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Was wäre wenn.....?

Metall Sandwich
von

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Ahoi! Ladies! Ich hab euch gar nicht gesehen!

Steve hört das Klingeln der Glocke am Tresen. Er poliert gerade seinen Eisportionierer, wirft ihn lässig in die Luft, fängt ihn auf und wirft sich in Pose. Er wirbelt herum, ein breites, selbstgefälliges Grinsen im Gesicht.
 

„Ahoi, Ladies! Ich hab euch gar nicht gesehen! Seid ihr bereit für eine Segeltour auf dem Ozean des Geschmacks?“
 

Das Grinsen friert augenblicklich ein. Seine Augen weiten sich und er lässt fast den Eisportionierer fallen.

Vor ihm steht nicht etwa eine Gruppe hübscher Mädchen, sondern Billy Hargrove. Er trägt sein offenes Jeanshemd, die Sonnenbrille hängt im Ausschnitt, und er starrt Steve mit diesem gefährlichen, spöttischen Blick an. Hinter der Theke taucht Robin auf, schaut von Steve zu Billy und zieht eine Augenbraue hoch.

Billy lehnt sich langsam über den Tresen mit einem hämisches Grinsen auf den Lippen.
 

„‚Ahoi, Ladies‘? Ernsthaft, Harrington?“
 

Steve versucht verzweifelt, seine Würde zu retten, und zupft an seiner Matrosenmütze.
 

„Hargrove. Was... was machst du hier? Hast du dich verlaufen? Der Ausgang ist da, wo es nicht nach Vanille riecht.“
 

Billy lacht leise und bedrohlich.
 

„Ich wollte nur sehen, wie tief der König von Hawkins gefallen ist. Vom Basketball-Star zum... wie nennt man das? Eis-Matrose? Steht dir übrigens, die Uniform. Besonders die kurzen Hosen.“
 

Robin trat näher zu Steve und flüsterte.
 

„Ist das der Typ, der dich fast umgebracht hat? Er hat echt eine tolle Ausstrahlung. Also, wenn man auf ‚ich-zerquetsche-dir-gleich-den-Schädel‘ steht.“
 

Steve ignorierte Robin und kümmerte sich jetzt erst einmal um Billy.
 

„Willst du was bestellen oder willst du nur meine Beine bewundern? Wir haben ‚USS Butterscotch‘ im Angebot. Passend zu deinem Ego: groß und ziemlich klebrig.“
 

Billys Blick wird kälter, er tritt einen Schritt näher an den Tresen heran.
 

„Gib mir eine Kugel Vanille, Harrington. Und wehe, das Hörnchen ist kaputt. Ich hasse es, wenn Dinge... zerbrechen.“
 

Steve schluckt hart, fängt aber an, das Eis zu portionieren. Er versucht so cool wie möglich auszusehen, aber seine Hände zittern ein kleines bisschen. Er knallt die Waffel auf den Tresen.
 

„Macht einen Dollar fünfzig, ‚Captain Arschloch‘.“ Zische Steve.
 

Billy starrt ihn einen Moment lang schweigend an, nimmt die Waffel, leckt einmal langsam am Eis und lässt dann einen zerknitterten Geldschein auf den Tresen fallen.
 

„Behalt das Wechselgeld. Kauf dir davon eine neue Mütze. Die hier ist peinlich.“
 

Meinte Billy hämisch. Dann drehte er sich um und ging, während Steve ihm mit zusammengekniffenen Augen nachsah.
 

„Wow. Also, ich weiß nicht, ob ihr euch küssen oder gegenseitig umbringen wolltet, aber die Spannung hätte man mit einem Eislöffel schneiden können.“ Gab Robin jetzt von sich.
 

Steve sah sie leicht genervt an.
 

„Halt den Mund, Robin. Einfach... halt den Mund.“

Valentins Chaos in Hawkins

Es ist der 14. Februar 1986 in Hawkins und für Steve Harrington fühlt sich der Tag an wie jeder andere. Das heißt, er ist stressig, riecht nach ranzigem Popcorn und wird von schreienden Kindern begleitet. Als „Babysitter“ der Nation und Teilzeit-Videothekar bei Family Video hat er schlichtweg den Überblick über den Kalender verloren.

Steve starrte stumpf auf die Rückgabebox, während er versuchte, eine Kopie von Back to the Future zurück in die Hülle zu fummeln. Sein Haar saß heute nicht perfekt und unter seinen Augen bildeten sich dunkle Schatten.
 

„Harrington! Beweg deinen Hintern, wir schließen in fünf Minuten!“, rief Robin aus dem Hinterzimmer.
 

Steve seufzte. „Ja, ja, ich bin dabei.“
 

Was er nicht bemerkte: Vor dem Laden spielten sich in diesem Moment zwei völlig unterschiedliche Missionen ab.
 

Mission 1: Der Metalhead im Schatten

Eddie Munson drückte sich mit der Geschmeidigkeit einer Katze, oder eher eines sehr nervösen Waschbären, gegen die Außenwand des Ladens. In seiner Jackentasche versteckte er eine Kassette, genauer gesagt, ein Mixtape, für das er drei Nächte lang wach geblieben war. Der Titel: „Songs to Drive a Beemer to (Without Crashing)“.

Eigentlich wollte er es Steve einfach nur zustecken, ohne viel Drumherum. Er hatte sogar eine kleine Karte mit einem gezeichneten Fledermaus Herz beigelegt. Eddie lugte durch die Glasscheibe, bereit, in den Laden zu schlüpfen, sobald Robin wegsah.
 

Mission 2: Der ungebetene Gast

Doch bevor Eddie den Türgriff berühren konnte, rollte ein blauer Camaro mit quietschenden Reifen auf den Parkplatz. Billy Hargrove stieg aus, die Sonnenbrille trotz der dämmerigen Beleuchtung fest im Gesicht. In der Hand hielt er eine einzelne, fast schon aggressiv rote Rose und eine Packung teurer Pralinen, die er vermutlich irgendwo mitgehen lassen hatte.

Eddie fluchte leise. „Nicht dein Ernst, Hargrove“, murmelte er und duckte sich hinter einen Müllcontainer.
 

Steve schloss gerade die Kasse ab, als die Glocke über der Tür schrillte.

„Wir haben geschloss...“, setzte er an, hielt aber inne, als Billy vor ihm stand.
 

„Entspann dich, Harrington“, sagte Billy mit seinem typischen, gefährlichen Grinsen. Er knallte die Rose und die Pralinen auf den Tresen. „Für dich. Weil du heute so verdammt verloren aussiehst.“
 

Steve blinzelte. „Was? Warum? Ist heute... warte mal.“ Er sah auf die kleine Digitaluhr am Handgelenk. 14. Februar. „Oh Gott. Valentinstag.“
 

In diesem Moment stolperte Eddie durch die Hintertür, die Robin versehentlich offen gelassen hatte. Er versuchte so zu tun, als wäre er schon die ganze Zeit da gewesen.
 

„Hey! Harrington!“, rief Eddie, etwas zu laut, während er versuchte, Billy mit einem vernichtenden Blick zu durchbohren. „Lass dich von dem Typen nicht bestechen. Ich hab hier das echte Zeug.“ Er zog das Mixtape heraus und hielt es Steve wie eine heilige Reliquie entgegen.

Steve stand zwischen dem Metalhead mit dem handbeschrifteten Tape und dem rauchenden Schlägertypen mit der Valentinsrose. Er sah von einem zum anderen, die Müdigkeit der Schicht wich einer totalen Überforderung.
 

„Leute“, sagte Steve schließlich und rieb sich die Schläfen. „Ich habe heute zehn Stunden lang Kinder betreut und mir fünfmal Cinderella im Schnelldurchlauf angesehen. Ich wusste nicht mal, welcher Wochentag ist.“
 

Billy verschränkte die Arme: „Das Tape ist Schrott, Munson. Mein Geschenk ist ein Klassiker.“
 

Eddie schnaubte: „Klassiker? Du hast die Rose wahrscheinlich am Friedhof geklaut, Hargrove! Mein Tape hat eine Seele.“
 

Steve schaute auf das Mixtape in Eddies zitternder Hand und dann auf die Rose. Ein Lächeln schlich sich auf sein Gesicht. Trotz des Chaos war es das erste Mal seit Langem, dass sich jemand um ihn bemüht hatte und dann gleich im Doppelpack.
 

„Wisst ihr was?“, sagte Steve und griff sich sowohl die Rose als auch das Tape. „Ich nehme Beides. Aber wenn auf dem Tape nur Hardcore Metal ist, Eddie, will ich mein Geld zurück. Und Billy? Die Pralinen teilen wir uns jetzt sofort.“
 

Zehn Minuten später saßen die drei auf der Motorhaube von Steves Auto. Die Stimmung war geladen aber seltsam friedlich. Robin beobachtete sie kopfschüttelnd aus dem Ladenfenster, während Steve tatsächlich eine der Pralinen aß und Eddie anfing, die Trackliste seines Tapes zu erklären.

Es war definitiv der seltsamste Valentinstag, den Hawkins je gesehen hatte aber für Steve Harrington war es der Beste seit Jahren.
 

Steve quetschte sich auf den Fahrersitz seines BMWs, Billy besetzte mit einer selbstverständlichen Arroganz den Beifahrersitz, und Eddie der eigentlich, genau wie Billy, sein eigenes Auto direkt daneben stehen hatte war ohne zu fragen auf die Rückbank geklettert.
 

„Na los, Harrington“, drängelte Billy und trommelte einen Rhythmus auf das Dashboard. „Lass hören, was der Freak für einen Geschmack hat. Wenn es nur Gejaule ist, fliegt das Ding aus dem Fenster.“
 

Eddie lehnte sich weit nach vorne, sein Kopf fast zwischen den beiden Vordersitzen. „Das ist kein Gejaule, Hargrove. Das ist Kunst. Das ist eine Reise durch die menschliche Psyche... und ein paar verdammt gute Riffs.“

Steve schob die Kassette mit einem leisen Klack in den Schlitz.
 

Die Lautsprecher knackten kurz, dann füllte das ikonische, bedrohliche Intro von Metallicas „For Whom the Bell Tolls“ den engen Innenraum des Wagens.

Steve hielt den Atem an. Er rechnete damit, dass Billy jeden Moment anfangen würde zu lachen oder die Musik beleidigen würde. Doch stattdessen geschah etwas Unerwartetes: Billys Kopf fing an, dezent im Takt zu nicken.
 

„Metallica?“, fragte Billy, die Stimme rauchig und überraschend ruhig. Er nahm sich eine weitere Praline aus der Schachtel. „Nicht übel, Munson. Ich hätte gedacht, du drehst mir hier irgendwas von deiner eigenen Garagenband an.“
 

Eddie grinste so breit, dass man fast alle seine Zähne sah. „Geduld, Hargrove. Die B-Seite kommt noch. Aber schön zu sehen, dass du wenigstens ein bisschen Kultur im Blut hast.“

Als der nächste Song einsetzte, ein etwas schnellerer Track von Iron Maiden, passierte es... Billy fing an, das Luftschlagzeug auf dem Handschuhfach zu spielen, während er aus dem Fenster starrte.
 

„Weißt du, Harrington“, sagte Billy plötzlich und sah zu Steve rüber, der völlig perplex am Steuer saß. „In Kalifornien gab es Typen wie Munson an jeder Ecke. Aber keiner von denen hatte den Mumm, einem wie mir so ein Tape unter die Nase zu halten.“

Steve lockerte seinen Griff um das Lenkrad. „Ich dachte echt, ihr bringt euch gegenseitig um, bevor das erste Lied zu Ende ist.“
 

„Ach, das können wir nach dem Mixtape immer noch machen“, witzelte Eddie von hinten und klopfte Steve freundschaftlich auf die Schulter. „Aber gib es zu, Steve: Die Musik passt viel besser zu deinem Fahrstil als dieser ganze Pop-Kram, den du sonst hörst.“
 

Dort saßen sie also, mitten auf dem dunklen Parkplatz von Family Video: Steve, der sich langsam entspannte und merkte, dass der Bass der Musik seine Kopfschmerzen vom Arbeitstag vertrieb. Billy, der tatsächlich die Rose, die er Steve geschenkt hatte, in das Lüftungsgitter gesteckt hatte, während er leise den Text mitsummte. Eddie, der stolz wie ein Pfau auf der Rückbank thronte und sich freute, dass sein „Valentinstags-Angriff“ nicht in einer Katastrophe geendet war.

Als ein Song von Motörhead anfing, reichte Billy die Pralinenschachtel nach hinten zu Eddie. „Hier, nimm eine, Munson. Bevor ich sie alle alleine fresse. Aber fass nichts an, deine Finger sehen aus, als hätten sie seit Wochen keine Seife gesehen.“

Eddie lachte laut auf. „Deal, Hargrove. Deal.“

Steve sah von einem zum anderen und schüttelte den Kopf. Er hatte zwar kein Date, aber er hatte ein Mixtape, Schokolade und zwei der anstrengendsten, aber irgendwie auch interessantesten Typen von Hawkins in seinem Auto.
 

„Frohen Valentinstag, ihr Idioten“, murmelte Steve und drehte die Lautstärke noch ein Stück höher.


Nachwort zu diesem Kapitel:
eigendlich wollt ich dieses Kapitel früher online bringen, aber jetzt ist es halt erst heute online :) Komplett anzeigen

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