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Sanguisuga

von

Vorwort zu diesem Kapitel:
Vowort

Okay hi erst einmal.
Das hier wird ein Etwas Größeres Projekt, zumindest ist es als solches geplant.
Ich werde versuchen einmal die Woche, Samstags, hoch zu laden, solang meine Motivation mich hält und mir Ideen kommen.

Warum Dir en Grey?
Fragt die gute Feenja^^

Vampirstory?!

Ja eine Vampirstory, aber der etwas anderen art. Dies ist eine etwas andere auffassung dieser Blutsauger.
Ich hab quasi verschiedene Versionen von Vampiren etwas gemischt.
Hauptinspirationen: Blade und Asanbosams.
Warum Blade, das wird sich schnell zeigen^^

Was sind Asanbosam?

Nun um es ganz direkt und einfach zu sagen Asanbosam ist ein Vampiren ähnliches Fabelwesen, von dem die im Süden Ghanas lebenden Aschanti sowie einige Völker in Côte d'Ivoire (Elfenbeinküste) und Togo berichten. Sie sind etwas Anders als normale Vampire, wie wir sie aus Filmen und Büchern kennen, aber sie waren interessant.
Ich übernehme sie nicht komplett, es hat aber eine Bedeutung im Verlauf der Story, wieso ich sie hier zumindest mal erwähnt haben will.

Dir en grey Lore

Ich gestehe: ich bin nicht zu 100% mit der gesamten Lore der Band vertraut.
Einiges wird vermutlich nicht richtig sein, allen voran der Aktuelle Style der Bandmitglieder.
Seid etwas nachsichtig mit mir, ich will nur unterhalten, nicht dir en grey lore unterrichten XD

Ach ja, eins noch, ich werde in der Story öfters Kyo als „Tooru“ bezeichnen (Aus Gründen) und ich weiß, es ist nicht wirklich sein richtiger Name, aber ich will dazu keine Korrekturen hören und erst recht nicht seinen echten Namen wissen.
Der Mann wollte seinen Namen nicht preisgeben und das respektiere ich.
Also wenn ihr ihn wisst, freut euch und behaltet ihn für euch
Danke

Und nun, genug aufgehalten, viel Spaß

LG
Durah Komplett anzeigen

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Prolog

Prolog
 

Vampir. Ein gängiger Begriff mit dem fast jeder Mensch auf der Welt etwas anfangen kann. Sie sind in fast allen Kulturen als mystische Legende oder Gruselgeschichte verankert. Untote Wesen, die des Nachts ahnungslosen Menschen das Blut aussaugten. Kinder Nacht. Man jagte sie, man vergötterte sie, doch nur wenige kennen die Wahrheit hinter ihnen.

Viele haben so ihre eigene Vorstellung dieser Geschöpfe. Groß, stark, wunderschön oder von dunkler mysteriöser Anziehung umgeben.

All diese Geschichten halt.

Aber Vampire sind anders. Ganz anders und vor allem gefährlicher und schon gar nicht bildschön.

Sie sind Monster. Widerliche, groteske Monster, die sich in den Schatten kauern, wie die Raubtiere, die sie sind und warten auf ahnungslose Beute. Einer Beute, der nicht einmal ein schnelles Ende beschert wird.

Berichten zufolge litten die Opfer fast eine halbe Stunde lang endlose Qualen, bis es endlich vorbei war.

Selten wurde so etwas zur Anzeige gebracht. Es wurde ja auch selten eine Leiche gefunden, da nicht viel übrig blieb, wurde man einmal in die kalte Dunkelheit gezerrt, die diese Kreaturen ihr zuhause nennen.

Wer es lebend aus dieser Hölle schafft, der wurde von der Regierung selber zum schweigen gebracht.

Ein geheimes Bündnis aus Mensch und Monster. Eine seltsame, bis fast schon makabere Art zu leben. Kein miteinander, ein Nebeneinander, das nicht immer so lief wie es sollte.

In großen Teilen dieser Welt ist es kein Problem. Mensch und Kinder der Nacht leben aneinander vorbei.

Selten wissen die Sterblichen von ihren unsterblichen Alpträumen, die des Nachts auf Beutezug gehen, bescheid, denn Regierungen sind gut darin, alles zu vertuschen und bedeckt zu halten. Es ist nicht mal aus Böswilligkeit. Es sollte eine Panik und eine unnötige Verbreitung des Vampirismus verhindern.

Auch wenn sich keiner Freiwillig dieser Spezies anschließen sollte.
 

Doch als erstes sollte man Dichtung und Wahrheit dieser Wesen trennen. Vampire sind keinesfalls das Werk von Schwarzer Magie oder einer anderen übernatürlichen Macht. Ihr Ursprung ist ein Virus, das Solanum genannt wird, ein Lateinisches Wort, dass ein Forscher, dessen Name in seinen Aufzeichnungen nicht auffindbar war, benutzte. Er war der Erste, der diese „Krankheit“, im späten 19. Jahrhundert, entdeckte.
 

Das Virus Solanum wandert durch den Blutkreislauf, von der Ursprünglichen Eintrittsstelle richtung Gehirn und auch Herz. Auf wegen, die bis heute noch nicht geklärt sind, vermehrt sich das Virus in den beiden Organen. Dabei werden Teile des Gehirns zerstört und viele Körperfunktionen kommen zum Stillstand. Durch Herzstillstand „Stirbt“ der infizierte Organismus. Das Gehirn lebt trotz allem weiter, aber eher in einem Komatösen zustand, während das Virus sich weiter verbreitet, sich mit den lahmgelegten Zellen des Körpers verbindet und diese zur Mutation anleitet. Das stillstehende Herz dient nun als „Basis“ für das Virus, von wo immer mehr in den Körper gepumpt werden, wenn das Herz nach einer Blutmahlzeit ein bis maximal zweimal pumpt.

Die entscheidende Eigenschaft dieses neu entstandenen Wesens ist seine Unabhängigkeit vom Sauerstoff.

Vampire sind der allgemeinen Definition von Lebendig nicht mehr zugehörig und doch sind sie nicht tot. Die Wissenschaft hat daher den Begriff „Untot“ für sie erstellt.
 

Woher das Virus kommt, das ist der gesamten Wissenschaft auch heute noch ein großes Mysterium. Das Virus wurde bislang nur in getöteten oder verhungerten Exemplaren der Vampirgattung oder in ihren Nachkommen gefunden aber nirgends sonst.

In Wasser, Luft und Erdboden sämtlicher Ökosysteme aller Erdteile blieb die Suche negativ, ebenso in der entsprechenden Flora und Fauna.

Während ich dies hier verfasse, dauert die Suche weiter an.
 

Das Virus ist 100% ansteckend, allerdings entscheidet der Vampirwirt, ob es geteilt wird oder nicht. Die Spezies dieser Untoten ist sehr wählerisch, wenn es um die Vermehrung ihrer Artgenossen geht.

Wird ein Opfer auserkoren einer der Ihresgleichen zu werden, so muss das Virus durch den Verzehr des vampirischen Blutes aufgenommen werden.

Der gesamte Verwandlungsprozess dauert bis zu 24 Stunden, garantiert aber keine Auferstehung als Vampir und kann auch mit dem Tod des Opfers enden, sollte dieses Körperlich nicht stark genug sein, die Verwandlung und Mutation des eigenen Körpers zu überstehen.

Das gewaltsame entnehmen, des Blutes, hat auch selten zu etwas positivem beigetragen.

Forscher haben schon die verschiedensten Lebensformen mit Solanum infiziert. Alles nicht menschliche ist direkt dem Tode geweiht, da das Virus mit dem Organismus von Tieren nichts anzufangen weiß oder die besagten Tiere zu schwach sind, dem stand zu halten.

Auf diese Art entstandene Vampire haben eine geringe Lebenserwartung. Nicht aufgrund irgendeiner ungewollten Mutation, sondern, da sie gegen den Willen des Wirts entstanden sind, wendet der Wirt, oder auch Meister und Lehrer dieses Jungvampirs sich meist ab und verstößt ihn. Da, vor allem Jungvampire auf den Schutz ihres Rudels und ihres Erschaffers angewiesen sind, sind diese meist, nach kurzer Zeit verhungert oder von anderen Wesen der Nacht getötet worden.
 

Das Aussehen dieser Kreaturen hat auch wenig mit ihrer Darstellung in den Unterhaltungsmedien zu tun.

Das Bild eines strahlend schönen, blassen Jünglings, eine schöne aber Tödliche Femme Fatal, aber auch ein Mysteriöser Dracula sucht man bei diesen Kreaturen der Nacht vergebens.

Vampire sind, ob männlich oder weiblich eher von kräftiger Gestalt und einer Körpergröße zwischen 1,9m – 2,2m. Kräftige Rümpfe, starke Arme und Beine sind klare Kennzeichen und das erste was sich entwickelt, sollte jemand durch die Verwandlung gehen.

Vampire verfügen über mehr als nur ein Paar spitzer Zähne, ihr gesamter Mund ist mit scharfen und spitzen Zähnen gespickt. Ist das Virus bei der Mutation nicht „Gründlich“ genug oder das Opfer zu schmal, ist ein Schließen des Mundes nahezu ausgeschlossen. Fangzähne zeichnen sich in der oberen und unteren Zahnreihe ab und können einander im Weg stehen, wodurch der Vampir den Mund entweder auch nicht schließen kann oder manche Zähne abbrechen, die dann in einem neuen Winkel, dank des Virus, nachgebildet werden, in einem Zeitraum von 24-48 Stunden.

Starke Zähne und Kiefer sind von nöten, da Vampire, nicht wie in den Geschichten, nur das Blut ihrer Opfer wollen. Das Blut ist ein Trunk, der während des Mahls mit zu sich genommen wird. Abgesehen haben Vampire es auf die innere Organe und auf das Knochenmark. In der Regel wird ein Opfer von unten nach oben verspeist, was die Qual verlängert, da das Opfer länger am Leben bleibt.
 

Haut und Haarfarbe variiert hier, wie bei den Menschen auch, es ist so ziemlich jede Farbe und auch jede Nationalität vertreten, meist bleiben sie aber in gleichen Nationalitäten zusammen, was aber auch an einer Sprachbarriere liegen kann.

Ihre Augen sind von roter Farbe, ungeachtet ihrer Herkunft, die Pupillen sind geschlitzt und sind mit Doppellidern versehen.

Wie bei Tieren haben auch Vampire das sogenannte Tapetum Lucidum, wodurch vermutlich die Behauptung stammt, dass Vampiraugen im Dunkeln leuchten.

Zwar sehen sie exzellent im Dunkeln, aber leuchten können ihre Augen nicht. Auch das Fliegen, ist eine Legende. Vampire verfügen über keine Form von Flügeln oder gar magischen Kräften, um durch die Lüfte zu schweben. Stattdessen sind sie hervorragende Kletterer und Springer, was den Anschein erweckte, sie würden fliegen
 

Wie schaffen es nun diese angsteinflößenden Wesen von unmenschlicher Gestalt ihre Beute anzulocken?

Nun, da kommt meine Art ins Spiel, die Dhampire. Halbwesen, Mischlinge, Halbblüter. Alles Bezeichnungen für meine Art.

Wir sind anders, wir sind Menschlicher und viele von uns arbeiten Hand in Hand mit den Vampiren. Als Bezahlung erhalten wir das Blut, denn das ist unsere Nahrungsquelle, oder sagen wir Nährstoffquelle.

Aber nicht alle arbeiten zusammen. Ich habe mich lange abgewandt und hoffe, diese Zeilen bald fortsetzen zu können, in der Hoffnung, das mehrWissen um diese Monster vorhanden sein wird, um die allgemeine Bevölkerung endlich warnen zu können…
 

Niikura Kaoru 17.5.1948

Kyoto 1983
 

Es war eine kühle Nacht. Die Sterne ließen sich nicht blicken, dafür strahlte ein großer Halbmond auf Kaoru herab, der auf dem Flachdach eines mehrstöckigen Hauses saß und in die Ferne starrte. Ein Bein war angewinkelt, das andere baumelte über den Rand des Dachs, während sich die große Fleischwunde an seiner Seite langsam schloss.

Er war zu unvernünftig gewesen, war zu viele Risiken für einen kleinen Happen eingegangen und nun saß er hier, mit leerem Magen und einer Wunde, die seine letzten Reserven verbrauchte um abzuheilen.

Mit etwas Glück würde er in dieser Nacht noch etwas brauchbares finden, was er verzehren konnte, um es zumindest wieder bis zu seiner schäbigen kleinen Bude zu schaffen. Etwas musste er ganz dringend an seinem Lebensstil verändern, sonst würden die nächsten Jahre in etwa so lustig werden wie seine Zeit in den 40ern.
 

Er horchte auf, als er Schritte hörte, die durch das Treppenhaus hallten. Jemand war auf dem Weg zu ihm aufs Dach und so wie die Schritte sich anhörten musste es ein kleiner Mensch sein, also ein Kind. Aber was tat ein Kind um diese Zeit alleine im Treppenhaus eines verlassenen Hauses? Kaoru blieb einfach sitzen und lauschte. Er sah nicht einmal auf, als die schwere Metalltüre quietschend aufgeschoben wurde und sich schritte näherten. Da er sich nicht bewegte, wurde er wohl nicht als Lebewesen wahr genommen. Kaoru wagte einen Blick zur Seite. Ein kleiner Junge, mit ganz verheultem Gesicht, der sich energisch über die Augen rieb trat an die Brüstung des Gebäudes und sah hinab.

„Sie werden mich eh nicht vermissen…“ murmelte der Junge, doch wich er erschrocken zurück, als Kaoru sich endlich bewegte und ihn direkt ansah.

Der Junge war klein, vermutlich kleiner, als andere seinen Alters. Sein kurzes schwarzes Haar war zerzaust und ein paar Blätter steckten darin. Seine großen dunklen Augen weiteten sich und er wich einen Schritt vor Kaoru weg, als dieser sich erhob und den Kleineren ansah.

„Warum willst du dieses kleine Leben wegwerfen?“ fragte er mit ruhiger Stimme und hockte sich hin, um mit dem Kind auf Augenhöhe zu sein.

„Mich will eh keiner.“ sagte der Junge und rieb sich weiter über die Augen, um die Letzten Tränen weg zu wischen.

„Vater will nur meine tolle Schwester, die alles kann und ich bin nur eine Last…“

„Du bist noch etwas zu jung um so zu denken.“ Der Ältere setzte sich auf den Boden und zeigte dem Jungen, mittels einer Handbewegung, dass er sich zu ihm setzten sollte.

Zögernd setzte der Kleine sich, wenn auch mit etwas Abstand und beäugte sein Gegenüber misstrauisch.

„Und Sie Sir? Was tun Sie hier oben?“

„Ich bin hier, weil ich es mag, des Nachts draußen zu sein.“ Kauro legte den Kopf in den Nacken und sah hinauf zum Mond.

„Mondlicht hat etwas beruhigendes, findest du nicht?“

Der Kleine sah nun ebenfalls hoch und Kaoru sah ihn wieder an. Der Mond spiegelte sich richtig in den großen, dunklen Augen des Jungen, der hinauf starrte, als sähe er den Mond gerade zum allerersten mal in seinem Leben.

Ganz langsam rückte Kaoru näher. Seine Instinkte meldeten sich, sein Hunger meldete sich, er roch das Blut des Kleinen. So ein kleines Leben, so ein kleines zartes Geschöpf. Es würde sich nicht wehren, es würde nicht schreien, es wäre vorbei, ehe es etwas bemerkt. Ein Unfall wäre schnell vorgetäuscht und er in der Dunkelheit der Nacht verschwunden, doch er tat es nicht. Etwas hielt ihn zurück. Obwohl der Hunger in ihm schrie, er würde sich beherrschen. Er wollte zu den Menschen gehören. Wollte unter ihnen leben und sie nicht wie unwissende Beute jagen.

Ein Knurren entwich ihm, was den Jungen wieder zu ihm blicken ließ.

„Geht es Ihnen nicht gut Sir?“ Fragte er und nun bemerkte der Junge auch die Wunde an Kaorus Seite.

„Sie sind verletzt. Sie müssen zu einem Arzt.“

„Ist schon gut Kleiner. Es geht schon.“

„Sind Sie auch ganz allein?“ Der Junge war wieder den Tränen nahe.

„Hat Sie auch niemand lieb?“

„Glaubst du wirklich niemand liebt dich?“ Kaoru war so schnell auf den Beinen, dass der Kleinere verschreckt nach hinten fiel.

Der Ältere konnte Stimmen in der Ferne hören. Eindeutige Stimmen. In ihnen lag Angst, Sorge, Trauer und auch etwas von Verzweiflung. Sie schrien nach dem Sohn.

Er packte das Kind am Handgelenk, zog ihn mühelos auf die Beine und in seine Arme.

„Du denkst niemand liebt dich? Niemand würde dich wollen? Testen wir das doch einfach mal!“ Und mit diesen Worten stieg Kaoru auf die Brüstung des Gebäudes. Er blieb dort stehen, vom Mondlicht aus gut erhellt und nun waren auch die Menschen unten sichtbar.

Der Kleine in seinen Armen fiepte vor Angst und krallte sich ans schwarze Hemd des Älteren, ganz offenkundig nicht bereit diese Welt zu verlassen.

„Ist er das nicht?!“ war eine Stimme von unten zu vernehmen und Kaoru sah einen in Panik geratenen Mann, der ins Gebäude stürmte und sie auch nach kurzer Zeit auf dem Dach erreichte.

„Hey SIE!!! Was Tun Sie da! Lassen Sie sofort Tooru los! Mein kleiner Junge!!“

„Papa?“ Dem Jungen stiegen erneut Tränen in die Augen, als er mit einem Satz aus Kaorus Armen in die seines Vaters geworfen wurde.

Der Kleine wandte sich um, sah aber nur noch wie Kaoru sich rücklings und mit frechem Grinsen vom Dach fallen ließ.
 

Kaoru hörte die aufschreie der Menschen, doch sicher wie eine Katze landete er auf dem Boden und verschwand in der Dunkelheit, noch ehe ihn einer sehen oder geschweige denn stoppen konnte.

Er machte sich auf den Weg zurück in seine Bleibe, ein kleines Loch von einer Wohnung. Gerade groß genug um darin der Länge nach auf die Fresse zu fallen, ohne die Wände zu treffen.

Er warf sich auf sein Gewühl aus alten Decken und Kissen und seufzte schmerzhaft auf, als seine Wunde ein letztes Mal schmerzhaft pochte und sich endlich schloss.

Seine Energie war aufgebraucht, er musste schlafen, so dringend schlafen.

In einer halbwegs bequemen Position dachte er noch einmal an den Jungen. Wie war sein Name doch gleich? Tooru. Ein seltsamer Name, den er in all seinen Jahren auf dieser Erde noch nie gehört hatte.

Irgendwie hoffte er, der Junge würde sich diesen Abend zu Herzen nehmen und nicht nochmal sowas dummes versuchen.

„Sich so jung das Leben nehmen wollen…“ murmelte er und sah an die Decke der Behausung, die schon ein paar Risse aufwies. Er schüttelte den Kopf.

„Menschen haben es so gut… Sie werden immer wieder neu geboren…“ Er drehte sich auf die Seite, das Gesicht vom vernagelten Fenster abgewandt und schloss die Augen.

Ob er den Kleinen noch mal wiedersehen würde? Einerseits wollte er es, aber andererseits hoffte er, ihn nie wieder zu sehen. Der Junge sollte sein Leben leben und er war schließlich kein Schutzengel, der auf ihn aufpassen würde.

Nein, was auch immer Tooru mit seinem Leben machte, Kaoru hoffte, es würde etwas Gutes sein. Er hatte den Jungen in den wenigen Minuten dort, weinen und dann erstrahlen sehen. Dieses Strahlen in den Augen des Kindes sollte auf ewig erhalten bleiben. Kinder verdienten eine Kindheit. Der Kleine sollte nicht vegetieren, sondern Leben.

Kaoru war sich nicht sicher, wieso er so sehr an den Kleinen dachte. Vielleicht lag es an seinem Mangel an sozialen Kontakten, dass ihn jede noch so kleine Unterhaltung auf eine ganz besondere Art berührte. Oder die Tatsache, dass er sich so gut hatte beherrschen können. Bis die Eltern des Jungen aufgetaucht waren, waren es bestimmt 10 Minuten gewesen, das wäre genug Zeit gewesen, den kleinen Menschen zu töten und verschwinden zu lassen. Eine wohlige Mahlzeit aus frischem Blut hatte er sich durch die Lappen gehen lassen, aber er fühlte sich nicht schlecht deswegen. Er hatte das richtige getan. Zumindest hoffte er darauf.

“Lebe ein gutes Leben Tooru… und vergiss mich bitte wieder.” Er rollte sich noch etwas herum, als der Schlaf ihn endlich zu packen bekam.
 

Der nächste Tag begann so beschissen, wie der vorherige geendet hatte. Als Kaoru zu seinem Job, erschien wurde ihm nur ein: “Du bist gefeuert Mori!!” Entgegen gerufen und auf die Frage, wieso, wurde ihm nur die Neue im Laden gezeigt und ihm war klar wieso. Er verlor seinen Job wegen einer jungen Frau mit dicken Titten. Danke Kyoto.

Genervt verlies er das Geschäft wieder und trottete die Straße runter, als er eine Gruppe von Schulkindern sah, unter ihnen auch den kleinen Tooru von letzter Nacht, der gar nicht richtig zuhörte was die anderen Kinder sagten, sondern einen Manga zu lesen schien. Kaoru grinste etwas, ehe er an den Kindern vorbei ging und sich wieder auf zu seiner Bleibe machte.

Obwohl seine Bleibe das letzte Loch war, musste er Miete für den kleinen Stall bezahlen, was er so gut wie nie konnte und daher überraschte ihn der pinke Zettel an der Türe gar nicht, den seine Vermieterin da hingepappt hatte, dass er im Rückstand wäre.

Er riss den Zettel von der Türe und warf ihn in dem kleinen Loch in eine Ecke, las aber noch kurz den Namen, der darauf stand. “Satoshi Mori.” So nannte er sich zur Zeit. Er hatte es fast schon vergessen.

Seufzend packte er seine wenigen Habseligkeiten zusammen und verstaute eine Gitarre, die er “Geliehen” hatte in ihrer Tasche und schulterte Rucksack und Gitarrentasche, ehe er den rest des Zimmer so ließ wie es war.

Er verließ den Raum, verschloss die Türe und ließ den Schlüssel einfach stecken.

War Zeit für ihn weiter zu ziehen und Kyoto zu verlassen. Nach maximal 2 bis 3 Jahren zog es ihn immer weiter, aber nun zog es ihn in seine Heimatstadt Tokio zurück.

Da er weder ein Gefährt noch Geld für den Zug besaß, hieß das, nach Tokio trampen oder laufen. Vermutlich ein bisschen von beiden, aber das war er gewöhnt.

Die nächtlichen Straßen waren gefährlich, also genau das richtige für ihn, um dorthin zu kommen und vielleicht sogar ein Auto zu "leihen". Schließlich lieh er immer alles nur aus, er vergaß nur immer wieder, es zurückzugeben oder wusste nicht mehr, an wen er es zurückgeben sollte.
 

Draußen zogen dunkle Wolken auf und Kaoru warf sich die Kapuze seines, viel zu großen, Hoodies über, ehe er die Hände in seine Taschen steckte und sich auf den Weg machte. Er musste sich beeilen und so viel Strecke wie möglich schaffen, ehe es anfing zu regnen und so ging er schnellen Schrittes durch die Stadt und ihr tägliches Getümmel.

Die wenigsten beachteten ihn überhaupt. Gelegentliche Seitenblicke aufgrund seines heruntergekommenen Aussehens oder schnelle Ausweichmanöver wegen seiner Gitarrentasche waren das höchste der Gefühle, die ihm fremde Menschen entgegenbrachten.

Er seufzte genervt und suchte sein Kleingeld zusammen, für einen Tee würde das noch reichen.

“Ich bin doch echt ein Idiot….wie kann man so alt und doch so broke sein…”

Kaoru hatte in den letzten 97 Jahren seines Lebens nicht gerade Glück gehabt. Vor allem nach dem 2. Weltkrieg war für ihn alles den Bach runtergegangen und seitdem saß er im Dreck.

Er brauchte dringend eine neue Strategie, sonst würde es nur noch so weitergehen und darauf hatte er nun wirklich keine Lust.

An einem kleinen Stand kaufte er sich von seinem restlichen Geld einen Becher Tee und machte, dass er weiterkam.

Er hatte gefallen an dem Geschmack von grünem Tee gefunden. Mit dem Becher in der Hand wanderte er weiter und hatte bis zum Einbruch der Nacht ein gutes Stück der Stadt hinter sich gelassen und verkroch sich nun in einem verlassenen Haus, als der Regen einsetzte.

Es hatte den ganzen Tag danach ausgesehen, doch erst nach Einbruch der Dunkelheit fing es an zu schütten.

Er hockte im Dreck und sah raus, ein Seufzen entwich ihm. Auch wenn er weiter gewollt hätte, konnte er nicht durch den Regen laufen. Wasser brannte auf seiner Haut und schwächte ihn nur unnötig weiter und da schien ein richtiges Unwetter im Anmarsch zu sein, als der Himmel von Blitzen erhellt wurde und der Donner über ihm grölte.

Schnell merkte er auch, dass er nicht alleine war. Irgendwas stolperte hinter ihm durch den Schutt und dem Geruch nach zu urteilen, konnte es nur ein Mensch sein. Offenkundig obdachlos und betrunken.

“Na du…haste mal ein bisschen Geld übrig?” fragte der Betrunkene und ließ sich neben Kaoru in den Schutt fallen und sah ihn an.

Der Halbvampir warf ihm lediglich einen Seitenblick zu, um den Mann abzuschätzen. Maximal 35 Jahre alt, noch nicht lang auf der Straße oder gar nicht auf der Straße und nur betrunken falsch abgebogen. Was für ein Unglück für ihn, denn Kaorus Magen meldete sich zu Wort. Eigentlich wollte er nicht, aber was hatte er denn für eine Wahl? Er hatte lange kein BLut mehr bekommen, er brauchte dringend welches und dieser Ahnungslose war nun leider zur falschen Zeit am falschen Ort.

“Nein, ich hab kein Geld.” sagte er ruhig und warf seine Kapuze in den Nacken.

“Na das ist doof, Bruder…” Murmelte der Mann und seufzte traurig. Er zuckte zusammen, als der Donner über ihnen lauter wurde und erhob sich rasch und schwankend, um tiefer in die verlassene Ruine. Kaoru folgte ihm. Trotz seiner dicken Stiefel, machte er kaum einen Laut beim gehen.

“Da braut sich was zusammen, das wird ne schlimme Nacht…”

“Zum Glück eine kurze…” knurrte Kaoru hinter ihm und ehe der Mann sich umdrehen oder auch nur ansatzweise reagieren konnte, wurde er schon zu Boden gedrückt. Ein stechender Schmerz am Hals und ein Versuchter Aufschrei später und der Mann lag komplett bewegungsunfähig am Boden. Nur mit den Augen allein konnte er zu Kaoru rüber schauen, der auf seinem Rücken saß und ihn entschuldigend ansah.

“Es tut mir wirklich leid…aber du glaubst gar nicht, wie durstig ich bin…” Und mit diesen Worten presste Kaoru die Lippen an den Hals des Mannes, an dem er zwei kleine Einstiche verursacht hatte und begann zu trinken. Das Gift seiner Zähne hatten den Körper des Mannes fast vollständig gelähmt, die Sekrete seines Speichels verhinderten die Blutgerinnung und obwohl Kaoru versuchte niemanden zu töten, so misslang es ihm an diesem Abend, denn als er sich erhob, merkte er erst, er hatte den armen Menschen getötet. Er wischte sich das Blut mit dem Ärmel seines Hoodies weg.

“Wie gesagt, es tut mir leid…Das wollte ich nicht…”

Er machte sich nicht einmal die Mühe, die Leiche zu verstecken, sondern ging einfach zurück zu seinem Platz und wartete den Regen ab.

Kaum dass das Wetter besser wurde, war er wieder auf der Straße und weiter Richtung Tokio unterwegs.

“Na dann auf, hoffentlich, nimmer wiedersehen Kyoto!” Und der Stadt den Finger zeigend zog er weiter, nicht wissend, wie oft ihn sein Weg noch in diese Stadt zurück führen würde.

USA 2018
 

Kaoru beobachtete ihren Sänger nun schon seit etwa 20 Minuten absolut regungslos von seinem Platz aus, während Kyo sich mit der Bühne vertraut machte und darauf herumturnte, als wäre es sein ganz persönlicher Spielplatz.

Die Bühnenarbeiter sahen dem Treiben des Sängers mit gemischten Gefühlen zu, wussten sie offenkundig nichts von der Eigenart des Dir en Grey Sängers, der das wirklich immer so machte.

Kaoru hatte sich einen Stuhl bringen lassen und saß nun auf der großen Stehfläche vor der Bühne und sah zu.

Die war irgendwo im Hinterzimmer zugange, Toshiya saß neben der Bühne und stimmte seinen Bass neu und Shinya lag unter seinem Drumset und schraubte es selbstständig so zusammen, wie er es haben wollte. Er war selten zufrieden, wenn jemand anderes das Set zusammenschraubte.

„AU!!! KYO PASS DOCH AUF!!“ Heulte der Drummer, als Kyo über eins seiner Beine stolperte und sich auf der Bühne maulte.

„Au….Sorry…“ Kyo setzte sich auf den Po und rieb sich die blutige Nase.

„Alles okay bei euch beiden?“

Kyo sah verwundert auf, als Kaoru auf der Bühne stand und ihn auf die Füße zog.

„Verdammt, wieso bist du immer so flott?“ Der Sänger ließ sich hochziehen und sah zu Kaoru hoch, ehe er zu dem Stuhl blickte, auf dem der Gitarrist eben noch gesessen hatte.

„Also wenn alle in deinem Alter noch so fit wären, Altenheime wären leer.“

„Jaja, sehr witzig.“ Kaoru drückte Kyo ein Taschentuch gegen die Nase, ehe er weiter versuchte seinen Ärmel zu tränken und der Kleinere nahm es dankend entgegen.

Der Gitarrist nickte nur und wandte sich schnellen Schrittes ab, schlängelte sich um Shinyas Beine herum und verschwand im Hinteren Bereich.

Er lief an Die vorbei, der ihm nur verwundert nachsah und ging raus an die frische Luft.

Er schloss die Türe hinter sich und sah sich unauffällig um. Er war allein und lehnte sich gegen die Wand, den Blick auf seine Hand gerichtet. Etwas von Kyos Blut klebte daran. Es war nicht viel, nicht mal zwei Tropfen, aber Kaoru konnte nicht widerstehen.

Sich nochmal vergewissern, dass auch wirklich niemand da war, der ihn sehen konnte, führte er die Hand zum Mund und leckte mit seiner langen Zunge das bisschen Lebenssaft von seiner Haut.

„Oh Fuck…“ Entwich es ihm und er lehnte sich mit dem Rücken an die Wand, die Augen geschlossen und ließ diesen Geschmack auf sich wirken. Kyos Blut war unbeschreiblich, so unglaublich köstlich, samtig und belebend. Wieso hatte er das nie vorher probiert? Vermutlich weil ihm dann, die gleichen Gedanken wie damals durch den Kopf schießen würden, einfach Kyo aufzusuchen, ihn auszusaugen, seine Leiche zu verscharren und das weite zu suchen.

Er hatte keine Lust mehr, alleine durch die Welt zu wandern. Mit Dir En Grey hatte er endlich eine Familie gefunden, einen Grund zu bleiben.

Das war das erste Mal auch dass er sich unter seinem richtigen Namen vorgestellt hatte und nicht unter einem Synonym lebte.

Also das Gegenteil von dem was Kyo tat.

Natürlich hatte Kaoru ihn damals sofort wiedererkannt. Hatte erkannt, dass es sich bei Kyo um den kleinen Tooru handelte, doch zu seinem Glück hatte Kyo ihn nicht erkannt.

Auch hatte er nie jemandem gesagt was er wirklich war. Brav hatte er nun für fast 20 Jahre den Menschen gemimt, hatte Krankheiten vorgetäuscht, war mit den anderen Essen und trinken gegangen, hatte so getan als wäre er betrunken, hatte sein Alter optisch angepasst und alles getan um nicht aufzufliegen und das würde er weiterhin tun. Er hatte endlich ein Leben und daran hielt er fest.

Er kramte eine Zigarette raus und machte sie an, als die Türe aufging und Die seinen Kopf raus steckte.

„Hey, alles klar bei dir?“ fragte er und Kao nickte.

„Ja alles bestens…“ bestätigte er und Die kam für nen Moment zu ihm raus.

„Bricht Kyo sich wieder den Hals?“ fragte der Langhaarige und Kao lachte kurz und schnaubend auf, wodurch der Qualm der Zigarette durch seine Nase entwich.

„Du kennst doch Kyo und sein Einweihungsritual mit den Bühnen. Wenn er nicht jeden Zentimeter abgeturnt hat, dann kann er da auch nicht singen.“

„Stimmt schon.“ Die lachte auch kurz auf und lehnte sich gegen die Wand und sah zum Himmel. Obwohl es Sommer war, war es seltsam bedeckt in dieser amerikanischen Kleinstadt.

„Ich mag die Staaten nicht.“ Murmelte er dann und Kaoru sah zu ihm rüber.

„Zu laut, zu dreckig, zu… Fremd…Auch nach all den Jahren, ich werde mit Amerika nicht warm.“

„Ich auch nicht…“ gestand Kaoru und zog erneut an seiner Zigarette. Es brannte ihm unter den Nägeln Die zu sagen, wie scheiße Amerika früher gewesen war, aber er unterließ es.

Beide Gitarristen sahen zur Türe, als diese Aufging und Toshiya den Kopf rausstreckte.

„Sorry für die Störung, aber Kyo ist von der Bühne gefallen und schmollt jetzt.“

„Also ein Zeichen dass wir zurück ins Hotel können, sehr gut.“ Kaoru trat die Zigarette aus und folgte den anderen Beiden wieder ins Innere.
 

Kyo saß noch vor der Bühne auf dem Boden und schmollte, einfach weil Shinya gekichert hatte. Er erhob sich erst, als der Rest der Band zurück in die Halle kam und Kaoru zu ihm rüberkam, da sein Handy noch auf dem einsamen Stuhl lag.

Der Sänger ließ sich hoch helfen und sie verließen die Halle, nachdem sie Kenji gesagt hatten, sie würden für heute Leine ziehen.

Die Show war erst in zwei Tagen, sie hatten also noch etwas Zeit für sich.

„Okay, ich hab Hunger, wollen wir was essen gehen?!“ Die warf seine Haare zurück und sah die Truppe erwartungsvoll an.

Zustimmendes Gemurmel folgte.

„Lass mal schauen ob man hier irgendwo halbwegs gute Ramen bekommt.“ Warf Shinya ein, dem das ganze American food schon zum Hals raus hing.

„Gute Idee, mir lag das Steak noch drei Tage quer…“ grummelte Kyo nur und Kaoru trottete neben ihm her.

„Vielleicht weil du so geschlungen hast?“

„Es war zu gut durch. Ich hab wohl was falsches gesagt, aber das war zäh wie ne Schuhsohle aber ich hatte hunger…“

„Machs wie Kao und bestell es nur leicht angebraten.“ Lachte Toshiya und Kyo verzog das Gesicht.

„Kaorus Steaks sind so roh, ich bin überrascht dass sie es nicht direkt an Tisch aus dem Tier schneiden.“

„Ich mag es juicy.“

„JUICY?!?! Es ist fast noch Lebendig!“

„Da ist ne Sushibar!“ Shinya wechselte die Straßenseite, dicht gefolgt von den Anderen, wobei Kaoru Kyo am Arm mitziehen musste, damit sie es noch rechtzeitig rüber schafften.
 

Die kleine Sushibar war gut Besucht, doch fand sich noch ein Tisch für die Musiker, weit abseits vom Allgemeinen Trubel, auch wenn Kaoru die Blicke nicht entgingen.

Nach dem sie bestellt hatten und in leichte Konversation verfallen waren, kam eine der Kellnerinnen zu ihnen rüber.

„Ähm, verzeihen Sie, aber ist einer von Ihnen ein gewisser Niikura Kaoru?“

„Ja, das bin ich. Was gibt es denn?“ Kaoru wandte sich ihr zu.

„Eine junge Frau hat mir diesen Zettel für Sie gegeben.“ Sie reichte Kaoru ein zusammengefaltetes Zettelchen, ehe sie sich wieder entfernte.

„Oho, ne Nummer von einer Verehrerin?“ Kicherte Die, während alle zusahen wie Kaoru den Zettel entfaltete und las.

Seine Miene verfinsterte sich und er erhob sich.

„Ich bin gleich wieder da.“ Er verschwand einfach vom Tisch und verließ die kleine Sushibar.
 

„Hast dich ja lange nicht blicken lassen, Brüderchen.“ Schnarrte eine Stimme hinter ihm und er seufzte genervt und auch leicht gereizt.

„Und es hätte noch länger sein können.“ Er wandte sich der blassen, rothaarigen Frau zu, die an der Hauswand gelehnt stand und ihn mit roten Augen musterte.

„Was willst du von mir, Damsel?“

Damsel rollte mit den Augen, stieß sich von der Hauswand ab und kam auf ihn zu. Sie war nur wenige Zentimeter kleiner als er, doch noch groß genug um es als Augenhöhe zu bezeichnen.

„Ich will gar nichts. Wenn es nach mir geht, kannst du sofort, hier und jetzt zu einem schleimigen Haufen Scheiße zerfallen, aber Vater hat mich gebeten dich zu suchen.“

„Was will der elende Blutsauger dieses mal wieder von mir? Ich hab ihm schon gesagt, ich will nichts mehr mit euch zu tun haben!“

„Als wäre das so einfach, Kaolein...Oder wie man bei Euch drüben sagen würde, Kao-Chan.“ Sie machte würgende Geräusche.

„Ich versteh bis heute nicht was Vater an deinesgleichen so toll findet!“

„Meinst du Dhampire oder Asiaten?“ fragte er grinsend, wohl wissend dass es eine dumme Frage war, schließlich war Damsel seine dhampirische Halbschwester.

„Asiaten, du Vollidiot!“ Sie war leicht reizbar.

„Hör zu, mir ist es, wie gesagt, egal. Ich bring nur Vaters Nachrichten zu dir, wenn du endlich mal erreichbar bist und er will dass du aufhörst mit deinem Futter zu spielen und endlich heim kommst und das tust, wofür du geschaffen wurdest!“

„Ach und was soll das sein?! Ein Lockvogel? Ein Anschaffer, der diesem verfressenen Monster ahnungslose Menschen vorsetzt?! Ich hab dir schon damals gesagt, dass ich es verabscheue und ich werde dieses Futter, wie du es nennst nicht ausliefern!“ Kaoru knurrte sie wütend an und er spürte richtig, wie sich seine Haare aufstellten.

„Sie sind meine Freunde, meine Familie!“

Damsel fing an zu lachen und warf ihr rotes Haar zurück.

„Oh ich Bitte dich! Wie kannst du so verblendet sein?! Sie sind nichts als Vieh! Nahrung! Futter! Blutbeutel auf Beinen! Früher oder später finden sie raus was du bist und dann ist es eh aus und du musst sie töten, um sie zum schweigen zu bringen!“ Sie fischte eine Zigarettenschachtel aus der Tasche ihrer viel zu weiten Jeans und kramte darin noch nach einem Feuerzeug.

„Sie werden dich verlassen, wenn sie die Wahrheit erfahren!“

„Und selbst dann werde ich nicht zu euch zurück kehren.“ sagte Kaoru bestimmend und wandte sich ab.

„Kannst du Vater gerne so ausrichten, ich komme nicht zu euch zurück.“

„Du weißt was passiert wenn du dich ihm weiterhin widersetzt?“ Damsel zog an ihrer Zigarette und fixierte ihn mit ihren roten Augen und grinste.

„Er wird dich holen kommen. Dich und deine kleinen Menschenfreunde. Er wird sie in der Luft zerreißen und dich mit nehmen. Wir sind Dhampire, Kaoru. Den Vampiren zu dienen ist unser Zweck, der einzige Grund wieso man uns überhaupt erschafft.“

Kaoru schwieg und ging wieder ins innere der Bar.

„Du wirst schon sehen, was du davon hast!“ rief sie ihm nach, während er zu den anderen zurückkehrte und sich setzte.
 

„Was war los?“ fragte Die verwundert und pickte eine Sushirolle von seinem Teller.

„Ach nichts besonderes, keine Sorge.“

„Bei deinem Blick ist Sorge aber anscheinend angebracht.“ Toshiya sammelte mit den Stäbchen verloren gegangene Reiskörner von seinem Teller und tupfte sich die geschminkten Lippen mit einem Taschentuch ab.

„Nein, alles gut. Wo ist Kyo?“

„Pissen.“

„Poetisch wie eh und je Die, wirklich schön gesagt.“ Shinya mampfte seinen Algensalat, als Kyo aus dem Bad zurück kam und sich setzte.

Er sagte kein Wort, beäugte Kaoru nur kurz von der Seite und find an, sein Sushi aufzuessen.

„Das ist ein bisschen Trocken.“ nuschelte er dann mit vollem Mund und Kaoru fing an seine Eigene Platte leer zu räumen.

Er merkte auch, wie Kyo immer wieder Blicke zu ihm warf und er runzelte die Stirn. Warum schaute der Sänger ihn so an?

„Hab ich was im Gesicht?“ fragte er dann, doch Kyo sagte nichts, trank seine Cola weiter und beäugte ihn weiter mit diesem stechenden Blick, dem irgendwie keiner, außer Kaoru, standhalten konnte.

Die Beiden lieferten sich ein kleines Wettstarren, ehe die anderen Drei die Stille brachen und die Kellner zum zahlen riefen.

„Ich bin gleich bei euch.“ Kaoru erhob sich und ging zum WC des Lokals, schloss die kleine Kabine hinter sich ab und seufzte. Er hasste es so sehr, was er nun tun musste, doch er beugte sich über das Klo und schob sich zwei Finger in den Hals.

Es dauerte eine weile, länger als ihm lieb war, als er endlich seinen Würgreflex genug strapaziert hatte und er sich, ungewollt laut, in die Schüssel übergab. Alles was er zu sich genommen hatte, wurde wieder raus gezwungen und nach fast 5 Minuten hatte er es geschafft seinen Magen völlig zu entleeren und spülte mehrmals um auch wirklich alle Beweise zu vernichten.

Als er endlich fertig war und sich die Hände gewaschen hatte, verließ er das WC nur um direkt mit den anderen Konfrontiert zu werden.
 

„Kao, gehts dir nicht gut?“ Shinya und auch der Rest der Band stoppten den Gitarristen, als er zum Bus wollte, der sie zurück ins Hotel bringen würde.

„Wieso?“ Fragte der Ältere und sah in die besorgten Blicke der Band, ehe Die näher an ihn ran trat.

„Hauch mich mal an.“ verlangte er, doch Kaoru wich nur etwas zurück und Die rümpfte bereits die Nase.

„Du hast gekotzt oder?“

Kaoru seufzte und fluchte innerlich. Er hätte es bis zum Hotel drin behalten sollen.

Er war auf menschliche Nahrung nicht angewiesen, aber Schaden tat sie ihm auch nicht. Nun zumindest nicht direkt.

Da er einen etwas anders funktionierenden Verdauungstrakt hatte, war der einzige weg, so etwas aus seinem Körper zu bekommen, es zu erbrechen. Was immer wieder unschön war. Deswegen versuchte er die Portionen immer so klein wie möglich zu halten. Bei Flüssigkeiten war es was anderes, aber feste Nahrung brauchte er nicht. Auch wenn er zugeben musste, er mochte das Kaugefühl sehr.

Nun hatte er den Fehler begangen direkt hier vor Ort das Zeug wieder los zu werden und anscheinend hatten es einer von ihnen gehört und nun sahen sie ihn alle besorgt an.

„Kao… das ist keine Lösung…“ murmelte ihr Drummer, die großen Bambiaugen voller Tränen.

„Reicht es nicht, dass wir uns um Kyo sorgen machen müssen!?“ warf Toshiya ein und wurde grob vom Sänger in die Seite geschlagen, wodurch man die Rippen des Bassisten knacken hören konnte

„Arg…du elendes Arschloch…“

„Du mich auch!“ Knurrte Kyo nur zurück.

„Nein wirklich Leute, es geht mir gut… ich habs einfach nicht vertragen…“ log er und hob beschwichtigend die Hände, doch glauben taten sie es nicht.

„Das ist nicht das erste mal.“ Warf Kyo ein und piekste Kaoru in den Magen, der vom kotzen noch völlig überreizt war.

„Ich hab dich schon ein paar Mal gehört. Du isst, du kotzt und dann wieder von vorne…“

Kaoru war verwundert, Sorge in der Stimme des Sängers zu hören, der ihn mit seinen dunklen Augen fixierte. Wie konnte ein Mensch nur so dunkle Augen haben? Kaoru spiegelte sich richtig in ihnen.

Kyo brach den Blickkontakt ab und seufzte traurig.

„Kaoru… wenn du hilfe brauchst…“

„Ich bin okay!!“ Sagte er, mit etwas zuviel Nachdruck und schob sich an der Band vorbei.

„Kommt jetzt, ich will ins Bett!“

Wenn auch etwas widerwillig folgten die Anderen und sahen sich alle immer wieder an. Was sollten sie tun? Stumm einigten sie sich darauf, mal mit Kenji zu sprechen. Das war schließlich etwas ernstes.
 

Bis zum Hotel herrschte Stille unter ihnen. Kaoru hatte sich in eine Ecke verzogen und wollte alleine sein, während die Anderen ihn von ihrer Position aus beobachteten

Schneller, als sie gucken konnten verzog Kaoru sich in sein Hotelzimmer und kickte erst mal, wütend, seine Tasche in die Ecke. Die Ecke war das Ziel gewesen, doch seine schiere Kraft ließ die Tasche fast gegen die Fensterscheibe knallen.

„Fuck, ich bin zu unvorsichtig…“ Fluchte er und warf sich aufs Bett.

„Wenn sie dahinterkommen…“ Er schüttelte den Kopf. Er musste nun einfach vorsichtiger sein. Einerseits war es ja rührend, wie sie sich um ihn sorgten, aber das würde nur ungewollten Ärger bringen. Und er wollte keinen Ärger, mit keinem von ihnen, schon gar nicht mit Kyo.

Er mochte diesen kleinen, wenn auch sehr seltsamen, Menschen. Kyo war faszinierend, so etwas hatte er in all seinen Jahren noch nicht gesehen. Er war 132 Jahre alt, war schon so vielen Menschen begegnet und noch nie war einer so wie Kyo gewesen.

Er wusste nicht ob er das Positiv oder Negativ auffassen sollte?

Er ging raus auf seinen kleinen Balkon und machte sich eine Zigarette an. Ein menschliches Laster, an dem er Gefallen gefunden hatte und gleichzeitig ein gutes Training für ihn. Wie auch die richtigen Vampire war Sauerstoff keine Notwendigkeit für ihn, aber er wusste, er musste Atmen, sonst würde es auffallen und rauchen half ihm etwas dabei es zu trainieren.

Er hatte nie vorher darüber nachgedacht, daher war er erst seit dem zusammenschluss von Dir en Grey darauf gekommen, dass es vielleicht besser wäre sich etwas menschlicher zu geben.
 

Er stand auf seinem Balkon und merkte recht schnell, dass er beobachtet wurde.

Kyo stand, oder eher hockte auf dem Balkon rechts von ihm und wäre auch fast nicht zu sehen gewesen, würden seine verstrubbelten Haare nicht über die Brüstung gucken und würde Kaoru ihn nicht riechen können.

„Was ist denn Kyo?“ fragte er ohne den Sänger an zu sehen.

„Wir machen uns sorgen um dich.“

„Ja das sagtet ihr bereits.“ Er warf einen Seitenblick zum Sänger, der nun aufgestanden war und an der Brüstung hing.

„Wie kann ich dir helfen Kaoru? Was belastet dich?“

„Gerade DU willst mir helfen?“

Kyo sah ihn weiterhin an und nickte nur.

„Wir kennen uns seit knapp 20 Jahren und ich weiß was es heißt kaputt zu sein. Oder sollen wie Die fragen? Der hat sowas auch schon durch und…“

„Kyo es geht mir gut!“

Es klopfte an Kaorus Zimmertüre und er wandte sich mit einem raschen „Gute Nacht!“ vom Sänger ab, verschloss die Balkontüre und machte die Zimmertüre auf.
 

„Hast du eine Minute?“ Es war Kenji.

Seufzend trat Kaoru zur Seite und ließ ihren Manager passieren.

„Ich bin wegen zwei Dingen hier.“ sagte der Manager und bedeutete Kaoru die Vorhänge zu schließen, was dieser auch sofort tat, ehe Kenji seine mitgebrachte Tasche öffnete und einen Blutbeutel hervor holte.

Er warf Kaoru das Ding zu, der es sofort öffnete und anfing es wie ein Trinkpäckchen zu trinken.

„Hab sogar deine Lieblingsblutgruppe bekommen.“

„0 Negativ, du bist ein Lebensretter…“ Murmelte Kaoru, während er trank und Kenji seufzte.

„War nicht leicht und nicht billig zu bekommen…“

Kenji war der einzige Mensch, den Kaoru eingeweiht hatte. Es war besser, wenn es wenigstens einer wusste und der Manager war ein sehr vertrauenswürdiger Mensch, der wirklich niemandem etwas erzählte und Kaoru gelegentlich Blut brachte, sollte die Lage und Ortschaft nicht für nächtliche Ausflüge geeignet sein. Was Kenji ebenfalls optimierte war seine Vergangenheit, denn, man sollte es kaum glauben, aber ihr Manager war vor seiner Zeit bei Dir en Grey ein Monsterjäger gewesen.

Nun aber sah er den Dhampir ernst an.

„Die Anderen haben mit mir gesprochen. was ist im Restaurant vorgefallen?“

„Haben mich beim Kotzen erwischt.“ nuschelte Kaoru zwischen zwei Schlücken und ging im Zimmer auf und ab.

„Ich war zu unvorsichtig, sie haben mich gehört.“

„Ja und nun kam Shinya mit Die im Schlepptau zu mir und heulte mir vor, du hättest vermutlich Bulimie. Was sag ich denen denn jetzt?!“

„Sag ihnen, dass alles in Ordnung ist.“

„Das sagst du so leicht, alter Mann.“ Kenji seufzte und ging zur kleinen Minibar des Hotelzimmers. „Darf ich?“

„Nur zu.“ Kaoru sah zu, wie Kenji eine kleine Flasche Jack Daniels öffnete und ihren Inhalt runter würgte, ehe er sich schüttelte.

„Um noch mehr schlechte Nachrichten zu übermitteln, mein Vater ist uns auf die Spur gekommen. Ich bin meiner Schwester Damsel begegnet.“ murmelte Kaoru und sog den letzten Rest aus dem Blutbeutel heraus.

Kenji trank noch einen Shot, ehe er antwortete.

„Also stehen wir nun im Fadenkreuz dieser untoten Mistviecher?“

Kaoru schwieg.

„Sie werden keinen direkten Angriff gegen uns starten. So dumm können sie nicht sein.“ Fuhr der ehemalige Monsterjäger fort, während Kaoru die Vorhänge etwas geöffnet hatte und hinaus zum Mond blickte.

„Oh glaub mir, sie werden kommen… Die frage ist nur wann.“

„Und was gedenkst du dann zu tun?“

„Das was ich schon lange hätte tun sollten.“ Er sah den Manager mit, nun komplett, roten Augen an.

„Kämpfen und töten!“

Der nächste Morgen brach an und als Kaoru, als letzter, in den Speisesaal kam, saß Kenji mit dem Rest der Band am Tisch und wies ihn an, sich zu setzen.

„Morgen?“ Kaoru sah verwundert in die Runde und vor allem Kenji beäugte er streng, der dann auch das Wort erhob.

„Kaoru, ich denke, es ist das Beste, für alle hier, wenn du endlich reinen Tisch machst.“ sagte ihr Manager und Kaoru senkte die Tasse Kaffee, die er gerade zum Mund geführt hatte wieder und sah in die Runde.

„Du solltest es ihnen wirklich sagen, was mit dir ist.“

Sofort wurde Shinyas Blick besorgt, Die stützte das Kinn auf den Handrücken, Toshiya umfasste seinen eigenen Kaffee mit beiden Händen und Kyo lehnte sich mit verschränkten Armen zurück.

„Und was, wenn ich mich weigere?“ fragte der Gitarrist und Kenji legte ihm einige Zettel vor die Nase.

„Dann ist das hier deine Einweisung in die Tokioter Klinik für Essstörungen und psychische Erkrankungen.“ Kenjis Blick verriet, dass er ernst machte.

Er redete seit Langem auf Kaoru ein, die Band endlich einzuweihen, aber Kaoru weigerte sich und nun dieses Ultimatum.

„Bitte Kaoru, wir machen uns große Sorgen um dich.“ versuchte Shinya es und erhielt zustimmendes Nicken von den Anderen am Tisch.

Kaoru betrachtete die Zettel vor sich. Kenji scherzte nicht, das war wirklich ein Einweisungsschreiben mit allem drum und dran. Sie würden ihn nach der Tour direkt am Flughafen abfangen und in die Klinik bringen.

War ihr Manager nun vollkommen Irre geworden? Was glaubte er würde passieren, würde er einen Dhampir mit Menschen in einer Anstalt einsperren?

„Nun gut.“ Kaoru sah auf und in die erwartungsvollen Gesichter.

„Ich werde es euch sagen, aber nicht jetzt und nicht hier.“

„Warum nicht?“ Fragte Kyo nun etwas angesäuert.

„Weil das was sehr privates ist und nicht jeder hier im Hotel mithören soll, selbst wenn sie kein japanisch verstehen. Wir klären das heute Abend, ein Meeting in meinem Hotelzimmer, wenn das auch okay ist?“ Diese letzte Frage galt Kenji, dem Kaoru gerade am liebsten die Kehle raus reißen würde.

„Sicher. Dann treffen wir uns alle heute Abend in Kaorus zimmer und er wird endlich auspacken, was los ist.“
 

Kaoru mied die Band für den Rest des Tages, als hätten sie alle die Pest.

Gegen Mittag fuhren sie noch einmal zur Konzerthalle und bevor Shinya dort ein Video für seinen Youtubekanal machen konnte, schnappte Kaoru sich Kenji und verzog sich mit ihm in ein Zimmer.

Er drückte den Menschen gewaltsam gegen die Wand und funkelte ihn sehr wütend an.

„Was soll die Scheiße!?“ Knurrte der Dhampir geladen.

„Warum fällst du mir in den Rücken!? Ich hab dir Vertraut!“

„Kaoru, es ist wirklich besser, es den anderen zu sagen!“ Kenji sprach in beruhigendem Ton, doch er merkte rasch, Kaoru würde sich nicht beruhigen.

„Und Wenn nicht?! Was soll das mit der Anstalt?! Bist du komplett bescheuert? Was glaubst du passiert wenn ich ausgehungert mit Menschen in einer Klinik eingepfercht bin?!“

„Es wird auf diese Tour auch nicht besser und hör auf zu knurren. Deine Zahnprothese wackelt schon.“

Kaoru hatte gar nicht gemerkt wie seine Fangzähne sich versuchten auszufahren, doch er versuchte cool zu bleiben, ließ seine Zähne wie sie waren und ließ Kenji endlich los, als Shinya in der Türe stand.

„Störe ich?“ fragte der Drummer und Kaoru richtete lediglich seinen Hoodie und schüttelte den Kopf, ehe er sich an Shinya vorbei schob und die Halle komplett verließ.
 

Nicht mal darauf achtend ob ihn irgendwer sah oder hörte ließ Kaoru seine Wut an der kleinen Gasse hinter der Konzerthalle aus und schlug mit so einer Wucht gegen die Wand, dass diese an der Stelle nachgab und bröckelte.

„Also sowas hab ich bisher auch nur in Animes und Mangas gesehen.“

Kaoru fuhr herum und ihm wurde schlecht.

Am Ende der Gasse, mit einigem Abstand und einer Zigarette im Mundwinkel stand Kyo, der ihn beobachtete.

Kyo kam auf ihn zu, ungeachtet allem und betrachtete die Stelle an der Wand, ignorierte total, Kaorus beunruhigten Blick.

„Hast echt viel Kraft oder ist die Wand aus Pappe?“ Der Sänger popelte ein paar Brocken aus der Wand und betrachtete sie.

„Nee, das ist Stein…“

„Was tust du hier?“ fragte Kaoru und musste ansich halten, dem Kleinen Mann vor sich nichts anzutun.

„Das Gleiche wie du, wie mir scheint.“ Kyo tippte gegen seine Kippe.

„Dampf ablassen.“

„DAS IST NICHT WITZIG!!!“

„Sehe ich aus, als machte ich scherze?“ Kyo zog erneut an seiner Zigarette und sah zu Kaoru hoch.

„Ich hab dein Gespräch letzte Nacht mitbekommen. Das mit dieser Frau.“

„Ach wirklich?“

„Hast nie erzählt dass du eine Schwester hast…“

„Du hast auch nie gefragt. Was interessiert es dich auf einmal so sehr, was mit mir ist? Es hat dich seit Jahren nicht gejuckt wie es mir geht, wieso willst du nun damit anfangen?!“

Er schob sich am Sänger vorbei, der einfach stehen blieb.

„Wir klären das heute ABEND!!! Nicht JETZT!“

Kaoru knurrte und fluchte. Er war am Arsch, seine gesamte Tarnung zerfiel gerade in tausend Teile, dank seiner Unvorsichtigkeit und wegen Kenji.

„Ich hätte ihn nie einweihen dürfen…“ Knurrte der Gitarrist, der weiter in die Stadt gegangen war und nach was brauchbarem suchte um seinen Fresswahn zu stillen. Immer wenn er gereizt war, bekam er Hunger.
 

Leider war keine Beute ausfindig zu machen und er trottete zurück zum Hotel. Die Anderen warteten bereits in der Lobby auf ihn und mit einem Seufzen und einer Handbewegung bedeutete Kaoru ihnen, ihm zu folgen. Brav taten sie es und setzten sich oben auf die Couch und den Sessel von seinem Hotelzimmer, während Kaoru sich auf den kleinen Tisch setzte, da nicht genug Sitzgelegenheiten vorhanden waren.

„Okay… die Wahrheit wollt ihr also? Ich bin mir nur nicht sicher, ob ihr die Wahrheit glauben werdet…“ Kaoru strich sich die Haare zurück und sah in die Runde.

„Also, um euch zumindest eine Sorge zu nehmen, ich habe keine Essstörung.“ Er sah zu Kenji, der nickte.

„Ja das kann ich bestätigen.“

„Aber was ist es dann?“ Fragte Shinya besorgt und fing an den Saum seines Hoodies zu kneten, was er immer Tat wenn er besorgt oder nervös war.

„Ich weiß nicht wie ich es sagen soll…“

„Sags Frei heraus.“ forderte Die und alle nickten.

„Okay…“ Kaoru seufzte und sah sie erneut an.

„Ich bin ein Halbvampir.“

Stille. Dann fingen Die und Toshiya an zu lachen, Shinya war etwas verwirrt und von Kyo kam gar keine Reaktion.

„Sehr witzig Alter.“ Lachte Die und erhob sich.

„Du bist ein Vampir, ja?“

„Halbvampir.“ Kaoru hatte sich ebenfalls erhoben und nestelte an seinen Zähnen herum. Er entfernte zwei, weiße Zahnschienen aus seinem Mund und legte sie auf den Tisch neben sich.

„Was…“ Die sah von den Schienen zurück zu Kaoru, der ihn angrinste und Die stolperte zurück und landete auf der Couch.

„WAS ZUM ARSCH?!“

Nun nicht mehr von den Schienen bedeckt konnten die Anderen Kaorus richtige Zähne sehen, die, nicht so riesig waren, wie die der vollblütigen Vampire aber schärfer waren als es bei Menschen der Fall war.

„Ich bin kein Mensch.“ Sagte er weiter und Kyo beugte sich vor und betrachtete den Gitarristen.

„Und wie lange wolltest du uns das verschweigen?“

„Nun…so ziemlich für immer.“

„Was?“ Shinya klang empört.

„Vertraust du uns so wenig? Wieso lässt du zu, dass wir uns dann solche Sorgen um dich machen?!“

„Warte… ihr glaubt mir?“ Kaoru sah ungläubig in die Runde.

„Also ich glaube dir.“ Sagte Kyo und beugte sich vor.

„Ich glaube, dass du etwas… anderes bist, als ein Mensch.“

„Aber bitte Kao...Erzähl uns deine Geschichte.“ Bat Shinya und die Anderen nickten, während Kaoru wieder auf dem Tisch platz nahm.

„Was wollt ihr wissen? Und wehe ihr sagt nun, Alles.“

„Naja wäre aber richtig.“ Warf Toshiya ein, der es bereute sich keine Snacks mitgebracht zu haben.

„Wie bist du zu sowas geworden und wann?“

„Man wird nicht zum Halbvampir gemacht, man wird so geboren. Ich war schon immer so…“ Kaoru versuchte seine Gedanken zu sammeln.

„Ich wurde am 17. Februar im Jahre 1886 in Tokio geboren. Meine Mutter war ein Mensch, der Grund wieso ich nun so bin, liegt an meinem Vater… also mein vampirischer Vater. Wie es dazu kam, dass die beiden...Naja was auch immer taten, das weiß ich leider nicht.“ Er sah die anderen an, die ihn nur mit ihren Blicken baten weiter zu sprechen.

„Meine Mum wurde mit den Jahren immer kranker und verrückter… als ich etwa 5 war, wurde sie in eine Irrenanstalt und ich in ein Heim gesteckt. Ich wusste damals noch nicht dass ich anders war…das kam erst später. Und nein, keiner hat mich damals Adoptiert, ich blieb da bis ich 12 war und bin dann einfach abgehauen.“

„Muss ne harte zeit gewesen sein…“ murmelte Die und Kaoru nickte.

„Ab da begann auch… mein Blutdurst.“

„Du trinkst wirklich Blut?“ Kyo grinste frech und Kaoru sah ihn mahnend an.

„Kyo nein!“

„Was? Lass es uns doch mal testen.“

„NEIN!!“ kam es einheitlich von allen in der Runde und Kyo fing an zu schmollen.

„Aber ja, ich trinke Blut. Blutdurst bei Halbvampiren oder Dhampire wie wir genannt werden, setzt mit der Pubertät ein und bleibt. Wir altern für maximal 20 Jahre und dann stoppt es einfach.“

„Und wieso siehst du dann wesentlich älter aus?“ Fragte Shinya und Kaoru seufzte.

„Das ist… ich weiß nicht wie ich es euch beschreiben soll, aber ich kann mein Aussehen anpassen. Ich kann für alle Ewigkeiten 20 Sein, ich kann aber nun auch für etliche Jahre aussehen wie mitte 40.“

„Du kannst es uns nicht beschreiben, wie du das machst?“ fragte Die verwundert und Kaoru strich sich durch die Haare.

„Das wäre, als würde ich dich fragen, wie du deine Arme und Beine bewegen kannst. Es ist etwas, was ich tue, ohne bewusst nachzudenken.“

„Aber du kannst das steuern oder?“ wollte Shinya wissen und Kaoru nickte, ehe er sich so minimal veränderte, dass die anderen Bandmitglieder einen Moment brauchten um es zu realisieren.

„Also das hab ich auch noch nicht gesehen.“ Meinte Kenji und alle sahen ihn an.

„DU HAST ES GEWUSST?!“ Blaffte Shinya ihn an und zog ein zuckersüßes Schnütchen.

„Warum hast du nie was gesagt?“

„Weil mich Kaoru dann sicherlich umgebracht hätte…“

„Oh glaub mir, ich stand heute kurz davor.“ Der Gitarrist knurrte laut auf und sah zu Kyo, der sich vorgebeugt hatte und auf seinen Mund starrte.

„Sind deine Zähne nicht etwas zu klein zum Blutsaugen?“ fragte der Sänger dann und Kaoru winkte ab.

„Glaub mir, ich hab meine Mittel und Wege. Habt ihr noch mehr fragen?“

„Kannst du dich in Nebel verwandeln?“ fragte Toshiya.

„Nein.“

„Kannst du zu einer Fledermaus werden?“ wollte Die wissen.

„Nein.“

„Wie schade.“

„Glitzerst du?“

Alle sahen Shinya bei der Frage verwundert an, der nur süß grinste und mit den Schultern zuckte.

„So wie in den amerikanischen Filmen.“

„Shini-Chan, du sollst sowas doch nicht ohne Aufsicht gucken.“ Die wuschelte dem Jüngsten durch die Haare und Kaoru seufzte.

„Noch etwas was ihr wissen wollt?“

Kyo stand nun von der Couch auf und trat vor Kaoru. Einen Moment sah er ihn nur an.

„Wieso hast du es uns verheimlicht? Was hast du gedacht würde passieren, wenn wir es erfahren? Wovor hattest du Angst?“

Kaoru sah Kyo in die Augen. Die tiefdunklen Augen des Sängers starrten richtig in die Seinen und er seufzte traurig.

„Ich wollte euch nie in Gefahr bringen. Euch nicht ins Fadenkreuz bringen… Ich hatte Angst um eure Leben und eure Sicherheit. Ich stehe auf ziemlichen Kriegsfuß mit meiner väterlichen Seite der Familie und ich will und werde nicht zulassen, dass einem von euch deswegen etwas passiert… Ich war immer allein im Leben bis ich euch getroffen und wir Dir en Grey gegründet haben damals… Ich hab seitdem ein Leben und ich wollte es nicht aufgeben oder verlieren…“ Kaoru drückte die Zahnschienen wieder in seinen Mund.

„Nach all den Jahren, habe ich mich schwer getan Menschen zu vertrauen… deswegen war ich auch bei euch vorsichtig…“ Er funkelte Kenji wütend an.

„Und dann vertrau ich mal jemandem mein Geheimnis an und er fällt mir so ins kreuz!“

„Ich MUSSTE es tun! Du hast selber gesagt, dass da was im Argen ist…Die anderen müssen vorgewarnt sein…“

„Ihnen kann nichts passieren.“ Versicherte Kaoru ihm nun und die Band sah sich verwundert an.

„Ach wirklich?“

„Ihr steht unter meinem Schutz.“

„Na da fühl ich mich soooooo sicher, dass ich jetzt erst mal in die Bar unten muss…“ Die Erhob sich und Toshiya tat es ihm gleich.

„Ist doch okay, wenn wir saufen gehen oder?“

„Ihr seid erwachsen…“ Erinnerte Kaoru sie und Die grinste.

„Stimmt, dann bis später, ich muss das verdauen…“

Er und Toshiya verschwanden und auch Shinya erhob sich, gefolgt von Kenji.

Kyo machte keine Anstalten sich zu bewegen und das Zimmer zu verlassen, sondern starrte Kaoru nur weiterhin an.

Etwas im Blick des Sängers gefiel ihm nicht. Es war, als wühlte Kyo in seinen Gedanken herum, als suche er irgendwas, was er vielleicht gar nicht finden wollte.

Dann weiteten sich die Dunklen Augen des Kleineren und er trat einen Schritt zurück.

„Du warst das…“ murmelte er dann.

„Du warst es oder? Damals, in Kyoto!“

„Was genau meinst du?“

„Du weißt genau wovon ich rede!“ Kyos Stimme wurde lauter, aber zitterte etwas.

„Damals… auf dem Dach des verlassenen Hauses… als ich noch ein Kind war… Du warst der Mann, der dort mit mir hockte… der mich…“ Kyo brach ab und sah zu Boden.

„Der dich davon abgehalten hat vom Dach zu springen?“ beendete Kaoru den Satz und Kyo sah wieder zu ihm hoch.

„Glaubst du immernoch, dass dich niemand liebt Kyo?“

Der Sänger antwortete nicht, sondern stürmte nun doch aus dem Zimmer und schepperte die Türe mit einer solchen Gewalt hinter sich zu, dass eins der Bilder im Zimmer von der Wand fiel.
 

Kyo verzog sich in sein Zimmer, verschloss die Zimmertüre und ohne das Licht anzuschalten warf er sich auf das Bett.

Die Erinnerung an Damals kam ihm auf einmal so klar in den Sinn, dass er sich fragte, wie es sein konnte, dass er Kaoru nie erkannt hatte?

Klar, der Mann auf dem Dach hatte ihm seinen Namen nicht genannt, aber nun sah er diese Nacht wieder so klar vor sich.

Das alte Haus, die dunkle Treppe, die er weinend hochgerannt war, das Mondlicht, der verletzte Fremde, der dort gewesen war.

Er erinnerte sich, das Gesicht des Mannes nie richtig gesehen zu haben, aber dass viel Trauer und Einsamkeit in seiner Stimme zu hören gewesen war.

Kaoru war einsam.

„132 Jahre… das ist länger als man jedem zumuten möchte.“ murmelte Kyo an seine Zimmerdecke, nachdem er sich auf den Rücken gedreht hatte.

Wie es wohl sein musste, ewig zu leben? Viele stellten sich das so toll vor, aber für Kyo klang es nach einer niemals enden wollenden Einsamkeit, begleitet von ein paar Wenigen Jahren der Gemeinschaft. Sie waren seit fast 20 Jahren eine Band. Bei so einer langen, niemals enden wollenden Lebenszeit, musste das nicht sehr lang für Kaoru sein, auch wenn er sehr viel Zeit in diese Band investiert hatte. Aber wie schlimm war der Verlust von Zeit, wenn man endlos viel davon hatte?

Wieviele Freunde und Liebste er wohl schon zu Grabe getragen hatte? Kyo schossen die Jahre des zweiten Weltkriegs in den Sinn. Er hatte da in der Schule nie sonderlich viel Interesse an dem Thema gezeigt, aber er fragte sich, was Kaoru in der Zeit wohl getrieben hatte?

„Vermutlich hat er gekämpft…“ Beantwortete er seine gedankliche Frage laut und erhob sich vom Bett. Er brauchte eine Zigarette.
 

Er ging raus auf den Balkon und kramte in seinen Taschen, nur um zu realisieren, dass er keine mehr hatte.

Als hätte man seine Gedanken und sein Problem erahnt, kam eine Schachtel auf seinen Balkon geflogen.

Zumindest wirkte es zuerst so, doch ein Blick zur Seite, zeigte, Kaoru hatte ihm eine auf den Balkon geworfen.

Der Gitarrist stand nun mit dem Rücken zu Kyo und sah auf die Stadt.

Er wusste, Kyo wollte Ruhe und das respektierte er, um ihm das Gefühl zu geben allein zu sein, in dem er ihn nicht einmal ansah.

Kyo konnte nur erahnen was der Andere in dem Moment wohl fühlen mochte, nachdem er das Zimmer eben in so einer Hast verlassen hatte.

Der Sänger machte eine Zigarette an und sah auf die andere Seite der Stadt, als er das Knarren des Geländers hörte und sich wieder zu Kaoru umwandte, der auf dem Geländer stand und so easy darauf herumlief, wie eine Katze. Er hatte seine Zigarette im Mundwinkel, einen Alten Hoodie an und grinste kurz zu Kyo rüber.

„Bis morgen.“ Sagte er und sprang vom Balkon, oder mehr, ließ sich rücklings fallen.

Kyos Herz setzte für einen Schlag aus und er sah nach unten, sah seinen Gitarristen elegant unten auf den Füßen landen und ihn davon gehen sehen. Wo wollte er nur um diese Zeit hin? Kyo wusste, es war dumm, doch er folgte ihm raus in die seltsam kalte Nacht.

Egal wie schnell Kyo auch unten war, der Gitarrist war nirgends zu sehen. Wo wollte er nur hin? Kyo ging nun, wo er einmal draußen war, in den kleinen Vorort der Stadt, wo ihr Hotel war und sah sich um.

Erstaunlich viele Nachtclubs und Bars. Vielleicht fand er ja Die und Toshiya hier. Sie wollten ja trinken gehen und die Hotelbar machte immer um 22 Uhr schon zu.

Er zog durch die Straßen und sah sich immer mal wieder unauffällig um, wonach genau guckte er nun? Nach Kaoru? Nach Die und Toshiya? Warum war er nicht im Bett? Er stöhnte genervt auf und sprang zurück, als ein Betrunkener Typ vor ihm aus der Bar und auf den Boden knallte.

„UND WAG ES DICH NOCH EINMAL IN MEINE BAR ZU KOMMEN!!“ Blaffte es aus der Türe und eine junge Frau kam heraus, die dem Typen mit ihren hohen Plateaus in den Arsch trat, ehe sie Kyo bemerkte.

Der Musiker sah zu ihr hoch und sie fing an zu grinsen.

„Du bist einer von den Dir en Grey Guys richtig?“ fragte sie und eigentlich wollte er schon weiterziehen, denn auf Fans oder dergleichen hatte er gerade keinen Bock, als sie ihn am Arm packte.

„Kaoru ist bei mir.“ Kyo realisierte auch jetzt erst ihr fließendes japanisch und nickte.

„Komm rein.“

Ohne Widerworte oder ein Nein zu akzeptieren zerrte sie ihn am Arm in ihre Bar, sehr darauf bedacht, dass Kyo auf den Mann am Boden treten musste.
 

Der Sänger wurde durch eine, mit Schwarzlicht erhellte Bar geführt und von dort in eine Art VIP Bereich.

„Hey Kao, ich hab da was gefunden.“ Kicherte die junge Frau und schob Kyo vor.

Kaoru saß in einem bequem aussehenden Sessel, ein Weinglas in der Hand, welches er sofort abstellte und sich erhob, als er Kyo sah.

„Was machst du denn hier?“ fragte er und zog den Sänger zu sich.

„Ich wollte…“ Ja gute Frage. Was genau hatte Kyo gewollt?

„Du wolltest was?“

„Ja wenn ich das mal wüsste…“

„Waren deine Beine wieder so schnell dass der Kopf nicht mehr hinterher kam?“ Kaoru wandte sich an die junge Frau.

„Danke. Bring ihm ne Cola.“

„Sicher doch Brüderchen.“ Sie verschwand und Kaoru setzte sich wieder. Kyo blieb stehen und sah sich in dem kleinen Raum um, in dem es wirklich nichts zu sehen gab und sah dann auf Kaorus Glas.

„Ist das…“

„Blut? Ja. Setz dich zu mir.“ Kaoru griff nach seinem Glas und beobachtete Kyo, der sich auf einen der Sessel fallen ließ und sein Gegenüber nun ebenfalls beobachtete.

Kaoru führte das Glas an die Lippen und nippte dran, der Lebenssaft färbte seine Lippen dunkel, ehe er es aufleckte.

Der Blick des Sängers wanderte von Kaorus Mund zu seinen Augen und er runzelte etwas die Stirn. Lag es am Licht oder hatte sich die Augenfarbe des Gitarristen verändert?

Kaorus dunkle Augen wirkten Heller, als hätten sie einen anderen Braunton angenommen.

Kyo wollte gerade fragen, als die junge Frau reinkam und Kyo ne eisgekühlte Cola vor die Nase stellte.

„Danke.“ murmelte der Sänger verdutzt und sie grinste, offenbarte einen Mund voller langer, scharfer Zähne, ehe sie wieder ging.

„Das ist meine Halbschwester Mona.“ Erklärte Kaoru ihm und nippte erneut an seinem Glas.

„Wir haben alle den gleichen Vater, aber Mona und ich leben fern ab der Vampire. Sie hat diese Bar hier vor Jahren schon eröffnet, sie versorgt Mensch und Monster.“

„Also ist das da...dein Abendessen?“ Kyo nickte auf das Glas, doch Kaoru schüttelte den Kopf.

„Nur eine kleine Stärkung für zwischendurch. Das bisschen reicht nicht um mich völlig zu sättigen.“ Er nahm noch einen Schluck und Kyo tat es ihm gleich.

„Ich will immernoch deine Fangzähne sehen.“

Kaoru seufzte etwas, beugte sich aber vor und fummelte die Zahnschienen erneut raus.

„Es ist ein bisschen Anders, als das, was du aus Filmen kennst.“ erklärte er und als Kyo sich vorbeugte sah er wie Kaoru zwei lange, sehr dünne Eckzähne hatte, die aber hinter der eigentlichen Zahnreihe angebracht waren. Sie erinnerten eher an die Giftzähne einer Schlange, als die klassischen Spitzzähne, die man aus Filmen und Büchern her kannte.

Kaoru nutzte seinen Finger, um die Zähne in Position zu halten und eine kleine Menge Sekret sickerte aus ihnen, was auf den Tisch vor ihm tropfte.

Kyo sah den Tropfen nach und dann wieder auf Kaoru, der die Zähne wieder einklappte und den Sänger sehen ließ, dass sie am Gaumen angewinkelt lagen.

„Das ist… echt komplett anders als ich gedacht hätte…“ gestand der Kleinere und Kaoru lachte kurz, was mit den scharfen Zähnen seltsam und etwas unheimlich aussah.

„ja, ich weiß. Die zwei Zähne sind auch nur für Giftinjektion da.“

„Was bewirkt dein Gift?“

„Es lähmt meine Beute, macht sie hilflos und bewegungsunfähig. Dann kann man in aller ruhe trinken.“

„Ist das Gift selber tödlich?“

„Bei zu großer Menge ja.“

Sie verfielen in Schweigen und die Stille zwischen ihnen wurde fast schon greifbar.

Kyo warf Kaoru dauernd Blicke zu, sah wie er völlig regungslos da saß, nicht einmal zu atmen schien und durch das gedimmte Licht im Raum wirkte er so seltsam fremdartig und Kyo wunderte sich, wie ihm das nie hatte auffallen können.

Wie hatte er das alles nie bemerkt? Sie waren teils für Tage in Tourbussen unterwegs, er hatte nie gemerkt dass ihr Gitarrist nicht atmete, nicht menschlich war.

„Du musst dir keinen Kopf deswegen machen, ich hab gelernt es zu verschleiern.“ murmelte Kaoru auf einmal und Kyo schreckte aus seinen Gedanken.

Konnte der Andere etwa seine Gedanken lesen?

Kaoru grinste und sah zu ihm rüber, ohne den Kopf zu bewegen.

„Ich kann deine Gedanken nicht lesen, aber ich sehe deinem Blick an, woran du denkst. Und es tut mir leid euch all die Jahre hinters Licht geführt zu haben, aber ich sagte ja, es fiel mir schwer zu vertrauen.“

„Und nun? Kannst du vertrauen?“ fragte Kyo und leerte seine Cola.

„Ich kann euch vertrauen ja, aber vertraut ihr mir auch?“ Kaoru drehte sich nun wieder in Kyos Richtung und seine roten Augen bohrten sich in die des Kleineren.

„Warum sollte ich dir nicht vertrauen Kaoru?“ Kam Kyos Gegenfrage direkt.

„Du hattest mehr als genug Chancen uns alle zu töten. Wenn dein Gift so wirkt wie du sagst, dann hättest du uns alle in einer Nacht im Tourbus erlegen können.“

„Stimmt. Und wie ist es jetzt gerade?“ Kaoru erhob sich und ging um den kleinen Tisch herum und stand nun vor Kyo, der sich ebenfalls erhoben hatte.

„Du bist mit mir allein Kyo. Mona würde nicht zu deiner Rettung kommen, sollte ich nun wie ein Monster auf dich losgehen.“

Kyo blieb völlig gelassen und sah zu Kaoru hoch.

„Aber du bist kein Monster.“ kam es vom Sänger mit ruhiger Stimme.

„Du bist mein Freund Kaoru, ich weiß dass du mir nichts tun wirst. Ich hab volles Vertrauen in dich.“ Er knuffte dem Älteren gegen die Schulter und grinste.

„Also sei nicht so ernst, alter Mann. Nun da wir wissen was los ist, können wir weitermachen wie zuvor und brauchen uns keine Sorgen mehr zu machen.“

Kaoru seufzte etwas. Wenn es doch nur so einfach wäre, doch er grinste, strich Kyos Strubbeliges blondes Haar zurück und drückte ihm einen sanften Kuss auf die Stirn.

„Hast ja recht.“ Murmelte er dann und schnappte sich seine Zahnprothesen, die noch auf dem Tisch lagen.

„Dann komm, wir sollten zurück zum Hotel… morgen wird ein langer Tag.“
 

Der weg zum Hotel zurück verlief schweigsam. Kaoru ging vor, eine Zigarette im Mundwinkel und Kyo trottete hinterher.

Eine Hand strich andauernd sein Haar zurück und über seine Stirn. Kaoru hatte ihn geküsst und es fühlte sich noch immer so seltsam an. Es kribbelte etwas auf seiner Haut und er fragte sich, ob das eine besondere Bedeutung hatte, abseits der wirklich niedlichen Geste selber.

Er holte den Gitarristen ein und lief neben ihm, doch noch immer schwiegen sie und nur ein kurzes „Gute Nacht“ wurde an ihn gerichtet, als Kaoru in sein Hotelzimmer ging und Kyo in seins.

Der Sänger verschloss die Türe und begab sich ins Bad.

Er betrachtete seine Stirn, doch natürlich war da nichts. War er Körperkontakt so wenig gewohnt, dass ihn sowas nun schon so aus der Bahn warf?

Er schüttelte den Kopf und verließ das Bad nach einer weile wieder, um ins Bett zu klettern.

Er machte sich einfach zu viele Gedanken um sowas.
 

Die Nacht war leider viel zu schnell vorbei und als Kyo am nächsten Morgen die Vorhänge beiseite zog und für etwas Frischluft auf seinen Balkon ging, hockte Kaoru schon dort und betrachtete den Sonnenaufgang.

Der Halbvampir saß auf dem Geländer seines Balkons, eine Zigarette im Mundwinkel und sah in die Ferne.

„Morgen.“ murmelte Kyo und streckte sich einmal genüsslich und Kaoru grinste zu ihm rüber.

„Morgen. Gut geschlafen?“

„Geht so… und du?“

„Geht so.“ murmelte der Gitarrist und seufzte.

Er kletterte von der Brüstung und zurrte seine langen Locken mit einem Haarband zusammen, was in Kyos Augen wie ein Verbrechen aussah. Kaoru hatte so schöne lange Haare. Die Band hielt ihn schon seit langem davon ab, sie abschneiden zu lassen. Er hatte zwar gesagt, er wolle nen neuen Style, aber das ließ die Band nicht zu und nun zwang er, dieses wunderschöne Haar in so ein dummes Gummi. Kyo seufzte und griff nach den Zigaretten, die über Nacht auf dem Balkon gelegen hatten.

Die Schachtel war etwas feucht vom Morgentau, aber die Stängel im Inneren waren unversehrt und er machte sich eine an.

Er sah wieder rüber, doch der Gitarrist war wieder im Inneren seines Zimmers verschwunden.
 

Unten beim Frühstück war Kaoru der Erste und trank einen Kaffee, als der Rest der Band eintrudelte.

„Fuck Leute, ich hab nen echt bescheuerten Alptraum gehabt.“ murmelte Die, der übelst verkatert aussah und Kaoru schob ihm die Kaffeekanne rüber.

„Ich hab geträumt unser Leader-Sama hier wär ein Vampir und hätte dann angefangen Chibi und Kyo aus zu schlürfen.“

„Also Shinya und Kyo sind okay und ich bin immernoch ein Halbvampir.“ Murmelte der Älteste und Die sah ihn an, die Tasse Kaffee so schief haltend, dass ihr Inhalt auf den Tisch plätscherte.

„Warte…das war kein Traum?!“

„Nein.“ Kyo setzte sich nun dazu und reichte dem Gitarristen ein paar Servietten.

„Fuck, wir haben nen Blutsauger unter uns…“

„Genau, aber gerade reicht mir ein Kaffee.“ der Leader grinste, während Die den Tisch saubermachte und Shinya mit einer großen Platte essen zurück kam und sich über die Lippen leckte.

„Willst du das etwa ALLES Essen?“ fragte Kyo ihn verwundert, als Shinya nach dem Besteck griff und anfing drauf los zu mampfen.

„Klar. Wir haben heute nen Arsch voll Termine und noch die Show, wer weiß wann wir heute noch zum Essen kommen?“

„Er hat recht Leute.“ bestätigte Kaoru und Toshiya setzte sich dazu, eine nicht weniger volle Platte vor sich abstellend.

„Esst Euch satt, es wird das letzte für eine Weile sein.“

„Wo wir bei Essen sind.“ Shinya spülte den Bissen mit etwas Kaffee herunter.

„Warum musst du nach dem Essen immer kotzen?“

„Mein Verdauungstrakt ist nur auf Flüssigkeiten ausgerichtet. Festnahrung kann ich nicht verdauen.“ erklärte Kaoru, der sich noch einen Kaffee einschenkte.

„Mein Körper zieht die nötigen Nährstoffe aus der Nahrung, aber ich muss sie erbrechen, sonst...naja...sagen wir, es ist nicht schön, wenn ich vergesse es wieder los zu werden.“

Alle sahen ihn etwas verstört an, ehe Die sich auch was zu essen holte und kyo ihm folgte.

„Noch ne Frage?“

„Ja…“ Toshiya nahm einen Schluck aus seiner Tasse und schmierte sich ein Brot mit dunkelroter Marmelade.

„Wie sehen richtige Vampire aus? Wenn du nur ein Halbwesen bist, wie sehr unterscheiden sich die Vollblütigen Wesen von dir?“

„Sie sind hässlich.“ Kaoru nahm noch einen Schluck kaffee, während Kyo und Die sich wieder setzten.

„Wer ist hässlich?“ fragte der Sänger und schmierte sich ein Brötchen.

„Kao will uns erzählen wie richtige Vampire aussehen.“

„Naja...euch eher vorwarnen. Aber ich denke wenn ihr so etwas im dunkeln seht ist es eigentlich schon zu spät.“ Sagte Kao ruhig.

„Also...sie sind groß, sehr muskulös gebaut, haben lange scharfe krallen an Händen und Füßen, Rote Augen, einen ganzen Mund voller Reißzähne, lange spitze Ohren und gespaltene, raue Zungen. Sie sind nicht schön, sie sind nicht anmutig. Sie haben nichts mit den Hollywoodfilmen gemeinsam, es sind einfach nur Monster. Sie leben in Rudeln von 10-30 Mitgliedern zusammen, mit einer klar definierten Rangordnung. Wenn ihr ihnen begegnet ist es aus, sie packen euch und zerren euch in ihren Bau. Dort brechen sie euch als erstes die Beine um an das frische Knochenmark zu kommen. Sie kratzen es mit ihren langen Zähnen aus den Knochen heraus und arbeiten sich dann stück für Stück nach oben weiter vor und zwar egal wie laut man schreit. Sie haben es, außer auf das Knochenmark noch auf die Nährstoffreichen Organe abgesehen, die einfach aus euch raus gerissen werden. Mit Etwas Glück ist man an diesem Punkt ohnmächtig, aber der eigentliche Tod setzt erst ein, wenn das Herz entnommen und verspeist wurde. Danach wird der Rest, der von Bedeutung ist gefressen und die kümmerlichen Reste den Ratten überlassen. Mehr als ein paar Erinnerungen kann man von einem dann nicht mehr zu Grabe tragen.“ Kaoru sah in die erstarrten Gesichter seiner Bandkollegen und fuhr einfach fort.

„Sie trinken nicht wirklich das Blut ihrer Opfer, das ist die Hauptnahrunsquelle meiner Spezies. Der eigentliche Zweck von Dhampiren ist es, Menschen in oder nahe an den Bau heran zu locken. Deswegen sehen wir menschlich aus, deswegen können wir so problemlos unter euch Menschen existieren, weil wir uns anpassen müssen um euch anzulocken.“

„Tust du das auch?“ fragte Die, der als Erster die Stimme wiederfand.

„Nein, schon lange nicht mehr.“ Kaoru strich sich eine losgelöste Strähne aus dem Gesicht.

„Als ich noch jung war… also so um 1910 herum wurde ich von meinem Vater gefunden und aufgenommen. Es war kein schönes Leben, aber ich hatte einen Ort den ich zuhause nennen konnte, ich lernte meine Schwestern kennen und fühlte mich zum ersten Mal zugehörig. Nur wurde mir schnell klar, wie furchtbar unsere Vorgehensweise war. Wie Falsch das alles doch war und deswegen hatte ich mich abgewandt und nie einen Blick zurück geworfen.“ Er seufzte etwas.

„Leider sieht mein Vater das nicht gerne und seitdem versucht er mich zurück zu bekommen.“

„Warum genau will er dich so dringend zurück?“ fragte Kyo nun, der dem zitternden Shinya über den Rücken strich.

„Weil männliche Dhampire sehr sehr selten sind. Und es ist nahezu unmöglich in der Modernen Zeit neue zu erschaffen, daher ist jeder für ihn wichtig. Auf 1000 Dhampire kommen vielleicht ein maximal zwei Männliche dabei herum.“

„Also bist du für ihn mehr eine Trophäe als ein Sohn?“ fragte Toshiya und Kao lachte kurz und bitter auf.

„Er sieht mich nicht als seinen Sohn. Nicht so wie ihr das denkt. Ich bin ihm unterlegen und unterstellt. Er ist mein Vater, aber auch mein Herr. Ich bin in seinen Augen ein Werkzeug, er nennt mich Sohn, weil er meinen Namen nicht kennt. Es interessiert ihn nicht wie ich heiße. Aber ja, ne Trophäe kommt hin. Nicht jeder Clan hat männliche Dhampire, was glaubt ihr wie er da prallen konnte einen zu haben?“

„Das klingt ja nach einem herrlichen Familienumfeld…“ Murmelte Die und goss sich und auch Kaoru Kaffee nach.

„Und woran erkennen wir Dhampire?“ fragte der Gitarrist weiter und warf sich drei Zuckerwürfel in den Kaffee.

„Ich mein, wenn er dich wieder zurück will und deine Schwestern auf uns hetzt, woran erkennen wir die?“

„Ihr habt es bei mir nie erkannt, wieso denkt ihr, es bei meinen Schwestern erkennen zu können?“ fragte Kaoru und sah in die Runde.

„Sie sind gut im Tarnen, wenn sie das wollen. Aber ich denke, ich muss euch nicht sagen, dass ihr nicht mit fremden Frauen mitgehen solltet.“

„Naja diese Mona gestern ist doch okay oder?“ fragte Kyo und alle sahen ihn verwundert an.

„Ja Mona ist okay. Sie ist neutral, sie hält sich komplett raus. In ihrer Bar ist Mensch und Monster willkommen, daher ist es wohl okay was sie tut.“

„Und der Rest?“

„Alles Handlangerinnen meines Vaters. Aber wie gesagt, sie werden euch nichts tun, da ihr unter meinem Schutz steht.“

„Wie genau meinst du das mit dem Schutz?“ fragte Kyo nun, der fast schon so eine Vermutung hatte.

„Das sollt ihr nun bitte nicht falsch verstehen, aber ich habe euch als meinen Besitz markiert.“ Erklärte Kaoru ruhig und erhob sich. Er ging um den Tisch herum, zu Shinya und zog seinen Kopf sanft in den Nacken.

„Ich zeigs euch.“ Und da noch niemand im Speisesaal war, der sie nun groß hätte beobachten können, drückte Kaoru Shinya einen Kuss auf die Stirn.

„Mein Zeichen, mein Geruch an euch, den ihr nicht wahrnehmen könnt und doch ist er da.“ Erklärte der Gitarrist und setzte sich wieder.

„Auch Monster haben Regeln und da ihr alle, unbewusst, seit Jahren mein Zeichen tragt, ist es jedem Vampir und Dhampir verboten euch anzurühren.“

„Und das hält Vampire auf?“ fragte Die, der versuchte sich daran zu erinnern, wann Kaoru ihn denn bitte geküsst hatte.

„Ja. Tatsächlich schon. Zudem, wieso sich den Ärger machen, ein eschütztes Subjekt zu erlegen, wenn es mehr als genug ungeschützte gibt?“

„Sind wir wirklich geschützt oder hast du nur gerade dein Revier markiert?“ fragte Toshiya und musste bei Shinyas Dummen Blick lachen, der sich nun über die Stirn rieb, als würde das irgendetwas bringen.

„Nenn es wie du willst, aber jedem nicht menschlichen Wesen ist nun klar, zu wem ihr gehört.“ Kaoru grinste ein freches Grinsen und trank seinen Kaffee aus.
 

***

„ALTER!!! So wurde ich ja noch nie verhört!“ Jammerte Die, als sie ihr Interview hinter sich hatten und alle Raucher sich erst mal eine ansteckten.

„Hätte mich nicht gewundert wenn sie nun auch noch Farbe und Größe unserer Unterhosen hätte wissen wollen!“

„Amis sind wirklich neugierig.“ Murmelte Shinya und ging auf Abstand von Kaoru und Kyo, die in ruhe rauchten.

„Was ist eigentlich los Kao? Du bist seit heut früh so still.“ fragte der Bassist und Kaoru zuckte nur mit den Schultern.

„Nur etwas in Gedanken.“ Sagte er ruhig und zog an seiner Zigarette.

„Ich bin froh wenn wir hier weg sind.“

„Ja nicht nur du, raus aus dieser Stadt, raus aus den Staaten.“ bestätigte Die, wohl wissend, dass es ne weite Fahrt war, bis sie wieder heim konnten.

Ihnen stand nach dem Abendlichen Konzert eine lange Fahrt in die nächste Stadt bevor.

„Wieso nur muss alles in Amerika soweit von einander weg sein?“ Seufzte Shinya etwas.

Sie hatten ihre Hotelzimmer bereits geräumt und alles nötige im Bus verstaut.

Sie würden die Show durchziehen und danach direkt in den Bus springen. Zum Glück verfügte die Konzerthalle über Duschen.
 

In der Halle war es bereits rappelvoll, doch Kaoru fand, eine letzte Zigarette vor der Show würde er noch schaffen und so schlich er sich, umgezogen, gestyled und geschminkt zur Hintertüre raus und machte sich eine an. Soviel Zeit musste sein.

Nervös war er schon lange nicht mehr. Zu den Anfängen von Dir en Grey war noch eine gewisse Anspannung in ihm gewesen und, wäre er ein normaler Mensch, wäre Herzklopfen sicher auch mit dabei gewesen, aber er wusste nicht, wie sich das anfühlte. Zumindest nicht wenn das Herz das für mehrere Minuten am Stück tat. Das musste unangenehm sein.

Während er dastand und darüber nachdachte, kam jemand zu ihm.

„Mona?“ fragte Kao verwirrt, denn auch wenn die Person ihr Gesicht Unter der Kapuze eines Hoodies verbarg, so erkannte er doch ihre knallpinken Plateaus.

„Hey… ich sollte eigentlich nicht hier sein…“ Murmelte sie und sah ihn an.

„Damsel plant einen Angriff für heute Abend auf euch.“

„Was? Während des Konzerts?“ Kao versuchte Leise zu sein, doch Mona zuckte mit den Schultern.

„Ich weiß es nicht, sie sagte nur es wird heute Nacht mindestens einer sterben… und sie sprach dabei von deiner Band. Sie hat es auf deine Bandkollegen abgesehen!“ Sie sah ihn besorgt an.

„Ich weiß, ich wollte mich aus allem raus halten, aber diese Jungs haben nichts mit dem Beef zwischen dir und Vater zu tun.“

„Das ist wahr…“ Kaoru knurrte und nahm Mona für einen Moment in den Arm.

„Danke für die Warnung. Ich werde die Augen offen halten.“ Er küsste sie sanft auf die Wange und ging wieder rein.

„Viel Glück, kleiner Bruder…“ Murmelte Mona noch und verschwand wieder, wollte zurück zu ihrer Bar, doch da kam sie niemals an.
 

Noch nie war Kaoru soviel auf der Bühne am hin und her wandern gewesen, wie an diesem Abend. Sein Blick wanderte überall hin, in die Menge, zu den Seiten, sogar nach Oben, doch nichts war zu sehen. Er hatte Kenji vorgewarnt, der den hinteren Bereich sicherte. Seinen Bandkollegen hatte er nichts gesagt. Er wollte sie nicht auch noch verunsichern und er selber versuchte sich zu entspannen und ging auf die kleinen Spielereien ein, in die Die und Toshiya ihn zu verwickeln versuchten, während Kyo sich auf seinem kleinen Podest die Seele aus dem Leib zu brüllen schien. Kaoru war sich sicher, kein Vampir konnte die Halle betreten. Kyos Gebrüll würde ihre empfindlichen Ohren beschädigen.

Er konnte sich also ein bisschen beruhigen und mehr auf die Show selber achten, was auch Nötig war, denn Toshiya hatte ihn mit der Hüfte angestoßen und fast zu fall dadurch gebracht, was einigen im Publikum natürlich nicht entging und er, auch über den lauten Gesang Kyos hinweg, hören konnte.

Schön wenn sich Leute daran erfreuten, wenn er fast auf die Fresse fiel, er half immer gerne.
 

Nachdem sie noch zwei Zugaben gegeben hatten, verließen sie endlich die Bühne. Kyo bekam erst mal ein Handtuch gereicht, er war am schwitzen und triefen und musste erst einmal Luft holen, doch er grinste die Truppe frech und triumphierend an, wie fast immer und sie standen hinten und erfreuten sich noch eine Weile an dem Toben der Menge.

Wasserflaschen wanderten durch die Hände, nur Kaoru lehnte ab, sollten die Anderen das trinken, sie brauchten es dringender als er. Er wusste, Kenji hatte ihm eine Stärkung in die Umkleide gebracht, da freute er sich schon den halben Tag drauf.

Schnellen Schrittes begab sich jeder in seine Umkleide, die Zeit war zwar nicht knapp aber sie wollten los und Kao, gönnte sich erst einmal das köstlich frische Blut aus dem Beutel, als plötzlich ein Lauter Schrei zu hören war.

Kaoru zuckte zusammen und warf seinen Blutbeutel in die Ecke. Noch mit völlig verschmiertem Gesicht stürmte er aus dem Zimmer, nachdem er eine Tasche gegriffen hatte, die immer in seiner Umkleide stand und rannte über den Flur. Das war Die gewesen, der geschrien hatte.

Als er beim Zimmer des anderen Gitarristen angekommen war, schob er die anderen Bandmitglieder beiseite und sah, wie Die sich, in absoluter Panik am Fensterrahmen festhielt, als etwas versuchte ihn nach draußen zu zerren.

„HILFE!!!! VERDAMMT HELFT MIR!!!“ Brüllte der Langhaarige und Kaoru befahl den Anderen Die zu halten, was diese auch Taten, als die Schockstarre endlich nachließ.

Kaoru öffnete seine mitgebrachte Tasche und kletterte aus dem Fenster, eine Hand am Fensterbrett und sah nach unten.

Wie erwartet, ein Vampir hatte sich Die’s Fußgelenk gegriffen und versuchte ihn nun so aus dem Fenster zu ziehen und mit zu nehmen. Anscheinend war es ein Jungvampir. Umso besser für ihn. Das, was der Gitarrist da mit sich gebracht hatte, war eine kleine, aber handliche Shotgun, die er immer mit auf Tour nahm, man konnte ja nie wissen.

Mit nur einer Hand schaffte er es sie durchzuladen und als der Vampir zu ihm aufsah, knallte es bereits.

Shinya schrie im Inneren verschreckt auf und der Vampir ließ mit lautem kreischen los und die Band schaffte es Die wieder rein zu ziehen, während Kaoru das Fensterbrett losließ und auf dem Vampir unten landete.

Er hatte dem Monster einen Arm weg geschossen und nun fiepte und heulte es auf. Das Blut spritzte überall hin und Kaoru rümpfte nur die Nase, ehe er dem Vampir mit der Waffe ins Gesicht schlug. Dieser fiel auf den Rücken und der Gitarrist stellte einen Fuß auf seinen Brustkorb, die Waffe auf diesen richtend, ehe er sich darauf abstützte und sein Gegenüber ansah.

„Wer schickt dich?“ fragte er mit ruhiger, aber eiskalter Stimme. Der Vampir fauchte nur und spuckte ihm Blut ins Gesicht, worauf hin Kaoru zurück spuckte.

Eine Kugel hatte er noch im Magazin und er jagte sie dem Monster in die Brust, was dieses nicht tötete, aber weiteren Schmerzen aussetzte.

Er lud in Ruhe nach und sah weiter auf das tobende Monster unter sich, das nicht zu wissen schien ob es sich den Arm oder die Brust halten sollte.

„Ich frag nochmal, WER schickt dich?!“ Kaoru richtete die Waffe auf das Gesicht des Monsters.

„Ich hab nicht ewig Zeit, also spucks schon aus!“

„Schwester Damsssssel!“ Knurrte das Wesen unter ihm. Es war wirklich noch jung, man hörte es an der rauen Stimme und dem leichten Zischeln. Es hatte sich noch nicht an diese großen Zähne gewöhnt.

„Ssssssagte esssss gäbe leichte Beute hier zzzzu holen…“

„Du hast dir wirklich die falsche Beute ausgesucht. Warum kommt sie nicht selber?“

„Sssssagte Sssslezzzz kann futter haben… ssssssie plant….grösssseren angriff….auf Bussss...heute Nacht.“ Der Jungvampir wimmerte, als Kaoru den Fuß von seiner Brust nahm und es sich erhob.

„Sssslezzz hat nur hunger…“ wimmerte es weiter und sah zu Kaoru runter, der den Blickkontakt erwiderte und die Waffe sinken ließ.

„Slez heißt du?“

Der Vampir nickte.

„Nun gut Slez, heute lass ich dich ziehen, aber wenn ich dich noch einmal sehe und du mir oder diesen Jungs da auch nur zu nahe kommst.“ Kaoru hob nur die Shotgun und der Vampir nickte, wandte sich ab und verschwand in einem Gebüsch. Hoffentlich würde er das nun nicht bereuen.
 

Der Gitarrist kletterte an der Hausfassade wieder nach oben und durch das Fenster, als ihn ein Stuhl im Gesicht traf und rücklings wieder nach unten fallen ließ.

„ARGH!!! AUA!!!“

„Kyo, ich glaub du hast Kaoru getroffen.“ hörte er Shinya murmeln und dann erschien Kyos Wuschelkopf am Fenster.

„Kao! Hab ich dich geschlagen?“

„JA!!!!“ Kaoru heulte auf und rollte etwas über den Boden, ehe er sich aufsetzte. Das hatte gesessen.

„Sorry… ich dachte das Monster ist wieder da…“

„Argh… schon okay…“ Er kam wieder rauf und verstaute als erstes seine Shotgun, ehe er sich Die zuwandte, der, zum Glück noch seinen Fuß hatte und gerade von Sanitätern verarztet wurde, die immer vor Ort waren.

„Die, alles okay?“ fragte der Gitarrist und bekam einen verstörten und kreidebleichen Blick des Anderen als Antwort. Der Schock steckte noch in ihm, das war klar, aber ansonsten schien der Langhaarige okay zu sein.

„Hast du etwas vom Blut dieses Viechs abgekommen?“ fragte er leiser, doch der Andere schüttelte den Kopf.

„Sir, wir müssen ihn ins Krankenhaus bringen.“ Sagte einer der Sanitäter zu Kaoru, der nur den Kopf schüttelte. Sie konnten nicht zum Krankenhaus, dort waren zu viele Menschen, die in Gefahr geraten konnten.

„Wie schlimm ist es? Muss man das nähen?“ fragte er die Sanis, die offenkundig verwirrt über sein fließendes Englisch waren.

„Nein, das nicht, aber wir sollten ihn trotzdem zur Kontrolle da behalten und die Nötigen Impfungen geben, wenn so ein wildes Tier ihn einfach anfällt und…“ Er stoppte als Kaoru anfing zu lachen.

„Ein wildes Tier? Sie glauben, ein wildes Tier klettert hier rauf um einen Mann am Bein aus dem Fenster zu zerren? Also ich weiß ja nicht was Sie für Tiere kennen, aber das war hier definitiv nicht der Fall.“

Er half Die vorsichtig auf die Beine, der dann von Toshiya gestützt wurde, der ihn, aufgrund seiner Größe am besten stützen konnte.

„Wir schaffen das von hier aus auch allein, danke.“

Der Sanitäter wollte noch was sagen, als Kenji angerannt kam.

„Was ist passiert?!“ fragte er und sah das verwüstete Zimmer, den verletzten Gitarristen und dann Kaoru, dem ne ordentliche Menge Blut im Gesicht klebte.

„Kyo hat mir einen Stuhl ins Gesicht geschmettert.“ Kaoru wartete, bis die Sanis endlich weg waren, da er sie strickt ignorierte, ehe er mit dem Manager sprach.

„Die ist von einem Vampir angegriffen worden. Ein Jungvampir namens Slez…“

„Slez? Ja super…klingt nach deiner Seite der Familie Kao.“ grummelte der Manager, ehe er seufzte und sich durch die Haare strich.

„Damsel hat ihn… oder sie hergeschickt. Anscheinend wird heute Nacht unser Bus angegriffen werden. Wir müssen uns vorbereiten.“

„Hast du auch eine Idee, wie wir das machen sollen?“ fragte der Manager weiter und Kaoru schulterte seine kleine Tasche mit der Shotgun drin.

„Oh lass das mal meine Sorge sein, ich kümmere mich um die Viecher. Ich schütze unseren Bus.“
 

Es hatte ein gefühlt ewiges hin und her mit Kyo gegeben, der Kaoru die Idee austreiben wollte, doch hatte der kleinere Mann schnell merken müssen, in dem Fall, war Kaorus Sturschädel härter als seiner.

Der Highway war lang, leer und es war bereits dunkel. Es gab weit und breit nichts zu sehen als karges Ödland.

Kaoru hockte, mit der Shotgun in der Hand auf dem Dach des Busses und rauchte. Er wusste heute Nacht würde noch etwas passieren und es ließ auch nicht lang auf sich warten.

Ein Auto verfolgte sie mit ordentlichem Tempo und Kaoru konnte vier Personen im Inneren ausmachen, da es ein offenes Cabrio war.

Drei Frauen und ein Mann, der die Karre fuhr. Die Frauen waren ihm bekannt und Kaoru erhob sich. Er war bereit.

Das Auto kam näher und fuhr dann links vom Bus. Kaoru folgte und dann sprang die Erste der drei Frauen zu ihm auf das Dach.

Auch eine seiner Halbschwestern, ebenfalls asiatischer Abstammung nur war sie wesentlich älter als er und aus China.

„Hey Brüderchen.“ kicherte sie und sie zog zwei Kurzschwerter hervor, die sie am Rücken festgeschnallt hatte.

„Schön dich auch mal wieder zu sehen Hao.“ knurrte er und lud seine Waffe durch.

„Wie es scheint hat Damsel dich zum Mitspielen angeregt?“

„Oh du kennst mich, ich kann einem kleinen Massaker nie widerstehen. Und Japaner schmecken mir mehr als Amis.“ Hao leckte sich über die rotgeschminkten Lippen.

„Zuerst räum ich dich aus dem Weg und danach fress ich deine kleinen Freunde auf!“

Lachend stürzte sie sich mit ihren Schwertern auf Kaoru. Dieser schoss zweimal auf sie, doch Hao war flink, wich, trotz des kleinen Busdaches, geschickt aus und hieb mit den Klingen nach ihm.

Mit Mühe konnte er sie abblocken, packte ihre Handgelenke und versuchte die Klingen von sich weg zu drücken, als sie ein Bein hochriss und ihm damit ins Gesicht trat.

Der Gitarrist stolperte zur Seite und fiel um ein Haar vom Dach, während Hao sich nur elegant drehte, doch dann eine Schnute zog.

„Wegen dir ist mein Drachenkleid gerissen!“ jammerte sie und als sie aufsah hatte Kaoru bereits seine Flinte nachgeladen und erwischte sie an der Seite mit der Ladung, was ein ordentliches Stück aus ihr heraus riss.

„Oh das tut mir aber Leid. Ist dein Kleidchen noch okay?“ triezte er sie, während sie sich die Seite hielt und eine der Klingen fallen gelassen hatte, die der Fahrtwind vom Dach des Busses fliegen ließ.

Hao wich zurück, als schon die Nächste aufs Dach sprang und Kaoru einen Baseballschläger ins Gesicht hämmerte, was seinen Unterkiefer böse knacken ließ.

Knurrend spuckte er zwei Zähne auf das Dach und funkelte die Andere wütend an.

Frech grinsend Zeigte sie ihm erst ein Peacezeichen und dann den Mittelfinger.

„Na? Haste mich vermisst?“

„Oh ja und wie Lisa, jeden Tag frage ich mich, wann ich dich absolut krankes Miststück wiedersehe!“ purer Sarkasmus klang in Kaorus Stimme mit und sie kicherte nur amüsiert.

„Oh ich dich auch. Du kannst ja doch ganz charmant sein.“ Sie kam raschen Schrittes auf ihn zu, ihr Schläger zielte dieses Mal woanders hin.

„Lass mich dir meine Art der Liebe zeigen!“

Kaoru reagierte schnell und packte den Schläger, ehe sie ihm das Teil ins Gemächt zimmern konnte, entriss ihn ihr und schlug Lisa mit ihrer eigenen Waffe gegen die Kniescheibe.

Lisa jammerte und zog dann gleich mehrere Messer, ihr Blick wieder frech und auch Irre. Sie war etwas gestört seit sie mal von einem fahrenden Zug erwischt worden war.

Mit den Messern in der Hand ging sie auf Kaoru los, hielt zwischen jedem Finger eine Klinge.

Sie hieb immer wieder nach ihm, zerriss seinen Hoodie, zerschnitt seine Haut auf Brust und im Gesicht und trieb ihn immer weiter zurück.

„Fall und werd überfahren!“ Lachte Sie, trat und schlug nach ihm, ihre Klingen bohrten sich in seinen Bauch und sie drückte weiter zu, in der Hoffnung er würde vom Bus stürzen, doch Kaoru ließ sich auf den Rücken fallen.

Er stellte dabei einen Fuß ihn ihren Magen und katapultierte Lisa über seinen Kopf hinweg und über den Rand des Busses.

Das Gefährt ruckelte heftig, als es über die Dhampirin fuhr und blutige Reifenspuren auf der Straße hinterließ.

Kaoru rappelte sich auf, als sich Hao wieder auf ihn stürzte.

In blinder Wut schlug sie nach ihm und er wehrte alles mit dem Baseballschläger ab. Er linste an ihr vorbei zu seiner Shotgun. Er musste sie wieder haben.

Er verpasste der Chinesin einen stoß, eilte an ihr vorbei und bekam die Shotgun zu packen, als sich ihr Schwert nur wenige Zentimeter neben ihm ins Dach bohrten. Der Bus hatte einen Schlenker gemacht und nur deswegen hatte sie seinen Hals verfehlt, als er sich umwandte und schießen wollte, doch nichts passierte. Oh wieso klemmte das Mistding genau jetzt?!

Kaoru fluchte und rollte sich zur Seite weg, um einem weiteren Hieb auszuweichen und fiel so fast von Dach, hätte er nicht noch die Kante zu fassen bekommen.

Hao humpelte zu ihm rüber, strich ihr schwarzes Haar aus ihrem Gesicht und sah zu ihrem Halbbruder runter, der mit einer Hand versuchte nicht abzustürzen.

„Oh es wird mir nun eine Freude sein, da rein zu gehen und sie alle zu töten.“ Lachte sie, rammte ihr Schwert wieder ins Dach und fing an es wie eine Konservendose zu öffnen.

„Erst nehm ich mir den kleinen Shinya vor. Ich esse Süßes immer zuerst. Dann der mit den langen tollen Haaren und dann der große schöne Toshiya.“ Sie summte fröhlich vor sich hin, während Kaoru versuchte sich hoch zu ziehen.

„Und zuletzt knöpfe ich mir den kleinen Schreihals vor und werde ihm die Stimmbänder heraus rupfen, seine Lungen aufspießen und dich dabei zusehen lassen. Was glaubst du passiert zuerst? Wird er ersticken oder verbluten?“

„DU WIRST SIE NICHT ANRÜHREN!!“ Kaoru raffte sich auf, kletterte, nachdem er die Schuhe abgeworfen hatte, auf das Dach zurück und stürzte sich auf die Andere, die zwar ihre Klinge dadurch in seinen Bauch bohrte, doch Kaoru war es egal.

Sie wollte ihn reizen, sie wollte ihn zur Weißglut treiben, dann sollte sie nun auch mit den Konsequenzen leben.
 

Damsel war nun auch auf das Dach geklettert, nachdem sie Hao hatte schreien hören und sie stockte, als sie die Szene vor sich sah, die sogar für Dhampire eher ungewöhnlich war.

Kaoru starrte sie mit blutroten Augen an, die Zähne tief in Hao’s Hals vergraben, die mit leeren Augen gen Himmel starrte.

Der Gitarrist ließ nicht mal los, als er sich erhob, sondern riss den Hals seiner Halbschwester nur weiter auf und spuckte die Hautfetzen einfach in den Wind, ehe er die letzte der Dhampirinnen fokussierte.

Damsel war für einen Moment sprachlos, ehe sie ihre Pistole zückte und drauf los schoss, als Kaoru, mit Haos Schwert bewaffnet auf sie los ging.

„Du widerliche Missgeburt!“ Knurrte die Rothaarige, als Kaoru ihre Waffe beiseite drückte und nach ihr schnappte. Etwas menschliches war aus seinem Gesicht und seinen Augen verschwunden und sie fragte sich, war ihr Bruder hier wirklich ein normaler Dhampir?

Erneut schnappte Kaoru nach ihr, als sie zurück sprang und auf Distanz blieb. Kaoru beobachtete sie genau dabei.

„Das du zu sowas niederem fähig bist.“ Fauchte sie und deutete auf Hao, die zwischen ihnen lag.

„Du hast deine Schwester getötet!“

„Halbschwester.“ Korrigierte Kaoru sie knurrend, während ihm Blut aus dem Mund lief, das in langen dünnen Fäden vom Fahrtwind auf dem Dach des Busses verteilt wurde.

„Du bist widerlich. Vater wird dich dafür bezahlen lassen du…“

„DAMSEL! WIR SIND SOWEIT!!“ Rief ihr Fahrer ihr zu und sie grinste frech, ehe sie sich abwandte und vom Bus sprang.

Kaoru sah zu ihr, sah wie sie sich im Wagen zurückfallen ließ und eine Fernbedienung zückte.

Im nächsten Moment gab es einen ohrenbetäubenden Knall, als der Bus unter Kaorus füßen in die Luft gesprengt wurde und der Gitarrist in den Dreck geschleudert wurde.
 

Damsel lachte schallend, fühlte sie sich doch sicher, den Sieg errungen zu haben, als auf einmal das laute Hupen eines Busses zu hören war.

Ihr Fahrer trat in die Eisen und sie wurde in ihren Gurt gedrückt, als aus dem Nichts, offenkundig lange querfeldein fahrend, ein noch größerer Bus erschien, der sie von der Straße abdrängte.

Der Wagen knallte gegen eine kleine Felsformation und Damsel fauchte wütend, als der Bus langsamer wurde, Kaoru auf das Dach sprang und dann wieder Gas gab.

„Er hat mich also verarscht!?“ Knurrte sie, als wäre es nicht offensichtlich gewesen.

„Na warte Brüderchen! Wir sind noch nicht fertig!“
 

Im Bus waren alle mehr als nur angespannt, als Kaoru zu ihnen stieß und er dem Fahrer nur befahl so schnell wie er nur konnte weiter zu fahren, ehe er sich den zerschlissenen Hoodie auszog und in seine Koje kriechen wollte, doch Kyo hielt ihn zurück.

„Was ist passiert?!“ wollte er wissen, doch der Ältere schob ihn lediglich beiseite und fiel in sein Bett, beschmierte alles mit seinem Blut und gab einen Fick drauf.

Die Band sah zu Kenji, der mit im Bus war, der aber nur aufstand und den Vorhang zu Kaorus Koje schloss.

„Es ist alles gut. Er würde nicht schlafen, wenn ihr nicht sicher wärt.“ versicherte er ihnen und Toshiya hob den völlig zerrissenen und blutigen Hoodie auf.

„Das nennst du alles gut?!“ fragte der Bassist aufgebracht, ehe Kenji ihm das Ding abnahm und sicher verstaute.

„Ja, es ist nun alles gut. Beruhigt euch. Morgen sind seine Wunden verheilt. So war es schon immer.“ Er sah zu Die, der auf der kleinen Couch lag und dort zu schlafen versuchte.

„Anders als bei dir, das wird dauern. Sind zum Glück nur Kratzspuren.“

„Ja...da fühle ich mich direkt besser nur BEINAHE von so einem komischen….ABARTIG HÄSSLICHEN Viech entführt und gefressen worden zu sein! Danke dafür Kenji! Wo ist mein Jack Daniels?!“ Die streckte sich zum kleinen Tisch rüber und trank einen Schluck direkt aus der Flasche, ehe er es sich wieder bequemer machte und die Decke über den Kopf warf.

„Bringt mir jemand mein Schmusi aus meiner Koje?“ fragte er und Toshiya brachte Die ein altes, extrem unförmig aussehendes Kuscheltier und eine zweite Decke.

Das Plüsch verschwand unter der Decke in Dies Armen, der nun auch endlich schlafen konnte und die übrigen sahen sich an.

„Was nun?“ fragte Kyo und Shinya gähnte.

„Okay, geh ins Bett Shinya, ich komm dann auch gleich nach…“ Der Sänger sah noch einmal zu Kaorus Koje, aus der, ein blutverschmierter Arm raus hing, doch Kenji hielt ihn zurück, als er zu ihm rüber wollte.

„Lass ihn jetzt einfach Kyo.“ mahnte der Manager ihn.

„Er braucht die Ruhe um seine Wunden zu heilen, wenn wir ihn nun stören wird sich das nur weiter verzögern. Geh nur ins Bett, ich passe hier schon auf.

Etwas widerwillig kletterte Kyo in seine Koje und fragte sich, wieso er immer die obere bekam, wo er doch der Kleinste der Band war und rollte sich in seiner Bettdecke ein.
 

Kenji weckte Kyo am nächsten Morgen mit einer frischen Tasse Kaffee und der Sänger glitt aus seiner Koje, ging erst mal ins Bad und setzte sich dann verschlafen auf die kleine Couch, auf der Die nun saß anstatt lag und den verletzten Fuß über die Armlehne baumeln ließ.

Toshiya und Shinya wurden bald dazu geholt und Kenji warf einen kurzen Blick in Kaorus Koje, ehe er den Vorhang wieder schloss und sich zu ihnen setzte.

„Sieht nicht schön aus, aber er wird wieder.“ murmelte er leise und die Anderen sahen ihn verwundert an.

„Definiere das.“ murmelte Kyo, die halbe Nase in der Tasse und ihr Manager gönnte sich erst mal selbst einen Schluck.

„Wenn ihr schon mal nen Horrorfilm gesehen habt, also einen westlichen und dort ne Leiche rumlag, dann wisst ihr was ich meine. Kaorus Schlafzustand ist eher komatös. Ich weiß nicht wie Dhampire und Vampire das machen, aber sie stellen alle Körperfunktionen komplett ab, die sie im Schlaf nicht brauchen. Wenn der Körper sich auf die Wunden allein fokussieren kann, dann heilen sie schneller und er wird eher wieder aufwachen.“ Kenji trank weiter seinen Kaffee und beäugte Kyo von der Seite, der die ganze zeit über zum Gitarristen guckte und offenkundig zu ihm wollte.

„Kyo sag mal, wieso bist du seit neustem so an ihm interessiert?“ fragte der Manager ruhig und goss sich Kaffee nach.

„Ist es, weil er sich offenbart hat? Bist du so neugierig?“

„Ja… ja das auch…“ Kyo wandte sich dem Kaffee zu und rührte darin herum.

„Ich wundere mich einfach, wie wir wirklich alle rein gar nichts bemerken konnten… nach fast 20 Jahren…“

„Er hat uns auch fast nie an seinem Privatleben teilhaben lassen.“ grummelte Die und drückte sein Schmusi ansich. Was es war, das konnte keiner mehr genau erkennen. Ein komisches Graues Stoffding, was bestimmt mal ne andere Farbe gehabt hatte.

„Was Dhampire wohl in ihrer Freizeit machen?“ murmelte Shinya und sah nun auch zur Koje.

„Meinst du er ist in dem Punkt wie wir?“

„Hey, er mag kein Mensch sein, aber er ist immer noch menschlich. Sicher ist es da nicht anders als bei uns.“ Warf Kyo ein und blickte wieder zur Koje.

Kaoru hatte den Arm wieder reingezogen und ein Stöhnen war zu vernehmen. Er war also wach.

Kenji erhob sich und öffnete eine Kühltasche, die er mitgebracht hatte.

Die Band beobachtete ihn, als er einen Blutbeutel hervor holte und damit zur Koje ging.

Kaorus Arm schnellte hinterm Vorhang hervor, ergriff den Beutel und leerte ihn so schnell, er reichte Kenji das leere Ding in unter 2 Minuten.

„Kannst du aufstehen?“ fragte Kenji, doch aus der Koje war nur ein dunkles Knurren zu hören.

„Lass dir zeit.“

Der Manager ging zurück zu den Anderen.
 

Gegen Mittag machten sie an einer Raststätte halt um sich zu stärken, die Beine zu vertreten und zu rauchen. Kyo stand abseits, eine Zigarette im Mundwinkel, als die automatischen Türen ihres Busses aufgingen und Kaoru aus dem Gefährt gestolpert kam. Er sah wirklich elend aus, sein Haar war ein Nest, sein Gesicht war von tiefen Schnittwunden gezeichnet und von Hämatomen überzogen, seine rechte Gesichtshälfte war besonders angeschwollen, als habe man ihm etwas ins Gesicht geschmettert. Er hatte sich ein lockeres Shirt übergeworfen und kam Barfuß zu ihnen raus.

Er sah sich kurz um, sah die Band was essen und Kyo abseits stehen und gesellte sich zum Sänger, für eine Kippe.

„Hey…“ murmelte Kyo und versuchte nicht zu doll in das ramponierte Gesicht des Anderen zu gucken.

„Hey…“ Kaos Stimme war kratzig, als er sich eine Kippe anmachte und den Anderen zuwinkte.

Kyo zog an seiner Zigarette und folgte Kaorus Blick, ehe er zu ihm hoch sah.

„Wie gehts dir?“

„Also abgesehen von meiner demolierten Visage gehts mir ganz gut…“ Murmelte der Dhampir und es sah komisch aus, ihn so beim rauchen zu beobachten.

„Du siehst aus als hätte man dich mit einem Baseballschläger verhauen.“

„Hat man ja auch…meine bekloppte Halbschwester…“

„Wieviele Halbschwestern hast du?“ fragte der Sänger und sah wieder zu ihm hoch.

Kaoru wandte den Blick gen Himmel und Kyo sah seinem Blick an, er überlegte.

„Also von denen ich weiß… 15…nee… nach gestern nur noch 13.“

„Du hast deine Schwestern getötet?“

„Halbschwestern. Und ja, ich habe zwei von ihnen gestern getötet.“ Kaoru zog noch einmal an seiner Kippe und seufzte leise.

„Sie hatten es nicht anders verdient… Sie hätten Euch getötet und das kann und werde ich niemals zulassen.“

„Sind wir dir wirklich so wichtig?“ fragte Kyo und erntete einen verwunderten Blick, aufgrund dieser offensichtlich dummen Frage.

„Natürlich seid ihr das. Ich habe euch sehr lieb. Ihr seid mehr eine Familie für mich als jeder andere auf dieser Welt. Nie habe ich mich unter Menschen so wohl gefühlt wie mit euch. Warum fragst du sowas? Was beschäftigt dich so sehr Kyo?“

Der Sänger schwieg für einen Moment und sah dann wieder zu Kaoru hoch.

„Warum hast du mir damals, als Kind, das Leben gerettet? Du kanntest mich doch gar nicht… du warst verletzt, mein Blut hätte dich gestärkt und dir einiges an Schmerzen erspart…Mich hätte keiner so schnell gefunden da oben…“

„Du warst ein Kind…“ Murmelte Kaoru leise und sah zu ihm runter.

„Ein trauriger kleiner Junge, zu jung um schon so dunkle Gedanken zu haben. Ich konnte dich nicht sterben lassen.“

„Du hast es nie zugelassen, dass ich gehe…“

„Und ich werde es auch niemals zulassen. Egal was kommt Kyo, ich bin immer für dich da und ich beschütze dich und die Anderen bis zum bitteren Ende.“

„Wow… was müssen wir tief in deiner Schuld stehen.“

Kaoru lachte kurz auf, als Kyo ihm seine Hand vor die Nase hielt.

„Hunger?“

Der Dhampir wich etwas zurück und schüttelte den Kopf.

„Kyo, das kann ich niemals annehmen. Biete mir niemals dein Blut an.“

„Wieso? Stinke ich?“ Kyo sah ihn verwundert an und schnupperte an seinem Handgelenk, was Kao wieder zum lachen brachte.

„Nein, dein Blut riecht hervorragend, genau wie du selber. Aber ich kann das nicht annehmen. Ich würde dir dadurch nur Schaden zufügen und das ist das Letzte was ich will.“ Er strich Kyo durch die Haare.

„Aber danke für das Angebot.“

„Kann man dich denn für einen Kaffee begeistern?“ Shinya kam mit einem heißen Becher Kaffee für Kaoru zu ihnen herüber und der Leader nahm dankend an.

„Du siehst noch arg ramponiert aus.“ murmelte der Drummer und Kaoru grinste etwas, offenbarte dabei auch die Zahnlücke, wo sich langsam schon neue Zähne bildeten.
 

„Sag mal Kao…“ Shinya schlenkerte mit den Beinen herum, als sie alle wieder im Bus waren und die Fahrt fortsetzten.

„Wer von uns riecht für dich am besten?“

„Kommt drauf an, während und nach ner Show riecht ihr alle toll.“

„NACH der Show?“ Toshiya hob eine Augenbraue.

„Ja, nach der Show, das Blut rauscht nur so durch eure Adern, euer Hormonpegel ist hoch, ihr seid dann am wildesten und am Verlockensten.“

„Und wen würdest du am ehesten von uns…Anknabbern?“ wollte Die wissen, der von seinem Handy aufsah.

„Kyo.“ kam es wie aus der Pistole geschossen.

„Hä? Aber du sagtest doch eben noch, dass du…“

„Kyo ist am kleinsten, also wehrt er sich am wenigsten, wenn ich ihn einfach hochhebe und wegtrage.“

Kyo sah zum Gitarristen hoch, der frech grinste.

„Ich tret dir gegens Schienbein, verlass dich drauf.“

Bis sie den Flughafen erreicht hatten, war es bereits wieder Nacht und Kaoru hatte die letzten Stunden auf dem Dach ihres Buses verbracht und hatte Ausschau gehalten, doch keine weitere Gefahr war zu sehen gewesen.

Konnten sie wirklich einfach so zurück nach Japan fliegen? Er traute dem Frieden nicht, doch versuchte er ruhig zu bleiben und positiv zu denken.

In Japan waren sie sicher, der Clan seines Vaters hatte dort keinerlei Einfluss. Dort beherrschten andere Vampire die nächtlichen Straßen. Es war auf eine makabere Art sogar schon fast wieder witzig. In Tokio, wo sie auch landen würden, beherrschten zwei Clans die Stadt, in ewigem Krach miteinander. Der eine Clan arbeitete, indirekt mit der Polizei zusammen, der andere mit der Yakuza. Ein ewiges, niemals wirklich enden wollendes hin und her.

Was aber den Vorteil hatte, dass die allgemeine Bevölkerung aus dem Streit raus gehalten wurde und wenn Yakuza und Cops auf direkte indirekte art zusammen arbeiten konnten, war das doch auch was schönes. Kaoru war ihnen schon ein paar mal begegnet, aber fremde Clans wollten nichts mit ihm zu tun haben und solange er sich ihrem Territorium nicht näherte oder gar wagte darin zu jagen, durfte er in Tokio machen was er wollte. Die Clans wussten nicht einmal etwas mit dem Gitarristen anzufangen und so hielt Kaoru sich aus allem heraus, was in den nächtlichen Straßen so vor sich ging.

Als sie in Tokio endlich landeten war es noch früh.

Die gähnte, während er auf einer Krücke durch den Flughafen humpelte, dicht gefolgt von Toshiya, der die Koffer für sie beide hinter sich her zog.

„Also ich will jetzt nur noch duschen und ins Bett…“ Jammerte der langhaarige Gitarrist und die anderen Bandmitglieder grummelten zustimmend, außer Kaoru, der gar nicht müde zu sein schien.

Draußen machte er sich eine Zigarette an und beobachtete, wie seine Bandmitglieder, einer nach dem anderen von Taxen abgeholt und heim gebracht wurden, bis nur noch er alleine am Flughafen stand und als letzter Heim gefahren wurde.
 

Seine aktuelle Wohnung war klein, aber geräumig und nach seinen Wünschen eingerichtet worden. Kaoru warf seine Tasche und den Koffer in die Ecke und ließ sich auf die Couch fallen. Er war froh endlich zuhause zu sein und hoffte so einen Scheiß wie auf dieser Tour nie wieder zu erleben, als es an seiner Türe klingelte.

Wer konnte das denn nun sein? Er erhob sich von seiner Couch und ging zur Haustüre. Als er die Türe öffnete stand da doch tatsächlich Kyo und sah zu ihm hoch, Besorgnis im Blick.

„Was gibt es?“ fragte der Ältere verwundert. Er wusste, Kyo wohnte nicht zu weit weg von ihm aber es war noch keine Stunde her, dass sie sich verabschiedet hatten.

„Kaoru… bitte… bitte sag mir dass Inki bei dir ist.“ murmelte der Kleinere, die Wangen errötet und der Blick gesenkt.

„Ähm ja doch. Ich hab ihn eingepackt. Komm rein.“ Er ließ Kyo eintreten und schnappte sich seinen Rucksack und fing an etwas zu wühlen.

„Du bist eingepennt und es ist fast auf den Boden gefallen, ich dachte es wäre besser es sicher zu verstauen.“ erklärte er und zog ein wirklich hässliches Oktopus Plüschtier aus seiner Tasche und reichte es seinem Besucher.

„Tut mir leid, ich hab total vergessen, dass ich den hatte.“

Kyo nahm das Stofftier und drückte es kurz ansich, ehe es in die mitgebrachte Umhängetasche verschwand.

„Danke. Ich hatte schon Panik. Ich dachte ich hätte ihn verloren.“

„Warum hängst du nur so an diesem Ding…“ Kao sah ihn etwas verwundert an. Kyo hatte dieses Ding bei jeder Tour mit dabei, egal wohin es ging und das schon seit Jahren.

Der Sänger sah ihn nun auch verwundert an.

„Den hast du mir doch damals geschenkt. Damals, bei der aller ersten Tour hast du Inki aus einem dieser Kranautomaten geholt und mir gegeben.“

„Ach echt? Hab ich das?“ Kaoru grübelte und Kyo grinste.

„Lässt dein Dumplinghirn schon nach, nach all den Jahren?“ kicherte er und erntete einen verwunderten Blick des Älteren.

„Dumpling?“

„heißt deine Spezies nicht so?“

„Dhampir!“

„Oh verdhampt. Sorry, da hab ich mich wohl vertan.“

Kaoru sah ihn mit hochgezogener Braue an.

„Deine Wortwitze waren auch schon mal besser…Kaum sind wir wieder in der sicheren Heimat, glaubst du alles ist wieder gut…“

Der Gitarrist ging zum kleinen Balkon seiner Wohnung und sah raus auf die Stadt.

„Ist es in Tokio nicht sicher für uns?“ Der Sänger folgte ihm.

„Werden sie uns auch hier verfolgen?“

Kaoru schwieg und sah auf die Stadt. Unbewusst legte er dem Kleineren eine Hand auf den Kopf und strich kurz durch dessen Haar.

„Euch passiert nichts. Das hatte ich doch bereits gesagt. Wir machen weiter, wie immer, alles ist gut…“ Kyo sah zu ihm hoch und Kaoru grinste etwas.

„Soll ich dich nach hause bringen?“

„ich denke das schaffe ich noch.“ Antwortete der Sänger, der den Wink mit dem Zaunpfahl verstanden hatte, dass Kaoru etwas allein sein wollte.

Der Gitarrist begleitete Kyo noch bis zur Haustüre und dann war er auch schon wieder alleine.
 

Kaoru warf sich auf die Couch, machte den Fernseher an, doch bekam er das Programm dass er schaute, gar nicht so richtig mit, den er war in seinen Gedanken abgedriftet.

Obwohl bei der Tour niemand zu großem Schaden gekommen war, so war Dies Beinverletzung eine Verletzung zu viel.

Damsel hatte einen direkten Angriff gestartet, hatte ihren Fake-Bus mit sprengstoff versehen. Sie war also richtig versessen darauf seine Bandkollegen zu töten.

Aber was sollte er nur tun?

Er sah noch einmal diese Nacht vor sich und er schüttelte sich. Er hatte seine eigene Halbschwester gefressen. Er hatte Hao ihr Leben ausgesaugt.

Das war das erste Mal dass er etwas derartiges getan hatte, aber er musste sich gerade eingestehen, dass er es genossen hatte. Ihr Zappeln, ihr Schreien, ihre Versuche sich zu wehren, da sie gegen das Gift seiner Zähne Immun war, der unglaubliche Kraftschub, den er dadurch bekommen hatte. Nur geschmeckt hatte sie nicht. Es war ein unheimlicher Gedanke und eine noch unheimlichere Feststellung, dass er das Blut seiner Schwestern nutzen konnte. Ihr Blut war in der Lage ihn zu stärken. War das vielleicht etwas, weswegen Vater ihn zurück wollte? Dass er sowas nicht versuchte um ihn zu vernichten?

Im Grunde brauchte der alte Blutsauger keine Angst zu haben, Kaoru war nicht daran interessiert ihn zu vernichten oder dergleichen. Er wollte nur seine Ruhe haben. Er wollte nur sein Leben leben und nicht gestört werden.

War aber anscheinend zuviel verlangt gewesen.
 

Kyo fuhr, mit der Straßenbahn heim, hatte er doch nur zwei Stationen, die ihn und Kaoru von einander trennten.

Eine Hand war in seiner Tasche, die andere umklammerte die Haltestange und er versuchte sich auf seine Musik zu konzentrieren, aber irgendwie gelang es ihm nicht.

Ein seltsames kribbeln im Nacken gab ihm das Gefühl man würde ihn beobachten. Eigentlich war er das gewöhnt, wenn irgendwelche Fans ihn erkannten, dass er dann angeguckt wurde, aber jetzt gerade fühlte es sich anders an. Er mochte das Gefühl ganz und gar nicht und so flüchtete er regelrecht aus der Bahn, kaum dass die Türen aufgegangen waren und er eilte von der Station und Richtung Straße. Er hatte es sogar so eilig weg zu kommen, er wäre um ein Haar vor ein Auto gerannt, hätte ihn nicht ein Passant an der Kapuze gepackt. Das Auto fuhr nur wenige Zentimeter vor ihm vorbei und er konnte von Glück reden seine Nase noch zu haben, als er sich umwandte, ein schnelles: „Danke und verzeihen Sie die Umstände“ murmelte und dann weiter zu seiner Bleibe eilte.

Er stieg die Stufen rauf, bis in den achten Stock und schlug die Türe hinter sich zu.

Was war denn nun los? Wieso war er auf einmal so paranoid? Er guckte durch den Türspion, doch natürlich war da niemand.

„Ich bin sicher nur übermüdet.“ entschied er und nun da er Inki wieder hatte, konnte er sich guten Gewissens ins Bett begeben.
 

Die Nacht brach über Tokio herein und Kaoru verließ seine Wohnung über den Balkon, wie so oft und ging auf die nächtliche Jagd.

Die Jagd war aber nicht das, was man sich darunter im normalfall vorstellen würde, denn der Dhampir steuerte eine Bar an, die gut versteckt in einer Seitenstraße des Amüsierviertels zu finden war.

Er klopfte gegen die Türe, an der ein Schlitz geöffnet wurde, durch den er allerdings seinen Arm stecken musste, ehe die Türe entriegelt wurde und er reingelassen wurde.

„Lang nicht gesehen.“ murmelte der Türsteher ruhig, ehe Kaoru durch den dunklen Gang in den Barbereich ging.

Im inneren befanden sich schon einige Gäste, die nur kurz aufsahen, als er rein kam. Dhampire, Vampire aber auch Menschen waren hier zugegen, die wenigen Sterblichen, die sich mit den Untoten zusammen schlossen.

Manchmal, wenn ein Clan zu wenig Dhampire besaß, war es von Nöten Menschen zu rekrutieren. Da Menschen materieller waren als Dhampire, war es nicht schwer sie zu Handlangern zu machen. Man versprach ihnen das Geld und alles was die Beute besaß und schon waren sie bereit Lockvögelchen zu spielen.

Wie bei den Dhampiren auch, waren es in der Regel junge, hübsche Frauen oder auch gerne mal zurecht gemachte, hübsche Burschen.
 

Kaoru ignorierte die neugierigen Blicke einiger Frauen im Raum und setzte sich an die Bar.

„0 Positiv.“ Murmelte er und der Barmann, der ein Mensch, etwa ende 40 war goss ihm ein.

„Warst ganz schön lange weg.“ ließ er den Gitarristen wissen, der einen Schluck nahm und seufzte.

„Amerikatour.“

„Ach ja, du bist ja in dieser Band…“

Ja, der Unterwelt entging sowas gerne einmal, auch wenn gerade Musik von Dir en Grey im Hintergrund zu hören war.

„Du siehst gestresst aus. Nerven dich deine kleinen Menschenfreunde?“ Der Barmann schenkte nach, nachdem Kaoru sein Glas auf ex leer trank.

„Es liegt nicht an denen, ich hab meine Freunde einigermaßen im Griff. Es geht um etwas anderes.“ Kaoru leerte sein Glas erneut und wischte sich mit dem Ärmel über den Mund.

„Ist Takihara hier?“

Als der Name fiel wurde es gefühlt still in der Bar und auch etwas kälter, wie es schien.

„Was willst du denn von dem?“ fragte der Barmann nun etwas besorgt und linste immer wieder zu der VIP-Türe rüber, ein klares Zeichen für Kaoru, der Dhampir den er suchte war hier.

„Das ist ja wohl meine Sache. Also, ist er hier?“

Der Mensch vor ihm seufzte und zog ein Telefon hervor.

Kaoru beobachtete ihn, während der Mann, offenkundig mit der Person sprach, die er treffen wollte, so krank es auch war.

„Okay, er will dich sehen.“ Sagte der Barkeeper nun und Kaoru erhob sich und wurde von Zwei Vampiren Flankiert in den VIP-Bereich begleitet.

Der VIP-Bereich war rot beleuchtet, es rekelten sich eine Menge Frauen auf dem Boden und auf den Möbeln, es lief leise Jazzmusik und die Vampire, wie zwei stämmige Gorillas ließen ihn die letzten Meter alleine gehen, ehe er vor dem Mann stand, den er gesucht hatte.

Masao Takihara war einer der wenigen männlichen Dhampire Tokios. Er hatte sich mit Geschick und Tücke die Yakuza unter den Nagel gerissen, die er nun mit seinem Clan teilte. Unter den Menschen, aber auch seinesgleichen war er gefürchtet und es war schon nicht gerade selten vorgekommen, dass er Dhampire aus dem Weg geräumt hatte, die ihm dumm kamen.

Der ältere Dhampir sah auf und erhob sich aus seinem bequemen Polster, schob dabei die Ladies von seinem Schoss und kam auf Kaoru zu. Der Yakuza war ein gutes Stück größer als Kaoru. Sein Gesicht war von Narben gezeichnet, die er nur zur Show präsentierte, um andere abzuschrecken. Wobei sein wirklich schlecht zusammenpassendes Outfit aus Lila Jackett, giftgrünem Hemd und Lila Hose mit magentafarbenen Schuhen schon abschreckend genug war, wie Kaoru empfand, doch er sagte nichts und ließ sich von dem anderen umrunden, der immer mal wieder näher kam und an ihm schnupperte.

„Hätte nicht gedacht einen anderen hier anzutreffen.“ knurrte er leise, eine eindeutige Anspielung an Kaorus Geschlecht.

„Was führt dich gerade zu mir?“ Takihara nahm wieder in seinen Polstern Platz und musterte Kaoru eingehend mit seinen roten Augen.

„Ich will lediglich eine Warnung rausgeben.“ sagte Kaoru und die Damen fingen an zu kichern.

„Wovor will ein unbedeutender Dhampir wie du mich bitte warnen?“ Takihara warf seine blondgefärbten Haare zurück und spielte mit seinen langen Nägeln am Hals einer der Mädchen herum, die sich an ihn schmiegte.

„Was sollte es schon für eine Gefahr geben?“

„Ein amerikanischer Vampir wird seine Dhampirtöchter nach Tokio schicken, um etwas zu suchen.“ Kaoru trat nur einen kleinen Schritt vor. Er wusste, er musste klug und geschickt taktieren, oder Takihara würde ihm die Kehle rausreißen. Der Dhampir vor sich war berüchtigt und sogar unter Vampiren gefürchtet.

Der Blonde sah auf und ließ von dem Mädchen ab, das etwas enttäuscht zu sein schien und wies Kaoru an fort zu fahren.

Dieser tat sein Bestes, die Geschichte so detailarm wie möglich zu erzählen, doch hatte er das Gefühl, es war nicht gut gewesen her zu kommen, denn die Augenbrauen des Anderen zogen sich zusammen und er erhob sich erneut, in den Händen etwas, was man nur als sehr große Nadeln bezeichnen konnte.,

„Und das haben wir nun nicht zufällig dir zu verdanken, wenn fremde Dhampire und Vampire durch mein Territorium streunen?“

„Sie haben es auf meine Band abgesehen…“ Kaoru bewegte sich nicht, als die langen Nadeln über sein Gesicht und seinen Hals wanderten.

„Und was ist es nun, was du von mir willst?“ Takihara verweilte hinter dem Gitarristen, eine Hand auf dessen Schulter, das Gesicht sehr nahe an seinem rechten Ohr und nahezu in Kaorus langen dunklen Haaren vergraben.

„Schutz. Schutz für meine Bandkollegen vor Fremden Vampiren und Dhampiren…“

„Hmm und was krieg ich dafür?“ Der Blonde Dhampir machte es nur zu deutlich klar, was er wollte und Kaoru schüttelte sich etwas. Der Kerl war auf seine ganz eigene Art ekelig ohne dabei unattraktiv zu sein.

„Was immer Sie wollen.“ Kaoru wusste, er würde es irgendwann bereuen, aber gerade war es ihm egal.

„Richtige Antwort Kleiner.“ Takihara leckte ihm über den Hals und knurrte dunkel.

„Fürs erste, ein Teil deines Blutes, damit ich genauer weiß, womit ich es zu tun bekomme und anschließend will ich deine Treue!“

„Wenn es mit dieser Band zu ende geht, bin ich ganz Ihres…“ murmelte Kaoru, ein Pakt, fast so schlimm wie mit dem Teufel höchst selbst.

„Nun das klingt ja, als wären wir uns sofort einig geworden, sehr schön.“ Der ältere Dhampir strich ihm durch die Haare, ehe er sie grob packte, Kaorus Kopf zur Seite zog und zubiss/zustach. Der blonde Dhampir hatte nur einen scharfen Giftzahn, daher dienten seine langen Nadeln auch als Ersatz dafür und er zog einige gütige Schlücke aus Kaorus Hals, dem das so gar nicht gefiel, aber still hielt. Das leise Fauchen konnte er nicht unterdrücken, doch schien es den anderen nicht zu stören.

Er merkte, die Hände von Takihara suchten den Saums seines Shirts, doch gab er schnell frustriert auf und sah über Kaorus schulter hinweg nach unten.

„Alter, ist das ein Kleid oder ein Pulli?“ jammerte der Yakuza genervt, doch bekam er ein charmantes Grinsen von Kaoru, der sich elegant aus den Armen des Anderen befreite.

„Wäre doch langweilig, wenn Sie schon jetzt alles herausfinden würden oder?“ Zu seinem Glück grinste Takihara und zog ihn wieder zu sich.

„Stimmt, aber Wehe du hältst dich nicht an deinen Teil der Abmachung. Deine Subjekte sind Markiert?“

„Ja, alle vier.“

„Sehr gut und jetzt ab mit dir! Ich befasse mich später mit dir.“

Kaoru ließ sich das nicht zweimal sagen und verließ die Bar ganz schnell wieder.

Draußen war erst einmal eine Zigarette von Nöten und er ging durch die nächtlichen Straßen und zurück zu seiner Wohnung.

„Ich hab vergessen die Drinks zu zahlen…“
 

Es zogen einige Tage ins Land und Kaoru fand einen einigermaßen ruhigen Alltagstrott, wohl wissend dass er immer und überall beobachtet wurde, denn Takiharas Leute und er selber, waren irgendwie immer irgendwie da, wo Kaoru war.

Mit zwei Tüten verließ er ein kleines Geschäft, als ihm doch tatsächlich Kyo begegnete, der sich immer und immer wieder umsah, einen völlig ausgelaugten Hund hinter sich herziehen. Man sah Punchan an, dass war ein zu schneller und hektischer Spaziergang gewesen und Kaoru stoppte sie beide indem er Kyo in sich laufen ließ, der ihn gar nicht bemerkt hatte.

„Oh Verzeihen Sie, ich…“ Kyo sah auf und schob seine Kappe zurecht.

„Kao? Was tust du hier…“

„Ich war einkaufen…“ Der Ältere hob die zwei Tüten und sah zu Punchan, die sich am Wassernapf des Geschäftes bediente.

„Was machst du denn? Warum siehst du so abgehetzt aus?“ fragte er und Kyo wandte sich etwas unauffällig um.

„Der komische Kerl da hinten folgt mir schon, seit ich die Wohnung verlassen habe. Ich dachte ich könnte ihn abhängen, aber keine Chance…“

Kaoru sah nun auch auf und sah den kräftigen Mann, der Kyo verfolgte. Der Geruch war eindeutig, er war einer von Takiharas Männern.

„Halt mal.“ Kaoru reichte Kyo die Tüten und ging einfach zu dem Mann rüber, während der Sänger ihm verwundert hinterher sah.

Kaoru redete auf den Mann ein und wedelte dabei wild mit den Armen durch die Luft, was er öfters tat, wenn ihn etwas nervte. Der Mann vor ihm blieb erstaunlich cool und Kyo fürchtete, dass der Gitarrist gleich eins auf die Nase bekommen würde, doch der Mann vor ihm nickte nur, verneigte sich dann, sah in Kyos Richtung, verneigte sich erneut und zog ab.

Kaoru kam zu ihm zurück und nahm ihm die Tüten wieder ab.

„Na komm, lass gehen.“ sagte er ruhig und Kyo folgte ihm, nachdem er eine bockige Punchan hochgehoben hatte, die deutlich klarmachte, dass sie auf dieses Geziehe keinen Bock mehr hatte.

„Was hast du dem Kerl gesagt?“ fragte Kyo, doch Kaoru schwieg, ging mit Absicht schneller, damit der Sänger sich beeilen musste Schritt zu halten, nur um dann, bei der nächsten Kurve mit Takihara selber konfrontiert zu werden.

„Tagchen.“ grinste der Dhampir und Kaoru stoppte, wodurch sein Sänger in ihn lief und Punchan laut bellend rum meckerte, dass man so nicht mit ihr umgehen sollte, immerhin war sie eine kleine Prinzessin. Zumindest verwöhnte Kyo sie manchmal… nein eigentlich immer, wie eine.

„Was ist denn…“ Kyo schob sich vor und sah zu dem Mann hoch, der ihn betrachtete und grinste. Kyo merkte sofort, mit dem Kerl stimmte was nicht.

„Was gibt es?“ fragte Kaoru ruhig, als Takihara wieder zu ihm sah.

„Nix, war gerade in der Gegend und hab dich gerochen.“ er strich Kaoru die Haare hinter die Ohren und grinste dabei frech.

Kyo beobachtete das. Kaoru ließ sich von niemandem im Gesicht anfassen. Dass dieser Fremde, ihn so easy anfassen konnte und die vorherige Aussage nach zu urteilen, musste er wie Kaoru sein, also ein Dhampir.

„Sie sind auch so einer?“ fragte Kyo dann und beide Dhampire sahen zu ihm runter, während Punchan sich, in seinen Armen, zu ihrer vollen Größe aufbaute, was nicht viel war, um Kyo zu beschützen.

Sie knurrte leise, zitterte aber heftig als Takihara die Hand nach ihr ausstreckte und sie tätschelte, ehe er Kyo selber tätschelte, der sich nun etwas verarscht vorkam.

„Kluger kleiner Kerl.“ sagte er und beugte sich auf Augenhöhe runter, sein Grinsen zeigte seine scharfen Zähne.

„Er ist niedlich, Niikura.“ ließ er sie dann wissen und erhob sich wieder, den Blick wieder auf Kaoru gerichtet.

„Ich erwarte dich heute Nacht um 12 in der Bar. Wir müssen da was wichtiges besprechen und ich muss dir was zeigen.“

Kaoru nickte und Takihara zog ab.

„Wer war das?“ fragte der Sänger, doch erhielt er keine Antwort.

„Kaoru?!“

„Verdammt nochmal, musst du denn immer ALLES wissen?!“ fauchte der Ältere und Kyo stoppte, überrascht nun angemotzt zu werden.

„Ganz im Ernst, wieso interessiert es dich auf einmal?! Seit 20 Jahren hat dich NICHTS aus meinem Privatleben interessiert! Du weißt durch Zufall meine Adresse, du hast keine meiner letzten Freundinnen kennengelernt, ich bin sicher du wusstest nicht mal dass ich in den Letzten 2 Jahren drei Freundinnen hatte. Ich hab dich gern, aber wieso willst du auf einmal soviel wissen? Was interessiert es dich auf einmal?“

Kyo sah ihn nur einen Moment an, zog dann seine Kappe zurecht und schob sich an dem Älteren vorbei.

„Hast recht, dein Privatleben geht mich nen Scheißdreck an.“ Knurrte er dann und setzte Punchan wieder ab.

„Man sieht sich.“

„So hab ich das nun auch nicht gemeint, du… ARGH!!!!“

Kaoru ließ Kyo ziehen und ging nach Hause, brachte seine Einkäufe in die Küche und verstaute alles, wobei er sich mal wieder fragte, wieso er einen voll funktionsfähigen Kühlschrank in seiner Wohnung hatte, wo er den doch gar nicht brauchte. Aber würde auch seltsam aussehen, wenn seine Wohnung und vor allem die Küche ohne Kühli wäre.

Zumindest das Eisfach konnte er brauchen und so öffnete er dieses und nahm einen Blutbeutel heraus.

Damit warf er sich auf die Couch und machte den Fernseher an.
 

Kyo war angepisst bis nach Hause gegangen, wo er erstmal Punchans Näpfe füllte und sich auf die Couch setzte.

Ja, wieso interessierte es ihn auf einmal so? Wieso hatte Kaoru auf einmal sein Interesse geweckt?

Er wusste es selber nicht.

Er griff nach seinem Telefon und rief ihren Manager an.

„Ja hallo? Was gibts denn Kyo?“ hörte er die Stimme des Anderen und machte es sich auf dem Sofa etwas bequemer.

„Hey Kenji, ich hab da mal ne doofe Frage.“

„Hau raus.“

„Läuft da was zwischen dir und Kaoru?“

Er hörte wie der Manager sich an seinem Getränk zu verschlucken schien und hustete.

„Bitte was? Was soll denn da laufen?“

„Naja, er hat dir sein Geheimnis anvertraut und uns nicht. Er hats uns nur gesagt weil du Druck gemacht hast…“

„Ach das meinst du. Nein, zwischen uns läuft nix.“

„Aber wieso vertraut er dir dann mehr als uns?“

Kenji fing an zu kichern.

„Ich hoffe du hast dir viel Zeit mitgebracht, das ist ne wirklich dumme Geschichte.“

„Oh, ich hab Zeit.“ versicherte der Sänger ihm und Kenji schwieg für einen Moment.

„Okay, also die Sache ist auch, er hat es mir zwar gesagt und anvertraut, aber ich habs schon vorher gewusst was er war.“ Begann Kenji zu erzählen.

„Ist mir auf einem eurer alten Konzertposter aufgefallen. Ich habs sehen können, weil ich schon ein Paar Mal mit Untoten zuvor zu tun hatte.“

„Du hast mit diesen Viechern zu tun gehabt?“

„Nicht direkt. Ich hab son bisschen den Van Helsing gemimt.“

„Dein Ernst jetzt?“ Kyo lachte kurz ins Handy, ehe er sich erhob und sich ne Coladose ausm Kühlschrank holte.

„Jupp. Wenn man erstmal ne Ahnung über die Rangordnung dieser Viecher hat, ist es nicht so schwer da etwas aufzuräumen. Es gibt da quasi drei Arten von Viechern, Vampire, Dhampire und Ghoule. Ghoule sind da am einfachsten auszuschalten und darum hab ich mich gekümmert damals.“

„Wie muss ich das alles überhaupt verstehen? Woher kommen diese Viecher? Ich dachte sowas gibts nur in Gruselgeschichten.“ Fragte Kyo verwirrt, den das ganze nur noch mehr verwirrte.

„Vampirismus ist kein Fluch oder so Kyo. Das ist einfach nur eine Mutation aufgrund eines Virus. Es ist nichts als eine Krankheit. Eine Seuche.“

„Aber dann muss das doch in der Theorie heilbar sein oder?“ fragte der Sänger und Kenji murmelte zustimmend.

„Eigentlich schon, aber ich hab keine Ahnung ob irgendwo auf der Welt noch geforscht wird. Vampire sind völlig vom Virus infiziert, aber der Unterschied zu so jemandem wie Kaoru ist, dass Vampire lebendig und meist erwachsen damit infiziert werden. Kaoru ist damit geboren, es ist ein Teil von ihm, daher bin ich nicht sicher, ob ein Heilmittel bei ihm wirken würde.“

„Und was sind Ghoule?“ fragte der Sänger weiter und Kenji seufzte.

„Das sind die Ärmsten Viecher dieses Planeten. Das sind Handlanger für Vampire, aber der wirklich niedersten Sorte. Damit sie brav und gehorsam bleiben wird ihnen immer nur eine winzige Menge Blut ihres Meisters verabreicht. Das reicht nicht für Verwandlungen, aber genug um die armen Schweine absolut süchtig zu machen.“

„Du hast also Junkies gekillt?“

„Kyo, wenn du so jemandem wie diesen Ghouls mal begegnet bist, dann weißt du, dass es keine normalen Junkies sind. Und ne Handvoll Dhampire hatte ich auch schon vor der Flinte. Ich hatte Kaoru schon eine Weile im Visier.“

„Also haste Shinya ausgenutzt“?

„Nein. Shinya und ich kannten uns bereits und ich hab den kleinen Chibi sehr sehr gern. Als der Managerposten quasi frei wurde, war das meine Chance, aber ich hatte ja keine Ahung dass Kaoru anders war und sich mir freiwillig offenbart. Und für einen Dhampir ist er eigentlich auch ganz nett, die meisten sind arroganter und widerlicher in ihrer Art. dagegen ist er super umgänglich.“

„Also habt ihr uns beide hinters Licht geführt?“

„Kyo, du musst verstehen, das war von Nöten. Kaoru hatte halt schiss davor, seine Tarnung zu verlieren, die für so lange gehalten hatte… Und nach allem was ich so gesehen habe von Euch kommt es einem wunder gleich, dass er die Beherrschung nie verloren hat.“

„Ja… ja stimmt…“ Kyo erhob sich wieder.

„Danke für die Infos Kenji, ich melde mich später nochmal, mir ist da gerade was eingefallen.“

„Äh...ja klar, kein Ding. Man hört sich Kyo.“ Der Manager legte auf und Kyo durchsuchte seinen DVD schrank und holte eine, schon etwas ältere DVD heraus. Eine Live Show von ihnen. Er wusste nicht mehr genau wieso er die hatte, doch er warf sie in seinen Player und startete sie.
 

Eine Weile spulte er nur durch, er war nicht wirklich an der alten Show selber interessiert. Er stoppte, als sein früheres Selbst anfing sich selber zu verletzen, bis frisches Blut nur so über seine Brust lief.

Kyo biss sich auf die Lippen, als er das sah. Er war, nicht beschämt oder so deswegen, aber es zu sehen löste etwas in ihm aus, was er nach wie vor nicht richtig benennen konnte.

Doch er riss den Blick von seinem früheren Selbst ab, ließ die DVD weiter laufen und sah zu Kaoru, der in seine Richtung sah. Trotz der Schlechten und dunklen Bildqualität konnte Kyo erkennen, mit was für gierigen Augen der Gitarrist über die Bühne wanderte und sich ihm mehr und mehr näherte, nur um dann wieder umzudrehen.

Die Haltung des Älteren war angespannt und Kyo spulte weiter, sah immer wieder, wie Kaoru sich näherte, doch wieder auf Abstand ging, je mehr Kyo sein eigenes Blut fließen ließ.

Wie gut war die Selbstbeherrschung dieses Mannes?

Kyo stellte die DVD aus und klappte seinen Laptop auf um online nach mehr Clips zu suchen und wurde doch tatsächlich auf Youtube fündig.

Die Clips sahen aus, wie mit Kartoffeln gefilmt, doch bemerkte er, fast immer das Gleiche Verhalten beim Älteren. Näherkommen und dann doch wieder abwenden, so als ringe er mit sich selber und Kyo fand es beachtlich. Nicht einmal nach den Shows hatte der Gitarrist ihm etwas getan.

Kaoru hatte sogar ziemlich oft seine Wunden versorgt, soweit Kyo sich erinnern konnte, denn die Jahre waren wie in dichten Nebel gehüllt.

Kyo klappte den Laptop zu und strich sich durch die Haare. Kaoru hatte eine unglaubliche Selbstbeherrschung.

„Er hatte soviele Chancen mich umzubringen.“ murmelte Kyo vor sich hin und betrachtete die vielen Narben an seinen Armen. Wie oft Kaoru wohl schon genascht hatte? Hatte er je sein Blut gekostet? Kyo wusste nicht wieso, aber er wollte dass Kaoru es probierte. Er hatte gesagt er rieche gut, hieß das dann, dass er auch lecker war?

„Woran denk ich hier?!“ jammerte der Sänger und warf sich mit dem Gesicht voraus auf ein Sofakissen und genau auf sein Handy, was er dort geparkt hatte.

„Au…“
 

Die Nacht zog über die Stadt und Kyo war, bei schlechtem gelieferten Essen, zuviel Bier und einem schlechten Film, auf der Couch eingeschlafen. Er lag auf dem Bauch, eine Bierdose entleerte sich nun auf seinem Teppich und Punchan hatte die restlichen Nudeln gefressen, die er nicht aufgegessen hatte.

Der Sänger rollte sich herum, fiel von der Couch und rieb sich verschlafen die Augen. Anstatt seinem weichen Fusselteppich, saß er auf einem alten, dunklen Holzboden. Verwirrt sah er sich um und er hob sich. Das war eindeutig nicht seine Wohnung.

Es war dunkel, kühl und ein schwerer süßlicher Duft hing in der Luft. Langsam tapste er mit seinen nackten Füßen durch den Raum, bis hin zur einzigen Türe die es gab.

Er drückte die schwere Messingklinke herunter und die Türe ließ sich quietschend aufdrücken. Vor ihm erstreckte sich ein langer dunkler Korridor. Kyo zögerte für einen Moment, doch in dem leeren Raum wollte er auch nicht bleiben und so ging er langsam und vorsichtig den Gang entlang.

Dieser erinnerte an alte, europäische Herrenhäuser aus dem neunzehnten Jahrhundert. Dicke, dunkelgrüne Tapeten mit floristischem Muster drauf, vergoldete Bilderrahmen, die jedoch völlig leer waren und am ende des Ganges, eine weitere Türe. Je näher er der Türe kam, desto stärker wurde der blumig süße Duft.

Langsam schob er auch diese Türe auf und fand sich nun in einem Raum, der zugestellt war mit Blumenvasen.

Vorsichtig trat er ein und die schwere Eichentüre fiel hinter ihm krachend ins Schloss, wodurch der Sänger so sehr erschrak dass er eine der Vasen umstieß.

Er zuckte zusammen, als etwas stacheliges sein Bein streifte.

Die umgestoßene Vase war mit Rosen befüllt gewesen. Dunkelrote, fast schwarze Rosen mit den größten Dornen, die Kyo je gesehen hatte.

Er hob eine vom Boden auf und betrachtete sie genauer.

Obwohl er vorsichtig war stach er sich in den Finger und wie von selber bewegte sich der Blütenkopf der Rose zu seiner kleinen Wunde. Ihre weichen Blütenblätter streichelten den kleinen Einstich und Kyo war so verwirrt von dem, was da gerade passierte, dass er gar nicht merkte wie sich jemand durch den wahren Urwald aus Vasen und Blumen bewegte.

Er sah erst auf, als er den Schatten der Person an sich vorbei huschen sah. Er ließ die Rose fallen und folgte, warum auch immer, dem Fremden durch das Gewirr, das immer dichter und dichter zu werden schienen.

Mit den Armen strich er die zarten Pflanzen beiseite, wobei ihm auffiel, das waren fast alles giftige Blumen.

Er war kein großer Pflanzenkundler, aber hier und da erkannte er die ein oder andere Pflanze doch.

Als er im Begriff war etwas, ihm unbekanntes, beiseite zu schieben, packte ihn eine Hand an der Schulter und zog ihn zurück.

Kyo wurde mit dem Rücken gegen einen fremden Körper gedrückt.

„Vorsicht kleines Lamm.“ Sagte eine Stimme nahe an seinem Ohr. Eine Stimme die er natürlich sofort erkannte.

„Du willst doch nicht dem blauen Wolf zum Opfer fallen.“

„Kaoru?“ murmelte Kyo leise, als der Ältere ihn enger zu sich zog und mit der Nase durch Kyos haare glitt.

Seine Arme wanderten über die Oberarme des Sängers, ehe eine Hand sanft über seinen Hals wanderte, seinen Unterkiefer ergriff und seinen Kopf drehte.

Kyo bewegte sich nicht und ließ den Älteren machen, der nun mit der Nase und dann den Lippen über seinen Hals strich. Er spürte Kaorus kalten Atem und ein Keuchen entwich ihm, als er die spitzen Zähne des Dhampirs spürte, die seine Haut durchstachen.

Anders als Kaoru ihm gesagt hatte spürte er aber keinen lähmenden Effekt, sondern nur eine Gänsehaut, die seinen gesamten Körper entlang zu laufen schien, als der Gitarrist an der frischen Wunde sog.

Er wehrte sich nicht, er bewegte sich nicht. Er erlaubte diesen Verbotenen Kuss, der ihn immer wieder leise aufkeuchen ließ, doch seine Beine begannen nach einer weile zu zittern und als Kaoru seinen Hals losließ sackte er zusammen.

Der Andere hielt ihn problemlos fest, drückte den kleineren Mann an sich und Kyo sah zum ersten Mal mit verhangenem Blick zu ihm hoch.

Kaorus Haar war in einem Pferdeschwanz zusammengebunden worden. Seine Lippen waren tief dunkelrot vor Blut und seine Augen hatten die Farbe der Rosen angenommen. Er hob Kyo hoch und trug ihn durch das Blumenmeer zu einem weiteren Sofa aus dunkelrotem Samt und legte ihn dort ab.

Kyo sah noch immer zu ihm hoch. Er fühlte sich so müde und erschöpft und es kostete ihn viel kraft die Arme zu heben und nach dem Dhampir zu greifen. Er zog ihn am Kragen seines schwarzen Hemdes zu sich und Kaoru beugte sich über ihn, die blutigen Lippen kamen den seinen so nahe, Kyo konnte den Geruch seines eigenen Blutes wahrnehmen.

Der Gitarrist schwieg die ganze Zeit, beugte sich weiter über den Sänger, seine Lippen zielten auf die des Sängers.

Ihre Lippen trafen sich zu einem sanften Kuss, Kyo schmeckte sein eigenes Blut, spürte die Wärme des Lebenssaftes und Kaorus kalte Hände auf seiner Haut.

Er rutschte näher, wollte sich mehr an den Älteren schmiegen, sein Körper suchte nach Kontakt, als er auf einmal das Gefühl hatte zu fallen.
 

Mit einem dumpfen Geräusch fiel Kyo mit dem Gesicht voraus auf den Boden und stöhnte auf, ehe er den Kopf hob und sich die Nase rieb.

Punchan neben ihm bellte und es hallte so seltsam laut in seinen Ohren, dass er sich diese erst einmal zu hielt, um es auszublenden und sich daran zu gewöhnen.

Nur leicht öffnete er die Augen und sah sich um.

Das war seine Wohnung. Keine alteuropäischen Möbel, keine Dunkelheit, denn der Fernseher lief noch, keine Vasen, keine Blumen und kein süßer Duft, dafür lag der Geruch nach Bier, Nudeln und Hundepups in der Luft. Genervt stöhnte er auf, rappelte sich mühsam und noch schläfig auf und machte die Fenster auf.

Was war das gewesen? Was war das für ein seltsamer Traum gewesen?

Seine Hand strich über seinen Hals, doch der war unverletzt. Es hatte sich so echt angefühlt.

„Es muss am beschissenen Essen liegen.“ versuchte er es sich schön zu reden und ging raus auf den Balkon.

„Ich empfinde doch überhaupt nichts für Kaoru… zumindest nicht so…“ Redete er weiter auf sich selber ein, während er sich eine Zigarette anmachte.

Es war nur ein Traum. Nur ein dummer, sehr dummer Traum. Doch er entschied sich, nach der Zigarette, die Szenerie die er geträumt hatte teilweise zu notieren. Vielleicht ließ sich damit ja ein Musikvideo oder ein Song basteln.

Kaoru hatte sich rechtzeitig aufgemacht und war nun wieder im Nachtclub, wo an dem Abend nichts los war und nur Takihara und ein paar seiner Männer vor Ort waren.

„Schön dass du es geschafft hast Niikura.“ wurde er von Yakuza begrüßt, der heute einen Anzug trug, was tatsächlich mal okay aussah. Der Dhampir neigte so stark zu bescheuerten Farbkombis, dass Kaoru sich fragte ob der Andere nicht vielleicht farbenblind war.

„Was wolltest du mir zeigen?“ fragte der Gitarrist und bekam einen Drink gereicht, den er aber direkt wieder weg stellte.

„Du kommst direkt zum Punkt, das gefällt mir.“ der Blonde nickte seinen leuten zu, die eine gefesselte und mit einem Sack über dem Kopf verschnürte Person aus dem Nebenzimmer herein schliffen.

„Ich sagte ja, wir haben da was gefunden.“

Er nahm der gefangenen Frau den Sack vom Kopf und Kaoru schluckte hart. Er kannte sie.

Ehe jemand was sagen konnte, sprudelten wüste Beschimpfungen aus ihrem Mund in einem sehr stark akzent-lastigen Englisch.

Kaoru trat näher und hockte sich vor sie und sie stockte direkt, ihre Augen vor Unglaube geweitet.

„DU!“ Fauchte sie und schnappte nach ihm mit ihren scharfen Zähnen.

„Nur wegen dir steck ich in dieser Scheiße!“

„Weißte Catherine, nach so vielen Jahren an Lebenserfahrung hätte ich dich für klüger gehalten, als dumm Damsels Wünschen zu folgen.“

„Was hat die kleine Fotze damit zu tun?!“ Catherine konnte Damsel auch nicht leiden, weswegen Kaoru sich zuerst so gewundert hatte, dass gerade sie hier war. Catherine war alt. Sehr viel Älter als Kaoru und fast alle anderen Halbschwestern die sie so hatten.

Catherine war sogar schon so alt, sie war einst mit dem englischen König Heinrich dem Achten verheiratet gewesen.

Zumindest sagte sie das immer so, ob es stimmte, das hatte Kaoru nie interessiert, aber was ihn interessierte war der Grund ihrer Anwesenheit hier.

„Was hat dich nach Tokio verschlagen, wenn Damsel dich nicht schickt?“ fragte er sie und sie schnaubte etwas.

„Nun wenn du es unbedingt wissen musst, ich bin beruflich hier!“ sie funkelte böse zu Takihara hoch.

„Und der da ist a Rat sucking son of a bitch!“

„Was hat sie gesagt?“ knurrte der Yakuza nur und sah zu Kaoru, der natürlich alles verstanden hatte.

„Das du ein Rattenlutschender Hurensohn bist.“ murmelte Kaoru und der Blonde lachte.

„Ey, die gefällt mir.“

„Dann mach mich los!“ Catherine sah wieder zu Kaoru.

„ich bin wirklich beruflich hier. Ich hab mein eigenes Leben.“

„Ach und wieso wird dir das gegönnt und mir nicht?“ motzte Kaoru doch seine Halbschwester zuckte nur mit den Schultern.

„ich weiß es nicht, aber du warst ja schon früher immer Vaters kleiner Liebling.“

„ABER WIESO!? Was ist so besonders an mir?!“

„Tja wenn ich das mal wüsste.“ Catherine wurde von den Fesseln befreit und ging zu ihrem Bruder. „Hör mal, wenn du mir versprichst mich hier in Japan in Ruhe zu lassen, dann werde ich mal die Ohren etwas spitzen und gucken, ob ich was herausfinden kann.“ Erklärte sie ruhig und Kaoru sah zu ihr hoch.

„Das würdest du für mich tun?“

„Naja, eher um Damsel, der dummen Fotze eins auszuwischen. Ich konnte sie noch nie leiden. Und außerdem… auch wenn uns im Grunde nicht wirklich etwas verbindet, bist du immernoch mein einziger Bruder und ich verstehe deinen Wunsch in Ruhe leben zu wollen. Nicht jeder von uns kann und will ein Raubtier sein…“

„Ich wollte das nie… Das hat mir damals schon sauer aufgestoßen.“

„Dann lass die Alte Catherine Parr mal machen, ich krieg das schon hin.“ Sie reichte ihm eine Karte, mit ihren Kontaktdaten.

„Hier und gib mir mal deine Handynummer, es ist besser wenn wir in Kontakt bleiben.“
 

Takihara stand dazwischen und war nun sichtlich verwirrt.

„Wie jetzt? Sorry Lady, aber dieser kleine Kerl arbeitet schon mit MIR zusammen!“

Catherine musterte ihn mit hochgezogener Augenbraue.

„Er kann an deinem schlechten Kleidungsstil arbeiten, wenn man mich fragt und halt dich da raus! Das ist eine Familienangelegenheit.“

„Ich hab ihn um Hilfe gebeten, er gehört nun mit dazu.“ seufzte Kaoru und seine Schwester massierte sich die Schläfen.

„Wieso sind Japaner nur immer so komisch…“ jammer sie und sah dann zu Takihara, der sie rotzfrech angrinste.

„Tja… dann ist es wohl nun so. Kaoru, ich melde mich, wenn ich etwas erfahren habe.“ Sie wandte sich nun ab, trat Takihara mit ihren Heels auf den Fuß und verließ die Bar. Der Yakuza sah ihr grinsend nach.

„Die ist heiß.“
 

***
 

Es vergingen einige Tage, als Kyo bei Kaoru vor der Türe stand. Er wollte sich beim Älteren entschuldigen, dass er ihn so angeblafft hatte, auch wenn das etwas spät kam.

Er klingelte ein paar Mal, doch ihm wurde nicht geöffnet. Der Sänger legte das Ohr an die Türe und hörte drinnen aber dennoch den Fernseher laufen. Er war daheim.

Kyo sah sich rasch um und hob dann, nachdem er sich vergewissert hatte, dass ihn niemand sah, die Fußmatte auf und holte den Ersatzschlüssel hervor, der dort lag.

Ja, es war dumm, dass Kaoru dort einen Schlüssel hatte, aber wer sollte schon Einbrechen?

Ohne eine Chipkarte kam man überhaupt nicht in das Gebäude selber rein und Kyo war auch nur bis hierher gekommen, weil die nette alte Dame von unten ihn erkannt und mit rein genommen hatte.

Er schloss die Wohnungstüre auf, zog sich die Schuhe aus und schlüpfte in ein paar Pantoffeln, während er die Haustüre hinter sich zu zog und ging leise in die Wohnung des Älteren.

Es war ein wenig unordentlich, es war abgedunkelt und der Geruch von Blumen und Blut lag in der Luft.

Eine, wie Kyo fand, unheimliche Kombi.

Er ging bis ins Wohnzimmer vor, wo der Fernseher lief und Kaoru auf dem Sofa lag. Auf dem Tisch lag ein halbleerer Blutbeutel, der sich auf der Tischplatte entleerte und bereits anfing zu gerinnen, daneben stand ein randvoller Aschenbecher, eine leere und eine angefangene Schachtel Zigaretten und die Fernbedienung, die Kyo schnell außer reichweite nahm, damit das Blut nicht die technik ruinierte.

Kaoru selber lag auf dem Rücken, den Kopf zur Seite geneigt, ein Arm baumelte vom Rand des Möbelstücks genauso eins seiner Beine, während das andere leicht angewinkelt gegen die Rückenlehne ruhte.

Kyo schluckte etwas bei dem Anblick. Kaorus Augen waren nur halb geschlossen, doch er war ganz eindeutig am schlafen, auch wenn er in seiner Position und durch die fehlende Atmung aussah, als wäre er tot. Der Sänger wandte den Blick ab, irgendwie war es ungeahnt schwer, den Gitarristen so zu betrachten.

Er entschied sich besser wieder zu gehen und er war bereits auf dem Weg zurück zur Haustüre, als er hinter sich etwas hörte und als er sich umwand, wurde er angesprungen und zu Boden geworfen.

Kaoru war aufgewacht und hatte sich wie ein wildes Tier auf ihn gestürzt.

Der Dhampir hockte über ihm, die scharfen Zähne gefletscht und die Giftzähne ausgefahren. Ein dunkles, tiefes Knurren entwich ihm, während er Kyo offenbar ohne viel Kraftaufwand am Boden hielt.

„Argh… Kaoru, ganz ruhig, ich bins.“

„Kyo?“ Der Gitarrist kletterte von ihm runter und hockte sich neben ihn, während Kyo sich aufsetzte und sich den Hinterkopf rieb.

„Verdammt, schleich dich doch nicht so an…“

„Ich konnte doch nicht ahnen, dass du mich direkt versuchst zu attackieren.“ verteidigte der Sänger sich und sah zum Älteren. Kaoru seufzte und strich sich die Haare aus dem Gesicht.

„Sorry, ich wollte dich nun nicht erschrecken. Das war ein Reflex.“

„Ich dachte echt du schläfst…“ Kyo sah zum Älteren, der noch mit ihm auf dem Boden saß.

„Hab ich auch… aber… nicht sonderlich gut.“

„Ach du auch nicht?“

„Warum du nicht?“ Kaoru erhob sich nun endlich vom Boden und zog Kyo mit sich.

„Ich hab… seltsame Träume… von alten Herrenhäusern… giftigen Blumen und… einer Gestalt, die mich durch dieses Haus verfolgt.“ Kyo sah zum älteren, der sich mit ihm auf die Couch setzte.

„das klingt seltsam und doch interessant.“

„Auf jeden fall Seltsam. Wieso schläfst du nicht gut?“

„Ich schlafe nie gut. Zuviele Dämonen meiner Vergangenheit, die mich jagen… Zuviele Gesichter, die mir nachstellen, auch wenn sie vor Jahren starben…“ kaoru seufzte schwer und nahm den Blutbeutel vom Tisch zur Hand und trank daraus, auch wenn die Hälfte inzwischen auf dem Tisch verteilt war.

„Unsterblichkeit ist ein Fluch…“ Murmelte er zwischen zwei Schlücken, mehr zu sich als zu Kyo.

„Schlimmer als der Blutdurst?“ fragte der Sänger und Kaoru nickte.

„Viel schlimmer… Daran ist nichts erstrebenswert… Es ist Langeweile auf Dauer. Die Sache ist auch… Wenn du von etwas endlos viel hast, neigst du dazu es zu verschwenden… Ich habe soviele Jahre verschwendet, soviele Leute, die mir wichtig waren verloren, weil ich nicht realisiert habe, wie kurz ihre Leben doch sind…“

„Warum bist du dann noch da?“

kaoru sah zu dem Anderen, der seinen Blick erwiderte.

„Wenn dich das alles so angeödet hat… kam dir nie der Gedanke es einfach zu beenden?“

„Wenn das mal so leicht wäre, wie bei euch Menschen…zudem… hab ich auch etwas Angst vor dem Tod…“ Kaoru lehnte sich zurück und seufzte.

„Aber mal was anderes, was wolltest du überhaupt hier?“

„ich wollte….“ Ja was hatte er gewollt? Wieso überkreuzte und verknotete sich in seinem Hirn alles genug, um ihn vergessen zu lassen was er gewollt hatte?

Er sah wieder zu Kaoru hoch, der Gedankenverloren an die Wand vor sich starrte und am Blutbeutel nuckelte.

„Du hast es wieder vergessen?“ fragte der Ältere und sah nun wieder zu ihm. Kyo sah, er hatte die Zahnschienen nicht drin und er sah die Konturen der scharfen Zähne durch die Halbgeschlossenen Lippen des Anderen.

„Ich habs nicht vergessen es ist irgendwo da oben.“ Er tippte sich gegen den Kopf.

„Nur irgendwie… komm ich an die Info gerade nicht dran…“

Kaoru lachte kurz auf, kam näher und legte das Ohr an Kyos Stirn.

„Ja wenn man ganz genau hinhört, hört man wie Windows Explorer sich wieder aufhängt.“

„Fick dich.“ Lachte Kyo und schubste ihn von sich weg.

Kaoru lachte etwas, als er ein Sofakissen ins Gesicht bekam, was er direkt auf den Kleineren zurück pfefferte.
 

Was folgte war eine alberne kleine Kissenschlacht auf Kaorus couch, mit zwei kleinen Lila Sofakissen.

Keiner der beiden störte sich daran wie albern sie dabei aussahen und sie lachten nur noch lauter, als Kaoru das Gegnerische Kissen mit den Zähnen schnappte und es dadurch zerriss, wodurch sie beide nun mit Federn bedeckt waren und aussahen wie halb gerupfte Hühner.

„Oh verdammt, sind wir 5?“ lachte Kaoru und lehnte sich zurück, während Kyo es ihm gleich tat und sich mit dem Rücken gegen Kaorus Schulter lehnte.

„Sieht so aus.“ lachte er und sah wieder zum Älteren hoch.

„Du siehst gut aus, wenn du lachst…“

„Ach echt? Trotz der Zähne?“ Kao sah zu Kyo, der sich ihm wieder zuwandte und ihm eine Feder aus dem Haar zupfte.

„Die stören mich nicht… Irgendwie hat mich nie etwas an dir gestört Kao…“

„Oh…. Danke… Kann ich nur erwidern…“

„Obwohl ich so anstrengend und hässlich bin?“

„Du bist überhaupt nicht hässlich. Vergiss das endlich. Das Management von damals hatte doch keine Ahnung wovon sie sprachen.“ Kaoru legte einen Arm um Kyo und zog ihn etwas enger zu sich.

Der Sänger war etwas verwirrt und musste sich an den Schultern des Älteren festhalten, um ihm nicht auf den Schoss zu purzeln.

„Du findest mich nicht hässlich?“

„Ganz im Gegenteil Kyo, du bist ein hübscher Kerl und deine dunklen Augen faszinieren mich…“ Kaoru zog ihn noch etwas näher zu sich.

„Alles an dir fasziniert mich…“ Ein leises Knurren klang in Kaorus Stimme mit. Sie waren einander so nah, er spürte Kyos warmen Atem auf seinem Gesicht und nur minimal rückte er näher, der Blick auf die wohlgeformten und sicher sehr weichen Lippen des Sängers gerichtet, als auf einmal sein Handy so laut zu klingeln begann, dass sie beide vor Schreck von der Couch sprangen. Der Dhampir ergriff das Handy und nahm ab.

„Ja Hallo?“

Kyo beobachtete ihn und sah, wie sich seine Miene verfinsterte.

„Ja...ja okay, ich bin schon unterwegs…“ Er legte auf und sah seinen Sänger entschuldigend an.

„Ich muss los…“

„Ja… Ja schon okay… ich sag bescheid wenn ich gefunden habe, weswegen ich hier war.“ murmelte Kyo und grinste ein Süßes Grinsen und Kao ging zu ihm rüber und wuschelte ihm durch die Haare.

„Tu das, mein Warumono.“

„Ja… und Kaoru… wenn wir dir irgendwie helfen können… dann sag bescheid.“

Für einen Moment sah der Dhampir ihn nur an und nickte dann.

„Natürlich. Wir sehen uns.“ Damit Eilte er zur Türe und Kyo entging nicht, dass er eine Tasche aus dem Schrank geholt hatte, ehe er die Wohnung verließ und den Sänger alleine zurück ließ.
 

In dieser Nacht hatte Kyo erneut einen seltsamen Traum.

Anstatt in einem Herrenhaus befand er sich in einem dieser kunstvollen Hecken-Labyrinthen, die sich gefühlt jeder Adelige machen ließ, zumindest in den Filmen war es so und er irrte durch die Gänge um den Ausgang zu finden, als es hinter ihm raschelte.

Der Sänger wandte sich um. Der Weg den er gekommen war, wuchs in Rekordzeit mit blauen Blumen zu, die er in gefühlt jedem Traum sah und sich auch mal schlau gemacht hatte was das war. Wolfskraut nannte es sich wohl und war hoch giftig.

Nun schlängelte sich das Gewächs ihm wie Efeu entgegen und blockierte den Weg hinter ihm. Mit Raschen Schritten machte er dass er weiter kam, um der Pflanze fern zu bleiben, die sich seiner Schrittgeschwindigkeit anpasste und immer knapp hinter ihm blieb.

Er warf immer wieder Blicke in die Abzweigungen. Wo war der Ausgang?

Er hörte mehr rascheln hinter sich und als er den Kopf drehte, sah er wie das Wolfskraut von Rosen umschlungen wurde.

Es war als kämpften die Pflanzen gegen einander. Blau gegen rot, Gift gegen Dornen.

Letztenendes aber obsiegten die Rosen, ihre spitzen Dornen entzogen den Blauen Blumen alle kraft und Energie.

„Wie Vampire…“ murmelte Kyo leise zu sich selber und sah zu wie das Wolfskraut starb und die Rosen erblühten.

Die dornigen Ranken teilten sich und eine Gestalt stand etwas von Kyo distanziert im Schatten. Kyo versuchte ihn oder sie zu erkennen, als zwei rote Augen im Gesicht der Gestalt aufleuchteten und den Sänger zurücktreten ließen. Diese Augen waren so kalt und wild. So voller Gier und Kyos Kopf befahl ihm zu rennen.

Und er rannte. Rannte um sein Leben, nicht wissend wohin. Der Irrgarten schien größer zu werden, die Wände wurden höher, es wurde dunkler, die Hecken durchzogen sich mit den dornigen Ranken, sodass er nicht einfach durch sie hindurch sprinten konnte.

Kies knirschte laut unter seinen Füßen und wurde in die Luft geworfen, als er eine harte Vollbremsung hinlegte und noch in der Bewegung umdrehte, als er merkte, dass er in eine Sackgasse gerannt war.

Die Rosen schlugen mit dornigen Peitschen nach ihm, zerfetzten seine Kleidung, zerschnitten seine Haut, labten sich am Blut der kleinen Wunden, doch er rannte weiter, einfach immer weiter.

Seine Lungen brannten, sein Atem ging stoßweise, Tränen der Angst und Panik liefen ihm über das Gesicht, als er die Gestalt hinter sich hören konnte, die ihn jagte.

Kyo wagte nicht zurück zu schauen und sah nur nach vorne, auch wenn es immer schwerer wurde etwas zu sehen. Die Rosen rankten nun auch über ihnen, bildeten ein Dach, dass alles Licht zu verschlucken schien.
 

Kyo bog panisch um eine Ecke und fand sich in einer weiteren Sackgasse wieder, doch Riss er die Arme hoch, versuchte so sein Gesicht zu schützen und kämpfte sich durch die Heckenwand.

Die Dornen zerrissen seine Kleidung, schnitten und stachen ihn, doch er kämpfte sich weiter durch und fiel mit einem Keuchen auf der anderen Seite zu Boden.

Doch zum verschnaufen hatte er keine Zeit, denn die Hecke spaltete sich, um seinen Verfolger durch zu lassen und der Sänger rappelte sich auf und rannte weiter.

Er wusste, er konnte nicht durch alle Hecken durch. Das würde zu lang dauern und am Ende würde er noch hängen bleiben und dann würde ihn, was auch immer ihn da jagte einholen und dann war es aus.

Vor ihm erstreckte sich eine Lichtung. Ein Springbrunnen in der Mitte umringt von Parkbänken und an den Seiten sehr hässliche Heckentiere.

Kyo verschwendete keine Zeit, hechtete zu einem dieser hässlichen Tiere und versteckte sich dahinter, ehe die Gestalt selber auf die Lichtung trat.

Der Verfolger knurrte und schnupperte im Wind, doch schien er Kyos Fährte verloren zu haben.

Der Sänger hatte beide Hände gegen den Mund gepresst um leise zu sein und wagte nun zwischen den Beinen des Heckentieres hindurch zu gucken.

Seine Augen weiteten sich etwas, als er sah, dass es Kaoru war, der ihn da durch diesen Irrgarten gejagt hatte, doch etwas stimmte nicht.

Die Gesichtszüge des Gitarristen waren scharf, fremd und Animalisch.

„KYO!!!“ Brüllte er, seine Stimme mehr das Brüllen eines wilden Tieres.

„DU KANNST DICH NICHT EWIG VERSTECKEN!!!“ Er strich sich energisch die Haare aus dem Gesicht und ging mit gefletschten Zähnen herum und wo er lang ging folgten ihm die Rosen.

Kyo gab sein Bestes ruhig zu bleiben, als noch mehr schritte zu hören waren und Jemand aus dem Irrgarten in ihre Richtung gestolpert kam. Der Sänger wagte einen Blick und erkannte Shinya. Was tat er denn hier?!

Kyo sah zu Kaoru, der breit grinste und den Drummer fixierte.

„SHINYA LAUF!!!“ Brüllte kyo dann und stürmte auf den Drummer zu, doch Kaoru war schneller.

Ehe der Drummer reagieren konnte wurde er gepackt und in die tiefen des Labyrinths gezogen.

Kyo folgte, versuchte ihn zu finden, als ein Schrei ertönte und sogar die blutgierigen Rosen erzittern ließ.

Was ging hier nur vor sich? Wieso passierte das hier? Kyo wusste es nicht, doch er rannte weiter, er versuchte Shinya zu finden, doch alles was er am Ende fand war ein toter Drummer und ein, völlig Blutverschmierter Gitarrist.

Er sah zu Kyo rüber und grinste ihn mit scharfen Zähnen an. Seine Augen waren nicht länger die, die er kannte.

Das waren die dunkelroten Augen eines Raubtieres im Blutrausch.

Als der Gitarrist auf ihn zukam veränderte sich seine Gestalt mit jedem Schritt. Größer, stämmiger, gefährlicher, immer weniger Menschlich, bis eine ausgewachsene Bestie über dem Sänger stand und dieser zurück stolperte und auf den Hintern fiel.

Das Monster beschnupperte ihn, leckte mit seiner langen, rauen und gespalteten Zunge über Kyos Gesicht.

„Kaoru….“ Murmelte er, als das Biest sich mit aufgerissenem Maul auf ihn stürzte.
 

Kyo schrie laut auf und saß kerzengerade in seinem Futon. Punchan kam aus dem Wohnzimmer zu ihm rüber gerannt und versuchte ihn zu beruhigen, während er noch immer, nach Atem ringend da saß und versuchte sich zu beruhigen.

Was ein furchtbarer Traum.

„Es war doch nur ein Traum… oder…“ Murmelte er und ehe er sich versah, hatte er sein Handy in der Hand und rief Shinya an.

„Hmmmm ja….“ kam es totmüde aus dem Handy.

„Kyo… verdammt es ist 2:30…. was ist denn…“

„Oh… das… sorry, falsche Nummer… schlaf weiter Shini-Chan.“

„Wen rufst du denn um diese gottlose zeit an,….du kleiner Spinner…“ grummelte der Drummer und schlief noch am Handy hängend ein, weswegen Kyo auflegte.

Es war zum Glück nur ein Alptraum gewesen. Er krabbelte aus seinem Futon und ins Wohnzimmer und von dort auf den Balkon. Die Nachtluft war angenehm kühl und er begrüßte dies, während er sich auf den kleinen Stuhl setzte, den er dort stehen hatte und machte eine Zigarette an.

Warum träumte er so komisch? Was hatte Kaoru mit alledem zu tun und warum plagte ihn sowas? Die Träume waren nun schon eine weile so seltsam. Er musste dem wirklich mal auf den Grund gehen und da musste er wohl Kaoru befragen ob der eine Ahnung hatte.

Nur dieses Mal musste er es sich aufschreiben, nicht dass er wieder beim Gitarristen auflief und es vergessen hatte.

Als Kyo am nächsten morgen mit einer Tasse Kaffee in der Hand, den Fernseher anstellte um die Nachrichten zu schauen, fiel ihm das heiße Gebräu fast aus der Hand.

„Die Polizei warnt alle Bürger, sich nach Einbruch der Nacht nur noch in Gruppen draußen aufzuhalten.“ Sagte die Sprecherin, die immer wieder auf ihre Zettel linste, die vor ihr lagen.

„Das gestrige Blutbad an der Shibuya Kreuzung wird noch untersucht. Die Polizei geht von Radikalen Banden aus, die in der Stadt ihr Unwesen treiben und…“ Kyo stellte den Fernseher ab und griff nach seinem Handy.

„Ja?“

„Kaoru, hast du die Nachrichten gesehen?“ fragte Kyo und versuchte ruhig zu klingen.

„Ja habe ich…“

„Ist das…“

„Ja. Vampire in Tokio. Aber da stimmt etwas ganz und gar nicht.“

„Wieso? Was stimmt daran nicht?“

Einen Moment schwieg der Gitarrist und Kyo glaubte das leise zusammendrücken eines Plastikbeutels zu vernehmen.

„ich komme heute nicht zur Probe, ich muss da was klären. Sag bitte den Anderen bescheid.“

„Was? Kaoru wir können nicht ohne dich…“ Begann Kyo, doch der Andere hatte aufgelegt.

„Was zum Arsch…“
 

Kyo fuhr trotzdem zur Probe, wo auch alle waren, alle außer Kaoru.

„Wo ist unser Leader?“ fragte Die, der mit Toshiya vor der Türe wartete.

„Er ist doch sonst immer als erster hier.“

„Der Kommt heute nicht.“ grummelte Kyo und seufzte.

„Hat es was mit dem Massaker an der Shibuya Kreuzung zu tun?“ riet Toshy einfach mal und der Sänger nickte.

„Ich mach mir sorgen um ihn…“ sagte der Kleinste der Truppe und sah zu den Anderen hoch, als Shinya aus dem WC zu ihnen kam.

„Was ich nicht verstehe ist, wieso jetzt?“ fragte der Drummer und setzte sich auf das Sofa.

„Ich meine, Kaoru ist wie alt? Etwas über 130…Wieso kommt sein Vater erst jetzt auf den Trichter?“

„Vielleicht passiert in dem Alter was besonderes mit männlichen Dhampiren.“ vermutete Die und Shinya strich sich die Haare hinters Ohr. Sein Blick verriet, dass er an etwas unschönes dachte.

„Leute… glaubt ihr… Er war das?“

„Auf gar keinen Fall!!“ Kam es aus Kyo wie aus der Pistole geschossen.

„Shinya, wie kannst du sowas denken?!“

„Er würde sowas nicht tun.“ Sagte Die ruhig und verschränkte seine langen Beine.

„Das wäre schon arg unvorsichtig. Da verheimlicht er es sogar vor uns für 20 Jahre, nur um dann sowas zu machen?“

„Zumal die Leichen ziemlich zerfleddert waren.“ Toshiya hatte Bilder des Massakers gesehen.

„Es würde doch gar nicht zu ihm passen, sich so zu verhalten.“

„Es passt auch nicht.“ Kam eine Stimme von der Türe und Kenji kam rein, in Begleitung einer großen Frau.

„kenji… ist das deine Flamme?“ Fragte Die grinsend, doch der Manager schüttelte den Kopf, trat beiseite und ließ die Frau vortreten.

Sie war groß, Europäisch und obwohl ihr Gesicht von jugendlicher Fülle war, so verrieten ihre kühlen blauen Augen, dass sie nicht mehr die Jüngste war. Ihr Haar war dunkelbraun und in einer altmodischen Hochsteckfrisur hergerichtet. Ihre Kleidung war schlicht und unscheinbar. Sie selber wirkte auch so unscheinbar, dass es fast schon wieder verdächtig wirkte.

Sie verneigte sich höflich vor der Band und sah sie dann wieder an. Kyo entging nicht, wie sie jeden von ihnen mit ihren Augen von oben bis unten abschätzte.

„Wenn ich mich vorstellen darf, mein Name ist Catherine Parr. Ich bin Kaorus große Schwester.“

Sofort sprang die Ganze Band auf und hinter die Couch, was Catherine eine Augenbraue heben ließ und Kenji entwarnung gab.

„Ganz ruhig Jungs, sie ist auf unserer Seite…“

„Ja so in etwa. Mein kleiner Bruder bat mich, mich bei euch mal vorstellig zu machen, nur für den Fall der Fälle.“ sie sah die Band an, die nun wieder hervor kam.

„Also… Nochmal, damit ich das richtig verstehe.“ Sie zeigte der Reihe nach auf die Dirus.

„Shinya, Die, Toshiya und Warumono?“ Sie sah verwundert aus, als alle, außer Kyo, anfingen zu lachen.

„Was ist so lustig? Hab ich es falsch ausgesprochen?“

„Sein Name ist Kyo.“

„Kaoru nennt ihn immer nur Warumono… aber gut, Kyo ist kürzer.“ Sie setzte sich einfach zu ihnen.

„Mein Bruder war das nicht. Er würde niemals so ein Blutbad anrichten. Wir sind diskreter und vor allem er. Ich muss es wissen, hab ihn ausgebildet.“

„Was führt Sie dann zu uns?“ Fragte Die, der etwas mühe hatte, ihr Japanisch durch den harten Akzent zu verstehen.

„In erster Linie will ich euch kennenlernen und dann euch versichern, dass ihr ihm vertrauen könnt und müsst. Kaoru begibt sich in eine menge Ärger und Gefahr nur für euch.“

„Verstehe.“ murmelte Toshiya etwas grummelig.

„Er hätte es uns auch selber sagen können.“

„Oh er ist gerade mit Masao weg.“

„Wer ist Masao?!“ wollte Kyo nun sofort wissen und Catherine grinste.

„Vielleicht sein Lover? Macht euch einfach keine Sorgen.“ sie grinste freundlich und sah dann zu Die rüber.

„Bist du ein Mann oder eine Frau?“

„Whut?“ Die sah sie verwundert an.

„Ich hab ne Arbeitskollegin, die aussieht wie du…“

„Ich bin ja wohl eindeutig ein Mann!“

„Würde sie fragen wenn es eindeutig wäre?“ lachte Toshiya, während Catherine zu Kyo sah, der etwas grummelig aussah und sich dann erhob.

„ich geh eine rauchen.“ sagte er und verließ das Gebäude.
 

Die Dhampirin folgte ihm mit einem gewissen Abstand und lehnte draußen im Türrahmen, während Sie Kyo beobachtete.

„Sag mal, was verbindet dich mit meinem Bruder?“ sie kam näher und zog an einer E-Zigarette.

„Wir sind Bandkollegen und Freunde.“ murmelte Kyo lediglich, ohne zu ihr hoch zu schauen und nahm zwei kleine Züge hintereinander.

„Ich hab das Gefühl, du willst mehr für ihn da sein…“

kyo schwieg und zog noch einmal, dieses mal fester.

„Wisst ihr schon lange was er ist?“

„Er hats uns erst vor ein paar Wochen gesagt und auch nur weil unser Manager Druck gemacht hat…“ Kyo sah nun zu ihr hoch, während sie an ihrer E-Zigarette nuckelte und dem Sänger ein Geruch entgegenkam der an verbrannten Fruchtjoghurt erinnerte.

„Das sieht ihm ähnlich…“ murmelte sie dann und seufzte.

„Kaoru und ich haben uns seit fast 80 Jahren nicht mehr gesehen, aber schön zu sehen, dass er meine Lektionen von damals beherzigt hat.“

„Wieso soll er uns nichts sagen?“ wollte Kyo wissen.

„Was ist so schlimm an dem was er ist, dass er es uns verheimlichen muss?“

„Es sollte wesen wie ihn und mich gar nicht erst geben.“ Catherine steckte ihre E-Zigarette weg und sah nach oben.

„Wir sind Kreaturen, die nicht natürlich sind. Wir gehören nicht in die Welt der Menschen, wir sollten nicht existieren. Weder wir, noch die Vampire.“

„Kann man das heilen?“ fragte Kyo sie und trat seine Zigarette aus.

„Kenji sagt, es ist ein Virus, dann sollte das doch irgendwie machbar sein oder?“

„In der Theorie vielleicht…“ Sie seufzte leise und sah zu dem kleinen Mann runter.

„Aber Kaoru wirst du auch mit einem Heilmittel nicht retten können. Anders als du, wird er auch in 100 Jahren noch hier sein, wenn du und die Anderen längst zu staub zerfallen seid und sich niemand mehr an euch erinnern kann. Es wird schwer für ihn, aber irgendwann wirds leichter.“ Sie wandte sich ab und ging.

„Wieso sollte es leichter für ihn werden!?“ fragte Kyo, den das ganze mehr verwirrte.

Catherine sah noch einmal zu ihm.

„Irgendwann vergisst er wie eure Gesichter aussehen, Eure Stimmen klingen, wie ihr riecht und was ihr für ihn wart. Es wird ihm dann leicht fallen weiter zu machen.“

„Er wird uns nicht so leicht vergessen!“

„Doch wird er. Er wird jeden irgendwann vergessen, niemand kann sich auf ewig an jeden erinnern. Ich kann mich auch nicht an jeden Mann erinnern, den ich geehelicht habe... Auch wenns bei dir sicher schwerer wird dich zu vergessen.“ Sie wandte sich wieder ab und ging fort, nahm unterwegs ihr Handy zur Hand und begann zu telefonieren, ließ Kyo einfach so vor dem Studio stehen.
 

Kaoru grummelte als er die Augen öffnete und ihm ein Licht genau ins Gesicht schien.

„Argh… wo bin ich…?“

„Na auch endlich aufgewacht Dornröschen?“ Takihara kniete vor ihm und leuchtete ihm mit einer Handytaschenlampe ins Gesicht.

„Das Viech hat dir echt nen ordentlichen Schlag verpasst.“ Er zeigte mit dem Daumen auf das Loch in der Hauswand, was Kaoru mit seinem Kopf in den Stein geschlagen hatte.

„Wo ist das Drecksviech? Haste dir das Kennzeichen wenigstens gemerkt…“ Kaoru erhob sich schwankend und rieb sich den Hinterkopf.

„Ist uns entwischt.“ Takihara seufzte und erhob sich nun auch, die Hände in den Taschen seiner Minzgrünen Hose.

„Aber du hattest echt recht, das sind keine japanischen Vampire.“

„Schön dass du mir das auch mal glaubst, ich sagte doch, mein Vater ist hinter mir her.“ Kaoru schnaubte leicht und suchte seine Shotgun.

„Sag mal, was ist so besonders an uns?“ er wandte sich dem Blonden zu, der eine Zigarette anmachte.

„In wie fern?“ kam die Gegenfrage und Kaoru klaut sich eine Kippe weg.

„Was ist so besonders an männlichen Dhampiren?“

„Außer dass wir selten sind, keine Ahnung.“ Der Yakuza zuckte mit den Schultern und beobachtete den anderen Mann etwas.

„Aber… wir könnten meinen Dad fragen. Anders als du, hab ich nen guten Draht zu meinem Clan.“

„Ja… du hast die Yakuza unter deine Kontrolle gebracht. Ich würde den, der mich füttert auch nicht beißen.“ Kaoru seufzte genervt und Takihara kam ihm nun so nahe, seine Kippe berührte fast die Haut des Gitarristen.

„Werd hier mal nicht frech Kleiner.“ knurrte der Blonde, eine Hand gegen Kaorus Brust gelegt, mit der er diesen gegen die Wand drückte.

„Ich kann auch anders. Sei froh dass du hübsch bist, sonst wäre ich nicht so nett zu dir.“

„Du wirst mir nix tun, immerhin willst du noch was von mir.“ knurrte Kaoru zurück und zog an seiner Zigarette, darauf bedacht, dass der andere den Qualm ins Gesicht und vor allem in die Augen bekam. Das brannte auch bei Dhampiren schön.

„Mag sein, aber ich kann mir auch jetzt schon holen was ich will und dich und deine kleinen Freunde dann schutzlos zurück lassen.“ Die Hand des Blonden wanderte unter Kaorus Shirt und der Gitarrist knurrte ihn leise an.

„Fuck bis du dünn… Füttert deine Band dich nicht richtig oder was?!“

„Ich beiße NIEMALS meine Freunde!“

„Solltest du aber. Gerade der ganz Kleine mit dem hässlichen Köter riecht unglaublich verlockend.“

„Ich weiß das!“ Kaoru schob den Anderen auf Distanz.

„Aber ich will es nicht. Sie sind meine Freunde, keine Notfallblutbank zum anzapfen!“

Takihara sah ihn unbeeindruckt an und schnaubte leise.

„Du bist Naiv. Aber gut, deine Entscheidung. Meine Leute haben sie weiterhin gut im Blick und ich mach mal ein Treffen mit meinem Alten klar, damit wir mal rauskriegen was mit dir los ist. Weil irgendwie biste wirklich Anders.“

„Klingt vorwurfsvoll.“

„Soll es nicht. Niikura, du bist sogar für einen Dhampir seltsam und ich weiß wovon ich spreche, du bist nicht der Erste männliche Dhampire der mir in Tokio je begegnet ist, aber der Erste seit fast 200 Jahren. Sonst seh ich nur Mädels.“

„Ich ja auch…“ kaoru seufzte. Wieso wurde alles nur so kompliziert?

„geh zu deinen Freunden, ich lass dich rufen.“ Der Yakuza drückte Kaoru seine Waffe in die Arme und grinste frech.

„Lass dich damit besser nicht erwischen.“

Takihara wandte sich ab und ließ den Gitarristen alleine zurück, der seine Shotgun verstaute, die Tasche schulterte und davon ging.

Wo war er hier nur gelandet?

Sie waren so fixiert einem Jungvampir durch die Straßen gefolgt, er hatte keine Ahnung mehr wo er war und entschloss sich über die Mauern zu klettern um zu schauen wo er rauskommen würde.
 

Kaoru irrte noch den restlichen Tag durch die Gassen der Stadt, ehe er eine Hausfassade empor kletterte und auf einem Balkon sitzen blieb um sich etwas auszuruhen. Auf dem kleinen Balkon standen mehrere Blumentöpfe voller Jasmin und er ließ sich nieder, um den Duft zu genießen, als die Balkontüre aufging und er war schon, verschreckt, davor zu springen, als ihn jemand an der Schulter festhielt.

„Wie kommst du denn hier rauf?“ fragte eine, ihm vertraute Stimme und er sah hoch zu Shinya. Der Drummer sah ihn verwirrt an, die Haare in ein Handtuch gewickelt und einen weichen, weißen Bademantel tragend.

„Äh…hi…“ Stammelte Kaoru verwundert und zeigte einfach nach unten.

„Bin geklettert.“

„Hast du gekonnt meinen Balkon gewählt oder war das zufall?“ Shinya führte ihn in seine Wohnung und kaoru zog die Schuhe aus, die er dann erstmal brav zur Haustüre brachte.

„Das war nun wirklich zufall.“ gestand der Gitarrist, während Shinya kurz ins Bad verschwand und sich die Haare trocken rubbelte.

„Na da haste ja Glück gehabt, setz dich, bin gleich bei dir.“

Kaoru setzte sich auf das weiche Sofa und sah sich etwas um.

Shinya hatte eine schöne Wohnung. Alles so hell und freundlich wirkend. Richtig einladend und nicht das düstere, graugestrichene Nest, was er eine Wohnung nannte. Vermutlich sollte er auch mal renovieren.

Der Drummer kam aus dem Bad.

„Kann ich dir was anbieten? Kaffee, Tee, Wasser, Saft?“

„Ich würde nen Tee nehmen danke.“ Kaoru wollte sich zurück lehnen, doch ein stecken in seinem Hinterkopf ließ ihn in der Bewegung stoppen.

Er griff sich an den Hinterkopf und erst jetzt bemerkte er, da steckten Steinsplitter in seinem Schädel. Wie hatte er das nicht merken können?

Er erhob sich und lehnte sich gegen die Türe zur Küche, in der Shinya zwei Tassen Tee vorbereitete.

„Darf ich mal kurz dein Bad benutzen?“ fragte er und der Drummer wandte sich zu ihm um.

„Ja sicher, ist die pastellblaue Türe.“

„Danke.“

Kaoru ging in das kleine Bad und schloss die Türe ab. Er nahm Shinyas kleinen Spiegel zur Hand, drehte den Rücken zum Waschbecken und versuchte irgendwie so zu sehen wo genau die Splitter steckten, doch sie zu entfernen war dann doch etwas zu schmerzhaft und er zischte laut zwischen den Zähnen, als er einen raus bekam und ihm direkt Blut aus der Wunde und den Rücken entlang lief.

„Oh Shit…“ knurrte er, als er die Sauerei bemerkte, die er auf dem weißen Fließenboden dadurch verursachte und versuchte es mit Klopapier sauber zu machen, als Shinya an der Türe klopfte.

„Kao? Alles okay bei dir?“

„Ja...Ja sicher, alles bestens…“ Log er und drückte sich auch etwas von dem Papier gegen die Wunde.

Um alles an Ort und Stelle zu halten zurrte er seine Haare zu einem Zopf zusammen. Er würde den Rest zuhause machen, wo er niemandes Mobiliar versauen konnte. Er kam aus dem Bad und Shinya saß bereits auf der Couch, vor ihm zwei Becher mit duftendem heißen Tee.

Dem Duft nach zu urteilen war das Oolong Tee. Kaoru liebte diesen Tee. Er hatte über die Jahre gefallen an Tee gefunden. So simpel und doch so köstlich, auch wenn es ihm nichts brachte. Er setzte sich zu Shinya, der ihn musterte, ehe er nach seinem Tee griff.

„Sag mal… Das heute in Shibuya…“ Begann der Drummer und Kaoru sah zu ihm rüber.

„Du hast nix damit zu tun oder?“

„Nein, wirklich nicht.“ Sie sahen einander an und Shinya sah ihm in die Augen, als suche er nach einer 100%igen Gewissheit dass der Gitarrist die Wahrheit sprach.

„Shinya, ich würde etwas derartiges niemals tun.“ Versicherte Kaoru ihm und stellte die Teetasse beiseite.

„Wirklich. Ihr könnt mir nach wie vor vertrauen.“

„ich weiß...aber… es ist so seltsam, dies alles nun zu wissen…“ Shinya knetete das Band seines Bademantels und fluchte leise.

„och mist verdammt nochmal…“

Kaoru sah zu seinen Fingern und sah, wie sich ein kleines Pflaster am plüschigen Stoff verklebt hatte und abgegangen war.

„Du hast dich verletzt?“

„Nur ein kleiner Schnitt beim Gemüseschneiden.“ winkte der Drummer ab, doch Kaoru ergriff vorsichtig und sanft seine Hand.

Der Schnitt war nicht tief, aber tief genug um zu bluten und anscheinend hatte Shinya das Pflaster schief aufgeklebt, denn eine Ecke des Schnitts blutete wieder.

Shinya sah zu Kaoru, der wie in Gedanken versunken auf den kleinen Schnitt schaute, aus dem ein winziger roter Tropfen hervorquoll.

„Darf ich?“ fragte er und der Drummer nickte, wenn auch etwas unsicher.

„Keine Sorge, ich beiß dich schon nicht.“ versprach der Ältere, hob Shinyas Hand und leckte sehr vorsichtig über den kleinen Schnitt. Einmal lecken reichte aus um alles Blut der kleinen Wunde aufzunehmen und Kaoru sah wieder zu Shinya hoch, der etwas verwundert dreinschaute.

„Und? Schmecke ich?“ fragte er kichernd und Kaoru nickte, ehe er grinste.

„Sehr gut sogar, danke.“
 

Als es an Kyos Balkontüre klopfte sah er verwundert auf und Punchan begann völlig zu eskalieren.

Bellend und knurrend rannte der kleine braune Fussel im Kreis und immer wieder zur Türe hin, hinter der jemand stand.

Der Sänger machte, arg verwirrt, die Balkontüre auf und fand Takihara dort vor, der gelassen gegen das Geländer gelehnt stand, eine Rauchte und mit dem Fuß geklopft hatte.

„Was wollen Sie?“ fragte Kyo und ersparte sich die Frage, wie der Dhampir hier zu ihm hochgekommen war.

„Tag auch.“ Der Blonde zog an seiner Kippe und sah zu Kyo runter.

„Hör mal, Kleiner, du und deine Freunde, ihr werdet euch von nun an von Niikura fern halten.“

Kyo brauchte eine Moment um zu realisieren was der Mann gesagt hatte und trat dann zu ihm raus auf den Balkon.

„Und warum denken Sie sollte ich auf Sie hören?“ fragte er und sah zum anderen Mann hoch, nahm sich nun ebenfalls eine Zigarette und bekam ein Feuer gereicht.

„Ich will euch nix verbieten, aber etwas stimmt mit Niikura mal so ganz und gar nicht und er ist sogar für einen Dhampir eher seltsam.“ Takihara sah auf die Stadt und seufzte.

„Haltet euch einfach fern. Sucht nen Neuen Gitarristen. Bei eurem Ruf wird das sicher easy und…“

„Nein!“

Er sah zu Kyo runter, der ihn finster anfunkelte.

„Wir werfen Kaoru sicher nicht aus der Band die ER mitgegründet hat! Er ist unser Leader! Er liebt die Musik genauso wie wir, wir können und werden ihn nicht einfach rausschmeißen und ersetzen!“

„Das war kein Vorschlag!“ Takihara packte Kyo vorne am Shirt und zog ihn zu sich auf Augenhöhe, die Zähne leicht gefletscht.

„Ich sags dir im Guten kleines Häppchen! Halt dich fern von ihm! Er gehört nun mir! Mir und der Yakuza, also halt dich fern!“ Er ließ Kyo los, der auf den Hintern fiel und ihn finster anfunkelte.

„Du bist ein hübsches Kerlchen, ich will dir nichts tun, also hör auf das was ich sage.“

kyo sah ihn weiterhin finster an und der Yakuza erwiderte den Blick für eine weile.

„So dunkle Augen…“ murmelte er, ehe er über die Brüstung des Balkons sprang und Kyo alleine zurück ließ.

Es war, als hätte Takihara recht behalten, dass Kaoru ihm gehörte, denn die Band sah und hörte nichts von ihrem Leader für fast 10 Tage.

Shinya war der letzte, der ihn gesehen hatte, doch ab da herrschte absolute Funkstille, was Kyo fast wahnsinnig machte.

Sein Versuch, sich mit seinem Sideprojekt Sukekiyo abzulenken brachte auch nichts, denn er war wirklich zu sehr in Sorge um Kaoru, um sich groß konzentrieren zu können.

„Erde an Kyo, jemand zuhause?“ irgendwer tippte ihm mit einem Drumstick auf den Kopf und Kyo schreckte auf. Hatte er geschlafen?

„Na, von welchem Planeten hat Mika dich abgeholt, du Tagträumer?“

Kyo sah zu den anderen von Suke und seufzte leise. War er wieder so hart abgedriftet?

„Sorry Leute, meine konzentration ist zur Zeit wirklich im Keller.“

„Merken wir.“ Gitarrist Takumi sah ihn besorgt an.

„Was ist denn los?“

„Kaoru hat sich seit Tagen nicht mehr blicken lassen…er reagiert auf nichts, keine Anrufe, kein Whatsapp, gar nichts.“

„Gönn ihm die Ruhe doch mal.“ Warf Mika ein, der weiter mit seinen Drumsticks rumspielte.

„Zudem hat er auf Insta gesagt, er fährt für ein paar Tage zu seinen Eltern und…“

„SEINE ELTERN SIND SEIT KNAPP 100 JAHREN TOT!!!“ kam es aus Kyo, etwas zu laut, heraus, dem just in dem Moment wieder einfiel, dass DIESE Band gar nicht eingeweiht war.

Die Anderen sahen ihn nur etwas verwundert an.

„Was? Willst du uns verarschen?“ Mika sah Kyo verwundert an, der nur genervt seufzte.

“Unser Bandeigenes Warumono übertreibt mal wieder.“ lachte Takumi und bekam den bösen Kyo-Blick dafür.

“Hey, nur Dir en Grey dürfen mich so nennen.” immer wenn er besorgt war, wurde er kratzbürstig. Er musste versuchen sich zu beruhigen. Kaoru hatte sicher seine Gründe.
 

Kyo fuhr am Abend heim und landete vor Kaorus Bleibe. Die Vorhänge waren zu, das sah er auch aus dieser Distanz und kein Licht brannte im inneren. Das Auto des Gitarristen stand an Ort und stelle, wie schon die letzten Male wo er hier war, doch er sah, es war nicht bewegt worden. Er ging zur Türe, sah das Klingelschild an und wägte innerlich ab, ob er klingeln sollte oder nicht, als er schlurfende Schritte hinter sich hörte. Die ältere Bewohnerin des großen Hauses näherte sich der Türe, in den Armen schwere Tüten, die Kyo ihr direkt abnahm.

„Oh hab dank mein Junge.“ sagte sie freundlich und lächelte Kyo an, der es so gut es ging erwiderte.

„Ich bring Ihnen das Zeug rauf, das ist kein Problem.“ sagte er, sah da seine Chance, ins Gebäude zu kommen, während die Dame nach ihrer Chipkarte suchte und so die Haustüre entriegelte.

„Das ist sehr nett von dir.“

Kyo folgte ihr zum Aufzug und rauf in den sechsten Stock. Die Tüte schnitt ihm tief in die Finger, doch er ignorierte es, wartete bis sie ihre Wohnungstüre aufgeschlossen hatte und stellte ihr die Tüte dann in den Eingangsbereich.

„Nochmals vielen Dank, Junger Mann.“ Sie verneigte sich leicht und Kyo tat es ihr gleich, aber etwas tiefer als sie. Wenn er wollte, konnte er durchaus höflich sein.

„Oh und wenn du zu deinem Freund rauf gehst, sag ihm doch bitte, er soll da oben nicht so einen radau machen. Das war wirklich laut.“

„Ich sags ihm.“ kyo wandte sich ab und sprintete die Treppe rauf zu Kaos Wohnung. Was für ein Radau sollte kaoru denn veranstaltet haben? Der Gitarrist ging für sowas eigentlich immer in den Keller. Kyo wusste, dass kaoru immer für sehr laute Proben privat in den Keller verschwand. War seltsam, aber es sich mit den Nachbarn verscherzen wollte er ja auch nicht.
 

Nun stand er vor der Türe des Älteren und hob die Fußmatte hoch. Der Ersatzschlüssel lag, wie immer dort und Kyo schloss auf, verstaute den Schlüssel in seiner Hosentasche und betrat die Wohnung. Nur auf Socken ging er bis ins Wohnzimmer durch und machte dort das Licht an, ehe er stockte. Das ganze Wohnzimmer lag in Trümmern. Möbel zerstört, das Sofa komplett aufgeschlitzt, der Fernseher zerschossen, zwei Gitarren zu Kleinholz verarbeitet, tiefe Kratzspuren in den Wänden und überall klebte getrocknetes Blut an den Wänden.

Kyo ging unsicher durch den Raum. Was war hier passiert? Er zuckte etwas zusammen, als seine Füße leere Patronenhülsen über den Boden traten. Was für ein Kampf hatte hier nur stattgefunden?

Er warf einen Blick in die Küche, die ebenfalls einem Schlachtfeld glich und ging dann zum Schlafzimmer.

Eine unbeschreibliche Angst breitete sich in seinem Magen aus, als er sich dem Raum näherte und er wusste selber nicht so genau wieso. Seine Hand tastete nach dem Lichtschalter und als das Licht den Raum erhellte offenbarte auch dieser seine totale Verwüstung.

Der Kleiderschrank hatte die gleichen Kratzspuren vorzuweisen, wie die Wände des Wohnzimmers. Die Matratze hatte gar nicht überlebt und überall lagen Federn und Stofffetzen herum. Alles war voller Blut und auch hier trat Kyo Hülsen über den Boden, aber da war noch mehr.

Er beugte sich runter und sah etwas langes, spitzes vom Boden auf. Es war ein Zahn, aber noch nie hatte er so einen großen gesehen. Das Teil war so lang wie Kyos Finger und auch genauso dick, es war völlig verfärbt und offenkundig sehr grob raus gebrochen worden. War das ein Vampirzahn? Mit einem Mal packte Kyo die Angst und er erstarrte, als er schritte in der Wohnung hinter sich hören konnte. Ruhige, langsame Schritte, die sich eindeutig der Lichtquelle und somit ihm näherten.

Noch während er überlegte, was er nun tun sollte, packte jemand seine Schulter und er wirbelte herum.

„hey, hey ganz ruhig kleiner Mann.“ Es war Kaorus Schwester Catherine, die ihn beruhigend ansah.

„Was tust du denn hier?“

„Das könnte ich Sie auch fragen…“ kyos Herz hämmerte immernoch wie verrückt und sie seufzte.

„Wir sollten hier rausgehen…“ Catherine ließ keine widerworte zu und zog Kyo am Arm aus der völlig zerstörten Wohnung.
 

Kyo sah zu ihr hoch, als er, wie ein kleines kind am Arm aus dem Gebäude gezogen wurde.

Erst als sie draußen und vor Catherines Auto standen ließ sie seinen Arm los und sah ihn ernst an.

„Wieso schnüffelst du da oben rum?!“ Blaffte sie ihn an und er sah sie verwundert an.

„Du hast keinen selbsterhaltungstrieb oder? Das ist die Bleibe eines Monsters!“

„Kaoru ist KEIN Monster!“ schnauzte er nun sie an.

„OH DOCH! Du kennst den Mann doch im Grunde nicht einmal! Wie lange kennst du Kaoru nun? 20 Jahre? 20 von 132! damit fällst du überall durch du kleiner Wurm!“

„Ich kenne Kaoru gut genug um zu wissen, dass er nie jemandem etwas antun würde, der es nicht verdient hätte! Er hat mein Leben mehr als einmal gerettet, er hatte genug Chancen Schaden anzurichten und NIE hat er es getan!“

„Du meinst, ihr habt es nie mitbekommen. Was denkst du hat er mit den Mädchen gemacht, die mit ihm ins Hotel gegangen sind? Die mit ihm für ein Schäferstündchen im Bus verschwunden sind?“

Kyo grinste rotzfrech.

„Denen gehts gut, ich hab sie alle wieder rauskommen sehen. Kaoru ist kein Monster und egal was sie auch sagen, ich werde niemals etwas anderes glauben!“

Catherine sah ihn nun doch sehr überrascht an.

„Du würdest wirklich deine Hand ins Feuer legen für meinen Bruder?“

„Mehr als nur meine Hand. Kaoru ist mein bester Freund… Ich… Ich hab ihn sehr sehr gern.“

Catherine nickte, streckte dann die Hand aus.

„Der Zahn, gib mir den mal bitte.“

Er reichte ihr das Teil, hatte er doch total vergessen, dass er ihn noch hatte und sie betrachtete ihn von allen seiten.

„Jungvampir…“ Murmelte sie dann und sah wieder zu Kyo.

„spring rein, ich fahr dich jetzt heim. Komm aber besser nicht mehr hier her. Nur zu deiner eigenen Sicherheit, Kaoru wird sich sicherlich melden.“

„Das tut er seit Tagen nicht mehr.“ grummelte Kyo und stieg in ihren Wagen.

Catherine schwieg während der Fahrt, während Kyo ihr den Weg sagte, ehe sie vor seiner Wohnung bremste und er ausstieg.

„Sagen Sie, meldet sich Kaoru bei Ihnen?“

„Nein, bei mir auch nicht.“ Gestand sie und seufzte leise.

„Ich melde mich bei eurem Manager, sollte ich was von ihm hören, mach dir keine Sorgen, Kleiner.“

Kyo nickte und ging ins Gebäude rein.
 

Punchan wartete bereits auf ihn und empfing ihn mit freudigem Gebelle und leckte seine Socken ab, als er reinkam, ehe er sie auf den Arm nahm und sich abschlecken ließ, was er nur zuließ, wenn er kein Makeup trug.

Er ließ sie wieder runter, ging in die Küche, füllte ihre Näpfe und stellte den Wasserkocher an. Während das Wasser anfing zu kochen, spielte er Gedankenverloren mit den Reißzahn in seiner Hand herum. Catherine hatte ihm das Ding wieder gegeben und auch wenn er nichts damit anzufangen wusste, so war es seltsam angenehm damit herum zu spielen.

Die glatte Oberfläche fühlte sich schön an drüber zu streichen. Mit dem Mittelfinger drückte er sanft gegen die Spitze und merkte, wie wenig Druck es bedurfte um sich damit zu verletzen, als sein Finger anfing zu Bluten.

Er steckte den Finger in den Mund, nuckelte an dem Pieks, während er sich Tee eingoss und damit ins Wohnzimmer ging. Punchan hatte aufgegessen und gesellte sich zu ihm, während er den Fernseher anmachte und wartete, dass die Nachrichten begannen. Vielleicht war ja irgendwas passiert, was ihm einen Hinweis geben könnte wo Kaoru war.
 

Während er wartete nahm er sein Handy raus und checkte ob eine Nachricht reingekommen war, doch nichts.

Shinya hatte ein neues Video auf seinem Kanal hochgeladen, was er sich auch noch angucken wollte, doch ansonsten war nichts passiert.

Er sah auf, als die Nachrichten begannen, doch irgendwie war nichts passiert. Zumindest wurde nichts ungewöhnliches gemeldet. Sie sache an der Shibuya Kreuzung wurde als Bandenkrieg abgestempelt und somit nicht weiter beleuchtet. Kyo machte es wütend. Eindeutig steckte da mehr hinter, als irgendeine Bandenschlägerei, doch offenkundig wurden die Medien gut genug geschmiert, um nichts weiter diesbezüglich zu melden.

Kyo ließ sich richtig in seine Sofapolster fallen, als die Sprecherin etwas über Yakuza Aktivitäten fasselte, was Kyo nur kurz aufblicken sah.

Anscheinend waren ein paar Typen der Yakuza mit der Polizei aneinander gerasselt, was aber offenkundig ohne wirklich schlimme Verletzungen ausgegangen war.

Während die Sprecherin dies erklärte wurden Aufnahmen einer Überwachungskamera gezeigt, wo sich ein paar Halbstarke Yakuza mit den Polizisten rauften, als Kyo plötzlich etwas auffiel.

Die Aufnahme war mies, aber einer der Typen kam Kyo nun doch bekannt vor.

Das war doch der Blonde Typ, mit dem Kaoru sich abgegeben hatte und er bei Kyo auf dem Balkon aufgetaucht war.

Kyo wurde übel. Machte Kaoru wirklich Geschäfte mit der Yakuza? War er denn komplett bescheuert?

Erneut versuchte er den Gitarristen anzurufen, doch alles was er bekam war die Mailbox.

„Kaoru, verdammt nochmal, geh an dein verficktes Scheißhandy!“ Fauchte er nach dem Piepton.

„Wir machen uns Sorgen um dich!“
 

Als die Nacht herein brach war Kyo wieder tief im Traumland und erneut in einer dieser antiken Häuser.

Inzwischen wunderte er sich kaum noch, wieso er davon träumte und wanderte durch das Gebäude. Es war erschreckend still, kein Laut war zu hören, keine Blumen zu sehen, während er durch eine große Bibliothek erkundete. Der Geruch nach alten Büchern lag in der Luft, ein Geruch, dem er nichts abgewinnen konnte. Wieso fanden manche Leute diesen Geruch so toll? Wenn Bücher so mufften war das ein Zeichen von Moder. Fanden Leute den Geruch von Moder und vielleicht sogar schimmelnden Buchseiten wirklich so toll oder fühlten sie sich einfach nur gebildeter, wenn sie so alten Quatsch lasen?

Gedankenverloren strichen seine Finger über die alten Buchrücken. Seine Finger strichen über die muffigen, bröckeligen Ledereinbände, über verwaschene und abblätternde Goldbuchstaben, während er durch die Reihen ging.

Er bog um eine Kurve und erneut begrüßte ihn das blaue Wolfskraut. Es blieb auf Distanz, wucherte ein Regal hoch und die Blüten ließen sich hängen. Sie wirkten so kraftlos und schwach.

Die Pflanzen erzitterten, als die Rosen, wie aus dem Nichts auftauchten und sie, absolut problemlos überwältigten und absterben ließen.

Kyo beobachtete das und hörte Schritte, wie fast immer, doch dieses mal schien ihn niemand zu verfolgen, sondern vor ihm zu fliehen.

„Kaoru?“ fragte der Sänger und seine Stimme hallte durch die Bibliothek, ehe er los eilte und versuchte den Anderen in diesem dunklen Raum zu finden.

Nur flüchtig erhaschte er einen Blick auf den Älteren, der vor ihm davon zu rennen schien und Kyo setzte ihm nach.

Die Rosen verfolgten ihn, Bücher fielen aus den Regalen, stürzten auf ihn, ein dickes Buch traf ihn genau auf den Kopf, doch er ließ sich nicht beirren und rannte weiter. Der Gitarrist war nicht weit weg, er konnte seine Schritte hören. Er schlitterte zur Seite weg, als ein Regal umstürzte und ihm den Weg versperrte, doch er gab die Verfolgung nicht auf und rannte weiter. Mehr Regale stürzten um, versuchten ihn zu stoppen, mehr Schritte hallten durch den Raum und durch den Lärm. Irgendwer jagte nun ihm hinterher. Er war Jäger und Beute gleichzeitig, doch Kyo ignorierte es, krabbelte unter einem Regal, welches in Schräglage gegen der Wand lehnte durch und versuchte weiterhin Kaoru zu erreichen. Er sah eine offene Türe und stürmte hindurch.
 

Nun befand er sich nicht mehr in einem Raum, nur in einer absoluten Schwärze. Kein Boden, keine Decke, keine Wände, rein gar nichts war zu sehen und doch konnte er Kaoru vor sich sehen, der auf dem Boden hockte, das Gesicht in den Händen vergraben, die Rosen wucherten um ihn herum, rankten hinauf, umschlossen ihn wie ein Kokon. Kyos Versuch ihn zu erreichen wurde durch die Dornen verhindert.

Er stand vor diesem Gebilde, dass den Gitarristen komplett eingeschlossen hatte, sah keine Chance an ihn ran zu kommen.

Mehr Wolfskraut erschien, versuchte nun seinerseits durch die Rosen zu brechen, wurde aber verschlungen und vernichtet.

„Kaoru!“ Rief Kyo und packte die dornigen Ranken und trotz der Schmerzen riss er an ihnen, versuchte durch zu brechen und den Mann im inneren zu erreichen, doch so schnell wie er etwas wegriss wuchs es auch wieder zu.

Der Gitarrist sah auf, als Kyo seinen Arm durch die Ranken steckte und seine Haare zu fassen bekam.

„Kaoru, sieh mich an!“

Der Ältere sah ihn an, die Augen rot, unmenschlich und wild. Blutige Tränen liefen ihm über die Wangen, als er nun seinerseits die Hand nach Kyo ausstreckte, sein Arm von Wolfskraut umrankt, welches noch gegen die Rosen anzukämpfen schien.

Die Distanz zwischen ihnen war gering und doch kam Kyo nicht an ihn ran, während die dornigen Ranken sich immer weiter zuzogen, drohten seinen Arm zu überwuchern, doch er dachte nicht dran ihn zurück zu ziehen. Nicht wenn er so kurz davor war Kaoru zu erreichen.

„Hilf mir Kyo!“ Flehte der Ältere, als die Rosenranken ihn umschlangen und in die Dunkelheit zerrten.

„HILF MIR!!!“

Kyo versuchte die Ranken weiter zu zerreißen, tiefer in diesen Kokon zu kriechen, als ihn jemand an den Schultern packte und zu sich zog.

Kaoru schrie weiter panisch Kyos Namen, als die Dunkelheit ihn verschluckte und seine Stimme erstarb.

In völliger Verzweiflung versuchte der Sänger ihm zu folgen und sah dann zu der Person hoch, die ihn festhielt.

Es war der Blonde Yakuza-Typ. Er grinste finster, sein ganzer Körper überwuchert mit diesen Rosen und Blut.

„Niikura gehört mir!“ knurrte er dunkel und bei jedem Wort wurden die Rosen mehr und mehr.

Kyo riss sich los, Wolfskraut umwucherte nun ihn und schirmte ihn vor den Rosen ab, die nach ihm schlugen.

Der Sänger nutzte die Chance um in die Dunkelheit zu rennen, in die Kaoru gezerrt worden war.

Immer wieder rief er nach dem Anderen, als ein lautes Scheppern zu hören war und ihn aufschrecken ließ.
 

Kyo saß kerzengerade in seinem Futon und sah zu der Ursache des Krachs. In seinem Schlafzimmer war nichts, doch Punchan bellte laut im Wohnzimmer und der Sänger erhob sich, schnappte sich einen Baseballschläger, den er sich nur zur Selbstverteidigung gekauft hatte und bog damit um die Ecke ins Wohnzimmer.

Es war niemand da und ein Blick nach draußen offenbarte das wirklich unglaublich beschissene stürmische Wetter und daher rühmte auch die Ursache des Krachs, den er gehört hatte.

Offenbar war ein Blumentopf von einem anderen Balkon auf den Seinen gefallen, denn Kyo erkannte den grünen, kaputten Topf nicht, der da lag und er ging raus, wurde dabei fast umgeweht weil der Wind so stark war und räumte die Scherben beiseite.

Er seufzte traurig, als er an seinen Traum zurück dachte.

Was hatte das alles zu bedeuten? Rosen, Wolfskraut, was hatten diese beiden Pflanzen nur mit alledem und vor allem mit Kaoru zu tun? Und war dieser Traum nun wirklich nur ein Traum gewesen oder eine Böse Vorahnung? War Kaoru in Gefahr? Brauchte er vielleicht Hilfe oder war es bereits zu spät? Er schüttelte den Kopf um diese Bilder und Gedanken los zu werden.

Er ging wieder rein, wusch sich in der Küche die Hände und schnappte sich einen Notizblock, der eigentlich nur für Einkaufslisten war und machte sich Notizen, zu diesem seltsamen Traum.

Wen sollte er aber damit nun befragen? Kenji? Diese Catherine? Und was würden sie denken, wenn er sie nun nach Blumen ausfragen würde?

Und wie konnte er diese Pflanzen mit Kaoru oder mit Vampiren oder Dhampiren in Verbindung bringen?

Wieder einschlafen war bei dem Wetter auch nun eher ein Wunschdenken und so machte Kyo es sich mit seinem Laptop im Futon gemütlich und fing an zu recherchieren, was es mit den Pflanzen auf sich hatte und ging dann auch direkt verschiedene Vampir Mythen im Internet durch. Vielleicht fand er ja was brauchbares.
 

Bis zum nächsten Morgen hatte sich das Unwetter nach wie vor nicht beruhigt, doch Kyo hatte ein paar Informationen finden können. Zumindest was das Wolfskraut anging war er nun etwas aufgeklärter und doch war er verwirrt.

„Wolfskraut wirkt adstringierend, menstruationsregulierend und Wundheilend…“ Las Kyo sich selber laut vor und googlete weiter.

Adstringierend bedeutete Blutstillend.

„Blutstillende Pflanzen bekämpfen die Blutung durch Zusammenziehen und Festigen der feinsten Blutgefäße (Kapillaren) oder durch die Förderung der Blutgerinnung (Koagulation).“ las er weiter und kratzte sich verwirrt am Kopf.

Was sollte ihm das nun sagen? Es hatte was mit Blut zu tun, aber das taten Stechmücken auch und die sah er auch nicht durch seine Träume düsen.

Genervt stöhnend rieb er sich über die Augen, legte den Laptop weg und zog sich die Decke über den Kopf.

Er wollte nun doch wieder schlafen, als sein Handywecker klingelte. Erneut stöhnte er auf und brachte das Teil zum schweigen. Er musste aufstehen, er hatte heute noch zwei Interviews vor sich. Da hatte er ja mal so gar keinen Bock drauf.
 

Als Kyo sich mit den Anderen von Dir en Grey traf, waren alle etwas nervös.

Die hatte mehrere Zettel dabei und ging diese mit Toshiya und auch Kenji durch, als Kyo sich dazu gesellte.

„Was treibt ihr da?“ fragte der Sänger und trat seine Zigarette aus.

„Oh Hi Kyo.“ Die sah zu ihm runter.

„Nun, da Kaoru nicht da ist und ich defakto nun der Älteste bin, übernehm ich die Leaderrolle bis er zurück kommt und wir überlegen gerade welche Ausrede wir nutzen, um zu erklären wieso Kaoru nicht anwesend ist.“

kyo nickte, stockte dann aber.

„Wann haben wir DICH denn zum Stellvertreter des Leader-Samas ernannt?“

„Vor Jahren, kannst dich nicht erinnern.“ Die ging weiter seine Zettel durch.

„Können wir nicht einfach sagen, er ist verhindert?“ fragte Shinya ruhig und Toshiya wollte was sagen, als man das laute Knattern eines Motorrades hören konnte, das nur knapp vor Kyo zum stehen kam.

Die Band sah verwundert auf die Person auf dem Bike, die den Helm abnahm und die kurzen dunklen Haare schüttelte.

„kein Grund für eine Ausrede, ich bin da.“ Es war Kaoru.

Die Anderen sahen ihn verdutzt an, während Kaoru den Helm verstaute, das Motorrad, das niemand erkannte, parkte und sie dann ansah.

„Los jetzt, wir sind eh schon spät dran.“
 

Das Interview kam Kyo so unsagbar lang vor und als sie alle endlich fertig waren, war Kaoru auch als erster aus dem Raum verschwunden.

Kyo aber ließ den Gitarristen nicht einfach wieder abhauen und rannte ihm nach.

Immer drei stufen auf einmal nach unten nehmend und dabei fast auf die Fresse fallend folgte er Kaoru nach draußen und bekam ihn zum Glück noch zu packen.

„Wo warst du?!“ Blaffte er den Gitarristen an, der sich den Helm aufsetzte.

„Wir machen uns scheißsorgen um dich!“

Kaoru sah den Sänger an, ohne das Visier seines Helmes hoch zu schieben.

„Ich war mit wichtigen Dingen beschäftigt und ich bin damit noch nicht fertig.“ sagte er lediglich und wollte fahren, als Kyo sich vor das Motorrad stellte.

„Weißt du, dass deine Wohnung in Trümmern liegt?“

„Ja, weiß ich. Geh da bitte nie wieder hin.“

„VERDAMMTE SCHEIßE! NUN SPUCK AUS WAS LOS IST?!?!?“

Kaoru zuckte in sich zusammen, als Kyo so laut brüllte und schob nun doch das Visier nach oben, um den Kleineren anzusehen.

„Kyo, bitte beruhig dich. Ich bin bald wieder bei euch, ich verspreche es dir.“

„Warum können wir dir nicht helfen?“ Der Sänger sah in die dunkelbraunen Augen des Dhampirs und seufzte traurig.

„Ihr helft mir bereits. Verhaltet euch einfach normal, macht euch keine Sorgen, ich bin sehr bald wieder bei euch und dann wird wirklich alles wieder gut.“

kaoru streckte die Hand über das Bike und strich Kyo über die Haare und dann die Wange.

„Vertrau mir einfach Kyo…bitte.“

„Aber ich vermisse dich…“ kyo legte die Hand auf die des Anderen.

„Bitte komm bald zu uns zurück…“

„Werde ich, mach dir keine Sorgen, ich verlass euch nicht.“

„Okay… wenn du Zuflucht brauchst, meine Balkontüre ist immer offen für dich. Du magst wohl keine Haustüren.“ Er grinste bei der letzten Aussage und auch Kaoru kicherte.

„Das war zufall bei Shinya. Ich muss nun wirklich los.“

„na okay…“ kyo ging beiseite und sah ihn dann noch einmal an.

„Die neue Frisur steht dir…“

Nachdem er Shinyas Bleibe verlassen hatte, war es nicht so schwer gewesen den Weg zurück nach Hause zu finden und schon nach knapp einer Stunde war Kaoru wieder in seiner vertrauten kleinen Bude angekommen.

Er legte die Schuhe ab, verstaute die Shotgun ordnungsgemäß in ihrem kleinen Schrank und ging in die Küche für eine ordentliche Mahlzeit, bestehend aus direkt zwei Blutbeuteln, die er sich einverleibte und dabei Gedankenverloren aus dem Fenster sah. Trotz der, ansich, warmen Jahreszeit braute sich da was kaltes zusammen und er wurde das Gefühl nicht los, etwas würde geschehen. Sein Handy holte ihn aus seinen Gedanken und er las die Nachricht, die Takihara ihm geschickt hatte.

„Hole dich heute Nacht ab. Bin gegen 12 Bei dir.“

Kaoru seufzte, warf den leeren Blutbeutel in den Müll und begab sich ins Schlafzimmer. Wenn Takihara hier auflaufen und ihn mitnehmen wollte, wohin auch immer, dann sollte er noch ein paar wenige Stunden Schlaf bekommen.

Ohne sich umzuziehen warf er sich ins Bett und zog die Decke über den Kopf.
 

Es war nichtmal eine Stunde, als ihn etwas aus dem Schlaf riss und er rollte aus und unters Bett, gerade noch rechtzeitig.

Lange scharfe Krallen zerrissen die Matzratze und erwischten ihn auch fast, als die kümmerlichen Reste seiner Schlafunterlage beiseite geworfen wurden.

„Nabend Brüderchen.“ diese schnarrende Stimme, diese roten Haare und dieser kalte Blick.

Kaoru sprang knurrend und fauchend auf.

Damsel hatte ihn doch tatsächlich bis nach Japan verfolgt und stand nun, in Begleitung von zwei Vampiren in seinem Schlafzimmer.

„Vater macht nun ernst, wie mir scheint?“

„Er will dich zurück und da ist ihm jedes Mittel recht und nun komm freiwillig mit, oder wir sind gezwungen dir was anzutun.“

Kaoru schnaubte. Wäre er nicht wach geworden, dieser stämmige Vampir zu ihrer rechten hätte ihn mit seinen Krallen fast umgebracht.

„Du kennst meine Antwort!“ fauchte er und sie seufzte.

Als wäre ihr Seufzen eine Bestätigung oder eher Erlaubnis für die zwei Vampire, stürzten sie sich auf Kauro, der zur Seite sprang. Mit einem krachen und splittern wurde seinem Kleiderschrank eine Türe aus den Angeln gerissen.

Bei seinem Versuch aus dem Schlafzimmer zu Eilen trafen ihn zwei Kugeln aus Damels Revolver in der Schulter und er wurde durch die Wucht gegen die Wand geworfen.

Er sah zu ihr rüber, sie grinste, er knurrte, packte eine Vase mit Blumen von seiner Kommode und warf diese nach ihr.

Zwar zerschoss sie das Gefäß, doch das Wasser schwappte ihr ins Gesicht und sie heulte unter schmerzen auf, als das Wasser ihre Haut verbrannte.

„STEHT DA NICHT SO RUM!!! SCHNAPPT IHN!!!“ Fauchte sie die Vampire an, die Kaoru ins Wohnzimmer folgten, wo dieser schon die Shotgun wieder ausgepackt hatte und direkt zweimal schoss.

Den einen der Beiden, ein großer, schon etwas älter wirkender, wich dem Schuss aus, doch der Andere hatte weniger Glück und wurde durch die Wucht des Schusses auf und dann über die Couch befördert. Dabei ging einiges zu Bruch, doch das konnte ihm gerade nicht egaler sein.

Der Alte stürmte auf Kaoru zu, nutze die Zeit die er zum Nachladen brauchte und seine Klauen verfehlten den Gitarristen und zerstörten fast die komplette Wand.

„HEY! DIE BUDE IST NUR GEMIETET!!!“ Fauchte der Gitarrist und schoss dem Alten nun eine ordentliche Menge Schrott in die Brust.

Er eilte an dem jaulenden Viech vorbei, wollte über den Balkon entkommen, als der Andere sich aufgerappelt hatte und Damsel aus dem Schlafzimmer gestolpert kam, in das der Vampir nun Kaoru scheuchte, der einem weiteren Angriff auswich.

Nun war er wieder in seinem Schlafzimmer, der Vampir blockierte die Türe und Damsel fing nun an mit Messern auf ihn los zu gehen.

„Ich bring dich heim und wenn es das letzte ist was ich tue!“ knurrte sie und trat nach ihrem Bruder, der ihr Bein zu packen bekam. Mit dem Ellenbogen schlug er auf ihr Knie, was Damsel erneut aufheulen ließ. Er warf sie regelrecht auf den Vampir, der davon aber nicht beeindruckt war und sie problemlos auffing, doch in dem Moment Kaorus Shotgun ins Gesicht geschmettert bekam. Der Unterkiefer des Biests knackte, Kaoru sah einen seiner Zähne durch den Raum fliegen, als er die entstandene Lücke nutzte und aus dem Schlafzimmer entkam. Er war so auf Flucht fixiert, er hatte den anderen Vampir vergessen, der ihn nun am Kopf packte und ihn gegen die Wand warf.

Kaoru heulte unter schmerzen, als er den Türrahmen traf und ihn der Küche landete, wohin ihm der Alte auch folgte.

Unter schmerzen versuchte Kaoru sich zu erheben, als er erneut gepackt und durch den Raum geworfen wurde.

Immer und immer wieder warf der Alte Vampir ihn gegen die Möbel, bis Kaoru langsam aber sicher die Kraft ausging und seine Sicht sich trübte.

Als dem Vampir klar zu sein schien, dass er sich kaum noch regte, packte er den Gitarristen an den Haaren, hielt ihn daran fest und knurrte dunkel, während Damsel in die Küche humpelte.

„Na Endlich…“ Knurrte sie, grinste dann aber und ging zu Kaorus völlig verbeultem und ramponiertem Kühlschrank. Natürlich wusste sie, dass er Blutkonserven hortete, welcher Dhampir mit eigener Bleibe tat das nicht?

Sie bediente sich einfach und grinste ihn dann weiterhin an.

„Du bist wirklich ein ganz schöner Haufen Arbeit.“ meinte sie dann im Plauderton, holte eine Klinge und eine kleine Flasche aus ihrer Tasche und hielt ihm beides vor die Nase.

„Weißt du was das ist?“ fragte sie amüsiert und er schüttelte müde den Kopf.

„Damit kann man einem Dhampir, für begrenzte Zeit, die Kräfte nehmen und ihn schön tief schlafen lassen.“

Kaorus Augen weiteten sich, er wusste was sie nun vorhatte.

„Wir werden dich damit nun außer gefecht setzen, um dich sicher nach Amerika und nach Hause zu schiffen.“ Sie entkorkte die Flasche und rührte die Flüßigkeit mit der Klinge um, während Kaoru versuchte sich aus dem Griff des Vampirs zu befreien, der seine Haare noch sehr feste im Griff hatte.

Knurrend schlug er nach Damsel, versuchte irgendwie zu entkommen, als sie die Klinge durch seine Hand stach. Auch wenn es schmerzte und Kaoru durchaus merkte, dass da etwas passierte, entriss er ihr so das Messer und stach es dem Vampir hinter sich in die Hand.

Der Vampir jaulte, sein Griff lockerte sich etwas und Kaoru nutze die Chance, sein Haar einfach abzuschneiden um dem Griff zu entkommen.

Geschwächt warf er die Klinge nach Damsel, die in Deckung ging und er eilte aus der Küche, zum Balkon und stürzte sich von diesem einfach nur herunter.

Mit lautem Krachen und dem Auslösen der Alarmanlage landete er auf einem geparkten Auto, erhob sich rasch und humpelte davon, um sich zu verstecken.

Bei der Suche nach einem Versteck, merkte er wie ihm schwindelig wurde. Was hatte dieses Mittel mit ihm gemacht? Wieso wurde er so schwach? Als er im Begriff war umzufallen, sah er eine verschwommene Gestalt vor sich auftauchen.

Die Person sagte irgendwas, doch er verstand nichts, es war als wäre sein Kopf mit Watte gefüllt worden.
 

„Niikura, was ist passiert?!“ Takihara hatte den Tumult gehört und auch gesehen, wie Kaoru von seinem Balkon gesprungen war. Der Dhampir vor ihm blutete, er war zusammen geschlagen worden und sein Blick war trüb und nichts sagend.

Er sah auf, als er ein lautes Knurren hörte und zwei Vampire sah, die aus Kaorus wohnung kamen und schnupperten.

Er entschied schnell, packte den Gitarristen am Arm und zog ihn mit sich. Der Jüngere stolperte ihm einfach hinterher und sie schafften es bis zu seinem Wagen, auf dessen Rückbank Kaoru einfach zusammen klappte und er sie aus dem Stadtgebiet und in das seinige fuhr.
 

Als Kaoru endlich wieder zu sich kam, sah er ein paar roter Augen über sich, die ihn beobachteten.

„Hi.“ sagte eine, ihm unbekannte Stimme und wie aus reflex schlug er aus, doch die Person wich dem Schlag aus, packte seinen Arm, drehte ihn auf den Rücken und setzte sich auf sein Kreuz.

„Argh!!!“ Der Gitarrist jammerte leise, als sich seine Sinne endlich klärten und er sich umsah.

Sah nach einem Krankenzimmer aus. Weiß, gut beleuchtet und stank nach Desinfektionsmittel.

„Kiara, was tust du denn da?“ Takihara war ins Zimmer gekommen und besah sich die Szene vor sich.

„Er hat angefangen!“ beschwerte die Frau sich und erhob sich von Kaorus Rücken, der nun endlich aufstand, wenn auch noch sehr wackelig.

„Wo bin ich hier…“ murmelte Kaoru schwach, wurde dann von Takihara gestützt und bekam einen Becher gereicht.

„Bei mir zuhause. Ich hab doch gesagt, ich mach was klar.“ Er sah zur Frau rüber, die sich räusperte.

„Ach ja, meine Sis Kiara. Kiara, das ist Niikura Kaoru.“

„Ich weiß wer er ist.“ Sagte sie und nahm ihr Handy zur Hand.

„Dir en Grey ist mir nicht unbekannt.“

„Verzeihung… ich wollte nicht nach Ihnen schlagen.“ Murmelte Kaoru und Kiara winkte ab.

„Schon okay, du warst ordentlich ausgeknockt. Sollte aber alles wieder okay sein.“

„Kiara ist unsere Wunderheilerin.“ Erklärte Takihara und legte lässig einen Arm um Kaorus schultern.

„Was sie nicht hinkriegt ist nicht heilbar.“

„Schleim ruhig weiter Brüderchen, aber das was ich nicht retten kann ist die verkorkste Frisur deines Freundes.“

„Kümmern wir uns später drum, komm Niikura, mein Dad will dich sehen.“
 

Er führte Kaoru aus der Krankenstation in einen langen Korridor und der Gitarrist sah sich verwundert um.

„Wo sind wir hier?“

„Im Nest meiner Familie.“ Takihara wies ihn an, ihm zu folgen, was Kaoru auch tat.

„Wir sind unterirdisch. Ich glaub das hier war mal ein Bunkersystem, aber genau kann ich es dir auch nicht sagen. Ist auf jedenfall nicht aus versehen erreichbar, man muss schon wissen wie man hier herein kommt.“

Kaoru sah sich um, während sie durch die beleuchteten Gänge gingen.

Überall Türen, abzweigungen und Leute, die umher gingen, ihrem Alltag hier unten nachgingen oder ihrem Feierabend. Kaoru hatte keine Ahnung wie spät es war und ein Griff in seine Hosentasche und ein Blick auf sein Handydisplay zeigten ihm, es war völlig im Arsch und er musste sich sehr schnell ein neues holen.

Vampire und auch Dhampire kreuzten ihren Weg und Kaoru spürte ihre Blicke, doch weder er noch Takihara blieben für einen Plausch stehen und der Blonde führte den Neuankömmling bis ans Ende eines langes Korridors zu einer großen hölzernen Doppeltüre.

„Mein Vater will mit dir reden, ich hoffe du kannst dich benehmen.“ Der Yakuza klöpfte und öffnete dann die Türen.
 

Der Raum der sich nun vor Kaoru erstreckte ließ sich am ehesten mit einem alten Tempel vergleichen. Große Säulen, alte Malereien an den Wänden, es wurde hier nur alles von Kerzen erhellt und der schwere Duft von Räucherstäbchen hing in der Luft.

Er blieb einen Moment stehen, um das alles auf sich wirken zu lassen, als ein Vampir zwischen den Säulen hervortrat und ihn ansah.

„Es ist beeindruckend, nicht wahr?“ fragte er mit ruhiger Stimme und Kaoru nickte etwas, sah dann in das Gesicht des Wesens vor sich. Dieser Vampir war steinalt, das sah man sofort. Die Jahre hatten seine Haut einfallen lassen, sie spannte sich dünn über die stark verformten Gesichtsknochen, die roten Augen leuchteten Müde, aber noch lebendig in ihren Höhlen und die scharfen Zähne waren über die Zeit und den ständigen Konsum verfärbt und vergilbt. Der Vampir passte auf eine sehr seltsame Art und weise sehr gut in diese Tempelanlage.

„Vater.“ Takihara war wieder an Kaorus seite und verneigte sich, was der Gitarrist ihm sofort gleich tat.

„Mein Junge, viel zu tun wie mir scheint und du hast uns einen Dhampir mitgebracht.“ Der Alte strich sich mit einer vierfingrigen Hand über seinen langen silbernen Bart.

„Ich habe dir von ihm erzählt. Der Dhampir, der seinen Clan verlassen hat.“

„Ach ja richtig.“ Der Alte ging zu einem großen Polsterkissen und setzte sich im Schneidersitz auf dieses, was ihn wie einen alten Priester erscheinen ließ. Vielleicht war er dies sogar mal gewesen.

Kaoru wurde von Takihara am Arm mitgezogen und sie nahmen auf zwei Matten am Boden Platz, während der alte Vampir seinen Yukata richtete, der an manchen stellen schon altersschwach auseinander fiel. Dann wanderten seine Augen zu Kaoru und der müde Blick wurde auf einmal stechend.

„Warum hast du deinen Clan, deine Familie im Stich gelassen?“

„Ich verabscheue es was wir taten… Menschen anlocken um sie zu zerreißen und ihre Reste den Ratten zu überlassen.“ Sagte er frei und ehrlich heraus.

„Mein Vater jagt mich, nun wieder sehr direkt und will mich in dieses Leben zurück ziehen.“

Der Alte strich sich erneut über den Bart.

„Was eine primitive Art mit der Beute um zu gehen.“ murmelte er dann und sah zu Kaoru runter.

„Am ende sagst du mir noch dass du in einer Höhle gewohnt hast.“

„Verlassene und stillgelegte Abwassersysteme.“ korrigierte Kaoru ihn.

„Aber das war in um 1910-1920 herum, ich denke es wird nun nicht mehr so ein primitives Leben sein.“

„Auch für 1910 ist das primitiv.“ Warf Takihara ein und sah dann zu seinem Vater hoch.

„Seine Schwestern und die Clanvampire jagen ihn. Deswegen kam er zu mir.“

„Dann war die Verzweiflung in der Tat groß.“ Sagte eine Frauenstimme und Kaoru spürte wie jemand an seinem Nacken schnupperte und seine haare stellten sich auf, als ein Schauer über seinen Rücken lief.

Er wandte den Kopf und sah eine Vampirin hinter sich, die die Zähne bleckte, was aber ein Lächeln sein sollte.

„Hallo. Ich bin Akino. Ich hab den da großgezogen.“ Sie zeigte auf Takihara, der mit den Augen rollte.

Kaoru verstand nicht ganz, als Akino sich neben den Alten setzte und er eine Hand auf ihr Knie legte.

„Akino ist meine Ehefrau. Wir sind die Führer dieses Clans.“ Erklärte der Alte ihm und Kaoru nickte.

„Normalerweise nehmen wir keine Fremden bei uns auf, aber da du ein Freund unseres einzigen Sohnes bist, wird eine Ausnahme gemacht.“

Der Alte erhob sich, kam zu Kaoru und legte ihm die Klauenbesetzte Hand auf den Kopf.

„Du bist im Ando-Clan herzlich willkommen mein Junge.“
 

Kaoru merkte sehr rasch, dieser Clan war anders als alles was er bisher gesehen und erlebt hatte.

Takihara machte ihn mit einigen in der Einrichtung, dem Nest vertraut und kaoru fand hier mehr anklang, als in seinem eigenen Clan.

Auch schien es niemanden zu verwundern, dass der Alte ihn einfach so hereingelassen hatte.

„Wenn du ein Freund von Masao bist, dann bist du willkommen.“ sagte Kiara, während sie dabei zusah wie eine menschliche Frau Kaoru die Haare auf eine ordentliche Länge zurechtstutzte.

„Ja männliche Dhampire sind ja meistens die Clanlieblinge…“ murmelte er und Kiara sah ihn verwundert an.

„Lieblinge? Vater hat keine Lieblinge, wir sind alle gleich für ihn. Er und Mutter lieben uns alle.“

„Ist sie wirklich eure Mutter oder…“

Kiara lachte etwas, genauso die Frau, die an Kaorus Haaren nestelte.

„Nein, sie ist unsere Ziehmutter. Unsere Leiblichen Mütter sind ja sterblich, daher muss sich jemand Nest intern um uns kümmern.“

„Wie war es bei dir denn?“ fragte die Frau hinter ihm und Kaoru seufzte.

„Keine Familie, Waisenhaus, mit ca 20 zu meinem Vater gekommen, Menschen anlocken, Blut von Leichen lecken und wieder neue anlocken. Wir waren ein gemischter Haufen, meine Schwestern kommen von überall her. Vater selber… Ich weiß nicht wo er Ursprünglich herkommt…“

„Wie alt ist dein Vater?“ Kiara schien nicht im geringsten überrascht über Kaorus früheres Leben zu sein.

Der Gitarrist überlegte etwas.

„ich glaube… er müsste so um die 1000 Jahre alt sein… aber genau weiß ich es nicht. Ich weiß nichts über ihn. Nicht einmal seinen Namen.“ Kaoru merkte erst jetzt so richtig, wie wenig Clandynamik in seiner Familie herrschte, wenn er nicht einmal den Namen seines eigenen Vaters wusste. Er konnte sich auch nicht an das Gesicht des alten Blutsaugers erinnern.

„Klingt ja nach einer tollen Familie.“ Takihara betrat das Zimmer und die junge Menschenfrau verneigte sich etwas vor ihm und trat zurück, nachdem sie Kaorus schultern abgebürstet hatte um die restlichen Haare los zu werden.

„Also besser und ordentlicher schaff ich es auch nicht, ohne sie nass zu machen.“ verteidigte sie sich und reichte Kaoru einen kleinen Spiegel, der den Kopf drehte und die neue Frisur bewunderte.

„Es sieht gut aus, habt Dank… ich wollte sie eh abschneiden lassen.“

Er erhob sich, verneigte sich vor den Damen und folgte Takihara aus dem Raum.
 

Das Nest war in mehrere Bereiche unterteilt. Es gab die Wohnbereiche, große Räume, die Vampire bewohnten mit Räumen extra für menschliche Bedienstete. Diese Menschen waren größtenteils junge Frauen, die Lockvögelchen spielten, um ihrem zugeteilten Vampir leichte Beute anzulocken. Meist bestand zwischen diesen Beiden ein geschäftliches Bündnis, aber Kaoru sah hier auch einige Frauen, die offenkundig freundschaftlich mit ihren Vampiren agierten.

In einem anderen Teil lagen die Zimmer der Dhampire. Nicht alle wohnten im Nest, aber für jeden gab es eine Unterkunft. Da Takihara seine selten bis nie nutzte, durfte Kaoru sie benutzen. Es war ein freundlich wirkender Raum, der aber, zumindest für Kaoru, zu sehr an Hotelzimmer erinnerte und er versuchte, wie auch in Hotels, krampfhaft nichts dreckig oder kaputt zu machen. Zwar verfügte man auch hier über Leute, die alles sauber und ordentlich hielten, aber er wollte dem Reinigungspersonal auch nicht zuviel Arbeit machen. Die meisten Menschen waren relativ weit abseits der Dhampirräume untergebracht worden, vermutlich um zu verhindern, dass die Menschen als Nächtliche Snacks enden würden.

Zu den Menschen zählten fast alle Altersgruppen, Männer und Frauen und die meisten waren entweder von Reinigungspersonal, in der großen Gemeinschaftsküche tätig oder im Labor zugange.

Ja, das Nest verfügte über ein riesiges Labor, doch was dort erforscht wurde, das hatte Takihara Kaoru nicht sagen können. Ob es nun etwas verbotenes war, er es nicht sagen durfte weil Kaoru ein Fremder war, oder aber weil er selbst keine Ahnung hatte, das wusste Kaoru selber auch nicht und er entschied sich, es dabei zu belassen. Er musste ja auch nicht alles wissen.

Während sie durch die Gänge liefen, in denen Kaoru sich ohne einen Führer locker verlaufen würde, herrschte Stille zwischen ihnen.

Der Blonde sah ihn immer wieder mal von der Seite an, doch etwas sagen tat er nicht. Er hatte Kaoru nicht einmal gesagt, wohin sie unterwegs waren.
 

Der Blonde schob eine große Doppeltüre vor sich auf und trat in etwas, was einer Arena nicht unähnlich war und wandte sich Kaoru zu, der etwas unsicher im Eingang stehen blieb.

„Etwas woran wir arbeiten müssen ist deine Art zu kämpfen.“ begann er zu erklären und warf Kaoru ein Bambusschwert zu, was dieser mehr als verdutzt auffing und sich das Ding dabei selber gegen den Kopf haute.

„Weil, ich sags wie es ist, nach allem was ich gesehen habe… Du kämpfst und agierst wie ein stümperhafter Idiot. Es gleicht einem Wunder, dass du überhaupt nicht lebst.“

„Ich bin auch Musiker und kein Krieger.“ versuchte Kaoru sich zu verteidigen, während Takihara sein beiges Jackett auszog.

„Falsch!!“ warf er ein und schnappte sich seinerseits eins der Bambusschwerter.

„Du musst ein Krieger sein, der Musik macht. So wie du kämpfst wirst du deine kleinen Menschenfreunde NIEMALS richtig beschützen können und am Ende müssen die dir noch den Arsch retten und lass ehrlich sein, das wäre peinlich!“

„Ich nutze vorrangig Schusswaffen…“

„Ja und das sieht auch nicht sonderlich elegant aus!“ Takihara wandte sich ihm zu und hob das Bambusschwert.

„Ich werde dich nun trainieren.“
 

Das „Training“ Endete damit dass Kaoru, wieder bei Kiara auf ihrer Krankenstation endete und erst mal mit Eispacks versorgt wurde. Schmollend saß der Gitarrist auf der Liege und drückte sich ein Eispack an die rechte Gesichtshälfte, während Clanmutter Akino Takihara zur Schnecke machte.

„Du kannst den Jungen doch nicht einfach so zusammen schlagen!“ Fauchte sie und baute sich zu ihrer vollen Größe auf, während der Yakuza vor stand und versuchte sich zu verteidigen.

„Hey, ich muss ihn trainieren, er muss kämpfen können.“

„Und da dachtest du, es wäre eine gute Idee ihn direkt zu einem Kampf heraus zu fordern?!“Akino seufzte etwas und strich mit den Krallen durch ihr langes, glattes, schwarzes Haar. Für eine Vampirin war sie eigentlich noch ganz ansehnlich.

„Geh es sanfter an, der Junge ist mit dieser Art des Kampfes nicht vertraut.“ Sie sah zu Kaoru.

„Wie alt bist du mein Junge?“

„132.“

„WAS?! So jung noch? Bist ja fast noch ein Kind…“ Sie kam zu ihm rüber und fing nun auch an sie zu betüdeln, als Takihara seufzte.

„Mum, er braucht keine betüdelung, er ist erwachsen! Ich weiß bei deinen 3578 jahren ist 132 nix, aber er ist erwachsen.“

„Du bist doch nur neidisch, weil du nicht mal wieder so betüdelt und geliebt wirst.“ Kicherte Kiara, die sich alles nur angeguckt hatte und ihr Bruder schmollte etwas.

„Ja vielleicht.“

Kaoru fand es seltsam, wie diese Vampirin sich um ihn zu kümmern versuchte. Sie hatte sich zu ihm gesetzt, ihn zu sich gezogen und die Arme liebevoll um ihn gelegt. Ihre Klauenhand strich durch sein kurzes Haar, die andere über seinen Rücken. War das was man mütterliche Liebe nannte? Er wusste es nicht und sah zu ihr hoch. Der Blick in ihren roten Augen war unglaublich warm und sanft schmiegte er das Gesicht in den Stoff ihres weichen Kimonos, genoss dieses angenehme Gefühl, aber musste innerlich kichern, als er Takihara sah, dem tatsächlich Eifersucht ins Gesicht geschrieben stand.

„Hörste jetzt mal auf damit, Mum?!“ rief er nun genervt und sie und Kaoru sahen synchron in seine Richtung.

„Was? Der Junge braucht auch mal etwas Liebe.“ Sie sah wieder zu Kaoru, der ein trauriges Schmollschnütchen zog, was er extrem gut konnte und wodurch er direkt wieder in den Arm genommen wurde.

„Jeder Dhampir verdient etwas mütterliche Liebe.“
 

Wie lange sich Kaoru nun schon im Nest aufhielt, das wusste er selber nicht. Seit er hier zu sich gekommen war, war er nicht ein einziges mal Draußen gewesen, hatte demnach auch kein neues Handy besorgen können und war von der Außenwelt komplett abgeschnitten gewesen.

Aber er hatte gemerkt, der Abstand von allem und jedem tat ihm irgendwie gut und es war angenehm unter Wesen zu sein, die ihn und seine Eigenarten besser verstanden.

Einen Teil des Laborkomplexes durfte er tatsächlich auch mal sehen. Takihara, der ihn fast überall hin begleitete war wenig beeindruckt, aber Kaoru fand es auf seltsame Art faszinierend.

Natürlich wurde hier Blutforschung betrieben und ein besonders engagierter und vielleicht etwas zu optimistischer Wissenschaftler fasselte ihnen für eine Stunde ein Kotlett an die Backe, dass sie versuchen wollten künstliche Ersatzprodukte für Vampire zu erschaffen, um sie von den Menschen unabhängig zu machen, was aber in der Theorie bisher besser klappte als in der Praxis.

„Das hier ist unser aktueller Durchbruch.“ der Mann hielt Kaoru ein Reagenzglas vor die Nase, gefüllt mit einer Flüßigkeit, die am ehesten an Abwasser erinnerte.

„Was ist das?“ wollten beide Dhampire wissen und der Wissenschaftler grinste weiterhin sein stolzes und breites grinsen.

„Kosten Sie es.“ bat er und, wenn auch leicht verwirrt wagte Kaoru einen Schluck, nur um es direkt wieder auszuspucken.

„Das ist künstlich hergestelltes Blut. Es ist genau so nahrhaft für Dhampire wie richtiges Blut.“

„Um Himmels willen, daas schmeckt ja scheußlich!“ heulte Kaoru als Antwort und der Wissenschaftler kratzte sich verlegen am Kopf.

„Ja… das mit dem Geschmack haben wir noch nicht hinbekommen. Daran arbeiten wir noch. Die Sache ist einfach, es werden zuviele Geschmacksvorschläge eingereicht und für jeden Dhampir schmeckt Blut anders und es kommt auch auf die Quelle an.“

„Echt? Es schmeckt für jeden Anders?“ Kaoru hatte das nicht gewusst und der Mann im Kittel nickte grinsend.

„Das ist ansich nicht überraschend, Geschmäcker sind verschieden aber wir haben festgestellt, dass es bei Dhampiren wirklich sehr stark variiert. Ihr seid wirklich eine sehr eigenartige Spezies.“

„Jaja, das ist ja alles schön und gut.“ Unterbrach Takihara schließlich und schob Kaoru näher an den Wissenschaftler ran.

„Hören Sie, irgendwas stimmt mit dem hier nicht. Finden Sie das raus!“

„In wie fern?“ fragte der Mann und auch Kaoru sah nur verwundert aus.

„Was weiß denn ich, er ist für einen Dhampir jedenfalls nicht normal.“

„nun...okay, wenn Sie erlauben, dann würde ich gerne etwas Blut abnehmen und gucken ob wir da was ungewöhnliches Entdecken.“

Kaoru gestattete es und bekam eine gütliche Menge seines Lebenssaftes entzogen, was ihm nichts weiter ausmachte.

Noch bevor das Prozedere abgeschlossen war verabschiedete Takihara sich, er müsse noch etwas in der Stadt erledigen und Kaoru irrte alleine durch die Gänge, auf der Suche nach seinem Zimmer.
 

Im Zimmer angekommen warf er sich auf das Bett und kramte sein kaputtes Handy hervor, was er immernoch nicht hatte fixen lassen.

Wie lange war er wohl schon hier? Ein paar stunden? Ein paar Tage oder sogar Wochen? Hier unten verlor man schnell das Zeitgefühl.

Er sah sich im Zimmer um, in der Hoffnung es gäbe vielleicht ein aussortiertes Handy irgendwo, in das er seine Karten stecken konnte, doch wurde er nicht fündig. Leise vor sich hin fluchend verließ er sein Zimmer und klopfte gegen das Gegenüberliegende, was Kiara gehörte.

Diese öffnete nach ein paar Minuten auch und sah ihn verwundert an.

„Was gibts?“ fragte sie und er hielt sein demoliertes Handy hoch.

„Haste vielleicht ein Ersatzteil was ich mir leihen darf?“ fragte er und sie seufzte.

„Ja, komm rein…“ Sie ließ ihn in ihr Zimmer eintreten und er erstarrte erst einmal, als er das große Dir en Grey Poster sah, was ihn anstarrte. Es war schon steinalt, da waren sie noch in der Visual Kei Szene tätig gewesen und innerlich zog sich bei ihm alles zusammen. Was hatten sie scheiße ausgesehen.

„Ich hab ja gesagt, du bist mir nicht unbekannt.“ Kommentierte sie seinen Blick und wühlte in einer Schublade ihres Schreibtisches herum und zog ein pinkes Handy hervor.

Seufzend reichte sie es ihm und sah dabei nicht sonderlich begeistert aus.

„Wenn Masao fragt, du hast das nicht von mir…“

Fragend sah er sie an, nahm das Handy und steckte seine Karten rein.

Als der Bildschirm aufleuchtete weiteten sich seine Augen. War er wirklich schon 10 Tage weg? Kaum hatte das Handy die Karte erkannt drehte es förmlich durch mit Nachrichten, verpassten Anrufen und seine Mailbox war voll.

Er sah zu Kiara, die betreten weg schaute und er verließ das Zimmer, ging in seins und las die Nachrichten und hörte die Mailbox ab.

Die letzte war keine 20 Minuten alt.

„Kaoru, verdammt nochmal, geh an dein verficktes Scheißhandy!“ Fauchte Kyo und Kaoru hörte Wut und Sorge in seiner Stimme.

„Wir machen uns Sorgen um dich!“ Ja, das konnte er durchaus hören.

Kaoru steckte das Handy weg und verließ das Zimmer mit eiligen Schritten.

Er musste mit dem Ältesten sprechen, doch bevor er diesen erreichen konnte wurde er von Akino abgefangen.

„Geh nicht zu ihm rein, er speist gerade.“ Sagte sie und ihre blutbefleckten Zähne verrieten, dass sie sich auch gestärkt hatte.

„ich will wissen, wie ich hier wieder herauskomme.“ sagte Kaoru und sie sah ihn verwundert an.

„Willst du uns etwa schon wieder verlassen? Ich hatte gehofft du bleibst für immer bei uns.“

„Es… Ich mag es hier, aber da draußen sind meine Freunde… nein, meine Familie, die auf mich wartet und die sich große Sorgen um mich machen…“

Akino musterte ihn und nickte.

„Deine Band ist deine Familie…“ murmelte sie und kam dann näher, eine Hand strich ihm über den Kopf und ihr Blick war mitfühlend und von Güte erfüllt.

„Wenn du wirklich wieder gehen willst, ich bin die Letzte, die dich aufhält.“

„Ich habe nicht vor, für immer weg zu gehen, aber sie machen sich sorgen um mich… Und ich bin ihr Bandleader, sie brauchen mich, genauso wie ich sie brauche.“

Erneut nickte sie und nahm seine Hand.

„Komm.“
 

Akino führte Kaoru durch verschiedene Gänge bis hin zu einem großen schweren Tor, das nur via Chipkarte geöffnet werden konnte.

Dahinter lag eine art Tiefgarage mit allen möglichen Fahrzeugen und an der Wand war ein Schlüsselkasten, aus dem sie einen kleinen Schlüsselbund fischte und ihn Kaoru reichte.

„ich hoffe du kannst Motorrad fahren. Masao-Chan nutzt sein Bike so selten.“ sagte sie und zeigte auf ein pechschwarzes, sportliches Bike auf dessen Sitz ein Helm lag.

Kaoru nickte und nahm Akino in den Arm.

„Ich bin bald zurück.“ versprach er und schwang sich auf das Bike.
 

In einem langen, Spiralförmigen Tunnel näherte er sich immer mehr der Oberfläche und durch ein, nicht verschlossenes, schweres Gittertor gelangte er an die frische Nachtluft.

Kurz nur hielt er an und nahm den Helm ab um die kühle Nachtluft zu begrüßen, die sich angenehm auf seiner Haut anfühlte, aber auch ein Unwetter prophezeite. Er musste sich beeilen.

Er sah die Stadt Tokio in einiger Distanz und steuerte sie auch auf der Einzigen Straße, die es hier gab, an und war bald wieder im vertrauten Trubel der Stadt versunken.

Kyos Zuhause war sein Ziel .

Er parkte vor dem Gebäude und sah hinauf. In Kyos bleibe brannte kein Licht, was ihn nicht aufhielt und er die Hausfassade emporkletterte, als er sich vergewissert hatte, das ihn keiner sah.

Auf Kyos Balkon angekommen spähte er hinein, doch wie erwartet, keiner da.

Da der Sänger seine Balkontüre nie abschloss war es nicht schwer hinein zu gelangen und auf leisen Sohlen, um weder seinen Bandkollegen noch seinen Hund zu wecken schlich sich Kaoru ins Schlafzimmer und wie erwartet war Kyo dort.

Der Kleinere lag in seinem Futon, bis zur Nasenspitze unter der Decke vergraben und gab sehr leise, fast schon schnurrende Schnarcher von sich.

Der Dhampir hockte sich daneben und beobachtete ihn etwas. Kyo sah so unschuldig und niedlich aus, vor allem wenn er schlief. Sein blondes Haar war völlig verstrubbelt und Kaoru widerstand dem Drang seine Finger darin zu vergraben. Erst jetzt merkte er, wie sehr er den Kleinen vermisst hatte. Er seufzte leise und schreckte etwas zusammen, als Kyo seinen Namen murmelte.

Der Sänger redete im Schlaf und fing nun an sich etwas hin und her zu wälzen. Hatte er wieder einen Alptraum?

Kyo streckte die Arme in die Höhe, er murmelte Kaorus Namen und der Ältere war hin und her gerissen. Sollte er Kyo wecken? Sollte er lieber wieder gehen?

„ich bin da Kyo…“ murmelte er, strich dem Kleineren durch die Haare und hauchte ihm einen Kuss auf die Stirn.

„ich bin bald wieder da…“ Er verschwand aus dem Schlafzimmer und gerade als er die Balkontüre zuzog sah er, wie Punchan wach wurde. Der Wind draußen hatte mächtig fahrt aufgenommen und er kletterte auf den Balkon schräg über sich und warf dabei, aus versehen einen Blumentopf herunter, der laut krachend auf Kyos Balkon fiel und dort zerschellte.

Er zuckte bei dem Krach in sich zusammen. Hatte das jemand gehört? Er verweilte kauernd auf dem Balkon, als die Türe des Sängers aufging. Er spähte nur kurz hinunter, sah wie Kyo fast umgeweht wurde und dann die Scherben beseitigte, die er dort hinterlassen hatte.

/Na Toll./ dachte er und blieb im Schneidersitz auf dem Balkon hocken.

/ich Idiot hab Kyo geweckt…/ Er seufzte, was man aufgrund des tobenden Windes nicht hörte und wartete, bis der Blonde wieder im inneren verschwunden war, ehe er sich davon machte.
 

Um die stürmische Nacht zu überstehen, verschwand Kaoru in seine völlig verwüstete Wohnung, besah sich das Chaos und seufzte traurig und genervt auf. Das fixen zu lassen würde teuer werden.

Sein neues Handy vibrierte und ein Blick darauf verriet ihm, morgen hatten sie ein Interview. Er würde dort sein. Er konnte die Band nicht noch länger vernachlässigen, aber er wusste auch, er musste zum Nest zurück und sein Training fortsetzen. Takihara hatte recht, er musste Stärker und Mächtiger werden, denn nur so konnte er seine Band letzten Endes selber beschützen.



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Kommentare zu dieser Fanfic (4)

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Von:  Schattenläufer
2026-05-29T11:29:26+00:00 29.05.2026 13:29
Also wenn "Junge Frau, mit dicken Titten" kein legitime Kündigungsgrund ist, was denn bitte dann?! XD
Ein interessanter Auftakt, für die Geschichte. Keine Ahnung, wann die Geschichte spielt, aber wenn er schon knapp 100 ist, besteht eine gute Chance, dass er auch den ersten Weltkrieg erlebt hatte? Wär interessant, was darüber zu hören. Denn über Japan hört man aus dieser Zeit kaum etwas. Waren doch keine Kriegspartei, oder? Jetzt interessiert mich, der Blick darauf, von außen.

Kaoru selbst scheint die Rolle des gewissenhafte Killers zu übernehmen. Will eigentlich niemanden töten, aber wenn es doch passiert, verliert er deswegen keinen Schlaf. Erinnert mich ein bisschen an Mr. Inbetween.
Was das angeht hab ich keine persönliche Erfahrung, aber ich glaub schlechte Jobs und schlecht I'm Haushalten mit Geld zu sein kenn nicht nur ich xD
Bin gespannt, wie seine Geschichte weiter geht.

Von:  Schattenläufer
2026-05-23T18:24:31+00:00 23.05.2026 20:24
Das ist ein interessanter Auftakt. 1948... Kurz nach Ende des zweiten Weltkriegs also. Hat das vielleicht eine Bewandnis? Ich kenne Dir en grey leider gar nicht. xD
Ich mag den wissenschaftlichen Ansatz, für die Vampire. Das gibt dem Ganzen etwas Bodenständiges und ein gekonnter Mix zwischen übernatürlich und wissenschaftlich ist immer gut. Hast du mal Necroscope gelesen? Das hat einen ähnlichen Ansatz und könnte dir vielleicht gefallen.
Eine Kleinigkeit fällt mir auf. Du bezeichnest den Überträger häufig als Wirt. Ich denke der Begriff ist hier nicht ganz zutreffend. Das wirkt etwas verwirrend, da Wirt eher zum neu infizierten passt. Das Virus wird weitergegeben und setzt sich in einem neuen Körper fest. Es ernährt sich in dem, während seine Lebensfunktionen nach und nach abbauen, hat in diesem Stadium also eine rein parasitäre Verbindung, wodurch man also von einem Wirtskörper spricht. ^^
Das ist aber nur eine Kleinigkeit und ich konnte mich dran gewöhnen, was du meinst. Bin trotzdem gespannt, wie es weitergeht. ^^
Von: FeenjaWesker
2026-02-22T21:03:14+00:00 22.02.2026 22:03
Wird Zeit mal wieder einen Kommentar nachzuholen.
Okay, erstmal schauen was eigentlich in Kapitel zwei passiert ist ... (reading noises) ... ah, ach ja! Ist schon so lange her :D

Mit Kyo zusammen zu arbeiten, muss für einen Dhumpling wie Kaoru wirklich die Hölle sein! Ständig passiert irgendwas, ständig tut sich einer weh und ständig springt die pure Versuchung (wortwörtlich) vor ihm auf und ab! Eigentlich ein Wunder, dass Kaoru da nicht schon lange mal schwach geworden ist und sich einen kleinen Snack geholt hat.
Aber wenn nicht er, wer soll dann auf diese Wahnsinnigen aufpassen?

Ist schon irgendwie süß, dass sie sich so große Gedanken um ihrem halbtoten Leader-sama machen. Generell ist es, beim zweiten Mal lesen, sogar noch ein wenig lustiger, wie dermaßen überdreht Kyo bei dir immer ist. Der Kerl ist außerdem der Mensch-gewordene Teebeutel! In alles hängt er sich ungefragt rein, selbst wenn es ein Haifischbecken ist!
Überlebensinstinkt? Was ist Überlebensinstinkt?
Wahrscheinlich findet in Kaoru regelmäßig ein innerer Kampf zwischen "Ich will ihn beißen" und "Ich will ihn aus dem Fenster werfen!" statt.

132 Jahre alt und noch nie ist er jemandem wie Kyo begegnet? Ich glaub Kyo wäre sehr beleidigt, wenn Kaoru ihm sagen würde "In den letzten 100 Jahren bin ich vielen Menschen begegnet, die genau so wie du sind!"
Ich warte übrigens immer noch auf das Blumenkohl-Kapitel 🥦🥬🥑🫑🌽🍅🍄‍🟫
Von: FeenjaWesker
2026-02-08T21:45:24+00:00 08.02.2026 22:45
Wie ich schonmal gesagt habe, finde ich die Idee mit den Vampiren gut ... also natürlich den Teil den du dir ausgedacht hast :D ich hab nur meinen Senf dazu gegeben und dich mit random Dingen vollgelabert.

Und ja, Kaoru passt perfekt in diese Rolle! Ich wüsste auch gar nicht, wen man statt ihm nehmen sollte.
Kyo? Hm, ja der würde vielleicht auch noch einen guten Dumpling abgeben. Aber bei den anderen könnte ich mir das hier nur sehr schwer vorstellen. Shinya ist viel zu zart dafür und von Dai und Toshiya würde maximal Toto in Frage kommen. Zumindest so wie er mittlerweile aussieht. Er ist so ein wandelnder Schrank geworden, das ist echt unglaublich! Ich glaub der wohnt im Gym, anders kann man sich das nicht mehr erklären.

Aber zurück zur Story und Kapitel 1 (Ja, ich will die Kapitel einzeln durchgehen und vielleicht bei jedem, oder alle zwei Kapitel einen Kommentar hinterlassen)

Armer kleiner Tooru/Kyo. Ein kleiner Junge sollte nicht solche finsteren Gedanken haben. Es unterstreicht zwar seinen extremen Charakter, aber trotzdem ist das echt traurig :( Und was für ein Glück, dass Kaoru genau an diesem Abend da oben auf dem Dach war, um ihn zu retten! Er braucht Kyo in seinem Leben, damit dieses gehörig durcheinander gewürfelt werden kann! Was würde Kaoru denn ohne seine persönliche Nervensäge tun?

Über die Sache mit Kaorus Wasserallergie, hatten wir ja schon einige Male gesprochen. ich weiß immer noch nicht, ob ich die nun gut finden soll, oder nicht. Es bringt einige Interessante Grundlagen für Ideen mit sich, ist aber auch ganz schön hinderlich in vielen Situationen.

Gut, viel gibt es ja erst einmal nicht zu sagen. Ich hol die Tage dann die restlichen Kommentare nach, damit die Sektion ein wenig gefüttert wird :)

🦜


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