Es gibt kein falsches Wetter, nur falsche Kleidung
Die Sonne knallte erbarmungslos vom Himmel. Der Kragen seines Polohemdes klebte an seinem Hals. Die Golfschläger auf seinem Rücken fühlten sich an wie ein Zentner Pflastersteine.
„Es ist immer wieder ein Vergnügen mit Ihnen zu spielen“, verkündete Dr. Chapman, während er sich den Schweiß von der Stirn wischte.
Richard zwang sich zu einem Lächeln. „Das sagen Sie nur, weil Sie immer gewinnen.“
Dr. Chapman zupfte sich sein knallgelbes Halstuch zurecht. „Ich bin eben ein verdammt guter Golfer“, behauptete er.
Richard musterte die Schweißflecken auf dem teuren Seidenstoff. Natürlich war Chapman ein guter Golfer. Fast so gut wie bei seiner Kleidungswahl.
Zuwarmi
„Und Sie wollen das wirklich machen?“, fragte Chapman über seinen Weißwein hinweg. „Sie wissen, dass es dort keine Aufstiegsmöglichkeiten gibt?“
Richard nippte an seinem Wasser. Die Eiswürfel, die ein übereifriger Kellner in sein Glas geschaufelt hatte, waren schon nicht mehr zu erkennen. „Natürlich“, entgegnete er.
„Wenn Sie im Krankenhaus bleiben, könnten Sie in ein paar Jahren leitender Oberarzt sein.“
„Ich bin bereits leitender Oberarzt“, erinnerte Richard ihn.
„Einer Station“, präzisierte Chapman, während er sich wieder mal den Schweiß aus dem Gesicht wischte, „Ich rede von dem ganzen Kasten.“
Richard gab sich unbeeindruckt. Immerhin sprach Chapman von einem Kasten ohne Klimaanlage.
Hundstage
In der Klinik war nicht sehr viel los. Die Hundstage hatten scheinbar selbst die Kranken fest im Griff. Jeder, der es irgendwie vermeiden konnte, hielt sich von der Notaufnahme fern und Richard wusste auch genau warum. Die Luft im Raum war so zäh, dass man sie mit einem Messer hätte schneiden können. Der Geruch nach verschiedensten Kräutern und Tinkturen machte es nicht besser. Es war eine einzige heiße, stickige Suppe, durch die nur jene wateten, die ohne Hoffnung waren.
Arme, geschundene Seelen und ein Schwung von fünfzehn unterbezahlten Auszubildenden, die bei seinem Anblick genauso leidend schauten, wie die wenigen Kranken.
Tornadowarnung
Richard hatte noch nicht einmal den Mund aufgemacht, da stürzte sich seine Kollegin wie ein Tornado auf ihn. „Und, was hat Chapman gesagt?“, wollte sie wissen, während die Auszubildenden eilig den Rückzug antraten. „Habt ihr wirklich alle Löcher gespielt?“,
„Wer hat gewonnen?“, „Ist jemand umgekippt?“
„Wirst du uns verlassen?“, ergänzte Richard, als ihr Monolog endlich ein bisschen abebbte.
Deirdra sah ihn einen Moment lang fragend an. „Ja“, stimmte sie dann zu, „das auch.“
„Er will sich mit der Krankenhausleitung besprechen. Aber ob daraus was wird, kann ich nicht sagen.“
„Wieso?“, fragte Deirdra.
„Weil er es in der Sauna tun will.“
