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30 Tage, 30 Briefe

von

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Tag 1 – An deine beste Freundin / dein bester Freund


 

Hallo Sinni!

 

Uff, das kommt mir ehrlich gesagt schon ein wenig komisch vor, da ich doch recht selten Briefe schreibe. Eigentlich ja so gut wie gar nicht mehr. Bzw nicht im privaten Bereich, nur noch auf der Arbeit, aber egal. Das sind nur Details.

Jedenfalls, ja, ich sehe dich nicht nur als meinen Partner seit rund 15 Jahren, sondern auch als meinen besten Freund. Einen, mit dem ich durch dick und dünn gegangen bin, auf meiner und auch auf deiner Seite. Wir verstehen uns und ich finde es super, dass du es nicht schlimm findest, dass ich nicht so typisch weiblich bin. Wir haben einen ähnlichen Humor, wir können über vieles reden und tja, wir lieben uns.

 

Ich bin mir ehrlich gesagt nicht so ganz sicher, was ich dir jetzt hier schreiben könnte, da wir uns ja jeden Tag sehen und normal schreibt man ja Briefe, weil man einen Grund dafür hat. Weil man von der anderen Person etwas möchte oder weil man von ihr etwas erfahren möchte. Oder weil man ihr etwas mitteilen möchte, ob positiv oder negativ. Einfach nur einen Brief schreiben, um des Schreibens willen, finde ich unsinnig, genauso wie man Telefonate macht „nur um die Stimme des anderen zu hören“. Am Ende, wenn man sich nichts zu sagen hat, ist es entweder am Ende nur substanzloses Blablabla oder man sagt sich ja doch nichts.

 

Also, was könnte ihr dir jetzt in diesem Brief schreiben, was du ohnehin nicht so schon weißt? Oder ich nicht bereits hier schon gesagt hatte?

Tja, da das hier nicht wirklich zu was führt, denke ich, werde ich den Brief an der Stelle beenden, bevor ich ihn noch weiterhin mit heißer Luft fülle. Ich dachte zuerst, ok, einen Brief an meinen besten Freund zu schreiben, könnte einfach sein. Ich meine, es ist nicht so, als hätte ich dir nicht so viel zu sagen. Aber dann mache ich das, zu der richtigen Zeit.

 

Hm, dann kann ich an der Stelle nur sagen: Danke, dass du es akzeptierst, dass ich ein wenig… komisch bin. Dass du mich so magst, wie ich bin, auch wenn ich mir selbst noch nicht zu 100% darüber im Klaren bin. Aber irgendwann werde ich es wissen und sagen können. Hoffe ich. Und ich freue mich auf die nächsten 15 Jahre mit dir. Wie bereits gesagt: Mir dir will ich alt werden. Weil du der erste Kerl bist, mit dem ich mir das vorstellen konnte.

 

Hab dich lieb <3

 

Liebste Grüße,

Kira
 

Tag 2 – An deinen Schwarm


 

Hallo Sinni!

 

Tja, heute darf ich meinem Schwarm schreiben. Also dir XD

Heute schon zum zweitem Mal. Mal sehen, wie viele Briefe noch an dich gehen werden. Also gut, mal sehen, was könnte ich dir heute schreiben, was du nicht schon weißt?

 

Ach, weil Männer zu wenig und zu selten Komplimente bekommen, mache ich dir jetzt welche. Was ich so an dir lieber und auch über die Jahre bereits gesagt habe. Zum einen gefällst du mir körperlich, zum anderen auch von der Persönlichkeit.

 

Ich liebe deine warmen, braunen Augen und du siehst sowohl mit, als auch ohne Brille gut aus. Mit kurzen und mit langen Haaren. Mit und ohne Bart. Normal hab ich es nicht so mit langem Augenkontakt, das find ich unangenehm. Aber mit dir ist das nicht so schlimm. So wie ich auch keine Umarmungen mag, das ist zu … naja, ich will nicht sagen, intim. Aber nahe dran. Zu nah. Aber bei dir fühlt es sich richtig an. Bei und mir dir mache ich das gerne.

 

Außerdem finde ich es immer wieder beeindruckend, wie viel größer du bist als ich. Gut, ich bin ja auch ein Hobbit XD

Gut, nicht ganz, aber auf jeden Fall ziemlich klein als die meisten anderen Leute. Und du bist so viel stärker als ich! Finde ich auch immer wieder beeindruckend.

 

Aber ich mag auch deinen Verstand. Du verstehst so viel mehr als ich und das auch schneller. Du kannst mir so viele verschiedene Dinge erklären, egal, ob ich danach frage oder ob du es mir einfach erzählen magst. Ich höre gerne zu, wenn du mir etwas erklärst oder einfach nur erzählst. Egal, ob ich es mir merken kann oder nicht. Auch, weil ich den Klang deiner Stimme mag.

 

Du warst damals der erste Junge, mit dem ich mir eine Beziehung vorstellen konnte und wollte. Mit dir wollte ich alt werden. Und möchte es noch immer. Daran hat sich nichts geändert. Denn ich mag es, wenn wir was zusammen unternehmen. Aber ich mag es auch, dass wir auch nicht die ganze Zeit aneinanderkleben müssen. Dass wir die Eigenheiten des anderen kennen und auch hinnehmen. Dass wir es uns unsere Fehler und Schwächen nicht ständig aufs Brot schmieren. Dass wir beide es nur gemütlich und unkompliziert wollen.

 

All das hatte ich dir schon öfters gesagt, über die letzten 15 Jahre verteilt und ja, ich freue mich schon auf die nächsten 15 Jahre mit dir :3

Wer weiß, was wir noch alles erreichen und erleben werden. Wir sind durch dick und dünn gegangen, durch schöne Zeiten, aber auch durch traurige, schwierige, harte. Aber nichts, wirklich nichts könnte etwas daran ändern, dass ich an deiner Seite alt werden möchte.

 

Einfach, weil ich dich liebe <3

 

Herzlichste Grüße,

Kira
 

Tag 3 – An deine Eltern


 

Hallo Mama, hallo Papa!

 

Mir fällt gerade auf, dass ich euch beiden nie einen Brief geschrieben habe, zumindest kann ich mich nicht wirklich daran erinnern. Papa habe ich auf jeden Fall noch nie einen geschrieben, wie denn auch? Und Mama… ne, ich denke, Geburtstagskarten zählen nicht. Aber gut. Dann mache ich das eben. Auch wenn keiner von euch beiden diesen Brief hier jemals lesen wird. Nicht, weil ich es euch am Willen mangeln würde. Sondern weil es schlicht nicht möglich ist. Aber egal, ich schreibe diesen Brief trotzdem.

 

Und ich fange mit Papa an. Es gibt so vieles, dass ich dir sagen möchte, dir erzählen könnte. 1000 Fragen, die ich dir stellen könnte. Doch ich werde nie eine Antwort erhalten, niemals. Nicht, weil du mich im Stich gelassen hast. Sondern weil Krebs ein Hurensohn ist.

Auch wenn ich es nicht anders kenne, weil du schon fast mein komplettes Leben lang weg bist, vermisse ich dich trotzdem. Ich werde neidisch, wenn ich liebevolle Vater-Kind-Momente bei anderen mitbekomme, weil ich weiß: Das hatte ich nie und werde ich auch nie wieder haben. Wir hatten uns nur zwei Jahre lang und das war viel zu wenig, aber ändern kann es niemand von uns.

Im Grunde bist du eigentlich ein Fremder für mich und dennoch tut es weh. Selbst nach über 30 Jahren.

Manchmal frage ich mich schon, wie mein Leben heute wäre, wenn du heute noch hier wärst. Was du wohl über mich denken würdest, könnte ich jetzt mit dir sprechen. Wie würdest du über die Welt denken? Wie wäre wohl meine Weltansicht? Fragen über Fragen, alles verhallt im Void, und bleibt doch ohne Antwort.

Auch wenn du das nie lesen wirst, und es sich vielleicht hyperkitschig anhört: Ich werde immer deine Prinzessin sein. Und du immer mein Papa.

 

Ok, dann komme ich mal zu dir, Mama. Dich hatte ich einen sehr großen Großteil täglich um mich herum und ich weiß, dass zwischen uns nicht so einfach war. Dass es für dich nicht so einfach war, mit deinen Krankheiten, als Alleinerziehende etc. Du hast mich immer gefragt, wie ich es aushalte, ständig damit konfrontiert zu sein, dass du krank warst. Und ich habe immer nur gesagt: Ja, weil ich es nicht anders kenne.

Tja, und dann kam 2020. Du warst so schnell weg, so schnell habe ich gar nicht schauen können. Und das eine Woche vor meinen Abschlussprüfungen. Das war was. 2020 war einfach ein sehr wildes Jahr. Aber am Ende… hatte dein langes Leiden ein Ende. Auch wenn es am Anfang ein wenig schwierig war, ich konnte mich wenigstens von dir verabschieden. Ich bin mir sicher, du hast mich gehört. Als ich bei dir am Krankenbett saß, in der Nacht bevor du zu Papa gegangen bist.

Bevor auch du in den Himmel gegangen bist, wie du es immer über Papa gesagt hast. Dass er ein Engel wurde und auf mich aufpasst. Jetzt ist er nicht mehr allein, und du auch nicht.

Auch bei dir frage ich mich, was du wohl über die letzten 5 Jahre denken würdest, von den Entwicklungen in meinem Leben und auch generell von der Welt. Ich wollte dir eigentlich 2020 erzählen, dass ich mir sicher bin, bi zu sein. Ich hatte mir überlegt, wie ich das am besten machen könnte. Aber dazu kam es nie.

 

Dass ihr beide nun nicht mehr da seid, das ist für mich irgendwie … normal? Und dennoch werde ich von der Welt daran erinnert, dass es eigentlich nicht normal ist, so früh seine Eltern zu verlieren. Dass man eine Familie und/oder lebende Eltern hat. Aber hey, mein Leben ist wohl einfach seltsam? Ich bin mir an dieser Stelle nicht so sicher, was ich noch schreiben könnte. Papa habe ich so viel zu sagen und mit Mama habe ich ja bereits so viel gesprochen…

 

Ich hab euch lieb. Passt auf euch auf!

 

Grüße vom tiefsten Punkt meines Herzens,

Kira
 

Tag 4 – An deinen Bruder / deine Schwester (oder an deinen nahestehensten Verwandten)


 

Hallo … öhm. Ja. Hier komme ich schon mal zu dem ersten Brief, bei dem ich mächtig Probleme bekomme, denn ich bin ein Einzelkind und das war noch nie anders^^°

Also es gab nie eine Schwester oder einen Bruder für mich. Zwar heißt es, dass ich den Verwandten nehmen soll, der mir am nächsten steht, nur… das habe ich auch nicht^^°

Also das soll jetzt kein Mitleidgeheische werden, ne, bloß nicht. Glaubt mir, wenn man euch gefühlt 30 Jahre lang das Beileid bekundet wird und/oder das Gegenüber Mitleid bekommt, kann man es spätestens schon nach 12 Jahren nicht mehr hören. Aber… ich sags mal so: Alle Leute, die ich als Familie betrachtet habe, sind schon tot. Und dann gibt es noch Verwandte, mit denen ich kaum oder gar keinen Kontakt habe. Also ja… wem schreibe ich hier denn dann?

Ich meine, es gibt kein Limit oder eine Erlaubnis, wem man hier schreiben darf und wem nicht. Zumindest ist mir das nicht bekannt. Also, warum nehme ich nicht einfach jemanden, den ich gerne als Bruder oder Schwester hätte?

 

Vielleicht klinge ich damit wie ein seltsames, verrücktes Fangirl, aber ganz ehrlich: Das ist mir egal. Ich meine, wer so in meine Fanfic-Galerien rumhängt oder mit mir, oder beides, merkt, dass Supernatural bei mir einen sehr großen Platz im Herzen hat. Also, dann mache ich jetzt mal das Gedanken-Experiment und stelle mir vor, die Winchesters und Castiel wären meine Wahlbrüder. Weil leiblich geht ja nicht XD

Wäre vielleicht auch besser so.

 

Ok, nur mal zum Spaß und im Rahmen des Briefes hier. Okay, mal sehen … würden mich die Jungs auf die Jagd mitnehmen? Nö. Aber ich kann mir vorstellen, dass Dean mir die vielen alten Bücher oder einen Laptop in die Hand drückt und sagt: Recherchier das mal D:

Und ich mach das, weil hey, wenn ich schon vom Körper her zu ungeeignet bin, dann kann ich das wenigstens an einer anderen Stelle wieder gut machen.

 

Das würde ich vermutlich viel mit Sam machen. Recherche, die Lore nach irgendwelchen Hinweisen zu irgendwas durchsuchen. Pläne schmieden und ein bisschen auf die Ernährung achten. Wobei sich mein Diätplan mit beiden Brüdern überlappen würde. Damit würde ich zwischen den Stühlen stehen… Hilfe XD

Glaub, mit Sam wäre es am ruhigsten. Aber auch unfair für meinen Nacken, weil hey, ich bin klein :D

 

Dean wäre witzig. Mit ihm würde ich wohl stundenlang im Impala abhängen, Musik hören, und Burger essen. Vielleicht bringt er mir auch Schießen bei, wenn ich ihn frage. Wäre ja nicht das erste Mal, dass ich ne Waffe in der Hand hätte. Er würde viele meiner Anspielungen nicht verstehen und umgekehrt genauso. Mit ihm wäre es vermutlich nicht immer so ruhig wie mit Sam, weil ich kann auch gerne mal stur sein :D

Und sogar ich werde mal wütend und laut. Bei ihm würde ich auch am meisten mit den Augen rollen, facepalmen und all meine Lebensentscheidungen hinterfragen.

Außerdem hoffe ich, dass er sich nicht meinen Laptop ausleiht… dafür würde ich ihm stundenlang zuhören, wenn er von irgendwelchen Westernfakten zuhört, wenn er sich dafür mein Gelaber über Star Wars, Fortnite und Herr der Ringe anhört.

Nur, er sollte nie, nie von meinen Fanfiktions erfahren. Nope. Nö. Nein. Absolut nicht.

 

Ok, kommen wir zum letzten. Glaub, mit Cass hätte ich erstaunlich wenig am Hut, bzw kommt drauf an, ob und wie viel wir miteinander zu tun haben. Wenn er so oft bei den Jungs ist wie in der Serie, joah, hängt er ja eh die meiste Zeit mit Dean rum (gut für die beiden!). Ansonsten, ich könnte mir vorstellen, dass Cass den einen oder anderen „Fehler“ an meinem Körper korrigiert, wie meine Kurzsichtigkeit, meine krummen Finger oder was auch immer ihm auffällt.

Ansonsten würde ich ihn über den Himmel ausfragen, fragen, ob er mich nach Japan teleportiert oder in andere Länder, und im Gegenzug schauen, was ich für ihn so tun kann. Auch wenn es vielleicht nicht so viel ist. Er sollte meine FFs auch besser nicht lesen. Am besten keiner der drei. Ja. Wäre für uns alle vier das Beste.

 

Joah, so könnte es am Ende aussehen, zumindest stelle ich mir so vor. Vermutlich hätte ich von allen das ruhigste Leben, aber auch das gefährlichste? Weil so mancher Gegenspieler könnte mich gut ausnutzen als Mittel zu Erpressung. Tja, öhm, nennt man das dann noch Berufsrisiko?

 

Gut. Ich denke, ich beende den Brief und normal würde ich mich ja an der Stelle von der Person verabschieden, der ich diesen Brief geschrieben habe. Aber die gibt es ja nicht. Meine Mutter hätte gerne noch ein zweites Kind gehabt, hat sie mir öfters gesagt, aber ja, dazu kam es nicht. Wer weiß, was für ein Mensch ich wohl wäre, wenn ich ein Geschwisterchen gehabt hätte. Vermutlich wäre ich ganz anders. Oder auch nicht. So wirklich wird das wohl niemand sagen können.

 

Jedenfalls, dann beende ich den Brief und verabschiede mich dafür hier von dir, dem Leser. Wünsche dir noch einen schönen Tag oder eine gute Nacht, je nachdem, wann du diesen Brief gelesen hast.

 

Liebe Grüße,

Kira
 

Tag 5 – An deine Träume


 

Hallo Träume 😊

 

Okay, das war… seltsam. Schräg XD

Ich meine, wer begrüßt denn schon seine eigenen Träume. Und ich bin mir sicher, dass damit nicht die Träume gemeint sind, die man so in der Nacht hat. Nein, sondern die Träume, die man so im Leben hat, was man gerne erreichen möchte oder erleben.

Mal sehen …

DEN Traum wie Ruffy, der mein ganzes Leben diktiert, habe ich nicht. Zumindest nicht, dass ich es wüsste. Aber es gibt schon ein paar Dinge, die ich mir erhoffen würde zu erreichen, zu schaffen. Auch wenn es nicht danach aussieht, als würde ich etwas dafür machen. Es ist eher so: Meine Träume sind die Hauptquests, aber wie in Skyrim und co werde ich viel zu oft von den Seitenquests abgelenkt XD

Wobei die manchmal auch gut sein können!

 

Egal, jedenfalls, meine Träume und ich. Was würde ich gerne tun?

Auf jeden Fall mit meinem Partner alt werden.

Ich würde gerne noch mehr abnehmen und mehr wieder wie ich aussehen, so wie ich mich in meinem Inneren fühle.

Ich würde gerne den einen Traum aus meiner Kindheit irgendwann mal umsetzen, wenn es bei mir mal reinpasst.

Außerdem würde ich gerne den einen oder anderen Charakter gut cosplayen können. Wie meinen Truppler. Oder Castiel nochmal. Aber vorher muss ich erstmal die teure Rüstung kaufen und auf jeden Fall abnehmen^^°

Und es wäre mal cool, einen Roman von mir rauszubringen. Aber solange ich noch Probleme damit habe, an längeren Geschichten zu schreiben, weil ich irgendwie nicht das Durchhaltevermögen habe, selbst, wenn ich die Stories abgöttisch liebe… tja.

 

So genau bin ich mir nicht sicher, was ich meinen Träumen noch schreiben könnte. Sorry, aber so wirklich viel habe ich ihnen nicht mehr zu sagen. Außer: Ich gebe mir Mühe?

 

Liebe Grüße,

Kira
 

Tag 6 – An einen Fremden


 

Hallo Fremder!

 

Heute darf ich laut Liste dir einen Brief schreiben, ok, gut, dann mache ich das… dabei habe ich allerdings keine bestimmte Person im Kopf, sondern dass ist an die fremden Leute gerichtet, denen ich so im Alltag begegne. Ob es nun auf der Arbeit oder wenn ich draußen unterwegs bin. Wenn ich dich nicht beachte und du auch mich auch nicht, wenn es keinen bestimmten Grund dafür gibt. Wenn wir uns aus welchem Grund auch immer nicht ansprechen müssen und das ist ja auch vollkommen normal. Die allermeisten Menschen werden für uns Fremde bleiben und bei der schieren Masse an Leuten, die auf diesem Planeten existieren, dann ist es doch kein Wunder.

 

Solltest du dennoch irgendwie auf mich aufmerksam werden, mit mir ein Gespräch anfangen wollen, aus welchen Gründen auch immer, und du dich wundern solltest, warum ich niemanden ansehe… ich habe meine Gründe. Wenn ich unterwegs bin, höre ich Musik. Gleichzeitig bin ich Gedanken. Ich denke an das eine oder andere RP, an besondere Momente davon oder plane, wie es mit der Story weitergehen könnte. Ich denke an die nächste Fanfiction, die ich schreiben könnte oder an der ich derzeit arbeite. Ich denke über meine aktuelle Aufgabe nach. Über das, was mich so im Leben oder in der Arbeit beschäftigt.

Daher, ich sehe nicht an dir vorbei, weil ich ein Arsch sein will. Sondern, weil ich schon mit der Welt in meinem Kopf beschäftigt bin und damit, in der echten Welt nicht in irgendwas oder irgendwen reinzulaufen.

 

„Ein Fremder ist ein Freund, den man noch nicht kennt“ – irgendwann irgendwo habe ich den Spruch neulich gehört. Müsste ne Simpsons-Folge sein. Irgendwie find ich den Spruch schön. Aber auf der anderen Seite, so viele Freunde will ich gar nicht haben. Wäre mir auf Dauer dann auch zu viel.

 

Was könnte ich dir noch schreiben? Fremde oder Fremder… oft genug machst du aber auch Dinge, die ich nicht verstehe. Warum siehst du mich in der Bahn so oft an, an mir ist doch nichts Besonderes? Warum beobachtest du mich immer wieder, das macht mich nervös?

An anderen Stellen übersiehst du mich. Siehst über mich hinweg, weil ich mit meinen 1,59 unterhalb deiner Augen unterwegs bin. Nimmst mich nicht wahr, wenn ich im Laden als nächste dran bin. Das ist auch ziemlich verwirrend.

 

Naja, am Ende des Tages sind Fremde auch nur Leute mit Sorgen, Ängsten, Nöten, aber auch Freude und Hoffnung. Ein Mensch, der einfach nur seinen Alltag hinter sich bringen will und das Beste aus seinem oder ihrem Leben machen möchte. Daran versuche ich zu denken, auch, wenn ich dich die meiste Zeit abschirme. Aber ich mag nun mal Musik und außerdem ist es in meinen Augen effizienter. Ich werde fast nie angesprochen, außerhalb von Läden und das finde ich ok. Und selbst wenn es passiert, ok. Nur, frag mich bitte nicht nochmal, ob ich mit dir einen Kaffee trinken will, nur, weil wir uns jetzt zwei Minuten lang kennen. Ich habe schon einen Freund und an einer Affäre kein Interesse.

 

Liebe Grüße,

Kira
 

Tag 7 – An deinen Ex-Freund/Freundin/Schwarm


 

Hallo… ähm… fuck XD

Ich würde dich gerne mit deinem Vornamen ansprechen, oder mit deinem Spitznamen, den du damals in der Klasse hattest. Aber ich habe absolut keine Ahnung mehr, wie dein Name damals war. Das war so 2006 bis 2009 rum? Ne, ich habe leider absolut keine Ahnung mehr, wie dein Name ist. Wie du ausgesehen hast. Ich weiß nur noch, dass du mal existiert hast und ich damals für dich geschwärmt habe.

 

Jedenfalls: Hallo Schwarm aus der Realschulzeit!

 

Warum ich dir schreibe? Naja, ich bin immer noch in meiner ersten Beziehung, davor hatte ich keine, also gibt es keinen Ex-Partner oder eine Ex-Partnerin, dem oder der ich schreiben könnte. Und für dich habe ich die längste Zeit geschwärmt, auch wenn ich heute nicht mehr so richtig weiß, warum.

Darum schreibe ich dir heute.

 

Wie ich mich in dich verknallt hatte? Uff, das ging recht spontan. Ich hörte dein Lachen, deine witzige und selbstbewusste Art und da hattest du mich schon. Da hat es nicht viel gebraucht. Ich war erst über meine letzten zwei Schwärmereien hinweg, da kamst du auf einmal in meine Klasse. Tja, das hat mich dann bis zum Ende der Realschule nicht in Ruhe gelassen. Erst danach, als wir uns danach nie wieder gesehen haben, war es recht schnell „Aus den Augen, aus dem Sinn.“

Ich weiß nur noch, dass du auch optisch mein Typ warst. Aber ich konnte mir aus verschiedenen Gründen keine Beziehung mit dir vorstellen.

 

Zum einen, ich war damals im Gegensatz zu den anderen Mädchen zwar körperlich weiter entwickelt, aber nicht geistig. Körperlich hinkte ich meinem Geist da total hinterher. Während andere schon ihre ersten Beziehungen hinter sich hatten, habe ich mir um solche Dinge keine Gedanken gemacht. Erst so mit 16 legte sich da so ein Schalter bei mir um, aber ich hatte es immer im Gespür: In der näheren Umgebung werde ich nicht fündig werden. Wie recht ich am Ende doch hatte… also ja, ich wäre emotional auch nicht für eine Beziehung bereit gewesen. Zumal ich mir das mir dir, so komisch es sich anhört, einfach nicht vorstellen konnte. Keine Ahnung, ich war voll dich verschossen und doch konnte ich mir das mir dir nicht so wirklich vorstellen.

 

Außerdem war da ja noch die Tatsache, dass ich in unserer Klasse ein kompletter Außenseiter war. Das hatte sich zwar in den letzten 1-2 Jahren immer mehr gelegt, aber der Schaden war trotzdem da. Ich konnte niemanden von euch vertrauen und da gehörtest du auch dazu. Zumal du wie ein ewiges Rätsel für mich warst. Du hast mich ewig ignoriert, aber hin und wieder angesprochen. Keine Ahnung warum. Du hast das Gespräch mit mir gesucht, aber ich war socially total arkward. Nicht, dass das heute besser wäre. Aber damals war ich so komplett überfordert mit Reden mit Leuten allgemein, und dass ich in deiner Nähe total nervös und rot wurde, war nicht wirklich hilfreich. Schon damals hatte ich die Vermutung, dass die komplette Klasse Bescheid wusste, aber wenigstens hier sowas wie Anstand bewiesen hat.

 

Auch hast du dir immer von mir meinen Spitzer geliehen, du fandest es lustig, dass ich als Rechtshänder einen Linkshänderspitzer hatte. Weil meine Mutter beim Kaufen nicht aufgepasst hat. Auch hast du dir gerne von mir Kaugummi genommen. All das, während wir in der 9. Und/oder 10. Klasse praktisch nebeneinander saßen. Dennoch konnte ich nicht normal mit dir reden, oder dich überhaupt ansehen. Ich habe dich ignoriert, wie ich es mit meinen Schwärmereien immer getan habe, weil ich so überfordert war. Überhaupt keine Ahnung, mochtest du mich? Was dachtest du über mich damals? Das würde ich gerne wissen.

 

Du hattest im Deutschunterricht etwas gesagt, das mich bis heute verfolgt. Dass mir im Kopf geblieben ist, wie eine Kernerinnerung.  Ich kenne den Kontext nicht mehr, aber es war in Deutsch. Unsere Lehrerin meinte, dass es Menschen gibt, die zwar äußerlich schön wären, aber innerlich so hässlich, dass es auch nach außen strahlt. Und während ich noch an eine gewisse Person nachdachte, hast du dann laut nachgefragt: „Geht das auch umgekehrt? Dass jemand außen hässlich ist und innen sehr schön?“. Oder so in der Art. Und während du das gefragt hattest, hast du mich angesehen. Ich kann mich erinnern, ich hab dann sofort weggeguckt und für den Rest der Stunde nicht mehr zurück. Es kann aber auch sein, dass ich mir das eingebildet habe. Dass ich gehofft hatte, dass all die Annäherungen wirklich als solche zu verstehen seien. Keine Ahnung. Ich bin mir bis heute nicht sicher, wie ich das verstehen darf.

 

Aber ja, heute ist das alles nur noch eine verwaschene Erinnerung und da ich eh mit dem für mich besten Kerl der Welt zusammen bin, finde ich es nicht so schlimm, dass aus uns nichts geworden ist. Nicht, dass das der Fall gewesen wäre.

 

Wir werden uns vermutlich nie wieder sehen, denn ich denke nicht, dass ich zu irgendwelchen Klassentreffen eingeladen werde. Dazu war ich zu unbeliebt. Zu seltsam für meine Klasse. Aber wenn es doch mal dazu kommen würde, würde ich dir sagen, dass ich als Teenie auf dich stand und fragen, was all diese Momente zu bedeuten haben. Nicht, um wir was zu erhoffen, Hilfe, nein XD

Einfach nur, um das Rätsel ein für allemal lösen zu können. Um meinen inneren Sherlock zufriedenstellen zu können.

 

Nach dem Ende der Realschule habe ich dich ein einziges Mal gesehen, danach nie wieder. Und jetzt wohne ich auch mittlerweile ganz woanders. Würde ich dein Gesicht heute sehen, ich würde es nicht mehr wiedererkennen. Würde ich deinen Namen lesen, würde ich mich höchstwahrscheinlich nicht mehr daran erinnern können.

 

Vielleicht, wenn einiges so ein bisschen anders abgelaufen wäre, wäre es vielleicht anders gekommen. Wenn ich nicht so sehr mit mir selbst und der Pubertät gehadert hätte. Wenn ich nicht so unbeliebt in der Klasse gewesen wäre. Wenn du mich angesprochen hättest, ohne dass es deine Freunde und die halbe Klasse mitbekommt. Aber das ist nicht passiert. Tja, so ist das nun.

 

Ich hoffe, du hast ein schönes Leben, einen angenehmen Partner an deiner Seite und beste Gesundheit 😊

 

Freundliche Grüße,

Kira

 

P.S. Jetzt ist mir dein Name eingefallen. Glaube ich. Ich glaube, dein Vorname war Andreas. Aber ich kann mich auch irren.
 

Tag 8 – An deinen besten Internetfreund

Hallo Visma!
 

 

An der Stelle konnte ich mich erstmal nicht entscheiden, wem ich schreiben könnte, da ich genau zwei Leute dafür im Kopf hatte. Aber dann hatte ich mich doch für dich entschieden, da ich die andere Person schon vorher kannte und wir uns eben übers Internet kennengelernt haben.

Daher war es ein ziemlich enges Kopf-an-Kopf-Rennen, könnte man sagen.

 

Und ich möchte diese Gelegenheit nutzen und mal danke sagen. Danke, für all die Stunden, die wir zusammen Fortnite gezockt haben, egal, welcher Spielmodus, ob Null Bauen, Blitz, Reload, oder einen der vielen kreativen Sachen. Oder auch, dass ich dank dir mal nen Zugang zu Minecraft gefunden habe, auch wenn ich ihn nicht gesucht habe. Bzw nicht gedacht hätte, dass ich ihn mal suchen könnte. Aber dort zu bauen, Ideen umzusetzen und Hunde nach Supernatural Charakteren zu benennen, wie auch das Entdecken von Höhlen ist schon echt cool.

 

Außerdem auch danke, dass wir uns nicht nur ein Hobby teilen, sondern auch ein anderes: Schreiben. Also das Schreiben von Geschichten. Wir können uns über Ideen austauschen, ohne dass wir Angst haben, dass die andere diese Idee verurteilen könnte. Oder auch, wenn wir mal wieder irgendwelche Bilder über ChatGPT erstellt haben (nur für uns rein privat oder mal ganz selten für Angels Insta), einfach, weil es auch Spaß macht darüber sich zu unterhalten. Oder auch über private Dinge, auch wenn ich hier nicht ins Detail gehen möchte. Und sollte.

 

Außerdem macht es mir Spaß, mit dir ins Kino zu gehen 😊

Dieses Jahr kommen ja mehrere Filme, auf die wir beide Bock hätten und da können wir uns das dann schon mal gönnen.

 

Was könnte ich hier noch sagen? Ich bin kein großer Briefeschreiber, und ich weiß auch nicht, ob du ihn hier jemals lesen wirst. Vielleicht durch Zufall? Vielleicht weil ich ihn dir irgendwann mal verlinkt habe? Mal sehen. Wenn es nach 2026 war, dann hat das keinen besonderen Grund, keine Angst. Vermutlich war ich einfach nur wieder zu verkopft. Oder dachte, dass es vielleicht zu peinlich wäre. Irgendwie sowas. Das hier ist also nicht nur ein Brief an dein heutiges Ich, sondern auch ein bisschen an dein Ich in der unbekannten Zukunft.

 

Joah, man hört sich dann mal wieder ein Fortnite oder beim Zocken von Among Us/Minecraft :D

 

Liebe Grüße,

Kira
 

Tag 9 – An jemanden, den du gerne mal treffen würdest


 

Hallo Obi-Wan!

 

Oder sollte ich lieber aus Höflichkeit lieber erstmal mit „Hallo, Mr Kenobi“ anfangen? Oder lieber „Meister Kenobi“?

 

Okay, ich fange lieber nochmal von vorne an.

 

Hallo Meister Kenobi!

 

Das ist jetzt der zweite Brief, mit fiktiven Adressat und für einen kurzen Moment wollte ich auch erst jemanden aus Supernatural nehmen, aber am Ende habe ich mich dann doch für dich entschieden. Nicht nur, weil du einer meiner Lieblingscharaktere bist, sondern weil ich denke, dass es mir auf verschiedenen Ebenen guttun kann, sich mit dir mal zu unterhalten. Vielleicht kann ich mir von deiner Ruhe eine Scheibe abschneiden, aber auch von deiner „sassy“ Eigenschaft? Außerdem könntest du mir von andern Planeten erzählen, die du so in deinem Leben bisher besucht hast. Wie ihre Namen lauten, wie sie aussehen, wie sie aufgebaut sind.

Oder du könntest mir von ihren jeweiligen Bewohnern erzählen, von ihren Kulturen, ihrer Flora und Fauna. Immerhin sitze ich ja auf der Erde „fest“ und so bleibt mir nur der Blick ins Weltall. Hinauf zu den Sternen und dem Mond, der mich schon immer fasziniert, auch wenn ich nicht weiß, warum.

Vielleicht hast du ja darauf eine Antwort. Vielleicht auch nicht, aber du kannst mir helfen, eine Antwort auf diese Frage zu finden.

 

Außerdem, vielleicht kann ich von dir lernen, ruhiger und geduldiger zu werden. Vielleicht bekomme ich sogar mal eine Meditation hin. Soweit ich informiert bin, hast du dich damit als Padawan auch schwergetan und ich hab es mal als Teenager probiert, aber es hat nicht so richtig für mich funktioniert. Vielleicht kennst du ja einen Weg, wie ich das besser machen könnte? Ich meine, ich bin kein Jedi. Ich kann mich nicht durch die Macht lenken lassen, nicht mit ihr interagieren, so wie du es tust. Ich kann mich nicht von der Macht führen lassen.

Aber ich denke, hin und wieder einen ruhigen Moment zu haben, bei dem ich entspannen kann, mich von der Welt zurückzuziehen und einfach nur zu existieren… auf der anderen Seite, Traumreisen helfen mir da manchmal. Außer, ich muss mein schwaches Kopfkino zu sehr bemühen, dann wars das wieder mit der Entspannung. Oder ich sitze irgendwo und höre einfach nur Musik. Das ist meine Art zu entspannen. Nebenbei ein Buch zu lesen tut mir auch gut. Klar, ich mache in dem Moment was. Aber das hilft mir ungemein.

 

Sorry, ich texte dich hier grad zu und das ist sicherlich nicht wirklich interessant für dich. Ich wünschte, ich hätte etwas interessantes für dich zu erzählen, auf der anderen Seite kann ich mir aber auch vorstellen, dass das einfache Leben, dass so viel anders ist als deins, trotzdem irgendwie interessant sein kann. In welcher Phase deines Leben dich dieser Brief wohl erreicht? Würdest du ihn als junger Padawan bekommen? Als Kind? Oder später, wenn du erwachsen bist?

Das wäre für mich wiederrum interessant zu wissen. Ich meine, ich habe eine bestimmte Version von dir im Kopf, aus einem bestimmen Lebensabschnitt, aber … dafür werde ich nicht reden. Nicht, dass eine jüngere Version diesen Brief liest und ich damit einiges durcheinanderbringe. Das kann ich nicht riskieren.

 

Aber egal, in welcher Lebensphase du dich befindest: Hör auf dein Herz. Lass dich von der Macht führen, wenn ich es schon nicht kann. Und es wäre mir eine Freude, dich persönlich kennenzulernen. Aber ich sag dir gleich: Ich bin oft auch mega schüchtern und schnell eingeschüchtert. Ich meine das nicht böse, also wenn ich dich nicht angucken oder ansprechen kann oder beides… das liegt an mir. Nicht an dir. Abgedroschener Spruch, ich weiß. Aber ich habe meine Gründe dafür. Teilweise.

 

Egal. Vielen Dank fürs Lesen, und wer weiß, vielleicht treffen sich unsere Wege auch mal. Auch wenn dir diese Worte nichts sagen, richte doch bitte Grüße von mir aus. An Anakin, an Ahsoka, an Padmé und an Rex. Einfach, weil ich denke, dass sie liebe Grüße verdient haben.

 

Möge die Macht mit dir sein!

 

Kira
 

Tag 10 – An jemanden, mit dem du nicht soviel Kontakt hast, wie du gerne haben würdest

Hallo…. An eigentlich niemanden.
 

 

Ich weiß, ich weiß, eine seltsame Begrüßung, aber auch heute habe ich niemanden, an den sich dieser Brief richten könnte. Dem oder der ich diesen Brief schreiben könnte, der oder die auf die Kriterien zutreffen würde. Leute, die mir wichtig sind, mit denen habe ich mehr oder weniger regelmäßig Kontakt. Zwar gibt es Leute, mit denen ich gerne mal wieder Kontakt hätte, nicht nur mehr, sondern generell mal wieder welchen. Aber diese Leute sind entweder tot oder man hat sich auseinandergelebt, daher passt das nicht so richtig dazu. Eine Person, mit der ich zu wenig Kontakt habe, gibt es derzeit in meinem Leben nicht. Vor mehreren Jahren bzw je nach Jahr wäre die Antwort komplett anders ausgefallen. Aber ja, das sind Leute, mit denen ich mich auseinandergelebt habe. Das passiert. Das ist normal.

 

Tja, so wirklich viel habe ich dazu nicht zu sagen. Weil, was soll man zu einer Person schreiben, oder sagen, die nicht existiert? Nicht mal irgendwie fiktiv, sondern gar nicht? Wenn man dazu nicht mal ein Gesicht hat oder eine Stimme oder Erinnerung?

Ich frage mich, ob und wie ich diese Frage bzw wem ich diesen Brief in einem Jahr schreiben würde. In fünf Jahren, in zehn Jahren oder in zwanzig. Gleichzeitig bin ich mir nicht sicher, ob ich die Antwort darauf wissen möchte. Auch wenn ich Verlust gewohnt bin, tut Verlust immer noch weh. Das wird sich vermutlich auch nie ändern.

 

Tja, da ich heute keinen wirklichen Brief zum Schreiben habe, mehr eine merkwürdige Postkarte, lasse ich es an der Stelle mal bleiben.

 

Liebe Grüße,

 

Kira
 

Tag 11 – An einen Verstorbenen, mit dem du gerne reden würdest


 

Hallo Papa!

 

Bei dem Punkt bist du mir gleich eingefallen, weil… ich kenne dich nicht. Nicht direkt. Ich kann mich auch leider nicht an dich erinnern, zumindest nicht aktiv. Ich weiß so gut wie gar nichts von dir und kann mich nur indirekt an dich erinnern. Unterbewusst, tief in mir drin. Denn als du so schwer krank warst, und gestorben bist, war ich gerade mal zwei Jahre alt.  Alt genug um mitzubekommen, dass etwas passiert, aber zu jung, um zu verstehen, was passiert. Um verarbeiten zu können, was alles passiert ist. Denn ja, es hat seine Spuren an mir hinterlassen und mich an verschiedenen Punkten geprägt, bis heute.

 

Und auch wenn ich weiß, dass man die Toten nicht auf ein Podest stellen soll oder zu verherrlichen… wenn ich die Möglichkeit dich zu treffen, mit dir kurz reden zu können und sei es nur für einen Tag, eine Stunde, oder zehn Minuten, ich würde dich auf jeden Fall eins wissen lassen wollen:

 

Ich verzeihe dir. Ich weiß, du bist nicht freiwillig von dieser Welt gegangen, du hast hart, sehr hart gegen den Krebs gekämpft und alles gegeben. Wirklich alles mitgemacht, gelitten, geblutet, anscheinend auch gelacht. Vermutlich gegen den Schmerz, gegen die Machtlosigkeit. Genau kann ich es weder sagen noch einschätzen.

 

Ich würde dir auf jeden Fall sagen, wie gerne ich dich habe und wie wichtig du mir bist. Selbst nach über 30 Jahren. Du wirst für immer mein Papa bleiben und ich für immer deine kleine Prinzessin.

Gleichzeitig frage ich mich ja schon, was du wohl sagen würdest, wenn ich dir von meinem Leben erzählen würde. Wenn ich sagen würde, was mit Mama passiert ist. Wenn ich dir von meinem Lebensverlauf erzählen würde, vom Mobbing, von alten und aktuellen Freunden. Von meinem Freund.

Was würdest du dazu wohl sagen? Wie würdest du das kommentieren?

Würde es dich stören, dass deine Tochter nicht hetero, sondern bi ist? Wenn ich dir erstmal überhaupt erklärt hätte, was das ist. Denn ich glaube, in den 90ern kannte das noch niemand.

Was würdest du davon halten, dass ich Serien wie Supernatural mag, oder Filme wie Star Wars oder Der Herr der Ringe? Dass ich so gerne die gleiche Haarfarbe wie du hätte?

 

Gleichzeitig würde ich dich nach so vielem befragen, auch wenn ich weiß, dass es eine Wissenslücke, die ich niemals schließen kann. Was motivierte dich zum Aufstehen? Was hättest du dir von mir fürs Leben gewünscht? Was waren deine Hobbys? Und … kannst du mich noch einmal so halten, so wie früher, auch wenn das anatomisch nicht mehr möglich ist, weil ich kein Baby mehr bin? Ich mag keine Umarmungen, aber das wäre ok. Du wärst eine Ausnahme.

 

Man sollte meinen, 32 Jahre sind eine lange Zeit, um über etwas hinwegzukommen. Aber wer immer das glaubt… ist naiv. Oder hat wohl mehr Glück als ich. Denn ich bin nicht darüber hinweggekommen. Werde ich wohl nie. Aber ich kenne es auch nicht anders. Und wie gesagt, ich bin nicht wütend auf dich. Ich bin wütend auf diese Krankheit, die dich geraubt hat. Die dich vernichtet hat. Manche Wunden heilen wohl wirklich nie.

 

Ich könnte dir noch so vieles schreiben, und ich würde doch nie ein Ende finden. Aber mal mit dir reden zu können, das wäre schön. Das wäre so schön. Aber ich befürchte, das geht nur über zwei Möglichkeiten. Entweder wenn ich selbst grad im Koma liege oder im Sterben oder was auch immer. Keine Option und strebe ich auch nicht an. Die andere Möglichkeit wären Chatbots, aber … nein. Aus diversen Gründen nein. Das mache ich nicht. Lieber rede ich mit dir in meinem Herzen oder über Briefen wie diesen. Auch wenn das ein Monolog ist und kein Dialog.

 

Egal. Papa… ich hab dich lieb. Und ich hoffe, du hast es da, wo du jetzt bist, besser. Aber auf mich wirst du noch sehr viele Jahrzehnte warten müssen. Bis dahin kannst du ganz viel Schlager hören, zusammen mit Mama. Denn wenn ich irgendwann komme, haue ich dir die gute Musik um die Ohren. Wie Die Ärzte, Metallica oder auch sowas wie Babymetal oder Eminem.

 

Achja, weil das einfach dazugehört: Krebs ist ein Hurensohn!

 

Liebe Grüße,

Kira
 

Tag 12 – An die Person, die du am meisten hasst / die dir sehr wehgetan hat


 

Hallo Lexi.

 

Ja, ich hab das hier nur hingeschrieben, weil ich nett sein wollte, aber eigentlich sollte es heißen: Fick dich!

 

Denn du hast mir das Leben in der Realschule zur Hölle gemacht, selbst, als du nicht mehr dort warst.

Nur, weil du aus Gründen, die ich bis heute nicht nachvollziehen kann, hast du dich über mich lustig gemacht. Hast mich dazu gezwungen, mich von dir schminken zu lassen, obwohl ich das nicht wollte. Obwohl das dann sogar mein Schwarm gesehen hat. Ich hatte mich nicht getraut, das irgendwem zu zeigen, ganz besonders ihm nicht. Ich hatte keinen Spiegel, keine Ahnung, was du mit meinem Gesicht gemacht hattest!

Gut, die Ohrfeige hätte ich dir nicht verpassen sollen, das sehe ich ein. Aber … dass du bereits davor angefangen hast, dich über mich lustig zu machen. Mich mit den anderen dann zu mobben, als meine einzige Freundin die Schule verlassen hat… musste das sein? Ich hatte davor keine Probleme mit dem Selbstwertgefühl. Seitdem habe ich es. Zweifel, zu wissen, dass man nicht traditionell attraktiv oder schön ist… aber hättet ihr mich nicht einfach in Ruhe lassen können? Stattdessen musste ich wohl noch mehr fürs Leben geprägt werden. Denn heute, mit Anfang 30 habe ich diese Zweifel immer noch.

 

Heute spüre ich eigentlich nichts mehr, wenn ich an dich denke. Ich weiß auch nur noch, dass du blond warst. Faul und blöd. Und darauf stolz, dass du einen reichen Daddy hattest. Und darauf, dass du dann Jahre später in deiner anderen Klasse jemanden gemobbt hast, nur, weil er der einzige Deutsche in der Klasse war. Heute würde ich sagen, du warst eine fiese Trophy Wife. Vermutlich bist du das heute auch noch.

 

Ich weiß, du wirst diesen Brief nie lesen. Das ist ok. Man soll Leuten ja nichts Böses wünschen, aber… ich wünsche dir böses. Böses, aber nichts Gefährliches. Möge dein Regenschirm voller Löcher sein. Möge dir jeder BH, den du liebst, böse ausleiern. Möge jeder Nagellack nur einen Tag lang halten.

 

Das klingt vielleicht kindisch, aber das ist mir egal. Du hast in gewissem Sinne mein Leben ruiniert, weil dir danach war. Ich hatte ja nur schon genug Struggles, mit bereits vorhandenem Ballast und Verwirrung durch die Pubertät. Aber ja. 9 von 10 Leuten finden ja Mobbing klasse. Tja, ich war Person Nummer 10.

 

Hoffentlich sehen wir uns nie, nie wieder.

 

Keine freundlichen Grüße,

Kira
 



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