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Another Metalverse

von

Vorwort zu diesem Kapitel:
Bevor wir mit der Fanfiktion starten, eine kleine Warnung - nicht alles, was in dieser Geschichte erwähnt ist, passierte auch genauso in unserer Welt. Etwas Improvisation braucht man bei solchen Fanfiktions einfach immer, außerdem habe ich das Alter der Mädchen etwas angepasst. Su, Moa, Yui und Momo sind siebzehn, die Atarashii Gakko-Mädels hingegen sind genau ein Jahr jünger. Wegen des Schulsettings war es nicht unvermeidbar so eine Anpassung durchzuführen, aber die Familienverhältnisse sind tatsächlich weitestgehend gleich geblieben. Genug geredet, los gehts! Komplett anzeigen

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Another Verse 1

In einem anderen Universum, das sich unserem sehr ähnelt, gibt es einen kleinen Klub an einer Schule, der sich Klub für alternative Musik nennt. Er wurde ursprünglich an einer Mittelschule gegründet und hatte drei Mitglieder, die zusammen die Band Babymetal bilden. Suzuka Nakamoto (Su-Metal), Moa Kikuchi (Moametal) und Yui Mizuno (Yuimetal) hatten in dieser Zeit einen Lehrer, der sich sehr aktiv darum gekümmert hat, wie ihre Musik klang und sie über viele lokale Feste Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnten. Die Mädchen gaben sich viel Mühe, auch wenn sie am Anfang nicht viel Ahnung von Metalmusik hatten und hier und da auch von Leuten eher belächelt wurden. Ihre Schule hatte sowohl eine Mittelstufe als auch eine Oberstufe, weshalb sie sich nicht ab der Oberschule trennen mussten und es lief so gut, dass sie fast einen richtigen Plattenvertrag gehabt hätten - doch direkt am Anfang der Oberschule kam schon der erste Dämpfer. Yui ging es nicht mehr gut, weshalb sie nicht mehr weiter tanzen konnte und nur noch als Manager des Klubs aktiv sein konnte. In der Zwischenzeit hatte der Klub schon ein paar neue Mitglieder dazu bekommen, in Form von Riho Sayashi, Kano Fujihira und Momoko Okazaki (Momometal). Sie hatten bis Ende des Schuljahres den Platz von Yui füllen können, bis Riho und Kano andere Wege gingen, die sich jeweils anderen Musikklubs widmeten. So blieb am Ende nur noch Momo übrig, die letztlich permanent den Platz von Yui füllen sollte. Das zweite Schuljahr hatte begonnen und neben den Trainings galt es auch noch neue Mitglieder für das Bestehen des Klubs zu finden - was anfangs schwierig wirkte, aber es gab da ein paar Mädchen, die dem Klub beitraten.

»Mahlzeit«, rief ein schwarzhaariges Mädchen mit recht kurzen Haaren und einer Brille, die von drei anderen Mädchen begleitet wurde.

»Hallo, Kanagawa-san. Und ihr anderen natürlich auch, Ishii-san, Nagawa-san und Kimura-san«, sagte Yui, in einem recht monotonen Tonfall, als die breit grinsende Suzuka Kanagawa vor ihr stand.

»Oh, sind wir heute die ersten im Klubraum?«, fragte Ishii, (die auch Mizyu genannt wurde) mit den zwei schwarzen Zöpfen die ältere Yui mit den dunkelbraunen, offenen Haaren.

»Nein, die anderen sind nur schon rausgegangen, um eine Runde zu laufen. Sie wärmen sich auf, nichts besonderes. Ihr hättet aber generell nicht die Ersten sein können, wenn ich hier bin«, sagte Yui, worauf sich die Erstjahre erstmal auf ihre Plätze setzten und Yui bei ihrer schriftlichen Arbeit zu sahen.

»Hey, Suzuka. Ich mache uns allen Tee, ja? Gebacken hab ich für den Klub auch, also haben wir auch was zu naschen da, bis die anderen zurück sind«, sagte Kanon, die ihre Schultasche auf den Tisch stellte und auspackte.

»Kanon hat wieder was leckeres dabei, ich bin gespannt«, kam es von Rin, während es am Tisch etwas lebhafter wurde und Yui das Ganze beobachtete.

Normalerweise war sie sehr bedacht, alles ordentlich zu halten und Disziplin für die neuen walten zu lassen, aber wenn es Kekse gab, sagte sie nicht nein.

»Möchtest du auch, Mizuno-senpai?«, fragte Kanon, worauf Yui sie kurz intensiv anstarrte.

»Ich lass euch das nur durchgehen, weil ich mitessen darf. Gerne.«

Die neuen Erstjahre waren lebhaft und nett, aber sie waren bei weitem nicht so motiviert wie die Zweitjahre, die stets intensiv trainierten und sich bei weitem nicht so viele Pausen gönnten, wie die Jüngeren. Nach einer halben Stunde waren sie wieder da und konnten direkt sehen, wie ihre Kohais sich amüsierten. Alle vier waren erst ab der Oberschule an die Schule gewechselt, sonst wären sie eher an die Arbeitsweise der anderen Mädchen gewöhnt gewesen.

»Wir sind wieder da, Yui. Ach, unsere gutgelaunten Kohais sind auch da«, meinte die ältere Suzuka, während hinter ihr Moa und Momo standen.

»Mahlzeit, Nakamoto-senpai. Gönnt euch ‘ne Pause, Kanon hat wieder gebacken. Danach geht's für uns auch zum Training, aber ganz entspannt«, rief die jüngere Suzuka, während die ältere seufzte.

»Sie ist immer so extrovertiert und aufgeweckt, ganz anders als ich. Ich gewöhne mich ja langsam an sie und die anderen, aber sie sollten lernen, dass der Klubraum keine Teestube ist«, seufzte Su, während Moa ihr die Schulter tätschelte.

»Atarashii Gakko! lässt sich halt Zeit, aber sie sind so liebe Kohais. Nicht jeder kann so ernst hinter seinen Zielen her sein wie du, Su-chan. Guck, Momo-chan versteht sich auch gut mit ihnen«, meinte Moa, während die beiden älteren zusahen, wie Momo sich mit den Kohais unterhielt.

»Ja, ich weiß. Yui haben sie auch schon eingelullt, aber gut. Setzen wir uns erstmal.«
 

Der Klubraum roch schon, seitdem sie zurückgekommen waren nach Süßigkeiten und Tee, aber dieser Geruch war nur noch intensiver geworden.

»Habt ihr eigentlich schon die Choreo geübt, die euch Mizuno-sensei neulich gezeigt hat?«, fragte Su, während sie in nickende Gesichter schaute.

Mizuno-sensei war neben Koba-sensei eine zweite Lehrerin, die neben ihrem eigenen Tanzklub auch Choreografien für die Mädchen erstellte. Sie war dennoch nicht mit Yui verwandt, auch wennda sie denselben Nachnamen hatten.

»Es wirkt vielleicht nicht immer so, aber wir trainieren tatsächlich und wollen euch beim nächsten Auftritt nicht nur unterstützen, sondern auch auffallen«, meinte Rin, worauf sich in Sus Kopf nicht ganz das positive Auffallen auftat, was sie vielleicht meinten.

Atarashii Gakko eckte hier und da schon etwas an, auch wenn die Musik trotzdem gut war und das vielleicht nicht immer brauchte. Es waren einfach die Eigenarten der Kohais, die sich immer wieder bemerkbar machten.

»Denkt nur immer dran, euch gut aufzuwärmen. Das ist ein Tipp, den ich selbst gern gewusst hätte, als ich noch in der Mittelstufe war«, sagte Moa, die ziemlich gern der liebe und nette Senpai für die anderen war.

Yui räusperte sich in diesem Moment deutlich, damit ihr alle zuhörten. Su schaute direkt zu ihr, da sie genau wusste, dass Yui alles genau im Blick hatte. Während Yui ihre Aufgabe als Manager sehr genau nahm, war Su als Klubchefin wichtig, dass neben den Blödeleien trotzdem alles gut lief. Wenn es Probleme gab, mussten sie früh genug erkannt werden, um etwas dagegen zu unternehmen. Gerade für die Jüngeren, die noch nicht so viel Erfahrung hatten, waren eigene Erfahrungen auch wichtig, um aus Fehlern zu lernen.

»Die Erstjahre trainieren tatsächlich, wenn auch nicht ganz so intensiv wie die Zweitjahre. Ihnen geht es noch darum, Spaß zu haben, auch wenn sie sich verbessern wollen. Ich hoffe nur, dass sie ihre Schulnoten gut halten können, in der Zwischenzeit. Nachprüfungen fallen gern mal auf Zeiten, wo wir Auftritte organisieren. Allerdings habe ich dazu noch keine Daten«, erklärte Yui.

Bei den Zweitjahren gab es notentechnisch keine Probleme. Su und Yui waren stets in den oberen Plätzen der Ranglisten vertreten und Momo war auch stets über dem Durchschnitt unterwegs. Moa konnte besser abschneiden, wenn sie wirklich wollte, war aber stets im Durchschnitt unterwegs, musste aber nie zu irgendwelchen Nachprüfungen antanzen.

»Rin und ich sind immer gut im Mittelfeld unterwegs. Wir kommen gut klar und Kanon schleift Suzuka ziemlich gut durch, würde ich sagen«, erklärte Mizyu.

Da Suzuka stets als Hauptsängerin eingesetzt wurde, ging man eigentlich davon aus, dass sie die Leaderin von Atarashii Gakko war - doch es war eigentlich Mizyu, die diese Gruppe führte.

»Ach, ist Kimura-san ihre eigene Nachhilfelehrerin? Das passt irgendwie ganz gut zusammen, so seid ihr gut abgesichert«, meinte Su beruhigt, aber Kanon musste darauf etwas lachen.

»Nakamoto-senpai, so schlecht ist Suzuka dann tatsächlich doch nicht. Sie hat zwar noch nie hundert Punkte in einem Test geschrieben, kommt aber immer gut durch. Meistens schiebt sie das Lernen bis in die letzte Sekunde auf, aber sie kann, wenn sie will. Meine schlechteste Punktzahl war eine 60, aber ich lerne tatsächlich auch ganz gern für die Schule. Wenn Suzuka also Fragen hat, kann sie immer auf mich zukommen«, meinte Kanon.

Suzuka staunte nicht schlecht, als sie diese Zahl gehört hatte. Eine 60 als niedrigste Punktzahl, das war wahrscheinlich wirklich ein schlechter Tag für Kanon gewesen.

»Du bist bestimmt ein Genie, wenn du so gut in der Schule bist«, meinte Momo, worauf Kanon mit roten Bäckchen nervös den Kopf schüttelte.

»Nein, nein. Ich bin einfach nur gut darin, mir Sachen zu merken und sie dann gut wiederzugeben. Das hat nichts damit zu tun, dass ich besonders klug bin oder so, Okazaki-senpai. Du lernst Sachen viel schneller als ich«, sagte Kanon.

Während Kanon und Momo sich gegenseitig Komplimente austauschen, kam Suzuka derweil auf eine Idee, die Su besser nicht gehört hätte.

»Nakamoto-senpai, wenn du mal krank bist, könnte ich dich ja vertreten. Wir haben immerhin den gleichen Vornamen und eure Texte kann ich eh schon auswendig. Im Gegenzug kannst du meine Vertretung sein, wenn ich mal krank bin«, schlug Suzuka vor, worauf die Klubchefin schluckte.

»Ich … bin dir dankbar für den Gedanken, Kanagawa-san. Trotzdem wäre es vielleicht besser, wenn wir das nicht tun. Wir sind dann doch etwas zu verschieden, also wäre es in dem Fall besser, wenn wir eine Show einfach absagen. Nicht, dass ich was gegen dich habe oder so«, erklärte Su, worauf die Jüngere lachte.

»Alles gut, das habe ich schon erwartet. Aber der Gedanke ist schon irgendwie witzig, oder? Gegen einen gemeinsamen Song spricht aber nichts, oder?«

Su wollte gerade antworten, als ihr Momo in die Quere kam.

»Es ist doch selbstverständlich, dass wir einen Song mit unseren Kohais machen. Mindestens einen pro Schuljahr oder einen, wo ihr im Mittelpunkt steht und einen, wo wir im Mittelpunkt stehen. Aber nur, wenn ihr brave Kohais seid«, sprach Momo, worauf sich direkt eine Welle an Freude und freudiges Klatschen bei den Zweitjahren gebildet hatte.
 

Die Zweitjahre hatten es gut. Sie waren so in der Form gegründet worden und mussten noch kein Mitglied austauschen. Ein zusätzliches Mitglied würde wahrscheinlich gut akzeptiert werden, wenn sie eines in den Klub gebracht hätten. So einfach war das für die Erstjahre, für Babymetal, leider nicht. Wenn man ein wirklich gutes Mitglied dabei hatte und es trotzdem gut ersetzen konnte, gab es dennoch immer wieder Vergleiche. Kano und Riho hatte es nichts ausgemacht, immer wieder mit Yui verglichen zu werden. Sie waren schließlich nicht aus dem Klub ausgetreten, weil ihnen dieser Druck zu groß geworden war. Für Momo hingegen war es nicht immer so einfach, egal was sie tat. Es kam nicht in jedem Gespräch mit Mitschülern zur Sprache, aber sie redeten immer wieder davon, wie die Zeit mit Yui gewesen war. Dass sie so ein gutes Team gewesen waren und Yui eine super tolle Tänzerin war. Manche gingen noch weiter und sagten, es sei ohne Yui nicht das gleiche und Momo konnte sie nicht ersetzen. In manchen Gesprächen redeten Leute nur mit Su und Moa, aber nicht mit ihr - als würde Momo gar nicht zur Gruppe gehören. Su und Moa ärgerte das natürlich auch, da Momo in der Zwischenzeit nicht nur sehr gut geworden war, sondern auch noch dabei war, das Growlen zu lernen. Es klang noch nicht perfekt, war aber etwas, das Yui nicht konnte und auch sicher nicht versuchen wollte. Für Yui war das Thema, als richtiges Mitglied bei Babymetal dabei zu sein, schon lange vorbei. Sie hatte damals noch versucht weiterzumachen, es aber nicht geschafft und überlegen müssen, wie es weitergehen sollte. Der Posten als Managerin kam dann wie gerufen und sie fühlte sich mit dieser Aufgabe auch sehr wohl. Ihren Mitschülern hatte sie schon oft genug gesagt, dass sie nicht wieder zurückkommen würde und Momo nun ihren Platz eingenommen hatte - aber die wenigsten akzeptierten das auch wirklich. Sie verstand sich auch gut mit Momo, aber es war immer wieder ein schwieriges Thema, wenn es zur Sprache kam. Yui wollte ihr gern helfen, wusste aber auch nicht genau, wie.

»Alles gut bei dir, Yui? Du siehst ein bisschen nachdenklich aus«, fragte Moa, die Yui gerade dabei zugesehen hatte, wie sie Löcher in die Luft starrte.

»Hm? Ja, alles gut. Ich hab schon nachgedacht, aber das ist nichts, wo du mir direkt helfen kannst. Ich geh mal meine Tasse aufwaschen, während ihr noch am Essen seid. Bin gleich wieder da«, erklärte Yui, die aufstand und ihre Tasse und Teller mitnahm.

Moa sah, wie sie aufstand und schaute ihr kurz nach, bis sie selbst aufstand und hinterher gehen wollte.

»Habt ihr irgendwie gemerkt, dass was mit Yui ist? Sie wirkt nachdenklich, aber irgendwas an ihrem gesundheitlichen Zustand habe ich nicht gemerkt«, sagte Moa, woraufhin der halbe Tisch nur verwirrt drein schaute.

»Sie wirkt doch immer etwas in Gedanken versunken, oder?«, fragte Mizyu, worauf Moa kopfschüttelnd lachen musste.

»Schon, aber es hätte ja trotzdem sein können, dass ihr was bemerkt habt«, antwortete Moa.

»Sonst geh doch mal nach ihr schauen, Moa. Ich bleibe mit Momo hier und gehe mit ihr ein paar Sachen zu dem neuen Song durch«, schlug Su vor.

»Ich brauche auch nicht lange, bis gleich«, sagte Moa, die Yui nachlief.

Momo saß derweil ruhig neben Su und schaute sie fragend an.

»Die beiden sind wirklich unzertrennlich. Mehr wie Schwestern oder Zwillinge, als beste Freunde. Ich weiß nicht, was los ist, aber mir ist auch nichts aufgefallen. Yui ist immer so pflichtbewusst und versucht alles, so gut es geht, zu helfen. Ich hoffe, sie übernimmt sich nicht«, sagte Momo besorgt.

»Die Lehrer passen schon auf, dass sie nicht zu viel macht. Aber es stimmt, die beiden sind wirklich unzertrennlich. Seitdem Yui nicht mehr aktiv dabei ist, habe ich sogar das Gefühl, dass dieses Band zwischen den beiden noch stärker geworden ist. Als würden sie sich jetzt noch mehr vertrauen als vorher. Aber ich wollte dich eigentlich was ganz anderes fragen, Momo. Wie geht es dir eigentlich in der Gruppe? Fühlst du dich gut aufgehoben oder stört dich irgendwas?«, fragte Su, worauf Momo sie verwirrt ansah.

»Es gibt noch ein paar Sachen, die ich nicht weiß, aber ich frage euch immer wenn was ist und im gesamten Klub sind alle super nett und lieb. Ich fühle mich schon gut aufgehoben, aber manchmal fühle ich mich schon ein wenig unsichtbar, wenn die Leute nur mit dir und Moa reden. Ich verstehe, dass es schwer ist zu akzeptieren, wenn ein Mitglieder nicht mehr weitermacht, aber trotzdem. Ich lächle das ganz gut weg, weil ich Verständnis dafür habe, aber allmählich könnten sich die Leute daran gewöhnen. Yui ist ja auch nicht weg, aber sie kann halt nicht mehr das machen, was sie früher konnte. Ich an ihrer Stelle wäre ganz aus dem Klub ausgetreten«, antwortete Momo.

Der Rest des Klubs redete immer noch weiter wie zuvor und blödelte herum, aber Su sah Momo ernst an und nickte schließlich.

»Ich wäre auch ausgetreten, wenn ich an ihrer Stelle gewesen wäre. Als Yui nicht mehr dabei war und wir für kurze Zeit zu zweit weitergemacht haben, hab ich jeden Tag darüber nachgedacht, aufzuhören. Mir war einfach gar nicht mehr nach Singen zumute, aber Moa wollte unbedingt, dass ich meinen Platz zum Singen behalte. Wir sind damals viel zum Karaoke gegangen, bis wir entschieden haben, Riho, Kano und dich zu fragen, ob ihr vielleicht Yuis Platz füllen wollt. In normalen Idolgruppen wird der leere Platz direkt mit einem neuen Mädchen gefüllt, aber wir sind ja weder eine klassische Idolband, noch eine Band in klassischen Sinne. Jetzt sind wir einfach Schüler, die nebenher Musik machen wollen und dabei tanzen. Wenn man sich die Ziele sehr hoch steckt, ist es schwer einen solchen Rückschlag zu verkraften. Auftritte, die nicht gut laufen, können immer passieren, aber jemanden zu verlieren ist noch viel schlimmer als das. Meine Schwester hat mir damals auch noch etwas geholfen, damit es mir etwas besser geht, aber ich war zu der Zeit echt depressiv unterwegs. Euch drei dabei zu haben war eine gute Zwischenlösung, aber ich bin wirklich froh, dass du jetzt dauerhaft dabei bist und immer so fleißig lernst. Wenn es mal wirklich zu schwer wird oder du es gar nicht aushältst, sag es mir bitte einfach. Ich werde auch noch mal mit Moa darüber reden, damit sie Bescheid weiß. Es mag sein, dass man uns mit Yui zusammen unschlagbar genannt hat, aber du bist mindestens genauso gut, wenn du nicht sogar noch das Potenzial hast, sie zu übertreffen, ohne sie jetzt schlecht reden zu wollen. Gemeinsam kriegen wir das hin«, sagte Su.

Momo schaute sie noch etwas erstaunt an, lächelte dann aber.

»Alles klar. Danke, Su-chan.«
 

In der Zwischenzeit war Moa schon längst bei Yui angekommen, die sich gerade um ihren Abwasch kümmerte.

»Hey, Yui. Alles in Ordnung bei dir? Du hast vorhin schon so nachdenklich gewirkt, aber nichts gesagt. Stört dich irgendwas oder gehts dir vielleicht nicht gut?«, fragte Moa, worauf das gleichaltrige Mädchen aufschaute.

»Dir fällt echt alles auf, was? Rein gesundheitlich ist alles in Ordnung, wie immer halt. Es gibt gute Tage, aber auch schlechte Tage - heute ist es ein ziemliches Mittelding. Die Erstjahre nerven mich auch nicht, falls du das denkst. Kimura-san bringt immer leckere Sachen mit, deshalb dulde ich ihre Blödeleien, aber mich stört was anderes. Wahrscheinlich das Gleiche, was euch auch nervt«, sagte Yui.

»Ach, du meinst, wie die Leute mit Momo umgehen, oder? Im Klub wird sie nicht anders behandelt und von den zuständigen Lehrern bekommt sie immer Lob. Sie arbeitet manchmal doppelt so hart, damit Leute endlich anerkennen, dass sie ihren eigenen Platz in Babymetal hat, aber sie können es irgendwie nicht richtig akzeptieren, dass du nicht mehr dabei bist. Es gibt sogar Leute, die gar nicht mit ihr reden und nur mit mir und Su-chan. Aber es ist irgendwie schwer, etwas dagegen zu tun«, erklärte Moa.

»Ich weiß halt auch nicht, was ich dagegen tun könnte. Sie lächelt den ganzen Schmerz weg, aber ich weiß, dass sie das beschäftigt. Wir haben noch nie direkt darüber gesprochen, aber ich merke es ihr einfach an. Wir sind schon sehr verschiedene Menschen, aber ich hab sie trotzdem gern. Die Erstjahre sind super offen und haben direkt akzeptiert, dass sie meinen Platz eingenommen hat, aber der Rest der Leute? Ich darf mir ständig anhören, dass ich in einem anderen Klub besser aufgehoben wäre. Das ich meine Zeit nicht in einem Klub verschwenden soll, in dem ich eh nicht mehr aktiv mitarbeiten kann. Meine Eltern finden es hingegen gut, dass ich noch als Unterstützung da bin und respektieren meine Entscheidung. Solange wir noch an der Oberschule sind, möchte ich euch so gut es geht unterstützen, aber die meisten anderen verstehen das einfach nicht. Das ärgert mich einfach, weil Momo mehr Anerkennung und Respekt für das verdient, was sie tut. Es ist einfach unfair, sie so zu behandeln.«

Stille trat ein, während Yui ihr Geschirr abtrocknete und und Moa nur leicht nickte.

»Ich bin wirklich froh, dass du immer noch da bist und uns unterstützt, Yui. Die anderen sind einfach blöd und verstehen nicht, das man auch jemanden im Klub braucht, der das alles managed. Dich trifft keine Schuld und Momo auch nicht. Wir werden ganz sicher eine Lösung dafür finden, aber vorerst müssen wir da irgendwie durch. Wenn es dir aber mal wirklich nicht gut ist, sagst du mir das als erstes, ja?«, sprach Moa, worauf Yui nickte.

»Mach ich, versprochen.«

Der Rest des Schultages verlief einigermaßen ruhig. Sie sammelten noch einige Ideen für Bühnenbilder und kleine Änderungen im Ablauf des nächsten Auftritts und gingen dann später aufgeteilt nach Hause. Su brauchte zwar noch, um sich etwas an die Erstjahre zu gewöhnen, kam aber zunehmend besser mit ihnen klar und musste auch nur selten etwas kritisches sagen. Sie waren halt nicht nur Klubkollegen, sondern auch Freunde. Das Schuljahr war noch recht jung, aber es gab noch einiges zu tun.

Another Verse 2

»Hab einen schönen Tag, Suzuka-chan.«

Su winkte ihrem Großvater, als sie die Hoftür des Hauses schloss.

»Du auch, Opa.«

Der Großvater der Nakamotos war der Grund, warum Su’s Vater vor Jahren wieder in diese Gegend gezogen war. Früher war er Bassist in einer Band gewesen, doch als sein Vater älter und gebrechlicher wurde, war es für ihn die richtige Entscheidung gewesen, wieder zurück zu ihm zu ziehen. Es hatte nicht lange gedauert, bis Suzukas älteste Schwester auf die Welt gekommen war und dann war es im Grunde schon Normalität geworden. Su war die jüngste von drei Schwestern, wobei ihre älteste Schwester vor einem Jahr ausgezogen war, lebte aber nicht allzu weit entfernt von ihrer Familie. Himeka Nakamoto, Suzukas andere Schwester, studierte im ersten Jahr Psychologie und hatte zuvor neben der Schule als Idol gearbeitet - diese Arbeit aber pünktlich nach der Oberschule beendet. Für sie war die Musikbranche auf Dauer nichts, was sie für immer machen wollte, was Su dennoch den Vorteil gab, einige Dinge zu wissen, die vielleicht nicht jeder über diese wusste. Zu dieser Uhrzeit war Himeka allerdings noch am schlafen und wachte meistens auf, als die Schule bei Su gerade anfing. Die Mutter der drei Mädchen arbeitete derweil in einem Geschäft für Edelsteine, das recht gut besucht war.

»Guten Morgen, Su-chan.«

Su, die gerade noch in Gedanken gewesen war, schaute auf und sah vor sich Moas Gesicht. Das kleinste Mitglied von Babymetal hatte noch einen Marmeladentoast in der Hand, von dem sie noch die letzten Häppchen am Essen war.

»Guten Morgen, Moa-chan. So spät bist du doch gar nicht dran, dass du noch auf dem Schulweg essen musst, oder?«, fragte Su die kleinere.

»Es war noch einer übrig und den wollte ich nicht liegen lassen. Wenn ich nicht genug esse, werd ich nie so groß wie ihr anderen«, antwortete Moa und Su musste lachen.

Sie sagte es ihr nicht laut, aber sie würde wahrscheinlich nicht mehr größer werden. Mit sechzehn war man eigentlich ausgewachsen, aber Moa sollte ruhig im Glauben bleiben, dass sie vielleicht noch ein bisschen größer werden könnte.

»Meine Eltern und mein Opa haben alle in Ruhe zusammen mit mir gegessen, aber Himeka hat noch geschlafen. So wie immer eigentlich«, erzählte Su und Moa nickte verstehend.

»Andere müssen neben der Uni noch arbeiten, aber weil deine Schwester früher Idol war, kann sie ausschlafen, wenn sie gerade keine Lesungen hat. Wenn ich das machen würde, wäre meine Mama sicher böse und würde super sauer werden, wenn ich das jeden Tag mache. Wenn sie mich das erste und zweite Mal weckt, ist sie noch sehr lieb, aber dann beim dritten Mal, au weia. Wenn sie sauer ist, renn ich lieber freiwillig in die Schule«, meinte Moa und Su konnte sich das bildlich vorstellen.

Die Kikuchis lebten die Straße hoch, in einem größeren Gebäude mit mehreren Wohnungen. Moas Mutter war stets freundlich und interessiert, wenn ihr Kind Besuch hatte, aber zu ihrem Kind war sie doch gelegentlich etwas strenger. Im Vergleich dazu war Moas Vater ziemlich entspannt und beobachtete das meist nur lachend, schlichtete nur dann, wenn es größeren Streit gab.
 

»Hast du eigentlich schon in die neuen Anime dieser Season reingeschaut?«

Moa war ein typischer Anime-Otaku. Wenn sie einmal anfing zu erzählen, musste Su erstmal zuhören und das ging oft bis zur ersten großen Kreuzung. Viel sagte Su dazu nicht, aber wenn etwas interessant klang, schaute sie auch rein. An der Kreuzung angekommen, konnten Su und Moa noch mehr von ihren Mitschülern sehen - Momo und Yui. Die beiden lebten in einer ähnlichen Gegend und Momo ging frühs stets noch einen kleinen Umweg, um Yui abzuholen. So lief das im Grunde jeden Morgen, außer wenn Momo und Yui später kamen - aber selbst dann holten sie die anderen beiden recht schnell ein. Für den Tag gab es einige Dinge zu erledigen, aber ihre Hausaufgaben hatten sie alle vier erledigt.

»So richtig gut geschlafen habe ich nicht, aber vielleicht werde ich über den Tag noch wacher«, sagte Yui, die danach auch gegähnt hatte.

»Vielleicht die allgemeine Frühjahrsmüdigkeit? Oder hat dich was wach gehalten?«, fragte Momo, die Yui etwas den Rücken tätschelte.

»Einer meiner Brüder war noch ziemlich laut in der Nacht, aber irgendwann ist er auch schlafen gegangen. Vielleicht eine Mischung aus beidem, keine Ahnung«, antwortete Yui.

»Ich sag gern bei den Lehrern Bescheid, dass es dir nicht so gut geht. Dann kannst du jederzeit ins Krankenzimmer und ein bisschen schlafen, wenn du magst«, schlug Moa vor und Yui nickte kurz.

»Keine schlechte Idee, aber das sollten wir nicht ständig machen. Auf Dauer wird das irgendwann verdächtig«, sagte Yui und Su musste grinsen, als sie das hörte.

Yui war stets so pflichtbewusst, obwohl sehr viel Rücksicht auf sie genommen wurde. Schließlich kamen sie in der Schule an und die ersten Stunden verflogen recht schnell. Ins Krankenzimmer war Yui nicht gegangen, aber immer aufmerksam zugehört hatte sie nicht. Erst nach der Mittagspause war sie ein paar Stunden ins Krankenzimmer gegangen, um dort ein Nickerchen zu machen. Die Schwester dort hatte schon ein Gefühl dafür entwickelt, was Yuis Probleme waren und fragte sie auch stets, ob sonst alles in Ordnung war. Moa holte sie dann kurz nach Schulschluss ab und dann gingen sie gemeinsam in den Klub. Dort angekommen, waren die Erstjahre schon dabei, eine neue Choreo durchzugehen, anstatt wie sonst ein Teekränzchen zu schmeißen.

»Atarashii Gakko am arbeiten? Ich glaube, ihr wollt euch bessern, was?«, lachte Su, während sie die Erstjahre so beobachtete.

»Wir versuchen nur herauszufinden, dem ganzen unsere eigene Note zu geben. Ein Teil hier wirkt etwas knifflig, aber das sollte kein Problem sein«, sagte Suzuka, die mit Kanon schon an einem Plan tüftelte.

»Denkt immer dran, wir sind eure Senpais. Wenn ihr Hilfe braucht, können wir euch auch helfen«, erklärte Su, aber die Erstjahre waren zu sehr in ihrem eigenen Plan vertieft.

»Es ist doch schön, wenn sie sich solche Gedanken machen. Auch wenn das ganz schön kompliziert aussieht, was sie da kritzeln. Nicht, dass sie es am Ende komplizierter machen, als es ist«, sprach Moa, die sich aber langsam an ihre eigenen Aufgaben setzen wollte.

Yui überwachte das Ganze in der Zwischenzeit, während Momo immer noch neugierig bei den Erstjahren zuschaute.

»Momo, komm. Wir müssen auch noch ein bisschen üben«, rief Su, woraufhin sich Momo zu ihr umdrehte.

»Ist gut, ich komme.«
 

»Seid ihr wirklich sicher, dass ihr noch einen Song mit Rap machen wollt? BxMxC ist nicht schlecht, ja. Aber mit dem Text geht der doch keine drei Minuten«, sagte Yui, als sie sich den Text eines neuen Liedes anschaute.

»Das mit der Zeit ist schon ein Problem, da hast du nicht ganz Unrecht«, sagte Su, die sich den Text nun auch genauer anschaute.

»So ein kurzes Lied ist doch eigentlich auch kein Problem. Das könnten wir an Stelle von BxMxC setzen, wenn Su diese hohen Töne zu anstrengend werden. Aber irgendwas fehlt da auch noch, wenn ihr mich fragt«, meinte Moa.

»Wir könnten ihn ja einmal ordentlich üben, dann kommt vielleicht raus, was fehlt«, sagte Momo, was auch nach einem guten Vorschlag klang.

»Wer hat den eigentlich geschrieben?«, fragte Yui, wonach alle Blicke auf Su gerichtet waren.

Su war im Moment die einzige, die Songs wirklich selbst schrieb – sonst fragten sie stets ihren Betreuungslehrer oder andere Leute.

»Ich kenne da jemanden aus meiner Klasse, der sich gern an unterschiedlichen Genres ausprobiert und gefragt hat, ob er was für uns schreiben kann. Er hat auch gemeint, wir sollten ihm Bescheid geben, wenn wir den Song bereit haben, live gespielt zu werden. Aufnehmen müssten wir ihn ja später auch noch, aber ich dachte, ich zeig ihn euch erst mal«, erklärte Su.

»Erstaunlich, wo du das alles immer herbekommst, Su-chan«, lachte Momo.

So startete einmal der erste Durchlauf des Songs, allerdings war der Rap-Anteil noch nicht wirklich ausgereift, um als Rap durchzugehen. Das Playback zum Song war auch noch eine reine Demo und noch nicht fertig, aber es reichte, um den Song einmal zu üben.

»Moa hat Recht. Irgendwas fehlt dem Song noch«, sagte Yui, worauf etwas Ernüchterung eintrat.

Sie grübelten eine Weile, während die Erstjahre im Hintergrund an ihrer Choreografie werkelten. Aber alle Erstjahre? Nein, ein Erstjahr hatte seit dem ersten Durchlauf von KxAxWxAxIxI ruhig dagesessen und einfach nur zugehört. Entsprechend verwirrt sahen die Zweitjahre aus, als sie den Mund aufmachte.

»Ein neuer Song mit Rap? Das klingt cool, aber ihr habt euch noch nicht geeinigt, wer den Rapteil macht, oder?«, fragte Rin grinsend.

»Oh, Nagasawa-san. Stimmt, du kennst dich ja mit Rap und Hip Hop aus, weil du auch für Atarashii Gakko solche Parts übernimmst. Wir finden den Song bis jetzt noch etwas kurz, aber ich mag ihn. Der Mitschüler, von dem ich ihn bekommen habe, freut sich sicher darüber, wenn er fertig ist«, antwortete Su.

Rin nickte verstehend und überlegte dann sichtlich, wie sie es am besten formulieren sollte.

»Möchtest du denn wieder selbst rappen, Nakamoto-senpai?«

Su fand die Frage komisch, verstand dann aber, warum Rin das fragte. Es konnte genauso ein Solo sein, welches Moa übernehmen konnte.

»Also, ich kann es schon selbst übernehmen, aber Moa hat bei Da Da Dance eigentlich gar keine so schlechte Arbeit mit dem kurzen Sprechgesang-Part gemacht. Ich finde, sie sollte mal wieder ein paar Solo-Parts bekommen«, schlug Su vor, die rüber zu Moa schaute.

»Das kann man auch nicht wirklich Rap nennen und du hast extra für BxMxC rappen gelernt. Ich will doch gar nicht so in den Vordergrund, also kannst du das sehr gern übernehmen. Bei Da Da Dance war das Englisch außerdem noch einfach, aber den Part, der da steht, krieg ich niemals ordentlich ausgesprochen, ohne dass sich jemand über mich lustig macht«, sagte Moa, worauf der Rest um sie herum nur etwas lachen musste.

»Also, das Su-chan das macht, ist nicht schlecht, aber … irgendwie fehlt diesem Lied trotzdem noch etwas «, sagte Yui, worauf das Grübeln wieder losging.

Sie übten den Song also nochmal, nur dieses Mal mit dem Rap-Part, den Su übernahm. Rin saß mittlerweile neben Yui und grübelte auch mit, was dem ganzen noch fehlen könnte.

»Mizuno-senpai hat Recht. Irgendwas fehlt hier tatsächlich noch, aber das Instrumental klingt schon ziemlich Metal, damit es auch zu euch passt und trotzdem dieser Beat noch gut reinpasst. Ob er besser wird als BxMxC wird noch eine andere Frage, aber mir gefällt es bis jetzt«, sagte Rin.

Der Rest von Atarashii Gakko war aus purer Neugier mittlerweile auch aufgetaucht und hörte sich auch den nächsten Durchgang an. Rin und Yui erklärten ihnen dann, was das Problem war, wodurch noch drei Köpfe mehr nachdachten, was man hier machen könnte. Den Song in irgendeiner Form länger zu machen war zwar ein guter Einwand, aber so richtig half dieser auch nicht.
 

»Unsere Songs sind ja auch nicht extrem lang, wenn ich vergleiche, dass ihr teils Lieder über fünf und sechs Minuten habt. Für eure gewöhnlichen Hörer wird das sicher sehr kurz rüber kommen, aber vielleicht ist es ja auch gar nicht die Länge, die man wirklich ändern muss«, sagte Mizyu, als sie wieder am Grübeln waren.

»Da ist schon was dran. Aber ein krasses Gitarrenriff wäre hier auch nicht so richtig am Platz, wenn man sich ansieht, wie das Lied aufgebaut ist«, sprach Su, die immer noch den Text vor sich hatte.

Suzuka war die ganze Zeit über sehr still gewesen, was Su verwunderte. Normalerweise hatte sie immer irgendwelche Ideen, aber sie wirkte eher so, als würde sie etwas ernsthaft im Kopf durchgehen.

»Hm, es wundert mich jetzt nicht, dass ihr nicht darauf kommt …«

Suzuka schaute zu den anderen Erstjahren und wirkte recht normal dabei.

»… aber das ihr nicht darauf kommt, wundert mich jetzt schon.«

Su hatte gerade noch gegrinst, aber nun wirkte sie sichtlich verwirrt und zwinkerte auch entsprechend etwas nervöser.

»Wie meinst du das, Kanagawa-san? Stehen wir etwa so auf den Schlauch, was diese Lösung angeht?«, fragte Su, während die jüngere ihre Brille etwas hoch rückte und grinste.

»Ich kenne mich nicht super krass mit Metal aus, aber selbst ich weiß, dass ein paar Growls in dem Song noch gut untergebracht werden können. Wenn Kikuchi-senpai noch ein bisschen wirres Zeug dazwischen plappern will, was einfach süß klingt passt das, aber ihr habt immerhin Okazaki-senpai. Sie könnte am Ende noch ein paar Growls hinlegen und dann wäre das die perfekte Abrundung. Ob sie das live kann, ist ein anderes Thema, aber auf einen fertigen Song wäre es sicher sehr passend«, antwortete Suzuka und die ältere vor ihr war sehr erstaunt.

»Stimmt, mit Momo-chan kann man noch so einige Möglichkeiten ausreizen. Kanagawa-san hat richtig gute Ideen, das ist ja krass«, sagte Yui überrascht.

»He, he, die geniale Suzuka halt. Wenn ihr Ideen braucht, fragt gern mich. Wenn meine Ideen für eure Songs und Shows genutzt werden, seid ihr super schnell nicht nur eine einfache Schulband«, lachte Suzuka, worauf um sie herum alle lachten.

»Na ja, all deine Ideen übernehmen wir ganz sicher nicht, aber in dem Fall hast du uns wirklich geholfen, danke«, sagte Su, worauf sie ausprobierten, ob es mit dem Growling besser wurde.

Zwei Stunden vergingen sehr schnell und sie zeigten den Fortschritt schließlich ihrem Betreuungslehrer. Dieser war sehr erstaunt, wie gut das Ergebnis war und lobte den Schüler, den Su da gefragt hatte. Ihm würde sicher später gefallen, was sie auf die Beine gestellt hatten – aber sie wollte auch noch ein wenig üben. So einfach wollten sie es ihm auch nicht zeigen, weil das Ergebnis auch noch nicht ganz fertig war.

»Ich bewundere es, wie schnell du dich mit dem Growling entwickelt hast, Momo-chan. Wenn ich daran denke, wie lang ich gebraucht habe, ordentlich zu rappen, bist du einfach doppelt so schnell mit deinem Fortschritt als ich und parallel hast du auch noch deine Tanzperformance verbessert. Wenn das doch nur die anderen Leute auf der Schule auch sehen würden«, sagte Su nach dem Training zu Momo, als sie den Clubraum verließen.

»Das ist lieb, danke, Su-chan. Es wäre schön, wenn die anderen in der Schule das auch anerkennen würden, aber am wichtigsten ist mir immer noch, dass ihr zufrieden seid. Ich weiß ja selbst, dass es nicht so einfach ist, aber so schnell kann ich daran nichts ändern. Wenn andere einen nicht wirklich akzeptieren, kann man nur darauf hoffen, dass es besser wird. Mein Vater hat übrigens gemeint, er will unbedingt unseren nächsten Auftritt sehen und sich an dem Tag frei nehmen. Er lobt mich natürlich immer, wenn er Aufnahmen von uns sieht, aber die anderen findet er auch ganz toll. Wie es im Klub läuft, will er auch immer ganz genau wissen«, sagte Momo.

Am Ende hatte sie wieder versucht, das Ganze auf etwas Positives zu lenken. Momos Vater war ein Comedian und trotz seiner Arbeit immer sehr erfreut zu hören, wie sich seine Tochter machte – aber er zwang sie auch zu nichts. All die positive Energie, die sie hatte, schien sie von ihm geerbt zu haben.

»Aus Momo wird irgendwann noch unser Ass, ich sags euch. Dann gibt es keine Kommentare mehr darüber, dass wir nicht Metal genug sind«, sagte Moa stolz und Momo musste lachen.

»Du bleibst aber trotzdem immer noch die süßeste, Moa-chan«, kam es von Momo, worauf Moa grinsen musste.

Sie tauschten viele Komplimente aus und redeten noch ein wenig darüber, wie der Tag so war. Irgendwann trennten sich dann ihre Wege an der gleichen Kreuzung, wie sie sich am frühen Morgen getroffen hatten und Su sowie Moa liefen ihren Weg und Momo und Yui ihre Richtung. Sie winkten sich auch noch kurz zu und Yui lief auf der anderen Seite etwas vor, bis sie mit Momo außer Hörweite von Su und Moa war.

»Du fühlst dich immer noch wie ein Ersatz, der einfach nur meinen Platz einnimmt, oder?«, fragte Yui und Momo schaute sie verwirrt an.

»Das hab ich doch gar nicht gesagt«, antwortete Momo und Yui sah zu ihr und lachte kurz auf.

»Schon gut, du musst es mir nicht sagen. Die anderen beiden merken es wahrscheinlich nicht, aber ich kann es dir ansehen und es ärgert mich, wie die anderen an der Schule mit dir umgehen. Tut mir leid, dass du wegen mir solchen Mist durchmachen musst«, sagte Yui, was Momo schlucken ließ.
 

Momo überlegte, was sie am besten sagen sollte und entschied sich dann für das, was am sichersten für sie war.

»Du kannst doch gar nichts dafür, Yui-chan. Ich versuche nicht besser zu sein als du, nicht dass du sowas denkst. Es ist doch sicher auch hart für dich, zu sehen, wie wir weitermachen und du nicht mehr mit uns auf der Bühne stehen kannst«, sagte Momo, woraufhin Yui mit dem Kopf schüttelte.

»Ich möchte auch nicht, dass du besser bist als ich. Du musst deinen eigenen Platz in der Band finden und ich finde es so kacke, dass scheinbar niemand sehen will, wie du dich weiterentwickelst. Su hat Recht, wenn sie sagt, dass du dich schnell weiterentwickelst. Du lernst viele Sachen viel schneller als alle anderen und so etwas muss zumindest gesehen werden. Ich werde nicht zurückkommen, selbst wenn es mir irgendwann richtig besser geht. Wenn wir mit der Schule fertig sind, wird sich noch entscheiden, ob ihr danach weitermacht und eine richtig professionelle Band werdet. Dann bin ich nicht mehr da, um euch zu unterstützen und kann euch nur noch aus der Ferne unterstützen. Wenn ihr ein professionelles Debüt macht, wird sich niemand mehr daran erinnern, dass ich da war, um an deiner Stelle zu stehen. Eventuell noch ein paar Mitschüler, aber man wird Babymetal später nur noch mit Su, Moa und Momo kennen. Ich unterstütze dich jetzt, wo es geht, aber irgendwann bin ich nicht mehr da, um dir Ratschläge zu geben. Klingt vielleicht alles ziemlich hart, aber das muss dir irgendwo bewusst sein. Wenn du das jetzt überwinden kannst, wirst du später nur noch stärker aus dieser Sache rausgehen«, erklärte Yui.

Momo war etwas sprachlos, aber sie lächelte.

»Ich möchte dir aber keinen Kummer machen und dir das Gefühl geben, dass du gar kein Teil mehr des Ganzen bist. Mir ist ja auch klar, dass du nicht neidisch auf mich bist oder so, aber Moa wird dich später sicherlich auch vermissen. Sie wünscht sich sicher auch, dass du einfach immer bei uns bleibst«, sprach Momo, worauf Yui mit den Schultern zuckte.

»Das weiß ich doch alles. Moa macht sich viel zu viel Sorgen, wirklich. Wenn irgendwas bei mir ist, sag ich das auch. Du kannst das übrigens auch machen, wenn du willst. Mir ist klar, dass du hinter dem Lächeln viel von dem Schmerz versteckst, weil die anderen das hin und wieder auch tun. Bei dir ist es nur irgendwie … ich weiß auch nicht, wie ich das sagen soll, aber ich sehe es dir einfach an, wenns dir nicht so gut geht. Wenn du es jetzt noch nicht schaffst, mit den anderen darüber zu reden, ist das okay. Nur bis du es schaffst, rede einfach mit mir darüber. Ich kann dir den Schmerz nicht nehmen, aber es ist besser darüber zu reden, als ihn immer in sich rein zu fressen«, erklärte Yui.

Für Momo klang das so, als würde Yui aus Erfahrung sprechen. Eigentlich wollte sie auch fragen, ob es so war, aber das traute sie sich noch nicht. So gut verstanden sie sich dann einfach doch noch nicht, um direkt darüber zu reden.
 

Wenig später war auch Su daheim angekommen und hatte sich von Moa verabschiedet. Als sie die Hoftür des Hauses aufmachte, schaute sie, ob ihr Großvater draußen war, aber er war wahrscheinlich drinnen und verbrachte die Zeit dort. Ihre Schwester war allerdings gerade draußen und grüßte sie.

»Willkommen daheim, Schwesterchen. Na, lief heute alles gut?«, fragte Himeka, während Su sie angrinste.

»Wir haben angefangen einen neuen Song zu lernen, aber ich kann ihn dir noch nicht zeigen, weil es noch keine richtigen Aufnahmen davon gibt. Er hat wieder ein bisschen Rap, so wie BxMxC, aber mit ein bisschen mehr Englisch als beim letzten Mal. Uni lief auch gut?«

Himeka musste lachen, antwortete dann aber wahrheitsgemäß.

»Psychologie kann schon echt langatmig sein, aber es gibt auch interessante Vorlesungen. Freut mich aber, dass es dir wieder etwas Spaß macht. Das war ja nicht immer so, wie wir wissen«, meinte Himeka und ihre kleine Schwester nickte.

»Das stimmt, da hast du Recht. Moa wollte direkt Heim, weil sie noch etwas erledigen muss, aber beim nächsten Mal bringe ich sie wieder mit nach Hause. Senpai sein macht auch Spaß, auch wenn die Jüngeren manchmal etwas durchgeknallt sind«, sagte Su.

»Das ist das typische Klubleben, was? Lass uns reingehen, es gibt bestimmt bald Abendessen.«

Another Verse 3

Draußen waren Schritte zu hören, die sie wahrnehmen konnte. Ihre Hoffnung war, dass es einfach nur ihr Vater war, der zur Arbeit ging, aber das war nicht so.

»Moa, es wird Zeit aufzustehen, guten Morgen.«

Es war die Stimme von Moas Mutter, die an der Tür zu hören war. Der Wecker hatte noch nicht geklingelt, aber Moa wusste, dass es nicht mehr lang dauern würde.

»Guten Morgen, Mama. Ich werd wach, alles gut.«

Frau Kikuchi wirkte etwas misstrauisch, aber sie hoffte einfach, dass Moa schnell aus dem Bett kam und in Ruhe frühstücken konnte. Moas Zimmer war voll mit vielen verschiedenen Dingen - Anime-DVDs, Manga, Idol-DVDs, Figuren und auch ein paar Games hatte sie bei sich. Wenn sie etwas Neues ausprobieren wollte, fragte sie meist Yuis älteren Bruder, der sich damit besser auskannte und eine richtige Sammlung daheim hatte. Durch den Klub und auch selbstständiges Tanztraining kam sie allerdings nicht so oft zum Spielen und verbrachte ihre Zeit dann eher mit Anime und Manga - die Idols beschäftigten sie natürlich auch, aber ihre größte Liebe an Hobbys ging letztlich ans Lesen, was sie gut zwischendurch machen konnte. Mit dem Gitarre spielen hatte sie vor gut drei Jahren angefangen, aber sie war bei weitem noch nicht so gut wie sie sein konnte. Das lag jedoch auch an der Zeit, die sie zum Üben hatte, aber sie wollte irgendwann richtig gut sein und Babymetal auf der Gitarre begleiten - selbst wenn es nur ein paar Lieder waren. Bevor sie sich richtig anzog, schaute sie noch kurz auf ihr Handy, um zu sehen, ob es schon irgendwelche Nachrichten gab. Momo hatte ihr einen guten Morgen gewünscht, worauf sie ihr das gleiche zurück schrieb. Dann stand sie auf, zog sich an, ging in das Bad, um sich die Haare zu kämmen und Zähne zu putzen und dann ging sie mit ihrer Schultasche, die vor ihrem Zimmer lag, in die Küche. Ihre Mutter war bereits dort und schien nebenher selbst an einer Liste für die Arbeit zu sitzen, die sie erledigen musste.

»Dein Vater hat heute früh Pancakes gemacht, es sind noch ein paar übrig. Wenn dich heute jemand abholen kommt, kannst du deiner Freundin auch noch was abgeben«, sagte Frau Kikuchi.

»Nee, ich glaub nicht, dass sich irgendwer von meinen Freunden die Straße hoch quält, so früh am Morgen. Ich gehe gleich Su-chan abholen und die anderen treffen wir dann auch noch auf dem Weg«, erklärte Moa.

»Ach, Su-chan hätte bestimmt nichts dagegen, auch mal dich abzuholen. Als du noch in der Mittelschule warst, hat dich Yui-chan immer abgeholt, das weiß ich noch. Sie ist immer sehr früh aufgestanden und war noch Laufen, bis sie dich abgeholt hat. Und wenn ihr mit dem Klub fertig wart, habt ihr entweder bei dir oder bei ihr für die Schule gelernt und Hausaufgaben gemacht«, erinnerte sich Frau Kikuchi.
 

Natürlich musste sie das ansprechen, aber das war schon seit einem Jahr nicht mehr so. Yui hatte sie am Anfang der Oberschulzeit abgeholt, bevor es ihr schlechter ging, aber danach war sie längere Zeit nur noch gelegentlich in der Schule, wegen ihrem schlechten Zustand. Bis sie offiziell Manager des Klubs wurde, vergingen ein paar Monate und es war einfach nicht mehr das Gleiche. Die Mizunos waren sogar in eine andere Wohnung gezogen, da sie früher im gleichen Haus wie die Kikuchis gewohnt hatten, aber das hatte auch mit Platzgründen zu tun.

»Das hat sie immer von sich aus gemacht. Ich habe sie nie so richtig darum gebeten, aber als es aufgehört hat, war schon vieles anders. Sie ist ja auch nicht ganz weg, sondern einfach nur anders im Klub aktiv. Würde sie mich jetzt früh abholen, würde sie nur einen Umweg gehen und das braucht sie nun wirklich nicht für mich machen. Momo wohnt so ziemlich am nächsten zu ihr, deshalb ist es am besten, wenn sie Yui abholt oder anders herum. Nach der Schule können wir ja genauso gut was zusammen machen«, sprach Moa.

Frau Kikuchi nickte und sah sich Moa dann genauer an.

»Du wirkst jetzt zumindest wieder etwas glücklicher, als noch vor ein paar Monaten. Als das mit Yui-chan passiert ist, warst du so oft niedergeschlagen und hast bei den Auftritten trotzdem versucht, so gut es ging zu lächeln. Wir habt ihr das genannt, du „dunkle Ära“? Diese schwarzen Outfits und die offenen Haare wären vielleicht für eine andere Gruppe passend gewesen, aber nicht für Babymetal. Als das mit den Avengern ein Thema wurde, hattet ihr viel schönere Kleider und seitdem sind sie sich eh immer etwas ähnlich. Ich schaue sie heute noch gern im Schrank an, wenn ich sie sehe«, sagte Frau Kikuchi.

»Du meinst die Apocryphen, wie sie Koba-sensei genannt hat. Na ja, die Leute haben uns auch anders angesehen und waren total verwirrt, wo denn Yui abgeblieben ist. Es war damals wirklich traurig, ich erinnere mich nicht so gern daran zurück. Aber ab den Avengern wurde es wirklich besser, ich finde das erste Outfit von damals auch heute noch sehr hübsch. Momo hat mir viel geholfen, meine Laune zu verbessern und am Ende ist sie sogar geblieben und jetzt sind wir wieder zu dritt. Ich weiß sehr zu schätzen, dass sie jetzt bei uns ist«, meinte Moa.

»Okazaki-chan ist so ein Sonnenschein, schade, dass ich sie noch nicht so oft gesehen habe. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, lade sie ruhig mal wieder zu uns ein. Auch gemeinsam mit Yui-chan und Su-chan, das wird bestimmt lustig«, schlug Frau Kikuchi vor.

»Ich schau mal, wann sich die Möglichkeit ergibt.«

Kaum war Moa mit dem Essen fertig, klingelte es auch schon an der Tür. Su stand davor und war bereit zur Schule zu gehen. Ein paar begrüßende Worte später erzählte Moa von den Pancakes, die noch vom Frühstück übrig geblieben waren und dem Gespräch, welches sie mit ihrer Mutter. Su hörte aufmerksam zu, nickte meist nur, sagte aber schließlich nur:

»Es gehört halt zu unserer Geschichte dazu. Wir haben uns entschieden weiterzumachen und wir sind auf einem guten Weg. Aber es stimmt, du wirkst mittlerweile wirklich etwas glücklicher als früher.«
 

Eigentlich wollte Moa so etwas wie: »Ach, wirklich?«, antworten, aber sie traute sich nicht so wirklich, diese Worte auch auszusprechen. Stattdessen änderten sie irgendwann das Thema und trafen sich irgendwann wie jeden Morgen auf Yui und Momo. Moa ließ sich nichts anmerken, doch sie dachte über den Schultag immer wieder darüber nach.

»Wir bleiben für immer zusammen, egal was passiert, ja?«

Ein Versprechen, dass sie sich vor vielen Jahren gegeben hatten, als sie noch in der Grundschule waren. Moa musste grinsen, als sie daran zurück dachte. Yui und Moa hatten sich in der ersten Klasse kennengelernt und waren die ersten drei Jahre immer in der gleichen Klasse. Während Moa direkt den Anschluss in eine Gruppe Kinder gefunden hatte, blieb Yui eher für sich allein. Sie war schon damals sehr ruhig und schüchtern, kam aber irgendwann mit Moa in Berührung, weil sie nebeneinander saßen. Mehr und mehr sprachen sie etwas mehr miteinander, aber Moa fand am Anfang nicht viel über sie heraus. Einem Familienmitglied von Yui ging es scheinbar nicht gut, weshalb sie manchmal eher die Schule verlassen durfte, aber über ihr Tanztalent erfuhr Moa erst ein wenig später. Damals ging sie noch in einen Club fürs Tanzen und Moa beobachtete sie später aus der Ferne, als sie mit ihren Freunden vorbeikam.

»Ich hab dich tanzen gesehen, als ich bei eurem Klubraum vorbeigekommen bin. Du kannst das wirklich sehr gut, sieht richtig schön aus«, sagte Moa eines Morgens, ohne besonderen Kontext dafür.

»Äh … danke. Ich habe schon Unterricht genommen, als ich vier war. Meine Mama macht manchmal Witze, dass ich eher getanzt habe, als ich mit dem Laufen angefangen habe. Es ist schon harte Arbeit, weil man immer üben muss. Interessiert du dich dafür?«, fragte Yui, worauf Moa nicht so wirklich wusste, was sie antworten sollte.

»Ich weiß nicht, aber es sieht schon schwer aus. Keine Ahnung, ob ich das könnte.«

Danach gab es ein paar Wochen keine weiteren Gespräche über das Thema. Moa beobachtete Yui nur immer wieder und redete dann später daheim darüber.

»Eine meiner Mitschülerinnen kann richtig schön tanzen. Sie tanzt schon, seitdem sie ganz klein war. Manchmal beobachte ich sie, aber es sieht sehr schwer aus. Irgendwie sieht es schon interessant aus, aber ich weiß nicht, ob ich das auch machen sollte«, erklärte Moa ihrer Mutter, die verstehend nickte.

»Interessant, ist sie Teil deiner Freundesgruppe? Du könntest sie ja zu uns nach Hause einladen und sie fragen, ob sie dir zeigt, wie das geht«, schlug Frau Kikuchi vor, worauf Moa leicht den Kopf schüttelte.

»Mizuno ist wirklich gut. Ich glaube nicht, dass ich je mit ihr mithalten kann. Richtige Freunde sind wir auch nicht, aber wir sitzen in der Schule nebeneinander. Manchmal reden wir miteinander, aber ich will sie auch nicht nerven. Sie will das bestimmt mal professionell machen und ist zu sehr auf sich fokussiert. Da stehe ich ihr bestimmt im Weg«, sprach Moa.

Moas Mutter hatte darauf nur gelächelt und ihrer Tochter ein wenig über die Schulter gestreichelt.

»Mizuno heißt sie, ja? Das kriegen wir hin, du wirst schon sehen.«
 

Das eine führte zum anderen und Yui wurde an einem Wochenende zu den Kikuchis eingeladen. Moa war etwas peinlich berührt, aber außerhalb der Schule wirkte Yui etwas offener als in der Schule. Sie zeigte ihr die ersten Schritte, wie was funktionierte und was es für Arten von Tanz gab. Moa ging davon aus, dass Yui irgendwann einfach als Backgroundtänzerin oder so etwas arbeiten wollte, aber nein - sie wollte ein Idol werden. Was das war, bekam Moa auch nach und nach erklärt - auch dass sie dafür singen musste, aber so weit war sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Sie übten in dieser Zeit einfach hobbymäßig gemeinsam und dachten nicht wirklich darüber nach, ob sie das eines Tages mal professionell machen wollten. Ein Kind träumte zwar von solchen Dingen, aber so richtig fest vornahm man sich das eigentlich erst später. Über das erste Schuljahr wurden sie beste Freundinnen und Moa kapselte sich irgendwann von Teilen ihrer Freundesgruppe ab, da ihr die Freundschaft mit Yui wichtiger war. Moa dachte gern an die Anfänge zurück, weil damals fast alles in Ordnung war. Yuis Mutter ging es irgendwann besser und sie besuchten diese immer wieder im Krankenhaus, um sie etwas aufzumuntern. Im zweiten Schuljahr hatte Moa dann eine zweite Begegnung, die ihr wahrscheinlich auf ewig im Kopf bleiben würde. An ihrer Schule gab es einen Musical-Klub, der stets in der Schulaula probte und immer die gleichen Lieder sang. Eben das, was im nächsten Musical anstand, aber da gab es eine Stimme, die hervorstach. Sie war warm, kraftvoll und sehr klar - auch wenn sie damals noch etwas höher war als später. Suzuka Nakamoto hatte schon in der zweiten Klasse große Ziele, eine Sängerin zu werden - in manchen Teilen der Schule kannte man sie schon als das Sängermädchen.

»Du kannst auch schön singen, Yui, aber sie ist noch mal eine ganz andere Klasse. Wenn wir sie in einer Gruppe hätten, könnten wir richtig gut ankommen. Sie geht nur leider in eine andere Klasse als wir, aber ich weiß, dass sie Nakamoto heißt«, erzählte Moa aufgeregt.

»Hm, ich könnte es mir ja mal anhören. Aber das garantiert uns natürlich nicht, dass sie bei einer Gruppe mit uns mitmachen würde. Vor allem, weil sie im Musical-Klub ist, aber das kann sich auch nochmal drastisch von dem unterscheiden, was wir machen, weißt du?«, meinte Yui, was Moa auch verstand.

Yui war später nicht so krass begeistert wie Moa von Suzukas Gesang, besuchte mit ihr aber immer wieder Stücke des Musical-Klubs, wodurch sie mehr oder minder Fans von Suzuka wurden. Die Entwicklung einer Mitschülerin im gleichen Alter mitzubekommen war irgendwie spannend, aber Suzuka bekam davon nicht viel mit. Sie war damals noch sehr auf sich fokussiert, bis sie im dritten Schuljahr in der gleichen Klasse gelandet waren. Yui wollte den Annäherungsversuch zu Suzuka eigentlich in aller Ruhe anfangen, aber Moa war schneller und textete die Gleichaltrige so schnell voll, dass sie sich nach und nach kennenlernten. Bis zur Gründung von Babymetal sollte es noch ein paar Jahre bis zur Mittelstufe dauern, aber sie wurden zu diesem Zeitpunkt schon Freunde und unternahmen abseits der Klubs immer wieder etwas zusammen.
 

Ab der Mittelstufe wurde alles nur noch schneller, als sie zu dritt dem Klub für alternative Musik beitraten. Die Schule nebenher zu managen war nicht immer einfach, aber funktionierte irgendwie und es war auch eine gute Herausforderung. In Moas Vorstellung hätte es immer so weitergehen können, bis sie die Schule verließen - doch es sollte nicht so sein. Yuis Ausscheiden kam plötzlich und es war gewisse Zeit nicht klar, wie es weitergehen würde. Das Konzept der Apocryphen und Momo, Riho und Kano als dritte Tänzer im Wechsel war mehr eine Übergangslösung, die zwar auf der Bühne funktionierte, aber Moa gelegentlich doch etwas emotional durchrüttelte.

»Dieses Chaos mit nur zwei offiziellen Mitgliedern muss sich schnell ändern. Ich weiß, du hängst an ihr und siehst sie wahrscheinlich immer noch auf der Bühne neben dir, aber sie ist ja auch nicht vollkommen weg. Yui unterstützt uns immer noch, nur anders als vorher. Wir müssen unseren Traum noch nicht aufgeben, verstehst du das?«

Su hatte sie darauf ernst angesehen, natürlich verstand Moa was sie sagte. Auch wenn Moa bei diesem Traum nur mitgeschleift wurde, wollte sie, dass Su weiter ihren festen Platz hatte. Einen Ort, an dem sie singen konnte und am besten mit anderen zusammen. Moa war auch schnell klar, dass es Momo war, die irgendwann den dritten Platz einnehmen würde. Sie war ein Sonnenschein und brachte der Gruppe wieder das Leben zurück, was sie verloren hatte. Moa konnte viel mit ihr rumblödeln und lernte auch hier und da etwas von ihr, aber sie kannten sich wohl einfach noch nicht lang genug, als dass sie die Bindung zu Yui vergleichen konnte. Eigentlich wollte sie das auch gar nicht, weil Momo kein Ersatz für Yui war. Momo war sie selbst, brachte andere Dinge zu Babymetal und sorgte dafür, dass sich ihre Musik wieder etwas frischer anfühlte. Es war gut so, wie es war, aber diese alten Gefühle von damals waren schwer zu verdrängen. Vielleicht würde Moa es irgendwann ganz schaffen, nicht mehr so viel an damals zu denken. Es waren viele Dinge passiert, die schön waren und die passierten auch in der Gegenwart. Es gab keinen Grund, so an der Vergangenheit zu hängen, aber vielleicht gehörte das einfach dazu.

»Du hast schon den ganzen Tag so nachdenklich gewirkt, Moa. Hast du eine Idee für einen eigenen Song, hm?«, fragte Momo neugierig, worauf Moa aufzuckte.

»Ach, du bist es. Ich habe mich erschreckt, sorry. Eigentlich weiß ich selbst noch nicht, was es werden soll, aber vielleicht wird es auch ein Song. Viel Erfahrung habe ich in dem Bereich nicht, aber vielleicht wird das auch nur ein Ding für mich. Es muss ja am Ende nicht verwendet werden«, antwortete Moa.

Momo lächelte sie sanft an und sah dann zu, wie die Atarashi Gakko-Mädchen aus dem Klubraum gingen und üben wollte. Su und Yui waren noch nicht da, würden aber wahrscheinlich noch irgendwann kommen.

»Ist das zu privat, oder darf ich es mir vielleicht ansehen?«

Moa sah zu Momo und konnte erkennen, dass sie vorsichtig gefragt hatte. Dennoch zögerte Moa, da sie nicht wusste, wie Momo darauf reagieren würde.

»Wenn du es nicht den anderen zeigst und dich nicht darüber lustig machst, zeige ich es dir«, sprach Moa, was Momo verstehen konnte.

»Ehrenwort, ich bin gespannt, wie ein Text von dir so ist.«

Momo wartete darauf, dass Moa ihr das Blatt Papier reichte und sah sich schließlich den Text an. Noten gab es nicht, aber Momo konnte es sich schon gut vorstellen. Yui war definitiv ihre Motivation für dieses Lied, das merkte man. Mit dem Lesen war ein Lächeln auf Momos Gesicht zu sehen, bis sie den Text an Moa zurückgab.
 

»Ich mag es sehr. Klar, man kann es noch etwas ausarbeiten, aber du hast dir wirklich Mühe gegeben. Yui ist eine ziemlich gute Inspiration für dieses Lied gewesen, aber es später richtig zu hören wäre schon cool«, meinte Momo.

Moa schaute sie bockig an und schüttelte mit dem Kopf.

»Yui ist nur eine Inspiration dafür. Die zweite Strophe handelt von jemand anderem«, erklärte Moa.

Momo schaute erstaunt und überlegte, wenn sie meinen könnte. Moa sah allmählich ungeduldig drein und sagte dann: »Da geht es um dich. Sie ist zwar meine beste Freundin, was aber nicht heißt, dass ich dich nicht mag. Ich würde dich schon gern besser kennenlernen, aber da du immer mit ihr zusammen heim gehst, scheint sie dich mittlerweile besser zu kennen als ich.«

In diesem Moment war Momo überrascht, wurde etwas rot, lächelte dann aber.

»Ich dachte eigentlich, dass wir uns schon verstehen und auch gut kennen, aber klar. Ob Yui mich aber besser kennt als du es tust, weiß ich nicht. Ich hab euch beide zumindest gleich gern, das kann ich sagen. Es ist schön, so etwas über mich zu lesen, hehe.«

Moa musste schließlich auch lachen und sie redeten noch ein wenig darüber, was sie an diesem Tag gemeinsam vorhatten. Zumindest, bis Su und Yui vorbei kamen.

»Ihr redet aber ausgelassen, gibts irgendwas neues?«

Su stand direkt hinter Moa und konnte sehen, wie sie den Zettel mit dem Text in der Hand hielt. Moa steckte diesen weg und grinste sie frech an.

»Hm? Nö, alles gut. Ich mag Momo nur genauso gut kennenlernen, wie Yui. Ihr habt alles erledigt, was ihr machen wolltet?«, fragte Moa, die in Yuis und Sus fragendes Gesicht sah.

»Ja, ist alles erledigt. Ich dachte schon, dass irgendwas mit dir ist, aber scheinbar ist doch alles in Ordnung«, antwortete Yui, worauf Moa innerlich etwas seufzen musste.

Yui entging wohl nichts an ihr, das war ihr eigentlich klar. Auch wenn sie nicht mehr gemeinsam tanzten und sangen, war sie ja trotzdem noch da. Es war etwas, das sie wohl einfach akzeptieren musste, auch wenn es schwer war. Ein wenig Zeit hatten sie noch an der Oberschule und ein paar Kohais waren auch da, die sie unterstützen konnten. Frau Kikuchi hatte Recht - Moa war wieder zufriedener als früher und das war auch gut so.


Nachwort zu diesem Kapitel:
Lang ist es her, aber ich habe endlich mal wieder ein neues Projekt am Start. Eigentlich war was anderes geplant, aber ich habe einfach mal wieder Lust auf ein spaßiges Nebenprojekt, das ich gelegentlich schreibe. Erwartet bitte nicht, dass ich jede Woche ein Update schiebe, aber es wird immer wieder geupdatet, wenn mir gerade der Sinn danach steht. Kommentare jeder Art sind gern gesehen und es wird über den Verlauf der Fanfiktion auch noch andere Künstler in der Fanfiktion zu sehen geben - Atarashi Gakko sind einfach die jüngeren Freunde, die man auf dem Weg getroffen hat, aber ein weiteres Mitglied für den Klub kann ich schon versprechen. See you. Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
Kapitel 2 ist da, jippiiieee. Ich hab für die Fanfiktion natürlich auch etwas recherchiert, wie die Mädels mit ihren Familien leben - aber es wird auch hier etwas improvisiert sein. Mir ist im Nachhinein aufgefallen, dass ich den Namen der anderen Suzuka falsch aufgeschrieben habe, weil sie scheinbar doch nicht Kanagawa sondern Kanazawa heißt. Wie das genau passiert ist, kann ich jetzt gar nicht sagen, aber ich werde es jetzt einfach so lassen, auch wenn ihr Name noch nicht so viel gefallen ist. Bei Kanazawa muss ich einfach ständig an Kana Hanazawa denken und wenn ein Nachname etwas anders ist, kann es ja eigentlich auch fast egal sein. Normalerweise nennt man die Atarashii Gakko Mädchen nie bei ihren Nachnamen, also ist ein anderer Name denk in Ordnung. Es hat dieses Mal auch etwas länger gedauert, das Kapitel zu schreiben, aber manchmal hat man so Phasen, wo sich eine Fanfiktion nach und nach zusammensetzt. Ich hoffe einfach, das regelt sich über die Zeit und vielleicht schaffe ich ja monatliche Releases für diese Fanfiktion - erwartet nur nicht zu viel von mir. Komplett anzeigen

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