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Die Robe der Königin

Daily Drabble Dezember
von

Vorwort zu diesem Kapitel:
Der Monat hat eben erst angefangen und ich bin schon zu spät 😅 Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Leider hab ichs nicht geschafft. Trotzdem mach ichs zumindest fertig ;) Komplett anzeigen

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Sieben

Wir waren sieben Kinder. Ich hatte vier ältere Brüder und zwei ältere Schwestern. Nur noch mein zwei Jahre älterer Bruder und ich lebten zuhause. Meine anderen Geschwister waren verheiratet. Der älteste Bruder half meinem Vater im Bergwerk. Mein anderer war nun Fischer. Mein letzter Bruder wusste noch nicht, welche Lehre er machen wollte. Ich hingegen würde irgendwann heiraten und meinen Schwestern folgen. Eine gute Ehefrau, die ihrem Mann Kinder gebären würde. Dieser Gedanke machte mich traurig. Aus diesem Grund zog ich mich oft mit meinem Skizzenbuch in den nahen Wald zurück. Ich zeichnete und stellte mir ein erfülltes Leben vor.

Zertanzte Schuhe

Das Laub raschelte. Die Äste knackten. Die Blätter in den Baumkronen rauschten im Wind. Und ich hörte Wasser. Es klang wie Musik und ich war die Einzige, die sie hörte. Ich schritt den Trampelpfad entlang, war auf dem Weg zu meinem Platz. Der umgestürzte Baumstamm neben dem großen Stein direkt am Fluss, der den Wald durchzog und in zwei Teile spaltete. Ich liebte diesen Ort, denn niemand kam hierher.
 

Abrupt blieb ich stehen und starrte ungläubig den Baumstamm an. Langsam ging ich darauf hinzu. Ein einziger Ast hatte all die Zeit überdauert und an eben diesem hingen rote zertanzte Schuhe.

Haselnüsse

Grübelnd saß ich auf dem Baumstamm und drehte die Schuhe hin und her. Es waren Schuhe. Keine besonderen. Nichts Außergewöhnliches. Gut, sie waren zu schick für diese Gegend und vor allem den Wald. Aber sonst, nichts. Kein Hinweis, wohin oder wem sie gehörten.
 

Ich die Schuhe auf meinen Schoß, als ich auf dem großen Stein etwas entdeckte. Verwundert erhob ich mich und lief darauf zu. »Haselnüsse«, murmelte ich und ging in die Knie. Eine stupste ich an. Sie rollte in Richtung Fluss. Doch statt im Wasser zu versinken oder von der Strömung mitgerissen zu werden, rollte sie über die Wasseroberfläche.

Großmütterchen Jadwiga

Ohne nachzudenken, sammelte ich die übrigen Haselnüsse ein und lief der anderen inklusive Schuhe hinterher. Ich versank bis zur Hüfte im Wasser, das war hier nicht so tief wie an anderen Stellen. Beschwerlich kam ich voran, schaffte es aber. Die Haselnuss rollte weiter und verschwand im Wald.
 

Ich war direkt hinter ihr. Rannte mit dem Blick auf den Boden weiter, bis ich ein paar Füße entdeckte, an denen sie hängen blieb. Ich bremste und landete auf dem Hintern. Ein Lachen erklang.

»Alles in Ordnung, mein Kind?«

»Ja, danke Madame«, erwiderte ich. Sie half mir hoch.

»Nenn mich Jadwiga oder Großmütterchen.«

Auf Hühnerbeinen

»Komm herein«, sie legte die Nuss auf einen Tisch in der Mitte der Hütte. Keine Ahnung, wie lange wir gelaufen waren. Der Gedanke kam auf, umzukehren, nach Hause zu gehen, aber etwas hielt mich hier. Das Großmütterchen drückte mir ein paar Kleidungsstücke in die Hand und drängte mich dazu, mich umzuziehen.
 

»Ich hoffe es macht dir nichts aus, wenn wir während des Essens weitergehen.«

»Weitergehen? Wie?«

»Keine Sorge, das Haus macht das.«

Da bebte der Boden. Ich eilte zur Tür und riss sie auf. Dabei wäre ich fast gestürzt. Die Erde war weit unter uns. Es lief. »Sind das Hühnerbeine?«

Böser Wolf

»Wenn du dem Weg folgst, kommst du wieder nach Hause«, erklärte mir das Großmütterchen. »Es tut mir leid, dass ich dich nicht näher dorthin bringen kann, aber die Menschen fürchten sich.«

Ich schüttelte den Kopf. »Hab vielen Dank, Großmütterchen.«

»Gerne Kindchen. Bitte sei vorsichtig. In diesem Teil des Waldes treibt ein böser Wolf sein Unwesen.«
 

Schwer schluckend nickte ich. Mit zitternden Fingern zog ich den Umhang enger, als ich an dieses Untier dachte. In diesem Teil des Waldes war ich noch nie gewesen, dabei war es unweit meines Zuhauses.

»Ich werde darauf achten.«
 

Dann machte ich mich auf den Weg.

Piratenbucht

Wie lange war ich schon gelaufen? Mehrfach drehte ich mich im Kreis. Es dämmerte. Ich hatte mich verlaufen. Seufzend strich ich mir durch die Haare. Da erklang ein Heulen. Aufgeschreckt blickte ich mich um. Meine Beine wurden schwer. Dann drang das Geräusch von raschelndem Laub zu mir. Ich befreite mich aus der Starre und rannte los.
 

Ich wusste nicht, in welche Richtung ich lief. Aber das Tier kam näher. Es interessierte mich nicht, was es war, ich wollte nur weg. Dort vorn. Dort lichtete sich der Wald. Und ich stürzte. Rollte den Abhang hinunter und traf auf Sand. Die Piratenbucht.

Im Dunkel der Nacht

Es brach heraus. Eilig rappelte ich mich auf. Rutschte weg, aber schaffte es auf die Beine und rannte. Meine Lunge brannte, doch das Knurren hinter mir trieb mich weiter. Ich lief am Strand entlang. Wollte nur weg. Wünschte mir, ich wäre beim Großmütterchen geblieben. Ich fürchtete mich. Ich war allein. Allein im Dunkel der Nacht. War das mein Ende?
 

Ein Schemen tauchte vor mir auf. Zischend flog etwas an mir vorbei. Ein Jaulen erklang. Einige Schritte stolperte ich vorwärts, ehe ich stehen blieb und über meine Schulter sah. Das Tier, ein Wolf, blickte mir in die Augen. Er kehrte um.

König der Diebe

Schnaufend sah ich dem Tier hinterher. Eine Hand schob sich in mein Sichtfeld.

»Danke«, murmelte ich und wollte mich allein erheben. Meine Beine wollten nicht. Erschrocken sah ich an mir hinab. Ich zitterte.

»Na los«, sprach er. Noch immer hielt er mir seine Hand helfend entgegen.
 

Ich ergriff sie. »Vielen Dank.«

»Keine Ursache. Eine junge Frau in Not kann ich doch nicht diesem Untier überlassen. Zudem schuldest du mir jetzt etwas.« Breit grinste er mich an.

Sein Anblick kam mir bekannt vor. »Du bist der König der Diebe, von dem man sich erzählt.« Mit großen Augen starrte ich ihn an.

Duell im Mondlicht

Das Lagerfeuer knisterte. Meine Beine hatte ich eng an den Körper gezogen. Mein Zittern kam nicht von der aufkommenden Kälte der Nacht.

»Wieso läufst du einem Wolf vor die Schnauze?«, fragte er.

»War nicht meine Absicht. Und was macht ein Dieb an einem leeren Strand?«

Er lachte und sah in den Sternenhimmel. »Ein Kätzchen hat mich dazu gebracht, ein Duell im Mondlicht zu verlangen. Es sei mein Schicksal, hatte es gesagt.«

»Und du glaubst einer Katze?«

Er zuckte mit den Schultern. »Er ist nicht nur eine Katze.«

Neben ihm erschien ein Grinsen, dann zwei leuchtende Augen und zuletzt ein Katzenkörper.

Grinsekatze

»Hallo Runa.«

Verwirrt sah ich mich um. Woher kam diese Stimme? »Wer?«

»Stell dich nicht so an.«

»Was?« Erschrocken blickte ich zu dem Tier.

»Jaja, eine Katze die sprechen kann. Schau nicht so blöd.«

»Wer oder was bist du?«
 

»Allgemeinhin nennt man mich Grinsekatze, aufgrund meines strahlenden Gemüts.«

»Oder deines gruseligen Grinsens.« Der Dieb meldete sich zu Wort.

»Also bitte. Gruselig? Sei nicht so gemein, Adrik.«

Er sah zu mir und schmunzelte. Er zog seine Augenbrauen kurz nach oben und brachte mich damit zum Lachen.

»Du lachst? Wirklich? Darüber? Und ich wollte dir helfen.«

»Helfen?«

»Natürlich. Du musst nicht zurück.«

Böse Königin

»Die böse Königin?« Fragend neigte ich meinen Kopf. »Wer soll das sein?«

»Die Frau, die dein Leben verändern könnte.«

»Und ...?«

»Du musst sie töten«, zischte die Katze. »Vernichte sie und du und deine Familie werden ein gutes Leben haben.« Ihre Züge glätteten sich. »Ist ganz einfach.«
 

Schwer schluckend starrte ich das Tier an. Das konnte doch nicht sein ernst sein.

»Wirklich?«, fragte Adrik.

»Natürlich. Denn es ist die Wahrheit. Mit ihrem Tod, wird ihr Leben besser.«

»Wie soll ich das bitte anstellen? Ich hab ja noch nicht einmal ein Tier getötet«, stotterte ich.

»Dann wird's Zeit.« Das Tier grinste.

Grün vor Neid

Meine Gedanken rasten. Was diese Katze von mir verlangte, war zu viel. Ich würde natürlich alles dafür geben, unser Leben zu verändern. Mein Bruder und ich wollten etwas, was nur uns gehörte, nicht, was unsere Familie verlangte. Wenn wir ein besseres Leben hatten, könnten wir das ändern. Aber, dieses Monster verlangte, dass ich jemanden dafür tötete. Auch wenn es diese Frau als böse Königin bezeichnete.
 

»Na, neidisch?« Hörte ich die Katze wispern.

Ich hob den Kopf. Sie lehnte sich zu Adrik, grinste aber mich an.

»Nicht wirklich«, erwiderte Adrik.

»Ach komm. Du bist doch grün vor Neid.« Die Katze lachte.

Des Teufels Großmutter

»Was geht dir durch den Kopf?«, fragte die Grinsekatze.

»Ich hätte bis zum Morgen beim Großmütterchen bleiben sollen.«
 

Sie lachte. »Jadwiga ist nicht die, die sie vorgibt zu sein. Sie ist des Teufels Großmutter.«

»Aber sie war freundlich.«

»War diese Freundlichkeit echt? Denk darüber nach.« Die Katze grinste, als sie verschwand. Zuletzt erlosch ihr verzerrtes Maul. »Du solltest zum Ball gehen«, sagte sie zuletzt. »Dort wird die Königin sein. Töte sie und begrüße dein neues Leben.«
 

Fassungslos sah ich ihr nach. »Ist das ihr ernst? Wie soll ich denn auf einen Ball?«

»Du ziehst es in Erwägung?«, fragte Adrik forschend.

Ballnacht

Zweifelnd stand ich vor dem Schloss.

»Dein ernst?«, fragte Adrik wiederholt.

»Ich kann es mir mal ansehen.« Ich zuckte mit den Schultern.

»Dir ist aber bewusst, dass sie dich töten, wenn sie erfahren, dass die Einladung gefälscht ist. Die Königin hat nicht umsonst den Beinamen. Sie duldet niemanden ohne oder einer gefälschten Einladung auf ihrer Ballnacht.« Adrik wirkte besorgt.

»Dann habe ich kaum etwas zu verlieren«, murmelte ich.
 

»Ich finde einen Weg hinein.«

»Weshalb?«

Adrik stockte. »Ich möchte doch die Show für deine Hinrichtung nicht verpassen«, stammelte er.

»Sehr witzig.«

»Find ich auch.« Er lachte.

»Dann sehen wir uns drin!«

Gute Fee, Böse Fee

Überwältigt sah ich mich um. Alles glitzerte und funkelte. In meinem Kleid fühlte ich mich schäbig. Es glitzerte wie die anderen, aber es funkelte nicht wie die anderen. Eine billige Kopie.
 

Unsicherheit machte sich breit. Ich sollte die Eingangshalle verlassen, niemand stand so lange herum und starrte Löcher in die Luft. Ich sah zu den Umstehenden und beobachtete ihr Handeln, um mich anzupassen. Ich hoffte, ich schritt nur annähernd so elegant wie sie.
 

»Habt ihr schon gehört? Ihre Majestät hat die Feen gefunden.«

»Die böse Fee hat sie wohl im Kerker eingesperrt, während die Gute Fee an ihrer Seite wacht.«

Das blaue Licht

Feen? Wieso jetzt auch noch Feen?‘ Ich stöhnte. Von was wusste ich denn noch nicht? Ruhig atmend betrat ich den Ballsaal und kam genau richtig. Die Königin und hinter ihr eine hochgewachsene Frau schritten hindurch zu einer kleinen Empore. Eine war schöner als die andere. Das war die böse Königin? Sie sah nicht so aus. Allerdings schien ein roter Schimmer beide zu umgeben. Ein roter Schimmer?
 

»Man sagt ja, dass magische Wesen eine farbliche Aura haben«, flüsterte jemand neben mir.

Mehrfach blinzelnd unterdrückte ich ein weiteres Stöhnen. Wirklich? Wo soll das enden? Was kommt als Nächstes? Ein blaues Licht? Bigfoot?

Rattenfänger

»Na, wie läufts?« Plötzlich stand Adrik neben mir.

Ich zuckte zusammen. »Ich bin auf dem Ball und du offensichtlich auch.«

»Ja.« Er sah sich um. »Es wirkt, als wäre ... nein.«

»Wie nein? Wie bist du eigentlich hergekommen?«
 

»Es gibt einen unterirdischen Zugang. Den würde ich dir aber nicht empfehlen. Da unten kommt man sich vor wie ein Rattenfänger.« Er stockte und ich musterte ihn. Es schüttelte ihn, als erinnerte er sich daran. »Widerliche Tiere.«

»Finde ich nicht.«
 

»Wow. Lass das die Frauen nicht wissen, sonst werfen sie dich raus oder bugsieren dich vor die Königin, damit sie über dich richtet.«

Der Zauberer und ich

»Was ist dein Plan?«, fragte Adrik.

Seit geraumer Zeit beobachteten wir die Königin und die Fee, die nicht von ihrer Seite wich. Diese wirkte auf mich nicht sonderlich freundlich.

»Wie ist eine gute Fee?«
 

»Sie hat eine freundliche und beruhigende Aura. Sie ist zuvorkommend und empathisch.« Ein Fremder mischte sich ein.

»Und sie sind?«

»Eine Aura? Wie sieht sowas aus?« Ich erinnerte mich an diesen Schleier. Es war unheilvoll.
 

»Ganz unterschiedlich. Die einer guten Fee wäre vermutlich blau«, sagte er, dann drehte er sich Adrik zu. »Andere würden mich als Zauberer bezeichnen.«

Super – der Zauberer und ich. Ich sah Auren.

Ein böser Fluch

»Rot?«, fragte der Zauberer.

Ich nickte. Die Frauen ließen wir dabei nicht aus den Augen. Sie unterhielten sich mit Gästen und wirkten ausgelassen.

Doch dann erwiderte die Fee unseren Blick und mir lief es eiskalt den Rücken hinunter. Sie hob einen Mundwinkel. Dieses Lächeln war eiskalt, erreichte nicht ihre Augen und verströmte etwas Unheilvolles. Dann bewegten sich ihre Lippen. Ich schreckte zurück.
 

»Was tut sie?« Meine Stimme zitterte.

»Ein böser Fluch«, murmelte der Zauberer.

»Was?«, entfuhr es mir zu schrill und laut. Ich hielt mir die Hand vor den Mund. »Und dann seid ihr so ruhig?«

»Sie meinte dich, Runa.«

Knüppel aus dem Sack

Schwer atmend stand ich in einem der Gänge und stützte mich an der Wand ab. Es fühlte sich an, als füllten sich meinen Lungen nicht ordentlich mit Luft. Wie konnte das nur passieren?
 

»Ganz ruhig.« Beschwichtigend legte Adrik eine Hand auf meine Schulter.

»Ruhig? Du hast gut reden, du wurdest ja nicht verflucht.«

»Jetzt hol mal nicht den Knüppel aus dem Sack«, knurrte er.
 

»Beruhigt euch. Eine rote Aura und ein Fluch sind nicht die typischen Merkmale einer guten Fee.«

»Ihr meint, das hier ist die böse Fee und im Kerker ist die ...«

Er nickte.

»Wir müssen sie retten!«

So glänzend wie die Sterne

Vorsichtig schlichen wir uns hinunter zu den Verliesen. Immer wieder blickte ich mich um. Meine Beine zitterten, während ich mir ausmalte, mit was mich die Fee verflucht haben könnte.

»Guck nicht so«, murrte Adrik. Immer wieder drehte er sich zu mir um und holte mich aus meinen Gedanken.
 

Der Weg fühlte sich ewig an, bis wir unten ankamen. Ein Wunder, dass hier kaum Soldaten positioniert waren. Die Königin schien sich sehr sicher zu sein.

Wir bogen gerade um eine Ecke, da leuchtete in einer der Zellen etwas. Eine junge, blonde Frau stand dort, so glänzend wie die Sterne am Himmel.

Stiefschwestern

»Melez«, sagte die Frau und umklammerte die zwei Metallstäbe vor sich mit den Händen.

»Ich hatte es befürchtet. Wie geht es dir Melinda?«, fragte der Zauberer.

Adrik und ich musterten die zwei.

»Sie haben mich überfallen. Ich konnte nichts machen, sie haben mir meinen Zauberstab gestohlen.«

»Wo ist er?«
 

Sie deutete hinter uns. Ich blinzelte ungläubig. Unter einer Glasglocke leuchtete ein filigraner Stab in einem sanften blau.

»Deren ernst?«, fragte ich.

Melinda zuckte mit den Schultern. »Meine Stiefschwester war noch nie besonders einfallsreich«, erklärte sie. »Ihr seid Runa und Adrik, nicht? Habt vielen Dank!«

Adrik und ich tauschten einen Blick.

In strahlender Rüstung

Mit Adriks geschickten Fingern war Melinda flott befreit und mit ihrem Zauberstab vereint.

»Wir sollten schnell verschwinden.« Melez eilte voraus, während wir noch etwas suchten, womit wir das Leuchten der Fee verbergen konnten.
 

»Das ist als müssten wir eine strahlende Rüstung in kompletter Finsternis verbergen«, beschwerte sich Adrik und versuchte, einen Umhang um ihren Körper zu wickeln.
 

Sie lachte. »Das Leuchten einer Fee ist das, was sie auszeichnet. Sie ist das Licht, dass jede Dunkelheit vertreibt.«

»Und sämtliche Aufmerksamkeit auf uns zieht.«

»Sei mal nicht so pessimistisch, das klappt schon irgendwie ... hoffentlich ...« Ich half ihm und hegte ebenfalls Zweifel.

Goldene Gans

»Weshalb haben sie dich gefangen genommen?«, fragte ich die Fee, da es sicherlich einen Grund geben musste.

»Meine Schwester war schon immer voller Neid«, erklärte Melinda. »Sie hat herausgefunden, dass ich weiß, wo die goldene Gans zu finden ist.«

»Die goldene Gans? Was ist das?«
 

»Ein Tier, dass Eier aus Gold legt. Es gibt wohl nichts wertvolleres in diesem Reich.« Ich sah zu Adrik. Ehrfürchtig betrachtete er die Fee, während wir durch den Untergrund des Schlosses schlichen. Der Weg führte zum Garten.

»So etwas gibt es?«, fragte ich.
 

»Ja, tut es.« Eine Stimme hinter uns ertönte. »Wo ist sie, Melinda?«

So silbern wie der Mond

Hustend schafften wir es aus den finsteren Gängen. Mithilfe von Melez konnten wir in einer Rauchwolke entkommen. Dabei waren uns Melindas Stiefschwester und ihre Majestät selbst auf den Fersen.
 

»Wieso jagt sie uns?«, fragte ich außer Atem.

»Daran siehst du, wie ernst es ihnen ist.« Adrik ergriff meine Hand und zerrte mich weiter.

»Wenn wir Sienna ihren Stab wegnehmen, verliert sie an Macht«, erklärte Melinda. »Und das schwächt auch die Königin. Sie ist genauso gefährlich.«

»Kann sie zaubern?«, fragte ich hysterisch.
 

Vor uns explodierte etwas und brachte uns dazu, zu stoppen. Ich wirbelte herum. Haare, so silbern wie der Mond.

Ach wie gut, dass niemand weiß ...

»Na endlich bleibt ihr stehen.« Die Königin lachte.

»Ihr werdet sie nicht bekommen.«

»Bist du dir sicher?« Siennes Mundwinkel zuckte.

»Ach wie gut, dass niemand weiß ...«

»Spar dir den Scheiß, Melinda. Schieb dir das in deinen zauberhaften Hintern!«

»Ihr könnt uns nicht davon abhalten.«
 

Schneller als wir schauen konnten, hob Sienna ihren Stab und entwaffnete Melinda, die einige Meter nach hinten flog.

»Haltet sie auf«, schrie sie.
 

Ich wechselte einen panischen Blick mit Adrik. Mein Herz raste. Ohne nachzudenken, hechtete ich nach vorn und schnappte mir den Zauberstab. Ich hob die Hand und feuerte ein magisches Geschoss hervor.

»Schnell!«

Rosengarten

Adrik hatte meine Hand ergriffen, herumgerissen und zog mich in Richtung Rosengarten. Ich konnte nicht fassen, was ich eben getan hatte. Hinter einer großen Hecke blieb er stehen.
 

»Ich hab gezaubert ... Ich hab die Königin angegriffen.« Fassungslos rang ich nach Luft.

»Ganz ruhig.« Seine Hände lagen an meinen Schultern und drückten sie. »Du hast das Richtige getan. Du hast dafür gesorgt, dass wir fliehen konnten.«
 

»Und was ist mit Melez und Melinda?«

»Sie kommen klar. Wir müssen überlegen, was wir jetzt machen.«

»Aber ich kann nicht ...«
 

Meine Augen weiteten sich, als ich einen bestimmenden Druck auf meinen Lippen spürte.

Schwarz wie Ebenholz

Mit geweiteten Augen starrte ich Adrik an.

»Sei still: Ich wollte nur, dass du den Mund hältst.«

»Und ...«, stammelte ich.
 

»Denkst du ich kann gerade klar denken?« Sein Blick änderte sich. »Deine Haare sind schwarz wie Ebenholz. Das ist schön«, sagte er und brachte mich zum Lachen, während ich die Tränchen in meinen Augenwinkeln spürte. »Wir schaffen das! Du musst an dich glauben.«
 

»Ihr braucht euch nicht zu verstecken, gebt mir einfach den Zauberstab«, rief Sienna durch den Garten. Sie sah uns nicht, da war ich mir sicher. »Wenn wir ihn haben, finden wir die Gans, nicht? Schwesterherz ...«

Magischer Spiegel

»Die Gans ist nicht so leicht zu finden. Du hast in deinem Stab einen magischen Spiegel. Ein Portal in eine andere Welt. Ein Versteck. Was ist dort noch? Eine Zauberflöte? Magische Stiefel? Zauberbohnen?«

»Ich werde ihn dir nicht überlassen«, keuchte Melinda. »Runa, Adrik – zerstört den Stab!«
 

Ich wechselte einen Blick mit Adrik. Mein Griff festigte sich. Alles in mir sträubte sich gegen diese Anweisung.

»Hörst du lieber auf Sienna oder die Grinsekatze?«, fragte er.

Ich schluckte. »Die Grinsekatze«, antwortete ich.

Er grinste und nickte.
 

Bevor ich es mir anders überlegte, stellte ich mich den beiden. Bereit zu kämpfen. Für alle.

Und wenn sie nicht gestorben sind

»Runa, wach auf.«

Mit sanftem Druck rüttelte etwas leicht an meiner Schulter. Es störte mich in meiner Erschöpfung, weshalb ich langsam die Augen öffnete. Mir fehlte die Kraft.
 

»Na endlich.« Adrik atmete auf. Ich hob den Blick, spürte seine Arme um meinem Körper. In allen Gesichtern erkannte ich Erleichterung.

»Was ist ...?«

»Du hast den Kampf gewonnen.«

»Wirklich?«

»Naja, nur noch die Robe der Königin ist hier.«
 

»Und wenn sie nicht gestorben sind ...«

»Das ist makaber, Adrik.« Ich kicherte.

Auch er grinste und drückte mich enger an sich.

»Hey, ich bekomm keine Luft mehr.«

»Ist mir egal. Du lebst!«


Nachwort zu diesem Kapitel:
Es ist spannend. Mein Schreibprogramm sagt, es sind genau 100 Wörter ... Animexx sagt, es sind 102 ... Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
Auch hier sagt mir Animexx, dass es mehr als 100 Wörter sind.
Ich weiß nicht, worin der Unterschied liegt, werde mich aber nach Papyrus und zur Kontrolle LibreOffice richten. Komplett anzeigen

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