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Love at Sunrise

von

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Love at First ...

Für ihn war es Liebe bei der ersten Berührung.

Burdock war beim Apfelpflücken zu hoch geklettert, hatte falsch eingeschätzt, ob der dünne Ast sein Gewicht noch tragen konnte und war gestürzt. Seine Hand schmerzte, fühlte sich geprellt an. Dazu lauter blauer Flecken und Schnitte von den Ästen, durch die er gekracht war. Er schimpfte mit sich selbst, denn eigentlich war er viel geschickter. Von allen seinen Cousins und Cousinen war er immer der Geschickteste im in Bäume hochklettern.

Erst dachte er, dass er den Schmerz aushalten konnte und dass er die Hand nur ein wenig schonen musste, bevor er wieder fit war. Doch der Schmerz wurde immer stärker, pochte ihm in den Ohren und ihm wurde schummrig vor den Augen.

Seine Mutter schickte ihn zur Apotheke, als klar wurde, dass er so nicht arbeiten konnte. Sie gab ihm ihr ganzes Erspartes, denn so war sie: aufopfernd und liebevoll. Immer setzte sie andere an erster Stelle. Sie war die tollste Mutter der Welt.

Dennoch konnte Burdock sich nicht überwinden in die Apotheke zu gehen. Es erschien ihm volle Verschwendung, das Geld seiner Mutter auszugeben. Es musste doch möglich sein, etwas stattdessen einzutauschen. Die Äpfel, die er gepflückt hatte. Er konnte in diesem Zustand keine Beute im Wald erlegen, denn mit der Hand konnte er keinen Bogen spannen, aber er könnte Fallen basteln und einen Hasen zum Tausch bringen.

Gerade als er sich entschieden hatte, dass das der einzig richtige Weg war, kam ein blondes Mädchen aus der Apotheke und sah ihn im Schatten stehen.

„Kann ich dir helfen?“, fragte sie mit freundlicher Stimme.

Burdock kannte Asterid March aus der Schule. Alle kannten Asterid, denn sie war das schönste Mädchen des ganzen Distriktes. Aber sie kannte ihn wahrscheinlich gar nicht, denn er war das genaue Gegenteil von ihr. Er war nicht besonders gut aussehend, immer dreckig und hatte kein bisschen Geld.

Er zögerte, wusste nicht recht, was er sagen sollte, denn ja er brauchte Hilfe, aber zeitgleich wollte er keine Hilfe. Zumindest nicht, wenn er das Ersparte seiner Mutter ausgab.

„Nein“, sagte er. „Ich wollte gerade gehen.“

Doch sie hatte ihn schon von Kopf bis Fuß gemustert, so als hätte sie längst entschieden, dass er ein Patient war. Kaum hatte sie die Bandage um seine Hand gesehen, die er im letzten Augenblick noch hatte hinter seinem Rücken verstecken wollen, kam sie schon auf ihn zu und griff nach seinem Arm.

Er schnappte überrascht nach Luft, einerseits weil sie seine Hand berührte und der Schmerz ihm durch den Arm schoss, andererseits, weil er plötzlich dem hübschesten Mädchen des Distriktes so nah war, dass er selbst die feinsten Wimpern erkennen konnte und ihren Duft nach Heilkräutern ihm in die Nase stieg. Die Röte breitete sich sofort in seinem Gesicht aus, doch Asterid sah ihm gar nicht ins Gesicht, sondern untersuchte so sanft und vorsichtig seine Hand, dass der erste Schmerz nachließ und es sich nur noch anfühlte, als würde eine Feder über seine Haut streicheln.

„Wie ist das passiert?“, fragte Asterid ihn.

Die Röte wurde noch dunkler. „Ich … ähm … bin vom Baum gefallen“, stammelte er nervös und biss sich dann auf die Zunge. Hoffentlich fragte sie nicht, wo, denn er war auf der anderen Seite des Zaunes gewesen, was verboten war. Aber sie hatte kein Interesse daran, sondern hielt ihn an kurz zu warten, während sie schnell nach drinnen lief und zurückkam.

„Ich trage dir Salbe auf, damit die Prellung schneller zurückgeht. Du musst die regelmäßig wieder auftragen und die Hand schonen. Am besten kühlen.“

Sie griff nach seiner Hand, doch er zog sie zurück. Er wollte doch nicht das Geld seiner Mutter ausgeben und das musste er wohl oder übel, sobald sie die Salbe auftrug.

„Ich hab nichts dabei“, sagte er. „Kein Geld oder etwas zum Tauschen.“ Er dachte kurz nach. „Ich hab frische Äpfel, die kann ich dir anbieten. Für Apfelkuchen oder so.“

Asterid schenkte ihm ein Lächeln und sein Herz machte einen Satz. „Äpfel klingen gut.“

Dann wurde sie wieder ernst. „Ruhe dich aus und trage die Salbe auf. Kein weiteres Äpfelpflücken mehr, verstanden?“ Sie hob drohend den Finger. Burdock versprach es ihr hoch und heilig und sie verschwand wieder in der Apotheke. Burdock stand noch einen Augenblick vor der Tür, als wäre er plötzlich aus einem Traum aufgewacht und langsam dämmerte ihm, dass er gerade zwar das Geld seiner Mutter nicht ausgegeben hatte, dafür aber sein Herz verloren hatte.
 

Für sie war es Liebe auf den ersten Ton.

Asterid hatte schon einmal jemanden sagen gehört, dass, wenn Burdock Everdeen sang, selbst die Vögel verstummten, um ihm andächtig zuzuhören. Sie wusste nicht mehr genau, wer es gesagt hatte, sie glaubte, es war Otho Mellark gewesen, der immer um sie herum schwärmte, in der Hoffnung auf ein nettes Wort von ihr.

Aber wie sollte jemand in völlig zerfransten Klamotten mit wilden Haare und dreckigen Fingernägeln eine so liebliche Stimme haben, dass die Vögel verstummten? Das war lächerlich. Niemand konnte die Vögel verstummen lassen. Sie wurden nur still, wenn Gefahr drohte oder die Nacht hereinbrach und sie sich aneinander kuschelten und hoch oben in den Bäumen schliefen. Kein Mensch konnte eine so schöne Stimme haben, dass alles andere den Atem anhielt.

Doch sie wurde eines Besseren belehrt und dann war es um sie geschehen, auch wenn einiges an Zeit verging, bevor sie sich eingestehen würde, dass das der Moment gewesen war, indem sie ihr Herz an Burdock verloren hatte.

Es war an einem warmen Nachmittag im Frühling. Die Lehrer hatten den Unterricht nach draußen verlegt, weil ihnen eh keiner mehr zuhörte und alle die ersten Sonnenstrahlen in sich auf sogen wollten. Asterid saß zusammen mit Maysilee und Merrilee im Gras unter einem Baum, während die ersten Blüten auf sie niederregneten, als ein Windstoß durch die Blüten fuhr.

Asterid sah auf und bewunderte die Blütenpracht. Es erschien immer wieder erstaunlich zu sein, wie die Natur nach jedem Winter wieder zum Leben erwachte. Woher nahm sie nur die Kraft?

„Sing einen Song“, bat jemand plötzlich Burdock und Asterid warf ihm einen Blick zu. Sie war unendlich neugierig auf seine Stimme. Burdock lachte und zierte sich ein wenig, bevor er zustimmte. Er stimmte den Valley-Song an, den sie schon früher gehört hatte.
 

Unten im Tal, im tiefen Tal,

Pfeift spät am Abend der Zug jedes Mal.

Hörst du den Zug, Schatz, unten im Tal.

Hörst du den Zug, Schatz, unten im Tal.
 

Die Vögel verstummten wirklich und auch alle anderen. Alle Gruppen, die getuschelt hatten, sahen zu Burdock und Asterid hätte schwören können, dass selbst die Blütenblätter in der Luft verharrten, um langsamer zu fallen, um seiner lieblichen Stimme zu lauschen. Sie saß auch ganz gebannt da und konnte den Blick nicht von diesem Jungen abwenden, der ihr hin und wieder Heilkräuter brachte, seit sie seine Prellung behandelt hatte. Doch sie hatte ihn noch nie wirklich gesehen. Er stach im Aussehen nicht aus der Masse der Saum-Bewohner heraus, doch jetzt betrachtete sie ihn genauer. Sah die kleinen Unterschiede. Sein schwarzes Haar kringelte sich in der Wärme mehr und es fiel ihm ein wenig in die Augen, die vor Freude glitzerten. Er hatte ein wildes Aussehen, doch seine liebliche Stimme gab ihr das Gefühl, dass er mehr Schaf in Wolfspelz war als andersherum.
 

Rosen sind rot, Schatz, Veilchen sind blau.

Dass ich dich lieb, wissen die Vögel genau.
 

Bei dieser Zeile sah Burdock ihr plötzlich in die Augen und ihre Blicke verschränkten sich, während er die Zeile noch zweimal wiederholte, ohne den Blick von ihr zu lösen.

Die Röte stieg ihr ins Gesicht, doch sie konnte nicht wegsehen, so verzaubert war sie von seiner Stimme und seinen Augen.

In genau diesem Augenblick stahl er ihr Herz mit seinen Worten, seinem Blick und seiner Stimme.

Love in Dark Times

Liebe zwischen zwei Klassen war schon schwierig genug, aber dann war dann noch die Hungerspiele, die von einer Sekunde zur anderen eine junge Liebe zerstören konnten.

Burdock musste das bei seinem Freund Haymitch und seiner Liebsten Lenore Dove erleben. Er selbst hatte vor der Ernte Angst davor gehabt, dass er möglicherweise nie mehr Asterid sehen würde, wenn sein Name ausgerufen werden würde. Zu viele Zettel trugen seinen Namen im Lostopf. Er hatte versucht, sich den Tag abzulenken, hatte Asterid Kamille mitgebracht und ihr Glück gewünscht, doch er hatte sich nicht getraut, seine Gefühle laut auszusprechen, weil er abergläubisch dachte, wenn er es ihr an einem Tag wie diesem sagen würde, würde er das Schicksal nur unnötig herausfordern. Doch es traf ihn nicht und genauso wenig traf es Asterid. Sie blieben vom Schicksal verschont für ein weiteres Jahr, aber ihre Freunde blieben es nicht.

Nach der Ernte suchte er Asterid, die sich schnell aus der Menge verzogen hatte, kaum, dass man die Maysilee fortgebracht hatte. Er wusste, wie es ihr gerade ging, denn auch er hatte sich von seinem besten Freund nicht verabschieden können. Überhaupt hätte es Haymitch gar nicht treffen sollen. Wie sehr er doch das Kapitol in diesem Augenblick hasste. Nichts davon war gerecht.

Er fand Asterid auf der Wiese am Rand des Saumes. Burdock konnte sehen, wie ihre Schultern zitterten, auch wenn er ihre Tränen noch nicht sah, wusste er sofort, dass sie um ihre Freundin weinte. Ihm schnitt es das Herz blutig. Er zog sie einfach in seine Arme und sie protestierte nicht, sondern schlang ihre Arme um ihn, so als wäre er schon immer ihr Fels in der Brandung gewesen. So als müssten sie nicht über ihren Kummer sprechen, weil sie ihn beide so offen fühlten.

„Warum?“, flüsterte Asterid an seiner Schulter. „Warum Maysilee? Das ist so ungerecht.“

Er schluckte seinen eigenen Kummer herunter, die Schatten, die sich herangeschlichen hatten und auch die Erleichterung, dass er und Asterid verschont geblieben waren. Es konnte sie nächstes Jahr treffen oder das Jahr danach. Sie waren noch lange nicht sicher. Doch jetzt wollte er für Asterid da sein und ihr all den Schmerz nehmen, den sie verspürte.

„Wir können nur hoffen“, flüsterte er. „Maysilee ist gewitzt und sportlich. Man wird sie bestimmt unterschätzen, weil sie aus 12 ist. Sie hat Chancen.“

„Lügner“, entgegnete Asterid. „Du willst gar nicht, dass Maysilee es schafft. Ich weiß, was Haymitch dir bedeutet.“

„Aber dir bedeutet sie etwas. Und du bedeutest mir alles.“

Asterid hob den Blick. Burdock biss sich auf die Lippen. So etwas Schmalziges hatte er gar nicht sagen wollen. Das hier war nicht der Moment dafür oder?

„Danke“, sagte Asterid nur. Das war zumindest noch keine Ablehnung. Mehr konnte er in diesem Augenblick auch nicht erwarten, wenn sie heulend in seinen Armen lag und um ihre beste Freundin trauerte. Es war nicht der rechte Zeitpunkt. Er würde es später noch einmal richtig versuchen, wenn all der Spuck vorbei war und die Schatten verflogen waren. Bis dahin reichte es Asterid in seinen Armen zu halten und ihr eine Stütze zu sein.
 

Asterid wäre ohne Burdock längst in ihrem Kummer versunken. Es war unerträglich diese Hoffnung, dass Maysilee es noch schaffen könnte. Das sie überleben würde und zurückkommen könnte, doch nur für den Preis, das Haymitch starb, wodurch Burdock leiden müsste.

Aber wäre es nicht schön, wenn wenigstens einer ihrer Freunde es schaffen würde? Der erste Sieger von Distrikt 12 in so vielen Jahren? Es sah immer noch gut aus, je weiter die Tage voranschritten. Doch Hoffnung ist etwas Grausames. Man nährte sie mit dem Wissen, dass sie jeder Zeit zerplatzen konnte. Asterid ertrug es kaum mehr, den Hungerspielen auf dem Bildschirm zu folgen. Sie wollte den Moment nicht sehen, wenn diese Hoffnungsblase zerplatzen würde.

Doch der Augenblick kam und er war unendlich grausam zu sehen, wie Maysilee starb. Sie hatte so lange durchgehalten. Hatte es fast geschafft, bevor die rosa Vögel sie getötet hatten.

Asterid brach vor den Bildschirmen beinahe zusammen, doch Burdock fing sie auf und hielt sie in seinen Armen, geschützt vor der grausamen Welt da draußen. Sie konnte sich an die Zeit danach nur durch ein Schleier erinnern, aber Burdock war immer da gewesen, hatte für sie gesungen und ihre Hand gehalten.

Mit dieser Unterstützung kämpfte sie sich aus ihrem Kummer wieder hinaus. Wartete mit dem Rest auf die Toten und auf den Sieger.

Haymitch kam zurück, doch auch Burdock verlor seinen besten Freund.

Er war noch da, doch nach dem Tod seiner Familie und seiner Liebsten ertrank er sich in Alkohol und zog sich immer weiter zurück, bis es war, als wäre Haymitch in der Arena genauso gestorben wie Maysilee. Und vielleicht war das auch das schlimmere Schicksal. Zuschauen zu müssen, wie dein bester Freund das Leben aufgab und nur noch alles vergessen wollte. Sie hatte wenigstens ihre beste Freundin beerdigen können und konnte alle Hoffnung fahren lassen, sie jemals wieder in den Armen zu halten. Sie vermisste sie furchtbar und besuchte ihr Grab regelmäßig, doch Maysilee war endgültig fort. Haymitch war noch da und zeitgleich weit entfernt.

Burdock gab ihn nicht auf und Asterid bewunderte ihn für diese Stärke. So oft er auch zurückgewiesen wurde, er versuchte es immer wieder und sie stand ihm bei. Hielt seine Hand und umarmte ihn, wenn Haymitch ihn wieder fluchend vor die Tür setzte.

Sie hatten beide ihre Freunde an die Hungerspiele verloren, doch solange sie einander hatten, würde alles gut werden. Das wusste Asterid in ihrem Herzen. Solange Burdock sie anlächelte und für sie sang, würde sie alles gemeinsam bewältigen.

Love at Sunrise

Burdock hatte gewartet und gewartet bis zu diesem goldenen Morgen im Herbst, als Asterid endlich neunzehn wurde. Sein Geburtstag war bereits vor einigen Monaten gewesen und er arbeitete seit nun einem Jahr schon in den Minen, sodass er sie nur noch am Wochenende sah, wenn er Zeit hatte zu jagen und Kräuter zu sammeln. Auch wenn sie nun schon eine Zeit lang ein Paar waren, war er doch schrecklich nervös. Er hatte gewartet, bis sie beide neunzehn waren und damit endlich den Hungerspielen entronnen waren. Sein Aberglaube hatte ihn daran gehindert, sie bereits vorher zu fragen, ob sie seine Frau sein möchte. Eine andere Angst, die ihn so schrecklich nervös machte, war die Tatsache, dass sie als seine Frau in den Saum ziehen musste, da es nicht typisch war, dass der Mann zur Frau zog. Was, wenn sie ihr Leben in der Stadt nicht aufgeben würde? Was, wenn ihr ihre Liebe doch nicht groß genug war? Konnte er wirklich von ihr verlangen, ihre Familie und die Apotheke aufzugeben?

Doch wenn Burdock sie jetzt nicht fragte, würde die Ängste überhandnehmen und er würde es für den Rest seines Lebens bereuen, nicht den Mut gehabt zu haben. Und in einer Welt wie seiner wollte er es keine Sekunde länger hinauszögern, wenn er nicht wusste, wann das Ende kam.

Burdock hatte alles minutiös geplant. Kurz vor Sonnenaufgang warf er kleine Steinchen an ihr Fenster, um Asterid zu wecken. Sie war ein Morgenmensch und stand gerne früh auf, um mit der Arbeit in der Apotheke zu beginnen, also war das die perfekte Zeit, um sie zu erwischen, bevor alle anderen sie umschwärmen würden.

Sie öffnete ihr Fenster und warf einen Blick hinaus. Ihre Augen wurden sofort sanfter und ihr Lächeln erschien ihm wie der Sonnenaufgang.

„Hat das Geburtstagskind einen Moment für einen armen Minenarbeiter wie mich?“

Sie schmunzelte und sah aus, als müsste sie ernsthaft über diese Bitte nachdenken, doch ihr ernster Gesichtsausdruck hielt nur eine Sekunde an.

„Ich komme“, rief sie fröhlich und verschwand aus seinem Blickfeld, um nur wenige Minuten später aus der Tür zu stürmen und ihm um den Hals zu fallen. Sie küssten sich und Burdock wollte sie am liebsten nie wieder loslassen, doch er hatte einen Plan und es musste perfekt werden.

„Komm mit. Ich hab etwas für dich.“

Er nahm ihre Hand und brachte sie auf die Wiese dicht am Zaun, doch der Zaun war nicht zu sehen, da ihn Bäume verdeckte und durch einen Hang ein kleines Tal entstand.

Es war ihr Lieblingsort, denn hier wuchsen im Spiel von Schatten und Licht Unmengen an Heilkräuter, die sie gerne pflückte im Morgengrauen.

Die Sonne schickte ihre erste Sonnenstrahlen über die Wiese, während Burdock Asterid zu einer Picknickdecke führte. Er hatte gestern Stunden zugebracht, die letzten reifen Erdbeeren, Heidelbeeren und Trauben zu sammeln. Er hatte gegen ein Eichhörnchen bei Otho Mellark Brot eingetauscht und einen Ziegenkäse für ein Kaninchen.

Es war ein wahrer Festschmaus. Asterid ließ sich glücklich auf der Decke nieder und er fütterte sie, während sie sich verliebte Blicke zuwarfen und Küsse austauschten.

„Sing mir etwas“, bat sie ihn und er kam ihrer Aufforderung nur zu gerne nach.

 

Auf dieser Wiese unter der Weide,

Ein Bett aus Gras, ein Kissen wie Seide.

Dort schließe die Augen, den Kopf lege nieder,

Wenn du erwachst, scheint die Sonne wieder.

 

Er konnte hören, wie die Spotttöpel seinen Song aufnahmen und das Lied in vielfachen Stimmen mit ihm sangen.

 

Hier ist es sicher, hier ist es warm,

Hier beschützt dich der Löwenzahn.

Süße Träume hast du hier und morgen

erfüllen sie sich.

An diesem Ort, da lieb ich dich.

 

Die letzten Töne verklangen und Asterid sah zu ihm auf. Ihr Blick innig und so voller Wärme, dass ihm das Herz aufging. Das hier war alles, was er jemals gewollt hatte. Er hatte sich vor den Schatten gefürchtet, doch dieses Licht in ihren Augen und dieses Lächeln, das den Sonnenaufgang in ihrem Rücken blass dagegen erschienen ließ, besiegte jede Angst in ihm.

„Willst du mich heiraten?“, platzte es aus ihm heraus.

Asterid leuchtete mit dem Morgenrot um die Wette und sie küsste ihn leidenschaftlich.

„Mich würde nichts glücklicher machen“, flüsterte sie ihm ins Ohr und jeder Schatten verflüchtigte sich. Die Zukunft wurde strahlend wie der Sonnenaufgang werden.

 

Es war nur eine kleine Hochzeit, doch das war egal. Asterid war es völlig gleichgültig, ob sie nun im Saum wohnen würde oder dass Burdock nicht reich war, um ihr all den Luxus zu gewähren, denn sie vorher kannte, denn ihre Liebe war für sie genug und sie wusste ganz genau, das Burdock alles für sie tun würde. Es war eine andere Form von Luxus. Eine, die nur wenige kannten.

Burdock würde für sie die schönsten Dingen besorgen und war es auch nur ein Strauß Wildblumen und Heilkräuter. Sie würde jede Sache, die er ihr brachte, so wertschätzen, als wäre es ein Schatz. Für sie war es keine schwere Entscheidung gewesen, auch wenn sie natürlich traurig war, ihre Familie und Merrilee in der Stadt zurückzulassen, doch sie konnte sie ja noch immer besuchen und es war keine Trennung für immer. Ihre Eltern hatten sich natürlich etwas Besseres für sie gewünscht und es wurde natürlich getuschelt, wie Burdock Everdeen das Herz der Stadtschönheit mit seinen Liedern betört hatte und war das etwa falsch?

Nein, sie war ihm völlig verfallen und daher war ihre Hochzeit kein trauriger Anlass, sondern der Beginn für eine wunderschöne Zeit.

Sie konnte immer noch ihre Salben und Heiltränke herstellen. Es würde sich nichts wirklich ändern, außer das sie Burdock nun jederzeit sehen würde und nicht mehr bis zum Wochenende warten musste. Jetzt hatten sie alle Zeit der Welt ihre eigene kleine Welt zu gestalten und sie zu genießen. Der Schatten hatte sich verzogen und das Licht erstrahlte alles in neuen Farben, die sie noch nicht gekannt. Emotionen, die sie noch nicht empfunden hatte.

Asterid schritt in ihrem besten blauen Kleid auf Burdock zu.

Der Gang zum Justizgebäude war nur der offizielle Teil. Es waren nur die Formulare, die sie ausfüllen mussten.

Sie freute sich viel mehr auf das Rösten des Brotes und ihre erste gemeinsame Nacht in ihrer kleinen Hütte, die ihn zugewiesen wurde. Doch davor würde es noch eine Party mit all ihren Freunden geben und Burdock würde singen. Sie liebte nichts mehr, als ihn singen zu hören.

Von nun würde er ganz der ihre sein. Etwas, was sie sich tief in ihrem Herzen schon in diesem ersten Augenblick gewünscht hatte, als sie ihn das erste Mal mit seiner lieblichen Stimme die Vögel zum Verstummen gebracht hatte und ihr Herz mit sich genommen hatte. Doch es hatte gedauert, sich das einzugestehen. Es hatte viele Besuche von ihm mit seinen Äpfel und Heilkräutern gebraucht, noch mehr Lieder und auch eine dunkle Zeit, die sie unzertrennlich zusammen geschweißt hatten, sodass sie nichts und niemand sie jemals wieder trennen konnte.

Als die Formulare abgestempelt waren, sie offiziell zu Mann und Frau erklärt worden waren, als sich alle Freunde verabschiedet hatten und sie ihr erstes Brot rösteten, konnte Asterid ihr Glück immer noch nicht fassen.

„Was ist? Hab ich das Brot verbrannt?“, fragte Burdock, als er ihren Blick bemerkte, doch sie strahlte ihn nur an.

„Du könntest es völlig verbrennen und es wäre mir gleichgültig, denn es wäre immer noch unser erstes Brot und du wärst immer noch mein Ehemann. Nichts anderes zählt.“

„Liebst du mich?“, fragte Burdock sie zärtlich, als er ihr ein Krümel von dem Brot aus dem Gesicht strich und seine Hände dabei sanft über ihre Lippen fuhr.

„Ich kann mir eine Welt ohne dich nicht vorstellen. So sehr liebe ich dich. Ohne dich ergibt die Welt keinen Sinn.“

Burdock lachte und küsste sie. „Und du bist meine Welt. Mein Licht. Höre niemals auf zu leuchten und weise mir den Weg.“

Jetzt mussten sie beiden lachen. Und dann verloren sie sich in Küssen und ließen sich von der Liebe fortspülen, an einen Ort frei von Sorgen, wo sie für immer glücklich sein würde und die Sonne alle Schatten vertrieben.



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Kommentare zu dieser Fanfic (3)

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Von: irish_shamrock
2025-07-02T12:10:43+00:00 02.07.2025 14:10
Hallo ChiaraAyumi,

das Dunkle und Verzweifelte des vorherigen Kapitels wird durch herzerwärmende Aktionen abgelöst. Auch wenn sich Burdock sorgt, ob sein Vorhaben Früchte trägt, finde ich die Worte schön und stimmig, ob das kleine Picknick auf der Wiese mit dem Heiratsantrag oder dass es Asterid völlig egal ist, wo sie leben, wie sie leben, und dass nur sie beide zählen.
Mir hat der Einblick in das Kennen- und Liebenlernen der beiden gefallen.
Danke nochmals dafür :) ...

Liebe Grüße,
irish C:
Von: irish_shamrock
2025-07-02T11:53:30+00:00 02.07.2025 13:53
Hallo ChiaraAyumi,

auf zum 2. Teil.

Die Angst vor den Hungerspielen und die Verzweiflung der Charaktere hast du sehr nahbar beschrieben. Sowohl was Burdock in Bezug Haymitch und Lenore Dove betrifft als auch Asterids Kummer nach dem Tod Maysilees.
Tatsächlich hätte ich mir ein paar mehr Worte gewünscht, die die Zuversicht unter Burdock und Asterid beschreiben. Dass sie den Verlust der Freundin ein wenig tiefer fühlt und die Versuche Burdocks, an Haymitch heranzukommen, etwas mehr ins Detail gehen.
Nichtsdestoweniger ein schönes, wenngleich düsteres Kapitel.

Liebe Grüße,
irish C:
Von: irish_shamrock
2025-07-02T11:40:56+00:00 02.07.2025 13:40
Hallo ChiaraAyumi,

hab vielen Dank für diese tolle, kleine Geschichte.
Mit TvP und der Konstellation rund um Asterid und Burdock habe ich wirklich nicht gerechnet und mich umso mehr gefreut, dass du dir diese zwei herausgesucht hast.
Irgendwo muss alles seinen Anfang nehmen, auch wenn es mit Kletterei in einem Baum und einen tiefen Fall einhergeht.
Dass sich Asterid seiner angenommen hat, hast du schön dargestellt und auch, wie sie sich allmählich in ihn verliebt.

Danke für diesen ersten Teil.

Alles Liebe,
irish C:
Antwort von: ChiaraAyumi
13.07.2025 15:38
Es freut mich, dass ich dir mit der Geschichte eine Freude machen konnte. Die beiden waren mir in deinem Wunschzettel sofort herausgestochen und ich konnte dem nicht widerstehen :) Ich hatte überlegt, wie ich es schreiben wollte und mich dann für diese drei Episoden entschieden. Ich hatte überlegt auch noch Katniss und Prim einzubringen, mich dann aber dagegen entschieden, weil ich fand es sollte um Burdock und Asterid gehen und wie ihre Liebe entstand, was sie gefestigt hat und wie sie ihr Glück gefunden haben. Vielen Dank für deine lieben Kommentare :)


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