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Don't Tell Mum

[Frühlingswichtel 2025]
von

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Das erste Rätsel

Im alten Haus der Familie Black herrschte wie jeden Frühling eine drückende Stille. Der sanfte Duft des neuen Grüns und die Vögel, die draußen ihre Lieder anstimmten, drangen kaum in das alte Gemäuer des Grimmauld Place ein. Ab und an war ein leises »Plopp« zu hören, wenn Kreacher, der Hauself, ein weiteres Möbelstück abstaubte und das ständige Schaben von Regulus’ Feder, der gewissenhaft die Familienchronik schrieb.

Sirius platzte in das Zimmer seines Bruders und ließ sich dramatisch auf sein Bett fallen. „Ich langweile mich zu Tode“, stöhnte er, während Sirius einen Blick zum Fenster warf, durch das der Frühling mit seinen zarten Blüten und milden Sonnenstrahlen in das düstere Haus drang.

Regulus warf ihm einen genervten Blick zu. „Dann stirb leise. Ich versuche zu schreiben.“

„Du schreibst entweder die »Familienchronik« ab oder »Die Reinheit des Blutes«. Noch langweiliger als unser Urgroßonkel Cassius“, konterte Sirius und grinste breit.

Regulus wollte etwas erwidern, doch in diesem Moment war ein leises, fast unhörbares Klirren zu hören. Direkt hinter dem massiven Bücherregal, das in der Ecke des Zimmers stand, war ein kleiner Riss im Holz sichtbar geworden. Sirius’ Augen blitzten, und er sprang sofort vom Bett seines Bruders auf.

„Sag nichts. Einfach folgen“, sagte Sirius zu seinem Bruder und mit einem Satz sprang er zum besagten Regal und sah nach.
 

Hinter dem Regal entdeckten die Brüder einen alten Karton, der mit Staub bedeckt und offensichtlich schon lange unbeachtet war. Zwischen Spinnenweben und vergilbten Pergamenten lag ein weiteres altes Buch »Schwarzes Wissen der Blacks – Band IV«. Es war schwer und roch nach Moos und altem Papier.

Die Staubwolke ließ Sirius aufhusten, als er angewidert das Gesicht verzog und etwas murmelte, das sich verdächtig nach „ich habe Staub auf der Zunge“ anhörte. Während Sirius das Buch aufschlug und die Seiten durchblätterte – seine Finger zitterten fast vor Aufregung, als er auf einen Briefumschlag stieß. Das Siegel zeigte einen schwarzen Raben, und der Zettel darin trug eine Nachricht:
 

» Wenn das zwölfte Glockenschlag-Lied erklingt, wird das Erbe der Raben offenbart. «

Sirius setzte sich aufrecht hin, die Augen weit aufgerissen. „Ein Rätsel! Bestimmt eine Schatzsuche!“

Regulus schnaubte leise. „Oder ein Fluch. Wahrscheinlich wirst du in einen Teekessel verwandelt und keiner weiß mehr, wer du bist.“

„Pah!“, erwiderte Sirius, doch er ließ sich nicht beirren. „Was auch immer es ist, wir müssen es herausfinden. Und wenn es ein Schatz ist, gehört er uns. Aber wenn es ein Fluch ist, … dann bist du Schuld.“

„Hör auf, alles auf mich zu schieben“, verteidigte sich Regulus und sah vorsichtig auf die Karte. „Außerdem dürfen wir das Haus nicht verlassen.“

„Wir dürfen auch keine Froschzungen in Kreachers Schlaftee tun, aber du hast es trotzdem gemacht“, entgegnete Sirius grinsend.

Regulus errötete leicht. „Beweise.“ Seine Stimme wurde leise, das eher einem Murmeln glich.

„Du hast es in deinem Tagebuch notiert“, erklärte Sirius, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt. „Und lässt es auch noch offen auf dem Schreibtisch liegen. In Schönschrift sogar.“

Regulus seufzte und konnte nicht anders, als mit den Augen zu rollen, als sich doch ein kleines, unterdrücktes Grinsen auf seinem Gesicht abzeichnete – was er aber nicht zeigen wollte und darauf beharrte, dass die Mutter sauer werden würde, was noch eine nette Formulierung war.

„Du. Stirnrunzler. Buchkauer. Mitmacher von Reinblutteekränzchen. Wir müssen los“, sagte Sirius mit einem spitzbübischen Grinsen und wedelte mit dem vergilbten Pergament in seiner Hand.

„Nein, ich will nicht verflucht werden von einem Raben oder …“

Sirius gab sich nicht geschlagen, als er erneut ansetzte. „Oder es ist ein Schatz. Oder ein verborgener Vorrat an Nougatschokolade. Komm schon. Nur du und ich. Ohne Eltern. Ohne Kreacher. Nur wir.“

Regulus zögerte, seine Neugier kämpfte gegen den angeborenen Respekt vor der Familie und den Regeln. Doch der Gedanke an ein Abenteuer, an ein Geheimnis, das nur sie zwei lösen könnten, war zu verlockend. Sirius und er, sonst keiner – das überzeugte ihn am meisten. „Na gut. Aber ich schreibe eine Liste. Alles, was wir tun, darf Mutter nie erfahren.“

Sirius lachte und legte einen Arm um die Schulter von Regulus. „Natürlich. Aber keine Sorge. Ich werde den ganzen Ärger auf mich nehmen. Schließlich bin ich der Größere.“

Mit einem letzten Blick auf die Karte machten sich die beiden Brüder auf, das Geheimnis zu lüften. Während draußen der Frühling seinen Lauf nahm und die Blüten im Park in voller Pracht erblühten, ahnten sie nicht, dass dies der Anfang eines Abenteuers war, das nicht nur ihre Welt, sondern auch das Geheimnis ihrer Familie für immer verändern sollte.

Die Krähe im Park

Die Brüder schlichen durch die knarrenden Korridore von Grimmauld Place. Die alte Uhr tickte laut in der Ecke als wäre sie sich der Dringlichkeit ihres Vorhabens bewusst. Doch ein Problem stand ihnen im Weg: Kreacher. Der Hauself hatte einen Argusblick, der einem Auror in nichts nachstand und den Sanftmut eines Hippogreifs mit Rückenschmerzen – was die Sache nicht einfacher machte.

„Ich habe einen Plan“, flüsterte Sirius, während er sich an der Wand entlangdrückte, um sich dem Hauselfen zu entziehen.

„Sirius, was hast du vor?“, wollte Regulus misstrauisch wissen.

„Während du durch die Küche gehst, lenke ich ihn ab. Indem ich ein Exemplar von »Blut ist Macht« im Kamin verbrenne“, erklärte Sirius mit einem schelmischen Grinsen.

„Sirius!“ Regulus starrte ihn entsetzt an. „Das ist ein wertvolles Buch!“

„Nur eine Seite.“ Sirius sah zu seinem kleinen Bruder, der ihn aus einer Mischung von Entsetzen und Unglauben ansah. „Na gut, … eine halbe … vielleicht ein Kapitel.“ Sirius zwinkerte seinem kleinen Bruder zu.

Regulus seufzte. „Du bist unmöglich.“
 

Doch das, was wie ein riskanter Plan aussah, funktionierte. Kreacher war so entsetzt über den Anblick des heiligen Familienbuches, dass von den Flammen verschlungen wurde, das er schnatternd in die Bibliothek rannte, um den Brand zu stoppen.

Die Brüder nutzten den Moment, steuerten den Hinterausgang an und schlichen sich aus dem Haus. In Regulus’ Tasche verbarg sich eine Feder und die Liste, die er bereits angefangen hatte. Während Sirius die Schatzkarte in der Hand hielt, mit dem Rätsel.
 

Der erste Punkt auf der Karte führte sie in einen nahegelegenen Park – klein, umgeben von eisernen Zäunen und alten Bäumen – der von einer sanften Frühlingsbrise durchweht wurde. Die ersten Blütenblätter, die durch die Luft tanzten, fielen leise zu Boden, als wären sie in einem geheimen magischen Tanz.

Dort, wo auf der Karte ein X eingezeichnet war, stand eine knorrige alte Eiche, darunter ein alter Stein und eine schwarze Krähe.

„Na toll. Ein Vogel. Vielleicht ist der Schatz ja ein besonders seltener Haufen Dung“, murmelte Sirius mit einem Hauch Frustration und Enttäuschung.

Doch in dem Moment, als sie den Baum erreichten, passierte etwas Seltsames. Ein Windstoß erhob sich – obwohl der Tag fast windstill war – und ließ die Äste erzittern. Dann rieselte es von oben … Blütenblätter.

Weiße und rosafarbene Blätter fielen wie in Zeitlupe herab. Ein magischer zarter Blütenregen begann rund um den Baum. Es war als hätte der Frühling sich genau diesen Moment ausgesucht, um zu zeigen, dass selbst im März Magie wachsen kann.

„Das ist … schön“, flüsterte Regulus fast ehrfürchtig.

„Romantisch. Ich kotze gleich“, flachste Sirius, obwohl er heimlich ebenso fasziniert war.
 

Doch bevor einer der Jungs noch etwas sagen konnte, drehte die Krähe ihren Kopf und sah vom Ast herab. Plötzlich sprach sie mit einer krächzenden, erstaunlich deutlichen Stimme:
 

» Schwarzes Blut glänzt nicht rein -

sucht die Glocke, hört den Schein.

Doch zuerst mein Name, das ist klar,

sonst bleibt das Rätsel wunderbar. «
 

Regulus stolperte rückwärts und stach sich an einem Baum. „Die Krähe spricht“, flüsterte er erschrocken.

Sirius grinste. „Natürlich spricht sie. Willkommen in der magischen Welt, Bruder.“ Sein Blick ging von seinem kleinen Bruder nach oben zum Vogel. „Ich bin Sirius und das ist mein sprachloser Bruder Regulus.“

„Ich heiße Theobald. Einst Zauberer. Jetzt Gefieder. Verflucht beim Versuch, das Rätsel der Raben zu lösen“, sagte die Krähe mit einem spöttischen Krächzen.

Die weißen Blüten fielen weiterhin, sammelten sich leise auf den Umhängen der Brüder. Während Sirius’ Augen zu glänzen anfingen. „Dann sind wir hier genau richtig. Wie kommen wir weiter?“

Theobald klapperte mit dem Schnabel, als ob er überlegen würde. „Die Glocken rufen euch. Die nächste Spur findet ihr in der Kirche der Muggel. Aber nehmt euch in Acht – nicht alles, was schweigt, ist blind.“

Mit einem Schwung seiner Flügel ließ die Krähe eine einzelne schwarze Feder fallen, die auf dem Boden landete. Und auf der Rückseite der Feder war etwas geschrieben: St. Edmund’s Kirche, Glockenturm zum zwölften Schlag.

Sirius hob die Feder mit einer überraschenden Zartheit auf und hielt sie ebenso in der Hand. „Also gut, ein Glockenschlag … Aber warum zum zwölften?“

„Wenn wir wissen wollen, warum, müssen wir der Spur folgen“, sagte Regulus, der inzwischen von dem Abenteuer genauso gefesselt war wie sein Bruder.

„Ich hatte sowieso nie etwas gegen Kirchen“, sagte Sirius mehr zu sich selbst als zu Regulus, als sie sich wieder in Bewegung setzten.
 

Unter den hohen Bäumen des Parks fielen immer mehr Blütenblätter herab und die sanfte Frühlingsbrise trug sie in die Ferne als würde die Natur selbst ihre eigene geheimnisvolle Geschichte erzählen. Die Brüder wussten, dass ihre Reise noch lange nicht zu Ende war. Doch der erste Schritt war getan und das erste Rätsel gelöst.

Die Glocken riefen und sie würden antworten.

Die Kirche der Glocken

St. Edmund’s war eine alte Backsteinkirche, die sich inmitten eines stillen, etwas verwahrlosten Friedhofs erhob. Ihr Turm, schief und knorrig wie ein zerbrochener Finger, streckte sich gegen den Himmel, als wolle er das drohende Unheil der kommenden Stunden herausfordern. Der große Zeiger der Turmuhr schlich bedrohlich näher zum Zwölfer.

Während zwei kleine Jungs über den Friedhof schlichen, die Karte in der Hand und einen blumigen Duft in der Nase.

Sirius musterte das Gebäude mit einem skeptischen Blick. „Glaubst du, Muggel glauben wirklich, dass da drinnen gebetet wird?“, fragte er, als er den verwitterten Turm betrachtete.

Regulus antwortete trocken, ohne den Blick von der Kirche abzuwenden: „Glaubst du, Mutter glaubt, dass du später mal Minister wirst?“

Sirius grinste. „Touché.“ Die Brüder warteten still, die Uhr an der Wand des Kirchturms begann sich zu bewegen. Punkt zwölf.

»Dong«

Der tiefe Klang der Glocken ließ die Vögel in den Bäumen auffliegen. Beim zwölften Schlag passierte es – wie in einem alten Märchen. In der Wand öffnete sich eine kleine Nische und ein steinernes Rabenrelief trat hervor.

„Regulus, da. Ich hab es deutlich gesehen“, flüsterte Sirius voller Aufregung und deutete in die Richtung, die selbst Regulus nicht hätte übersehen können – auch wenn der Jüngere es nicht kommentierte.

Sirius trat vor, griff nach dem Relief und drückte auf das Auge.

»Klick«
 

Die Brüder krochen hinein und sahen, wie mit einem leisen Rumpeln eine hölzerne Wendeltreppe erschien, die hinauf in den Glockenturm führte. Regulus schaute kurz zu seinem Bruder, dann gingen sie gemeinsam die Stufen hinauf, das knarzende Holz unter ihren Füßen ein ständiger Begleiter. Neben all dem Staub und den Spinnenweben.
 

Oben im Glockenstuhl war eine steinerne Platte in das Mauerwerk eingelassen, darauf eingeritzt ein weiteres Rätsel:
 

» Dreimal verdreht, dreimal gefragt,

wer lügt, wer spricht, wer nichts mehr sagt?

Dreh mich richtig, finde mich -

dann öffnet sich das Schloss für dich. «
 

„Ich kann das!“, sagte Sirius bestimmt und fuchtelte mit seinem selbst gebastelten Zauberstab. „Alohomora!“ Als ob ein unechter Zauberstab wirklich etwas bewirken könnte. Der Zauberspruch hallte durch den Raum und ließ die Luft vibrieren.

Es folgte ein Zischen und ein leises, fast triumphales Klicken. Doch nichts passierte, außer dass plötzlich ohrenbetäubender Klang von Glocken durch die Stadt hallte:

GONG!

GONGGONGGONG!

GONGGONGGONGGONGGONG!
 

Alle Glocken in London – von Westminster bis zu den kleineren, verstreuten Kirchen – begannen gleichzeitig zu läuten. Tauben flatterten aus ihren Nischen und ein älterer Pfarrer, der gerade auf der Kanzel stand, taumelte fast von seinem Podest.

„Sirius!“ Regulus hielt sich die Ohren zu und verzog das Gesicht. „Was hast du getan?!“

„Ich … ähm … vielleicht habe ich die Glockenstadt geweckt?“, antwortete Sirius und zuckte unschuldig mit den Schultern. „Aber hey, wenigstens sind wir jetzt sicher, dass uns niemand gefolgt ist.“

„Lass mich das machen“, sagte Regulus entschieden mit einem Blick, der besagte, dass er wusste, wie man es richtig anstellte.

Regulus beugte sich über das Rätsel, drehte die steinerne Platten, die sich wie das steinerne Mauerwerk eingegraben hatten. Die Muster, die sich darunter offenbarten, waren nicht durch Zauberei zu knacken, sondern durch einfaches, besonnenes Denken. Ein Rabe, eingeritzt in den Stein, bildete das endgültige Muster.

»Klick«

Die steinerne Platte öffnete sich mit einem leisen Rumpeln. Darunter lag eine kleine Truhe, die genauso verzaubert war wie die vorherige, doch sie hatte keinen doppelten Schutz – lediglich einen letzten Hinweis.

Das Erbe der Raben

Die Truhe war klein, aus dunklem Holz mit silbernen Verzierungen in Form von Federn und Zahnrädern. Regulus zog sie vorsichtig aus der Bodenöffnung. Sirius war immer noch leicht taub von seiner „Zauber-Einlage“ und murmelte so etwas wie „Ich wollte eine dramatische Stimmung erzeugen …“

Regulus ignorierte ihn und betrachtete die Truhe. Kein Schloss, kein Griff, nur ein weiteres eingraviertes Rätsel auf dem Deckel:
 

» Ich bin kein Ort, doch viele suchen mich.

Ich bin kein Ding, doch du kannst mich verlieren.

Ich bin kein Mensch, doch ich kann dich ändern.

Was bin ich? «

Sirius tippte mit seinem selbstgebastelten Zauberstab dagegen. „Wenn du noch einmal »Alohomora« sagst, läuten dieses Mal vermutlich alle Uhren in ganz Großbritannien.“

„Ich wollte nur helfen.“ Sirius grinste seinen Bruder an.

„Dann hilf leise. Ich muss denken.“

Regulus las das Rätsel erneut, seine Stirn gerunzelt. „Kein Ort … kein Ding … aber man kann es verlieren? Und es kann einen ändern?“

Sirius schob sich neben seinen kleinen Bruder. „Dein Verstand?“

„Deiner vielleicht. Nein … warte …“ Regulus’ Augen weiteten sich. „Es ist »Mut«. Man kann ihn verlieren, er kann einen verändern, und viele suchen ihn.“ Überzeugt von seiner Theorie sprach Regulus das Wort laut aus: „MUT.“

Die Truhe klickte. Langsam öffnete sie sich – kein Gold, keine funkelnden Juwelen, aber ein silbernes Medaillon mit einem Rabenemblem, ein alter, leicht vergilbter Brief und ein Kompass – dessen Nadel sich sofort drehte und dann wie festgenagelt vom Grimmauld Place weg zeigte.

Sirius hob den Brief und las laut vor:
 

» „An den Finder dieses Pfades –

wenn du diesen Schatz gefunden hast, dann lebst du anders als die meisten in dieser Familie.

Ich war Phineas Black – nicht der, dessen Porträt in Hogwarts hängt, sondern sein Bruder.

Ich glaubte nicht an Blut, sondern an Charakter. Dieser Kompass zeigt dir nicht den Weg nach Hause, sondern den, der dich frei macht. Trage ihn, wenn du vergisst, wer du bist.

Und erinnere dich: Ein Rabe fliegt nicht im Schwarm, sondern wo der Wind ihn trägt.“ «

Für einen Moment war es still. Die Brüder saßen auf den Knien nebeneinander und betrachteten die Worte. „Er war ein Black, der nicht wie ein Black sein wollte“, sagte Sirius schließlich leise.

Regulus sah zu seinem großen Bruder auf. „Sowie du?“

Sirius sah hinaus aus dem Glockenfenster über London. „Vielleicht. Oder ich bin einfach ein besonders kluger Irrer.“

Während die Brüder die anderen Gegenstände betrachteten, sagte Sirius plötzlich: „Also, was meinst du: Der Kompass zeigt immer von zu Hause weg. Das ist eindeutig ein Zeichen.“ Während Sirius auf den Kompass sah und in der anderen Hand das silberne Medaillon drehte.

„Ein Zeichen, dass du verloren bist“, sagte Regulus trocken.

„Oder frei“, erwiderte Sirius mit einem spitzbübischen Grinsen auf den Lippen. Während er selbst das Medaillon in seine Tasche steckte, reichte er seinem Bruder den Kompass.

„Willst du ihn nicht selbst behalten?“

„Nee. Ich habe dich. Du bist mein moralischer Kompass.“ Sirius lächelte seinen kleinen Bruder an. „Und wenn du anfängst, wie Mutter zu reden, zeigt der bestimmt sofort auf mich.“ Das Lächeln, das Sirius seinem Bruder schenkte, war eines seiner ehrlichen, während sein Bruder den Kompass entgegennahm. „Und jetzt los. Bevor Kreacher merkt, dass sein Pudding verschwunden ist.“

EPILOG

Die Brüder schlichen sich spätabends zurück ins Haus – schmutzig, müde, aber triumphierend. Der Staub von der alten Kirche klebte an ihren Klamotten, die Haare zerzaust, die Gesichter mit einem unbestimmten Ausdruck aus Erschöpfung und Stolz. In der Dunkelheit des Flurs hallte das Knarren des alten Hauses wider, doch es konnte den stillen Triumph, der in der Luft lag, nicht ersticken.

„Kleine Diebe und falsches Blut“, schnaufte Kreacher, der sie mit Missmut anblickte, als sie an ihm vorbeigingen. Aber die Brüder hörten nicht hin. Sie hatten anderes im Kopf – etwas, das sie tiefer verband, als sie es je für möglich gehalten hätten.

Regulus ging ohne ein Wort in sein Zimmer und ließ die Tür hinter sich ins Schloss fallen. Er setzte sich an seinen Schreibtisch, zog das abgenutzte Tagebuch hervor und begann zu schreiben. Seine Feder strich fast mechanisch über das Papier.
 

» „Heute haben wir etwas gefunden, das nicht wie ein Schatz aussieht.

Und trotzdem hat Sirius danach gestrahlt wie ein Goldstück.

Ich glaube, ich habe meinen Bruder heute ein bisschen besser verstanden.

Ich weiß nicht, wohin wir gehen werden. Aber vielleicht zeigt uns der Rabe den Weg.“ «
 

Er ließ die Feder sinken und starrte auf die Worte, die wie ein leises Flüstern in der Dunkelheit widerhallten. Ein Teil von ihm konnte das, was geschehen war, noch immer nicht ganz fassen. Sirius, sein Bruder – der unberechenbare, leidenschaftliche Sirius, der sich oft wie der Verrückte in ihrer Welt benahm, der nun jedoch zum ersten Mal etwas in sich hatte, das Regulus nicht mehr als bloßen Hohn abtun konnte. Da war ein Funken, ein Glanz, den er nie erwartet hätte, der Sirius’ Augen aufleuchten ließ, als sie den Hinweis entdeckt hatten. Es war nicht nur ein Rätsel gewesen. Es war ein Moment der Verbundenheit, ein kleiner Schritt in eine Welt, die sie zusammen entdecken – trotz allem, was sie trennte.

Regulus’ Blick glitt über das Papier, die Feder zitterte zwischen seinen Fingern. Er dachte an den Kompass, an das Medaillon – und an die Worte des Briefes, der wie ein Geheimnis in ihrem Gedächtnis verharrte. Der Rabe, der sie führte, das verlorene Erbe, dass sie zu finden versuchten.

Doch während Regulus weiter schrieb, konnte er nicht ganz verdrängen, dass in diesem Moment auch eine tiefe, beinah unerklärliche Sehnsucht in ihm aufstieg – nach etwas mehr. Etwas, das er nicht genau benennen konnte. Vielleicht war es die Freiheit, die der Rabe ihnen versprochen hatte. Vielleicht war es etwas, dass nur in der Nähe des anderen existierte. Und er fragte sich, ob sie wirklich beide dazu bereit waren, den Weg zu gehen, den dieser Rabe wies.
 

» Ich glaube nicht, dass es ein großer Schatz war. Aber es war das erste Mal, dass wir gemeinsam etwas entdeckt haben. Ich glaube auch, dass Sirius anders ist. Ich weiß nicht, ob das gut oder schlecht ist. Aber ich weiß, dass ich das gemeinsame Abenteuer nie vergessen werde. «
 

Die Feder hörte auf, über das Papier zu schweben, dann legte Regulus sie nieder. Es war genug gesagt. Die Worte trugen mehr Gewicht, als er sie auszusprechen wagte.

Und ganz leise, kaum hörbar, schlugen draußen erneut die Glocken.

Es war ein sanfter Klang, der sich mit der Dunkelheit vermischte, wie ein stiller Begleiter, der die Zeit markierte. Ein markanter, fast majestätischer Ton, der nicht nur den Raum erfüllte, sondern auch das Herz von Regulus – eine Erinnerung an den Weg, der noch vor ihnen lag. Vielleicht war es der Klang der Freiheit, der noch immer in der Luft schwang, weit über die Mauern von Grimmauld Place hinaus.

SPECIAL

Geheime Liste – Sachen, die Mutter NIE erfahren darf

(Wenn sie es doch erfährt, ist Sirius schuld.)
 

Verfasst von: Regulus A. Black – am 17. März 1971

1. Sirius hat hinter das Bücherregal geschaut (obwohl das „nicht für Kinder“ ist).

2. Wir haben ein verfluchtes Buch geöffnet. Es hat Staub gespuckt.

3. Sirius hat gesagt, Kreacher ist ein „sabbernder Staublappen“. Ich habe fast gelacht.

4. Wir sind durch den Hintereinausgang rausgeschlichen. Ich habe das Buch nicht verbrannt.

5. Wir haben eine sprechende Krähe getroffen. Sie war ein verfluchter Zauberer.

6. Ich habe mit einem Vogel diskutiert. (Er war ziemlich klug.)

7. Wir waren in einer Muggelkirche.

8. Sirius hat alle Glocken in London ausgelöst. Wirklich alle.

9. Ich habe ein Rätsel gelöst. Sirius sagt, das war „super unheimlich klug“. Ich fand es nur logisch.

10. Wir haben eine magische Truhe geöffnet, die nicht uns gehörte.

11. Sirius hat mir den Kompass gegeben und das Medaillon behalten. (Ich glaube, er zeigt ihm den Weg nach Draußen. Oder weg von hier.)

12. Wir sind zurückgeschlichen. Kreacher hat uns gesehen. Ich glaube, er wird es nicht sagen – er war noch zu wütend wegen des Buchs.

13. Ich habe diese Liste geschrieben. Sie wird unter meinem Bett versteckt. Neben dem Ersatz-Zauberstab, den Sirius gebaut hat (aus einem Löffelgriff).



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Kommentare zu dieser Fanfic (6)

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Von:  _Delacroix_
2025-06-30T16:56:15+00:00 30.06.2025 18:56
Aus einem Löffelgriff, ja? 
Will ich wissen, wie er den vom Rest des Löffels abbekommen hat? XD

Sehr süß. Hoffentlich räumt Kreacher unterm Bett nicht auf.

Insgesamt kann ich wirklich nur noch mal sagen, dass du eine wirklich niedliche Geschichte über die Black-Brüder geschrieben hast. Das Abenteuer ist wirklich süß und ich sehe wirklich sehr viele liebevolle Details, gerade bei der Charakterisierung der Beiden. 

Vielen Dank für die schöne Geschichte.^^
Von:  _Delacroix_
2025-06-30T16:53:14+00:00 30.06.2025 18:53
Ich bin ja beeindruckt, dass Kreacher es sich traut, solche Gemeinheiten zu murmeln. Auch wenn ich wirklich glaube, dass er bei den Kindern öfter Nerven lässt.^^
 
Ansonsten ist es süß, dass Regulus das Abenteuer direkt ins Tagebuch schreiben muss. Hoffen wir, dass Sirius der einzige ist, der da heimlich mitliest.

Und ich sehe, du hast auch das andere Thema eingebaut. Die Kirchenglocken haben sich ja seit dem kleinen Zauberunfall von Sirius ja konsequent durchgezogen.^^
Von:  _Delacroix_
2025-06-30T16:44:23+00:00 30.06.2025 18:44
> Ich war Phineas Black – nicht der, dessen Porträt in Hogwarts hängt, sondern sein Bruder.
Der Name war wohl nicht ganz unbeliebt in der Familie.^^ Aber gut, warum auch nicht? Es gibt ja Familien, da wiederholen sich manche Namen sehr häufig.

Ich finde es schön, dass die zwei ihren Schatz tatsächlich ganz brüderlich teilen und das ohne Streit.
Von:  _Delacroix_
2025-06-30T16:40:09+00:00 30.06.2025 18:40
Oh Gott, alle Glocken in ganz London. Das dürfte für einiges an Chaos sorgen. (Und für ziemliche Ohrenschmerzen bei allen, die so wie die Jungs gerade in der Nähe der Glocken waren. Aua.^^) Aber das kommt davon, wenn man erst hext und dann denkt. Wobei so ganz gehext ist es ja nicht. Sonst müsste der selbstgebaute Stab ja zumindest ein bisschen funktionieren. 
Also isses wohl eher: Wenn man erst redet und dann denkt. Weil offensichtlich hat das Rätsel den "Zauber" ja als Lösungsversuch gewertet.^^
Von:  _Delacroix_
2025-06-30T16:36:29+00:00 30.06.2025 18:36
> „Na toll. Ein Vogel. Vielleicht ist der Schatz ja ein besonders seltener Haufen Dung“ - Na, das wäre doch mal ein Schatz. Gesundheitlich bedenklich, aber potentiell äußerst wertvoll für jeden Hobbygärtner. Armer Sirius. Ich fürchte, das ginge so komplett an all seinen Interessen vorbei. Aber zum Glück ist er ja nicht so leicht zu entmutigen. 

Außerdem sehe ich, du hast das Wichtelthema in diesem Kapitel eingebaut. Ich finde Sirius Reaktion auf die "romantischen" Blüten ja wirklich niedlich. Klarer Fall, er ist viel zu cool um sowas hübsch zu finden.^^

Ansonsten weiß ich nicht, ob ich Mitleid mit Theobald haben sollte, oder nicht. Irgendwie glaube ich, eine Krähe zu sein, ist vermutlich gar nicht so schlecht.^^
Von:  _Delacroix_
2025-06-30T15:27:46+00:00 30.06.2025 17:27
Hiho,
 
da ist ja die FF. 
 
Erstmal muss ich sagen, dass ich durchaus beeindruckt von der Bebilderung bin. Die war in der PDF ja noch umfangreicher und ich bin wirklich fasziniert, wie du das mit der AI hinbekommen hast. 

Dann zum Kapitel: Ich finde es wirklich süß, dass die Jungs es eigentlich beide faustdick hinter den Ohren haben. Bei Regulus merkt man das erst auf den zweiten Blick (Oder indem man sein Tagebuch liest^^°) aber es ist doch eine schöne Eigenschaft, die sich bei den Brüdern gut zeigt. 

Ebenfalls gut gefällt es mir, dass sie halt trotz aller Unterschiede doch in der Lage sind, zusammen an einem Ziel zu arbeiten. In dem Fall an der Schatzsuche. Sie haben unterschiedliche Herangehensweisen, aber bei Bedarf ergänzen sie sich.
Sie müssen halt nur wollen. 

 Der Hauself tut mir zugegebenermaßen ein bisschen leid. Der muss wirklich ganz schön was aushalten bei den Kindern.^^


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