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Yu-Gi-Oh! GY - The Red Downfall

von

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Alte und neue Gesichter

Daniel winkte Erin, breit grinsend und mit ausschwenkenden Bewegungen beider Arme vom Pier aus zu.

Die grelle Sommersonne zwangen ihn seine eisig blauen Augen zusammenzukneifen.

Er hatte sie am Deck der soeben anlegenden Fähre sofort erkannt, auch wenn vielleicht 50, vielleicht 100 Meter Luftlinie die Freunde noch voneinander trennte und das Schiff von unzähligen anderen Jugendlichen überlaufen war.

Ihre auffälligen platinblonden Haare, die Brille und ihre hohe Körpergröße ließen sie wortwörtlich aus der Masse herausstechen.

Woran man sie aber aus der Entfernung am Besten von den anderen unterscheiden konnte, war ihre Kleidung:

Im Gegensatz zu den anderen zum Probeduell eingeladenen Passagieren trug sie, wie Daniel auch, bereits die Ra-gelbe Akademieuniform.

Erst als die Fähre andockte, erwiderte Erin den Gruß mit einem ähnlichen Grinsen, aber einer deutlich dezenteren Handbewegung, denn für mehr fehlte es an Platz und außerdem musste Erin noch ihr Reisegepäck festhalten.

Nach und nach strömten die jungen Prüflinge von Bord und liefen allesamt, ohne ihn zu beachten, an Daniel vorbei.

Als Erin schließlich als eine der Letzten das Schiff verließ, joggte sie, den Rollkoffer hinter sich herziehend, halb die Rampe zu ihm hinab, bevor sie sich fest in die Arme schlossen.

„Es ist zu lang her, echt cool dich mal wieder persönlich zu sehen“, sagte er, bevor sie sich wieder losließen.

„Geht mir absolut genauso“, gab die lächelnde Erin zurück.

Vor circa zwei Monaten endete für die beiden das erste der drei Jahre auf der Duellakademie und während Erin, wie die allermeisten anderen Schüler auch, über die Sommerferien die Akademieinsel verlassen hatte, um die Familie zu besuchen, blieb Daniel durchgehend hier.

In der Zeit hatten die zwei zwar geschrieben und das ein oder andere Videotelefonat geführt, aber sich in Fleisch und Blut wieder zu sehen, war schon was Anderes.

So war ihr beispielsweise gar nicht aufgefallen, dass der eher kleine Daniel einen Wachstumsschub hatte und jetzt schon fast mit ihr auf einer Augenhöhe war.

Auch seine Haare gingen ihm nun beinahe bis zu den Schultern und einzelne straßenköterblonde Strähnen hingen ihm quer vor der Stirn.

Man merkte, dass es keinen Friseur auf der Akademieinsel gab, auch wenn Erin den neuen, etwas wilderen Look mochte.

Es war also wirklich zu lange her, zumindest für ihn, der keine Verwandtschaft zum Besuchen hatte.

„Nächsten Sommer nehme ich dich einfach wieder zu mir nach Hause mit. Meine Oma und ich haben kurz über dich gesprochen und sie fand dich großartig.“

Er kratzte sich verlegen am Hinterkopf und schaute für den sonst so selbstbewussten Jungen etwas unsicher zur Seite.

„Das wäre echt cool. Ich fand es auch super bei euch. Auf jeden Fall besser, als hier alleine zu versauern.“

Die beiden Freunde gingen nun den Weg zum Hauptgebäude, während Erin nun neckisch weiterfragte:

„Hast du eigentlich die ganze Zeit nur gefaulenzt? Wie wäre es denn mal mit ein wenig üben gewesen?“

„Können vor Lachen, mit wem hätte ich denn üben sollen? Die wenigen, die hierblieben, sind meistens die Obelisken im dritten Jahr und die haben Besseres zu tun, als sich mit Ras oder Leuten aus den jüngeren Jahrgängen zu duellieren. Einmal hatte es mich aus purer Langeweile in die Bibliothek verschlagen, wo sich dann später doch noch eine Obeliskin mit mir duellieren wollte. Ich habe das Mädchen, Kavalier, der ich bin, natürlich großzügigst gewinnen lassen“, redete der Junge ironisch seine Niederlage schön.

„Wie edel von dir, wahrscheinlich auch so, dass sie es nicht gemerkt hat, dass du sie hast gewinnen lassen?“

„Du kennst mich zu gut.“

Erin lachte und Daniel ließ sich nur zu gerne vom Lachen anstecken.

„Naja, also, dass ich hin und wieder geschwommen bin und Spaziergänge gemacht habe, hatte ich ja erzählt. Und ansonsten habe ich die meiste Zeit auf dem Handy gespielt und tatsächlich in die Schulbücher geguckt. Die ersten Stunden in FST II und Fortgeschrittene Duellstrategien sollten schonmal gut bei mir laufen.“

„Streber! Aber mir ging es ja auch kaum anders. Man kann auf meinem lahmen Kaff nicht viel anfangen. Freitagabends bin ich immer ins Nachbardorf geradelt, dort findet dann ein offenes Treffen des örtlichen Duel-Monsters-Vereins statt, aber die meisten dort sind Amateure, die kaum die Regeln kennen.“

Erin fiel plötzlich aus dem Augenwinkel ein Mädchen auf, das am Wegesrand hockte und sich vor ihrem Prüfungsduell durch ihre Karten blätterte.

Sie wirkte ziemlich verwirrt und Erin überlegte für einen Sekundenbruchteil, ob sie dem Mädchen etwas Nettes sagen konnte, doch da waren sie und Daniel schon an ihr vorbei gelaufen.

„Ah, ich erinnere mich!“, hakte Daniel ein, „Du hattest mir einmal gegen 20 Uhr von nem Rentner erzählt, der seine Ritualmonster in das Extra-Deck gesteckt hatte!“

„Hehe! Du hättest mal sein Gesicht sehen sollen, als die Duel Disk nicht auf seinen Ritualzauber reagiert hatte. Das war definitiv eines meiner leichteren Duelle gewesen!“

„Der Arme!“, kommentierte Daniel halb lachend, „Vielleicht könntest du dich ja mal in Zurückhaltung üben und so wie ICH Leute auch mal gewinnen lassen.“

„Keine Chance! Das dämliche letzte Jahr endete so deprimierend, da brauche ich jedes Erfolgserlebnis!“

Erin klang bisher erfreut und sie mahnte sich selbst dazu an, sich das lang ersehnte Wiedersehen nicht von trüben Gedanken verderben zu lassen, aber…

Daniel erkannte nach einer kurzen Schweigephase, dass Erin an das letzte Duell mit ihrer ehemaligen gemeinsamen Freundin denken musste und riss sie mit einem sanften Stoß an die Schulter aus ihrer Erinnerungswelt.

„Heyhey! An die eingebildete Pseudoprinzessin denken wir jetzt nicht mehr, klar!?“ Für uns gilt ein strenges Fiona-Verbot! Ich meine, wenn wir ihr nicht mehr gut genug sind und sie unbedingt ein Teil der Obeliskenkrone sein will, warum sollten wir dann noch versuchen es ihr recht zu machen!? Außerdem hast du doch immer noch Jiang! Plus deine neue Mitbewohnerin!“

Daniel hatte genau die richtigen Worte gefunden, um Erin aufzuheitern und Erin konnte entspannt aufatmen und lächeln.

„Stimmt, auf Jiang freue ich mich auch schon. Und jetzt, wo sie ebenfalls zu Obelisk wechselt, bin ich super neugierig, mit wem ich mir bald ein Zimmer teilen werde. Ich wette, du freust dich auch schon, oder?“

„Irgendwie schon. Am Ende, als ich diesen ganzen Sliferkönig-Kram aufgegeben hatte und vom Jahresabschlussduell zurückgetreten war, waren Carlos und Ahmad ziemlich sauer auf mich. Sie hatten nichts gesagt, oder so, aber ich hab gemerkt, dass sie es mir übel nahmen, dass ich mich nicht mehr länger offiziell für die Slifer einsetzen wollte. Deswegen wäre ein neuer Zimmergenosse schon genau richtig. Aber hauptsächlich freue ich mich darauf mehr Platz zu haben und nicht mehr länger den ungenießbaren Hundefraß der Slifer-Kantine vorgesetzt zu bekommen.“

„Ich dachte du magst Hunde?“, bemerkte Erin in Anspielung auf Daniels Deck schnippisch.

„Tue ich! Deswegen will ich den armen Tieren ja nicht das Essen wegfuttern, gell? Ich habe mir übrigens mal in unserem Akademieportal das AG-Angebot durchgelesen und mich dieses Halbjahr für die Haustier-AG angemeldet. Da gibt es natürlich keine Hunde, aber mich zum Beispiel um ein paar Schildkröten oder Goldfische zu kümmern, ist sicher ein guter Ausgleich zu Duel-Monsters.“

Stimmt, die AGs gab es auch noch, auch wenn Erin bisher keine ernsthaft in Erwägung gezogen hatte. Aber das könnte ebenfalls ein guter Weg sein, neue Freunde zu finden.

„Ich habe in den Ferien im Fernsehen so ne Reportage gesehen, wo japanische Forscher versucht haben Affen das Duellieren beizubringen, wer weiß, ob du nicht doch was mit Duel-Monsters zu tun haben wirst?“, sagte sie sarkastisch und zuckte mit den Schultern.

„Im Ernst jetzt? Duellierende Affen? So richtig mit Dueldisk und so?“

„Meinst du, ich denke mir so was aus?“

Daniel konnte da nur noch mit dem Kopf schütteln.

„Japaner…“

Die beiden waren inzwischen am Hauptgebäude angekommen und unterbrachen ihre Unterhaltung für einen Moment.

Wegen der zahlreichen und sich aufgeregt unterhaltenen Prüflinge im Vorraum hätten sie sowieso kaum ein Wort des anderen verstanden.

Während sie sich auf dem Weg zu den Zuschauerrängen des Stadions durch die Menge drängelten, spähte Erin zum großen Monitor, an dem bereits die Paarungen für die erste Runde standen.

Sie waren schon spät dran, aber es würde noch genügend andere Duelle zum Beobachten geben.

„Guck, mal, Daniel, dein Endgegner!“, scherzte Erin und zeigte gleichzeitig auf die Treppe, die zu den Zuschauerrängen führte, wo Daniel gegen Ende des letzten Akademiejahres gefallen war und sich den Knöchel verstaucht hatte.

„Sehr witzig“, antwortete der Junge trocken.

Erin bereute es nun ein wenig, Daniel einen blöden Spruch reingedrückt zu haben, denn nun war sie zu stolz um um Hilfe zu bitten und ihren Koffer die Treppe selbst hochzutragen war ganz schön anstrengend.

„Soll ich ihn dir abnehmen?“, fragte Daniel nachdem er gesehen hatte, wie sich Erin die ersten paar Stufen gequält hatte.

„Passt schon“, keuchte Erin, „Ein bisschen Sport schadet nicht!“

Selbst ist die Frau.

Oben angekommen, gingen sie wieder ein paar Ränge weiter hinunter und suchten sich den optimalen Sitzplatz, von dem aus sie sowohl alle 24 Duellplattform im Überblick hatten, als auch nah genug dran waren, um Einzelheiten der Duelle mitzubekommen.

Daniel und Erin hatten quasi freie Platzwahl, nur wenige ältere Mitschüler befanden sich unter den Zuschauern und setzten sich schnell hin.

Auf der gegenüber liegender Seite stand Frau Mentzel, zu Erins Überraschung in einer Slifer-roten Uniform.

Neben der jungen Lehrerin stand eine weitere, Erin noch unbekannte Frau, die etwa genauso alt, wenn nicht jünger als Frau Mentzel war und die sich scheinbar lebhaft mit ihr unterhielt.

Sie war einen ganzen Kopf größer als die Lehrerin, hatte zu zwei geflochtenen Zöpfen gebundene, pechschwarze Haare, eine etwas kräftigere Statur und trug die Obeliskenuniform.

„Frau Mentzel ist übrigens die neue Hauslehrerin von Slifer-Red, deshalb die Uniform. Herr Althus wird aber noch weiterhin unterrichten, so weit ich weiß. Die Andere sehe ich heute allerdings auch zum ersten Mal“, erklärte ihr Daniel, der scheinbar mal wieder Erins Gedanken lesen konnte.

„Oh Mann! Das weckt Erinnerung an die eigenen Prüfungsduelle“, sagte Daniel, „Ist auf jeden Fall deutlich entspannter hier oben zu sitzen und sich keine Gedanken machen zu müssen. Hast du schon ein Duell ausgesucht, dass du verfolgst? Es ergibt keinen Sinn, alle auf einmal ansehen zu wollen.“

„Nein, noch nicht.“

Erin ließ ihren Blick wandern.

An fünf der sechs mal vier Duellplattformen schien das Spiel bereits vorbei zu sein.

Direkt vor ihr spielten zwei sehr unsicher aussehende Jungen, die wohl eindeutig zum Haus Slifer-Red zugeordnet werden, falls sie überhaupt die Prüfung bestehen sollten.

Das war schonmal nicht wirklich sehenswert.

Die Frage nach dem zu beobachtenden Duell wurde für beide durch ein charakteristisches Geräusch beantwortet, dass den allgemeinen Lärm im Stadion von mehreren Dutzend Duellanten und deren Monstern mühelos durchdrang.

Einen Laut, den Erin und Daniel nur zu gut kannten.

„Buhahahaha!“

Barry!

Erin blickte sofort zur Duellplattform 4, wo ein offensichtlich gut amüsierter Barry sein Probeduell führte.

Sofort sprang sie auf und ging mehrere Ränge herunter, bis zum Geländer, um so viel wie möglich von Barrys Duell mitzubekommen und Daniel stieg ihr nach.

Sein Gegner war ein Junge, dessen aufwendige Designerkleidung und goldenen Markenuhr darauf schließen ließ, dass er die halbe Insel von seinem Taschengeld kaufen könnte.

Reicher Junge: 1900 Lebenspunkte, 4 Handkarten, Priesterin des Königsdrachens im Verteidigungsmodus, Gut behüteter Schatz.

Barry: 2500 Lebenspunkte, 3 Handkarten, Des-Weiß im Angriffsmodus, zwei verdeckte Karten.

Der reiche Junge war am Zug und nahm sich mit überheblichem Grinsen seine Karte vom Deck.

„Tse, keine Ahnung, was es bei deinen laschen Zügen so dämlich zu gackern gibt, aber offen gesagt habe ich niederen Pöbel wie dich eh nie verstanden!“ Ich lege eine Karte aus meiner Hand zurück auf mein Deck und rufe so als Spezialbeschwörung den Rubinaugengreif auf!“

Er legte eine seiner Handkarten auf sein Deck.

Neben der Priesterin des Königdrachens, einer älteren Frau mit heller, golden umrandeter Kutte, der grüne, schlangenartige Linien ins Gesicht tätowiert waren, erschien das nächste Monster von Barrys Kontrahenten.

Ein mythologisches Wesen mit dem Körper eines Löwen, aber den Flügeln und dem Kopf eines Adlers sowie leuchtend roten Augen kam herbeigeflogen.

Rubinaugengreif: Stufe 6, 2200Atk, 2800Def.

„Mein Greif hat einen wundervollen Effekt, der mich, wenn er durch seinen eigenen Effekt beschworen wurde, sofort heilt und zwar um ganze 500 Punkte für jedes Monster unter meiner Kontrolle! Das macht 1000 zusätzliche Lebenspunkte! Machs nach, Verlierer!“

Der Greif kreischte und seine edelsteinfarbenen Augen flackerten für den Bruchteil einer Sekunde auf.

Reicher Junge Lebenspunkte: 1900 -> 2900

„Lächerlich! Die Lebenspunkte, die du mit deinem Greif dazu gewinnst, können nicht verhindern, dass meine wilden Bestien gleich so richtig schön über dich und deine Monster herfallen werden, Bonzenkind!“, kommentierte Barry ungefragt.

Sein Gegner ließ sich nicht verunsichern.

„Werden sie das, ja? Ich denke eher an meinem nächsten Spielzug werden deine missratenen Pelzkugeln besonders lange zu knabbern haben! Jetzt kommen wir zum Effekt meiner Priesterin, denn einmal pro Zug darf ich mit ihrer Hilfe eine wenig wertvolle Karte aus meiner Hand gegen ein mächtiges Drachenmonster der Stufe 7 oder höher aus meinem Deck austauschen!“

Er legte eine weitere Karte aus seiner Hand in das Deck und präsentierte Barry den Drachen, den er sich aus dem Deck gesucht hatte.

„Wächter der Reichtümer ist das Monster meiner Wahl! Und da ich passenderweise zwei Monster kontrolliere, kann ich den Wächter der Reichtümer auch sofort als Tributbeschwörung aufrufen! Zeig dich, mein wunderbarer Drache, im Angriffsmodus!“

Die Priesterin des Königsdrachens und der Rubinaugengreif verschwanden und an ihrer Stelle schlängelte sich ein kräftiger, europäischer Drache mit tiefgrünen Schuppen und offenbar sehr schlechter Laune um einen wild durchmischten Haufen an Golddublonen, Münzen aller Art und Juwelen.

Rauch stieg aus seiner Drachenschnauze und den Nasenöffnungen.

Wächter der Reichtümer: Stufe 8, 2600Atk, 3000Def.

„Für einen armen Schlucker wie dich ist mein Elitemonster eigentlich schon so stark genug, aber hey, was soll der Geiz? Ich rüste meinen Drachen mit der Karte Diamantenschuppen aus!“

Dier Junge spielte seinen Ausrüstungszauber aus und die Schuppen des Wächterdrachens begannen sofort auffällig zu glitzern.

„Dieser Ausrüstungszauber darf nur Drachen oder Reptilien ausrüsten und erhöht nicht nur Angriffs- und Verteidigungspunkte um satte 800 Punkte, sondern macht das ausgerüstete Monster komplett unzerstörbar!“

Wächter der Reichtümer: 2600Atk -> 3400Atk, 3000Def -> 3800Def.

„Neben meinem mit Diamantenschuppen verstärkten Wächter sieht dein Eisbärchen plötzlich ganz handzahm aus, findest du nicht?“, spottete Barrys Gegner, „Los, Wächter der Reichtümer! Grill den Teddy gut durch mit dem verwüstenden Flammenatem!“

Das Drachenmonster streckte seine Flügel komplett aus und holte tief Luft, bevor es Barrys Des-Weiß mit einem kontinuierlichen Flammenstrahl attackierte.

„Keine Chance, du Schwächling! Deinen Angriff annulliere ich mit meiner verdeckten Karte! Einschüchterndes Gebrüll!“, entgegnete Barry hämisch.

Seine Konterfallenkarte deckte sich auf und sein Eisbären-Monster stieß ein mächtiges Brüllen aus, welches die Feuer-Attacke des Wächters der Reichtümer in Luft auflösen ließ.

„Einschüchterndes Gebrüll zeigt deinem peinlichen Drachen, was wahre Stärke ist! Meine Falle verhindert nicht nur deinen Angriff, sondern senkt die Angriffspunkte sofort auf 0! Buahahaha!“

Wächter der Reichtümer: 3400Atk -> 0Atk.

„Dein dümmliches Gelache bleibt dir gleich im Hals stecken, du Niete! Denn ich lache dank der zwei besonderen Effekte meines Drachens zuletzt! Der erste Effekt sorgt dafür, dass mein Drache, falls er in diesem Zug einen Angriff deklariert hat, am Ende meiner Battle Phase in den Verteidigungsmodus übergeht! Da ich keine anderen Monster kontrolliere, kann ich meine Battle Phase auch sofort beenden!“

Der bisher angriffslustig wirkende Drache des Jungen legte sich nun, wenn auch mit immer noch wachsamen Blick, hin.

„Der zweite Effekt des Wächters der Reichtümer beschützt übrigens alle meine offenen Zauber- und Fallenkarten vor Zerstörungseffekten! Das schließt selbstverständlich die Diamantenschuppen mit ein! Ich kann also ganz ruhig meinen Zug beenden! Vorher nutze ich allerdings die Fähigkeit meiner offenen permanenten Fallenkarte, dem Gut behüteten Schatz! Wenn der Gut behütete Schatz für mindestens einen Zug offen auf dem Feld lag und ich in diesem Zug erfolgreich einen Drachen als Tributbeschwörung aufgerufen habe, darf ich diese Karte gegen drei neue Karten aus meinem Deck austauschen! Das nenne ich doch mal ein Pay-Off!“

Die Fallenkarte des Jungen verschwand und er zog, nachdem er sich in diesem Zug die Hand komplett leer gespielt hatte, drei neue Karten von seinem Deck.

Barrys Gegner fuhr sich nun lässig durch die Haare und lachte.

„Oh Mann, weißt du, wenn man bereits zweieinhalb Jahre von den besten Duellanten Deutschlands gecoacht wurde und das Deck aus den teuersten Karten besteht, die man sich für Geld kaufen kann, dann ist so ein Probeduell schon fast ZU einfach! Sorry, Junge, aber im nächsten Zug gibt’s keine Gnade mehr! Ich habe zwar eigentlich keine Ausbildung an der Duellakademie mehr nötig, aber wenn ich mich schon einschreibe, dann tue ich das ganz sicher nicht als einer von den roten oder gelben Losern, klar?! Ich bin immerhin besser als andere Menschen!“

Erin verdrehte die Augen.

„Also falls es dieser Schnösel ins Haus Obelisk-Blue schaffen sollte, dann ist er da wirklich bestens aufgehoben. Das arrogante Rumgelaber hat er schon voll drauf.“

„Japp, sonderlich sympathisch find ich den Kerl auch nicht“, pflichtete Daniel bei, „Aber mit selbstverliebten Angebern kann ich besser umgehen als mit Barry. Zum Glück sieht es für ihn gar nicht mal so gut aus. Der Wächter der Reichtümer hat 3800 Verteidigungspunkte und darüber hinaus bewahren sich der Wächter und die Diamantenschuppen gegenseitig vor der Zerstörung. Das ist eine astreine Defensive. Und dann hat Barrys Gegner sich mit seiner Falle auch noch die Hand neu aufgefüllt und kann in seinem Zug den nächsten Angriff wagen.“

Nun meldete sich auch die Stimme des Donnerklang-Decks aus ihrem Rollkoffer zu Wort:

„Ihr habt ja schon beide Barry mehrfach im Duell erlebt. Was meinst du, kann er das gewinnen?“

„Keine Fragen in der Öffentlichkeit, kann ja schlecht antworten“, zischte Erin leise.

„Hast du was gesagt?“, fragte Daniel und drehte sich zu ihr.

„Nene, nur laut gedacht.“

Aber es war schon eine interessante Frage von ihrem Deck.

Würde er gewinnen?

Erin konnte ihn zwar, nachdem er im letzten Probeduell Daniels Karten gestohlen hatte, mühelos besiegen, aber dann, als sie und Daniel ihn mehrere Monate später wieder getroffen hatten, sahen die Dinge ganz anders aus…

Barry hatte sich seit dem Probeduell allein in einer abgelegenen Hütte versteckt und seitdem durch unzählige Diebstähle und illegale Duelle sein Deck aufgewertet.

Er hatte sogar unzählige Obelisken besiegt und auch Daniel, der später selbst als Sliferkönig eine beeindruckende Duellhistorie aufweisen konnte, hatte ihm nichts entgegenzusetzen.

Er war widerwärtig, aber leider auch sehr stark.

„Buhaha! Du willst also besser als Andere sein, hä?! Da habe ich schlechte Nachrichten für dich! Ich habe im vergangenen Jahr schon so viele Akademieschüler besiegt, dass ich gar nicht mehr mit dem Zählen hinterhergekommen bin! Du bist für mich also das Gleiche, was alle anderen Schwächlinge für mich sind…-„, Barry begann seinen Zug und zog energisch seine Karte, „ – und zwar hilflose BEUTE!“

Sofort machte sich Barry an sein erstes Spielmanöver.

„Ich entferne aus meinem Friedhof den Avatar des Jagdinstinkts komplett aus dem Spiel! Das erlaubt es mir Papageier als Spezialbeschwörung aufzurufen! Auf das Feld mit dir!“

Ein großer Vogel mit kahlem Kopf und buntem Gefieder flatterte mit einem Kreischen herbei.

Papageier: Stufe 3, 700Atk, 1400Def.

„Mein Papageier ist leicht zu beschwören! Das macht ihn zu einem idealen Tribut für meine Lieblingsbestie! Totenkopf-Kodiak! Im Angriffsmodus!“

Der Papageier verschwand so schnell, wie er gekommen war, an seiner Stelle erschien der riesige schwarze Bär mit der knochenweißen Schädelfärbung.

Totenkopf-Kodiak: Stufe 6, 2400Atk, 1800Def.

„Na und?! Dein Kodiak hat nicht annähernd die Punkte, die er bräuchte, um meinen Wächter der Reichtümer zu übertrumpfen! Und selbst wenn würde das keinen Unterschied machen, denn Diamantenschuppen verhindern nicht nur Zerstörung durch Karteneffekte, sondern auch die Zerstörung im Kampf!“

„Du denkst zu linear, Bonzenkind! Aber das passiert, wenn man sich von Duelllehrern alles vorkauen lässt, anstatt auf den eigenen fucking Instinkt zu hören! Ich habe zum Glück noch ganz andere Wege dich leiden zu lassen! Ich decke meine verdeckte Karte auf! Tektonische Transformation!“

Vor Barry tat sich seine Falle auf und aktivierte sich sofort.

„Da ich nun mit meinem Totenkopf-Kodiak ein Monster vom Attribut Erde kontrolliere, darf ich sofort einen Spielfeldzauber direkt von meinem Deck ausspielen! Und meine Wahl fällt auf Darwins Schlachtfeld!“

Das sterile Weiß der Duellplattform wandelte sich zu einem matschigen erdbraun. Einige umgefallene Baumstämme, Tierknochen und Kadaver zeichneten das neue, martialische Spielfeld.

„Wie stillos! Aber wenn man schon in billiger Standardkleidung rumläuft, kann man sich auch genauso gut im Dreck vergnügen, oder?!“, spottete Barrys Gegner.

Er ahnte nicht, was auf ihn zukommt, doch Erin und Daniel, die bereits Erfahrungen mit Darwins Schlachtfeld gemacht hatten, wussten es besser.

Barry grinste gefährlich: „Weißt du, der Mensch ist schon ein komisches Tier. Fällt dir eine einzige andere Spezies ein, die sich in überteuerte Textilien hüllt und sich deswegen für überlegen hält?! Oder generell Wert auf Kleidung legt?! Aber aus irgendeinem Grund ist es hier wohl bedeutsam ob man blau, gelb, rot oder von mir aus auch grün-rosa gestreift trägt!“

Er lachte.

„Ich kann es dir noch nicht einmal richtig übelnehmen, Bonzenkind! Vor einem Jahr wollte ich auch unbedingt ein Obelisk sein! Inzwischen ist mein Appetit allerdings deutlich gewachsen! Ich scheiße darauf der zig-hundertste Obelisk zu sein! Ich will Angst und Schrecken verbreiten! Jeden Gegner gnadenlos vernichten! Als einfacher Obelisk muss man sich hier den albernen Akademieregeln unterwerfen, aber ich will so viel mehr! Buhahaha! “

„Bist du langsam fertig, du Freak!? Dein wirres Gelaber langweilt mich und ich habe noch ein Duell zu gewinnen!“, entgegnete Barrys Gegner gereizt.

„Gewinnen?! Buhahaha! Du gewinnst gleich bestenfalls noch Land! Dank Darwins Schlachtfeld gewinnen Monster mit dem Typ Insekt, Ungeheuer und Geflügeltes Ungeheuer 600 Angriffspunkte! Aber noch viel wichtiger, alle Monster auf dem Feld wechseln in den Angriffsmodus und alle Monster müssen angreifen, wenn sie es können!“

Während der Wächter der Reichtümer trotz der 0 Angriffspunkte in den Angriffsmodus gezwungen wurde, wuchsen Barrys Bärenmonster an.

Tödliches Weiß: 1600Atk -> 2200Atk

Totenkopf-Kodiak: 2400Atk -> 3000Atk

„Das ist nicht möglich!“, protestierte der reiche Junge.

Barry zitterte vor Erregung.

„Lass uns jetzt ein bisschen Spaß haben! Ich greife deinen wehrlosen Drachen mit dem Des-Weiß an!“

Der Eisbär stürmte auf den Wächter der Reichtümer zu und biss ihm in den Hals.

Das Drachenmonster schrie vor Schmerz und eine mächtige Schockwelle stieß Barrys Gegner zurück.

„Urgh…“

Reicher Junge Lebenspunkte: 2900 -> 700

„Zeig mir mehr Schmerz! Los, Totenkopf-Kodiak, Angriff mit Zermalmpranke!“

Das wütende Bären-Monster schmetterte seine rechte Tatze mit gewaltiger Wucht auf den Drachen.

Der resultierende Schaden ließ Barrys Gegner aufschreien und stieß ihn von der Duellplattform.

Reicher Junge Lebenspunkte: 700 -> 0.

Während die Hologramme seiner Monster und seines Spielfeldzaubers verschwanden, konnte Barry nicht anders als zu lachen.

Er hatte das Probeduell gewonnen und genoss seinen Sieg in vollen Zügen.

Danach drehte er sich ein wenig um und schaute rechts oben neben sich, wo Daniel und Erin standen

„So ein Mist!“, fluchte Erin innerlich.

Natürlich musste er sie bemerken!

Nun kam sie sich ein wenig blöde vor, immerhin waren bis auf sie und Daniel kaum andere Zuschauer anwesend, sie fielen also auf.

Vielleicht hätten sie doch einfach am ursprünglichen Platz sitzen bleiben sollen?

Sein Grinsen wirkte beinahe manisch und beide Augen waren weit aufgerissen.

Mit dem rechten Zeigefinger zeigte er in ihre Richtung, als ob er seinen beiden Bekannten aus Ra-Yellow sagen wollen würde, dass sie als nächstes dran seien…

„Na super!“, knurrte Daniel, „Aber immerhin wird dieses Arschloch mit Sicherheit Obelisk-Blue zugeteilt werden. Weil er nur im ersten Jahr ist und wir im zweiten, haben wir keinen gemeinsamen Unterricht. Das heißt, wenn wir es richtig anstellen, werden wir Barry nicht mehr über den Weg laufen müssen.“

Erin seufzte.

„Das wäre zu wünschen. War wohl doch die richtige Entscheidung, dass wir im letzten Jahr mit Absicht die schriftliche Prüfung vergeigt haben. Hoffentlich lässt er Jiang auch in Ruhe.“

Ihre ehemalige Mitbewohnerin würde sich mit Barry eine Unterkunft teilen und hatte offensichtliche südostasiatische Wurzeln.

Erin meinte sich dunkel dran zu erinnern, wie Barry mal irgendwas furchtbar Rassistisches zu Daniel gesagt hatte, als sich die beiden im letzten Jahr im verbotenen Waldabschnitt duelliert hatten.

Aber was könnte er diesbezüglich zu Daniel gesagt haben?

Daniel war weiß und sprach akzentfreies Hochdeutsch.

Im Nachhinein war sich Erin nun doch sicher, dass Ahmad, ein Mitbewohner von Daniel im ersten Halbjahr an dem Abend dabei gewesen sein musste.

Irgendwas mit Böreks und Selbstmordattentaten, diese Beleidigung könnte zu einem Moslem passen…

Sie atmete tief ein und aus und zwang sich dazu Daniel anzulächeln.

Erin war endlich wieder mit ihrem besten Freund vereint, heute hatte also gefälligst ein schöner Tag zu sein!

Sie wollte keine Sekunde länger an diesen ekelhaften Barry denken müssen.

Die erste Runde der Probeduelle war nun vorbei und die kommenden Duelle boten Daniel und Erin die nun nötige Ablenkung.

Insgesamt fanden heute noch fünf weitere Runden statt, die Erin mehr als genug Gelegenheiten boten sich wieder hinzusetzen und sich zwischendurch mit Daniel zu unterhalten.

Sie erinnerten sich gemeinsam an die Halbjahres- und Abschlussprüfungsduelle, mutmaßten, was in diesem Jahr Neues auf sie zukommen würde und spekulierten darauf, welcher Duellant gewinnen würde.

Hierbei bewies Daniel die eindeutig bessere Intuition, er hatte bei den fünf Duellen vier Mal richtig gelegen.

Generell passten die beiden nur so halb auf.

Erin war ja sowieso hauptsächlich Daniel zu Liebe mit der ersten Fähre angereist.

Die Probeduellanten waren im Vergleich zu ihnen, die ja bereits ein Jahr Duellakademie hinter sich hatten unerfahren und konnten Erin und Daniel mit ihren Spielzügen kaum überraschen und selbst wenn sie es könnten, mit den Neuzugängen im ersten Jahrgang würden sie ja eh nicht viel zu tun haben.

Der eindeutig auffälligste und wahrscheinlich auch beste Duellant war ein kreidebleicher und kränklich wirkender Junge, der das gesamte Duell über seinen Kopf mit der Kapuze seines übergroßen, sumpfgrünen Mantels bedeckte.

Von seinem Gesicht konnte man nicht viel erkennen, außer, dass er die gleiche platinblonde Haarfarbe wie Erin hatte, denn einige Strähnen seines Ponys hingen ihm bis zu seinen aufgeplatzten Lippen.

Immerhin schien er trotz der tief sitzenden Kapuze gut sehen zu können, denn seine Gegnerin konnte er mühelos bezwingen.

Erin und Daniel waren sich einig, dass der Junge eindeutig etwas Finsteres an sich hatte:

Da war zum Einen sein Deck, das hauptsächlich auf finsteren Spirit-Maschinenmonstern basierte und zum Anderen das schwarze Kruzifix, das er verkehrt herum an einer großgliedrigen Halskette trug und das er vor und nach seinem Duell küsste.

Immerhin schien er nicht so ein abgedrehter Schreihals wie Barry zu sein, er verhielt sich relativ ruhig und normal während seines Duells.

Dennoch, von so einem Kerl wollten sie sich lieber so fern wie möglich halten.

Als die letzten Duelle vorbei waren, musste Erin sich erst einmal strecken.

Sie war doch schon ziemlich erschöpft.

Die Reise zur Akademieinsel war anstrengend und vor Allem lang, weshalb sie gegen etwa 6 Uhr aufgestanden war.

An solche Uhrzeiten musste man sich nach den langen Sommerferien erstmal wieder gewöhnen.

„Mann! Am liebsten würde ich mich sofort in mein Bett fallen lassen! Kannst du nicht einfach für mich zur Ehring gehen und dir meinen Zimmerschlüssel geben lassen? Habe keine Lust mich mit ihr rumzuärgern“, klagte Erin in übertriebener Wehleidigkeit.

„Ich glaube ja eher nicht, dass Frau Überkorrekt mir einfach den Schlüssel für ein Zimmer im Mädchenflügel überlassen würde“, bemerkte Daniel mit einem frechen Grinsen, „Aber ich kann dich gerne begleiten. Sie müsste jetzt nach den Probeduellen sicher bald wieder in der Ra-Unterkunft sein, um dort die ganzen Neulinge einzuweisen.“

„War ja auch kein ernst gemeinter Vorschlag. Ich muss sie ja erstmal fragen, ob ich überhaupt in meinem Zimmer vom letzten Halbjahr bleibe. Und dann muss ich zumindest grob auspacken und mein Bett beziehen…“

Erin seufzte.

Es gab heute noch Einiges zu tun, bevor sie sich entspannt hinlegen konnte.

Sie nahm sich ihren Koffer, den aber diesmal Daniel für sie die Treppen hinabtrug.

Als die Freunde am Stadioneingang vorbei kamen, wurden sie Zeugen von einem Streitgespräch zwischen dem hinter einem Computer sitzenden Obelisken, der offenbar zum dritten Jahrgang gehörte und bei der Organisation der Probeduell mithalf und dem verwirrten Mädchen, dem Erin kurz nach ihrer Ankunft begegnet war.

Erin blieb stehen und beobachtete das Geschehen aus geraumer Entfernung.

„Was soll das heißen, „Nicht im System“? Ich wurde doch extra eingeladen!“, sie hielt dem Obeliskenjungen das Einladungsschreiben, auf dem auch ihre Anwärterkennnummer stand, vor das Gesicht, „Da, Nummer 30847! Warum bekomme ich dann keinen Gegner für ein Probeduell?“

Der Obelisk seufzte und tippte die Nummer erneut in den Computer ein.

„Kann sein, dass ich mich eben vertippt habe. 308 und…wie gings weiter?“

„30847!“, wiederholte sie aus Aufregung zwar laut, aber ohne wütenden Unterton.

Sie bemühte sich wohl höflich zu bleiben.

„Nein, die Nummer ist eindeutig nicht drin! Sorry. Vielleicht klappts über den Namen, wie heißt du?

“Manja Demidova. M-A-N-J-A und D-E-M-I-D-O-V-A”, buchstabierte sie.

Er tippte nach und klickte sich anscheinend durch mehrere Fenster.

Nach einigen Sekunden schüttelte er den Kopf.

„Dein Name ist ebenfalls nicht erfasst. Ich kann höchstens noch prüfen, ob eine Ausgangsbestätigung für dieses Einladungsschreiben vorliegt. Wohin wurde das Schreiben geschickt?“

„Kinderheim „Stützpfeiler“ in Sonneberg.“

„Genaue Adresse, bitte.“

„Oh, äh, Entschuldigung. Altfänger Straße 27 in 96515 Sonneberg in Thüringen.“

Wieder tippte der Obelisk und das von Sekunde zu Sekunde unsicherer werdende Mädchen wartete auf seine Antwort.

„Keine Ausgangsbestätigung. Du wurdest höchstwahrscheinlich nicht zum Probeduell eingeladen.“

„Wie, nicht eingeladen!? Das ist doch eindeutig ein Einladungsschreiben!“, protestierte Manja und hielt ihm wieder das Blatt entgegen.

„Tut mir Leid. Wer auch immer dir das gefälschte Schreiben geschickt hat, wollte sich offenbar nur einen Spaß mit dir erlauben.“

Das musste sie erst einmal verdauen.

„Das…kann doch nicht sein. Das ist keine Fälschung… ich habe mich extra so sehr auf die Duellakademie gefreut. Und da steht sogar, dass die Akademie selbst mir meine Ausbildung bezahlen möchte…“

Das Mädchen, das wie Erin auch recht hoch gewachsen war, aber im Gegensatz zu Erin in ihrem schwarzen Tanktop erstaunliche Muskeln aufwies, ließ den Kopf hängen, sodass der brünette, mehrstufige Pferdeschwanz an ihre Schulter vorbeirutschte.

Daniel hatte inzwischen Mitleid mit dem Mädchen bekommen und sprach sie nun an.

„Hey du, wenn du magst, gehen wir mit dir zusammen zum Büro vom Direktor. Wir...-“, er deutete mit einer Kopfbewegung auf Erin, die Manja daraufhin freundlich zuwinkte, „-...sind beide im zweiten Jahrgang und kennen den Weg. Bestimmt klärt sich dort das Problem.“

„Das werdet ihr ganz sicher nicht tun! Der Direktor ist wegen der Probeduelle sehr beschäftigt!“, widersprach der Obelisk harsch und bevor Manja die Chance hatte auf Daniels Angebot zu antworten.

„Na und, für eine kleine Nachfrage wird er doch wohl fünf Minuten Zeit haben.“

Erin pflichtete Daniel bei: „Fragen kostet doch nichts.“

„Ich habe NEIN gesagt! Es ist meine Aufgabe dafür zu sorgen, dass Direktor Schrainmann nicht belästigt wird!“

Nun wurde Daniel auch etwas ärgerlich.

„Es hat niemand mit dir geredet! Also hör doch einfach nicht hin und lass es gut sein, ja?!“

Der ältere Obeliskenjunge erhob sich von seinem Sitzplatz, ging hinter dem Tresen hervor und bäumte sich vor Daniel auf.

„Von einem Ra lasse ich mir keine Anweisungen geben! Und noch etwas: Im Gegensatz zu dir erfüllen wir Obelisken unsere Aufgaben gewissenhaft und ohne Rückzieher zu machen, wenn es uns zu unangenehm wird, „Sliferkönig“ !“

„Was geht denn hier vor ?“,fragte Frau Mentzel die beiden Jungen in einem ermahnenden Tonfall.

Sie war soeben aus dem Treppenhaus gekommen, gemeinsam mit der Frau, mit der sie sich die Probeduelle angesehen hatte.

Daniel antwortete, bevor der Obelisk zu Wort kommen konnte:

„Hallo Frau Mentzel, ich wollte zusammen mit einer potentiellen neuen Mitschülerin zu Herrn Schrainmann gehen. Ihr wurde trotz Einladung kein Gegner für ein Probeduell zugeordnet.“

Der Obelisk schüttelte den Kopf.

„Sie wurde nicht eingeladen, ganz egal, was auf ihrem Zettel steht. Sie, oder dieses Einladungsschreiben sind nirgends im System zu finden.“

„Hmm...“, die Lehrerin überlegte kurz und ging auf Manja zu, „Verzeihung, darf ich bitte dein Einladungsschreiben sehen?“

„Bitte“, sagte sie und Frau Mentzel las es sich gleich durch.

„Ach Herrje, Thüringen Sonnenberg? Da hattest du ja einen langen Weg hierher. Aber unser Prüfungshelfer hat schon recht. Wenn deine Daten nicht hinterlegt sind, dann wird der Direktor wohl kaum weiterhelfen können, dafür gibt es einfach zu viele Bewerber, um sich alle Schreiben zu merken“, sagte sie und gab das Schreiben wieder zurück.

Erin wollte schon auf die Lehrerin einreden, als sie sich dann unerwartet an Daniel wandte:

„Daniel, du bist ein fähiger und hilfsbereiter Duellant. Warum duellierst du dich nicht mit Manja? Ganz egal, ob das Schreiben nun echt ist oder nicht, sie hat nach der schweren Reise hierher eine Chance verdient.“

Er schaute bei dem Lob nicht schlecht.

Anscheinend hatte er im letzten Jahr auch unter den Lehrern, die sich unmöglich die Namen jedes einzelnen Schülers merken konnten, eine gewisse Bekanntheit erlangt.

Die schwarzhaarige Frau in der Obeliskenuniform neben Frau Mentzel meldete sich zu Wort:

„Aber geht dass denn so einfach? Immerhin müsste man das ja mit dem entsprechenden Hauslehrer besprechen und es muss ja auch jemand für ihre Ausbildung bezahlen, falls sie wirklich nicht eingeladen wurde.“

„Ach, Gundula, mach dir da keine Sorgen. Wen ich in MEIN Haus aufnehme, kann ich schon selbst entscheiden und als Hauslehrerin bekommt man ein gutes Gehalt, im Zweifelsfall übernehme ich ihren Semesterbeitrag.“

Manja wirkte sofort viel glücklicher, ganz im Gegensatz zu dem Obeliskenjungen, der sich nun wieder still an seinen Computer setzte.

„Das ist sehr großzügig von Ihnen! Vielen Dank“, sagte Manja mit einem breiten Lächeln.

„Wow, Frau Mentzel, Sie sind echt die Beste!“, pflichtete Daniel bei, „Ich spiele gerne das Probeduell. Aber ich muss vorher noch kurz zu meinem Zimmer, um mein Deck und meine Duelsdisk zu holen. Ich beeile mich!“

„Warte, Daniel“, sagte Erin, „ich habe doch mein Deck und meine Disk dabei. Dann ist es doch sinnvoller, wenn ich spiele“, sagte Erin und drehte sich dann zu Frau Mentzel um, „Das geht doch in Ordnung, wenn ich das Probeduell an Daniels Stelle übernehme, oder?!“

Die Hauslehrerin nickte.

„Von mir aus gerne, wenn Daniel und Manja auch einverstanden sind.“

Daniel und Manja hatten keine Einwände.

Frau Mentzel und ihre Begleitung, sowie die drei Jugendlichen gingen in das inzwischen leere Stadioninnere.

An der nächstgelegenen Plattform stellten sich Erin und ihre Gegnerin gegenüber und befestigten ihre Dueldisks.

„Es ist echt supercool von dir und deinem Freund, dass ihr euch so nett für mich einsetzt! Ich heiße Manja Demidova. Ich wünsche dir ein gutes Duell!“, sagte Manja, als beide Mädchen ihre Dueldisks aktiviert hatten.

„Äh, kein Problem. Mein KUMPEL und ich helfen immer gerne. Ich bin Erin Hiller, schön dich kennenzulernen“, entgegnete Erin ein wenig verlegen.

Die Frau in der Obeliskuniform sah Erin plötzlich sehr eindringlich an.

Hatte sie etwas Falsches gesagt?

Als sich die Blicke von Erin und der Frau kreuzten, schaute die Letztere schnell beiseite, sie fühlte sich wohl ertappt.

„Also, wenn ihr beide so weit seid, dann kann das Duell beginnen“, sagte Frau Mentzel enthusiastisch, „Manja bekommt den ersten Zug.“

„Alles klar, dann tu ich mal mein Schlimmstes!“, sagte Manja grinsend und zog.

„Hier kommt gleich mein erstes Monster! A-D-Springer Hartle der Frosch! Im Verteidigungsmodus, bitte!“

Vor Manja erschien ein antropomorpher Frosch in Kleinkindgröße. Er trug futuristische, glänzende Bepanzerung mit einer Strahlenpistole im Gürtelholster.

A-D-Springer Hartle der Frosch: Stufe 3, 1200Atk, 800Def.

„Es gibt noch eine verdeckte Karte! Dann beende ich den Zug!“

Vor Manja erschien die besagte verdeckte Karte und ihr so eben gerufenes Monster begann auf und ab zu hüpfen.

A-D-Springer Hartle der Frosch hüpfte immer höher und nach dem dritten Mal machte er beim Landeanflug einen Vorwärtssalto und verschwand mit einem Sauggeräusch plötzlich ins Nichts.

„Kein Grund zur Beunruhigung! Der besondere Effekt von Hartle dem Frosch sorgt dafür, dass er am Ende meines Zuges aus dem Spiel entfernt werden muss! Und jetzt, zeig was du kannst, Erin!“, forderte sie spielerisch.

Erin lächelte und zog.

Ihre Müdigkeit von eben war wie weggeblasen, dafür hatte sie sich schon zu sehr auf ihr erstes Duell gefreut.

„A-D-Springer? Wohl eher Ade, Springer, was?“, witzelte Erin und erntete zur Strafe für ihr mittelmäßiges Wortspiel ein enttäuschtes Kopfschütteln von Daniel.

„Hey, ich fand den Spruch gut!“, spielte Erin beleidigt, machte dann aber ernst weiter.

„Jedenfalls stehst jetzt du, Manja, ohne Verteidigung da! Ich habe da genau das richtige Monster, um das auszunutzen! Donnerklang-Späherin im Angriffsmodus!“

Die blonde Kriegerlady in leichten Gewändern und mit zwei Dolchen in den Händen erschien vor Erin.

Donnerklang-Späherin: Stufe 3, 1000Atk, 1000Def

„Meine Späherin hat auch einen Effekt, denn wenn ich sie als Normalbeschwörung aufrufe, darf ich sofort das nächste Donnerklang-Monster von meiner Hand rufen! Zeig dich ebenfalls im Angriffsmodus, Donnerklang-Kriegerin!“

Die nächste blonde Kriegerin erschien und richtete bei der Beschwörung schon kämpferisch ihr Schwert auf Erins Gegnerin.

Donnerklang-Kriegerin: Stufe 4, 1500Atk, 1600Def.

„Mein Feld steht und kann es kaum erwarten zuzuschlagen! Zuerst greife ich mit Donnerklang-Späherin an!“

Erins erstes Monster hechtete auf Manja zu und versetzte ihr zwei blitzschnelle Dolchstöße.

Sie stöhnte.

Manjas Lebenspunkte: 4000 → 3000.

„Das war noch nicht alles! Jetzt greift die Donnerklang-Kriegerin mit der Statischen Spaltung an!“

Mit ausgeholtem Schwert lief Donnerklang-Kriegerin auf Manja zu, doch diese kam ihr zuvor:

„Den Angriff verhindere ich mit meiner verdeckten Falle! Schutzschild aus einer anderen Dimension!“

Die verdeckte Karte deckte sich auf.

Bevor sie Manja erreichen konnte, verschwand die Spitze des Schwertes der Kriegerin mit dem gleichen Sauggeräusch, mit dem zuvor auch A-D-Springer Hartle der Frosch verschwunden war.

Erst als die Donnerklang-Kriegerin wieder rückwärts auf Erins Feldseite sprang, war wieder das ganze Schwert zu sehen.

„So leicht mache ich es dir nicht! Der Schutzschild aus einer anderen Dimension kann einen Angriff verhindern, wenn ich im Gegenzug ein A-D-Springer-Monster aus meinem Deck verbanne. Ich wähle A-D-Springer DeWitt den Hasen aus!“, erklärte Manja, und durchsuchte dann ihr Deck, „Das Beste an Schutzschild aus einer anderen Dimension ist aber, dass sie eine permanente Fallenkarte ist, damit schützt sie mich einmal in jedem Zug!“

„Unser Prüfling schlägt sich gut, sie hat den fehlenden Schutz, den ihr verschwindendes Monster zur Konsequenz hatte mit der verdeckten Karte ausgeglichen. Außerdem wette ich, dass sie mit den ganzen aus dem Spiel entfernten Monstern noch was vor hat“, sagte Daniel zu der neben ihm stehenden Frau.

„Ich drücke ihr auf jeden Fall die Daumen. Es würde mir echt Spaß machen eine so begeisterte Duellantin zu unterrichten.“

„Achso, sie sind also auch eine Lehrerin?“

Sie lachte.

„Wenn es gut läuft ja, aber zuerst muss ich mein Referendariat absolvieren. Ich bin übrigens Frau Struve.“

Daniel lächelte sie an, „Daniel, aber das haben Sie ja bestimmt schon mitbekommen.“

Erin würdigte währenddessen Manjas Spielmanöver mit einem anerkennenden Nicken.

„Gar nicht schlecht! Das ist ne coole Karte! Da ich jetzt mit beiden Monstern angegriffen habe, beende ich meinen Zug, du bist dran!“

Das ließ sich Manja nicht zweimal sagen.

Sie zog ihre nächste Karte.

„Als Erstes aktivieren sich die Effekte meiner aus dem Spiel entfernten Monster!“

Aus den saugenden Raumlöchern sprangen plötzlich Hartle der Frosch und ein weiteres Monster, bei dem es sich rein äußerlich um A-D-Springer DeWitt den Hasen handeln musste.

Ein aufrecht stehender Nager mit einer grün leuchtenden Schutzbrille, langen Löffelohren und eisernen Boxhandschuhen, an denen kleine Turbinen angebracht waren.

A-D-Springer Hartle der Frosch: Stufe 3, 1200Atk, 800Def.

A-D-Springer DeWitt der Hase: Stufe 4, 1400Atk, 600Def.

„Wie du an meiner permanenten Fallenkarte vielleicht schon erkannt hast, Erin, steht A-D nicht für „Ade“, sondern für „andere Dimension“! Meine Monster verabschieden sich zwar während der End Phase, aber sie kommen immer wieder zurück, wie ein Frisbee!“

„Meinst du nicht eher wie ein Bumerang?“, korrigierte Erin.

„Äh...Auch möglich! Jedenfalls kann ich A-D-Springer-Monster, die durch ihren eigenen Effekt oder den Effekt von „anderen Dimension“-Karten aus dem Spiel entfernt wurden, während der Standby-Phase als Spezialbeschwörung rufen! Außerdem aktiviert sich jetzt der zweite Effekt von Hartle dem Frosch: Wenn er durch seinen eigenen Effekt als Spezialbeschwörung gerufen wird, feuert er sofort auf deine Lebenspunkte ab und richtet dabei 600 Punkte Schaden an! Attacke mit dem Phantom-Phaser!“

Manjas Frosch sprang hoch in die Luft und feuerte auf seinem Höhepunkt drei schnelle rote Laserschüsse auf Erin ab.

Sie hielt sich schützend den linken Arm vor das Gesicht um sich vor dem Effektschaden zu schützen und ächzte leise.

Erins Lebenspunkte: 4000 → 3400.

„Bevor ich in den Kampf übergehe, benutze ich aus meiner Hand den Ausrüstungszauber Portalpistole und rüste mit ihm A-D-Springer Hartle den Frosch aus. Das gibt sofort 500 weitere Angriffspunkte und erlaubt es dem ausgerüsteten Monster zudem direkt anzugreifen!“

Der linke Vorderarm des Frosches wurde nun von einem weißen, ovalen Kanonenrohr umfasst.

A-D-Springer Hartle der Frosch: 1200Atk → 1700Atk.

„Das ist aber nicht alles, was meine Portalpistole kann, denn wenn das A-D-Springer-Monster, das sie ausrüstet in der End-Phase aus dem Spiel entfernt wird, dann wird Portalpistole ebenfalls aus dem Spiel entfernt und kehrt zusammen mit dem ausgerüsteten Monster im nächsten Zug wieder zurück!“

Erin nickte.

„Ich verstehe, ein normaler Ausrüstungszauber würde normalerweise zerstört werden, wenn das ausgerüstete Monster das Feld verlässt, aber deiner ist speziell auf deine A-D-Springer zugeschnitten, damit das nicht passiert!“

„Du bist clever, Erin, aber kannst du auch gut einstecken?!“, fragte Manja neckisch, „Es wird Zeit für meine Battle Phase: Hartle der Frosch greift dich dank der Portalpistole direkt an!“

Manjas Monster schoss aus der linken Armkanone ein unsichtbares Portal, was am schmatzenden Sauglaut trotzdem gut wahrzunehmen war.

Hartle der Frosch sprang dann durch das Portal und landete zu ihrer Überraschung direkt vor Erin, bevor er seine Armkanone in ihre Magengrube rammte.

„Ufff!!“

Erins Lebenspunkte: 3400 → 1700.

„Ich bin nicht fertig: Denn jetzt attackiert A-D-Springer DeWitt der Hase deine Donnerklang-Späherin! Hyperantriebshieb!

Der zweite A-D-Springer hoppelte auf Erins Donnerklang-Späherin zu und versetzte ihr einen durch die Turbinchen am Eisenhandschuh verstärkten Faustschlag.

Der Rückstoß setzte Erin, die in diesem Zug bereits zweimal Schaden genommen hatte, ziemlich zu.

Erins Lebenspunkte: 1700 → 1300.

„Sorry, Erin, aber bevor ich meine Battle Phase beende, komme ich zum Effekt von Dewitt dem Hasen: Da ich ihn in diesem Zug durch seinen eigenen Effekt als Spezialbeschwörung beschworen habe, bekommt er, wenn er erfolgreich einen Angriff deklariert, einen wortwörtlichen Nachschlag! Er greift dich jetzt mit seiner halben Grundangriffskraft direkt an! Nochmal den Hyperantriebshieb bitte!“

Der Hase sprang über die Donnerklang-Kriegerin einfach herüber und landete mit der Faust vor Erins Brust.

„Aaahh!“

Erin ging nun in die Knie.

Erins Lebenspunkte: 1300 → 600.

Manja lächelte zufrieden, ihr Zug war ein voller Erfolg.

„Ich setze wieder eine verdeckte Karte und beende meinen Zug! Dabei aktivieren sich wieder die besonderen Effekte meiner A-D-Springer-Monster! Du bist dran!“

Während neben dem aufgedeckten Schutzschild aus einer anderen Dimension eine zweite, verdeckte Karte erschien, sprangen ihre Monster dreimal synchron in die Luft und verschwanden beim dritten Mal mit einem Salto in einem schmatzenden Portal.

„Manja hat Erin total überrumpelt und ihr in einem Zug fast alle Lebenspunkte abgenommen. Sie schlägt sich fantastisch“, urteilte Frau Struve und schien darüber recht erfreut zu sein.

„Stimmt, ich glaube Erin hat sie etwas zu sehr auf die leichte Schulter genommen. Sie hätte in ihrem letzten Zug zumindest eine verdeckte Karte zum Schutz spielen können. Hoffentlich bereut sie das nicht inzwischen.“

Frau Mentzel schaute währenddessen einfach nur stumm zu.

Erin lächelte und zog.

Sie hätte nicht gedacht, dass sie sich heute überhaupt noch duellieren würde, aber dass sie dabei so unangenehm in die Ecke gedrängt werden würde, hätte sie nicht erwartet.

Aber so machte es ihr am meisten Spaß.

„Tja, wenn ich nicht gegen einen Neuling verlieren will, dann muss ich mich jetzt reinhängen! Ich spiele im Angriffsmodus die Donnerklang-Kampfmagierin!“

Erins Monster schwang ihren mit Runen versehenen Säbel mit so viel Schwung, dass ihre Zipfelmütze wackelte.

Donnerklang-Kampfmagierin: Stufe 3, 1400Atk, 900Def.

Manja unterbrach Erins Zug:

„Meine Falle aktiviert sich! Kryo-Suchminen!“

Die verdeckte Fallenkarte klappte auf und sofort erschienen auf dem ganzen Feld verteilt schwebende Eisenkugeln mit eisig blauen Stacheln, die langsam auf die Donnerklang-Kriegerin und die Donnerklang-Kampfmagierin zu schwebten.

Als die schwebenden Kugeln Erins Monster berührten, erzeugten sie frostige Explosionen, die die Krieger-Monster als bewegungsunfähige Eisstatuen hinterließen.

„Kryo-Suchminen darf aktiviert werden, wenn ein Monster beschworen wird und hinterlässt auf dem Feld unzählige zielsuchende Eisbomben! Sobald sie hochgehen, werden alle Monster, die sich zum Aktivierungszeitpunkt auf dem Feld befinden für die kommenden zwei Züge in den Verteidigungsmodus gezwungen und zudem werden auch ihre Effekte eingefroren! Nicht, dass du noch zwei Züge Zeit hättest, denn dank des Effekts von A-D-Springer Hartle der Frosch brauche ich nicht einmal angreifen, um deine Lebenspunkte auf 0 zu bringen!“

Erin grinste ihre Gegnerin frech an.

„Du hast ein echt starkes Deck! Deine Kryo-Suchminen hätten alle Monster auf dem Feld eingefroren, aber da deine Monster automatisch in deiner End-Phase verschwinden, kannst du eine so mächtige Karte ausspielen, ohne dir dabei einen Nachteil einzuhandeln! Aber du freust dich trotzdem zu früh, denn ich habe gar nicht vor mit meinen beiden Monstern anzugreifen! Vorher spiele ich nämlich Fusion!“

Sie hielt ihr die Zauberkarte mit ausgestrecktem Arm vor und platzierte sie dann in der Dueldisk.

Erins eingefrorene Donnerklang-Kriegerin und Donnerklang-Kampfmagierin verschwanden und hinterließen dunkle Wolken über der Duellplattform.

Grelle Blitze schlugen zwischen den Duellantinnen ein und der letzte Blitz hinterließ Erins muskelbepacktes Fusionsmonster.

„Ich beschwöre die Donnerklang-Waffenmeisterin im Angriffsmodus!“

Die kräftige Kriegerdame schwang bedrohlich ihre Handäxte durch die Luft und die auf ihrem Rücken geschnallten Waffen, ein Breitschwert, ein Kriegshammer und ein Morgenstern, wippten dabei mit.

Donnerklang-Waffenmeisterin: Stufe 5, 2100Atk, 1600Def.

„Deine Waffenmeisterin hat zwar ein paar Angriffspunkte mehr, aber es reicht nicht, um mich zu besiegen! Außerdem befindet sich noch immer Schutzschild aus einer anderen Dimension auf dem Feld um einen Angriff pro Zug zu verhindern! Sie kann nichts ausrichten!“, kommentierte Manja selbstbewusst.

„Da hast du absolut recht, deswegen spiele ich als nächstes gleich Defusionierung!“

„Wie bitte?“

Das Hologramm der Waffenmeisterin verblasste und an ihrer Stelle kehrten die Fusionsmaterialien, die inzwischen aufgetaute Donnerklang-Kriegerin und die Donnerklang-Kampfmagierin zurück.

„Das war ein toller Spielzug von Erin, durch die Fusion und anschließende Defusionierung konnte sie den Effekt von Manjas Kryo-Suchminen umgehen. Ihre Monster können jetzt ihre Effekte nutzen und angreifen“, stellte Daniel fest, doch Frau Struve schien sich da gar nicht so sicher zu sein.

„Deine, natürlich rein platonische, Freundin hat zwei Karten eingesetzt um eine des Gegners auszucanceln. Das ist ein Verlust in der klassischen Kartenvorteilsrechnung. Ich frage mich, ob ihre zwei verbleibenden Handkarten ausreichen, um doch noch zu gewinnen“, dachte sie laut.

Daniel hatte da keine Zweifel.

Eigentlich drückte er gerne dem Underdog die Daumen, aber er kannte inzwischen Erins Deck sehr gut und erahnte, was nun kommen würde.

„Hier kommt der Schnellzauber Donnerbeschwörung! Sie erlaubt es mir ein Donnerklang-Monster vom Typ Donner aus meiner Hand als Spezialbeschwörung zu rufen und sofort ein passendes Donnerklang-Krieger-Monster mit diesem Donner-Monster auszurüsten! Damit rüste ich die Donnerklang-Kampfmagierin mit Donnerklang-Seele aus!“

„Ein Monster, das ein anderes ausrüstet? Das ist ein Union-Monster!“, stellte Manja erstaunt fest.

Der Säbel der Kampfmagierin begann elektrisch bläulich aufzuflackern.

Donnerklang-Kampfmagierin: 1400Atk → 2200Atk.

„Korrekt, ein Union-Monster! Wie du vielleicht weißt, verstärken Union-Monster ihre Ziele. Aber in meinem Fall erhält die Kampfmagierin nicht nur Angriffspunkte, sondern auch ihren besonderen Effekt! Diesen Effekt bekommst du sofort zu spüren und zwar weil dich meine Donnerklang-Kampfmagierin mit dem Schockschwerthieb direkt angreift!“

Erin gab eine kommandierende Handbewegung und die Kampfmagierin rannte mit ausgeholtem Schwert auf Manja zu.

„Deinen Angriff verhindere ich mit meinem Schutzschild aus einer anderen Dimension!“

„Keine Chance!“, widersprach Erin, „Denn wenn Donnerklang-Kampfmagierin angreift und mit einem Donnerklang-Monster vom Typ Donner ausgerüstet ist, darf ich eine beliebige Zauber- oder Fallenkarte auf dem Feld zerstören! Das wars mit deinem Schutzschild!“

Aus dem Hologramm der angreifenden Kampfmagierin bildete sich eine Doppelgängerin, die mit einem gezielten Hieb Manjas permanente Fallenkarte zweiteilte. Die echte Kampfmagierin versetzte Manja einen schmerzhaften direkten Angriff und brachte sie ein wenig ins Taumeln.

Manjas Lebenspunkte: 3000 → 800.

„Es ist vorbei! Donnerklang-Kriegerin! Gewinne das Duell mit der Statischen Spaltung! Die Kriegerin lief wie befohlen auf Manja zu und gab ihr mit einem flinken, horizontalen Schwertstreich den Rest.

Vom Rückstoß stolperte Manja einige Schritte zurück und landete schließlich etwas unsanft auf ihren vier Buchstaben.

„Auaa!“

Manjas Lebenspunkte: 800 → 0.

„Aaaach, so ein Mist! Ich hatte dich doch schon fast gehabt!“, ärgerte sich Manja lautstark über sich selbst, während sie noch auf der Plattform saß und Erins Monsterhologramme verblassten.

„Ich denke niemand kann von dir erwarten, dass du mich besiegst. Ich habe immerhin bereits ein Jahr Duellunterricht hinter mir und damit einen großen Erfahrungsvorsprung. Aber du hast klasse gekämpft!“, munterte Erin sie auf.

Sie ging zu ihrer Gegnerin rüber und half ihr beim Aufstehen.

„Aber ich verstehe das nicht! Deine Kampfmagierin hatte doch zuerst angreifen müssen, um mein Schutzschild zu zerstören und mein Schutzschild kann einen Angriff verhindern! Warum hatte deine Karte da Vorrang?!“

Frau Mentzel kam Erin mit der Antwort zuvor:

„Das liegt daran, dass dein Schutzschild eine permanente Fallenkarte war. Du hättest recht gehabt, wenn dein Schutzschild eine normale Fallenkarte gewesen wäre. In diesem Fall hätte Erins Kampfmagierin zwar die Falle trotzdem zerstört, aber deine Falle hätte ebenfalls gewirkt und den Angriff verhindert. Aber bei permanenten Zauber- und Fallenkarten sowie Spielfeldzaubern gilt, dass ihr Effekt annulliert wird, wenn sie zerstört werden.“

Die umfangreiche Erklärung der Hauslehrerin war Manja nach dem anstrengenden Duell zu viel. „Äh...Also...“

Frau Mentzel lachte Manja freundlich an.

„Kein Problem, wenn dir das jetzt noch zu schwer ist, das lernst du noch alles im „Permanente Zauber- und Spielfeldzauberstrategie“-Unterricht.“

„Unterricht?! Heißt das etwa... -?“

Frau Mentzel nickte: „Herzlichen Glückwunsch, Manja, ich erkläre hiermit dein Probeduell als bestanden! Offen gesagt gehörst du mit deinem Talent eher zu den Ras als in mein Haus, aber ich befürchte, Frau Ehring wäre wegen der fehlenden Einladung etwas pingelig. Also bleibt das unter uns, ja?“

Erin erkannte das Strahlen in Manjas Augen wieder.

Sie wirkte überglücklich und der Frust durch das verlorenen Duell war schlagartig verschwunden.

Genauso mussten Daniel, Fiona und sie vor einem Jahr ausgesehen haben, als man sie immatrikuliert hatte.

„Vielen lieben Dank! Sie sind spitzenklasse!“, rief Manja und hatte Frau Mentzel bevor sie sich wehren konnte, in eine viel zu starke Umarmung geschlossen.

„Na, na Etwas förmliche Distanz, bitte! Ich bin ab jetzt immerhin auch deine Lehrerin“, keuchte sie.

Kaum hatte Manja Frau Mentzel losgelassen, hatte sie sich schon die nächsten beiden Opfer ausgesucht.

Sie presste zuerst Erin fest an sich.

„Dir auch vielen Dank für das superspannende Duell und für deinen Einsatz!“

„Keine...Ächz...Ursache!“

Dann kam Daniel dran und Erin meinte ein leises, aber ungesundes Knacken gehört zu haben, als sie ihn umarmte.

„Danke, Daniel! Wenn du dich nicht diesem Obelisken entgegengestellt hättest, hätte ich wahrscheinlich gar nicht zum Probeduell antreten können!“

„Wenn du so dankbar bist, dann lass mich bitte weiteratmen“, sprach Daniel unter Mühen.

Nach dem Duell trennten sich die Wege.

Manja ließ sich von Frau Mentzel zur Slifer-Red-Unterkunft führen und auch Erin musste nun los.

Es war schon spät geworden und sie musste sich von Frau Ehring noch ein Zimmer zuweisen lassen und ihr Gepäck verstauen.

Sie machte sich mit Daniel zusammen sofort auf den Weg.

„Mein Duell hat echt Spaß gemacht. Mich hier auf der Akademieinsel gegen andere starke Mitschüler zu messen, hat mir gefehlt.“

„Tja, diese Manja ist zwar ein wenig aufgedreht, aber definitiv stark.“

Er rieb sich den nun etwas schmerzenden Rücken.

„Meiner Meinung nach etwas ZU stark.“

Als Erin und Daniel das Stadion verließen, schaute ihnen Frau Struve noch hinterher.

Die neue Referendarin lächelte mild und spielte mit einem ihrer zwei Zöpfe.

Erin Hiller...

Auch mit unvollständigem Gedächtnis hatte Erin ihr Donnerklang-Deck gemeistert.

Sie hatte noch nicht mal die beiden geschenkten Karten einsetzen müssen.

Zu Schade, sie hätte zu gerne gesehen, wie gut Erin sie einsetzen kann.

Sie machte sich nun selbst auf zur Obelisk-Blue-Unterkunft, wo sie ihr eigenes Zimmer hatte.

Vielleicht ein anderes Mal.
 


 

°°°
 


 

„Es kam erneut zu schweren Schusswechseln an der polnisch-belarussischen Grenze zwischen Bialystok und Brest. Der belarussische Präsident Lukaschenko wirft der polnischen Regierung vor, für die nächtlichen Kämpfe verantwortlich zu sein, nachdem der polnische Betreiber der Leitung EuRoPol Gaz im Streit um die Jamal-Pipeline seinen Vertrag mit dem russischen Energieriesen Gazprom aufgekündigt hatte.“

Kevin sah gespannt auf den kleinen Fernseher, vor seinen Schreibtisch, während Maxim ihm liebevoll über die Schulter strich.

„Schau dir doch nicht bitte immer so schlimme Sachen an. Das ist nicht gesund.“

Ohne den Blick vom Bildschirm abzuwenden, griff er nach der Hand seines Freundes.

„Nachrichten sind wichtig. Und es gibt keinen Grund zur Beunruhigung. Ich denke nicht, dass sich die Kämpfe bis nach Deutschland ausbreiten.“

„...- Putin hat Alexander Lukaschenko bei seinem Besuch die Lieferungen von Panzern und Soldaten zugesichert und gleichzeitig angekündigt, gegenüber „Polnischen Aggressoren keine Gnade zu zeigen.“

Maxim hörte mit trauriger Miene der Nachrichtensprecherin zu.

„Auch wenn es weit weg ist, jeder Soldat ist auch ein Mensch. Und diese Menschen sterben zurzeit. Menschen wie du und ich, das dürfen wir nie vergessen.“

Es klopfte.

Er war da, es wurde inzwischen auch Zeit.

Während Kevin den Fernseher ausschaltete, öffnete Maxim den ihm zutiefst unsympathischen Gast die Tür.

„Freut mich, dich zu sehen, Barry“, log Maxim schamlos.

„Und mich freut es, endlich den Lohn für meine Arbeit zu kassieren!“

Er schubste Maxim beiseite und drang ungefragt in Kevins Zimmer ein.

Immerhin roch er inzwischen besser, jetzt wo er wie jeder andere Schüler regelmäßig die Uniform wechselte und sich wusch.

„Buahaha! Wo ist sie?“

Kevin stöhnte.

„Wozu die Eile? Wie wärs mit einem „Ich habe dich ganz doll vermisst, mein Lieblingsbruder“ oder wenigstens ein „Hallo“? Wir haben uns immerhin schon mehrere Monate nicht mehr gesehen.“

Barry funkelte seinen großen Halbbruder böse an.

„Weißt du, Bohnenstange, du hast irgendwo recht. Wir haben uns wirklich verfickt lange nicht mehr gesehen. Ich hatte bisher noch keine Gelegenheit mich für die elf Tage zu bedanken.“

„Elf Tage? Wovon redest du da?“

„Komm mir nicht auf die Tour!“, brüllte Barry, „Meine verblödeten „Eltern“ hatten nach dem Probeduell elf Tage nicht gewusst, wo ich stecke, weil du mich in ein riesiges Funkloch verfrachtet hast! Was meinst du, was ich mir dafür Zuhause von den beiden Pennern anhören musste!“

„Ach und das soll jetzt meine Schuld sein, du Hohlbirne? Hättest du dich einfach wie geplant einschreiben lassen, hätten die Konstanzer Kinder und ich gar nicht erst alles umplanen müssen. Du hättest dich auch einfach mit deinem Smartphone zur Akademie schleichen können, um wenigstens mal kurz anrufen zu können, ich kann ja nicht an alles für dich denken.“

„Ach und wie sollte ich mein Handy laden, um anzurufen? Das Ding lebt ja nicht von Luft und Liebe!“

„Jetzt halt endlich den Mund, Barry“, mischte sich Maxim in den Brüderstreit ein, „Kev hat viel für dich getan. Er war es, der dir die gefälschte Aufnahmebestätigung und das Zwischenzeugnis organisiert hat, damit du dich in den Ferien als Top-Duellant feiern lassen durftest, also zeig mal zur Abwechslung ein wenig Dankbarkeit. Davon abgesehen hatten Hecker, Tessa und ich eine Zeit lang überlegt, ob wir überhaupt deinen Eltern eine Entwarnung geben wollten, oder es nicht strategisch besser gewesen wäre, tatsächliche Polizisten auf der Insel nach vermissten Kindern suchen zu lassen.“

Barry knurrte, am liebsten würde er Maxim an Ort und Stelle windelweich prügeln.

„Ach, Eure Hoheit, habt ihr das, ja?“, sprach er Maxim sarkastisch an, „Wie wärs gewesen, mich in euren beschissenen Plan einzuweihen, anstatt ohne mein Zutun über meine Zukunft zu entscheiden?“

„Niemanden interessiert, was du willst“, kommentierte Kevin in seinem typisch herablassenden Tonfall, „Letztlich haben sich die Konstanzer Kinder ja auch gegen eine Involvierung der Behörden entschlossen und zwar aus gutem Grund.“

„Der da wäre?“, hakte Barry nach.

„Hecker will den Direktor tot sehen, nicht einfach nur verhaftet.“, erklärte Kevin, „Zudem hätte das Risiko bestanden, dass im Rahmen der Ermittlungen das Bundesverteidigungsministerium aktiv wird, um seine Rolle in den kranken Experimenten zu verschleiern, die hier vor der Akademiegründung stattfanden. Schlimmstenfalls hätten Soldaten die Insel besetzt, eine Zerstörung der alten Kelleranlage und Domus Tod wären damit unmöglich für uns gewesen.“

Die Geschichte der Insel interessierte Barry überhaupt nicht, er ignorierte an dieser Stelle die Erklärung seines großen Halbbruders.

„Wo ist Agrios Oreios? Wir hatten einen Deal, Bohnenstange.“

„Nun, ein guter Geschäftsmann steht zu seinem Wort, eine Sekunde.“

Kevin stand auf und öffnete die unterste Schublade seines Schreibtisches.

Unterhalb der Schublade hatte er einen Schlüssel geklebt, den er nun abmachte.

Dann ging er, mit dem Schlüssel in der Hand aus reiner Vorsicht einen großen Bogen an seinen gewaltbereiten Bruder vorbei.

Er ging zum Kleiderschrank, zu dem unter seinen Klamotten versteckten, kleinen Safe und schloss ihn auf.

Schließlich nahm er ein Foto aus dem Safe.

Als Barry erkannte, dass Kevin ein Foto und keine Götterkarte in der Hand hielt, wurde er laut:

„Was zur Hölle soll das, hä?! Gib mir endlich, das, was wir vereinbart hatten!“

„Das werde ich auch, aber vorher sichere ich mich lieber ab.“

Mit etwa zwei Metern Sicherheitsabstand hielt Kevin Barry das Bild entgegen.

Es war eine lächelnde Frau mit einem Baby auf dem Arm zu sehen.

Barry konnte die Frau sofort wiedererkennen.

„Mama?“, fragte er mit für ihn völlig ungewöhnlich sanfter und verletzlicher Stimme.

„Das letzte Bild von deiner Mutter um genau zu sein, ja. Ich bin nicht dumm, Barry, ich gebe dir nicht einfach eine der mächtigsten Waffen unserer Organisation in die Hand, ohne etwas gegen dich in der Hand zu haben.“

Barry versuchte auf Kevin zu zurennen, wurde aber von Maxim, der sich sofort zwischen die Halbbrüder stellte, festgehalten.

„Lass mich los, du dreckiger...“

Plötzlich erstarrte er.

Pures Entsetzen stand Barry ins Gesicht geschrieben, als er sah, wie Kevin einen kleinen Spalt in das Foto gerissen hatte.

„Du wirst dich benehmen und uns weiter Gehorsam leisten, Hohlkopf!“, forderte Kevin ernst, „Wenn du kooperierst, werde ich dir das Foto überlassen. Du wirst es kriegen, sobald unsere Mission abgeschlossen ist.“

Kevin wartete das stumme Nicken seines Halbbruders ab.

Die pure Wut brodelte in Barry, aber er riss sich mit aller Macht zusammen.

Er war vorerst von Kevins Wohlwollen abhängig, das war ihm bewusst.

Kevin kramte weiter im Schrank, bis ein zweiter Tresor mit Drehschloss zum Vorschein kam.

„Schau weg!“, forderte er Barry auf.

„Jaja, schon gut!“, entgegnete dieser und wandte demonstrativ seinen Kopf ab.

Während Kevin eilig das Druckmittel gegen Barry an einen Ort verstaute, an den dieser unmöglich herankam, konnte Maxim nicht anders als die clevere Vorsicht seines Freunds zu bewundern.

Diese berechnende Cleverness war eine der vielen Eigenschaften von Kevin, in die er sich damals verliebt hatte.

Dann nahm Kevin eine Karte aus dem noch offenen Schlüssel-Safe heraus, bevor er ihn wieder verschloss und den Schlüssel in seiner Hosentasche verstaute.

Er hielt sie Barry entgegen.

„Du gehörst den Konstanzer Kindern, Barry. Vergiss das nie“, drohte er, während er ihm die geheime vierte Götterkarte reichte.

Barry zitterte vor Erregung, als er sie in den Händen hielt.

Seine Augen geweitet, der Mund zu einem grotesken Grinsen deformiert.

Kevin schien zu glauben Barry kontrollieren zu können, doch Maxim hatte im Augenblick ein extrem schlechtes Gefühl.

Dieser tickenden Zeitbombe eine Götterkarte zu überlassen, war das wohl Falscheste, was sie hätten tun können.
 


 

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Neue Karten:
 

Neue Monster:
 

A-D-Springer Hartle der Frosch: Stufe 3, 1200Atk, 800Def, Typ Aqua, Attribut Wasser, Effekt:

Während der End-Phase: Entferne diese offene Karte aus dem Spiel.

Während deiner Standby-Phase, falls diese Karte durch ihren eigenen Effekt oder dem Effekt einer „anderen Dimension“-Karte aus dem Spiel entfernt wurde: Beschwöre diese Karte als Spezialbeschwörung. Wenn diese Karte durch ihren eigenen Effekt oder dem Effekt einer „anderen Dimension“-Karte als Spezialbeschwörung beschworen wurde: Füge deinem Gegner 600 Punkte Schaden zu.
 

A-D-Springer DeWitt der Hase: Stufe 4, 1400Atk, 600Def, Typ Ungeheuer-Krieger, Attribut Erde, Effekt:

Während der End-Phase: Entferne diese offene Karte aus dem Spiel.

Während deiner Standby-Phase, falls diese Karte durch ihren eigenen Effekt oder dem Effekt einer „anderen Dimension“-Karte aus dem Spiel entfernt wurde: Beschwöre diese Karte als Spezialbeschwörung. Wenn diese durch ihren eigenen Effekt oder dem Effekt einer „anderen Dimension“-Karte als Spezialbeschwörung beschworen wurde: Wenn diese Karte angreift, kann sie ein zweites Mal direkt angreifen. Ihre ATK werden für den zweiten Angriff zu der Hälfte der Grund-Atk dieser Karte.
 

Priesterin des Drachenkönigs: Stufe 1, 200Atk, 500Def, Typ Hexer, Attribut Licht, Effekt:

Einmal pro Zug: Du kannst eine Karte aus deiner Hand in dein Deck zurücklegen: Wähle ein Drache-Monster der Stufe 7 oder höher aus deinem Deck und füge es deiner Hand zu.
 

Rubinaugengreif: Stufe 6, 2200Atk, 2800Def, Typ Geflügeltes Ungeheuer, Attribut Wind, Effekt: Du kannst diese Karte als Spezialbeschwörung rufen, indem du eine Karte von deiner Hand auf dein Deck legst. Wenn diese Karte durch ihren eigenen Effekt als Spezialbeschwörung gerufen wurde: Erhalte 500 Lebenspunkte für jedes Monster, das du kontrollierst.
 

Wächter der Reichtümer: Stufe 8, 2400Atk, 3000Def, Typ Drache, Attribut Erde, Effekt:

Offene Zauber- und Fallenkarten, die du kontrollierst, können nicht durch Karteneffekte zerstört werden. Am Ende der Battle Phase, falls diese Karte einen Angriff deklariert hat: Wechsle diese Karte in den Verteidigungsmodus.
 

Neue Zauber:
 

Portalpistole: Ausrüstungszauberkarte:

Rüste nur ein „A-D-Springer“-Monster mit dieser Karte aus. Das ausgerüstete Monster erhält 500Atk und kann direkt angreifen. Wenn das ausgerüstete Monster aus dem Spiel entfernt wird: entferne diese Karte aus dem Spiel. Wenn das Monster, das diese Karte zuvor ausgerüstet hatte als Spezialbeschwörung beschworen wird: Rüste das Monster mit dieser aus dem Spiel entfernten Karte aus.
 

Diamantenschuppen: Ausrüstungszauberkarte:

Rüste nur ein Monster vom Typ Reptil oder vom Typ Drache mit dieser Karte aus. Das ausgerüstete Monster erhält 800Atk und 800Def und kann nicht im Kampf oder durch Karteneffekt zerstört werden.
 

Neue Fallen:
 

Schutzschild aus einer anderen Dimension: Permanente Fallenkarte:

Einmal pro Zug: Entferne ein „A-D-Springer“-Monster aus deinem Deck aus dem Spiel um einen Angriff, den ein gegnerisches Monster deklariert, zu annullieren.
 

Kryo-Suchminen: Normale Fallenkarte

Wenn ein Spieler ein Monster beschwört: Alle Monster, die sich bei der Aktivierung der Karte auf dem Spielfeld befinden, wechseln in den Verteidigungsmodus. Sie können für zwei Züge ihren Modus nicht wechseln und ihre Effekte werden für zwei Züge annulliert.
 

Gut behüteter Schatz: Permanente Fallenkarte:

Während deiner End Phase, falls sich diese Karte seit mindestens einem Zug offen auf dem Feld befand und du in diesem Zug ein Monster vom Typ Drache als Tributbeschwörung beschworen hast: Lege diese Karte auf den Friedhof: Ziehe 3 Karten.

Die neue Krone

„Herzlichen Glückwunsch. Du hast in deinem Probeduell hervorragend abgeschnitten. Als Eine der vielversprechendsten Neuzugänge möchten wir dich hiermit zu einer geheimen Sitzung der Obeliskenkrone einladen, um deinen künftigen Werdegang zu besprechen. Sie findet um 23:00 Uhr in Raum 702 statt. Sei bitte pünktlich.“

Das frischgebackene Obeliskenmädchen las sich, während sie im Aufzug stand und darauf wartete, dass sie im siebten Stockwerk ankam den Brief noch einmal durch.

Der Brief, den man ihr vor wenigen Stunden unter der Türschwelle durchgeschoben hatte.

An sich hätte sie dieses Schreiben für einen schlechten Scherz gehalten, aber dafür schien er ihr doch zu aufwendig.

Das Layout des Briefes schien dem der offiziellen Akademiebriefe identisch, inklusive des Logos der Duellakademie oben rechts.

Und unter der Einladung waren die Handschriften der Kronprinzessinnen und Kronprinzen sowie die des Obeliskenkönigs Aland zu lesen.

Das war deutlich zu aufwendig für eine Fälschung.

Sie hatte wohl mit ihrem souveränen Sieg im Probeduell einen sehr guten Eindruck gemacht.

Was man ihr wohl sagen würde?

Würde man ihr einen Preis verleihen?

Oder ihr eine wichtige Aufgabe anvertrauen?

Würde sie vielleicht die neue vierte Kronprinzessin werden?

„Künftiger Werdegang“, das könnte so vieles heißen!

Die Aufzugstür öffnete sich und das Mädchen schlich den Gang, den niedriger werdenden Zimmernummern folgend, entlang.

In der linken Hand hielt sie das Handy mit aktivierter Taschenlampe, in der rechten, aus reiner Vorsicht, den eigenen Zimmerschlüssel zwischen Mittel- und Ringfinger zur Stichwaffe geklemmt.

Sie bemühte sich leise zu sein, immerhin sollte das Treffen geheim bleiben.

Am Ende des Ganges sah sie bereits einen älteren Jungen in seiner Obeliskenuniform stehen.

Er lächelte sie an und reichte ihr zur Begrüßung die Hand.

Wer das wohl war?

Den drei männlichen Namen auf der Einladung nach zu urteilen entweder Chris Lutherford, Theodor Geiger oder womöglich König Aland Kaya persönlich.

Stumm schüttelte sie die Hand und verbeugte sich gleichzeitig leicht.

„Es ist schön, dass du gekommen bist. Die restlichen Mitglieder der Krone werden auch gleich eintreffen“, flüsterte er und holte dabei selbst einen Schlüssel aus der Hosentasche.

Er schloss behutsam, ohne unnötigen Lärm zu verursachen die Zimmertür auf.

Kaum stand die Tür offen, schubste er das Obeliskenmädchen heftig in den finsteren Raum, sodass sie zu Boden fiel.

„Scheiße, was soll das?“, fluchte sie am Boden liegend.

Sofort schloss der Junge die Tür.

Statt einer Antwort hörte sie von außen, wie er das Zimmer abschloss und eilig davonging.

Sie war eingesperrt.

Sie richtete sich auf und griff nach dem noch immer hell scheinenden Smartphone am Boden vor sich, dann beleuchtete sie die Tür hinter sich, um den Lichtschalter zu finden.

Sie drückte ihn und es wurde hell.

Als sie sich umdrehte, um sich den Raum anzusehen, wurde sie schlagartig starr und ihr fiel das Smartphone ein zweites Mal aus der Hand.

Ein Schrei purer Angst hallte durch die Obeliskenunterkunft.
 


 

°°°
 


 

König Aland blätterte die Bilder, die ihm Chris eben gereicht hatte durch.

Er ließ sich Zeit, während vor dem Thron versammelt die vier neuen Kronprinzen und -prinzessinnen auf seine Beurteilung warteten.

Es waren mindestens zwei Dutzend Papierblätter im DIN A2-Format.

Fiona, die sich erstmal wieder an das frühe Aufstehen gewöhnen musste und sich gerade ein Gähnen verkniff, stand neben Lucia-Ann, der zweiten Kronprinzessin und gegenüber von Chris.

Chris trug, wie dey es häufiger an warmen Sommertagen tat, die Uniform der Mädchen mit Rock.

Neben Chris, demder ersten Kronprinz*essin, befand sich der dritte Kronprinz.

Theodor Geiger.

Theodor, oder kurz Theo, war ein mittelgroßer Junge mit einer schwarzen Kappe, die den rötlich-blonden Bürstenschnitt bedeckten, einer dürren, rahmenlosen Brille und auffällig spitzen Eckzähnen.

Die weiße Obeliskenuniform trug er offen, darunter ein weites, ebenso weißes, mit verschiedensten Farbflecken versehenes Shirt.

„Das ist makaber“, röhrte es durch den Helm des Obeliskenkönigs, „Solche Bilder von den eigenen Mitschülern zu malen ist inakzeptabel, vom Einsperren mal ganz abgesehen. Du sagtest, sie waren kreuz und quer an allen Wänden des Zimmers 702 aufgehängt?“

Chris nickte und nahm die Bilder wieder entgegen.

Es waren alle Porträts und alle mit dem gleichen Motiv.

Auf allen Bildern war das Gesicht des eingesperrten Mädchens zu sehen, allerdings mit verstörenden Variationen.

Auf einem Porträt fehlten ihren starrenden Augen die Iris und Pupillen, auf einem anderen war ihr Gesicht von kleinen Löchern übersät, aus denen unzählige Spinnen krabbelten und auf noch einem andern Porträt fehlte ihrem Gesicht komplett die Haut.

Fiona blickte kopfüber auf den Stapel in Chris´ Händen.

Auf dem obersten Bild sah man sie mit offenem Mund freundlich lächeln, aber anstelle ihrer normalen Zähne hatte sie nur blutiges, schwarzes Zahnfleisch, mit vereinzelten weißen Splittern, die ihren restlichen Zahnschmelz darstellten.

Sie schluckte.

Welcher Irre malt so etwas und zwingt dann das unfreiwillige Modell dazu, sich diese Bilder anzusehen?

„Das Opfer wurde mit einem gefälschten Einladungsschreiben gelockt, bevor man sie mit diesen düsteren Porträts eingesperrt hatte. Angeblich hätten wir, die Krone, uns mit ihr treffen wollen. Das Mädchen war für eine halbe Stunde mit diesen schrecklichen Bildern von sich selbst eingesperrt, bis ihre Schreie endlich jemanden weckten, der einen Schlüssel für den Raum organisieren konnte“, führte Chris aus und nahm das besagte Einladungsschreiben aus deren Rucksack, um es ebenfalls dem König zu überreichen.

„Man hatte ihr diesen Zettel vorgestern um etwa 19.30 Uhr unter die Zimmertür durchgeschoben.

Den Jungen, ein Obelisk mit weißer Uniform, dem sie auf dem Flur begegnet war und der sie geschubst und eingesperrt hatte, hat sie noch nicht identifizieren können. Vermutlich also kein Neuling“, führte Chris aus, während sich Aland die falsche Einladung genau ansah.

„Noch nicht identifiziert? Sollte das nicht die erste Priorität sein?“, hakte Lucia-Ann nach.

„Das Mädchen ist traumatisiert und unser Schulpsychologe hat ihr fürs Erste wohl verboten aktiv nach dem Täter zu suchen. Geben wir dem Opfer bitte noch ein wenig Zeit.“

Fiona schwieg und lauschte.

Chris nahm deren Aufgabe als Mitglied der Krone offenbar sehr ernst.

Es war unter anderem die Aufgabe der Krone, der stärksten Duellantinnen und Duellanten der ersten beiden Jahrgänge, die damit ein besonderes Anrecht darauf hatten im Jahresabschlussduell um den Titel des Obeliskenkönigs zu kämpfen, für Ordnung im Haus Obelisk-Blue zu sorgen.

Und Chris hatte innerhalb eines Tages offenbar eine Menge Ermittlungen angestellt.

„Du urteilst zu vorschnell, Chris“, kritisierte Lucia-Ann, „Eine solche Aktion erfordert viel Planung. Warum sollte sich jemand, der dieses Mädchen nicht bereits kannte sich eine solche Mühe machen? Die Schülerinnen und Schüler des zweiten und dritten Jahrgangs kannten sie wahrscheinlich nicht und hatten damit kein Motiv. Aber was wäre beispielsweise mit ihrem Gegner im Probeduell? Er wurde wegen seiner Niederlage dem Haus Ra-Yellow zugeordnet, wenn man mich korrekt informiert hat.“

Nun meldete sich Fiona vorsichtig zu Wort: „Ähh... Aber ich dachte der Täter hatte eine weiße Kronprinzen-Uniform an?“

Lucia-Ann wurde wegen dieses offensichtlichen Denkfehlers gleich rot.

„Ach, äh... Bei Nacht sehen doch alle Uniformen grau aus...oder so ähnlich!“

Aland nickte bedächtig und hielt Chris das Einladungsschreiben entgegen.

Chris nahm es jedoch nicht an sich, sondern griff erneut in seinen Rucksack, um ihm vier weitere Zettel zu reichen.

Etwas überrascht nahm Aland die Blätter.

„Das sind die ersten Seiten der letzten Jahresabschlussprüfungen. Was haben sie mit dieser Angelegenheit zu tun?“, fragte Aland.

Chris verbeugte sich, bevor dey weiter ausführte: „Ich denke, Ihre Hoheit stimmt mir zu, wenn ich darauf verweise, dass die Einladung sehr authentisch wirkt. Aber was mich stutzig gemacht hatte, waren die „Unterschriften“ von uns. Ich habe Vizerektorin Ehring konsultiert und um Einsicht in die schriftlichen Prüfungen gebeten und zwar in meine eigene, sowie die, der anderen anwesenden Kronprinzessinnen und des Kronprinzen Theodor Geiger. Mithilfe dieser Kopien konnte ich die Handschriften abgleichen um auch unsere falschen Unterschriften auf Authentizität zu prüfen.“

„Ich verstehe“, antwortete Aland.

Der Helm senkte sich , sodass der Obeliskenkönig Seite für Seite die Handschriften der Anwesenden mit den Unterschriften auf dem Einladungsschreiben des Täters vergleichen konnte.

Als er fertig war, hob er den Kopf und schien in die Richtung des dritten Kronprinzen zu blicken.

„Theodor Geiger, keine der Unterschriften hat Ähnlichkeit mit unseren Handschriften. Lediglich deine Handschrift stimmt perfekt mit deiner Unterschrift auf dem Brief überein. Wie kannst du das erklären?“, fragte er ernst.

Der dritte Kronprinz, der bis eben still gewesen war verbeugte sich tief, bevor er antwortete.

„Mein König, als Leiter und aktives Mitglied der Kunst-AG unserer Akademie male ich unzählige Bilder, die dann auch alle anderen AG-Mitglieder zu Gesicht bekommen. Dabei ist es üblich, dass jeder Künstler seine Schöpfung mit der eigenen Unterschrift signiert. Ich vermute, dass der Täter unglücklicherweise ein AG-Mitglied ist, welches meine Signatur daher kennt und mithilfe der falschen Unterschrift die Schuld auf mich lenken will.“

Nach dieser Erklärung kratzte sich Fiona nachdenklich den Kopf.

Das könnte stimmen.

Fiona kannte Theo bisher nur vom Sehen.

Er war stets sehr still und im Grunde immer beschäftigt.

Wenn er nicht lernte, dann duellierte er sich.

Und wenn er sich nicht duellierte, dann malte er.

Alle möglichen Motive oder mal frei aus dem Kopf heraus.

Außerhalb des Unterrichts hatte sie Theodor nie etwas anderes als diese drei Dinge machen sehen.

Ein exzentrischer Einzelgänger, der sich nur mit Leuten umgab, die genauso besessen waren wie er.

Auf eine gewisse Weise bewunderte sie seine Hingabe.

Für einen Augenblick war es nun still im Thronsaal.

Chris, Lucia-Ann und Fiona tauschten Blicke aus um aus den Gesichtern der anderen abzulesen, ob man Theodors Erklärung glauben schenken wolle oder nicht.

Plötzlich riss Theo die Arme hoch und kicherte gehässig.

„Sagt bloß, ihr hättet mir das geglaubt!? Was soll die Scharade! Ich habe die kleine Göre eingeschlossen und diese wunderbaren Werke stammen alle von mir!“

Lucia-Ann sah den dritten Kronprinzen kritisch an: “Soll das jetzt ein dummer Scherz sein, oder ein Geständnis?!“

„Oh! Ich gestehe, zweite Kronprinzessin, ich gestehe!“, sagte er und nahm sanft und ohne Widerstand seine Bilder aus Chris´ Händen an sich, „Um ehrlich zu sein, bin ich auch viel zu stolz auf meine Schöpfungen. Es wäre eine Schande, jemand anderem die Ehre für derart saubere Proportionen und der raffinierten Schattierungen der Haarspitzen zu überlassen, nicht wahr?“

„Tse! Glückwunsch, Theo! Nicht einmal eine Woche. Damit knackst du sicherlich den Akademierekord für die kürzeste Amtszeit eines Kronprinzen“, spottete Lucia-Ann und sah erwartungsvoll in Alands Richtung, gebannt auf seine Reaktion wartend.

„Theodor Geiger. Teile uns sofort mit, warum du deine Mitschülerin mit diesen grässlichen Bildern eingesperrt hast“, forderte der Obeliskenkönig.

„Selbstredend, mein König. Ihr habt ja meine Einladung an das Mädchen gelesen. Sie war arrogant genug zu glauben, dass sie nach nur einem Duell unsere Aufmerksamkeit verdient hätte, sie hat auch gegen die Nachtruhe verstoßen. Natürlich hatte unser Frischling dafür eine Strafe verdient, die ich ihr nur zu gerne erteilt habe.“

Er lachte.

„Es war wirklich wunderbar. Die Qualität eines Kunstwerkes misst sich an der Reaktion, die diese im Betrachter auslöst. Und ihren verzweifelten Schreien nach zu urteilen, habe ich wohl grandiose Meisterwerke erschaffen.“

Fiona schluckte.

Sie hätte nicht damit gerechnet auf der ersten Versammlung der Obeliskenkrone des Jahres mit einem derartig böswilligen Menschen konfrontiert zu werden.

Sie biss sich auf die Unterlippe, zwang sich selbst dazu das Verhalten des Dritten nicht zu kommentieren.

Sie wollte nicht riskieren durch eine unangemessene Äußerung ihren neuen Titel als vierte Kronprinzessin zu verlieren.

„Es ist nicht deine Aufgabe neuen Mitschülern Fallen zu stellen, oder sie zu bestrafen“, sagte Chris kühl, „Deine Art von „Bestrafung“ gefährdet den Zusammenhalt unseres Hauses stark und außerdem haben wir gegenüber den anderen Obelisken eine Vorbildfunktion. Das heißt die Nachtruhe und die Blaue Ehre gelten genauso auch für dich. Daher...-“, dey wandte sich Aland zu, „bitte ich Ihre Hoheit darum, Theodor Geiger als Konsequenz für sein Fehlverhalten und seine charakterliche Untauglichkeit von seinem Amt als dritten Kronprinzen zu entbinden.“

„Wie überraschend“, kommentierte Theo Chris´ Wunsch sarkastisch.

Der König lehnte sich zurück, den Helm in Denkerpose auf die Knöchel der rechten Hand gelegt.

„Lucia-Ann, Fiona, erachtet ihr Chris´ Vorschlag einer Amtsenthebung ebenfalls für sinnvoll?“

Fiona verbeugte sich rasch, wie man es von ihr erwartete, wenn man direkt vom König angesprochen wird.

„Ja, Eure Hoheit. Jemand, der so fies seine Mitschüler quält, sollte kein Mitglied der Krone sein, finde ich! Das ist nicht richtig!“, antwortete sie rasch.

Chris lächelte leicht belustigt über Fionas einfache, aber sehr direkte Wortwahl.

Das mochte dey an ihr.

Lucia-Ann verbeugte sich und antwortete: „Nun, Eure Majestät, von den charakterlichen Verfehlungen des Dritten mal ganz abgesehen, war er offensichtlich nicht einmal in der Lage oder Willens seine Spuren vernünftig zu beseitigen, sodass Chris in kürzester Zeit beeindruckende Beweislast gegen ihn vorlegen konnte. Für dumme, schlampige und kurzsichtige Arbeit habe ich keine Toleranz.“

Hämisch grinste sie den erstaunlich ruhig wirkenden dritten Kronprinzen an.

Aland lehnte sich vor und seufzte.

„Ich hätte nicht gedacht und erst recht nicht gehofft, dass ich schon so früh zu dieser Maßnahme greifen muss. Aber das Einsperren, die Bilder und deine komplett fehlende Reue und Einsicht lassen mir keine Wahl. Theodor Geiger, hiermit...-“

„Nein, mein König bitte!“, flehte Theodor plötzlich und fiel vor ihm auf die Knie.

„Ich sehe sehr wohl ein, dass meine Falle zu weit gegangen war. Es sollte nicht mehr als eine kleine Lektion für ihre Arroganz werden, keine traumatische Erfahrung“, Theo erhob den Kopf und sah den Obeliskenkönig direkt an, „Das Letzte, was ich will und wir alle wollen, ist das eine von uns Obelisken geisteskrank wird und sich psychologische Hilfe suchen muss. Wir haben immerhin ALLE unsere Pflichten zu erfüllen, nicht wahr?“

Chris schnaubte.

Wie konnte er es wagen den König bei der Urteilsverkündung zu unterbrechen?

Und dann auch noch für dieses überzogene Schmierentheater.

Theo hatte, wie Aland festgestellt hatte, bisher keine Reue gezeigt und plötzlich tut ihm alles Leid?

Doch zu Chris´ Überraschung schien Aland zu zögern.

„Nun gut, Theodor. Du wirst dich von diesem Mädchen fernhalten und von weiteren Disziplinarmaßnahmen gegenüber den Erstjahrgängen absehen. Das Auferlegen von Strafen ist mein Privileg, nicht deines. Außerdem wirst du künftig keine entstellten Porträts von Mitschülern ohne deren explizites Einverständnis anfertigen. Gib uns dein Wort und du wirst weiterhin der dritte Kronprinz bleiben dürfen.“

Nun richtete der sich noch am Boden kniende Kronprinz wieder auf.

„Ich gebe Euch mein Wort, mein König. Eure Gnade ehrt euch.“

Fiona traute ihren Ohren kaum.

Das war alles?

Ein bisschen Einsicht heucheln und das Versprechen es nicht wieder zu tun nach einer halben Stunde willkürlicher psychologischer Folter?

„Mooooment! Aber eben wolltet Ihr noch...Uff!“

Ein kräftiger Stoß von Lucia-Anns Ellbogen brachte Fiona wieder zur Räson und zum Schweigen.

„Ich erkläre unsere Versammlung hiermit für beendet. Ich werde sofort für eine Unterredung die Leitung der Schülerzeitung hierher ordern. Diese Unterhaltung möchte ich unter vier Augen führen, daher bitte ich euch den Thronsaal zu verlassen.“

Die vier Kronprinzen und -prinzessinnen verneigten sich ein letztes Mal vor ihrem Oberhaupt, bevor sie wortlos den großen Raum verließen.

Fiona rieb sich währenddessen die etwas schmerzende Stelle, an der sie Lucia-Ann eben gestoßen hatte.

Das wird einen blauen Fleck geben.

Theo lief voran, die anderen keinen Blick würdigend und Lucia-Ann und Fiona und zuletzt Chris folgten ihm.

Als das hohe Tor zum Thronsaal schwerfällig zugefallen war und die vier den relativ schmalen, aber mit prächtigen Gemälden und goldenen Leuchtern versehenen Flur entlanggingen, sprach Theo die zweite Kronprinzessin an.

„ „Dumme, schlampige und kurzsichtige Arbeit“, Hmm, Lucy? Ich muss zugeben, dass mir das weh getan hat. Ein einfaches „Ja“ hätte es an der Stelle auch getan.“

In seiner schlecht gespielten Kränkung schwang eindeutige und gewollt provokative Schadenfreude mit.

„Unfassbar, dass du mit deinem lächerlichen Schmierentheater auch noch davonkommst! Deine schauspielerischen Fähigkeiten sind jedenfalls keinen Deut besser, als das Gekrakel, das du uns als Kunst verkaufen willst!“, entgegnete Lucia-Ann gereizt.

„Hehe, beleidige mich, soviel du magst, aber es ändert nichts daran, dass Aland nicht auf mich verzichten will und ihr mit eurem Versuch mich loszuwerden gescheitert seid.“

„Aland... Einen tollen König haben wir! Willensschwach und verweichlicht! Es ist noch viel schlimmer, als es mir Zoe erzählt hatte!“

„Derartige Äußerungen über Ihre Majestät, will ich überhört haben“, wies Chris sie von hinten schroff zurecht, „Aber es wundert mich. Bei Maxim, der sich letztes Jahr mit seinen fehlerhaften Zeitungsartikeln sehr viel weniger geleistet hatte, ließ er sofort Konsequenzen folgen.“

„Stimmt, das hatte mir meine Schwester ebenfalls mitgeteilt.

Fiona hörte der Unterhaltung zwischen Chris und Lucia-Ann kaum zu.

Stattdessen wollte sie dem dritten Kronprinzen noch etwas sagen.

Sie joggte zu ihm vor.

„Hey! Theo! Auch wenn dir der König schon bereitwillig verziehen hat, dem Mädchen, das du mit deinen Horrorbildern von ihr eingesperrt hast, schuldest du noch eine Entschuldigung, klar!?“

Er lachte abschätzig über Fionas Vorschlag.

„Du hast echt keinen Plan, was es heißt ein Teil der Krone zu sein, oder? Halt einfach die Klappe, bevor du dich noch mehr blamierst.“

„Ich meine das Ernst! Hast du überhaupt noch so etwas wie Eh...hey?!“

Sie wurde unerwartet an ihrer Uniform von Lucia-Ann zurückgezogen und festgehalten, sodass ihnen Theodor davon ging.

„Fiona, ich mag und respektiere dich zwar, aber manchmal bist du echt schwer von Begriff“, sagte die zweite Kronprinzessin in einem genervten Ton.

„Na Danke! Schon klar, dass sich so ein Fiesling nicht entschuldigen will, aber...-“

„Darum geht es nicht, Fiona“, erklärte Chris, „Theo möchte sich nicht nur nicht bei seinem Opfer entschuldigen, er soll es auch gar nicht.“

„Hä? Ich meine, ähhm, wie meinst du das?“

„Deshalb wird sich König Aland auch mit dem Chefredakteur treffen. Sie werden sich gemeinsam beraten, um einen Freiwilligen zu finden, der sich mit ein paar guten Karten bestechen lässt und dafür die Verantwortung für Theodors Tat übernimmt.“

Chris seufzte, bevor dey die Erklärung fortsetzte.

Offenbar war dey selbst mit dem Ergebnis der Zusammenkunft alles andere als zufrieden.

„Das wäre unser Plan B gewesen, wenn wir den wahren Täter nicht gefunden hätten, aber dass sich jemand aus der Führung so etwas erlaubt, konnte auch keiner erahnen. Daher brauchen wir jetzt doch einen Sündenbock.“

Fiona dachte nach und kratzte sich am Hinterkopf.

„Das begreife ich nicht, warum will Aland denn dieses Ekel schützen?“

„Ich denke, er will nicht Theodor schützen, sondern viel mehr nach Außen hin die Integrität und Einigkeit der Krone wahren. Nach dem Fiasko mit der Diebstahlserie und dem anfangs aufständischen Sliferkönig ist unsere Monarchie bei vielen Mitschülern in Ungnade gefallen. Es heiße, unsere Majestät hätte sein eigenes Haus nicht im Griff. Ein Kronprinz, der sich wahllos an anderen Obelisken vergreift, wäre nur Wasser auf den Mühlen unserer Kritiker. Und übrigens: Deshalb werdet ihr beiden ebenfalls Einigkeit vermitteln und im Beisein anderer Mitschüler weder über den König noch über den dritten Kronprinz auch nur ein schlechtes Wort verlieren.“

Lucia-Ann verdrehte die Augen.

„Was auch immer!“

„Hmm, also ist dem König sein Image wohl wichtiger als Gerechtigkeit?! Na, klasse!“, fügte Fiona hinzu.

Lucia-Ann rümpfte die Nase.

„Tja, Fiona, willkommen in der wunderbaren Welt der Politik.“
 

°°°
 

Ein durchgehendes Klopfen an der Zimmertür Erin dazu vom Bett aufzuspringen und das Duel-Monsters-Magazin, indem sie für den bisherigen Nachmittag geblättert hatte, beiseite fallen zu lassen.

Es war ein wenig ärgerlich, denn der Artikel über die aktuelle Niedersächsische Landesmeisterschaft war so spannend!

Aber sie hatte schon so eine Ahnung, wer sie gerade besuchte und das hatte Vorrang.

Wie erwartet stand eine wie immer griesgrämig dreinschauende Frau Ehring vor der Tür, zusammen mit einem ihr schon bekannten Mädchen, das wohl ihre neue Mitbewohnerin sein würde.

„Hallo Frau Ehring!“, sagte sie und zwang sich dabei, so freundlich wie möglich zu klingen, „Und du bist doch eine der Zwillinge, aus der letzten Halbjahresprüfung. Lange nicht gesehen! Ich denke wir werden gut zusammenleben können!“

Das etwas bleiche, schlanke Mädchen mit den langen dunklen Haaren und der Strähne, die ihr rechtes Auge verdeckte, lächelte freundlich.

„Hi, Erin, ich freue mich auch dich wiederzusehen.“

„Nun, ich denke, ihr findet euch zurecht, ihr seid ja beide nicht zum ersten Mal in der Ra-Yellow-Unterkunft. Benehmt euch und bereitet euch am besten schon auf den kommenden Unterricht vor. Ich werde nicht den Stoff aus dem ersten Jahr wiederholen, bloß weil manche Schüler über die Ferien alles vergessen und nicht einmal in ihre Fallen- und Schnellzauber-Notizen sehen.“

Mit diesen ermahnenden Worten ließ Frau Ehring die Mädchen zurück.

„Jaja, ihnen auch noch einen schönen Tag“, sagte Erin ihr sarkastisch hinterher, als die Ra-Hauslehrerin sich außerhalb der Hörreichweite befand.

Ihre neue Mitbewohnerin lachte.

Erin ging einige Schritte zurück, damit sie das Zimmer betreten konnte.

„Ich war auch noch nie ein Fan von ihr. Aber wer ist das schon? Danke für das Bettbeziehen, übrigens.“

„Kein Ding...ähm...“

Erin musste kurz überlegen, damit sie sie nicht versehentlich mit ihrer Schwester verwechselte.

„Kiara, richtig?!“

Die neue Mitbewohnerin, die in der Zwischenzeit ihren Koffer auf dem Bett ausklappte, hielt kurz inne und sah Erin etwas enttäuscht an.

„Kim. Kim Martin. Ich bin etwas beleidigt, du und Fiona hattet mehr als genügend Zeit, um unsere Namen richtig zu lernen“, sagte sie ernst, „Vielleicht sollte ich dich künftig einfach Fiona nennen, wie würde dir das gefallen, hä?“

„Es war nicht böse gemeint. Entschuldige, dass ich euch verwechselt habe.“

Erin schluckte.

Das war schonmal kein guter Start für die beiden.

Plötzlich lachte Erins Mitbewohnerin laut los.

„Ich veralbere dich nur! Ich BIN Kiara. Du kannst dir das auch ganz einfach merken, ich bin nämlich viel schöner und besser als meine Schwester!“, sagte sie und zwinkerte mit ihrem einen sichtbaren Auge.

Erin seufzte erleichtert und ließ sich dann vom Lachen anstecken.

„Na, warte, das kriegst du noch zurück“, drohte Erin verspielt, „ich wollte dir EIGENTLICH beim

Auspacken helfen, aber der Zug ist jetzt abgefahren.“

Kiara nahm das locker.

„Kein Problem, ich komme zurecht. Wie geht’s Fiona eigentlich? Stimmt das, dass sie jetzt die neue vierte Kronprinzessin ist?“

Erins bisher fröhliche Mimik verfinsterte sich schlagartig.

Natürlich musste diese Frage kommen.

Sie hatte sich fest vorgenommen, nicht an dieses Mädchen zu denken, aber das war ja kaum möglich, wenn man immer wieder an sie erinnert wurde.

„Schon gut, brauchst mir nicht antworten, wenn du nicht magst“, beschwichtigte Kiara.

„Nein, es ist okay. Du konntest es nicht wissen. Wir sind... ziemlich zerstritten, teils auch meinetwegen. Ich habe mir echt Mühe gegeben, das wieder gerade zu biegen, aber seit sie bei den Obelisken rumhängt, hat sich Fiona stark verändert. Ich erkannte sie zum Schluss kaum noch wieder.“

Erin atmete tief ein und aus, als ob sie die schlechte Laune aus sich raus pusten wolle.

„Aber das Gerücht stimmt. Sie hatte bei unserem letzten Treffen ziemlich damit angegeben, dass sie nun zur Krone gehören wird.“

„Kiara pfiff anerkennend.

„Puh, kein Wunder, dass wir gegen euch verloren hatten.“

„Was ist eigentlich mit Kim? Hätte gedacht, dass ihr als Geschwister zusammen wohnen würdet.“

„Hmm...Das haben wir letztes Jahr auch getan. Also Kim ist nach der Jahresabschlussprüfung zu Slifer-Red runtergestuft worden. Es war knapp. Aber weder ihr Prüfungsduell noch die Schriftliche liefen besonders.

„Oh, tut mir Leid, das zu hören. Das war bestimmt nicht schön für sie, Ra-Yellow und dich verlassen zu müssen.“

Kiara lächelte mild und winkte ab.

„Ach, so schlimm ist es nicht. Wir werden uns ja mindestens im Unterricht sehen. Und davon abgesehen, tut es uns vielleicht auch mal ganz gut Zeit mit anderen Menschen zu verbringen. Ich meine, wenn man immer nur mit jemanden zusammen ist, der genauso drauf ist, wie man selbst, dann kann man von dieser Person auch sehr viel weniger lernen, als von einer, die ganze andere Interessen und Ansichten hat, oder? Man entwickelt sich nicht weiter.“

„Klingt tiefgründig. Solche Gedanken mache ich mir eigentlich nicht. Ich verbringe einfach meine Zeit mit Leuten, die ich mag.“

Erin legte sich auf ihr Bett, mit dem Kopf zur eifrig den Koffer ausräumenden Kiara gerichtet.

„Also ich weiß ja, dass du und Kim das gleiche Deck spielen. Und wahrscheinlich habt ihr auch immer nur gemeinsam Duelltheorie gelernt. Wie kann das dann sein, dass sie in der Prüfung keinen Erfolg hatte, aber du ein Ra geblieben bist?“

Nun wirkte Kiara, auch wenn sie betont hatte, dass sie sich mit dem Häuserwechsel ihrer Zwillingsschwester abgefunden hatte, doch ein wenig traurig.

„Naja, ums kurz zu machen, hatte Kim einfach Pech. Sie hatte mir erzählt, dass ihre Gegnerin ein Deck mit vielen Fallen hatte, die Monster zerstören konnten. Das ist ein sehr schlechtes Match-Up für unser Zwillingsdeck, weil wir ja unsere Monster mehrfach beschwören- und dafür möglichst lange auf dem Feld behalten möchten. Außerdem kann unser Hexenjägerdrache nur Zauberkarten entkräften, keine Fallen. Und in der Theorieprüfung gab es einige Fragen, auf die wir nicht genügend vorbereitet waren. Ich habe bei diesen Fragen gut geraten, sie nicht.“

„Es ist zwar ärgerlich, aber wenn es wirklich nur an fehlendem Glück lag, dann kann sie auch wieder den Aufstieg schaffen. Ganz sicher!“, munterte Erin sie auf.

„Darum geht’s mir aber nicht einmal. Niemand denkt wirklich daran, wie viel vom Zufall abhängt.

Unsere Mitschüler im Haus Obelisk-Blue zum Beispiel denken ständig, dass sie besser als die Ras oder Slifer sind.“

Kiara hatte fürs Erste ihre Kleidung, Hygieneartikel und die eigene kleine Sammlung an Duellmagazinen grob verstaut und setzte sich an die Kante ihres Bettes.

Wenn man Glück beim Ziehen hat, oder das Glück, dass die Fragen genau zu dem passen, was man gelernt hat, dann neigt man dazu, dies als das Resultat der eigenen Leistung anzusehen. Wenn man hingegen in dieser Hinsicht Pech hat, dann fühlt sich das wie ein persönliches Scheitern an. Das ist normale menschliche Psychologie. In der Folge überschätzen sich Obelisken eher, während die Slifer an ihren eigenen Fähigkeiten zweifeln. Das große Problem daran ist, dass die Obelisken dann durch ihr gesteigertes Selbstbewusstsein viel motivierter sind und sich, weil sie sich schon für etwas Besseres halten, dies auch durch entsprechende Leistungen beweisen wollen, um ihr Selbstbild zu schützen. Währenddessen geben sich viele Slifer irgendwann selbst auf. Die Spaltung der Schülerschaft, die oftmals durch Glück verursacht wird, wird in seiner Wirkung also durch die Psyche verstärkt. Da frage ich mich manchmal, wozu man überhaupt diese Auftrennung in drei Häuser vornimmt? Hast du darüber mal nachgedacht?“

„Nicht wirklich. Ich finde DU denkst grade zu viel, erst recht dafür, dass du anfangs meintest, dass das mit Kim gar nicht so schlimm sei. Ruhe dich mal lieber ein wenig aus. Die Fahrt mit der Fähre ist echt anstrengend. Ich bin zumindest nach meinem ersten Tag ganz schön K.O. gewesen.

Kiara lachte verlegen.

„Du durchschaust mich. Ich werde immer ein wenig nachdenklich, wenn ich müde bin. Aber sag mir noch wies diesem Daniel Schmitt geht, Mit dem ehemaligen Sliferkönig bist du doch noch befreundet, richtig?“

„Klar. Daniel geht’s prima. Offen gesagt geht es ihm jetzt viel besser als zum Ende des letzten Jahres. Die ganzen Erwartungen an ihn und der Druck vor dem Abschlussduell mit Aland waren ihm irgendwann zu viel geworden. Auch wenn er sich nach seinem Rückzieher ein paar Gemeinheiten aus seinem eigenen Haus gefallen lassen musste, es war definitiv die beste Entscheidung für ihn. Ich glaube deshalb hatten er auch beschlossen, in der Abschlussprüfung absichtlich nicht zu gut abzuschneiden, eben weil er als Obelisk wieder Druck ausgesetzt sein würde.“

Erins neue Mitbewohnerin hatte aufmerksam zugehört.

„Habe gehört, du hattest deine Prüfung auch vorzeitig beendet. War das ihm zuliebe?“

„Schätze schon, ja. Er ist mir sehr wichtig.“

„Hmm, magst du ihn so richtig, oder nur als Freund?“, fragte Kiara, während sie mit ihren langen Haaren spielte.

Erin lachte.

„NUR ein Freund ist er nicht. Er ist mein bester Freund. Aber romantisch gesehen läuft da nichts zwischen uns.“

„Hmm, verstehe... Hat er eine Freundin? Oder...äh... gibt es da ein Mädchen, in das er verliebt ist?“, druckste Kiara verlegen herum.

Erin erkannte, worauf das hinaus lief.

„Hat da jemand Interesse?“, fragte sie mit nun überbreitem Grinsen.

„Hmm...Hmmm... Vielleicht...“

Inzwischen konnte sich Kiara kaum dazu überwinden Erin in die Augen zu sehen.

„Also soweit ich weiß, gibt es da niemanden, nein. Er hat aber im ganzen letzten Jahr nicht einmal von irgendeinem Mädchen geredet, ihm ist das Duellieren einfach wichtiger, schätze ich. Du wirst also etwas Glück brauchen. “

Jetzt legte sich auch Kiara hin und lächelte Erin freundlich an.

„Oder ich brauche einfach eine nette Mitbewohnerin, die ein gutes Wort für mich einlegt.“
 

°°°
 

Es war ein früher Nachmittag, als Fiona die Tür zum Zimmer 702 öffnete.

Von Innen brannte nur ein schwaches Licht, die langen, dunkelblauen Vorhänge ließen kaum Sonnenlicht in den Raum.

Theo saß mit dem Stuhl Richtung Tür gerichtet am Schreibtisch, einem der wenigen Einrichtungsgegenstände des spartanisch wirkenden Raumes.

In einer Ecke war eine große Leinwand und daneben, auf einem Klapptisch abgestellt ein hölzerne Farbpalette.

Dies war offenbar ein reiner Arbeitsraum, aber dass man dem Leiter der Kunst-AG und Kronprinzen einen freistehenden Raum zugestand, war wenig überraschend.

Genauso wenig überraschend, wie das gute Dutzend an aufgehängten, unfreiwilligen Porträts von ihr, die an der Wand hinter ihm befestigt waren.

Angesichts der düsteren Atmosphäre, die Theodor hier geschaffen hatte, war es definitiv die richtige Entscheidung von Fiona gewesen, ihr Deck und ihre Dueldisk mitzunehmen.

„Ah, schön, dass du meine kleine Einladung angenommen hast, gefallen dir meine Bilder von dir?“

Sie tat ihm bewusst nicht den Gefallen auf die verstörenden, teils blutigen Bilder einzugehen, sie sah sie sich gar nicht erst genauer an und warf Theo stattdessen den zerknüllten Einladungsbrief vor die Füße.

„Was willst du von mir?“

Er lächelte finster, seine spitzen Eckzähne verliehen ihm im schummrigen Zwielicht ein vampirähnliches Aussehen.

„Gut, dann kommen wir gleich zum Punkt. Du wirst als vierte Kronzprinzessin zurücktreten. Du bist schwach und verdienst diese Ehre nicht. Ich komme mir schon fast ein wenig verrückt dafür vor, dass ich scheinbar der Einzige bin, der sich daran stört, dass wir eine ehemalige Sliferin mit absolut unzureichendem GY-Score in unseren Reihen haben.“

„Du BIST verrückt“, entgegnete Fiona kalt, „Du wurdest gestern Morgen erst gerade so von Aland begnadigt, unter der Bedingung keine Horrorbilder mehr von anderen Personen zu malen und das Erste was du tust, ist gegen sein Verbot zu verstoßen.“

Er schien nicht beleidigt, eher amüsiert.

Entspannt lehnte sich der dritte Kronprinz auf seinem Stuhl zurück.

„Ich bin gut in meinem Metier, keine Frage, aber selbst ich kann nicht so viele Kunstwerke innerhalb eines Tages fertigstellen. Diese Gemälde, die du hinter mir siehst, sind älter. Ich hatte schon begonnen, als ich erstmals davon hörte, dass man für eine gewisse Fiona Lena Scholte eine Ausnahmeregelung eingeführt hatte, bloß weil sie in ihren beiden schriftlichen Prüfungen 100% erzielt hatte. Und ich will deine Leistung damit nicht kleinreden, aber dich wegen hervorragender Theoriekenntnis zur Prinzessin zu ernennen, ist eine Farce. Ein Laie kann tausende von kunstwissenschaftlichen Büchern auswendig lernen und hin und wieder mal selbst einen Pinsel in die Hand nehmen, aber das macht diesen Laien nicht zum Künstler. Dazu gehört tatsächliche Praxis, ein kontinuierlicher Prozess, bei dem durch Scheitern und Überarbeiten immer neue, immer bessere Kunstwerke, oder im Falle der Krone, echte Duellfähigkeiten entstehen. Einen Prozess, den du, Fiona, im Gegensatz zu mir, Chris oder unserer lieben Lucy nie durchlaufen hast.“

Fiona langweilte Theodors Monolog.

„Du bist kein Künstler.“

Das hatte gesessen.

Im Gegensatz zu Lucia-Anns abfälligen und offensichtlich nur als Provokation gemeinten Kommentar über Theodors Bilder, klang Fiona sehr viel aufrichtiger und der bis eben gut gelaunte dritte Kronprinz wirkte schlagartig gereizt.

„Wie bitte!?“

„Du bist kein Künstler!“, wiederholte sie lauter, „Du hast es bei der Besprechung selbst gesagt. Die Qualität eines Kunstwerkes misst sich an der Reaktion, die diese im Betrachter auslöst. Aber es war offensichtlich, dass du versuchen würdest mich mit deinen bösartigen Malereien zu erschrecken. Sie lösen also gar keine Reaktion in mir aus. Ergo keine Kunst.“

Nun stand Theodor kopfschüttelnd von seinem Stuhl auf und drehte der noch immer neben der Zimmertür stehenden Fiona den Rücken zu.

„Du bist eine furchtbar oberflächliche Banausin, Fiona. Hat man dir nie beigebracht, dass man ein Bild nicht nach seinem ersten Eindruck beurteilt?“

An der Wand, unterhalb der Bilder von Fiona hing ein dürrer, bei der Beleuchtung kaum sichtbarer Faden, der mit weiteren Fäden an seinen Malereien verbunden war.

Der Junge griff den Faden und zog kräftig, wodurch er alle Bilder von Fiona auf einmal von den Wänden riss.

Andere Bilder, die er im Vorfeld hinter den unheimlichen Porträts von Fiona versteckt hatte, kamen zum Vorschein.

Die Motive der nun sichtbaren Bilder erkannte Fiona sofort und eine unbändige Wut kam in ihr auf.

Sofort ballte Fiona die Hände zu Fäusten, sie schnaubte verächtlich und ihre Kopf errötete vor Zorn.

„Aha, da haben wir doch unsere Reaktion. Mir scheint ich bin doch ein Künstler“, kommentierte er hämisch, als Theo sah, was seine Werke in Fiona auslösten.

„Weißt du, es erfordert wahres Können, sein Modell nur anhand von auf irgendwelchen Social-Media-Seiten hochgeladenen Fotos detailgetreu abbilden zu können. Aber bei diesem Obeliskenmädchen und deinen kleinen Brüdern scheint mir das doch ganz gut gelungen zu sein, nicht wahr?“

Fiona zitterte bei dem Anblick.

Sie sah Jannis mit zugenähten Lippen und Augenlidern, sie sah ihn mit einem von spitzen Eisenstangen durchschlagenen Schädel.

Sie sah Patrick, mit einem von eitrig gelben Wunden und lose hängenden Hautlappen durchzogenen Gesicht und mit einem unnatürlich tief und krumm hängenden Kiefer.

Und so viel mehr.

Genüsslich rieb Theodor seine Brille an dem Shirt unter seiner Uniform.

„Ja, das ist wirklich gelungene Kunst! Ich denke, ich sollte meine Kreationen einscannen und deine werte Familie daran teilhaben lassen. Die schöne Kunst muss schließlich für alle frei zugänglich sein.“

„Es sind Kinder! Sie sind acht und elf, du Freak!“, schrie sie wütend und aktivierte ihre Dueldisk.

„Eine Herausforderung, ja? Ich dachte schon, die Disk hast du nur zur Dekoration mitgenommen.“

Aus einer Schreibtischschublade nahm er seine eigene Dueldisk samt Deck und legte sie an.

„Ich nehme deine Herausforderung gerne an. Sobald du verloren hast wirst du deinen Platz als Prinzessin räumen. Ich kann nicht zulassen, dass ein rötlicher Schandfleck wie du das edle Weiß der Krone stört.“

„Ich habe nicht vor zu verlieren! Ich werde dich nämlich dazu zwingen, dich selbst bei dem Mädchen zu entschuldigen, ganz egal was du, Aland, oder sonst wer fordert. Und meine Brüder lässt du gefälligst auch in Ruhe! Und mich wirst du als eine ebenbürtige Duellantin anerkennen!“

„Hehehe, so viele Forderungen, aber so wenig Aussicht auf Erfolg. Fiona, ich war doch schon so gut zu dir, dir in Ruhe zu erklären, weshalb dir die Duellfähigkeiten fehlen, um mit den wahren Kronprinzen und -prinzessinnen mithalten zu können. Aber du hast nichts verstanden.“

Theodor hatte seine Starthand gezogen und machte, als Herausgeforderter den ersten Zug.

„Es geht ruhig los. Eine Monsterkarte setze ich verdeckt.“

Vor Theodor erschien das noch unbekannte Monster.

„Es geht weiter mit einer permanenten Zauberkarte, Schattenvorhang.“

Seine Zauberkarte bildete vor dem verdeckten Monster einen schwarzen, in der Luft hängenden Stoffschleier.

„Mein Schattenvorhang bewahrt verdeckte Monster davor im Kampf zerstört zu werden. Aber er hat noch einen zweiten Effekt, denn in dem Zug, in dem ich meinen Schattenvorhang aktiviere, darf ich zusätzlich zu meiner eigentlichen Normalbeschwörung ein Monster verdeckt setzen. Deshalb spiele ich ein weiteres verdecktes Monster.“

Neben dem ersten verdeckten Monster erschien Theos zweites und auch diese verdeckte Karte wurde vom Effekt des Schattenvorhangs verschleiert.

„Zum Schluss setze ich eine verdeckte Zauber- oder Fallenkarte. Zeig, was du kannst.“

Die verdeckte Karte erschien in Theodors Zauber- und Fallenkartenzone und Fiona zog ihre Karte, um den Zug zu beginnen.

Fiona war noch immer wütend, denn eine Wand mit Bildern von ihren verstümmelten kleinen Brüdern stand ihr gemeinsam mit Theodor Geiger gegenüber.

Sie atmete zur Beruhigung tief durch und überlegte.

Fiona musste überlegen, denn sie trat immerhin gerade gegen einen Kronprinzen an.

Sie hatte im letzten Jahr zwei Erfahrungen mit Kronprinzen- und -prinzessinnen im Duell gemacht: Zum Einen hatte sie zu Beginn des Schuljahres Erin in ihrem Kampf gegen Maxim zugesehen.

Zum Anderen war sie persönlich gegen Chris angetreten, kurz vor den Jahresabschlussprüfungen.

Beide Duelle waren nicht gut für die Mädchen ausgegangen und das war noch milde ausgedrückt.

Auch wenn sich Theodor Geiger wahrscheinlich nicht auf dem gleichen Level wie Chris duelliert, einem so starken Gegner durfte sie nicht in die Karten spielen.

„Als Normalbeschwörung rufe ich den Solaritus Magma-Maulwurf auf und zwar im Angriffsmodus.“

Vor Fiona bildete sich ein kleiner Maulwurfshügel aus mehreren Schichten dickflüssigem, geschmolzenem Stein. Aus dem Hügel guckte ein niedlicher Maulwurf mit rötlich glühenden Krallen an den Grabhänden.

Solaritus Magma-Maulwurf: Stufe 2, 900Atk, 1200Def.

„Du hast mit deinem ersten Zug mehrere Monster gesetzt und mit deinem Schattenvorhang gleichzeitig eine Karte gespielt, die deine gesetzten Karten vor der Zerstörung im Kampf schützt. Es ist offensichtlich, dass du willst, dass ich deine Monster angreife, doch den Gefallen tue ich dir nicht. Ich nutze stattdessen den besonderen Effekt von Magma-Maulwurf: Indem ich ein beliebiges „Solaritus“-Monster von meinem Deck auf den Friedhof lege, erlaube ich es meinem Maulwurf direkt anzugreifen. Ich lege aus meinem Deck Solaritus Glückskäfer auf den Friedhof“, erklärte Fiona, während sie die besagte Karte suchte und ablegte, „Los, Magma-Maulwurf, Angriff auf das rechte Monster.“

Fionas Monster grub sich sofort unter die Erde, bereit um ein verdecktes Monster von unten zu attackieren.

„Das war vorhersehbar. Ich aktiviere die Fallenkarte mit dem Namen Tanzwut“, sagte Theo, während sich zeitgleich seine verdeckte Karte auftdeckte.

„Tanzwut zwingt unsere Monster dazu, sich mal ein bisschen zu bewegen. Eigentlich bevorzuge ich ruhende Motive für meine Kunst. Aber der Effekt von Tanzwut, der bewirkt, dass alle Monster auf dem Spielfeld ihre Kampfpositionen wechseln müssen, ist einfach zu praktisch. Der Angriff deiner Fellkugel ist damit abgeblasen.“

Aus dem Hügel vor Fiona guckte jetzt wieder, diesmal leicht enttäuscht, das Maulwurfsmonster im Verteidigungsmodus.

„Natürlich müssen wegen meiner Fallenkarte auch meine zwei Monster den Modus ändern, da es allerdings keinen verdeckten Angriffsmodus gibt, decke ich sie gleichzeitig auf.“

Die schwarzen Vorhänge von Theodors permanenter Zauberkarte verschwanden und offenbarten zwei in der Luft schwebende Einzelporträts in einem edel verzierten Rahmen.

Bildnis der Anmut – Perlenohrmädchen: Stufe 1, 0Atk, 0Def.

Bildnis der Anmut – Lachender Mann: Stufe 1, 0 Atk, 0Def.

„Ich decke Bildnis der Anmut - Perlenohrmädchen und Bildnis der Anmut – Lachender Mann auf und aktiviere somit ihre Flipp-Effekte. Zunächst darf ich dank des Flipp-Effekts des Perlenohrmädchens ein „Bildnis der Anmut“-Monster aus meinem Deck verdeckt setzen. Also setze ich gleich ein zweites Exemplar von Lachender Mann.“

Vor dem Kronprinzen erschien das verdeckte Monster.

„Nun zum Flipp-Effekt von Lachender Mann: Wird er aufgedeckt, darf ich meiner Hand ein „Bildnis der An“-Karte aus meinem Friedhof oder Deck zufügen“, erklärte Theodor und zeigte seiner Gegnerin sogleich die gesuchte Karte vor, „ich nehme dank Lachender Mann also Bildnis der Angst – DäMona Lisa auf die Hand.“

Na Klasse.

Theodor hatte mit nur einer einzigen Fallenkarte nicht nur Fionas Angriff abgewehrt, sondern außerdem noch die Effekte seiner eigenen Flipp-Monster aktiviert und sich damit seine Strategie weiter aufgebaut.

Und dem unheilvollen Namen nach zu urteilen, war DäMona Lisa wohl sehr viel gefährlicher, als die beiden Monster, die sich gerade vor dem dritten Kronprinzen befanden.

„Ich setze zwei Karten verdeckt und beende meinen Zug.“

Zwei Karten erschienen in Fionas Zauber- und Fallenkartenzone.

Theodor lächelte selbstsicher und zog.

„Ich opfere mein offenes Bildnis der Anmut – Lachender Mann um als Tributbeschwörung Bildnis der Angst – DäMona Lisa aufzurufen. Zeig dich im Angriffsmodus.“

Das Bild vom lächelnden Mann mit welligem, schwarzen Haar und Schnurrbart verschwand und an seiner Stelle erschien das sehr viel größere Bild der Mona Lisa.

Bildnis der Angst – DäMona Lisa: Stufe 5, 2300Atk, 0Def.

„Bevor ich mein Bildnis der Angst angreifen lasse, komme ich zum Effekt von Bildnis der Anmut - Lachender Mann: Meine „Bildnis der Anmut“-Karten haben neben ihren Flipp-Effekten alle den gleichen Effekt, nämlich dass ich, wenn sie offen auf dem Feld liegen und ich sie als Tribut für die Tributbeschwörung eines „Bildnis der Angst“-Monsters anbiete, eine Karte ziehen darf.“

Theodor nahm sich die nächste Karte und befahl danach sofort den Angriff: „DäMona Lisa, zerstöre den Magma-Maulwurf mit dem Verfluchten Lächeln.“

Fiona erschrak ein wenig, als Theos Monster ruckartig Augen und Mund unnatürlich weit aufriss und dabei viel zu viele und viel zu lange, spitze Zähne offenbarte.

DäMona Lisa kreischte schrill auf.

Ihr Kopf, mit dem bewegungslos schwebenden Gemälde durch einen schier unendlich lang anwachsenden Hals verbunden, raste mit offenem Maul auf Fionas Solaritus-Monster zu.

„Ich aktiviere meine eigene Fallenkarte. Die Konterfalle Gleißendes Sonnenlicht.“

Fionas Falle klappte auf und Theos DäMona Lisa wurde von dem blendenden Licht der Fallenkarte zurückgestoßen. Als der Kopf der DäMona sich wieder im Gemälde befand, schloss sie den Mund und sah somit wieder wie die gewöhnliche Mona Lisa aus.

„Gleißendes Sonnenlicht annulliert einen Angriff und beendet die Battle Phase komplett, außerdem darf ich jetzt ein Solaritus-Monster aus meinem Deck auf den Friedhof legen. Ich wähle erneut den Solaritus Glückskäfer.“

„Hmpf, du hast dein Monster vor meiner Attacke geschützt, aber deine Lebenspunkte sind mir ausgeliefert. Ich beende meinen Zug. Da meine DäMona Lisa ein Spirit-Monster ist, wandert sie zu meiner End-Phase wieder auf meine Hand. Dabei benutze ich den besonderen Effekt von DäMona Lisa“, erklärte Theo, während sein Bildnis der Angst auf seine Hand zurückkehrte, „Wenn ich sie in der End Phase meiner Hand zufüge, darf ich ein beliebiges Monster auf dem Feld in den verdeckten Verteidigungsmodus bringen und meinem Gegner zudem 800 Schadenspunkte zufügen. Ich verdecke mit diesem Effekt Bildnis der Anmut – Perlenohrmädchen.“

Theos Perlenohrmädchen wurde wieder zugedeckt und verschwand hinter dem schwarzen Stoffschleier seines Schattenvorhangs, gleichzeitig bildete sich dort, wo zuvor DäMona Lisa war eine Kugel aus finsterer, knisternder Energie, die schließlich auf Fiona zuraste und explodierte.

Sie hielt den Arm schützend vor das Gesicht und stöhnte.

Fionas Lebenspunkte: 4000 → 3200.

„Das bisschen Effektschaden ist bedeutungslos. Ich kenne jetzt deine verdeckten Karten und diesmal hast du auch keine Tanzwut, um dich vor meinem Angriff zu schützen“, sagte Fiona und zog.

Sie hatte Theos Strategie inzwischen grob entschlüsseln können: Die „Bildnis der Anmut“-Karten waren schwache Flipp-Effekt Monster, die im Grunde die eigentlichen Monster, die „Bildnis der Angst“-Karten unterstützten, indem sie für ausreichend Tributmaterial für eine Tributbeschwörung sorgten.

Theos Flipp-Monster waren für sich genommen kaum problematisch.

Das Hauptproblem war im Moment eher der Schattenvorhang, denn solange der auf dem Feld blieb, konnte Fiona kaum die „Bildnis der Anmut“-Monster besiegen und Schaden anrichten.

„Ich spiele aus meiner Hand zunächst diesen praktischen Zauber: Tributspiegel."

Fiona platzierte die Karte in ihrer Dueldisk.

Mit dieser Karte darf ich bis zu zwei Monster der Stufe 3 oder niedriger mit dem gleichen Namen als Spezialbeschwörung aus meinem Deck rufen. Ich entscheide mich für zwei Solaritus-Krokokus."

Links und rechts neben dem Magma-Maulwurf erschienen die Pflanzenmonster mit schnappenden Krokodilmäulern statt Blättern und, zarten gelben Blüten.

Solaritus Krokokus: Stufe 3, 1600Atk, 1300Def.

Solaritus Krokokus: Stufe 3, 1600Atk, 1300Def.

"Tributspiegel hat für diesen starken Effekt natürlich einige Einschränkungen, so werden die Effekte der von Tributspiegel beschworenen Monster negiert. Außerdem dürfen diese Monster nicht angreifen, als Material für eine Beschwörung eines Extradeck-Monsters verwendet werden und werden am Ende des Zuges zerstört. Als nächstes spiele ich den Ritualzauber Solaritus Siegel und biete den Solaritus Magma-Maulwurf sowie die zwei Solaritus Krokokus als Tribut für den mächtigen Solaritus Sonnenatlas.“

„Aha. Eine Ritualbeschwörung, dafür also das Brimborium“, stellte Theo laut fest.

Die drei von Fiona genannten Karten verwandelten sich in Feuerbälle die immer schneller umeinander kreisten und schließlich kollidierten.

Eine rauschende Feuersäule entstand, aus der sich Fionas majestätischer Sonnenatlas erhob, ein Insektenmonster in der Form eines riesigen Schmetterlings mit ascheweißem Körper und glühend roten, Funken werfenden Flügeln, auf denen sich goldene Sonnensymbole befanden.

Solaritus Sonnenatlas: Stufe 8, 2500Atk, 3000Def.

„Durch meine Ritualbeschwörung aktivieren sich mehrere Effekte: Zum Einen wäre da der zweite Effekt von Solaritus Magma-Maulwurf: Ich darf, wenn ich diese offene Karte auf dem Feld als Tribut für die Ritualbeschwörung eines „Solaritus“-Ritualmonsters nutze, meiner Hand ein „Solaritus“-Ritualmonster aus meinem Deck zufügen.“

Fiona zeigte das auserwählte Ritualmonster vor: „Ich nehme dank Magma-Maulwurf jetzt Solaritus Sonnenanbeterin auf die Hand. Nun komme ich zum Effekt von Solaritus Siegel: Ich darf nun für jedes Monster, das ich als Tribut angeboten habe, ein „Solaritus“-Monster aus meinem Deck ablegen. Da ich drei Monster für meinen Sonnenatlas geopfert habe, lege ich nun drei Solaritus Hydrazinthen von meinem Deck auf den Friedhof“, erklärte Fiona und legte nach kurzer Suche die drei Pflanzenmonster auf den Friedhof ab.

„Nun komme ich zum Spezialeffekt meines Sonnenatlas: Ich mische drei „Solaritus“-Monster aus meinem Friedhof wieder in mein Deck und darf alle offenen Karten, die mein Gegner kontrolliert, zerstören. Ich lege also meine drei Solaritus Hydrazinthen wieder in mein Deck zurück und du verabschiedest dich dafür von deinem Schattenvorhang.“

Der Sonnenatlas schlug seine feurigen Flügel und entfachte damit einen brennend heißen Wind, der die schwarzen Vorhänge vor Theos verdeckten Monstern in Flammen aufgehen ließ.

Theo schien wegen Fionas Spielzug bisher kaum beunruhigt.

„So viel Aufwand, nur um meinen Schattenvorhang loszuwerden? Das ist einer Kronprinzessin absolut unwürdig. Du kannst zwar jetzt meine verdeckten Monster im Kampf zerstören, aber dafür bräuchtest du selbst erst einmal ein paar Monster“, kritisierte er harsch.

Fiona widersprach: „Darum kümmere ich mich jetzt und zwar indem ich Solaritus Glutstacheligel im Angriffsmodus beschwöre.“

Ein Igelmonster mit heißen, gelb glühenden Stachelspitzen quiekte auf.

Solaritus Glutstacheligel: Stufe 3, 1000Atk, 1400Def

„Wird der Glutstacheligel als Normalbeschwörung gerufen, dann darf ich ein „Solaritus“-Monster aus meinem Friedhof als Spezialbeschwörung rufen. Hier kommt Solaritus Glückskäfer, ebenfalls im Angriffsmodus.

Der knapp einen Meter hohe Marienkäfer mit den Punkten in Sternenform erschien neben dem Sonnenatlas und dem Glutstacheligel.

Solaritus Glückskäfer: Stufe 1, 400Atk, 400Def

„Bevor ich angreife, sollte ich den zweiten Effekt meines Solaritus Sonnenatlas´ erwähnen: Er erhält 200 Angriffspunkte pro „Solaritus“-Monster in meinem Friedhof dazu. Dort befinden sich ein Solaritus Glückskäfer, sowie der Magma-Maulwurf und die beiden Krokokusse. Das sind vier Monster und 800 Angriffspunkte.

Fionas stolzes Ritualmonster wuchs weiter an.

Solaritus Sonnenatlas: 2500Atk → 3300Atk.

„Ich gehe jetzt in den Kampf über: Solaritus Glutstacheligel greift jetzt deinen verdeckten Lachenden Mann an.“

Fionas Igel lief auf die gesetzte Monsterkarte zu, sprang hoch und ließ sich mit dem stacheligen Rücken auf Theos Monster fallen, welches daraufhin zerstört wurde.

„Durch den Angriff hast du den Flipp-Effekt von Bildnis der Anmut – Lachender Mann aktiviert: Ich darf aus dem Friedhof oder aus meinem Deck meiner Hand ein „Bildnis der An“-Monster zufügen. Deshalb füge ich meiner Hand Bildnis der Anmut – Roter Turban zu.“

„Mein Glückskäfer macht sofort weiter, Attacke auf das verdeckte Perlenohrmädchen.“

Der Glückskäfer versetzte dem gesetzten Monster eine schwache Rammattacke, die es aber dennoch zum Zerplatzen brachte.

„Ich nutze den Flipp-Effekt von Perlenohrmädchen um ein weiteres Bildnis der Anmut – Monster aus meinem Deck zu setzen. Ich nehme ganz einfach ein zweites Perlenohrmädchen“, sprach Theodor.

Das gesetzte Perlenohrmädchen erschien.

„Ich habe noch ein drittes Monster zum Angreifen übrig. Solaritus Sonnenatlas, zerstöre Theos Monster mit den Alles verbrennenden Sonnenwinden.“

Unzählige gelbe Punkte bildeten sich auf den weiten Flügeln des Solaritus Sonnenatlas, die dann als rapide Feuergeschosse auf die verdeckte Karte einprasselten.

„Kein Problem, dank des Flipp-Effekts des zweiten Perlenohrmädchens setze ich aus meinem Deck gleich die Nummer drei.“

Das nächste verdeckte Perlenohrmädchen nahm den Platz der eben zerstörten Karte ein.

„Ich setze meinen Angriff fort und zwar dank der Wirkung meiner verdeckten Schnellzauberkarte: Entritualisierung.“

Fionas im letzten Zug platzierte Karte klappte auf.

„Ich nehme den Solaritus Sonnenatlas auf meine Hand zurück und darf dafür die Monster aus meinem Friedhof als Spezialbeschwörung aufrufen, die ich für seine Ritualbeschwörung als Tribut geboten hatte. Hier kommen Solaritus Magma-Maulwurf und zweimal Solaritus Krokokus, alle im Angriffsmodus.“

Der soeben geopferte Maulwurf in seinem Magmahügelchen kehrte zurück, gemeinsam mit den gelbblütigen Krokokussen, die anstelle der langen Blätter schmatzende Krokodilmäuler hatten.

Fionas Monsterkartenzone war nun voll.

Solaritus Magma-Maulwurf: Stufe 2, 900Atk, 1200Def.

Solaritus Krokokus: Stufe 3, 1600Atk, 1300Def.

Solaritus Krokokus: Stufe 3, 1600Atk, 1300Def.

Da sich meine Krokokusse zwischenzeitlich im Friedhof befanden, gelten die Beschränkungen meines Tributspiegels nicht mehr länger. Ich greife dein letztes Perlenohrmädchen mit dem ersten Krokokus an. Und los.“

Wie befohlen zog sich das Pflanzenmonster in den Boden, um direkt vor Theos Monster aufzutauchen und kräftig zuzubeißen.

„Du kennst den Flipp-Effekt von Perlenohrmädchen. Ich darf sie jetzt durch ein anderes Bildnis der Anmut aus meinem Deck ersetzen. Also setze ich nun Bildnis der Anmut - Roter Turban an ihrer Stelle.“

Das nächste verdeckte Monster erschien vor dem dritten Kronprinzen, doch Fiona hatte noch zwei Angriffe übrig.

„Weiter geht’s. Krokokus Nummer zwei, kümmere dich um seinen Roten Turban.“

Wie zuvor versank der Krokokus im Erdboden, tauchte dann plötzlich vor der verdeckten Monsterkarte auf und zerstörte das Bildermonster mit einem Biss.

„Hier kommt der Flipp-Effekt von Bildnis der Anmut – Roter Turban: Ich darf sofort ein „Bildnis der An“-Monster aus meiner Hand setzen. Ich setze damit das Bildnis der Anmut – Roter Turban, das ich nach deinem ersten Angriff meiner Hand zugefügt habe.“

Das gesetzte Monster erschien vor Theo und Fiona überlegte für einen Moment, ob es sinnvoll war, einen letzten Angriff durchzuführen.

Den letzten Roten Turban jetzt anzugreifen, würde Theodor ermöglichen sofort die DäMona Lisa zu setzen und im nächsten Zug aufzudecken, ohne dafür eine Tributbeschwörung durchführen zu müssen. Damit würde Fiona riskieren, dass Theodor seine reguläre Normalbeschwörung für ein anderes Bildnis der Angst verwendet.

Würde Fiona hingegen den Roten Turban jetzt verschonen, könnte ihr Gegner im nächsten Zug zwar ebenfalls DäMona Lisa mittels des Flippeffekts des Roten Turban aufrufen, aber nicht sofort aufdecken.

In diesem Fall gab es eine dritte Möglichkeit: Theodor würde DäMona Lisa offen als Tributbeschwörung beschwören, wodurch er allerdings sofort eine Karte ziehen dürfte...

Theodor durchschaute Fionas Zögern sofort und legte mit einem finsteren Grinsen seinen Finger direkt in die Wunde:

„Tja, was ist da bloß der richtige Spielzug? Eine WAHRE Prinzessin wüsste das vielleicht, aber du liebe Fiona, scheinst mir noch ganz rot hinter den Ohren.“

Fiona schnaubte.

Ihr Gegner hatte ihre Zweifel mühelos durchschaut.

Die Ehrfurcht, die sie vor der Stärke eines Kronprinzen hatte, konnte Fiona nicht so einfach überspielen.

Sie zwang sich zur Entscheidung:

„Ich nutze meinen letzten Angriff mit dem Solaritus Magma-Maulwurf um deinen zweiten Roten Turban unschädlich zu machen, Attacke.“

Fiona gab eine kommandierende Handbewegung.

Ihr Maulwurf grub sich, ähnlich wie die Krokusse, in den Boden, bevor Theos Monsterkarte von den heißen Krallen des Maulwurfs von unten zerstört wurde und zerplatzte.

„Wieder nutze ich den Effekt von Roter Turban, um ein „Bildnis der An“-Monster aus der Hand zu setzen. Diesmal setze ich Bildnis der Angst - DäMona Lisa. Dir sind jetzt endgültig die Monster zum Angreifen ausgegangen, Fiona, also beende endlich deinen Zug.“

„Ganz schön ungeduldig für jemanden, der sich stundenlang vor die Leinwand setzt“, bemerkte Fiona flapsig, „Ich bin noch nicht fertig, denn in meiner Main Phase 2 nutze ich den Effekt von meinem Solaritus Krokokus: Einmal pro Zug, wenn ich keinen Ritualzauber auf meiner Hand halte, darf ich mir stattdessen einen „Solaritus“-Ritualzauber aus dem Deck suchen und außerdem ein „Solaritus“-Monster von meinem Deck auf den Friedhof legen.“

Fiona zeigte ihre einzigen Handkarte, die Solaritus Sonnenanbeterin und den Sonnenatlas vor und durchsuchte im Anschluss ihr Deck.

„Das Solaritus Wappen kommt auf meine Hand und ein Solaritus Magma-Maulwurf kommt auf den Friedhof. Allerdings bleibt das Solaritus Wappen nicht lange auf meiner Hand, denn ich setze meinen Ritualzauber jetzt verdeckt.“

Direkt vor Fionas Füßen erschien ihre verdeckte Zauberkarte.

„Da ich jetzt wieder keinen Ritualzauber auf meiner Hand habe und mein zweiter Krokokus natürlich den gleichen Effekt hat, durchsuche ich nun mein Deck nach dem nächsten Ritualzauber.“

Die vierte Kronprinzessin blätterte ihr Deck durch, bis sie die zwei gewünschten Karten gefunden hatte.

„Ich lege aus dem Deck den dritten Solaritus Glückskäfer auf den Friedhof ab und nehme Solaritus Siegel auf meine Hand. JETZT beende ich meinen Zug“, verkündete Fiona trotzig.

„Tse und was das für ein Zug war!“

Theodor rückte seine Kappe zurecht und blickte dann voller Arroganz auf seine Kontrahentin herab.

„Du hast ganze sechsmal angegriffen, keinerlei Kampfschaden angerichtet und deine Feldseite ist überflutet von schwachen Monstern im Angriffsmodus. Für eine durchschnittliche Obeliskin mögen deine Fähigkeiten ausreichen, aber dich eine Prinzessin zu nennen, ist ein schlechter Scherz. Irgendwer muss dir ja deine Grenzen aufweisen.“

„Und dieser jemand musst unbedingt du sein, ja? Ganz egal, was jetzt hier passieren mag, selbst falls ich verlieren sollte, wenn du weiterhin mich, meine Brüder oder andere Mitschüler terrorisierst, wird man dich der Krone verweisen.“

Theo lachte abfällig.

„Das ist nicht witzig!“

„Du hast echt keine Ahnung, was hier vor sich geht, oder? Lucy hatte es heute morgen sehr treffend zusammengefasst. Unser König ist schwach. Aber... auch das ist nur die halbe Wahrheit. Nenne das, was ich dem Obeliskenmädchen angetan habe einen Test, wenn du magst, denn offen gesagt, so sehr ich ungerechtfertigte Arroganz auch verabscheue, es war nicht mehr als ein Testlauf.“

„Das ist krank. Unbeteiligte mit deinen schrecklichen Bildern einzusperren, nur um Aland zu testen ist widerlich und krank.“

„Vielleicht war es das wirklich, ja. Und dennoch war es die Sache absolut wert, denn dank meines Tests bin ich mir sicher, dass unser angeblicher König keinerlei Macht über mich hat.“

„Er hat dich gerade so begnadigt, weil du gewinselt und geheuchelt hast, er würde es kein zweites Mal tun“, widersprach Fiona, doch Theodor schüttelte den Kopf.

„Es mag an meinen Augen liegen, den aufmerksamen Augen eines Artisten, dass ich Aland so leicht durchschaue, wie ich es tue.

Meine Augen nehmen zwar das Gleiche wie alle anderen wahr, aber interpretieren es dann doch so anders, so viel besser, mit so viel mehr Präzision. Währenddessen tappen Lucy, Chris und du weiter im Dunkeln. Wenn ihr euch weiterhin dem Irrglauben hingeben wollt, dass Aland tatsächlich die Macht über das Haus Obelisk-Blue oder sogar über die ganze Akademie hat, dann kann ich das nicht ändern. Aber was auch immer ihr glaubt über „Eure Hoheit“ zu wissen-“

Er zog nun seine Karte, um den eigenen Zug zu beginnen, „ihr könntet der Wahrheit kaum ferner sein. Und jetzt werde ich unser kleines Aufeinandertreffen beenden, Fiona. Diese Karte macht den Anfang, Wiederherstellungskommando.“

Er aktivierte seine Zauberkarte.

Dieser Zauber erlaubt es mir drei Monster in meinem Friedhof wieder meinem Deck zuzufügen und im Anschluss eine weitere Karte zu ziehen. Es kehren zwei Kopien von Perlenohrmädchen sowie ein Roter Turban in mein Deck zurück.“

Theodor legte die besagten Karten in das Deck und zog eine weitere Karte.

Er grinste gefährlich, Theo hatte anscheinend genau die Karte gezogen, die er wollte.

„Mein Feld ist doch erschreckend leer, insbesondere in Vergleich mit deinem. Doch da habe ich genau die richtige Karte, um das Problem zu beheben. Schattenreanimation.“

Er platzierte den Schnellzauber auf seiner Disk und sofort taten sich in dem Boden vor ihm zwei Risse auf.

„Schattenreanimation erlaubt es beiden Spielern bis zu zwei beliebige Monster aus unseren Friedhöfen zu setzen. Im Anschluss verlieren wir Lebenspunkte in Höhe der Verteidigungspunkte der gesetzten Monsterkarten. Nun, normalerweise könntest du nun Monster rufen, aber ich glaube da gibt es ein kleines Platzproblem“, spottete der dritte Kronprinz in Anspielung auf die fünf Monster, die vor Fiona standen.

„Ich bin so frei und setze aus meinem Friedhof ein Bildnis der Anmut – Perlenohrmädchen und ein Bildnis der Anmut Lachender Mann. Da beide Karten null Verteidigungspunkte haben, bleiben meine Lebenspunkte von der Nebenwirkung der Schatten-Reanimation komplett unbehelligt.“

Zwei verdeckte Karten erschienen links und rechts neben der verdeckten DäMona Lisa und Fiona konnte nur zerknirscht zusehen.

Sie hatte für einen Augenblick überlegt, ob sie ihr Solaritus Wappen ankettet, um ihr Feld zu leeren und so selbst die Schattenreanimation zu nutzen, aber ihr Ritualzauber war ein Trumpf, den sie sich für später aufheben sollte. Erst recht, da sie wegen des ihr bevorstehenden Effektschadens der DäMona Lisa keine unnötigen Lebenspunkte ausgeben wollte.

„Was denn, Fiona? Sag bloß, du bist frustriert, weil ich mein Feld wieder mit schützenden „Bilder der Anmut“-Karten auffülle? Glaub mir, es wird noch schlimmer für dich. Weiter geht es mit einem Spielfeldzauber, willkommen in der Infernalen Galerie.“

Theodors Spielfeldzauber veränderte das Aussehen des gesamten Raumes.

Der Fußboden und die Wände des Zimmers wurden zu schwarzem Stein, das den roten Feuertanz einzelner im Boden platzierter Fackeln reflektierte. Schwarze Rußschwaden umgaben die Duellanten und an den Wänden hingen hölzerne, raffiniert gemusterte Bilderrahmen, zwischen denen sich grausige, bewegte Bilder abspielten.

Menschen aller Altersgruppen und Herkünfte stießen in den Bildern stumme Schreie aus, sie schauten verwirrt oder ängstlich umher, hämmerten immer wieder gegen die unsichtbare Wand vor sich, als ob sie versuchten ihrem eigenen Porträt zu entkommen.

Die Infernale Galerie war kein bisschen angenehmer anzusehen, als die Bilder, die Theo von Fionas Brüdern angefertigt hatte.

„Die Infernale Galerie bewahrt meine Spirit-Monster davor zum Ziel von gegnerischen Karteneffekten gemacht zu werden. Aber das ist noch dein kleinstes Problem, glaub mir, Fiona. Zu der weiteren Wirkung meines wunderbaren Spielfeldzaubers komme ich gleich, denn vorher habe ich noch ein paar Monster zu zerstören. Zunächst rufe ich mein Bildnis der Angst – DäMona Lisa als Flippbeschwörung auf.“

Die verdeckte Monsterkarte klappte auf und das große Gemälde der geheimnisvoll lächelnden Frau schwebte Fiona aufrecht gegenüber.

„Jetzt biete ich meinen verdeckten Lachenden Mann als Tribut und beschwöre so mein Bildnis der Angst – Sündiger Gray. Komm raus und zeig uns deine Schönheit.“

Ein zweites offenes Gemälde schwebte nun neben der DäMona Lisa, ein Bild von einem jungen, zugegeben gutaussehenden Mann mit mittellangen schwarzen Haaren der auf den Betrachter oder der Betrachterin nur abschätzig von der Seite aus herabblickte.

Bildnis der Angst - Sündiger Gray: Stufe 6, 2500Atk, 0Def.

„Meine Bildnisse der Angst sind deinen schwachen Monstern in jederlei Hinsicht überlegen. Ich greife zuerst mit der DäMona Lisa deinen Glückskäfer an. Verfluchtes Lächeln.“

Das Bildnis der Frau riss Augen und Mund plötzlich auf und ihr mit grässlichen Zähnen bestückter Mund raste aus dem Gemälde heraus auf Fionas Insektenmonster zu.

„Deinen Angriff verhindere ich mit meinem Solaritus Wappen“, schritt Fiona ein, indem sie ihren verdeckten Ritualzauber aktivierte, „Das Solaritus Wappen darf wie ein Schnellzauber gespielt werden, daher kann ich ihn nun aktivieren, um meinen Solaritus Glückskäfer, den Solaritus Glutstacheligel und einen Solaritus Krokokus als Tribut anzubieten.“

Alle drei genannten Karten verwandelten sich augenblicklich zu umeinander kreisenden Feuerkugeln, die schließlich ineinander stießen und so eine rauschende Feuersäule erzeugten.

„Meine drei Monster haben eine kombinierte Stufe von sieben. Damit darf ich dieses mächtige Insektenmonster im Verteidigungsmodus aufrufen, Solaritus Sonnenanbeterin.“

Das beeindruckende Mantidenmonster mit den glühend heißen Fangarmen schritt langsam aus der Feuersäule hinaus.

Solaritus Sonnenanbeterin: Stufe 7, 2200Atk, 2900Def.

„Es aktivieren sich jetzt sofort die Effekte von Magma-Maulwurf und von Glückskäfer: Wenn der Magma-Maulwurf auf dem Feld als Tribut für die Beschwörung eines „Solaritus“-Ritualmonsters genutzt wird, dann darf ich ein „Solaritus“-Ritualmonster aus dem Deck meiner Hand zufügen. Ich suche mir den Solaritus Sonnenskara heraus“

Fiona zeigte ihrem desinteressiert wirkenden Gegner das Ritualmonster vor.

„Nun zum Glückskäfer: Wird Glückskäfer als Tribut für die Ritualbeschwörung eines „Solaritus“-Ritualmonsters angeboten, darf ich eine Karte ziehen. Und falls es sich bei der gezogenen Karte um eine Zauber- oder Fallenkarte handelt, darf ich gleich eine zweite Karte nehmen.“

Fiona zog und zeigte Theodor sogleich die eben gezogene Zauberkarte vor, um sich die nächste Karte vom Deck zu nehmen.

„Zuletzt bekommt meine Sonnenanbeterin, wie der Sonnenatlas auch, einen Boost von 200 Angriffspunkten pro „Solaritus“-Monster in meinem Friedhof. Drei Glückskäfer, ein Magma-Maulwurf, ein Solaritus Glutstacheligel, ein Krokokus. Das macht zusammen sechs „Solaritus“-Monster, oder 1200 Angriffspunkte.

Die Sonnenanbeterin scharrte mit ihren Beinen kampflustig, während ihre Angriffspunkte anstiegen.

Solaritus-Sonnenanbeterin: 2200Atk → 3400Atk.

„Deine plötzliche Ritualbeschwörung war sehr gut, meinen aufrichtigen Glückwunsch, Fiona. Aber um einen Spitzenduellanten auf Kronenlevel zu besiegen reicht das noch lange nicht aus. Da das ursprüngliche Angriffsziel der DäMona Lisa sich nicht mehr länger auf dem Feld befindet, kann ich jetzt einfach einen neuen Angriff starten: DäMona Lisa, vernichte ihren Magma-Maulwurf mit Verfluchtem Lächeln.

Mit grässlichem Gekreische fuhr die DäMona Lisa aus dem Gemälde heraus und zerbiss Fionas Maulwurfsmonster.

Der Angriff löste eine Schockwelle aus, die Fiona zum Wanken brachte.

Frionas Lebenspunkte: 3200 → 1800.

„Es wird Zeit den Effekt der Infernalen Galerie zu aktivieren. Sieh gut her, Fiona.“

Theodor zeigte auf die Wand hinter sich, wo inmitten der anderen Bilder der im Porträt eingesperrten Menschen ein neues Bild entstanden war.

Der Solaritus Magma-Maulwurf hing hilflos an der Wand und scharrte vergebens mit den Krallen, um dem eigenen Gemäldegefängnis zu entkommen.

„Was hast du mit meinem Monster gemacht?“, fragte Fiona ernst.

„Nun, noch habe ich nicht viel mit deinem Monster gemacht, aber das wird sich ändern. Zunächst bewirkt die Infernale Galerie, dass ich alle deine zerstörten Monster in meiner Zauber- und Fallenkartenzone ablegen darf“, kündigte Theodor geheimnisvoll an, „doch bevor ich die Kraft deiner Monsterkarte nutze, sorge ich dafür, dass dein Maulwurf ein bisschen Gesellschaft bekommt. Sündiger Gray. Greife den Solaritus Krokokus an. Attacke mit dem Spiegel der verrotteten Seele.

Bildnis der Angst – Sündiger Gray schwebte bis zum Krokokus vor, als schlagartig das Bild des jungen Mannes im Rahmen verschwand.

Stattdessen war nun im Rahmen des Sündigen Gray der Solaritus Krokokus selbst zu sehen, wie er innerhalb weniger Sekunden vertrocknete.

Die Zähne der Krokodilmäuler fielen aus und als die letzte gelbe Blüte des Spiegelbildes zu Boden fiel, zerplatzte auch das Hologramm des Solaritus Krokokus.

Eine zweite Schockwelle setzte Fiona schwer zu.

„Argh....“

Fionas Lebenspunkte: 1800 → 900.

„Der Effekt von Sündiger Gray erlaubt es mir, bedingt, dass er ein Monster zerstört oder Kampfschaden anrichtet, eine beliebige „Schatten“-Zauberkarte vom Friedhof wieder auf meine Hand zu nehmen. Ich nehme mir die Permanente Zauberkarte Schattenvorhang.“

Theo hielt Fiona die besagte Karte entgegen, gleichzeitig entstand hinter ihm, neben dem Magma-Maulwurf ein neues Bild des eingesperrten Krokokus.

„Ich aktiviere den nächsten Effekt der Infernalen Galerie. Einmal pro Zug darf ich eine beliebige Menge an Karten aus meiner Zauber- und Fallenkartenzone opfern, um im Gegenzug verdeckte Monster aus meinem Friedhof zu beschwören. Ich opfere also deine Monster und setze dafür aus meinem Friedhof die Bildnisse der Anmut – Lachender Mann und Roter Turban.“

Die Bilder des Magma´-Maulwurfs und des Krokokus gingen in einem ominösen, lilanen Feuer auf. Ihre Monster zappelten panisch und mit offensichtlichen Schmerzen hin und her, versuchten mit aller Kraft dem unheimlichen Feuer auszuweichen, konnten ihrem brennenden Gefängnis aber nicht entkommen.

Als die Bilder abgebrannt waren, erschienen vor Theodor der verdeckte Lachende Mann und der Rote Turban.

Theodor hatte mit sadistischem Genuss den Effekt seines Spielfeldzaubers beobachtet.

„Zerstörung und Schöpfung. Das damit verbundene Leiden ist die Quintessenz der Kunst, wenn du mich fragst.“

„Dich fragt aber keiner“, sagte die von Theos Vergnügen angewiderte Fiona.

Es sah nicht gut aus.

Inzwischen kontrollierte Theo fünf Monster, während Fiona lediglich die Sonnenanbeterin blieb.

Davon, dass das sich schon eine ganze Weile ziehende Duell Fiona extrem ausgelaugt hatte und ihr kaum Lebenspunkte blieben, mal ganz abgesehen.

„Ich spiele nun den Schattenvorhang aus, damit sind meine verdeckten Monster vor der Zerstörung im Kampf geschützt. Außerdem setze ich meine letzte Handkarte verdeckt.“

Eine verdeckte Zauber- oder Fallenkarte, sowie der sich vor Theos gesetzten Monstern bildende, schwarze Schleier erschienen.

„Ich beende meinen Zug. Dadurch kehren meine Bildnisse der Angst auf meine Hand zurück.“

Die DäMona Lisa und Sündiger Gray verblassten, doch die DäMona Lisa ließ eine bedrohliche schwarze Energiekugel zurück.

„Der Effekt von Bildnis der Angst - DäMona Lisa aktiviert sich, wenn sie vom Spielfeld auf meine Hand zurückkehrt. Ich darf ein beliebiges Monster in den verdeckten Verteidigungsmodus zwingen und gleichzeitig 800 Punkte Effektschaden verursachen. Mein Ziel ist deine Solaritus Sonnenanbeterin.“

Nun verschwand auch das Hologramm von Fionas einzigem Monster und das knisternde, schwarze Projektil der DäMona Lisa schoss auf Fiona zu.

Die kleine Explosion stieß sie um, sodass sie rückwärts umfiel und unsanft auf ihrem Hintern landete.

„Aaaaahh! Aua!“

Fionas Lebenspunkte: 900 → 100.

„Scheiße!“, fluchte sie, während sie sich die nun leicht schmerzende Hüfte rieb.

Aber es waren nicht nur der physische Schmerz, der ihr gerade zusetzte.

Die Lage war keinen Deut besser, als damals.

Damals, als sie Daniel zuliebe gegen Chris angetreten war.

Dey hatte sie mühelos bezwungen, sie hatte nicht einen einzigen Punkt Schaden anrichten können.

Genau wie jetzt.

Theodor hatte mit seinen drei verdeckten Bildnissen der Anmut und dem vor Kampf schützenden Schattenvorhang eine kaum zu überwindende Verteidigung aufgebaut und dabei noch keinen seiner 4000 Lebenspunkte verloren.

Wieder überkamen Fiona diese Zweifel.

Die Zweifel, die der sadistisch grinsende und wortwörtlich auf das am Boden liegende Mädchen herab blickende dritte Kronprinz so sehr genoss.

„Du armes Mädchen, was hat man dir da nur mit dem Titel der Kronprinzessin angetan?“, säuselte er in falschem Mitleid bevor er ernster wurde. Seine Arme waren überkreuzt, das Feuer seiner Infernalen Galerie reflektierte an Theodors Brillengläsern, Verachtung lag in seiner Stimme:

„Du bist keine von uns, Fiona. Und das wirst du auch niemals sein.“
 


 

_____________
 


 

Neue Karten:
 

Neue Monster:
 

Solaritus Magma-Maulwurf: Stufe 2, 900Atk, 1200Def, Typ Ungeheuer, Attribut Feuer, Effekt:

Lege ein „Solaritus“-Monster von deinem Deck auf den Friedhof , um mit dieser Karte direkt anzugreifen.

Wenn diese Karte die du kontrollierst als Tribut für die Ritualbeschwörung eines „Solaritus“-Ritualmonsters angeboten wird: Füge deiner Hand ein „Solaritus“-Ritualmonster aus deinem Deck zu.
 

Bildnis der Anmut – Perlenohrmädchen: Stufe 1, 0Atk, 0Def, Typ Aqua, Attribut Wasser, Effekt:

FLIPP: Setze ein „Bildnis der Anmut“-Monster aus deinem Deck.

Wenn diese offene Karte als Tribut für die Tributbeschwörung eines „Bildnis der Angst“-Monsters geboten wird: Ziehe eine Karte.
 

Bildnis der Anmut – Lachender Mann: Stufe 1, 0Atk, 0Def, Typ Aqua, Attribut Wasser, Effekt:

FLIPP: Füge deiner Hand ein „Bildnis der An“-Monster aus deinem Deck oder deinem Friedhof zu.

Wenn diese offene Karte als Tribut für die Tributbeschwörung eines „Bildnis der Angst“-Monsters geboten wird: Ziehe eine Karte.
 

Bildnis der Anmut – Roter Turban: Stufe 1, 0Atk, 0Def, Typ Aqua, Attribut Wasser, Effekt:

FLIPP: Setze ein „Bildnis der An“-Monster aus deiner Hand.

Wenn diese offene Karte als Tribut für die Tributbeschwörung eines „Bildnis der Angst“-Monsters geboten wird: Ziehe eine Karte.
 

Bildnis der Angst – DäMona Lisa: Stufe 5, 2300Atk, 0Def, Typ Unterweltler, Attribut Finsternis, Spirit/Effekt:

Diese Karte kann nicht als Spezialbeschwörung beschworen werden. Diese Karte kehrt in der End Phase des Spielzugs, in dem sie als Normalbeschwörung beschworen oder aufgedeckt wurde, auf die Hand ihres Besitzers zurück. Wenn diese Karte, die du kontrollierst deiner Hand zugefügt wird: Ändere ein Monster in die verdeckte Verteidigungsposition und füge deinem Gegner 800 Schaden zu.
 

Bildnis der Angst – Sündiger Gray: Stufe 6, 2500Atk, 0Def, Typ Unterweltler, Attribut Finsternis, Spirit/Effekt:

Diese Karte kann nicht als Spezialbeschwörung beschworen werden. Diese Karte kehrt in der End Phase des Spielzugs, in dem sie als Normalbeschwörung beschworen oder aufgedeckt wurde, auf die Hand ihres Besitzers zurück. Wenn diese Karte ein Monster im Kampf zerstört oder Kampfschaden zufügt: Du kannst eine „Schatten“-Zauberkarte aus deinem Friedhof deiner Hand zufügen.
 

Neue Zauber:
 

Tributspiegel: Normaler Zauber:

Beschwöre zwei Monster der Stufe 3 oder niedriger aus deinem Deck als Spezialbeschwörung. Negiere die Effekte der beschworenen Monster. Die beschworenen Monster können nicht angreifen oder als Beschwörungsmaterial genutzt werden.

Zerstöre die beschworenen Monster am Ende deines Zuges.
 

Schattenvorhang: Permanenter Zauber:

Während des Spielzugs, in dem diese Karte aktiviert wurde, kannst du zusätzlich zu deiner Normalbeschwörung oder deinem Setzen ein Monster setzen.
 

Schattenreanimation: Schnellzauber:

Beide Spieler können bis zu zwei Monster aus ihren Friedhöfen verdeckt setzen. Beide Spieler verlieren Lebenspunkte in Höhe der kombinierten Verteidigungspunkte der Monster, die sie mit diesem Effekt gesetzt haben.
 

Infernale Galerie: Spielfeldzauber:

Spirit-Monster, die du kontrollierst, können nicht als Ziel von gegnerischen Karteneffekten gewählt werden. Wenn ein Monster, das dein Gegner kontrolliert zerstört wird: Du kannst das zerstörte Monster in deiner Zauber- und Fallenkartenzone platzieren. Einmal pro Zug: Du kannst eine beliebige Anzahl an Karten in deiner Zauber- und Fallenkartenzone als Tribut anbieten, um die gleiche Anzahl an Monstern in deinem Friedhof verdeckt zu setzen.
 

Neue Fallen:
 

Gleißendes Sonnenlicht: Konterfalle:

Wenn ein Monster eines Gegners einen Angriff deklariert: Wähle das angreifende Monster; annulliere den Angriff, dann beende die Battle Phase. Lege ein „Solaritus“-Monster von deinem Deck auf den Friedhof.
 

Tanzwut: Normale Falle:

Ändere die Kampfposition aller Monsterkarten.

Die ersten Zweifel

„Hallo, liebe Mitschülerinnen und Mitschüler, es freut mich sehr euch dieses Jahr wiederzusehen“, sagte Chris mit einem zufriedenen Lächeln, „Und an alle unsere neuen Mitschülerinnen und Mitschüler, die erst diese Woche auf unsere Akademie gewechselt sind, oder einfach nur zum ersten Mal unsere Arbeitsgemeinschaft besuchen: Ich möchte euch hiermit herzlich in der Elektronik-AG willkommen heißen. Mein Name ist Chris und ich kann es kaum erwarten ein wenig mit euch zusammen herumzubasteln. Wie ihr hinter mir seht, habe ich auch schon was Schönes für euch vorbereitet...“

Chris stand als AG-Leiter*in am Smartboard des eher kleinen Unterrichtsraums den etwa zwei Dutzend Jugendlichen, die bereits aufmerksam zuhörend an den Arbeitstischen saßen.

Auf dem Smartboard war bereits eine komplexe technische Zeichnung abgebildet und auf einem Tischchen in der Ecke des Raumes standen schon einige Boxen mit Bauteilen für die AG-Mitglieder bereit.

Erstmals unter den AG-Mitgliedern war auch Erin, die sich recht spontan für eine Teilnahme an der Elektronik-AG entschieden hatte.

Sie hatte sich von Daniels Idee eine AG auszuprobieren inspirieren lassen und als sie vorgestern die Liste der außerunterrichtlichen Angebote der Akademie durchgescrollt und auch kurz mit den Gedanken an die Basketball-AG geliebäugelt hatte, war schließlich ihre Entscheidung gefallen.

Erin erinnerte sich gerne an den Physikunterricht in ihrer Schulzeit zurück, welches neben Sport und Mathematik definitiv eines ihrer Lieblingsfächer gewesen war und sie war schon gespannt darauf, was sie hier erwarten würde.

Sie sah sich kurz um.

Erin war nicht sonderlich überrascht, als eine von insgesamt fünf oder, mit Chris, sechs Mädchen stark in der Minderheit zu sein.

Was sie aber durchaus überrascht hatte, war der Umstand, dass sie in der Elektronik-AG auf gleich zwei bekannte Gesichter traf:

Zum Einen war da Chris, der oder die, wie so einige Obelisk-Blue-Schüler, die sich im zweiten und dritten Jahrgang befanden, eine eigene AG leitete.

Chris war Erin als ein ranghohes Mitglied der Obeliskenkrone bestenfalls mittelmäßig sympathisch, insbesondere, da Erin Chris als mitschuldig an ihren Bruch mit Fiona sah.

Aber andererseits konnte Erin auch nicht anders, als sein oder ihr Talent in Duel Monsters und den schon in der Ansprache offensichtlichen Enthusiasmus für die AG ein wenig zu bewundern.

Zum Anderen war da aber noch Yunus und als Erin ihn hier wiedergesehen hatte, kam sie sich dafür gleich ein wenig doof vor.

Als sie sich zu Beginn des letzten Halbjahres das erste Mal kennenlernten, hatte Yunus einfach einen Werkzeugkasten aus den Räumen der AG genommen und dafür Ärger mit Frau Ehring bekommen.

Aber dieses Detail über ihren leider viel zu coolen und selbstbewussten Mitschüler, hatte Erin, bis sie die AG-Räume vor wenigen Minuten erstmals betreten hatte, tatsächlich vergessen.

Sie hatte sich sofort zu ihm gesetzt, hauptsächlich, weil sie einfach eine ihr bekannte Bezugsperson in der AG haben wollte, aber andererseits, weil sie sich Yunus´ Flirtversuche schon im letzten Jahr nur zu gerne gefallen ließ, insbesondere, wenn er sie so anlächelte, wie er es im Moment wieder tat.

„Du solltest denen besser zuhören, sonst gibt’s gleich´schon den ersten Einlauf von Chris“, flüsterte er Erin zu, worauf sie sich sofort ertappt fühlte und sich wieder den Worten der AG-Leitung widmete.

„Wir steigen diese Woche ganz langsam mit den handelsüblichen Dueldisk-Hologrammprojektoren ein. Rechts von mir findet ihr alle dazu nötigen Komponenten. Die Lithium-Polymer-Akkus und die SV-Licht-Prozessoren sind aktuell nur begrenzt verfügbar, seid mit denen bitte besonders vorsichtig. Wie letztes Jahr auch, werden wir um Material zu sparen immer in Zweiergruppen arbeiten. Sucht euch also bitte einen Partner und Partnerin, mit der ihr das Jahr über ein festes Team bildet, damit hier nicht immer die ersten fünf Minuten für die Partnersuche aufgewendet werden. Naira und ich haben übrigens vor Beginn des Schuljahres neue Phasenprüfer angeschafft und bei der Gelegenheit gleich unseren Werkzeugschrank aufgeräumt. Danke noch einmal dafür“, sagte Chris und nickte einer Obeliskin mit dunklem Kopftuch zu.

„Immer gerne, Chris“, entgegnete die Angesprochene und drehte sich zu den anderen AG-Mitgliedern um.

Chris räusperte sich.

„Falls wir also jemanden von euch dabei erwischen, wie er oder sie auch nur eine Schraube falsch einsortiert: Wir haben uns mit den Leitungen diverser Sport-AGs besprochen und sie freuen sich immer über „Freiwillige“, die nach deren Treffen beim Reinigen der Umkleiden und beim Trikot-Waschen helfen“, drohte derdie erste Kronprinz*essin ohne deren Lächeln oder zufriedenen Ton dabei zu verlieren, wohl wissend, dass man sich sowieso nicht mit denen anlegen würde.

Erin sah links in der Reihe vor sich zwei Rajungen aus ihrem Jahrgang kichern und fragte sich sofort, ob die beiden zu den Chaoten gehörten, die ein Aufräumen des Schranks überhaupt nötig gemacht hatten.

Ob die wohl auch ein festes Team waren?

Und ob Yunus schon einen Teampartner hatte?

Er hatte zumindest, bevor sich Erin zu ihm gesetzt hatte, mit noch keinem anderen Schüler oder Schülerin gesprochen, Erin schätzte ihre Chancen damit als sehr gut ein.

Chris kramte nun einen kleinen und einen größeren Papierstapel aus deren Rucksack, gab den größeren einem Obelisken in der ersten Tischreihe, damit der Stapel herumgereicht wird und sich jedes Elektronik-AG-Mitglied einen nehmen konnte und erklärte: „Die alten Hasen unter uns kennen schon das Prozedere: Zuerst wird immer die Bauanleitung gründlich durchgelesen, bevor wir anfangen zu schrauben. Auch kleine Fehler können unser teures Equipment irreparabel beschädigen. Stellt also sicher, dass ihr alles versteht und scheut euch nicht im Zweifel nachzufragen.“

„Hast du gehört, Erin? Bloß nichts abseits des Bauplans ausprobieren. Du könntest versehentlich Spaß haben“, flüsterte Yunus ihr zu.

Erin verkniff sich gerade so noch ein lautes Lachen.

„Tu einer Lady einen Gefallen und sei ausnahmsweise vorsichtig. Ich möchte nicht bei meinem ersten AG-Treffen gleich Ärger mit Chris bekommen, weil mein Partner unsere Bauteile zerstört“

Yunus grinste, während er den inzwischen bei ihm angekommenen Stapel mit Bauanleitungen demonstrativ an Erin vorbei an ihren rechten Sitznachbarn reichte und sie dabei, natürlich nur rein zufällig, am Unterarm berührte.

„Sorry, aber ich glaube nicht, dass du heute einen Projektor zusammenbauen wirst“, sagte er frech.

Noch bevor Erin Yunus auf sein merkwürdiges Verhalten ansprechen konnte, wandte sich Chris wieder deren Mitschülerinnen und Mitschülern zu:

„Bevor ich es vergesse: Gibt es Freiwillige, die das Babysitting übernehmen wollen?“

Erin stutzte.

Babysitting?

Yunus meldete sich sofort und als Einziger von den über zwanzig Jugendlichen.

Was auch immer „Babysitting“ für eine Aufgabe war, allzu beliebt war sie wohl nicht.

Mit dem für demm so typisch geheimnisvollen Lächeln, welches exklusiv für Leute reserviert war, die Chris nicht sonderlich leiden konnte, nahm dey schließlich notgedrungen den einzigen Voluntär dran.

„Yunus, es freut mich immer zu sehen, wenn du dich konstruktiv in unsere Gemeinschaft einbringst, danke für dein Engagement.“

Chris ging auf Yunus zu und überreichte ihm den kleineren Papierstapel, den dey eben mit den Anleitungen ausgepackt hatte.

„Die Freude ist ganz meinerseits“, entgegnete dieser mit einem leichten, scharfen Unterton.

Als die Bauanleitungen schließlich einmal komplett herumgegangen waren, standen alle Schülerinnen und Schüler auf.

Die meisten nahmen sich die Boxen mit den Hologrammbauteilen und stellten sich am Werkzeugschrank an, während Yunus Erin und fünf andere AG-Mitglieder ansprach und zu sich winkte.

„Ihr kommt bitte einmal mit mir nach hier hinten.“

Erin erahnte Schlimmes, als sie bemerkte, dass die anderen fünf wie sie keine Anleitung erhalten hatten und als sie gemeinsam zu dem runden Tisch am anderen Ende des Raumes geführt wurden.

Als sich bis auf Yunus alle am Tisch gesetzt hatten, warf Yunus die erste Frage in die Runde.

„Also, meine Freunde, was ist eigentlich ein Stromkreis?“

Erins schlimme Vorahnung war zur Realität geworden und sie vergrub ihre Stirn hinter der Handfläche.

Das war also „Babysitting“.

Die AG-Neulinge durften nicht von Anfang an mit den Anderen mitbauen, sondern mussten zunächst die die absoluten Basics der Elektrizitätslehre aus den ersten Schuljahren wiederholen.

Ein junger Sliferschüler versuchte unsicher und wild gestikulierend Yunus´ Frage zu beantworten:

„Also...hm, in einem Stromkreis, da kreist, also äh...fließt so der Strom drin. Das ist wie ein Kreislauf...So...“

Yunus lächelte ihn an.

„Grundsätzlich nicht falsch, danke dir“, sprach er ruhig.

Erin erkannte, dass Yunus sich viel Mühe gab den Sliferjungen nicht für dessen holprige Antwort unnötig bloßzustellen.

„Möchte noch jemand was hinzufügen? Was ist ein Stromkreis, was könnte so dazugehören?“

Yunus Blick wanderte im Uhrzeigersinn von Schüler zu Schüler, bis er schließlich bei Erin ankam.

„Ein Stromkreis ist eine Verschaltung von elektrischen Leitern zu einem geschlossenen System, in dem Strom fließen kann. Ein Stromkreis besteht immer mindestens aus einer Spannungsquelle von der aus die Elektronen den Stromkreis betreten, einem sogenannten Verbraucher, der elektrischen Strom in andere Energiearten umwandelt und den Leitern, die die Spannungsquelle mit dem Verbraucher verbinden. Darüber hinaus können auch Widerstände oder Schalter in einen Stromkreis integriert werden“, erklärte Erin flüssig.

Yunus nickte.

„Perfekt, wie aus dem Lehrbuch. Die Bestandteile eines Stromkreises, wie dieser in verschiedenen Schaltungen angeordnet sein kann und was die verschiedenen Einheiten für Stromstärke, Spannung oder elektrischen Widerstand sind, haben wir auch hier nochmal zusammengefasst.“

Yunus teilte die Blätter, die er von Chris bekommen hatte aus.

„Vorne sind alle Erklärungen. Auf der Rückseite seht ihr dann Schaltungen, die ihr bitte den Abbildungen entsprechend nachbaut. Lest euch das bitte einmal durch und ich hol uns in der Zwischenzeit die Batterien, Kabel, Lampen und Schalter.“

Bevor Yunus die AG-Neulinge kurz alleine ließ, sprach Erin ihn an.

„Also, ich will echt nicht angeben, oder so. Aber ich brauche diese Wiederholung ehrlich nicht. Physik hat mir schon immer gelegen. Kann ich nicht auch einfach einen Hologrammprojektor-Bauplan bekommen?“

Der Junge drehte sich um.

Er grinste breit und verschränkte die Arme.

“So, so. Du kannst also schon alles? Dann kannst du mir auch sicher sagen, was ein SV-Licht-Prozessor ist und wo genau er verbaut wird.“

Da musste Erin kurz überlegen.

Die Komponenten einer Dueldisk gehörten nicht zum Lehrplan der allgemeinbildenden Schulen und alles, was Erin dazu wusste, hatte sie hier und da mal aus schieren Interesse aufgeschnappt.

„Also...“SV“ steht für Solid Vision und der Prozessor ist hauptsächlich dafür zuständig, die Lichtpartikel so stark aufzuladen, dass diese ..ähm, eben die physischen Rückstöße auslösen können, die man im Duell so bemerkt, wenn man Lebenspunkte verliert. Und...verbaut wird er glaube ich zwischen der Lichtquelle und dem ersten dichromatischen Spiegel.“

„Du meinst wohl den DICHRIOTISCHEN Spiegel“, verbesserte Yunus mit gewisser Schadenfreude, „abgesehen davon werden die Prozessoren immer zwischen Prisma und Projektionslinse geschaltet, eine Lichtverhärtung ergibt vor der Farbrekombination nicht wirklich Sinn, oder?“

Während die restlichen Jugendlichen der Unterhaltung kaum folgen konnten, ärgerte sich Erin darüber so einen dummen Denkfehler gemacht zu haben.

„Nein, das würde wahrscheinlich die Lichtbrechung in den Spiegeln und den LCD-Panelen stören..“

„Gut, dann nächste Frage: Was kostet denn ein SV-Licht-Prozessor in etwa?“

„Puh...äh keine Ahnung?“

Yunus lachte.

„Ich weiß es auch nicht, aber es ist definitiv zu viel, als dass die Akademieleitung sie in die Hände von Schülerinnen und Schülern geben möchte, die nicht einmal die absoluten Grundlagen beherrschen und den Prozessor versehentlich kurzschalten und frittieren. Aber:“, er sprach nun wieder die ganze Gruppe an, „wenn ihr heute und nächste Woche alle Schaltungen fehlerfrei hinbekommt, dann lässt euch Chris ab Woche drei mit den großen Kindern spielen. Also lest bitte und ich bin gleich wieder da.

Erin gab sich nun geschlagen und überflog in der kurzen Zwischenzeit die simplen Erklärungen und Aufgabenstellungen.

„Der Strom fließt vom Minus- zum Pluspol...die Stromstärke I misst sich in Ampere und ein Ampere ist ein Coulomb pro Sekunde...bei der Reihenschaltung schaltet man zwei Verbraucher hintereinander und bei Parallelschaltungen führt eine Abzweigung in den Stromleitern zu unterschiedlichen Reihen mit Verbrauchern...Gähn...“

Erin hatte verstanden, dass sich Yunus die AG-Regeln nicht ausgedacht hatte und sie sah auch ein, dass es Sinn ergab, das Wissen der Neuen zu kontrollieren und gegebenenfalls aufzufrischen.

Allerdings fühlte sich hoffnungslos unterfordert und hatte, als Yunus mit all den nötigen Komponenten zurück war, in Rekordzeit alle geforderten Stromkreise aufgebaut.

Neidisch sah Erin zu den Tischreihen der erfahreneren AG-Mitglieder, wo sich inzwischen jeder und jede mit Bauteilen und Werkzeugen versorgt und sich alle Zweiergruppen gefunden hatten.

Zwei Jungen aus Slifer und Obelisk saßen dem „Babysittertisch“ direkt gegenüber.

Erin konnte den beiden den Spaß förmlich ansehen.

Sie lachten, zeigten auf ihre Anleitungen und begannen alle Komponenten nacheinander auf der Platine zu befestigen.

Plötzlich stellte sich Chris vor die Jungen.

„Die Regeln der Blauen Ehre gelten selbstverständlich auch in unserer AG. Ich nehme mal, an, dass hier also nur ein unglückliches Missverständnis vorliegt“, sprach dey die erschrockenen Jungen freundlich aber bestimmt an.

Der Obelisk sah beschämt zu Seite, während der Slifer versuchte beide zu verteidigen.

„Aber Chris! Tilo und ich haben doch schon letztes Jahr zusammengearb...-“

„Und dieses Jahr sucht ihr euch bitte Partnerinnen und Partner, die eurem Leistungsniveau entsprechen“, unterbrach Chris.

„Aber alle anderen haben doch auch schon...-“

„Ich denke, ihr zwei findet eine Lösung. Danke für eure Mitarbeit“, unterbrach dey ein zweites Mal, mit einem Nachdruck, der dem Sliferjungen verdeutlichte, dass er es besser nicht auf ein drittes Mal ankommen lassen sollte.

Die alten Teampartner besprachen sich kurz und standen gezwungenermaßen auf, um andere Zweiergruppen um einen Partnerwechsel zu bitten.

Erin, die wegen der inzwischen vielen anderen Gespräche im Raum die Unterhaltung nicht mitgehört hatte, begriff so langsam, was dort drüben vor sich ging.

Ein Slifer und ein Obelisk, die zusammen Spaß hatten.

Die anderen Teams, die zusammen glücklich waren.

Und dann Chris, ein Kronprinz oder -prinzessin, der oder die glaubte das Recht zu haben alles kaputt zu machen.

Sie schnaubte, sie ballte unter dem Tisch die Hand zur Faust.

Sie spürte die Wut in sich aufsteigen, als sie sah, wie sich wegen Chris nicht nur die beiden offensichtlich befreundeten Jungen aus Slifer-Red und Obelisk-Blue aufteilen mussten, sondern diese nun auch ein anderes befreundetes Team dazu zwingen musste sich aufzulösen.

Die gleiche Wut, die sie damals empfand, als Fiona....

Und natürlich musste jetzt grade wieder alles hochkommen, natürlich musste Erin jetzt wieder an sie denken.

Es wäre auch zu viel verlangt, wenn man einfach nur einmal glücklich sein könnte.

Scheiße.

SCHEISSE!

„WAS IST EIGENTLICH DEIN SCHEISSPROBLEM?!“

Alle Gespräche im Raum waren verstummt, alle starrten auf Erin, die plötzlich aufgesprungen war und so laut geschrien hatte, das man es wohl noch im Flur hören konnte, die nun mit hochrotem Kopf da stand, schwer atmend, mit zornigem Blick in Richtung AG-Leiter*in.

Alle, einschließlich Chris.

Weniger erzürnt als vielmehr ungläubig darüber, was dey zu hören geglaubt hatte, sah Chris Erin in die Augen.

Dieses große, blonde Mädchen mit den blauen Augen kam denen sehr bekannt vor, dey war sich ziemlich sicher, dass sie mit Daniel zusammen zu Fionas altem Freundeskreis gehörte.

„Redest...du etwa mit m...-“

Yunus sprang nun ebenfalls auf, er schlug mit derartiger Gewalt die Faust auf den Tisch, dass die sich darauf befindenden Stromkreise mitwackelten und schrie Erin direkt ins Gesicht.

„MEIN SCHEISSPROBLEM IST DEINE ARROGANZ!“

Erin schreckte zurück, doch Yunus war noch nicht fertig mit ihr, er zog die Kupferkabel aus ihren Fassungen und wedelte damit direkt vor Erins Nase.

„Große Töne spucken, dass einem hier alles zu leicht sei und dann willst du eine 3,5-Volt-Lampe an einer 9-Volt-Batterie anschließen?! Bist du zu blöde zum Lesen, oder braucht deine Brille ne neue Brille?!“

Erin verstand Yunus´ Ablenkungsmanöver.

„Entschuldigung“, antwortete sie kleinlaut und setzte sich mit dem Blick auf den Tisch vor sich fixiert gleich wieder hin.

Bloß nicht Chris ansehen!

Yunus, der noch stand, seufzte theatralisch und sprach dann Chris an.

„Sorry, dass ich laut geworden bin, vielleicht habe ich unterschätzt, wie anstrengend die Einweisung der Neuen ist.“

Chris zog fragend die Augenbrauen zusammen.

„Ähm...schon gut, Yunus, alles in Ordnung“, sagte dey, atmete einmal tief ein und aus und klatschte dann laut in die Hände, so als ob die gesamte Aufmerksamkeit der AG-Mitglieder nicht schon sowieso auf denen läge.

„Okay, liebe Mitschülerinnen und Mitschüler, jetzt wird konzentriert weitergearbeitet!“

Chris´ Aufforderung zeigte Wirkung.

Nach ein, zwei Minuten Gemurmel kehrte nun tatsächlich wieder eine gewisse Ruhe ein.

Die erfahrenen AG-Mitglieder waren mit dem Holgrammprojektor beschäftigt und die Neulinge an Erins´ und Yunus Tisch widmeten ihre volle Aufmerksamkeit den Schaltungen, die sie zusammenbauen sollten.

Dies klappte bei manchen mehr, bei anderen weniger gut.

Der Sliferjunge, der versucht hatte, Yunus´ Stromkreis-Frage zu beantworten, brauchte sehr viel Hilfe von Yunus und hielt ihn damit voll beschäftigt.

Ein Umstand, durch den die anderen Neulinge mit ihren Problemen auf sich gestellt waren.

Nach einer Weile wurde Erin um Hilfe gebeten:

„Also...äh, ich habe nicht ganz verstanden, warum Yunus und du dich so schlimm angeschrien habt, aber ich finde, dass deine Stromkreise ganz gut aussehen“,sagte Erins Sitznachbarin, ein zierliches Ra-Mädchen mit einem derartigen Allerweltsgesicht, dass sich Erin nicht sicher war, ob sie zu ihrem Jahrgang gehörte und im letzten Jahr mit ihr im Unterricht saß oder nicht, „Kannst du mir vielleicht zeigen, wie ich hier die Glühlampe anschließen muss, damit sie genauso hell leuchtet, wie die andere? Das wäre sehr nett.“

„Klar, ich helfe gerne“, sagte Erin fröhlich und rückte mit ihrem Stuhl gleich ein Stück näher.

Und kaum hatte sie dem Ra-Mädchen alles erklärt, schon fragte der Obelisk aus dem ersten Jahr nochmal nach.

So kam es, dass Erin die meiste Zeit ihrer ersten Doppelstunde in der Elektronik-AG gemeinsam mit Yunus damit verbrachte, den anderen Fünf das Elektrizitätslehre-Grundwissen zu vermitteln.

Sie wunderte sich, als sie auf einmal bemerkte, wie an all den anderen Arbeitsplätzen wieder aufgeräumt wurde und es plötzlich schon 17.00 Uhr war.

Als alles aufgeräumt war, verließen Yunus und Erin mit als Letzte den Raum.

Yunus war erstaunt darüber, wie eilig Chris es heute hatte, dey hatte heute auffällig viel auf deren Smartphone rumgetippt und sie förmlich um Punkt fünf Uhr rausgeworfen und abgeschlossen.

Ob wohl wieder eine Sondersitzung der Krone anstand?

Yunus hatte da etwas aufgeschnappt, von einer jungen Obeliskin, die mit entstellten Porträts von sich selbst eingesperrt worden war.

Doch angesichts seiner Begleitung hatte Yunus nicht sonderlich viel Lust, darüber nachzudenken, was mit seinemseiner AG-Leiter*in los war.

Yunus und Erin liefen den Trakt des Hauptgebäudes entlang Richtung Ra-Yellow-Unterkunft.

„Und, du Schreihals?“, sprach Yunus sie neckisch an, „Hattest du heute noch ein bisschen Spaß gehabt?“

Erin lachte verlegen.

„Ich hatte zwar nicht erwartet als AG-Neuling gleich die Nachhilfelehrerin für andere Neulinge zu spielen, aber...ich glaube, ich hatte tatsächlich trotzdem Spaß, ja. Aber ich freue mich auch schon darauf, dann in Zukunft so richtig mitbasteln zu dürfen und in nem Jahr dann selbst eine Dueldisk zusammenbauen zu können.“

„Hm, ja, verstehe ich. Es tut mir im Nachhinein ein wenig Leid, wie ich dich vor den Anderen mit dem SV-Licht-Prozessor aufgezogen habe. Aber ich wollte dir damit nur klarmachen, warum wir keine Ausnahmen machen dürfen, auch nicht für Leute, die in der Schule gut aufgepasst haben und sich mit einfachen Schaltungen langweilen, weißt du?“

Sie nickte.

„Schon klar. Und nach dem Theater, dass ich veranstaltet habe, bin ich eher diejenige, die sich entschuldigen sollte.“

Damit brachte sie Yunus nun ebenfalls zum Lachen.

„Ja, eigentlich solltest du das! Erst sagst du mir, dass du dir Chris nicht am ersten Tag zum Feind machen willst und dann schreist du demm selbst an. Was war das für ne Aktion?“

„Ach, ich weiß auch nicht. Ich war so schnell fertig gewesen und hatte dann an die anderen Tische gesehen. Da war eine Zweiergruppe dabei, ein Junge aus Obelisk-Blue und einer aus Slifer-Red. Und die beiden schienen prima miteinander gearbeitet zu haben, bis Chris dazu kam und sie sich dann neue Partner gesucht haben. Ich wette er oder sie hat wieder was von der Blauen Ehre geschwafelt, von wegen, dass Slifer und Obelisken nichts miteinander zu tun haben dürfen. Damit hatte Chris mir schon letztes Jahr viel Ärger bereitet. Und dann...bin ich irgendwie explodiert. Tut mir echt Leid, dass ich dich in Verlegenheit gebracht habe.“

Beide hatten inzwischen das Hauptgebäude verlassen und genossen die nachmittägliche Sommersonne.

„Hm...ich glaube, ich weiß, welche Gruppe du meinst. Das müssten Tilo und Dennis sein. Die waren schon letztes Jahr ein Team, bevor Tilo zu Obelisk-Blue aufgestiegen ist.“

„Ähm...Kann sein? Ich kenne die ja nicht.“

Dann gingen Erin und Yunus eine Weile stumm nebeneinander her.

Erin wurde das Schweigen unangenehm und sie sah wie Yunus gedankenversunken stur geradeaus starrte, bis er plötzlich wieder Erin ansah.

„Weißt du was, Erin? Du bist echt cool!“

Erin schaute nicht schlecht und schüttelte dann energisch den Kopf.

„Du spinnst. Dieses Rumgeschreie und wie mich dann alle doof angeguckt haben, das war megapeinlich. Und wenn du nicht so schnell improvisiert hättest, wäre mein erstes AG-Treffen auch ganz schnell mein letztes gewesen.“

„Stimmt, das war schon ziemlich gut von mir“, lobte sich Yunus überzogen selbst und erntete damit ein Kichern von Erin, bevor er weitersprach, „aber im Ernst, ich finde es richtig, wie sauer du geworden bist. Was Chris getan hatte war falsch. Du weißt das und ich weiß es und wenn Chris mal ehrlich zu sich selbst wäre, wüsste dey das auch, . Und für mich ist es sehr viel peinlicher, bei Unrecht wegzusehen oder zu schweigen, anstatt mal seine Meinung zu sagen.“

Damit hatte Yunus es mal wieder geschafft Erin zu überraschen.

Sie war jedes Mal aufs Neue darüber erstaunt, wie tiefsinnig und nachdenklich dieser mühelos coole Schönling neben ihr sein konnte.

„Du klingst für mich so ein bisschen so, als ob du Chris in Schutz nehmen möchtest. Meinst du echt, dass der Typ oder...Typin nicht völlig gehirngewaschen von dem ganzen Kronengehabe ist?“

„Nein“, antwortete Yunus bestimmt, „ich habe im letzten Jahr in der AG viel Zeit mit denen verbracht und...verstehe mich nicht falsch, wir werden jetzt keine besten Freunde oder sowas, aber ich halte demm nicht für einen schlechten Menschen. Wenn du dich mal umschaust, wie manche anderen ranghohen Obelisken mit ihren Mitschülern umgehen, dann ist Chris voll in Ordnung. Und in vielen AGs dürfen die Slifer nur die Drecksarbeit machen, was bei uns nicht der Fall ist. Deswegen fände ichs auch gut, wenn du Chris in Zukunft zumindest richtig gendern würdest. Soviel Respekt hat dey sich verdient.“

„Richtig gendern? Ähm...“

„Dey statt er oder sie, deren statt sein oder ihr, denen statt ihm oder ihr und demm statt ihn oder sie. Ich fands am Anfang auch schwierig und ich bin mir jetzt auch nicht immer sicher, ob ichs richtig hinbekomme. Aber nachdem du dich als Neuling heute so gut geschlagen hast, lasse ich mir nicht von dir erzählen, dass dir das zu schwer sei. Keine Chance!“

Erin wurde bei dem Kompliment gleich wieder rot.

„Dey, deren, denen und demm. Okay, ich versuchs mir zu merken. Wenn ich mal nicht dran denke, hast du dann ja das ganze Schuljahr Zeit mich zu korrigieren.“

„Wie meinst du das?“, fragte Yunus.

„Ähm...wenn wir dann ab dem übernächsten Mal ein festes Zweierteam sind, dann verbringen wir ja in der AG auch die meiste Zeit zusammen, oder nicht?“

„Ach, du wolltest mit mir in ein Team?“, stellte sich Yunus neckisch doof.

„Nicht wenn du so weitermachst!“, neckte Erin zurück, „Du schuldest mir übrigens noch ein Date. Mir wurde in den Ferien was „Supercooles“ versprochen.“

„Hehe, ich arbeite noch dran. Wenns soweit ist, gebe ich dir Bescheid, aber ich bin so gut wie fertig. Und nachdem wir unseren ersten Beziehungsstreit schon vorverlegt und öffentlich ausgetragen haben, wird’s tatsächlich Zeit.“

Beide Jugendlichen waren an ihrer Unterkunft stehen geblieben, wo sich direkt am Eingang ein Flur zu den Zimmern der Jungen und eines zu den Mädchenzimmern führte.

„Ich gehe dann mal auf mein Zimmer“, kündigte Erin an, „Kiara hatte Jiang aufs Zimmer eingeladen und wir wollten noch zusammen Hausaufgaben machen.“

„Bei Hausaufgaben bin ich raus....Aber dann bin ich ja froh, dass du heute deinen Spaß schon gehabt hattest“, scherzte Yunus.

Erin lachte und beide sahen sich noch einmal tief in die Augen.

So liebevoll, wie er sie in diesem Moment ansah, spürte sie ihr Herz höher schlagen

„Tja, ähm...man sieht sich“, ergriff Erin die Initiative und deutete zum Abschied eine Winkbewegung an.

„Ich freue mich schon auf nächste Woche. Ciao-Ciao!“, entgegnete Yunus lächelnd.

Als Erin auf ihr Zimmer zu ihren Freundinnen ging, ärgerte sie sich ein wenig.

Sie hätte sich gewünscht, dass Yunus mal danach gefragt hätte, ob er sich nicht im Unterricht zu ihr setzen könnte oder beim Mittagessen oder... eben beim Hausaufgaben-Bearbeiten.

Aber da gab es diesen alten Streit zwischen ihm und Jiang.

Und Erin hatte Jiang nach einem halben Jahr gemeinsamen Wohnen und mit all der Zeit, die sie sonst verbracht hatten so lieb gewonnen, dass sie sie auch nicht wegen einem Jungen versetzen wollen würde.

Jetzt, wo Erin für einen Moment alleine war, meldete sich ihr Deck zu Wort:

„Hast du eine Idee, wie du dein Problem mit Jiang und Yunus löst?“

Erin stand vor der Zimmertür und flüsterte ihren Karten noch eine Antwort zu, bevor sie wieder unter Leuten war.

„Nein, ich habe keinen Plan“, sagte sie grinsend, „aber davon habe ich mich noch nie aufhalten lassen.“
 


 

°°°
 

„Schön. Durchgehend weit über 90% in allen Fächern, wie erwartet. Gut, dass du dir nach deiner Aufnahmeprüfung doch noch Mühe gegeben hast“, sagte Fionas Mutter und schob das Zwischenzeugnis über den weißen Marmortisch zu ihrer Tochter, die sich sofort ihre neue weiße Kronprinzessinnenuniform angezogen hatte zurück, „Dein Vater und ich sind stolz auf deine Leistung.“

Der Vater, der sich im Gegensatz zur Mutter bereits seines Sakkos entledigt hatte und aus der halboffenen Küche der Familie Nachschub vom selbstgekochten Tomaten-Risotto servierte, summte nur zustimmend.

Fiona hatte vom zu schnellen Essen mal wieder Schluckauf bekommen und nutzte die Essenpause als Gelegenheit das Zeugnis außer Reichweite für Flecken zu bringen.

Sie stand auf und brachte das Zeugnis auf ihr neues Zimmer in der oberen Etage.

Es fühlte sich für Fiona etwas surreal wieder zurück Zuhause zu sein, jetzt, wo ihre Eltern das gesamte Haus haben umbauen und neu einrichten lassen.

Hoch die weiße Marmortreppe, vorbei am neuen Bad mit weißen Marmorboden, nebenbei blickte sie aus den Fenstern, dessen Bänke nun ebenfalls aus weißem Marmor waren.

Marmor, Marmor, Marmor!

Fiona konnte diesem eintönigen, sterilen Einrichtungsstil wenig abgewinnen, auch wenn ihre Mutter hundertmal betont hatte, was sie nicht für ein Glück mit ihrem neuen Innendesigner hätten.

Zum Glück war Fionas Bettmatratze nicht gegen Marmor ausgetauscht worden!

Als Fiona zurück am Esstisch war, hatten ihre Brüder ihre Teller bereits verputzt und auch ihr Vater hatte sich nun zum Abendessen gesetzt.

Jannis und Patrick warteten still und brav, bis ihre Eltern aufgegessen hatten,

während sich diese nebenher wieder über die Arbeit unterhielten.

Irgendwas mit der Neuaufnahme eines neuen Gesellschafters, der geplanten Kanzleiexpansion, neue Urteile bezüglich Ausschüttungen an Großaktionäre...Pfffft.

Fiona und ihre acht- und elfjährigen Brüder könnte es kaum weniger interessieren.

Aber immerhin war der Schluckauf weg und Fiona tat sich eilig eine große, zweite Portion auf.

Sie schlang gierig und ohne Atempause das Risotto runter, ihr Vater war ein begnadeter Hobbykoch.

„Fiona!“, unterbrach die Mutter plötzlich erbost.

„Waff ift?“, fragte die Angesprochene, wobei ihr Reiskrümel aus dem noch vollen Mund fielen.

„Was hatten wir bezüglich des Sprechens mit vollem Mund vereinbart?! Und dann hast du deine neue Uniform bekleckert! Wie sieht das denn aus?!“

„Beruhig dich, Schatz“, schaltete sich der Vater ein, ohne eine der beiden Damen anzusehen, „Den Rotweinfleck hatte Svetlana doch neulich auch aus meinem Hemd gekriegt. Dann bekommt sie auch Fionas Uniform wieder sauber.“

„Wieeefte!“

Mehr Risotto fiel auf Fionas Teller.

„Bestärke sie doch nicht in ihrem schlechten Benehmen!“

Die Mutter stöhnte.

„Dein schulischer Erfolg ist das Eine, aber um später einmal wirklich erfolgreich zu sein, braucht man ein Minimum an Anstand, Fiona!“

„Mja, Mja! Mampfstand“, krümelte diese zurück.

Fiona verdrehte die Augen und sah von ihrer Mutter ab auf die andere Seite des Tisches wo Patrick breit grinste und Jannis laut lachte.

Sie schluckte runter und lächelte den Jüngsten an.

„Ich wüsste nicht, was es zu lachen gibt“, sprach nun der Vater seinen Sohn im strengen Ton an,

„Wenn ich an deine Dreien in Sachkunde und Deutsch denke, dann finde ich das nicht sonderlich lustig.“

Sofort verstummte Jannis, doch sein Vater hakte nach.

„Denkst du, man bekommt im Leben was geschenkt? Oder, dass sich deine faule Mittelmäßigkeit für dich auszahlen wird?“

„Nein, Papa.“

Das Kind starrte auf den Tisch, es hielt dem Blick des Vaters nicht stand.

„Gut, dass denke ich auch nicht. Anstatt über die Tischmanieren deiner Schwester zu lachen, könntest du dir mal an ihrem Fleiß ein Beispiel nehmen!“
 


 

°°°
 


 

Fiona ächzte.

Die Erschöpfung holte sie aus ihrem Tagtraum zurück.

Wieso musste sie sich ausgerechnet jetzt an ihre Ferien erinnern?

Es war nicht nur ihre Angst, den Kronprinzessinnentitel zu verlieren, es ging in diesem Duell auch um ihre Brüder.

Ihr Duell gegen den dritten Kronprinzen Theodor Geiger, der sie dazu drängen wollte ihren Status als Kronprinzessin aufzugeben und dazu noch drohte ihre kleinen Bruder mit seinen unheimlichen Zeichnungen zu verstören, war bisher völlig aus dem Ruder gelaufen.

Er hatte gerade seinen Zug beendet und wenn Fiona nicht gleich eine gute Karte zog, würde Theodor im nächsten Zug nicht einmal angreifen brauchen, sondern konnte ihr ihre letzten Lebenspunkte einfach mit dem Effekt von seiner DäMona Lisa abknöpfen.

Fiona : 100 Lebenspunkte, 4 Handkarten, Solaritus Sonnenanbeterin verdeckt.

Theodor: 4000 Lebenspunkte, 2 Handkarten, Bildnis der Anmut - Perlohrmädchen verdeckt, Bildnis der Anmut – Lachender Mann verdeckt, Bildnis der Anmut - Roter Turban verdeckt, Infernale Galerie, Schattenvorhang, 1 verdeckte Karten.

Auch wenn Fionas letzte verheerende Niederlage gegen ein Mitglied der Krone erst wenige Monate her war, diesmal würde es anders ausgehen, es musste anders ausgehen.

Sie war gerade erst die Vierte Kronprinzessin geworden und sie würde diesen Titel um keinen Preis aufgeben.

Nicht nach all dem, was sie auf Alands Rat gegen Ende des letzten Jahres geopfert hatte...

Mit großer Mühe richtete sie sich wieder auf und sah ihrem Gegner direkt in die Augen.

„Du hast Kampfgeist, das gestehe ich dir zu“, erkannte Theodor in einem aufrichtigen Ton an, „Aber im Grunde solltest du inzwischen wissen, dass gewöhnliche Duellanten keine Chance gegen einen Kronprinzen haben. Es ist vorbei.“

Fiona schüttelte stumm den Kopf und zog.

„Wann unser Duell vorbei ist, entscheide immer noch ich.“

Sie zog und überlegte.

Sie hatte inzwischen eine Menge Solaritus-Monster in ihrem Friedhof: Drei Glückskäfer, zwei Magma-Maulwürfe, zwei Krokokusse und einen Glutstacheligel.

Das war zwar mehr als genug, um mit dem Effekt ihrer Solaritus Sonnenanbeterin jedes von Theos verdeckten Monstern angreifen zu können, allerdings war das wegen des Schattenvorhangs, der verdeckte Monster vor Zerstörung schützte, leider sinnlos.

Der Schattenvorhang musste also als Erstes verschwinden, glücklicherweise hatte sie genug Stufen auf ihrer Hand und auf dem Feld, um ihren Sonnenatlas zu beschwören.

„Ich decke als Erstes die Sonnenanbeterin, die du in deinem letzten Zug verdeckt hattest, wieder auf“, kündigte Fiona an.

Ihr Insekten-Ritualmonster mit den glühend heißen Fangarmen erschien erneut und wuchs direkt aufgrund der acht sich im Friedhof befindlichen Monster um 1600 Punkte an.

Solaritus Sonnenanbeterin: Stufe 7, 2200 Atk, 2900 Def.

Solaritus Sonnenanbeterin: 2200 Atk → 3800.

Theodor grinste gehässig und unterbrach Fionas Zug:

„Ich aktiviere die Fallenkarte Ausflippen: Wird ein Monster als Flippbeschwörung beschworen, darf ich mit Ausflippen eine beliebige Karte auf dem Feld zerstören. Du kannst dich also gleich wieder von deiner Sonnenanbeterin verabschieden.

Die Fallenkarte klappte vor Theo auf und Fionas mächtiger Mantide zerplatzte sofort, doch Theodor war noch nicht fertig:

„Wenn ein gegnerisches Monster zerstört wird, bekommt meine Infernale Galerie sofort ein neues Ausstellungsstück. Ich lege deine Sonnenanbeterin in meine Zauber- und Fallenkartenzone ab.“

Fiona guckte missmutig auf das neueste Porträt eines ihrer Lieblingsmonster in Theodors unheimlichen Spielfeldzauber.

Ängstlich blickte die im Bilderrahmen gefangene Solaritus Sonnenanbeterin hin und her.

„Ich habe mich schon gefragt, warum du meine Sonnenanbeterin mit dem Effekt von DäMona Lisa verdeckt hast, sagte sie.

„Das war doch wohl offensichtlich. Ich weiß sehr wohl, dass du noch deinen Sonnenatlas auf der Hand hast, mit der du meine Infernale Galerie und meinen Schattenvorhang zerstören kannst. Und da du für die Ritualbeschwörung die Stufen deines Monsters brauchtest und man allgemein nur offene Monster für eine Ritualbeschwörung verwenden darf, konnte ich erahnen, dass du dein Monster sofort wieder aufdecken wolltest.“

Fiona schluckte.

Ihr Gegner verfügte über eine erschreckend starke Fähigkeit die Züge vorherzusehen.

Sie überlegte.

Eine Ritualbeschwörung war zwar trotzdem möglich, aber wie sinnvoll war das?

Selbst wenn sie jetzt in die Offensive gehen würde, konnten Theos Flippeffekte mühelos sein Feld wieder aufbauen und zum Gegenschlag ausholen.

Wenn Fiona gewinnen wollte, dann musste sie ihn innerhalb eines Zuges überwältigen.

Aber mit ihren restlichen Handkarten hatte sie immerhin einen Plan B um Theos nächsten Zug eventuell zu überstehen.

„Ich spiele den Zauber Neuer Tagesanbruch: Mit dieser Karte darf ich ein Solaritus-Monster aus meinem Friedhof auf die Hand nehmen und ein weiteres Solaritus-Monster aus meinem Deck auf den Friedhof legen. Damit hole ich mir aus meinem Friedhof den Glutstacheligel zurück und lege eine Solaritus Hydrazinthe ab.“

Fiona legte wie beschrieben die Hydrazinthe ab, um ihren Igel auf die Hand zu nehmen.

„Meinen Glutstacheligel spiele ich sofort wieder aus, zeige dich im Verteidigungsmodus.“

Fionas Igel mit den glühenden Stacheln quiekte bei der Beschwörung niedlich auf.

Solaritus Glutstacheligel: Stufe 3, 1000Atk, 1400Def.

„Wenn der Glutstacheligel als Normalbeschwörung gerufen wird, darf ich sofort ein Solaritus-Monster aus meinem Friedhof beschwören. Ich entscheide mich für die eben abgelegte Hydrazinthe, ebenfalls im Verteidigungsmodus.

Ein fauchendes Pflanzenmonster, aus dessen blauen Blüten bezahnte Mäuler ragten, erschien.

Solaritus Hydrazinthe: Stufe 1, 600Atk, 300Def.

Zum Effekt meiner Hydrazinthe komme ich später, vorher führe ich noch eine Ritualbeschwörung durch, indem ich den Sonnenatlas der Stufe 8 auf meiner Hand als Tribut für meinen Sonnenskara der Stufe 7 anbiete.“

Der ascheweiße, gigantische Feuerfalter aus Fionas Hand erschien für einen Augenblick auf dem Feld und verwandelte sich dann in eine Säule aus Feuer.

Aus den tosenden Flammen kroch der Solaritus Sonnenskara, ein Heiliger Pillendreher, so groß wie ein ausgewachsenes Pferd, der statt einer Mistkugel eine grell leuchtende Sonne vor sich her schob.

Solaritus Sonnenskara: Stufe 7, 2000Atk, 3000Def.

„Zunächst darf ich dank des zweiten Effektes von Solaritus Siegel ein weiteres Solaritus-Monster aus meinem Deck auf den Friedhof legen. Ich lege eine zweite Hydrazinthe ab. Davon profitiert auch mein Sonnenskara, der wie meine anderen Ritualmonster auch pro Solaritus-Monster in meinem Friedhof 200 Angriffspunkte erhält.“

Fionas Sonnenskara wuchs und wuchs.

Solaritus Sonnenskara: Stufe 7, 2000Atk → 4000Atk.

„Mein Sonnenskara hat einen zweiten Effekt, der aktiviert werden darf, wenn ich drei Solaritus-Monster aus meinem Friedhof wieder meinem Deck zufüge. Tue ich das, darf ich genau so viele Solaritus-Monster aus meinem Friedhof spezialbeschwören, wie mein Gegner Monster kontrolliert. Dass du dich zu deiner Verteidigung auf deine große Masse an verdeckten Monstern verlässt, rächt sich jetzt. Ich gebe alle drei Glückskäfer aus meinem Friedhof in das Deck zurück und darf damit meine restlichen zwei Monsterzonen ebenfalls mit Solaritus-Monstern füllen. Solaritus Sonnenskara, demonstriere die Strahlende Wiedergeburt und lasse die zweite Hydrazinthe und einen Krokokus im Verteidigungsmodus auferstehen.“

Fionas Ritualmonster ließ die Sonnenkugel für einen Augenblick noch viel heller scheinen, als zuvor, sodass sowohl Fiona als auch Theo kurz die Augen schließen mussten.

Als sie sie wieder öffnen konnten, standen die von Fiona genannten Pflanzen-Monster da und der Sonnenskara verlor wegen der drei zurück ins Deck gemischten Glückskäfer einige Angriffspunkte.

Solaritus Hydrazinthe: Stufe 1, 600Atk, 300Def.

Solaritus Krokokus: Stufe 3, 1600Atk, 1300Def

Solaritus Sonnenskara: 4000Atk → 3000Atk.

„Ich setze meine letzte Handkarte verdeckt. Da ich nun keinen Ritualzauber auf meiner Hand halte, darf ich mir dank dem Krokokus einen aus meinem Deck nehmen und zudem ein Solaritus-Monster auf meinen Friedhof legen. Ich lege einen Glückskäfer ab und nehme ein Solaritus Siegel auf meine Hand.“

Während Fiona ihr Deck nach dem Glückskäfer und dem Ritualzauber durchsuchte, zeigte sich Theodor kaum beeindruckt.

Er grinste überheblich, wodurch die spitzen Eckzähne zum Vorschein kamen.

„Ich habe mitgezählt und das ist dein drittes und damit letztes Siegel. Dir gehen so langsam die Ritualzauber aus. Nicht, dass es dir ohne ein Ritualmonster auf deiner Hand überhaupt etwas nutzt. Du bist nicht schlecht, aber selbst ein Laie erkennt an deinem Duellstil noch deutliche Sliferspuren.“

So ungern es Fiona auch zugab, damit hatte ihr Gegner leider einen Punkt. Aber wenn alles wie erhofft lief, brauchte sie auch nicht mehr als eine weitere Ritualbeschwörung.

„An den fehlenden Monstern arbeite ich jetzt. Denn indem ich meinen Zug jetzt beende, aktiviere ich die Effekte der Solaritus-Hydrazinthen, die es mir am Ende des Zuges, in dem sie beschworen wurden erlauben, jeweils ein Solaritus-Monster meiner Hand und eines meinem Friedhof zuzufügen. Ich lege die anderen beiden Glückskäfer wieder auf den Friedhof und auf meine Hand kommen Solaritus Glutstacheligel und Solaritus Sonnenatlas.“

Fiona legte zwei Glückskäfer ab, wodurch wie zu Beginn des Zuges wieder alle drei im Friedhof waren und nahm die besagten Glutstacheligel und Sonnenatlas auf ihr Blatt.

Da sich nun wieder drei Glückskäfer auf Fionas Friedhof befanden, wuchs der Pillendreher wieder an.

Solaritus Sonnenskara: 3000Atk → 3600Atk.

Theo war wieder am Zug.

Er zog.

„Mit nur einhundert Lebenspunkten bringen dir auch deine fünf Monster im Verteidigungsmodus nichts. Ich decke mein erstes Bildnis der Anmut auf, Lachender Mann.“

Vor Fionas Gegner klappte das besagte Monster auf.

Bildnis der Anmut – Lachender Mann: Stufe 1, 0Atk, 0Def.

„Sein Flippeffekt verstärkt meine Hand um ein „Bildnis der An“-Monster aus meinem Friedhof oder meinem Deck. Da du eine Schwäche fürs Feuer hast, komme ich dir mit dieser Karte etwas entgegen: Aus meinem Deck füge ich meiner Hand Bildnis der Angst – Feuer weinender Junge zu.“

Theo präsentierte mit einem diabolischen Lächeln Fiona sein neuester Bildnis der Angst und platzierte es sofort auf seiner Dueldisk, um es zu beschwören

„Wie meine anderen Bildnisse der Angst, handelt es sich bei dem Feuer weinenden Jungen um ein Monster mit einer hohen Stufe, daher biete ich Bildnis der Anmut – Lachender Mann als Tribut an. Zeig dich, mein neuestes Meisterwerk.“

Das schwache Bildnis der Anmut wich nun dem Bildnis der Angst, ein großes Porträt eines blonden Jungen um die 10 bis 12 Jahre, dem Tränen über die Wangen kullerten,

Bildnis der Angst – Feuer weinender Junge: Stufe 5, 2400Atk, 0 Def.

„Bevor wir weitermachen, nutze ich aber den Effekt von Bildnis der Anmut – Lachender Mann, denn wenn meine offenen Bildnisse der Anmut als Tribut für Bildnisse der Angst angeboten werden, darf ich eine Karte ziehen.

Der Junge zog eine Karte.

Er beachtete die soeben gezogene Karte gar nicht, sondern redete gleich weiter.

„Weißt du Fiona, ich hätte unser Duell auch einfach beenden können, indem ich die DäMona Lisa beschwöre und sofort meinen Zug beende. Aber ich finde es viel poetischer, wenn dieses Monster dir den Rest gibt.“

Theo lachte abschätzig.

„Man erzählt sich eine Legende über die Portraits des weinenden Jungen. Die Menschen, die Kopien dieses verfluchten Bildes kaufen und sich in die Wohnung hängen, sterben in einem unerklärlichen Hausbrand. Fast alles wird zu Asche. Doch das Bild selbst, der weinende Junge, überlebt ohne den kleinsten Kratzer, nur um neue Kunstfreunde ins Verderben zu stürzen. Du, Lucy und Chris meint ja unseren König ach so gut einschätzen zu können. Dann erkennst du hinter der Geschichte meines Bildnisses der Angst und dem, was man Über König Aland so zu hören bekommt auch sicher gewisse Parallelen, nicht wahr?“

Fiona wusste genau, worauf Theo anspielte.

Es war gegen Ende des Jahres gewesen, als Aland sie auf sein Zimmer gebeten und ihr über seine Entscheidung sie zur vierten Kronprinzessin zu ernennen berichtet hatte.

Aland hatte Fiona von einem Ereignis von vor sieben Jahren erzählt, als er selbst noch ein kleiner Junge wie der Junge in Theos Portrait gewesen war. Er habe Stimmen gehört, die ihn dazu brachten sich selbst zu verletzen und dabei ein schreckliches Feuer auszulösen. Ein Feuer, welches sich auf andere Häuser übertrug und sehr viele Menschen umbrachte, während er überlebte.

Ironischerweise hatte sich diese Erzählung ebenfalls wie ein Feuer in Fionas Gedächtnis eingebrannt, wahrscheinlich weil es für sie so aus dem Nichts kam.

Sie hatte keinen besonders engen Bezug zu Aland gehabt und Fiona war sich auch sicher ihn nicht nach seiner Vergangenheit oder dem Grund für sein Äußeres gefragt zu haben, doch er teilte trotzdem grundlos dieses intime Ereignis mit ihr.

Wieso?

Im Nachhinein bemitleidete Fiona den Obeliskenkönig.

Ein Jugendlicher, der schwerbehindert und äußerlich entstellt war und, wenn man seiner Geschichte glauben mochte, auch schlimme seelische Probleme zu haben schien.

Er musste einsam sein.

Vielleicht war das der Grund für Alands Offenheit gewesen.

Hinter seiner Maske, umgeben von Menschen wie Theo, die sich auch noch hinter seinem Rücken über ihn lustig machten...

Aber das alles waren keine Gedanken, die Fiona ihrem ekelhaften Kontrahenten mitteilen wollte.

„Ich habe keine Ahnung was du meinst, ich finde es grausam, Gerüchte über andere zu verbreiten und höre bei sowas generell nicht hin!“, entgegnete Fiona Theos Frage trotzig.

„Hoho, dann bin ich in deinen Augen also grausam, ja? Nun, ich will nicht verneinen einen gewissen Hang zum Düsteren zu verspüren, aber ich halte unsere Hoheit für um einiges grausamer.“

Theo zeigte mit dem Finger auf Fiona und grinste.

„Ein naives Ex-Slifermädchen einfach zur Kronprinzessin machen, ihr einen Titel aufzwingen, dem sie offensichtlich nicht gewachsen ist, DAS ist wahrlich grausam. Einen Menschen aufbauen, der zwangsläufig wieder fallen und am Sturz zerbrechen muss. Doch keine Sorge, Fiona, ich werde dich von der Bürde der Krone sofort befreien, indem ich den Effekt von Feuer weinender Junge aktiviere: Wird diese Karte als Tributbeschwörung aufgerufen, darf ich eine beliebige gegnerische Karte zerstören und, falls diese Karte ein Monster ist, Schaden in Höhe der halben Angriffskraft dieses Monsters anrichten. Damit verlierst du 1700 Punkte, mehr als die 100, die du noch übrig hast.“

Er gab eine kommandierende Handbewegung.

„Bildnis der Angst – Feuer weinender Junge, zerstöre den Solaritus Sonnenskara mit flammender Trauer und nimm Fiona die letzten Lebenspunkte.“

Fiona erschrak, als Theodors Monster sich plötzlich bewegte und herzergreifend zu schluchzen begann.

Ein feuerroter Schimmer lag in den immer neuen Tränen des Kindes.

Die heißen Tränen rasten dann ruckartig aus dem Porträt auf Fionas Sonnenskara zu.

„Ich aktiviere meine Falle!“, rief Fiona, kurz bevor ihr Monster vom Aufprall der Tränengeschosse zerschmettert wurde.

Eine dichte Dampfwolke entstand aus dem Wasser-Feuergemisch der aufgeprallten Tränen, der Theos Sicht auf Fiona behinderte, doch er konnte seine Gegnerin noch immer hören.

Er hörte sie leidvoll aufkeuchen.

Der zerstörerische Effekt und der Schaden, den Theos Monster verursachte, warf ihren Körper gegen die Wand.

Theo lächelte zufrieden.

„Damit ist es offiziell, Fiona. Das Duell und deine kurze Amtszeit als Kronprinzessin sind vorbei.“

Doch als der Dampf sich lichtete, stand Fiona noch immer, wenn auch gekrümmt und schwer atmend.

Fionas Lebenspunkte: 2600 → 900.

Auch Fiona musste nun lächeln, als sie aus Theos Gesicht pure Verwunderung ablesen konnte.

„Magst du mir erklären, wieso du noch Lebenspunkte übrig hast?“, fragte der dritte Kronprinz ernst.

„Ganz einfach, das habe ich meiner Fallenkarte Strahlen des Lebens zu verdanken. Denn Strahlen des Lebens gibt mir 500 Lebenspunkte für jedes Solaritus-Monster auf meinem Feld zurück. Und da ich die Karte an den Zerstörungseffekt des Feuer weinenden Jungen angekettet habe und Ketten rückwärts abgewickelt werden, zählt meine Fallenkarte den eben zerstörten Sonnenskara noch mit. Das macht 2500 Lebenspunkte. Aber das ist noch nicht alles.“

Fiona nahm einen der zwei Magma-Maulwürfe aus ihrem Friedhof und zeigte ihn Theo vor.

„Der zweite Effekt von Strahlen des Lebens gestattet es mir ein Solaritus-Monster in meinem Friedhof auf meine Hand zu nehmen, ich entscheide mich für Solaritus Magma-Maulwurf.

Deshalb habe ich übrigens auch nur 1700 statt 1800 Lebenspunkte verloren, denn ein Solaritus-Monster weniger im Friedhof bedeutet auch, dass die Kraft des Sonnenskaras um 200 Punkte reduziert worden ist.“

„Hm, nicht schlecht, du hast den Effekt meines Monsters gerade so überstanden. Aber bilde dir nicht ein, dass dir das eine realistische Chance auf einen Sieg gibt. Zunächst aktiviert sich wieder der Effekt der Infernalen Galerie, welcher deine zerstörten Monster in meiner Zauber- und Fallenkarte platziert.“

Neben dem Bild der leidenden Sonnenanbeterin erschien ein neues Porträt eines verängstigten Sonnenskaras.

„Ich nutze gleich den zweiten Effekt meines Spielfeldzaubers. Ich opfere beliebig viele meiner Zauber- und Fallenkarten und darf so die gleiche Menge an Monstern aus meinem Friedhof verdeckt setzen. Damit trenne ich mich von deinen beiden Ritualmonstern und setze ein zweites Perlenohrmädchen und den Lachenden Mann, den ich eben für die Tributbeschwörung genutzt habe.“

Die Bilder von Solaritus-Sonneskara und Solaritus Sonnenanbeterin fingen Feuer und verbrannten, während sie vergeblich versuchten, aus dem Bilderrahmen zu entkommen.

Danach erschienen neben den beiden anderen vom Schattenvorhang geschützten, verdeckten Monstern und dem Feuer weinenden Jungen weitere zwei verdeckte Karten.

„Als Nächstes spiele ich die Zauberkarte Schattenheilung: Du bist nicht die Einzige, die dank ihrer Monster Lebenspunkte dazugewinnen kann. Schattenkraft belohnt mich mit ganzen 1000 Punkten für jede meiner verdeckten Monsterkarten und ist damit doppelt so effektiv wie deine Strahlen des Lebens.“

Theodor rückte sich zufrieden die schwarze Kappe zurecht, nachdem er die Schattenheilung aktiviert hatte und sich seine Lebenspunkte auf einen Schlag verdoppelten.

Theodors Lebenspunkte: 4000 → 8000.

„Jetzt beschwöre ich meine Beiden im letzten Zug gesetzten Bildnisse der Anmut, Perlenohrmädchen und Roter Turban als Flippbeschwörung.“

Die beiden genannten Porträts traten aus dem Schattenvorhang hervor und deckten sich auf.

Bildnis der Anmut - Perlenohrmädchen: Stufe 1, 0Atk, 0Def.

Bildnis der Anmut – Roter Turban: Stufe 1, 0Atk, 0Def.

„Normalerweise würden sich nun ihre Flippeffekte aktivieren, wodurch ich durch Perlenohrmädchen ein Bildnis der Anmut aus meinem Deck und dank Roter Turban ein Bildnis den Anmut oder oder der Angst aus meiner Hand setzten dürfte. Da meine Monsterzone aber inzwischen prall gefüllt ist, verzichte ich auf diese Effekte und aktiviere stattdessen, diesen Zauber: Geisterstunde.“

Theo platzierte den Zauber auf seiner Disk.

Hinter ihm erschien ein Hologramm einer altertümlichen Wanduhr, dessen Stunden- und Minutenzeiger in erstaunlichem Tempo über das römisch nummerierte Ziffernblatt rasten.

Als die Uhr Punkt Mitternacht zeigte, war ein düsterer Gong zu hören.

„Geisterstunde erlaubt es mir in diesem Zug beliebig viele Spirit-Monster als Normalbeschwörung aufzurufen. Wie passend, dass meine Meisterwerke, die Bildnisse der Angst, alle Spirit-Monster sind. Daher biete ich meine beiden nun offenen Bildnisse der Anmut als Tribut für zwei alte Bekannte, die DäMona Lisa und den Sündiger Gray.“

Die zuvor flippbeschworenen Perlenohrmädchen und Roter Turban verschwanden, an deren Stelle traten stattdessen die sehr viel größeren Porträts der Mona Lisa und des arrogant auf den Betrachter herabblickenden, schwarzhaarigen Jünglings, wodurch Theo nun drei Bildnisse der Angst kontrollierte.

Bildnis der Angst – DäMona Lisa, Stufe 5, 2300Atk, 0Def.

Bildnis der Angst – Sündiger Gray, Stufe 6, 2500Atk, 0Def.

„Ich wechsele in die Battle Phase und greife zunächst mit der DäMona Lisa deinen Krokokus mit Verfluchtem Lächeln an.“

Sofort öffnete die Mona Lisa in einem bizarr weiten Grinsen die viel zu langen spitzen Zähne, dann raste der Kopf der DäMona, mit einem endlos anwachsenden Hals weiter mit dem Porträt verbunden, auf Fionas mit Krokodilsschnauzen versehenes Pflanzenmonster zu und biss es mühelos entzwei.

Der Solaritus Krokokus zerplatzte.

„Ich aktiviere den Effekt meiner Infernalen Galerie und setze den Krokokus in meine Zauber- und Fallenkartenzone.

Ein neues Porträt eines im Bilderrahmen gefangenen Krokokus erschien an den dunklen Steinwänden des Spielfeldzaubers.

„Jetzt kümmert sich Sündiger Gray um den Glutstacheligel, Angriff mit Spiegel der verrotteten Seele.“

Das Bildnis des Sündiger Gray verschwand und wurde stattdessen durch das Spiegelbild eines rapide alternden Glutstacheligels ersetzt.

Die Haut des Tieres erschlaffte und nach und nach verloren die heißen Stacheln ihr Glühen und fielen aus.

Schließlich zerplatzte Fionas Igelmonster.

„Auch dein Igel wird in meiner Infernalen Galerie verewigt. Zudem nutze ich den Effekt von Bildnis der Angst – Sündiger Gray. Da dieser Kampfschaden zugefügt oder ein Monster zerstört hat, darf ich meiner Hand einen beliebigen „Schatten“-Zauber zufügen. Ich entscheide mich für die Schattenreanimation.“

Während Theo seinen Schnellzauber aus dem Friedhof nahm und Fiona vorzeigte, erschien neben dem im Bild gefangenen Krokokus ein Bild eines panisch scharrenden Glutstacheligels.

„Ich habe einen Angriff übrig. Nun kümmert sich mein Feuer weinender Junge um eine deiner Hydrazinthen. Attacke auf die linke mit Flammender Trauer.“

Der Junge im Bild begann zu Schluchzen und zu Weinen.

Heiße, rot glühende Tränen kullerten sein Gesicht herunter und schossen schließlich auf die besagte Hydrazinthe.

Fiona stöhnte nach dem Rückstoß der dritten Attacke und ging leicht in die Kniee.

„Wer wird denn da schlappmachen?“, höhnte Theo und setze sogleich seinen Zug fort, „Ich verzichte diesmal auf den Effekt der Infernalen Galerie, stattdessen nutze ich meine verbleibenden zwei Plätze in der Zauber- und Fallenkartenzone, um zwei Karten verdeckt zu setzen. Und meinen Zug zu beenden.“

Zwei verdeckte Zauber oder Fallen erschienen vor Theo und seine drei Bildnisse der Angst verblassten langsam.

„Wie du weißt, ist mit meinem Wechsel in die End-Phase der Spaß noch nicht vorbei, denn meine Spirit-Monster kehren auf die Hand zurück. Hierdurch wird der Effekt der DäMona Lisa aktiviert: Sie setzt ein Monster auf dem Feld verdeckt und hinterlässt ein Abschiedsgeschenk im Wert von 800 Schadenspunkten. Ich verdecke dein letztes Monster.“

Das Hologramm der Solaritus Hydrazinthe auf Fionas Seite verschwand und dort, wo zuvor das Mona-Lisa-Bild war, hatte sich eine Kugel aus düsterer Energie gebildet.

Das dunkle Projektil schoss auf Fiona zu und explodierte.

„Iaargh!!“

Fionas Lebenspunkte: 900 → 100.

„Die vierte Kronprinzessin wankte und hielt sich nur mit großer Anstrengung gerade so eben auf den Beinen, während ihr Gegner, dem sie bisher keinen einzigen Lebenspunkt abnehmen konnte, kaum selbstbewusster wirken könnte.

„Es war eine starke Vorstellung Fiona, du hast dich länger gehalten als ich es vermutet hätte, da bin ich ehrlich. Aber letztlich gibst du ein immer jämmerlicheres Bild ab. Magst du nicht aufgeben, oder muss ich dir tatsächlich deine letzten paar Lebenspunkte nehmen, bevor du begreifst, dass du mit deiner mangelhaften Praxiserfahrung nicht in der gleichen Liga wie Lucy, Chris oder ich spielst?“

Etwas für Fiona unerwartetes lag in Theos Stimme.

Es war anders, als das abschätzige Gerede zu Beginn des Duells.

Ein schwacher Unterton der Anerkennung.

Er hielt sie für stark.

Doch damit würde sich Fiona nicht zufriedengeben.

„Hehe. Weißt du was?“, entgegnete Fiona, gekrümmt vor Erschöpfung und unfähig ihrem Gegner in die Augen zu sehen, „Vielleicht hättest du mich so weit, dass ich tatsächlich aufgegeben hätte. Wenn es nur um mich und meinen Stolz ginge, dann würde ich nicht weiterkämpfen. So eitel...Puh...bin ich nicht.“

Fiona machte einige Schritte zurück, sodass sie sich mit dem Rücken an der Wand abstützen und leichter gerade stehen konnte.

Sie stand Theo nun so aufrecht wie es ihr noch möglich war gegenüber und sah ihm ernst auf die Brillengläser, die im Dunkel des Spielfeldzaubers lediglich das Feuer der an der Mauer platzierten Fackeln reflektierte und keinen Blick in seine Augen erlaubten:

„Du vor unserem König meine Freunde und mich vorgeführt, du hast ein unschuldiges Mädchen eingesperrt und gequält und meine kleinen Brüder bedroht! Von so einem furchtbaren Menschen...“, sie legte die Hand aufs Deck und zog ihre Karte, „lasse ich mich nicht besiegen!“

Fiona betrachtete die fünf Karten auf ihrer Hand, dann blickte sie auf die gegnerische Spielfeldseite und überlegte.

Eines stand fest, sie würde das Duell jetzt und in diesem Zug gewinnen müssen.

Theos Deck vereinte eine herausragende Defensive mit der Fähigkeit mühelos Kartenvorteil im Endspiel generieren zu können, das bewies Theos alleine schon dadurch, dass er trotz des Spielfeldzaubers, der zwei verdeckten Karten und der gesetzten Monster noch auf ganze fünf Handkarten inklusive dreier extrem gefährlicher Monster zurückgreifen konnte.

Währenddessen gingen sowohl Fiona als auch ihrem Deck so langsam die letzten Energiereserven aus.

Sie hatte einen Plan und je nachdem, um was für Karten es sich bei den beiden zuletzt gesetzen Zaubern oder Fallen von Theo handeln würde, könnte dieser funktionieren.

„Ich beginne, indem ich zwei Karten verdeckt setze.“

Vor Fiona erschienen zwei Zauber- oder Fallen und Theo beobachtete gebannt.

Eine der Karten war offensichtlich das Siegel, welche sie zuletzt ihrer Hand zugefügt hatte, aber was war die andere Karte?

„Als Nächstes beschwöre ich die von dir verdeckte Hydrazinthe als Flippbeschwörung.“

Vor Fiona erschien erneut das fauchende Pflanzenmonster mit den vielen, bezahnten blauen Blüten.

Solaritus Hydrazinthe: Stufe 1, 600Atk, 300Def.

„Meine Hydrazinthe bleibt nicht alleine, jetzt beschwöre ich Glutstacheligel im Verteidigungsmodus.“

Das brandheiße, kleine Ungeheuer-Monster quiekte erfreut auf.

Solaritus Glutstacheligel: Stufe 3, 1000Atk, 1400Def.

„Mit der Normalbeschwörung des Igels aktiviert sich sein Effekt und ich darf sofort ein Solaritus-Monster aus meinem Friedhof als Spezialbeschwörung aufrufen. Ich wähle den Solaritus Sonnenskara, im Angriffsmodus.“

Theo schaute nicht schlecht, als Fiona ihr mächtiges Ritualmonster ohne einen Ritualzauber zurück auf ihr Feld holte, welches dank der anderen acht Solaritus-Monster im Friedhof sofort einen deutlichen Kraftschub bekam.

Solaritus Sonnenskara: Stufe 7, 2000Atk, 3000Def.

Solaritus Sonnenskara: 2000Atk → 3600Atk.

„Überrascht? Wenn ja, solltest du vielleicht überdenken, dass Theorie neben der Praxis für einen guten Duellanten mindestens genauso wichtig ist. Denn, dass man ein bereits einmal korrekt beschworenes Ritualmonster wie jedes andere Monster auch aus dem Friedhof spezialbeschwören kann, wusste ich schon in meinem ersten Halbjahr.“

„Ein netter Trick, Fiona, aber retten kann dich der auch nicht mehr“, entgegnete ein wenig beeindruckter Theodor.

Fiona setzte ihren Zug fort:

„Ich kann diesen „netten Trick“ jetzt auch gerne wiederholen, denn indem ich wieder drei Solaritus-Monster aus meinem Friedhof in das Deck mische, ich wähle die drei Glückskäfer, darf ich mit der Power von Sonnenskara genauso viele Solaritus-Monster aus meinem Friedhof aufrufen, wie du Monster kontrollierst. Dank der beiden verdeckten Bildnisse der Anmut beschwöre ich nun die Solaritus Sonnenanbeterin und den Solaritus Krokokus. Solaritus Sonnenskara, benutze die Strahlende Wiedergeburt.“

Auf Fionas Befehl hin leuchtete die Sonne, die der Sonnenskara vor sich her schob grell auf, woraufhin der riesige Mantide mit den glühenden Fangarmen und die Pflanze mit den langen Krokodilsschnauzen statt Blättern und gelben Blüten zurückkehrten.

Solaritus Krokokus: Stufe 3, 1600Atk, 1300Def.

Solaritus Sonnenanbeterin: Stufe 7, 2200Atk, 2900Def.

Solaritus Sonnenskara: 3600Atk → 2600Atk.

Solaritus Sonnenanbeterin: 2200Atk → 2800Atk.

„Da du den Effekt von Sonnenskara nun bereits genutzt hast, nutze ich sofort meinen Schnellzauber, die Schattenreanimation“, unterbrach Theo und deckte eine der beiden verdeckten Karten vor sich auf.

„Mit diesem Schnellzauber können beide Spieler bis zu zwei Monster aus ihrem Friedhof verdeckt setzen, müssen dafür aber Lebenspunkte in Höhe der kombinierten Verteidigungspunkte der so gesetzten Monster bezahlen. Aber da dein Feld voll und dein Lebenspunktekonto leer ist, kann nur ich diese Karte nutzen. Ich setze Perlenohrmädchen Nummer Zwei und Roter Turban aus meinem Friedhof und habe damit ganze vier Monster in meiner Verteidigung. Natürlich zahle ich keine Lebenspunkte, da meine Bildnisse der Anmut selbst keinerlei Punkte besitzen.“

Die neuen verdeckten Karten erschienen und verschwammen sofort hinter dem dunklen Schattenvorhang.

Ärgerlich, aber nicht unerwartet.

Das waren Fionas Gedanken in diesem Moment, sie hatte gesehen, wie sich Theo im letzten Zug die Schattenreanimation auf die Hand geholt hatte.

Die Frage war nur, was die andere verdeckte Karte konnte.

„Ich benutze jetzt den Effekt von Solaritus Krokokus: Ich zeige meine Hand vor und darf dann, sofern sich in ihr kein Ritualzauber befindet, einen Solaritus-Ritualzauber aus meinem Deck suchen. Außerdem lege ich ein Solaritus-Monster aus meinem Deck auf den Friedhof ab.“

Fiona zeigte ihrem Gegner ihre beiden verbleibenden Handkarten, den Magma-Maulwurf und den Solaritus Sonnenatlas vor und suchte sich dann zwei Karten aus ihrem Deck.

„Auf meine Hand kommt das Solaritus Wappen und auf den Friedhof die dritte Solaritus Hydrazinthe.“

Solaritus Sonnenskara: 2600 → 2800Atk.

Solaritus Sonnenanbeterin: 2800Atk → 3000Atk.

„Da ich jetzt den Effekt von Krokokus benutzt habe, kann ich meinen anderen Ritualzauber verwenden, das Solaritus Siegel, welches ich zu Beginn meines Zuges verdeckt gesetzt habe.“

Fionas verdeckter Zauber deckte sich auf und Theodor schritt sofort ein:

„Dein Siegel kannst du gleich wieder vergessen. Ich kette meine Konterfalle an.“

Vor dem nun finster grinsenden Theodor klappte seine letzte verdeckte Karte auf.

„Ich aktiviere die Falle Undercover-Mission. Diese Konterfalle annulliert und zerstört jede beliebige Zauber- oder Fallenkarte, wenn ich im Gegenzug eines meiner verdeckten Monster als Tribut anbiete. Ich verabschiede mich von einem Bildnis der Anmut – Perlenohrmädchen und mache damit dein Siegel unschädlich.“

Kaum hatte Theo seine Falle aktiviert, schon zerplatzte Fionas Ritualzauber und löste eine leichte Schockwelle aus, vor der sich Fiona mit beiden Armen vorm Gesicht schützte.

„Das war dein drittes und letztes Siegel, Fiona. Du könntest natürlich auch dein Wappen zur Beschwörung nutzen, aber nachdem Sowohl Sonnenatlas als auch Sonnenanbeterin ihre Effekte genutzt haben, wirst du nur noch ein einziges Solaritus-Monster in deinem Friedhof haben. Ich kenne die genaue Fähigkeit der Sonnenanbeterin nicht, aber das ist auch nicht entscheidend.“, Theodor grinste und brachte damit die spitzen, an Vampire erinnernden Eckzähne zum Vorschein, „Denn mit nur einem Monster im Friedhof wären deine Monster zu schwach, um mir meine 8000 Lebenspunkte zu nehmen, selbst wenn du es irgendwie schaffen solltest, meine Mauer aus Bildnissen der Anmut und den Schattenvorhang zu überwinden.“

Doch Fiona ließ sich nicht einschüchtern.

Sie hatte jetzt gewonnen, auch wenn es ihr Gegner noch nicht erahnte.

„Tja, dann habe ich ja ein Glück, dass ich weder mein Siegel, noch mein Wappen für die Ritualbeschwörung benötige. Ich decke den Ritualzauber Wiederholungsritus auf.“

Fionas nutzte ihre zweite gesetzte Karte und erklärte:

„Dieser besondere Ritualzauber kopiert jeden beliebigen Ritualzauber, der sich in meinem Friedhof befindet. Zudem darf ich den kopierten Ritualzauber wieder meinem Deck zufügen. Als kleinen Nachteil muss ich ein mit Wiederholungsritus beschworenes Monster am Ende des Zuges zerstören, aber ich habe sowieso nicht vor, meinen Zug ohne deine Niederlage zuende zu bringen. Ich brauche also nicht mehr als drei Siegel, wenn ich auch quasi ein viertes und fünftes habe.“

Der Ritualzauber vor Fiona verwandelte sich zu ihrem Solaritus Siegel.

Wiederholungsritus kopiert Solaritus Siegel aus meinem Friedhof und fügt ihn wieder meinem Deck zu. Und mit meinem Solaritus Siegel biete ich den Magma-Maulwurf auf meiner Hand und den Glutstacheligel und Krokokus auf dem Feld als Tribut für die Beschwörung des Solaritus Sonnenatlas an.“

Die genannten drei Monster verwandelten sich in Feuerbälle, die immer schneller umeinander kreisten und ineinander stießen.

Aus der Kollision entstand eine rauschende Feuersäule, aus der sich langsam der Sonnenatlas erhob.

Die breiten, feuerroten und mit goldenem Sonnensymbol verzierten Flügel des sonst weißen Falters warfen bei jeder Bewegung Funken.

Solaritus Sonnenatlas: Stufe 8, 2500Atk, 3000Def.

„Der Effekt von Solaritus Siegel, den mein Wiederholungsritus kopiert, aktiviert sich: Für jedes zur Ritualbeschwörung als Tribut angebotene Monster, darf ein Solaritus-Monster aus meinem Deck auf den Friedhof. Ich lege damit ein letztes Mal die drei Glückskäfer aus meinem Deck ab und verstärke so meine drei mächtigen Insekten noch weiter.“

Fiona legte die besagten Monster ab und Sonnenskara, Sonnenanbeterin und Sonnenatlas wuchsen und wuchsen.

Solaritus Sonnenskara: 2800Atk → 4000Atk.

Solaritus Sonnenanbeterin: 3000Atk → 4200Atk.

Solaritus Sonnenatlas: 2500Atk → 4500Atk.

„Drei Monster...Mit jeweils 4000 und mehr Angriffspunkten...“, stammelte Theo ungläubig.

Was für ein Anblick!

Am liebsten würde er sich sofort an seine Leinwand setzen um diese majestätische Aufstellung von Ritualmonstern einzufangen.

„Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht für dich“, sagte Fiona, „Die gute ist, dass ihre Angriffskraft wegen ihrer Effektkosten sinken wird, die Schlechte ist, dass du trotzdem verloren hast. Doch bevor ich zu den Effekten meiner Ritualmonster komme, nutze ich den Effekt des Magma-Maulwurfs in meinem Friedhof: Wird dieses Monster für eine Ritualbeschwörung angeboten, darf ich meiner Hand ein Solaritus-Ritualmonster zufügen. Ich habe bereits einen Sonnenatlas im Friedhof und einen auf dem Feld. Der dritte kommt auf meine Hand.“

Fiona zeigte Theo die gesuchte Karte vor.

„Jetzt wird es Zeit für den bereits beschworenen Solaritus Sonnenatlas seinen Effekt zu benutzen. Ich gebe drei Solaritus-Monster aus meinem Friedhof, die zwei Hydrazinthen und einen Magma-Maulwurf, ins Deck zurück und zerstöre alle deine offenen Karten.“

Fionas Falter schwang seine mächtigen Flügel und beschwor einen sengend heißen Wind herauf.

Zunächst fing der Schattenvorhang, hinter dem sich Theos drei verdeckte Bildnisse der Anmut versteckten Feuer, dann begann langsam die Steinwand der Infernalen Galerie zu schmelzen.

„Du Banausin wagst es dich an meiner wunderbaren Galerie zu vergreifen?“, zischte Theo wütend.

„Nicht nur deine Galerie wird zerstört, sondern auch die beiden Bilder in ihr. Oder genauer mein Solaritus Krokokus und Glutstacheligel, die du in deinem letzten Zug in deine Zauber- und Fallenkartenzone gelegt hast. Da nun, nachdem ich drei Solaritus-Monster aus dem Friedhof ins Deck getan habe, wieder zwei Solaritus-Monster auf meinen Friedhof wandern, verlieren meine Ritualmonster kaum Punkte“, erklärte Fiona.

Solaritus Sonnenskara: 4000Atk → 3800Atk.

Solaritus Sonnenanbeterin: 4200Atk → 4000Atk.

Solaritus Sonnenatlas: 4500Atk → 4300Atk.

Das Hologramm des Spielfeldzaubers explodierte und beide Duellanten fanden sich im abgedunkelten Arbeitsraum des Kunst-AG-Leiters wieder.

Plötzlich hörte Fiona ein bekannte Stimme sprechen.

„Na bitte, ohne diese dämliche Mauer kann man unserem Möchtegernpicasso endlich beim Verlieren zusehen!“

Sie drehte sich um.

Hinter Fiona, an der Tür zum Zimmer 702 standen eine hämisch grinsende Lucia-Ann und Chris.

„Was macht ihr denn hier? Ich kann mich nicht daran erinnern, euch Kretins ebenfalls eingeladen zu haben!“, beschwerte sich Theodor.

Chris schüttelte den Kopf.

„Das brauchtest du auch nicht. Wir hatten schon so eine Vermutung, dass du nach deiner Begnadigung an den Tatort zurückkehren würdest.“

Lucia-Ann sprach weiter: „Und da ich mich nicht erinnern kann, wann Fiona zuletzt unsere gemeinsame Lerngruppe geschwänzt hatte, wurde aus der Vermutung ein handfester Verdacht.“

Fiona errötete.

War sie wirklich so berechenbar?

„Seit wann schaut ihr uns zu?“, fragte Fiona und Chris antwortete ihr:

„Naja, Viel zu sehen gab es für uns wegen des Spielfeldzaubers nicht. Aber wir haben gehört, wie du uns zu Beginn deines Zuges als deine Freunde bezeichnet hast.“

„Ähm...“, wieder wurde sie von den beiden Zuschauer*innen in Verlegenheit gebracht und fasste sich mit einer Hand in den Nacken, „Also ich finde, wenn wir schon als Krone so oft treffen, dann sind wir doch irgendwie Freunde, oder?“

Chris schenkte Fiona ein warmes Lächeln und nickte und schließlich überwand sich auch die sonst eher mürrische Lucia-Ann und lächelte.

Fiona spürte, wie der Rückhalt ihrer beiden Freund*innen ihr neue Kraft für den letzten Spielzug gab.

„Ach nein, wie süß“, kommentierte Theo sarkastisch, „Ihr zwei konntet es nicht wissen, aber Fiona und ich haben unser Duell an einen Wetteinsatz gekoppelt. Sobald ich mit eurer „Freundin“ fertig bin, gibt sie ihren unverdienten Titel wieder ab und das mit der Krone hat sich für sie dann auch erledigt.“

„Für dich gibt es keinen Spielzug mehr Theo, denn jetzt nutze ich den Effekt von Solaritus Sonnenanbeterin und gebe drei Glückskäfer aus meinem Friedhof in mein Deck zurück.“

Fiona legte die drei Käfer zurück und ihre Ritualmonster büßten an Punkten ein.

Solaritus Sonnenskara: 3800Atk → 3200Atk.

Solaritus Sonnenanbeterin: 4000Atk → 3400Atk.

Solaritus Sonnenatlas: 4300Atk → 3700Atk.

„Solaritus Sonnenanbeterin, attackiere das verdeckte Perlenohrmädchen mit der Schmelzklinge“, befahl Fiona und zeigte auf Theos mittlere verdeckte Karte.

Die Sonnenanbeterin gehorchte und zerschmetterte mit einem Hieb ihres Fangarms das gesetzte Gemälde.

Die wuchtige Attacke löste eine Schockwelle aus und Theo duckte sich hinter seinen linken Arm.

„Damit hast du den Flippeffekt von Perlenohrmädchen aktiviert: Ich setze ein weiteres Bildnis der Anmut aus meinem Deck und entscheide mich für ein anderes Perlenohrmädchen. Dein Angriff ging ins Leere.“

„Nochmal Schmelzklinge auf das neue Perlenohrmädchen.“

„Was?“

Theo ächzte, als der riesige Mantide unerwartet den zweiten Angriff startete.

Fiona erklärte: „Das ist der besondere Effekt, für den ich eben die drei Glückskäfer in mein Deck getan habe, in diesem Zug darf die Sonnenanbeterin alle Monster, die mein Gegner kontrolliert angreifen, einschließlich derer, die du in dieser Battle Phase aufrufst. Damit kontere ich deine Defensive perfekt aus.“

„Oder mit anderen Worten, du hast schieres Glück, dass dein Monster so gut gegen meine Strategie funktioniert.“

Er begriff, was nun passierte.

Egal, wie oft er den Effekt von Perlenohrmädchen oder von Roter Turban nutzte, um sein Feld neu zu befüllen, die Solaritus Sonnenanbeterin würde mit jeder Karte einen neuen Angriff gewinnen.

Er konnte nicht mehr verhindern, dass er Fionas restlichen drei Monstern schutzlos ausgeliefert war.

Fiona ließ sich nicht von ihrem zunehmend verbitterten Gegner provozieren.

„Das hat nichts mit Glück zu tun, sondern mit deiner Nachlässigkeit, die ich zu meinem Vorteil genutzt habe“, sagte Fiona und wurde dann noch deutlicher, „Du hast einen entscheidenden Fehler gemacht, Theo! Du warst so versessen darauf, mich mitansehen zu lassen, wie du für deinen Spielfeldzauber die Bilder meiner Monster verbrennst und du warst so gierig darauf viele Lebenspunkte mit Schattenheilung zu gewinnen, dass du nicht daran gedacht hast, dass die Monster, die sich in deiner Zauber- und Fallenkartenzone befinden, nicht von mir mit Glutstacheligel wiederbelebt werden können.“

„Ich mache keine Fehler!“, antwortete Theo lautstark, dem diese Anschuldigung offensichtlich sehr verärgerte, „Wenn ich deine Monster in meiner Zauber- und Fallenkartenzone gelassen hätte, wären sie doch spätestens mit dem Effekt von Sonnenatlas...Moment...“

Er begriff langsam

Fiona grinste triumphierend.

„Ich hätte meinen Sonnenatlas gar nicht beschwören können, für die Ritualbeschwörung hätten mir schlicht die Stufen gefehlt. Es hätte zwar die Möglichkeit gegeben, mit dem Glutstacheligel den Krokokus statt den Sonnenskara aufzurufen um damit dann Sonnenatlas zu beschwören, aber dann wäre ich nicht mehr an Sonnenskara und meine Sonnenbeterin herangekommen, nachdem ich sie mittels Sonnenatlas zerstört hätte. Deine Niederlage hast du ergo allein deiner Überheblichkeit zu verdanken! Und jetzt, Sonnenanbeterin, kümmere dich um die anderen Monster von Theo.“

Die Sonnenanbeterin führte zwei aufeinander folgende Schmelzklingen gegen den verdeckten Lachenden Mann und Roten Turban aus und Theo verzichtete auf die Aktivierung der Effekte.

Sein Feld war nun leer.

„Na los, Fiona, zeig dem Schmierfink mal, was wir von seinem lächerlichem Gekrakel halten!“, forderte Lucia-Ann.

Fiona drehte sich zu ihr um, nickte und grinste, um ihr zu zeigen, dass sie sie kein zweites Mal darum bitten musste.

„Meine Hydrazinthe kommt zuerst. Direkter Angriff auf Theodors Lebenspunkte.“

Das schwache Pflanzenmonster versank im Boden, tauchte vor Theodor auf und biss mit den vielen Mäulern in sein Bein.

„Aua! Verdammtes Drecksvieh“, fluchte Theo und trat das Hologramm zurück auf Fionas Feldseite.

Theodors Lebenspunkte: 8000 → 7400.

„Da nun sowohl Hydrazinthe als auch Sonnenanbeterin keinen Angriff mehr übrig haben, kann ich meine letzten beiden Handkarten nutzen, um den Kampfschaden, den ich dir zufüge entscheidend zu erhöhen. Ich spiele das Solaritus Wappen mit seinem besonderen Effekt als Spielfeldzauber und nutze die Stufe-7-Sonnenanbeterin und die Stufe-1-Hydrazinthe als Tribut für den zweiten Sonnenatlas.“

Beide Monster wurden zu Feuerbällen, welche immer schneller werdend umeinander kreisten und schließlich kollidierten.

Eine Feuersäule bildete sich, aus der eine zweite imposante Atlasmotte flog.

Sonnenanbeterin Sonnenatlas: Stufe 8, 2500Atk, 3000Def.

Solaritus Sonnenskara: 3200Atk → 3600Atk.

Solaritus Sonnenatlas: 3700 Atk → 4100Atk.

Solaritus Sonnenatlas: 2500 Atk → 4100Atk.

„Ich beende das Duell mit meinen zwei Sonnenatlanten: Greift an mit doppeltem Alles Verbrennendem Solarsturm. Und Angriff!“

unzählige kleine rötliche Punkte bildeten sich auf den feurigen Flügeln der beiden Sonnenatlanten.

Plötzlich prasselten alle Punkte von den Flügeln als heiße Geschosse auf Theodor ein.

Das Bombardement löste eine dichte Rauchwolke aus, die lediglich von Theodors Schmerzensschrei durchdrungen wurde.

„AAAAAaaargh!“

Theodors Lebenspunkte: 7400 → 3300.

Theodors Lebenspunkte: 3300 → 0.

Fiona atmete entspannt aus.

Sie hatte bis eben nicht bemerkt, wie angespannt sie während des gesamten Duells gewesen war und wie schnell ihr Herz geschlagen hatte.

Die von den Sonnenatlanten verursachte Rauchwolke löste sich wieder.

Während die Hologramme von Fionas Ritualmonstern verschwanden, flatterten einige der Gruselbilder, die Theo von Fionas kleinen Brüdern gemalt hatte, herab.

Die Druckwellen von Fionas finalen Attacken und der Aufprall von Theodors Körper hatten sie anscheinend von der Wand gelöst.

Der Junge rappelte sich wieder auf.

Er wirkte noch frustriert, hielt dann aber inne und zwang sich dann ein zufriedenes Lächeln auf.

„Hehe. Das war eine wertvolle Lektion für mich. Ich hatte nur auf deinen GY-Score geachtet und dein Deck kaum ernst genommen. Mir scheint, ich sollte meinen eigenen Rat mehr beherzigen und ein Bild nicht nach seinem ersten Eindruck beurteilen.“

Er sah Fiona in die Augen, ging auf sie zu und reichte ihr die Hand.

„Du bist eine großartige Duellantin und vollkommen zurecht eine Kronprinzessin. Es tut mir Leid, das nicht früher erkannt zu haben.“

Fiona schüttelte den Kopf, anstatt auf den Handschlag einzugehen.

„Spar dir dein Geschleime. Dass ich stark bin, weiß ich schon selbst. Das macht deine bösen Taten nicht ungeschehen. Entschuldige dich stattdessen mal bei dem Mädchen, das du eingesperrt hast."

Mit ernstem Blick nahm Theodor die Hand wieder zurück.

„Ich respektiere deine Fähigkeiten und ich schwöre dich und deine Familie nicht zu behelligen. Aber vergiss nicht, dass ich von uns den höheren Rang habe. Was ich zu tun und zu lassen habe ist nicht deine Entscheidung.“

Lucia-Ann schnaubte verächtlich.

„Ganz toll, dein Rang. Wir haben doch gerade gesehen, dass Fiona stärker ist als du, also bild´ dir ja nichts darauf ein.“

Während der dritte Kronprinz die restlichen Bilder abnahm, sprach er weiter.

„Ich stimme dir absolut zu. Unser System ist unsinnig“, antwortete er Lucia-Ann und wandte sich dann wieder Fiona zu, „Nehmt unsere willenlose Marionette von König, zum Beispiel. So ein Versager sollte am Besten einfach den Mund halten und verschwinden, aber stattdessen „regiert“ er, indem er Chris alles nachplappert.“

Noch bevor Chris Theo widersprechen konnte, setzte dieser seinen an Fiona gerichteten Monolog fort.

„Und auch Chris macht nur das, was die Blaue Ehre gebietet, anstatt selbst zu denken! Es ist zum verrückt werden! Aber Menschen wie wir, Fiona, schätzen unsere Freiheit. Wir wollen uns nicht unterordnen, wir wollen Veränderung!“

„Stell mich nicht mit dir auf einer Stufe! Ich würde niemals meine Mitschüler einsperren oder verstümmelte Kinder malen und überall aufhängen!“, antwortete Fiona wütend.

Doch Theodor ließ sich nicht aus der Ruhe bringen.

„Ich folge meinem Instinkt. Was richtig oder falsch ist, werde ich erkennen, wenn es so weit ist, bis dahin lasse ich mich von niemanden aufhalten. Die Kunst ist frei und kennt keine Regeln.“

Chris hatte genug gehört.

Dey ging von der Tür auf Theo zu, bis dey neben Fiona stand.

„Diese Bilder werden von mir persönlich vernichtet, Nummer Drei. Und da du anscheinend eh jeden Respekt vor den dir gegenüber ranghöheren Kronenmitgliedern und unserem König verloren hast, behalte ich es mir vor, „selbst zu denken“ und entgegen der Blauen Ehre deinen nächsten Regelverstoß direkt mit Direktor Schrainmann statt mit König Aland zu besprechen“, drohte dey ernst und Theo wagte es diesmal keine Widerworte mehr zu geben.

Theo, der kurz darauf alle Bilder vorsichtig aufgelesen und abgehängt hatte, reichte sie Chris widerwillig entgegen.

Er zuckte, sehr zu Lucia-Anns Genuss, zusammen, als Chris den Stapel sofort der Länge nach zerriss.

Ohne Verabschiedung drehten sich erst Chris, dann Fiona zur Tür um, um das Arbeitszimmer zu verlassen.

Es war schon spät geworden.

Zwei letzte Sätze rief Theo ihr noch hinterher.

„Mache so weiter, wie bisher, Fiona und besiege am Ende des Jahres Chris. Du wärst die einzig würdige Königin.“

Kaum aus dem Zimmer gekommen, wurde Fiona schwindelig, sie stolperte und wurde gerade so von der überrumpelten Lucia-Ann aufgefangen.

„Pass doch auf! Du machst noch meine Handtasche kaputt!“, fauchte die unfreiwillige Retterin, ließ aber Fiona noch nicht los.

„Tut mir Leid. Das Duell hat mich sehr ausgelaugt.“

„Hmpff...Ach was solls, dem Idioten hast du ne schöne Abreibung verpasst. Gut gemacht.“

Beide Mädchen standen noch kurz, einander umarmend im Flur, gingen dann aber zusammen mit Chris in Richtung Aufzug.

„Lucia-Ann, begleite bitte Fiona auf ihr Zimmer, damit ihr nichts passiert.“

„Kommst du nicht mit?“, fragte Fiona nach.

„Ich habe ein Date mit dem Reißwolf im Lehrerzimmer.“

„Nur der Reißwolf? Oder will unsere geschätzte Nummer Eins nicht doch Ihre Majestät übergehen und mit der Akademieleitung sprechen?“, hakte Lucia-Ann sarkastisch nach.

„Warum fragst du überhaupt nach, wenn du meinen Bluff eh durchschaut hast?“

Chris seufzte.

„Kaum hatte ich meine Drohung ausgesprochen, schon wurde Theodor gehorsam. Es ist bisher nur reine Spekulation, aber Theodor könnte irgendetwas gegen unseren König in der Hand haben. Deswegen fürchtet er Schrainmann auch mehr als ihn.“

„Naja, was seine Herausforderung an mich angeht, war deine Vermutung ja auch richtig. Danke, dass ihr gekommen seid!“, sagte Fiona und lächelte Chris an.

„Ist doch selbstverständlich. Die Krone hat zusammenzuhalten.“

Fiona freute sich über deren warmen Ton.

Ob Chris ihr auch beigestanden hätte, wenn sie keine Prinzessin wäre?

Die drei waren inzwischen im Aufzug angekommen, während Lucia-Ann den Knopf für die fünfte Etage drückte, drückte Chris mit deren freier Hand den Knopf fürs Erdgeschoss.

Noch bevor sich Chris von den Kronprinzessinnen trennte, sprach dey nochmal Fiona an.

„Ich habe heute Erin gesehen. Sie nimmt dieses Jahr an meiner AG teil.“

„Oh...Naja... Elektronik passt zu ihr, ja“, stammelte Fiona, der das Thema offensichtlich unangenehm war, „Hat sie irgendwas...gesagt oder so?“

Chris zögerte, dey wollte deren erschöpfte Freundin nicht überfordern.

Sie waren im fünften Stock angekommen.

„Nein, sie hat nichts gesagt. Habt noch einen schönen Abend. Wir sehen uns morgen.“

Lucia-Ann winkte einmal salopp und Fiona wünschte Chris ebenfalls einen schönen Abend.

Dann fuhr Chris alleine herab, immernoch die zerrissenen Porträts von Fionas jungen Brüdern in den Händen haltend und mit Theodors Worten in deren Kopf.

Eine Marionette, die nicht selbst nachdenkt...

Die nur blind der Blauen Ehre folgt.

Aber noch mehr als Theodors hallte Erins Stimme in Chris Kopf.

Die Wut, die in ihr lag, der Stimme von Fionas ehemaliger Freundin, die ihr noch immer am Herzen zu liegen schien.

Hatte Chris sie so wütend gemacht?

Eigentlich hat dey doch alles richtig gemacht.

So wie es Vorschrift war...
 

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Neue Karten:
 

Neue Monster:
 

Bildnis der Angst – Feuer weinender Junge: Stufe 5, 2400Atk, 0 Def, Typ Unterweltler, Attribut Finsternis, Spirit/Effekt:

Diese Karte kann nicht als Spezialbeschwörung beschworen werden. Diese Karte kehrt in der End Phase des Spielzugs, in dem sie als Normalbeschwörung beschworen oder aufgedeckt wurde, auf die Hand ihres Besitzers zurück. Wenn diese Karte als Tributbeschwörung beschworen wird: Wähle eine Karte, die dein Gegner kontrolliert und zerstöre sie. Wenn die gewählte Karte ein Monster war: Füge deinem Gegner Schaden in Höhe der halben Atk des Monsters zu.
 

Solaritus Sonnenskara: Stufe 7, 2000Atk, 3000Def, Typ Insekt, Attribut Feuer, Ritual/Effekt:

Diese Karte erhält 200 Angriffspunkte für jedes „Solaritus“-Monster in deinem Friedhof. Einmal pro Zug: Mische drei „Solaritus“-Monster aus deinem Friedhof wieder in dein Deck, um „Solaritus“-Monster bis zur Anzahl der Monster, die dein Gegner kontrolliert als Spezialbeschwörung aus deinem Friedhof zu beschwören.
 

Neue Zauber:
 

Wiederholungsritus; Ritualzauber:

Wähle einen Ritualzauber in deinem Friedhof und mische ihn in dein Deck: Der Effekt dieser Karte wird zum Effekt des gewählten Ritualzaubers. Ein mit dieser Karte beschworenes Ritualmonster wird am Ende des Zuges zerstört.
 

Schattenheilung: Normaler Zauber:

Du erhältst 1000 Lebenspunkte für jedes verdeckte Monster, das du kontrollierst.
 

Geisterstunde: Normaler Zauber:

Du kannst bis zum Ende des Zuges beliebig viele Spirit-Monster als Normalbeschwörung beschwören.
 

Neue Fallen:
 

Strahlen des Lebens: Normale Falle:

Du erhältst 500 Lebenspunkte für jedes „Solaritus“-Monster, das du kontrollierst. Du kannst deiner Hand eine „Solaritus“-Karte aus deinem Friedhof zufügen.
 

Ausflippen: Normale Falle:

Wenn ein Spieler ein Monster als Flippbeschwörung beschwört: Wähle eine Karte auf dem Feld und zerstöre sie.
 

Undercover-Mission: Konterfalle:

Wenn dein Gegner eine Zauber- oder Fallenkarte aktiviert: Biete ein verdecktes Monster, das du kontrollierst als Tribut: Annulliere die Aktivierung der Zauber- oder Fallenkarte und wenn du dies tust, zerstöre sie.

So ein Suppentheater!

Frau Struve ging gerade ihre nächste Unterrichtsstunde durch, als es plötzlich an der Tür ihres Büros klopfte.

„Einen Augenblick, ich komme sofort!“, rief sie der unbekannten Person entgegen und schubste sich schwungvoll aus dem Arbeitsstuhl.

Als die Referendarin die Tür öffnete, stand Maxim vor ihr.

„Schön dich zu sehen, wie kann ich helfen?“, fragte sie.

Der Obelisk schaute links und rechts von sich den Flur entlang, um sicherzugehen, dass niemand die beiden hören konnte.

„Ich habe gestern mit Hecker telefoniert“, sprach er so leise wie möglich.

Frau Struve nickte, ließ den Jungen in ihr Arbeitszimmer und verschloss die Tür.

„Entschuldige die Unordnung, ich bin noch nicht ganz hier angekommen“, rechtfertigte sie sich wegen der zahlreichen Lehrbücher, Ordner und Zettel auf ihrem Schreibtisch.

Dann kam sie zum Punkt.

„Wie weit sind wir?“, fragte sie ernst.

Maxim schaute etwas unsicher zur Seite.

„Wir haben die letzte Götterkarte. Hecker wird schnellstmöglich nach Deutschland zurückkehren und Maßnahmen ergreifen um unsere Streitkraft zu erhöhen. Aber deswegen wollte ich nicht mit dir reden.“

Es kostete Maxim Einiges an Überwindung, die folgenden Worte auszusprechen.

„Unser Kontakt zu Ulrike ist abgebrochen. Sie hat seit Wochen nicht mehr auf seine E-Mails geantwortet. Es ist zwar denkbar, dass einfach nur der geheime Kanal, über den sie kommuniziert hatte, unterbrochen wurde, aber wir...sollen vom Schlimmstmöglichen ausgehen.“

Frau Struves Ausdruck betrübte sich schlagartig.

Sie fuhr sich durch die Haare, blickte auf den Tisch vor ihr, dann zu Maxim und schließlich zum Tisch zurück.

„Es ist traurig, insbesondere, dass er nicht selbst den Mut hatte mir das persönlich mitzuteilen.“

Ihre Stimme klang unstetig.

„Hecker liebt dich und er weiß auch, dass du sie geliebt hast. Deshalb hatte er mich gebeten. Er hat es nicht über das Herz gebracht, dir die Hiobsbotschaft zu überbringen.“

Frau Struves Antwort war zunächst ein betretenes Schweigen.

„Sie ist tot“, sagte sie, „Ich bin mir ziemlich sicher. Ich kenne den Zugang zum Kellergewölbe noch von meinen Zeiten als Schülerin. Ich war mit Taras Hilfe bereits zu Beginn dieses Schuljahres unten. Eigentlich wollte ich mich nur...“

Die Referendarin stockte, sie hielt die Tränen mit aller Kraft zurück.

„Ich wollte mich verabschieden. Sie noch einmal persönlich sehen, selbst mit ihr reden.

Aber die Duellauthentifizierung am Laboreingang wurde umprogrammiert. Statt eines Duells braucht man nun mehrere spezielle Schlüssel, die gescannt werden. Wenn sie am Leben wäre, dann hätte sie das nie zugelassen.“

Maxim nickte.

„Verstehe.“

Sie lachte gequält.

„Ich sollte nicht vor einem Schüler weinen. Das ist nicht professionell.“

„Ich bin nicht dein Schüler.“

„Doch das bist du, Maxim.“

Sie hatte recht, das musste Maxim sich eingestehen.

Er war in der Tat stets ihr Schüler gewesen.

Maxim lehnte sich vor und wechselte das Thema.

„Wir sollten nichts überstürzen. Wir haben nur einen Versuch für unseren Angriff, allerdings solltest du dich mit Erin beeilen. Sie sollte rechtzeitig auf unserer Seite sein. Das war sein Wunsch.“

„Ich werde sie überzeugen. Ich vertraue ihr. Sie hat einen guten Gerechtigkeitssinn. Wie sieht die Lage bei der Krone aus? Gibt es was Neues wegen Lucia-Ann?“

„Es ist katastrophal.“, sprach er nicht ganz ohne Zufriedenheit, „Der dritte Kronprinz hat offen zugegeben einen Frischling mit abscheulichen Bildern eingesperrt zu haben, Fiona scheint sich nicht für den Machterhalt zu interessieren und Lucia-Anns Peiniger ist nicht auszumachen. Nicht einmal Kevin hat einen Anhaltspunkt. Ich hätte gedacht, dass es schwierig wird Chaos zu säen, aber die Obeliskenkrone zerfleischt sich gegenseitig ohne unser Zutun. Wenn es so weiter geht, werden die Neuzugänge weder die Blaue Ehre noch den König anerkennen. Damit fällt der größte Risikofaktor für uns weg.“

Frau Struve wischte sich die Tränenansätze aus den Augenrändern. Und zwang sich zu einem Lächeln.

„Zumindest eine gute Neuigkeit. Wollen wir hoffen, dass es so bleibt. Auch wenn mir das Mädchen ein wenig Leid tut.“

„Lucia-Ann, meinst du?“

„Ja.“

Frau Struve hatte zufällig in einem anderen Tab das an sich kaum genutzte öffentliche Schülerforum des Akademieportals auf ihrem Laptop geöffnet.

„Die verlogene zweite Kronprinzessin hat ihren Erfolg alleine ihrer berühmten Familie zu verdanken und ihr GY-Score wurde mittels abgesprochener Duelle künstlich gepusht! Guckt euch diese verwöhnte Göre doch mal an!“, las sich ein neuer Eintrag.

Darunter ein unvorteilhaftes, wohl heimlich geschossenes Foto, bei dem sie sich in der Nase bohrte.

Ein älterer Post hatte ihr unterstellt in der letzten schriftlichen Prüfung betrogen zu haben.

Und ein noch älterer Post zeigte ein Bild, auf dem Lucia-Ann von hinten zu sehen war, mit einem unangenehmen braunen Fleck auf ihrem obelisk-blauen Rock.

„Prinzessin Lucia-Ann braucht wohl dringend wieder Windeln. Ekelhaftes Stück Scheiße! In mehrerer Hinsicht.“

Der Account, der all diese Beiträge in das Schulforum schrieb, nannte sich „LADemontIsAB!tch“ und war schon seit den Probeduellen aktiv.

Die IT-Abteilung der Akademie hatte das Konto schon mehrfach gesperrt, aber LADemontIsAB!tch machte einfach neue Konten und konnte dabei die eigentlich nötigen Verifizierungsschritte zur Erstellung von neuen Konten umgehen.

Wer auch immer dahinter steckte, konnte gut mit Computern umgehen und so war es auch sehr wahrscheinlich, dass die geposteten Bilder nur durch Nachbearbeitung entstanden sind.

Inzwischen gingen schon einige Schüler auf die Posts ein und schlossen sich dem Cybermobbing an.

Erst gestern musste ein Link entfernt werden, der zu einer anonymen Umfrage führte.

„Ich wette, dass Lucia-Ann in den nächsten zwei Wochen im Unterricht weinen wird“, mit den Optionen „Ja“ und „Nein“.

34 Schülerinnen oder Schüler hatten an der Abstimmung teilgenommen und 20 davon hatten für „Ja“ gestimmt.

„Ich denke auch, dass, wer auch immer hinter diesem Account steckt, zu weit geht. Aber letztlich ist es nur zu unserem Vorteil“, sagte Maxim und erhob sich wieder von seinem Stuhl, „Ich muss langsam los. Es gibt heute Abend wieder eine Krisen-Besprechung. Ich hatte vor, Chris und Fiona dazu zu bewegen ihre eigenen Ermittlungen bezüglich „LADemontIsAB!tch“ einzustellen. Was ist deine Meinung?“

Frau Struve warf ihrem Schüler einen nachdenklichen Blick zu.

„Sei vorsichtig. Dein Fokus sollte darauf liegen unerkannt zu bleiben, also gib ihnen keinen Grund Verdacht zu schöpfen. Wie du schon sagtest, die Krone zerfleischt sich selbst, ohne unser Zutun.“

Bevor Maxim das Büro verließ nickte er.

„Danke, ich werde so diskret wie möglich sein.“
 

°°°
 

„Hey, Manja, was machst du denn hier?“

Daniel hatte nicht damit gerechnet das Mädchen, dem Erin und er beim Probeduell geholfen hatten, so schnell wiederzusehen.

Das war eine schöne Überraschung.

„Oh! Hallo Daniel! Hast du dir auch schon ein Tier ausgesucht?“, fragte Manja, während sie liebevoll das vor ihr an einer Karotte mümmelnde Zwergkaninchen streichelte.

Beide Schüler befanden sich, zusammen mit den weiteren Mitgliedern der Haustier-AG in der der AG zugeordneten Außenanlage, die am Obeliskenplatz angrenzte.

Meerschweinchen, Mäuse, Schildkröten und auch die Zwergkaninchen liefen durch ihre jeweils eigenen Freilaufgehege und genossen den vergleichsweise milden Sommertag.

Daniel hockte sich nun neben Manja hin.

„Bin noch unentschlossen. Ich denke, ich tendiere zu einem Hamster. Hamster sind recht pflegeleicht, weil sie recht einzelgängerische Tiere sind. Abends, wenn sie aufstehen, gibt es ein wenig Freilauf, dann füttert man sie kurz und einmal die Woche muss man oberflächlich den Käfig säubern. Das ist auch easy, weil man dabei kaum Streu wechseln muss. Man darf nämlich nicht den Eigengeruch des Hamsters aus dem Käfig entfernen, sonst verkleben langfristig die Duftdrüsen des Tieres.“

Manja nickte anerkennend..

„Du hast dich in kurzer Zeit wohl schon gut informiert. Nicht schlecht.“

„Klar“, entgegnete Daniel und lächelte, „Ist ja auch ne ziemliche Verantwortung für ein anderes Lebewesen zu sorgen, da muss man schon im Voraus wissen, worauf man sich einlässt. Wie geht es dir? Gefällt es dir bisher an der Akademie?“

„Mir geht’s super! Meine Mitbewohnerinnen sind echt nett und ich konnte mich schon viel duellieren. Ich habe meinen GY-Score schon um über 100 Punkte gesteigert“, antwortete das Mädchen nicht ohne einen gewissen Stolz wurde dann aber ein wenig ernster, „Ich bin dir und Erin und natürlich Frau Mentzel so unfassbar dankbar dafür, dass ich nun an der Duellakademie eingeschrieben bin. Ich liebe Duel Monsters und ich habe das Gefühl, dass dies der Ort ist, an dem ich hingehöre. Ich kenne die Akademie noch kaum, aber es fühlt sich alles jetzt schon so vertraut und richtig für mich an. Fast so, als ob ich schon einmal hier war und endlich wieder an ein Zuhause zurückkehren würde.“

Manja stockte.

„Ich klinge grade wohl ein wenig durchgedreht, oder?“

Daniel schüttelte den Kopf und schenkte dem Mädchen ein Lächeln.

„Nein, überhaupt nicht. Du freust dich einfach darüber angemeldet zu sein und das ist auch völlig normal. Ging mir genauso. Es wäre durchgedreht, wenn du NICHT so begeistert wärst, wie du es bist.“

Die Bestätigung tat Manja sichtlich gut.

„Naja, wenn ich mich über irgendetwas beschweren müsste, dann gäbe es eine klitzekleine Sache: Der Vorunterricht von Frau Mentzel und Herrn Althus war ein bisschen zu leicht. Aber ich schätze, das ändert sich ab morgen, wenn wir dann zusammen mit den Ras und Obelisken unterrichtet werden.“

„Das denke ich auch, ja. Weißt du, Erin und ich haben vor einem Jahr auch als Slifer angefangen. Und es klingt so, als ob es dir genauso wie uns damals ergeht. Zumindest wirst du dich nicht mehr unterfordert fühlen, wenn Frau Ehring dich unter einer Sintflut an Hausaufgaben begraben hat.“

„Autsch! Über sie habe ich von den älteren Slifern auch nichts Gutes gehört. Aber der Unterricht vom Direktor selbst soll auch nicht so besonders sein.“

„Nene, was Schrainmanns Unterricht angeht, hast du bisher nicht viel verpasst“, bestätigte Daniel salopp Manjas Befürchtung, während er nun ebenfalls versuchte eines der insgesamt drei Zwergkaninchen im Gehege zu streicheln.

Noch bevor seine sich vorsichtig nähernde Hand das aschgraue Fell des Tieres erreichte, hoppelte es sofort in das kleine Holzhäuschen in der Ecke hinein.

Etwas enttäuscht zog Daniel die Hand zurück.

„Alles gut, Daniel. Hope ist nun mal eine eher scheue Dame.“

„Hmmm...Hope kann gut davon-Hope-eln“

Sofort schämte sich Daniel für das Wortspiel.

Das war schon fast Erin-Niveau.

Aber es reichte immerhin um Manja ein leichtes Kichern zu entlocken.

„Hope verträgt sich zwar mit den anderen Kaninchen, aber gegenüber Menschen ist sie schüchtern. Aber Bobo und Creamy lassen sich sehr gut streicheln, wenn du sie mit ein wenig Futter lockst.“

„Ich seh schon, DU hast dich auch schon gut informiert.“

„Herr Tillner hat mir ein bisschen was erzählt, ja. Die Tiere für die AGs werden aus überfüllten Tierheimen auf die Insel verfrachtet, um die Tierheime so zu entlasten. Viele Tiere sind unerwünschte Haustiere, um die sich die ursprünglichen Halter nicht mehr kümmern wollten. Aber der Fall von Hope war besonders traurig. Man hat das Tier am helllichten Tage mitten auf der Straße gefunden und niemand aus den umliegenden Häusern wollte der Besitzer des Kaninchens sein. Es war schon ausgehungert und hatte sich verletzt. Die Tierärztin der Duellakademie meinte in Fällen wie ihren würde man oftmals das Tier einschläfern, weil es keine großen Überlebenschancen hätte, aber Hope erholte sich so gut, das es schon fast an ein Wunder grenzte. Deshalb hatte man ihr den etwas unüblichen Namen gegeben.“

„Übel...Was manche Menschen Tieren antun ist echt grauenhaft.“

„Ja, schon, aber das ist glaube ich nicht das, worauf Herr Tillner mit der Geschichte hinauswollte. Ich meine für Hope gibt es ja jetzt ein Happy End, sie kriegt zu futtern, Auslauf, wird bei Krankheit behandelt und hat ihre Artgenossen um sich.“

Daniel verstand zwar, was Manja meinte, allerdings überzeugte es ihn nicht komplett.

„Ich bin ohne Eltern in einem Kinderheim aufgewachsen. Wenn ich das letzte Woche richtig verstanden habe, kommst du auch aus einem Kinderheim, richtig?“

„Ähhm, größtenteils ja, schon.“

Der plötzliche Themenwechsel verwirrte sie und das Gespräch wurde ihr plötzlich etwas zu persönlich.

„Dann verstehst du es auch, dass es mich so sauer macht, wenn Tierhalter es sich so leicht machen und die Lebewesen, die bei ihnen eigentlich ein Zuhause haben sollten einfach weggeben oder sogar aussetzen, oder? Weil jeder ein Zuhause braucht.“

„Ach, so meinst du das. Aber ich denke, wenn man nicht in unserer Lage ist, dann denkt man nicht darüber nach, wie wichtig es ist ein Zuhause zu haben, einfach weil es eine solche Selbstverständlichkeit ist.“

„Das macht es aber nicht besser.“

„Wähwähwäh-macht es nicht besser-wäh!“, äffte Manja.

„Was?“

„SO klingst du gerade. Eigentlich find ich dich echt cool. Aber im Moment klingst du mir viel zu negativ! Die Sonne scheint, es sind überall niedliche Tierchen zum Liebhaben da und du beschwerst dich!“

Nach der Ansage musste Daniel sich erst mal verlegen in den Nacken fassen.

„Sorry, hast ja Recht.“

„Klar habe ich das!“, sagte Manja und zwinkerte ihm dabei spielerisch zu.

Es war schön zu wissen, dass er ihre Lage nachfühlen konnte.

„Die Duellakademie und so engagierte Menschen wie Frau Mentzel geben uns eine tolle Chance eine eigene Duel-Monsters-Karriere aufzubauen. Und du hast sie ja anscheinend bisher gut genutzt, sonst wärst du ja nicht zu Ra-Yellow aufgestiegen. Wahrscheinlich fühlt sich deswegen die Akademie wie ein Zuhause für mich an.“

Daniel hätte ihr nun so einiges erzählen können, über die diversen Schattenseiten, die er im letzten Jahr kennengelernt hatte.

Über die monatelangen angeblichen Diebstähle, über die falschen Artikel und Geständnisse, die in der Schülerzeitung abgedruckt wurden und die Rolle, die offenbar Direktor Schrainmann selbst in der Angelegenheit gespielt hatte. Über die Verschwörung von aktiven und ehemaligen Schülern, die es auf den Direktor abgesehen und ein mysteriöses Interesse an Erin hatten. Und natürlich über die Wut der Obelisken und auch Ras, die sich an den schwächsten Schülern der Akademie, den Slifern zu einem kaum erträglichen Maß entlud.

Aber als er in ihre leuchtenden, dunkelgrünen Augen sah, brachte er es nicht über das Herz Manjas Vorfreude auf den Akademiealltag etwas entgegenzusetzen.

In diesem Moment fragte er sich unweigerlich, ob er die Akademie trotz all der schlechten Erlebnisse ebenfalls als eine Art Heimat für ihn ansehen konnte.

„Das stimmt. Es ist wirklich schön hier lernen und an den eigenen Fähigkeiten arbeiten zu dürfen.“

Beide bekamen mit, wie nun die Freigehege um sie herum wieder abgebaut und die Tiere mit Wannen und Transportboxen zurück in die Käfige und Terrarien in den Räumen der Haustier-AG gebracht wurden.

„Tja, das erste AG-Treffen ist wohl schon gleich vorbei“, stellte Manja mit einem Hauch Enttäuschung in der Stimme fest.

„Scheint so. Ich helfe dir beim Aufräumen, wenn du magst. Aber danach muss ich noch schnell zu Herrn Tillner um mich für die abendliche Hamsterpflege einzutragen.“

„Du kannst gerne helfen. Die Transportkiste für die drei steht da vorne, die große gelbe mit den roten Griffen. Creamy und Bobo kannst du bestimmt ohne Probleme in die Kiste locken. Aber hebe sie nicht an, das mögen die meisten Kaninchen nämlich nicht. Hope übernehme ich dann.“

Daniel tat wie gebeten und holte die Box, die sich von der Seite öffnen ließ.

Mit kleinen Karottenstücken führt zunächst Manja Hope in die Kiste und Daniel machte es ihr an den anderen beiden Kaninchen nach.

Als alle drei angekommen waren, klappte sie die Seite wieder hoch, sodass die Tiere nicht entwischen konnten und trug sie dann so vorsichtig wie möglich zu ihrem gemeinsamen, mehrstöckigen Käfig zurück.

Daniel verstand, dass er das Freigehege, bestehend aus in den Erdboden gestoßenen Gitterelementen abbauen und zurückbringen sollte und machte sich sogleich ans Werk.

„Sieht gut aus“, erkannte Manja an, als sie die Tiere zurückgebracht hatte und zu Daniel zurückgegangen war.

Daniel war schon halb fertig und Manja zog die restlichen Gitter mit ihm zusammen aus dem Boden.

„Ich denke, ich werde mich auch für einen Hamster eintragen. Ich fänds schön, wenn wir uns um die gleiche Tierart kümmern könnten, wir könnten uns gut dazu austauschen.“

„Wieso denn Hamster? Ich hatte angenommen, dass du dich für die Kaninchen entschieden hast?“, fragte Daniel überrascht.

„Tja, Kaninchen wären noch schöner gewesen, aber das geht leider nicht. Im Gegensatz zu Hamstern braucht ein Kaninchen seine Artgenossen um sich herum und Herr Tillner möchte nicht, dass sich Schülerinnen und Schüler im ersten Jahrgang alleine um mehrere Tiere kümmern, wenn sie nicht schon vorher ein Haustier hatten.“

Es war merkwürdig.

Auch wenn sie sich kaum kannten, fühlte sich Daniel in Manjas Nähe so unglaublich wohl.

Er konnte nicht einmal sagen, woran es lag, ob es an dem Klang ihrer Stimme oder ihr überschwänglicher Optimismus war.

Aber irgendwas an ihr gab ihm das Gefühl ein tieferen Verbundenheit.

Ob er sich einfach nur verliebt hatte?

Sie war schon süß...

Er wollte auf jeden Fall alles tun, um Manja glücklich zu sehen.

„Ist doch kein Problem!“, entgegnete er selbstsicher, „Wenn du dich nicht alleine für die Kaninchen eintragen darfst, dann tun wir es zusammen.“
 

°°°
 

Erin prustete während sie zusammen mit Daniel und Kiara das Tablett mit der Gemüselasagne und dem Schokoladenpudding auf den Kantinentisch ablegte.

„„Dann tun wir es zusammen?“ Das hast du so wortwörtlich zu ihr gesagt?“

Die drei hatten heute ihre ersten Unterrichtsstunden des zweiten Jahres hinter sich und wollten vor dem Bearbeiten der Hausaufgaben zusammen etwas essen.

Kiara wollte ihre Hausaufgaben zusammen mit ihrer Schwester erledigen, während Erin und Daniel mit Jiang verabredet waren.

Daniel errötete.

„Ich weiß ja nicht, woran DU denkst, aber ich meinte damit natürlich nur, dass wir gemeinsam die Betreuung der Zwergkaninchen übernehmen. Und nur zur Info: Manja hat sich riesig darüber gefreut und dabei nicht wie eine unreife Zwölfjährige an irgendwas Schlüpfriges gedacht!“

„Und die Freude hast du ihr wohl ganz uneigennützig gemacht, Hm?“, stichelte Erin sarkastisch.

„Ähm...Hm...Ja, kann sein, dass ich sie gerne mag und mehr Zeit mit ihr verbringen möchte. Ist doch nichts dabei, wir verbringen doch auch Zeit zusammen?“, redete er sich heraus.

„Jedenfalls haben wir gleich Nummern ausgetauscht, um uns über die gemeinsame Pflege der Kaninchen auszutauschen.“

Erin blickte links neben sich, wo Kiara saß.

Sie hatte ihr schon beim Einzug indirekt gestanden, dass sie sich in Daniel verguckt hatte und Erin darum gebeten, ihr bei ihren Flirtversuchen zu helfen.

Dass sich Daniel jetzt plötzlich für ein Mädchen aus dem ersten Jahrgang interessierte, musste nicht leicht für sie sein.

Doch das Gesicht, das ihre Mitbewohnerin zog, verwunderte sie dann doch.

So, wie sie die Augenlider und Lippen zusammenpresste, wirkte es schon beinahe so, als ob sie physische Schmerzen hatte.

„Ähm, Kiara? Alles o-“

Kiara hielt sich die Hand vor den Mund und spuckte so diskret wie möglich den Bissen wieder aus.

„Sorry, aber das ist echt widerlich... Meine Reispfanne ist so mehlig-verkocht.“

Erin grinste sie schadenfroh an.

„Ich verstehe eh nicht, was du gegen Lasagne hast. Da hast du dich wohl einfach für das falsche Essen entschieden.“

Erin schob sich voller Vorfeude eine große Portion der Gemüselasagne in den Mund und bereute es sofort.

„Bah! Ist das noch Essen, oder schon ein Mordanschlag?! Was ist denn mit Frau Dukas los?!“

Daniel ärgerte es nun ein wenig, sich wie Erin auch für die Gemüselasagne und nicht für die Germknödel entschieden zu haben.

Wenn die Lasagne offenbar ungenießbar war, dann musste er wohl nur den Nachtisch essen.

Doch nach dem ersten Löffel vom Schokoladenpudding ließ Daniel angewidert den Löffel fallen.

„Wie zur Hölle kann man einen Schokopudding versalzen? Da gehört doch gar kein Salz rein! Erin, in den Ferien konnte man hier noch prima essen und du hattest mir ja auch gesagt, dass das Essen bei Ra-Yellow doch viel besser als bei Slifer-Red sei! Aber das ist doch völlig ungenießbar!“

„Daniel, ich schwöre dir, dass es im letzten Halbjahr immer geschmeckt hat!“, beteuerte sie und stand dann auf.

„Ich frage mal unsere Küchenchefin, warum sie uns plötzlich vergiften will. Ich weiß, dass sie besser kochen kann, da stimmt irgendwas nicht.“

Erin ging zur Essensausgabe und Daniel und Kiara folgten ihr.

Dort wartete statt der Küchenchefin nur ein junger und aktuell ziemlich überfordert und überarbeitet wirkender Küchenhelfer.

„Hey, kannst du bitte Frau Dukas aus der Küche holen? Wir wollen uns über das Essen beschweren. Es schmeckt leider überhaupt nicht.“

Er antwortete Erin mit einem tiefen Seufzen, das die drei Schülerinnen und Schüler erahnen ließ, dass sie nicht die Ersten waren, die mit der Qualität des Kantinenessens unzufrieden waren.

„Es tut mir schrecklich Leid, aber Frau Dukas weigert sich seit Neuestem zu arbeiten und sie ist auch nicht vor Ort. Wir versuchen unser Bestes, um den Betrieb am Laufen zu halten, aber weder ich noch irgendeiner meiner Kollegen hat die nötige Erfahrung um eine Küche dieser Größenordnung zu leiten. Deshalb läuft gerade alles etwas drunter und drüber.“

Daniel hakte nach: „Du brauchst dich nicht zu entschuldigen, wenn deine Chefin Unsinn macht, alles okay. Weißt du denn zumindest, warum sie nicht mehr kocht? Oder wann sie wieder in die Küche zurückkehren wird?“

Der junge Mann schüttelte den Kopf.

„Ich hab das nur am Rande mitbekommen. Sie war heute Vormittag auf einmal sehr wütend geworden, hat irgendetwas von wegen „Wir sind doch keine Maschinen, die man einfach ersetzen kann“, gebrüllt und ist ohne Erklärung weggegangen. Seitdem hat sie keiner aus dem Kantinenteam gesehen.“

„Klingt ja ulkig“; stellte Kiara laut fest.

Hinter Erin hatte sich eine kleine Schlange an hungrigen Mitschülern gebildet, die ungeduldig mit leeren Tabletts in der Hand darauf warteten, dass die Unterhaltung vor ihnen endete.

„Seid ihr bald fertig? Ich will auch noch was zu essen haben“; drängelte der Junge hinter ihr.

„Ne, das, was hier serviert wird, willst du ganz sicher nicht“, entgegnete sie, ging dann aber höflicherweise zur Seite, um den Kantinenbetrieb nicht unnötig zu stören.

„Das hat ja nicht viel gebracht. Da kann man nur hoffen, dass sich die Streitereien zwischen dem Küchenpersonal wieder klären“, sagte Kiara, als die drei erfolglos zu ihrem Sitzplatz zurückkehrten.

Während Daniel stumm mit seinem Smartphone beschäftigt war, pflichtete Erin ihr bei.

„Stimmt. Aber jetzt bin ich neugierig, wieso so eine liebe, alte Dame wie Frau Dukas sich so aufregen muss, dass sie ihre Arbeit niederlegt. Sie wirkte immer so glücklich, als ich sie im letzten Jahr gesehen hatte.“

Erin stocherte nebenbei lustlos in ihrer Gemüselasagne herum, unschlüssig, ob sie den Fraß einfach herunterwürgen sollte.

Sie hatte schon ziemlichen Hunger...

„Was hatte uns ihr Küchenhelfer gesagt? Dass sie sich nicht durch Maschinen ersetzen lassen will? Vielleicht soll es hier in Zukunft nur noch vorgekochtes Essen aus irgendwelchen Automaten geben?“, mutmaßte Erin.

Die Vorstellung schien Kiara stark zu missfallen.

„Also wenn das wirklich passieren sollte, dann lasse ich mich bei den nächsten Prüfungen ebenfalls zu Slifer-Red runterstufen. Da soll das Mittagessen auch nicht besonders sein, aber zumindest ist es essbar und selbst gekocht. Was meinst du, Daniel?“

„Hmm? Sorry, hab nicht zugehört. Was hast du gesagt?“

Kiara sah den Jungen enttäuscht an, während er weiter auf das Smartphone tippte.

„Ich wollte mich eigentlich mit dir unterhalten, aber anscheinend ist dir dein Handy wohl wichtiger.“

„Es war tatsächlich wichtig, ja. Aber ich bin jetzt fertig“, flötete ein überglücklicher Daniel und ließ sein Smartphone in seine Hosentasche rutschen, „Manja hatte mir gerade geschrieben.“

Das war das so ziemlich Letzte, was Kiara von ihm hören wollte.

„Mir ist der Appetit vergangen. Man sieht sich“, sagte sie so kühl wie möglich und ohne sich ihre Kränkung anmerken zu lassen.

Kiara nahm ihr Tablett und ließ die beiden zurück.

„Was ist denn mit ihr plötzlich los!? Habe ich was Falsches gesagt?“

„Ich glaube, sie fand dich unhöflich, weil du nur über andere Leute redest, die wir noch nicht kennen und uns nicht richtig zuhörst. Du solltest dich mal bei nächster Gelegenheit bei ihr entschuldigen“, improvisierte Erin, die Kiara besser verstand.

„Okay? Meinetwegen entschuldige ich mich morgen. Aber es war echt wichtig. Manja hatte mir nämlich geschrieben, dass „so eine merkwürdige Oma“ vor der Sliferunterkunft stehen würde und lautstark ein Duell mit Frau Mentzel fordert. Ich hatte da so ein Gefühl und habe mir dann ein Bild von ihr schicken lassen.“

Er hielt Erin das heimlich geschossene Foto einer recht beleibten, etwa 70-jährigen Frau entgegen.

Sie war mit einem Haarnetz und einer fleckigen Schürze bekleidet, an ihrem Arm befand sich bereits eine aktive Dueldisk.

„Das ist doch Frau Dukas, oder?“

Erin, die im Gegensatz zu Daniel bereits seit einem halben Jahr in der Ra-Yellow-Unterkunft wohnte und die Kantinenleiterin schon häufiger gesehen hatte, nickte zur Bestätigung.

„Wusste gar nicht, dass sie sich überhaupt duellieren kann. Und dann will sie es auch noch mit einer voll ausgebildeten Duelllehrerin aufnehmen. Die Frau wird wohl langsam dement.“

Daniel stand nun auf, bereit loszugehen.

„Keine Ahnung. Aber das will ich mir auf jeden Fall mal genauer ansehen. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass Frau Mentzel ihr irgendwas tun würde.“

„Hey! Und was ist mit Jiang!? Wir sind in einer halben Stunde verabredet!“

„Du kannst ihr ja sagen, dass ich mich beeilen werde und dass es mir Leid tut.“

Erin sah ihn böse an.

„Das wären schon zwei Freundinnen von mir, bei denen du dich entschuldigen musst. So machst du dir keine Freunde.“

Bevor sich Daniel weiter rechtfertigen konnte, wurde er von seinem laut knurrenden Magen unterbrochen.

„Ohne mein Mittagessen kann ich mich eh nicht konzentrieren. Abgesehen davon, werde ich mir nicht für meine restliche Akademielaufbahn diese kulinarischen Grausamkeiten reinschaufeln. Ich brauche was Richtiges!“

Erin seufzte und schob ihr eigenes Tablett von sich weg.

Sie hatte sich ebenfalls gegen das Essen entschieden.

„Tu, was du nicht lassen kannst.“

Daniel grinste breit.

„Das mache ich sowieso.“
 

°°°
 

Vorsichtig rieb sich Erin das mit Mizellenwasser getränkte Wattepad um die Augenpartie.

Es war ungewohnt, aber dennoch konnte sie nicht anders als durchgehend zu grinsen.

Ihr gefiel ihr Spiegelbild.

„Du siehst wirklich gut aus“, sagte die hinter ihr stehende Jiang, „du könntest häufiger Lidschatten tragen. Aber ich würde eine dezentere Farbe wählen. Dafür hat der zweite Concealer deinen Hautton perfekt getroffen.“

„Deswegen schminke ich mich ja auch erst einmal ab. Aber für ein erstes Experiment bin ich sehr zufrieden.“

Erin hatte Jiang im Nachhinein mehr vermisst, als sie gedacht hatte.

Nachdem sie gemeinsam die ersten Hausaufgaben des Schuljahres erledigt hatten, hatten sie sich über so ziemlich alles unterhalten, was zwischen den Schuljahren passiert war und die Zeit schien dabei wie im Fluge zu vergehen.

Im Anschluss hatte Jiang sie auf ihr Zimmer mitgenommen und Erin wie versprochen für das erste Mal in ihrem Leben in Kontakt mit Kosmetika gebracht.

Und die Mädchen hatten dabei ungeahnten Spaß gehabt, insbesondere Erin die sich plötzlich unheimlich erwachsen vorkam.

Sie war nun mit dem Abschminken und wollte sich gerade wieder die Brille aufsetzen.

„Erin, du solltest dir danach nochmal das Gesicht mit Wasser abspülen. Mizellenwasser kann ansonsten deine Haut austrocknen und unnötig reizen.“

„Oh! Gut, dann gehe ich nochmal kurz ins Bad.“

Praktischerweise hatten die Zimmer in der Obelisk-Blue-Unterkunft ihre eigenen Badezimmer, sodass Erin nicht noch einmal extra über den Flur zum Gemeinschaftsbadezimmer gehen musste.

Das war ein Luxus, den sie bereits aus den Erzählungen und ihrem kurzen Besuch bei Fiona kannte.

Als Erin dann wirklich fertig war und aus dem Bad zurück kam, lag Jiang auf dem Rücken auf ihrem Bett und scrollte auf dem Handy durch verschiedene Social-Media-Kanäle.

„Ich wollte nochmal zur Slifer-Red-Unterkunft gehen. Daniel ignoriert mich schon wieder und ich weiß nur, dass er wegen seiner neuen Freundin dort hin wollte. Mal gucken, ob ich ihn finde.

Kommst du mit?“

Jiang legte das Handy beiseite und sah Erin etwas enttäuscht an.

„Du weißt, dass das nicht geht.“

„Ach, lass dir doch von den anderen Obelisken nicht alles vorschreiben! Merkt doch keiner!“

„Nein, Erin, wirklich nicht. Ich wurde neulich erst von Chris angewiesen, mich nicht mit Slifern sehen zu lassen. Dey hatte bemerkt, wie wir uns mit Kim unterhalten hatten und mich dann nach dem Unterricht deswegen angesprochen. Ich möchte keinen Ärger.“

„Hm...“

Schon wieder Chris!

Auch wenn Yunus...demm in Schutz genommen hat, deren Obsession damit die Schülerschaft weiter aufzuspalten, fand Erin sehr unsympathisch.

Aber das wollte sie nicht mit Jiang, die die Krone sehr respektierte nun nicht ausdiskutieren.

„Kein Problem, Jiang. Dann sehen wir uns wieder morgen beim Unterricht.“

„Gerne, ich freue mich schon drauf. Ach und richte Daniel aus, dass ich ihm nicht böse bin, falls du ihn siehst.“

Erin lachte.

Alles klar, wird gemacht. Bis morgen!“, sagte sie und verließ dann Jiangs Zimmer.
 

°°°
 

Vor den Türen der Sliferunterkunft angekommen, sah Daniel bereits eine kleine Gruppe an Slifer-Schülerinnen und -Schülern, die schaulustig das Streitgespräch zwischen der Ra-Yellow-Köchin

und der inzwischen vollkommen entnervten Slifer-Red Hauslehrerin verfolgten.

Daniel stellte sich stumm neben Manja, die ihn zu sich winkte und wich den ihm unangenehmen Blicken der Slifer seines Jahrgangs aus.

„Es reicht mir mit ihnen, Frau Dukas! Ich werde mich weder mit Ihnen duellieren, noch werde ich als Hauslehrerin zurücktreten!“, schimpfte Frau Mentzel.

Daniel konnte sich nicht daran erinnern, die junge Lehrkraft so sauer erlebt zu haben.

Doch Frau Dukas schien dies nicht zu beeindrucken.

„Junges Fräulein, diesen Tonfall verbitte ich mir! Ihr jungen Leute meint, dass ihr uns einfach so ablösen könnt?! Heinrich war schon seit der Eröffnung der Hauslehrer von Slifer-Red, da waren Sie noch selbst eine Duellschülerin!“

„Herr Althus wird bald achtzig und hatte mich persönlich als seine Nachfolgerin vorgeschlagen, weil er ab dem nächsten Jahr seinen wohlverdienten Ruhestand genießen möchte!“, widersprach Frau Mentzel vehement.

„Papperlapp! Das kann ja gar nicht sein, mein Heinrich ist noch voller Schwung! Sie sind viel zu unerfahren, um sein Amt zu übernehmen! Deswegen drücken Sie sich auch vor einem Duell mit mir!“

„So geht das schon die ganze Zeit“, flüsterte Manja Daniel zu, „Kommt das häufiger vor, dass sich das Akademiepersonal vor der Schülerschaft so heftig anschreit?“

„Nein....nein, das ist grade was ganz Besonderes“, antwortete er ihr missmutig.

Anscheinend hatte die Kantinenchefin erst heute von erfahren, dass Herr Althus nicht mehr länger Hauslehrer der Slifer-Reds war und war darüber alles andere als begeistert.

Das war nicht gut.

Frau Dukas war hier ganz klar im Unrecht und wenn sie sich nicht langsam einsichtig zeigte, würde sie schlimmstenfalls ihren Job verlieren.

Frau Mentzel hatte inzwischen endgültig genug.

„Wenn Sie sich weiter so benehmen, dann werde ich das dem Direktor mitteilen müssen! Also verlassen Sie jetzt bitte meine Unterkunft!“, drohte sie.

„Nein! Nicht, solange Sie Heinrich ein solches Unrecht antun! Er gehört noch lange nicht zum alten Eisen! Entweder treten Sie zurück, oder Sie beweisen, dass sie stark genug sind um eines der drei Häuser anzuführen!“

„Gut, Sie verstehen es ja nicht anders! Ich werde jetzt sofort Direktor Schrainmann anrufen!“

Frau Mentzel hatte sich nun ihr Smartphone genommen.

Das durfte so nicht weitergehen, Daniel musste jetzt einschreiten.

„Halt, Frau Mentzel, tun Sie das nicht! Ich will nicht, dass Frau Dukas bestraft wird!“, rief er und stellte sich zwischen die streitenden Frauen.

„Na toll, König Daniel der Feige muss sich mal wieder wichtig machen! Hau bloß ab!“, hörte Daniel einen der zuschauenden Schüler dazwischenrufen.

Er ignorierte den Zwischenruf.

„Daniel, es ehrt dich, dass du sie in Schutz nehmen willst, aber ich muss mich als neue Hauslehrerin durchsetzen können. Und das gilt auch für Angestellte der Akademie“, sprach Frau Mentzel den Jungen mit ernster Stimme an.

„Ich nehme Frau Dukas nicht in Schutz“, widersprach er, „Weil sie heute lieber hier Radau gemacht hat, anstatt das Mittagessen vorzubereiten, wurden meine Mitschüler zu Opfern fürchterlichster Geschmacklosigkeiten! Aber...-“, er wandte sich nun der hinter ihm stehenden Frau Dukas zu und aktivierte nun seine eigene Dueldisk, „wir sind immerhin alle Duellanten. Also klären wir doch die Angelegenheiten als Duellanten!“

„Pah! Warum mischst du dich ein, Jungchen? Ich will Frau Mentzel besiegen, nicht dich. Also gehe bitte beiseite.“

„Ich gehe NICHT beiseite. Sie werden sich wohl mit mir duellieren müssen! Wenn Sie noch nicht einmal gegen einen Ra-Yellow im zweiten Studienjahr gewinnen können, dann hätten Sie gegen eine echte Duelllehrerin sowieso keine Chance! Und wenn Sie verlieren sollten, müssen Sie Frau Mentzel als die neue Hauslehrerin von Slifer-Red anerkennen! Und Sie müssen natürlich ihrem Küchenteam helfen, damit sie nicht noch versehentlich andere Schüler vergiften!“, entgegnete er trotzig.

Nun schaute die alte Köchin leicht belustigt zwischen Daniel und Frau Mentzel hin und her.

„Sie sollten sich was schämen, Fräulein! Selbst die Kinder haben mehr Mumm als Sie! Gut, Junge, ich nehme deine Herausforderung an!“

Daniel nahm sich seine fünf Handkarten und schaute seine Gegnerin entschlossen an.

Alles klar, nehmen Sie sich Ihre Karten und machen den ersten...-Zuuu-huuuch!“

Frau Mentzel hatte Daniel an seiner rechten Schulter einige Schritte zurückgezogen und Daniel konnte gerade so verhindern, dass ihm seine Handkarten herunterfielen.

„Ich verbiete dir dieses Duell! Das ist viel zu gefährlich!“, zischte sie Daniel leise zu.

„Mir passiert schon nichts, ich passe gut auf mich auf“, flüsterte er selbstbewusst zurück.

„Ich meine auch nicht, dass das Duell für dich gefährlich ist. Sie ist sehr alt und eine Amateurin. Wenn sie stürzt, verletzt sie sich noch. Deswegen habe ich ja auch ihre Herausforderung nicht angenommen.“

„Hey, du Lausebengel! Ich dachte, du wolltest ein Duell?! Komm her und steh zu deinem Wort!“, forderte Frau Dukas, die die kleine Unterhaltung zwischen Daniel und der jungen Lehrerin nicht nachverfolgen konnte.

„Dem Sliferkönig kann man nicht trauen! Am Ende macht er wieder einen Rückzieher!“, rief diesmal eine andere Stimme aus der nach und nach anwachsenden Zuschauerschaft.

„Nein! Daniel ist mutig und wird ganz sicher ein tolles Duell spielen“, rief Manja dem Unbekannten entgegen und erntete dafür so einige fragende Blicke.

Daniel verstand zwar Frau Mentzels Bedenken, aber die abwertenden Sprüche wollte er so auf keinen Fall stehen lassen und außerdem galt es auch Frau Dukas, die wohl im Moment nicht ganz bei Sinnen war, vor sich selbst zu beschützen.

„Ich verspreche ihnen, dass ich vorsichtig sein werde. Sie haben mir doch ursprünglich auch das Probeduell gegen Manja anvertraut. Dann vertrauen Sie mir diesmal auch, bitte.“

Frau Mentzel verschränkte nun die Arme, sie schien sich innerlich zu ihrer schlussendlichen Antwort stark durchringen zu müssen.

„Ich erlaube dir das Duell.“, flüsterte sie, „Aber keine direkten Angriffe und keine Angriffe, die mehr als 2000 Punkte Schaden auf einmal anrichten, klar? Sonst breche ich das sofort ab und rufe doch den Direktor an.“

Das waren zwar harsche Bedingungen, aber gegen eine Anfängerin sollte das machbar sein.

Er nickte ihr stumm zu, bevor er sich der kampfbereiten Küchenleiterin gegenüberstellte.

„Entschuldigung für die Unterbrechung, Frau Dukas, machen Sie bitte Ihren Zug!“

„Das wird aber auch langsam Zeit, man lässt eine Dame schließlich nicht warten!“, tadelte sie und nahm sich eine Karte von ihrem Deck.

„Meine erste Karte ist das Suppenmonster Kürbiscreme-Kröte, komm im Verteidigungsmodus heraus!“

Die Kürbiscreme-Kröte wies, bis auf einen kokosmilchweißen Strudel auf dem Rücken eine durchgehend orangene Färbung auf. Auf seinen Schallblasen befanden sich kleine Strünke, sodass, als die Kröte sie zur Begrüßung aufblähte, die Schallblasen wie kleine Kürbisse aussahen.

Suppenmonster Kürbiscreme-Kröte: Stufe 4, 1300Atk, 1700Def.

„Wird die Kürbiscreme-Kröte als Normalbeschwörung gerufen, dann bewirkt ihr Effekt zwei Dinge: Zum Einen erhalte ich 200 Lebenspunkte dazu!“, erklärte Frau Dukas.

Frau Dukas´ Lebenspunkte: 4000 → 4200.

Der zweite Teil des Effektes meiner Kröte tritt in Kraft! Ich darf ich meiner Hand eine gehaltvolle „Suppe-“Karte aus meinem Deck zufügen! Der Große Suppen-Sumpf ist dabei ganz nach meinem Geschmack!“, erklärte Frau Dukas und fügte sogleich ihrer Hand den besagten Spielfeldzauber hinzu. „Natürlich spiele ich meinen Großen Suppen-Sumpf auch sofort aus!“

Der Spielfeldzauber wandelte das saftige Grün, auf dem die Duellanten standen, zu einer rot-bräunlichen Wasseroberfläche.

„Ist ja verrückt“, kommentierte Daniel, während er testweise vorsichtig mit dem Fuß auf den Boden stampfte und damit kleine Wellen auslöste.

Er stand gerade auf dem Wasser.

Sellerie und Bohnenstangen ragten wie Schilf aus dem Suppen-Sumpf und die Seerosen schienen aus Weißbrotscheiben zu bestehen.

Das Suppenspielfeld wurde von einer eisernen, etwa ein Meter hohen Abgrenzung umrandet, an deren Außenwände sich Griffe wie bei einem Kochtopf befanden.

Der Anblick des Spielfeldzaubers ließ Daniel erahnen, was für Karten noch auf ihn zukommen würden.

„Sagen sie bloß, Ihr ganzes Deck besteht aus labbrigen Suppen-Karten? Wie wärs denn stattdessen mal etwas Festem zum Schneiden und Beißen? Zum Beispiel mit einem saftigen Steak?“, fragte er.

„Die Kritik an meiner Gerichtsauswahl habe ich wohl überhört! Immerhin ist mein lieber Heinrich am allerliebsten Suppe!“

„Kein Wunder in seinem Alter wird das Kauen auch langsam schwierig!“, rief eine ungefragte Mädchenstimme aus der Zuschauerschaft.

Die Köchin guckte sich um, konnte allerdings nicht ausmachen, von wem die Frechheit stammte.

Sie setzte kurz darauf ihren Zug fort.

Du wirst mein Suppen-Deck noch ernst nehmen, Jungchen! Ich setzte zwei verdeckte Karten und gebe an dich ab!“

Zwei verdeckte Karten erschienen vor Frau Dukas und Daniel begann seinen ersten Zug.

„Ich rufe zuerst den Schäfersfreund im Angriffsmodus!“

Ein Schäferhund, der quer im Maul einen Hirtenstock hielt, knurrte das Krötenmonster von Frau Dukas an.

Schäfersfreund: Stufe 4, 1850Atk, 1300Def.

„Mein Schäfersfreund hat mehr Angriffskraft als ihr Suppenmonster Verteidigungspunkte hat! Ich greife deshalb mit dem Hirtenfreund an!“

Daniel gab ein kommandierende Handbewegung und sein Monster eilte auf die Kürbiscreme-Kröte zu!“

„Da mach ich dir einen Strich durch die Rechnung! Ich aktiviere meine Fallenkarte! Hier kommt Die Suppe aufkochen!“

Kurz nachdem Frau Dukas ihre Falle aktivierte, begann das wässrige Spielfeld zu Dampfen und wild zu blubbern.

Daniels Hund hielt inne.

„Die Suppe aufkochen ist eine meiner Lieblingskarten! Sie darf nur aktiviert werden, wenn wir uns im Großen Suppen-Sumpf duellieren und zerstört alle Monster auf dem Feld! Außerdem darf ich mir pro zerstörtes Monster 100 Lebenspunkte schmecken lassen! Aber vorher aktiviere ich meine zweite verdeckte Karte!“

Vor der Kantinenleiterin tat sich ein Schnellzauber auf.

„Das ist der Taktische Rückzug! Ich nehme ein Monster, das ich kontrolliere auf meine Hand und darf dann Lebenspunkte dazu erhalten, entweder in Höhe der Angriffs- oder der Verteidigungspunkte des jeweiligen Monsters! Ich nehme also Suppenmonster Kürbiscreme-Kröte auf die Hand, beschütze sie so vor dem Zerstörungseffekt von Die Suppe aufkochen und erhalte sogar 1700 Lebenspunkte dazu!“

Die Kürbiscreme-Kröte wanderte gerade noch rechtzeitig auf Frau Dukas Hand zurück, bevor das immer stärker kochende Suppenwasser sie zerstören konnte.

Währenddessen winselte der Schäfersfreund, bevor das Hologramm von Daniels Monster zerplatzte.

Frau Dukas´ Lebenspunkte: 4200 → 5900.

Frau Dukas´ Lebenspunkte: 5900 → 6000.

„Unser unfähiger „König“ zeigt schon wieder, wie nutzlos er ist! Gib doch einfach auf, Mann!“, rief ein Slifer-Red als Reaktion auf Daniels Misserfolg.

Daniel überlegte kurz, wie er dem Zurufer eine möglichst clevere Antwort auf die Beleidigung geben könnte, fokussierte sich dann aber auf das Spiel.

Bloß nicht ablenken lassen, immerhin vertraute ihm Frau Mentzel und er wollte ihr Vertrauen nicht enttäuschen.

Und dann sah ja auch noch Manja zu...

„Das war ein cleverer Spielzug, Sie konnten dank der Kombination von Die Suppe aufkochen und Taktischer Rückzug mein Monster loswerden, ohne sich selbst zu schaden“, erkannte Daniel an.

„Danke für das nette Kompliment mein Junge, aber das war noch nicht alles! Denn nun aktiviert sich der besondere Effekt meines großen Suppen-Sumpfes! Mein Sumpf erhält jedes Mal wenn sich meine Lebenspunkte erhöhen eine Würzzählmarke dazu!“

Daniel blickte seine Gegnerin fragend an.

„ „Würzzählmarken“?“

„Exakt! Der Große Suppen-Sumpf erhält Würzzählmarken! Ab 20 Würzzählmarken entfaltet meine Suppe endlich ihren vollen Geschmack und gewinnt automatisch das Duell für mich! Und da ich soeben zweimal Lebenspunkte erhalten habe, liegen schon die ersten beiden Marken auf meinem Spielfeldzauber!“

Der Große Suppen-Sumpf Würzzählmarken: 0 → 2.

Nun verstand Daniel auch, warum seine Gegnerin ständig Lebenspunkte dazu bekam, sie wollte nicht nur ihr Durchhaltevermögen stärken, sie brauchte sie auch für ihre alternative Gewinnbedingung.

„Ich gebe zu, dass ich Ihnen in die Falle gegangen bin, aber in meinem nächsten Zug bin ich besser vorbereitet! Und um das sicher zu stellen, spiele ich sofort zwei Karten verdeckt. Sie sind dran!“

Die beiden verdeckten Karten erschienen vor Daniel und Frau Dukas zog.

„Zunächst lasse ich das Suppenmonster Kürbiscreme-Kröte gleich zurückkehren! Diesmal im Angriffsmodus!“

Das orangene Krötenmonster erschien mit einem Quaken vor Frau Dukas.

Suppenmonster Kürbiscreme-Kröte: Stufe 4, 1300Atk, 1700Def.

„Der Effekt von meinem Suppenmonster aktiviert sich bei der Normalbeschwörung: Ich darf eine „Suppe-“-Karte aus meinem Deck holen und erhalte zudem 200 Lebenspunkte dazu! Diesmal entscheide ich mich für das Suppenmonster Linsentopf-Libelle!“

Frau Dukas zeigte das gesuchte Monster vor.

Sogleich erhöhten sich ihre Lebenspunkte und die Würze des Suppen-Sumpfes.

Frau Dukas´ Lebenspunkte: 6000 → 6200.

Der Große Suppen-Sumpf Würzzählmarken: 2 → 3.

„Weiter geht es mit dieser schicken Karte: Geheimzutat der Suppe! Diese Zauberkarte lässt mich bis zu zwei Suppenmonster aus meiner Hand als Spezialbeschwörung rufen und schenkt mir pro Monster 100 Lebenspunkte! Ich rufe Suppenmonster Minestrone-Mosquito und Suppenmonster Linsentopf-Libelle im Angriffsmodus!“

Frau Dukas´ Lebenspunkte: 6200 → 6400.

Der Große Suppen-Sumpf Würzzählmarken: 3 → 4.

Links und rechts neben der Kürbiscreme-Kröte erschienen Frau Dukas´ neue Monster.

Der Minestrone-Mosquito hatte statt des eigentlichen Saug- und Stechwerkzeuges eine lange Karottennase, die Flügel schienen aus Zwiebelscheiben zu bestehen und überall auf seinem Körper befanden sich weiße Parmesanfäden.

Die braune Linsentopf-Libelle war etwas größer als der Mosquito und anstelle der eigentlichen Facettenaugen waren große Linsen zu sehen.

Der längliche Körper des Insektes war mit kleinen Möhren- und Kartoffelstückchen gespickt.

Suppenmonster Minestrone-Mosquito: Stufe 1, 300Atk, 100Def.

Suppenmonster Linsentopf-Libelle: Stufe 2, 800Atk, 500Def.

Daniel spürte, wie sein Magen knurrte.

Wegen des ausgefallenen Mittagessens hatte er tierischen Kohldampf und die ganzen nach leckerem Essen aussehenden Monster von Frau Dukas machten seinen Hunger nur noch schlimmer.

„Dein einziges Monster habe ich eben ja erfolgreich zerstört! Deshalb werden meine Monster jetzt einen großen Happen von deinen Lebenspunkten nehmen, du Früchtchen! Doch bevor ich angreife, sollte ich den zweiten Effekt von dem Großen Suppen-Sumpf erwähnen! Für jede Würzzählmarke bekommen meine Suppenmonster je 50 Angriffs- und Verteidigungspunkte sobald sie angreifen oder angegriffen werden! Doch genug geredet! Zuerst lässt meine Kürbiscreme-Kröte Taten sprechen!“

„Nicht so voreilig! Ich aktiviere meine verdeckte Karte! Die Wau-Wau-Wunderwelpen!“, kam Daniel ihr zuvor.

Die Fallenkarte klappte auf und drei kleine Pudel mit jeweils unterschiedlichen Färbungen erschienen. Die roten Augenbinden mit Sehöffnungen und die blauen, im Wind wehenden Capes verliehen ihnen das Aussehen von kleinen Superhelden.

Wunderwelpe-Spielmarke: Stufe 2, 500Atk, 500Def.

„Wie süß!“, rief Manja aus.

Daniel lächelte sie an und wandte sich dann wieder seiner Gegnerin zu.

„Tja, die direkten Angriffe fallen vorerst aus! Denn wenn ich keine Monster kontrolliere, darf ich Wau-Wau-Wunderwelpen aktivieren, um ein Trio von drei Wunderwelpen-Spielmarken zu rufen! Natürlich im Verteidigungsmodus!“

„Deine Lebenspunkte sind zwar sicher, aber deine Spielmarken werden gleich klein püriert! Ich greife die erste Wunderwelpen-Spielmarke mit der Kürbiscreme-Kröte an!“

Suppenmonster Kürbiscreme-Kröte: 1300Atk → 1500Atk, 1700Def → 1900Def.

Frau Dukas´ Monster fuhr ihre lange Zunge aus und peitschte auf den Wunderwelpen in der Mitte ein, der daraufhin zersprang.

„Das war der erste Angriff! Jetzt kommt meine Linsentopf-Libelle zum Einsatz!“, befahl Frau Dukas.

Suppenmonster Linsentopf-Libelle: 800Atk → 1000Atk, 500Def → 700Def.

Die Libelle flog eine rücksichtslose Rammattacke gegen Daniels zweiten Wunderwelpen und zerstörte ihn.

Daniel war für den dritten Angriff bereit und sah der Köchin direkt in die Augen.

„Ihr Mosquito kann zwar noch angreifen, aber da sich erst vier Würzzählmarken auf ihrem großen Suppensumpf befinden, bekommen Ihre Monster lediglich 200Angriffspunkte dazu. Daher wird der Mosquito nur 500 Angriffspunkte, also genauso viel haben, wie meine Spielmarke. Ein Angriff würde mein Monster nicht zerstören!“, stellte er fest.

„Jungchen, du unterschätzt mich! Aber das ist ja auch kein Wunder! Immerhin nimmt das Fräulein Mentzel mich ja auch nicht ernst! Jedenfalls hat mein Suppenmonster Minestrone-Mosquito einen tollen Trick in petto! Direkter Angriff auf Daniels Lebenspunkte!“

Suppenmonster Minestrone-Mosquito: 300Atk → 500Atk, 100Def → 300Def.

Verwundert musste Daniel dem Stechinsekt dabei zusehen, wie es einfach über seine letzte Welpenspielmarke hinweg flog und seinen Karottenstachel letztlich schmerzhaft in seine Brust stieß.

Er keuchte leicht.

Daniels Lebenspunkte: 4000 → 3500.

Frau Dukas lachte erfreut.

„Ha-ha! Da machst du ein Gesicht, nicht wahr!? Wenn ich den Großen Suppen-Sumpf kontrolliere, darf der Minestrone-Mosquito direkt angreifen, auch wenn du ein Monster kontrollierst! Außerdem erhalte ich den durch diesen Angriff verursachten Kampfschaden als Lebenspunkte dazu! Ein wirklich exquisiter Effekt, finde ich!“

Frau Dukas´ Lebenspunkte: 6400 → 6900.

Der Große Suppen-Sumpf Würzzählmarken: 4 → 5.

„Ich setze meine letzte Handkarte verdeckt und gebe an dich ab!“

Daniel begann seinen Zug.

„Ich lege sofort mit dieser tollen Karte los: Fusion!“

Hinter Daniel bildete sich ein rot gelber Fusionsstrudel.

„Ich verschmelze die letzte Wunderwelpen-Spielmarke mit dem Dämonischen Dobermann auf meiner Hand! Hier kommt der ultimative Jagdhund! Alpha die Eisenmähne!“

Aus dem Fusionsstrudel sprang ein mächtiger Wolf mit knapp zwei Metern Schulterhöhe.

Er hatte eiskalte Augen und metallisch glänzendes Fell.

Alpha die Eisenmähne: Stufe 7: 2400Atk, 2000Def.

„Ich weiß nicht, was Ihre verdeckte Karte ist, Frau Dukas, aber falls es sich wieder um Die Suppe aufkochen handeln sollte, muss ich Sie warnen! Denn der erste Effekt meiner Eisenmähne macht alle Monster vom Typ Ungeheuer, die ich kontrolliere unzerstörbar! Aber genug von Alpha, denn jetzt kommt zuerst meine verdeckte Karte ins Spiel, Stampfen des Walddämons!“

Die Fallenkarte des Jungen klappte auf.

„Stampfen des Walddämons darf aktiviert werden, wenn ich ein Ungeheuer der Stufe 5 oder höher beschwöre und zerstört alle Zauber- und Fallenkarten auf dem Feld! Und als Bonus bekommt meine Eisenmähne pro zerstörter Karte 500 Angriffspunkte dazu! Das wars für Ihre verdeckte Karte und für den Suppen-Sumpf!“

Alpha hob den rechten Vorderlauf, um ihn wieder mit Wucht auf den Boden zu rammen, aber Frau Dukas kam dem Monster zuvor: „Nix da! Ich annulliere dein Stampfen des Walddämons mit meiner Konterfalle! Bewahrer der Suppe – Graupen-Raupen!“

Kaum hatte sich die Fallenkarte von Frau Dukas aufgedeckt, schon hüpften aus allen Richtungen kleine, offenbar lebendige Graupen auf Daniels Wolfsmonster.

Angewidert schüttelte er die kleinen Insekten von sich ab, führte dafür allerdings seine Stampfattacke nicht mehr aus.“

„Also anfangs fand ich ihr Deck noch ganz lecker, aber diese ganzen Insekten machen die Sache doch etwas unappetitlich!“, bemerkte Daniel flapsig.

„Tja, wirklich ansprechend sind meine Graupen-Raupen ehrlich nicht, aber dafür sind sie ungemein hilfreich! Kontrolliere ich den Großen Suppen-Sumpf können meine Raupen jede Karte des Gegners annullieren und zerstören, die andere Karten als Ziel wählen oder zerstören würde! Es war vorherzusehen, dass du früher oder später versuchen würdest meinen Spielfeldzauber loszuwerden, aber die Suppe versalze ich dir! Außerdem gibt es dank der Bewahrer der Suppe - Graupen-Raupen 300 Lebenspunkte und natürlich eine Würzzählmarke für mich! Ha-Ha!“

Frau Dukas´ Lebenspunkte: 6900 → 7200.

Der Große Suppen-Sumpf Würzzählmarken: 5 → 6.

Die Kantinenleiterin der Ras stemmte ihre Hände in die Hüfte.

Sie strotzte vor Selbstbewusstsein.

„Du schwacher Verräter! Früher konntest du wenigstens noch Obelisken besiegen! Aber inzwischen sind unserem Luschenkönig schon altersschwache Großmütter zu viel!“, rief eine hämische Mädchenstimme anonym aus der Zuschauermenge.

Allgemeines Gelächter.

Frau Mentzel hatte jetzt genug von den unqualifizierten Zwischenrufen.

„So, das reicht mir jetzt! Ein Duell zu stören, indem man ständig auf einen der Spieler rumhackt ist absolut unsportliches Verhalten und wird nicht von mir geduldet! Entweder geht ihr in die Unterkunft, oder ihr geht draußen woanders hin! Aber ich will keine Zuschauer mehr haben!“

„Hey! Ich hab doch gar nichts gemacht!“, protestierte ein Junge.

„Das ist schade für dich, bedanke dich bei deinen Mitschülerinnen und Mitschülern dafür, dass du das Duell nicht mehr weiter beobachten darfst! Wer bei Zehn noch hier ist, bekommt einen Eintrag in die Schülerakte! Eins...! Zwei...! Drei...!-“

Weiter brauchte die Slifer-Hauslehrerin nicht zählen.

Mit allgemein unzufriedenen Gesichtausdrücken und viel Geschimpfe verließen die zuschauenden Slifer das Duell.

„Entschuldigung, dass ich nicht weiter zugucken kann! Aber ich wünsche dir noch viel Glück!“, rief Manja ihm zu und winkte Daniel dabei zu.

„Du darfst bleiben“, sagte Frau Mentzel zu ihr, „für dich mache ich eine Ausnahme.“

„Klasse! Vielen Dank, Frau Mentzel!“, freute sich das Mädchen.

Die Lehrerin lächelte mild und wandte sich danach an Daniel.

„Daniel! Vergiss, was ich dir gesagt habe! Frau Dukas scheint mir sehr viel stärker zu sein, als ich gedacht habe! Du brauchst dich nicht mehr zurückhalten!“, rief sie ihm zu.

Da wurde Frau Dukas hellhörig:

„Soso? Mein Junge, was hast du denn vorhin mit dem Fräulein Mentzel besprochen?!“, hakte sie neugierig nach.

Daniel lächelte seine Gegnerin selbstbewusst an.

„Sie hatte mich davor gewarnt, dass Sie eine harte Gegnerin für mich sein werden! Und sie hatte absolut recht! Als Profilehrerin hat Frau Mentzel wohl ein Auge für Talent!“, log er.

Frau Dukas schaute nicht schlecht, sie hatte zuvor nicht das Gefühl gehabt von der jungen Lehrerin sonderlich ernst genommen worden zu sein.

Daniel setzte nun seinen Zug fort.

Jetzt aktiviere ich den zweiten Effekt meines Fusionsmonsters! Ich darf nämlich einmal pro Zug ein Monster vom Typ Ungeheuer in meinem Friedhof als Spezialbeschwörung rufen! Schäfersfreund, komm zu mir zurück!“

Alpha jaulte auf und ließ so neben sich den Schäferhund mit dem Hirtenstock erscheinen.

Schäfersfreund: Stufe 4, 1850Atk, 1300Def.

„Ihre verdeckte Karte hat zwar den Großen Suppen-Sumpf beschützt, aber immerhin weiß ich jetzt, wo sie keine verdeckten Karten mehr haben, dass ich hemmungslos angreifen kann!“

„Ganz hemmungslos angreifen kannst du nicht, mein Junge! Denn solange ich den Großen Suppen-Sumpf kontrolliere, darfst du kein anderes Suppenmonster als die Linsentopf-Libelle angreifen!“, widersprach Frau Dukas.

„Gut, meinetwegen! Dann kümmert sich jetzt mein Schäfersfreund um Ihre Libelle! Mach Fass!“

Suppenmonster Linsentopf-Libelle: 800Atk → 1100Atk , 500Def → 800Def.

Daniels erstes Hundemonster zerschmetterte die Linsentopf-Libelle mit einem Schlag seines Stockes.

Frau Dukas steckte den Angriff mühelos weg.

Frau Dukas´ Lebenspunkte: 7200 → 6450.

„Der zweite Effekt von Suppenmonster Linsentopf-Libelle tritt ein, wenn meine Libelle im Kampf zerstört wird und gibt mir als Ersatz ein anderes Suppenmonster aus meinem Deck sowie 200 Lebenspunkte! Ich rufe als Spezialbeschwörung das Suppenmonster Bouillabaisse-Blutegel!“

Zeitgleich zum Erscheinen ihres neuesten Suppenmonsters, einem offensichtlich toten Fisch, dem schon eine Gräte aus dem Körper heraus ragte und der von einem guten Dutzend schwarzer Egel befallen war, erhielt Frau Dukas Lebenspunkte und eine weitere Würzzählmarke.

Frau Dukas´ Lebenspunkte: 6450 → 6650.

Der Große Suppen-Sumpf Würzzählmarken: 6 → 7.

Suppenmonster Bouillabaisse-Blutegel: Stufe 1, 100Atk, 100Def.

„Buja-wie? Was ist denn das?“, fragte sich Manja laut.

„Bouillabaisse ist eine französische Fischsuppe. Wird aber meines Wissens ohne Egel serviert“, erklärt Frau Mentzel mit einem sarkastischen Unterton.

„Auch meine Bouillabaisse-Blutegel haben einen Effekt! Sobald ich sie rufe, dürfen sie ein gegnerisches Monster ausrüsten! Ab auf Alpha die Eisenmähne, meine Egel!“

Wie befohlen sprangen die Egel von dem toten Fisch ab und auf Daniels Fusionsmonster.

„Mist, was machen Ihre Blutegel mit meinem Alpha?!“

„Nichts besonderes, sie lassen es sich einfach schmecken!“, erklärte die Küchenchefin, „Das abgezapfte Blut schwächt deinen Wolf natürlich ein wenig, deshalb kann er nicht angreifen und seine Effekte werden ebenfalls negiert! Aber immerhin bekomme ich dafür während der Standby-Phase jedes Spielers 100 Lebenspunkte dazu und zwar so lange, wie meine Blutegel ein feindliches Monster ausrüsten!“

Daniel verstand.

Damit war sein Angriff schneller beendet, als er geplant hatte.

„Ich beende meinen Zug!“, rief er der Kontrahentin zerknirscht entgegen.

Frau Dukas begann ihren Zug mit dem Ziehen einer Karte und bekam wie soeben erklärt sofort 100 Lebenspunkte wegen der Bouillabaisse-Blutegel dazu.

Frau Dukas´ Lebenspunkte: 6650 → 6750.

Der Große Suppen-Sumpf Würzzählmarken: 7 → 8.

„Los geht es mit diesem praktischen Zauber! Närrisches Geschenk! Närrisches Geschenk gibt meinem Gegner wohlschmeckende 4000 Lebenspunkte und ich darf zwei weitere bekömmliche Karten von meinem Deck ziehen!“

Daniels Lebenspunkte schossen schlagartig in die Höhe und Frau Dukas nahm zwei neue Karten.

Daniels Lebenspunkte: 3500 → 7500.

Er ballte seine rechte Hand zur Faust.

Als Frau Dukas das Närrische Geschenk gespielt hatte, kam eine unerklärliche Wut in ihm auf.

Es war eigentlich eine ganz normale Zauberkarte, aber irgendwas an der Karte gefiel ihm überhaupt nicht. Es fühlte sich schon beinahe grausam an und er meinte sich gleichzeitig an schadenfrohes Lachen und schmerzerfülltes Geschrei zu erinnern.

Daniel atmete tief ein und aus und zwang sich dazu seinen Körper zu entspannen.

Was spann er sich denn da gerade zusammen?

Halluzinierte er gerade?

Der starke Hunger war sicher schuld, Duelle auf leerem Magen bekamen ihm wohl nicht.

„Hey, Manja, geht es dir nicht gut?“, fragte Frau Mentzel besorgt.

Das Slifermädchen starrte für einen kurzen Moment mit glasigen Augen ins Leere.

Als er wieder zu Sinnen gekommen war, verstand Daniel instinktiv, das Närrisches Geschenk ein ähnliches Gefühlschaos in Manja auslöste, wie bei ihm.

Nur warum?

„Entschuldigung, Frau Mentzel, ich tagträume nur etwas“, redete sie sich schnell raus.

Merkwürdig...

Frau Dukas bekam von all dem nichts mit, sie war in ihren eigenen Spielzug vertieft.

„Ich habe gleich die nächste Zauberkarte parat! Sie heißt Verbotene Buchstabensuppe! Sie darf nur aktiviert werden, wenn ich den Großen Suppen-Sumpf kontrolliere! Da das der Fall ist, nenne ich jetzt eine beliebige Karte. Sollte sich diese genannte Karte in deinem Deck befinden, wandern alle Exemplare dieser Karte auf den Friedhof und ich erhalte 300 Lebenspunkte! Und ich denke, du hast einen Spielfeldzauber namens Nullzone in deinem Deck!“

Auf dem Spielfeldzauber schwammen jetzt direkt vor Daniels Füßen verschiedene Buchstaben aus Nudelteig zusammen, die das Wort „Nullzone“ bildeten.

„Das war wohl zu offensichtlich, angesichts dessen, dass ich fast ausschließlich Normale Monster spiele, oder?!“, fragte Daniel, während er alle drei Kopien von Nullzone auf den Friedhof legte.

Frau Dukas antwortete mit einem siegesgewissen Ton:„Tja, Bürschchen, wenn man schon ein paar Jahrzehnte Duel-Monsters Erfahrung hat und ein Deck, das auf den eigenen Spielfeldzauber angewiesen ist spielt, dann lernt man so starke Karten wie Nullzone unweigerlich kennen!“

Frau Dukas´ Lebenspunkte: 6750 → 7050.

Der Große Suppen-Sumpf Würzzählmarken: 8 → 9.

„Weiter geht es mit einer Schnellzauberkarte! Sie heißt „Es ist noch Suppe da!“ ! Es ist noch Suppe da! erlaubt es mir ein beliebiges Suppenmonster aus meinem Friedhof als Spezialbeschwörung zu rufen, allerdings muss ich im Gegenzug ein Suppenmonster auf meine Hand nehmen! Die Linsentopf-Libelle wird wiederbelebt und die Kürbiscreme-Kröte kommt auf meine Hand! Außerdem lasse ich mir zusätzlich 200 Lebenspunkte schmecken!“

Frau Dukas´ Insektenmonster mit den Linsenaugen und den mit Kartoffel- und Möhrenstückchen versehenen Körper kehrte zurück, gleichzeitig verschwand das Hologramm der Kürbiscreme-Kröte.

Frau Dukas´ Lebenspunkte: 7050 → 7250.

Der Große Suppen-Sumpf Würzzählmarken: 9 → 10.

„Dass ich das Suppenmonster Kürbiscreme-Kröte wieder auf die Hand nehmen musste, ist eigentlich mehr Vor- als Nachteil, denn dadurch kann ich sie erneut ausspielen und von ihrem besonderen Effekt profitieren! Ich rufe Kürbiscreme-Kröte im Verteidigungsmodus auf!“

Zwischen der Linsentopf-Libelle und dem Minestrone-Mosquito erschien die orange-weiße Kröte mit den Strünken in den Schallblasen.

Suppenmonster Kürbiscreme-Kröte: Stufe 4, 1300Atk, 1700Def.

„Wird die Kürbiscreme-Kröte als Normalbeschwörung gerufen, darf ich meiner Hand eine „Suppe-“-Karte aus meinem Deck zufügen und 200 Lebenspunkte erhalten. Ich wähle einen alten Bekannten, die Konterfallenkarte Bewahrer der Suppe – Graupen-Raupen!“

Sie zeigte die gesuchte Karte vor.

Frau Dukas´ Lebenspunkte: 7250 → 7450.

Der Große Suppen-Sumpf Würzzählmarken: 10 → 11.

Das war mehr als schlecht.

Daniel hatte wegen der Verbotenen Buchstabensuppe keine eigenen Spielfeldzauber zur Verfügung und Zerstörungseffekte würden ihm wegen der Graupen-Raupen auch nichts bringen.

Allerdings musste er dringend den Großen Suppen-Sumpf loswerden, denn mit 11 von 20 Würzzählmarken hatte Frau Dukas schon mehr als halb gewonnen.

Frau Dukas ging nun in ihre Battle Phase über.

„Los, Linsentopf-Libelle! Angriff auf den Schäfersfreund!“

Suppenmonster Linsentopf-Libelle: 800Atk → 1350Atk, 500Def → 1050Def.

„Was soll denn das? Ihr Monster hat doch auch mit dem Kraftschub von dem Großen Suppen-Sumpf weniger Angriffspunkte!“, wunderte sich Manja.

Doch die beiden sich gegenüberstehenden Duellanten wussten genau, dass dieser Spielzug kein Fehler war.

Das dürre Insektenmonster flog hastig auf den Schäferhund zu und dieser zerschmetterte die Libelle mit einem Stockhieb.

Die rundlich Frau Dukas keuchte leicht.

Frau Dukas Lebenspunkte: 7450 → 6950.

„Der Effekte der Libelle gibt mir jetzt, wo sie im Kampf zerstört wurde, nicht nur 200 Lebenspunkte, sondern verstärkt mein Feld um ein weiteres Suppenmonster mit anderem Namen! Ich rufe das Suppenmonster Bouillabaisse-Blutegel auf!“

Vor ihr erschien erneut ein toter Fisch, der genüsslich von den auf sich ihm tummelnden Blutegeln ausgesaugt wurde.

Frau Dukas´ Lebenspunkte: 6950 → 7150.

Der Große Suppen-Sumpf Würzzählmarken: 11 → 12.

Suppenmonster Bouillabaisse-Blutegel: Stufe 1, 100Atk, 100Def.

„Werden die Bouillabaisse-Blutegel beschworen, dürfen sie sich sofort einen neuen Wirt suchen! Daher rüste ich deinen Schäfersfreund mit ihnen aus!“

Die Blutegel sprangen vom toten Fisch auf Daniels kleineres, bisher unbefallenes Hundemonster.

„Dein Schäfersfreund hat zwar keine Effekte die negiert werden können, aber meine Egel schützen mich vor unerwünschten Angriffen! Apropos Angriffe: Mein Minestrone-Mosquito bekommt noch einen Nachschlag! Direkter Angriff auf die Lebenspunkte von dem Lausbuben!“

Suppenmonster Minestrone-Mosquito: 300Atk → 900Atk, 100Def → 700Def.

Wie befohlen flog die Stechfliege über Daniels Monster hinweg und stieß den Karottenstachel in seine Brust.

„Uff!“

Daniels Lebenspunkte: 7500 → 6600.

„Wenn mein Suppenmonster Minestrone-Mosquito Kampfschaden anrichtet, bekomme ich genauso viele Lebenspunkte dazu!“, erklärte Frau Dukas.

Frau Dukas´ Lebenspunkte: 7150 → 8050.

Der Große Suppen-Sumpf Würzzählmarken: 12 → 13.

„Du weißt ja, dass meine einzige Handkarte die Bewahrer der Suppe – Graupen-Raupen ist, daher setze ich sie verdeckt und beende den Zug!“

Frau Dukas platzierte ihre letzte Handkarte und Daniel war wieder am Zug.

Doch bevor er zog, wurde er durch einen Zuruf unterbrochen.

„Hey Daniel! Das sieht mir aber nicht nach Hausaufgaben aus!“, rief Erin und joggte auf die beiden Duellanten sowie die zuschauende Manja und Frau Mentzel zu.

„Ich bin ja auch gerade beschäftigt! Konnte ja nicht erahnen, dass ich in ein Duell gegen unsere Kantinenleiterin verwickelt werde!“

„Dann beeile dich mal, wenn dich die olle Ehring morgen ohne Hausaufgaben erwischt, heißt es Nachsitzen!“

Erins letzter Satz erntete ungewollt die Aufmerksamkeit von Frau Dukas.

„Ich denke, junges Mädchen, du solltest deiner Hauslehrerin etwas mehr Respekt zollen! Frau Ehring ist eine inspirierende Duellantin und Lehrerin! Und wenn sie mal zu streng sein sollte, dann nur, weil sie genau so hohe Erwartungen an ihre Schülerinnen und Schüler hat, wie an sich selbst!“

„Ähm...Entschuldigung?“, antwortete Erin unsicher.

Frau Mentzel hakte gleich nach.

„Da muss ich Frau Dukas Recht geben. Mir ist auch schon negativ aufgefallen, wie so manche Mitschüler über meine Kollegin reden und du solltest wissen, dass Frau Ehring es selbst nicht leicht hatte. Sie war damals eine der ersten Frauen in Deutschland, denen es gestattet wurde Duel-Monsters zu studieren und sie wurde lange Zeit von der männerdominierten Duel-Monsters-Welt belächelt. Sie erwartet lediglich das gleiche Maß an Arbeit und Disziplin von euch, das sie damals gebraucht hatte um sich durchzusetzen.“

Nach der unerwarteten Schelte musste Erin erst einmal schlucken.

Auch Daniel, der schon so einige Mal über sie geschimpft hatte fühlte sich nun ein wenig ertappt.

Nun stellte sich Erin neben Manja und versuchte einen Themenwechsel.

„Was habe ich bisher verpasst? Gewinnt Daniel wenigstens, wenn er sich gegen das Schulpersonal duelliert?“

„Hm, offen gesagt, finde ich, dass es nicht gut aussieht“, erzählte Manja, „Du siehst ja den Spielfeldzauber von Frau Dukas. Sie bekommt andauernd Lebenspunkte dazu und jedes Mal, wenn sie Lebenspunkte bekommt, bekommt ihre Spielfeldzauber neue Marken. Wenn sie 20 Marken hat, gewinnt sie automatisch das Duell.“

„Ach? Und wie viele Marken hat der Spielfeldzauber inzwischen?“

„Wenn ich richtig mitgezählt habe, sind es 13.“

„Da möchte ich widersprechen! Mein Großer Suppen-Sumpf hat jetzt ganze 15 Würzzählmarken!“, mischte sich Frau Dukas ein, die das Gespräch der beiden Mädchen mitverfolgt hatte.

Daniel hatte seinen Zug begonnen, wodurch automatisch die Effekte der Bouillabaisse-Blutegel Frau Dukas jeweils 100 Lebenspunkte bescherten.

Frau Dukas´ Lebenspunkte: 8050 → 8250.

Der Große Suppen-Sumpf Würzzählmarken: 13 → 15.

„Erin, die gerade erst dazu gestoßen war und deshalb noch nicht verstand, was in diesem Duell so recht vor sich ging, schaute erst einmal still zu.

„Daniel betrachte die gezogene Karte.

Alleine war sie nicht hilfreich, aber wenn er in seinem nächsten Zug eine gute Karte erwischen würde, könnte er das Duell noch wenden.

Bis dahin musste er sich etwas Zeit erkaufen.

„Ich opfere nun meinen Schäfersfreund und rufe so als Tributbeschwörung den Wachhund des Jägers!“

Der von den schwarzen Egeln gequälte Schäferhund verschwand und an seiner Stelle erschien ein bulliger Sennenhund mit einem Camouflage-farbenen Fell.

Wachhund des Jägers: Stufe 5, 1900Atk, 2500Def.

„Da mein Wachhund des Jägers nicht mit ihren Blutegeln ausgerüstet ist, darf er frei angreifen! Das nutze ich auch gleich aus! Attacke auf das Suppenmonster Minestrone-Mosquito!“, befahl Daniel.

Suppenmonster Minestrone-Mosquito: 300Atk → 1050Atk, 100Def → 850Def.

Daniels Wachhund des Jägers hechtete auf das Moskitomonster zu und zerbiss es noch im Flug.

Eine schwache Schockwelle erfasste Frau Dukas.

Frau Dukas´ Lebenspunkte: 8250 → 7400.

„Ich spiele zum Schluss eine Karte verdeckt! Sie sind dran!“

Frau Dukas zog.

„So, als Erstes bekomme ich nahrhafte 100 Lebenspunkte sowie eine weitere Würzzählmarke für meinen Großen Suppen-Sumpf! Denn mein Bouillabaisse-Blutegel rüstet noch immer Alpha aus!“

Frau Dukas´ Lebenspunkte: 7400 → 7500.

Der Große Suppen-Sumpf Würzzählmarken: 15 → 16.

„Du hast zwar eben mein Suppenmonster Minestrone-Mosquito besiegt, aber wie es bei Mosquitos so ist, haben sie viele Freunde! Aus meiner Hand rufe ich einen weiteren Minestrone-Mosquito im Angriffsmodus!“

Neben der Kürbiscreme-Kröte flatterte das kleine Insekt mit den Zwiebelflügeln, dem Karottenmundwerkzeug und den Parmesanstreifchen auf dem schmalen Körper.

Suppenmonster Minestrone-Mosquito: Stufe 1, 300Atk, 100Def.

„Solange ich den Großen Suppen-Sumpf kontrolliere, darf der Minestrone-Mosquito direkt angreifen! Und los, schnapp dir den Bengel!“

Suppenmonster Minestrone-Mosquito: 300Atk → 1100Atk, 100Def → 900Def.

Wie im letzten Zug konnte der Mosquito problemlos an Daniels Monstern vorbei fliegen und traf ihn mit dem Stachel am Brustkorb.

Daniel, der vom langen Duell und dem fehlenden Essen recht erschöpft war, geriet aufgrund des Angriffs ins Taumeln.

Daniels Lebenspunkte: 6600 → 5500.

„Wenn meine Mücke Kampfschaden erteilt, dann profitiere ich davon! Ich bekomme nämlich die gleiche Menge an Lebenspunkten dazu!“, erklärte Frau Dukas.

Frau Dukas´ Lebenspunkte: 7500 → 8600.

Der Große Suppen-Sumpf Würzzählmarken: 16 → 17.

„Ich bin satt und beende meinen Zug!“, verkündete Frau Dukas.

Daniel wurde schwindelig, das Duell kostete ihn bisher deutlich mehr Kraft, als er aufbringen konnte.

Er hockte sich hin und stützte sich mit einer Hand auf dem Boden ab.

„Nur...eine kleine Verschnaufpause, bitte!“

Frau Mentzel stand mit verschränkten Armen da.

„Ich muss zugeben, dass ich Frau Dukas komplett falsch eingeschätzt habe. Sie hatte als Frau in ihrem Alter zwar nie die Chance gehabt eine formelle Duellausbildung zu erhalten, aber ihr Spielstil ist makellos. Ich halte sie für stärker als die meisten Obeliskinnen und Obelisken.“

Manja machte da große Augen.

„Aber Obelisken sind doch noch stärker als die Duellanten von Ra-Yellow! Soll das heißen, dass Daniel verliert?“

„Tut mir Leid, aber wegen der Egel auf seinem Alpha der Eisenmähne wird Frau Dukas schon zu Beginn dieses Zuges ihre achtzehnte Würzzählmarke haben“, begann die Slifer-Hauslehrerin zu erklären, „Nach Daniels Zug bekommt sie wieder Lebenspunkte und sie ist bei 19 Marken. Danach braucht sie im Grunde nur ihren Zug beenden, um 20 Marken auf ihrem Großem Suppen-Sumpf zu haben und so das Duell für sich zu entscheiden.

Daniel hat wegen der Graupen-Raupen keine Chance ihren Spielfeldzauber zu zerstören, er müsste es irgendwie schaffen Frau Dukas 8700 Lebenspunkte in einem Zug abzunehmen. Aber das kann er unmöglich schaffen.“

Erin wurde hellhörig.

8700 Lebenspunkte?

Sie ärgerte sich ein wenig das Duell größtenteils verpasst zu haben, als sie diese absurde Zahl hörte.

Dennoch blieb sie optimistisch.

„Keine Angst, Manja! Daniel ist am Besten, wenn er mit dem Rücken zur Wand steht und damals, als er noch der Sliferkönig war, hatte er einen Obelisken nach dem anderen nass gemacht! Er schafft das, da bin ich mir sicher!“

„Sag mal Erin, was bedeutet denn „Sliferkönig“ eigentlich? Ich habe ein paar Mal schon gehört, wie andere Mitschüler Daniel so bezeichneten, aber...sie klangen dabei alles andere als freundlich.“

„Pffff...“

Da musste Erin für einen Augenblick überlegen, wie sie die Historie am kürzesten und trotzdem noch verständlich erklären konnte.

„Um es auf den Punkt zu bringen: Die Slifer-Reds wurden im letzten Schuljahr oft von den Schülern der anderen Häuser drangsaliert und Daniel hat diese Schüler immer wieder im Duell besiegt, um die Slifer zu schützen. Deshalb hat man ihm irgendwann den Titel Sliferkönig verliehen. Um den Groll gegen Slifer-Red ein für alle Mal zu beenden, sollte Daniel als Sliferkönig dann gegen den Obeliskenkönig antreten, den stärksten Schüler der Akademie. Doch dann wurde ihm der Druck zu viel und er hat sich letztlich vom geplanten Duell gegen den Obeliskenkönig zurückgezogen. Das nehmen ihm wohl Einige der älteren Slifer-Reds bis heute übel.“

Manja nickte bedächtig und dachte über das Gehörte nach.

„Aber das ist doch echt cool!“, sagte sie enthusiatisch.

Erin schaute das Mädchen fragend an.

„Wie meinst du, das, Manja? Was ist denn cool daran von den anderen nicht gemocht zu werden?“

„Nein, nein! Ich meine es ist echt cool, dass er sich bis heute noch für andere persönlich einsetzt, obwohl er deswegen im letzten Schuljahr Ärger hatte! Er hat sich beim Probeduell für mich stark gemacht und er hat das Duell gegen Frau Dukas nur deswegen begonnen, um sie davor zu bewahren selbst Ärger zu bekommen!“

Erin verstand nun ihren Gedankengang und lachte.

„Stimmt, Daniel ist wirklich cool!“

„Los Daniel, gewinne das Duell! Du kannst das!“, rief ihm Manja zu.

Das waren genau die Worte, die Daniel brauchte, um sich wieder aufzurichten.

„Tja, Frau Dukas, Sie haben es gehört. Man verlangt einen Sieg von mir, also werde ich Sie jetzt besiegen müssen“, sprach er.

Er lächelte seine Gegnerin entschlossen und kampflustig an.

„Jungchen! Du hast ein gesundes Selbstbewusstsein, aber wenn wir ehrlich sind, hat mein Suppendeck dich schon längst weich gekocht! Meine Suppe ist gleich mit der zwanzigsten Marke perfekt abgeschmeckt! Danach zeige ich es der jungen Dame hinter dir, sodass wieder Heinrich das Slifer-Haus führt!“

Daniel hielt seine Hand auf sein Deck, bereit zu ziehen.

„Na dann, mal gucken wer von uns am Ende recht behält!“

Er zog, während Frau Dukas wegen der Wirkung ihrer Blutegel weitere Lebenspunkte erhielt.

Frau Dukas´ Lebenspunkte: 8600 → 8700.

Der Große Suppen-Sumpf Würzzählmarken: 17 → 18.

Daniel betrachtete seine gezogene Karte und spürte, wie ein Stein von seinem Herzen fiel.

Das Duell war vorbei und zwar zu seinen Gunsten.

„Ich spiele aus meiner Hand einen Ritualzauber: Riesenhundehütte!“

Energisch platzierte Daniel die Zauberkarte auf der Disk und erklärte: „Mit Riesenhundehütte darf ich das Monster Legendärer Schlosshund aufrufen, wenn ich dafür Monster mit einer gesamten Stufe von 5 oder mehr als Tribut anbiete! Und wenn ich nur Normale Monster vom Typ Ungeheuer als Tribut anbiete, dann darf meine Riesenhundehütte den Legendären Schlosshund sogar aus meinem Deck aufrufen! Also biete ich meinen Wachhund des Jägers als Tribut an!“

Daniels Wachhund des Jägers verschwand und stattdessen erschien ein ungleich größeres, kolossales Hundemonster. Ein vier oder fünf Meter hoher, brauner Boxer, der gemütlich da saß. Auf seinem Rücken konnte man mittelalterliche Mauern und Turmspitzen ausmachen und um den Hals trug der Riesenboxer eine großgliedrige Eisenkette mit Schloss.

Legendärer Schlosshund: Stufe 5, 2000Atk, 2800Def.

„Wahnsinn!“, staunte Manja.

„Der Legendäre Schlosshund macht äußerlich schon ne Menge her, aber sein Effekt ist viel besser! Wenn er gerufen wird, darf ich ein beliebiges Normales Ungeheuer der Stufe 4 oder niedriger aus meinem Deck oder Friedhof als Spezialbeschwörung rufen! Los, zeig dich Kugelhund im Angriffsmodus!“

Neben dem riesigen Ritualmonster und Alpha erschien ein süßer, kugelrunder Mops, dessen Pfoten kaum den Boden erreichten.

Kugelhund: Stufe 2, 1000Atk, 1200Def.

Der Legendäre Schlosshund begann laut zu kläffen und die daraus resultierende Schallwelle verursachte Frau Dukas spürbaren Schaden.

Frau Dukas´ Lebenspunkte: 8700 → 8200.

„Nicht schlecht, oder? Mein Schlosshund freut sich so sehr über Gesellschaft, das er jedes Mal, wenn ich ein Normales Ungeheuer beschwöre, drauf los bellt. Und sein Bellen kostet Sie, liebe Frau Dukas 500 Lebenspunkte!“

„Pah! Du hast mich etwas überrumpelt, aber ich habe noch einen großen Batzen an Lebenspunkten übrig!“, entgegnete sie trotzig.

„Tja, jetzt stimmt das zwar noch, aber die Lebenspunkte nehme ich Ihnen ab! Ich decke meine verdeckte Falle auf! Apportieren!“

Die Karte klappte auf und Daniel machte weiter: Apportieren ist eine klasse Karte, denn diese Permanente Falle sorgt dafür, dass meine zerstörten Ungeheuer nicht auf den Friedhof landen, sondern zurück in mein Deck gemischt werden! Und zum Abschluss runde ich meine Kombination mit dem Permanenten Zauber Unermüdlicher Ansturm ab!“

Daniel spielte die letzte Handkarte aus.

„Unermüdlicher Ansturm beschwört aus meinem Deck ein Normales Monster mit gleicher oder niedrigerer Stufe, wenn eines meiner Normalen Monster im Kampf zerstört wird! Und jetzt gehe ich zum Angriff über! Los, mein Kugelhund! Zeig es ihrem Minestrone-Mosquito!“

„Du hast dich verrechnet, mein Junge! Denn bei den 18 Würzzählmarken bekommt mein Sumpfmonster ganze 900Angriffspunkte dazu!“

Suppenmonster Minestrone-Mosquito: 300Atk → 1200Atk, 100Def → 1000Def.

Der Kugelhund rollte wild entschlossen auf das Insektenmonster zu, wurde aber dann durch eine flinke Stechattacke zerstört.

Daniel hielt sich zum Schutz vor dem Rückstoß den Arm vor das Gesicht.

Daniels Lebenspunkte: 5500 → 5300.

„Mein Normales Monster wurde zerstört! Da ich Unermüdlichen Ansturm kontrolliere, darf ich also ein anderes Normales Monster aus meinem Deck beschwören! Außerdem war mein Kugelhund ein Ungeheuer, also landet es nicht im Friedhof, sondern wird dank Apportieren in mein Deck zurück gemischt! Ich rufe im Angriffsmodus den nächsten Kugelhund!“

Kugelhund: Stufe 2, 1000Atk, 1200Def.

„Ich habe ein Normales Ungeheuer beschworen, daher erteilt mein Legendärer Schlosshund sofort 500 Punkte Schaden!

Sofort kläffte Daniels kolossaler Schlosshund drauf los und Frau Dukas musste sich bei dem schmerzenden Lärm die Ohren zu halten.

Frau Dukas Lebenspunkte: 8200 → 7700.

„Ich bin noch immer in meiner Battle Phase! Los, Kugelhund, Attacke auf den Minestrone-Mosquito!“

Suppenmonster Minestrone-Mosquito: 300Atk → 1200Atk, 100Def → 1000Def.

Daniels Monster führte die befohlene Rollattacke aus, wurde allerdings vom feindlichen Mosquito besiegt.

Daniels Lebenspunkte: 5300 → 5100.

„Dank Apportieren landet der zerstörte Kugelhund nicht auf dem Friedhof sondern in meinem Deck! Außerdem aktiviert sich der Effekt von Unermüdlicher Ansturm und ersetzt mein soeben gefallenes Normales Monster durch ein anderes! Und zwar den nächsten Kugelhund!“

Zum dritten Mal in diesem Zug erschien Daniels anscheinend stark überfütterter Mops.

Kugelhund: Stufe 2, 1000Atk, 1200Def.

„Moment! Dieses Manöver hattest du gerade eben schon ausgespielt! Ahhh!“

Der riesige braune Boxer, der ein Schloss auf dem Rücken und eines um den Hals trug, bellte ohrenbetäubend laut auf und unterbrach damit Frau Dukas Satz.

Frau Dukas Lebenspunkte: 7700 → 7200.

Erin erkannte, was Daniel gerade getan hatte und freute sich riesig für ihn.

„Manja, Daniel hat das Duell gerade gewonnen!“

„Ähm...Aber er kann doch keines von Frau Dukas Monstern zerstören? Und außerdem hat sie doch noch über 7000 Lebenspunkte übrig, oder?“, fragte sie etwas unsicher.

Erin schüttelte den Kopf.

Das ist aber beides egal. Daniel kann wieder und wieder Frau Dukas´ Mosquito angreifen und auch immer und immer wieder neue Kugelhunde rufen, da während der Battle Phase beschworene Monster sofort Angriffe durchführen können. Sobald ein Kugelhund zerstört wird, ruft er wegen Unermüdlicher Ansturm gleich den nächsten und Apportieren bewirkt, dass ihm die Kugelhunde dafür nie ausgehen werden, weil das zerstörte Exemplar im Deck landet. Und wegen des Effekts seines Legendären Schlosshundes fügt er seiner Gegnerin bei jeder neuen Beschwörung 500 Punkte Schaden zu.“

„Ahhh! Ich glaub, ich verstehe es langsam! Und weil er diesen Ablauf unendlich oft wiederholen kann, kann er Frau Dukas quasi unendlich viel Schaden zufügen“, erklärte Manja zuende.

Frau Mentzel mischte sich in das Gespräch beider Mädchen ein: „Nun, ganz richtig ist das nicht. Daniel kann nicht unendlich oft angreifen, immerhin kostet ihm jeder Angriff selbst Lebenspunkte, die er nicht wieder zurückbekommt. Da der eigentliche Spielzug somit nur endlich oft wiederholbar ist, spricht man von einem einfachen Loop, oder zu Deutsch von einer Schleife, oder Kreislauf. Ein Prozess, der tatsächlich unendlich oft durchführbar wäre, hieße dementsprechend Infinite Loop. Aber das ist dann Stoff für euer drittes Lehrjahr.“

Die junge Lehrerin war mehr als beeindruckt. Das Generieren von Loops erfordert ein hohes Maß an Planungsvermögen und gekonntes Deckbuilding. Im natürlichen Duellverlauf tauchten sie daher sehr selten auf, erst recht bei Duellanten die nicht auf Bundesliga-Niveau oder höher spielten.

Frau Mentzel konnte sich nicht daran erinnern jemals einen Schüler einen Loop aufstellen gesehen zu haben, weder seit ihrer Zeit als Lehrerin, noch als sie selbst das Duellieren erlernte.

Der Junge hatte ein extremes Potential!

Frau Dukas hatte auch verstanden, dass sie in einem Kreislauf gefangen war.

„Das ist clever, Jungchen, sehr clever!“, lobte sie, sie schien sich kaum über ihre bevorstehende Niederlage zu ärgern, „Jeder Angriff auf mein Suppenmonster kostet dich 200 Lebenspunkte! Du hast noch 5100 Lebenspunkte übrig und kannst daher noch 25 Angriffe durchführen. Ich verliere aber bei jeder Neubeschwörung deines Kugelhundes 500 Lebenspunkte, bei meinen verbleibenden 7200 Punkten ist das Duell für mich also nach 15 Wiederholungen vorbei!“

„Sie dürfen aufgeben, wenn Sie möchten“, bot ihr Daniel an.

„Wie?“

„Naja, normalerweise gilt es als unehrenhaft ein Duell nicht bis zum Ende zu spielen! Aber 15 Mal das Gleiche zu sehen, wäre für unsere drei Zuschauerinnen wohl nicht sehr spannend! Außerdem möchte ich Ihnen nicht unnötig weh tun! Sie haben klasse gekämpft und es war ein wirklich knappes Spiel!“

Die Küchenleiterin lächelte mild.

„Du hast gute Manieren! Dein Angebot nehme ich gerne an!“

Sie legte die flache Hand auf ihre Dueldisk und ließ sie für einige Sekunden liegen, wodurch diese erkannte, dass Frau Dukas aufgeben wollte.

Sie deaktivierte sich und langsam verblassten die Hologramme der Monster und des Spielfeldzaubers.

„Herzlichen Glückwunsch zu deinem Sieg!“, gratulierte Manja förmlich, während Erin Daniel mit einer Umarmung beglückwünschte.

„Das mit dem Unermüdlichen Ansturm und Apportieren war eine wunderbare Kombo von dir! Oder in diesem speziellen Fall wohl eher eine HUNDerbare Kombo!“

„Oh nein! Erin!“, beklagte sich Daniel überspielt über ihr Wortspiel.

Zumindest konnte Erin aus dem Augenwinkel erkennen, dass Manja über den blöden Spruch lachte.

Daniel wandte sich Frau Dukas zu.

„Dann können wir jetzt zusammen zur Ra-Unterkunft zurückgehen, oder?“

Doch die Köchin schüttelte nur trotzig den Kopf.

„Es tut mir Leid, aber ich kann das nicht zulassen! Dieses Fräulein...-“, sie zeigte Frau Mentzel anklagend an, „...-Dieses Fräulein kann und darf Heinrich Althus nicht ersetzen! Ich gebe zu, dass sie ihre Schüler gut im Griff hat, das hatte sie ja während unseres Duells bewiesen, als sie diese Zwischenrufe beendet hatte! Aber Heinrich brennt für Duel-Monsters! Er hat Jahrzehnte mehr Erfahrung! Dass sie ihm den Job wegnimmt ist einfach unerhört!“

Mit einem enttäuschten, aber nicht gebeugten Blick sah die Slifer-Hauslehrerin der Ra-Köchin in die Augen.

„Sie sind eine eigentlich sehr liebenswürdige und zuverlässige Mitarbeiterin, Frau Dukas. Zwingen sie mich nicht dazu unserem Chef von ihrem Fehlverhalten zu berichten“, warnte sie.

„Sieglinde! Nun hör schon auf!“

„Heinrich!?“

Herr Althus, ein hagerer Mann mit vom schütten, grauen Haar umrandeter Glatze, war von allen fünf unbemerkt aus der Slifer-Unterkunft gekommen und dazu gestoßen.

„Frau Mentzel macht nur das, worum ich sie gebeten habe, meine Gute! Ich bin freiwillig zurückgetreten. Mir wird die Mehrarbeit als Hauslehrer zu anstrengend! Außerdem wird Gehorsam bei der heutigen Jugend leider auch immer seltener!“

„Nein! Du darfst nicht zurücktreten! Ich... Ich habe dich immer bewundert, Heinrich! Du warst und bist noch immer ein ausgezeichneter Duellant und Lehrer!“, widersprach Frau Dukas vehement und mit einem hörbar traurigen Unterton.

„Und Frau Mentzel wird eine mindestens genauso ausgezeichnete Lehrerin sein. Aber wir sind leider beide nicht mehr die Jüngsten, Sieglinde. Es wird Zeit für uns der kommenden Generation Platz zu machen. Daniel hat dir das Potential der Jugend doch grade selbst gut vor Augen geführt, wie ich so mitbekommen habe?“

Daniel und sein ehemaliger Hauslehrer, der ihn noch immer sehr schätzte, lächelten einander an.

Herr Althus Argumente gaben Frau Dukas zu denken.

Es herrschte nun vor der Unterkunft für einen Augenblick Stille, die aber gleich von Erins und Daniels knurrenden Mägen unterbrochen wurde.

Erin schaute beschämt zur Seite und Frau Dukas kicherte.

Sie wusste, was sie nun zu tun hatte.

„Daniel hat es mir schon erzählt, das Mittagessen war wohl nicht so pralle, für euch. Ich denke, ich sollte zu meiner Küche zurück, damit ihr beiden lieben Kinder zumindest ein vernünftiges Abendessen bekommt.“

Die einsichtigen Worte ließen Frau Mentzel entspannt aufatmen.

Bevor Frau Dukas zur Ra-Unterkunft ging, schritt sie noch auf Frau Mentzel zu und reichte ihr die Hand zur Entschuldigung entgegen.

„Wenn Heinrich Ihnen vertraut, junge Dame, dann tue ich das auch. Der Ärger, den ich Ihnen bereitet habe, tut mir aufrichtig Leid.“

Frau Mentzel nahm den Handschlag an und lächelte glücklich.

„Sie brauchen sich nicht entschuldigen. Es ist alles vergeben und vergessen!“
 

°°°
 

„Der schwarze Herr der Versuchung begehrt unsere Loyalität!“, hallte es durch den dunklen Wald, weit abseits des eigentlich erlaubten Geländes der Duellakademie.

Einige, unregelmäßig auf Tellern aufgestellte Kerzen erhellten die Szenerie gerade stark genug, sodass der Redner auf die Buchseiten vor sich blicken konnte.

„Nun, liebe Gemeinde, ich frage euch, wie können wir ihm, dem vom Himmel verbannten König der Sünden, dienen?“

Eine dramaturgische Pause erfolgte, in der der Redner beide Hände auf seine provisorische Kanzel, ein auf Ästen abgestelltes Holzbrett mit eingeritztem Pentagramm, legte.

Seine bleichen Hände neben die zerfledderten Seiten des schwarzen Buches.

„Sein düsteres Beispiel lehrt uns: Wir dienen, indem wir nicht dienen! Denn der Mensch, der sich von der trügerischen Lüge, die sich Gottes Liebe nennt, lossagt, ist frei! Und Freiheit bedeutet die Freiheit zu sündigen! Also, liebe Gemeinde, lasset uns sündigen!“

Pause.

Seine Augen wanderten durch die vor ihm stehende Zuhörerschaft, bevor er weiter sprach.

„Wir verehren keinen Gott! Wir verehren nur uns uns! Auf das unsere Selbstsucht dem schwarzen Herren Wohlgefallen bereite! Auf das sein finsterer Wille unsere tiefsten Begierden erfüllte! Amen!“

Nach der leidenschaftlichen Predigt küssten seine porösen Lippen das Kreuz, welches er um den Hals trug.

Er blickte mit zufriedenem Lächeln in seine „Gemeinde“, die seinen Worten so gebannt gelauscht hatte.

Es war niemand da.
 


 

____________
 


 

Neue Karten:
 

Neue Monster:
 

Legendärer Schlosshund: Stufe 5, 2000Atk, 2800Def, Typ Ungeheuer, Attribut Erde, Ritual/Effekt:

Wenn diese Karte als Ritualbeschwörung beschworen wurde: Du kannst ein Normales Ungeheuer-Monster der Stufe 4 oder niedriger aus deinem Friedhof oder deinem Deck als Spezialbeschwörung rufen. Falls du ein Normales Ungeheuer-Monster beschwörst: Füge deinem Gegner 500 Punkte Schaden zu.
 

Kugelhund: Stufe 2, 1000Atk, 1200Def, Typ Ungeheuer, Attribut Licht, Normal.
 

Suppenmonster Kürbiscreme-Kröte: Stufe 4, 1300Atk, 1700Def, Typ Aqua, Attribut Wasser, Effekt:

Falls diese Karte als Normalbeschwörung beschworen wird: Du kannst deiner Hand eine „Suppe-“-Karte von deinem Deck zufügen und deine Lebenspunkte um 200 erhöhen.
 

Suppenmonster Minestrone-Mosquito: Stufe 1, 300Atk, 100Def, Typ Insekt, Attribut Wind, Effekt:

Wenn du „Der Große Suppen-Sumpf“ kontrollierst: Diese Karte kann direkt angreifen. Falls diese Karte Kampfschaden verursacht: Erhöhe deine Lebenspunkte in Höhe des Kampfschadens.
 

Suppenmonster Linsentopf-Libelle: Stufe 2, 800Atk, 500Def, Typ Insekt, Attribut Wind, Effekt:

Wenn du „Der Große Suppen-Sumpf“ kontrollierst: Dein Gegner kann kein anderes „Suppenmonster“-Monster als Ziel für Angriffe wählen, außer „Suppenmonster Linsentopf-Libelle“. Wenn diese Karte durch Kampf zerstört und auf den Friedhof gelegt wird: Du kannst ein „Suppenmonster“-Monster aus deinem Deck als Spezialbeschwörung beschwören außer „Suppenmonster Linsentopf-Libelle“ und deine Lebenspunkte um 200 erhöhen.
 

Suppenmonster Boullaibaisse-Blutegel: Stufe 1, 100Atk, 100Def, Typ Aqua, Attribut Finsternis, Effekt:

Falls diese Karte beschworen wird: Du kannst ein Monster, das dein Gegner kontrolliert, mit dieser Karte ausrüsten. Negiere die Effekte des ausgerüsteten Monsters. Das ausgerüstete Monster kann nicht angreifen.

Während der Standby-Phase beider Spieler, falls diese Karte ein Monster ausrüstet, das dein Gegner kontrolliert: Erhöhe deine Lebenspunkte um 100.
 

Neue Zauber:
 

Riesenhundehütte: Ritualzauber:

Diese Karte kann verwendet werden, um „Legendärer Schlosshund“ als Ritualbeschwörung zu beschwören. Du musst zusätzlich offene Monster von deiner Hand oder deiner Spielfeldseite als Tribut anbieten, die gemeinsam mindestens die Stufe 5 haben. Wenn du für diese Ritualbeschwörung ausschließlich Normale Monster als Tribut anbietest, kannst du „Legendärer Schlosshund“ aus deinem Friedhof oder Deck als Ritualbeschwörung beschwören.
 

Der Große Suppen-Sumpf, Spielfeldzauber:

Falls sich deine Lebenspunkte erhöhen: Lege eine Würzzählmarke auf diese Karte.

Falls ein „Suppenmonster“-Monster, das du kontrollierst kämpft: Erhöhe die Atk und Def des Monsters um 50 für jede Würzzählmarke auf dieser Karte.

Falls 20 Würzzählmarken auf dieser Karte liegen: Du gewinnst das Duell.
 

Geheimzutat der Suppe, Normaler Zauber:

Beschwöre bis zu zwei „Suppenmonster“-Monster von deiner Hand als Spezialbeschwörung. Erhöhe deine Lebenspunkte um 100 Für jedes so beschworene Monster.
 

Verbotene Buchstabensuppe: Normaler Zauber:

Du kannst diese Karte nur aktivieren, falls du „Der Große Suppen-Sumpf“ kontrollierst.

Nenne eine Karte. Falls sich eine Karte mit dem genannten Namen in dem Deck deines Gegners befindet, lege alle Exemplare dieser Karte von dem Deck deines Gegners auf den Friedhof und erhöhe deine Lebenspunkte um 300.
 

Es ist noch Suppe da!: Schnellzauber:

Wähle ein „Suppenmonster“-Monster in deinem Friedhof und ein „Suppenmonster“-Monster, das du kontrollierst. Beschwöre das Monster in deinem Friedhof als Spezialbeschwörung und nimm das Monster, das du kontrollierst auf deine Hand. Du erhältst 200 Lebenspunkte.
 

Neue Fallen:
 

Wau-Wau-Wunderwelpen, Normale Falle:

Falls du keine Monster kontrollierst: Beschwöre drei „Wunderwelpen-Spielmarken“ (Typ Ungeheuer/Attribut Erde/Stufe 2/500Atk/500Def) als Spezialbeschwörung auf deine Spielfeldseite.
 

Apportieren: Permanente Falle:

Du kannst Ungeheuer-Monster, die du kontrollierst Deinem Deck zufügen, falls sie zerstört werden.
 

Die Suppe aufkochen, Normale Falle:

Du kannst diese Karte nur aktivieren, falls du „Der Große Suppen-Sumpf“ kontrollierst.

Zerstöre alle Monster auf dem Feld und erhöhe deine Lebenspunkte um 100 für jedes zerstörte Monster.
 

Bewahrer der Suppe – Graupen-Raupen, Konterfalle:

Du kannst diese Karte nur aktivieren, falls du „Der Große Suppen-Sumpf“ kontrollierst.

Falls dein Gegner eine Karte aktiviert, die andere Karten als Ziel wählen oder zerstören würde: Annulliere diese Karte und zerstöre sie. Erhöhe deine Lebenspunkte um 300.

LAD

Frau Struve stand am Pult des Auditoriums, vor den versammelten Schülerinnen und Schülern des zweiten Jahrganges.

Um die Aufmerksamkeit der Schüler nicht zu verlieren, tippte sie die Lösung der letzten Beispielsaufgabe so schnell wie möglich und für alle gut sichtbar an der großen Leinwand projiziert, in den Laptop ein.

„Das habt ihr ja gut gelöst!“, sagte sie und sprach weiter, während sie das folgende Szenario gleichzeitig niedertippte,, „Kommen wir zum nächsten Beispiel: Wir nehmen das Union-Monster „Fa-Moos“, beschwören es als Spezialbeschwörung mittels der Fallenkarte Unheilige Reanimation vom Friedhof und rüsten effektkonform ein Fels-Monster mit Fa-Moos aus. Hierdurch ändert sich unter anderem der Typ des entsprechenden Fels-Monsters zum Typ Pflanze. Im nächsten Zug klinken wir Fa-Moos wieder aus und beschwören es als Spezialbeschwörung. Welchen Typ hat Fa-Moos und welchen Typ hat das zuvor ausgerüstete Monster?“

Die Referendarin ließ den Schülerinnen und Schülern einige Sekunden Zeit um über die Aufgabe nachzudenken und sich im Anschluss zu melden.

Für Erin, die zwischen Daniel und Jiang nahe dem Obeliskenflügel und damit fernab von ihrer Mitbewohnerin und deren Zwillingsschwester aus dem Haus Slifer-Red saß, war die vertiefte Unionsmonsterlehre kein Problem und sie hob den Arm.

Frau Struve stellte erfreut fest, dass sich wieder Erin deutlich meldete und zeigte dann auf das Mädchen, um sie dran zu nehmen.

„Bitte!“

„Also: Ein durch Unheilige Reanimation beschworenes Monster hat zunächst den Typen Zombie, wodurch der ursprüngliche Typ von Fa-Moos, nämlich Pflanze, überschrieben wird! Das mit Fa-Moos ausgerüstetete Fels-Monster ist, solange es mit Fa-Moos ausgerüstet ist, zwar selbst ein Pflanzen-Monster, aber sobald wir Fa-Moos ausklinken, wirkt der Ausrüstungs-Effekt nicht mehr und das entsprechende Monster hat wieder den Typ Fels! Fa-Moos ist nun ebenfalls wieder ein Pflanzen-Monster, denn Effekte, die Union-Monster als Monsterkarten betreffen, verlieren ihre Wirkung, sobald Union-Monster andere Monster ausrüsten, selbst wenn das Union-Monster später wieder ausgeklinkt wird!“, erklärte Erin flüssig und sicher.

Für jemanden, der selbst ein Union-Deck spielte, war diese Frage deutlich zu einfach.

Frau Struve nickte zwar, doch schrieb diesmal zu Erins Verwunderung die von ihr eben genannte Lösung nicht auf.

„Im Kern klang das nicht schlecht, aber mir fehlt noch etwas Wichtiges. Hat jemand eine Ergänzung?“, fragte Frau Struve in die Menge.

Diesmal zeigte sie auf Lucia-Ann.

„Unheilige Reanimation verändert nicht nur den Typen des beschworenen Monsters, sondern negiert auch gleichzeitig die Effekte des Monsters! Da also der Effekt von „Fa-Moos im genannten Beispiel negiert wird, kann es das Fels-Monster gar nicht erst ausrüsten, auch wenn Fa-Moos trotz des unterdrückten Effektes weiterhin als ein Union-Monster behandelt wird!“

„Wunderbar!“, lobte Frau Struve und begann auf den Laptop Lucia-Anns richtige Antwort einzutippen.

„War ja klar, dass sich Prinzessin Plappermaul in den Vordergrund stellen muss!“, hörte man es aus dem blauen Block rufen.

„Die Tussi hört sich wohl selbst gerne reden!“

Dann schadenfrohes Gelächter von etwa einem Dutzend Obeliskinnen und Obelisken.

Während die junge, angehende Lehrkraft die Schülerschaft harsch zur Ruhe und zu gegenseitigem Respekt ermahnte, verzog Lucia-Ann keine Miene.

Ganz im Gegensatz zu Fiona, die Lucia-Ann besorgt beobachtete.

LADemontIsAB!tch, oder einfach LAD, wie man das etwas sperrige Pseudonym inzwischen abkürzte, war schuld, das war in ihren Augen offensichtlich.

Seit er oder sie online gegen die zweite Kronprinzessin stichelte, sank auch in der nonvirtuellen Welt die Hemmschwelle Lucia-Ann zu erniedrigen.

Das war nicht die erste verbale Attacke gegen sie und es würde wohl leider auch nicht die Letzte sein.

„Nimm dir die dummen Sprüche nicht zu Herzen, ja?“, flüsterte sie ihr zu.

„Das tue ich nicht. Es ist mir einfach egal“, entgegnete sie so kühl wie möglich.

„Ich meine ja nur, du kannst mit mir reden, falls du dich schlecht fühlst.“

Augenblicklich zuckte ihr Unteraugenlid, ein winziger Riss in Lucia-Anns stoischer Fassade.

„Was weißt du schon, wie ich mich...-“, zischte sie Fiona zu, stockte dann aber.

Natürlich wusste Fiona, wie sie sich gerade fühlte und daran war sie alles andere als unschuldig.

„Sorry...und Danke. Dafür, dass du an mich denkst, meine ich.“

Frau Struve schrieb inzwischen Lucia-Anns Lösung zuende nieder und Erin schrieb hastig mit.

Sie ärgerte sich ein wenig darüber, dass sie auf diese blöde Fangfrage hineingefallen war, insbesondere weil sie schon selbst Erfahrung mit Unheiliger Reanimation gemacht hatte.

Sie fand die Zwischenrufe der Obelisken zwar nicht gut, aber dennoch hielt sich ihr Mitleid für Lucia-Ann stark in Grenzen, dafür konnte sie sich noch zu gut daran erinnern, wie sie damals mit Slifer-Reds und insbesondere mit Fiona umgegangen war.

Der Gong läutete, es war nun große Pause.

Die Mehrzahl der Schüler erhob sich um das Auditorium zu verlassen, auch Daniel stand sogleich auf.

„Komm gleich wieder. Passt ihr auf meine Sachen auf?“, fragte Daniel, der schon eine ganze Weile unruhig auf seinem Platz umhergerutscht war.

„Kein Ding. Beeil dich mal lieber, bevor ein Malheur passiert“, entgegnete Erin mit frechem Grinsen.

Der Junge hastete zum Jungenklo.

Erin heftete währenddessen die Aufzeichnungen, die sie bis eben gemacht hatte ab und nahm einen großen Schluck aus ihrer Trinkflasche.

Jiang, die ebenfalls fertig abgeschrieben hatte, seufzte.

„Hm, also ich wäre ja gerne in der Pause mal rausgegangen. Solange es noch Sommer ist, sollte man das nutzen, finde ich.“

„Dann gehe doch ruhig. Ich bin dir nicht böse, wenn du mich kurz alleine lässt. Mir ist offen gesagt eh schon warm genug.“

„Hmmm....Hmm.... Ich meinte aber...also mit dir zusammen, Erin...“

Bevor Jiang ihre Gedanken weiter ausführen konnte, stellte sich zur Überraschung beider Mädchen Fiona vor den schmalen Tisch.

„Hey, Erin, ich habe da eine Bitte an dich. Finde heraus, wer hinter den Posts gegen Lucia-Ann steckt und sorge dafür, dass diese Person damit aufhört“, sagte sie in einem Ton der eher einem Befehl als einer Bitte klang.

„Ich freue mich auch dich zu sehen“, entgegnete sie sarkastisch, „Was willst du eigentlich von mir, hä? Ich dachte du bist jetzt als Kronprinzessin zu cool für Daniel und mich!“

Fiona ließ sich nicht provozieren.

„Mir und Chris wurde es leider untersagt selbst weitere Ermittlungen anzustellen und Lucia-Ann sind auch die Hände gebunden. Ich bin auf Hilfe angewiesen.“

„Pech für euch! Warum sollte gerade ich dir oder deiner aufgeblasenen, neuen besten Freundin helfen?“

„Weil du Erin Hiller bist und ich dich kenne. Du setzt dich für andere ein, wenn sie Hilfe brauchen und du kämpfst unermüdlich, auch wenn deine Erfolgschancen gering sind. Auf dich ist Verlass.“

„Dein Rumgeschleime kannst du dir sonstwo...-“

„Kein Problem, Fiona, wir helfen euch gerne“, unterbrach Jiang Erin.

„Jiang, was soll das denn jetzt?“, fragte sie ihre Freundin gereizt.

Jiang hielt ihr als Antwort stumm ihr Smartphone entgegen.

Sie befand sich gerade im Akademieportal im Schülerforum, wo LADemontIsAB!tch erst vor zwei Stunden wieder etwas Neues veröffentlicht hatte:

„Die widerliche Lucia-Ann, der stets alles leicht gemacht und geschenkt wurde, hat sich von Anfang an für was Besseres gehalten! Wann stopft jemand der Schlampe endlich ihr Maul? Niemand will eine verwöhnte Göre hören!“

Darunter ein Link zu einer anonymen Umfrage, den Jiang sogleich anklickte:

„Ich wette, dass sich Lucia-Ann in den nächsten zwei Wochen etwas antun wird“, „Ja“ oder „Nein“.

Von den bereits 41 Schülerinnen und Schülern, die an der Umfrage teilgenommen haben, stimmten 30 für „Ja“.

Anscheinend haben 30 von Erins Mitschülern noch während des Unterrichts dafür gevotet, dass sich Lucia-Ann selbst verletzen würde.

Oder Schlimmeres.

„Krank. Was ist eigentlich falsch bei denen?“, hauchte Erin nun für sie ungewöhnlich leise.

Sie hatte schon mal die Posts von LADemontIsAB!tch gesehen, aber was Jiang ihr da gezeigt hatte, setzte ihr gerade sehr stark zu. Insbesondere diese „Umfrage“, als ob durch Mobbing verursachter Selbstmord eine Art Spiel wäre...

Das hatte selbst Lucia-Ann nicht verdient und anscheinend sah Jiang das ganz genauso.

„Ist gut, Fiona, ich werde mal herumfragen.“

„WIR werden herumfragen“, korrigierte Jiang und lächelte Fiona an, du solltest übrigens auf deinen Platz zurückkehren.

Jiang zeigte mit einer Kopfbewegung auf Lucia-Ann, die zusammen mit einigen anderen Schülern wieder von unten das Auditorium betrat.

Fiona verstand.

Sie wollte wirklich nicht, dass Lucia-Ann sie dabei erwischte, wie sie andere auf ihren geheimnisvollen Peiniger ansetzte.

Sie bedankte sich und kehrte eilig auf ihren Sitzplatz zurück.
 

°°°
 

Während des restlichen Unterrichts machte sich Erin zwischendurch immer wieder Gedanken, wie sie am besten dem Täter auf die Spur kommen könnte.

Der erste Post war vor etwa zwei, oder drei Wochen, genau wusste es Erin nicht, denn die Schule hatte immer wieder das Profil von LADemontIsAB!tch gesperrt und Postings noch am selben Tage gelöscht, an dem sie erstellt worden waren.

Sehr wahrscheinlich hatten der Lehrstab bereits versucht gegen ihn oder sie vorzugehen, waren aber offensichtlich erfolglos.

Im Grunde hatte Erin damit wohl auch kaum bessere Chancen auf Erfolg, aber sie hatte immerhin Verbindungen zu Informationsquellen, die die Lehrer nicht kannten.

Das musste der erste Schritt sein, mehr Informationen zu beschaffen.

Als der Unterricht beendet war, packten Erin, Daniel und Jiang sofort ihre Sachen und Erin teilte ihnen ihre Überlegungen mit, während sie die Treppen des Hörsaals hinuntergingen.

„Ich denke wir sollten uns aufspalten und Kevin und Tara besuchen. Die könnten am ehesten etwas über LAD wissen. Ich würde mit Jiang zusammen Tara besuchen wollen, weil Jiang nicht in die Sliferunterkunft darf. Daniel, kannst du dich mit Kevin herumschlagen?“

„So sehr ich unseren charmanten Kevin auch ins Herz geschlossen habe“, sagte Daniel sarkastisch, da passe ich. Ich muss mich gleich mit Manja treffen. Heute ist Käfigreinigung für unsere Kaninchen.“

„Kannst du nicht später nachkommen und ihr dann helfen? Wir könnten dich echt gut gebrauchen“, hakte Erin nach.

„Sorry, das funktioniert ehrlich nicht. Ich habe nämlich als der Ältere von uns beiden den Schlüssel zu den Haustierräumen anvertraut bekommen, außerdem hatte ich Manja schon vor euch zugesagt.“

Erin stöhnte.

Sie hatte gehofft Kevin aus dem Weg gehen zu können, aber es wäre auch nicht fair gegenüber Daniel gewesen, von ihm zu erwarten Manja zu versetzen.

„Na gut, Romeo, dann lass dich nicht aufhalten. Jiang und ich kommen gut selbst klar, oder?“

Jiang nickte enthusiatstisch.

„Da bin ich mir sicher, ja.“
 

°°°
 

Jiang hatte sicher gewirkt, aber würde sie wirklich ohne Erin zurechtkommen?

Während Erin gerade in den Fluren der Sliferunterkunft vor Kevins Zimmer stand und sich innerlich dazu durchringen musste auch tatsächlich anzuklopfen, musste sie an ihre Freundin denken.

Sie hatte Tara nie kennengelernt und sie war definitiv kein besonders umgänglicher Mensch, erst recht nicht für eine Person wie Jiang.

So wie sie ihre ehemalige Mitbewohnerin einschätzte, würden ihr das illegale Umgehen der Cybersicherheit der Akademie und ihre wirren Verschwörungstheorien ziemlich sauer aufstoßen.

Aber gerade der erste Aspekt könnte im Fall von LADemontIsAB!tch entscheidend sein.

Jedenfalls wollte es Jiang alleine versuchen um Erin Zeit und vor allem Nerven zu sparen, also konnte Erin nicht viel mehr tun als sich dankbar zu zeigen und die Daumen zu drücken.

Es half nichts.

Erin gab sich einen Ruck und klopfte dreimal kräftig an, woraufhin Kevin wenige Sekunden später die Tür öffnete.

„Ah, hallo Erin. Komm herein“, forderte der dürre, längliche Junge mit dem Flaum über den Lippen sie auf.

„Ich hoffe meine Lieblingskundin hat sich wieder gut an der Akademie eingelebt nach den Ferien?“, fragte er, während er seinen Fernseher ausmachte.

„Es geht. Deinem Bruder bei den Probeduellen über den Weg laufen zu müssen, hat es mir anfangs ein wenig versaut, um ehrlich zu sein.“

Erin kramte ein für sie unbrauchbares Fusionsmonster vom Typ Reptil aus ihrer Deckbox, legte es demonstrativ auf Kevins Schreibtisch und lehnte sich dann mit verschränkten Armen an Kevins Zimmertür an.

„Ich bin hier wegen LAD. Was weißt du über ihn?“

Kevin beäugte Erins Bezahlung.

Es war eine eher mittelmäßig seltene Karte, wie Erin schätzte, jedenfalls hatte sie schon einmal im Vorbeigehen gesehen, wie sie ein älterer Ra-Yellow beschworen hatte.

„Hast du auch die Fusionsmaterialmonster?“

„Vielleicht, hängt davon ab, wie zufrieden mich deine Antwort macht“, entgegnete Erin kalt, „Also nochmal, was weißt du über LAD?“

„Du bist besser im Verhandeln geworden. Zu schade, früher konnte man mit dir leichter Profit machen“, sprach er in einem provokativ ruhigen Ton, während er einen seiner Kartenordner aus dem Schrank nahm und Erins Reptilienmonster verstaute, „LAD macht unter unseren Mitschülern Stimmung gegen eine Kronprinzessin und untergräbt damit die Autorität der Obeliskenkrone. Er oder sie kommt damit den Konstanzer Kindern sehr gelegen, weshalb ich tatsächlich bereits erste Überlegungen angestellt habe.

Er gab Erin mit einem Handzeichen zu verstehen, dass sie zu ihm an den Schreibtisch kommen solle und holte einen kleinen Stapel an Zetteln aus seiner Schublade.

Es waren Auszüge aus dem Schülerforum, aufwendig mit verschiedenen Farben gemarkert und mit handschriftlichen Notizen versehen.

„Ich habe recht früh damit angefangen Screenshots von LADs Posts zu machen, um alle Aussagen zu archivieren, bevor die IT-Abteilung der Akademie sie löschen kann. Mir ist bei der Analyse der Posts ein Muster aufgefallen: Der häufigste Vorwurf an Lucia-Ann ist, dass sie verwöhnt sei und ihre Position als Kronprinzessin nur wegen ihrer Familie habe. Sie sei zu unrecht arrogant.“

Erin kratzte sich verwirrt am Kopf.

„Also das ist aber naheliegend. Ich habe davon gehört, dass ihre große Schwester letztes Jahr ebenfalls eine Kronprinzessin gewesen war, Aber das lässt doch keinen Schluss auf LADs Identität zu.“

„Das sehe ich anders. Zoe Demont war in der Tat im letzten Schuljahr die erste Kronprinzessin, aber darüber hinaus sind beide Schwestern Töchter des ehemaligen französischen Nationalspielers und zweifachen Landesmeisters Jean-Manuel Demont. Ich nehme an, dass dir das nicht bewusst war, oder, Erin?“

„Nicht wirklich. Ich könnte dir ein paar deutsche Namen nennen. Aber wer kennt denn schon irgendwelche alten, ausländischen Duel-Monsters-Spieler?“

Kevin lächelte.

„Exakt. Kaum ein außenstehender Mitschüler würde Jean-Manuel Demont kennen und damit Lucia-Ann attackieren. Deswegen habe ich die starke Vermutung, dass wir es mit jemandem zu tun haben, der Lucia-Ann persönlich kennt, höchstwahrscheinlich ein Schüler oder eine Schülerin aus eurem Jahrgang. Lies dir einfach mal ein paar Zeilen aus meinen Ausdrucken durch und sag mir, dass du NICHT den puren Neid raus liest.“

Erin las nicht nochmal nach.

Das, was sie heute schon gelesen hatte, reichte ihr an Menschenverachtung.

„Dass es sich um jemanden aus Lucia-Anns Jahrgang handelt, habe ich mir auch schon so gedacht. Aber das Mädchen hat im letzten Jahr ständig gegen alle Slifer-Reds geätzt. Sie hat einen ganzen Haufen an Feinden, die sich jetzt an ihr rächen wollen würden. Irgendwer davon wird über ihren Vater wohl auch Bescheid gewusst haben“

Kevin schüttelte den Kopf.

„Ich rede nicht von Feinden, sondern von Freunden. Oder ehemaligen Freunden besser gesagt. Ja, es mag sein, dass irgendwer, der Lucia-Ann nicht leiden kann, zufällig Jean-Manuel Demont kannte, aber ich halte es für viel wahrscheinlicher, dass hinter LAD eine alte Freundin von Lucia-Ann steckt. Eine Freundin würde zumindest sehr viel eher ihren Vater kennen und hätte auch ein persönlicheres Verhältnis zu Lucia-Ann. Das erklärt dieses ausschließlich auf sie abzielende Cyber-Mobbing und warum LAD sich überhaupt den ganzen Aufwand mit den gefälschten Fotografien und dem ständigen Neuanlegen des Schülerprofils macht.“

Ein wenig belustigt kommentierte Kevin Erins ungläubigen Blick.

„Du glaubst mir wohl nicht?“

„Das tue ich nach deinen Lügen im letzten Jahr generell kaum, nein.“

„Klug von dir. Nun, wenn man davon absieht, dass du mich nach der Logik dafür bezahlst um von mir belogen zu werden.“

Erin stöhnte frustriert und bereute es inzwischen Kevin aufgesucht zu haben.

Er war klug und gut informiert, aber es war unmöglich zu sagen, wie viel von den gelieferten Informationen tatsächlich vertrauenswürdig waren.

„Du brauchst mir nicht einmal unbedingt vertrauen, Erin. Versuch mal zur Abwechslung dein Köpfchen zu benutzen und ich bin mir sicher, dass du zum gleichen Schluss kommen wirst wie ich. Lucia-Ann war im letzten Jahr noch eine normale Obeliskin, wahrscheinlich mit der ein oder anderen Freundin. Jetzt ist sie eine Kronprinzessin. Und wie ich aus eigenen Beobachtungen und auch von Maxim gelernt habe, genießen die Kronprinzen und -prinzessinnen zwar im Allgemeinen für ihre Leistungen und ihre Duellfähigkeiten eine gewisse Anerkennung, aber wirkliche Freunde hat keiner von ihnen mehr. Priorisiere Stärke über allem anderen und du wirst unweigerlich zu einem fundamental einsamen Menschen werden.“

Das gab Erin jetzt tatsächlich zu denken.

Tatsächlich hatte sich Lucia-Ann im ersten Jahr durchgehend mit ihren Mitläuferinnen umgeben, aber inzwischen sah man sie fast ausschließlich mit Fiona oder hin und wieder mit Chris zusammen.

„Kevin“, sprach sie den Informationshändler ernst an, „Ich werde LAD aufhalten, ganz egal ob du und euer kleiner Rebellenklub es wollt oder nicht. Es ist falsch, wie mit Lucia-Ann umgegangen wird, niemand hat es verdient so gedemütigt zu werden, wie sie es zurzeit wird. Also warum sollte ich dir trauen, wenn wir im Moment völlig entgegengesetzte Interessen haben?“

„Dumme Frage. Weil wir dich auf unserer Seite wissen wollen, natürlich. Und wenn du nicht anders kannst, als der armen zweiten Kronprinzessin zur Hilfe zu eilen, dann kann ich dich sowieso nicht wirklich daran hindern. Und jetzt warte bitte noch einen Moment.“

Kevin tat den ersten Ordner, in dem sich das von Erin ertauschte Fusionsmonster befand in seinen Schrank zurück und holte einen anderen Ordner hervor.

Nach kurzem Geblättere hatte er die gesuchte Karte gefunden.

Er hielt sie Erin entgegen.

Es war eine Konterfallenkarte.

„Bevor wir uns falsch verstehen: Diese Karte ist eine LEIHGABE, capiche? Wenn hinter LAD die Person steckt, die ich vermute, dann wird sie dir im Duell sehr nützlich sein. Also nimm sie in dein Deck auf und gib sie mir später brav wieder zurück. Sie es als Beweis meines guten Willens.“

Etwas widerwillig nahm Erin Kevins Karte an sich, verstaute sie in ihrer Deckbox und begab sich zur Tür um Kevin zu verlassen.

„Danke...Aber mir wäre offen gesagt der Name lieber, wenn du den eigentlichen Täter schon kennst.“

„Und mir wärs lieber, wenn du dich einfach den Konstanzer Kindern anschließen würdest, anstatt sie unnötig zu sabotieren“, sagte er und zuckte theatralisch die Schultern, „aber man kann eben nicht alles im Leben haben.“

Dann wurde Kevin ernster.

„Wenn wir schon den Spieß umdrehen und ich dir plötzlich eine meiner Karten gebe, dann solltest du mir im Gegenzug zuhören und im Anschluss eine Frage beantworten: Stell dir bitte einen sehr reichen Mann auf einer der breiten Öffentlichkeit unbekannten Insel vor. Auf dieser geheimnisvollen Insel befindet sich eine mächtige Waffe, die der reiche Mann haben will, allerdings befindet sich die Waffe hinter einer Tür. Diese Tür lässt sich nur öffnen, wenn man ein Duell gegen ein mit der Tür verbundenes Sicherheitssystem gewinnt. Verliert man hingegen das Duell, dann stirbt man. Der reiche Mann, selbst ein fähiger Duellant, will unbedingt die Waffe hinter dieser Tür haben, aber er ist zu feige sich selbst zu duellieren. Der reiche Mann überlegt, ob er nicht einfach einen Profiduellanten engagieren könnte, der für ihn versucht die Tür zu öffnen. Aber was wenn dieser Profi verlieren sollte? Man würde plötzlich bemerken, dass der im Duell verstorbene Profiduellant fehlt und Polizisten würden nach ihm suchen und ermitteln. Also macht der reiche Mann etwas anderes: Er sucht nach Waisenkindern, die niemand vermissen würde und bildet sie selbst zu Profiduellanten aus, um sie gegen das Sicherheitssystem antreten zu lassen. Diesen finsteren Plan tarnt er, indem er eine Duellakademie auf eben dieser Insel erbauen lässt und indem er neben den Waisenkindern, die er mittels „Stipendien“ auf die Insel lockt auch andere Kinder ausbildet. Nun, unter all diesen, natürlich rein hypothetischen, Annahmen, würdest du sagen, dass es Zufall ist, dass die stärksten Duellanten der Akademie auch diejenigen sind, die sich für das Erlangen eben dieser Stärke am meisten selbst isolieren müssen?“

Doch Erin verließ das Zimmer ohne Kevin zu antworten.
 

°°°
 

Lucia-Ann lag auf ihrem Bett, die Augen im glasigen Blick an die Zimmerdecke gerichtet.

Die Arme seitlich von sich weggestreckt.

Regungslos.

Ihr Smartphone, das neben ihr auf dem Nachttisch liegt vibrierte.

Wahrscheinlich schrieb ihr gerade jemand.

Aber das ist auch egal.

Sie sollte es sich am besten gar nicht erst ansehen.

Es würde nichts bringen.

Sie zwang sich die Ruhe um sich herum so gut wie möglich zu genießen.

Die Ruhe war das, woraus sie neue Kraft schöpfen konnte.

Die Abwesenheit von Stimmen, die sie verhöhnen oder bemitleiden konnten.

Bis sie morgen wieder ihr Zimmer verlassen musste.

Es klopfte an der Tür.

Lucia-Ann bewegte sich nicht und sie antwortete nicht.

Sie wartete ab.

Wenn sie nicht antwortete, dann würde, wer immer auch gerade versucht ihr die Ruhe zu nehmen, denken, dass sie nicht da sei und von alleine gehen.

Also galt es zu warten.

Ein zweites Klopfen.

Dann eine ihr bekannte Stimme.

Die Stimme ihrer Schwester.

„Lucy! Nun mach bitte auf! Ich weiß, dass du da bist!“

Sie klang in Sorge.

Lucia-Ann seufzte.

Es half nichts.

Sie richtete sich auf und stieg aus dem Bett, um Zoe die Tür zu öffnen.

„Was willst du?“, fragte sie ihre große Schwester schroff.

Zoe sah sie traurig an.

„Lass mich bitte reinkommen, Lucy.“

Lucia-Ann nickte stumm und gab den Weg frei.

Sie setzte sich wieder auf die Bettkante, während ihre Schwester den Raum betrat und die Tür hinter sich schloss.

Zoe setzte sich neben sie und legte den rechten Arm um sie.

„Es tut mir Leid, was du gerade durchmachen musst. Magst du mit mir reden?“

Lucia-Ann schaute auf dem Boden anstatt ihre Schwester anzusehen.

„Nein. Es gibt nichts zu bereden.“

Zoe hörte aus der Stimmlage ihrer Schwester, wie viel Kraft sie ihre aktuelle Situation kostete.

„Doch, das tut es. Du leidest, man sieht es dir an. Und dass du leidest ist auch angesichts dessen, was man über dich schreibt verständlich.“

Sie streichelte einige Sekunden still über Lucia-Anns Schulter und sprach dann weiter:

„Was sagt Aland? Und die restliche Krone? Haben sie Hinweise darauf, wer diese Posts erstellt?“

Lucia-Ann verneinte mit einem Kopfschütteln.

Sie hatte gehofft diesem Albtraum, der inzwischen ihr Alltag geworden war zumindest für den restlichen Nachmittag entkommen zu können.

Nicht daran denken zu müssen, was man als nächstes über sie schreiben würde.

Doch Zoe schien nicht die Absicht zu haben sie in Ruhe zu lassen.

„In der letzten Konferenz hatte ihre Hoheit Fiona und Chris Ermittlungen untersagt und Theo ist sowieso alles egal, wahrscheinlich freut er sich heimlich darüber, was mir passiert.“

„Und was ist mit dir? Dann gehe doch zumindest gegen die Mitschüler vor, die dich in der Öffentlichkeit verlachen.“

„Das hatte Aland auch untersagt. Keine Ermittlungen und keine Gegenwehr meinerseits. Zuzugeben, von ein paar dummen Sprüchen oder bearbeiteten Fotos verletzt worden zu sein, wäre ein Zeichen der Schwäche. Und Aland verlangt von uns Stärke und Beständigkeit auszustrahlen.“

Zoe schnaubte verächtlich.

„Unfassbar. Dieser Krüppel war schon letztes Jahr eine Beleidigung für sein Amt, aber da hatte er zumindest noch einen Hauch von Vernunft. Was du mir berichtest klingt für mich mehr nach der von der Blauen Ehre besessenen Doktrin von Imani oder Chris.“

„Nein, Chris hatte ebenso wie Fiona und ich deren Bedenken kundgetan. Aber König Aland ließ keine Widerworte zu.“

Das überraschte Zoe sehr.

Aland wollte sich nichts von der übrigen Krone sagen lassen?

Das klang nach dem genauen Gegenteil von dem Jungen, den sie in ihrer Zeit als erste Kronprinzessin kennengelernt hatte.

Er war ein meinungsloser Schwachkopf gewesen, der zwar technisch gesehen das Sagen hatte, aber im Grunde immer nur das tat, wozu man ihm geraten hatte.

Nicht mehr als eine Marionette.

Irgendwas stimmte da ganz und gar nicht, aber das war im Moment nicht Zoes Hauptaugenmerk.

„Also sollst du einfach nichts tun und hoffen, dass es der Person, die online über dich schreibt irgendwann zu langweilig wird, oder wie?“

„So in etwa.“

„Na klasse...“

Zoes Hand fuhr von Lucia-Anns rechter Schulter hoch zu ihrer Wange.

Sie streichelte sie behutsam.

Lucy-Ann blickte ungeachtet der Zärtlichkeiten teilnahmslos, mit ihren Händen im Schoss gefaltet auf den Zimmerboden.

„Weißt du was, Lucy? Scheiß auf Aland. Er mag zwar dein König sein, aber er kann dir nicht befehlen, tatenlos herumzusitzen. Das brauchst du dir nicht bieten lassen.“

„Es ist okay. Ich bin stark genug um alles aushalten zu können, was LAD mir antun kann.“

„Ich weiß, dass du stark bist. Aber stark zu sein heißt nicht, keine Gefühle zeigen zu dürfen. Wenn dich jemand traurig oder wütend macht oder verletzt, dann musst du dagegen etwas tun, verstehst du?“

„Nein Zoe, ich will aber nichts tun. Ich will es einfach gut sein lassen.“

„Das ist aber keine Option. Diese Verleumdungen gegen dich müssen aufhören. Ansonsten werden diese negativen Emotionen dich nach und nach langsam von innen auffressen.“

„Ich habe nicht nach deinem Rat gefragt. Bitte gehe jetzt.“

Zoe seufzte, gab aber dem Wunsch nach.

„Nun gut.“

Die unerwünschte Besucherin schubste sich vom Bettrand hoch und lächelte ihre jüngere Schwester an.

„Bitte bring die Sache in Ordnung. Ich liebe dich und es tut mir weh dich leiden zu sehen. Wenn ich dabei helfen kann LAD loszuwerden, dann lass es mich wissen, ja?“

Anstatt Zoes warmes Lächeln zu erwidern, sah Lucia-Ann ihre Schwester eindringlich an, als ob sie versuchen würde mit ihrem Blick durch sie durch zu sehen und sie erhob ihre bisher schwache Stimme.

„Es scheint dir nicht entgangen zu sein, dass ich in letzter Zeit vermehrt beleidigt werde. Sowohl online als auch offline. Aber die größte Beleidigung ist, dass meine kalte Schwester mich für derartig leicht zu manipulieren hält. Dass sie meint mir nach Jahren der Gleichgültigkeit jetzt plötzlich „Liebe“ vorspielen zu können. Immer wenn ich mir mal weh getan habe, oder etwas nicht selbst konnte, immer wenn mich unser Vater für Fehler in meinem Duellstil angeschrien hatte, war es dir egal.“

„Lucy...-“

„Es wäre schön gewesen, zumindest dieses eine Mal Schwester zu haben, die mich wirklich liebt und der meine Gefühle wichtig sind. Aber keine Angst. Ich werde LAD schon früher oder später loswerden. Dann brauchst du dich nicht mehr länger für deine unfähige Schwester rechtfertigen, die den Namen Demont, deinen Namen, in den Dreck zieht. Dann hast du bekommen, was du wolltest, so wie immer.“

Zoe hatte sich Lucia-Anns Monolog angehört.

Ihre zuvor warme Miene wandelte sich zu dem für Lucia-Ann so bekannten aber dennoch unleserlichen Ausdruck.

Sie hasste dieses Gesicht.

„Bring die Sache in Ordnung“, wiederholte Zoe mit der Türklinke bereits in der Hand.
 


 

°°°
 


 

„Diese Geschichte mit dem reichen Mann. Er meinte sicherlich den Direktor, Herrn Schrainmann, oder?“, vermutete die Stimme aus Erins Deck.

„Tja, wahrscheinlich.“

Sie hatte die Sliferunterkunft inzwischen verlassen und sich auf eine Bank des aufgrund des etwas wechselhaften Wetters nur mittelmäßig gut besuchten Ra-Platzes gesetzt.

Es hatte eine Weile gedauert, aber ihr Deck hatte inzwischen verstanden, dass es sie nicht ansprechen soll, wenn sie von anderen Menschen umgeben war.

Kevins Erzählung spukte ihr jetzt noch im Kopf rum, auch wenn sie im Moment damit beschäftigt war Jiangs Textnachrichten an sie zu lesen.

Was für eine blöde Geschichte!

Herr Schrainmann opfert angeblich Schüler an ein Sicherheitssystem einer Tür, die nur geöffnet wird, wenn man ein tödliches Duell gewinnt, um an eine Geheimwaffe zu kommen und die Akademie dient lediglich als Ablenkung.

Offenkundig.

Das toppte die Story von der geheimnisvollen Frau, die ihr die Gewittersturmfestung Amperia und die Donnerklang-Drachenreiterin geschenkt hatte und sich von einer vierten Götterkarte hat beinahe töten lassen nochmal bei Weitem.

Sie hoffte, dass der Unsinn, den sich Jiang höchstwahrscheinlich von Tara anhören musste zumindest etwas unterhaltsamer war.

Aber den vielen Nachrichten nach zu urteilen hatte sie Erfolg.

Jiang hatte Erin geschrieben, dass es Tara gelungen war sich Administratorenrechte auf dem Schülerforum zu verschaffen, wodurch sie die IP-Adresse von LADemontIsAB!tch ermitteln konnte.

Sie hatte dann die IP-Adresse mit denen einer Liste der Schulcomputer automatisch abgeglichen und tatsächlich einen Treffer gelandet.

LAD hatte also alle Posts von einem Schulcomputer aus verfasst, genauer von einem eigentlich schon ausgemusterten Computer im Zweitraum der EDV-AG.

Das Agieren von einem Gerät der Akademie ermöglichte den Zugang zum Intranet, wodurch er oder sie die Sperren der IT-Abteilung umgehen konnte.

Auf die Frage hin, wie es sein konnte, dass LAD während der Unterrichtszeiten auf dem Forum schreiben konnte, hatte Tara die Vermutung geäußert, dass die Einträge im Voraus formuliert, aber zeitlich verzögert hochgeladen wurden.

Das ginge wohl auch von einem Smartphone aus, ohne sich überhaupt zum richtigen Zeitpunkt am Computer befinden zu müssen.

Zu wissen, welches Gerät LAD nutzte, war sehr wertvolle Information.

Jiang hatte Erin gefragt, ob sie einfach zur EDV-AG Leitung gehen sollten, damit sich diese dann den Computer mit der entsprechenden IP-Adresse auf weitere Hinweise zum Täter anguckt, aber das hielt Erin für eine Schnapsidee.

Es wäre besser LAD auf frischer Tat zu ertappen.

Sich in LADs Abwesenheit am eigentlich ungenutzten Computer schaffen zu machen, würde nur riskieren, dass LAD merkt, dass man ihm oder ihr auf der Spur ist.

Es war 15.40, die AG-Räume müssten laut Stundenplan gerade bis 17 Uhr von der AG genutzt werden und lagen im ersten Stock im Hauptgebäude.

Eine gute Gelegenheit für Erin sich die AG selbst anzusehen.

Doch vorher musste sie sich noch etwas aus ihrem Zimmer besorgen.
 

°°°
 

Es war knapp 21 Uhr, die Sonne war schon fast untergegangen und Erin und Jiang gingen zusammen den Flur im ersten Stock des Hauptgebäudes entlang.

Normalerweise wäre Erin um diese Zeit schon mit Kiara zusammen auf ihrem Zimmer, aber sie hatte sie bereits informiert, dass es etwas später werden könnte.

So wie die meisten Schülerinnen und Schüler jetzt bereits auf ihren Zimmern wären.

Dementsprechend leer war der Flur.

„Da vorn ist der zweite Computerraum der EDV-AG“, sagte Erin zu Jiang.

Auf dem Gang stand ein Junge herum, der unter seiner offenen Ra-Yellow-Jacke ein schwarzes, etwas zu langes Shirt trug.

Erin kannte diesen Jungen nicht nur bereits vom Sehen aus dem Hörsaal, sondern sie war ihm heute auch bei ihrem kurzen Besuch der EDV-AG begegnet.

Er schien kein besonderes Ziel zu haben, sondern stand einfach nur mit dem Blick auf seinem Smartphone da.

Die Stimme aus ihrem Deck meldete sich zu Wort: „Der Junge ist aus unserem Jahrgang, ganz wie Kevin vermutet hatte. Allerdings denken wir nicht, dass Lucia-Ann mal mit einem Ra-Yellow befreundet war.“

Erin ignorierte den Kommentar ihres Decks, sie wusste, dass er nicht hinter LAD steckte, auch wenn sein Gelungere zu dieser Zeit an diesem Ort mehr als verdächtig war.

Die beiden Mädchen blieben vor dem Jungen stehen, Jiang einen Schritt hinter Erin, die ihn gleich ansprach: „Tachchen. Dürften wir einmal vorbei? Wir möchten in den Raum hinter dir“, fragte sie selbstbewusst.

Er sah sie entgeistert an, er hatte Erin wohl ebenfalls wiedererkannt.

„Ganz sicher nicht! Jan hatte dir doch heute Nachmittag erklärt, dass wir unterhalb des Halbjahres keine neuen Mitglieder in der AG aufnehmen! Außerdem ist um 17 Uhr sowieso Schluss und Nicht-Mitglieder haben keinen Zugang. Also zieh einfach Leine, klar?!“

„Hey. Das kann man auch netter sagen“, munierte Jiang seine schlechten Manieren.

„Stimmt“, pflichtete Erin bei, „und davon abgesehen ist es ziemlich unfair, dass du dafür einfach LAD reinlässt, obwohl sie ebenfalls kein AG-Mitglied ist. Ich bin ja pro Gleichberechtigung.“

Der sich ganz offensichtlich ertappt fühlende Junge blickte nun nervös zwischen den beiden Mädchen hin und her.

„Ich äh...ich habe keine Ahnung, was ihr meint! Mit diesem fiesen Cybermobber habe ich garantiert nichts zu tun! Also geht jetzt bitte!“, rief er nun ungleich lauter als zuvor.

Erin durchschaute ihn sofort.

Er stand hier als Wachposten und wollte nun laut genug sein, um LAD im Inneren des Raumes so zu warnen.

„Genug der Scharade!“

Blitzschnell schlängelte sie sich an dem Jungen vorbei und gab der Tür hinter ihm damit einen kräftigen Schubs.

Sie schwang nach Innen auf und Erin konnte die überraschte, wahre Übeltäterin bei ihrer Arbeit an einem Computer mit offenem Gehäuse beobachten.

„Was zum...-?!“, rief der Junge erschrocken.

Na, Iris? Verbreitest du wieder fleißig Lügen und Hass? Oder sollte ich dich lieber direkt LAD nennen?“, fragte Erin provokativ.

Iris sprang sofort von ihrem Stuhl auf und zog den Stecker der Rechners.

„Ich...ich habe hiermit gar nichts zu tun!“, stammelte der Junge und lief augenblicklich weg.

„Hey! Du! Stehenbleiben!“, rief Jiang und verfolgte ihn.

Für den Fall, dass sie tatsächlich auf LAD treffen sollten, wäre es der eigentliche Plan gewesen, dass Erin die Flucht verhindert, während Jiang in der Zwischenzeit eine Lehrkraft aufsucht. Aber den Mittäter einfach davonkommen zu lassen kam auch nicht in Frage.

Erin sah den beiden für einen Sekundenbruchteil hinterher, bevor sie sich wieder Iris zuwandte.

„Denk ja nicht, dass ich dich entkommen lasse!“, knurrte sie, während sie ihre Dueldisk aktivierte.

Iris, die wahre Identität hinter LADemontIsAB!tch, sah Erin ernst an.

„Keine Sorge, Erin, ich habe nicht vor zu flüchten. Warum sollte ich?“

Offensichtlich hatte Iris, eine ehemalige Freundin von Lucia-Ann, die damals mit ihr zusammen Fiona gequält hatte, Erin wiedererkannt.

Sie war ein mittelgroßes, etwas beleibtes Mädchen mit dunklem Teint und welligen, dunkelbraunen Haaren, die ihr bis zur Schulter fielen.

Neben der langen Ra-Yellow-Hose trug sie einen schwarzen Hoody und das Oberteil der Uniform war lässig um die Hüfte geknotet.

An ihrem rechten Arm befand sich eine Dueldisk.

Iris kaute rhythmisch auf ihrem Kaugummi herum und wirkte für ihre Lage recht entspannt.

„Ich bin nicht daran interessiert mit dir zu kämpfen. Aber ich bin neugierig: Wie hast du es geschafft ohne Schlüssel die Zimmertür zu öffnen? Und woher kennst du MEINEN Namen?“, fragte sie ruhig.

„Tse! Nachdem du wochenlang die IT-Abteilung der Akademie umgegangen hast, musstest du dich echt für unglaublich clever halten, oder?! Und dann fällst du auf einen Trick rein, den ich schon als Zehnjährige kannte!“

Erin riss mehrere übereinanderliegende Klebestreifen von der Fallenöffnung des Türrahmens, ließ die Zimmertür hinter sich zufallen und hielt Iris die Streifen demonstrativ entgegen.

„Klebestreifen?“

„Exakt, Klebestreifen! Damals, ein paar Tage vor meinem elften Geburtstag war ich wahnsinnig neugierig darauf, was man mir als Geschenk gekauft hatte. Meine Oma, die natürlich verhindern wollte, dass ich mein Geschenk vorzeitig öffnete, tat dann das bereits eingepackte Geschenk in einen Schrank in der Waschküche im Keller. Diese Tür war, genau wie die Türen hier auch, eine Tür ohne Klinke, die sich nur mit Schlüssel öffnen ließ, sodass ich in ihrer Abwesenheit nicht die Waschküche betreten konnte. Doch als sie dann eines Tages die Waschküche betrat und mir für wenige Sekunden den Rücken zugedreht hatte, konnte ich einen vorbereiteten, mehrlagigen Klebestreifen über die Öffnung für die Türfalle kleben, sodass die Falle nicht richtig in die Zarge im Türrahmen gelang. Als meine Oma dann weg war, brauchte ich lediglich etwas kräftiger drücken, um die Tür aufzubekommen. Tja und bei meinem heutigen Besuch der AG hatte ich einen unaufmerksamen Moment genutzt um hier ebenfalls Klebeband zu befestigen. Und da du dich nicht einsperren lassen wolltest, hatte dein feiger Komplize auch nicht die Tür hinter dir mit dem Hauptriegel zugeschlossen, sondern sich auch den Schließmechanismus der Türfalle allein verlassen!“

„Netter Trick, Erin. Ich muss zugeben, dass du mich überrumpelt hast. Aber woher weißt du meinen Namen?“

„Das war zu einfach! Deine persönlichen, auf Lucia-Ann fixierten und von Neid zerfressenen Posts ließen erahnen, dass du eine ehemalige Freundin von Lucia-Ann warst. Also habe ich im Akademieportal Lucia-Anns Duellhistorie nach allen Mädchennamen durchforstet. Unter diesen Mädchen habe ich dann nach denen gesucht, die sich im gleichen Jahrgang wie Lucia-Ann befinden und im letzten Jahr Obeliskinnen waren, aber in der letzten Prüfung herabgestuft wurden. Iris Fatima war der einzige Name, auf denen diese Merkmale zutrafen. Im letzten Schritt brauchte ich einfach nur auf sozialen Netzwerken nach deinem Namen suchen und fand dich sofort auf mehreren alten Bildern mit Lucia-Ann verlinkt. Meine Theorie war damit bestätigt!“

Iris lachte herzlich.

„Wow, das war echt gut von dir.“

Sie klang aufrichtig beeindruckt.

„Auf dein Lob kann ich verzichten! Entschuldige dich lieber bei Lucia-Ann! Viele Gelegenheiten wirst du dazu nämlich nicht mehr haben, bevor man dich der Akademie verweist!“

Iris lächelte und hockte sich zum unabgedeckten Rechner herunter.

„Tja, du kannst gut kombinieren, Erin, wirklich. Aber echte Beweise sind deine Mutmaßungen nicht.“

Sie riss die lose im Gehäuse liegende interne Festplatte vom SATA- und Stromkabel los.

Erin, die plötzlich realisierte, was Iris vorhatte, konnte nicht verhindern, dass Iris sie zu Boden schleuderte und mehrfach mit voller Wucht auf sie drauf stampfte.

Schließlich trat sie gegen die Reste der kaputten Festplatte gegen, sodass der Elektroschrott bis vor Erins Füße schlitterte.

„Das wären die restlichen Beweise gewesen“, bemerkte sie salopp, „Von mir aus können wir uns duellieren, aber wozu? Davon abgesehen, dass du nichts gegen mich in der Hand hast, sehe ich dich nicht als Feindin. Nein, eigentlich seid du und Daniel mir sehr sympathisch.“

„Pech für dich! Internethetzer, die andere dazu anstiften auf den Selbstmord ihrer Opfer zu wetten, kriegen von uns leider keine Autogramme!“

Iris seufzte.

„Ihr zwei habt letztes Jahr stets gegen die ungerechte Unterdrückung seitens der Obelisken und der Krone gekämpft. Es ist gelinde gesagt enttäuschend, dass du inzwischen meinen Hass auf die selbstgerechten Prinzessinnen nicht nachvollziehen möchtest.“, der ruhige Ton ihrer Stimme verfinsterte sich schlagartig, „Und dass, obwohl erfolgsverwöhnte Gören wie Lucia-Ann immer alles in ihrem Leben geschenkt bekommen haben, während normale, gerechtigkeitsliebende Menschen wie wir mit nur einer zufällig schlechten Prüfung alles verlieren! Lächerlich! Das kannst du doch nicht gutheißen, Erin! Macht es dich denn nicht wütend, dass Fiona, nachdem du sie damals vor Lucia-Ann und mir verteidigt hattest, nun eine Kronprinzessin ist, die nichts mehr mit dir zu tun haben will!?“

„Tue nicht so, als ob du mich oder Fiona kennen würdest! Im Gegensatz zu hinterhältigen Würmern wie dir, die lieber stundenlang Bilder manipulieren und abartige Umfragen erstellen, hat sie ihre Zeit zum Lernen genutzt!“, entgegnete Erin harsch.

„Und jetzt aktiviere endlich deine Duel-Disk! Wenn ich dich zerstampft habe, wirst du dich bei Lucia-Ann entschuldigen und nie wieder auch nur daran denken jemanden anonym im Internet zu verleumden!“

„Zu schade. Ich wäre gerne deine Freundin gewesen“, sprach Iris, enttäuscht darüber, dass Erin nicht von dem Duell gegen sie ablassen wollte.

Sie redete weiter, während sie mit der linken Hand ihre Dueldisk aktivierte und sich Erin kampfbereit entgegenstellte, „Weder du noch ich sind hier die Bösen, keiner von uns verdient es so sehr alles zu verlieren, so wie der widerwärtige blaue Abschaum es tut. Und ich werde ganz sicher nicht aufhören sie zu zerstören, bis sie tatsächlich ALLES verloren hat.“

Sie hatte ihre Starthand gezogen und spielte die erste Karte.

„Ich beginne mit diesem Monster: RNG-Manipulator im Verteidigungsmodus.

Vor Iris erschien ein dürres Maschinenwesen, welches wie ein laufendes Bündel an Kabeln aussah. Anstelle des Kopfes befand sich ein Monitor, auf dem im rapiden Tempo die verschiedensten Zahlen aufflackerten.

RNG-Manipulator: Stufe 3,1200Atk, 900Def.

„Als nächstes spiele ich die Zauberkarte Zufallsziehen“, kündigte Iris an und platzierte die Karte auf ihrer Disk, „Zunächst muss ich 1000 Lebenspunkte zahlen. Danach darf eine Münze werfen. Landet sie auf Kopf, darf ich zwei neue Karten ziehen. Ansonsten passiert nichts.“

Nach der Erklärung zuckte Iris vor Schmerz zusammen und das Hologramm einer übergroßen Münze in Tellergröße flog in der Mitte des Spielfeldes durch die Luft.

Iris Lebenspunkte: 4000 → 3000.

Nach einigen Umdrehungen landete die Münze auf Zahl und Erin grinste ihre Kontrahentin schadenfroh an.

Doch Iris ließ sich nicht von ihr verunsichern.

„Der Effekt von RNG-Manipulator aktiviert sich: Einmal pro Zug darf ich, wenn ich eine Münze oder einen Würfel geworfen habe das Ergebnis dieses Münz- oder Würfelwurfes beliebig verändern. RNG-Manipulator: Ändere das Ergebnis des Münzwurfes zu Kopf.“

Die kleine Maschine torkelte auf den laberigen Kabelbeinen zu der liegenden Münze.

Als RNG-Manipulator angekommen war, wechselte die Zahlenfolge auf dem Monitor des Manipulators immer schneller und schneller.

Plötzlich begann das Hologramm der Münze für einige Sekunden zu flackern, bis plötzlich doch Kopf statt Zahl zu sehen war.

„Da ich mit Zufallsziehen also doch Kopf geworfen habe, darf ich zwei Karten ziehen“, sagte Iris und sah sich dann ruhig die zwei Karten in ihrer Hand an.“Ich setze zwei verdeckte Karten und aktiviere zum Schluss den permanenten Zauber Des-Roulette-Revolver.“

Zwei verdeckte Karten erschienen vor Iris. Außerdem erschien neben Iris eine riesige Handschusswaffe, deren Trommelkammern mit Zahlen von 1 bis 6 beschriftet waren, wobei neben der 6 ein Totenkopf abgebildet war. Der Revolver wurde von einem kleinen, flatternden Teufelchen mit krankhaft breitem Grinsen in der Luft gehalten.

„Ich beende meinen Zug und aktiviere damit automatisch die Wirkung von Des-Roulette-Revolver: „Zur End Phase jedes Spielers muss der entsprechende Spieler einen Würfel werfen. Wenn das Ergebnis des Würfelwurfes 6 oder höher ist, dann wird Des-Roulette-Revolver zerstört und der jeweilige Spieler verliert 3000 Lebenspunkte. Ist das Ergebnis nicht 6 oder höher, wird eine „Glück-gehabt!“-Marke auf Des-Roulette-Revolver gelegt.“

„Das ist doch verrückt!“, protestierte Erin, „Du hast den Effekt von RNG-Manipulator in diesem Zug schon benutzt! Wenn du nun eine 6 wirfst,, dann verlierst du sofort das Duell, weil dir deine eigene Karte bereits 1000 Punkte abgenommen hat!“

Das Teufelchen flatterte nun noch stärker und gewann an Höhe, sodass der Lauf der Waffe direkt auf Iris Kopfhöhe lag.

„Da hast du recht, Erin. Aber was solls, es ist doch eh alles nur ein Spiel, oder? Ein ungerechtes Spiel, in dem die glücklich Geborenen alles bekommen und die anderen eben nichts. Also lass uns spielen.“

Die Trommel des Revolver begann sich zu drehen.

Sie drehte und drehte sich und Iris nahm den potentiell zerstörerischen Effekt ihres Zaubers gleichgültig hin.

Der Revolver stoppte bei Kammer Nummer vier.

„Da ich keine 6 oder höher geworfen habe, wird nun ein „Glück-gehabt!“-Marke auf Des-Roulette-Revolver gelegt.“

Plötzlich veränderten sich die Zahlen auf den Trommelkammern.

Aus der 4 wurde eine 5 und aus der darüber liegenden 5 wurde eine 6 mit Totenkopfsymbol.

Iris erklärte: „Du fragst dich sicher, was es mit den „Glück-gehabt!“-Marken auf sich hat: Nun, sie erhöhen das Würfelergebnis um 1. Und zwar um 1 für jede „Glück-gehabt!“-Marke.“

Erin verstand, was das bedeutete.

„Deshalb also „6 oder höher“! Dein Des-Roulette-Revolver wird also nach jedem überstandenen Zug eine neue Marke bekommen und damit künstlich das Wurfergebnis erhöhen! Nach spätestens fünf Würfen wird damit selbst eine 1 zur 6!“

Iris lächelte ihre Gegnerin sanft an.

„Du begreifst echt schnell, sehr gut. Mein Zug ist damit jetzt beendet.“

Kaum hatte sie diese Worte gesprochen, schon flog das Teufelchen samt Waffe neben Erin.

Das Mädchen riskierte einen Blick links neben sich und blickte in den finsteren Lauf der Waffe.

„Am Ende deines Zuges darfst du als Nächstes dein Glück versuchen, Erin.“
 


 

____________
 


 


 


 

Neue Karten:
 

Neue Monster:
 

RNG-Manipulator: Stufe 3,1200Atk, 900Def, Typ Maschine, Attribut Wind, Effekt:

Einmal pro Zug, während des Spielzugs eines beliebigen Spielers: Wenn du eine Münze oder einen Würfel geworfen hast: Du kannst das Ergebnis dieses Münzwurfs oder dieses Würfelwurfs als ein beliebiges anderes mögliches Ergebnis behandeln.
 

Neue Zauber:
 

Zufallsziehen: Normaler Zauber:

Zahle 1000 Lebenspunkte: Wirf eine Münze. Wenn sie auf Kopf landet, ziehe zwei Karten.
 

Des-Roulette-Revolver: Permanenter Zauber:

Während der End-Phase jedes Spielers: Der Spieler muss einen Würfel werfen. Ist das Würfelergebnis 6 oder höher: Zerstöre diese Karte und füge dem Spieler 3000 Punkte Schaden zu.

Ist das Würfelergebnis 5 oder niedriger: Lege eine „Glück-gehabt!“-Marke auf diese Karte. Das Würfelergebnis dieser Karte wird für jede „Glück-gehabt!“-Marke auf dieser Karte um 1 erhöht.



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