her wandte. Ihre Haare fielen wirr über das Kissen, einzelne Strähnen blieben an ihrem Hals kleben. Immer wieder versuchte sie, seinen Händen auszuweichen, doch Shinichi ließ ihr kaum eine Chance
„Okay... hör auf...!“ lachte sie atemlos und zog reflexartig die Knie etwas an.
„Shinichi!“ Er lachte inzwischen selbst leise mit, dieses zufriedene, kaum unterdrückte Grinsen fest in seinem Gesicht, während er sie weiter neckte, bis ihre Gegenwehr langsam schwächer wurde. Schließlich sank Ran erschöpft zurück in die Kissen. Ihr Atem ging schnell, ihre Wangen waren warm gerötet, und noch immer entwich ihr vereinzeltes Lachen.
„Okay… ich gebe auf“, murmelte sie schließlich zwischen zwei Atemzügen. Er ließ langsam von ihr ab. Seine Hand blieb locker an ihrer Hüfte liegen, warm und ruhig jetzt, ohne jede weitere Bewegung. Langsam glitt sein Blick über ihr Gesicht, als würde er sie in diesem Moment erst wirklich ansehen. Das Grinsen auf seinen Lippen wurde weicher. Ran erwiderte seinen Blick still. Das Lachen in ihren Augen verlor langsam seine Unruhe und wurde wärmer, ruhiger.
„Du siehst wunderschön aus“, sagte Shinichi leise. Für einen Moment sagte sie nichts. Ihre Finger glitten langsam in seinen Nacken, blieben dort liegen, während sie ihn ein Stück näher zu sich zog. Dann hob sie sich leicht zu ihm hoch und küsste ihn sanft.
Ran löste sich langsam von dem Kuss, gerade weit genug, dass ihre Lippen sich nicht mehr berührten. Für einen kurzen Moment blieb sie dennoch dicht vor ihm, ihr warmer Atem strich noch immer über seine Haut, ruhig und weich. Shinichi ließ sich tiefer zu ihr sinken, halb über ihrem Körper liegend, abgestützt auf einen Arm, während die Matratze unter ihrem gemeinsamen Gewicht leicht nachgab. Seine Lippen glitten langsam an ihre Wange. Kein hastiger Kuss, sondern ein ruhiger, beinahe verträumter Moment. Er schloss die Augen, während seine Stirn kurz ihre Schläfe streifte. Die Wärme ihrer Haut lag noch immer auf seiner, und ihr Duft hing schwer in der leicht stickigen Morgenluft des Hotelzimmers... süße Orangenblüte vermischt mit einer sanften Spur Vanille. Er atmete unbewusst tiefer ein. Das fahle Tageslicht glitt in schmalen Streifen durch die Vorhänge und wanderte langsam über die zerwühlten Laken, über ihre ineinander verschlungenen Beine, über die feinen Schweißspuren auf ihrer Haut. Draußen rauschte entfernt der Verkehr der Stadt, dumpf und weit weg, während im Zimmer selbst nur ihr ruhiger Atem und das leise Rascheln der Bettdecke zu hören war. Ran strich ihm langsam durch das dunkle Haar. Ihre Finger glitten weich durch die leicht verschwitzten Strähnen in seinem Nacken, während sie ihn mit einem kleinen, zufriedenen Lächeln betrachtete. Shinichis Gesicht entspannte sich vollkommen unter ihrer Berührung, als würde allein ihre Nähe genügen, um ihn ruhig werden zu lassen. Doch dann bewegte sie sich langsam unter ihm hervor. Die Matratze verlagerte sich leicht, als Ran sich vorsichtig aus seiner Umarmung löste und ihre Beine über die Bettkante schwang. Sofort ertönte hinter ihr ein tiefes, unzufriedenes Murren.
„Mhm… nein“, murmelte Shinichi mit noch geschlossenen Augen, die Stimme rau. Ran konnte sich ein leises Lachen nicht verkneifen. Langsam öffnete Shinichi die Augen wieder und blieb unmittelbar an ihr hängen. Sie stand mit dem Rücken halb zu ihm am Bettrand, während das matte Morgenlicht weich über ihre Haut strich. Ihr langes braunes Haar fiel offen über ihre Schultern und ihren Rücken, einzelne Strähnen bewegten sich leicht im Luftzug des offenen Fensters. Die zerknitterte Bettdecke lag noch halb um ihre Hüfte, bevor sie sie mit einer langsamen Bewegung ganz von sich gleiten ließ. Shinichis Blick wanderte schweigend über sie, beinahe träge, als würde er den Moment bewusst auskosten. Ran bemerkte es natürlich sofort. Das kleine Lächeln auf ihren Lippen wurde ein wenig breiter, fast herausfordernd.
„Was?“, fragte sie unschuldig, obwohl ihr Blick etwas vollkommen anderes verriet. Shinichi stützte sich langsam höher auf die Ellbogen, ohne den Blick von ihr zu nehmen.
„Du machst das extra.“ Ein leises, warmes Lachen entwich ihr
„Vielleicht.“ Sie drehte sich langsam von ihm weg und ging mit ruhigen Schritten zur Badezimmertür. Das Licht fing sich weich in ihrem Haar, ließ die braunen Strähnen kupfern schimmern. Shinichis Blick folgte jeder einzelnen Bewegung, vollkommen ungeniert. An der Tür angekommen blieb Ran noch einmal stehen. Langsam drehte sie sich zu ihm um. Eine Hand lag locker am Türrahmen, während sie den Kopf leicht schräg legte. Ihre Augen trafen seine direkt, warm und verspielt zugleich. Dann zwinkerte sie ihm langsam zu.
„Nicht einschlafen“, sagte sie leise. Noch bevor er antworten konnte, verschwand sie hinter der Tür. Ein paar Sekunden später erfüllte das leise Rauschen laufenden Wassers das stille Hotelzimmer. Shinichi ließ sich mit einem langen Seufzen zurück in die Kissen sinken. Seine Hand fuhr sich langsam durchs Gesicht, während ein grinsendes Kopfschütteln folgte.
„Sie macht mich echt wahnsinnig…“, murmelte er mehr zu sich selbst. Das warme Geräusch der Dusche hallte gedämpft durch die halb offene Badezimmertür. Er hörte das leichte Klirren einer Shampoo-Flasche, das leise Auftreffen von Wasser auf Fliesen. Und jede einzelne Sekunde machte es für ihn unmöglicher, einfach liegen zu bleiben. Mit einem tiefen Atemzug richtete er sich schließlich wieder auf. Die Bettdecke glitt achtlos von ihm herunter und landete zerknittert am Fußende des Bettes. Ohne auch nur den kleinsten Versuch zu machen, seine Eile zu verbergen, stand er auf und ging schnellen Schrittes durch das Zimmer. Je näher er dem Badezimmer kam, desto deutlicher wurde das Rauschen des warmen Wassers. Ein breites Grinsen zog sich erneut über sein Gesicht, als seine Hand bereits nach der Türklinke griff, um ihr ohne jedes Zögern unter die Dusche zu folgen.
Kurze Zeit später lag das warme Licht des Hotelzimmers weich über den Möbeln und spiegelte sich matt auf der Oberfläche des großen Spiegels wider, vor dem Ran stand. Durch die halb geöffneten Vorhänge fiel goldenes Licht herein und tauchte den Raum in diese ruhige, beinahe träge Stimmung, die nur entsteht, wenn Stunden langsam vergehen dürfen. Von draußen drangen gedämpfte Geräusche der Stadt nach oben... entferntes Autorauschen, vereinzelte Stimmen, das dumpfe Leben Tokios irgendwo weit unter ihnen. Ran stand dicht vor dem Spiegel und hob langsam die Arme an, während sie eine Seite ihres langen braunen Haares mit einer schmalen Spange zurücksteckte. Die dunklen Strähnen glitten weich über ihren Rücken und blieben leicht an dem dünnen Stoff ihres Pullovers hängen. Ihre Bewegungen waren ruhig, präzise, beinahe routiniert. Mit einem konzentrierten Blick überprüfte sie noch einmal ihr Augen-Make-up. Ihre Fingerspitze strich vorsichtig unter den feinen Lidstrich, nur um sicherzugehen, dass nichts verschmiert war. Das dezente Rosa auf ihren Lippen passte perfekt zu dem weichen Pastellton ihres lockeren Pullovers, dessen Ärmel ihr leicht über die Hände reichten. Der pink-grau karierte Rock bewegte sich sanft bei jeder kleinen Bewegung ihrer Hüfte. Darunter endeten die dunklen Overknees knapp über ihren Knien und ließen ihre Beine noch länger wirken. Ein paar Schritte hinter ihr saß Shinichi bereits seit mehreren Minuten auf dem Rand des Bettes. Die Bettdecke lag zerwühlt hinter ihm, noch immer leicht eingedrückt von dort, wo sie zuvor gemeinsam gelegen hatten. Er hatte einen Arm locker auf seinem angewinkelten Knie abgelegt und beobachtete Ran schweigend durch den Spiegel. Sein Blick glitt langsam über sie... aufmerksam, ruhig, beinahe schwer. Man sah ihm an, dass er eigentlich überhaupt nicht wollte, dass sie ging. Ein leises Seufzen entwich ihm schließlich. Ran bemerkte es sofort. Noch bevor sie sich zu ihm umdrehte, erschien ein kleines, wissendes Schmunzeln auf ihren Lippen. Langsam stand Shinichi vom Bett auf. Seine Schritte waren ruhig und schlurfend zugleich, als würde er absichtlich Zeit hinauszögern. Erst direkt hinter ihr blieb er stehen. Dann beugte er sich langsam zu ihr herunter. Sein Kopf sank schwer auf ihre rechte Schulter, während sich seine Arme locker um ihre Taille schlangen. Durch den Spiegel traf sein Blick sofort ihren. Der gespielt schmollende Ausdruck in seinem Gesicht ließ Ran unmittelbar leise lachen.
„Vergiss es.“, sagte sie amüsiert. Shinichi zog leicht die Stirn kraus.
„Ich hab noch gar nichts gesagt.“
„Musst du auch nicht. Ich kenne diesen Blick.“ Sein Blick blieb an ihrem Spiegelbild hängen.
„Musst du denn wirklich gehen?“ Die Art, wie er es fragte, klang halb ernst gemeint, halb hoffnungsvoll. Ran drehte den Kopf leicht zu ihm. Ihr Lächeln wurde sofort weicher. Langsam wandte sie sich in seiner Umarmung zu ihm um, bis sie direkt vor ihm stand. Ihre Hände glitten ruhig an seinen Nacken und verschränkten sich locker dort. Shinichis Hände lagen automatisch an ihrer Hüfte, als wäre es die selbstverständlichste Berührung der Welt.
„Ja“, antwortete sie leise.
„Ich brauche dringend mal wieder Vitamin D… und etwas Zeit mit meinen Mädels.“ Shinichi ließ ein leises, unzufriedenes Geräusch hören und zog sie ein kleines Stück näher zu sich.
„Wir könnten auch einfach hier bleiben.“ Ran musste lachen. Warm und ehrlich.
„Shinichi.“
„Was denn?“ fragte er mit diesem unschuldigen Tonfall, der absolut nicht unschuldig war.
„Wir sind seit drei Tagen praktisch aus der Außenwelt verschwunden.“
„Und?“ Seine Hände glitten langsam über ihre Hüften.
„Ich sehe darin ehrlich gesagt kein Problem... Wir haben einen Whirlpool... Champagner... Wir könnten uns wieder was vom Zimmerservice bestellen... Sushi oder so.“ Das brachte sie erneut zum Lachen. Sie schüttelte leicht den Kopf, während ihre Finger gedankenverloren durch die kurzen Haare an seinem Nacken strichen.
„Das geht leider nicht.“
„Doch. Du musst nur bleiben.“
„Kazuha bringt mich um, wenn ich heute wieder absage.“
„Das Risiko wäre es wert.“ Ran hob langsam eine Augenbraue.
„Und was ist mit dem Essen mit deinen Eltern?“ Shinichi verzog leicht das Gesicht, als hätte allein die Erinnerung daran seine Stimmung verschlechtert.
„Das ist was anderes.“
„Ach ja?“
„Definitiv.“ Sie musterte ihn amüsiert.
„Du würdest also einfach absagen?“ Sein Blick wurde sofort vollkommen selbstverständlich.
„Für dich? Jederzeit.“ Für einen kurzen Moment verlor ihr Lächeln etwas von ihrer Verspieltheit und wurde weicher. Sie sah ihn still an, bevor sie langsam den Kopf schüttelte.
„Nein“, sagte sie leise. Ein kaum hörbares Seufzen verließ ihn.
„Ran...“
„Du gehst mit deiner Familie zu dem Essen.“ Sie stupste ihn leicht gegen die Brust.
„Und ich gehe mit meinen Mädels aus.“ Shinichi ließ die Stirn langsam gegen ihre sinken und schloss für einen Moment die Augen
„Du bist viel zu vernünftig.“ Ran lächelte dicht vor ihm.
„Einer von uns muss es sein.“ Ein leises Schnauben entwich ihm, bevor sie sich langsam zu ihm hochlehnte und ihn sanft küsste. Der Kuss war weich und ruhig. Kurz... und trotzdem lange genug, dass Shinichi hörbar unzufrieden ausatmete, als sie sich wieder von ihm löste.
„Nicht so gucken“, murmelte sie lächelnd. Mit ihrem Daumen strich sie vorsichtig über seine Unterlippe und wischte die leichte Spur ihres Lippenstifts weg, die dort zurückgeblieben war. Shinichi sah sie noch einen Moment schweigend an, bevor er schließlich langsam nickte. Ran griff nach ihrer kleinen Tasche, die auf dem Sessel neben der Tür lag, und trat einen Schritt rückwärts.
„Viel Spaß bei dem Essen.“
„Werd ich nicht haben“, murmelte er trocken. Sie lachte leise. Dann hob sie noch einmal kurz die Hand für einen Luftkuss zum Abschied, öffnete die Tür und verschwand aus dem Hotelzimmer. Die Tür fiel leise hinter ihr ins Schloss. Sofort wirkte der Raum stiller. Shinichi blieb noch einen Augenblick regungslos stehen und blickte zur Tür, während das warme Licht weiterhin ruhig durch die Vorhänge fiel. Dann fuhr er sich langsam durchs Haar, atmete tief aus und wandte sich schließlich wieder dem Zimmer zu. Mit einem letzten Blick auf das zerwühlte Bett griff er nach seinen Sachen, um sich ebenfalls für den Heimweg fertig zu machen.
Die schwere Haustür fiel mit einem dumpfen, satten Geräusch ins Schloss, kaum nachdem Shinichi das Haus betreten hatte. Für einen kurzen Moment blieb hinter ihm noch das entfernte Rauschen der Straße zurück, bevor die Stille des großen Anwesens ihn vollkommen verschluckte. Warme Beleuchtung spiegelte sich weich auf dem dunklen Marmorboden des Eingangsbereichs. Der feine Geruch nach frischem Holz, polierten Möbeln und dezentem Raumduft lag ruhig in der Luft. Irgendwo weiter hinten im Haus tickte gleichmäßig eine Uhr. Sonst war es still. Kaum hatte Shinichi einen Schritt weiter ins Foyer gesetzt, erschien bereits Yui aus dem angrenzenden Flur. Ihre Bewegungen waren wie immer ruhig und geordnet. Sie blieb einige Schritte vor ihm stehen, senkte höflich den Blick und verbeugte sich elegant.
„Willkommen zurück, Shinichi-sama.“ Noch während sie sich verbeugte, erschien bereits ein leises Schmunzeln auf seinem Gesicht. Er zog langsam die Schuhe aus, richtete sich wieder auf und sah sie beinahe hilflos amüsiert an.
„Yui…“ Allein die Art, wie er ihren Namen sagte, verriet bereits genug. Sie richtete sich wieder auf und lächelte freundlich, als würde sie genau wissen, was jetzt folgen würde.
„Ich hab dir doch wirklich oft genug gesagt, dass du das nicht machen sollst.“ Shinichi fuhr sich kurz durchs Haar und deutete beiläufig auf ihre Verbeugung.
„Dieses ganze ‚Shinichi-sama‘ und Verbeugen und alles.“ Yui legte die Hände ordentlich voreinander.
„Es gehört sich so.“
„Nein, laut meinem Vater gehört sich das so.“ Ein kaum sichtbares, amüsiertes Funkeln huschte kurz durch ihre Augen. Shinichi ließ hörbar die Luft aus den Lungen entweichen und schüttelte leicht den Kopf, während er seine Jacke lockerte.
„Du sollst dich nicht vor mir verbeugen“, sagte er ruhiger.
„Ich mag das nicht.“ Yuis Lächeln wurde etwas weicher.
„Trotzdem werde ich damit nicht aufhören können.“
„Doch. Du bist nicht irgendeine Bedienstete, Yui.“ Das brachte sie kurz zum Lächeln. Dann wurde ihr Ausdruck wieder etwas förmlicher.
„Deine Eltern warten bereits im Esszimmer auf dich.“ Shinichis Blick wanderte automatisch den langen Flur entlang bis zur geschlossenen Tür am Ende des Hauses. Dahinter waren dumpf gedämpfte Stimmen zu hören. Vermutlich mitten in irgendeinem Gespräch, das sofort verstummen würde, sobald er den Raum betrat. Er nickte langsam.
„Dachte ich mir.“ Doch anstatt direkt auf die Tür zuzugehen, wandte er sich ohne Eile der breiten Treppe zu, die in den oberen Stock führte. Seine Hand glitt locker über das dunkle Holz des Geländers, während er die ersten Stufen hinaufstieg.
„Kannst du meinen Eltern sagen, dass ich gleich komme?“ fragte er ruhig über die Schulter hinweg.
„Natürlich.“ Ohne einen Moment zu zögern setzte Yui sich bereits in Bewegung und verschwand lautlos in Richtung Esszimmer, während Shinichi weiter die Treppe hinaufging. Seine Schritte hallten dumpf über das Holz. Mit jeder Stufe fiel die Anspannung in seinen Schultern ein wenig mehr ab. Der Geruch des Hauses wurde schwächer, je weiter er sich von den unteren Räumen entfernte. Oben angekommen lag der Flur beinahe vollkommen still da, nur vom Licht erhellt, das durch die hohen Fenster fiel. Shinichi bog nach rechts ab und öffnete die Tür zu seinem Zimmer. Das leise Klicken des Schlosses durchschnitt kurz die Ruhe. Für einen Moment blieb er einfach im Raum stehen. Die Sonne fiel in langen goldenen Streifen durch die großen Fenster und zog weiche Schatten über den Boden. Alles wirkte ordentlich, gänzlich unberührt... das perfekt gemachte Bett, die sauber aufgeräumten Regale, der dunkle Schreibtisch am Fenster. Ein starker Kontrast zu den letzten Tagen. Shinichi atmete langsam aus. Dann griff er ohne große Eile an den Saum seines Shirts und zog es sich über den Kopf. Der Stoff streifte kurz über sein Gesicht, bevor er ihn achtlos über einen Stuhl warf. Mit ruhigen Schritten ging er auf den großen Kleiderschrank zu und öffnete ihn.
Sauber gebügelte Hemden hingen ordentlich nebeneinander an dunklen Kleiderbügeln. Weiß, schwarz, grau... alles präzise sortiert. Sein Blick glitt kurz darüber, bevor er nach einem frischen weißen Hemd griff. Der Stoff fühlte sich kühl und glatt an, als er es sich überzog. Langsam schob er die Arme durch die Ärmel und begann die Knöpfe zu schließen. Einer nach dem anderen. Die oberen beiden ließ er bewusst offen. Allein beim Gedanken an eine Krawatte verzog sich sein Gesicht leicht.
„Ganz sicher nicht“, murmelte er leise vor sich hin. Das Sakko folgte direkt danach. Der dunkle Stoff legte sich sauber über seine Schultern und gab ihm sofort wieder dieses kontrollierte, beinahe perfekte Erscheinungsbild, das sein Vater erwartete. Anschließend wechselte er die Hose und schlüpfte in andere Schuhe, deren Absätze leise über den Boden klickten. Erst danach griff er nach der Rolex, die ordentlich auf der Kommode lag. Das Metall glänzte matt im warmen Licht des Zimmers, als er sie langsam um sein linkes Handgelenk legte und den Verschluss schloss. Ein kurzes metallisches Klicken erfüllte den Raum. Schließlich trat er vor den Spiegel. Sein Blick glitt ruhig über sein Spiegelbild. Das leicht zerzauste Haar, die geöffneten Hemdknöpfe, der dunkle Stoff des Sakkos. Mit einer Hand fuhr er langsam durch die dunklen Strähnen und brachte sie zumindest grob wieder in Form. Nicht perfekt. Aber ordentlich genug. Einen kurzen Moment betrachtete er sich noch schweigend, bevor er schließlich wieder zur Tür ging. Seine Hand legte sich auf die Klinke und dann verließ er das Zimmer.
Mit ruhigen, gleichmäßigen Schritten ging Shinichi die breite Treppe wieder hinunter. Das dumpfe Geräusch seiner Schritte verlor sich leise zwischen den hohen Wänden des Hauses. Während er sich dem unteren Stock näherte, wurden die gedämpften Stimmen aus dem Esszimmer deutlicher... ruhig, kontrolliert, beinahe so präzise wie alles andere in diesem Haus. Unten angekommen glitt sein Blick kurz durch den langen Flur, bevor er ohne Eile auf die halb geöffnete Tür des Esszimmers zuging. Warmes Licht fiel aus dem Raum hinaus auf den dunklen Boden des Flurs. Der feine Duft von frischem Fisch, Reisessig und dezenten Gewürzen lag in der Luft. Shinichi legte die Hand an die Tür und trat ein. Der große Esstisch war bereits gedeckt. Das dunkle Holz spiegelte matt das warme Licht des Kronleuchters wider, während das sorgfältig angerichtete Essen beinahe zu perfekt wirkte, um es tatsächlich anzurühren. Vor jedem Platz stand identisches Geschirr, präzise ausgerichtet, kein Besteck lag auch nur einen Zentimeter verschoben. Yukiko saß bereits an ihrem Platz und wirkte im warmen Licht beinahe vollkommen entspannt. Yusaku hingegen saß aufrecht am Kopfende des Tisches, die Haltung ruhig und kontrolliert wie immer. Vor ihnen stand bereits die Vorspeise. Fein geschnittenes Sashimi lag sauber angerichtet auf dunklem Geschirr, daneben das helle Daikon-Püree, auf dem Keta-Kaviar in kleinen glänzenden Perlen ruhte. Selbst das Arrangement wirkte geplant. Kaum hatte Shinichi den Raum betreten, hob Yusaku langsam den Blick. Ohne ein Wort zu sagen bewegte er lediglich einen Finger leicht in Richtung der Uhr an seinem Handgelenk. Eine kleine, stille Geste. Mehr brauchte es nicht. Zu spät. Shinichi registrierte den Hinweis selbstverständlich sofort. Doch anstatt darauf einzugehen, zog er einfach ruhig seinen Stuhl zurück und setzte sich an seinen Platz, vollkommen unbeeindruckt von der wortlosen Kritik seines Vaters. Das leise Geräusch des Stuhls über den Boden durchbrach für einen Moment die Stille. Yui trat beinahe lautlos neben ihn. Mit geübter Präzision hob sie die Karaffe leicht an und goss frisches Wasser in sein Glas. Das klare Geräusch des Wassers klang ruhig zwischen dem feinen Geschirr. Shinichi hob den Blick kurz zu ihr und lächelte leicht.
„Danke, Yui.“ Sie verbeugte sich dieses Mal nur minimal und trat wieder einen Schritt zurück. Shinichi griff nach seinem Glas und nahm einen kleinen Schluck. Das kühle Wasser glitt ruhig seine Kehle hinunter, während sein Blick für einen kurzen Moment durch den Raum wanderte. Yukiko beobachtete ihren Sohn bereits. Ein warmes, beinahe erleichtertes Lächeln lag auf ihren Lippen. Allein die Tatsache, dass er tatsächlich am gemeinsamen Essen teilnahm, schien ihre Stimmung sichtbar zu heben.
„Das Hemd steht dir“, sagte sie schließlich ruhig. Shinichi stellte das Glas langsam wieder ab.
„Danke.“ Ihr Blick glitt kurz zu den geöffneten oberen Knöpfen seines Hemdes, und ein kaum sichtbares Schmunzeln erschien auf ihrem Gesicht.
„Keine Krawatte?“
„Ich wollte atmen können.“ Das brachte Yukiko zum leisen Lachen. Yusaku hingegen schwieg zunächst. Sein Blick ruhte einige Sekunden lang prüfend auf seinem Sohn, beinahe zu aufmerksam. Er ließ sich Zeit damit, Shinichi zu mustern, als würde er jede Kleinigkeit registrieren. Die leicht geöffneten Hemdknöpfe. Das bewusst lockere Erscheinungsbild. Die Spur von Müdigkeit, die trotz allem noch in seinem Gesicht lag. Dann räusperte Yusaku sich leise. Sofort richtete sich seine Haltung noch ein kleines Stück mehr auf. Die Bewegung wirkte ruhig, kontrolliert und gleichzeitig vollkommen eindeutig. Mit ruhigen, gleichmäßigen Bewegungen griff Yusaku nach seinen Stäbchen und nahm ein Stück des fein angerichteten Sashimis auf. Das Licht des Kronleuchters spiegelte sich matt auf der dunklen Keramik des Tellers, während für einen kurzen Moment nichts außer dem leisen Klirren von Geschirr und dem kaum hörbaren Rascheln von Stoff zu hören war. Dann durchschnitt Yusakus Stimme ruhig die Stille.
„Wo warst du die letzten Tage?“ Die Frage klang beinahe beiläufig. Neutral. So ruhig gestellt, als wäre sie nicht weiter von Bedeutung. Und genau deshalb wirkte sie umso aufmerksamer. Shinichi hob den Blick nur kurz von seinem Teller. Sein Gesicht blieb vollkommen entspannt. Er kaute ruhig weiter, bevor er das Glas neben sich leicht drehte und mit einer Schulter zuckte, als wäre die Antwort kaum der Rede wert.
„Ein bisschen außerhalb von Tokio.“ Yusakus Blick blieb auf ihm ruhen.
„Außerhalb wo?“ Shinichi griff nach einem weiteren Stück Sashimi. Seine Bewegungen wirkten kontrolliert langsam, beinahe zu ruhig
„Hakone.“ Yukikos Blick hob sich sofort leicht. Sie sagte nichts. Shinichi bemerkte es trotzdem.
„Mit Heiji und Kaito“, ergänzte er beiläufig und nahm den nächsten Bissen, als wäre damit alles gesagt. Ein paar Sekunden blieb es still.
Yusaku nickte schließlich langsam und wandte den Blick wieder seinem Teller zu, ohne weiter nachzufragen.
„Verstehe.“ Mehr kam nicht von ihm. Doch Yukiko beobachtete ihren Sohn weiterhin. Ihr Blick glitt über sein Gesicht, blieb einen Moment länger an seinen Augen hängen... und genau dort lag der kurze, kaum sichtbare Fehler. Nicht groß genug, dass jemand Fremdes ihn bemerkt hätte. Aber genug für sie. Shinichi hielt ihrem Blick für einen winzigen Moment stand, bevor er sich wieder seinem Essen widmete. Und in genau diesem Augenblick verstand Yukiko sofort. Er log. Nicht aus Unsicherheit. Nicht einmal besonders schlecht. Sondern einfach bewusst. Ein kaum merkliches Schmunzeln erschien in ihren Augen, verschwand jedoch sofort wieder hinter ihrer ruhigen Fassade. Sie sagte nichts dazu. Stattdessen griff sie elegant nach ihrem Glas und nahm einen kleinen Schluck Wasser. Das gemeinsame Essen verlief zunächst ruhig weiter. Nur das leise Geräusch von Besteck auf Keramik und vereinzelte kurze Bemerkungen erfüllten den Raum. Yui bewegte sich beinahe lautlos um den Tisch herum, räumte benutzte Teller ab und servierte den nächsten Gang mit derselben präzisen Ruhe, die jede ihrer Bewegungen begleitete. Wenig später stand das Hauptgericht vor ihnen. Wagyu-Tatar. Fein angerichtet neben geröstetem Brot und einem kleinen, sorgfältig drapierten Salat. Der Duft des warmen Brotes vermischte sich mit den milden Gewürzen und legte sich ruhig über den Tisch. Shinichi lehnte sich leicht zurück, während Yusaku bereits wieder sprach.
„Der heutige Abend duldet keine Fehler.“ Seine Stimme blieb ruhig, doch jede Silbe war klar gesetzt. Yukiko hob leicht den Blick zu ihm, während Shinichi schweigend nach seinem Glas griff.
„Die Veranstaltung wird international beobachtet“, fuhr Yusaku fort und schnitt das geröstete Brot mit präzisen Bewegungen an.
„Das Auftreten unserer Familie ist entsprechend wichtig.“ Shinichi nahm einen kleinen Schluck Wasser. Sein Blick ruhte dabei irgendwo auf dem Tisch, ohne sich wirklich auf etwas zu konzentrieren.
„Besonders heute Abend“, sagte Yusaku weiter.
„Ich erwarte Konzentration. Keine Unaufmerksamkeit. Keine unnötigen Diskussionen.“ Yukiko lächelte ruhig, beinahe beschwichtigend.
„Es wird alles gut laufen.“ Yusaku hob kurz den Blick zu Shinichi.
„Das hoffe ich.“ Ein leichtes Schmunzeln erschien auf Yukikos Lippen. Yusaku hingegen blieb vollkommen ernst. Shinichi ließ leise die Luft aus den Lungen entweichen und griff nach einem Stück Brot. Am liebsten hätte er den Abend irgendwo anders verbracht. Nicht dort. Nicht zwischen bedeutungsschweren Gesprächen, kontrollierten Blicken und Menschen, die jedes Wort analysierten. Für einen kurzen Moment dachte er daran, wie viel lieber er jetzt mit Ran irgendwo in der Stadt gewesen wäre. Irgendwo ohne Erwartungen. Ohne diese ständige Kontrolle. Der Gedanke ließ seine Schultern unbewusst etwas entspannter sinken.
„Shinichi.“ Die Stimme seines Vaters holte ihn zurück. Er hob langsam den Blick. Yusaku sah ihn ruhig an.
„Ich gehe davon aus, dass ich mich heute Abend auf dich verlassen kann.“ Einen kurzen Moment blieb es still. Dann nickte Shinichi langsam.
„Natürlich.“ Die Antwort kam ruhig. Kontrolliert. Und ausreichend genug, dass Yusaku sich wieder seinem Essen widmete, während über dem Tisch erneut diese geordnete, beinahe makellose Ruhe lag, die in diesem Haus niemals ganz verschwand.
Das grelle Blitzlicht der Kameras flackerte beinahe pausenlos über den Vorplatz des Gebäudes und spiegelte sich scharf auf dem tiefschwarzen Lack der Limousinen wider, die nacheinander vor dem breiten Eingangsbereich hielten. Stimmen überschnitten sich, Fotografen riefen Namen durcheinander, während das dumpfe Geräusch teurer Schuhe über den glatten Steinboden hallte. Die Tür der Limousine wurde geöffnet. Zuerst stieg Yusaku aus. Jede Bewegung wirkte selbstverständlich präzise, als hätte selbst das Verlassen des Wagens eine bestimmte Choreografie. Direkt danach folgte Yukiko. Das Licht der Kameras fing sich sofort in ihrem dunklen Haar und auf dem eleganten Stoff ihres Kleides, während ihr gewohnt makelloses Lächeln erschien. Shinichi stieg zuletzt aus. Kaum hatte er die Tür hinter sich geschlossen, richteten sich mehrere Kameras unmittelbar auf ihn. Das Klicken der Auslöser wurde für einen Moment lauter. Yusaku blieb bereits in perfekter Haltung stehen, eine Hand ruhig am Rücken seiner Frau, während beide sich den Fotografen zuwandten. Yukiko lächelte ruhig in die Kameras, elegant und vollkommen geübt in dieser Art von Aufmerksamkeit.
Shinichi trat schweigend neben seine Mutter. Für einen kurzen Moment spiegelte sich das Blitzlicht in seinen Augen, bevor auch auf seinem Gesicht dieses perfekt kontrollierte Lächeln erschien. Nicht übertrieben. Nicht falsch genug, um aufgesetzt zu wirken. Einfach genau richtig. Einstudiert über Jahre. Mehrere Fotografen riefen ihren Namen, baten um einen Blick in ihre Richtung, um noch ein weiteres Bild. Die Familie reagierte beinahe automatisch darauf. Eine leichte Drehung zur Seite. Ein kurzer Blick. Ein ruhiges Lächeln. Perfekt kontrollierte Öffentlichkeit. Dann nahm Yusaku langsam die Hand seiner Frau und wandte sich ohne weitere Verzögerung dem Eingang des Gebäudes zu. Shinichi folgte wenige Schritte hinter ihnen. Das goldene Licht der hohen Eingangshalle schlug ihnen sofort entgegen, warm und hell, beinahe blendend nach dem dunkleren Abend draußen. Marmor spiegelte sich unter ihren Füßen, leise Musik lag gedämpft in der Luft, vermischt mit ruhigen Gesprächen und dem feinen Klang von Gläsern. Während sie durch die Halle gingen, nickte Shinichi vereinzelten Personen höflich zu. Hier und da erschien ein kontrolliertes Lächeln auf seinem Gesicht. Menschen begrüßten die Familie Kudo respektvoll, manche leicht verbeugend, andere mit höflich zurückhaltender Bewunderung. Und jedes einzelne Lächeln. Jeder Blick. Jede Bewegung. War Teil dieser perfekt funktionierenden Darstellung. Eine makellose Show aus Einfluss, Eleganz und Status. Am Empfang wurden sie sofort erkannt. Die Mitarbeiter verbeugten sich höflich.
„Willkommen, Familie Kudo.“
„Vielen Dank.“ Ohne unnötige Verzögerung führte man sie durch den großen Saal zu ihrem Tisch. Kristalllüster warfen warmes Licht über die elegant gedeckten Tische, während sich überall leise Gespräche, dezentes Lachen und das sanfte Klirren von Gläsern vermischten. Kaum hatten sie Platz genommen, erschien bereits ein Kellner neben ihnen und servierte innerhalb weniger Sekunden ein Glas Chanmoris Kōshū Orange. Der helle Weißwein fing das Licht weich ein und schimmerte gold-orange im Glas. Yusaku hob sein Glas langsam an und nahm einen ruhigen Schluck. Dann glitt sein Blick einige Tische weiter. Mit einer kleinen Bewegung seines Glases deutete er auf einen Mann, der sich gerade mit mehreren Gästen unterhielt.
„Dort“, sagte Yusaku ruhig. Shinichi und Yukiko folgten seinem Blick. Der Mann wirkte ruhig und selbstsicher zwischen den anderen Gästen. Dunkler Maßanzug, kontrollierte Haltung, keine unnötigen Bewegungen. Trotz der Menschen um ihn herum lag eine gewisse Selbstverständlichkeit in seiner Präsenz... als wäre Aufmerksamkeit etwas vollkommen Normales für ihn.
„Einer der einflussreichsten Geschäftsmänner Europas“, erklärte Yusaku. Yukiko betrachtete ihn aufmerksam.
„Er wirkt jung.“
„Ist er auch.“ Yusaku stellte das Glas langsam wieder ab.
„Er konnte bereits in sehr jungen Jahren Investoren für seine Projekte gewinnen. Mittlerweile besitzt sein Unternehmen Standorte auf mehreren Kontinenten.“ Yukikos Blick blieb weiterhin auf dem Mann liegen.
„Beeindruckend.“ Das Licht der Kronleuchter spiegelte sich weich in ihrem Glas, während sie den Fremden musterte.
„Wie alt ist er?“
„Neunundzwanzig.“ Yukikos Augen weiteten sich minimal.
„Neunundzwanzig?“ Yusaku nickte ruhig.
„Innerhalb weniger Jahre hat er das Geschäft seines Vaters erfolgreich ausgebaut und international etabliert.“ Für einen kurzen Moment blieb sein Blick auf dem Mann ruhen. Dann wandte er sich langsam seinem Sohn zu. Das Licht spiegelte sich schwach in seinen Brillengläsern, während seine Stimme ruhig blieb.
„Genau das erwarte ich eines Tages ebenfalls.“ Shinichi hob langsam den Blick zu seinem Vater. Zwischen ihnen entstand ein kurzer Moment stiller Spannung. Nicht laut. Nicht offensichtlich. Aber spürbar. Yusakus Blick blieb ruhig und klar. Die Bedeutung hinter seinen Worten musste nicht weiter erklärt werden. Er sprach nicht nur über Unternehmen. Nicht nur über Erfolg. Sondern über Verantwortung. Gewisse Erwartungen. Sein Vermächtnis. Shinichi hielt seinem Blick einige Sekunden stand. Dann erschien lediglich ein kleines, kontrolliertes Lächeln auf seinen Lippen. Und vollkommen undeutbar.
Es dauerte nicht lange, bis kontrollierter Applaus durch den großen Saal erklang. Das leise Stimmengewirr zwischen den Gästen ebbte langsam ab, während sich die Aufmerksamkeit nach vorne richtete. Auf der Bühne trat ein Mann an das Mikrofon, geschniegelt, selbstbewusst und mit genau jener routinierten Ausstrahlung, die Menschen besaßen, die regelmäßig vor großen Menschenmengen sprachen. Das Licht der Scheinwerfer fing sich auf dem dunklen Stoff seines Anzugs, während sich ein breites, beinahe übertrieben charmantes Lächeln auf seinem Gesicht ausbreitete.
„Meine Damen und Herren...“ Seine Stimme hallte klar durch die Lautsprecher des Saals und legte sich sofort über das letzte verstummende Murmeln der Gäste.
„Ich freue mich außerordentlich, Sie heute Abend hier begrüßen zu dürfen.“ Der Mann sprach flüssig. Jede Pause wirkte bewusst gesetzt, jeder Blick durch den Saal perfekt kalkuliert. Zwischen den seriösen Formulierungen mischte sich immer wieder lockerer Humor, kleine Bemerkungen, die offensichtlich darauf ausgelegt waren, die Stimmung aufzulockern. Und es funktionierte. Immer wieder erklang höfliches Gelächter zwischen den Tischen. Manche Gäste lachten deutlich lauter als nötig, andere applaudierten beinahe übertrieben begeistert auf jede halbwegs charmante Bemerkung. Die Stimmung im Saal wurde sichtbar lockerer. Menschen lehnten sich entspannter zurück, Gespräche verstummten zugunsten der Bühne, und selbst die Kellner bewegten sich nun etwas langsamer zwischen den Tischen hindurch, um niemanden während der Eröffnung zu stören. Und mitten zwischen all diesen Menschen saß Shinichi. Sein Ellbogen ruhte locker auf der Armlehne seines Stuhls, während er mit kontrollierter Höflichkeit genau dann leicht lächelte oder klatschte, wenn es erwartet wurde. Nicht zu wenig. Nicht zu viel. Ein perfektes Mitspielen. Doch in seinen Augen lag keinerlei echtes Interesse. Und spätestens nach den ersten Minuten hatten sich dessen endlose Worte über internationale Branchen-Trends, Innovationen und zukünftige Entwicklungen nur noch wie gleichmäßiges Hintergrundrauschen angehört. Shinichis Blick glitt kurz durch den Saal. Über elegante Kleider und Maßanzüge. Gläser mit golden schimmerndem Wein. Menschen, die aufmerksam nickten, als würden sie jedes einzelne Wort dort vorne tatsächlich faszinierend finden. Ein leises Klatschen erklang erneut. Fast automatisch hob auch Shinichi kurz die Hände und applaudierte höflich mit. Dann wanderte sein Blick beinahe gelangweilt zurück zur Bühne. Der Moderator trat einige Schritte zur Seite und hob mit einer fließenden Bewegung den Arm.
„Und nun“, begann er mit hörbarer Begeisterung,
„möchte ich Ihnen einen Mann vorstellen, der wie kaum ein anderer für modernen Erfolg, Bodenständigkeit und zukunftsorientiertes Denken steht.“ Mehrere Gäste richteten sich sofort etwas aufmerksamer auf.
„Ein Geschäftsmann, dessen Einfluss in den letzten Jahren bemerkenswert gewachsen ist.“ Der Mann auf der Bühne lächelte breit in den Saal.
„Bitte begrüßen Sie mit mir... Kogoro Mori.“ Sofort brandete lauter Applaus durch den Raum. Mehrere Gäste begannen beinahe enthusiastisch zu klatschen, während einige Köpfe sich bereits neugierig zur Bühne drehten. Ein Mann mit schwarzen Haaren betrat die Bühne. Sein dunkler Anzug saß makellos, jede Bewegung wirkte kontrolliert sicher. Mit einem ruhigen, professionellen Lächeln hob er die Hand leicht zur Begrüßung der Gäste. Die Scheinwerfer warfen helles Licht auf sein Gesicht, während er anschließend dem Moderator die Hand schüttelte. Am Tisch der Familie Kudo ließ Yusaku leise ein amüsiertes Schnaufen hören. Kaum hörbar. Und dennoch deutlich genug. Er hob sein Glas leicht an und betrachtete Kogoro Mori auf der Bühne mit jener ruhigen Herablassung, die er selten offen zeigte.
„Bodenständig“, wiederholte er trocken.
„Interessante Wortwahl.“ Yukiko warf ihm einen kurzen Blick zu. Nicht überrascht. Eher wissend. Sie kannte die Abneigung ihres Mannes längst gut genug, um den Unterton sofort zu erkennen.
„Liebling“, sagte sie ruhig, beinahe mahnend, auch wenn ein leichtes Schmunzeln auf ihren Lippen lag.
„Was denn?“ erwiderte er gelassen.
„Ich kommentiere lediglich die Präsentation.“ Sein Blick blieb weiterhin auf die Bühne gerichtet.
„Die heutige Geschäftswelt scheint sehr niedrige Standards entwickelt zu haben.“ Yukiko schüttelte leicht den Kopf und nahm einen kleinen Schluck ihres Weins, ohne weiter darauf einzugehen. Shinichi hingegen saß schweigend neben ihnen. Die Stimmen seiner Eltern drangen kaum wirklich zu ihm durch. Sein Blick ruhte nur flüchtig auf der Bühne, ohne echtes Interesse an den Mann oder der Präsentation. Er hatte bereits vergessen, wie der Mann auf der Bühne überhaupt hieß. Eigentlich wartete er nur darauf, dass dieser Abend endlich vorbei war. Dass die Reden endeten. Dass das künstliche Lächeln, die Gespräche und diese perfekt einstudierte Darstellung irgendwann aufhörten. Er griff nach seinem Glas und nahm einen ruhigen Schluck des Weißweins, während bereits erneut Applaus erklang.
Kogoro trat ruhig an das Pult heran, das Mikrofon fing das Licht der Scheinwerfer matt ein, während der Applaus im Saal langsam abebbte. Mit einer kontrollierten Bewegung richtete er das Mikrofon leicht aus, bevor sein Blick über die Menge glitt. Dann begann er zu sprechen. Seine Stimme war ruhig. Gefasst. Nicht übertrieben laut oder künstlich enthusiastisch wie die des Moderators zuvor. Stattdessen sprach er mit einer kontrollierten Sicherheit, die sofort deutlich professioneller wirkte. Er sprach über sein neues Projekt. Über Expansion. Über internationale Zusammenarbeit. Über die Größenordnung des Vorhabens, das umfangreicher werden würde als alles, was sein Unternehmen zuvor umgesetzt hatte. Während er sprach, erschienen hinter ihm auf den großen Bildschirmen elegante Präsentationen und Grafiken. Zahlen wechselten über die Leinwand, Bilder geplanter Standorte wurden eingeblendet, während im Saal immer wieder zustimmendes Nicken zu sehen war. Kogoro sprach weiter über Investoren, über Partnerunternehmen und darüber, wie aktiv diese an der Entwicklung beteiligt sein würden. Doch Shinichi hörte nur halb zu. Sein Blick lag deutlich häufiger auf dem goldfarbenen Weißwein in seinem Glas als auf der Bühne. Langsam drehte er das Glas leicht zwischen den Fingern, beobachtete, wie das Licht sich darin brach. Die Stimme Kogoros wurde für ihn längst nur noch zu gleichmäßigem Hintergrundrauschen. Hier und da nahm er einzelne Worte wahr. Internationale Zusammenarbeit. Neue Märkte.
Zukunftsorientierte Expansion. Nichts davon interessierte ihn wirklich. Sein Blick blieb auf dem Glas liegen, während um ihn herum erneut vereinzelter Applaus erklang. Dann veränderte sich Kogoros Stimme leicht. Sie klang deutlich wärmer als zuvor.
„Doch ohne meine Familie“, sagte er ruhig in das Mikrofon,
„wäre dieses Projekt niemals möglich gewesen.“ Shinichi nahm den Satz nur beiläufig wahr.
„Sie waren meine Inspiration.“ Einige Gäste lächelten sofort zustimmend.
„Ganz besonders meine Tochter.“ Erst jetzt hob Shinichi langsam den Blick ein wenig an. Nicht wirklich interessiert. Mehr aus Gewohnheit. Kogoro trat einen Schritt zur Seite und hob leicht die Hand.
„Ich möchte meine Familie bitten, zu mir auf die Bühne zu kommen.“ Leiser Applaus begann erneut durch den Saal zu gehen. Shinichis Blick glitt träge zur Bühne. Zuerst sah er eine Frau mit elegant hochgestecktem Haar, einer feinen Brille und einem dunklen Abendkleid die Bühne betreten. Dann bewegte sich hinter ihr eine weitere Gestalt ins Licht der Scheinwerfer. Und augenblicklich veränderte sich etwas in Shinichis Gesicht. Sein Rücken richtete sich merklich auf. Die zuvor beinahe gelangweilte Haltung verschwand innerhalb eines einzigen Moments. Sein Blick blieb vollkommen an der jungen Frau hängen, die neben ihrer Mutter auf die Bühne trat. Ran. Das Licht der Bühne legte einen warmen Schimmer über ihr pastellrotes Kleid, das knapp bis zu ihren Knien fiel und sich weich bei jeder Bewegung bewegte. Die Farbe hob sich sanft von der goldenen Beleuchtung des Saals ab und ließ ihre Haut beinahe noch heller wirken. Die vorderen Strähnen ihres langen braunen Haares waren sorgfältig nach hinten gesteckt. Nur einige weiche Strähnen umrahmten ihr Gesicht und bewegten sich leicht, als sie den Blick ruhig durch den Saal gleiten ließ. Elegant. Und gleichzeitig vollkommen echt zwischen all den künstlich kontrollierten Menschen dieses Abends. Shinichi bemerkte kaum bewusst, wie sich auf seinem Gesicht plötzlich ein Lächeln bildete. Nicht dieses höfliche, einstudierte Lächeln, das er den gesamten Abend getragen hatte. Sondern ein echtes, was sich kaum vermieden ließ. Etwas in seiner Brust zog sich sofort angenehm zusammen, dieses vertraute Gefühl innerlicher Ruhe und Freude, das jedes Mal auftauchte, sobald er seine Freundin sah. Der Rest des Saals verlor vollkommen an Bedeutung. Sein Blick blieb ausschließlich bei ihr. Und genau das entging Yukiko keine Sekunde lang. Sie hatte die Veränderung ihres Sohnes sofort bemerkt. Die Art, wie er plötzlich aufrechter dasaß. Wie seine Aufmerksamkeit schlagartig vollkommen präsent war. Wie sein Blick sich kein einziges Mal mehr von der Bühne löste. Langsam folgte Yukiko seinem Blick. Ihre Augen glitten ruhig zur Bühne... bis sie schließlich bei der jungen Frau im pastellroten Kleid hängen blieben. Dann sah sie wieder zurück zu ihrem Sohn. Zu diesem anhaltenden Lächeln auf seinem Gesicht. Zu der Ruhe in seinem Blick. Zu dieser vollkommen offensichtlichen Aufmerksamkeit, die er keiner anderen Person im gesamten Saal zuvor geschenkt hatte. Yukikos Augenbrauen hoben sich kaum merklich. Nur minimal. Doch hinter ihrem ruhigen Lächeln begann sich ein stiller Gedanke zu formen. Und für einen kurzen Moment fragte sie sich, ob genau diese junge Frau etwas mit der Veränderung ihres Sohnes zu tun hatte.
Shinichis Blick löste sich keine einzige Sekunde mehr von Ran. Der Rest des Saals verschwamm beinahe um ihn herum... das warme Licht der Kronleuchter, das gedämpfte Klirren von Gläsern, die Stimmen der Gäste, selbst Kogoros Rede auf der Bühne verlor sich irgendwo im Hintergrund seines Bewusstseins. Alles, was er wirklich wahrnahm, war sie. Die Art, wie das Licht weich über ihr Gesicht glitt. Wie einzelne braune Strähnen sich leicht bewegten, wenn sie den Kopf drehte. Wie sich ihre Lippen zu diesem ehrlichen Lächeln formten, sobald ihr Vater etwas sagte, das sie tatsächlich amüsierte. Und jedes Mal, wenn Ran leise lachte, spürte Shinichi dieses warme Ziehen in seiner Brust ein wenig stärker. Unbewusst wurde sein eigenes Lächeln lebendiger. Es war beinahe absurd, wie schnell allein ihr Anblick seine gesamte Stimmung verändern konnte. Auf der Bühne sprach Kogoro weiterhin ruhig und kontrolliert über Zukunftspläne, Investitionen und Visionen, während Ran aufmerksam neben ihrer Mutter stand und hin und wieder mit einem kleinen Nicken reagierte. Yusaku hingegen ließ schließlich ein leises, abwertendes Geräusch hören. Kaum hörbar. Und dennoch deutlich genug. Langsam schüttelte er den Kopf, während sein Blick ruhig auf die Bühne gerichtet blieb.
„Beeindruckend“, sagte er trocken.
„Wie manche Menschen Eindruck mit tatsächlicher Kompetenz verwechseln.“ Yukiko hob leicht den Blick zu ihrem Mann, sagte jedoch nichts. Shinichi nahm die Worte zunächst nur flüchtig wahr. Sein Blick blieb weiterhin auf Ran liegen. Doch Yusaku sprach bereits weiter. Er griff ruhig nach seinem Weinglas, ließ den goldfarbenen Weißwein langsam im Glas kreisen und schüttelte erneut leicht den Kopf.
„Ich würde keinem Mori mein Vertrauen anvertrauen.“ Seine Stimme blieb ruhig. Sachlich beinahe. Gerade deshalb wirkten die Worte umso härter. Und diesmal hörte Shinichi sie deutlich. Das warme Lächeln auf seinem Gesicht schwächte sich sofort minimal ab. Nur ein kleines bisschen. Doch genug, dass die Veränderung sichtbar wurde. Sein Kopf bewegte sich kaum merklich zur Seite, während sein Blick sich langsam von der Bühne löste. Plötzlich wirkte das Licht im Saal kälter. Die Stimmen lauter. Schwerer. Seine Schultern spannten sich unbewusst leicht an. Der Fokus in seinem Blick verschwand, während seine Augen irgendwo über den Boden des Saals glitten, ohne wirklich etwas wahrzunehmen. Und nun hörte er jedes einzelne Wort seines Vaters deutlich. Die unterschwellige Abwertung. Diese ruhige Selbstverständlichkeit, mit der Yusaku über Kogoro Mori sprach. Über seine Familie. Über die Frau, die für Shinichi längst aufgehört hatte, bloß irgendeine Frau zu sein. Yukiko saß ruhig neben ihnen. Ihr Weinglas ruhte locker zwischen ihren Fingern, während sie ihren Sohn aufmerksam beobachtete. Und sie bemerkte alles. Wie das Lächeln langsam aus seinem Gesicht verschwand. Wie rastlos seine Augen sich bewegten. Wie er plötzlich nicht mehr entspannt wirkte. Wie sich etwas in seiner Haltung verändert hatte. Eine innere Spannung, die eben noch nicht dort gewesen war. Shinichis Blick wanderte schließlich langsam zu seinem Vater. Yusaku saß noch immer ruhig da, vollkommen kontrolliert, während auf seinem Gesicht diese deutliche Ablehnung lag, sobald sein Blick zur Bühne glitt. Dann sah Shinichi wieder nach vorne zur Bühne. Zu Kogoro und schließlich blieb sein Blick erneut an Ran hängen. An ihrem ruhigen Gesicht mit dem sanften Lächeln. Der Wärme in ihren Augen, während sie ihrem Vater zuhörte. Und plötzlich verstand Shinichi es. Nicht theoretisch. Nicht oberflächlich. Sondern er verstand in diesem Moment zum ersten Mal, warum diese Beziehung kompliziert werden würde.
Irgendwo dazwischen
Nachdem die eigentliche Veranstaltung beendet worden war, veränderte sich die Atmosphäre im Saal beinahe augenblicklich. Das zuvor geordnete Schweigen zerfiel langsam in ein dichtes Netz aus Stimmen, höflichem Gelächter und dem feinen Klirren von Gläsern. Stühle wurden zurückgeschoben, Stoff raschelte über Marmorboden, und überall im Raum begannen sich kleine Gruppen zu bilden. Geschäftsleute schüttelten Hände, tauschten Visitenkarten aus und lehnten sich mit routinierter Vertrautheit zueinander, obwohl viele sich vermutlich erst seit wenigen Minuten kannten. Kellner bewegten sich lautlos zwischen den Gästen hindurch, balancierten silberne Tabletts voller Champagnergläser oder nahmen leere Gläser wieder entgegen. Die gesamte Veranstaltung hatte ihre formelle Hülle abgestreift und wirkte nun wie das, was sie eigentlich war... ein sorgfältig inszeniertes Netzwerk aus Einfluss, Beziehungen und Macht. Unter den warmen Lichtern der Kronleuchter spiegelte sich Gold auf Kristallgläsern und polierten Oberflächen. Das tiefe Murmeln dutzender Gespräche lag schwer in der Luft. Yusaku hatte längst den Kontakt zu dem europäischen Geschäftsmann gesucht, den er zuvor erwähnt hatte. Ruhig und vollkommen kontrolliert stand er zwischen mehreren Männern im Gespräch. Ein Weinglas ruhte locker in seiner Hand, während sein Blick aufmerksam blieb, analytisch und wachsam selbst in den kleinsten Reaktionen seines Gegenübers. Yukiko stand elegant neben ihm. Mit scheinbarer Mühelosigkeit fügte sie sich in die Unterhaltung ein, reagierte mit kleinen Kommentaren, höflichem Interesse und genau jener charmanten Offenheit, die Menschen augenblicklich dazu brachte, sich in ihrer Nähe wohlzufühlen. Immer wieder erklang leichtes Lachen, sobald sie sprach. Shinichi hingegen hielt bewusst Abstand.
Einige Meter entfernt stand er nahe einer der hohen Marmorsäulen des Saals. Das warme Licht spiegelte sich schwach auf dem dunklen Stoff seines perfekt sitzenden Anzugs, während sein Weinglas locker zwischen seinen Fingern ruhte. Sein Blick glitt ruhig durch die Menge.
Nicht suchend. Nicht unruhig. Und dennoch vollkommen fokussiert. Seine Augen suchten nur nach einer einzigen Person. Und er fand sie beinahe sofort. Auf der anderen Seite des Saals stand Ran zwischen mehreren Gästen. Das Licht der Kronleuchter legte einen weichen goldenen Schimmer über ihr pastellrotes Kleid, das sich sanft bei jeder kleinen Bewegung mitbewegte. Sie sprach gerade mit einer älteren Frau, die offensichtlich begeistert von dem Projekt ihres Vaters war. Ran lächelte höflich, nickte aufmerksam und antwortete ruhig. Eine lose Strähne ihres braunen Haares war ihr leicht ins Gesicht gefallen, bevor sie sie mit einer kleinen Bewegung hinter ihr Ohr strich. Allein dieser Anblick reichte aus. Man konnte förmlich sehen, wie sich etwas in Shinichi entspannte. Die leichte Schwere, die den gesamten Abend über auf seinen Schultern gelegen hatte, fiel für einen kurzen Moment sichtbar von ihm ab. Sein Gesicht wurde weicher. Ohne weiter darüber nachzudenken setzte er sich langsam in Bewegung. Rücksichtsvoll glitt er zwischen den Gästen hindurch, wich kleinen Gesprächsgruppen aus und murmelte kurze Entschuldigungen, wenn ihm jemand unbeabsichtigt den Weg versperrte. Die Worte seines Vaters von vorhin beschäftigten ihn längst nicht mehr wirklich. Innerlich hatte er sie bereits eingeordnet. Wahrscheinlich war es nichts weiter als dieser typische Konkurrenzkampf unter Geschäftsleuten. Dieses unterschwellige Bedürfnis, andere Unternehmen kleinzureden, sobald sie erfolgreich genug wurden, um als Gefahr wahrgenommen zu werden. Eine Eigenheit dieser Welt, die er ohnehin nie besonders gemocht hatte. Je näher er Ran kam, desto deutlicher wurde das warme Lächeln auf seinem Gesicht. Schließlich blieb er direkt hinter ihr stehen. Nah genug, um ihren vertrauten Duft wahrzunehmen. Dieses weiche, süße Parfum, das er inzwischen sofort erkannte und das augenblicklich etwas Ruhiges in ihm auslöste. Langsam beugte er sich etwas zu ihr herunter. Seine Lippen waren nur wenige Zentimeter von ihrem Ohr entfernt.
„Du siehst viel zu gut aus für diese Veranstaltung“, murmelte er leise.
Ran zuckte leicht zusammen. Ihr höfliches Gesellschaftslächeln verschwand augenblicklich, während sie sich überrascht umdrehte. Doch kaum fiel ihr Blick wirklich auf Shinichi, kehrte dieses ehrliche, warme Lächeln sofort zurück.
„Du…“ Ein leises Lachen entwich ihr. Ihr Blick glitt unmittelbar über ihn. Über den dunklen Anzug. Das weiße Hemd. Die makellos gebundene Krawatte. Langsam hob sie eine Augenbraue.
„Wow“, sagte sie neckisch.
„Du siehst tatsächlich aus wie jemand, der freiwillig auf solche Veranstaltungen geht.“ Sofort verzog Shinichi leicht das Gesicht. Mit sichtbarer Abneigung griff er nach dem Schlips seiner Krawatte, zog leicht daran und ließ ihn anschließend wieder zurückfallen.
„Strenge Anweisung meines Vaters“, erklärte er trocken.
„Ich soll aussehen wie ein geschniegelt erfolgreicher Immobilienmakler.“ Ran brach unmittelbar in ein leises Kichern aus.
„Das ist erschreckend präzise.“
„Ich weiß.“ Für einen kurzen Moment blieb sein Blick einfach auf ihr liegen. Und plötzlich verlor alles andere im Saal an Bedeutung. Die Gespräche um sie herum wurden dumpfer. Das Klirren der Gläser rückte in den Hintergrund. Selbst die Musik schien weiter entfernt. Es gab nur noch sie. Die Wärme in ihren Augen. Das leichte Lächeln auf ihren Lippen. Die Art, wie das Licht weich über ihr Gesicht glitt. Fast automatisch beugte Shinichi sich ein kleines Stück weiter zu ihr herunter. Als wäre es das Natürlichste der Welt, sie jetzt zu küssen. Doch noch bevor er sie wirklich erreichte, bemerkte er aus dem Augenwinkel eine Bewegung. Sofort hielt er inne. Sein Körper spannte sich kaum merklich an. Langsam richtete er sich wieder auf.
Yusaku trat neben ihn. Yukiko folgte wenige Schritte dahinter. Das Licht spiegelte sich schwach in den Gläsern von Yusakus Brille, während sein Blick zuerst auf Shinichi lag und anschließend langsam zu Ran glitt. Seine Augen ruhten einige Sekunden auf der jungen Frau. Dann sah er wieder seinen Sohn an. Und obwohl kein einziges Wort fiel, lag die unausgesprochene Frage vollkommen klar zwischen ihnen. Was genau machst du hier mit ihr? Shinichi hielt dem Blick seines Vaters einige Sekunden stand. Sein Gesicht blieb ruhig. Als er schließlich sprach, klang seine Stimme beinahe auf dieselbe präzise Weise kontrolliert wie die seines Vaters.
„Das ist Ran Mori“, sagte er ruhig. Keine Unsicherheit. Kein Zögern. Nur diese schnelle, kontrollierte Entscheidung, die Situation sofort selbst in die Hand zu nehmen. Dass Ran seine Freundin war, ließ er bewusst unerwähnt. Dann wandte er sich leicht zu ihr.
„Das sind meine Eltern.“ Ran schenkte beiden sofort ein höfliches, freundliches Lächeln. Yukiko erwiderte es unmittelbar. Doch Yusaku reagierte nicht. Sein Blick blieb weiterhin ruhig auf seinem Sohn liegen.
Yusakus Blick glitt schließlich noch einmal flüchtig über Ran. Nicht lange genug, um offen unhöflich zu wirken. Und dennoch distanziert genug, dass die Kühle dahinter deutlich spürbar blieb. Das warme Licht der Kronleuchter spiegelte sich schwach in seinen Brillengläsern, bevor sein Blick bereits wieder zu seinem Sohn zurückkehrte. Shinichi stand noch immer dicht neben Ran. Nah genug, dass ihre Schultern sich beinahe berührten. Ohne wirklich darüber nachzudenken hatte seine Hand nach ihrer gegriffen. Ganz selbstverständlich hatten sich seine Finger leicht um ihre gelegt, als würde allein diese kleine Berührung ihn ruhiger halten. Es war keine auffällige Geste. Keine demonstrative Nähe. Und dennoch intim genug, dass sie sofort auffiel... zumindest einer Person. Yukikos Blick glitt kurz nach unten. Für einen winzigen Moment pressten sich ihre Lippen kaum merklich zu einer schmalen Linie zusammen. Nicht verärgert. Eher überrascht. Langsam hob sie den Blick wieder und sah zu ihrem Ehemann. Doch noch bevor sie etwas hätte sagen können, bewegten sich zwei weitere Personen auf die kleine Gruppe zu. Kogoro trat neben seine Tochter. Eri folgte direkt an seiner Seite. Das Licht der Kronleuchter spiegelte sich matt auf dem dunklen Stoff von Kogoros perfekt sitzendem Anzug, während auf seinem Gesicht dieses ruhige, kontrollierte Lächeln lag, das Shinichi nur zu gut kannte. Es war dieselbe Art von Lächeln, die auch sein Vater beherrschte. Höflich genug für die Öffentlichkeit. Und dennoch vollkommen unecht.
„Kudo“, begrüßte Kogoro ruhig. Seine Stimme blieb freundlich. Zumindest oberflächlich. Doch unter jeder einzelnen Silbe lag diese feine, kaum versteckte Abneigung, die nur Menschen bemerkten, die wirklich aufmerksam zuhörten. Yusaku hob minimal das Kinn.
„Mori.“ Die Antwort klang ebenso kontrolliert. Ebenso höflich. Und genauso scharf unter der Oberfläche. Augenblicklich wirkte die Luft zwischen ihnen schwerer. Nicht laut. Nicht offensichtlich. Und dennoch deutlich genug, dass selbst die Gespräche umliegender Gäste für einen kurzen Moment leiser wirkten. Ran blickte verwirrt zwischen den beiden Männern hin und her. Ihre Augen suchten erst das Gesicht ihres Vaters. Dann das von Yusaku. Die Spannung zwischen ihnen war unmöglich zu übersehen. Und dennoch verstand sie sie nicht wirklich. Zumindest nicht vollständig. Ganz anders als Shinichi. Er hatte die Abneigung seines Vaters bereits vorhin wahrgenommen. Die Kommentare. Den Tonfall. Diese unterschwelligen Bemerkungen, die höflich formuliert waren und trotzdem schärfer trafen als offene Kritik. Dann trat Eri einen kleinen Schritt näher an Yukiko heran. Mit einer eleganten Bewegung richtete sie ihre Brille leicht mit einem Finger und lächelte ruhig.
„Yukiko“, begrüßte sie sie freundlich.
„Eri“, erwiderte Yukiko mit demselben perfekten Lächeln. Zwischen den beiden Frauen wirkte die Atmosphäre beinahe leichter. Fast wie ein Smalltalk zwischen zwei alten Bekannten, die sich lange nicht gesehen hatten. Und dennoch lag selbst dort diese feine Schärfe zwischen jedem höflichen Satz. Eine perfekt verpackte Form von Feindseligkeit. Höflichkeit als schöne Hülle für offene Abneigung. Wie ein Geschenk mit scharfem Inhalt darunter.
„Beeindruckende Präsentation“, sagte Yusaku schließlich ruhig. Kogoro verstand sofort, dass dies kein wirkliches Kompliment gewesen war. Doch sein Lächeln blieb unverändert.
„Vielen Dank.“ Yusaku nahm langsam einen kleinen Schluck Wein.
„Vor allem die Art, wie Sie Visionen verkaufen.“ Die Spitze in diesem Satz war fein genug formuliert, dass man sie problemlos hätte überhören können. Aber Kogoro überhörte sie nicht. Und auch einige umliegende Gäste nicht, deren Aufmerksamkeit inzwischen merklich zu der kleinen Gruppe glitt. Ein leises, amüsiertes Lachen entwich Kogoro.
„Manche Menschen verstehen eben, wie wichtig Wirkung ist.“
„Natürlich“, ergänzte Eri ruhig neben ihm.
„Besonders in einer Welt, in der Menschen oft zuerst auf Präsenz reagieren.“ Yusakus Blick blieb vollkommen ruhig auf Kogoro liegen.
„Solange Präsenz nicht mit tatsächlicher Substanz verwechselt wird.“
Neben ihm spürte Shinichi deutlich, wie die Stimmung weiter kippte.
Die Spannung zwischen den Erwachsenen wurde inzwischen beinahe greifbar. Und direkt neben ihm wurde selbst Ran merklich unruhiger. Ihre Finger bewegten sich leicht in seiner Hand. Ein kleines Zeichen von Nervosität. Die beiden standen genau dazwischen. Zwischen ihren Eltern. Zwischen Menschen, die sich offensichtlich nicht ausstehen konnten und dennoch mit makelloser Höflichkeit voreinander standen. Kogoros Blick glitt schließlich kurz über Shinichi. Dann bemerkte er die Hände. Shinichis Finger, die mit denen seiner Tochter verschränkt waren. Für einen winzigen Moment verengten sich seine Augen leicht. Ran bemerkte den Blick ihres Vaters sofort. Und noch bevor Shinichi es selbst wahrnahm, löste sie ihre Hand langsam aus seiner. Ganz vorsichtig. Beinahe unauffällig. Shinichis Blick glitt kurz nach unten. Für einen Augenblick blieb seine Hand leer zwischen ihnen zurück. Doch er sagte nichts. Langsam schob er die Hand lediglich in die Tasche seines Anzugs. Wie von selbst legte sich Kogoros Hand sanft an den Rücken seiner Tochter.
Eine ruhige Bewegung. Und dennoch deutlich führend.
„Wir sollten weiter“, sagte er ruhig. Dann sah er wieder zur Familie Kudo. Dieses Mal verschwand selbst der Versuch, die Abneigung vollständig zu verstecken.
„Einen angenehmen Abend noch.“ Yusakus Lächeln blieb vollkommen kontrolliert.
„Ebenso.“ Kogoro nickte nur noch knapp, bevor er Ran langsam mit sich zog und sich gemeinsam mit Eri wieder durch die Menge bewegte. Ran warf im Gehen noch einen kurzen Blick zurück. Direkt zu Shinichi. Und allein dieser kleine Blick ließ seine Brust für einen Moment unangenehm eng werden. Das warme Licht spiegelte sich weich in ihrem Haar, bevor sie sich wieder nach vorne wandte. Dann drehte Yusaku sich bereits um.
„Shinichi.“ Sein Name klang ruhig. Bestimmt. Nicht laut. Und dennoch eindeutig genug, dass keinerlei Erklärung notwendig war. Ein Befehl.
Folge mir. Shinichi reagierte nicht sofort. Sein Blick blieb noch einen kurzen Moment an Ran hängen, die inzwischen neben ihrem Vater lief und ihm aufmerksam zuhörte, während sie sich weiter durch die Menge bewegten. Dann zwang er sich schließlich, den Blick von ihr zu lösen. Langsam wandte er sich um und folgte seinen Eltern. Zwischen ihnen entstand für einige Sekunden nur das dumpfe Geräusch ihrer Schritte auf dem glatten Marmorboden des Saals. Erst als sie sich etwas weiter von der Menge entfernt hatten, sprach Yusaku wieder. Seine Stimme blieb vollkommen kontrolliert.
„Wir fahren jetzt nach Hause.“
Die kalte Nachtluft legte sich über die Familie Kudo, als sie das Gebäude verließen. Hinter ihnen fiel noch immer warmes Licht aus der großen Eingangshalle auf die dunklen Stufen vor dem Gebäude. Gedämpft drangen Stimmen, vereinzeltes Gelächter und das dumpfe Geräusch zufallender Türen nach draußen. Entlang des Bordsteins warteten mehrere schwarze Fahrzeuge, deren Lack das Licht der Straßenlaternen spiegelte. Wenige Sekunden später glitt die schwarze Limousine der Familie lautlos vor ihnen zum Stehen. Ein Mitarbeiter der Veranstaltung trat sofort nach vorne und öffnete mit geübter Bewegung die hintere Tür des Wagens. Yusaku stieg zuerst ein. Seine Haltung wirkte vollkommen ruhig und kontrolliert, als hätte die Spannung der letzten Minuten ihn nicht im Geringsten berührt. Direkt hinter ihm folgte Yukiko. Der Stoff ihres Kleides strich weich über das dunkle Leder der Sitze, als sie sich elegant auf die gegenüberliegende Seite setzte. Shinichi stieg zuletzt ein. Kaum hatte er Platz genommen, fiel die schwere Tür der Limousine mit einem dumpfen Geräusch ins Schloss. Sofort wurde es still. Die Geräusche der Veranstaltung blieben draußen zurück, gedämpft hinter dunklem Glas und schwerem Metall. Nur das leise Summen des Motors und das dumpfe Rollen der Reifen über die Straße erfüllten den Innenraum. Langsam setzte sich die Limousine in Bewegung. Draußen glitten die Lichter Tokios verschwommen über die verdunkelten Fensterscheiben. Weiße und rote Lichtstreifen spiegelten sich kurz auf dem Glas, verschwanden wieder in der Dunkelheit und tauchten Sekunden später erneut auf. Shinichi hatte den Kopf locker auf seiner rechten Hand abgestützt und blickte schweigend aus dem Fenster. Das matte Licht der vorbeiziehenden Straßenlaternen glitt in unregelmäßigen Abständen über sein Gesicht, über seine Augen und den deutlich angespannten Kiefer. Er sagte nichts. Yusaku saß ihm direkt gegenüber. Aufrecht. Perfekt kontrolliert. Seine Hände lagen ruhig ineinandergefaltet auf seinem Bein, während sein Blick bereits seit mehreren Sekunden ununterbrochen auf seinem Sohn ruhte. Neben ihm saß Yukiko still. Ihre Finger lagen locker ineinander verschränkt in ihrem Schoß, doch ihr Blick wanderte immer wieder kurz zwischen ihrem Mann und ihrem Sohn hin und her. Die Stille zog sich unangenehm lange durch den Innenraum der Limousine. Nur das dumpfe Rollen der Reifen war zu hören. Dann durchschnitt schließlich Yusakus Stimme die Ruhe des Wagens.
„Ich möchte eine Erklärung.“ Seine Stimme blieb ruhig und kontrolliert. Gerade deshalb wirkten die Worte schwerer. Shinichis Blick blieb noch einen kurzen Moment auf den vorbeiziehenden Lichtern draußen liegen.
„Warum“, fragte Yusaku langsam weiter,
„redest du mit der Tochter von Kogoro Mori?“ Jetzt erst löste Shinichi den Blick vom Fenster und sah zu seinem Vater. Im selben Augenblick bemerkte er auch den Blick seiner Mutter. Yukiko schüttelte den Kopf. Nur ganz leicht. Eine winzige Bewegung, die trotzdem vollkommen eindeutig war. Sag es nicht. In ihren Augen lag Sorge. Keine Unsicherheit. Keine Vermutung. Sie wusste längst Bescheid. Und genau deshalb lag in ihrem Blick diese stille Bitte, den nächsten Satz nicht auszusprechen. Shinichi hielt ihren Blick einige Sekunden fest, bevor er wieder zu seinem Vater sah.
Anstatt direkt zu antworten, stellte er ruhig die Gegenfrage.
„Warum sollte ich nicht mit ihr sprechen?“ Yusaku wich der Frage nicht einmal ansatzweise aus.
„Weil diese Familie Probleme bedeutet.“ Seine Stimme klang nüchtern. Fast sachlich. Als würde er über eine geschäftliche Entscheidung sprechen.
„Menschen wie Mori handeln impulsiv. Laut. Kurzsichtig.“ Das Licht einer vorbeiziehenden Straßenlaterne glitt kurz über sein Gesicht und ließ die Härte in seinen Augen deutlicher hervortreten.
„Und sie sind schädlich für jedes ernstzunehmende Geschäft.“ Ein leises, beinahe ungläubiges Schnaufen entwich Shinichi. Natürlich. Es ging wieder nur um das Geschäft. Um Einfluss. Um Kontrolle. Um Status. Um alles... außer das, worum es eigentlich ging. Sein Blick wanderte kurz zurück zum Fenster.
„Zwischenmenschliche Beziehungen sind dir wirklich vollkommen fremd, hm?“, murmelte er trocken. Yusakus Gesicht regte sich kaum. Doch die Spannung im Wagen wurde sofort schwerer.
„Ich werde meine Frage nicht wiederholen.“ Dieses Mal klang seine Stimme eindringlicher. Klarer. Nicht lauter, aber unmissverständlich.
Ein deutlicher Hinweis darauf, dass er keine weiteren Gegenfragen akzeptieren würde. Shinichis Blick glitt noch einmal kurz zu seiner Mutter. Yukikos Augen lagen weiterhin auf ihm. Und noch immer war dort diese stille Bitte. Gemischt mit wachsender Sorge. Fast so, als würde sie bereits wissen, dass sich ab diesem Moment etwas zwischen ihnen verändern würde. Dann sah Shinichi wieder seinen Vater an. Und plötzlich kam die Antwort beinahe von selbst. Ohne dass er sie noch einmal zurückhielt. Ohne sie noch einmal abzuwägen.
„Ran Mori ist meine Freundin.“ Die Worte blieben sofort schwer im Innenraum der Limousine hängen. Für einen einzigen Moment wirkte selbst das Motorengeräusch weiter entfernt. Yusaku blinzelte einmal. Nur einmal. Doch genau dieser kleine Moment wirkte beinahe irritierend menschlich bei einem Mann, der sonst jede Reaktion kontrollierte. Seine Stimme klang erschreckend ruhig, als er nachfragte.
„Deine Freundin?“ Shinichi nickte langsam und entschlossen, ohne den Blick abzuwenden. Yukikos Blick glitt sofort zu ihrem Mann. Und dort geschah etwas, das man bei Yusaku Kudo beinahe nie sah. Sein Kiefer spannte sich sichtbar an. Ein Muskel zuckte leicht an seiner Schläfe. Für den Bruchteil einer Sekunde brach die perfekte Kontrolle in seinem Gesicht auf. Und als er sprach, klang seine Stimme schärfer als zuvor. Ungewöhnlich emotional für einen Mann, der sonst jede einzelne Reaktion kontrollierte.
„Bist du jetzt vollkommen verrückt geworden?“ Die Worte schnitten hart durch den Innenraum der Limousine. Selbst Yukiko hob sofort leicht den Blick. Für einen kurzen Augenblick hing der Satz schwer zwischen ihnen. Doch kaum waren die Worte ausgesprochen, fing Yusaku sich bereits wieder. Fast erschreckend schnell. Sein Rücken richtete sich erneut vollkommen kontrolliert auf. Die Anspannung verschwand aus seinem Gesicht, als hätte dieser kurze Kontrollverlust nie existiert. Nur seine Augen blieben hart auf seinen Sohn gerichtet.
„Du wirst diese Beziehung unter keinen Umständen weiterführen.“ Seine Stimme war nun wieder ruhig. Kühl. Kontrolliert. Und genau deshalb wirkte sie umso endgültiger.
Für einige Sekunden sagte niemand etwas. Das dumpfe Rollen der Reifen zog sich gleichmäßig durch den Innenraum der Limousine, während draußen verschwommene Lichtstreifen über die verdunkelten Fensterscheiben glitten. Weiße Scheinwerfer spiegelten sich kurz auf dem Glas, verschwanden wieder in der Dunkelheit und wurden Sekunden später von roten Rücklichtern ersetzt. Das leise Summen des Motors lag schwer unter der Stille, die sich zwischen den drei Personen ausbreitete. Yusaku saß weiterhin vollkommen aufrecht auf der gegenüberliegenden Seite. Seine Haltung blieb kontrolliert und regungslos, doch sein Blick lag unverändert auf seinem Sohn. Neben ihm saß Yukiko still. Ihre Finger hatten sich inzwischen etwas fester ineinander verschränkt, während ihr Blick unruhig zwischen ihrem Mann und ihrem Sohn hin und her wanderte.
Shinichi schwieg zunächst. Dann entwich ihm plötzlich ein leises, trockenes Lachen... und vollkommen humorlos. Langsam lehnte er sich etwas weiter in den dunklen Ledersitz zurück. Sein Blick glitt für einen kurzen Moment zur Fensterscheibe neben ihm, in der sich verschwommen die vorbeiziehenden Straßenlichter spiegelten. Dann sah er wieder seinen Vater an.
„Du glaubst doch nicht wirklich“, sagte er ruhig,
„dass ich die Beziehung beenden werde.“ Yusakus Gesicht blieb vollkommen regungslos. Nicht einmal ein Muskel bewegte sich sichtbar.
„Du wirst es tun müssen.“ Seine Stimme klang ruhig. Fast sachlich. Und genau deshalb wirkten die Worte umso härter. Wieder breitete sich Stille zwischen ihnen aus. Die Reifen der Limousine glitten dumpf über den Asphalt, während draußen die Lichter der Stadt wie flüchtige Schatten am Fenster vorbeizogen. Shinichi sah seinen Vater einige Sekunden einfach nur an. Und langsam veränderte sich etwas in seinem Blick. Die letzte sichtbare Wärme verschwand. Etwas an ihm wurde plötzlich kühl. Fast erschreckend ähnlich zu dem Mann, der ihm gegenübersaß.
„Weißt du“, sagte er schließlich leise. Seine Stimme blieb vollkommen ruhig.
„Ich glaube, das ist genau dein Problem.“ Yukikos Blick hob sich sofort leicht. Shinichi lehnte den Kopf langsam gegen die dunkle Fensterscheibe hinter sich, ohne den Blick von seinem Vater zu lösen. Das Licht einer vorbeiziehenden Straßenlaterne glitt kurz über sein Gesicht und ließ die Härte in seinen Augen deutlicher hervortreten.
„Für dich ist alles entweder nützlich oder schädlich.“ Die Worte kamen ruhig. Fast emotionslos. Gerade deshalb trafen sie härter.
„Geschäfte. Kontakte. Menschen.“ Für einen kurzen Moment glitt sein Blick zu seiner Mutter. Yukiko hielt sofort unbewusst den Atem etwas an. Dann sah Shinichi wieder seinen Vater an.
„Und genau deshalb verstehst du wahrscheinlich nicht einmal, warum ich mit ihr zusammen bin.“ Die Spannung im Wagen wurde sofort spürbar schwerer. Fast erstickend. Yusakus Blick blieb weiterhin ruhig auf seinem Sohn liegen. Doch selbst durch seine perfekte Kontrolle hindurch war deutlich zu spüren, dass sich etwas zwischen ihnen endgültig verändert hatte. Nicht laut. Nicht sichtbar. Aber unumkehrbar.
„Du bist offensichtlich noch nicht in der Lage, die Konsequenzen dieser Beziehung zu verstehen“, sagte Yusaku schließlich ruhig. Shinichi wich seinem Blick keinen einzigen Moment aus. Dann entwich ihm erneut dieses leise, kalte Lachen. Diesmal noch leiser als zuvor.
„Nein“, sagte er ruhig.
„Du verstehst einfach nicht, dass du nicht über mein Leben entscheidest.“ Die Worte blieben sofort schwer zwischen ihnen hängen. Yusakus Blick veränderte sich kaum merklich. Sein Kiefer spannte sich erneut leicht an. Man sah, wie sich seine Finger langsam fester ineinander verschränkten, während er bereits antworten wollte. Doch bevor ein weiteres Wort fallen konnte, erklang plötzlich Yukikos Stimme.
„Schluss jetzt!“ Zum ersten Mal an diesem Abend lag deutliche Strenge in ihrem Ton. Nicht laut. Und dennoch klar genug, dass beide Männer sofort verstummten. Für einen kurzen Moment richteten sich ihre Blicke gleichzeitig auf sie. Yukiko sah erst ihren Mann an. Dann ihren Sohn. Ihre Stimme wurde leiser. Und gerade deshalb wirkte sie umso eindringlicher.
„Wirklich. Es reicht.“ Die Stille danach wirkte beinahe schwerer als der Streit selbst. Shinichi sagte nichts mehr. Langsam wandte er den Blick wieder zum Fenster. Draußen zogen die Lichter der nächtlichen Straßen weiter an ihnen vorbei, verschwommen hinter dunklem Glas, während die Limousine lautlos durch die Stadt glitt.
Die schwarze Limousine glitt lautlos vor dem Anwesen der Familie Kudo zum Stehen. Für einen kurzen Moment spiegelten sich die Lichter der langen Auffahrt matt auf dem dunklen Lack des Wagens, bevor der Motor langsam verstummte und eine schwere Ruhe über dem nächtlichen Grundstück lag. Das große Anwesen wirkte still unter dem kalten Licht der Außenlampen. Die hohen Fenster des Hauses leuchteten warm in die Dunkelheit hinaus, während sich der Wind leise durch die Bäume entlang der Auffahrt bewegte. Kaum war der Wagen vollständig zum Stillstand gekommen, trat bereits einer der Angestellten nach vorne und öffnete mit routinierter Bewegung die hintere Tür. Noch bevor jemand etwas sagen konnte, stieg Shinichi bereits aus. Ohne auf seine Eltern zu warten. Die kalte Nachtluft strich sofort durch sein dunkles Haar und kühlte die angespannte Wärme auf seiner Haut, doch nichts an seiner Haltung wirkte entspannter. Sein Kiefer blieb angespannt, während er mit schnellen Schritten über den hellen Steinweg auf den Eingangsbereich zuging. Das Gespräch in der Limousine hallte noch immer schwer in seinem Kopf nach. Die Worte seines Vaters. Dieser ruhige Tonfall. Diese selbstverständliche Kontrolle über etwas, das längst nicht mehr seine Entscheidung war. Hinter ihm stiegen nun auch Yusaku und Yukiko aus der Limousine. Doch Shinichi blickte kein einziges Mal zurück. Die schwere Haustür öffnete sich beinahe lautlos vor ihm. Warmes Licht fiel ihm entgegen und spiegelte sich weich auf dem dunklen Marmorboden des großen Foyers. Der vertraute Geruch nach poliertem Holz, frischen Blumen und dezentem Raumduft lag ruhig in der Luft. Fast gleichzeitig erklang das leise Geräusch von Schritten. Yui erschien aus dem angrenzenden Flur und blieb sofort stehen, als sie Shinichi erkannte.
„Willkommen zuha...“ Mitten im Satz brach sie ab. Shinichi lief bereits an ihr vorbei. Ohne wie sonst zu reagieren. Kein kurzes Lächeln. Kein lockerer Kommentar. Nicht einmal ein richtiger Blick. Nur ein leises, undeutliches Murmeln verließ ihn im Vorbeigehen.
„…immer nur dieses scheiß Geschäft…“ Yui blieb sichtbar irritiert stehen. Für einen kurzen Moment sah sie ihm nur schweigend hinterher, während Shinichi die breite Treppe bereits schnell hinaufging. Seine Schritte hallten dumpf durch das ansonsten stille Haus. Kurz darauf erklang oben das dumpfe Geräusch einer zufallenden Tür. Nicht laut genug, um vollkommen die Kontrolle zu verlieren. Aber deutlich genug. Das Geräusch hallte für einen kurzen Moment durch den hohen Eingangsbereich, bevor wieder Ruhe entstand. Erst jetzt traten auch Yusaku und Yukiko durch die Haustür.
Yui blickte automatisch zu Yusaku. Der Hausherr stand ruhig im Eingangsbereich, während das warme Licht sich schwach in seinen Brillengläsern spiegelte. Sein Gesicht blieb vollkommen kontrolliert.
Yukikos Blick hingegen wanderte unweigerlich zur oberen Etage. Für einen kurzen Moment wirkte es, als wolle sie ihrem Sohn sofort folgen. Doch noch bevor sie sich wirklich bewegen konnte, durchschnitt Yusakus Stimme ruhig die Stille des Hauses.
„Yukiko.“ Sie hielt inne. Langsam wandte sie den Kopf zu ihrem Mann. Yusaku stand noch immer nahe der Haustür. Während er langsam begann, die Manschettenknöpfe seines Hemdes zu lösen. Die kleinen metallischen Geräusche wirkten in der Stille des Hauses beinahe unnatürlich laut. Erst danach hob er den Blick wieder zu ihr.
„Du wirst jetzt nicht zu ihm gehen.“ Keine Lautstärke. Keine offene Härte. Und gerade deshalb wirkte der Satz umso bestimmter. Yukikos Blick blieb einige Sekunden ruhig auf ihm liegen.
„Er ist unser Sohn, Yusaku.“
„Und genau deshalb“, erwiderte er ruhig, während er den zweiten Manschettenknopf löste,
„wirst du ihn jetzt nicht auch noch in diesem Unsinn bestärken.“ Für einen kurzen Moment sagte Yukiko nichts. Ihr Blick glitt noch einmal kurz zur oberen Etage. Zu der Tür, hinter der ihr Sohn gerade allein verschwunden war. Dann sah sie ihren Mann wieder an.
„Er ist trotzdem unser Sohn.“ Yusakus Gesicht blieb vollkommen regungslos. Langsam richtete er den Blick auf Yui.
„Yui.“ Sie richtete sich sofort etwas auf.
„Ja, Sir?“
„Sieh nach Shinichi.“
„Natürlich.“ Ohne zu zögern setzte Yui sich bereits in Bewegung.
„Nein.“ Yukikos Stimme durchschnitt ruhig die Stille des Eingangsbereichs. Und dennoch genügte dieses eine Wort sofort, damit Yui mitten in ihrer Bewegung innehielt. Für einige Sekunden sagte niemand etwas. Das Haus wirkte plötzlich beinahe unnatürlich still. Yusakus Blick glitt langsam wieder zu seiner Frau. Yukiko erwiderte ihn ruhig. Ohne Unsicherheit.
„Es geht hier gerade nicht um ein Geschäft, Yusaku.“ Zum ersten Mal an diesem Abend hielt er sichtbar einen kurzen Moment inne. Nicht lange. Aber lange genug. Das warme Licht spiegelte sich schwach in seinen Brillengläsern, während zwischen ihnen für einige Sekunden absolute Ruhe lag. Dann wandte Yukiko sich bereits Yui zu. Ein kleines, beruhigendes Lächeln erschien auf ihrem Gesicht.
„Schon gut“, sagte sie leise.
„Ich werde nach meinem Sohn sehen.“ Yui nickte sofort leicht und trat wieder einen Schritt zurück. Yukiko wartete keine weitere Antwort mehr ab. Stattdessen drehte sie sich ruhig zur Treppe um und begann langsam die breiten Stufen hinaufzugehen. Der Stoff ihres Kleides strich leise über den dunklen Holzhandlauf, während ihre Schritte langsam im stillen Haus verklangen. Und unten im Eingangsbereich blieb Yusaku regungslos zurück.
Yukiko blieb vor der geschlossenen Zimmertür ihres Sohnes stehen. Für einen kurzen Moment lag ihre Hand still auf der Klinke, während hinter der Tür absolute Ruhe herrschte. Dann klopfte sie vorsichtig an. Das Geräusch war leise. Behutsam. Fast so, als wollte sie verhindern, die angespannte Stille dahinter weiter aufzubrechen. Doch aus dem Zimmer kam keine Reaktion. Yukikos Blick senkte sich kurz, bevor sie ein zweites Mal klopfte. Wieder blieb jede Antwort aus. Langsam drückte sie schließlich die Klinke herunter und öffnete die Tür vorsichtig. Das Zimmer lag beinahe vollständig im Dunkeln. Shinichi hatte kein Licht eingeschaltet. Nur das kalte Mondlicht fiel durch die großen Fensterfronten hinein und tauchte den Raum in ein schwaches silbernes Licht. Yukikos Blick fiel zuerst auf das Jackett, das achtlos auf dem Boden lag. Daneben die gelöste Krawatte. Beides wirkte wie ein stiller Rest der makellosen Rolle, die Shinichi den gesamten Abend hatte spielen müssen. Erst danach glitt ihr Blick weiter zu ihrem Sohn. Shinichi saß auf dem breiten Fenstersims, angelehnt an die Wand neben dem Fenster. Ein Bein hing locker herunter, während das andere angewinkelt war und sein Arm ruhig darauf ruhte. Die oberen Knöpfe seines Hemdes standen bereits offen. Das zuvor perfekt gestylte Haar wirkte bewusst zerzaust, als hätte er mit einer einzigen Bewegung versucht, sich von diesem kontrollierten Bild des Abends zu befreien. Sein Blick lag draußen auf der nächtlichen Stadt. Yukiko schloss die Tür leise hinter sich und ging wortlos auf ihn zu. Die Absätze ihrer Highheels hallten gedämpft über den dunklen Boden des Zimmers. Ohne den Blick vom Fenster abzuwenden, erkannte Shinichi sofort, dass es seine Mutter war. Allein am Klang ihrer Schritte. Yukiko blieb unmittelbar neben ihm stehen. Für einige Sekunden sagte sie nichts. Sie beobachtete nur still, wie der leichte Wind durch das angekippte Fenster hereinwehte und einzelne dunkle Haarsträhnen an seiner Stirn bewegte. Ein schwaches Lächeln erschien auf ihrem Gesicht. Dann glitt auch ihr Blick hinaus in die Nacht. Der Himmel war klar. Zwischen den dunklen Wolken funkelten vereinzelte Sterne, während der helle Vollmond ruhig über der Stadt hing. Sein silbernes Licht wirkte beinahe friedlich zwischen den kalten Straßenlaternen und den entfernten Lichtern Tokios. Und selbst ihre Stimme passte sich dieser ruhigen Nacht an, als sie schließlich sprach.
„Dein Vater macht sich Sorgen darüber, wohin das führen könnte, Shinichi.“ Ihre Worte kamen vorsichtig. Shinichi reagierte zunächst nicht. Sein Blick blieb weiterhin draußen. Yukiko senkte den Blick leicht.
„Für ihn betrifft das nicht nur das Geschäft“, sagte sie ruhig weiter.
„Sondern die ganze Familie.“ Ein leises, kaum merkliches Schnaufen entwich ihm. Mehr nicht. Keine wirkliche Antwort. Und genau daran erkannte Yukiko sofort, dass sie ihn auf diese Weise nicht erreichen würde. Langsam setzte sie sich schließlich neben ihn auf den breiten Fenstersims. Mit derselben eleganten Ruhe, die jede ihrer Bewegungen begleitete, richtete sie den Stoff ihres Kleides leicht, bevor sie sich entspannt gegen den Fensterrahmen lehnte. Ihr Blick glitt ruhig durch das Zimmer ihres Sohnes. Über die achtlos abgelegten Sachen. Die Dunkelheit. Die ungewohnte Unordnung. Dann erschien wieder dieses weiche Lächeln auf ihrem Gesicht.
„Weißt du“, begann sie leiser,
„du wirkst in letzter Zeit anders.“ Shinichis Kopf bewegte sich minimal zur Seite. Nur leicht. Doch Yukiko bemerkte selbst diese kleine Reaktion sofort. Ihr Lächeln wurde etwas wärmer.
„So habe ich dich zuletzt als Kind gesehen.“ Der Wind bewegte leicht die dünnen Vorhänge neben ihnen, während draußen das entfernte Licht der Stadt ruhig flackerte. Yukikos Blick ruhte ruhig auf ihm.
„Du hast sie heute Abend angesehen, als würde es nur diesen einen Menschen geben.“ Für einen kurzen Moment entstand wieder Stille zwischen ihnen. Keine unangenehme. Nur ruhige Müdigkeit. Dann sprach Yukiko weiter.
„Aber du musst dir bewusst sein, dass daraus irgendwann Konsequenzen entstehen werden und du dich entscheiden musst.“ Ihre Stimme blieb sanft. Ohne Druck. Ohne Vorwurf. Gerade deshalb wirkten die Worte ehrlicher. Langsam erhob sie sich schließlich vom Fenstersims. Der Stoff ihres Kleides glitt leise über das Holz, während sie zur Tür zurückging. Dort blieb sie noch einmal stehen. Ihre Hand lag bereits auf der Klinke, als sie sich noch einmal zu ihrem Sohn umdrehte. Ein sanftes Lächeln lag auf ihrem Gesicht.
„Ich hab dich lieb mein Wirbelwind.“ Ihre Stimme war leise. Dann öffnete sie die Tür und verließ langsam das Zimmer. Wenige Sekunden später fiel die Tür leise hinter ihr ins Schloss. Und wieder wurde es still. Shinichi blieb regungslos auf dem Fenstersims sitzen.
Dann lehnte er langsam den Kopf gegen die Wand hinter sich. Er schloss die Augen und atmete tief durch, während draußen das kalte Mondlicht weiterhin ruhig durch das Fenster fiel.