ein Einfacher Bauer
Es war einmal ein mächtiger Magier, dessen Name in allen Landen bekannt war. Seine außergewöhnlichen Kräfte halfen, die dunkle Welle der Monster zurückzuschlagen, die einst das Reich bedrohte.
An seiner Seite kämpfte der Held Arthur. Gemeinsam stellten sie sich gegen die Horden, und als fast alle anderen gefallen waren, standen nur sie beide noch – und drehten das Schicksal der Schlacht.
Doch das Seltsamste an diesem Magier war nicht nur seine Macht. Nein – es war seine Herkunft. Er war ein einfacher Bauernsohn. In Phantos war es nicht ungewöhnlich, dass auch Kinder einfacher Leute ein wenig Magie in sich trugen. Doch bei ihm war es anders: seine Kräfte waren gewaltig, stärker als alles, was man bis dahin gesehen hatte.
Nach dem großen Ereignis wurde er direkt vor den König gebracht. Dieser erhob ihn in den Rang eines Herzogs, als Dank für die Rettung des Reiches. Doch das allein reichte nicht: der König bat ihn, an der Zauberschule Lehrer zu werden – in der Hoffnung, dass durch ihn noch mehr Magier von solcher Stärke heranwachsen könnten.
So kam es, dass Merlin, der kleine Bauer von nebenan, zum mächtigsten Zauberer des Reiches und zum angesehenen Lehrer der Magierschule wurde.
Nur ein Lehrer?
Merlin zog seinen Umhang an, griff nach seinen Büchern. Sein zerzauster Zopf wehte leicht, während er den Turm hinunterging. Rosafarbene Haare und graue Augen – ein Bild, das gleichzeitig Respekt und Skepsis hervorrief.
In der Klasse legte er seine Bücher ab.
„Heute machen wir eine Beschwörung“, verkündete er, zeichnete einen Kreis auf den Boden und beschwor ohne lange Erklärungen eine dreiköpfige Giftschlange. Ein leises Zischen erfüllte den Raum, und einige Schüler erschraken. Merlin löste den Spruch auf.
„Das Mana bestimmt, wie stark ein Monster ist. Zerstört ihr den Kreis, löst sich das Wesen auf – es sei denn, ihr seid schwächer. Dann entzieht es euch Mana, aber das ist sehr selten. Nun gut, wer möchte es ausprobieren?“
Skullpunk, ein Skelett mit langen grünen Haaren und roten Augen, meldete sich. Sie meldete sich oft freiwillig und galt schon als Versuchskaninchen der Klasse. Viele glaubten, da sie ein Skelett war, könne sie nicht sterben. Doch als sie den Beschwörungskreis betrat, erschien nur schwarzer Rauch. Merlin beendete den Unterricht.
Später besuchte Arthur, Merlins alter Freund, ihn im Turm.
„Heute hast du wieder die Decke zerstört. Wegen dir bekommen die Schüler Angst, und eines Tages bringst du sie noch um“, schimpfte er und reichte Merlin einen Jutesack.
„Für dich, deine Lieferung.“
„Danke, bist der Beste“, antwortete Merlin und begutachtete den Inhalt.
Arthur brachte oft Reste von Monstern von seinen Jagden.
„Und was ist das? Feenflügel? Was hast du vor?“ fragte er angewidert.
„Magie steckt darin. Wenn man sie extrahieren kann, könnten wir das Potenzial von allen erhöhen“, schwärmte Merlin.
Als Arthur ging, öffnete Merlin eine geheime Tür und verschwand dahinter. Es roch nach Blut. Verschiedene Rassen waren angekettet oder in Käfigen untergebracht. Auf einem Tisch lag eine Fee ohne Flügel, nur der Umriss unter einer Decke verriet, dass es einst eine Fee gewesen war.
Merlin sprach ihnen gut zu. „Ein Wesen ohne Magie – was passiert, wenn es plötzlich welche bekommt?“ murmelte er, während er einem Goblin vorsichtig etwas Feenpulver einritzte. Doch leider Passiert nichts.
Merlin arbeitete wie so oft in seinem Labor, als sich die Tür öffnete.
Eine Lehrerin trat ein – ein Eulenmensch mit rotem Haar, grünen Augen, schmalem Schnabel und einer Brille auf der Nase.
„Ich hööörte, dass duuu dich hier wieder verkriechst. Haaast duuu heute Zeit?“ fragte sie und wedelte mit einer Einladung.
„Duuu müsstest für mich einspringen. Ich kann leider nicht hingehen… uuund heute soooll es etwas Exklusives geben. Lust hinzuuu schauen?“
Eine ihrer Eigenheiten war, dass sie alle o und u lang zog – eine Eigenart ihrer Abstammung als Harpyie der Eulenlinie.
„Was willst du dafür?“ fragte Merlin, wissend, dass sie niemals etwas ohne Gegenleistung tat.
„Das Üüübliche“, grinste sie und hielt die Hand auf.
Merlin kramte in seinen Schränken und reichte ihr einen Beutel voller Federn und Fell.
„Wie immer schööön, Geschäfte mit dir zuuu machen“, freute sie sich, nahm die Einladung und verschwand.
Am Abend legte Merlin einen schwarzen Mantel an, verbarg sein Gesicht unter einer Maske und betrat die geheime Auktion.
Die Halle erinnerte an eine unterirdische Kampfarena – dunkel, von Fackeln erleuchtet, erfüllt von Stimmen, Gier und dem Knistern verbotener Magie. Ein großer Mann begrüßte die Gäste:
„Willkommen! Beginnen wir sofort.“
Wesen verschiedenster Art wurden vorgeführt – Goblins, Oger, Feen. Die Preise stiegen, doch nichts davon weckte Merlins Interesse.
Dann erhob sich der Auktionator, mit feierlicher Stimme:
„Und nun, meine Damen und Herren – unser letztes Stück! Manche haben so etwas noch nie gesehen. Ich versichere Ihnen: es ist echt. Eine Meerjungfrau!“
Eine riesige Glaskugel wurde hereingerollt, gefüllt mit Wasser. Darin eine Gestalt mit langen, tiefroten Haaren und leuchtend lila Augen. Sie schlug verzweifelt gegen die Scheibe, und obwohl kein Laut zu hören war, schien ein stummes Lied in der Luft zu liegen.
Merlins graue Augen blitzten auf. Sein Interesse war sofort geweckt.
„Hunderttausend Gold“, rief er als erstes Gebot.
Sofort stiegen die Preise. Alle wollten sie haben. Doch Merlin trieb es höher und höher – bis er schließlich mit fünfhunderttausend Gold gewann. Fast sein gesamtes Vermögen, aber es war ihm jede Münze wert.
Mit einem Unsichtbarkeits- und Schwebespruch transportierte er die Meerjungfrau heimlich in seinen Kerker. Dort empfingen die angeketteten und eingesperrten Wesen sie mit einer Mischung aus Schock, Mitleid und Hoffnung. Manche Augen flackerten, als würden sie denken: Vielleicht ist sie diejenige, die uns eines Tages befreit.
Neues Spielzeug
Wie ein neues Spielzeug begutachtete Merlin die Meerjungfrau.
So viel, was er wissen wollte – und so wenig, was er wusste.
Er zerstörte das Glas, woraufhin sie auf dem Boden strandete. Neugierig beobachtete er, ob sie überhaupt atmen konnte.
Tatsächlich hatte sie weder im Wasser noch an der Luft Schwierigkeiten zu überleben.
„Wie heißt du?“ fragte Merlin, überzeugt, dass sie sprechen musste.
Er probierte viele Sprachen, doch sie schwieg.
„Name?“ presste er schließlich heraus, seine Geduld neigte sich dem Ende.
Doch die Meerjungfrau bewegte nur ihre Arme, versuchte Gesten zu machen, als wolle sie ihm etwas vermitteln. Es dauerte eine Weile, bis Merlin verstand.
„Reden… Stimme? Verloren? … Zauberer? Nein? … Hexe?“
Als er das letzte Wort aussprach, nickte sie hastig.
Merlins graue Augen leuchteten. Seine Neugier wandelte sich in Besessenheit, als er das Brandmal an ihrem Hals entdeckte – ein dunkles Siegel, eingebrannt wie eine Wunde.
„Ein Fluch…“ murmelte er.
„Es gibt keine Magie, die ich nicht brechen kann.“
Für ihn war es keine Last, sondern eine Herausforderung – ein Rätsel, das es zu lösen galt.
Die Experimente
Tage vergingen. Merlin kümmerte sich gut um sie: er gab ihr zu essen, ließ sie frei im Raum, und jede freie Minute widmete er der Lösung des Fluchs.
Arielle, wie er sie bald nannte, beobachtete ihn still – sie verstand nicht, warum er half, doch in ihr keimte Dankbarkeit.
Eines Tages mischte er einen Trank, der angeblich Fluchmagie lösen konnte. „Trink das“, befahl er.
Sie nahm den Becher, ihre Augen voller Hoffnung – und dann geschah es.
Ein Lichtstoß, violett und silbern, brach aus ihrem Körper hervor. Magische Runen schlangen sich wie Schlangen um ihre Schwanzflosse, die sich in Wasser auflöste. Ein Aufschrei – stumm, aber voller Schmerz – und zurück blieben zwei menschliche Beine.
Sie zitterten, schwach und ungewohnt, doch eindeutig echt.
„Wieder ein Reinfall“, knurrte Merlin, wütend über das „falsche Ergebnis“. Er ließ sie stehen, ging hinauf in seinen Turm und brütete stundenlang über neuen Formeln.
Allein im Kerker tastete Arielle ihre neuen Beine. Mit Mühe zog sie sich hoch, Schritt für Schritt lernte sie das Gehen. Unsicher, aber entschlossen, kletterte sie die Treppe hinauf.
Obwohl sie frei war, floh sie nicht.
Sie sah das Gute in Merlin – er kümmerte sich, gab ihr Essen, versuchte den Fluch zu brechen. Für sie war er kein Monster, sondern jemand, der Hilfe verdiente.
Und so begann sie, ganz ohne Aufforderung, die Räume ein wenig aufzuräumen.
Als Merlin zurückkehrte und sie frei herumlaufen sah, erinnerte er sich daran, dass er vergessen hatte, sie anzuketten.
Er runzelte die Stirn – doch zu seiner eigenen Überraschung ließ er es sein.
„Wenn du schon hier oben bist…“ murmelte er.
Kurz darauf nahm er sie überallhin mit.
Vor anderen erklärte er schlicht:
„Das ist meine neue Assistentin.“
Um die Meerjungfrau besser vorstellen zu können, gab Merlin ihr einen Namen.
„Arielle“, murmelte er beiläufig, als er ihr ein Buch hinhielt.
Warum Arielle? Weil es in einer alten Sprache schlicht „Meerjungfrau“ bedeutete.
Merlin war nie gut mit Namen. Für ihn war es nur praktisch.
Für sie jedoch war es ein Geschenk – ein Stück Identität, das ihr seit der Auktion gestohlen war.
Arielle begleitete ihn fast überallhin. Nicht, weil er ihr vertraute, sondern weil er sie im Auge behalten wollte.
Doch ihre ständige Anwesenheit blieb nicht unbemerkt.
In den Gängen der Akademie tuschelten die Schüler:
„Wer ist sie?“
„Warum redet sie nie?“
„Vielleicht eine Spionin? Oder eine geheime Geliebte?“
Da sie nicht sprach, konnte sie nichts klarstellen. Und gerade das machte sie geheimnisvoller.
Sogar Arthur, Merlins alter Gefährte, bekam die Gerüchte zu Ohren.
An einem Nachmittag kam er in Merlins Turm, ohne anzuklopfen, wie immer.
Im Küchenraum blieb er abrupt stehen: Arielle stand dort, goss Tee in eine Kanne.
Arthur zog die Augenbrauen hoch.
„Also… die Gerüchte scheinen wahr zu sein.“
Merlin verdrehte die Augen.
„Oh bitte. Fang jetzt nicht auch noch an.“
Arthur stemmte die Hände in die Hüften, sein Ton streng, aber vertraut:
„Merlin, du bist jetzt Herzog. Das hier ist nicht irgendein Bauernhaus, wo du nach Lust und Laune jemanden aufnehmen kannst. Eine unverheiratete Frau, die bei dir lebt – das geht nicht. Wenn sie kein Dienstmädchen ist, dann ist es ein Skandal. Und wenn sie eines sein soll – dann trägt sie die völlig falschen Kleider.“
Er deutete auf Arielles schlichtes Gewand.
Merlin lehnte sich lässig gegen den Tisch.
„Sie ist kein Dienstmädchen. Und auch keine… wie du denkst. Sie ist nur eine… Schülerin.“
Arthur verschränkte die Arme.
„Eine stumme Schülerin, die bei dir wohnt? Glaubst du ernsthaft, dass irgendwer das glaubt?“
Merlin lächelte schief.
„Das muss niemand glauben. Aber die Wahrheit ist: Sie ist verflucht. Ich habe sie gefunden, halb tot. Seitdem versuche ich, diesen Fluch zu brechen.“
Arthur musterte ihn lange, seine Stirn in Falten.
„Und was genau für ein Fluch?“
Merlin wich seinem Blick aus, zuckte mit den Schultern.
„Sie hat ihre Stimme verloren. Eine Hexe hat sie gebannt. Und ich will sehen, ob ich’s lösen kann.“
Arthur seufzte schwer.
„Merlin… du warst schon immer verrückt. Aber diesmal – das ist mehr als nur ein Experiment. Hörst du nicht, wie sie über dich reden? Ein Herzog, der eine geheimnisvolle Frau in seinem Turm hält… das wird dir Ärger einbringen.“
Merlin grinste, seine grauen Augen blitzten.
„Dann sollen sie reden. Das haben sie doch schon immer.“
Während die beiden stritten, stand Arielle schweigend daneben.
Ihre lila Augen wanderten von Arthur zu Merlin.
Ein kleines, schelmisches Funkeln huschte in ihren Blick – als hätte sie Spaß an der ganzen Situation.
Und als Merlin ungeduldig eine Haarsträhne aus seinem zerzausten Zopf strich, blieb ihr Blick etwas zu lange an ihm hängen.
Nur ein winziger Moment – ein Hauch von Flirt.
Arthur merkte es sofort. Er kniff die Augen zusammen.
„Oh nein. Das kann nur schiefgehen.“
Schnelldurchlauf
Arthur blieb hart. Seine Stimme ließ keinen Widerspruch zu:
„Als zukünftiger König kann ich das nicht einfach so stehen lassen. Du bist meine rechte Hand, Merlin. Und wir können uns so einen Skandal nicht leisten.“
Merlin hob spöttisch eine Augenbraue, verschränkte die Arme und spielte den reumütigen Untertan.
„Oh mein Prinz, unterweis einen Dummkopf wie mich. Was soll ich nur tun, in dieser misslungenen Lage?“
Arthur blinzelte – dann presste er die Lippen zusammen, um nicht zu lachen. Merlin war einer der wenigen, die es wagten, ihn so aufzuziehen. Vielleicht sogar der einzige.
„Heirate sie.“
Es kam so schnell, so direkt, als hätte Arthur den Gedanken schon länger mit sich herumgetragen.
„Wenn du unbedingt willst, dass sie bei dir wohnt, dann heirate sie.“
Merlin stutzte kurz, dann zuckte er die Schultern, als ginge es um ein kleines Experiment.
„Wenn das alles ist… gut. Aber sag mal, Arthur: wenn ich’s mache, lässt du mich dann wieder arbeiten? Ich hab da unten eine Formel, die dringend—“
Arthur rollte mit den Augen.
„Jaja. Wir machen’s gleich hier. Ehe im Turm, das passt zu dir.“
Er drehte sich zu Arielle, die sie beide mit großen Augen beobachtete.
„Also, junge Dame. Was sagst du dazu? Willst du diesen zerzausten Magier heiraten?“
Arielle blinzelte überrascht, doch dann – ein kleines Lächeln. Sie nickte eifrig, ihre Augen leuchteten, als hätte sie längst auf so etwas gewartet.
Arthur schnaubte, murmelte etwas wie „natürlich“ und hob die Hand, als würde er ein offizielles Dekret sprechen:
„Im Namen von Arthur Timothy Read Sharming Willhealm Morgan, Kronprinz von Phantos, erkläre ich hiermit, dass diese beiden den Bund der Ehe eingehen. Du darfst die Braut nun küssen.“
Merlin grinste, legte eine Hand an Arielles Wange.
„Siehst du? Das war doch gar nicht so schwer.“
Dann küsste er sie – kurz, ungewohnt zärtlich für jemanden, der sonst alles nur als Experiment betrachtete.
Und doch änderte sich erstaunlich wenig.
Die Gerüchte verstummten nicht – sie wandelten sich nur.
„Er hat sie geheiratet? Einfach so?“
„War das überhaupt eine richtige Trauung?“
„Vielleicht ist sie eine Hexe, die ihn verführt hat!“
Merlin selbst kümmerte sich nicht darum. Für ihn war alles wie zuvor: jeden Tag versuchte er, Arielles Fluch zu lösen, jede Stunde tüftelte er an neuen Formeln und Zaubern.
Doch Arielle… sah die Sache anders.
Sie trug den Ring, sie erinnerte sich an den Kuss, und in ihren lila Augen lag ein neuer Glanz, wenn sie Merlin ansah.
Merlin vernachlässigte seine „Ehepflichten“ nicht – auch wenn die Hochzeit eher symbolisch war. Doch er hielt sich daran, nicht weil Arthur es verlangte, sondern weil er selbst es für richtig hielt.
„Ich hab’s!“ rief er plötzlich begeistert und sprang auf, als er einen magischen Zirkel auf den Boden malte. Die Arbeit hatte Stunden gedauert, doch jetzt fühlte er, dass es klappen würde.
Arielle trat in den Zirkel, nackt, damit Merlin die Runen gleichmäßig auf ihrem ganzen Körper anbringen konnte. Mit geübten Bewegungen malte er sie in einer geheimen Magiersprache auf, während er einen Zauberspruch sprach:
"AqH JtIÜrA AqTqZ IqÜrJ I LqÜrJ TqVqD JqI"
Sobald Merlin den Spruch sprach, erleuchtete der ganze Raum. Die Runen auf Arielle glühten auf, funkelten und flackerten im Rhythmus der Magie.
„Los… versuch zu sprechen.“
Arielle bewegte den Mund, und tatsächlich – es kam ein Ton. Sie spracH "Uqüüd?" nur in der alten Magiersprache. Merlin war fasziniert, seine Augen glänzten:
„Sagt noch etwas!“ bat er.
Arielle wiederholte seinen Namen, mehrmals, mit einem Lächeln auf den Lippen. "Arüis, Arüis ... raspt zmj qaatk" Doch Merlin verstand nur Bruchstücke.
„Kein voller Erfolg… Alte Sprache? Ausgestorben… Was sagt sie wohl?“ murmelte er, während er fieberhaft versuchte, das Gesagte zu entschlüsseln. Für ihn war es ein neues, spannendes Rätsel.
Die Monate vergingen. Merlin verstand Arielles alte Sprache immer besser, doch das normale Sprechen blieb ein Rätsel: Egal, welche Sprache sie versuchte, es kam immer nur die Magiersprache heraus.
Doch etwas anderes geschah: Arielle wurde schwanger. Weder Arthur noch Merlin hatten damit gerechnet. Sie freuten sich beide, und Merlin war weiterhin in seine Arbeit vertieft, doch das Familienleben trat langsam hinzu.
Als das Kind geboren wurde, nannten sie es Isolde. Sie hatte rote Haare wie ihre Mutter, doch die ausdrucksstarken, magischen Augen hatte sie eindeutig von Merlin geerbt. Schon als Baby zeigte sie immense Kräfte: Sie konnte sogar den Turm, in dem sie wohnten, beinahe sprengen.
Auf Arthurs Wunsch zogen sie ins Schloss um. Dort wuchs Isolde behütet auf, Merlin immer noch vertieft in seine Experimente, Arielle liebevoll an seiner Seite. Arthur besuchte sie regelmäßig, wurde so etwas wie ein Patenonkel für Isolde. Zwar verstand er Arielle nicht vollständig, doch die beiden freundeten sich geistig an.
Merlin hingegen lernte, dass manche Rätsel besser ungelöst bleiben – auch wenn ein Teil von ihm immer noch brannte, das Geheimnis ihrer Sprache zu knacken.
So lebten sie: Merlin, Arielle und Isolde – zwischen Magie, Rätseln und einer Familie, die trotz aller ungewöhnlichen Umstände zusammenhielt.
Das Leben im Schloss
Die Sonne stand tief über dem Schloss, und ein sanftes Licht fiel durch die großen Fenster des Turmzimmers. Isolde wackelte stolz auf ihren kleinen Beinen durch den Raum, während Merlin geduldig neben ihr kniete und ihr die ersten Zaubertricks zeigte. „Noch einmal, Isolde, versuch es langsam… so,“ murmelte er, während er ihre winzigen Hände führte.
Am Tisch saß Arthur, entspannt, den Tee vor sich, und beobachtete das kleine Schauspiel. Neben ihm nahm Arielle, so elegant wie immer, einen Schluck Tee, ihre Hände um die Tasse gelegt. Sie konnte noch immer nicht in normaler Sprache sprechen, doch das störte niemanden – ihre Augen und Gesten sagten alles, was Worte nicht ausdrücken konnten. Arthur lächelte und nickte anerkennend, während er ihr und dem Kind zusah.
„Arthur, du solltest deine Pflichten nicht so lange vernachlässigen,“ neckte Merlin, halb im Scherz. Doch der Prinz lachte nur, bevor er sich erhob, bereit, das Pflichtenheft zu erfüllen. Doch Merlin, nicht umsonst ein schelmischer Magier, hatte ihn längst „verpetzt“ – und Arthur erhielt prompt neue Aufgaben, die er widerwillig akzeptierte.
Als die Nacht hereingebrochen war und das Schloss in Stille gehüllt wurde, öffnete Merlin leise eine verborgene Falltür. Unter dem Schloss führte ein geheimer Gang in ein unterirdisches Verlies, das kein anderer kannte. Dort, in der Dunkelheit, leuchteten die magischen Symbole von Runen und Zaubern an den Wänden, während Merlin weiterhin an seinen Experimenten arbeitete. Fesselte Wesen, studierte ihre Magie und brachte sogar einem Oger die alte magische Sprache bei – alles, um schließlich den Fluch zu brechen, der Arielle einst ihre Stimme raubte.
Merlin lächelte, als er an den Oger dachte. „Bald wirst du helfen, Arielle zu schützen,“ murmelte er leise. Niemand im Schloss wusste von diesem geheimen Reich, und niemand ahnte, wie sehr er alles tat, um seine kleine Familie zu beschützen. Isolde wuchs unbeschwert auf, Arielle war sicher, und Merlin, der Magier, fand eine stillschweigende Balance zwischen dem Leben als Vater, Ehemann und Forscher.