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Zu was ein Nachsitzen führen kann

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Vorwort zu diesem Kapitel:
Severus hat die Schlacht überlebt und darf als Kriegsheld weiter in Hogwarts unterrichten. Harry und seine Freunde wiederholen das siebte Jahr, weshalb es vorrübergehend zwei siebte Jahrgänge gibt. Komplett anzeigen

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Das passiert, wenn man nicht richtig zuhört

Dichter, schwarzer Rauch stieg aus seinem Kessel auf. Das wird Ärger geben, dachte sich Harry und zuckte zusammen, als ein dunkler Schatten vor ihm auftauchte.
 

„Potter“, hörte er die Stimme seines Professors für Zaubertränke und sah zu diesem auf.
 

„Sieben Jahre und Sie sind immer noch nicht in der Lage einen Zaubertrank der ersten Klasse zu brauen. 5 Punkte Abzug von Gryffindor und …“
 

„Nachsitzen, heute Abend um acht hier im Klassenzimmer zum Kessel reinigen“, beendete Harry den Satz des anderen.
 

Auf den Lippen von Severus bildete sich jedoch ein fast schon sadistisches Lächeln, was ihn in Alarmbereitschaft versetzte.
 

„Irrtum, Potter. Morgen früh um neun Uhr in meinem Büro und weitere 5 Punkte Abzug, weil Sie mich unterbrochen haben“, gab Severus in seiner üblichen Art von sich und ließ den immer noch rauchenden Kessel mit einem Schwenker seines Zauberstabes verschwinden.
 

„Aber das geht nicht!“, protestierte Harry, was Severus dazu brachte sich dicht zu diesem hinunterzubeugen und ihn mit seinem Blick förmlich zu durchbohren.
 

„Sie wagen es, mir zu widersprechen, Potter?“, wollte Severus scharf wissen, was selbst die anwesenden Slytherin zum Zusammenzucken brachte.
 

„Nein … Ja! Ich kann doch nicht während Kräuterkunde bei Ihnen nachsitzen!“, rechtfertigte sich Harry und hielt dem Blick seines Professors stand.
 

Dieser verzog seinen Mund zu einem spöttischen Lächeln, ehe er sich wieder aufrichtete.
 

„Dann sollte Ihnen Miss Granger vielleicht noch einmal erklären, warum das durchaus möglich ist“, meinte Severus. „Nach dem Unterricht“, fügte er noch hinzu, als Hermione gerade den Mund aufmachen wollte. „Sie werden nun alle Ihre Plätze aufräumen und mir eine Probe Ihres Zaubertrankes auf mein Pult stellen. In spätestens fünf Minuten will ich alle haben!“, verlangte Severus und schritt erhobenen Hauptes zurück an eben dieses Pult, während alle anwesenden Schüler sich schnell daran machten die bereitgestellte Phiole zu füllen und nach vorne zu bringen.
 

Harry indessen war immer noch von den Worten seines Professors verwirrt, während er sich daran machte seinen Platz so schnell wie möglich aufzuräumen, damit Gryffindor nicht noch mehr Punkte wegen ihm einbüßen musste.
 

~*~
 

„Harry, was war denn los mit dir? Den Zaubertrank haben wir doch in der vierten Stunde im ersten Jahr gebraut. Wie konnte er dir nicht gelingen?“, wollte Hermione von ihrem besten Freund, als sie gemeinsam, nach dem Zaubertankunterricht, auf dem Weg zum Gemeinschaftsraum waren. Harry war wirklich froh, dass sie heute keinen Unterricht mehr hatten.
 

„Es war ein dummer Fehler. Ich habe das Gefäß über den Kessel gehalten, um eine Prise hinzuzufügen und als Ron aus Versehen an den Tisch gestoßen ist, ist mir der halbe Inhalt hineingefallen“, gab Harry seufzend von sich.
 

„Ach Harry, für die Prise hatten wir doch den winzigen Löffel“, sagte Hermione tadelnd, was Harry schief grinsen ließ. Den hatte er gar nicht aus dem Schrank geholt, wenn er ehrlich war.
 

„Passiert ist passiert. Aber jetzt sag mal, warum darf mich Snape einfach aus Kräuterkunde rausholen?“, wollte Harry wissen und folgte Hermione durch das Portal zum Gemeinschaftsraum.
 

„Hast du Professor McGonagall gestern denn gar nicht zugehört beim Frühstück?“, antwortete Hermione mit einer Gegenfrage, was ihn noch mehr verwirrte.
 

„Nicht wirklich, nein. Als sie das Wort Weihnachtsferien sagte, habe ich nicht mehr zugehört. Ich wollte die Ferien eh nicht in Hogwarts verbringen, sondern den Grimmauldplatz etwas auf Vordermann bringen“, erklärte Harry und ließ sich auf einem Sessel nieder.
 

„Du solltest wirklich besser aufpassen, Harry!“, seufzte Hermione und ließ sich auf einem anderen Sessel nieder. „Professor McGonagall hat gestern verkündet, dass über die Weihnachtsferien niemand in Hogwarts bleiben kann. Irgendeine Anordnung vom Ministerium. Und außerdem hat sie verkündet, dass deshalb der Hogwarts Express morgen um 11 Uhr fährt. Die Ferien beginnen also drei Tage früher. Deshalb haben wir auch keinen Unterricht morgen und Professor Snape kann dich durchaus vorher zum Nachsitzen holen“, erklärte sie, was Harry verlegen schauen ließ.
 

„Das habe ich tatsächlich nicht mitbekommen. Bei Merlin, ich muss ja noch packen!“, mit diesen Worten sprang Harry schnell auf und lief in seinen Schlafsaal, während Hermione kopfschüttelnd im Gemeinschaftsraum zurück blieb und ihm nachsah.
 

Oben im Schlafsaal angekommen sah er Ron gerade auch seinen Koffer schließen. Also war er wohl nicht der einzige, der es vergessen hatte. Obwohl Ron ja gerne mal bis zur letzten Minuten mit so etwas wartete.
 

„Sorry wegen deinem Zaubertrank, Kumpel“, hörte Harry Ron sagen, als er an sein Bett herantrat und den Koffer darunter vorzog.
 

„Alles gut. Ich hätte auch einfach den Löffel nehmen können“, meinte Harry und lächelte leicht.
 

„Auch wieder wahr. Ist Hermione noch unten?“, wollte Ron wissen und wandte sich schon einmal der Tür zu.
 

„Ist sie. Aber warte kurz“, verlangte Harry und reichte Ron mehrere Päckchen, die dieser verwirrt annahm.
 

„Das sind die Weihnachtsgeschenke für dich, Hermione und den Rest deiner Familie. Sind alle beschriftet“, erklärte Harry ruhig.
 

„Oh, ich dachte, du würdest uns mal in Rumänien besuchen. Danke, ich gebe Hermione ihres gleich und pack die anderen schnell weg“, entgegnete Ron und legte die Päckchen auf sein Bett, ehe er seinen Koffer noch einmal öffnete und alle hineinlegte, bis auf eines.
 

Harry konnte ihm ganz genau ansehen, dass er die Aussage nicht ernst meinte. Ron war froh, dass er mit seiner gesamten Familie Charlie besuchte und Harry sich im Grimmauldplatz verschanzen wollte.
 

„Genießt eure Ferien, ich muss so viel im Grimmauldplatz machen, dass ich dazu sicher nicht kommen werde“, gab Harry von sich und tat so, als wenn er nicht bemerkt hätte, dass der andere ihn nicht sehen wollte.
 

„Na dann viel Spaß. Ich bin bei Hermione“, mit diesen Worten schnappte sich Ron das Päckchen für sie und ging nach draußen, woraufhin Harry seufzte.
 

Das Verhältnis zu Ron hatte sich wieder einmal verschlechtert, so wie damals im vierten Jahr. Doch dieses Mal war es kein dummes Turnier, weswegen der andere sauer war. Es war einzig und allein die Tatsache, dass er sich in den Ferien nach der großen Schlacht von Ginny getrennt hatte. Aber, bei Merlin, was hätte er denn tun sollen? Seine Gefühle waren eben nicht mehr vorhanden bzw. gingen sie nicht mehr über ein freundschaftliches Bruder-Schwester-Verhältnis hinaus. Warum hätte er ihr also weiter tiefere Gefühle vorspielen sollen? Er verstand Ron einfach nicht. Ginny war mit der Trennung sogar sehr gut klargekommen. Ja, sie war am Anfang traurig gewesen, aber kaum das sie wieder in Hogwarts waren, hatte sie sich anderweitig umgesehen und war nun mit einem Ravenclaw zusammen. Nur Ron kam nicht über die Trennung hinweg und schien regelrecht sauer auf ihn zu sein.
 

Kopfschüttelnd begann Harry seinen Koffer zu packen, wobei ihm noch ein Päckchen in die Hände fiel. Dieses würde er definitiv mit einer Eule abschicken, denn er traute sich nicht, es der Person persönlich zu geben. Aber er war sich sicher, dass sich diese Person freuen würde, auch wenn es von ihm war. Leicht schmunzelnd legte es Harry zur Seite und packte weiter seinen Koffer.
 

~*~
 

Am nächsten Morgen stand Harry mit seinem Koffer vor dem Büro von Professor Snape und atmete noch einmal tief durch, ehe er an die Tür klopfte.
 

„Herein“, hörte er die schnarrende Stimme von ebendiesem und betrat langsam den Raum.
 

„Potter. Sie sind eine Minute zu spät. Und warum haben Sie Ihren Koffer nicht abgegeben?“, wurde er gleich freundlich begrüßt, was ihn innerlich grinsen ließ. Sein Professor würde sich wohl niemals ändern. Selbst jetzt, nach dem Krieg und wo er doch ein freier Mann war, war er doch immer noch der mies gelaunte Professor für Zaubertränke.
 

„Weil ich nicht mit dem Zug fahren werde, Sir. Ich werde Apparieren“, erklärte Harry und sah sich kurz um. In der Mitte des Raumes stand ein einzelner Tisch, auf dem ein Kessel über dem Feuer hing. Anscheinend sollte er heute brauen und keine Sachen reinigen oder zerkleinern.
 

„Dann werde ich Sie nicht zum Zug, sondern zur Appariergrenze bringen. Stellen Sie Ihren Koffer neben meinen Schreibtisch und beginnen dann zu brauen. Sie werden noch einmal den Trank von gestern brauen und ich erwarte, dass Sie dieses Mal mehr als ein Troll schaffen“, schnarrte Severus und sah dabei zu, wie Harry erst seinen Koffer abstellte und sich dann ans Brauen machte.
 

In dieser Zeit ließ er ihn nicht aus den Augen, wobei er an seinem Schreibtisch sitzen blieb, von welchem er einen guten Überblick hatte.
 

Harry ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen und arbeitete sich konzentriert durch das Rezept. Es fiel ihm wesentlich leichter, als er es sich vorgestellt hatte und er empfand die Gesellschaft von Snape schon fast als angenehm, da dieser nicht mit ihm sprach und ihn einfach nur beobachtete.
 

~*~
 

Die Zeit verging wie im Flug und Harry konnte seinen fertigen Trank in eine Phiole füllen, die er seinem Professor auf den Schreibtisch stellte.
 

„Räumen Sie auf, Potter. Ich werde mir in der Zeit Ihr Gebräu ansehen“, meinte Severus, was Harry seufzen ließ. Hatte er wirklich gedacht, dass er nach dem Brauen einfach so verschwinden konnte? Sich einen Kommentar verkneifend machte sich Harry daran den Platz aufzuräumen, während er aus dem Augenwinkel sehen konnte, wie sein Professor die Phiole schwenkte und dann den Inhalt begutachtete.
 

„Nun, Potter“, begann Severus zu sprechen, als Harry soweit mit Aufräumen fertig war, dass nur noch der heiße Kessel über dem erloschenen Feuer hing.
 

„Ja, Sir?“, wollte Harry nervös wissen. War sein Trank dieses Mal gelungen?
 

„Ohnegleichen, Potter.“ Severus’ Lippen kräuselten sich, als er das geschockte Gesicht sah. „Ich kann Ihnen natürlich auch ein Troll geben, wenn Ihnen das lieber wäre“, fügte er hinzu.
 

„Nein, nein. Ich bin nur … Danke, Sir“, meinte Harry und schüttelte nur den Kopf. Den Tag musste er im Kalender anstreichen. Ein Ohnegleichen von Snape. War heute denn schon Weihnachten?
 

„Dann nehmen Sie Ihren Koffer und ich bringe Sie nun zur Appariergrenze“, mit diesen Worten erhob sich Severus und Harry holte schnell seinen Koffer, ehe er an die Tür heran trat und diese öffnen wollte.
 

„Sir? Haben Sie die Tür abgeschlossen?“, wollte Harry wissen und sah verwirrt zu seinem Professor. Doch als dieser die Stirn in Falten legte, wurde ihm klar, dass dieser nichts damit zu tun hatte.
 

„Weshalb sollte ich so etwas tun? Gehen Sie zur Seite“, verlangte Severus und zog seinen Zauberstab, ehe er auf die Tür zauberte, als Harry aus dem Schussfeld war. Leider brachte weder ein „Alohomora“ noch ein anderer Zauber die gewünschte Wirkung, was Severus dazu veranlasste sich mit wehendem Umhang umzudrehen und zu einer weiteren Tür im hinteren Bereich des Büros zu gehen.
 

„Folgen Sie mir, Potter“, verlangte er, woraufhin sich Harry schnell in Bewegung setzte und diesem folgte. Durch diese Tür war er noch nie gegangen und er stellte auch schnell fest, warum. Hier befanden sich die privaten Räume seines Professors, denn der Boden war mit dunklem Parkett ausgelegt, an einer Wand hingen ein Spiegel und eine Garderobe, neben welcher ein Koffer stand und auf der anderen Seite stand eine große Wanduhr, auf die sein Professor nun starrte.
 

„Sir? Warum sollte ich Ihnen folgen?“, hakte Harry nach. Er fühlte sich ein wenig unwohl dabei in den privaten Räumen seines Professors zu stehen, auch wenn es momentan nur dessen Flur war.
 

„Wollten Sie Ihre Ferien in meinem Büro verbringen?“, entgegnete Severus bissig, was Harry leicht schlucken ließ.
 

„Ich verstehe nicht ganz“, meinte er, was Severus seufzen ließ.
 

„Warum war mir das schon klar? Nun, Potter. Es ist kurz nach 12 Uhr. Der Hogwarts Express ist vor einer Stunde abgefahren. Also wurde das Schloss nun verriegelt“, erklärte Severus ruhig und ging dann in einen Raum auf der rechten Seite, während Harry immer noch unschlüssig im Flur stehen blieb. Sollte er dem anderen folgen oder lieber nicht?
 

„Was bedeutet verriegelt? Und haben Sie keinen Kamin, durch den wir reisen können?“, stellte Harry weitere Fragen und beschloss erst einmal stehen zu bleiben.
 

„Die Verriegelung ist ein Schutzmechanismus, der normalerweise nur in den Sommerferien eingesetzt wird, wenn wirklich alle Schüler und Professoren das Schloss verlassen. Es soll verhindern, dass Unbefugte in die Klassenräume und Privaträume kommen können. Denn die Hauselfen können eben nicht überall sein. Und was glauben Sie, was ich hier gerade versuche? Der Kamin ist vom Flohnetzwerk genommen. Das hängt sicher auch mit der Verriegelung zusammen. Oder mit dem Ministerium“, erklärte Severus und kam aus dem Raum wieder heraus.
 

„Und wenn wir eine Hauselfe rufen, die uns hier rausholt?“
 

„Potter, haben Sie der Direktorin auch nur ansatzweise zugehört?“
 

Die Frage ließ Harry rot werden. Er hätte wohl doch besser aufpassen sollen.
 

„Ihr Gesicht spricht Bände. Wir sind momentan die einzigen Lebewesen hier in Hogwarts. Alle Schüler, alle Professoren, alle Hauselfen, einfach jeder hat das Schloss verlassen. Mit Ausnahme der Geister, aber diese können uns nicht helfen, da sie das Schlossgelände nicht verlassen können. Und Eulen kommen auch nicht herein. Ich habe es schon versucht.“
 

Harry schloss überrascht seinen Mund, denn genau das hätte er als nächstes gefragt.
 

„Uns bleibt also nichts weiter übrig als zu warten, bis Ihre Freunde Ihr Verschwinden bei einem der anderen Professoren gemeldet haben“, meinte Severus, was Harry bleich werden ließ.
 

„Das wird nicht klappen, Sir. Sie wissen, dass ich nach dem Nachsitzen direkt zum Grimmauldplatz apparieren und dort die Ferien verbringen wollte. Sie werden mich also erst nach den Ferien vermissen.“
 

Über das Gesicht von Severus huschte ein Ausdruck, den Harry nicht einordnen konnte. Doch Severus hatte sich schnell wieder gefangen und löste seinen Umhang von den Schultern, ehe er diesen an die Garderobe hängte.
 

„Dann müssen wir wohl oder übel bis Mitte Januar miteinander auskommen. Aber ich warne Sie, Potter. Wenn Sie auch nur irgendeinen Blödsinn anstellen, verbringen Sie den Rest der Ferien als Flubberwurm. Haben Sie mich verstanden?“
 

Harry schluckte und nickte schnell. Auch wenn er nicht daran glaubte, dass sein Professor das wirklich tun würde, würde er es sicher nicht darauf ankommen lassen. Hoffentlich wurden diese Ferien nicht noch zu einer Katastrophe.

Haustier, Drachengift und Lasagne

„Das will ich auch für dich hoffen, Potter. Nun, dann hör mir jetzt gut zu, damit du dir die Räume merken kannst. Der Raum rechts von dir ist das Badezimmer, gleich gegenüber ist die Küche. Der Raum, aus dem ich eben gekommen bin, ist das Wohnzimmer. Hier kannst du schlafen und deine Hausaufgaben machen. Gegenüber davon ist mein privates Labor. Das wirst du nur betreten, wenn ich es von dir verlange. Und der Raum am Ende des Flures ist für dich komplett tabu. Hast du mich verstanden?“, erklärte Snape die Räume und sah Harry dann streng an. Dieser musste innerlich schmunzeln. Was hatte sein Professor für ein Problem sein Schlafzimmer zu erwähnen? Denn den einzigen Raum, den Snape nicht aufgezählt hatte, war ein Schlafzimmer. Also musste das der Raum am Ende des Flures sein.
 

„Sie brauchen sich doch nicht wegen eines Schlafzimmers zieren, Sir. Oder verstecken Sie darin tatsächlich einen Sarg?“, wollte Harry wissen und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Da kam wohl mal wieder der Rumtreiber in ihm durch, denn wenn er auf seinen Verstand gehört hätte, dann hätte er diese Bemerkung sicher gelassen. Denn Snapes Blick hatte eindeutig etwas mörderisches an sich und er fragte sich gerade, ob es tatsächlich Wesen gab, die mit Blicken töten konnten. Mal abgesehen von einem Basilisken.
 

„Mach deine Hausaufgaben, Potter und denk an meine Worte. Ich habe immer freie Vorratsgläser da!“, sprach Severus leise und drohend aus, ehe er seinen eigenen Koffer holte und in dem verbotenen Raum verschwand.
 

Für einen Moment konnte Harry einen Blick in den Raum werfen und entdeckte tatsächlich die Kante eines Bettes. Was machte Snape bitte für einen Wind um sein Schlafzimmer? Und wenn sein Professor wirklich in einem Sarg schlafen würde oder auf einer Hängematte, es war doch seine Sache.
 

Amüsiert den Kopf schüttelnd ging Harry zum Wohnzimmer und kam dabei an einem Käfig vorbei, in welchem ein kleines Feuer brannte, in dessen Mitte ein Feuersalamander saß und ihn anstarrte. Hatte sein Professor etwa ein Haustier? Das hätte er ihm gar nicht zugetraut und dann schon gar nicht einen Feuersalamander. Vielleicht eine Fledermaus oder eine kratzbürstige, schwarze Katze. Aber sicher keinen Feuersalamander.
 

Verwirrt stellte Harry seinen Koffer auf dem Sofa ab und sah sich ein wenig um. Das Sofa war aus einem dunklen, aber weich aussehendem Material und lang und breit genug, dass man locker darauf schlafen konnte. Davor stand ein flacher, dunkler Holzstich. Gegenüber befand sich der Kamin, in dem schon ein Feuer brannte. Rechts davon an der Wand stand eine weitere Wanduhr und links, schräg vor dem Kamin stand ein Sessel, aus dunklem Leder. Ansonsten gab es noch eine Menge Bücherregale, die praktisch jede freie Stelle der Wände bedeckten. Mit Ausnahme der Wand über dem Kamin. Dort hing ein Gemälde einer Landschaft. Ob das Gemälde bewohnt war?
 

„Du solltest lieber Hausaufgaben machen, als meine Einrichtung zu begutachten, Potter. Was hast du über die Ferien auf?“, unterbrach ihn die Stimme von Snape, woraufhin er sich zu diesem umdrehte.
 

„Neben dem Aufsatz von Ihnen in Zaubertränke, noch einen Aufsatz in Pflege magischer Geschöpfe und einen in Kräuterkunde. Wieso? Wollen Sie mir etwa helfen?“, wollte Harry grinsend wissen.
 

„Natürlich nicht! Aber ich werde sehr gerne kontrollieren, ob du deine Aufgaben ordentlich erledigt hast, Potter. Also, welches Thema und wie viel?“
 

Harry musste noch mehr grinsen. Natürlich hatte er nicht damit gerechnet, dass ihm Snape helfen würde. Dann wäre das ja auch nicht mehr Snape vor ihm und er müsste sich wohl wirklich Sorgen um dessen Gesundheitszustand machen.
 

„Hagrid möchte eine halbe Seite über den Occamy und Professor Sprout zwei Seiten zur Affodillwurzel“, erklärte Harry, was Severus die Augenbraue heben ließ.
 

„Stimmt etwas nicht, Sir?“, hakte Harry sogleich nach.
 

„Mich wundert die Kürze des Aufsatzes in Pflege magischer Geschöpfe. Aber gut, es ist deine Note, die den Bach runter geht“, meinte Severus, ehe er von der Tür wegtrat und den Käfig hochhob.
 

„Hagrid ist eben wesentlich gütiger, was die Hausaufgaben über die Ferien angeht, als Sie. Seit wann haben Sie eigentlich ein Haustier?“, erwiderte Harry und schmunzelte, als Snape sich kurz zu ihm umwandte und ihn einmal wieder mit Blicken durchbohrte.
 

„Ich habe kein Haustier. Ich sehe es nur nicht ein, für das Blut dieses Tieres zu bezahlen, wenn ich es auch selbst abzapfen kann. Und überhaupt geht es dich auch nichts an, Potter. Kümmere dich um deine Hausaufgaben und geh mir nicht auf die Nerven“, mit diesen Worten trug Severus den Käfig ins Schlafzimmer, was Harry wieder dazu brachte den Kopf amüsiert zu schütteln. Natürlich, dass war kein Haustier. Darum durfte das Tier auch im Schlafzimmer wohnen und nicht im Labor. Zudem hätte Snape das Tier auch von Hagrid halten lassen können, um an dessen Blut zu kommen.
 

Sich köstlich über das Verhalten von Snape amüsierend, wandte sich Harry seinem Koffer zu und holte alles heraus, was er für die Hausaufgaben brauchte. Danach schloss er seinen Koffer wieder, stellte diesen neben das Sofa und machte sich als aller erstes daran den Aufsatz über den Occamy zu schreiben. Und dabei stellte er wieder einmal fest, dass Hagrid tatsächlich keine Ahnung von Aufsätzen hatte. Denn er hatte sich wirklich kurz gefasst und nur das aufgeschrieben, was Hagrid in der letzten Stunde erklärt hatte, mit ein paar Ergänzungen aus dem Lehrbuch und er war auf fast eine Seite gekommen. Aber das passierte in letzter Zeit häufig. Denn gerade bei gefährlicheren Tierwesen schien Minerva endlich zu Hagrid durchgedrungen zu sein und hatte ihn davon überzeugt, diese Tiere nicht mehr in den Unterricht mitzubringen, sondern einfach einen Aufsatz darüber zu verlangen. Denn auch wenn der Occamy zur Klassifizierungsstufe XXX gehörte und Hagrid sicherlich fähig wäre, diesen zu bändigen, so behagte ihm die Vorstellung von einem fast 5m langen schlangenähnlichen Wesen nicht wirklich.
 

So in Gedanken versunken bemerkte Harry gar nicht, wie Severus wieder aus dem Schlafzimmer heraus kam und in das Wohnzimmer trat. Erst als sich dieser räusperte sah er auf.
 

„Mir hat sich noch eine Lösung für dieses Dilemma offenbart. Wie du vorhin erwähntest, wolltest du die Ferien im Grimmauldplatz verbringen. Also wird sich deine Hauselfe doch sicher fragen, wo du bleibst und Alarm schlagen“, sprach Severus seinen Gedanken aus, was Harry den Kopf schütteln ließ.
 

„Ich habe keine Hauselfe mehr, Sir. Kreacher habe ich in den Sommerferien befreit“, erklärte Harry und legte den fertigen Aufsatz zur Seite.
 

„Sind Sie sich etwa zu fein für eine Hauselfe? Oder haben Sie sich letztendlich doch diesem Belfer Quatsch angeschlossen?“
 

Harry grinste innerlich. Er fand es wirklich lustig, wie Snape schnell vom Du wieder zum Sie gewechselt war. Das sollte er sich wirklich merken. Wenn Snape ihn mit Du ansprach, dann war dieser anscheinend gut gelaunt und wenn er mit Sie kam, dann war er genervt oder sauer.
 

„Nein, auch wenn sich Hermione natürlich über meine Handlung gefreut hat. Ich habe Kreacher befreit, nachdem ich eine Phiole Drachengift gefunden habe. Im Küchenschrank. Versteckt, hinter den Tellern. Da die Phiole aber nicht verstaubt und halb leer war, wird sie definitiv nicht aus der Zeit der Blacks stammen.“
 

Severus zog scharf die Luft ein, als er das hörte.
 

„Der verdammte Hauself hat versucht dich umzubringen?“
 

Harry war über den besorgten Ton in der Stimme verwundert, aber es bereitete ihm auch ein warmes Gefühl in der Magengegend, dass sich Snape solche Gedanken um ihn machte und er dem anderen nicht egal geworden war, obwohl dieser ihn nicht mehr vor Voldemort beschützen musste.
 

„Er hat nie seinen Herren in mir gesehen, obwohl ich das Erbe angetreten habe. Für ihn wird immer Sirius’ Mutter seine Herrin bleiben. Es ist besser so. Denn ich hatte keine Lust irgendwann als Geist in diesem Haus aufzuwachen und nicht zu wissen, warum das passiert ist. Nur wird deshalb wirklich keiner nach mir suchen. Aber was ist mit Ihnen?“, erklärte Harry und sah seinen Professor neugierig an.
 

„Ich hatte eigentlich vor ein paar ruhige Wochen in meinem Haus zu verbringen. Alleine. Ohne mich mit frechen Schülern herumschlagen zu müssen“, gab Severus ernst zurück, was Harry wieder grinsen ließ.
 

„Wie gut, dass Sie sich jetzt nur mit einem Schüler herumschlagen müssen“, konterte er direkt und schlug seelenruhig sein Buch für Kräuterkunde auf.
 

„Und das ausgerechnet mit dem Schlimmsten von allen.“
 

„Ich fühle mich geehrt, Professor.“
 

Severus gab ein undefinierbares Geräusch von sich, ehe er sich erst einmal wieder zurückzog, während sich Harry fragte, ob das gerade wirklich passiert war. Hatte er es gerade wirklich gewagt seinen Professor zu ärgern? Und dann auch noch Snape? Wurde er langsam verrückt? Kopfschüttelnd widmete sich Harry seinem Aufsatz für Kräuterkunde.
 

„Bist du gegen irgendetwas allergisch?“, riss ihn die Stimme von Severus nach einer ganzen Weile aus seinem Tun, woraufhin er sich erst einmal erschreckte und einen großen Klecks Tinte auf dem Pergament hinterließ.
 

„Verdammt, erschrecken Sie mich doch nicht so!“, beschwerte sich Harry sofort, bis er merkte, wen er da eigentlich vor sich hatte und wo er sich befand. „Entschuldigung, Sir“, fügte er schnell hinzu und sah, wie der Mundwinkel des anderen verräterisch zuckte.
 

„Ich habe nichts anderes von dir erwartet, Potter. Erst handeln, dann denken. Und nun hätte ich gerne eine Antwort“, verlangte Severus.
 

Nur verstand Harry nicht sofort, was dieser eigentlich von ihm wollte. Warum wollte Snape wissen, ob er gegen irgendetwas allergisch war? Mit einem Mal machte es Klick und Harry hätte sich selbst an die Stirn fassen können, dass er nicht sofort daran gedacht hatte. Das Schloss war, laut Snape, vollkommen leer. Also gab es auch keine Hauselfen, die das Essen zubereiteten. Deshalb würde Snape wohl für sie kochen.
 

„Ich habe keine Allergien, Sir. Aber werden Ihre Lebensmittel für zwei Leute reichen?“, wollte Harry besorgt wissen. Er wollte dem anderen schließlich nichts wegessen, nur weil er sie in diese Situation gebracht hatte. Gut, im Grunde genommen war Ron auch ein wenig Schuld, aber er hätte auch einfach den dummen Löffel nehmen können. Dann hätte er nicht nachsitzen müssen und sie wären nun nicht im Schloss gefangen.
 

„Es wird reichen. Die Anordnung des Ministeriums kam sehr plötzlich, weshalb ich schon alles für die Ferien besorgen ließ. Denn für gewöhnlich esse ich während der Ferien nie in der Halle. Allerdings müssen wir uns auf zwei Mahlzeiten am Tag beschränken, damit es für zwei Leute und einige Tage länger ausreicht. Deshalb würde ich vorschlagen, dass wir uns auf das Frühstück und das Abendessen beschränken“, meinte Severus, woraufhin Harry nur mit den Schultern zuckte.
 

„Machen Sie sich wegen mir keine Gedanken, Sir. Ich bin es auch gewohnt mal mehrere Tage nichts zu essen“, sagte Harry wie beiläufig und widmete sich wieder seinem Aufsatz. So bekam er auch nicht den komischen Blick mit, welchen ihm Severus nach dieser Erklärung zugeworfen hatte.
 

~*~
 

Die nächsten Stunden verbrachte Harry damit die zwei letzten Aufsätze fertig zu schreiben, wobei ihm der Aufsatz in Zaubertränke doch einige Probleme bereitete. Veritaserum war schon irgendwie eine komplizierte Geschichte und er war wirklich froh, dass Snape verhindert hatte, dass Umbridge es an ihm anwenden konnte.
 

Seufzend schloss Harry das Lehrbuch für Zaubertränke und streckte sich. So ein Wohnzimmertisch war nicht wirklich gut für Hausaufgaben geeignet. Aber wenigstens war er jetzt fertig. Auch wenn es von Snape sicher ein Troll gab, da ihm eine halbe Seite fehlte. Doch was hätte er noch schreiben sollen, wenn er schon alles im Text drin hatte?
 

Kopfschüttelnd stand Harry auf und begann seine Sachen zurück in seinen Koffer zu räumen.
 

„Potter, dass kannst du später auch noch machen. Das Abendessen wartet.“
 

Verwundert drehte sich Harry um. War es wirklich schon so spät? Ein Blick auf die Wanduhr verriet ihm, dass es schon fast sieben Uhr abends war und er somit auch fast sieben Stunden für die Hausaufgaben gebraucht hatte. Und ja, er merkte auch, dass er langsam Hunger bekam. Er hatte schließlich nicht gefrühstückt, weil er ja eigentlich gleich nach dem Nachsitzen apparieren wollte und dann im Grimmauldplatz gegessen hätte.
 

So nickt er nur und folgte Severus in die kleine Küche, wo dieser ihm einen Platz zuwies und sich dann wieder dem Herd widmete.
 

„Kochen Sie öfters, Sir?“, wollte Harry wissen, als ihm ein Teller mit Lasagne gereicht wurde.
 

„Potter, ich frage mich wirklich, ob du deine Ohren nur dafür hast, um deine Brille zu halten“, meinte Severus und ließ sich mit einem weiteren Teller auf seinem Platz nieder.
 

Nach einer kurzen Überlegung wurde Harry leicht rot. Snape hatte doch erzählt, dass er in den Ferien nie in der großen Halle aß und deshalb genügend Lebensmittel hier in seinen privaten Räumen hatte. Und da wohl kaum eine Hauselfe extra für ihn kochen würde, würde er wohl für sich alleine kochen.
 

„Dein Erinnerungsvermögen scheint wohl doch noch vorhanden zu sein. Nun iss, bevor es kalt wird.“
 

Das war wohl Snapes Art, ihm einen guten Appetit zu wünschen, weshalb Harry nur nickte und dann vorsichtig an der Lasagne schnupperte. Sie roch überraschend lecker.
 

Dieses Verhalten schien Snape zu amüsieren, denn er kräuselte die Lippe.
 

„Wenn ich dich vergiften wollen würde, dann würde ich ein geschmackloses und geruchsloses Gift nehmen. Wobei es weitaus effektivere Methoden gibt, als das gute Essen zu vergiften“, schnarrte er, was Harry wieder rot werden ließ, aber auch zum grinsen brachte.
 

„Nun, zwei Methoden fallen doch schon einmal weg. Der Avada wäre zu auffällig und würde Ihnen nur das Ministerium auf den Hals hetzen. Und der Fluch des Halbblutprinzen würde eine zu große Sauerei in Ihrer Wohnung hinterlassen“, erwiderte Harry frech und probierte die Lasagne, nachdem auch Snape begonnen hatte zu essen. Und er musste wirklich zugeben, sein Professor konnte kochen.
 

„Da muss ich dir tatsächlich Recht geben, Potter. Aber ich könnte dir auch einfach ein Gift einflößen, während du schläfst“, meinte Severus und grinste dabei unheilvoll.
 

„Bliebe noch das Problem, wie Sie meine Leiche verstecken wollen, wenn Sie nicht hier raus kommen“, schmunzelte Harry.
 

„Ich habe einen großen Kamin. Bis das das Schloss wieder öffnet, wäre von dir nichts mehr übrig.“
 

„Sie haben einen sehr merkwürdigen Sinn für Humor.“
 

„Was macht dich so sicher, dass ich das nicht ernst meine?“
 

Jeder andere hätte nun Angst vor Snape bekommen, denn in seinem Blick lag eindeutig etwas gefährliches und sein Grinsen war schon fast zu einer Fratze verzerrt. Doch Harry war der Meinung, dass er diesen Mann doch schon recht gut kannte, weshalb er einfach nur schmunzelte.
 

„Die Tatsache, dass dann all die Jahre umsonst gewesen wären, in denen Sie mich beschützt haben. Und die Tatsache, dass Ihnen dann extrem langweilig wäre, wenn Sie hier alleine herumsitzen. Sie brauchen sich also keine Mühe machen. Ich habe keine Angst und werde sicher nicht mit gezücktem Zauberstab heute Nacht schlafen“, erklärte Harry ruhig, während er seine Lasagne aufaß.
 

„Diese fehlende Angst wird noch einmal dein Untergang sein, Potter“, argumentierte Severus trocken.
 

„Das glaube ich kaum, Sir“, schmunzelte Harry und legte die Gabel beiseite, ehe er zu dem Glas Kürbissaft griff.
 

„Auf Ihren schrägen Humor, Sir“, grinste er frech, woraufhin Severus den Kopf schüttelte und eindeutig amüsiert schnaubte, ehe er auch sein Glas ergriff.
 

„Auf deinen Untergang, Potter.“

Schach

Sie prosteten sich kurz zu, ehe sie für einen Moment ins Schweigen verfielen. Bevor Harry sich darum aber Gedanken machen konnte, durchbrach Severus dieses Schweigen.
 

„Mich würde interessieren, wie du es innerhalb von noch nicht einmal 24 Stunden geschafft hast, dich von einem Troll zu einem Ohnegleichen zu verbessern?“, wollte Severus wissen und musterte Harry eingehend.
 

„Es war ein Missgeschick“, meinte dieser und stellte das Glas wieder auf den Tisch.
 

„Das Ohnegleichen war ein Missgeschick? Das dachte ich mir“, gab Severus grinsend von sich, was Harry schnauben ließ. Natürlich musste Snape ihn absichtlich falsch verstehen.
 

„Nicht das Ohnegleichen, sondern das Troll! Ich habe das dumme Gefäß über den Kessel gehalten, für die Prise und als Ron aus Versehen gegen den Tisch gestoßen ist, ist mir leider der halbe Inhalt reingefallen. Sonst wäre es gestern schon mindestens ein Erwartungen übertroffen geworden“, rechtfertigte sich Harry sofort.
 

Die Aussage ließ Severus schmunzeln. Er genoss es einfach Harry aus der Reserve zu locken. Jedoch wurde er gleich darauf wieder ernst.
 

„Potter, ich bin nicht blind. Ich muss dich enttäuschen. Mr. Weasley ist keineswegs aus Versehen gegen deinen Tisch gestoßen. Das hat man eindeutig gesehen und das nicht erst bei seinem zufriedenen Grinsen, als dein Trank anfing zu rauchen“, gab Severus ruhig von sich, was Harry seufzen ließ.
 

Ihm war das ja auch vollkommen klar gewesen, aber das, dass selbst Snape aufgefallen war, wollte schon etwas heißen.
 

„Das war mir auch klar, ich wollte Ron nur nicht die Schuld für meinen Fehler geben“, murmelte er und trank seinen Kürbissaft aus.
 

„Du solltest aber auch nicht die Schuld von anderen auf dich nehmen, Potter. Dein Heldenkomplex in allen Ehren, aber in solchen Situationen solltest du ihn stecken lassen.“
 

Die Worte ließen Harry leicht nicken. Wahrscheinlich hatte Snape recht und was brachte es ihm auch? Sein Verhältnis zu Ron würde wahrscheinlich nie wieder so werden wie früher.
 

„Sie haben Recht, Sir. Ich sollte wirklich keine Rücksicht mehr auf ihn nehmen. Ich hatte nur gedacht, dass sich unsere Freundschaft vielleicht wieder glätten würde. Aber ich fürchte, dass das nicht mehr passieren wird“, meinte Harry und seufzte wieder.
 

„Freundschaften verändern sich, Potter. Es ist ganz selten, dass eine Freundschaft vom Sandkasten bis zum Sterbebett hält. Und Mr. Weasley ist ein Charakter, der schnell aus der Haut fährt und aus Freunden, Feinde macht. Mich würde aber durchaus interessieren, was dieses Mal der Grund ist und ob ich mich auf noch mehr sabotierte Tränke einstellen muss“, sprach Severus seine Gedanken aus, ehe er aufstand und den Tisch abräumte.
 

Harry sah ihm einen Moment verwundert hinterher, ehe er grinste.
 

„Sind Sie so an meinem Privatleben interessiert, Sir?“, wollte er wissen und wurde sofort wieder mit einem bohrenden Blick bedacht, auf den er jedoch mit einem noch größeren Grinsen reagierte.
 

„Mit Sicherheit nicht, Potter. Bilden Sie sich bloß nichts darauf ein! Ich bin einzig und alleine um die Sicherheit meines Klassenzimmers besorgt“, entgegnete Severus, bevor er sich wieder umwandte und das Geschirr sauber zauberte.
 

„Natürlich, Sir“, schmunzelte Harry und schüttelte amüsiert den Kopf. „Und zu Ihrer Frage. Ich kann nicht sagen, ob Ron noch einmal einen Trank sabotieren wird. Er ist schon ziemlich wütend, weil ich mich letzten Sommer von Ginny getrennt habe“, fügte er hinzu.
 

„Du willst mir nicht wirklich sagen, dass Mr. Weasley sauer auf dich ist und deinen Trank sabotiert hat, weil du dich von seiner Schwester getrennt hast, oder?“
 

Severus hatte sich wieder umgedreht und sah Harry durchdringend an.
 

„So ist es aber. Ginny hat die Trennung wesentlich besser weggesteckt, als Ron. Ich verstehe es selbst ja auch nicht. Während Ginny ein paar Wochen traurig war und sich in Hogwarts dann schnell einen neuen Freund gesucht hat, ist Ron immer noch sauer, obwohl die Trennung ja nicht einmal ihn betraf, sondern seine Schwester und mich. Ich bin wirklich überfragt, warum er so reagiert. Nicht einmal Molly oder Arthur sind sauer auf mich. Sie können es verstehen und sind erleichtert, dass ich Ginny keine Gefühle vorspiele, nur um diese Beziehung am Laufen zu halten.“
 

Harry zuckte etwas hilflos mit den Schultern. Er verstand Ron wirklich nicht und würde ihn wohl auch nie verstehen, was diese Sache anging.
 

„Ich habe immer gewusst, dass Mr. Weasley einen merkwürdigen Charakter hat. Gut, um weitere Katastrophen zu vermeiden, werde ich dich umsetzen. Du wirst deinen Platz mit Mr. Zabini tauschen und damit direkt an der Station an meinem Pult arbeiten. Wenn Mr. Weasley sich da noch einmal etwas traut, wird er hochkant rausfliegen“, sagte Severus und konnte sich ein fieses Grinsen nicht verkneifen, was auch Harry wieder zum Grinsen brachte.
 

„Sie können ganz schön sadistisch sein, Sir“, sagte Harry belustigt.
 

„Ist dir das jetzt erst aufgefallen, Potter?“ Severus hob eine Augenbraue, was Harry schmunzeln ließ.
 

„Nein, dass war mir vorher schon klar. Und ich finde Ihre Idee wirklich sehr gut“, stimmte er dem Vorschlag zu, was Severus doch ein wenig verwunderte.
 

„Du regst dich also nicht auf, dass du mit Draco zusammenarbeiten musst?“, hakte Severus nach und hob eine Augenbraue.
 

„Nein, ich bin aus dem Alter raus, in welchem ich mich darüber aufregen würde. Und wenn es rauchenden oder sogar explodierenden Tränken vorbeugt, dann würde ich sogar mit Ihnen zusammenarbeiten.“
 

„Das wäre tatsächlich die letzte Option und es würde definitiv einer Sabotage vorbeugen. Wie gut spielst du Schach, Potter?“
 

Harry blinzelte verwirrt bei diesem abrupten Themenwechsel. Hatte er irgendetwas falsches gesagt? Oder sich zu weit vorgewagt? Gerade wurde er aus Snape nicht schlau.
 

„Es geht. Ron ist ein wesentlich besserer Spieler“, meinte er schließlich, was Severus zu einem missbilligenden Gesichtsausdruck veranlasste.
 

„Ich erinnere mich an die dumme Bemerkung von Albus im ersten Schuljahr und die unnützen Punkte dafür. Gut, dann solltest du gut aufpassen. Vielleicht lernst du dabei noch etwas, Potter“, mit diesen Worten stand Severus auf und ging ins Wohnzimmer, während ihm Harry schmunzelnd folgte.
 

Dort packte er schnell seine Schulsachen wieder in seinen Koffer, während Snape von einem der Bücherregale eine Holzkiste holte und diese auf den nun freien Tisch schweben ließ. Sogleich öffnete sich die Kiste und das Spiel baute sich auf.
 

„Schwarz oder weiß, Potter?“, wollte Severus wissen, während er seinen Sessel zum Tisch schweben ließ.
 

„Weiß“, antwortete Harry schlicht und ließ sich auf dem Sofa nieder.
 

Er fand es aufregend gegen Snape zu spielen und er war schon sehr gespannt, wie er sich dabei schlagen würde.
 

~*~
 

„Spielen Sie öfters, Sir?“, wollte Harry nach einer ganzen Weile wissen.
 

Jeder von ihnen hatte schon einen kleinen Haufen vor sich liegen, was einmal ihre Spielfiguren waren.
 

„Gelegentlich. Es gibt nicht viele Personen, die gerne gegen mich spielen. Ab und zu Minerva oder in den Ferien Lucius, ansonsten niemanden“, meinte Severus und vernichtete mit seinem nächsten Zug schon wieder eine Figur von Harry, was diesen aber nicht störte. Noch hatte er die Möglichkeit das Spiel zu seinen Gunsten zu wenden.
 

„Wenn Sie möchten, dann spiele ich in Zukunft auch wieder gegen Sie“, sagte er und besah sich die Situation ganz genau, ehe er einer Figur den nächsten Befehl gab.
 

„Das kommt drauf an, wie Sie sich schlagen, Potter“, gab Severus ernst von sich und konnte bei einem Blick nach oben erkennen, dass ein eindeutiges Funkeln in Harrys Augen erschien.
 

Dieser hatte den Wink mit dem Zaunpfahl verstanden und die Herausforderung sofort angenommen, weshalb er sich nun noch mehr konzentrierte.
 

~*~
 

„Schachmatt.“
 

Triumphierend grinste Harry Severus an, welcher ihn mit einem nichtssagenden Blick ansah und leicht mit dem Mundwinkel zuckte.
 

„Sie haben die Erlaubnis beim nächsten Mal gegen mich zu verlieren“, sagte Severus, ehe er seinen Zauberstab zog und seine Figuren wieder in ihren Ursprungszustand zurück versetzte.
 

Harry schmunzelte nur amüsiert, bevor er einmal herzhaft gähnte und auf die Wanduhr sah. Auch Severus folgte seinem Blick und ließ sein Schachspiel wieder ins Regal schweben.
 

„Sechs Stunden hat tatsächlich noch keiner gegen mich gespielt. Nicht einmal Lucius und von diesem habe ich es gelernt“, sagte Severus, ehe er seinen Sessel wieder an seinen Platz stellte und zur Tür ging.
 

„Frühstück ist morgen früh um acht. Seien Sie pünktlich, Potter. Und denken Sie an Ihren Zauberstab.“
 

Noch mehr amüsiert schüttelte Harry den Kopf und erhob sich vom Sofa.
 

„Ich werde pünktlich sein, aber mein Zauberstab bleibt auf dem Tisch liegen. Ich habe Ihnen vorhin schon gesagt, dass ich keine Angst habe und daran wird sich auch nichts ändern. Gute Nacht, Professor“, mit diesen Worten wandte sich Harry von Severus ab und stellte seinen Koffer wieder aufs Sofa, um sich ein Shirt für die Nacht herauszusuchen.
 

Severus indessen musterte Harry noch einen Moment, bevor er sich zum Gehen wandte.
 

„Gute Nacht, Potter“, ohne sich noch einmal umzudrehen verschwand Severus in seinem Schlafzimmer, was Harry leicht lächeln ließ.
 

Heute Mittag hatte er noch angenommen, dass seine Ferien eine Katastrophe werden könnte, weil er diese mit Snape zusammen verbringen musste. Doch mittlerweile war er sich ziemlich sicher, dass sie wesentlich angenehmer und sicher auch spannender werden würden, als wenn er sie alleine im Grimmauld Platz verbracht hätte. Und diesen konnte er auch noch nach seinem Abschluss renovieren. Es war ja schließlich nicht so, als wenn er nicht bewohnbar wäre.
 

Mit diesem Gedanken ging Harry kurz ins Badezimmer, ehe er sich bis auf die Boxershorts auszog und ein altes T-Shirt von Dudley überzog, welches ihm bis zu den Knien ging. Vor dem Kamin war es schön warm, weshalb das wohl ausreichen würde, obwohl es schon fast Weihnachten war und es draußen sicher schneite.
 

Über diesen Gedanken den Kopf schüttelnd holte Harry seinen Zauberstab aus seinem Koffer, aber nur um ein Sofakissen in eine Decke zu verwandeln. Danach legte er seinen Zauberstab auf den Tisch vor sich und kuschelte sich unter die Decke, den Blick zum Kamin gewandt. Nie hätte er gedacht, dass er mal mit Snape in einer Wohnung schlafen würde und dann auch noch Zimmer an Zimmer. Aber ihm gefiel der Gedanke durchaus und es bescherte ihm ein Gefühl der Sicherheit zu wissen, dass der andere nur wenige Meter von ihm entfernt war.
 

Mit einem Lächeln auf den Lippen schloss Harry die Augen und glitt bald darauf in einen ruhigen und erholsamen Schlaf.

Schädlingsbekämpfung

Amüsiert schüttelte Harry den Kopf, während er das Lesezeichen zur Hand nahm und es wieder ins Buch legte. Ein Vampir, der mit Hilfe einer Nadel und eines Schlauches von seinem besten Freund trank.* Es war schon wirklich lustig, was für Vorstellungen die Muggel hatten und was daraus für amüsante Geschichten in Büchern abgedruckt worden. Vor allem hätte er niemals erwartet, dass er ein solches Buch im Bücherregal von Severus finden würde. Bei diesem Gedanken musste Harry unwillkürlich lächeln, als er daran dachte, wie er sich gestern Nacht das Privileg erspielt hatte, den anderen zu duzen. Natürlich nur während der Zeit, in der sie in dessen Privaträumen eingesperrt waren. Aber vielleicht würde er es noch schaffen, dass es Severus auch danach erlauben würde. Das wäre auf jeden Fall wünschenswert.
 

Immer noch lächelnd erhob sich Harry und streckte sich kurz, bevor er das Buch auf den Sessel legte und sich sein leeres Glas vom Tisch schnappte, um dieses im Badezimmer wieder aufzufüllen. Sie hatten sich darauf geeinigt, dass sie außerhalb der Mahlzeiten nur Wasser tranken, damit der Kürbissaft reichen würde. Es störte ihn nicht wirklich, weshalb er nun auf den Flur trat und Richtung Badezimmer gehen wollte, als er etwas merkwürdiges an der Eingangstür bemerkte.
 

Diese war von einem bläulichen, pulsierenden Schimmer umgeben, welcher die letzten Tage definitiv noch nicht dagewesen war und bei Harry ein ungutes Gefühl auslöste. Irgendetwas stimmte hier nicht und Severus sollte sich das unbedingt einmal ansehen.
 

Sein Blick fiel auf das Labor, in welches Severus nach dem Frühstück verschwunden war und aus welchem er nur bei einem absoluten Notfall herausgeholt werden wollte. Diese waren nach seiner eigenen Aussage die erneute Wiederauferstehung des Dunklen Lords oder wenn er, Harry, im Sterben lag. Doch er war der Meinung, dass dieser bläuliche Schimmer auch ein Notfall war, welchen sich Severus ansehen sollte.
 

Aus diesem Grund brachte er sein Glas zurück ins Wohnzimmer und klopfte erst ruhig, dann aber immer energisch gegen die Tür zum Labor, als er aus dem Augenwinkel sah, dass der Schimmer sich allmählich in die Wohnung hinein bewegte.
 

Jedoch kam von drinnen keine Reaktion, weshalb er noch einmal fester und schneller hintereinander an die Tür hämmerte. Irgendwann musste Severus doch das Klopfen bemerken und vor allem reagieren.
 

Nach etlichen Augenblicken hörte er ein „Verdammt“ von drinnen, fast zeitgleich mit einem Poltern, bevor Severus deutlich wütend die Tür aufriss und ihn regelrecht in Grund und Boden starrte.
 

„Potter, habe ich dir nicht …“, begann Severus zu keifen, doch unterbrach er sich, als er Harrys besorgtes Gesicht sah und dieser in Richtung der Eingangstür deutete, mit den Worten „Das solltest du dir ansehen.“
 

Sofort folgte Severus dem Fingerzeig und Harry stellte fest, dass es die richtige Entscheidung gewesen war, ihn beim Brauen zu stören, denn Severus’ Gesicht wurde mit einem Mal noch blasser, was Harry noch mehr beunruhigte.
 

Bevor er jedoch nachfragen konnte, wurde er auch schon von Severus am Arm gepackt und in dessen Schlafzimmer gezogen. Den Raum, welchen er eigentlich nicht betreten durfte, welcher aber am weitesten von der Eingangstür entfernt war.
 

Dort blieben sie neben dem Kopfteil des Bettes stehen, während Severus ihn eingehend zu mustern schien.
 

„Vertraust du mir?“, wollte dieser wissen.
 

„Natürlich tu ich das“, erwiderte Harry ohne zu zögern. Er vertraute ihm vollkommen und daran würde sich wohl auch niemals wieder etwas ändern.
 

„Gut, du wirst jetzt genau das tun, was ich dir sage“, verlangte Severus, woraufhin Harry bestätigend nickte. Er konnte die leichte Panik in dessen Stimme hören und sah diese auch in den schwarzen Augen, was ihm den Ernst der Lage klar machte. Für Fragen war später auch noch Zeit, wenn auch Severus sich beruhigt hatte.
 

„Ich werde dich jetzt hochheben, du wirst einen Arm um meinen Hals legen und dich dann so klein wie möglich machen“, sagte Severus und hob Harry im nächsten Moment hoch, woraufhin dieser seinen linken Arm um Severus’ Hals legte, welcher im Nacken des Älteren zum Liegen kam und sich so klein wie möglich machte, als wenn er sich in einem Schrank zusammenrollen wollte.
 

„Nun schließe die Augen und mach sie erst wieder auf, wenn ich es dir sage“, befahl Severus weiter, woraufhin Harry auch gleich Folge leistete. Er verstand zwar nicht wirklich, was das alles sollte, aber er vertraute Severus und die Nähe zu diesem ließ zudem sein Herz höher schlagen.
 

Kaum hatte er die Augen geschlossen, spürte er auch schon, wie sich Severus mit ihm auf dem Arm umdrehte, so dass dieser nun mit dem Rücken zur Schlafzimmertür stand und sich etwas Ledernes über ihn legte. Hatte Severus einen Mantel aus Drachenleder über ihn geworfen? Aber warum?
 

„Was ist das für ein Schimmer?“, wollte Harry nach einigen Momenten leise wissen.
 

„Ein Schädlingsbekämpfungszauber. Er arbeitet sich langsam durch Gebäude und verbrennt alles Lebendige, auf das er trifft, ohne weiteren Schaden anzurichten“, erklärte Severus, was Harry leicht schlucken ließ.
 

Darum hatte Severus den Mantel über sie geworfen, denn er spürte das Lederne auch an seinem linken Arm, weshalb dieser auch über Severus Rücken gehen musste. Aber würde dieser Mantel verhindern, dass der Zauber sie als lebendig ansah?
 

Bevor Harry etwas dazu sagen konnte, schnappte er erschrocken nach Luft, als der Mantel wieder verschwand und Severus mit einem Mal auf die Knie ging und er nun auf dessen Oberschenkeln ruhte.
 

„Wenn ich zu schwer bin …“, begann er zu sprechen, doch zuckte gleich darauf zusammen, als er Severus’ Stimme hörte.
 

„Halt einfach deine Klappe“, fauchte ihm dieser entgegen, bevor der Mantel wieder neu über sie gelegt wurde.
 

Einen Moment verharrten sie in dieser Position, während Harry einige Dinge durch den Kopf gingen. Es war seine Schuld, dass sie nun in dieser Lage waren.
 

„Es tut mir leid“, murmelte Harry nach einer Weile.
 

„Was tut dir leid?“, wollte Severus sofort wissen. Seine Stimme klang irgendwie angestrengt, was Harry ein noch schlechteres Gewissen bereitete.
 

„Wenn ich den dummen Löffel benutzt hätte, wäre es nicht zum Nachsitzen gekommen und dann würden wir jetzt auch nicht sterben“, erklärte Harry, welchem der Ernst der Lage immer bewusster wurde. Wenn dieser Zauber schon durch Gebäude ging, die aus festem Materialien wie Stein und Holz bestanden, dann würde sie auch ein Mantel aus Drachenleder nicht beschützen.
 

„Solange ich existiere, wirst du nicht sterben.“
 

Im Nachhinein hätte sich Harry über die Wortwahl von Severus wundern müssen, doch in diesem Moment war die Anspannung zu groß, so dass er sich einfach nur auf den Herzschlag und den Atem des anderen konzentrierte, während er sich noch fester an diesen kuschelte. Die Worte beruhigten ihn nicht wirklich, da er ihnen keinen Glauben schenken konnte. Sicher hatte sie Severus nur gesagt, um ihn nicht noch mehr in Panik zu versetzen.
 

Wäre die Situation nicht so ernst, dann würde er diese Nähe vollkommen genießen, doch der bevorstehende Tod machte das Ganze wieder zur Nichte.
 

Es vergingen unendlich lange Augenblicke und Harry fragte sich, wie weit dieser Zauber schon gekommen war, als sie einen hohen Schrei hörten und Severus unter ihm zusammenzuckte.
 

Der Zauber hatte das Terrarium des Feuersalamanders erreicht, welches neben der Tür zum Schlafzimmer auf einer Kommode stand.
 

Und wenn er so Severus’ Reaktion bedachte, dann war dieser doch mehr als ein einfacher Lieferant für Zutaten. Es war ein Haustier, egal was Severus behauptete.
 

Aber etwas anderes wurde Harry auch klar, nachdem der Schrei verklungen war. Der Zauber war nur noch rund drei Meter von ihnen entfernt, weshalb er sich noch etwas kleiner machte.
 

Wenigstens ist keiner von uns alleine, kam es Harry in den Sinn, als er daran dachte, dass er beinahe in Severus’ Büro geblieben und dieser in seine Privaträume gegangen wäre. Dann wären sie beide nun völlig alleine und er, Harry, wäre schon längst gestorben, weil das Büro vor den Privaträumen lag und der Zauber dieses schon abgearbeitet hatte.
 

Angespannt lauschte Harry weiter dem Herzschlag von Severus und ihren stockenden Atem, während er auf den Zauber und die damit verbundenen Schmerzen wartete.
 

Es vergingen wieder unendlich lange Augenblicken, die sicher einige Minuten waren, ohne das etwas geschah, was ihn noch nervöser werden ließ. Wie lange brauchte dieser Zauber bitte, nachdem er etwas verbrannt hatte?
 

Mit einem Mal spürte Harry, wie der Mantel verschwand, was ihn kurz zusammenzucken ließ, als die kühle Luft ihn traf. Unter dem Mantel und so eng an Severus gekuschelt, war es doch wesentlich wärmer gewesen, als im Schlafzimmer.
 

„Du kannst die Augen wieder öffnen“, hörte er Severus sagen, was ihn mehr als verwunderte. Waren sie etwa tot und er hatte nichts davon mitbekommen?
 

Vorsichtig öffnete er die Augen und sah zu Severus hoch, ehe er sich langsam im Raum umsah. Sie befanden sich immer noch in dessen Schlafzimmer und er fühlte sich alles andere als tot, vor allem als ein stechender Schmerz durch seine linke Hand schoss, was ihn schmerzerfüllt aufkeuchen ließ.
 

„Was hast du?“, wollte Severus sofort wissen und richtete sich mit Harry auf dem Arm auf, ehe er diesen absetzte. Harry antwortete nicht, sondern zog seine Hand von Severus’ Hals weg, die eine große Verbrennung aufwies. Er war kein Arzt, aber er würde schätzen, dass es mindestens dritten Grades war.
 

„Ich glaube dein Ledermantel hat ein Loch“, murmelte Harry, als er sich die Verletzung ansah. Dabei bemerkte er den merkwürdigen Blick von Severus nicht, welcher ihn kurzerhand zu seinem Bett schob, so dass er sich auf dieses setzen musste.
 

„Ich hole schnell eine Salbe und Verband. Fass es auf keinen Fall an“, verlangte Severus, was Harry nicken ließ. Es tat so schon höllisch weh, da würde er es nicht auch noch anfassen und die Schmerzen vielleicht noch verschlimmern. So legte er seinen Arm auf seinem Oberschenkel ab, so dass der Handrücken und damit die Verbrennung nach oben zeigte.
 

Wenig später kam Severus auch schon mit einem Tiegel und Verbandszeug wieder, ehe er Harrys Hand vorsichtig anhob und eine dicke Schicht Salbe darauf verteilte, was diesen zischen ließ. Das tat sogar noch mehr weh, als die Verbrennung an sich.
 

„Es wird noch eine ganze Weile brennen und pochen. Dagegen gebe ich dir später einen Schmerztrank. Die Salbe muss einmal am Tag für zwei Wochen aufgetragen werden”, erklärte Severus, während er den Verband anlegte.
 

„Okay“, antwortete Harry leise und erschöpft, was Severus besorgt schauen ließ.
 

„Du solltest dich etwas ausruhen“, meinte dieser, was Harry nicken ließ, ehe er versuchte aufzustehen. Doch er merkte schnell, dass ihn seine Beine nicht tragen wollten, weil er zu lange so zusammengekauert auf Severus’ Oberschenkel gehockt hatte. So fiel er kraftlos wieder auf das Bett zurück und beschloss einfach, sich dort etwas hinzulegen. Wenn es Severus stören würde, dann würde dieser ihn schon zurück ins Wohnzimmer bringen.
 

So schloss er die Augen und glitt wenig später in einen unruhigen Schlaf, in welchem er von Feuer und dem Schrei des Feuersalamanders träumte.
 

~*~
 

Aus diesem wachte er einige Zeit später wieder auf und stellte sofort fest, dass er sich auf dem Sofa befand.
 

Er hatte ja geahnt, dass er sich nicht im Schlafzimmer ausruhen durfte. Was auch immer Severus für ein Problem mit diesem hatte.
 

Seufzend richtete sich Harry auf, bevor er seine Brille aufsetzte, die vor ihm auf dem Wohnzimmertisch lag und seine verbundene Hand betrachtete.
 

„Wie fühlst du dich?“, hörte er Severus fragen, woraufhin er wieder aufsah und den Älteren im Türrahmen entdeckte. Dieser musterte ihn mit eindeutig besorgtem Blick.
 

“Erschöpft und die Hand pocht unangenehm“, erklärte Harry leise, welcher Severus sowieso nichts vormachen konnte. Warum sollte er also lügen, wenn er sich doch im Moment fühlte, als wenn er eine Woche nicht geschlafen hatte?
 

„Das wird auch eine Weile anhalten. Komm, dass Abendessen ist fertig. Du solltest ein wenig essen. Einen Schmerztrank sollte man nicht auf fast leerem Magen nehmen. Und dann solltest du noch etwas schlafen. Es ist auch schon spät“, meinte Severus, was Harry seufzen ließ. Er würde sicher nicht um die Mahlzeit herumkommen, weshalb er vorsichtig aufstand und Severus in die Küche folgte. Eigentlich hatte er keinen Appetit, aber er wusste auch, dass er eine Diskussion mit Severus verlieren würde. Dieser war eben wie Poppy. Mit ihr konnte er auch nicht diskutieren. Jedenfalls nicht, wenn es um seine Gesundheit ging.
 

~*~
 

Nach dem Essen ging Harry noch kurz ins Badezimmer, bevor er zurück ins Wohnzimmer ging und sich langsam umzog, ehe er sich auf das Sofa setzte und Severus ihm den versprochenen Schmerztrank reichte, welchen er ohne zu Murren in einem Zug austrank.
 

„Ruh dich aus. Deiner Hand wird es genauso gut tun, wie deiner Erschöpfung”, meinte Severus und wollte sich gerade umdrehen, als Harrys Worte ihn innehalten ließen.
 

„Kannst du heute Nacht hier bleiben? Falls der Zauber zurück kommt?“, bat dieser und sah Severus direkt an.
 

„Der Zauber kommt nicht zurück. Er läuft nur ein einziges Mal in eine Richtung. Und es ist unüblich, dass er innerhalb kurzer Zeit zweimal hintereinander gesprochen wird“, erklärte Severus ruhig, doch Harrys Blick wurde immer bittender, was ihn innerlich seufzen ließ.
 

„Bitte“, bat Harry erneut, was Severus nun auch laut seufzen und seinen Zauberstab ziehen ließ.
 

Harry biss sich auf die Unterlippe, als er das sah. Wahrscheinlich würde Severus einen Zauber wirken, der ihn schlafen ließ, weil er diesem gerade auf die Nerven ging. Aber er konnte doch nichts dafür! Er wollte die Sicherheit des anderen haben und das konnte er nicht, wenn sie in getrennten Räumen schliefen.
 

Zu seiner Überraschung und unendlichen Erleichterung vergrößerte Severus das Sofa, so dass es nun breit genug für zwei Personen war.
 

„Leg dich schon einmal hin. Ich komme gleich zu dir“, sagte dieser, ehe er kurz verschwand und sich Harry mit dem Rücken an die Rückwand des Sofas legte.
 

Er musste auch nicht lange auf Severus warten, welcher mit einem Schlafanzug bekleidet ins Wohnzimmer kam und sich ebenfalls auf das Sofa legte, um kurz darauf einen Arm um Harry zu legen, welcher sich sofort an diesen kuschelte und sein Gesicht an dessen Brust versteckte.
 

„Jetzt schlaf.“
 

Diesem indirekten Befehl folgte Harry nur zu gerne, welcher sich noch etwas weiter an Severus kuschelte und die Augen schloss. Selbst wenn der Zauber noch einmal zurück kommen würde, war Severus da und würde ihn beschützen. So wie er es schon immer getan hatte. Und dieser Gedanke ließ Harry auch endlich ruhiger werden. Wobei die Hand, die seinen Nacken streichelte ihr übriges tat und er allmählich in einen hoffentlich ruhigen Schlaf driftete.


Nachwort zu diesem Kapitel:
* Hierbei spiele ich auf das Buch Highschool der Vampire von Douglas Rees an. Mir ist bewusst, dass dieses erst 2005 erschienen ist und die Geschichte hier im Jahr 1998 spielt. Jedoch passte es in meinen Augen sehr gut dazu, weshalb ihr mir das bitte nachsehen mögt ^^ Komplett anzeigen

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