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Zwangsehe

von

Vorwort zu diesem Kapitel:
*hehe*
Da bin ich wohl schon wieder mit etwas völlig neuem.
Fragt mich nicht wie ich dazu gekommen bin. Mir kam das einfach in den Kopf, weswegen ich es niederschreiben muss.
Jedenfalls wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen.
Wann neue Kapitel kommen werden, wird sich herausstellen. Je nachdem wie ich Zeit und Muße habe.
So nun viel Spaß beim lesen ☺️

Eure Luiako Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Ich wünsche allen die auch wie ich heute (18.03) ihren Ehrentag haben, einen wunderschönen Tag und lasst euch feiern ;-)

Zudem wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen ;-)

Eure Lu ^,~ Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Hallöchen meiner lieben Leserschaft ^.^

Auf die Idee hat mich die liebe Sunao-Fujimori gebracht, daher ist dir auch das Kapitel gewidmet. 😁😎🤗

Allen anderen wünsche ich viel Spaß, beim Lesen, falls es für euch nicht schon zu heftig geworden ist und ihr aussteigen wollt.

Liebe Grüße

Lu^,~ Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
So mal nach langer Zeit gibt es wieder eine kleine Überraschung von mir.
Viel Spaß beim Lesen 😉
Wann das nächste kommt weiß ich noch nicht Komplett anzeigen
Vorwort zu diesem Kapitel:
Tut mir echt voll leid das es im Moment noch nicht wirklich so weiter geht, wie ich es mir vorgestellt habe 😪
Versuch wieder regelmäßiger Updates zu machen.
Trotzdem wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen 😉 Komplett anzeigen

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Buch 1: Prolog

Buch 1:
 

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Pünktlich um 10 Uhr morgens stand Darius Green vor dem Traualtar, seinen Bruder als Trauzeugen an seiner Seite. Doch von seinem zukünftigen Ehemann fehlte jede Spur. Der junge Mann hatte keinen blassen Schimmer, wie der Mann aussah, den er bald heiraten würde. Alles, was er wusste, war, dass dieser 25 Jahre alt war – nicht gerade viel. Auch war bekannt, dass er ein Alpha war, wie zu erwarten, und das Patenkind seines verstorbenen Vaters.
 

Darius fragte sich, ob er den Mann vielleicht kannte, doch in seinem Kopf herrschte Leere. Nichts, keine Erinnerung. Lediglich sein Bruder hatte ihm versichert, dass der Mann gut für ihn sorgen würde, schließlich würden die beiden sich kennen. Sie waren auf die gleiche Schule gegangen und im gleichen Alter.
 

Er überlegte weiter, ob er ihn nicht doch schon einmal gesehen hatte, doch sein Bruder schwieg. Vielleicht war es besser so.
 

Dann jedoch betrat ein hochgewachsener Mann den Trausaal, und Darius spürte sofort, dass dieser nicht gerade begeistert wirkte. Sein Herz rutschte ihm in die Hose. Hoffentlich war dieser mies gelaunte Typ nicht auch noch sein zukünftiger Ehemann. Wenn dem so war, würde er wahrscheinlich nur schreien und versuchen zu fliehen. Ein kleines Stück Hoffnung hatte er noch, auch wenn man ihm sein Leben praktisch aus den Händen gerissen und über seinen Kopf hinweg entschieden hatte.
 

„Es tut mir leid. Schneller ging es nicht. Aber meinem Herrn ist etwas dazwischengekommen, und ich bin stellvertretend hier, um die Ehe rechtmäßig zu vollziehen und den jungen Omega zu seinem Mann zu bringen“, erklärte der Mann in einem nüchternen Ton. Darius konnte kaum fassen, was er da hörte. Er musste heiraten, obwohl sein Ehemann nicht einmal anwesend war. Das konnte er nicht glauben.
 

Gerade als er den Mund öffnen wollte, kam ihm der Pastor zuvor.
 

„Ach, das kennen wir doch. Da ich die Unterschrift von Mr. McKinley bereits habe, gibt es keinen Grund, die Hochzeit zu verschieben“, sagte der Pastor und klatschte in die Hände.
 

„Nun gut, dann wollen wir mal anfangen.“
 

Der junge Omega musste sich seinem Schicksal ergeben und verschloss seinen Geist. Er ertrug die Vermählung stillschweigend und sagte nur das eine Wort, als er an der Reihe war. Alles andere zog an ihm vorbei, wie in Zeitlupe, als wäre er in Trance.
 

Er wusste nun, dass er nicht länger Darius Green, sondern Darius McKinley war – und dass er sich gleich von seinem Bruder verabschieden müsste. Was er nicht wollte und was er nicht konnte. Doch so war es nun einmal. Einer arrangierten Hochzeit konnte man nicht entkommen, ohne den Ruf und das Ansehen zu gefährden.
 

Für Darius war es jedoch keine arrangierte Ehe, sondern eine Zwangsehe. Er war nie gefragt worden, es war einfach über seinen Kopf hinweg entschieden worden.
 

Er seufzte, fasste sich und sah seinem Bruder nur mit tränenerfüllten Augen an, als dieser ihn in eine Umarmung zog.
 

„Es wird alles gut, kleiner Bruder. Du wirst schon sehen“, sagte er, bevor er sich von ihm löste und nur noch zusah, wie Darius zu einer Limousine gebracht wurde, die ihn fortfuhr. Warum auch immer, er hatte das Gefühl, seinen kleinen Bruder nie wiederzusehen…

Kapitel 1

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Damian war alles andere als begeistert, als er erfuhr, dass der kleine Bruder seines besten Freundes sein zukünftiger Ehemann werden sollte. Er hatte versucht, gegen diese Entscheidung zu rebellieren, doch das Schicksal schlug mit voller Härte zu, als seine Eltern bei einem tragischen Autounfall ums Leben kamen. Zwar vermutete er einen Komplott, doch beweisen konnte er nichts. So blieb ihm – genauso wie dem jungen Darius – keine andere Wahl, als sich in die arrangierte Ehe zu fügen. Begeistert war er davon ebenso wenig. Doch der Zusammenschluss sollte die beiden Familien stärken, und das war offenbar wichtiger als persönliche Wünsche.
 

Jetzt tigerte er nervös in seinem Büro auf und ab, während er auf seine „Braut“ wartete, wie seine Männer es spöttisch nannten. Es ärgerte ihn maßlos. Ein einziges Mal hatte er den Jungen gesehen, damals war Darius sechs Jahre alt gewesen und war seinem großen Bruder strahlend in die Arme gesprungen. Es war ein süßer Moment gewesen, und Damian hatte bereits damals geahnt, dass an Darius etwas Besonderes war.
 

Diese Ahnung hatte sich bestätigt, als sein bester Freund ihm offenbarte, dass Darius ein Omega war. Wirklich überrascht war Damian nicht. Schon damals war der Junge zierlich und wirkte gesundheitlich angeschlagen, doch er strahlte gleichzeitig eine erstaunliche Stärke und Selbstbewusstsein aus. Immerhin genoss er eine gute Ausbildung – eine, die er als Damians Ehemann wohl nicht mehr brauchen würde. Damian wusste, dass Darius deswegen rebellieren könnte, aber er hatte sich längst entschieden, ihn zu beschützen.
 

Damian hatte gehört, dass Darius kurz vor seiner ersten Hitze stand. Diese würde durch den ersten Sex ausgelöst werden und Darius in die Lage versetzen, Kinder zu empfangen und auszutragen. Natürlich hatte Damian sich vorgestellt, eines Tages eigene Kinder zu haben, doch eigentlich wollte er selbst bestimmen, wann und mit wem.
 

Trotzdem war er entschlossen, sich gut um Darius zu kümmern. Er wusste jedoch nicht, wie der Junge jetzt aussah. Sein bester Freund hatte lediglich gesagt, er solle sich überraschen lassen – Darius sei alles andere als hässlich. Damian erinnerte sich daran, dass der Junge damals nichts Abstoßendes oder Ekliges an sich hatte. Im Gegenteil, er vermutete, dass Darius mittlerweile sehr attraktiv sein musste und Männer reihenweise in seinen Bann ziehen könnte.
 

Das allein stellte ein Problem dar. Sollte dies tatsächlich der Fall sein, würde Damian alles tun, um seinen Mann zu schützen – selbst wenn es ihn das Leben kosten sollte.
 

Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass die Trauung vor Stunden vorbei war. Bald würde sein Gemahl eintreffen. Damian verließ sein Büro und begab sich in die große Vorhalle, wo auch seine Männer warteten, um den Neuankömmling zu sehen. Der Gedanke, dass sie Darius vielleicht zu lange anstarren könnten, gefiel ihm gar nicht, doch er konnte es ihnen kaum verübeln.
 

Gerade als er das entfernte Brummen der Limousine hörte, die vor dem Anwesen hielt, meldete sein Beta sich zu Wort:

„Herr, euer Mann ist zuhause.“ Der abfällige Unterton in seiner Stimme war nicht zu überhören, doch Damian ließ es unkommentiert.
 

Seine volle Aufmerksamkeit galt nun Darius, der schüchtern, aber mit erhobenem Haupt in die Halle trat. Er ging langsam auf Damian zu und blieb schließlich einen Meter vor ihm stehen. Damian war sprachlos. Seine Vermutung hatte sich bestätigt: Darius war die pure Sünde in Person. Und doch schien er sich dessen nicht einmal bewusst zu sein…

Kapitel 2

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Darius war sprachlos, als er Damian erblickte. Nie hätte er gedacht, dass der beste Freund seines Bruders nun sein Ehemann sein würde.
 

Damals, als er Damian zum ersten Mal mit seinen unschuldigen sechs Jahren gesehen hatte, hatte er ihn bereits anziehend gefunden. Jetzt aber war Damian die pure Verkörperung von Sünde – eine Versuchung auf zwei Beinen. Der Traum eines jeden Omegas, selbst seines.
 

Er erinnerte sich an einen Moment in seiner Pubertät, als er seinen Bruder und Damian zusammen gesehen hatte. In diesem Augenblick hatte er sich Hals über Kopf in ihn verliebt. Doch das bedeutete nicht, dass er diese Ehe akzeptieren würde. Niemals.
 

Darius hatte viel zu hart für seine Freiheit gekämpft, um sie jetzt einfach aufzugeben.
 

Er hatte Gerüchte über den Clan gehört, dem er nun angehörte. Diese Männer waren bekannt dafür, besitzergreifend zu sein. Als Omega hatte man dort zwar einen hohen Stellenwert, doch Freiheit war ein Luxus, den man sich nicht erlauben konnte. Man musste tun, was der Alpha verlangte – und das widerstrebte Darius zutiefst.
 

Er liebte seine Freiheit und würde sie nicht so leicht aufgeben. Er wusste, dass er standhaft bleiben musste, auch wenn es schwierig werden würde, Damian zu widerstehen. Der Gedanke, dass sein Ehemann notfalls schmutzige Tricks anwenden könnte, um ihn ins Bett zu bekommen, erfüllte ihn mit Unbehagen.
 

Darius hatte keinen Wunsch, schwanger zu werden oder Kinder zu bekommen – selbst wenn es seine Aufgabe als Omega war. Er hatte sich längst über Verhütungsmöglichkeiten informiert und wusste, dass sein Arzt, zufällig einer seiner älteren Brüder, ihn dabei unterstützen würde.
 

Warum er unter all seinen Geschwistern der einzige Omega sein musste, wusste er nicht – vielleicht wollte er es auch gar nicht wissen.
 

Das Schicksal mochte es nicht gut mit ihm meinen, aber Darius war entschlossen, das Beste daraus zu machen.
 

Er bemerkte erst spät, dass er angesprochen wurde.
 

„Du bist also Dustins kleiner Bruder? Hast dich gut gemacht“, kam es sarkastisch von Damian.
 

Darius zog die Brauen zusammen. „Hast du ein Problem damit?“ Seine Stimme war scharf – er hasste es, herablassend behandelt zu werden, selbst von einem Alpha.
 

„Das habe ich nicht gesagt“, konterte Damian gelassen.
 

Die Schlagfertigkeit gefiel Darius, doch er ließ sich nichts anmerken. „Und du bist wohl der beste Freund meines Bruders. Wer hätte das gedacht.“ Seine Worte waren kühl, während er die Blicke von Damians Männern bemerkte, die ihn musterten, als wäre er ein Stück Beute.
 

„Braucht ihr Passbilder, oder warum starrt ihr so? Eure Sabber kann man bis hierher sehen. Widerlich!“ Angenervt wandte er sich wieder Damian zu.
 

„Na toll, wo bin ich hier nur gelandet?“, murmelte er, während er sich die Arme rieb. Ihm war kalt, wie so oft. Seit seiner Kindheit war er kränklich, aber das hatte ihn nie daran gehindert, weiterzumachen.
 

„Jedenfalls, willkommen. Komm…“, sagte Damian und streckte ihm die Hand entgegen. „Ich zeige dir, wo du schlafen kannst. Die Fahrt war sicher anstrengend.“
 

Darius zögerte. Eigentlich wollte er sich nicht die Blöße geben, nachzugeben, doch die Erschöpfung war stärker. Schließlich ergriff er die Hand.
 

Die Wärme, die von Damians Hand ausging, durchzog seinen Körper wie ein Blitz, und für einen Moment zuckte er zusammen. Die Anziehungskraft, die Damian auf ihn hatte, irritierte ihn zutiefst, doch er ließ sich nichts anmerken und folgte ihm.
 

Er war erleichtert, den Blicken der anderen Männer zu entkommen, die ihn bis ins Mark anwiderten.
 

„Danke“, murmelte er leise.
 

„Wofür? Es ist selbstverständlich. Du bist mein Mann. Auch wenn wir beide diese Ehe nicht wollten, müssen wir uns arrangieren, meinst du nicht?“
 

Darius blinzelte überrascht. Damian wollte die Ehe also ebenfalls nicht? Gut zu wissen! Vielleicht konnte er daraus etwas machen.
 

„Lass uns später darüber sprechen. Ich will mich nur hinlegen.“ Die Kopfschmerzen und das leichte Fieber machten ihm zu schaffen.
 

Doch bevor er noch einen Schritt weitergehen konnte, wurde ihm schwarz vor Augen.
 

Gerade rechtzeitig fing Damian ihn auf. „Vorsicht“, murmelte er, hob Darius in die Arme und trug ihn ins Schlafzimmer.
 

„Ist das bei dir immer so?“
 

Darius nickte schwach. „Leider. Ich war schon immer kränklicher als andere Omegas. Mein Vater meinte, ich sei ihm ähnlich. Er sagte einmal, ich sehe aus wie er.“
 

Damian schüttelte nur leicht den Kopf, als er die Tür zum Schlafzimmer öffnete und Darius auf das Bett legte.
 

„Was machst du?“, murmelte Darius, als er spürte, wie Damian ihn auszog.
 

„Du bist nicht einmal in der Lage, deine Augen offen zu halten. Da lasse ich dich sicher nicht in deinen Klamotten schlafen“, erwiderte Damian streng.
 

Darius schnaubte leise, ließ es aber geschehen. Schließlich spürte er eine sanfte Berührung über seinem Gesicht, bevor Damians Stimme an sein Ohr drang.
 

„Schlaf erst mal.“
 

Und kurz bevor Darius in den Schlaf glitt, hörte er Damians leise Worte: „Du bist die pure Sünde, Darius. Aber ich glaube, das weißt du nicht mal.“

Kapitel 3

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Nachdem Damian die Tür hinter sich geschlossen hatte, atmete er tief durch. Das würde noch interessant werden. Die verstohlenen Blicke seiner Männer auf Darius hatten ihn selbst gestört, und er konnte Darius’ Abneigung dagegen gut verstehen. Dieses Verhalten musste er dringend ansprechen. Entschlossen begab er sich zurück in die Vorhalle, wo die Männer noch immer standen, und räusperte sich laut.
 

„Was, zum Teufel, hat euch geritten, meinen Mann so anzustarren?“ Seine Stimme war schneidend, und sein ernster Blick ließ keinen Widerspruch zu. „Darius ist ein Mensch, kein Objekt. Und er ist mein Mann.“
 

Die Männer senkten betreten die Köpfe, keiner wagte, etwas zu erwidern. Damian war noch nicht lange Alpha, doch in solchen Momenten wurde klar, dass er die Stärke und Präsenz seines Vaters geerbt hatte. Zufrieden, zumindest fürs Erste, wandte er sich um und verschwand mit festen Schritten in sein Büro, wo er die Tür hinter sich zuschlug. Der Knall hallte durch das Haus und sorgte dafür, dass die Männer sich zerstreuten – alle bis auf Thomas Roberts, seinen Beta. Thomas begab sich stattdessen in die Küche, wohlwissend, dass Darius nach dem Aufwachen sicher hungrig sein würde.
 

Damian hingegen griff zum Telefon. Mit kalter Effizienz rief er bei der Arbeitsstelle seines Mannes an. „McKinley hier. Darius wird ab sofort nicht mehr zur Arbeit kommen. Er ist nun verheiratet und hat bei mir alles, was er braucht.“ Ohne eine Antwort abzuwarten, legte er auf. Er wusste, dass Darius darüber nicht erfreut sein würde. Doch es ging darum, ihn zu schützen – und Damian würde alles tun, um das zu gewährleisten.
 

Unsicher, wie er Darius davon überzeugen sollte, beschloss Damian, seinen besten Freund Dustin anzurufen. Als dieser abhob, wurde er wie erwartet direkt begrüßt: „Na, war die Überraschung gelungen?“ Kein „Hallo“, kein „Wie geht’s?“. Das war so typisch Dustin.
 

„Mehr als das,“ antwortete Damian. „Aber ich brauche deinen Rat. Wie bringe ich deinem Bruder bei, dass er seine Ausbildung nicht mehr weitermachen kann?“
 

„Versuch es erst gar nicht,“ erwiderte Dustin trocken. „Darius ist stur. Er lässt sich nichts verbieten, egal ob von dir als Alpha oder Ehemann. Und die Kinder brauchen ihn – sie vergöttern ihn.“

Damian seufzte. Das hatte er befürchtet. Doch die Situation war ernst, und er musste Dustin das klarmachen. „Ich verstehe das, aber ich kann es nicht zulassen. Hier geht etwas nicht mit rechten Dingen zu. Und ich will nicht, dass er den Blicken meiner Männer ausgesetzt ist.“
 

„Ich verstehe. Ich rede mit ihm, aber mehr kann ich nicht tun.“
 

„Danke, das reicht erst mal.“ Mit einem leichten Lächeln legte Damian auf. Doch seine Gedanken kehrten immer wieder zu Darius zurück – und zur Herausforderung, die ihn erwartete.
 

Damian setzte sich an seinen Schreibtisch und versuchte, sich auf seine Arbeit zu konzentrieren, doch seine Gedanken schweiften immer wieder zu Darius ab. Der Gedanke an die bevorstehenden Flitterwochen brachte ihn zum Schmunzeln, auch wenn er wusste, dass sein Mann alles andere als begeistert von den plötzlichen Veränderungen sein würde.

Darius war ein Freigeist – und Damian würde Geduld brauchen, um ihn von seinen Plänen zu überzeugen.

Während er in Unterlagen vertieft war, hörte er ein zaghaftes Klopfen an der Tür. Beim zweiten Mal hob er den Kopf und wusste sofort, wer davorstand.
 

„Darf ich eintreten?“ Die sanfte, unsichere Stimme ließ keinen Zweifel.
 

„Komm rein, Aiden,“ sagte Damian und schenkte dem jungen Mann ein aufmunterndes Lächeln.

Aiden trat ein, doch sein Blick war gesenkt, und seine Stimme zitterte leicht. „Stimmt es? Du bist verheiratet? Was wird jetzt aus uns?“
 

Damian stand auf und trat zu ihm. Mit einer sanften Geste strich er Aiden über die Wange. „Du wirst immer einen Platz in meinem Leben haben. Das verspreche ich dir. Aber die Dinge ändern sich. Darius ist jetzt meine Priorität, und ich werde alles tun, um ihn zu beschützen.“
 

Aiden nickte, doch die Enttäuschung war ihm anzusehen. Tränen schimmerten in seinen Augen, und ehe Damian etwas sagen konnte, wandte sich Aiden abrupt um und verließ das Büro.

Verwirrt und ein wenig schuldbewusst blieb Damian zurück. Er war sich nicht sicher, ob er die richtigen Worte gefunden hatte. Noch bevor er darüber nachdenken konnte, hörte er ein leises Lachen von der Tür.
 

„Will… Was machst du hier?“ Damian runzelte die Stirn, als er seinen Bruder erblickte.

William lehnte lässig im Türrahmen, ein amüsiertes Lächeln auf den Lippen. „Nichts. Ich finde es nur interessant, dass du es geschafft hast, Aiden zum Weinen zu bringen. So etwas hat bisher noch niemand geschafft.“
 

„Ich habe ihm lediglich erklärt, dass er für mich Tabu ist,“ erwiderte Damian knurrend. Er hatte keine Geduld für Williams Andeutungen.

William hob beschwichtigend die Hände. „Schon gut, schon gut. Ich wollte nur sicherstellen, dass mit Aiden alles in Ordnung ist. Du weißt, er bedeutet mir viel.“

Damian schmunzelte leicht. Ihm war nicht entgangen, wie wichtig Aiden für William war, auch wenn sein Bruder das selbst noch nicht zu merken schien. Doch er entschied, nichts dazu zu sagen.
 

„Wenn du nichts weiterwillst, würde ich gerne weiterarbeiten, bis Darius wieder wach ist.“
 

„Nein, ich bin schon weg.“ William hob zum Abschied die Hand und verließ das Büro.
 

Erleichtert schloss Damian die Tür hinter ihm. Endlich hatte er etwas Ruhe – zumindest hoffte er das. Der Einzige, der ihn jetzt noch stören dürfte, war Darius. Doch der schlief, und Damian wollte ihm die Zeit lassen, sich auszuruhen…

Kapitel 4

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Damian nahm seine Arbeit wieder auf und vertiefte sich in die Papiere vor ihm. Er war froh, endlich etwas Ruhe zu haben, doch seine Gedanken schweiften immer wieder ab. Der Gedanke, dass Darius vielleicht aufwachen und nach ihm suchen könnte, brachte ihn unwillkürlich zum Schmunzeln. Sein Mann hatte eine hartnäckige, neugierige Art, die ihn gleichermaßen faszinierte und zur Verzweiflung brachte.
 

Während er in einem Bericht las, hörte Damian plötzlich leise Schritte im Flur. Er wusste sofort, dass es Darius war. Es war erstaunlich, wie schnell er sich an die Anwesenheit seines Partners gewöhnt hatte, so als hätte sie immer dazugehört.
 

Ein sanftes Klopfen ertönte an der Tür. Damian hob den Kopf und rief: „Komm rein.“
 

Die Tür öffnete sich langsam, und Darius trat ein. Sein Gesicht wirkte noch etwas verschlafen, aber seine Augen funkelten neugierig. „Ich hoffe, ich störe nicht,“ sagte er leise, während er Damian ansah.
 

„Du störst nie,“ erwiderte Damian und stand auf. Er trat zu Darius, nahm dessen Hand und führte ihn zu einem der bequemen Sessel vor dem Schreibtisch. „Setz dich. Hast du dich gut ausgeruht?“
 

Darius nickte, musterte ihn aber misstrauisch. „Was hast du vor? Du siehst aus, als führest du etwas im Schilde.“
 

Damian lachte leise. „Ich habe nichts vor, außer sicherzustellen, dass es dir gut geht. Wie fühlst du dich?“
 

Darius zuckte mit den Schultern. „Besser, denke ich. Aber ich bin nicht wirklich jemand, der den ganzen Tag im Bett liegen kann.“
 

„Das habe ich gemerkt,“ sagte Damian mit einem Augenzwinkern. „Aber du brauchst Ruhe. Die Reise war anstrengend, und ich möchte nicht, dass du dich übernimmst.“
 

Darius lehnte sich in den Sessel zurück, doch seine Miene blieb skeptisch. „Du klingst, als würdest du etwas vor mir verbergen.“
 

Damian seufzte. „Ich habe heute mit deiner Arbeitsstelle telefoniert. Ich habe ihnen gesagt, dass du nicht mehr zurückkommst.“
 

Darius setzte sich kerzengerade auf, seine Augen weiteten sich vor Überraschung – und Empörung. „Was? Warum? Das kannst du nicht einfach entscheiden!“
 

„Ich weiß, dass dir deine Arbeit wichtig ist,“ begann Damian, bemüht, ruhig zu bleiben. „Aber ich muss dich beschützen. Es gibt Dinge, die du noch nicht verstehst, und ich kann dich nicht unnötig in Gefahr bringen.“
 

„Gefahr?“ Darius stand auf und verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich bin nicht aus Glas, Damian. Ich kann auf mich selbst aufpassen.“
 

„Ich weiß, dass du stark bist,“ sagte Damian sanft. „Aber hier geht es nicht nur um dich. Es geht auch um uns. Ich werde alles tun, um dich zu beschützen, Darius. Bitte, vertrau mir.“
 

Darius hielt inne, sein Blick war eine Mischung aus Wut und Verwirrung. Er wusste, dass Damian es gut meinte, doch es fiel ihm schwer, die Kontrolle über sein Leben aus den Händen zu geben.

„Ich brauche Zeit, um das zu verdauen,“ murmelte er schließlich und drehte sich zur Tür. „Ich gehe eine Runde spazieren.“
 

Bevor Damian ihn zurückhalten konnte, war Darius bereits aus dem Zimmer verschwunden. Damian blieb stehen und atmete tief durch. Er wusste, dass es nicht einfach werden würde, Darius von seiner Entscheidung zu überzeugen. Aber er war entschlossen, es zu versuchen – egal, wie lange es dauern würde.
 

Darius marschierte schnellen Schrittes durch die langen Flure des Hauses, seine Gedanken wirbelten wild durcheinander. Er verstand Damians Beweggründe, aber das nahm ihm nicht das Gefühl, dass man ihm etwas Essenzielles weggenommen hatte. Seine Arbeit mit den Kindern war mehr als nur ein Job – es war sein Lebensinhalt, seine Verbindung zur Welt.

Er öffnete eine Tür, die in den Garten führte, und trat in die kühle Luft hinaus. Der leichte Wind beruhigte ihn etwas, doch die Wut in seiner Brust blieb. Er begann, ziellos durch den weitläufigen Garten zu gehen, bis er schließlich an einem kleinen Teich stehen blieb. Das Wasser war ruhig, die Oberfläche spiegelte den Himmel wider, und für einen Moment ließ Darius seine Gedanken ziehen.
 

„Es ist wunderschön hier, nicht wahr?“
 

Die Stimme ließ ihn zusammenzucken, und er drehte sich um. Aiden stand einige Meter entfernt, die Hände in den Taschen seiner Jacke vergraben. Seine Augen wirkten unsicher, als er vorsichtig nähertrat.
 

„Ich wollte nicht stören,“ fügte Aiden hinzu, als er den Ausdruck in Darius’ Gesicht sah.
 

Darius seufzte und wandte sich wieder dem Teich zu. „Du störst nicht. Ich musste nur mal raus.“
 

Aiden trat näher, blieb aber auf Abstand. „Damian hat wohl wieder versucht, seinen Willen durchzusetzen, oder?“
 

Darius hob eine Augenbraue. „Wie kommst du darauf?“
 

Ein schwaches Lächeln huschte über Aidens Gesicht. „Er ist mein Alpha. Das ist sein Stil. Er entscheidet etwas und erwartet, dass alle folgen. Aber er meint es gut – meistens.“
 

„Gut gemeint oder nicht, es fühlt sich an, als würde er mir die Kontrolle über mein Leben nehmen,“ sagte Darius, die Wut in seiner Stimme kaum unterdrückend.
 

„Er hat Angst,“ sagte Aiden leise, seine Augen auf den Boden gerichtet. „Damian hat mehr durchgemacht, als die meisten wissen. Er hat gelernt, dass er diejenigen, die ihm wichtig sind, beschützen muss – egal, was es kostet. Weil er dich liebt.“
 

Darius lachte trocken und schüttelte den Kopf. „Liebt mich? Wir kennen uns kaum. Wir haben uns zweimal gesehen, bevor wir verheiratet wurden. Du willst mir doch nicht ernsthaft erzählen, dass so etwas wie Liebe in dieser kurzen Zeit entstehen kann.“
 

Aiden zuckte leicht zusammen, überrascht von Darius’ scharfer Reaktion. „Ich… ich wollte nur sagen, dass Damian anders handelt, wenn ihm jemand wichtig ist.“
 

„Dann sollte er das vielleicht zeigen, indem er mich respektiert und nicht wie eine Schachfigur behandelt,“ entgegnete Darius kühl und verschränkte die Arme.
 

Aiden sah ihn unsicher an, bevor er leise sagte: „Ich glaube, Damian versucht einfach, es richtig zu machen. Vielleicht… vielleicht solltest du ihm sagen, wie du dich fühlst.“
 

Darius schnaubte und wandte sich wieder dem Teich zu. „Ich bezweifle, dass er das Verstehen würde. Aber danke für den Rat.“

Aiden nickte, sagte aber nichts mehr. Stattdessen wandte er sich ab und ging zurück ins Haus. Darius blieb allein zurück, den Blick auf die spiegelglatte Wasseroberfläche gerichtet.
 

Seine Gedanken rasten. War er zu hart zu Aiden gewesen? Vielleicht. Doch die Behauptung, Damian würde ihn lieben, fühlte sich so absurd an, dass er sie nicht unkommentiert lassen konnte. Liebe brauchte Zeit – und die hatten sie nicht gehabt.

Als er sich schließlich wieder auf den Weg ins Haus machte, wusste er, dass er Damian zur Rede stellen musste. Aber die Wut in seiner Brust machte es schwer, seine Worte zu ordnen.

Er wusste, dass er und Damian ein klärendes Gespräch führen mussten – und diesmal würde er dafür sorgen, dass auch seine Stimme gehört wurde…

Kapitel 5

++++
 

Darius stand noch immer im Garten, die kühle Luft half ihm, seine Gedanken zu ordnen. Obwohl er sich auf den Weg zu seinem Mann gemacht hatte. Etwas hatte ihn gestoppt, weswegen er ihm Garten geblieben war. Die Begegnung mit Aiden hatte ihn aufgewühlt, mehr, als er erwartet hatte. Sein Kopf war voller Fragen, die keine Antworten fanden. Was bedeutete das alles? Damian kannte ihn kaum, und doch war er jetzt hier, in diesem fremden Haus, in einem Leben, das sich wie ein Käfig anfühlte.

Damian hatte ihn vom Fenster aus beobachtet, da er sich Sorgen gemacht hatte, bevor er hinausging und sich zu ihm stellte. Seine Präsenz war spürbar, auch wenn er nichts sagte. Schließlich brach er die Stille.
 

„Hast du etwas auf dem Herzen, Darius?“ Seine Stimme war ruhig, aber es lag ein Hauch von Strenge darin, der Darius nicht entging.
 

Darius schnaubte leise und drehte sich zu ihm um. „Fragst du das, weil es dich interessiert, oder weil du kontrollieren willst, was ich denke?“
 

Damian zog eine Augenbraue hoch. „Was soll das bedeuten?“
 

Darius stand auf, die Wut in ihm brodelte nun sichtbar, auch wenn er noch nicht einmal Zwölf Stunden in seinem Haus war. „Es bedeutet, dass ich es satthabe, behandelt zu werden, als wäre ich nur ein weiteres Besitztum in deinem Leben. Dein Haus, deine Männer, dein Name – und jetzt auch noch ich? Was kommt als Nächstes? Willst du mir auch noch vorschreiben, was ich fühlen soll?“
 

Damians Augen verengten sich. „Ich versuche, dich zu schützen, Darius. Die Welt ist gefährlich, und es ist meine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass dir nichts passiert. Du bist mein Mann – ob du das willst oder nicht.“
 

„Genau das ist das Problem!“ Darius' Stimme wurde lauter. „Ich bin nicht dein. Ich bin ein Mensch, Damian, keine Sache, die du dir einfach nehmen kannst, nur weil sie dir zusteht!“ Darius war wütend. Wütend über sich, über alles. Über diese Zwangsehe, die er niemals hatte haben wollen.
 

Damian spürte, wie die Kontrolle über die Situation ihm entglitt. Sein Blick wurde härter. „Das ist nicht, was ich meine. Du bist meine Verantwortung, und ich werde nicht zulassen, dass dir etwas passiert. Ob dir das passt oder nicht, spielt keine Rolle.“ Es kam ihm so vor. Als würde sein Mann einfach nicht verstehen, was er war und welche Verantwortung er hatte.
 

Darius lachte bitter. „Verantwortung? Nenn es doch, wie es ist: Besitz. Du willst mich kontrollieren, Damian, nicht beschützen. Und weißt du was? Das ist keine Liebe, das ist Arroganz.“
 

Damian erstarrte. „Ich habe nie behauptet, dass ich dich liebe, Darius. Wir kennen und nicht einmal Sechs Stunden. Da nenne ich es nicht Liebe.“ Seine Worte waren kalt, fast wie ein Schlag ins Gesicht. „Aber ich respektiere, was wir hier haben. Und ich werde es schützen, koste es, was es wolle.“
 

Darius wich einen Schritt zurück, als hätte ihn die Wahrheit dieser Worte körperlich getroffen. „Das ist also alles, was ich für dich bin? Etwas, das beschützt werden muss, wie eine Trophäe in deinem Regal?“
 

„Hör auf, alles so zu verdrehen! Ich tue, was nötig ist, um uns beide zu sichern. Vielleicht begreifst du das irgendwann.“ Damian klang frustriert, doch in seinen Augen flackerte etwas, das Darius nicht einordnen konnte. Was er nicht verstehen konnte!

Für einen Moment standen sie sich nur gegenüber, die Kluft zwischen ihnen größer denn je. Schließlich drehte Darius sich um und ging ohne ein weiteres Wort in Richtung des Hauses.

Damian blieb zurück und starrte ihm nach, seine Hände zu Fäusten geballt. Der Konflikt zwischen Besitz und Schutz, zwischen Pflicht und Freiheit – es war ein Kampf, den er mit sich selbst austragen musste. Aber er hatte das Gefühl, dass er Darius in diesem Moment vielleicht endgültig verloren hatte.
 

Darius zog sich in der Zwischenzeit in ein Zimmer zurück, was er gefunden hatte und dass er für sich beansprucht hatte. Die Wut und die Frustration, die ihn draußen übermannt hatten, brannten noch immer in seiner Brust. Er musste mit jemandem sprechen, jemandem, der ihn verstand – Dustin.

Er schnappte sich sein Handy und wählte die Nummer seines Bruders. Es dauerte nur wenige Sekunden, bis Dustin abhob.
 

„Hey, Kleiner! Wie geht’s dir? Eingewöhnt im neuen Palast?“ Dustins Stimme klang wie immer leichtfüßig, aber Darius konnte den Hauch von Sorge darin heraushören.
 

„Das hier ist kein Palast, Dustin. Es ist ein Gefängnis.“ Darius’ Stimme zitterte vor unterdrückten Emotionen. „Ich brauche deine Hilfe. Hol mich hier raus.“
 

„Was ist los? Hat Damian dir etwas getan?“ Schlagartig war die Leichtigkeit aus Dustins Stimme verschwunden, ersetzt durch einen scharfen Ton der Besorgnis.
 

„Er hat nichts getan, was du als Gewalt bezeichnen würdest.“ Darius schnaubte. „Aber er kontrolliert alles. Er hat mich meiner Ausbildung beraubt, entscheidet über mein Leben und behauptet, es sei zu meinem Schutz. Ich kann das nicht, Dustin. Ich will das nicht!“
 

Dustin seufzte schwer. „Darius, ich verstehe, wie du dich fühlst. Wirklich. Aber Damian ist nicht nur dein Ehemann, er ist auch dein Alpha. Er hat das Recht –“
 

„Nein, er hat kein Recht!“ Darius schnitt ihm das Wort ab, seine Stimme bebend vor Emotion. „Ich bin ein Mensch, Dustin, nicht sein Besitz! Du musst mich da rausholen, ich flehe dich an.“
 

Eine lange Pause entstand am anderen Ende der Leitung. Schließlich sprach Dustin, seine Stimme leiser und schwer vor Bedauern. „Darius, ich wünschte, ich könnte dir helfen. Aber ich kann nicht. Damian ist jetzt dein Alpha, und das bedeutet, dass ich mich nicht einmischen darf. Du weißt das genauso gut wie ich.“
 

„Also lässt du mich einfach hängen?“ Darius’ Stimme brach, und er biss sich auf die Lippe, um die Tränen zurückzuhalten.
 

„Ich lasse dich nicht hängen.“ Dustins Ton war ernst, fast flehend. „Aber du musst lernen, mit Damian zu reden. Ihr beide seid jetzt ein Team, und du musst ihm klar machen, was du fühlst. Ich kann das nicht für dich tun.“
 

Darius sank auf das Bett, seine Schultern bebend. „Er hört nicht zu, Dustin. Für ihn bin ich nichts weiter als etwas, das er beschützen muss, wie eine… eine Trophäe!“
 

„Ich kenne Damian schon lange, Darius.“ Dustins Stimme wurde sanfter. „Er ist nicht der Typ, der andere einfach als Besitz ansieht. Vielleicht zeigt er es nicht, aber ich glaube, er versucht nur, das Richtige zu tun. Gib ihm die Chance, dir zu beweisen, dass er es besser kann.“
 

„Und was, wenn er das nicht kann?“ flüsterte Darius.
 

„Dann kämpfst du, Kleiner. So wie du es immer getan hast. Aber versprich mir, dass du es zuerst mit Reden versuchst.“
 

Darius schwieg lange, bevor er schließlich nickte, obwohl Dustin das nicht sehen konnte. „Ich versuch's. Aber ich verspreche nichts.“
 

„Das reicht mir fürs Erste. Und wenn du wirklich gar nicht weiterkommst, ruf mich an. Egal wann, okay?“
 

„Okay.“

Das Gespräch endete, und Darius blieb allein zurück, die Stille des Raums umklammerte ihn wie eine zweite Haut.
 

Später am Abend trat Darius schließlich aus dem Zimmer und fand Damian in seinem Büro, den Blick in einige Dokumente vertieft. Ohne anzuklopfen, trat er ein, seine Haltung angespannt.
 

„Wir müssen reden.“
 

Die Spannung im Raum war greifbar, bereit, die unausgesprochenen Konflikte endlich auszutragen…

Kapitel 6

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Darius stellte sich direkt vor den Schreibtisch, die Hände fest in die Seiten gestemmt, als wollte er Damian zur Rede stellen. Sein Mann sah nur kurz auf, seine dunklen Augen glitten über ihn hinweg wie über eine lästige Ablenkung, bevor er sich wieder den Papieren zuwandte. Doch die Anspannung, die in der Luft lag, ließ selbst den Raum kleiner wirken.
 

„Was willst du, Darius?“ Damian klang ruhig, fast gelangweilt, doch etwas in seiner Haltung verriet eine unterschwellige Wachsamkeit. Vielleicht lag es an der Härte in Darius’ Blick, an der stummen Forderung nach einer Konfrontation, die wie eine greifbare Kraft im Raum stand.
 

Darius’ Lippen zitterten leicht, als er sprach. „Du hast mir alles genommen.“ Seine Stimme war leise, doch jedes Wort war scharf wie ein Messer. „Du hast mich meiner Freiheit beraubt und mich in diese… Situation gezwungen!“
 

Für einen Moment senkte Damian den Kopf, als würde er über die Worte nachdenken. Doch die Wahrheit war, dass auch er in diese Ehe gedrängt worden war. Hätten ihre verstorbenen Eltern nicht so großen Wert auf diese Verbindung gelegt, wären sie beide nie an diesen Punkt gekommen. Und dennoch schien Damian seine Rolle zu akzeptieren – oder sie zumindest zu spielen.

Er legte den Stift beiseite und musterte Darius mit einem kühlen Blick, der mehr Berechnung als Emotion verriet. „Ich habe dich beschützt, Darius. Du bist ein Mensch. Du hast keine Ahnung, was da draußen auf dich lauert.“
 

Darius lachte bitter, eine Mischung aus Frustration und Unglauben. „Und deshalb hast du die Kontrolle übernommen, ohne mich zu fragen, was ich will? Du hast mir keine Wahl gelassen, Damian! Du hast einfach entschieden, was das Beste für mich ist, als wäre ich ein Kind!“ Seine Stimme schwoll an, voller Wut, doch auch von einer unterdrückten Trauer durchzogen.
 

Damian stand langsam auf, sein Körper eine unerschütterliche Wand aus Dominanz, die den Raum noch enger wirken ließ. „Du bist schwach, Darius. Du bist ein Mensch. Schwächer als wir alle. Und du hast nicht das Recht, zu entscheiden, was das Beste für dich ist.“ Seine Stimme war tief, unnachgiebig, und doch schwang ein Hauch von Bedauern darin mit.
 

Darius’ Hände ballten sich zu Fäusten. „Ich bin kein kleines Kind, Damian! Hör auf, mich so zu behandeln, als ob ich nichts wüsste. Du ignorierst, was ich will. Was ich brauche!“
 

„Was du brauchst?“ Damian trat näher, seine Präsenz wie eine unsichtbare Welle, die Darius fast aus dem Gleichgewicht brachte. „Du brauchst Sicherheit. Du brauchst jemanden, der dich führt. Ohne mich bist du ein leichtes Ziel.“ Seine Worte waren ein Befehl, keine Einladung.
 

Darius wich keinen Schritt zurück. „Und was ist mit dem, was ich brauche? Was ich will?“ Seine Stimme zitterte vor Wut, seine Augen funkelten. „Du behandelst mich wie ein Haustier, seit ich hier bin, Damian. Wie etwas, das du besitzen kannst. Aber ich bin kein Besitz!“
 

Damian ließ ein kurzes, humorloses Lachen hören. „Du bist jetzt mein Ehemann, Darius. Das ist mehr als nur ein Wort. Es ist ein Vertrag. Ein Bündnis. Und du wirst lernen, deinen Platz darin zu akzeptieren.“
 

„Ich werde gar nichts lernen!“ Darius’ Stimme überschlug sich, er trat vor und stützte sich mit beiden Händen auf den Schreibtisch, als könnte er ihn zerschlagen. „Ich bin nicht dein Anhängsel. Ich habe nicht darum gebeten, Teil deines Lebens zu sein. Du hast mir die Wahl genommen.“
 

Damian bewegte sich so schnell, dass Darius kaum reagieren konnte. Seine Hand griff nach Darius’ Arm, nicht grob, aber fest genug, um ihn aufzuhalten. „Du verstehst nicht, was hier auf dem Spiel steht“, sagte Damian, seine Stimme jetzt leiser, aber nicht weniger intensiv. „Das hier ist nicht nur eine Ehe. Es ist Macht. Schutz. Und du wirst dich fügen, Darius. Du hast keine andere Wahl.“
 

Darius starrte Damian an, seine Brust hob und senkte sich hektisch, seine Wut war wie ein Sturm, der kaum zu kontrollieren war. „Und wenn ich mich nicht füge?“ Seine Stimme war leiser geworden, beinahe ein Flüstern. „Was passiert, wenn ich gehe?“
 

Damian neigte den Kopf, und ein Lächeln breitete sich auf seinen Lippen aus – dunkel, gefährlich, und doch elektrisierend. „Dann wirst du sehen, wie schnell du zerbrichst. Du bist schwach, Darius. Ohne mich wirst du nichts erreichen. Du brauchst mich, ob du es willst oder nicht.“
 

Für einen Moment herrschte eine bedrückende Stille. Die Worte schienen zwischen ihnen zu hängen, schwer wie Eisenketten. Doch dann riss Darius sich aus Damians Griff, seine Augen glitzerten vor Entschlossenheit. „Ich werde dir beweisen, dass ich mehr bin, als du denkst. Ich werde kämpfen, Damian. Und eines Tages werde ich dich von deinem hohen Ross holen.“
 

Damians Augen verengten sich leicht, und für einen Moment schien es, als wolle er lachen. Doch das Verlangen, das in ihm wuchs, ließ ihn innehalten. Darius’ rebellischer Geist, sein Widerstand – es reizte ihn mehr, als er zugeben wollte. Die Spannung zwischen ihnen war jetzt fast greifbar, eine Mischung aus Wut, Schmerz und etwas anderem, dass keiner von beiden benennen wollte.
 

„Dann zeig es mir, Darius“, murmelte Damian schließlich, seine Stimme so weich wie die Spitze eines Messers. „Zeig mir, was du wirklich bist.“
 

Der Raum war erfüllt von einer unerträglichen Stille, die nur vom schweren Atem der beiden durchbrochen wurde. Darius stand noch immer da, seine Augen funkelten vor Entschlossenheit, während Damian ihn mit einem undefinierbaren Blick musterte – eine Mischung aus Wut, Macht und etwas Unausgesprochenem, das zwischen ihnen brodelte…

Kapitel 7

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Damian, der bemerkte, dass sein Mann auf seine letzten Worte nicht reagierte, knurrte leise. Hatte Darius es wirklich geschafft, nicht nur seinen Zorn zu entfachen, sondern auch eine gefährliche Erregung? Das war eine explosive Mischung.
 

„Du hast keinen blassen Schimmer, wovon du redest“, sagte Damian, seine Stimme rauer, fast bedrohlich. „Du bist mein Mann. Mein Besitz. Und du wirst es verstehen, Darius. Wenn du es jetzt noch nicht begreifst, wirst du es irgendwann tun. Ob du es willst oder nicht.“
 

Darius funkelte ihn an, als könnte er Damian mit seinem Blick durchbohren. „Wie lange wirst du mir noch sagen, was ich zu tun habe? Glaub mir, irgendwann werde ich dich herausfordern. Ich werde nicht einfach nach deiner Pfeife tanzen, nur weil du mein Mann bist.“
 

Die Wut, die in Darius brodelte, war nicht nur der Widerstand gegen Damians Worte, sondern auch ein Mangel an Verständnis für das, was der Alpha von ihm wollte. Aufgewachsen in einer behüteten Welt, kannte Darius nur die Hierarchien seines verstorbenen Vaters und seines Bruders. Was Damian verlangte, war ihm fremd und daher stieß es ihn so sehr ab. Die Vorstellung, dass sein Leben fortan von dieser Kontrolle bestimmt sein sollte, widerstand er mit jeder Faser seines Körpers.
 

Damian trat einen Schritt auf ihn zu, die Luft zwischen ihnen flimmerte, geladen mit ungesagten Worten und unerwünschtem Verlangen. Er griff Darius grob am Arm, zog ihn mit einem Ruck näher, sodass ihre Körper fast verschmolzen. Der heiße Atem des anderen brannte auf seiner Haut. „Du wirst mir gehorchen, Darius. Und du wirst es lieben. Wenn nicht jetzt, dann später. Du wirst mich brauchen. Ich werde dich brauchen.“
 

Darius versuchte, sich zu befreien, doch der Griff von Damian war unerbittlich. Es war, als hätte der Alpha eine Macht über ihn, die ihn lähmte. Der Körper des jüngeren Mannes reagierte unwillkürlich auf die Nähe, ein Zittern, das er nicht kontrollieren konnte, als ihre Blicke sich trafen.
 

„Du hast keinen blassen Schimmer, was du hier anrichtest“, flüsterte Darius, die Stimme rau und gedämpft, doch in seinen Augen brannte ein Feuer, das er selbst nicht ganz verstand. Es war eine Mischung aus Zorn und etwas anderem, einem Verlangen, das in den tiefsten Winkeln seines Herzens glühte, ohne dass er wusste, wie er es benennen sollte.
 

„Oh, ich weiß genau, was ich tue“, erwiderte Damian, seine Hand glitt über Darius’ Oberarm, strich über den warmen Stoff seines Hemdes und verharrte knapp unter den Knöpfen. „Du bist mein Ehemann. Du gehörst mir, Darius. Und du wirst diese Hochzeitsnacht spüren. Du wirst es in jeder Faser deines Körpers fühlen.“
 

Darius starrte ihn an, als versuche er, den Moment zu begreifen, die Worte, die in seinem Kopf rasten, prallten gegen seine Wut, aber auch gegen etwas anderes, gegen ein unbestimmtes Verlangen, das er noch nicht fassen konnte.
 

„Ich habe keine Wahl, oder?“ flüsterte Darius, mehr zu sich selbst als zu Damian, doch der Alpha hörte die Worte und zog ihn noch enger an sich. Die Spannung in der Luft wurde beinahe unerträglich.
 

„Keine Wahl“, murmelte Damian, sein Atem schwer und gleichmäßig. Seine Hand glitt weiter über Darius’ Schulter, streifte dabei seinen Nacken, was den jüngeren Mann unwillkürlich zittern ließ. „Du wirst mir gehören. In jeder Hinsicht.“
 

Ein Moment der Stille, in dem nur das Rascheln der Atemzüge und das Dröhnen ihrer Herzen zu hören war. Darius’ Gesicht war ein Spiegel aus Wut und Unsicherheit, doch etwas anderes schlich sich ein. Etwas, das ihm gleichermaßen verlockend wie beängstigend war.
 

„Damian…“, begann Darius, doch die Worte versagten ihm. Was geschah hier? Warum ließ er sich von diesem Mann so fesseln? Es war mehr als nur die physische Nähe – es war ein Ringen um Kontrolle und Verlangen, das er nicht verstehen konnte.
 

Damian schien es zu spüren, ein fast triumphierendes Lächeln huschte über seine Lippen, als er den Kopf leicht neigte. „Du hast nie wirklich eine Wahl gehabt, Darius. Du bist mein Ehemann. Und du wirst lernen, was das bedeutet.“
 

In diesem Moment brach die Spannung, und obwohl sie immer noch nur einen Atemzug voneinander entfernt standen, schien eine unsichtbare Mauer zwischen ihnen zu zerbrechen. Darius konnte sich nicht länger wehren. Der Schmerz des Streits mischte sich mit der unbestreitbaren Anziehungskraft, und er wusste, dass er es nicht länger aufhalten konnte.
 

„Ich gehe ins Bett“, sagte Darius leise, seine Worte klangen fast wie eine Entschuldigung. Doch der Schmerz in seiner Stimme und das Zittern in seinen Beinen verrieten, dass er wusste: Er konnte diesem Konflikt nicht entkommen. Nicht vor diesem Mann. Nicht vor diesem Verlangen. Auch wenn er es weiterhin versuchte, tief in seinem Inneren wusste er, dass der Widerstand nur von kurzer Dauer sein würde.
 

Damian nickte, der scharfe Blick verblasste, doch das Verlangen war weiterhin spürbar. „Du gehst ins Bett. Aber die Nacht ist noch nicht vorbei.“
 

Darius konnte keinen Ausweg mehr sehen. Die Spannungen zwischen ihnen waren zu stark, die Verbindung zwischen Macht und Begehren zu intensiv, als dass er sich noch länger dagegen wehren konnte. Es war ein Konflikt, der längst nicht nur in seinen Gedanken, sondern auch in seiner Seele tobte…

Kapitel 8

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Darius ging zum großen Fenster im Büro, anstatt ins Bett zu gehen. Seine Hände zitterten leicht, als er die Vorhänge beiseite zog und den Blick auf den Garten erhaschte. Die kühle, frische Luft, die er einatmete, fühlte sich erfrischend an, aber sie brachte ihm keine Erleichterung. Was er wirklich wollte, war eine Flucht vor dem, was sich zwischen ihm und Damian aufgestaut hatte – der Alpha, der ihn immer wieder zurückhielt, der ihn in diesem goldenen Käfig hielt, ohne dass er entkommen konnte. Doch selbst als er sich umdrehte, wusste er, dass er nicht wirklich fliehen konnte.
 

Oder wollte er nicht? Es war, als wollte eine unsichtbare Macht, dass er blieb.
 

„Damian…“, flüsterte er, mehr zu sich selbst als zu dem anderen. Er hatte nie geglaubt, eines Tages in solch einem Konflikt mit jemandem zu stecken. Und doch war er hier – so nah an einem Mann, der ihm gleichzeitig, wie ein fremder, unerreichbarer Berg vorkam. „Warum musst du alles kontrollieren? Warum kann ich nicht einfach der bleiben, der ich bin?“
 

Damian stand ruhig am Eingang, sein Blick auf Darius gerichtet. Er war der Mann, der alles verstand, aber nichts davon zuließ. Der Alpha, der nie Kontrolle verlor und doch immer wusste, was er wollte.

„Weil du mein Mann bist, Darius“, antwortete Damian kühl, doch es lag ein unmissverständliches Verlangen in seiner Stimme. „Und du bist kein Kind mehr, das sich unkontrolliert in die Welt stürzt. Ich schütze dich. Du gehörst mir, und das wirst du verstehen. Bald.“
 

Darius drehte sich abrupt zu ihm um, sein Blick voller Wut und zugleich einem Funken Angst. Was bedeutete es, „zu gehören“? War er wirklich nur ein Besitz für Damian? War das alles, was diese Beziehung für ihn war?
 

„Du siehst es als Schutz, aber ich sehe es als eine Kette“, sagte Darius mit zitternder Stimme. „Und ich werde diese Kette nicht tragen, Damian. Ich will nicht, dass du mich versklavst, nur weil du glaubst, das sei deine Aufgabe als Ehemann. Ich bin mehr als das!“
 

Damian trat einen Schritt näher, seine Augen funkelten gefährlich. „Du bist mein Ehemann. Du bist kein Sklave, du bist mein Partner. Aber du wirst lernen, dass wir beide eine Verantwortung tragen. Du gehörst zu mir, Darius. Und ich werde dich nicht in Gefahr bringen, solange ich atme.“
 

Darius starrte ihn an, atmete tief ein und versuchte, sich zu beruhigen, doch die Nähe zu Damian ließ die Spannung zwischen ihnen noch greifbarer werden. Es war fast elektrisch, und Darius konnte sich dem Drang, der von ihm ausging, nicht entziehen.

„Du kannst nicht alles kontrollieren, Damian“, flüsterte Darius, diesmal leiser, verletzlicher. „Du kannst mich nicht zwingen, zu gehorchen. Ich bin nicht wie deine anderen Männer, die dir folgen wie Hunde. Ich habe meinen eigenen Willen.“
 

Damian stand nun direkt vor ihm, seine Augen brannten so intensiv, dass Darius sich nicht mehr dagegen wehren konnte. „Aber du wirst es lernen, Darius. Du wirst lernen, dass ich dich kontrolliere, weil ich dich will. Und tief in deinem Inneren willst du es auch.“
 

Darius spürte, wie der Satz wie ein Schlag in seinem Inneren hallte. Er konnte es nicht leugnen – das Verlangen, das in ihm brodelte, war zu stark, als dass er es ignorieren konnte. Es war ein ständiger Kampf zwischen seiner Freiheit und dem Drang, sich diesem Mann zu unterwerfen.

„Du bist ein verdammter Tyrann“, murmelte Darius, doch seine Körperhaltung war angespannt, die Nähe von Damian hatte ihn fast völlig in ihren Bann gezogen.
 

Damian grinste und schob Darius gegen die Couch. Die beiden standen nun so nah beieinander, dass sie die Schläge des anderen Herzens hören konnten. „Vielleicht bin ich ein Tyrann. Aber du bist mein Tyrann, Darius. Und du wirst es verstehen. In der Hochzeitsnacht, die wir nun haben werden, wirst du wissen, was es bedeutet, wirklich mein zu sein.“
 

Darius’ Atem beschleunigte sich, als die letzten Reste seines Widerstands schmolzen. Der Körper von Damian drückte ihn sanft auf die Couch, und er konnte kaum noch klar denken. „Du hast keine Ahnung, was du tust“, flüsterte er, doch seine Worte wurden von der elektrischen Spannung in der Luft verschlungen.
 

„Oh, ich weiß es genau“, murmelte Damian und beugte sich näher zu ihm, seine Lippen nur wenige Zentimeter von Darius’ Ohr entfernt. „Du wirst es fühlen, Darius. Heute Nacht wirst du es fühlen.“
 

Dann beugte sich Damian vor und küsste ihn. Darius’ ganze Welt geriet ins Wanken. Ohne es zu wollen, reagierte er sofort – er schlang seine Arme um Damians Nacken, als der erste Schock nachließ, und erwiderte den Kuss. Die Wärme und die starke Präsenz, die von seinem Mann ausging, war überwältigend.

Es gab kein Zurück mehr. Nicht für ihn und auch nicht für Damian. Vielleicht war er noch unerfahren in diesen Dingen, doch er wusste, dass es jetzt keine Flucht mehr gab. In diesem Moment würde Darius alles geben und sich dem hingeben, was er nie für möglich gehalten hätte – ein Omega, der den Mann seiner Träume in den Armen hielt.
 

Der Widerstand, den er anfangs gefühlt hatte, verblasste. Die Worte und Gedanken von vor Stunden waren vergessen. Als er keuchte und Luft holen musste, nutzte Damian den Moment, um seine Knöpfe zu öffnen, einen nach dem anderen. Darius trug immer noch das Hemd, in dem sie geheiratet hatten, auch wenn er inzwischen eine andere Hose anhatte.
 

Sanft drängte Damian sich zwischen Darius’ Beine und spürte, wie die zarten Berührungen, die er seinem Mann schenkte, nicht ohne Wirkung blieben. Ein zufriedenes Grinsen breitete sich auf Damians Gesicht aus, als er sich erneut zu ihm beugte, um einen Kuss zu hinterlassen, der so leicht und zart war, dass er fast zu verschwinden schien. Doch sein Grinsen blieb, als er flüsterte: „Du wirst es genießen. Das verspreche ich dir.“ Damian wusste, dass seine Erfahrung für beide ausreichen würde.
 

Darius, der sich immer noch unsicher fühlte, vertraute jedoch auf seinen Mann. Er erinnerte sich an die Worte seines Bruders Dustin, der einmal gesagt hatte, dass ein Omega sicherer bei einem Alpha nicht sein konnte. „Du wirst es bereuen, wenn nicht…“, knurrte Darius, doch bevor er noch mehr sagen konnte, stürzte sich Damian auf ihn.
 

Die beiden waren von Wut und Frustration erfüllt, ihre Körper brannten vor Erregung, und alles, was noch zählte, war der Moment...

Kapitel 9

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Die Nacht war alles andere als ruhig gewesen. Darius hatte sich nicht darauf vorbereitet, dass ihre erste gemeinsame Nacht so intensiv und zugleich so unerträglich werden würde. Es war eine Mischung aus Leidenschaft und Frustration, aus Nähe und Distanz, und während sie körperlich miteinander verbunden waren, war die Kluft zwischen ihnen emotional nur noch größer geworden.
 

Auch fragte er sich, warum er sich ausgerechnet in den Alpha schlechthin verlieben musste. Seit dem Moment, als er Damian mit seinen zarten 14 Jahren das zweite Mal gesehen hatte, war etwas in ihm erwacht, dass er nicht mehr unterdrücken konnte. Und jetzt, Jahre später, fühlte es sich an, als hätte er sich selbst in eine Falle manövriert, aus der es kein Entkommen gab.
 

Als er aufwachte, spürte Darius den Schmerz in seinem Körper – die Spuren einer Nacht voller intensiver Auseinandersetzungen, sowohl körperlich als auch emotional. Damian lag noch neben ihm, regungslos, als ob er in Gedanken verloren war. Doch auch in der Stille war die Spannung zwischen ihnen fast greifbar. Darius wusste, dass er heute mit Damian reden musste. Der Konflikt, der zwischen ihnen schwelte, war nicht einfach von selbst verschwunden.
 

„Verdammt“, murmelte Darius, während er sich vorsichtig aus dem Bett schälte, sich etwas überzog und auf den Balkon trat. Der kalte Luftzug half ihm, seine Gedanken zu ordnen. Es war zu viel gewesen – die unerfüllten Erwartungen, die unausgesprochenen Wünsche, die plötzlich so viel komplizierter geworden waren, als er gedacht hatte.
 

Als Damian sich rührte, fiel Darius’ Blick sofort auf ihn. Er konnte jede Bewegung seines Mannes spüren, doch das Schweigen zwischen ihnen war fast unerträglich. Es lastete schwer in der Luft, wie ein unausgesprochener Vorwurf, der nur darauf wartete, laut ausgesprochen zu werden.
 

„Glaubst du wirklich, dass ich das einfach so hinnehme?“, fragte Darius, seine Stimme fest und scharf. „Dass du dich einfach so benehmen kannst, als wäre ich hier, um dir zu gefallen?“
 

Damian stand langsam auf, seine Augen fest auf Darius gerichtet. „Ich habe nie gesagt, dass du mir gefallen sollst“, sagte er ruhig. „Aber du bist mein Mann, Darius. Du bist nicht nur mein Partner – du bist auch mein Ehemann. Und das bedeutet Verantwortung.“
 

Damian hasste es, wenn man ihm am frühen Morgen mit der gleichen Problematik kam. Er wusste, dass der Streit und die Diskussion nicht vom Tisch waren, aber er hatte gehofft, erst einmal richtig wach werden zu können. Auch wenn er seit Stunden keinen Schlaf mehr gefunden hatte, übertraf dies alles. Er war einfach nur verärgert.
 

„Verantwortung?“, wiederholte Darius, der Ärger in seiner Stimme deutlich hörbar war. „Du redest von Verantwortung, als ob du hier derjenige bist, der alles richtig macht. Du kontrollierst mich, und du erwartest, dass ich einfach so mitspiele.“
 

Damian trat einen Schritt näher, und in diesem Moment war die Luft zwischen ihnen elektrisch geladen. „Ich kontrolliere dich nicht. Ich will nur, dass du verstehst, dass wir hier nicht einfach zwei Fremde sind, die sich zufällig über den Weg gelaufen sind. Wir sind verheiratet, Darius. Du bist an mich gebunden, genauso wie ich an dich.“
 

Darius schüttelte den Kopf, seine Wut brodelte weiter. „Du redest von Bindung, aber du siehst mich nur als Besitz. Und das macht mich krank.“ Er setzte sich auf den Stuhl, die Fäuste ballend. „Ich habe es gestern Abend gespürt. Du hast mich nicht als Ehemann behandelt. Du hast mich behandelt, wie ein Objekt, das du besitzen, markieren und kontrollieren kannst.“
 

Damian konnte sich dem bitteren, fast schmerzhaften Unterton in Darius’ Stimme nicht entziehen. Er wusste, dass er Fehler gemacht hatte, aber es tat ihm weh, zu hören, dass Darius ihn auf diese Weise sah. Darius tat ihm einfach nur unrecht. Hatte Damian einfach nur andere Regeln, das war alles. „Das war nie meine Absicht“, sagte er leise. „Ich wollte dich nicht verletzen. Aber ich bin der Alpha. Und du bist mein Mann. Und du wirst lernen, was das bedeutet.“
 

„Ich werde nichts lernen, Damian!“, schrie Darius plötzlich, seine Stimme überschlug sich vor Wut. „Ich werde nicht in deinem Schatten leben! Du hast keine Ahnung, was du mir antust!“
 

„Ich versuche dir nur zu helfen“, sagte Damian mit einem entschlossenen Blick. „Ich versuche, dich zu schützen. Vor dir selbst und vor der Welt da draußen. Und du verstehst das nicht.“
 

Darius sprang auf, seine Hände zitterten vor Wut. „Ich brauche keinen Schutz! Ich brauche keine ständige Kontrolle. Was du mir gestern Abend angetan hast – das war keine Nähe, Damian. Das war ein Machtspiel!“
 

Die Worte trafen Damian härter, als er es erwartet hatte, doch er blieb ruhig. „Du hast dich freiwillig darauf eingelassen. Du warst genauso daran beteiligt wie ich.“
 

„Aber nicht so! Nicht auf diese Weise“, entgegnete Darius, die Augen funkelten vor Frustration. „Ich wollte nicht, dass du mich so behandelst!“
 

Damian trat einen Schritt auf ihn zu, und diesmal war es nicht nur die Wut, die sie verband. Es war auch die unausgesprochene Spannung zwischen ihnen, die die Luft schwer und beinahe greifbar machte. „Du wirst lernen, Darius“, sagte er leise, seine Stimme tief und eindringlich. „Du wirst lernen, was es bedeutet, mir zu gehören.“
 

„Du kannst mich nicht besitzen, Damian!“, schrie Darius und ging einen Schritt zurück, als ob er den Raum zwischen ihnen vergrößern wollte. Doch Damian folgte ihm, sein Blick unnachgiebig.
 

„Doch, das kann ich“, sagte Damian ruhig, seine Hand jetzt an Darius’ Brust legend, ihn mit einem festen Griff zu sich ziehend. „Du wirst es verstehen. Früher oder später.“
 

Die Spannung zwischen ihnen war fast unerträglich. Darius wollte sich zurückziehen, aber er wusste, dass es nichts bringen würde. Irgendetwas in ihm wollte sich nicht losreißen, wollte nicht entkommen. Und genau das war es, was ihn verrückt machte.
 

„Du wirst es akzeptieren, Darius“, sagte Damian, sein Blick nun so intensiv, dass Darius das Gefühl hatte, er würde in ihm versinken. „Denn du gehörst mir.“
 

Darius öffnete den Mund, als wollte er etwas erwidern, doch die Worte blieben ihm im Hals stecken. Alles, was er sagen konnte, schien bedeutungslos angesichts der Spannung, die wie eine unsichtbare Mauer zwischen ihnen stand. Er spürte die Wärme von Damians Händen, die ihn festhielten, und gleichzeitig das kalte Gewicht der unausgesprochenen Wahrheit, die ihre Beziehung belastete.

Er stand da, in den Armen seines Mannes, gefangen zwischen Wut, Schmerz und einem Verlangen, das er nicht begreifen konnte. Eines wusste er jedoch mit Sicherheit: Dieser Streit war noch lange nicht vorbei. Die Kluft zwischen ihnen war tief, und dennoch war da etwas Unzerbrechliches, etwas, das sie beide nicht loslassen konnten.
 

Die Nacht war vorüber, aber der Konflikt, der zwischen ihnen lag, hatte den Tag längst erreicht…

Kapitel 10

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Der Streit zwischen Darius und Damian hatte die Luft im Raum förmlich zum Knistern gebracht. Die Atmosphäre war so geladen, dass die Wände des Büros fast zu vibrieren schienen, während die beiden sich in einem hitzigen Schlagabtausch bekriegten. Die lauten Stimmen hallten durch das große Anwesen und ließen keinen Zweifel daran, dass der Konflikt auch außerhalb des Raumes nicht unbemerkt blieb.
 

Im Flur vor dem Büro hatten sich die anderen Bewohner des Hauses versammelt, herbeigelockt von der Lautstärke und Intensität des Streits. Sie standen in kleinen Gruppen, bemüht, nicht allzu offensichtlich zu lauschen. Doch die aufgeheizte Stimmung war unmöglich zu ignorieren.
 

Thomas, der Beta, lehnte mit verschränkten Armen an der Treppe. Sein Blick war nachdenklich, fast sorgenvoll. Es war nicht das erste Mal, dass es in diesem Haus zu einer derart heftigen Auseinandersetzung gekommen war. Der Streit zwischen Damian und seinem Vater, als jener ihm eine arrangierte Ehe mit dem einzigen Omega der Familie Green aufgezwungen hatte, war legendär gewesen. Doch die Schärfe der Worte, die jetzt zwischen Damian und Darius flogen, schien eine neue Dimension erreicht zu haben.
 

Thomas wusste, dass es nicht seine Aufgabe war, sich einzumischen, doch die Spannungen im Haus waren förmlich greifbar.
 

Aiden, der sich langsam von seinem eigenen Schock erholte, stand ein wenig abseits und wippte nervös von einem Fuß auf den anderen. Ein Gefühl der Schuld nagte an ihm – als hätte er den Konflikt irgendwie mitverursacht. Doch er wusste, dass dieser Streit unvermeidlich gewesen war. Es war ein Sturm, der schon lange in der Luft gelegen hatte. Alles, was er tun konnte, war zu hoffen, dass die Situation nicht noch weiter eskalieren würde.
 

Im Speisesaal hatte sich ebenfalls eine kleine Gruppe eingefunden. William, Damians jüngerer Bruder, saß bereits am Tisch und spielte gedankenverloren mit einer Serviette. Auch er spürte die angespannte Stimmung. Es war klar, dass Damian und Darius sich irgendwann zusammenraufen mussten. Dennoch fragte sich William insgeheim, ob Darius wirklich der richtige Partner für seinen Bruder war. Damian war bereit gewesen, sich auf eine Partnerschaft einzulassen – sogar mit einem Omega, der zu allem „Ja“ und „Amen“ gesagt hätte. Aber das wäre letztlich langweilig geworden, und vielleicht war es besser so, dass Darius ein ebenbürtiger Gegenpart war.
 

Plötzlich hallte ein dumpfer Knall durch die Gänge – das Geräusch eines umkippenden Stuhls. Es war das deutliche Signal, dass der Streit seinen Höhepunkt erreicht hatte. Kurz darauf stürmte Damian mit grimmiger Miene aus dem Büro. Darius blieb zurück, sein Blick kalt und abweisend, die Anspannung in seinem Körper spürbar.
 

Niemand wagte es, etwas zu sagen oder sich einzumischen.
 

Einige Minuten verstrichen in drückender Stille. Schließlich hörte man Schritte – die von Damian und Darius, die sich langsam dem Speisesaal näherten. Die Gespräche der Anwesenden verstummten augenblicklich, als die beiden Männer den Raum betraten.
 

Damian setzte sich ohne ein Wort zu sagen an den Tisch. Mit verschränkten Armen starrte er vor sich hin, während Darius ihm gegenüber Platz nahm, sichtlich bemüht, die Fassung zu wahren. Die Luft war schwer von unausgesprochenen Worten und ungelösten Konflikten.
 

Thomas war der Erste, der versuchte, die bedrückende Stille zu durchbrechen. Mit einem schwachen Lächeln und einem kläglichen Versuch, die Situation zu entspannen, sagte er: „Nun, dann wollen wir mal sehen, ob das Frühstück uns alle ein wenig besänftigen kann.“ Doch niemand lachte, und die Worte verhallten im Nichts.
 

Das Frühstück verlief still und angespannt. Es war kein Miteinander, sondern ein Nebeneinander. Niemand wagte es, die unausgesprochenen Spannungen zwischen Damian und Darius anzusprechen. Jeder hoffte, dass der kommende Tag vielleicht eine Wendung bringen würde, doch an diesem Morgen war daran nicht zu denken.
 

Die beiden Männer saßen sich gegenüber wie Fremde, gezwungen, miteinander zu existieren, obwohl Darius innerlich noch immer gegen die Verbindung rebellierte. Damian hingegen war bereit, die Gemeinschaft zu akzeptieren, doch sein Gegenüber war noch weit davon entfernt, diesen Schritt zu machen.
 

Und so blieben die Waffen gezogen, während das Haus darauf wartete, wann und ob die beiden überhaupt je Frieden schließen würden…

Kapitel 11

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Die Worte, die sich immer wieder in Darius’ Kopf drehten, raubten ihm den Verstand. Wut und Verzweiflung suchten verzweifelt nach einem Ventil, und schließlich war es Darius selbst, der nicht mehr konnte.
 

Mit einem tiefen, zittrigen Atemzug sprang er abrupt auf. Sein Stuhl krachte gegen die Wand, das Geräusch hallte durch den Raum. Sein Blick, den er Damian zuwarf, glühte vor Zorn – eine Frustration, die sich seit Stunden und seit der Nachricht seiner erzwungenen Heirat unaufhaltsam in ihm aufgestaut hatte.
 

„Ich hasse dich! Ich hasse es hier!“, schrie er, seine Stimme überschlug sich vor Wut.
 

„Wegen dir kann ich meine Ausbildung nicht weitermachen! Und wofür? Damit du mich hier festhältst, wie irgendein Besitz, nur um dein Bild als großartiger Alpha aufrechtzuerhalten? Es reicht, Damian! Ich bin niemand, den man an die Leine legen kann! Merk dir das!“
 

Sein Atem ging schwer, sein ganzer Körper bebte vor Rage. „Deine verdammten Regeln! Dein Kontrollwahn! Ich will mein Leben zurück!“
 

Die anderen am Tisch wagten es nicht, ein Wort zu sagen. Selbst Thomas und William, die sonst keine Konfrontation scheuten, verharrten regungslos. Sie alle erkannten, dass Darius am Rande seiner Kräfte war. Doch er selbst kümmerte sich nicht darum. Die Wut hatte ihn vollkommen im Griff.
 

„Sogar Aiden hast du manipuliert!“, fuhr er fort, seine Worte wie Dolche. Er richtete seinen Blick auf den anderen Mann. „Du hast ihm all diesen Mist eingeredet, genau wie du es jetzt bei mir versuchst! Glaubst du, du weißt, was gut für mich ist? Du hast keine Ahnung!“
 

Was Darius nicht wusste, er kannte keine anderen Regeln, weswegen Aiden zusammenzuckte. Die Worte trafen ihn tief, doch er sagte nichts. Er wusste, dass jede Erwiderung nur Öl ins Feuer gießen würde.
 

Es war, als würde all die aufgestaute Frustration, die Trauer und die Wut in Darius explodieren.
 

„Genug, Darius!“, rief Damian plötzlich. Seine Stimme war kalt und scharf, durchdrang die gespannte Luft wie ein Messer. „Setz dich hin. Sofort.“
 

Doch Darius ignorierte ihn. Die Anspannung, der Druck – alles entlud sich in einem einzigen, unkontrollierten Ausbruch.
 

„Du hast mich nie gefragt, was ich will!“, brüllte er zurück, die Luft schien vor Zorn zu knistern. „Ich bin nicht dein Besitz, Damian, und ich werde es auch nie sein!“
 

Die anderen im Raum wichen unbehaglich zurück. Die Spannung war unerträglich. Niemand wollte sich einmischen, doch alle wussten, dass die Situation bald eskalieren würde.
 

Damian blieb ruhig, aber sein Blick verfinsterte sich. Dann stand er auf. Mit schnellen, kontrollierten Schritten trat er vor Darius und packte ihn fest an den Schultern.
 

„Du willst, dass ich die Kontrolle verliere? Dass ich dir alles verbiete?“, zischte er leise, aber bedrohlich. „Hör auf, dich wie ein trotziges Kind zu benehmen!“
 

Darius versuchte, sich loszureißen, doch Damian ließ nicht locker. Und dann – ein Knall. Die Ohrfeige ließ Darius’ Kopf zur Seite schnellen. Der Raum erstarrte.
 

Darius hielt sich ungläubig die Wange. Sein Zorn wich für einen Moment tiefer Enttäuschung, doch er blieb stur.
 

„Das war, um dich zur Besinnung zu bringen“, sagte Damian mit schneidender Stimme. „Deine blinde Wut verletzt nicht nur dich selbst, sondern auch die Menschen um dich herum. Von mir aus, hasse mich. Aber hör auf, deine Frustration an anderen auszulassen!“
 

Die Stille im Raum war erdrückend. Darius starrte Damian mit flackerndem Blick an, während Aiden seinen Kopf senkte. Niemand wagte es, das Wort zu ergreifen.
 

Damian seufzte schwer. Ohne ein weiteres Wort wandte er sich ab und blickte aus dem Fenster. Das Frühstück war ihm vergangen – und wie immer hatte er das letzte Wort. Er war schließlich der Alpha…

Kapitel 12

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Darius hielt sich immer noch die Wange. Der Schmerz brannte wie Feuer, doch es war nicht die körperliche Qual, die ihn wirklich quälte – es war die Einsamkeit, die sich wie eine bleierne Last auf ihn legte. Ohne Vorwarnung liefen ihm die Tränen über das Gesicht, und er stolperte förmlich aus dem Raum.
 

Sein Herz raste, während er die Treppen hinaufstürmte und die Tür zu seinem Zimmer mit einem verzweifelten Schrei zuschlug. Kaum hatte er sich auf das Bett fallen lassen, vergrub er sein Gesicht in den Kissen. Die Tränen strömten unaufhaltsam, ein ersticktes, schmerzerfülltes Schluchzen entfuhr ihm. Er fühlte sich von der Wucht seiner Gefühle völlig überwältigt.
 

„Warum... warum...“, stammelte Darius zwischen den Schluchzern. Mit seinen gerade mal 17 Jahren hatte er noch kaum Erfahrungen in der Welt gesammelt. Nie hätte er gedacht, dass Damian, der beste Freund seines Bruders, ihn jemals schlagen würde. Dass er selbst die Situation provoziert hatte, kam ihm dabei nicht einmal in den Sinn – wie auch?
 

Mit zitternden Händen griff er nach seinem Telefon und wählte die Nummer seines Bruders Dustin. Das Freizeichen dauerte einen Moment, bevor die vertraute Stimme am anderen Ende erklang.
 

„Darius?“ Dustins Tonfall war ruhig, doch deutlich besorgt. Schon der Klang von Darius’ Atem ließ ihn ahnen, dass etwas Ernstes passiert sein musste.
 

„D-Dustin…“, begann Darius, von Schluchzen unterbrochen. „Damian… er… er hat mich geohrfeigt.“ Seine Stimme brach, und ein weiteres Wimmern entkam ihm, als die Wut und die Verzweiflung erneut aufflammten.
 

Dustin schwieg einen Moment, um die Worte seines kleinen Bruders zu verarbeiten. Er seufzte tief, schloss die Augen und sammelte sich. Es brach ihm das Herz, Darius so zu hören, doch er wusste, dass ein einfaches Trostwort jetzt nicht ausreichen würde.
 

„Darius, hör mir zu“, begann Dustin mit sanfter Stimme. „Du musst einen klaren Kopf bewahren.“ Er wählte seine Worte mit Bedacht, denn er kannte den Hitzkopf seines Bruders und ahnte, was sich abgespielt haben könnte. „Es war nicht richtig, was Damian getan hat, das steht außer Frage. Aber vergiss nicht, dass auch er unter Druck steht.“
 

„Unter Druck?!“, rief Darius wütend. „Er hat mich geschlagen, Dustin! Wie kannst du das rechtfertigen? Was für einen Druck kann er haben, der so etwas entschuldigt?“ Die Tränen flossen weiterhin unaufhörlich über sein Gesicht.
 

„Ich rechtfertige gar nichts, Darius“, sagte Dustin ruhig. „Aber Damian ist nicht mehr der, der er einmal war. Es ist vieles passiert, was du vielleicht noch nicht verstehen kannst. Und ja, er hat einen großen Fehler gemacht. Aber ich glaube nicht, dass er dich schlagen wollte, um dich zu erniedrigen. Vielleicht war es ein Moment der Wut... oder Hilflosigkeit.“
 

Darius starrte leer auf die Kissen, während Dustins Worte an ihm vorbeizogen. „Er behandelt mich wie ein Kind“, murmelte er bitter. „Er hat mir meine Zukunft genommen – meine Ausbildung, meine Träume… alles.“
 

„Darius“, flüsterte Dustin, seine Stimme voller Mitgefühl, „ich weiß, wie schwer das ist. Aber du musst jetzt stark bleiben. Du bist nicht mehr nur mein kleiner Bruder – du bist jetzt auch Damians Partner. Und das bedeutet, dass du lernen musst, auf Augenhöhe mit ihm zu sprechen. Wenn du nicht willst, dass er dich wie ein Kind behandelt, dann musst du ihm zeigen, dass du nicht eines bist.“
 

„Aber er versteht mich nicht…“, brach es aus Darius hervor. „Ich will doch nur, dass er mich sieht, wirklich sieht – als gleichwertig. Nicht als Besitz!“
 

„Und genau das musst du ihm sagen“, erwiderte Dustin ernst. „Rede mit ihm, Darius. Zeig ihm, wer du bist und was du willst. Ihr beide seid verloren – aber ihr könnt den Weg zueinander finden, wenn ihr bereit seid, zuzuhören.“
 

Doch die Worte seines Bruders verwirrten Darius nur noch mehr. Seine Erschöpfung, die Wut und die schlaflosen Nächte forderten ihren Tribut. Er sank auf das Bett zurück, seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern. „Ich… ich kann nicht mehr, Dustin. Es tut so weh. Ich weiß nicht, wie ich weitermachen soll.“
 

Dustin seufzte tief. Die Sorge und der Schmerz in seiner Stimme waren nicht zu überhören. „Darius… du bist stärker, als du denkst. Ich glaube an dich, das musst du wissen. Aber jetzt musst du erst einmal zur Ruhe kommen, okay?“
 

Darius nickte schwach, auch wenn Dustin das nicht sehen konnte. „Okay…“, flüsterte er schließlich, bevor er das Gespräch beendete. Er legte das Telefon zur Seite und ließ sich erschöpft zurücksinken. Die Wogen seiner Gefühle hatten ihn ausgelaugt, und während seine Gedanken immer wieder um Damian kreisten, wusste er eines sicher: Der Weg, der vor ihnen lag, würde alles andere als leicht werden…

Kapitel 13

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Damian stand nachdenklich am Fenster und blickte in den Garten. Seine Gedanken kreisten unaufhörlich um den Streit, der so schrecklich eskaliert war. Die Schwere der Situation lastete auf ihm, als plötzlich sein Handy klingelte. Widerwillig nahm er es in die Hand. Es musste Dustin sein, Darius' Bruder. Niemand sonst hätte in diesem Moment angerufen. Vermutlich hatte Darius mit Dustin gesprochen – und Dustin fühlte sich verpflichtet, einzuschreiten. Schwer atmend nahm Damian den Anruf an und hielt das Handy ans Ohr.
 

„Dustin“, sagte er ohne jede Vorwarnung, seine Stimme immer noch voller Wut, die ihn seit dem Streit mit Darius quälte.
 

„Damian…“ begann Dustin ruhig, doch seine Stimme wirkte schwerer als sonst. „Hör mir bitte zu, okay?“
 

„Was willst du?“, knurrte Damian, die Anspannung spürbar in seiner Stimme. „Willst du mir noch einen deiner tollen Ratschläge geben? Oder gleich noch einen Vorwurf hinterherwerfen?“
 

„Es geht nicht um Ratschläge oder Vorwürfe, Damian,“ entgegnete Dustin gelassen, aber mit Nachdruck. Seine Stimme klang wie die eines älteren Bruders, der ein aufgebrachtes Kind beruhigen wollte.
 

„Ich verstehe, wie du dich fühlst. Aber du musst auch Darius' Perspektive sehen. Du bist der Alpha, ja, aber er ist dein Partner. Er ist ein eigenständiger Mann, Damian, nicht nur ein Schatten, der dir folgt. Und genau das versucht er dir zu zeigen.“
 

Damian atmete tief durch, seine Kiefermuskeln angespannt. „Ich wollte nicht, dass es so endet, Dustin. Aber er versteht einfach nicht, was ich von ihm will. Er ignoriert alles, was ich sage...“ Seine Stimme brach, und er schloss die Augen, um sich zu sammeln.
 

„Es fühlt sich an, als würde er alles von mir wegstoßen. Als ob ich nichts anderes wäre als eine Last für ihn.“
 

„Damian, hör zu,“ sagte Dustin, seine Stimme jetzt sanfter, aber fest. „Du verlierst sein Vertrauen. Und das ist gefährlich. Er ist am Ende, Damian – körperlich und emotional. Er versucht, allem gerecht zu werden, aber die Erwartungen, die du an ihn stellst, haben ihn überfordert. Er braucht jetzt Abstand, keine weiteren Forderungen.“
 

Damian spürte, wie Dustins Worte an seiner Fassade rüttelten. Er fühlte sich schuldig, wusste aber nicht, wie er es ändern sollte.
 

„Er ist völlig ausgelaugt, Damian. Die Nacht war für ihn nicht einfach, und der Morgen hat es nur schlimmer gemacht. Du hast ihn verletzt, auch wenn du es nicht wolltest. Aber jetzt musst du handeln, bevor es zu spät ist.“
 

Damian biss sich auf die Lippe, während Dustin weitersprach. Die Schuldgefühle wuchsen in ihm. „Und wenn ich ihn jetzt verliere? Wenn er nie wieder zu mir zurückfindet?“
 

„Du verlierst ihn nur, wenn du ihm nicht das gibst, was er jetzt braucht,“ sagte Dustin bestimmt. „Zeig ihm, dass du für ihn da bist. Nicht als Alpha, sondern als der Mann, der du bist. Du musst ihm zuhören, Damian. Es wird Zeit brauchen, aber er wird sich erholen. Er muss nur wissen, dass du ihn wirklich verstehst.“
 

Damian senkte den Kopf und atmete tief durch. Die Wut, die ihn zuvor beherrscht hatte, wich allmählich der Einsicht. „Du hast recht“, murmelte er schließlich. „Ich muss ihn finden. Ich muss ihm zeigen, dass ich noch immer für ihn da bin.“
 

„Das musst du,“ sagte Dustin ruhig. „Und denk daran, Damian: Er wird sich aufraffen, wenn du ihm den Raum gibst, den er braucht. Ihr schafft das. Aber du musst jetzt handeln.“
 

„Danke, Dustin“, sagte Damian leise. „Ich werde es wieder gut machen.“
 

„Ich weiß, dass du das kannst. Ruf mich an, wenn du etwas brauchst.“
 

„Wird gemacht.“ Damian legte auf. Der Raum um ihn wirkte plötzlich seltsam still, als ob Dustins Worte ihm endlich die Klarheit verschafft hätten, die er gebraucht hatte. Der Weg würde nicht leicht sein, aber Damian wusste, dass er bereit war, es zu versuchen – für Darius und für ihre gemeinsame Zukunft.
 

Auch keiner der Anwesenden sagte etwas – sie waren einfach nur froh, dass es endlich ruhiger geworden war. Thomas fühlte sich besonders erleichtert. Er kannte den jungen Alpha Dustin Green und war sehr froh, dass er der beste Freund seines Herrn war.
 

Es war kaum vorstellbar, was passiert wäre, wenn Damian noch immer in diesem Wutausbruch gefangen gewesen wäre. Doch mehr als alles andere tat es ihm um den Omega Darius leid. Die Frage, die in ihm aufkam, ließ ihn nicht los: Konnte die Wut eines Alphas wirklich grenzenlos sein?

Kapitel 14

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Darius lag in seinem Bett, das Handy noch in der Hand, während seine Finger leicht zitterten. Die Worte von Dustin hallten in seinem Kopf nach, doch die Wärme seines Bruders bot ihm wenig Trost. Der Streit mit Damian lastete schwer auf ihm, und gleichzeitig spürte er, wie eine bleierne Müdigkeit seinen Körper durchzog.
 

Seine Brust fühlte sich an, als würde sie zusammengepresst, und ein stechender Schmerz zog sich durch seine Rippen. Ein Husten ergriff ihn, als er versuchte, sich aufzurichten. Doch sofort drehten sich die Räume um ihn, und er konnte nur die Augen schließen, als ihm übel wurde. Ein weiteres Fieberschub überkam ihn, und er fühlte, wie sein Körper gegen ihn ankämpfte. Schon seit seiner Kindheit war er gesundheitlich angeschlagen, und jetzt ließ er ihn im Stich. Er wusste, dass sein Immunsystem seine Grenzen erreicht hatte.
 

„Verdammt“, murmelte er schwach, als er nach dem Glas Wasser auf dem Nachttisch griff, doch seine Hand fiel kraftlos zurück auf das Bett. Die Erschöpfung quälte ihn, und der Streit mit Damian ließ ihn weiter in sich zusammenbrechen. Er hatte nicht erwartet, dass er sich nach dieser Nacht so hilflos fühlen würde.
 

Aber vielleicht war das nicht überraschend – all die aufgestaute Anspannung, die Konfrontation mit Damian und nun die körperlichen Nachwirkungen. Der Sex war intensiv gewesen, zu intensiv vielleicht, und sein Körper war längst nicht so stark, wie er es sich gewünscht hatte.
 

Die Schwäche übermannt ihn immer mehr. Fiebrige Schübe nahmen zu, der Kopf dröhnte, und seine Hände zitterten nun unkontrolliert. Alles, was er tun konnte, war, sich wieder in die Kissen zu sinken und zu hoffen, dass der Fieberanfall bald nachlassen würde. Doch je mehr er versuchte, sich zu beruhigen, desto stärker wurde die Übelkeit, und der Schmerz nahm zu.
 

In der Stille des Zimmers spürte Darius die kalten Schweißperlen, die seinen Nacken hinab liefen. Er wollte sich aufrichten, wollte nach Hilfe rufen, aber der Gedanke, Damian um Hilfe zu bitten, drückte noch schwerer auf sein Herz. Was sollte er ihm sagen? Sollte er ihm gestehen, dass er schwach war? Dass sein Körper ihn wieder im Stich ließ? Dass er keine Kinder haben konnte, obwohl er sie liebte? Dass er nie, wie seine Mutter enden wollte, die bei der Geburt gestorben war?
 

Es war schwer, die Fassade des unbesiegbaren Kriegers aufrechtzuerhalten, wenn er innerlich zerrissen war.
 

Der warme, aber schmerzhafte Zustand, in dem er sich befand, ließ es ihm schwerfallen, klare Gedanken zu fassen. Was war passiert? Hatte er wirklich geglaubt, dass alles gut gehen würde? Dass der Streit mit Damian ein Ende finden würde? Nein, er wusste es besser. Vielleicht hatte er mehr erwartet, aber jetzt war es vorbei. Und der Körper, der ihn seit Jahren betrog, zeigte sich in seiner ganzen Schwäche.
 

Das Bild von Damian stieg wieder in ihm auf. Dieser Mann, der ihm so viel bedeutete, der ihm alles nahm, aber scheinbar nichts davon wusste. Und nun lag er hier, mit nichts außer der lähmenden Leere und dem Schmerz, der ihn immer weiter quälte.
 

Plötzlich klopfte es leise an der Tür.
 

„Darius?“ Es war Aiden. „Darf ich reinkommen?“
 

Darius versuchte, sich zusammenzureißen, doch es gelang ihm kaum. Die Worte, die er an Aiden richten wollte, blieben in seiner Kehle stecken, und er konnte nur ein schwaches Nicken hören. Die Tür öffnete sich, und Aiden trat vorsichtig ein, als er Darius‘ Zustand bemerkte.
 

„Du siehst schlecht aus. Was ist los?“, fragte Aiden besorgt, als er sich dem Bett näherte. „Du hast Fieber, oder?“
 

„Ich…“, Darius‘ Stimme war brüchig, und er rang nach Luft, als das Fieber erneut in Wellen durch seinen Körper zog. „Es ist nichts. Es wird wieder besser.“
 

Doch tief in ihm wusste er, dass er sich selbst belog. Die Symptome, die er seit seiner Kindheit kannte, hatten immer denselben Schatten geworfen. Vielleicht konnte er nicht mehr fliehen, aber der körperliche Tribut war längst keine Erinnerung mehr – er war jetzt Realität.
 

„Du solltest dich ausruhen“, riet Aiden, der ihm nun sanft die Hand auf die Stirn legte und das Fieber bestätigte.
 

„Ich kann nicht“, flüsterte Darius schwach. „Ich muss… Ich muss mit Damian reden.“
 

„Er wird nicht weggehen“, sagte Aiden, „aber du solltest dich jetzt wirklich hinlegen. Dein Körper braucht Ruhe, Darius.“
 

Darius schloss die Augen, als er sich von Aidens sanfter Berührung beruhigen ließ. „Ich… Ich kann nicht“, wiederholte er, völlig erschöpft. „Er wird mich nicht verstehen. Ich habe alles kaputt gemacht.“
 

„Niemand sagt, dass es vorbei ist“, antwortete Aiden sanft. „Aber du solltest dich jetzt erholen. Du wirst sehen, es wird wieder gut. Du bist stark, aber du brauchst auch mal jemanden, der auf dich aufpasst.“
 

Darius wollte antworten, doch die Worte blieben ihm im Hals stecken. Wie sollte er Aiden erklären, was ihn wirklich quälte? Dass der Streit mit Damian viel mehr war als nur ein missverstandenes Wortgefecht? Dass es nicht nur um den Konflikt mit seinem Ehemann ging, sondern um die ständige Angst, nie genug zu sein? Dass er trotz allem, was er durchgemacht hatte, niemals die Kontrolle über seinen eigenen Körper erlangen konnte? Diese Gedanken wirbelten in seinem Kopf, bis er das Gefühl hatte, keine Luft mehr zu bekommen.
 

„Du musst wissen, dass du nicht allein bist“, sagte Aiden leise, aber fest. „Ich verstehe dich, Darius. Du musst nicht immer stark sein. Wir sind beide Omegas. Ich weiß, wie das ist, wenn du dich anders fühlst. Aber du hast mich, okay? Ich will dir helfen.“
 

Darius blickte ihn an, überrascht von den Worten. Dass Aiden, der anfangs so hochmütig gewirkt hatte, so viel Verständnis für ihn hatte, ließ ihm fast die Tränen kommen. „Ich… danke“, flüsterte er schwach. „Ich weiß nicht, was ich tun soll. Alles ist so chaotisch.“
 

Aiden nickte und setzte sich näher zu ihm. „Das ist es oft. Aber du musst nicht allein da durch. Wenn du willst, bin ich da. Als Freund. Du verdienst es, jemanden zu haben, der dich wirklich versteht. Und du verdienst es, dich auszuruhen, Darius.“
 

Darius schloss die Augen und nickte langsam. Es tat gut, sich jemandem anvertrauen zu können, auch wenn es nur in dieser stillen Art und Weise war. Doch gleichzeitig spürte er, wie die Erschöpfung ihn wie ein schwerer Mantel bedeckte. Er konnte nicht anders, als sich in die Kissen zu sinken und tief ein- und auszuatmen.
 

Aiden blieb bei ihm, hielt ihm sanft die Hand und beobachtete, wie Darius langsam zur Ruhe kam. Es war offensichtlich, dass Darius nicht nur körperlich, sondern auch emotional völlig erschöpft war. Die Kämpfe, die er sich selbst auferlegt hatte, die Verletzungen, die er ertragen musste – all das war ihm ins Gesicht geschrieben. Aiden wusste, dass Darius jetzt mehr brauchte, denn je.
 

„Du musst wissen“, flüsterte Aiden leise, während er Darius‘ Hand hielt, „dass du nicht der Einzige bist, der durch diese Welt geht. Ich habe das Gefühl, dass wir uns einander brauchen, auch wenn das manchmal nicht so aussieht. Aber ich bin hier. Du bist nicht allein.“
 

In diesem Moment fühlte sich alles ein wenig leichter an, auch wenn die Stille zwischen ihnen noch viel zu sagen hatte. Aiden spürte, wie wichtig es war, für Darius da zu sein – nicht nur als jemand, der ihm zuhörte, sondern als ein Freund, der für ihn einstand, wenn alles andere in seinem Leben zu zerbrechen schien.
 

Doch Darius konnte sich nicht mehr zusammenreißen. Die Tränen, die er lange zurückgehalten hatte, traten jetzt hervor. Es war mehr als nur körperliche Erschöpfung. Es war der Zustand seines Herzens, der ihn jetzt stärker quälte als alles andere.
 

Aiden blieb bei ihm, bis er in einen unruhigen Schlaf versank. Es war klar, dass Darius noch lange nicht über den Streit mit Damian hinweg war. Und es war auch klar, dass er Hilfe brauchte, die weit über das hinausging, was er sich je hätte vorstellen können…

Kapitel 15

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Damian, der nach seinem Gespräch mit Dustin nach oben gegangen war, um eigentlich selbst das Gespräch mit seinem Mann zu suchen, blieb stehen, als er den leisen Klang von Aiden und Darius’ Stimmen vernahm. Was er hörte, berührte ihn, aber verwirrte ihn auch. Aiden kümmerte sich um Darius, war für ihn da und zeigte ihm, dass er nicht alleine war.
 

Vielleicht war es, weil Aiden genauso wie Darius einfühlsam war, dass er in der Lage war, auf diese Weise zu helfen. Doch das war nur eine Vermutung.
 

Ein seltsames Gefühl überkam Damian – eine Mischung aus Zorn und merkwürdiger Erleichterung. Es war offensichtlich, dass Darius jemanden brauchte, der ihn verstand und ihm half. Aber warum hatte er das Gefühl, dass er nicht derjenige war, den Darius brauchte?
 

Er lauschte einen Moment länger, als er hörte, wie Aiden Darius flüsterte, dass er nicht alleine war, dass er da war – als Freund. Ein vertrauliches Gespräch, das er nicht stören wollte. Langsam und widerwillig zog er sich zurück. Darius schien in guten Händen zu sein, und obwohl eine Welle der Eifersucht über ihn hinwegrollte, wusste Damian, dass er sich nicht einmischen durfte. Aiden konnte ihm vielleicht auf eine Weise helfen, die ihm selbst momentan nicht möglich war.
 

Mit einem tiefen, zischenden Atemzug ging Damian den Flur entlang und betrat schließlich sein Büro. Der Raum war still und gedämpft, als er die Fenster öffnete und auf den Balkon trat. Die kühle Morgenluft strich über seine Haut, und sein Blick wanderte in die weiten Wälder. Die Bäume, die sanft im Wind schwankten, erinnerten ihn daran, wie komplex und tief die Dinge waren, die er versuchte zu verstehen.
 

Er wusste, dass er Darius nicht einfach kontrollieren konnte, dass er als Ehemann und Alpha gleichermaßen bereit sein musste, ihm zuzuhören und ihm zu vertrauen. Doch was konnte er tun, wenn Darius sich selbst nicht helfen konnte? Was konnte er tun, wenn der junge Omega seine eigenen Grenzen ständig überschritt, weil er glaubte, stark sein zu müssen, ohne sich selbst Ruhe zu gönnen?
 

„Warum ist es immer so kompliziert?“, murmelte Damian, während er auf die Bäume starrte. „Warum ist es nie einfach?“
 

Seine Gedanken rasten weiter. Darius war stark, das wusste er. Doch er konnte nicht einfach aufhören, ihn zu beschützen. Und das schien es zu sein, was Darius am meisten brauchte – den Schutz, den er sich selbst nicht geben konnte. Es fühlte sich an, als würde er ständig gegen eine Wand rennen, um jemanden zu retten, der sich nicht retten lassen wollte.
 

Mit einem tiefen Seufzer schloss Damian die Augen und konzentrierte sich auf seinen Atem. Es war an der Zeit, zur Ruhe zu kommen und zu realisieren, dass er nicht immer die Kontrolle haben konnte. Auch wenn es nicht einfach war, musste er lernen, dass er und Darius ihren eigenen Weg finden mussten. Der Streit war noch nicht zu Ende, aber vielleicht war es genau diese Unruhe, die sie auf ihre eigene Weise zueinander führen würde.
 

Damian lehnte sich gegen den Balkon. Die kühle Luft beruhigte ihn ein wenig, doch seine Gedanken wirbelten weiterhin durcheinander. Es war, als ob sein Kopf gegen eine unsichtbare Wand stieß – er verstand Darius einfach nicht. Und doch wusste Damian tief in seinem Inneren, dass Darius nach etwas suchte, nach etwas, das er nicht benennen konnte – nach jemandem, der ihm zeigte, dass er nicht kämpfen musste, dass er nicht alles alleine tragen musste.
 

„Ich bin nicht seine Lösung“, flüsterte er, die Worte in den Wind sendend. Es fühlte sich an, als müsse er es sich selbst immer wieder sagen, um es zu glauben. Doch es war wahr, oder? Er konnte nicht der Retter von Darius sein, nicht immer. Das war der größte Konflikt in ihm. Er konnte den jungen Omega nicht zu seiner Verantwortung machen und gleichzeitig glauben, ihm alles abnehmen zu können.
 

Damian schloss die Augen und atmete tief ein. Der Duft der Wälder, das Rauschen der Blätter im Wind – all das trug dazu bei, den Knoten in seiner Brust ein wenig zu lösen. Aber der Druck blieb. Der ständige Druck, die perfekte Balance zwischen Alpha und Ehemann zu finden. Die Verantwortung, die diese Rollen mit sich brachten, lastete schwer auf ihm, und er wusste nicht, wie lange er in diesem Chaos überleben konnte, ohne sich selbst zu verlieren.
 

„Vielleicht mache ich alles falsch“, murmelte er und schüttelte den Kopf. Die Erkenntnis traf ihn wie ein Schlag. Vielleicht war er zu stur, zu sehr darauf bedacht, Darius zu beschützen, ohne ihm den Raum zu geben, den er brauchte. Vielleicht war es das, was Darius brauchte – Raum. Doch alles, was Darius tat, schien diesem Drang zu entsprechen, alles selbst zu tragen, bis er zusammenbrach. Damian konnte das nicht mehr ertragen.
 

Er schloss die Augen, als sich die Anspannung in seinen Schultern verstärkte. „Verdammt, was soll ich tun?“ Es war eine Frage, die er sich ständig stellte, aber nie eine Antwort fand.
 

Und vielleicht gab es auch keine einfache Antwort. Vielleicht war es einfach der Kampf, den sie beide führen mussten – Darius mit seiner Unabhängigkeit und Damian mit seiner Besessenheit, ihn zu beschützen. Doch war das der richtige Weg? Hielt er Darius dadurch nicht nur weiter in einem goldenen Käfig?
 

Damian wusste, dass es Zeit war, sich mit der Arbeit abzulenken. Ablenkung war alles, was ihm noch blieb. Seine Gedanken zu ordnen, sich auf das zu konzentrieren, was er kontrollieren konnte. Das war der einzige Weg, wie er sich selbst davor bewahren konnte, weiter in diesem Strudel aus Emotionen und Konflikten zu ertrinken.
 

Mit einem letzten Blick auf die Wälder zog er sich ins Büro zurück. Der Raum war dunkel und ruhig. Als er an seinem Schreibtisch ankam, setzte er sich mit einem Seufzen und griff nach den ersten Papieren vor ihm. E-Mails mussten beantwortet werden, Berichte geschrieben, Entscheidungen getroffen.
 

Die Arbeit würde ihn für eine Weile beschäftigen und ihm eine Pause vom Chaos in seinem Kopf geben.
 

„Arbeit. Arbeit hilft“, murmelte er, als er den Bildschirm einschaltete und sich auf den ersten Bericht konzentrierte. Es war das Einzige, was ihm jetzt noch blieb…

Kapitel 16

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Nachdem Damian einige Stunden in der Arbeit vertieft gewesen war, legte er schließlich eine Pause ein. Der Berg an Aufgaben, den er sich vorgenommen hatte, war noch lange nicht abgearbeitet, doch in seinem Kopf drehte sich alles um dasselbe Thema: Der Streit mit Darius. Vor allem fragte er sich, wie er ihn beruhigen konnte, wie er den jungen Omega wieder für sich gewinnen konnte, ohne dabei seine Autorität als Alpha zu gefährden.
 

Es war klar, dass er Darius nicht einfach fallen lassen konnte. Und auch wenn er selbst nicht genau wusste, wie er sich in dieser Beziehung besser verhalten sollte, war ihm eines bewusst: Ein Schritt in Richtung Versöhnung war nötig. Der Gedanke kam ihm spontan. Vielleicht konnte er zumindest ein kleines Friedensangebot machen, etwas, das Darius spüren ließ, dass er ihm doch nicht völlig die Freiheit genommen hatte. Etwas, das ihm zeigte, dass Damian trotz ihrer Differenzen nicht darauf aus war, ihn in eine Ecke zu drängen.
 

Mit einem entschlossenen Seufzen griff Damian nach seinem Telefon. Er suchte nach der Nummer von Darius’ Arbeitsplatz, scannte die Anzeige auf dem Bildschirm und wählte schließlich die Nummer. Der Ton am anderen Ende des Telefons bestätigte ihm, dass er direkt mit der zuständigen Person verbunden wurde.
 

„McKinley hier“, sagte Damian mit gewohnt sicherer Stimme, als die Verbindung hergestellt war. „Ich möchte mich über die Ausbildung meines Mannes Darius erkundigen“, begann er, ohne Umschweife. Es war eine direkte Ansage.
 

„Ich hatte ihm gesagt, er müsse diese Ausbildung vorerst aufgeben, aber nach reiflicher Überlegung habe ich beschlossen, dass er sie doch fortsetzen kann. Allerdings möchte ich ihm einen gewissen Zeitraum für die Hochzeitsreise und für uns als Paar einräumen. Es wäre gut, wenn er nach den Flitterwochen wieder einsteigen könnte. Ich hoffe, das ist in Ordnung.“
 

Ein kleiner Teil in ihm fühlte sich leichter, als hätte er einen ersten Schritt auf Darius zu gemacht – ein Versuch, die Spannungen zwischen ihnen zu verringern.
 

„Herr McKinley, wir freuen uns, dass Sie Ihrem Mann die Möglichkeit geben, weiterzuarbeiten, was bei Ihrem Clan eigentlich unüblich ist“, kam die ruhige, höfliche Antwort. „Allerdings gibt es ein kleines Problem: Darius’ Sorgenkind, Ed Miller, steht plötzlich ohne Eltern da…“ Ein Seufzen war am anderen Ende zu hören.
 

„Keiner der anderen Eltern ist bereit, den Jungen bei sich aufzunehmen. Er wirkt schnell kränklich, und naja… Wir dachten, dass Darius den Jungen bei sich aufnehmen könnte – sofern es für Sie in Ordnung wäre. Schließlich obliegt Ihnen die Entscheidung.“
 

Damian war einen Moment still – zu still. Er dachte nach, ob der Junge bei ihm gut aufgehoben wäre. Schließlich hatten seine Eltern den jungen Aiden Evans auch damals aufgenommen und großgezogen. Vielleicht wäre dies auch eine Gelegenheit, das Kriegsbeil mit Darius zu begraben. Zwar war der Konflikt nicht aus der Welt, doch der kleine Ed Miller würde in Sicherheit sein.
 

„Wann kann der Junge hier sein? Ich werde mit meinem Mann sprechen. Wir werden uns gut um den Kleinen kümmern“, sagte Damian aufgewühlt. Immerhin hatte er nun das Gefühl, dass etwas im Gange war, dass er nicht ganz verstand – sein Gefühl, dass ein Komplott im Hintergrund lief, schien sich zu bestätigen.
 

„Die Fahrt wird einige Stunden dauern. Wir denken, dass der Junge in den späten Abendstunden hier sein könnte“, antwortete die Stimme am anderen Ende. Es wurde kurz still. „Vielen Dank.“
 

„Nicht dafür“, entgegnete Damian, bevor er auflegte. Er seufzte. Auch das noch. Er hatte eigentlich noch Arbeit, doch im Moment blieb er einfach sitzen, in der Stille des Büros, und versuchte, die Situation zu begreifen. Schließlich zog sich ein leichtes Lächeln auf seine Lippen.
 

Es war nicht viel, aber es war ein Schritt. Ein Schritt, der hoffentlich Darius ein Stück näher zu ihm bringen würde. Schließlich wollte er nicht, dass Darius den Eindruck hatte, ihm sei die Freiheit vollständig genommen worden. Vielleicht würde ihm dieses kleine Angebot zeigen, dass er ihm auch vertrauen konnte – zumindest in gewissem Maße.
 

Er erhob sich und ging, wie so oft, zurück auf den Balkon. Die frische, kühle Luft empfing ihn und ließ die Anspannung ein wenig von ihm abfallen. Er atmete tief ein, schloss die Augen und ließ sich vom Wind umhüllen. Es war nicht das ideale Ende eines Streits, aber es war ein Anfang. Und vielleicht würde es ausreichen, um seinen Mann ein wenig zu besänftigen.
 

„Es ist ein Schritt. Nicht mehr, nicht weniger“, murmelte er zu sich selbst und blickte hinaus in die Weite der Wälder. Die Gedanken drehten sich weiter, doch er fühlte sich etwas leichter, als er es vor wenigen Stunden noch getan hatte…

Kapitel 17

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Damian lehnte sich weiterhin gegen das Balkongeländer, während der Wind durch seine Haare strich. Obwohl er die kühle Brise genoss, fühlte es sich in ihm selbst heiß an. Der Gedanke an die Nacht, die sie zusammen verbracht hatten – an das, was sie geteilt hatten – ließ seinen Körper erneut in Erregung versetzen. Doch es war nicht nur das, was ihn jetzt unsicher machte. Damian hatte Blut geleckt. Er wollte Darius wieder.
 

Er wusste, dass er Darius im wahrsten Sinne des Wortes „markiert“ hatte, wie ein Alpha sein Territorium beansprucht. Der Gedanke, dass er Darius‘ Körper und Geist in seiner Hand hatte, erfüllte ihn mit einer Mischung aus Stolz und Sorge. Darius war ohne ihn auf eine Weise verletzlich, die er zuvor nicht verstanden hatte.
 

Als er ihn in der Nacht zuvor genommen hatte, war ihm die Verantwortung bewusst gewesen. Aber etwas hatte er übersehen – oder besser gesagt: etwas hatte er bewusst ignoriert. Instinktiv wusste er, dass Darius ohne ihn zerbrechen würde. Die Bindung war zu tief, die Verbindung zu stark, um einfach zu entkommen.
 

Darius wusste es noch nicht, aber es war, als hätte Damian einen Teil von ihm für immer in sich verschlossen. Auch wenn er wusste, dass er Darius in einer Weise besaß, die weit über das Physische hinausging, konnte er ihm keinen richtigen Freiraum lassen. Denn ohne es zu merken, hatte er sich selbst in die Falle dieser Beziehung begeben. Der Gedanke, dass Darius sich von ihm entfernen könnte, weckte in ihm eine Besorgnis, die er sich nicht eingestehen wollte.
 

„Aber er muss auch wieder frei werden. Ich kann ihn nicht in einem Käfig halten, auch wenn er es nicht merkt“, murmelte Damian in den Wind. Doch er wusste, dass dies leichter gesagt als getan war.
 

Was, wenn er ihm die Freiheit gab und Darius ihm trotzdem entglitt? Was, wenn er Darius nie mehr zurückbekam?
 

Damian schüttelte den Kopf, versuchte seine Gedanken aus dem Nebel der Unsicherheit zu befreien. Es war mehr als bloße Besessenheit. In seiner Nähe fühlte er sich vollständig, sicher – aber der Gedanke, dass Darius diese Sicherheit nicht teilen konnte, traf ihn härter als erwartet. In gewisser Weise hatte er eine tiefgehende Zuneigung für den Freigeist entwickelt, ohne es wirklich zu merken. Doch nun war diese Quelle seiner inneren Zerrissenheit greifbar. Verständlicher.
 

Er blickte auf den Boden, als hätte der Wind seine Gedanken weggeweht und seine Zweifel zusammengefaltet. In diesem Moment wurde ihm klar, dass er Darius in keiner Weise verlieren wollte. Doch wie konnte er ihm gleichzeitig den Raum lassen, den er brauchte, um nicht zu ersticken? Die Aufgabe war schwieriger, als er sich je vorgestellt hatte. Aber die Zuneigung, die er für Darius empfand, wuchs mit jeder Stunde. Seine Eltern hatten ihn nicht auf solche Momente vorbereitet – auf diese Aufgabe, sollte er jemals heiraten.
 

„Ich muss ihm zeigen, dass ich nicht nur der Alpha bin, der ihn beherrscht“, dachte Damian. „Ich muss ihm das Gefühl geben, dass er nicht mein Besitz ist, auch wenn es schwerfällt. Aber das ist nicht alles, was er will. Es muss mehr sein.“
 

Damian wusste, dass er aufpassen musste, Darius nicht in seiner Zuneigung zu ersticken. Aber die Frage war, ob er es wirklich konnte – ob er wirklich in der Lage war, die Zügel so weit zu lockern, dass Darius sich wieder frei und sicher fühlte.
 

Denn auch wenn er seine Macht über den Omega genoss, spürte er eine tiefere, versteckte Liebe wachsen, die ihn mehr zu verletzen drohte, als er wollte.
 

Damian stieß sich vom Geländer ab und ging langsam zurück ins Haus. Er wusste, was er tun musste, doch der Weg war steinig.
 

„Er muss die Möglichkeit haben, das zu spüren. Diese Freiheit, diese Unabhängigkeit. Aber das bedeutet nicht, dass ich ihn loslassen werde“, dachte er, als er sich wieder an seinen Schreibtisch setzte.
 

Er konnte nicht zulassen, dass Darius ihn für etwas anderes hielt – und auch nicht, dass er ihn für immer verlieren würde. Deshalb hatte er sich entschieden, ihm die Freiheit zu geben, um einen Ausweg aus der Spannung zwischen ihnen zu finden. Doch auch wenn er das tat, wusste er tief im Inneren, dass er sich mehr von Darius erhofft hatte – und dass dieser Weg zu einer neuen, intensiveren Bindung führen würde, die er noch nicht ganz begreifen konnte.
 

Doch das war etwas, das er später klären musste…

Kapitel 18

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Darius erwachte langsam. Sein Kopf fühlte sich an wie ein tonnenschwerer Felsen, der ihn tief in die Matratze drückte. Sein Körper war von Schweiß bedeckt, und die bleierne Müdigkeit, die ihn wie eine unsichtbare Last erdrückte, ließ ihn kaum atmen. Langsam klärte sich sein Blick, und er erkannte die vertraute Gestalt von Aiden, der ruhig und geduldig an seiner Seite saß.
 

Doch mit dem Erwachen kamen auch die Erinnerungen zurück – und mit ihnen eine Welle der Verzweiflung. Ein ersticktes Schluchzen entfuhr ihm, als das brennende Gefühl der Ohrfeige, die Damian ihm verpasst hatte, in seinem Geist aufblitzte. Doch der Schmerz war nicht nur körperlich; er hatte etwas Tiefes in ihm zerrissen, etwas, das er kaum beschreiben konnte. Es war, als hätte Damian einen Teil von ihm genommen, den er nicht einmal bewusst besessen hatte.
 

„Warum… warum musste das, passieren?“ flüsterte Darius mit brüchiger Stimme, während ihm die Tränen über die Wangen liefen. „Warum musste er so mit mir umgehen?“ Seine Hände krallten sich ins Bettlaken, doch nichts schien den Sturm in seinem Inneren zu besänftigen.
 

Aiden, der die ganze Zeit schweigend an seiner Seite verharrte, legte behutsam eine Hand auf Darius‘ Stirn. „Du bist in Sicherheit, Darius. Es wird besser. Du musst nur durchhalten.“ Seine Stimme war leise, warm und voller Zuversicht. Doch diese Worte prallten an der Mauer ab, die Darius‘ Verzweiflung um ihn gezogen hatte.
 

Darius schüttelte den Kopf, seine Augen voller Tränen. „Nein, Aiden, es wird nicht besser“, murmelte er heiser. „Damian hat... Ich… Ich bin nichts mehr. Nur ein Besitz für ihn. Und ich habe das Gefühl, dass ich niemals wieder wirklich frei sein werde.“ Sein Körper bebte, während die Tränen unaufhaltsam flossen. Es war, als hätte er das letzte bisschen von sich selbst verloren.
 

Aiden rückte näher, setzte sich vorsichtig an die Bettkante und sah ihm direkt in die Augen. „Darius, du bist so viel mehr. Du bist nicht nur ein Besitz. Du bist ein wertvoller Mensch – frei und stark. Ich sehe das in dir. Und ich werde dir helfen, wenn du mich lässt.“ Doch diese Worte erreichten ihn nicht. Darius war zu tief in seiner Traurigkeit gefangen, und Aiden konnte nur zusehen, wie die Mauern seines Selbstschutzes immer höher wuchsen.
 

Die Erinnerung an die Ohrfeige – an den Moment, in dem Damian ihn so schmerzhaft gedemütigt hatte – war wie ein Messer, das sich immer tiefer in sein Herz bohrte. Er hatte nicht nur körperlich gelitten, sondern auch seelisch. Der Kummer fraß ihn auf, die Leere in seinem Inneren schien endlos.
 

„Ich kann nicht mehr, Aiden“, flüsterte er schließlich. „Ich will nicht sein Spielzeug sein.“ Seine Stimme brach, und er zog sich wie ein verletztes Tier zusammen. Der Gedanke an Damian ließ ihn gleichzeitig wütend und zutiefst verzweifelt zurück.
 

Aiden spürte die Schwere der Emotionen, die Darius zu erdrücken drohten, und zögerte nicht länger. Sanft zog er ihn in eine Umarmung, hielt ihn fest, als würde er ihn vor dem Auseinanderbrechen bewahren wollen. „Du bist nicht allein, Darius“, sagte er leise. „Ich bin hier. Und ich werde nicht gehen.“
 

Darius‘ Körper zitterte, und obwohl er in seiner Traurigkeit gefangen war, konnte er doch einen kleinen Funken Wärme spüren – die Gewissheit, dass er in diesem Moment nicht vollkommen allein war.
 

Was Darius jedoch nicht wusste, war, dass Damian – auf seine eigene verschlossene Weise – ebenfalls kämpfte. Es war ein Kampf, den Darius noch nicht sehen konnte, eingehüllt in seine Dunkelheit und von seinem Schmerz geblendet. Doch manchmal waren selbst die kleinsten Schritte der Beginn eines langen Weges.
 

Für jetzt aber blieb Darius in seiner Verzweiflung gefangen, seine Gedanken von Trauer und Wut überschattet. Doch die Nähe und Geduld von Aiden waren da, wie ein leises Versprechen, dass Hoffnung immer irgendwo existieren würde – auch wenn er sie noch nicht erkennen konnte…

Kapitel 19

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Darius lag noch immer gequält auf dem Bett, sein Körper zitternd, Tränen glitzerten in seinen Augen. Neben ihm spürte er die beruhigende Präsenz von Aiden, der sich langsam zu ihm hinabbeugte. Aidens Stimme war leise, fast flüsternd, als er versuchte, die wirren Gedanken in Darius’ Kopf zu durchdringen.
 

„Du liebst Damian, nicht wahr? Seit wann? Seit eurer ersten Begegnung?“ Aidens Worte waren sanft, doch ein Anflug von Traurigkeit schwang darin mit. Er konnte es verstehen – er selbst liebte Damian ebenfalls, auf seine eigene, stille Weise.
 

Darius starrte Aiden an, die Worte trafen ihn wie ein Schlag. Für einen Moment schien der Schmerz in seiner Brust unerträglich. Ja, dachte er. Ich liebe Damian.
 

Diese Liebe hatte ihn schon lange vor ihrer Hochzeit ergriffen. Schon damals war er von Damian, dem mächtigen Alpha der McKinley, fasziniert gewesen. Sein Vater, der ihn immer gut gekannt hatte, hatte dies wohl gespürt. Vielleicht war das der Grund gewesen, warum er kurz vor seinem Tod die Ehe arrangiert hatte – um seinen Sohn abzusichern.
 

Doch Darius‘ Gefühle waren von Anfang an von Unsicherheit überschattet. Er hatte nie wirklich gewusst, was Damian in ihm sah, was er von ihm wollte. Alles, was er wusste, war, dass er in Damians Nähe ein Stück seiner selbst entdeckte – ein Teil, der lebendig wurde. Doch jetzt? Jetzt war alles anders.
 

„Ja…“, flüsterte Darius schließlich und schloss die Augen, um die aufsteigenden Tränen zu verbergen. „Ich habe ihn immer geliebt… aber ich weiß nicht mehr, was das bedeutet.“
 

Seine Stimme zitterte, die Worte kamen nur mühsam über seine Lippen. „Aiden, ich habe ihm vertraut. Ich dachte, er wäre anders… Aber letztlich bin ich für ihn auch nur ein Besitz. Nichts weiter.
 

Aiden setzte sich näher zu ihm, legte sanft eine Hand auf seine Schulter. Doch Darius schüttelte den Kopf, die Verzweiflung in ihm schien ihn zu überwältigen. „Ich weiß nicht, wie ich ihm jemals vertrauen soll… Ich will es ja, Aiden. Aber ich dachte, er wollte mich. Doch jetzt sehe ich nur, wie er mich kontrolliert.“
 

Darius‘ Stimme brach, und er vergrub sein Gesicht in den Kissen. Schluchzend ließ er seinen Schmerz heraus, während die Erinnerungen ihn unerbittlich einholten – die Nacht, die Ohrfeige, die Demütigung. All das hatte ihn an seinem eigenen Wert zweifeln lassen.
 

„Darius…“, flüsterte Aiden behutsam, „du bist kein Besitz für ihn. Ich bin sicher, dass es nicht so ist, wie du es jetzt siehst. Er zeigt seine Gefühle vielleicht auf eine Art, die auch ich nicht verstehe. Er ist ein Alpha, Darius. Wir sind es nicht.“
 

Doch Darius konnte Aidens Worte nicht hören. Die Bilder und der Schmerz in seinem Inneren waren zu laut.
 

„Ich dachte, wir könnten uns verstehen. Aber jetzt…“, seine Stimme brach erneut. „Er hat mir meine Freiheit genommen. Die Freiheit, die ich immer wollte. Und… und diese Nacht… der Schmerz… war nicht nur körperlich. Er hat mich innerlich zerstört. Ich fühle mich wie ein zerbrochener Mensch.“
 

Aiden betrachtete ihn lange, sein Blick voller Mitgefühl. „Du bist nicht zerbrochen, Darius“, sagte er schließlich mit sanfter Bestimmtheit. Doch Darius fühlte sich gefangen in einem Tunnel aus Dunkelheit und Schmerz, ohne Licht am Ende.
 

„Ich kann nicht mehr, Aiden“, murmelte er schließlich, die Tränen unaufhörlich strömend. „Ich liebe ihn… aber ich weiß nicht, wie ich weitermachen soll. Ich verliere mich selbst in diesem Chaos.“
 

Aiden atmete tief durch und hielt inne, bevor er sprach. „Ich verstehe dich, Darius. Aber du musst nicht allein durch dieses Dunkel gehen. Ich werde bei dir sein, solange du es brauchst. Und eines Tages wirst du den Weg aus diesem Tunnel finden.“
 

Darius hörte diese Worte, aber sie erreichten ihn nicht. Der Schmerz war zu überwältigend, die Last zu schwer.
 

„Vielleicht…“, begann er schließlich, kaum hörbar. „Vielleicht sollte ich einfach gehen. Alles hinter mir lassen. Irgendwo neu anfangen… alleine. Ohne Zwänge, ohne Regeln, ohne Besitz.“
 

Aiden spürte, wie diese Worte den Raum erfüllten, schwer und endgültig. Doch er konnte sie nicht akzeptieren. „Darius, du bist mehr als das. Und du bist es wert, geliebt zu werden – selbst wenn du es gerade nicht sehen kannst.“
 

Darius nickte schwach, seine Tränen versiegten nicht. Tief in seinem Inneren wusste er, dass Aiden ihm helfen wollte. Aber in diesem Moment fühlte er sich zu verloren, um die Hand, die ihm gereicht wurde, zu ergreifen.
 

„Ich… ich sehe keinen Ausweg, Aiden“, flüsterte er schließlich, und seine Worte klangen wie ein letzter Abschied. Doch irgendwo tief in seinem Inneren wusste er, dass dies nicht das Ende war. Irgendwo gab es noch eine Chance – auch wenn er sie jetzt nicht erkennen konnte…

Kapitel 20

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Darius saß am Rand des Bettes. Die Tränen versiegten allmählich, doch der Schmerz blieb. Es fühlte sich an, als wäre sein Herz in zwei Hälften gerissen. Immer wieder kehrte sein Geist zu der arrangierten Ehe zurück, die er nie gewollt hatte. Der Gedanke, in diesem goldenen Käfig gefangen zu sein, schnürte ihm die Kehle zu.
 

Aiden hatte versucht, ihm gut zuzureden, aber die Worte verhallten in seinem Kopf wie ein schwacher Widerhall. Die Verzweiflung in Darius wuchs, seine Gedanken wurden dunkler, bis er sich in einem Strudel aus Schmerz und Hoffnungslosigkeit verlor.
 

„Ich kann nicht mehr … ich will einfach nur weg … nach Hause …“, murmelte er, seine Stimme brüchig. Langsam stand er auf und trat ans Fenster. Die kühle Luft des Tages strich ihm entgegen, doch sie brachte keine Erleichterung. In seinem Inneren tobte ein Feuer aus Verzweiflung.
 

Sein Blick fiel auf den Balkon, dann hinab in die Tiefe. Der Gedanke, all dem Leid ein Ende zu setzen, wurde immer greifbarer. Es schien keinen Ausweg zu geben, keine Lösung für dieses Leben, das er nie gewählt hatte.
 

„Darius, nein!“ Aidens Stimme riss ihn aus seinen Gedanken. Der junge Omega sprang auf und lief zu ihm.
 

„Lass mich! Ich kann nicht mehr!“, schrie Darius, drehte sich um und starrte Aiden mit tränenden Augen an.
 

Doch Aiden blieb ruhig, kam näher und legte seine Hände fest auf Darius’ Schultern. „Du darfst nicht so denken. Du bist wertvoll, Darius. Du bist nicht allein.“
 

Der Lärm war nicht unbemerkt geblieben. Im Haus herrschte Alarmstimmung. Damian, der den Tumult hörte, sprang von seinem Schreibtischstuhl auf, ließ ihn polternd zu Boden fallen und rannte los. Thomas, sein Beta, folgte ihm, ebenso sein Bruder. Alle eilten zu Darius‘ Zimmer – voller Hoffnung, dass sie rechtzeitig kommen würden.
 

Besonders Damian fühlte, wie ihm das Herz in der Brust hämmerte. Er durfte Darius nicht verlieren.
 

Doch Darius hörte Aiden kaum. Seine Gedanken kreisten um die Ehe, in die er gezwungen worden war. Damian war Teil dieser Tortur, ein Symbol seines Gefängnisses. Und obwohl Damian es ebenfalls nicht gewollt hatte, änderte das nichts an Darius’ Schmerz.
 

„Niemand hat mich gefragt, was ich will“, flüsterte er bitter. „Ich habe nie zugestimmt. Und jetzt bin ich gefangen.“
 

„Du kannst mich nicht aufhalten, Aiden!“, schrie er plötzlich, versuchte sich loszureißen, doch Aiden hielt ihn fest.
 

„Ich lasse dich nicht allein“, sagte Aiden ruhig, mit einer sanften Bestimmtheit. „Du bist mehr als dein Schmerz, Darius. Und ich werde dir helfen, das zu erkennen.“
 

Darius sank schließlich zitternd zurück. Er vergrub das Gesicht in den Händen, während Aiden bei ihm blieb. Der goldene Käfig, in dem er sich gefangen fühlte, war undurchdringlich – zumindest glaubte er das.
 

„Ich weiß nicht, was ich tun soll“, murmelte er. „Ich will einfach nur weg, aber ich kann nicht.“
 

Aiden zog ihn in eine Umarmung. „Du musst nicht allein sein“, flüsterte er. „Es gibt einen Weg – wir finden ihn zusammen.“
 

Doch selbst in Aidens Armen dachte Darius an Damian. Es war kompliziert – eine Mischung aus Wut, Sehnsucht und tiefer Verwirrung. Damian hatte ihn in diese Lage gebracht, und doch fühlte sich Darius auf eine Weise an ihn gebunden, die er nicht begreifen konnte. Dieser innere Konflikt drohte ihn zu zerreißen.
 

„Darius, du musst nicht aufgeben“, sagte Aiden sanft. „Ich bleibe an deiner Seite. Wir finden einen Ausweg.“
 

Darius schloss die Augen, atmete tief durch. Die Dunkelheit in ihm wich nicht, doch vielleicht – nur vielleicht – gab es einen Funken Hoffnung. Einen Weg aus diesem endlosen Albtraum…

Kapitel 21

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Aiden wusste in diesem Moment, dass er etwas tun musste, um Darius zu helfen, ihn aus dem dunklen Raum zu holen, in den er sich zurückgezogen hatte.
 

Ohne eine weitere Antwort abzuwarten, legte Aiden sanft seine Hände an Darius’ Gesicht, um ihn weiter zu beruhigen. Die Wärme seiner Berührung schien in Darius’ erschöpften Körper zu fließen, und obwohl er noch immer von innerer Unruhe zerrissen war, spürte er einen Moment lang die beruhigende Präsenz von Aiden.
 

Der Kuss kam plötzlich und unerwartet. Doch in dem Augenblick, in dem ihre Lippen sich berührten, schien Darius für einen Moment alles zu vergessen. Der Kuss war sanft, fast zärtlich, doch tief in ihm wusste er, dass Aiden nicht aufgeben würde.
 

Als sie sich voneinander lösten, schlug Darius’ Herz schneller, aber der Hauch von Trost in Aiden’s Nähe ließ den Druck in seiner Brust etwas nachlassen. „Ich bin hier, Darius. Ich lasse dich nicht fallen“, flüsterte Aiden und strich ihm eine Strähne aus dem Gesicht.
 

Die Berührung, der Kuss – sie schienen eine Mauer zu durchbrechen, die Darius sich selbst aufgebaut hatte. Es war, als könnte er endlich wieder atmen, auch wenn nur für einen Moment. Doch der körperliche Schmerz, die Fieberanfälle, waren immer noch da.
 

„Ich… ich will einfach nur nicht mehr fühlen“, murmelte Darius, noch immer zitternd. „Es tut weh, Aiden. Alles… es tut einfach zu sehr weh.“
 

„Du bist verletzt, Darius, aber du bist stark. Du bist nicht kaputt“, antwortete Aiden mitfühlend. „Lass uns das zusammen durchstehen. Du musst dich jetzt ausruhen.“
 

Eigentlich wollte Aiden Darius nur ins Bett legen, doch plötzlich erschütterte eine weitere Fieberwelle Darius’ Körper. Er verharrte mitten in der Bewegung, als ihm klar wurde, dass sie nicht mehr alleine waren. Der Blick, den Damian ihm zuwarf, ließ Aiden erstarren.
 

Es musste so kommen, dass Damian den Kuss sehen würde, daran hatte Aiden nicht gedacht – das hatte er nicht bedacht. Mehr als: „Ruhe dich aus… es wird alles gut…“, brachte er nicht mehr über die Lippen. Er sah nur, wie Damian Darius auf die Arme hob und seufzte.
 

Darius schloss die Augen und versuchte, sich zu entspannen, doch sein Kopf war noch immer voll von Gedanken und Fragen. Was würde Damian nun tun? Warum konnte er ihn nicht einfach in Ruhe lassen? Doch in diesem Moment war er auch froh, nicht unnötig nachdenken zu müssen. Auch wenn Damians Anwesenheit ihn jetzt zuwider war, brauchte er sie auch. Es war kein völliger Frieden, aber ein Schritt von Damian. Er hoffte, dass sie nicht weiter streiten würden – das könnte er nicht ertragen, und sein Körper würde es auch nicht mitmachen.
 

Aiden saß still am Rand des Bettes, als er beobachtete, wie Damian Darius aus dem Zimmer brachte. Auch sah er die fragenden Blicke der zwei Männer, die Damian begleiteten. Will und Thomas hatten nicht gesehen, wie Aiden Darius geküsst hatte.
 

Trotzdem hatte er ihm einen kurzen Moment der Ruhe verschafft. Wäre Darius sonst nicht so ruhig in Damians Armen gewesen? Doch Aiden hatte auch den Ärger in Damians Augen gesehen – seinen Zorn, der kurz aufgeflackert war, seinen Besitzanspruch… Das hatte ihm Angst gemacht.
 

Er wusste, dass Darius nun eine Konfrontation mit Damian bevorstand, und dieses Mal war es seine Schuld. Da gab es keinen Zweifel.
 

Aiden seufzte leise und lehnte sich zurück, während er den Raum still betrachtete. Die Eifersucht eines Alphas war eine gefährliche Waffe, und er kannte sie nur zu gut. Damian hatte zwar nicht den Ruf, leicht eifersüchtig zu sein, doch Aiden spürte zwischen den Zeilen, wie sehr er Darius beanspruchte, wie er ihn als seinen Besitz betrachtete. Was Aiden schmerzte, war, dass es bei ihm nie so gewesen war.
 

Der Kuss, der gerade zwischen ihm und Darius stattgefunden hatte, würde sicherlich etwas in Damian auslösen. Aiden hatte Darius’ verzweifelten Zustand gesehen, und er hatte keinen Zweifel daran, dass Damian es als Verrat betrachten würde – auch wenn es aus einem Wunsch nach Nähe und Trost kam.
 

„Du hast dich wirklich in ein gefährliches Spiel begeben, Aiden“, murmelte er sich selbst zu. „Darius so nahegekommen zu sein, wird es… kompliziert machen. Und für dich wird es kein einfaches Entkommen geben.“
 

Das Bild von Damian und seiner Dominanz, seiner intensiven Präsenz, kam ihm unweigerlich in den Sinn. Er wusste, dass Darius für Damian eine wichtige Rolle spielte – aber auch ein Besitz. Und der Gedanke, dass jemand anderes diesem Besitz zu nahekommen könnte, würde Damian in eine Position bringen, die er weder verstand noch akzeptierte.
 

Thomas und William wussten immer noch nicht, was Aiden mit seinen gemurmelten Worten meinte. Doch sie hatten den Gesichtsausdruck von Damian gesehen und konnten sich zusammenreimen, was passiert war.
 

Aiden fühlte eine wachsende Sorge in sich. Hatte er wirklich bedacht, welche Konsequenzen seine Nähe zu Darius haben würde? Was, wenn Damian ihm gegenüber genauso hart reagieren würde wie bei seinen eigenen Eifersuchtsanfällen, die er bei anderen Paaren immer wieder beobachtet hatte? Würde er Aiden als Bedrohung ansehen? Als Konkurrenz? Oder als Verräter?
 

Es gab keine einfache Antwort, aber Aiden war sich sicher, dass Damian nicht ruhig bleiben würde. Und das war das Letzte, was er wollte – sich zwischen Damian und Darius stellen zu müssen, vor allem, da er wusste, wie tief die Gefühle von Darius für seinen Ehemann gingen, auch wenn Darius selbst diese Gefühle nicht vollständig verstand.
 

Er seufzte erneut, senkte den Blick, stand auf und ging auf den offenen Balkon. Seine Hand legte sich auf sein Herz.
 

„Ich hoffe, du bist stärker als du denkst, Darius“, flüsterte er leise zu sich selbst. „Denn du wirst es brauchen, wenn die Realität wieder auf dich trifft. Und das wird bald passieren. Ganz gleich, was zwischen uns passiert ist.“
 

Aiden wusste, dass er Darius nicht retten konnte. Aber er hatte ihm zumindest einen Moment der Ruhe verschaffen können, und hoffentlich würde er auch verhindern, dass Damian alles zerstörte, was zwischen ihnen begonnen hatte.
 

Aiden stand regungslos da. Er hatte sich nie in diese Situation begeben wollen, doch er sah keinen anderen Ausweg. Darius war so zerbrechlich, und Aiden wollte ihm helfen, wollte ihm zeigen, dass er nicht allein war. Doch er wusste auch, dass er nicht die Kraft hatte, sich gegen Damian zu stellen, wenn es hart auf hart kam. Zu sehr fürchtete er den Alpha. Er hatte nicht die Stärke, sich zu widersetzen, besonders nicht in diesem intensiven Machtgefüge.
 

In diesem Moment spürte er das Gewicht der Verantwortung, das auf seinen Schultern lastete. Er hatte das Gefühl, das Richtige für Darius zu tun, doch war es wirklich der richtige Weg?

Kapitel 22

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Damian war wütend. Nicht auf Darius – sondern auf sich selbst. Wie konnte er nur auf die Idee kommen, Aiden mit Darius allein zu lassen? Er hätte es besser wissen müssen. Aiden war immer schon ein Freigeist, unberechenbar und ständig darauf bedacht, Grenzen auszutesten. Damian hatte gedacht, es wäre vielleicht das Beste, wenn die beiden sich anfreundeten, wenn Aiden seine Energie an Darius ausleben konnte. Doch er hatte sich geirrt. Erbärmlich geirrt.
 

Der Moment, als er Aiden Darius küssen sah, war wie ein Schlag in die Magengrube. Alles in ihm schrie danach, Aiden zur Rede zu stellen, ihn anzuschreien, ihm sofort eine Lektion zu erteilen. Doch Damian hielt sich zurück. Nicht hier. Nicht jetzt. Eine Bestrafung konnte warten, aber sie würde kommen. Das war sicher. Für Damian war es Verrat – nicht nur an ihm, sondern auch an der Bindung, die sie miteinander hatten.
 

Seine Gedanken wanderten zurück zu Darius. Damian hatte ihn genau beobachtet, als er ihn hierherbrachte. Obwohl Darius erschöpft war, hielt er sich krampfhaft wach, wie ein Soldat, der in feindlichem Gebiet nicht nachgeben wollte. Es war eine seiner typischen Eigenheiten, ein weiteres Zeichen, dass Darius ein Kämpfer war, durch und durch.
 

Doch jetzt war er erschöpft, ausgelaugt, und Damian wusste, dass sein Körper Ruhe und Heilung brauchte. Jede unnötige Aufregung musste vermieden werden – zumindest für den Moment.
 

„Wo bringst du mich jetzt hin? Was passiert jetzt mit mir?“, kam es leise von Darius, fast flüsternd. Die Stimme war erschöpft, aber dennoch war da diese unterschwellige Härte, die Damian mittlerweile gut kannte.
 

Damian sah ihn an, mit einem Blick, der zärtlich und beschützend war. Seine innere Wut war immer noch da, brodelnd und heiß, aber sie galt nicht Darius. Nicht direkt. Aiden war der Ursprung seines Zorns, nicht sein Mann. „Noch nicht“, dachte er bei sich.
 

„Du musst dich erst erholen“, sagte Damian ruhig, beinahe sanft. „Wir reden später.“
 

Die Botschaft war klar, und Darius schien sie zu verstehen. Doch in Damian reifte bereits der Gedanke an die Strafe, die auf Darius wartete. Es war nicht seine Art, Härte mit roher Gewalt zu zeigen – nicht, wenn es um Darius ging. Schließlich hatte er seinem Bruder versprochen, sich gut um ihn zu kümmern. Allerdings hatten die beiden nicht festgelegt, wie. Nein, er würde seine Wut nicht auf diese Weise auslassen. Einmal die Kontrolle zu verlieren, hatte ihm gereicht. Aber eine Strafe musste trotzdem sein.
 

Damian ließ seinen Blick über Darius’ erschöpften Körper gleiten, über die Anspannung in seinen Zügen. Er wusste, wie er ihn bestrafen würde, und er war sich sicher, dass Darius die Demütigung nicht leichtfallen würde. Es würde eine intime, gezielte Lektion werden – keine Gewalt, keine rohe Härte, sondern etwas, das ihn an seine Grenzen bringen würde, ohne sie zu überschreiten.
 

Damian wusste, dass Darius nicht der Typ war, der sich von einem anderen Mann küssen ließ – es sei denn, dieser Mann war er selbst. Und genau hier würde er ansetzen. Die Strafe würde Darius nicht körperlich brechen, aber sie würde ihm deutlich machen, wem er gehörte – und wem nicht.
 

Zumindest dachte Damian das. Sein Ziel war, dass Darius endlich begreifen würde, dass er die Regeln aufstellte, nicht er selbst! Dass der Kuss, den Aiden ihm gegeben hatte, alles ins Wanken gebracht hatte, was sie vielleicht miteinander aufgebaut hatten, konnte Damian nicht wissen. Aber es war ihm auch egal. Er war der Alpha, und vergessen waren die Worte, die er mit seinem besten Freund Dustin gesprochen hatte. Es ging ihm ums Prinzip – und darum, dass niemand seine Autorität infrage stellen durfte.
 

Der Kuss, den Aiden Darius gegeben hatte, hatte alles erschüttert. Genau die Ängste, die Aiden schon geäußert hatte, ohne dass Damian davon wusste, waren plötzlich real.
 

Während Darius langsam wegnickte, trotz seiner Bemühungen, wach zu bleiben, betrachtete Damian ihn nachdenklich. Seine Wut war gezähmt, seine Gedanken klar. Die nächsten Stunden würde der Sturm beiseitegetreten werden, und danach würde Darius wissen, was es bedeutete, Damian zu gehören.
 

Sollte Darius es immer noch nicht begreifen, würde Damian es so lange weitermachen, bis Darius verstand, was es hieß, der Mann eines McKinleys zu sein…

Kapitel 23

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Als Damian das Schlafzimmer verließ, lehnte er die Tür leise an, um Darius nicht zu wecken. Seine Schultern strafften sich, während seine Gedanken um Aiden kreisten. Die Hitze, die in ihm aufflammte, war keine Leidenschaft, sondern glühende Wut. Aiden hatte eine Grenze überschritten – eine, die nicht ungestraft bleiben konnte.
 

Im Gemeinschaftsraum saßen Aiden, Thomas, sein Beta, und William, sein jüngerer Bruder. Auch die anderen Männer des Clans waren anwesend. Aiden versuchte, eine gelassene Haltung zu bewahren, doch die Spannung in seinem Gesicht verriet, dass er wusste, was bevorstand. Thomas wirkte ruhig, sein Blick wachsam, als Damian eintrat.
 

„Damian“, begann Thomas vorsichtig, doch Damian hob nur eine Hand, um ihn zum Schweigen zu bringen. Sein Fokus lag allein auf Aiden, dessen Miene sich nun in stillen Trotz verwandelte.
 

„Steh auf, Aiden“, befahl Damian, seine Stimme tief und ruhig. Doch in seinem Ton lag eine unausgesprochene Macht, die keine Widerrede duldete.
 

Aiden zögerte, dann erhob er sich mit leicht gehobenem Kinn, als wolle er sich wappnen. „Ich nehme an, du bist sauer“, begann er, doch Damian schnitt ihm mit einem scharfen Blick das Wort ab.
 

„Sauer?“ Damian trat näher, bis er direkt vor Aiden stand. „Das ist nicht das Wort, das ich verwenden würde. Was hast du dir dabei gedacht, Darius zu küssen? Du weißt, was das bedeutet. Du weißt, wie ein Alpha reagiert, wenn es um seinen Partner geht.“
 

Aiden öffnete den Mund, um etwas zu entgegnen, doch Damian ließ ihm keine Gelegenheit. „Du hast eine Grenze überschritten, Aiden – und das war dir vollkommen bewusst.“
 

Die anderen Männer blieben stumm. Dies war eine Sache zwischen Damian und Aiden, und niemand wagte es, einzugreifen.
 

„Es war nur ein Kuss… Ich wollte ihn beruhigen…“, versuchte Aiden schließlich. Doch Damian schüttelte den Kopf, seine Stimme nun gefährlich leise. „Für dich vielleicht. Aber für mich nicht.“
 

Damian machte eine Pause, seine Augen fest auf Aiden gerichtet. „Du wirst eine Strafe bekommen. Nicht, weil ich dich hasse, sondern weil du lernen musst, was es bedeutet, Grenzen einzuhalten.“
 

Er seufzte kurz, bevor er fortfuhr. „Haben dir meine Eltern nicht beigebracht, dass man den Besitz eines Alphas nicht anfasst?“ Seine Stimme klang scharf, doch er hielt sich zurück. Gewalt war keine Lösung – nicht dieses Mal.
 

Aiden schluckte schwer, der Trotz in seinen Augen wich langsam einer leisen Angst. „Ich…“, murmelte er schließlich und senkte den Blick. „Ich...ich verstehe...“
 

„Gut. Du hast es wohl verstanden.“ Damian trat einen Schritt zurück und wandte sich an Thomas. „Du bleibst hier und sorgst dafür, dass er keinen Unsinn macht.“
 

Thomas nickte gelassen. „Natürlich“ erwiderte er mit einem Hauch von Belustigung in den Augen.
 

Damian wandte sich ab und ging in sein Büro. Dort setzte er sich an den Schreibtisch, zog ein Adressbuch hervor und griff zum Telefon. Sein Gesicht verzog sich zu einem kalten Lächeln, als er eine Nummer wählte.
 

„McKinley“, ertönte eine Stimme nach kurzem Klingeln. „Was verschafft mir die Ehre deines Anrufs?“
 

„Suchst du noch immer einen Mann?“, fragte Damian mit ruhiger Stimme, während er in Gedanken bereits seinen nächsten Zug plante und sich entspannt zurücklehnte.
 

Die Stimme am anderen Ende war für einen Moment still, bevor sie mit Skepsis antwortete. „Theoretisch ja… Warum fragst du?“
 

Damian grinste, seine Stimme wurde noch ruhiger. „Aiden. Er hat es gewagt, meinen Partner anzufassen. Ich denke, er braucht einen neuen Platz – einen Platz, an dem er lernen kann, Grenzen zu respektieren. Falls du noch heiraten willst, kann ich das arrangieren.“
 

Ein leises Lachen ertönte aus dem Hörer, tief und berechnend. „Du meinst das ernst, oder? Ich hatte Aiden schon immer im Auge. Attraktiv ist er, das muss ich zugeben. Wann soll das Ganze stattfinden?“
 

„Morgen“, antwortete Damian knapp. „Komm in mein Büro, wir klären die Details.“
 

„Ich werde da sein.“ Mit diesen Worten legte die Stimme auf.
 

Damian ließ das Telefon sinken und lehnte sich zufrieden zurück. Für einen Moment schloss er die Augen und genoss die Stille. Das war erledigt. Doch er wusste, dass er Darius von dieser Entscheidung erzählen musste – doch jetzt noch nicht. Das hatte Zeit.
 

Nach einigen Minuten erhob sich Damian und ging zurück in den Gemeinschaftsraum. Alle Anwesenden wandten ihm ihre Aufmerksamkeit zu, als er eintrat. Aiden stand auf, seine Augen wanderten nervös zwischen Damian, Thomas und William hin und her, bevor sie auf den Boden sanken.
 

Damian atmete tief durch und bemühte sich, seine Stimme ruhiger zu halten. Der strenge Ton wich etwas Sanfterem, das dennoch Entschlossenheit vermittelte. Sein Blick blieb fest auf Aiden gerichtet, während er das Thema vorsichtig ansprach.
 

„Du denkst, ich werde dich verstoßen, nicht wahr?“, sagte Damian, und seine Stimme war nun deutlich weicher, doch immer noch fest.
 

Aiden zuckte kaum merklich zusammen, bevor er langsam und zögerlich nickte. „Ich weiß…“, murmelte er leise, „…wie Alphas normalerweise reagieren. Ich habe es schon gesehen – Omegas, die Fehler gemacht haben, und dann...“
 

Er brach ab, aber Damian verstand sofort, worauf Aiden hinauswollte. In ihrer Welt waren die Folgen eines Fehlers für einen Omega oft grausam. Ohne den Schutz eines Alphas wurde ein Omega schnell zum Opfer der Launen anderer.
 

Damian spürte, wie sich Zorn in ihm regte, doch es war kein Zorn auf Aiden. Es war Wut auf die Ungerechtigkeiten des Systems, das solche Ängste nährte. „Ich bin nicht wie die anderen“, sagte er entschieden und sah Aiden dabei direkt an.
 

„Ich werde dich nicht verstoßen, Aiden. Du bist Teil meiner Familie, und das wird sich nicht ändern.“ Er machte eine Pause, bevor er mit etwas schärferem Ton hinzufügte: „Aber das bedeutet nicht, dass ich dein Verhalten einfach ignorieren werde. Daher habe ich entschieden, was mit dir geschehen wird.“
 

Aiden hob den Kopf, seine Augen suchten Damian, erfüllt von Unsicherheit und Sorge. „Was… was meinst du?“, fragte er, der Angst in seiner Stimme war kaum zu überhören.
 

Damian verschränkte die Arme vor der Brust und ein leichtes Lächeln spielte auf seinen Lippen. Doch für Aiden war dieses Lächeln keineswegs beruhigend. „Du wirst heiraten.“

Kapitel 24

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Die Worte trafen Aiden wie ein Schlag. Seine Augen weiteten sich, und für einen Moment hielt er den Atem an. „Was?“ flüsterte er schließlich. Er hatte geahnt, dass Damian sauer war, aber das übertraf seine Vorstellungskraft.
 

Also sah Damian ihn als Bedrohung? Als Konkurrenz? Und als Verräter? Diese Gedanken rissen Aiden den Boden unter den Füßen weg.
 

„Du hast meinen Partner angefasst, Aiden“, erklärte Damian mit unbewegtem Gesicht. „Das ist unverzeihlich. Aber ich werde dich nicht verstoßen, wie ich es dir versprochen habe. Stattdessen gebe ich dir eine neue Aufgabe – und eine neue Heimat.“
 

Aiden starrte Damian weiterhin fassungslos an. „Ich hab doch nur versucht zu helfen…“
 

Aiden war sprachlos, als er die nächsten Worte fand: „Aber, du willst mich… verheiraten? Obwohl mir deine Eltern versprochen haben, mir mein Leben zu lassen… ohne dass ich heiraten muss?“
 

„Ja“, bestätigte Damian kühl. „Morgen wirst du Jack Brown heiraten. Er wird dafür sorgen, dass du nie wieder die Grenzen anderer überschreitest.“ Doch Damian war mit seinem Plädoyer noch nicht fertig.
 

„Aiden, meine Eltern leben nicht mehr…“, eine kurze Pause entstand. „Ich bin der Alpha, ich entscheide!“
 

Die Anwesenden beobachteten die Szene schweigend. Thomas warf Aiden einen mitleidigen Blick zu, während William die Augenbrauen hob, jedoch nichts sagte. Er hasste gerade seinen Bruder, denn er wusste, dass er Aiden liebte. Doch er war nicht der Alpha und hatte nichts zu sagen, was ihn ärgerte.
 

Aiden sank in einen Stuhl, als hätte man ihm die Luft aus den Lungen gedrückt. „Du kannst das nicht machen…“
 

„Oh doch, Aiden“, antwortete Damian ungerührt. „Ich bin dein Alpha, und ich werde tun, was nötig ist, um meinen Clan zu schützen – und meinen Partner.“ Aiden hatte scheinbar nicht zugehört, als Damian ihm gesagt hatte, dass er der Alpha ist, der entscheidet.
 

Damian drehte sich um und verließ den Raum. In seinem Inneren tobte ein Sturm, doch nach außen hin bewahrte er seine unerschütterliche Fassade.
 

Nun blieb nur noch eine Aufgabe: Darius zu wecken. Schließlich hörte er das entfernte Brummen eines Wagens, der vor dem Anwesen hielt. Er wusste, dass es der kleine Ed Miller sein musste. Alles andere kam gar nicht in Frage.
 

Damian schritt nach oben zum Schlafzimmer, öffnete die Tür leise, und sein Blick fiel auf Darius. Er machte sich schon auf die nächste Konfrontation gefasst. Doch Darius rieb sich nur über das Gesicht, bevor er sich vorsichtig aufsetzte.
 

„Du hast mich nicht umgebracht. Das ist doch schon mal was“, kam es bitter aus seinem Mund.

Damian schnaubte leise, fast amüsiert. „Nein. Ich habe andere Pläne.“
 

Darius hob eine Augenbraue. „Pläne, ja?“, schnaubte er nur. „Klingt ja vielversprechend“, kam es noch sarkastisch hinterher.
 

Damian setzte sich auf die Bettkante, sein Gesicht nun näher an Darius. „Das hier wird keine Diskussion. Du wirst zuhören, was kommt.“ Seine Stimme war leise, fast sanft, aber die Schärfe in seinen Worten war unüberhörbar. Darius nickte langsam, wich Damians Blick jedoch nicht aus.
 

„Was willst du?“ Die Spannung zwischen ihnen war greifbar, doch Darius senkte den Kopf – vielleicht eine Geste der Akzeptanz oder vielleicht der Herausforderung?
 

Damian erhob sich, sein Blick eindringlich. „Steh auf. Wir haben Besuch.“ Darius öffnete den Mund, um etwas zu sagen, doch Damian hob eine Hand, um ihn zu stoppen.
 

„Ich hab gesagt, du sollst aufstehen. Bist du schwer von Begriff?“ Damian wollte nicht so kalt zu seinem Mann sein, aber er war ein Mann, der seinen Clan mit eiserner Hand führte. Da er wusste, dass Darius immer noch auf Konfrontation aus war, blieb ihm nichts anderes übrig, als so mit ihm umzugehen.
 

Darius tat widerwillig, wie ihm geheißen, langsam und mit einem Hauch von Vorsicht. Als er vor Damian stand, war er sich nicht sicher, was folgen würde, aber die Intensität in Damians Augen ließ keinen Zweifel daran, dass er es bald erfahren würde.
 

Zusammen mit Darius ging Damian nach unten und schenkte Aiden einen Blick, der so viel bedeutete: Er durfte sich seinem Mann nicht nähern. Er war nur froh, dass Darius noch nicht gemerkt hatte, dass auch Aiden da war.
 

Darius' Blick war skeptisch, da er immer noch nicht wusste, was hier vor sich ging. Ihm ging es immer noch nicht gut, und er wollte sich am liebsten hinlegen. Aber gerade, als er seinen Mann anfahren wollte, öffnete sich die Tür.
 

Seine volle Aufmerksamkeit galt nun der kleinen Person, die in die Halle trat, eine kleine Baby-Katze im Arm haltend. Darius erkannte den Kleinen sofort.
 

„Aber das ist doch Ed…“

Kapitel 25

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Der kleine Ed, der schüchtern in die Halle getreten war, ging langsam auf Darius zu und blieb schließlich einen Meter vor ihm stehen. Tränen glitzerten in seinen Augen, und er umklammerte die kleine Katze fest, als hätte er Angst, auch sie zu verlieren.
 

Darius öffnete seine Arme, und der Junge rannte die letzten Meter förmlich in seine Umarmung, wo er bitterlich zu weinen begann. Alles, was Darius tat, war, ihm liebevoll über seinen hellen Schopf zu streichen.
 

Von Anfang an war der kleine Mann für Darius ein Goldschatz gewesen. Er sah ihn wie ein eigenes Kind – ein Kind, das er selbst nie haben wollte. Dafür hatte er seine Gründe.
 

„Was machst du hier, kleiner Mann?“, fragte er leise, kaum hörbar für den Jungen, der sich an ihn klammerte. Doch eine Antwort bekam er wider Erwarten nicht von Ed, sondern von seinem Mann.
 

Damian atmete tief durch. „Ed ist Vollwaise. Seine Eltern sind gestern Abend bei einem Unfall ums Leben gekommen, und keiner wollte sich um ihn kümmern. Und ich…“ Er hielt kurz inne, suchte nach den richtigen Worten. „Ich habe entschieden, dass du ihn großziehen sollst.“
 

Einen Moment lang sagte Darius nichts. Er starrte Damian an, als hätte er sich verhört. „Ich… was?“
 

„Du hast richtig gehört“, sagte Damian ruhig, aber mit Nachdruck. „Du wirst sein Vormund sein, seine Mutter, seine Familie. Der Junge braucht jemanden, der stark genug ist, ihn zu beschützen, und jemanden, der ihm ein Zuhause geben kann. Das bist du.“
 

Damit ließ Damian seinem Mann eine gewisse Freiheit, ob Darius das verstand oder nicht, spielte für Damian keine Rolle.
 

Darius öffnete den Mund, um etwas zu sagen, doch keine Worte kamen heraus. Stattdessen ließ er sich schwer auf die Knie sinken und fuhr weiterhin mit einer Hand durch Eds Haare.
 

„Warum ich?“, fragte er leise und unsicher, kaum hörbar. Der Konflikt wegen Darius’ Arbeit lastete schwer auf beiden, und die Spannung war förmlich spürbar.
 

Damian kniete sich vor ihn, seine Augen auf Darius’ Gesicht gerichtet. „Weil der Kleine dich braucht. Du hast ein Herz, das größer ist, als du zugeben willst, und eine Stärke, die mich beeindruckt – die Ed aber dringend braucht. Ich habe keinen Zweifel daran, dass du der Richtige bist.“
 

Damian machte eine kurze Pause. „Und ich will nicht, dass er in falsche Hände gerät.“ Man mochte es kaum glauben, aber Damian mochte Kinder – sofern sie taten, was er ihnen sagte.
 

Darius schüttelte den Kopf, ein unsicheres Lachen entkam ihm. „Du bist verrückt, weißt du das?“
 

„Vielleicht“, erwiderte Damian mit einem leichten Lächeln. „Bin ich doch dein Tyrann…“ Damian lachte leise und fuhr fort, ohne auf Darius’ auffälliges Ächzen zu achten.
 

„Aber ich habe Recht. Und ich hoffe, dass du dich darüber freust.“
 

Darius lachte glucksend auf, hob den Blick und suchte in Damians Gesicht nach etwas Greifbarem. Ein kleines Lächeln erschien auf seinen Lippen. „Oh ja, und wie… Danke, Damian.“
 

Er widmete sich wieder Ed, und für einen Moment waren die Konflikte und Spannungen vergessen.
 

Damian nickte nur, seine Erleichterung deutlich spürbar. Auch bemerkte Darius niemanden um sich herum, insbesondere nicht Aiden.
 

Dieser saß geknickt und weinte leise in einem Sessel. Doch Damian war das egal – oder vielmehr: dem Alpha war es egal. Wenn es um Darius ging, konnte Damian nur begrenzt rational denken. Da wurden selbst Freunde zu Feinden.
 

Ed, ein normalerweise lebhafter, fröhlicher Vierjähriger mit ansteckendem Lachen und großen, neugierigen Augen, wirkte nun gebrochen. Darius wusste, dass er alles tun würde, um den Jungen wieder so zu sehen. Doch unter diesen Umständen… er wusste nicht wie.
 

Plötzlich bemerkte Darius, wie Eds kleiner Körper zitterte. Er schluchzte leise gegen Darius’ Brust.
 

„Sie… sie sind weg…“, sagte der Junge mit gebrochener Stimme. „Mama und Papa sind weg…“
 

Darius spürte, wie sich ein Kloß in seinem Hals bildete. Trotzdem strich er dem Jungen sanft über den Rücken, seine Bewegungen vorsichtig, um ihm nicht wehzutun.
 

„Ich weiß… ich weiß…“, seufzte er. Darius hatte Eds Eltern gekannt. Sie waren nett, freundlich und hatten nie jemandem etwas zuleide getan. Anders als klassische Paare hatten sie stets versucht, die Hierarchie zu verändern. Doch sie waren gescheitert – sonst wäre der kleine Kerl jetzt nicht in seinen Armen.
 

„Du bist nicht allein. Ich werde mich um dich kümmern. Deine Eltern sind nicht umsonst gestorben.“
 

Ed klammerte sich noch fester an ihn. Sein Schluchzen ebbte langsam ab, und Darius hielt ihn weiterhin fest, wollte ihm die Sicherheit geben, die er immer schon bei ihm gesucht hatte.
 

Damian ließ Darius und Ed alleine im Flur, während er sich um einen Kollegen und die Formalitäten kümmerte. Als er zurückkehrte, blieb er stehen und betrachtete die Szene.
 

Darius, der vollkommen in seiner neuen Rolle aufging. Damian wusste, dass ihm das in die Hände spielen würde. Innerlich grinste er, auch wenn seine äußere Haltung nichts davon zeigte.
 

„Er scheint dich zu mögen“, sagte Damian, als er nähertrat.
 

Darius blickte auf Ed hinab, dessen Augen vor Erschöpfung schwer waren. „Ich weiß. Das hat er getan, seit dem ersten Tag, an dem er mich kennt.“
 

„Du solltest den Kleinen in dein Zimmer bringen. Er hatte einen anstrengenden Tag“, erwiderte Damian.
 

Darius stand auf, den kleinen Jungen sicher in seinen Armen. Ed schmiegte sich an ihn, sein Gesicht an Darius’ Schulter, als hätte er endlich einen sicheren Hafen gefunden.
 

Im Schlafzimmer setzte Darius Ed vorsichtig auf das Bett, zog ihm die Jacke aus und deckte ihn mit einer weichen Decke zu. Ed hielt dabei seine Hand fest und ließ ihn keinen Moment los.
 

„Darius?“, murmelte Ed mit halb geschlossenen Augen.
 

„Ja, Ed?“
 

„Gehst du nicht weg, oder?“
 

Darius’ Brust zog sich zusammen. Er drückte die kleine Hand des Jungen. „Niemals.“
 

Ed lächelte schwach, bevor er in einen erschöpften Schlaf fiel. Darius blieb an seiner Seite, hielt seine Hand und wusste, dass sein Leben sich für immer verändert hatte.
 

Damian beobachtete die Szene aus der Tür, ein kaum wahrnehmbares Lächeln auf seinen Lippen…

Kapitel 26

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Darius saß eine Weile still, seine Hand noch immer in der Hand, von Ed, während der kleine Junge, langsam in den Schlaf glitt. Seine Brust hob und senkte sich gleichmäßig, und ein Hauch von Frieden legte sich auf sein Gesicht. Darius konnte nicht anders, als ihn anzusehen – diesen kleinen Kerl, der ihn jetzt mehr brauchte als alles andere.
 

Die kleine Babykatze, die sich ebenfalls in Eds Nähe befand, regte sich und kletterte vorsichtig auf Darius‘ Schoß. Dort rollte sie sich zusammen und murmelte sich wieder in den Schlaf. Darius musste schmunzeln, strich der Kleinen sanft über das weiche Fell und lachte leise. In diesem Moment war es ihm egal, ob Damian da war oder nicht.
 

Damian trat leise in den Raum, nachdem er die Szene eine Weile beobachtet hatte, und setzte sich in den Sessel gegenüber. „Es fühlt sich anders an, nicht wahr?“
 

Darius hob den Blick, ein nachdenklicher Ausdruck lag auf seinem Gesicht. „Was meinst du?“ Skepsis stand ihm ins Gesicht geschrieben.
 

„Verantwortung in dieser Form“, sagte Damian ruhig. „Nicht nur für dich selbst, sondern für jemanden, der völlig von dir abhängt. Es ist eine Bürde – und gleichzeitig das größte Geschenk, das dir das Leben machen kann.“ Seine Augen ruhten kurz auf der kleinen Katze, die tief und friedlich schlief.
 

Darius nickte langsam. „Es ist beides. Er hat niemanden mehr, Damian. Niemanden außer mir.“ Seine Stimme war leise, doch die Entschlossenheit darin war unüberhörbar.
 

„Und du bist bereit, das zu tragen?“ Damian lehnte sich zurück, seine Augen prüfend, aber nicht drängend.
 

„Ich habe keine Wahl“, erwiderte Darius ohne zu zögern. „Er ist ein Teil von mir, Damian. Das war er schon, bevor … bevor alles passiert ist. Und jetzt erst recht.“ Ein warmes Gefühl der Zuneigung überkam ihn, obwohl die Umstände ihn auch traurig stimmten.
 

Damian nickte langsam, ein Hauch von Stolz auf seinem Gesicht. „Das wollte ich hören.“
 

Eine Weile herrschte Stille zwischen ihnen, während Darius seinen Blick wieder auf Ed richtete. Der Junge bewegte sich leicht, murmelte etwas Unverständliches im Schlaf und zog die Decke fester an sich.
 

„Du solltest wissen, dass es nicht einfach wird“, sagte Damian schließlich, seine Stimme ernst. „Er wird trauern, Darius. Vielleicht auf eine Weise, die er selbst nicht versteht. Aber du musst stark bleiben – für ihn. Er wird Fehler machen, und du wirst daran wachsen. Manchmal wirst du auch scheitern. Das gehört dazu.“
 

Darius ließ die Worte auf sich wirken. Er war nicht naiv, und er wusste, dass Damian recht hatte. Doch er spürte auch etwas anderes: eine Stärke in sich, die er vorher nicht kannte. Trotzdem war ihm klar, dass jeder Fehler des Kleinen auch auf ihn zurückfallen würde. Deshalb blieb er wachsam. Alles, was zählte, war Eds Schutz.
 

„Ich werde nicht perfekt sein“, gab er schließlich zu, fast flüsternd.
 

„Das musst du auch nicht“, sagte Damian mit einem kleinen Lächeln. „Du musst nur da sein. Und lieben.“
 

Darius nickte, beugte sich vor und strich Ed sanft über das blonde Haar. „Das verspreche ich dir, kleiner Mann“, flüsterte er.
 

Damian stand auf, trat näher und legte eine Hand auf Darius‘ Schulter. „Der Abend gehört dir und Ed. Ich kümmere mich um den Rest. Wenn du mich brauchst, bin ich da.“
 

Darius sah zu ihm auf, und Dankbarkeit spiegelte sich in seinen Augen. „Danke, Damian.“
 

Damian nickte nur, bevor er den Raum verließ und die beiden in der Ruhe zurückließ, die sie jetzt so dringend brauchten.
 

Darius blieb noch eine Weile an Eds Seite, bevor er sich schließlich zurücklehnte und seine Augen schloss. Der Weg vor ihnen würde nicht leicht sein, das wusste er. Aber zum ersten Mal seit Langem fühlte er sich bereit.
 

Als Ed im Schlaf ein leises, vertrauensvolles „Darius“ murmelte, wusste er, dass er die richtige Entscheidung getroffen hatte…

Kapitel 27

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Darius saß immer noch auf dem Bett und starrte nachdenklich ins Leere. Die Stille im Raum war beruhigend, doch in seinem Inneren tobte es. Während er den kleinen Jungen neben sich spürte – warm und vertrauensvoll – fühlte er sich selbst alles andere als sicher.
 

Seine Gedanken quälten ihn. Der kleine Ed, der jetzt so viel von ihm brauchte, war ein Segen – und gleichzeitig eine Herausforderung. Darius liebte Kinder, immer schon. Aber in diesem Moment, mit dieser Verantwortung, wurden Ängste wach, die er verdrängt hatte.
 

Er dachte an Damian. An all das, was unausgesprochen zwischen ihnen stand. An den Streit, der immer noch nicht ausgeräumt war, an die Konfrontationen, die stets unter der Oberfläche lauerten, und an diese verfluchte Zwangsehe, die er niemals gewollt hatte. Alles in ihm schrie danach, zu fliehen – doch das konnte er nicht. Nicht, solange Ed ihn brauchte.
 

Er wusste, dass Damian die Situation geschickt eingefädelt hatte, um ihn zu halten. Ein Schachzug, wie ihn nur ein Alpha beherrschen konnte.
 

Im Geheimen widerten ihn diese Spielchen an, und er fragte sich, was noch kommen würde. Der Kuss mit Aiden, das war klar, würde Konsequenzen haben. Doch was für Aiden auf dem Spiel stand, beschäftigte Darius fast mehr als seine eigenen Sorgen. Damian konnte ihn nicht brechen – dafür war er längst kaputt. Aber was würde aus Aiden werden?
 

Darius hatte Aiden als Freund liebgewonnen. Er war die einzige Vertrauensperson, die er hatte. Und genau deshalb befürchtete Darius, dass Damian ihn ihm wegnehmen würde. Würde er Ed nicht so friedlich neben sich schlafen sehen, hätte er Damian längst eine geknallt. Das schwor er sich insgeheim.
 

Doch noch etwas nagte an ihm – die Angst, über die er nie mit jemandem gesprochen hatte, nicht einmal mit Dustin oder Ethan: die Angst, selbst Kinder zu bekommen.
 

Er konnte sich nicht vorstellen, ein Kind zu haben, während er gesundheitlich so angeschlagen war. Gleichzeitig fühlte es sich unerträglich an, niemals ein eigenes Kind zu haben. Er hatte so oft davon geträumt, Mutter zu sein. Doch seine Ängste hielten ihn zurück.
 

Vorsichtig strich er Ed über das Haar, als dieser im Schlaf leise seufzte. Die kleine Hand des Jungen schloss sich um seinen Finger, und für einen Moment vergaß Darius alles andere.
 

Aber die Gedanken kehrten schnell zurück – ungelöste Konflikte, Stiche in seiner Seele, die einfach nicht verschwanden. Seine Unsicherheit, seine Angst, als Mutter zu scheitern, lasteten schwerer, als er sich selbst eingestehen wollte. Was, wenn er nicht genug war? Was, wenn er immer wieder zusammenbrach? Was, wenn er Ed nicht beschützen konnte?
 

Ein tiefer Seufzer entwich ihm, und sein Blick wanderte zur Tür. Damian war aus dem Raum gegangen, aber Darius spürte, wie seine Angst zurückkehrte. Vielleicht sollte er mit ihm sprechen, endlich sagen, was ihn quälte. Doch der Gedanke an einen erneuten Streit lähmte ihn. Der letzte Streit steckte ihm immer noch in den Knochen. Es war nicht die Wut, die ihn abhielt – es war die Angst vor Damian und seiner Macht.
 

„Warum tue ich mir das an?“, murmelte Darius leise. „Warum lasse ich all diese Ängste mein Leben bestimmen? Ich will doch nur... gut genug sein. Frei sein. Leben wie vorher.“
 

Ed schlief weiter, ahnungslos, was in Darius vorging. Der Gedanke daran, dem Jungen ein Zuhause zu geben, beruhigte ihn ein wenig. Vielleicht konnte er es schaffen, Ed alles zu geben, was er brauchte – auch wenn Darius seine eigene Freiheit dafür verlor.
 

Doch was, wenn er scheiterte? Was, wenn er nicht genug war – weder als Partner noch als Mutter?
 

Auch wenn er die Ehe mit Damian immer noch ablehnte, begann er, sich langsam damit zu arrangieren. Frieden vortäuschen musste er nicht – das war ohnehin nie sein Ding. Ein Freigeist blieb ein Freigeist.
 

Darius seufzte tief. Es lag so viel vor ihm, und irgendwie hoffte er, dass Ed ihm helfen würde, sich allem zu stellen – Damian, seinen Ängsten, einfach allem.
 

Ein Geräusch aus dem Flur riss ihn aus seinen Gedanken. Damian kam zurück, mit einem ernsten, aber seltsam sanften Blick, der Darius skeptisch machte.
 

„Wie geht es ihm?“
 

„Er schläft“, antwortete Darius, ruhiger, als er sich fühlte. „Er braucht Ruhe.“
 

Damian trat näher und legte eine Hand auf seine Schulter. Darius blickte ihn fragend an, als Damian ihm eine Tasse Kaffee reichte.
 

„Hier.“
 

„Danke“, sagte Darius, seine Skepsis deutlich in der Stimme. Er traute dem Frieden, den Ed mit sich gebracht hatte, nicht. Aber insgeheim genoss er die vorübergehende Ruhe.
 

„Ich will ihm alles geben, was er braucht“, sagte Darius schließlich. „Aber... ich weiß nicht, ob ich genug bin.“
 

Damian zog eine Augenbraue hoch. „Was meinst du mit ‚nicht genug‘?“
 

Darius atmete tief durch. „Ich will ihm ein Zuhause geben, aber ich habe Angst, irgendwann zu versagen. Was, wenn meine Gesundheit nicht mitmacht? Was, wenn ich nicht stark genug bin?“
 

Damian musterte ihn lange. „Du bist stark, Darius. Du wirst das schaffen. Niemand erwartet, dass du perfekt bist. Wichtig ist nur, dass du für ihn da bist.“
 

„Aber was, wenn ich ihn verletze?“ Darius’ Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. „Was, wenn ich ihm nicht alles geben kann, was er braucht? Was, wenn... wir nicht genug sind?“
 

Damian setzte sich neben ihn. „Diese Angst ist normal. Aber wir sind da. Du bist nicht allein. Und wir schaffen das – zusammen.“
 

Darius spürte, wie sich ein Knoten in seiner Brust löste. Der Weg vor ihm war lang, das wusste er. Doch in diesem Moment fühlte er sich weniger allein. Damian hatte Recht: Sie mussten es gemeinsam schaffen – mit allen Höhen und Tiefen, die dazugehörten.
 

Aber in diesem Moment wusste er auch, dass es die Ruhe vor dem Sturm war…

Kapitel 28

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Darius wollte glauben, wollte Damian vertrauen. Doch das tat er nicht. Noch nicht. Das Misstrauen war da – so still, fast unmerklich, aber allgegenwärtig. So schnell würde es auch nicht verschwinden, das wusste er. Warum sein Bruder Dustin seinem Mann vertraute, konnte er nicht nachvollziehen. Er verstand es einfach nicht.
 

Er konnte nicht vergessen. Der Streit, die Worte, die sie sich an den Kopf geworfen hatten, das Zerbrechen eines Vertrauens, das ohnehin nie ganz da gewesen war – all das war nicht einfach wegzuwischen. Die Angst vor einem weiteren Streit, vor einem erneuten Bruch, saß tief. Aber als er auf Ed blickte, der ruhig und gleichmäßig atmete, spürte er auch etwas anderes. Der Junge fand in ihm Sicherheit. Sanft löste Darius seinen Finger aus der kleinen Hand und stand auf.
 

Er ging hinaus auf den Balkon, um den kühlen Nachtwind zu spüren. Die Luft tat seiner erhitzten Haut gut – sein Fieber hielt ihn immer noch in Schach. Doch solange er nicht zusammenbrach, ließ er sich nichts anmerken.
 

Sein Blick war müde, und dennoch blieb er wachsam, wie immer. Er wusste genau, dass Damian ihm gefolgt war. Als er aufsah, trafen sich ihre Blicke, und Darius bedachte ihn mit einem kühlen, distanzierten Blick. „Willst du mich wieder kontrollieren?“, fragte er. Seine Worte klangen schärfer, als er es beabsichtigt hatte, aber er konnte nicht aus seiner Haut.
 

„Nein“, antwortete Damian knapp. „Wir beide sollten uns nur zurückziehen.“ Seine Stimme war ruhig, doch seine Worte waren klar und eindringlich. „Du solltest Ed schlafen lassen. Wir haben noch etwas zu klären.“
 

Darius sah ihn mit einem unmissverständlichen Ausdruck an und verdrehte die Augen. „Wenn es um den Kuss geht… das war nur ein Kuss unter Freunden.“ Wut flackerte in seinen Augen auf. „Fahr wieder runter. Aiden wollte mir nur helfen, weil ich verzweifelt war.“ Mit einem Seufzen wandte er sich dem Geländer zu und klammerte sich daran fest, als würde es ihn davor bewahren, die Kontrolle zu verlieren. Er hatte gewusst, dass die Ruhe vor dem Sturm nicht ewig halten würde.
 

„Wenn einer Schuld an der Sache hat, dann bin ich das“, fügte er leise hinzu.
 

Damian trat näher und packte sein Kinn, zwang ihn, ihn anzusehen. „Wirst du irgendwann ohne diesen Widerwillen in den Augen tun, was ich sage?“ Seine Stimme war ruhig, doch die Anspannung darunter war unüberhörbar. „Es ist spät. Komm.“
 

Darius verfluchte die Situation, in der er steckte, und sah Damian trotzig an. Schließlich nickte er widerwillig und ließ sich von ihm wegführen. Er wusste genau, wohin Damian ihn bringen würde, auch wenn er es nicht wahrhaben wollte.
 

Während er ging, fragte er sich, welche Strafe ihn erwarten würde. Seine Gedanken drehten sich im Kreis, doch er fand keine Antwort. Einzig der Gedanke, dass es etwas Sexuelles sein könnte, schob sich immer wieder in den Vordergrund. Aber selbst wenn er Damian nicht vertraute, war er sicher, dass dieser sich nicht ohne seine Zustimmung an ihm vergehen würde. Dennoch kroch ein Unbehagen in ihm hoch, als ihm klar wurde, dass er für Damian nur ein Spielzeug, ein Besitz war.
 

Er versuchte verzweifelt, langsamer zu gehen, aber Damian ließ ihm keine Wahl. Sein Handgelenk war fest in seinem Griff, und je mehr Darius zog, desto stärker wurde der Druck.
 

„Lass mich los“, forderte Darius, doch seine Stimme klang gequält. Verzweifelt zog er an seiner Hand, doch Damian gab nicht nach. Schließlich drehte sich dieser um, und Darius spürte die überwältigende Dominanz, die von ihm ausging – eine Präsenz, wie er sie sich bei einem Alpha immer vorgestellt hatte.
 

Darius wusste, dass er keine Chance hatte, wenn Damian ernst machte. Alles, was er tun konnte, war, ihn trotzig anzusehen. Doch sein Körper spielte nicht mit. Sein Kreislauf machte sich wieder bemerkbar, und bevor er reagieren konnte, wurde ihm schwarz vor Augen. Das Letzte, was er spürte, war Damians Griff, bevor ihn die Dunkelheit verschluckte…

Kapitel 29

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Die Stunden schlichen dahin, jede einzelne dehnte sich wie eine Ewigkeit. Damian lag wach, das Gewicht seiner Gedanken drückte auf ihm, während er sich mit den bevorstehenden Ereignissen auseinandersetzte. Darius hatte kaum mehr als zwei Stunden Schlaf bekommen – genug, um ihn ein wenig zu stärken, aber nicht genug, um wirklich erholt zu sein. Für Damian gab es keine Zeit zurück.
 

In dem schummrigen Licht des Raumes regte sich Darius schließlich. Zuerst ein Zucken, dann eine langsame Bewegung, als er sich auf den Ellbogen stützte. Der Raum schien ihn noch zu umhüllen, als er sich dem Licht entgegenwandte und gegen das gedämpfte Glühen blinzelte. Er wirkte noch erschöpft, doch der Ausdruck in seinen Augen war scharf, wachsam – wie immer.
 

„Wie lange war ich weg?“ Die Heiserkeit in seiner Stimme klang wie eine Mischung aus Müdigkeit und dem ständigen Widerstand, den er nicht ablegen konnte. Doch unter den müden Zügen schwang auch etwas anderes mit: Neugier und ein Funken Trotz.
 

Damian trat einen Schritt näher, seine Bewegungen geschmeidig, fast beiläufig, doch jeder Schritt trug eine spürbare Absicht. Er lehnte sich mit der gewohnten Gelassenheit gegen den Türrahmen, doch seine Augen, die ihn durchdrangen, verrieten eine andere Geschichte. „Nicht lange genug, um deine Strafe zu umgehen“, antwortete er ruhig, aber mit einer Entschlossenheit, die fast greifbar war. „Aber lange genug, dass du mir deine volle Aufmerksamkeit schenken kannst.“
 

Darius starrte ihn für einen Moment an, seine Miene ein offenes Buch, auf dessen Seiten sich Fragen und Ängste niederschrieben. Die Worte hallten in ihm nach, doch er fand keine Antwort, keine Möglichkeit, sich aus diesem Drahtseilakt der Gefühle zu befreien. Und doch wusste er tief in sich, dass er sich dem, was kommen würde, nicht entziehen konnte.
 

Es war ein Spiel, das sie miteinander spielten. Doch in Darius’ Herzen wuchs eine dunkle Erkenntnis – er war nicht mehr als ein Spielzeug in Damians Händen, ein Besitz, der nicht entkommen konnte. Aber auch wenn sein Vertrauen in Damian erschüttert war, spürte er tief in sich, dass dieser niemals zu einem Übergriff ohne seine Zustimmung fähig war. Trotzdem kroch ein Unbehagen in ihm hoch, ein Gefühl, das er nicht benennen konnte. Ein Gefühl, das ihn zappeln ließ, als würde er einem unausweichlichen Schicksal entgegensehen.
 

Damian ließ die Stille im Raum zwischen ihnen hängen, als würde er sich die Wirkung seiner Worte genau überlegen. Doch Darius konnte die Spannung förmlich spüren, wie sie in der Luft lag, dicht und schwer. Es war klar, dass er nicht entkommen konnte, dass es keinen Ausweg gab. Aber noch war nichts entschieden. Noch nicht.
 

„Du weißt, was du tun musst“, sagte Damian schließlich, und seine Stimme war ruhig, doch etwas Dunkles schwang mit. Er trat noch einen Schritt näher, doch er ließ genug Abstand, um die Grenze zu wahren, die Darius zu wahren versuchte.
 

Darius’ Blick schien sich zu verengen, als er die Worte verarbeitete. „Was, wenn ich mich weigere?“ Die Frage war leise, fast schon ein Flüstern, doch die Bedeutung dahinter war klar.
 

„Dann wirst du es bereuen“, antwortete Damian ohne Umschweife, aber ohne Zorn. Es war eher eine Feststellung, ein unverrückbares Wissen, das sich in seiner Stimme niederschlug.
 

Darius schluckte, der Widerstand in ihm brach für einen Moment. Es war nicht Angst, die er fühlte, sondern ein unbestimmtes Unbehagen, das wie ein Schatten in ihm lauerte. Ein Gefühl, das er nicht benennen konnte, das aber nicht von seiner Seite wich.
 

„Ich bin nicht dein Spielzeug, Damian“, entgegnete Darius schließlich, obwohl er wusste, dass der Klang seiner eigenen Worte in diesem Moment wie ein leiser Protest gegen die unvermeidliche Wahrheit klang.
 

Damian lachte leise, ein Geräusch, das fast wie ein Versprechen klang. „Das mag sein“, sagte er, und es war ein Hauch von Anerkennung in seiner Stimme. „Aber für heute bist du es, Darius. Und du wirst dich daran erinnern.“
 

Ein langes Schweigen legte sich über den Raum, und während Darius versuchte, seine Gedanken zu ordnen, wusste er, dass er tief in sich etwas verloren hatte. Eine Freiheit, die er nicht zurückgewinnen konnte, ein Stück Selbstbestimmung, das sich im Nebel der Unsicherheit auflöste. Und in diesem Moment verstand er, dass das, was er sich so fest vorgenommen hatte, umso weiter in der Ferne schien – der Moment der Entscheidung, der Moment des Widerstands.
 

Damian ließ Darius keinen Raum zum Entkommen. Seine Augen waren fest auf ihn gerichtet, als er langsam einen weiteren Schritt machte, die Distanz zwischen ihnen noch weiter verringert. Der Raum schien sich zu verengen, die Luft schwer und kaum zu atmen. Es war, als würde die Zeit stillstehen, als wäre der Augenblick in eine unendliche Schleife geraten.
 

„Du kannst dich wehren, Darius“, sagte Damian ruhig, seine Stimme schneidend scharf. „Aber du weißt genau, dass du es nicht tun wirst. Du weißt es genauso gut wie ich.“
 

Darius’ Kiefer verspannte sich. Er wollte antworten, etwas sagen, das ihm zeigte, dass er noch die Kontrolle hatte, doch die Worte blieben ihm im Hals stecken. Was hatte er noch zu verlieren? Hatte er jemals Kontrolle gehabt? Die Frage quälte ihn, doch er fand keine Antwort.
 

Damian trat noch einen Schritt näher, und Darius spürte, wie die Luft um ihn immer dichter wurde. Sein Herz hämmerte, aber er zwang sich, ruhig zu bleiben, hielt den Blick fest auf Damian gerichtet. „Ich werde nicht nachgeben“, murmelte er, obwohl ihm bewusst war, wie leer diese Worte klangen. Sein Widerstand schien keine Bedeutung mehr zu haben, als wäre er nur ein letzter, schwacher Versuch, sich gegen das Unvermeidliche zu stellen…

Kapitel 30

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Damian legte eine Hand an Darius' Kinn und hob es sanft an, sodass ihre Blicke sich direkt trafen. „Das ist deine Entscheidung, Darius“, sagte er leise, fast sanft. „Aber du solltest wissen, dass es Konsequenzen hat, sich zu widersetzen.“
 

Der Gedanke, dass er sich wehren konnte, verschwamm mit der Realität. Darius’ Herz raste, als er die Kälte in Damians Augen sah, eine Entschlossenheit, die wie ein Eisblock war. Es gab keinen Fluchtweg, keinen sicheren Ort, an dem er sich verstecken konnte. Alles, was er tun konnte, war zuzusehen, wie die Dinge ihren Lauf nahmen.
 

Und plötzlich war es, als würde sich der Raum auflösen. Die Stille, die alles umhüllte, war endgültig. Darius fühlte sich wie in einem Strudel gefangen, der ihn immer weiter in eine Richtung zog, die er nicht mehr verhindern konnte.
 

„Ich will nicht, dass du dich wehrst“, flüsterte Damian, und die Worte schnitten tiefer als erwartet. „Ich will, dass du es akzeptierst. Deine Rolle, deine Bestimmung. Du wirst dich fügen. Und du wirst lernen, das zu verstehen.“
 

Es war nicht der erste Moment der Kapitulation, und trotzdem fühlte sich dieser anders an. Etwas in Darius’ Innerem brach, und die Gewissheit, dass der Widerstand sinnlos war, setzte sich durch. Noch war er nicht gebrochen, aber er wusste, dass er es sein würde.
 

„Wann?“ flüsterte Darius, mehr zu sich selbst als zu Damian. Der Moment, in dem alles enden würde. Der Moment, in dem er sich nicht mehr wehren konnte.
 

Damian lächelte fast unmerklich, ein kleines, wissendes Lächeln, das Darius wie ein Schlag traf. „Bald“ antwortete er, und es war nicht nur ein Versprechen – es war eine Wahrheit, die Darius langsam zu begreifen begann.
 

Der Moment, in dem alles sich entschied, rückte näher. Und in diesem Moment wusste Darius, dass es kein Zurück gab.
 

Die Sekunden zogen sich wie zähe Fäden, die sich um Darius’ Gedanken wickelten. Es war ein unerträgliches Gefühl, diese Unausweichlichkeit zu spüren. In den Tiefen seines Inneren wusste er, dass es keinen Fluchtweg mehr gab. Alles, was er in diesem Moment spürte, war das Gewicht von Damians Präsenz, das ihn erdrückte. Keine Worte, keine Widerstände konnten ihn retten. Und die Erkenntnis traf ihn mit einer beängstigenden Klarheit: Dies war kein Zufall. Es war von Anfang an geplant.
 

Damian hatte ihn genau dorthin manövriert, wo er nun stand – an einem Punkt, an dem er sich nicht mehr wehren konnte, an einem Punkt, an dem er wusste, was als Nächstes kommen würde. Es war nicht nur eine Strafe, wie er es zunächst geglaubt hatte. Es war mehr. Es war eine Bestrafung, die auf den einen Punkt abzielte, den er am wenigsten wollte: den Verlust seiner Kontrolle.
 

„Du hast es schon längst verstanden, oder?“, sagte Damian mit einem Hauch von Spott in der Stimme. „Du hast dich vielleicht gewehrt, aber das hier... das war immer der wahre Plan. Das ist deine Strafe.“
 

Darius’ Blick wanderte zu dem Mann vor ihm, und in seinen Augen war ein Funken Verzweiflung. Er hatte sich immer eingeredet, dass es nicht so weit kommen würde. Dass er irgendwie entkommen könnte. Doch jetzt, in diesem Moment, wurde ihm klar, dass Damian ihn von Anfang an auf genau diesen Punkt hin manipuliert hatte. Und der Gedanke an das, was noch kommen würde, ließ ihn innerlich erstarren.
 

„Du wirst es tun müssen, Darius“, flüsterte Damian, seine Stimme sanft, fast lieblich, aber mit einer Bedrohung, die wie ein Schatten in der Luft lag. „Es ist dein Schicksal. Und du kannst nichts tun, um es zu verhindern.“
 

Darius’ Atem beschleunigte sich. Er wollte schreien, wollte etwas tun, doch sein Körper fühlte sich wie gelähmt an. Alles, was er spürte, war ein Schwindel, der ihn in die Tiefe zu ziehen drohte. Und tief in ihm regte sich das unangenehme Wissen, dass er wirklich keine Wahl hatte. Es war zu spät, sich zu wehren.
 

„Du kannst dich gegen das, was kommt, nicht auflehnen“, fuhr Damian fort, seine Worte ruhig, aber voller Bedeutung. „Du hast dich freiwillig in diese Lage gebracht, als du begonnen hast, zu widersprechen. Jetzt wirst du lernen, was es heißt, sich wirklich zu fügen.“
 

Darius konnte kaum glauben, was er hörte, doch jedes Wort war wie ein Messerstich, der ihm das letzte Stück Kontrolle entglitt. In seinem Inneren kämpfte ein letzter Funken Widerstand, doch die Wellen des Wissens brachen über ihn herein. Es war vorbei. Er hatte es bereits verstanden.
 

Damian trat noch einen Schritt näher, und Darius konnte den Blick in seinen Augen sehen – eine Mischung aus Entschlossenheit und Befriedigung.
 

„Bald wirst du lernen, deine Rolle zu akzeptieren“, sagte Damian, und Darius spürte die Wahrheit in diesen Worten. Es war keine Frage mehr, ob er es tun würde – es war eine Tatsache. Etwas in ihm wehrte sich gegen den Gedanken, doch gleichzeitig wusste er, dass er keinen Ausweg mehr hatte. Alles war bereits entschieden.
 

Damian ließ die Stille wieder einkehren, während er Darius’ angespannte Haltung musterte. Es war der Moment, in dem sich alles endgültig zuspitzte. „Mach dich bereit, Darius. Es wird mehr sein, als du dir je hättest vorstellen können. Und du wirst dich fügen müssen.“
 

Die Zeit schien stillzustehen, als Darius’ Gedanken wie ein Sturm in seinem Kopf wüteten. Alles, was er einmal geglaubt hatte, alles, was er als seine Realität angesehen hatte, zerbrach jetzt Stück für Stück vor ihm. Die Kontrolle, die er so lange versucht hatte zu bewahren, war nur noch eine ferne Erinnerung, ein Schatten, der immer weiter in den Hintergrund trat.
 

„Du bist so widerspenstig, Darius“, murmelte Damian mit einem fast wehmütigen Unterton, als er langsam auf ihn zutrat. „Aber du wirst dich schon fügen. Du wirst sehen, dass das hier nicht das Ende ist. Es ist der Beginn.“
 

Die Worte schnitten tief in Darius’ Seele, hinterließen eine schmerzhafte Leere, die er nicht füllen konnte. Was blieb ihm noch, wenn nicht diese unausweichliche Akzeptanz? In seinem Inneren kämpfte ein letzter Funke, der verzweifelt versuchte, sich gegen das Kommende zu stellen, aber er wusste, dass es nichts ändern würde. Der Moment war gekommen, und nichts konnte ihn aufhalten…

Kapitel 31

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Damian trat näher, er hatte die Grenze überschritten, die sie bis dahin bewahrt hatten, doch Darius konnte sich nicht bewegen. Es war, als ob sich die Luft um ihn verdichtet hätte, als ob sein eigener Körper sich gegen ihn stellte. Ein Gefühl der Ohnmacht überkam ihn, und er spürte, wie die letzte Verteidigung in ihm zerbrach.
 

„Es ist in Ordnung, Darius“, flüsterte Damian, seine Stimme voller Zuneigung, die sich mit der Bedrohung vermischte. „Es ist in Ordnung. Du musst nicht mehr kämpfen. Du wirst dich fügen und endlich verstehen.“
 

Darius wollte schreien, wollte alles abstreiten, aber die Worte blieben in seiner Kehle stecken. Es gab keine Luft, um zu atmen, keine Flucht, keine Widerstandsmöglichkeit. Es war der Punkt, an dem er wusste, dass alles, was er je gekannt hatte, zerbröckelte. Der Gedanke, sich zu fügen, veränderte die Bedeutung von allem, was er je für wahr gehalten hatte.
 

Damian ergriff ihn dann mit einer Hand am Kinn, sanft, aber mit der unerbittlichen Präsenz eines Mannes, der die absolute Kontrolle hatte. „Du wirst lernen, dich zu unterwerfen“, sagte er leise, und Darius’ Herz raste. „Du wirst es akzeptieren, Darius. Es gibt keinen Weg zurück.“
 

Die Worte klangen wie ein Urteil, und Darius wusste, dass es keine Entschuldigung mehr gab. Es war nicht nur die Strafe, die ihm bevorstand, es war die Entmenschlichung, die damit verbunden war, die das Ausmaß der Situation so viel tiefer machte. Alles, was er noch hatte, war die Hoffnung auf ein Ende, ein Ende dieses inneren Kampfes.
 

Und dann traf der Moment ein. Damian beugte sich vor, und Darius konnte den Blick in seinen Augen nicht mehr ertragen. Er wollte wegsehen, wollte sich abwenden, doch es war, als würde Damian seine Gedanken lesen, als würde er jeden letzten Widerstand mit einem Blick brechen.

„Es ist nicht schlimm, Darius“, flüsterte Damian, fast sanft. „Du wirst verstehen, warum es so kommen musste.“
 

Der Moment war gekommen. Der Moment, in dem alles entschieden war. Und als Darius in Damians Augen sah, wusste er, dass der Kampf längst verloren war.
 

Die Luft im Raum schien nun schwerer zu werden, der Raum enger, als sich Darius’ Widerstand weiter verflüchtigte. Auch wenn er sich innerlich sträubte, war die Erkenntnis unmissverständlich: Er hatte keine Kontrolle mehr über das, was kam. Noch nie hatte er sich so machtlos gefühlt, so ausgeliefert. Es war wie eine dunkle, lähmende Präsenz, die ihn umgab und ihm die Fähigkeit raubte, klar zu denken.
 

Damian bemerkte das Zögern in Darius’ Blick, das zitternde Zögern, das ihn verriet, dass der Widerstand endgültig in Frage gestellt war. „Du hast dich lange genug gesträubt“, sagte Damian, seine Stimme ruhig, doch sie trug einen unausweichlichen Ton. „Es wird nicht mehr lange dauern, bis du es verstehst. Aber du wirst es verstehen, Darius. Denn das ist der Moment, in dem alles sich entscheidet.“
 

Der Satz hallte nach, und für Darius war es, als würde sich der Boden unter ihm verziehen. Er versuchte, sich abzulenken, aber die Worte, die Damian sprach, gruben sich tief in seine Gedanken, bohrten sich in sein Bewusstsein wie Dornen.
 

„Ich werde dir nichts antun, was du nicht selbst ertragen kannst“, sagte Damian dann mit einer Kälte in der Stimme, die Darius’ Herz schneller schlagen ließ. „Aber du wirst deine Lektion lernen. Ganz gleich, wie du dich dabei fühlst.“
 

Darius’ Blick verengte sich. Ein Teil von ihm wollte immer noch hoffen, dass er sich aus dieser Situation befreien konnte, doch der andere Teil wusste längst, dass er keine Wahl hatte. Es gab keine Flucht, keinen Widerstand, der wirklich etwas bewirken konnte. Und in dem Moment, als Damian sich noch näherte, spürte Darius nicht nur die kalte Bedrohung, sondern auch das unmissverständliche Verlangen, das in den Augen des anderen brannte. Es war ein Gefühl, das seine Sinne vernebelte, ihn in eine unaufhaltsame Richtung zog.
 

„Was jetzt?“ fragte Darius, seine Stimme leiser als vorher, als er realisierte, dass er sich mit dem Gedanken abfinden musste. Der Widerstand war nur eine Fassade, eine, die schnell zusammenbrach, je mehr er die Realität erfasste. Doch tief in ihm regte sich eine andere, ungewollte Empfindung: ein unbestimmtes, sehnsüchtiges Verlangen, das sich nicht ignorieren ließ. Es war, als ob Damian nicht nur körperlich, sondern auch auf eine Weise in ihm einverleibt wurde, die er nicht vollständig begreifen konnte.
 

„Jetzt wirst du verstehen, Darius“, sagte Damian in einem Ton, der keinerlei Widerspruch duldete. „Du wirst den Preis zahlen, und du wirst lernen, was es heißt, dich zu fügen.“
 

Mit diesen Worten trat Damian so dicht an ihn heran, dass Darius den heißen Atem des anderen auf seiner Haut spürte. Und dann, als sich ihre Blicke trafen, spürte Darius, wie ein Strom von Energie durch ihn jagte, eine Mischung aus Angst und einem ungeklärten Verlangen, das plötzlich alles andere übertönte.
 

In dem Moment, als Damian seine Hand langsam, beinahe zärtlich, an Darius’ Kinn legte, wusste dieser, dass er sich der Macht des anderen nicht länger entziehen konnte. Der Kuss, der folgte, war kein sanfter Moment der Zärtlichkeit, sondern ein klares, unmissverständliches Zeichen von Kontrolle. Und dennoch, in diesem Kuss lag eine rohe Intensität, die Darius’ Widerstand zerbrach und ihn mit einer Mischung aus Angst und Begehren zurückließ…

Kapitel 32

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Das erste Licht des Morgens drang durch die schweren Vorhänge, doch es brachte keine Erleichterung. Darius lag reglos auf der Matratze, die Decke bis zur Hüfte heruntergerutscht. Seine Muskeln fühlten sich an wie aus Stein, und seine Gedanken schmerzten, als würden sie von einem unsichtbaren Gewicht erdrückt. Die Nacht war vorbei, doch der Eindruck davon haftete ihm an wie ein Schatten.
 

Die Erinnerung an Damians Worte, den Blick, den Moment, in dem alles außer Kontrolle geraten war, schnitt durch seine Gedanken wie ein Messer. Darius hatte immer geglaubt, er könne sich wehren, dass er stark genug sei, die Oberhand zu behalten. Doch jetzt fühlte sich jede Bewegung wie eine Kapitulation an.
 

Er knirschte mit den Zähnen, als er sich aufsetzte. Das hier war nicht richtig. Es war nicht in Ordnung. Damian hatte gesagt, er würde niemals etwas gegen seinen Willen tun – aber was blieb von diesem Willen übrig, wenn Damian ihn so manipulierte, dass Darius nicht einmal wusste, wo oben und unten war?
 

Seine Hände ballten sich zu Fäusten, während er überlegte, wie er Damian zur Rede stellen könnte, wie er diese unausgesprochene Macht zurückgewinnen konnte. Doch bevor der Gedanke sich konkretisieren konnte, hörte er leise Schritte vor der Tür.
 

„Darius?“
 

Die sanfte Stimme von Ed, dem kleinen Jungen, riss ihn aus seiner Grübelei. Darius atmete scharf ein, die Wut brodelte immer noch in ihm, doch die Unschuld in Eds Ton zwang ihn, zumindest äußerlich ruhig zu bleiben.
 

„Komm rein“, murmelte er, seine Stimme rau.
 

Die Tür öffnete sich einen Spalt, und der Junge schob sich mit einem schüchternen Lächeln herein. Er hielt eine kleine Zeichnung in der Hand – krakelige Linien, die einen Blumenstrauß darstellen sollten.
 

„Ich hab das für dich gemacht“, sagte Ed leise und trat näher.
 

Darius’ Blick fiel auf das Bild und dann auf den Jungen. Irgendetwas in ihm wollte die Geste zurückweisen, ihn fortschicken, aber er konnte es nicht. Nicht, wenn Ed so unschuldig war.
 

„Danke, Ed“, sagte er schließlich und nahm das Bild entgegen.
 

Ed kletterte, ohne zu fragen, auf das Bett und setzte sich neben ihn. Seine hellen Augen suchten Darius’ Gesicht, und er legte den Kopf schief. „Warum siehst du so traurig aus?“
 

Darius zögerte, schluckte die Wut und den Schmerz hinunter, die ihm in der Kehle brannten. „Es ist nichts“, sagte er schließlich.
 

„Das glaube ich nicht“, erwiderte Ed mit der scharfen Intuition eines Kindes. „Du kannst mir alles erzählen.“
 

Ein bitteres Lächeln huschte über Darius’ Gesicht. „Manchmal ist es nicht so einfach, Ed.“
 

„Aber... du bist nicht allein, weißt du?“ Der Junge legte eine kleine Hand auf Darius’ Arm, als wollte er ihn trösten.
 

Die Geste ließ etwas in Darius’ Brust zusammenziehen, und zum ersten Mal an diesem Morgen fühlte er etwas anderes als Wut und Verletztheit. Doch die Schatten der Nacht ließen sich nicht so leicht vertreiben.
 

Noch während Ed bei ihm war, spürte Darius, wie sich die Tür zum Flur leise öffnete. Damian stand dort, seine Haltung entspannt, doch seine Augen fixierten Darius mit einer Mischung aus Ruhe und unausgesprochener Kontrolle.
 

„Ich wollte sehen, ob du wach bist“, sagte Damian, und seine Stimme war so ruhig, dass sie in Darius einen neuen Funken von Widerstand entfachte.
 

Doch bevor Darius antworten konnte, drehte sich Ed um und grinste Damian an. „Ich zeige Darius gerade mein Bild! Es hat ihm gefallen!“
 

„Das freut mich, Ed“, sagte Damian mit einem sanften Lächeln, das Darius nur noch mehr reizte.
 

Darius schluckte schwer, seine Finger krallten sich in das Bild, das Ed ihm gegeben hatte. Der Streit mit Damian brannte ihm auf der Zunge, doch er wusste, dass er ihn nicht in Eds Gegenwart ausfechten konnte.
 

Und Damian wusste das auch. Er drehte sich um und ließ die beiden allein. Schließlich hatte er durch den kleinen Vorwand vorerst dafür gesorgt, dass Darius sich nicht mit ihm streiten konnte.
 

Wenn Darius kein Omega gewesen wäre, hätte er durchaus das Potenzial gehabt, ein Alpha zu sein – aber das Schicksal hatte es nun mal anders mit ihm gemeint…

Kapitel 33

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Darius hielt Ed fest im Arm, als er die erhobenen Stimmen aus dem Flur hörte. Zunächst dachte er, es wäre nur ein weiteres hitziges Gespräch – in diesem Haus schien es ohnehin nie lange friedlich zu bleiben. Doch als die Schritte immer lauter wurden und schließlich das Knallen einer Tür ertönte, spürte er, wie seine Wut nur noch mehr aufloderte.Was jetzt?
 

Ed klammerte sich an ihn, seine kleinen Hände griffen in den Stoff von Darius’ Hemd, während seine großen Augen voller Unruhe zu ihm aufsahen. „Was ist das, Darius?“ fragte er mit zitternder Stimme.
 

„Ich weiß es nicht“, murmelte Darius und zwang sich, Ruhe zu bewahren, obwohl in seinem Inneren alles brodelte. Dann hörte er Williams Stimme, laut und voller Zorn, durch die Wände dringen.
 

„Ich werde das nicht zulassen, Damian!“ Williams Worte waren scharf wie Peitschenhiebe, geladen mit Wut und Schmerz. „Du glaubst wirklich, du kannst Aiden an Jack Brown verschachern? Weißt du überhaupt, was das bedeutet? Er gehört nicht dir, er gehört niemandem!“
 

„Das ist keine Entscheidung, die du zu treffen hast!“ kam Damians kühle, aber bedrohliche Stimme zurück. „Es ist die Strafe, William. Du kennst die Regeln. Aiden hat sie gebrochen.“
 

Darius’ Magen zog sich zusammen, als ihm klar wurde, wovon die Rede war. Aiden. Der Kuss. Seine Strafe. Und jetzt sollte er zwangsverheiratet werden? Seine Wut kochte über, doch bevor er etwas sagen konnte, riss ihn ein ersticktes Schluchzen aus seinen Gedanken.
 

Er blickte hinunter und bemerkte, dass Eds Augen sich mit Tränen füllten. Der Junge zitterte. „Darius, ich will nicht hier sein...“
 

Ein Schuss hallte durch den Flur, gefolgt von einem panischen Aufschrei. Darius’ ganzer Körper spannte sich an. Er stand auf, drückte Ed fester an sich und eilte zur Tür. „Das reicht!“ rief er, während er aus dem Raum trat.
 

Die Szene vor ihm war ein einziges Chaos. William hielt eine Pistole in der Hand, die auf Damian gerichtet war. Sein Gesicht war verzerrt vor Zorn, und sein Atem ging schwer. Damian stand ihm gegenüber, ruhig und mit verschränkten Armen, als hätte er keinerlei Angst vor der Waffe. Zwischen ihnen stand Aiden, mit verweinten Augen und einem Gesicht, das vor Scham und Schmerz glühte.
 

„Ich werde es nicht zulassen!“ schrie William erneut. „Er liebt dich, Damian! Er liebt dich, und du willst ihn in ein Leben stürzen, das schlimmer ist als der Tod!“
 

Damian verzog keine Miene. „Er hat die Regeln gebrochen. Er wusste, was das bedeutet.“
 

„Regeln?“ William lachte bitter. „Deine Regeln? Die Regeln, die du so drehst, wie es dir passt?“
 

Darius hatte genug. „Hört sofort auf!“ schrie er und trat mit Ed auf dem Arm in die Mitte des Tumults. Alle Köpfe wandten sich zu ihm, einschließlich Damians.
 

„Ihr seid nicht ganz bei Verstand!“ fuhr Darius fort, seine Stimme vor Wut bebend. „Habt ihr jemals daran gedacht, dass hier ein Kind anwesend ist? Ein verängstigtes, unschuldiges Kind, das keine Ahnung hat, was das alles bedeutet?“
 

Ed duckte sich ein wenig in seinen Armen, und Darius spürte, wie sehr der Junge zitterte. „Was auch immer eure Probleme sind, klärt sie, aber nicht so! Nicht, wenn ein Kind dabei ist!“
 

William ließ die Waffe langsam sinken, sein Gesicht zeigte einen Ausdruck von Reue. „Ich wollte ihm nur helfen“, murmelte er, sein Blick wanderte zu Aiden, der ihn mit einer Mischung aus Dankbarkeit und Verzweiflung ansah.
 

„Und du?“ Darius richtete seinen Zorn auf Damian. „Glaubst du, du kannst alles mit deinem kalten, kontrollierten Gerede rechtfertigen? Aiden ist ein Mensch, keine Figur in deinem Machtspiel! Es reicht schon, dass ich Teil deines Machtspiels bin.“
 

Damian zog eine Augenbraue hoch, doch bevor er etwas sagen konnte, sprach Darius weiter: „Und ich habe dir gesagt, dass es meine Schuld war. Ich habe gestern Nacht nicht umsonst die Strafe auf mich genommen. Wenn du ihm die Zwangsehe aufbürdest, wirst du Aiden zerstören! Und noch etwas: keinen Streit unter gar keinen Umständen vor den Augen eines Kindes, das Angst hat, weil es sowas nicht verstehen kann!“
 

Ein Moment der Stille trat ein, in dem niemand wusste, was er sagen sollte. Aiden starrte Darius mit großen Augen an, als wäre er sein Retter. William sah beschämt zur Seite, und selbst Damian wirkte für einen Augenblick nachdenklich.
 

Ed schluchzte leise in Darius’ Arm, und er legte ihm beruhigend eine Hand auf den Rücken. „Das ist nicht der richtige Weg“, sagte er schließlich, seine Stimme leiser, aber mit ungebrochener Entschlossenheit. „Nicht so.“
 

Darius atmete tief durch und warf Damian einen finsteren Blick zu. „Das ist noch nicht vorbei“, sagte er mit bebender Stimme. Dann wandte er sich ab, drehte sich zu Ed und strich ihm beruhigend über den Kopf. „Komm, wir gehen.“

Kapitel 34

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Der Junge klammerte sich noch immer an Darius, die großen Augen voller Angst. Behutsam hielt er ihn fest und ging die Treppe hinunter, weg von dem Chaos. Er wusste, dass er sich gleich wieder mit Damian auseinandersetzen musste, aber erst, wenn Ed sich beruhigt hatte.
 

In der Küche fand er Thomas, der gerade dabei war, ein Tablett mit Tassen und einer dampfenden Kaffeekanne vorzubereiten. Als Darius eintrat, sah Thomas auf und musterte ihn mit einem wissenden Blick. „Ich habe den Lärm gehört“, sagte er ruhig. „Was ist da oben los?“
 

„Ein weiterer Machtkampf“, erwiderte Darius knapp. Er setzte Ed vorsichtig auf einen der Stühle. Der Junge blickte zu Thomas, und seine Anspannung ließ etwas nach, als er das vertraute Gesicht erkannte. Er hatte offenbar alle kennengelernt, als er aufgewacht war.
 

Thomas nickte. „Natürlich, ich passe auf ihn auf.“ Er kniete sich vor Ed hin und sprach beruhigend auf ihn ein. Darius warf einen letzten Blick zurück, bevor er sich umdrehte und die Treppe wieder hinaufging.
 

Sein Herz hämmerte, während er die Stufen nahm. Oben angekommen, war die Situation noch genauso angespannt wie zuvor. Damian und William standen einander reglos gegenüber, ihre Blicke scharf wie Schwerter. Aiden lehnte zitternd an der Wand, sein Kopf gesenkt, die Schultern bebend bei jedem Atemzug.
 

Ohne zu zögern, ging Darius direkt zu Aiden. Damian machte sofort einen Schritt nach vorn, seine Augen blitzten. „Was glaubst du, was du da tust, Darius?“
 

„Ich tue das, was du nicht tust – ich sorge dafür, dass er nicht völlig zerbricht“, konterte Darius und zog Aiden sanft in eine Umarmung. Es war schließlich Aiden gewesen, der ihm gestern Trost gespendet hatte, als er selbst am Boden war. Aiden ließ sich mit einem erstickten Schluchzen gegen ihn sinken.
 

„Er braucht jemanden, der für ihn da ist“, sagte Darius, ohne Damian aus den Augen zu lassen. „Nicht jemanden, der ihn kaputtmacht.“ Es war schwer genug, ein Omega zu sein – erst recht, wenn man allein und ohne Freunde war.
 

Damian presste die Lippen zusammen, als wollte er etwas erwidern, doch Darius ließ ihm keine Gelegenheit.
 

„Du bestrafst ihn für etwas, das nicht einmal falsch war“, fuhr er mit bebender Stimme fort. „Ein Kuss? Dafür willst du ihn zwingen, mit jemandem zusammenzuleben, den er nicht einmal kennt? Willst du ihm wirklich das antun, was uns widerfahren ist?“
 

Mit dem Unterschied, dass Darius Damian zumindest durch seinen Bruder gekannt hatte. Aiden hingegen hatte von diesem Jack Brown nicht einmal gehört.
 

William trat vor und legte Darius eine Hand auf die Schulter. „Er hat recht, Damian“, sagte er ruhig, aber bestimmt. „Das, was du hier tust, ist falsch. Aiden hat das Recht, selbst zu entscheiden, wie er leben will. Genau das haben unsere Eltern ihm versprochen.“
 

Aiden hob den Kopf und sah Darius mit rotgeränderten Augen an. „Darius...“ flüsterte er, doch Darius schüttelte den Kopf.
 

„Sag nichts. Ich werde nicht zulassen, dass dir das angetan wird.“
 

Damian kniff die Augen zusammen, sein Blick funkelte vor Zorn. Doch seine Stimme blieb kalt.

„Du stellst dich also gegen mich, Darius?“
 

„Wenn es nötig ist, ja“, sagte Darius ohne Zögern. „Er ist die einzige Person hier, die mich wirklich versteht. Er ist ein Omega, genau wie ich. Und du weißt, wie viel wir durchmachen. Ich lasse nicht zu, dass du ihn zerbrichst.“
 

Die Anspannung im Raum war fast greifbar, als Damian und Darius einander anstarrten. Ein stiller Kampf aus Willenskraft – und keiner würde so leicht nachgeben…

Kapitel 35

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Das Brummen eines Motors wurde lauter, je näher das Auto dem Anwesen kam. Darius’ Augen weiteten sich leicht, als er das schwarze Auto sah, das die Auffahrt hinauffuhr. Es war ein teures Modell, das perfekt zu der Aura von Jack Brown passte – dem Mann, dessen Name allein den Tumult hier oben ausgelöst hatte.
 

Ein Name, der viel Macht ausstrahlte – ein Mann, der mit einem Fingerschnippen Leben auslöschte – ein Mann, der allerdings Omegas auf Händen trug und ehrte – aber das wusste kaum einer. Außerdem war er ein Mann, der versuchte, die Weltregierung zu verändern.
 

William steifte sich auf, die Pistole noch fest in der Hand, während Damian sich ruhig verhielt. Seine Haltung war entspannt, doch ein dunkler Schatten legte sich über sein Gesicht, als das Auto vor dem Haus hielt.
 

Aiden presste sich fester an Darius, sein ganzer Körper zitterte. „Er darf mich nicht mitnehmen“, flüsterte er, kaum hörbar. „Darius, bitte…“
 

„Er wird dich nicht mitnehmen“, antwortete Darius fest und legte einen Arm um Aidens Schultern. Kurz wanderte sein Blick zu Damian, dessen Augen ihn durchbohrten, dann richtete er sich wieder auf das Auto.
 

Die Tür öffnete sich, und Jack Brown stieg aus. Er war groß, mit breiten Schultern und einer arroganten Haltung, die jedem klarmachte, dass er sich seiner Macht bewusst war. Der maßgeschneiderte Anzug saß makellos, und die Art, wie er die Treppe hinaufstieg, war ein Statement. Jack Brown war nicht hier, um zu verhandeln – er war hier, um zu nehmen, was er wollte.
 

„Damian“, begann er mit einer samtigen, aber kalten Stimme, als er die Tür überschritt. „Schön, dich zu sehen.“
 

Damian verschränkte die Arme vor der Brust, ohne ein Wort zu sagen. Sein Lächeln war kraftvoller als jede Antwort.
 

Jack ließ seinen Blick durch den Raum schweifen, blieb kurz bei William hängen – der noch immer die Pistole hielt – und richtete dann seine Aufmerksamkeit auf Darius und Aiden. Ein spöttisches Lächeln erschien auf seinem Gesicht. „Ah, da ist er ja. Der kleine Rebell.“
 

Darius’ Griff um Aiden wurde fester. „Er wird nicht mit dir gehen“, sagte er kühl.
 

Jack kannte den kleinen Omega Darius, wusste also, dass er der Mann von Damian McKinley sein musste. Warum er hier war, war ihm klar. Doch er schwieg dazu. Es ging ihn nichts an, also hob er nur eine Augenbraue und trat einen Schritt näher.
 

„Ist das so? Und wer wird mich daran hindern? Du?“ Er ließ ein abfälliges Lachen hören.
 

„Ich“, mischte sich William ein und hob wieder die Pistole. Seine Stimme war ruhig, aber in seinen Augen loderte Wut. „Du wirst keinen Schritt weitergehen, Jack. Nicht, solange ich hier bin.“
 

Jack hielt inne, blickte William herausfordernd an und hob dann spöttisch die Hände, als würde er sich ergeben. „Das ist amüsant. Glaubst du wirklich, Damian würde zulassen, dass du mich bedrohst?“
 

„Es geht hier nicht um Damian“, erwiderte William scharf. „Es geht um Aiden. Er ist kein Eigentum, Jack, und er wird ganz sicher nicht gezwungen, irgendetwas zu tun.“
 

Die Spannung im Raum war kaum auszuhalten, und Aiden wimmerte leise, den Kopf an Darius’ Brust gedrückt. Darius spürte, wie seine eigene Wut zu kochen begann. Das alles war absurd, ein Theaterstück, das von Macht und Kontrolle getrieben wurde – und Aiden war das Opfer.
 

„Hört endlich auf!“ Darius’ Stimme hallte durch den Raum, und alle Augen richteten sich auf ihn. „Hier ist ein Kind im Haus, verdammt noch mal! Ihr tut so, als wäre das hier ein Kriegsgebiet, ohne Rücksicht darauf, was das für andere bedeutet!“
 

Jack blinzelte überrascht, und auch Damian wirkte einen Moment lang irritiert, bevor seine Miene wieder hart wurde.
 

„Ich werde Aiden nicht loslassen. Er ist mein Freund und bleibt hier“, fuhr Darius fort. „Ihr seid so damit beschäftigt, euren Willen durchzusetzen, dass ihr nicht merkt, wie viel Schaden ihr anrichtet.“
 

William ließ die Pistole sinken, sein Blick war nachdenklich. Jack hingegen verzog den Mund zu einem selbstgefälligen Lächeln. „Interessanter Standpunkt. Aber ich bin nicht hier, um mich von dir belehren zu lassen.“
 

„Dann solltest du vielleicht gehen“, erwiderte Darius scharf. „Weil ich nicht zulassen werde, dass du ihn mitnimmst. Punkt.“
 

Jack öffnete den Mund, doch bevor er etwas sagen konnte, erklangen schwere Schritte auf der Treppe. Thomas kam herauf, Ed an der Hand, der ängstlich zu Darius sah.
 

„Was ist hier los?“ fragte Thomas, seine Stimme war fest, aber leise.
 

„Nur ein weiterer Tag im Paradies“, murmelte Darius und streichelte Eds Kopf…

Kapitel 36

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Jack Brown bemerkte die plötzliche Bewegung hinter Darius. Seine Augen weiteten sich, und für einen Moment war das arrogante Lächeln aus seinem Gesicht verschwunden. Stattdessen trat ein Ausdruck von aufrichtiger Wärme in seine Züge, als er den Jungen musterte. Er kannte ihn – Ed.
 

Ed versteckte sich halb hinter Thomas, große, neugierige Augen auf den imposanten Fremden gerichtet. Das Kind wusste nicht, wer Jack war oder warum alle hier so aufgebracht waren, aber die Spannung im Raum konnte es deutlich spüren.
 

Jack ging langsam in die Hocke, hob die Hände leicht und hielt sie offen, um keine Bedrohung auszustrahlen. „Hey, Kleiner“, sagte er mit einer Stimme, die so sanft war, dass sie kaum zu dem Mann passte, der zuvor den Raum dominiert hatte. „Wie heißt du?“
 

Ed schielte kurz zu Darius, als wollte er die Erlaubnis abwarten, bevor er antwortete. Darius nickte ihm aufmunternd zu, auch wenn sein Blick wachsam blieb.
 

„E-Ed“, kam die leise Antwort schließlich.
 

Ein echtes Lächeln huschte über Jacks Gesicht, eines, das Darius nicht für möglich gehalten hätte. „Ed, hm? Ein wirklich schöner Name. Es freut mich, dich kennenzulernen.“
 

„Warum seid ihr alle so laut?“ fragte Ed plötzlich, mit einer Mischung aus Unsicherheit und Mut, die in seiner kleinen Stimme mitschwang.
 

Jack hielt inne, seine Miene nachdenklich, bevor er sprach. „Manchmal vergessen Erwachsene, wie wichtig es ist, ruhig zu bleiben“, gab er zu, als hätte die Frage ihn selbst überrascht. „Das tut mir leid, Ed. Wir hätten nicht so laut sein sollen, besonders nicht, wenn du hier bist.“
 

Seine ehrliche Antwort schien selbst Darius zu überraschen. Der Mann, der eben noch so fordernd und selbstsicher aufgetreten war, wirkte plötzlich wie ausgewechselt – als hätte ihn die reine Unschuld eines Kindes berührt.
 

Ed machte einen vorsichtigen Schritt nach vorn, die Neugier in seinen Augen wuchs. „Wirst du dich nicht mehr streiten?“
 

Jack schüttelte den Kopf, ein sanftes Versprechen in seiner Stimme. „Nein, Ed. Ich verspreche, ich werde mich nicht mehr streiten.“ Zumindest nicht, solange Ed dabei war.
 

Darius’ Miene blieb angespannt, und er warf Damian einen kurzen Blick zu, dessen Gesichtsausdruck schwer zu deuten war. Aiden klammerte sich noch fester an Darius, seine Anspannung war fast greifbar.
 

„Das reicht jetzt“, sagte Darius schließlich und richtete seinen durchdringenden Blick auf Jack. „Wenn du wirklich ein Herz für Kinder hast, dann zeig es, indem du das hier beendest.“
 

Jack richtete sich langsam auf, sein Blick verweilte für einen Moment bei Ed. „Vielleicht hast du recht“, erwiderte er, und in seiner Stimme lag ein Anflug von Bedauern. Doch seine Augen sprachen eine andere Sprache – das letzte Wort war noch nicht gesprochen. Ein stummer Blick in Damians Richtung bestätigte das, und Damian erwiderte ihn mit einem spöttischen Lächeln.
 

Darius schritt zu Thomas hinüber, hob Ed auf den Arm und hielt ihn schützend an sich. „Ich bringe ihn runter. Klärt das hier – ohne dabei ein Kind einzuschüchtern“, sagte er mit einem warnenden Blick, der Jack und Damian gleichermaßen traf.
 

Thomas nickte, seine Augen besorgt, und folgte Darius aus dem Raum.
 

In der Küche setzte Darius Ed auf einen Stuhl und begann, ihm ein Glas Wasser zu holen. Der Junge hatte die Augen weit geöffnet, als würde er die Geschehnisse im Obergeschoss verstehen wollen. Doch Darius wusste, dass es für Ed zu viel war – all die Wut, die Konflikte, die unausgesprochenen Drohungen.
 

„Es wird alles gut, Ed“, sagte Darius schließlich, als er das Glas vor den Jungen stellte. „Du bist hier sicher.“
 

Ed nickte, nahm einen kleinen Schluck und blickte dann zu Darius auf, in seinen Augen die stumme Bitte um Antworten, die der Mann nicht geben konnte.
 

Darius seufzte, legte eine Hand auf Eds Kopf und strich ihm sanft durchs Haar. „Bleib hier. Ich komme gleich zurück, versprochen.“
 

Ed nickte erneut, seine Unsicherheit schien etwas zu schwinden. Darius spürte jedoch das Gewicht der Situation – nicht nur für ihn, sondern auch für den Jungen.
 

Er machte sich auf den Weg zurück nach oben, seine Schritte schwer, sein Kopf voll von Gedanken. Was auch immer oben geschah, es musste ein Ende finden – nicht nur um Eds willen, sondern auch um Aiden endlich die Sicherheit zu geben, die er brauchte…

Kapitel 37

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Als Darius die Treppe hinaufgestiegen war, fand er Aiden noch immer an derselben Stelle, an der er ihn zurückgelassen hatte. Aidens Blick war weit entfernt, als würde er in einer anderen Welt schweben, während er sich an seine’ Seite klammerte. Ein leichtes Zittern durchlief seinen Körper, und Darius spürte, wie sich Aidens Schmerz in seinem eigenen Herzen widerspiegelte.
 

„Aiden“, flüsterte er und trat näher. Zögernd, aber entschlossen, legte er die Arme um ihn, obwohl er wusste, dass Damian das nicht gutheißen würde. Doch das war ihm jetzt egal. Was zählte, war, was Aiden brauchte – nicht, was jemand anderes wollte.
 

Aiden ließ sich in Darius’ Umarmung sinken, klammerte sich fast verzweifelt an ihn. Die Tränen, die er zu verbergen suchte, stiegen in seine Augen, und Darius konnte es kaum ertragen. In diesem Moment wusste er, dass Aiden keine Strafe verdiente. Es war nicht fair, was mit ihm geschah – die Bestrafung wegen des Kusses war einfach zu viel.
 

„Du hast nicht verdient, so behandelt zu werden“, murmelte Darius, während er Aiden noch fester hielt.
 

Aiden seufzte leise und lehnte den Kopf an Darius’ Brust. „Ich wollte das nicht. Ich… ich will doch nur frei bleiben, wie man es mir versprochen hat.“
 

Darius verstand ihn nur zu gut. Auch er hatte seine Freiheit nie ganz aufgegeben, selbst wenn er sich im Moment wegen des kleinen Ed vorübergehend gefügt hatte. Doch eines war klar: Niemand würde ihm seine Freiheit nehmen - Das stand für ihn fest.
 

Er zog Aiden noch näher zu sich und blickte zu Damian, der in der Nähe stand, sich jedoch zurückhielt – aus welchem Grund auch immer. „Das hier muss aufhören“, sagte Darius mit fester Stimme. „Wir sind keine Marionetten. Und Aiden wird nicht einfach verkauft.“
 

Damian trat vor, sein Gesicht ausdruckslos wie Stein. Doch als er die beiden sah, erkannte er, dass der Widerstand nicht nur von außen kam. Er war tief in Darius verwurzelt – dieses unerschütterliche Verlangen, sich nicht unterdrücken zu lassen.
 

„Darius, das ist nicht der richtige Weg“, versuchte Damian, ruhig zu bleiben.
 

Doch Darius schüttelte den Kopf, unbeugsam. „Das wird er nicht tun, Damian. Du kannst uns nicht einfach so behandeln. Nicht ohne Gegenwehr.“
 

Damian musterte ihn mit einem Blick, der sowohl Wut als auch etwas anderes ausdrückte – vielleicht Respekt, vielleicht Enttäuschung. „Du weißt, was das für dich bedeutet“, sagte er leise.
 

Aber Darius hatte genug von diesen Spielen. „Ich bleibe bei Aiden“, antwortete er schlicht. „Das ist alles, was zählt.“
 

Er hielt Aiden fest in seinen Armen, ließ sich nicht von Damians Blick aus der Ruhe bringen, der wie ein dunkler Schatten über ihm schwebte. Er spürte den Druck dieser Augen, aber für einen Moment zählte nur, Aiden bei sich zu haben.
 

Der Kuss, die Strafe – all das war zu viel, zu ungerecht. Darius wollte nicht, dass Aiden weiterhin unter diesen Entscheidungen und Drohungen litt. Wenn Damian ihn so behandelte, war das eine Sache. Er würde damit schon fertig werden – aber Aiden nicht.
 

Darius verstand, dass sie beide mit unterschiedlichen Freiheiten kämpften, in einer Welt, die viel von ihnen verlangte. Doch Aiden war wie ein Spiegelbild von ihm selbst, und er konnte nicht zulassen, dass er weiterhin so litt.
 

„Du musst nicht länger leiden, Aiden“, flüsterte er, während er ihm sanft über den Rücken strich. „Ich werde für dich da sein. Ich lasse dich nicht fallen.“
 

Aiden nickte stumm, während die Tränen, die er zurückgehalten hatte, endlich ungehindert flossen. Darius wusste, wie viel dieser Moment bedeutete. Es war nicht nur ein Trost, sondern ein Versprechen – eines, das er sich selbst und Aiden gab.
 

Jack, der die angespannte Situation erfasste, räusperte sich. „Wir beide reden jetzt!“, sagte er und warf Damian einen entschiedenen Blick zu. Damian nickte nur, drehte sich um und ging in sein Büro, um Aiden nicht noch mehr Angst zu machen.
 

Im Büro brach Jack das Schweigen. „Kannst du mir erklären, was hier los ist?“ Mit verschränkten Armen sah er Damian an und seufzte. „Du weißt, dass ich hier bin, um das Nötigste zu regeln. Aber unter diesen Umständen muss ich anders handeln.“
 

Er fuhr sich mit einer Hand durch die Haare und seufzte erneut. Jack hatte seine eigenen Pläne – er wollte den jungen Omega Aiden für sich gewinnen. Deshalb entschied er sich, bei Damian zu bleiben. Jack war zwar ein Alpha, der seinen Clan mit eiserner Hand führte, doch wenn es um seinen zukünftigen Omega ging, war er bereit, um ihn zu kämpfen…

Kapitel 38

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Damian verschränkte die Arme vor der Brust und lehnte sich gegen seinen Schreibtisch, seine Miene unbewegt. „Es gibt nichts, was ich dir erklären müsste, Jack. Die Situation ist unter Kontrolle.“ Seine Stimme war ruhig, doch sie trug eine unterschwellige Schärfe, die Jack nicht entging.
 

Jack ließ ein trockenes Lachen hören und schüttelte den Kopf. „Unter Kontrolle?“ Ein skeptischer Blick huschte über sein Gesicht. „Wenn das dein Verständnis von Kontrolle ist, Damian, dann wundert es mich, dass du deinen Posten noch innehast.“ Er trat näher, seine Präsenz wie eine lauernde Bedrohung. „Was ist los mit dir? Seit wann lässt du Emotionen so weit eskalieren, dass sie dein Urteilsvermögen trüben?“
 

Damian presste die Lippen aufeinander, die Kiefermuskeln angespannt. „Es geht nicht um Emotionen. Es geht um Regeln und Konsequenzen. Darius weiß, welche Position er hier einnimmt.“
 

Jack hob eine Augenbraue, seine Stimme vorwurfsvoll. „Darius mag wissen, wo er steht, aber du solltest vielleicht mal überlegen, ob es klug ist, ihn weiter zu drängen. Er ist kein gewöhnlicher Untergebener, Damian. Und Aiden erst recht nicht.“
 

Ein Moment des Schweigens folgte, in dem sich die beiden Alphas gegenseitig musterten, jeder darauf bedacht, seine Autorität zu wahren. Schließlich sprach Damian leise, fast bedrohlich: „Darius ist nicht dein Problem, Jack. Aiden, noch nicht. Du bist hier, um das mit mir zu klären, nicht um dich in meine Angelegenheiten einzumischen.“
 

Jack trat näher, sodass nur noch der Schreibtisch sie trennte. „Das mag sein. Aber ich lasse nicht zu, dass du einen Omega wie Aiden zerbrichst, nur weil du dich an deinem Machtspiel festklammerst. Wenn du nicht aufpasst, verlierst du mehr, als du glaubst.“
 

Damian schnaubte abfällig. „Du überschreitest eine Grenze, Jack. Das hier ist mein Territorium, meine Verantwortung.“
 

„Dann fang an, dich so zu verhalten“, erwiderte Jack scharf. „Wenn du denkst, dass du mit Strafen und Einschüchterung langfristig Loyalität gewinnst, dann irrst du dich. Und was Darius angeht…“ Er hielt inne, ließ die Worte absichtlich hängen. „Er hat mehr Rückgrat, als du glaubst. Pass auf, Damian, dass er sich nicht irgendwann gegen dich wendet.“
 

Ein bitterer Ausdruck huschte über Damians Gesicht, doch er sagte nichts. Stattdessen richtete er sich auf und wies mit einer knappen Geste zur Tür. „Wenn du fertig bist, deine Meinung zu äußern, kannst du gehen. Ich habe Arbeit zu erledigen.“
 

Jack ließ sich nicht einschüchtern, sondern trat mit einem leichten Grinsen zurück. „Ich bin noch nicht fertig, Damian. Und ich bleibe hier, solange es nötig ist. Denk darüber nach.“
 

Ohne eine Antwort abzuwarten, drehte Jack sich um und verließ das Büro, die Tür hinter sich ins Schloss fallend. Damian starrte ihm hinterher, die Kälte in seinem Blick verriet, dass dieser Konflikt alles andere als beendet war.
 

Damian blieb im Raum zurück, die Spannung in der Luft noch spürbar. Er zog tief die Luft ein und ließ sie langsam durch die Nase entweichen, während er sich auf die Tischkante stützte. Jack war immer ein schwieriger Faktor gewesen – jemand, der seinen eigenen Kopf hatte und sich nicht scheute, das auch zu zeigen. Doch dieses Mal war es mehr als nur eine Meinungsverschiedenheit. Es war eine offene Herausforderung. Er hätte Jack niemals den Vorschlag mit Aiden unterbreiten sollen – das bereute er jetzt!
 

Ein leises Klopfen an der Tür riss Damian aus seinen Gedanken. Ohne abzuwarten, schob sich eine schlanke Gestalt ins Büro – Archie McKinley, noch ein jüngerer Bruder Damians und einer der wenigen, die es wagten, unangemeldet hereinzukommen.
 

„Ich habe Jack gerade gesehen“, begann er, seine Stimme ruhig, aber aufmerksam. „Er sieht nicht so aus, als würde er schnell das Feld räumen.“
 

Damian blickte auf und schüttelte kaum merklich den Kopf. „Er wird bleiben. Er hat es so angekündigt, und ich bezweifle, dass er sich leicht umstimmen lässt.“
 

Archie trat näher, seine braunen Augen suchten Damians Gesicht nach Hinweisen auf seine Gedanken. „Jack ist nicht das einzige Problem, oder? Das hier geht tiefer.“
 

Damian schnaubte und richtete sich auf. „Natürlich geht es tiefer. Darius glaubt, er könnte mit genug Trotz alles ändern. Und Aiden…“ Er hielt inne, als wäre es ihm unangenehm, den Gedanken zu Ende zu führen. „Aiden ist schwach, verletzlich. Ich kann mir nicht leisten, dass die anderen denken, sie könnten genauso handeln wie er.“
 

Archie legte den Kopf leicht schief und betrachtete ihn nachdenklich. „Vielleicht liegt das Problem nicht bei Aiden oder Darius. Vielleicht liegt es daran, dass du versuchst, alles zu kontrollieren, selbst wenn es zerbricht.“
 

Damian warf ihm einen scharfen Blick zu, doch er ließ sich nicht beirren. „Wenn du sie weiter unterdrückst, wirst du irgendwann allein dastehen. Darius wirkt, obwohl er erst seit Kurzem hier ist, sehr loyal, aber selbst Loyalität hat ihre Grenzen. Und Aiden…“ Archie zögerte. „Manchmal brauchen Menschen mehr als Strafen. Sie brauchen jemanden, der sie wirklich sieht.“
 

Er schüttelte den Kopf, als wollte er Archies Worte abschütteln. „Das hier ist kein Ort für Schwäche, Archie. Ich muss stark sein – für sie alle.“
 

„Stärke“, sagte Archie sanft, „bedeutet manchmal auch, nachzugeben. Denk darüber nach.“ Mit diesen Worten ließ sein Bruder Damian allein.
 

Damian ließ sich schwer in den Sessel hinter seinem Schreibtisch fallen, seine Gedanken wirbelten. Archies Worte hallten in ihm nach, aber er wusste, dass es keinen einfachen Weg gab. Darius war ein Pulverfass - Jack eine lauernde Bedrohung - und Aiden… Aiden war das Bindeglied, das alles entweder retten oder endgültig zerstören konnte…

Kapitel 39

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Darius richtete sich leicht auf, ohne Aiden loszulassen. Sein Blick traf Jack, der aus Damians Büro heraustrat und sich setzte. Für einen Moment herrschte Stille zwischen ihnen. Es war keine angespannte Stille, sondern eine, die von unausgesprochenem Respekt und einem Hauch von Misstrauen geprägt war.
 

„Warum bist du wirklich hier, Jack?“ Darius’ Stimme war leise, aber fest. „Ich denke nicht, dass es nur um Aiden geht.“
 

Jack lehnte sich zurück, ein Lächeln, das weder freundlich noch abweisend war, zog sich über sein Gesicht. „Du hast recht. Es geht um mehr als nur Geschäfte oder Aiden. Ich bin hier, weil ich sehe, dass du und Aiden in einer Situation steckt, die euch beide zerstören könnte, wenn niemand eingreift.“
 

Darius’ Kiefermuskeln verkrampften sich, doch er sagte nichts, um Jack ausreden zu lassen.
 

„Damian ist ein Mann, der Ordnung schätzt – und Ordnung bedeutet für ihn Kontrolle. Er glaubt, dass alles unter seiner Führung funktionieren muss, und wenn jemand aus der Reihe tanzt, wird er das Korrigieren. Aber du, Darius…“ Jack lehnte sich nach vorne, seine Stimme sank zu einem gedämpften Ton. „Du bist sein Gegenpol. Du forderst ihn heraus, und das wird ihn entweder stärken oder schwächen. Alles hängt davon ab, wie du weitermachst.“
 

Darius ließ diese Worte einen Moment wirken, bevor er sprach. „Ich habe keine Wahl, Jack. Ich lasse Aiden nicht fallen. Wenn Damian das nicht versteht, wird es Konsequenzen geben – für ihn.“
 

Jack lachte leise, aber ohne Spott. „So entschlossen. Aber entschlossen zu sein bedeutet nicht, dass du gewinnen wirst. Damian ist ein Alpha, der keine Schwächen zeigt, und er hat Erfahrung. Wenn du gegen ihn stehst, musst du nicht nur stark sein, sondern auch klug.“
 

Darius wollte etwas erwidern, doch ein leises Geräusch ließ beide Männer innehalten. Aiden regte sich leicht, die Augen noch halb geschlossen, und lehnte sich etwas mehr an Darius.

„Was ist los?“, murmelte Aiden schläfrig, seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern.
 

Darius’ Züge wurden weicher, als er auf ihn hinabblickte. „Alles in Ordnung, Aiden. Ruh dich aus.“
 

Aiden nickte leicht, schloss die Augen wieder und schien innerhalb weniger Sekunden zurück in den Schlaf zu gleiten. Darius strich ihm beruhigend über den Rücken, bevor er sich erneut Jack zuwandte.
 

„Ich weiß, dass es gefährlich ist, gegen Damian zu stehen“, sagte Darius, seine Stimme leise, aber entschlossen. „Aber ich werde nicht zusehen, wie Aiden zerbricht, nur weil Damian ein Machtspiel spielt.“
 

Jack stand auf und trat näher, seine Haltung weniger feindselig als zuvor. „Du bist mutig, Darius, das gebe ich zu. Aber du wirst Hilfe brauchen. Wenn es so weit ist, werde ich da sein. Nicht nur für dich, sondern auch für Aiden. Denn was hier passiert, betrifft uns alle.“
 

Darius blickte ihm lange in die Augen, bevor er nickte. „Danke, Jack.“
 

Jack wandte sich ab und ging zur Tür, warf Darius jedoch noch einen letzten Blick zu. „Pass auf dich auf. Damian wird nicht zögern, wenn er sich bedroht fühlt.“
 

Mit diesen Worten verließ er den Raum, die Tür leise hinter sich schließend. Darius saß still da, hielt Aiden in seinen Armen und spürte das Gewicht der kommenden Konfrontation auf seinen Schultern. Doch in seinem Inneren wuchs auch ein Funke von Hoffnung – die Hoffnung, dass er nicht allein war…

Kapitel 40

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Die Stille im Raum war fast greifbar, nur unterbrochen von Aidens ruhigem Atem. Darius lehnte sich zurück und schloss für einen Moment die Augen. Jack hatte recht – Damian war ein Gegner, der nicht unterschätzt werden durfte. Aber Darius wusste auch, dass er sich nicht beugen konnte. Nicht jetzt, wo es um Aiden ging.
 

„Du siehst müde aus.“ Archies Stimme ließ ihn aufschauen. Er stand in der Tür, die Hände in die Taschen seiner Jacke gesteckt, ein sanfter Ausdruck auf seinem Gesicht. „Jack hat wohl mal wieder seine üblichen Reden gehalten, hm?“
 

Darius ließ ein schwaches Lächeln zu. „Er hat ein Talent dafür, einem die Realität ins Gesicht zu schleudern. Aber ehrlich gesagt…“ Er sah auf Aiden hinunter, der sich eng an ihn klammerte. „Ich brauche das manchmal.“
 

Archie trat näher und ließ sich auf einen Stuhl ihm gegenüber nieder. Seine Augen wanderten zu Aiden, und ein Hauch von Mitgefühl schimmerte in seinem Blick. „Er vertraut dir. Das ist nicht leicht in einer Welt wie dieser.“
 

Darius nickte langsam. „Das ist es nicht. Und gerade deshalb darf ich ihn nicht enttäuschen.“
 

Archie verschränkte die Arme vor der Brust, sein Blick wurde prüfend. „Was ist dein Plan, Darius? Du weißt, dass Damian nicht einfach nachgeben wird. Er hat eine Vorstellung davon, wie Dinge laufen sollen, und er wird nicht zögern, dich zu brechen, wenn du ihm im Weg stehst.“
 

Darius’ Kiefer spannte sich an, doch er hielt seinem Blick stand. „Ich habe keinen großen Plan, Archie. Aber ich weiß, dass ich nicht zulassen kann, dass Aiden weiter leidet. Wenn das bedeutet, dass ich mich gegen Damian stellen muss, dann werde ich das tun.“
 

Archie seufzte, seine Stirn in Falten gelegt. „Du bist stur, Darius. Das ist bewundernswert, aber es kann dich auch in Schwierigkeiten bringen. Vielleicht solltest du versuchen, eine andere Lösung zu finden. Eine, die nicht alles eskalieren lässt.“
 

Darius runzelte die Stirn. „Glaubst du, ich habe das nicht versucht? Damian hört nicht zu. Für ihn bin ich nur ein Werkzeug, ein Soldat und eine Sexpuppe. Er sieht nicht, dass ich mehr bin.“
 

Archie lehnte sich zurück, seine Augen suchten die von Darius. „Vielleicht liegt das daran, dass du ihm nie die Chance gegeben hast, es zu sehen.“
 

Darius schwieg. Die Worte trafen ihn härter, als er zugeben wollte. War er wirklich so verschlossen, so stur gewesen, dass Damian nie die Gelegenheit hatte, ihn wirklich zu verstehen? Hatte er am Anfang, als beide den ersten Tag verheiratet waren, vielleicht gleich mit einem Streit die Möglichkeit verwehrt, Damian zu zeigen, wie er wirklich war?
 

Bevor er antworten konnte, regte sich Aiden in seinen Armen. Seine Augen öffneten sich langsam, und er blickte verschlafen zwischen Darius und Archie hin und her. „Was… ist los?“
 

Darius strich ihm beruhigend über die Haare. „Nichts, Aiden. Alles ist gut. Ruh dich aus.“
 

Aiden schüttelte den Kopf, seine Stimme leise, aber bestimmt. „Nein, Darius. Ich… ich will nicht mehr wegsehen. Ich will wissen, was passiert.“
 

Archie musterte Aiden einen Moment, dann nickte er langsam. „Vielleicht hat er recht, Darius. Vielleicht ist es an der Zeit, dass ihr beide offen und ehrlich seid – nicht nur miteinander, sondern auch mit Damian.“
 

Darius zögerte, dann sah er Aiden direkt an. „Bist du sicher, dass du das willst? Es könnte gefährlich werden.“
 

Aiden hob den Kopf, sein Blick fest und klar, trotz der Müdigkeit, die ihn noch umgab. „Ich bin sicher. Ich will nicht, dass du alles alleine tragen musst. Nicht wegen mir.“
 

Darius fühlte, wie sein Herz bei diesen Worten schmerzte – vor Sorge und vor Stolz zugleich. Er nickte langsam. „Gut. Dann machen wir das zusammen.“

Kapitel 41

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Nachdem Jack von Darius und Aiden gegangen war, ging er hinunter in die Küche, um dem jungen Beta Thomas Roberts einige Instruktionen zu geben – unter anderem, dass er sich für eine Weile hier einquartieren würde. Doch als er die Küche betrat, traf er auf den kleinen Ed, der auf dem Boden saß und in sein Spiel vertieft war.
 

Jack liebte Kinder über alles, und er wusste, dass sein Sohn zu Hause auf ihn wartete, der ungefähr in Eds Alter war. Seine Mutter war nur eine der unzähligen Omegas, die benutzt und schließlich der Willkür der anderen überlassen worden waren. Immerhin hatte er seinen Sohn retten können. Deswegen wusste er auch, wie man mit Kindern umgehen musste.
 

Jack hockte sich hin, sodass er auf Augenhöhe mit Ed war. Der kleine Junge hielt einen abgenutzten Holzbaustein in den Händen, den er anscheinend irgendwo gefunden hatte. Seine Finger umklammerten ihn, als wäre er ein Schatz.
 

„Ist das ein Turm, den du baust?“ fragte Jack, seine Stimme warm und aufmunternd. Ed zögerte, dann nickte er langsam.
 

„Ein ganz hoher Turm“, murmelte der Junge leise, wobei sein Blick noch immer misstrauisch blieb.
 

Jack lächelte sanft. „Hoch genug, um die Sterne zu sehen? Oder reicht es nur bis zu den Wolken?“
 

Ed dachte kurz nach, dann zeigte er auf die Decke. „Bis da oben. Dann kann ich schauen, was hinter der Tür ist.“
 

Jack blinzelte überrascht, ließ sich jedoch nichts anmerken. „Welche Tür, kleiner Mann?“
 

Ed zögerte wieder, sah sich um, als wolle er sicherstellen, dass niemand lauschte. „Die Tür in Damians Büro. Er sagt, ich soll da nicht reingehen.“
 

Jack verstand sofort, dass diese Tür mehr als nur ein physisches Hindernis war. Es war ein Symbol für die Geheimnisse, die Damian hütete, die Schichten, die er um sich gelegt hatte. Jack legte eine Hand auf Eds Schulter, sanft, aber beschützend.
 

„Manchmal haben Erwachsene Gründe, Dinge geheim zu halten“, sagte er leise. „Aber das heißt nicht, dass sie nicht wichtig sind. Manchmal schützen sie dich damit.“
 

Ed sah ihn mit großen Augen an, dann schien er die Antwort zu akzeptieren. „Okay“, murmelte er und begann, den Holzbaustein in seinen kleinen Händen zu drehen.
 

In diesem Moment öffnete sich die Tür zum Flur, und Damian trat ein. Sein Blick fiel sofort auf Jack und Ed, und für einen Augenblick schien eine Spur von Irritation über sein Gesicht zu huschen, bevor er seine Maske wieder aufsetzte.
 

„Jack“, sagte er mit seiner üblichen ruhigen, aber autoritären Stimme. „Ich hoffe, du hast etwas Besseres zu tun, als ein Kind in unsere Angelegenheiten zu verwickeln.“
 

Jack richtete sich auf und ließ Ed nicht aus den Augen. „Ich rede mit ihm, Damian. Keine Agenda, kein Spiel. Nur ein Gespräch.“
 

Damian trat näher, sein Blick wanderte kurz zu Ed, der nervös seinen Baustein betrachtete, dann zurück zu Jack. „Es gibt keinen Platz für Sentimentalität hier. Und das weißt du.“
 

Jack trat einen Schritt auf Damian zu, sein Blick unverändert ruhig, aber seine Haltung fest. „Manchmal ist Sentimentalität genau das, was wir brauchen. Du kannst diese Mauern um dich herum so hoch bauen, wie du willst, Damian, aber irgendwann wirst du merken, dass es keine Stärke ist, wenn du alles allein trägst.“
 

Damian fixierte ihn mit einem durchdringenden Blick, dann wandte er sich ab. „Das hier ist keine Diskussion. Darius will mit dir sprechen. Er erwartet dich im Besprechungsraum.“

Jack nickte knapp, bevor er sich wieder zu Ed hinunterbeugte. „Du bist ein kluger Junge, Ed. Denk daran, dass du immer jemanden findest, der auf dich aufpasst, okay?“
 

Ed nickte schüchtern, und Jack stand auf, um Damian zu folgen. Doch bevor er den Raum verließ, hielt er inne und warf einen letzten Blick zurück auf Ed. Der Junge hatte wieder begonnen, mit seinem Baustein zu spielen, aber etwas an seiner Haltung wirkte ruhiger…

Kapitel 42

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Im Besprechungsraum wartete Darius bereits, die Arme verschränkt, seine Haltung angespannt. Jack schloss die Tür hinter sich und lehnte sich lässig gegen die Wand. Damian nahm am Kopf des Tisches Platz, sein Blick abwartend und kühl.
 

„Also“, begann Damian, seine Stimme ruhig, aber schneidend, „was genau willst du, Jack?“
 

Jack ließ sich Zeit, seine Augen wanderten zwischen Damian und Darius hin und her. „Was ich will, ist einfach. Ich will sicherstellen, dass das, was du hier tust, nicht alle zerstört. Und das bedeutet, dass wir jetzt reden müssen – offen und ehrlich.“
 

Damian schnaubte leise. „Offenheit? Von dir?“ Sein Lächeln war kalt, seine Haltung angespannt, obwohl er sich bemühte, es zu verbergen. Seine Finger trommelten unmerklich auf die Tischplatte.
 

„Ja“, erwiderte Jack ruhig, ließ sich von Damians Sarkasmus nicht beeindrucken. „Denn hier geht es nicht nur um dich, Damian. Es geht um alle, die du beeinflusst. Und es geht darum, ob du bereit bist, das zu erkennen, bevor es zu spät ist.“
 

Darius beobachtete die beiden Männer aufmerksam, seine Augen funkelten vor Anspannung. „Und was schlägst du vor, Jack?“ fragte er schließlich, seine Stimme ruhig, aber bestimmt.
 

Jack trat näher, seine Haltung entschlossen. „Ich schlage vor, dass wir aufhören, diese Spielchen zu spielen, und endlich anfangen, ehrlich zu sein. Über Aiden. Über Ed. Und über das, was wirklich hinter dieser Tür in deinem Büro liegt, Damian.“
 

Damian lehnte sich in seinem Stuhl zurück, seine Augen verengt. Für einen Moment schien er mit sich zu ringen, bevor er antwortete. „Du denkst, du kannst einfach hierherkommen und all die Dinge aufdecken, die ich zu schützen versuche? Glaubst du, ich tue das alles aus einer Laune heraus?“ Seine Stimme war leise, aber schneidend, doch seine Hände ballten sich merklich zu Fäusten.
 

Jack verschränkte die Arme vor der Brust. „Ich denke, dass du Entscheidungen triffst, die nicht nur dich betreffen, Damian. Und wenn du weiterhin alles geheim hältst, werden diese Geheimnisse dich irgendwann verschlingen.“
 

Darius, der bisher geschwiegen hatte, trat vor. Seine Stimme war ruhig, aber voller Nachdruck. „Es geht nicht nur um dich, Damian. Es geht um uns – um das, was passiert ist. Und darum, warum ich überhaupt hier bin.“
 

Damian wandte sich ihm zu, sein Blick hart, aber für einen kurzen Moment blitzte etwas wie Schmerz darin auf. „Du bist hier, weil dein Vater es so wollte. Weil ich der Einzige bin, der dich beschützen kann.“
 

Jack hob eine Augenbraue, sein Interesse geweckt. „Beschützen? Vor wem?“
 

Damian schwieg, und ein Schatten legte sich über sein Gesicht. Seine Stimme wurde leiser, als er schließlich sprach. „Du warst nicht dabei, Darius. Du hast nicht gesehen, was passiert ist. Aber ich habe es gesehen. Ich habe gesehen, wie sie ermordet wurden. Wie sie meine Eltern und deinen Vater umgebracht haben, weil sie uns vernichten wollen.“ Seine Stimme brach fast, doch er fing sich und setzte schärfer fort: „Du verstehst nicht, was auf dem Spiel steht.“
 

Darius’ Gesicht verhärtete sich, und er trat einen Schritt näher. „Und du denkst, das rechtfertigt alles, was du tust? Die Kontrolle, die Geheimnisse, die Drohungen?“
 

Damian schnaubte. „Das ist kein Spiel, Darius. Die Menschen, die meine Eltern und deinen Vater getötet haben, sind immer noch da draußen. Und sie warten nur darauf, dass wir einen Fehler machen. Glaubst du, ich genieße das hier? Glaubst du, ich wollte, dass du hier bist, bei mir, statt ein Leben in Freiheit zu führen?“
 

Jack, der bisher geschwiegen hatte, trat vor und sagte nachdenklich: „Also hältst du ihn hier und hast die arrangierte Ehe angenommen, um ihn zu schützen.“ Sein Ton war ruhig, aber seine Worte trafen Damian spürbar. „Aber vielleicht hast du nicht bedacht, dass deine Art zu beschützen ihn genauso zerstören könnte, wie das, wovor du ihn bewahren willst.“
 

Damian drehte sich abrupt zu Jack um, seine Augen funkelten vor Wut. „Du hast keine Ahnung, wovon du sprichst.“
 

Jack blieb unbeeindruckt. „Ich weiß genug. Und ich weiß, dass du keine Schlacht allein gewinnen kannst. Du hast Darius hier, weil du ihn schützen willst. Aber vielleicht solltest du darüber nachdenken, dass er dich auch schützen könnte – wenn du ihn lässt.“
 

Darius sah Damian an, seine Stimme leise, aber entschlossen. „Damian, ich bin nicht mein Vater oder deine Eltern. Und ich bin nicht schwach. Wenn wir diese Gefahr gemeinsam bekämpfen müssen, dann lass mich dir helfen. Aber hör auf, mich wie einen Gefangenen zu behandeln.“
 

Für einen Moment war der Raum still. Damian starrte Darius an, und etwas in seinem Blick veränderte sich. Es war kein vollständiges Nachgeben, aber ein Hauch von Anerkennung, ein Funken von Verständnis.
 

„Du bist hier, weil es dein Vater so wollte“, sagte Damian schließlich, seine Stimme leiser. „Aber vielleicht war es sein Wunsch, dass wir uns gegenseitig beschützen. Nicht nur ich dich.“
 

Jack nickte langsam, als hätte Damian endlich den ersten Schritt in die richtige Richtung gemacht. „Jetzt kommen wir der Sache näher.“
 

Die Stille im Raum war nicht mehr bedrückend, sondern nachdenklich. Darius und Damian sahen sich an, und in diesem Moment schien es, als könnten sie einen neuen Weg finden – einen Weg, der sie beide nicht zerbrechen würde…

Kapitel 43

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Die angespannte Stille hielt nicht lange an, aber sie war nicht mehr von feindseliger Energie durchzogen. Jack spürte, dass die Situation sich langsam wandeln konnte. Es gab immer noch viel, was nicht ausgesprochen war, aber wenigstens hatte Damian einen kleinen Schritt auf Darius zu gemacht.
 

„Du musst dich nicht für alles alleine opfern“, sagte Darius schließlich, seine Stimme ruhig, aber fest. „Ich weiß, dass du denkst, du kannst uns schützen, indem du alles im Alleingang machst. Aber es gibt Dinge, die du nicht alleine tragen kannst. Und du solltest es auch nicht müssen.“
 

Damian atmete scharf aus und sah zu Boden. „Ich habe es dir nie leicht gemacht, Darius. Das weißt du. Aber es gibt Gründe dafür. Du bist hier, weil ich dich brauchte, nicht weil ich dich in irgendeiner Form festhalten wollte. Und es tut mir leid, dass es sich so anfühlt.“
 

„Es fühlt sich an, als ob du mich nie wirklich als deinen Ehemann gesehen hast, nur als jemanden, den du kontrollieren musstest“, sagte Darius, und der Schmerz in seiner Stimme war kaum zu verbergen. „Du hast mich immer nur als einen Soldaten betrachtet, als jemanden, den du kontrollieren musst, um zu überleben. Aber wir sind mehr als das, Damian. Und du solltest mir vertrauen können.“
 

Ja, Vertrauen – das war auch etwas, was Darius selbst lernen musste, denn er vertraute Damian ja genauso wenig wie dieser ihm.
 

Damian hob den Kopf, sein Blick war scharf, als er Darius ansah. „Ich habe zu sehr vertraut, aber das war vor dem Tod meiner Eltern. Ich weiß nicht, ob ich das jemals wieder kann. Du weißt, was wir verloren haben. Und ich weiß, dass du jetzt die Wahrheit kennst – die Wahrheit über meine Eltern, deinen Vater und warum sie sterben mussten.“
 

Der Raum wurde kälter, die Luft schien sich zusammenzuziehen, als Damian diese Worte aussprach. Darius konnte den Blick seines Mannes sehen, die Erinnerung an das, was er durchgemacht hatte – der Mord an seinen Eltern, seinem Vater – alles.
 

Vorgetäuscht als Autounfall – welcher keiner war.
 

Es war kein Zufall gewesen. Es war eine gezielte Attacke, eine schreckliche Intrige von Kräften, die Damian noch immer nicht verstand. Die Mordanschläge waren nicht einfach das Werk von Verbrechern.
 

Es waren politische Manöver, bei denen Damians Eltern, Darius' Vater und auch die Eltern von Ed – was noch keiner wusste – ins Fadenkreuz geraten waren.
 

„Damian…“, begann Darius leise, doch seine Stimme brach für einen Moment. Musste er selbst noch begreifen, dass sein geliebter Vater nicht bei einem Unfall ums Leben gekommen war, sondern eiskalt ermordet wurde?
 

„Ich mag zwar erst 17 Jahre alt sein, aber ich habe genug in meinem Leben durchgemacht, und auch mir fällt es schwer zu vertrauen. Aber was passiert ist, können wir nicht mehr ändern. Wir können nur versuchen, es besser zu machen.“ Darius schwieg kurz, um die richtigen Worte zu finden.
 

„Jemand hat unsere Liebsten aus einem Grund getötet, den wir noch nicht wissen, auch wenn mir jetzt klar ist, wer. Aber…“
 

Damian blickte auf, seine Augen spiegelten die Fassungslosigkeit und den Schmerz wider, der auch in Darius' Brust brannte. „Du willst sagen, dass wir den Mörder wissen?“ fragte er, seine Stimme wie ein flimmerndes Echo von Wut und Verlust.
 

„Ich weiß nur, dass es nicht nur um den Mord ging. Es war ein Versuch, uns zu zerstören. Und ich weiß, dass du nicht alles allein tragen kannst, Damian. Mein Vater und deine Eltern haben uns mit einem guten Grund verheiratet“, da war sich Darius ziemlich sicher.
 

Jack beobachtete die beiden, die sich gegenüberstanden. Der Raum war von einer seltsamen, nahezu heiligen Atmosphäre durchzogen, in der sie sich der Wahrheit stellten, die sie so lange verdrängt hatten.
 

„Es gibt keine einfachen Antworten“, sagte Jack schließlich, als er sah, dass Damian zu wanken schien. „Aber vielleicht ist es an der Zeit, dass du nicht nur die Verantwortung für die Vergangenheit trägst. Vielleicht solltest du auch in die Zukunft blicken, bevor du alles wieder in den Scherben versinken lässt.“
 

Damian drehte sich langsam um und ging zu einem Tisch. Er legte seine Hände auf die Tischplatte, als wollte er sich vergewissern, dass er noch die Kontrolle hatte. „Die Zukunft“, murmelte er fast ironisch. „Was bedeutet Zukunft, wenn du in ständiger Angst leben musst, von der Weltregierung verfolgt oder getötet zu werden?“
 

„Die Zukunft bedeutet, dass du nicht mehr in den Schatten leben musst“, sagte Darius, als er sich wieder zu seinem Mann stellte, der nun eine andere Haltung einzunehmen schien. „Sie bedeutet, dass wir zusammenarbeiten können, statt uns gegenseitig zu zerstören. Du hast mich in dein Leben gezogen, Damian. Jetzt solltest du mir auch erlauben, dir zu helfen. Nicht nur als Soldat, sondern als Ehemann und Geliebter.“
 

Die Worte hingen schwer in der Luft, und für einen langen Moment herrschte Stille. Dann drehte sich Damian abrupt um und trat auf Darius zu. Es war ein Moment, der sich dehnte, in dem sich alles anfühlte wie ein Test, ein stilles Ringen um Vertrauen und Verständnis.
 

„Vielleicht… vielleicht hast du recht“, sagte Damian schließlich. „Vielleicht ist es an der Zeit, dass wir beide einen Schritt in die Zukunft wagen. Gemeinsam.“
 

Darius nickte, und für den Bruchteil einer Sekunde konnte er in den Augen seines Mannes etwas erkennen – ein zartes Fünkchen Hoffnung, dass endlich wieder einen Weg durch die Dunkelheit fand.
 

„Gemeinsam“ sagte Darius leise, als er sich von Damian abwandte. „Wir müssen es gemeinsam tun.“

Kapitel 44

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Jack merkte, dass er nicht mehr gebraucht wurde, und beschloss, nach draußen zu gehen. Es war nicht sein Ziel gewesen, die beiden zusammenzubringen, aber er wusste, dass sie sich noch oft streiten würden. Mit einem Grinsen auf den Lippen bog er in den Raum ab, in dem Aiden schlief. Er wollte mehr über seinen zukünftigen Ehemann erfahren, und auch wenn Jack nicht davor zurückschreckte, ihn zu verführen, hatte er vor, ihm den Kopf zu verdrehen.
 

Aiden war zweifellos attraktiv, das hatte er Damian am Telefon bereits gesagt. Er konnte sich ein Leben mit dem Jungen vorstellen, der wohl kaum viel älter als Darius war. Daher setzte er sich in den Sessel gegenüber und beobachtete nur die schlafende Person.
 

Darius, der sich von Damian abgewandt hatte, konnte ihn nicht einfach alleine lassen. Etwas hielt ihn im Raum – er konnte jetzt nicht gehen, wie er es ursprünglich geplant hatte. Wahrscheinlich war es Damians Stimmung, die ihn zurückhielt. Er hatte diesen Ausdruck im Gesicht nur einmal gesehen, damals, als er selbst 14 Jahre alt gewesen war.
 

Es war wohl dieser Ausdruck gewesen, der ihn dazu gebracht hatte, sich in Damian zu verlieben. Aber was auch immer sein Vater oder auch seine Eltern dazu bewogen hatte, die beiden zu verheiraten, das Wichtigste für Darius war, dass er Damian nun ein wenig besser verstand.
 

Natürlich würde er sich nach wie vor mit ihm zanken – das war nun mal seine Art. Er hasste es, seine Freiheit verloren zu haben, aber er wollte auch, dank Jack, das Beste aus der Situation machen.
 

Deshalb ging er einfach zu Damian, legte ihm die Arme um den Nacken, zog ihn an sich und küsste ihn stürmisch. Es war ein Impuls – er wollte den arroganten, hochnäsigen Damian zurückhaben und nicht das Häufchen Elend, das er gerade vor sich sah. Damian, der zunächst überfordert wirkte, fing sich schnell, hob Darius' Hintern an und drückte ihn auf den Tisch, während er ihn festhielt.
 

Damian würde nehmen, was er bekommen konnte. Wenn sein Mann es ihm schon indirekt anbot, warum nicht annehmen? Von dem ersten Moment an, als Darius durch seine Hallen geschritten war, hatte er gespürt, welches Feuer und welche Leidenschaft in ihm brannten. Jetzt wollte er es ohne Bestrafung oder Streitereien nehmen und wirklich wissen, wie leidenschaftlich sein Mann sein konnte.
 

Es würde nicht mehr lange dauern, bis Darius’ erste Hitze einsetzen würde, und Damian wollte sie mit allem, was dazugehörte, erleben. Er musste seinen Mann nicht gleich schwängern, was er sowieso nicht wollte. Sie hatten Zeit. Und sollte Darius zu seinem Bruder Ethan wegen Verhütungsmitteln gehen wollen, konnte er das tun – Damian würde ihm nicht im Weg stehen.
 

Damian küsste Darius verlangend und ließ ihn die Intensität spüren – vergessen war, was sich kurz zuvor in diesem Raum abgespielt hatte. Darius drückte sich nur an seinen Mann und grinste. Langsam begann er, die Knöpfe an Darius’ Hemd zu öffnen und strich sinnlich über seine nackte Brust. „Gefällt dir die Aussicht?“, neckte Darius Damian und sah den fast brennenden Blick, als sich die sinnlichen Lippen öffneten.
 

Denn Darius war von Anfang an gefangen gewesen – von Damian, seiner Leidenschaft, seiner Arroganz, seiner Macht – einfach allem...

Kapitel 45

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Aiden, dem langsam alles wehtat, weil er in einem Sessel eingeschlafen war, kam gerade zu sich. Alles verschwamm noch vor seinen Augen, und er erkannte nicht sofort, dass er nicht mehr allein war. Müde rieb er sich die noch immer von Tränen geschwollenen Augen.
 

„Oh Gott, ich muss wohl eingeschlafen sein…“, murmelte er nur, als er plötzlich ein leises Schmunzeln hörte.
 

Noch hatte er Jack nicht bemerkt, aber als er sich etwas aufrichtete und seine Augen öffnete, sah er ihn und zuckte erschrocken zusammen. Jack bemerkte das sofort und hielt inne.
 

„Keine Angst. Ich tue dir nichts.“, sagte Jack mit einer ruhigen, fast sanften Stimme und trat einen Schritt näher, wobei er Aiden mitfühlend ansah. Er wollte nicht, dass der Junge Angst vor ihm hatte, auch wenn ihm bewusst war, dass seine Präsenz vielleicht beängstigend wirkte.
 

Aiden blinzelte, versuchte, seine Gedanken zu ordnen. Alles fühlte sich wirr an. „Ich... ich hab nicht damit gerechnet, dass du...“, stammelte er, unsicher, was er sagen sollte.
 

Jack setzte sich schließlich auf den Stuhl gegenüber, seine Haltung locker, aber doch interessiert. „Damian hat über dich gesprochen. Aber ich möchte dich nicht gleich überrennen, Aiden. Ich will dich erst kennenlernen. Ohne Druck, ohne Erwartungen.“ Er lehnte sich etwas nach vorne. „Du bist nicht allein in dieser Situation. Und ich...“ Ein schelmisches Lächeln spielte auf seinen Lippen. „Ich werde dich nicht gleich verführen. Nicht bevor ich sicher bin, dass du das auch wirklich willst.“
 

Aiden starrte ihn an, verwirrt, ein leises Ziehen in der Brust. „Und warum… warum bist du dann hier?“, fragte er, als wäre es der einzige Gedanke, der ihm durch den Kopf ging.
 

„Weil ich ehrlich interessiert bin, dich kennenzulernen“, antwortete Jack, seine Stimme blieb ruhig. „Schließlich bin ich dein zukünftiger Mann, und ich weiß, dass das nicht einfach ist. Aber ich möchte dir keine Angst machen. Ich will nicht, dass du mich für eine Bedrohung siehst. Ich will einfach... wissen, wer du bist.“
 

Aiden atmete tief durch, seine Hände umklammerten die Armlehnen des Sessels, als könnte er sich dadurch festhalten. „Ich weiß nicht... es fühlt sich so... so falsch an“, murmelte er, seine Stimme war schwach und zitterte leicht. „Das alles... es fühlt sich so falsch an, ich habe das nie gewollt… dass ich heiraten muss.“
 

„Ich verstehe“, sagte Jack leise und legte seine Hand beruhigend auf den Arm des Sessels. „Du bist überfordert, das weiß ich. Aber glaub mir, Aiden, niemand verlangt von dir, dass du alles gleich verstehst oder dich gleich in alles stürzen musst. Ich ganz besonders.“, fügte Jack noch an.
 

Doch gerade als Aiden einen Moment der Ruhe fand, hörte er plötzlich ein leises, lustvolles Stöhnen aus der Nähe. Der Klang war eindeutig und ließ ihn erschrocken zusammenzucken. Das Geräusch hallte durch das Anwesen und war unmissverständlich.
 

Aiden wusste sofort, was das war – und wer es verursachte. Er geriet sofort in Panik. Sein Herz setzte einen Schlag aus, und sein Gesicht verfärbte sich rot. Peinlich berührt und völlig überfordert, stand er auf, als hätte er nicht mehr gewusst, wohin er sich wenden sollte.
 

„Oh Gott, dass… das ist... Darius, oder?“, stotterte er, die Worte kaum fassend. Es war mehr, als er sich in diesem Moment vorstellen konnte.
 

Jack sah ihn ruhig an, ohne sich zu beeilen, eine Antwort zu geben. „Ja, scheint so...“, sagte Jack mit einem verschmitzten Lächeln. „Es tut mir leid, dass du das hören musst. Aber du wirst sehen, mit der Zeit gewöhnt man sich daran.“
 

Aiden fühlte sich schrecklich unwohl, sein Gesicht war jetzt knallrot und er konnte kaum in Jacks Richtung blicken. „Ich... ich wusste nicht, dass… dass Damian so fordernd sein kann…“, murmelte er, völlig aus der Fassung. Es war ihm unangenehm, so einen Moment so offen mit jemandem teilen zu müssen, den er praktisch nicht einmal kannte. Und weil es Aiden so vorkam, als habe sich Damian bei ihm immer zurückgehalten.
 

Jack lehnte sich zurück, betrachtete Aiden einen Moment und sagte dann mit einem Schmunzeln: „Das ist noch nichts im Vergleich zu dem, was du noch erleben wirst, mein Freund. Aber keine Sorge... Ich will dich nicht überfordern. Lass uns einfach miteinander reden. Und ja, ich werde mich davon fernhalten, solange du es nicht willst.“
 

Zumindest wollte er Aiden in der Gewissheit lassen. Wie es wirklich werden würde, dass er Aiden, wann immer er die Gelegenheit finden würde, verführen wollte, dazu schwieg er bewusst.
 

Aiden nickte, noch immer sichtlich beschämt, aber Jack schien auf eine beruhigende Weise zu versuchen, die Situation zu entschärfen. Er stand noch immer regungslos da, versuchte, die Geräusche zu ignorieren, die aus dem anderen Raum drangen.
 

Es war schwer, sich nicht davon ablenken zu lassen, und die Hitze, die sich in seinem Gesicht ausbreitete, verstärkte nur das Gefühl der Verlegenheit. Er konnte den Blick von Jack spüren, der in seiner Nähe verweilte, aber Aiden fand es kaum möglich, sich zu ihm zu wenden.
 

„Es ist okay, Aiden“, sagte Jack schließlich und stand auf. „Du musst dich nicht schämen. Das hier... ist kein Wettbewerb. Es gibt keine Regeln, keine Erwartungen, die du erfüllen musst.“ Er trat einen Schritt näher, diesmal vorsichtiger, als würde er sich bewusst sein, wie verletzlich Aiden in diesem Moment war.
 

„Es ist nur...“, begann Aiden, doch seine Stimme brach. „Es fühlt sich alles so... fremd an. Es ist schwer zu glauben, dass all das wirklich passiert.“
 

Jack nickte verständnisvoll. „Ja, das kann ich mir vorstellen. Aber das Wichtigste ist, dass du nicht alleine bist. Ich weiß, es gibt viele Fragen, und es wird Zeit brauchen, das alles zu verstehen. Aber du bist nicht verpflichtet, sofort etwas zu tun oder zu fühlen, was du nicht willst.“
 

Aiden atmete tief durch und setzte sich schließlich wieder auf den Sessel, immer noch unruhig, aber zumindest war der peinliche Moment vorüber. „Ich weiß nicht, wie ich mich fühlen soll...“ Er stockte, als er seinen zukünftigen Mann ansah. „Ich habe Angst, dass ich nicht genug bin.“
 

Jack setzte sich ebenfalls, diesmal auf den Tisch vor Aiden, und sah ihn mit einem ernsten Blick an. „Du musst nicht perfekt sein, Aiden. Du musst einfach du selbst sein. Was du fühlst, wird wichtiger sein als alles andere. Und das Wichtigste ist, dass du Vertrauen aufbaust, zuerst zu dir selbst, dann zu mir.“
 

Aiden seufzte tief und nickte, obwohl er immer noch unsicher war. Er fühlte sich wie ein Fremder in seinem eigenen Leben, in einer Situation, die er sich nie hätte vorstellen können.
 

Doch dann drang ein weiterer Laut durch die Stille, dieses Mal lauter, intensiver, und eindeutig aus dem Zimmer, das eigentlich ein Besprechungszimmer war…

Kapitel 46

++++
 

Aidens Gesicht verfärbte sich erneut. Er konnte sich nicht beherrschen, als ihm klar wurde, dass es nicht nur die Worte waren, die er gehört hatte, sondern auch die Tatsache, dass er all das nun hautnah miterlebte. Es fühlte sich wie ein Schlag ins Gesicht an, eine schmerzliche Erinnerung daran, dass er hier war – in dieser Welt, in der Intimität und Leidenschaft genauso selbstverständlich schienen wie alles andere.
 

„Es tut mir leid“, murmelte Jack, während er Aiden aufmerksam beobachtete. „Das ist... nicht einfach. Ich weiß, dass es schwer ist, all das zu verarbeiten.“
 

Aiden nickte, doch seine Stimme zitterte, als er schließlich flüsterte: „Ich habe das nicht erwartet... von ihm...“ Seine Gedanken schweiften ab. Auch wenn Damian ihm damals geholfen hatte, als er es am meisten brauchte – die Forderungen, die Damian nun nur an Darius stellte, fühlten sich für Aiden wie ein Stich ins Herz an.
 

„Das ist normal“, sagte Jack mit ruhiger Stimme. „Damian liebt leidenschaftlich, und das kann schwer zu verstehen sein. Aber du bist zu nichts verpflichtet, Aiden. Nimm dir Zeit. Du musst dich nicht unter Druck gesetzt fühlen. Du bestimmst, wie schnell oder langsam alles geht.“
 

Eine Weile herrschte Stille zwischen den beiden. Aiden wirkte immer noch überfordert, doch Jack hatte eine besondere Art an sich, die Aiden half, sich ein wenig zu beruhigen. Es war, als ob er spürte, dass er nicht allein war – selbst wenn sich alles um ihn herum so ungewiss anfühlte.
 

Jack seufzte leise und stand schließlich auf. Er ging langsam zu Aiden und sah ihn ruhig an. „Ich will einfach, dass du dich sicher fühlst. Nimm dir die Zeit, die du brauchst. Und wenn du bereit bist, kannst du dir alles genauer ansehen. Aber erwarte nichts von dir selbst, was du nicht geben möchtest.“
 

Aiden blickte ihm in die Augen, und für einen Moment glaubte er, dass Jack wirklich nur das Beste für ihn wollte. „Danke, Jack“, sagte er leise. In seiner Stimme lag ein Hauch von Erleichterung. „Ich werde es versuchen. Aber... es fühlt sich alles noch so neu an.“
 

Jack schenkte ihm ein warmes Lächeln. „Das ist okay. Veränderung braucht Zeit. Aber du bist nicht allein, Aiden. Ich bin hier, wenn du jemanden zum Reden brauchst. Und... irgendwann wirst du selbst wissen, wo du hingehörst.“
 

Aiden nickte zögerlich. Vielleicht würde er irgendwann verstehen, was all das bedeutete. Für den Moment war es jedoch genug, dass er nicht allein war. Doch plötzlich spürte er ein feines Zittern in der Luft. Es war, als ob etwas Unbehagen langsam über ihn kroch.
 

„Darius...“, murmelte Aiden fast unbewusst und sah zu Jack. Es war nicht nur die Situation, die ihm zusetzte – die Atmosphäre im Raum schien plötzlich schwerer, dichter von unausgesprochenen Gedanken, die jeder der Anwesenden hegte.
 

Jack beobachtete Aiden aus dem Augenwinkel und bemerkte die Veränderung. Er verstand genau, was vor sich ging, doch er sagte nichts. Stattdessen hielt er inne und wartete, bis Aiden bereit war, etwas zu sagen.
 

Aiden war 19 Jahre alt und hatte seine erste Hitze längst hinter sich. Doch bald würde die nächste anstehen, und Jack konnte den Gedanken daran nicht verdrängen. Was das für ihn selbst bedeutete, ließ sich schwer ignorieren.
 

Es war eine Realität, der er sich zunehmend stellen musste: die Intensität der Gefühle, die Leidenschaft, die in diesem Raum mitschwang, und das Feuer, das auch in ihm loderte. Doch Jack blieb ruhig. Es war nicht der richtige Moment, über all das zu sprechen.
 

„Aiden...“, flüsterte er schließlich leise und trat ein Stück zurück, um ihm Raum zu lassen. „Du musst dir keine Sorgen machen. Es ist ein natürlicher Prozess. Und du bist nicht allein.“
 

Aiden nickte nur. Seine Wangen färbten sich leicht, und Jack spürte, wie sich eine leichte Hitze in ihm selbst regte. Doch er wusste, dass er warten musste – dass er Aiden die Zeit geben musste, die er brauchte.
 

„Es wird besser, Aiden. Es braucht nur Zeit“, sagte Jack und versuchte, so ruhig wie möglich zu bleiben.
 

Aiden sah Jack an, immer noch unsicher, aber auch mit einem Hauch von Erleichterung. „Ich hoffe, du hast recht. Aber... es fühlt sich alles so intensiv an. So fremd.“ Ein schwerer Atemzug folgte. „Ich wusste nicht, dass alles so... real ist.“
 

„Es ist real“, antwortete Jack leise und ließ seinen Blick auf dem Boden ruhen. „Aber das bedeutet nicht, dass du dich sofort bereit fühlen musst. Du hast die Kontrolle.“
 

Die Stille, die nun folgte, war fast spürbarer als zuvor. Aiden wand sich unruhig, während die Gedanken an die vergangenen Stunden immer klarer in seinem Kopf wurden. Jack hingegen, versunken in seine eigenen Überlegungen, spürte eine Unruhe, die er geschickt zu verbergen wusste.
 

„Es ist schwer, sich darauf vorzubereiten“, sagte Aiden schließlich. „Aber vielleicht ist es gut, dass ich hier bin. Um das alles zu erleben.“
 

Jack nickte nur. Manche Dinge brauchten Zeit, um klarer zu werden. Für den Moment reichten Worte jedoch aus, um einen ersten Schritt zu tun…

Kapitel 47

++++
 

Aiden saß da, das Gewicht seiner eigenen Gedanken und Emotionen drückte schwer auf ihn. Die aufgeladene Atmosphäre löste eine tiefere Reaktion in ihm aus. Das Verlangen, das er so lange zu unterdrücken versucht hatte, brach mit Macht aus seinem Inneren hervor. Er hatte schon viel zu lange keinen Sex mehr gehabt, um dieses Bedürfnis noch leugnen zu können.
 

Außerdem wusste er, dass bald die Phase beginnen würde, in der gebärfähige Omegas Kinder empfangen konnten. Auch er hatte darüber nachgedacht, aber nie wirklich eine Entscheidung getroffen. Jetzt fühlte er sich mehr denn je unwohl in seiner eigenen Haut.
 

Er schluckte, als eine Welle von Wärme durch seinen Körper zog – ein Gefühl, das ihm vertraut war und doch stärker, intensiver und beängstigender erschien. Das Knistern in seiner Brust und das aufkeimende Verlangen waren überwältigend.
 

Wie sollte er mit diesem Gefühl umgehen? Wie konnte er verhindern, dass die Erregung ihn übermannte? War es die Nähe zu Jack, die ihn so durcheinanderbrachte? Fand er ihn attraktiver, als er zugeben wollte?
 

„Warum fühlt sich das alles so... überfordernd an?“, murmelte Aiden leise, mehr zu sich selbst als zu Jack.
 

Jack beobachtete ihn aus den Augenwinkeln. Auch in seinem Kopf drehten sich die Gedanken. Der Raum war schwer von unausgesprochenen Gefühlen, von der wachsenden Nähe zwischen ihnen. Jack wusste, dass Aiden kämpfen würde – genauso, wie er selbst irgendwann kämpfen musste, wenn die körperlichen und emotionalen Herausforderungen dieser Phase zunahmen.
 

„Es ist nicht einfach, Aiden“, sagte Jack ruhig, während er aufstand und langsam auf ihn zuging. „Aber du bist nicht allein. Du musst nicht perfekt damit umgehen, und du musst es nicht sofort kontrollieren. Es wird Momente geben, in denen du dich verloren fühlst, in denen die Erregung dich überwältigt. Aber das ist... menschlich.“
 

Aiden nickte, doch er spürte, wie ein Kloß in seinem Hals wuchs. Jack’s Worte waren wie ein Trostpflaster – sie linderten den Schmerz nicht ganz, aber sie machten die Situation etwas erträglicher.
 

Die Atmosphäre im Raum war elektrisierend, fast erdrückend. Die Hitze, die in ihm aufstieg, war nicht mehr zu ignorieren. Die Gedanken an Darius und Damian und das, was sie gerade erlebten, verstärkten nur die Reaktionen in ihm. Aber noch mehr war es die Unsicherheit, die ihn quälte – nicht nur in Bezug auf Darius, sondern auch auf Jack. Was wollte er wirklich von ihm? Wie konnte er mit dieser überwältigenden Erregung umgehen, ohne sich selbst zu verlieren?
 

„Wie gehst du damit um?“, fragte Aiden schließlich, ohne Jack anzusehen. „Mit dem Verlangen. Mit all dem.“
 

Jack erkannte den inneren Konflikt, der Aiden quälte, und er wusste, dass ein paar einfache Worte nicht ausreichen würden. Auch er selbst hatte mit diesen Gefühlen zu kämpfen, auch wenn er es zu verbergen versuchte.
 

„Manchmal“ begann Jack, „gibt es keine einfache Antwort. Du versuchst, es zu kontrollieren, dich zu beherrschen. Aber das ist eine Herausforderung, die Zeit braucht. Es ist... eine ganz neue Art von Kontrolle, die wir lernen müssen.“
 

Aiden spürte, wie der Druck in ihm wuchs. Doch etwas in Jacks ruhigem Ton beruhigte ihn ein wenig. Es war, als gäbe es einen Weg, auch wenn er ihn noch nicht sehen konnte.
 

„Wie lange dauert das?“, fragte Aiden leise, fast wie ein Hilferuf. Seine Stimme zitterte leicht.
 

„Es wird dauern“, antwortete Jack, ohne ihn direkt anzusehen. „Aber du musst nicht allein damit kämpfen. Du kannst dir die Zeit nehmen, die du brauchst. Und irgendwann wirst du wissen, wie du damit umgehen kannst.“
 

Aiden atmete tief ein. Ein Teil von ihm wollte weglaufen, sich vor der Intensität dieser Gefühle verstecken. Doch ein anderer Teil – ein kleiner, aber mutiger Teil – wusste, dass dies ein Schritt nach vorn war. Das Verlangen in ihm war real, und auch wenn es ihn überforderte, würde er lernen, damit umzugehen – mit Jack an seiner Seite.
 

Es fühlte sich an, als sei das gesamte Anwesen von dieser aufgeladenen Energie durchzogen. Alles schien in diesem einen Moment zu verschmelzen. Aiden wusste nicht, was die Zukunft bringen würde, aber er war sicher, dass er nicht allein war. Jack und vielleicht auch Darius würden an seiner Seite sein.
 

Er konnte die Erregung nicht länger ignorieren – sie war ein Teil von ihm. Und auch wenn es unangenehm war, wusste er, dass er einen Weg finden würde, sie anzunehmen…

Kapitel 48

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Aiden spürte den inneren Konflikt, als Jack sich ihm näherte. Die Spannung im Raum war fast unerträglich, und die Präsenz des Alphas ließ ihn zunehmend verwirrter zurück. Jack wirkte so souverän, so durchsetzungsfähig, und diese Aura zog Aiden unwiderstehlich an – doch zugleich wusste er, dass er Abstand halten musste.
 

Sein Herz gehörte Damian, oder nicht? Diese Wahrheit pochte in ihm, auch wenn sein Körper ihn zu verraten schien. Jede Faser in ihm reagierte auf Jack, und die Hitze in seinem Inneren stieg weiter, je näher der Alpha ihm kam.
 

„Aiden...“, begann Jack leise, seine Stimme tief und durchdringend, während er ihn intensiv ansah. „Du bist wunderschön. Und du weißt, dass du das nicht lange aufhalten kannst, oder?“
 

Aidens Augen weiteten sich, und er stolperte fast über seine eigenen Gedanken. „Ich... ich...“, stammelte er, doch Jack legte einen Finger an seine Lippen, unterbrach ihn sanft, aber bestimmt.
 

„Du bist hier, und ich werde dich nicht drängen“, sagte Jack, seine Stimme wurde ruhiger, aber die Entschlossenheit blieb. „Aber du musst verstehen, dass ich dich will. Du bist mir wichtig, und ich werde dich nicht loslassen. Ja, ich buhle um dich, Aiden. Ich will dich für mich allein, für immer.“
 

Diese Worte trafen Aiden wie ein Schlag. Sein Atem ging schneller, als er die Intensität in Jacks Stimme hörte. Das Verlangen, das er so lange unterdrückt hatte, brodelte nun an die Oberfläche. Aber Angst mischte sich in diese Hitze – Angst vor dem, was passieren könnte, wenn er Jack nachgab.
 

„Ich... ich kann das nicht“, flüsterte Aiden, während sein Blick zu Boden glitt. Sein Herz raste, und sein Körper fühlte sich wie ein Schlachtfeld an, auf dem Verlangen und Vernunft miteinander rangen.
 

Jack trat noch näher, seine Präsenz füllte den Raum, ließ Aiden keinen Raum zum Ausweichen. Als Jack schließlich seine Hände an Aidens Hüften legte, war die Berührung fest, aber nicht bedrängend.
 

„Du kämpfst, Aiden. Das verstehe ich. Aber du musst nicht immer kämpfen. Manchmal darfst du dich fallen lassen. Du darfst dich mir hingeben.“
 

Aidens Atem stockte, als Jack sich ihm noch näherte, seine Lippen eine hauchdünne Distanz entfernt. Dann geschah es – ein Kuss, der all die unterdrückten Gefühle entfesselte. Die Hitze und Leidenschaft in diesem Moment übermannten ihn, und für einen Augenblick vergaß er alles um sich herum.
 

Doch als Jack sich von ihm löste, kehrte die Realität mit voller Wucht zurück. Aiden zog scharf die Luft ein, und Panik flackerte in seinen Augen.
 

„Ich kann das nicht“, flüsterte er, diesmal entschlossener. Er riss sich von Jack los, spürte den Kloß in seinem Hals und die aufsteigende Hitze, die seinen ganzen Körper zu verbrennen schien.
 

Jack ließ ihn nicht gehen, ohne ein letztes Wort zu sagen. Seine Stimme war ruhig, aber voller Entschlossenheit. „Du wirst dich nicht verstecken können, Aiden. Das, was du fühlst, ist real. Und eines Tages wirst du erkennen, dass du mir genauso gehören wirst wie ich dir.“
 

Diese Worte hallten in Aiden nach, als er den Raum verließ. Die Hitze in seinem Inneren war unerträglich, und jeder Schritt schien ihn weiter von der Kontrolle über sich selbst zu entfernen.
 

Er wusste nicht, wohin er ging, wusste nur, dass er Abstand brauchte – von Jack, von Damian, von allem. Doch tief in seinem Herzen ahnte er, dass diese Begegnung mit Jack etwas in ihm verändert hatte.
 

Der Duft der Leidenschaft und der Hitze schien ihn noch zu verfolgen, selbst als er endlich allein war. Doch dieser innere Kampf war seiner, und nur er konnte die Antworten darauf finden, wie es weitergehen würde…

Kapitel 49

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Die Spannung in ihm war zu viel, und er brauchte dringend einen Moment für sich, einen Moment, in dem er frei atmen konnte, ohne von den drängenden Gedanken und Gefühlen überwältigt zu werden.
 

„Ich muss raus...“, murmelte er leise zu sich selbst, als er die Tür hinter sich schloss und in die kalte, frische Luft trat. Es war, als würde die frische Brise den Nebel in seinem Kopf vertreiben, selbst wenn es nur für einen kurzen Moment war.
 

Der Regen hatte sich gelegt, aber der Himmel war immer noch von dunklen Wolken überzogen. Aiden zog seine Jacke enger um sich und ließ die kühle Luft an seinem Gesicht vorbeiziehen.
 

Er wusste, dass er hier nicht wirklich entkommen konnte – das wusste er. Denn auch wenn er jetzt im Moment der Frische ein wenig Entlastung fand, war er sich der Tatsache bewusst, dass er in dieser Welt als Omega so gut wie keine Wahl hatte.
 

Er würde Jack heiraten, es gab keinen Weg daran vorbei. Das wusste Aiden tief in seinem Inneren. Die Gesellschaft hatte ihre eigenen Regeln, und als Omega hatte er nicht die Freiheit, seine Zukunft selbst zu gestalten. Es war wie ein unsichtbares Band, das ihn in eine Richtung zog, ohne dass er sich wirklich wehren konnte.
 

Doch selbst in diesem Wissen war da ein kleiner Funken Hoffnung, der nicht erlosch. Er konnte sich immer noch in Momenten wie diesem einbilden, dass es vielleicht doch noch einen Ausweg gäbe. Jack hatte ihm gesagt, er würde ordentlich um ihn werben. Und für einen Moment, als er in den klaren Himmel über ihm blickte, dachte Aiden, dass er vielleicht noch Zeit hatte. Zeit, um die Freiheit zu genießen, die er gerade noch besaß.
 

Er schloss für einen Moment die Augen und ließ sich von der Kühle umarmen. Der Gedanke an Jack – an diesen attraktiven, durchsetzungsfähigen Alpha – machte etwas in ihm erwachen. Doch es war nicht nur der körperliche Reiz, der ihn so verwirrte.
 

Nein, Aiden wusste, dass Jack mehr in ihm erwecken konnte als nur diese flüchtige Anziehung. Aber was wäre, wenn er sich von Jack verführen ließ? Was würde er verlieren, wenn er die Fäden seines eigenen Lebens aus der Hand gab?
 

Aiden hatte einfach nicht mehr die Kontrolle. Der Drang, sich von Jack zu befreien, war stärker als der Wunsch, sich ihm hinzugeben. Doch was war, wenn er sich einfach von diesem Drang leiten ließ? Würde er am Ende vielleicht doch der Mann eines Alphas sein – Jack Browns Mann? Aber was hieße das wirklich für ihn? Was wäre das für ein Leben?
 

Er wusste, dass er nie wirklich die Wahl gehabt hatte. Er konnte sich gegen diese Entscheidung sträuben, aber der Weg war längst vorgezeichnet, auch wenn Jack ihm jetzt etwas anderes versprach. Jack würde um ihn werben, er würde ihm Zeit lassen, aber Aiden wusste genau, dass die Wahl nicht ihm gehörte.
 

„Verdammt“, flüsterte Aiden und ließ sich gegen die Wand eines kleinen Gebäudes sinken. „Warum kann ich nicht einfach frei sein?“
 

Aiden wusste, dass er in der Nähe von Jack war, weil er es für eine kurze Zeit wollte. Doch tief in ihm schlich sich die Frage ein, was es wirklich bedeutete, an einem Alpha gebunden zu sein. Jack war nicht wie Damian. Er war nicht der Mann, der Aiden schon so lange in seinen Träumen und Wünschen getragen hatte.
 

Jack war alles, was er sich vielleicht wünschte – und doch war er auch die Sache, die ihn fesselte, an die er sich niemals ganz anpassen konnte.
 

Aiden wünschte sich, er könnte einfach in den Momenten wie diesem die Wahl haben – die Freiheit, selbst zu entscheiden, was er wollte, ohne dass ihm das Leben bereits so viele Vorgaben gemacht hatte.
 

Doch für Aiden war die Wahrheit unvermeidlich: Er würde Jack heiraten. Und so seltsam es auch war, irgendwo in ihm schwang ein Gefühl mit, dass dieser Schritt vielleicht doch nicht so schlecht war, wie er immer dachte.
 

Aber bis dahin – bis Jack wirklich vor ihm stand und ihm bewies, dass er mehr war als ein Plan, der längst in Bewegung gesetzt wurde – wollte Aiden wenigstens noch den letzten Rest seiner Freiheit genießen. Und vielleicht, nur vielleicht, konnte er für einen Moment vergessen, dass sein Leben längst entschieden worden war.
 

Aiden stand noch eine Weile dort, den Blick auf das weite, dunkle Wasser des Sees gerichtet, der vor ihm in sanften Wellen schimmerte. Er hatte sich in den letzten Minuten vollständig von der kühlen Brise umhüllen lassen, die seine Gedanken langsam beruhigte und die Hitze in seinem Inneren linderte.
 

Der Ort, den er nun erreicht hatte, war nicht zufällig. Der See war der Ort, an dem er und Darius sich das erste Mal begegnet waren, der Ort, an dem sich viele seiner Gedanken und Gefühle wie ein leises Echo verewigten.
 

Er setzte sich am Ufer nieder, ließ seine Füße im kühlen Wasser baumeln und schloss die Augen. Für einen Moment war er einfach nur da, in der Stille der Natur, ohne dass der Druck der Vergangenheit oder die Erwartungen der Zukunft ihn belasten konnten. Die weite Landschaft vor ihm, die sanften Wellen des Sees, die Stille des Waldes – es war ein Ort des Friedens, an dem er für einen Augenblick alles andere ausblenden konnte.
 

Der Regen hatte aufgehört, und die letzten Tropfen, die von den Bäumen fielen, waren wie sanfte Erinnerungen an die vorhergehenden Stürme. Alles war ruhig. Und in diesem Moment fühlte Aiden sich wie der einzige Mensch auf der Welt. Kein Jack, kein Damian, keine Verpflichtungen. Nur er und die Natur, die ihn umgab.
 

Die Kühle, die er so dringend gebraucht hatte, beruhigte seinen Geist, und nach einer Weile konnte er die Gedanken, die in ihm gewirbelt hatten, ganz langsam beruhigen. In dieser Stille, an diesem Ort, war er nur Aiden. Niemandem Rechenschaft schuldig.
 

Er atmete tief ein und ließ den Moment in sich aufnehmen, ohne sich von den Anzeichen der Zukunft beirren zu lassen. Er war hier, jetzt, und das war alles, was zählte. Und für diesen Augenblick konnte er endlich die Freiheit spüren, die er so verzweifelt gesucht hatte.
 

Alles andere würde später kommen. Aber nicht jetzt…

Kapitel 50

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Später am Abend, als die Kerzen auf dem Esstisch in sanftem Licht flackerten und die Gespräche in der Luft miteinander verschmolzen, saßen alle gemeinsam im Esszimmer. Darius hatte den kleinen Ed auf dem Arm, der sich noch immer mit seinem Steak abmühte.
 

Der Junge war so vertieft in den Versuch, das Fleisch durchzuschneiden, dass er die Welt um sich herum fast vergessen hatte. Doch plötzlich erhob er den Blick und entdeckte Aiden, der mit erhobenem Haupt in das Zimmer trat. Der Blick, den Jack ihm zuwarf, wurde jedoch nicht erwidert – er war kühl und abweisend.
 

Darius’ Blick folgte Aiden, und obwohl er das Verhalten der beiden Männer nicht ganz verstand, konnte er die Spannung zwischen ihnen nicht übersehen. Aiden hielt seinen Kopf hoch, fast wie eine Herausforderung, doch es war nicht nur seine Haltung, die Darius stutzig machte.
 

Es war auch das Schweigen, das zwischen den beiden Männern hing – eine unbemerkte, aber greifbare Kluft. Was war zwischen ihnen vorgefallen? Er konnte sich keinen Reim darauf machen, doch irgendetwas war anders als sonst.
 

Darius’ Augen flogen unbewusst zu Damian, der ihm einen fragenden Blick zuwarf. Auch Damian schien ratlos, der Ausdruck in seinen Augen verriet, dass auch er nichts von der Ursache wusste. Es war offensichtlich, dass die beiden sich aus dem Weg gingen, obwohl sie sonst oft so nahe waren.
 

„Was ist da los?“ flüsterte Darius leise, aber deutlich genug, dass nur Damian es hören konnte.
 

Damian zuckte mit den Schultern und warf ihm einen vielsagenden Blick zu. „Keine Ahnung, aber es fühlt sich an, als wäre da mehr dahinter, als sie zeigen wollen.“
 

Darius nickte nachdenklich, aber das seltsame Gefühl in seiner Brust wollte nicht verschwinden. Vielleicht war es die anstehende Hochzeit, aber irgendwie schien die Atmosphäre zwischen Aiden und Jack noch mehr zu belasten. Doch er konnte es noch nicht einordnen – nicht ohne mehr zu wissen.
 

Während er weiter beobachtete, konnte Darius nicht anders, als den kleinen Ed, der mittlerweile das Steak aufgegeben hatte, in seine Arme zu nehmen. Der Junge drückte sich an ihn, als wollte er sich an Darius festhalten, und Darius zog ihn automatisch in eine sanfte Umarmung. Doch sein Blick blieb weiterhin auf Aiden und Jack gerichtet. Irgendetwas stimmte nicht.
 

„Komm her, Kleiner“, flüsterte Darius sanft, als Ed sich von ihm hochdrückte, um sich in die Umarmung zu schmiegt.
 

„Darius, Darius… das Steak will nicht mehr…“ Ed sah ihn mit großen, runden Augen an, die sich langsam von der Enttäuschung über das misslungene Steak lösten.
 

„Das Steak hat gewonnen, hm?“ Darius lächelte leicht und strich Ed über den Kopf. „Kein Problem, Ed. Wir machen etwas anderes. Was möchtest du denn jetzt machen?“
 

Ed sah zu den anderen am Tisch, dann wieder zu Darius. „Ich will mit dir spielen“, sagte er entschlossen. „Mit dir bauen, wie der Turm, der hoch ist!“
 

„Ein Turm, ja? Wie der, den du heute gebaut hast?“ Darius konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, als er an das kleine Bauprojekt dachte, das Ed mit seinen bunten Bausteinen geschaffen hatte. „Und was für einen Turm willst du jetzt bauen?“
 

„Einen richtig hohen!“, rief Ed und sprang fast von Darius’ Schoß, als er sich mit Begeisterung dem nächsten Abenteuer zuwandte. „Einen, der bis an den Himmel geht!“
 

Darius lachte leise und hielt ihn fest, damit der kleine Wirbelwind nicht vom Stuhl rutschte. „Komm, wir bauen nach dem Essen, okay? Aber erst gibt es noch etwas zu essen.“
 

Ed starrte noch einen Moment lang nachdenklich auf das Steak auf seinem Teller und dann zurück zu Darius. „Gibt es noch mehr, Darius?“
 

„Natürlich, Ed“, antwortete Darius sanft und strich ihm beruhigend über den Kopf. „Es gibt noch mehr. Und dann machen wir weiter, was du möchtest. Ein Turm, und vielleicht sogar ein Drache, der fliegt!“
 

„Und ein Drache, ja!“ Ed lachte und klatschte in die Hände. „Ich will den Drachen sehen, fliegen hoch, ganz hoch!“
 

Darius drückte ihn sanft an sich, sein Blick aber erneut auf Aiden und Jack gerichtet, während die Unterhaltung zwischen den beiden Männern weiter stockte. Es war, als ob die Männer in ihrer eigenen, stillen Welt gefangen waren, und Darius fragte sich, was wirklich zwischen ihnen vorgefallen war.
 

Vielleicht würde er später mehr erfahren – aber jetzt war es wichtig, dem Kleinen eine unbeschwerte Zeit zu bieten…

Kapitel 51

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Darius hatte den Abend über versucht, sich nicht zu sehr von der angespannten Atmosphäre im Raum einnehmen zu lassen. Doch als das Essen sich dem Ende zuneigte und der kleine Ed müde an seinem Arm lehnte – zu erschöpft, um noch weiterzuspielen – wusste Darius, dass es an der Zeit war, sich mit Aiden auszusprechen. Er bat Damian, sich um Ed zu kümmern, während er sich auf den Weg machte, Aiden zu suchen.
 

In einer ruhigeren Ecke des Hauses fand er Aiden in seinem Zimmer, vertieft in Gedanken. Die Nervosität stand ihm ins Gesicht geschrieben, seine Hände waren verschränkt, als versuchten sie, die Unruhe in ihm zu bändigen. Darius setzte sich neben ihn und wartete, bis Aiden ihn ansah. Dann fragte er, mit leiser Stimme: „Aiden, was ist los? Du verhältst dich anders heute Abend. Ich will, dass du mir vertraust und darüber sprichst, was dich belastet.“
 

Aiden zog die Schultern zusammen, als ob er sich vor Darius’ Blick schützen wollte. Er senkte den Kopf und flüsterte schließlich: „Es… es geht um Jack.“ Die Worte brachen stockend aus ihm heraus. „Ich weiß nicht, was mit mir los ist, aber er zieht mich an, Darius. Es fühlt sich falsch an, aber… es ist, als könnte ich ihm nicht entkommen.“
 

Darius hörte aufmerksam zu, ein besorgter Ausdruck glitt über sein Gesicht. „Aiden, du bist nicht allein. Wenn du dich unwohl fühlst, musst du dich nicht verstellen. Was meinst du genau mit, er zieht dich an‘?“
 

Aiden atmete tief aus, als er sich den Mut zusammennahm, weiterzusprechen. „Ich weiß, dass Jack ein Alpha ist. Und ich weiß, was das bedeutet. Aber es macht mir Angst, Darius. Es ist, als ob er mit dieser Stärke, dieser Präsenz… eine Macht über mich hat, der ich mich nicht entziehen kann. Ich liebe Damian, aber… es fühlt sich an, als könnte ich ihm nicht entkommen.“
 

Darius nickte langsam, während ein nachdenklicher Ausdruck über sein Gesicht zog. „Ich verstehe, dass das beängstigend für dich ist. Aber du bist nicht hilflos, Aiden. Du hast das Recht, deine eigenen Grenzen zu setzen. Jack darf dir keine Angst machen. Du kannst jederzeit entscheiden, was du willst und was nicht. Und ich bin hier, um dir zu helfen, herauszufinden, was du brauchst, damit du dich sicher fühlst.“
 

Aiden suchte in Darius' Augen nach einem Funken Hoffnung, der ihm half, das Chaos in seinem Inneren zu ordnen. „Ich weiß, aber… Jack hat diese Präsenz, diese Dominanz. Und irgendwie… ich kann mich ihm nicht entziehen. Es fühlt sich an, als würde er mich mit seiner bloßen Nähe kontrollieren. Ich will das nicht. Ich will nicht, dass es so kommt.“
 

Darius legte ihm beruhigend eine Hand auf den Arm, seine Berührung fest, aber mit einer Wärme, die Aiden spüren konnte. „Du bist stärker, als du denkst. Du musst dich nicht zwischen Damian und Jack entscheiden. Es ist nicht notwendig, dass du irgendetwas tust, was du nicht willst. Du darfst herausfinden, was du wirklich brauchst, ohne dass jemand dich in eine Richtung drängt.“
 

Darius wusste, dass Aiden Damian liebte. Diese Erkenntnis schien für ihn nicht beunruhigend – im Gegenteil, es war eine Erleichterung, zu wissen, dass Aiden in seiner Liebe zu Damian verankert war. Doch das Verständnis für Aidens innere Zerrissenheit ließ ihn nachdenklich werden. Geteiltes Leid, so hieß es, sei halbes Leid – doch wusste er auch, wie viel emotionaler Schmerz auf Aiden lastete…

Kapitel 52

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Aiden nickte langsam und versuchte, die Bedeutung von Darius' Worten in sich aufzunehmen. „Ich will, dass es funktioniert. Aber ich muss verstehen, warum ich Jack auf diese Weise fühle.“
 

„Und wir werden das Herausfinden“, versprach Darius ruhig. „Du bist nicht allein in diesem. Ich bin hier, Aiden. Du kannst mit mir sprechen, wann immer es dir zu viel wird.“
 

Aiden hielt kurz inne, als ob er den Halt in Darius' Worten suchte, und nickte schließlich, als ein zögerliches Lächeln auf seinen Lippen erschien. Doch Darius sah, dass die innere Unruhe nicht ganz gewichen war.
 

„Aiden, ich verstehe, dass du dich hin- und hergerissen fühlst. Jack ist ein Alpha, das bringt eine gewisse Macht mit sich, die man nicht immer erwartet“, begann Darius sanft, die Worte abwägend. „Aber du musst dir immer wieder bewusst machen, dass du nicht zwischen Jack und Damian gefangen bist. Du kannst Jack respektieren, aber du darfst dich nicht zu etwas drängen lassen, dass du nicht möchtest. Du bist nicht zu irgendetwas verpflichtet.“
 

Aiden hatte den Blick gesenkt, als Darius sprach, als ob jedes Wort ihm half, sich ein wenig mehr zu ordnen. Ein Zittern lief über seinen Körper, das vielleicht mehr von der Unsicherheit als von der Kälte des Raumes zeugte. „Es fühlt sich so an, als könnte ich ihm nicht entkommen. Aber ich will das nicht. Ich liebe Damian, und doch kann ich diese Anziehungskraft nicht abstreiten.“
 

Darius nickte erneut, seine Stirn immer noch in nachdenklicher Falten. „Es ist schwer, das weiß ich. Und Jack, mit seiner Art, hat eine Präsenz, die fast alles andere übertönen kann. Aber du musst dich daran erinnern, dass du die Kontrolle hast. Du bist nicht verpflichtet, mit Jack zu handeln, nur weil du dich zu ihm hingezogen fühlst. Deine Gefühle sind deine eigenen. Du kannst entscheiden, wie du damit umgehst.“
 

„Aber was, wenn er mich manipuliert?“, fragte Aiden plötzlich, die Angst in seiner Stimme war jetzt deutlich hörbar. „Ich habe das Gefühl, er könnte mit seinen Fähigkeiten spielen, mich zu beeinflussen, selbst wenn ich es nicht will. Und das macht mir Angst. Was, wenn ich nicht stark genug bin, mich zu wehren?“
 

Darius verstand die Tiefe der Verzweiflung, die Aiden durchzog. Es war nicht nur Verwirrung, sondern echte Angst. Und auch wenn er selbst eine feste Beziehung mit Damian hatte, wusste er, dass die Dynamik zwischen Alphas und ihren Gefährten oft komplex und schwer zu durchschauen war.
 

„Ich verstehe, wie du dich fühlst“, sagte Darius sanft, als er einen Moment lang über seine Antwort nachdachte. „Jack könnte diese Unsicherheit in dir ausnutzen. Aber du musst dir immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass du die Kontrolle über dein Leben behältst. Du musst mit niemandem etwas tun, dass du nicht willst. Und Jack darf dich nicht in eine Situation drängen, in der du dich unwohl fühlst.“
 

Aiden hob den Kopf und sah Darius an. Seine Augen waren voll von Unsicherheit, als hätte er auf eine Antwort gewartet, die ihn zu einer Entscheidung führen würde. „Aber was, wenn ich mich trotzdem zu ihm hingezogen fühle? Was, wenn diese Anziehungskraft stärker ist als alles andere?“
 

Darius atmete tief ein, spürte das Gewicht der Situation. „Es ist normal, sich hingezogen zu fühlen. Das ist menschlich. Aber du musst dir immer wieder bewusst machen, dass du nicht zu etwas gezwungen wirst. Du bist stärker, als du glaubst. Und du bist nicht allein. Wenn du dir unsicher bist, kannst du jederzeit mit mir oder Damian darüber sprechen.“
 

„Was, wenn ich nicht weiß, was ich wirklich will? Was, wenn diese Anziehungskraft von Jack einfach zu stark ist?“
 

Darius legte eine Hand auf Aidens Schulter, ein Zeichen des Trostes und der Unterstützung. „Dann nimm dir die Zeit, herauszufinden, was du wirklich brauchst. Du musst dich nicht sofort entscheiden. Es ist okay, sich die Zeit zu nehmen, um deine Gefühle zu verstehen. Aber du bist nicht allein, Aiden. Ich bin für dich da, und du hast das Recht, dir selbst klar zu werden, was du willst, ohne Druck.“
 

Aiden ließ den Kopf sinken und atmete tief durch, als ob er das Gewicht seiner Gedanken für einen Moment ablegte. „Danke, Darius. Es fühlt sich irgendwie leichter an, mit dir zu sprechen.“
 

Darius legte ihm eine Hand auf die Schulter und nickte. „Kein Problem. Du bist mein Freund, und du bist nicht allein. Was auch immer passiert, wir werden das gemeinsam durchstehen.“
 

Aiden schien etwas beruhigter, auch wenn das Ende seines inneren Kampfes noch weit entfernt war. Aber für den Moment, in diesem Gespräch, fühlte es sich an, als hätten sie einen Anfang gemacht. Und das war mehr, als er sich erhoffen konnte…

Kapitel 53

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Darius beobachtete Aiden noch einen Moment, wie er langsam in einen ruhigen Schlaf fiel. Die Worte, die sie zuvor geteilt hatten, hallten in seinem Kopf wider, als ob sie sich dort festsetzen wollten. Es war nicht einfach gewesen, mit Aiden zu sprechen. Darius spürte noch immer die Anspannung in seinem Brustkorb, die sich nicht ganz lösen wollte. Doch er wusste, dass es notwendig gewesen war. Aiden trug so viel mit sich herum – Dinge, die er nicht allein tragen konnte.
 

Leise, beinahe zögerlich, schlich er aus dem Raum. Seine Hand verweilte kurz an der Türklinke, bevor er die Tür hinter sich schloss. Der Flur war in Dunkelheit getaucht, und jeder Schritt schien lauter, als er es wollte. Als er schließlich das Büro erreichte, hörte er bereits das leise Klicken von Damians Tastatur. Das Geräusch wirkte beruhigend auf ihn, auch wenn es ein stummer Beweis dafür war, dass Damian sich wieder einmal überarbeitete.
 

Darius blieb einen Moment im Türrahmen stehen, die Arme verschränkt, während er Damian beobachtete. Sein Mann saß leicht nach vorne gebeugt, eine Hand in die Haare gefahren, während die andere flüchtig auf den Tasten tanzte. Die Falten auf seiner Stirn waren tief, sein Gesichtsausdruck ernst – konzentriert, wie immer, wenn er in die Arbeit versunken war.
 

„Du bist immer noch wach“, sagte Darius schließlich leise.
 

Damian zuckte kaum merklich zusammen, bevor er aufsah. „Es gibt immer etwas zu tun“, antwortete er, die Stimme ruhig, aber mit einem Hauch von Müdigkeit darin. Sein Blick suchte kurz den von Darius, bevor er wieder zu den Unterlagen wanderte. „Wie geht es Aiden? Ich nehme an, du hast mit ihm gesprochen.“
 

„Er schläft jetzt“, sagte Darius und trat näher. Er lehnte sich mit einer Hand an den Schreibtisch und sah Damian nachdenklich an. „Er hat mir einiges erzählt. Jack und... die Anziehung, die er empfindet. Es macht ihm Angst. Er hat das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren.“
 

Damian schnaubte leise, ein Ausdruck flüchtiger Ungeduld in seinen Augen. „Jack.“ Allein der Name schien ihm einen bitteren Beigeschmack zu geben. „Er hat eine Art, Menschen an sich zu binden, ob sie es wollen oder nicht. Aber Aiden wird einen Weg finden müssen. Er kann nicht ewig vor seinen Gefühlen davonlaufen.“
 

Darius wollte etwas erwidern, doch die Müdigkeit in seinem eigenen Körper drängte ihn, das Thema nicht weiter zu vertiefen. Stattdessen schob er sich von der Tischkante und ging zum Balkon. Als er die Tür öffnete, schlug ihm die kühle Nachtluft entgegen.
 

Er trat hinaus und ließ seinen Blick über die silbrig schimmernden Hügel wandern. Der Mond stand hoch am Himmel, und die Stille um ihn herum war fast bedrückend. Er verschränkte die Arme vor der Brust und atmete tief ein, doch selbst die klare Luft konnte die Schwere in seiner Brust nicht vertreiben.
 

Hinter ihm hörte er die Tür leise aufgehen. Damian trat hinaus, legte seine Arme um seine Hüften ein wenig zögerlich, wie Darius bemerkte. Er schloss die Tür hinter sich und stellte sich dicht neben ihn. Die Stille zwischen ihnen war greifbar.
 

„Du machst dir Sorgen“, sagte Damian schließlich, sein Tonfall vorsichtig, fast sanft.
 

Darius nickte kaum merklich. „Ja. Ich habe Angst, dass er sich in etwas verrennt, das er später bereuen wird. Aber ich kann ihm nicht vorschreiben, wie er fühlen soll.“
 

Damian legte eine Hand auf Darius' Schulter. Die Wärme seiner Berührung sprach mehr Trost aus, als es Worte je könnten. „Aiden ist nicht schwach, Darius. Er hat mehr durchgemacht, als die meisten Menschen jemals erleben werden. Er wird auch das überstehen.“ Seine Stimme war leise, fast brüchig – Müdigkeit schwang darin mit, die sich nicht nur aus dem langen Tag speiste, sondern auch aus den unausgesprochenen Spannungen zwischen ihnen.
 

Während er sprach, glitt sein Blick kurz zur Seite, als wollte er einer inneren Wahrheit entkommen. Damian wusste, dass die aktuelle Ruhe zwischen ihnen trügerisch war. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie wieder aneinandergerieten. Auf eine seltsame Weise sehnte er sich danach – nach der Intensität, nach der ehrlichen Rohheit, die ihre Streitigkeiten mit sich brachten. Aber ein Teil von ihm fürchtete sich auch davor.
 

Ein leises Schmunzeln huschte über sein Gesicht, kaum merklich, fast verschämt. Der Gedanke, dass die Versöhnung danach immer umso leidenschaftlicher war, ließ ihm keine Ruhe. Doch diese Erkenntnis hatte ihren Preis, und er wusste, dass nicht jedes Gefecht zwischen ihnen so leicht zu kitten wäre.
 

Darius bemerkte das flüchtige Lächeln und runzelte leicht die Stirn. „Woran denkst du?“ Seine Stimme war ruhig, aber sein Blick suchte Damians Gesicht, als könnte er darin eine Antwort finden.
 

Darius blickte ihn kurz an, bemerkte das leichte Zucken in Damians Mundwinkel – ein Versuch, Zuversicht auszustrahlen, der ihn nicht ganz überzeugte. Er wusste, dass Damian Recht hatte, aber die Zweifel nagten dennoch an ihm.
 

„Und was, wenn er sich falsch entscheidet?“, fragte Darius, mehr zu sich selbst als zu Damian.
 

Damian lächelte schief. „Dann wird er damit leben müssen. So wie wir alle.“
 

Die Antwort war pragmatisch, fast nüchtern, aber Darius spürte, dass Damian genauso besorgt war wie er. Das machte ihn nur umso dankbarer, dass sein Mann jetzt an seiner Seite stand.
 

„Komm“, sagte Damian schließlich. „Lass uns ins Bett gehen. Morgen ist ein neuer Tag.“

Darius nickte und wandte sich ab. Zusammen gingen sie zurück ins Haus, die Tür hinter ihnen leise ins Schloss fallend, während die Nacht sie mit ihrer Ruhe umhüllte…

Buch 2: Kapitel 54

Buch 2:
 

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Mitten in der Nacht klingelte Darius' Handy, und er wurde aus dem Schlaf gerissen, als er das Display sah – Dustin rief an. Der Klang in seiner Stimme war gehetzt, verzweifelt, so als würde er verfolgt werden.
 

Noch ehe Darius seinen Bruder ansprechen konnte, hörte er Dustin stammeln: „Sie… sie sind hinter mir her… die Papa…“, panisch nach Luft ringend, das Husten in seiner Stimme klang gequält und schmerzerfüllt.
 

„Wer ist hinter dir her…?“, fragte Darius, seine Worte kaum fassend. Plötzlich ertönte ein Schuss – ein durchdringendes Geräusch, das von unheimlicher Stille gefolgt wurde. Darius hörte keinen Atem mehr, keinen Husten, nichts. Nur das unheimliche Rauschen in seinen Ohren, das sich breitmachte und die gesamte Welt zu verschlingen drohte.
 

„Dustin…!“, schrie Darius verzweifelt, seine Stimme zerriss, doch eine Antwort blieb aus. Kein Geräusch, keine Stimme, nur die bleierne Stille.
 

Langsam, zögernd, begriff Darius, was gerade passiert war. Es fühlte sich an, als würde ihm der Boden unter den Füßen weggezogen. Ohne Vorwarnung brach er in hemmungsloses Schluchzen aus, die Tränen strömten unaufhörlich. Wie konnte er jetzt auch noch seinen Bruder an die Weltregierung verlieren?
 

Die Gedanken wirr, bohrten sich die schrecklichen Vorstellungen in ihm fest – so viele Menschen, die er liebte, schienen von dieser grausamen Macht ausgelöscht worden zu sein. Hilflosigkeit, Verzweiflung, und eine tiefe Leere übermannten ihn.
 

Der Klang von Damians Stimme, die ihn rief, riss ihn aus seinen wirren Gedanken. „Darius?“, klang sie rau, noch halb im Schlaf. Doch er spürte sofort, dass etwas nicht stimmte. „Was ist passiert?“
 

Darius schluckte schwer, seine Hände zitterten, als er das Handy noch immer festhielt. Die Worte kamen kaum über seine Lippen, die Angst erstickte sie beinahe. „Damian, ich… ich weiß nicht, was passiert ist. Dustin… Anruf… Schuss…“
 

Es war, als könnten seine Gedanken keine Form mehr annehmen. Der Gedanke, dass sein Bruder tot oder in den Fängen der Weltregierung sein könnte, ließ ihn beinahe wahnsinnig werden. „Ich habe ihn verloren, Damian. Was, wenn… wenn sie ihn geholt haben?“
 

Damian war sofort hellwach. In einer fließenden Bewegung sprang er aus dem Bett, trat an Darius' Seite und zog ihn in seine Arme. Fest hielt er ihn, als wollte er ihn vor der kalten, gnadenlosen Welt beschützen. „Hör mir zu, Darius. Wir müssen ruhig bleiben. Ich weiß, es fühlt sich an wie ein Albtraum, aber wir wissen noch nicht genug, um Schlussfolgerungen zu ziehen. Es könnte alles sein, aber wir werden herausfinden, was wirklich passiert ist.“
 

Doch die Worte prallten nur auf taube Ohren. Darius konnte nicht aufhören, an Dustin zu denken – an den Schuss, die Stille danach. „Aber warum?“, flüsterte er und begann zu realisieren, dass Damian eigentlich recht hatte.
 

„Jetzt verstehe ich, warum du gesagt hast, ich soll nicht arbeiten. Ist es die Sorge um mich? Dass mir etwas passieren könnte?“, murmelte Darius vor sich hin.
 

Damian löste sich für einen Moment von ihm, sah ihn mit ernstem Blick an. „Ich mache mir Sorgen um dich, Darius. Für mich ist es normal, dich als dein Alpha, als Mann und Partner zu beschützen.“
 

Er stockte kurz, als er die richtigen Worte suchte. „Was du tust, ist gefährlich. Und vielleicht habe ich einfach Angst, dass ich dich immer weiter in den Strudel der Gefahr ziehe.“
 

Seufzend fuhr er fort. „Du bist mir wichtig, mehr als alles andere.“ Damian sah Darius an, aber der konnte seinen Blick nicht erwidern. Es fühlte sich an, als hätte er nie wirklich verstanden, was Damian ihm immer wieder zu sagen versuchte. Es war nie nur seine Ausbildung, die er nicht mehr ausüben durfte. Es ging um die Gefahren, die damit einhergingen. Und besonders, weil er ein Omega war.
 

„Und jetzt? Was machen wir jetzt? Was… wenn sie uns auch holen?“, fragte Darius, obwohl er die Antwort tief in sich fürchtete. „Was, wenn es uns auch trifft?“
 

Damian sah ihn einen Moment lang an, dann atmete er tief durch. „Erstmal machen wir nichts Überstürztes. Du bist nicht allein, Darius. Wir finden heraus, was mit Dustin passiert ist, und wir werden ihn retten, wenn es irgendwie möglich ist.“
 

In Damians Augen flackerte etwas auf, das Darius noch nie gesehen hatte: die gleiche Wut, die auch in ihm brannte. Eine Wut, die darauf brannte, Ungeheuerlichkeiten zu bekämpfen, die ihnen angetan wurden. Auch wenn Darius sich seiner eigenen Angst und Unsicherheit nicht entziehen konnte, war es diese Entschlossenheit in Damian, die ihm einen Funken Hoffnung gab.
 

Darius nickte, auch wenn er wusste, dass der Weg vor ihnen dunkel und ungewiss war. Aber in dieser Nacht, umgeben von Damians Nähe, spürte er das erste Mal, dass er vielleicht nicht ganz alleine war – in dieser Gefahr, die immer näher rückte…

Kapitel 55

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Damian warf einen letzten Blick auf Darius, der immer noch wie gelähmt neben ihm stand, das Handy fest in der Hand, als könnte es ihm Antworten liefern. Es war ein Bild des totalen Unglücks, und Damian wusste, dass er jetzt schnell handeln musste, um noch Schlimmeres zu verhindern. Ohne ein weiteres Wort zog er Darius an sich, um ihn zu stützen und zu beruhigen.
 

Der Schmerz in den Augen seines Mannes war unerträglich, und so entschloss er sich, nicht zu warten.
 

„Komm“, sagte Damian mit einer Entschlossenheit, die auch Darius in diesem Moment spürte. Er zog seinen Mann an der Hand, während er gleichzeitig Jack Brown weckte, der sofort aufsprang, als er den Ernst der Lage erkannte.
 

Auch William, Archie und der Beta Thomas Roberts kamen innerhalb von Minuten dazu, gefolgt von Aiden, der als Letzter ins Zimmer trat, den kleinen Ed in den Armen wiegend, der auf seinem Arm schlief, und nichts um sich herum mitbekam.
 

„Wir sollten sicherstellen, dass jetzt keiner allein ist.“, murmelte Aiden, der zwar noch nicht alle Details wusste, aber da er von Jack geweckt worden war, der ihn nur dringlich bat, mitzukommen, sah Darius und Damian an. Er hatte sich sofort daran erinnert, dass der Kleine auch hier war und ebenso in Gefahr schweben könnte. Ed durfte genauso wenig ungeschützt bleiben. Da er genauso wie Darius Instinktiv wie eine Mutter handelte.
 

„Wir sollten uns zusammenschließen, gerade jetzt. Ein Plan muss her.“ Aiden sprach, wie ein Omega der an die Seite eines Alphas gehörte der viel Macht besaß und auch ausstrahlte, ohne es zu wissen.
 

Alles, was Darius konnte, war zu nicken, da ihm die Worte fast im Hals stecken blieben. Was hatte er zu sagen – was in dieser Situation von Bedeutung war?
 

Der einzige Gedanke, der ihn quälte, war der Verlust von Dustin. „Es… Es war mein Bruder. Er hat angerufen… Dann war da dieser Schuss, und danach Stille“, brachte er schließlich hervor. Die Erinnerung ließ ihn erneut zusammenzucken.
 

Damian schloss ihn noch fester in seine Arme, als wollte er ihn vor allem Unheil beschützen. Darius klammerte sich weiterhin an das Handy, als wäre es ein Rettungsanker, der ihm die Verbindung zu seiner Familie bewahren konnte.
 

„Hör mir zu, Darius“, flüsterte Damian, „du musst uns alles erzählen. Was genau hast du gehört? Was hat er gesagt?“
 

Darius kämpfte mit den Tränen, doch schließlich brachte er die Details hervor. „Er… er hat gesagt, sie wären hinter ihm her. Und dann war dieser Schuss. Ich… ich weiß nicht, ob er noch lebt.“
 

Aiden, der den Raum mit einem Blick überflog, hatte bereits eine Idee. Es war nur ein Impuls, ohne dass er wusste, dass er richtig liegen würde. „Wir könnten Graham und Taylor Brook um Hilfe bitten“, sagte er ruhig, als er die Blicke der anderen suchte. „Die haben noch ein Hühnchen mit der Weltregierung zu rupfen, soweit ich weiß. Vielleicht können sie uns helfen. Sie sind mächtig und gut vernetzt.“
 

Doch Jack und Damian tauschten einen skeptischen Blick. „Graham und Taylor sind gefährlich“, sagte Jack und rieb sich die Schläfen. „Sie haben ihre eigenen Agenda. Wenn wir sie in diese Sache verwickeln, könnten wir mehr Ärger bekommen, als wir uns leisten können.“
 

„Du hast recht“, stimmte Damian ihm zu, obwohl die Idee, Hilfe zu suchen, verlockend war. „Sie sind nicht leicht zu kontrollieren, und das Risiko, dass wir selbst ins Visier geraten, ist zu hoch. Wir müssen vorsichtig sein, wen wir einweihen.“
 

Darius hatte die ganze Unterhaltung zwischen Damian, Jack und Aiden verfolgt, und die Sorge, die in ihren Stimmen mitschwang, machte ihm noch mehr Angst. Der Gedanke, dass vielleicht auch sie, die ihm am nächsten standen, in Gefahr geraten könnten, ließ ihn erschauern.
 

„Aber was bleibt uns sonst?“ fragte er, seine Stimme schwach und unsicher. „Wir können uns doch nicht einfach zurücklehnen und abwarten, dass sie uns alle holen.“
 

„Wir werden uns wehren“, sagte Damian fest, als er Darius von sich löste und die anderen ansah. „Aber wir müssen es richtig machen. Wir brauchen Informationen, einen Plan, bevor wir handeln.“
 

Thomas Roberts nickte zustimmend. „Es wird nicht einfach werden, aber wir haben keine Wahl. Wir müssen jetzt zusammenhalten.“
 

Damian zog Darius wieder zu sich, als wollte er ihn vor den Gefahren dieser Welt schützen, die immer näher rückten. Die Realität, dass ihre ganze Gruppe ins Visier geraten war, wurde schlagartig klar. Niemand war mehr sicher.
 

Doch in diesem Moment wusste Darius, dass er auf Damian zählen konnte. Und das gab ihm zumindest einen Funken Hoffnung, dass sie, auch wenn die Welt gegen sie stand, einen Weg finden würden, diese Gefahr zu überstehen.
 

Doch wie lange würde das gut gehen?

Kapitel 56

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Damian hielt Darius fest und spürte, wie sein Mann in seinen Armen zitterte, obwohl er versuchte, sich zu sammeln. Das Gefühl, dass ihre Welt – die Welt, die sie sich mit so viel Anstrengung aufgebaut hatten – nun plötzlich in Gefahr war, lastete schwer auf allen.
 

Es war nicht nur Dustin, der verschwunden war, es war das Gefühl, dass sie nie wissen konnten, wer als Nächstes dran war. Vielleicht war es einer von ihnen.
 

„Du musst jetzt stark bleiben, Darius“, sagte Damian leise, als er ihm in die Augen sah. „Wir alle müssen zusammenhalten. Du bist nicht allein in dieser Sache.“
 

Darius nickte mechanisch, doch der Gedanke an seinen Bruder, der vielleicht tot oder in den Händen der Weltregierung war, ließ sich nicht abschütteln. Die Stille des Anrufs, der Schuss, die Ungewissheit… es zerriss ihn innerlich.
 

„Aiden hat recht“, sagte er schließlich, seine Stimme schwach, aber bestimmt. „Vielleicht sollten wir wirklich mit Graham und Taylor in Kontakt treten. Sie wissen mehr über diese Weltregierung als jeder von uns. Wir können nicht einfach auf der Stelle treten.“
 

„Du willst sie wirklich da reinziehen?“ fragte Jack, der sich noch immer in der Tür aufhielt, seine Augen fixiert auf Darius und Damian. „Weißt du, was das für Konsequenzen haben könnte? Die haben ihre eigenen Feinde und ihre eigenen Ziele. Wenn wir sie jetzt einspannen, könnte das alles noch viel komplizierter machen.“
 

„Es kann nicht komplizierter werden“, antwortete Damian ruhig. „Jeder Schritt, den wir machen, hat ein Risiko. Aber ich verstehe deine Bedenken, Jack. Wir müssen sicherstellen, dass wir uns nicht von den falschen Leuten manipulieren lassen oder anschließen.“
 

Es war still für einen Moment. Alle Augen waren auf Darius gerichtet, als er überlegte. Einerseits spürte er das Gewicht der Verantwortung, andererseits wusste er, dass er nicht mehr einfach abwarten konnte. Er wollte wissen, was mit Dustin passiert war, und er wollte, dass es nicht noch jemandem von ihnen so erging.
 

„Ich habe keine Wahl“, sagte Darius schließlich, als er die Schultern zurücknahm und das Handy in seiner Hand noch fester umklammerte. „Wir müssen herausfinden, was mit Dustin los ist. Und wenn wir dabei Graham und Taylor brauchen, dann müssen wir das tun.“
 

„Dann machen wir es“, stimmte Damian zu, seine Stimme war nun entschlossener. „Aber du musst dich darauf einstellen, dass wir nicht alle wieder heil aus dieser Sache rauskommen. Die Weltregierung geht nicht einfach nach unseren Regeln.“
 

Darius nickte, obwohl die Furcht in ihm nagte. Er wusste, dass die Entscheidung riskant war, aber er konnte nicht mehr in dieser lähmenden Unsicherheit bleiben.
 

„Wir müssen uns vorbereiten“, sagte Thomas Roberts, der sich jetzt auch in das Gespräch einbrachte. „Wer weiß, wann die nächste Welle kommt. Wir müssen alle unsere Optionen abwägen, und wenn Graham und Taylor uns helfen können, dann sollten wir sie nicht einfach ausschließen.“
 

Aiden, der Ed immer noch in seinen Armen hielt, nickte zustimmend. „Ich stimme zu. Aber wir sollten auch daran denken, wie wir uns gegenseitig absichern. Es kann jederzeit etwas schiefgehen. Wir müssen auf alles vorbereitet sein.“
 

Darius sah sich um, die Gesichter seiner Freunde, die ebenso von dieser Bedrohung betroffen waren, wie er selbst. Sie hatten einen Moment der Ruhe und des Nachdenkens gefunden, aber er wusste, dass der Kampf, der vor ihnen lag, alles andere als einfach werden würde.
 

„Also gut“, sagte Darius mit einer Stimme, die nun wieder etwas fester klang. „Wir tun es. Wir holen uns die Hilfe, die wir brauchen, und wir stellen uns dem, was kommt. Aber wir müssen schnell handeln.“
 

Damian nickte, und es war klar, dass sie keine Zeit zu verlieren hatten. „Dann los. Wir setzen alles in Bewegung.“
 

Der Plan war klar: Sie würden zu Graham und Taylor gehen, die nur zu gut wussten, wie die Weltregierung funktionierte und welche dunklen Geheimnisse sie verbarg. Doch so sehr Darius die Unterstützung dieser beiden Leute brauchte, so wusste er auch, dass der Weg, den sie jetzt einschlugen, gefährlich und unberechenbar war.
 

Die Weltregierung war nie einfach zu bekämpfen – und vielleicht war das Risiko, das sie eingehen würden, noch viel größer, als sie sich in diesem Moment vorstellen konnten.
 

Trotz allem, was sie verloren hatten und immer noch verlieren konnten, wusste Darius eines: Sie mussten zusammenhalten, um nicht alles noch weiter zu verlieren...

Kapitel 57

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Darius' Augen blitzten vor Entschlossenheit, als er Damian ansah. Sein Herz pochte wie ein Trommelschlag, angetrieben von einer Mischung aus Angst und Mut. „Du kannst mich nicht einfach hier festhalten, Damian“, sagte er leise, aber mit einer Härte, die unmissverständlich war. „Ich muss wissen, was mit Dustin passiert ist. Ich kann nicht einfach abwarten.“
 

Damian trat vor, seine Haltung fest und unerschütterlich. „Und du wirst nicht gehen“, sagte er ruhig, doch seine Stimme war wie Stahl. „Es ist zu gefährlich. Du bist aufgewühlt, Darius. Du würdest geradewegs in eine Falle laufen, und das können wir uns nicht leisten.“
 

„Ich kann nicht warten!“ Darius' Stimme bebte, sein Körper spannte sich an. „Was, wenn er in Gefahr ist? Was, wenn er—“ Sein Atem stockte, als die grausame Möglichkeit ihn traf wie ein Messer.
 

Damian packte Darius sanft an den Schultern, zwang ihn, in seine Augen zu sehen. „Du bist nicht allein in dieser Sache. Aber du bist nicht in der Verfassung, um klar zu denken. Ich werde nicht zulassen, dass du dich in Gefahr bringst. Niemand wird das.“
 

Darius öffnete den Mund, um zu widersprechen, doch Damians Blick ließ ihn verstummen. Für einen Moment herrschte Stille, unterbrochen nur vom leisen Ticken einer Uhr in der Ferne. Doch die Unruhe in Darius’ Innerem tobte weiter wie ein Sturm.
 

„Was schlägst du dann vor?“ fragte er schließlich, seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern.
 

„Wir gehen strategisch vor“, antwortete Damian, ohne zu zögern „Ich werde ein paar meiner Männer losschicken, die unauffällig bleiben können. Es geht darum, Informationen zu sammeln – nichts mehr. Keiner wird unnötig riskieren, entdeckt zu werden. Und du… du bleibst hier. Wir brauchen dich bei klarem Verstand, Darius.“
 

Jack trat vor, seine Augen prüften Darius, bevor er Damian zunickte. „Ich gehe. Aber Aiden bleibt hier. Ich lasse nicht zu, dass er sich in Gefahr bringt.“
 

Aiden warf Jack einen scharfen Blick zu. „Ich kann auf mich selbst aufpassen.“ Doch sein Tonfall war leiser, fast als hätte er selbst Zweifel.
 

„Ich vertraue dir, Jack“, sagte Damian. „Aber seid vorsichtig. Wenn die Weltregierung wirklich hinter Dustin her ist, könnten sie jeden Schritt von uns beobachten.“
 

Darius ballte die Hände zu Fäusten. Der Gedanke, dass jemand wie Jack für seinen Bruder das Risiko eingehen musste, schnürte ihm die Kehle zu. Doch er wusste, dass Damian recht hatte. Seine eigene Panik würde ihn unvorsichtig machen – und unvorsichtig bedeutete in ihrer Situation tödlich.
 

„Und was, wenn es zu spät ist?“ fragte er, seine Stimme brüchig.
 

„Dann werden wir damit umgehen“, sagte Damian leise. „Zusammen.“
 

Die Worte trugen ein Gewicht, das Darius bis ins Mark traf. Er wollte nicht nur abwarten. Er wollte handeln, etwas tun. Doch er wusste, dass er vertrauen musste – Damian, Jack, allen.
 

Jack drehte sich zu den anderen um, seine Stimme wurde fester. „Wir brechen sofort auf. Aber wir nehmen nur das Nötigste mit. Kein Aufsehen, keine unnötigen Risiken.“
 

Während die Männer sich vorbereiteten, blieb Darius neben Damian stehen. Die Stille zwischen ihnen war drückend, doch Damian hielt seine Hand auf Darius' Schulter, als wollte er ihn daran erinnern, dass er nicht allein war.
 

„Ich verspreche dir, wir werden alles tun, was wir können“, sagte Damian schließlich.
 

Doch ein leiser Zweifel schlich sich in Darius' Gedanken. Versprich nichts, was du nicht halten kannst, hallte es in seinem Kopf.
 

„Ich weiß“, flüsterte er, obwohl der Knoten in seiner Brust blieb.
 

Der Raum fühlte sich plötzlich enger an, als die Männer aufbrachen, und die Zurückbleibenden mit der Ungewissheit allein gelassen wurden. Darius konnte nur hoffen, dass die Welt da draußen nicht schneller zuschlug, als sie reagieren konnten.
 

Die Uhr tickte, und jede Sekunde schien die Spannung zu verdoppeln…

Kapitel 58

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Die Anspannung in der Luft war beinahe greifbar, als Jack sich fertig machte, um sich mit Damians Männern auf den Weg zum Anwesen von Dustin Green zu machen. Die Stunden der Reise würden lang und gefährlich werden, begleitet von der drückenden Ungewissheit, was sie erwarten würde. Niemand wusste, was sie antreffen würden, doch alle waren sich einig, dass die Mission mit Risiken behaftet war.
 

Aiden stand abseits und beobachtete Jack, der sich ruhig und entschlossen vorbereitete. Er wusste, dass Jack ein harter, selbstbewusster Alpha war, der nach außen hin keine Angst zeigte. Doch tief in Aiden keimte die Gewissheit, dass auch Jack seine Schwächen hatte.
 

Und vielleicht war seine größte Schwäche nicht seine Unbesiegbarkeit, sondern dass er sich immer wieder von den anderen entfernte. Aiden fühlte sich zu ihm hingezogen, doch er wusste auch, dass er in dieser chaotischen Welt nicht viel für sich selbst verlangen konnte.
 

Trotz seiner Sorgen versuchte Aiden, sich auf die bevorstehende Reise zu konzentrieren. Doch seine Gedanken drehten sich immer wieder um Jack. Er kannte diesen entschlossenen Blick in Jacks Augen, diesen Ausdruck, den er annahm, wenn er wusste, dass er sich in Gefahr begab.
 

Es war ein Blick, den alle Alphas in solchen Momenten hatten – ein Blick, der sagte, dass sie bereit waren, alles zu riskieren.
 

Doch Aiden konnte nicht anders, als sich vorzustellen, was passieren würde, wenn Jack diese Mission nicht überlebte.
 

„Jack…“ Aiden trat einen Schritt auf ihn zu, seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern. „Sei vorsichtig. Du weißt, wie unberechenbar das alles ist. Ich will nicht, dass dir etwas passiert.“
 

Jack drehte sich zu ihm, ein leises Lächeln spielte um seine Lippen, doch in seinen Augen lag mehr, als er zugeben wollte. „Du machst dir Sorgen um mich?“
 

„Mehr, als du dir vorstellen kannst“, antwortete Aiden leise und legte zögernd eine Hand auf Jacks Arm.
 

Für einen Moment schien die Welt um sie herum stillzustehen. Alles verblasste, als sich eine ungesagte Verbindung zwischen ihnen aufbaute. Aiden wusste nicht, was die Zukunft brachte, aber der Gedanke, Jack, ohne einen letzten Moment der Nähe ziehen zu lassen, war unerträglich.
 

Was Aiden nicht ahnte, war, dass sich in seinem Inneren etwas veränderte. Die Gefühle, die er für Damian hegte, entpuppten sich immer mehr als Schwärmereien eines Teenagers. Jetzt erkannte er, dass seine Zuneigung zu Jack anders war – intensiver, echter.
 

Auch wenn sie sich erst seit einem Tag kannten, ließ sich der Gedanke an „Liebe auf den ersten Blick“ nicht von der Hand weisen – zumindest aus Aidens Perspektive. Wie Jack wirklich fühlte, war noch unklar, aber eines stand fest: Er wollte Aiden. Die Anziehung zwischen ihnen war spürbar, auch wenn sie unausgesprochen blieb, wohin dieser Weg sie führen würde.
 

„Aiden…“ Jack flüsterte seinen Namen, doch bevor er weitersprechen konnte, trat Aiden einen Schritt näher und legte seine Hände sanft an Jacks Wange.
 

„Ich weiß, dass du dich nie für deinen eigenen Schutz interessieren würdest, Jack. Aber ich muss dir sagen…“ Aiden stockte, als die Worte in seinem Hals stecken blieben. Er wollte ihm alles sagen, was in ihm vorging, doch der Gedanke, Jack für immer zu verlieren, war plötzlich so real und erdrückend.
 

Ohne weiter nachzudenken, zog Aiden Jack zu sich und küsste ihn. Es war kein leidenschaftlicher Kuss, sondern ein stiller, fast verzweifelter Kuss, der all die unausgesprochenen Worte und Gefühle zwischen ihnen ausdrückte.
 

Es war der Kuss eines Mannes, der wusste, dass er möglicherweise nie wieder die Gelegenheit hatte, seine Zuneigung zu zeigen.
 

Für einen Augenblick schien die Welt stillzustehen, und Aiden spürte, wie Jack zögerte. Doch dann gab Jack sich hin, antwortete ihm auf eine Weise, die mehr bedeutete, als Worte je ausdrücken konnten. Der Kuss war ein Versprechen, aber auch eine Abschiedserklärung. Aiden konnte den Gedanken nicht ertragen, Jack zu verlieren, doch er wusste, dass er keine Kontrolle über das hatte, was kommen würde.
 

„Komm zurück“, flüsterte Aiden, als der Kuss endete, seine Stimme klang brüchig, als er ihm in die Augen sah. „Bitte komm zurück. Ich… ich kann mir nicht vorstellen, dich nicht wiederzusehen.“
 

Jack legte ihm eine Hand auf den Nacken, sah ihm tief in die Augen und legte seine Stirn an die von Aiden. „Ich werde zurückkommen“, sagte er ruhig, doch die Unsicherheit in seinen Augen war nicht zu übersehen. „Ich verspreche es dir. Und dann heiraten wir.“
 

Aiden nickte und schloss kurz die Augen, gequält. Auch wenn er wusste, dass Jacks Worte nicht ausreichten, um die Sorgen in ihm zu zerstreuen, konnte er nichts anderes tun, als ihn loszulassen.
 

Er blickte ihm hinterher, eine geballte Faust auf seiner Brust, als Jack und die anderen Männer sich auf den Weg machten.
 

Es war eine lange Reise vor ihnen, und jeder wusste, dass die Stunden des Wartens quälend lang sein würden. Die ungewisse Zukunft drückte auf ihre Schultern, doch es war klar, dass sie alles tun würden, um die Antworten zu finden – und die Menschen zu retten, die sie liebten.
 

Für Aiden blieb nur eines: Er musste darauf vertrauen, dass Jack zurückkehren würde…

Kapitel 59

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Die Fahrt war lang und zäh, und es war bereits Sonnenaufgang, doch Jack meldete sich regelmäßig bei Damian, um zu versichern, dass alles in Ordnung war. Er wusste, dass Damian diese Informationen an Aiden weitergeben würde, was ihm zumindest etwas Trost verschaffte. Dennoch lastete ein schlechtes Gewissen schwer auf ihm. Besonders Aiden gegenüber empfand er Schuld, weil er ihn ohne ein besseres Gefühl zurücklassen hatte.
 

Jack versprach sich selbst, zurückzukehren. Der Blick, den Aiden ihm zugeworfen hatte, spiegelte eine Zuneigung wider, die Jack mitten ins Herz traf. Vielleicht wusste Aiden noch nicht, was in ihm vorging, aber Jack spürte es deutlich: Er war dabei, sich in diesen jungen Mann zu verlieben. Diese Erkenntnis machte ihn gleichermaßen glücklich und ängstlich.
 

Aiden war für ihn nicht nur attraktiv, sondern so viel mehr. Jack wusste, dass die Anziehung zwischen einem Alpha und einem Omega stark sein konnte, doch das erklärte nicht alles. Schon in dem Moment, als er Aiden das erste Mal gesehen hatte, hatte er gespürt, dass dieser Junge etwas Besonderes war. Was Aiden nicht wusste, war, dass seine Eltern aus Jacks Clan stammten.
 

Damals hatte Jacks Vater keine andere Wahl gehabt, als den kleinen Aiden zu den McKinleys zu bringen. Es war die einzige Möglichkeit, um den Clan und seine Männer zu schützen. Schon früh war klar gewesen, dass Aiden ein Omega werden würde – eine Seltenheit für sich –, doch bei ihm war es von Anfang an offensichtlich gewesen.
 

Jack selbst war erst 15 gewesen, als Aiden seine Eltern verlor. Der Junge war gerade einmal 4 Jahre alt. Für Jack war es fast so, als hätte er in Aiden ein Abbild des kleinen Ed gesehen. Beide hatten gegen die Weltregierung zu kämpfen – auf ihre eigene Weise. Doch Beweise dafür gab es nicht, nur Andeutungen und Spuren, die nie zu einem klaren Bild führten.
 

Und dann war da noch Ed. Jack war sich fast sicher, dass auch er ein Omega war, obwohl er es nicht mit Sicherheit sagen konnte. Ebenso hatte er den Verdacht, dass die Eltern der beiden Jungen – genauso wie die Eltern von Damian und der Vater von Darius – vielleicht deshalb ums Leben gekommen waren, weil sie zu viel wussten. Aber was war es, dass sie entdeckt hatten? Diese Frage verfolgte Jack unaufhörlich, während sich die Kilometer in die Länge zogen.
 

Je näher sie dem Anwesen der Greens kamen, desto stärker wurde Jacks Unruhe. Die Abgeschiedenheit des Ortes machte ihn wahnsinnig. Jeder Moment auf dem Weg verstärkte das Gefühl, dass etwas passieren könnte. Seine Gedanken schweiften immer wieder ab – zu Graham und Taylor Brook. Zwei Namen, die ihm keine Ruhe ließen.
 

Graham und Taylor waren gefährlich, das wusste Jack genau. Nicht nur wegen ihrer Macht, sondern auch wegen ihrer Prinzipien.
 

Graham war ein Mann, der keine Kompromisse machte. Er hinterfragte das System und folgte seinen eigenen Regeln, selbst wenn diese gegen die Norm gingen. Seine Haltung machte ihn zu einem unberechenbaren Spieler in einem Spiel, das Leben kostete. Doch genau das machte ihn auch so gefährlich – für seine Feinde ebenso wie für seine Verbündeten.
 

Taylor war nicht weniger gefährlich. Im Gegensatz zu Graham agierte er im Verborgenen. Seine Pläne waren schwer zu durchschauen, doch eines war sicher: Jeder seiner Schritte hatte einen Zweck. Taylor war ein Mann, der seine Ziele konsequent verfolgte, egal, welche Mittel er einsetzen musste. Seine Ambitionen gingen weit über das hinaus, was die Weltregierung dulden konnte. Und obwohl Jack nicht wusste, worauf Taylor wirklich hinauswollte, war ihm klar, dass jede Entscheidung über Freundschaft oder Feindschaft mit ihm weitreichende Folgen haben würde.
 

Die Gefahr, die von Graham und Taylor ausging, war real. Jack konnte nur hoffen, dass sie – zusammen mit Damian und den anderen – die richtigen Schritte unternehmen würden, um diesen Bedrohungen zu begegnen. Sollte einer der beiden Männer gegen die Weltregierung oder die Clans vorgehen, könnte das die gesamte Gesellschaft ins Wanken bringen.
 

Doch Jack wusste auch, dass ihre Gegner nicht grundlos so stark waren. Beide waren zu allem bereit, um ihre Ziele zu erreichen. In einem Spiel um Macht und Einfluss waren sie immer einen Schritt voraus.
 

Während die Fahrt weiterging, blieb Jack von dem Gedanken an Graham und Taylor gequält. Sie waren wie Schatten, die über allem schwebten. Egal, was vor ihnen lag, es war klar, dass diese Männer nicht leicht zu besiegen waren. Und das machte den Weg, den sie alle eingeschlagen hatten, umso gefährlicher…

Kapitel 60

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Die Stunden zogen sich weiter, der Wind heulte um das Fahrzeug, während die Welt um sie herum mehr und mehr von der Sonne umschmeichelt wurde. Doch in Jack war der Gedanke an Graham und Taylor wie ein ständiger Schatten, der ihn nicht losließ. Je weiter sie fuhren, desto mehr nahm dieser Gedanke Besitz von ihm.
 

Es war schwer, sich vorzustellen, wie weit die beiden gehen würden, um ihre eigenen Ziele zu erreichen. Hatten sie bereits Informationen, die die gesamte Mission gefährden könnten? Oder spielten sie ein anderes Spiel, ein Spiel, das Jack nicht in vollem Umfang begreifen konnte?
 

Jack wusste, wie Graham in der Vergangenheit agiert hatte – unberechenbar, immer einen Schritt voraus, nie darauf aus, sich den Regeln zu beugen. Doch was würde passieren, wenn dieser Mann, der so viel Kontrolle über sich und seine Umgebung hatte, begann, seine Macht zu überschreiten?
 

Jack konnte sich ein Leben in der Nähe von jemandem wie Graham nicht einmal ansatzweise vorstellen – dieser Mann war eine tickende Zeitbombe.
 

Die Vorstellung, dass Graham sich gegen die Weltregierung stellen könnte, war nicht abwegig. Doch die Konsequenzen davon wären gewaltig. Eine solche Rebellion würde nicht nur das Kräfteverhältnis verändern, sondern auch das Leben vieler unschuldiger Menschen auf den Kopf stellen. Jack spürte, wie sich ein ungutes Gefühl in seiner Brust breit machte. Was, wenn sie mit einem Feuer spielten, das sie nicht löschen konnten?
 

Und Taylor… Jack hatte ihn immer als einen Mann betrachtet, der im Hintergrund agierte, geschickt und fast unsichtbar in seinen Bewegungen. Doch genau das machte ihn gefährlich. Taylor zog die Fäden, ohne dass jemand wirklich wusste, welche seine nächsten Schritte waren. Er spielte mit den Ängsten der anderen, und niemand konnte erahnen, wie weit er bereit war zu gehen.
 

„Was will er wirklich?“, murmelte Jack fast unhörbar, während er aus dem Fenster starrte. Ein Teil von ihm konnte sich nicht vorstellen, dass Taylor nur an einer rein persönlichen Machtbasis interessiert war. Nein, er hatte eine Agenda, und diese war gefährlicher, als Jack je zugelassen hätte. Aber was genau war sie?
 

„Wir müssen vorsichtig sein“, flüsterte er, als könnte er sich selbst beruhigen. „Diese Männer sind zu gefährlich, um sie zu unterschätzen.“
 

Er warf einen Blick auf die anderen Männer im Fahrzeug, doch niemand schien seine Gedanken zu teilen – sie waren auf die bevorstehende Aufgabe konzentriert. Jack versuchte, sich wieder auf das Wesentliche zu fokussieren. Sie mussten Dustin finden, herausfinden, was mit ihm passiert war, und sicherstellen, dass die Weltregierung nicht noch mehr insgeheim manipulative Züge in ihrem Spiel hatte.
 

Die Frage blieb: Wie tief waren Graham und Taylor in all dem verwickelt? Hatten sie mehr Einfluss auf die Weltregierung, als es den Anschein hatte? Und waren sie womöglich der Schlüssel zu den Antworten, nach denen Jack suchte?
 

„Du siehst nachdenklich aus“, sagte einer der Männer aus Damians Gruppe, als er Jack bemerkte, der gedankenverloren aus dem Fenster starrte. „Was geht dir durch den Kopf?“
 

Jack schüttelte den Kopf, als er sich versuchte zu sammeln, doch es gelang ihm kaum. „Nichts, nur… es gibt zu viele Fragen, auf die wir noch keine Antworten haben. Aber das wird sich ändern, wenn wir vor Ort sind. Dann wissen wir mehr.“ Seine Stimme klang beinahe wie eine Beruhigung für sich selbst.
 

Der Mann nickte, aber Jack konnte sehen, dass auch er besorgt war. Es war nicht nur die Ungewissheit, die an ihnen nagte – es war die Erkenntnis, dass sie nicht allein waren. Die Weltregierung, Graham, Taylor… alle hatten ihre eigenen Ziele, und niemand wusste genau, wie alles zusammenhängen würde.
 

Die Fahrt nahm ein Ende, als sie endlich in Sichtweite des Anwesens von Dustin Green kamen. Das Anwesen lag abgelegen, versteckt im dämmernden Zwielicht, fast wie ein unheilvolles Versteck in der Dunkelheit. Ein Gefühl von Beklemmung stieg in Jack auf, als er auf die umgebenden Bäume starrte, die den Blick auf das Haus blockierten. Was wartete auf sie dort? Was hatten sie auf sich genommen? Sein Magen zog sich zusammen, als er spürte, wie sich die Luft um sie herum verdichtete.
 

„Bereit?“, fragte der Mann, der neben ihm saß. Jack nickte nur, seine Gedanken wirbelten wie ein Sturm. Dann stieg er aus dem Wagen und blickte auf das düstere Anwesen. Die Zeit des Zögerns war vorbei. Sie mussten die Antworten finden – und wenn sie dabei gegen Graham, Taylor oder die Weltregierung kämpfen mussten, dann würde er dafür sorgen, dass es nicht das letzte Mal war, dass sie sich ihnen in den Weg stellten.
 

Die Gefahr war real, die Bedrohungen zahlreich, doch Jack war bereit, sich ihnen zu stellen. Denn er wusste, dass er nicht nur für sich selbst kämpfte, sondern auch für Aiden, Damian und all die anderen, die er beschützen musste.
 

„Lasst uns anfangen“, sagte er, seine Stimme fest und entschlossen. Mit einem letzten Blick auf das düstere Anwesen trat er in die Dunkelheit, die vor ihm lag. Die Fragen brannten in seinem Kopf, doch die Antworten waren da draußen – und er würde sie finden, egal was es kostete…

Kapitel 61

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Die Männer bewegten sich vorsichtig durch das Anwesen. Es war still, zu still. Die Schritte hallten leise in den leeren Hallen, und das unheimliche Gefühl, dass etwas nicht stimmte, wurde immer stärker. Die Räume wirkten verlassen, als wären sie Zeugen längst vergangener Zeiten.
 

Jack führte die Gruppe an, seine Augen musterten jede Ecke, jede mögliche Bewegung, als könnte etwas aus den Schatten hervortreten. Sie hatten das Erdgeschoss durchsucht und keine feindlichen Spuren gefunden, doch diese gespenstische Leere ließ sie keinen Moment zur Ruhe kommen.
 

„Da oben“, sagte einer der Männer, als er zum Treppenaufgang deutete. Jack nickte und machte sich sofort auf den Weg, die Stufen hinauf. Der Raum oben war düster, nur schwaches Licht fiel durch die schmutzigen Fenster, die der Staub der Jahre bedeckte. Die Tapeten waren vergilbt und rissig, und der Boden knirschte unter ihren Schritten, als ob er jeden Moment unter dem Gewicht der Vergangenheit zusammenbrechen würde. Sie hielten an, doch der Raum war leer – bis ein leises Husten die Stille durchbrach.
 

„Dustin?“ Jack rief den Namen leise, seine Stimme fest, aber von Sorge durchzogen.
 

Ein schwaches Geräusch kam von hinter einer halb geöffneten Tür. Jack stieß sie vorsichtig auf und trat ein, doch was er sah, ließ ihn erstarren. Dustin lag auf einem alten Bett, mehr tot als lebendig. Seine Haut war blass, fast durchscheinend, und seine Augen, glasig und leblos, starrten ins Nichts. Die Luft im Raum war stickig, der Verfall hing in jedem Atemzug. Die Wunde an seinem Bauch war schlecht versorgt, und sein Atem war flach und unregelmäßig.
 

„Verdammt“, fluchte Jack und kniete sich neben Dustin. Er überprüfte den Puls des Mannes, und ein leichter Hauch von Erleichterung durchzog ihn, als er den schwachen Puls spürte. Doch er wusste, dass sie keine Zeit zu verlieren hatten. Wenn Dustin keine sofortige Hilfe bekam, würde er es nicht schaffen.
 

„Hol die Erste-Hilfe-Ausrüstung! Schnell!“, rief Jack einem der Männer zu. Sie mussten handeln, bevor es zu spät war.
 

Doch als Jack sich weiter umsah, fiel ihm eine Bewegung am Rande des Zimmers auf. Eine kleine Gestalt, die sich zitternd aus der Ecke schlich – ein Junge, etwa 15 Jahre alt, mit verängstigten Augen, die nichts von der Welt wussten, die ihn umgab.
 

„Wer bist du?“ fragte Jack, der sich sofort auf den Jungen konzentrierte, obwohl sein Herz noch immer um Dustin bangte.
 

Der Junge, ein Omega, zog sich erschrocken zurück. „Ich… ich bin…“, stammelte er, sein Blick wirr, als hätte er Angst, dass der Raum selbst ihn verschlingen würde. „Ich wollte nur… nur entkommen…“
 

Jack trat einen Schritt näher, vorsichtig, fast behutsam, um den Jungen nicht weiter zu erschrecken. „Du bist sicher. Du musst keine Angst haben“, versuchte er ihn zu beruhigen, obwohl er wusste, dass die Worte kaum in den Jungen drangen, dessen Angst alles zu ersticken schien.
 

„Ich bin vor der Weltregierung geflüchtet“, flüsterte der Junge, und seine Stimme zitterte. „Ich dachte, hier könnte ich Zuflucht finden. Aber ich… ich wusste nicht, was sie ihm angetan haben.“
 

Jack’s Blick fiel wieder auf Dustin, und die Erkenntnis, dass diese Situation viel schlimmer war als gedacht, traf ihn wie ein Schlag. Dustin war hier, halb tot, weil er in den Fängen der Weltregierung gewesen war, und der Junge, der jetzt vor ihm stand, war in der gleichen misslichen Lage.
 

„Wir müssen ihn hier rausbringen“, sagte Jack, die Worte durch die Schwere der Situation kaum mehr als ein Befehl. „Schnell, hol alles, was wir brauchen, und bereite den Jungen vor, wir bringen ihn in Sicherheit.“
 

Der Junge wirkte verwirrt, seine Augen suchten nach einer Antwort, als er zu Jack aufblickte. „Er wird doch… nicht sterben, oder?“ fragte er zögernd, die Ungewissheit in seiner Stimme so tief wie die Dunkelheit, die sie umgab.
 

Jack schüttelte den Kopf, doch die Unsicherheit, die in ihm brannte, konnte er nur schwer verbergen. „Nicht, wenn wir schnell genug handeln“, antwortete er, aber die Worte klangen hohl in der Stille des Raums. Er schaute zu den anderen Männern, deren Blicke ebenfalls von Besorgnis gezeichnet waren. „Wir müssen ihn jetzt hier rausholen. Es gibt keine Zeit zu verlieren.“
 

Während sie mit Dustin kämpften, um ihm zu helfen, zogen die Gedanken von Jack weiter zu dem Jungen. Was würde aus ihm werden? Er war erst 15, und doch war er bereits vor der Weltregierung auf der Flucht – einem Feind, der alles verschlang, was sich ihm entziehen wollte. Der Junge hatte sich versteckt, in der Hoffnung, in diesem Haus Zuflucht zu finden, doch er hatte keine Ahnung von der wahren Gefahr, die ihm und Dustin bevorstand.
 

Die Weltregierung jagte nicht nur diejenigen, die für sie ein Problem darstellten – sie verfolgte jeden, der sich ihrer Kontrolle entzog.
 

Und jetzt, mit Dustin und diesem Omega an seiner Seite, wusste Jack, dass die Reise noch viel gefährlicher werden würde. Es gab keine einfache Lösung für das Problem, das sie hier fanden. Doch eines war sicher: Sie würden nicht aufgeben. Nicht Dustin, nicht den Jungen, und nicht die Menschen, die sie liebten.
 

„Halten wir durch“, murmelte Jack zu sich selbst, während er Dustin in die Arme nahm und mit den anderen Männern den Weg zurück nach draußen antrat. Der Tag war noch jung, doch der Kampf um ihr Leben und das Leben derer, die sie beschützten, hatte gerade erst angefangen…

Kapitel 62

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Die Männer bewegten sich schnell, aber vorsichtig. Dustin, der noch immer schwer verletzt war, wurde von zwei Männern getragen, während Jack den jungen Omega an der Hand nahm, um ihn zu beruhigen. Der Junge hatte sich zwar ein wenig gefasst, aber seine Augen flackerten ständig zwischen Angst und Misstrauen hin und her. Er war völlig verängstigt, und Jack konnte die tiefe Verzweiflung in seinen Zügen erkennen.
 

„Wir bringen dich in Sicherheit“, sagte Jack leise, als er dem Jungen half, sich hinter ihm zu verstecken, während sie das Anwesen verließen. Der Junge nickte, doch seine Hände zitterten, als er sich an Jack klammerte. Er hatte nichts mehr zu verlieren.
 

Draußen war es zwar hell, aber die kalte Luft kroch unter ihre Kleidung. Sie mussten schnell sein, um das Anwesen der Greens zu verlassen, aber Jack wusste, dass sie immer noch in Gefahr waren. Die Weltregierung hatte ihre Augen auf alles gerichtet, und sie konnten jederzeit zuschlagen. Er hatte das Gefühl, dass sie bereits viel zu lange auf diesem gefährlichen Terrain waren.
 

„Wie geht es ihm?“, fragte einer der Männer, als sie einen Moment anhielten, um ihre Position zu überprüfen und nach dem Weg zurückzusehen.
 

Jack schaute zu Dustin, der immer noch leblos in den Armen der anderen Männer hing. „Es wird knapp. Er braucht sofortige medizinische Hilfe. Wir müssen ihn so schnell wie möglich an einen sicheren Ort bringen.“
 

Der Junge, der sich an Jack klammerte, blickte auf Dustin. „Was ist mit ihm? Wird er es schaffen?“
 

Jack hielt einen Moment inne, bevor er antwortete. „Wir tun alles, was wir können, aber es sieht nicht gut aus. Er war schon zu lange ohne Hilfe.“
 

Die Realität drang wie ein eisiger Wind in ihn, doch er drängte die Sorge beiseite. Sie hatten keine Zeit für Schwäche. Die Männer bewegten sich weiter zu den Autos, jeder Schritt ein Wettlauf gegen die Zeit. Aber auch Jack wusste, dass die wahre Gefahr noch vor ihnen lag.
 

Die Weltregierung war kein gewöhnlicher Feind – sie besaßen Macht und Einfluss, der alles andere in den Schatten stellte.
 

„Was ist mit dem Jungen?“, fragte einer der Männer erneut, als sie weitergingen. „Woher kommt er?“
 

Jack warf einen Blick zurück. Der Junge war immer noch in seinem Schutz, aber der Angstdruck in seinen Augen wuchs. „Er ist ein Omega. Ein Flüchtling von der Weltregierung“, erklärte Jack mit einem kurzen, rauen Ton. „Er hat sich versteckt, um zu überleben. Die Regierung hatte ihn auf dem Radar, und es war nur eine Frage der Zeit, bis sie ihn holen wollten. Wenn sie ihn finden, wird er sterben, das weiß er.“
 

„Und wir bringen ihn zu…?“
 

„Zu einem sicheren Ort“, antwortete Jack knapp. „Es gibt noch zu viele offene Fragen. Wir müssen herausfinden, warum die Weltregierung so an ihm interessiert ist.“ Jack wusste genau, dass er bei Damian im Anwesen vorerst sicher sein würde. Da Jack sich ebenso nicht wegbewegen würde, allein wegen Aiden, war der Kleine noch ein Stück mehr abgesichert.
 

Die Worte hingen in der Luft. Niemand wusste, was genau dahintersteckte, aber es war klar: Der Junge war mehr als nur ein Flüchtling. Irgendetwas in ihm war von entscheidender Bedeutung. Und Jack wusste, dass er und die Männer keine andere Wahl hatten, als ihn zu schützen.
 

Währenddessen dachte Jack nach. Der Junge, in seinen Armen, war nicht der Einzige, der vor der Weltregierung fliehen musste. Viele andere hatten dasselbe Schicksal geteilt – darunter auch er selbst, als er jünger gewesen war.
 

Doch was war so besonders an diesem Jungen? Was wusste er, dass die Weltregierung ihn verfolgte, wie ein wildes Tier?
 

„Graham und Taylor“, murmelte Jack plötzlich, seine Gedanken drängten sich in eine neue Richtung.
 

„Was ist?“, fragte einer der Männer, der ihn verwirrt ansah.
 

„Graham und Taylor“, wiederholte Jack, diesmal mit festerer Stimme. „Die beiden sind nicht nur eine Gefahr für uns, sie sind mächtig genug, um der Weltregierung ernsthafte Probleme zu bereiten. Wenn sie wirklich hinter diesem Jungen her sind, dann ist er mehr als nur ein Opfer der Regierung. Er hat etwas, das sie wollen – und das wird uns alle in ernsthafte Gefahr bringen.“
 

Das war das einzig logische, was Jack in Erwägung zog. Wer sonst hätte noch einen Vorteil außer die Weltregierung?
 

„Also müssen wir ihn auch vor ihnen schützen?“, fragte der Mann.
 

Jack nickte. „Ja. Und das wird schwerer werden, als ihr euch vorstellt. Wenn Graham und Taylor ihren Blick auf ihn werfen, dann wird es keine ruhige Nacht mehr für uns geben. Wir müssen vorsichtig sein. Zu vorsichtig.“
 

Er wusste, dass er mit jedem Schritt nicht nur Dustin, sondern auch den Jungen schützen musste, der mehr als ein gewöhnlicher Flüchtling war.
 

Der Tag schien endlos, und die Angst wuchs in ihm. Was, wenn sie zu spät kamen? Was, wenn die Bedrohungen, denen sie gegenüberstanden – sowohl von der Weltregierung als auch von den mächtigen Kräften wie Graham und Taylor – sie erwischen würden, bevor sie den sicheren Hafen erreichten?
 

Doch Jack wusste, dass er nicht aufhören konnte, zu kämpfen. Für die, die er liebte, und für die, die noch nicht wussten, dass sie auf ihn zählen konnten…

Kapitel 63

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Während die Fahrzeuge der Gruppe über die holprige Landstraße fuhren, lag das Anwesen der Greens bereits weit hinter ihnen, von der Morgensonne beleuchtet. Die Männer waren angespannt, und jedes Geräusch ließ sie aufhorchen. Niemand sprach ein Wort, doch die Gefahr war allgegenwärtig.
 

Unbemerkt von ihnen folgte in sicherer Entfernung ein schwarzer SUV. Graham und Taylor, die in dem Wagen saßen, beobachteten die Route ihrer Ziele genau. Das getönte Glas schirmte sie vor neugierigen Blicken ab, während sie in ruhiger Konzentration arbeiteten.
 

„Das Ziel ist in Bewegung“, sagte Graham, ohne seinen Blick von den Fahrzeugen vor ihnen zu nehmen. „Sie haben den Jungen, aber sie bewegen sich vorsichtig. Sie wissen, dass sie verfolgt werden könnten.“
 

„Das ist gut so“, antwortete Taylor mit einem kühlen Lächeln. „Es zeigt, dass sie den Wert des Jungen verstehen. Er ist nicht einfach nur irgendein Flüchtling. Er ist der Schlüssel.“
 

Graham schüttelte langsam den Kopf. „Das ist die große Frage. Es gibt viele, die Interesse an dem Jungen haben könnten. Aber ich hätte erwartet, dass sie unorganisierter vorgehen. Das hier wirkt geplant.“
 

„Vielleicht ist es eine neue Gruppe“, überlegte Taylor laut. „Söldner, Rebellen – irgendjemand, der sich in unsere Angelegenheiten einmischt.“
 

„Das spielt keine Rolle“, sagte Graham kühl. „Was zählt, ist, dass sie den Jungen haben. Und wenn sie ihn behalten wollen, werden wir es ihnen schwer machen.“
 

„Und was, wenn sie es herausfinden?“, fragte Graham und lehnte sich zurück. „Was, wenn sie erfahren, was wir wissen?“
 

„Dann wird es hässlich“, erwiderte Taylor schlicht. Er drehte leicht am Lenkrad, um die Gruppe im Auge zu behalten. „Aber bis dahin liegt der Vorteil bei uns. Wir kennen ihre Schwächen – und ihre Zögerlichkeit. Sie versuchen, Helden zu spielen, und das wird sie zu Fall bringen.“
 

Graham nickte, während er weiterhin den Abstand zu den anderen Fahrzeugen abschätzte. „Wir müssen sie unter Druck setzen. Wenn wir zu lange warten, könnte sich die Weltregierung einmischen. Und dann wird es für uns beide hässlich.“
 

Taylor schnaubte amüsiert. „Die Weltregierung wird sich erst bewegen, wenn wir das Feld vorbereitet haben. Sie warten darauf, dass wir die Drecksarbeit erledigen. Aber wir sind keine Schachfiguren, Graham. Wir sind die Spieler.“
 

Die beiden Männer schwiegen eine Weile, während sie weiter die Route ihrer Ziele verfolgten.
 

Inzwischen hatte Jack die Gruppe auf einer Lichtung anhalten lassen. Die Fahrzeuge parkten unter Bäumen, die den strahlenden Sonnenschein nur teilweise durchließen.
 

„Wie lange halten wir?“, fragte einer der Männer.
 

„Nur so lange, wie nötig“, antwortete Jack, während er den Zustand von Dustin überprüfte. „Er braucht eine Pause, und der Junge muss zur Ruhe kommen.“
 

Der Junge saß zusammengesunken auf der Rückbank, seine Augen starrten ins Leere. Jack kniete sich vor ihn und sprach leise, beruhigende Worte.
 

„Wir schaffen das“, sagte er sanft. „Du bist hier sicher. Niemand wird dir etwas tun.“
 

Die Worte schienen kaum zu ihm durchzudringen, doch Jack blieb geduldig.
 

Plötzlich durchfuhr ihn ein beklemmendes Gefühl. Er richtete sich auf und ließ seinen Blick über die Umgebung schweifen. Irgendetwas stimmte nicht.
 

„Seid wachsam“, sagte er zu den anderen, während er unauffällig nach seiner Waffe griff. „Ich habe das Gefühl, dass wir beobachtet werden.“
 

Einer der Männer zog die Stirn kraus, doch er griff auch instinktiv nach seiner Waffe.
 

„Wir brechen in fünf Minuten wieder auf“, fügte Jack hinzu. „Kein Grund, länger zu bleiben als nötig.“
 

Graham und Taylor beobachteten aus sicherer Entfernung mit einem Fernglas, wie die Gruppe kurz anhielt.
 

„Sie scheinen vorsichtig zu sein“, murmelte Graham. „Vielleicht haben sie etwas bemerkt.“
 

„Oder sie sind einfach paranoid“, entgegnete Taylor. „Wenn sie wirklich organisiert sind, werden sie auf jede Kleinigkeit achten. Aber das macht sie nur berechenbarer.“
 

Graham zog die Stirn kraus. „Hast du eines ihrer Gesichter erkannt?“
 

Taylor schüttelte den Kopf. „Nein, keiner von ihnen scheint bekannt zu sein. Aber das bedeutet nichts. Vielleicht arbeiten sie im Verborgenen.“
 

„Das werden wir bald herausfinden“, sagte Graham kühl. „Für den Moment bleiben wir in ihrer Nähe. Früher oder später machen sie einen Fehler.“
 

Taylor setzte den Wagen wieder in Bewegung, während die Gruppe ihre Fahrt fortsetzte. Sie blieben wie ein Schatten hinter ihnen, geduldig und wartend.
 

Die Jagd hatte gerade erst begonnen…

Kapitel 64

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Kurz nach dem Halt und weil er sich dabei sicherer fühlte, zog Jack das Telefon und wählte Damians Nummer. Als das Gerät in seiner Hand vibrierte, spürte er sofort eine Veränderung in der Atmosphäre. Der Atem in seiner Brust schien für einen Moment zu stocken – das Gespräch, das er gleich führen würde, war nicht nur ein weiterer Austausch von Informationen. Es war gefährlich, auf einer Ebene, die über das Physische hinausging.
 

Damian McKinley war nicht jemand, mit dem man sich leicht anlegte. Nicht ohne Grund war er ein mächtiger Name, der zusammen mit Jack und den anderen an einer Revolution gegen die Weltregierung arbeitete. Jack wusste, dass jedes Wort mit Damian Gewicht hatte.
 

„McKinley, hör zu“, begann Jack, seine Stimme fester als er sich fühlte, und fuhr ohne Zögern fort. „Wir haben Dustin gefunden. Er lebt. Aber er braucht schnell medizinische Hilfe. Er ist mehr Tod als lebendig.“ Jack hielt das Gespräch aufrecht, während die Worte in seinem Kopf weiter widerhallten, ein ständiges Echo von Sorge und Verantwortung.
 

„Bei Dustin war noch ein Omega, circa 15 Jahre alt. Der Kleine meinte, dass er vor der Weltregierung geflohen ist. Und dass Dustin von ihr erwischt, wurde“, fügte Jack hinzu, und ein schweres Seufzen entrang sich ihm. Es war mehr als ein Seufzer – es war ein schwerer Atemzug voller Anspannung. „Wir versuchen so schnell wie möglich zurückzukehren. Organisiert einen Arzt. Sonst stirbt Dustin.“
 

„Erstens ist es gut, dass Dustin vorerst am Leben ist. Aber es gibt noch einiges, was wir nicht wissen, Jack“, sagte Damian am anderen Ende der Leitung. Seine Stimme war ruhig, doch in ihr lag eine Entschlossenheit, die Jack auch am Telefon spüren konnte.
 

„Wir müssen verstehen, was dahintersteckt, warum sie Dustin gefangen hielten. Und was noch wichtiger ist – wir müssen wissen, wer genau das war. Auch werde ich gleich einen Arzt hierherbringen lassen…“
 

Jack ließ die Worte kurz wirken, bevor er nickte – auch wenn Damian ihn nicht sehen konnte. „Ich verstehe“, sagte er schließlich und drückte den roten Knopf, um das Gespräch zu beenden. Doch in diesem Moment, als er das Telefon in der Hand hielt, war ihm klar, dass die Situation viel komplizierter war, als er es sich zu Beginn vorgestellt hatte. Es war nicht nur Dustin, der in Gefahr schwebte. Es war ein Netz aus Geheimnissen und Gefahren, dass sich immer enger um sie zog.
 

In der Zwischenzeit beobachteten Taylor und Graham die kleine Gruppe aus der Ferne, während die Sonne hoch am Himmel stand und der Tag in voller Kraft war. Ihre Blicke waren scharf, und die Spannung in der Luft war fast greifbar.
 

„Verdammt“, fluchte Graham leise, als er die Bewegungen von Jacks Männern und deren Positionierung verfolgte. „Jetzt weiß ich, wer er ist.“ Ein weiteres Fluchen, diesmal dunkler, füllte die Luft. „Ich wusste, dass er eine Bedrohung sein würde, aber nicht in welchem Ausmaß.“
 

„Er ist mehr als nur ein Alpha“, erwiderte Taylor, seine Stimme ruhig, aber mit einem Hauch von Anerkennung. „Jack Brown ist ein Mann, der mehr Einfluss hat, als wir ursprünglich angenommen haben. Wir haben ihn unterschätzt.“ Es war ein schleichendes Gefühl der Besorgnis, das ihn nicht losließ – sie hatten einen Fehler gemacht, und jetzt war es zu spät, zurückzublicken.
 

„Das hätten wir nicht tun dürfen“, murmelte Graham, und der Hauch von Besorgnis schlich sich in seine Worte. Es war selten, dass er sich von jemandem so aus der Ruhe bringen ließ, aber Jack war anders. „Er ist nicht nur ein Alpha. Er ist ein Krieger. Ein Alpha, der nicht nur auf rohe Macht setzt, sondern auch auf Strategie. Und das macht ihn gefährlich.“
 

Taylor verengte seine Augen und beobachtete, wie die Männer von Jack ihre Rast in der Sonne genossen, die Stunden in der sie ruhig saßen, aber jederzeit bereit waren, weiterzumarschieren. „Er ist nicht der Typ, der sich einfach in die Enge treiben lässt. Wenn er in diese Richtung geht, dann wissen wir, dass er weiß, wie man überlebt. Und noch mehr, wie man uns zur Strecke bringt.“
 

Graham nickte, sein Blick hart und entschlossen. „Er wird nicht so einfach aufgeben. Und ich vermute, der wird uns das Leben schwer machen, denn er hat bestimmt einen Plan…“
 

„Wir müssen ihn und seinen Trupp ausschalten“, sagte Taylor, doch sein Blick blieb nachdenklich. „Aber wir dürfen nicht zu hastig handeln. Wir wissen nicht, wie viele Männer er noch hat und was er wirklich vorhat. Ich kann den Gedanken nicht abschütteln, dass Jack nicht nur für den Jungen hier ist. Er hat das größere Bild im Kopf. Vielleicht ist er sogar der Schlüssel, um gegen die Weltregierung anzutreten. Und das können wir nicht zulassen.“
 

Die Erkenntnis, dass sie nicht einfach mit der Jagd fortfahren konnten, sondern einen völlig anderen Ansatz wählen mussten, war für beide Männer ein kalter Schock…

Kapitel 65

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Graham und Taylor hatten das Gefühl, dass sie eine schlafende Bestie geweckt hatten. Jack war kein gewöhnlicher Alpha, und die Tatsache, dass er es geschafft hatte, so unbemerkt in das Spiel der Mächtigen einzutauchen, zeigte, wie tief er bereits in der Hierarchie verankert war.
 

„Es wird gefährlicher, als wir dachten“, sagte Graham und funkelte in die Helligkeit des Tages, als sein Blick sich wieder auf Jack und seine Männer richtete, die sich in der Rastpause entspannten. „Er hat die Unterstützung von jemandem, der mächtig genug ist, um uns zu gefährden. Wir haben die falsche Person unterschätzt.“
 

„Nicht nur die Person“, antwortete Taylor, seine Stimme fast flüsternd, als ob er sich selbst warnen wollte. „Es ist der Moment. Jack ist mehr als nur ein Krieger. Wenn er genug Einfluss hat, dann könnte er ein wahrer Gegner für uns werden. Und das müssen wir verhindern.“
 

Sie hatten sich bisher auf den Jungen konzentriert, den sie jagten, aber es gab eine größere Gefahr, die sie nun merkten – Damian. Sie wussten, dass er nicht auf die gleiche Weise wie Jack agierte, aber sie hatten keine Ahnung, wie viel Macht und Einfluss er hatte. Was, wenn er mit Jack zusammenarbeitete und eine viel größere Bedrohung darstellte, als sie es sich je hätten vorstellen können?
 

„Wir können ihn nicht einfach in Ruhe lassen, Taylor“, sagte Graham leise, und sein Blick verfolgte, wie Jack mit seinen Männern in der Sonne saß, ihre Rast zu nutzen, um sich zu stärken und zu sammeln. „Er hat mehr Verbindungen, als wir dachten. Vielleicht ist er der wahre Schlüssel zu allem, was wir hier suchen.“
 

Taylor nickte nachdenklich, der Gedanke an Damian wuchs in seinem Kopf. „Ja, ich dachte, wir hätten nur den Alpha im Blick, aber jetzt merke ich, dass wir uns geirrt haben. Damian ist genauso gefährlich, wenn nicht sogar gefährlicher. Wenn er und Jack wirklich zusammenarbeiten, haben wir hier etwas viel Größeres als einen einfachen Übergriff.“
 

Doch sie wussten, dass sie jetzt nicht eingreifen konnten. Sie mussten sich zurückhalten und abwarten, denn jedes hastige Handeln könnte sie in noch größere Gefahr bringen. Es war nicht der richtige Moment – noch nicht.
 

„Wir müssen abwarten“, sagte Taylor, während sein Blick unablässig an Jack und seinen Männern haften blieb. „Wir wissen noch nicht genug, aber wir können sie nicht einfach losziehen lassen. Wenn sich eine Gelegenheit bietet, dann werden wir eingreifen. Aber jetzt müssen wir geduldig sein.“
 

„Und was ist mit Darius?“ fragte Graham, seine Stimme leise, aber mit einem scharfen Unterton. „Wenn wir ihn finden können, haben wir einen klareren Plan. Aber er ist nirgends zu finden. Vielleicht war er nicht der Einzige, der in dieser Geschichte wichtig war.“
 

„Stimmt“, erwiderte Taylor nachdenklich, als ein neuer Gedanke in ihm aufkam. „Vielleicht ist Darius nur ein weiteres Puzzleteil in einem viel größeren Bild. Aber wir müssen vorsichtig sein. Wir können uns nicht leisten, den Überblick zu verlieren.“
 

So zogen sich die beiden zurück, versteckten sich weiter im Schatten ihres Fahrzeugs, doch ihre Blicke verließen Jack und seine Gruppe nicht. Ihre Überlegung war klar: Jack und Damian stellten eine weitaus größere Bedrohung dar, als sie ursprünglich angenommen hatten. Doch sie würden nicht eingreifen, bevor sie sicher waren, dass ihre nächste Entscheidung richtig war. Die Jagd war noch nicht vorbei – sie mussten nur warten, bis der richtige Moment kam, um zuzuschlagen.
 

Die beiden wussten, dass sie nicht länger die Kontrolle über das Spiel hatten. Jack Brown war kein einfacher Alpha – er war ein Spieler, der sich in den höchsten Kreisen bewegte, und der Junge, den sie jagten, war nur ein Bruchteil eines viel größeren Plans.
 

„Wir müssen uns mit allem, was wir haben, vorbereiten“, sagte Taylor schließlich, ein scharfer Blick in seinen Augen. „Und wir dürfen niemals vergessen, dass Jack mehr ist als nur ein einfacher Alpha. Wir müssen ihn daran hindern, den wahren Feind zu finden, und das geht nur, wenn wir zuerst einen Schritt voraus sind.“
 

Graham nickte, und zusammen mit Taylor begann er, die weiteren Züge zu planen. Die Jagd nach dem Jungen war nicht nur eine Jagd nach Information mehr – es war die Jagd nach einem Mann, der die Weltregierung herausfordern konnte, wenn er genug Unterstützung fand. Und Jack Brown war nicht der Typ, der sich ohne Kampf ergeben würde…

Kapitel 66

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Die Anspannung in der Luft war noch immer spürbar, als Jack die Männer drängte, sich schnell fertig zu machen. Der Weg zurück würde lang und gefährlich sein wie der Hinweg, doch es war dringend, dass sie sich beeilten. Jack hatte das Gefühl, dass sie noch nicht aus der Gefahrenzone heraus waren, und je schneller sie in Sicherheit wären, desto besser.
 

„Schnell, Leute!“, rief Jack und verschaffte sich so Gehör bei den Männern. „Macht euch bereit! Die Pause ist vorbei.“
 

Während die Männer ihre Sachen zusammenpackten und die Fahrzeuge startklar machten, nahm Jack sich einen Moment, um mit dem jungen Omega zu sprechen. Er war der Grund, warum sie hier auf der Lichtung waren – ein verängstigter Junge, der keine Ahnung hatte, warum er ins Visier genommen wurde. Jack hatte ihn seit der Entdeckung im Anwesen beobachtet, und die Unsicherheit in den Augen des jungen Omegas war schwer zu ertragen.
 

„Wie ist dein Name?“, wollte Jack wissen, während er den Jungen nur ansah. Der Junge schluckte. Er hatte Angst, seinen Namen zu verraten, als würde dieser ihm noch mehr Ärger einbringen.
 

„Dante Lewis…“
 

„Dante“, begann Jack, während er sich neben den Jungen setzte. Er fühlte eine seltsame Mischung aus Mitleid und Sorge. „Du weißt noch immer nicht, warum sie hinter dir her sind, oder?“
 

Dante schüttelte den Kopf, seine Augen traurig und voller Angst. „Ich… ich habe keine Ahnung, warum sie mich wollen. Ich habe mich mein ganzes Leben versteckt gehalten. Ich dachte, ich wäre sicher, wenn ich hierherkomme, aber anscheinend ist das ein Fehler gewesen.“ Seine Stimme zitterte, und Jack konnte die Verzweiflung darin hören. Diese Angst, die in Dantes Augen brannte, ließ Jack nicht los.
 

Jack atmete tief ein und spürte, wie sich ein unbehagliches Gefühl in seiner Brust ausbreitete. Er wusste, dass es mehr gab, als Dante selbst verstand. Auch Dante konnte sich nicht vorstellen, in was er hineingezogen worden war. Aber Jack konnte es. Wenn der Junge sein ganzes Leben versteckt gelebt hatte, wusste nur die Weltregierung von ihm – das schien eigentlich unmöglich, es sei denn…
 

Die Erkenntnis traf Jack wie ein Schlag ins Gesicht. Wenn es wirklich so war, wenn die Weltregierung hinter den jungen Omegas her war, dann war das nicht nur ein Problem für Dante. Es war eine Bedrohung für alle jungen Omegas – und vor allem für Aiden.
 

„Sie sind hinter dir her, weil du ein Omega bist“, antwortete Jack nachdenklich, als er sich versuchte, wieder zu fassen. „Die Weltregierung hat ein Auge auf Omegas wie dich geworfen, und es geht um weit mehr als nur deinen Status. Ich vermute, sie sehen in dir eine Gefahr. In dir und in anderen. Du bist nicht der einzige junge Omega, der zur Zielscheibe wird“, fuhr Jack fort, seine Stimme jetzt voller Sorge. Er konnte nicht länger wegsehen. Die Gefahr, die Dante drohte, war nur ein Vorgeschmack auf das, was Aiden bevorstand.
 

„Und das bedeutet, sie sind auch hinter Aiden und den anderen her. Es tut mir leid, Dante, aber das ist der Grund, warum sie dich gejagt haben. Und ich weiß jetzt, dass Aiden genauso in Gefahr ist.“ Jack fühlte, wie die Worte in ihm nachhallten.
 

Die Erkenntnis traf ihn wie ein schwerer Schlag. Der Gedanke, dass Aiden, der Junge, den er ins Herz geschlossen hatte, in unmittelbarer Gefahr war, ließ die Sorge in ihm auflodern.
 

Der Gedanke, was die Weltregierung mit Aiden anstellen würde, wenn sie ihn zu fassen bekämen, ließ ihm einen kalten Schauer über den Rücken laufen.
 

„Aiden…“, murmelte Jack leise, als die Erkennung in ihm einsetzte. Die Gedanken überschlugen sich in seinem Kopf. Was, wenn er nicht rechtzeitig zurück war, um ihn zu beschützen? Was, wenn Aiden der nächste war?
 

„Jack?“ Dante sah ihn fragend an, als er Jacks Besorgnis bemerkte. „Was… was passiert jetzt?“
 

„Wir müssen zurück“, sagte Jack scharf und erhob sich schnell. Er versuchte, die Kontrolle über seine Gefühle zu behalten, aber die Panik, die in ihm aufstieg, konnte er nicht ganz verbergen. „Und wir müssen schnell sein. Ich will nicht riskieren, dass etwas passiert, bevor wir Aiden und die anderen in Sicherheit bringen können.“
 

Mit einem raschen Nicken wandte sich Jack den anderen Männern zu, die nun alle bereit waren, den Rückweg anzutreten. Der Weg war noch lange und gefährlich, aber das war jetzt nebensächlich. Jack wusste, dass sie auf der Uhr waren – und die Gefahr, die Aiden und Dante gleichermaßen drohte, war groß.
 

„Alles einsteigen!“, rief Jack, als er sich an die Spitze des Konvois begab. Die Dringlichkeit in seiner Stimme war unmissverständlich. „Wir müssen zusehen, dass wir hier rauskommen, und das schnell.“
 

Die Autos rollten los, und die Gedanken in Jack's Kopf rasten. Was er für Dante und Aiden tun konnte, wusste er noch nicht genau, aber eines war klar: Diese Reise war noch lange nicht vorbei. Es ging jetzt nicht mehr nur um den Schutz von Dustin oder der Entdeckung von Geheimnissen.
 

Es ging um das Leben der Menschen, die Jack liebte. Und nichts würde ihn daran hindern, sie zu retten…

Kapitel 67

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Jack wusste, dass die Zeit gegen sie arbeitete. Jeder der jungen Omegas – Darius, Aiden, Dante und der kleine Ed – war ein Ziel für die Weltregierung und ihre Verbündeten. Sie waren die nächste Generation, von enormer Bedeutung, und Jack wusste, dass er sie um jeden Preis beschützen musste.
 

Seine Hände krampften sich um das Lenkrad, während sein Blick starr auf die Straße vor ihm gerichtet blieb. Jeder Gedanke an die drohende Gefahr ließ seinen Nacken sich verspannen. Er spürte die Verantwortung wie eine eiserne Last auf seinen Schultern, die ihn tief in die Realität ihrer Situation drückte.
 

Wenn sie zurück zu den McKinleys gelangten, würde er zusammen mit Damian alles tun, um sicherzustellen, dass die Jungs in Sicherheit waren. Auch Dustin, der immer noch schwer verletzt war, brauchte dringend ärztliche Hilfe. Immerhin waren sie auf ihn angewiesen; je mehr sie waren, desto besser.
 

„Die Jungs müssen sicher sein. Wir müssen schnell zurück zum Anwesen der McKinleys“, murmelte Jack, während er die Straße überblickte. Der Gedanke daran, dass sie nicht schnell genug waren, war fast unerträglich. Auch die Tatsache, dass sie Dustin stabilisieren mussten, nagte an ihm.
 

„Wie geht es ihm?“, fragte Jack den Mann, der Dustin begleitete, während er das Fahrzeug steuerte. Jack konnte die Sorge um Dante und Dustin kaum unterdrücken.
 

„Er lebt, Jack. Aber es wird nicht lange dauern, wenn wir ihm nicht schnellstmöglich medizinische Hilfe zukommen lassen. Die Notversorgung hat ihm etwas Zeit verschafft, aber er braucht einen Arzt – schnell.“
 

„Dann müssen wir uns beeilen. Jede Minute zählt.“
 

Jack dachte an die jungen Omegas – Darius, Aiden, Ed und Dante – sie waren in Gefahr. Es war nicht nur eine Aufgabe für ihn, es war eine Verantwortung, die viel zu schwer wog. Wenn die Weltregierung sie fangen würde, was würde dann aus ihnen werden?
 

„Ich habe keinen Plan B“, sagte Jack leise und mit bitterer Entschlossenheit. „Sie dürfen sie nicht kriegen. Wir müssen alles tun, damit sie in Sicherheit sind.“
 

Die Fahrt zog sich hin. Die Straßen schienen immer länger, als Jack in die Ferne blickte und an die Schicksale der jungen Omegas dachte. Was würde aus ihnen werden, wenn sie nicht geschützt werden konnten? Was hatte die Weltregierung noch im Schilde, und warum war gerade die nächste Generation so wichtig?
 

Er wusste, dass er keinen Fehler machen durfte. Die Gefahr war real, und der Weg vor ihnen war immer noch von Ungewissheit geprägt. Aber eines war sicher: Jack würde alles tun, um sie zu retten.
 

„Wir müssen schnell sein“, sagte Jack, als er mit den anderen das Ziel in Sichtweite hatte. „Es geht nicht nur um Dustin. Es geht um sie alle. Es geht um unsere Zukunft.“
 

Die Straße vor ihnen schien sich endlos zu dehnen, der Asphalt riss unter den Rädern der Fahrzeuge dahin, als Jack nach vorne starrte, die Gedanken schwer in seinem Kopf. Jeder Gedanke an die Weltregierung ließ ihn tiefer in die Dunkelheit sinken, und das Gewicht seiner Verantwortung lastete wie ein unsichtbarer Felsen auf seiner Brust.
 

Die jungen Omegas, die beschützt werden mussten, waren nicht nur Ziele für eine skrupellose Organisation – sie waren seine Verantwortung. Er hatte sich darauf eingelassen, sie zu retten, und er würde keinen Rückzieher machen, egal wie ausweglos es schien…

Kapitel 68

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Die Besorgnis um Dustin drückte wie ein zusätzlicher Schleier auf Jack, der noch dicker wurde, je näher sie dem Anwesen der McKinleys kamen. Es war klar, dass Dustin nicht mehr viel Zeit hatte, und auch wenn der Gedanke an seine Verletzungen und den Schmerz, den er ertragen musste, Jack ein schlechtes Gefühl gab, wusste er, dass er nicht nur für ihn, sondern für alle kämpfen musste. Sie alle brauchten Hilfe. Jeder einzelne von ihnen.
 

„Wie lange noch?“, fragte Jack, als er sich zu dem Mann neben ihm umdrehte. „Wir können keine Zeit mehr verlieren.“
 

Der Mann, der auf dem Beifahrersitz saß, warf ihm einen Blick zu. „Ungefähr eine halbe Stunde, vielleicht etwas mehr, wenn der Verkehr es zulässt.“
 

„Gut. Wir dürfen nicht länger warten. Jeder Moment zählt.“
 

Die Stille, die nach Jacks Worten folgte, war fast greifbar. Der Klang des Motors dröhnte in seinen Ohren, als er weiter an die Jungs dachte – Darius, Aiden, Ed und Dante. Was, wenn sie nicht rechtzeitig zurück waren?
 

Was, wenn sie zu spät kamen, um sie in Sicherheit zu bringen? Jack konnte sich nicht vorstellen, was passieren würde, wenn sie in die Fänge der Weltregierung fielen.
 

Er zog die Augenbrauen zusammen und versuchte sich zu konzentrieren, als er die Struktur der kommenden Mission durchdachte. Es musste ein sicherer Ort gefunden werden. Sie mussten mehr tun, als nur zurückzukehren. Sie mussten ein Versteck finden, tief genug, dass niemand sie entdecken konnte. Und sie mussten es schnell tun, ohne Spuren zu hinterlassen.
 

„Jack“, sagte der Mann auf dem Beifahrersitz, „wir kommen jetzt näher. Was ist der Plan, wenn wir ankommen?“
 

„Erstmal Dustin stabilisieren, dann die Jungs in Sicherheit bringen. Und alles andere hat hintenanzustehen. Wir dürfen keine Fehler machen“, antwortete Jack scharf, sein Blick immer noch auf den Weg gerichtet. „Ich werde nicht zulassen, dass diese verdammte Weltregierung einen Finger an sie legt.“
 

Es war nicht nur seine Wut, die in seiner Stimme zu hören war. Es war der verzweifelte Wunsch, all diese Jungs zu beschützen, die er inzwischen, wie eine Familie betrachtete.
 

Das Licht der Dämmerung verschwand langsam und legte eine kühle Schattendecke über die Welt, doch Jack wusste, dass er der Einzige war, der diesen Kampf führen konnte. Sie alle hatten auf ihn gesetzt. Sie mussten es schaffen.
 

Auch kam der Moment, auf den sie alle gewartet hatten, schneller als Jack erwartet hatte. Das McKinley-Anwesen tauchte in der Ferne auf, von den wenigen Lichtern erleuchtet, die den Weg wiesen. Jack fühlte sich für einen Augenblick erleichtert, aber nur für einen, denn die wirkliche Herausforderung begann erst jetzt.
 

„Das ist es“, murmelte Jack und wandte sich an die anderen. „Wir haben keine Zeit zu verlieren. Wir müssen sie alle in Sicherheit bringen, bevor es zu spät ist. Kein Schritt darf falsch sein.“
 

Die Fahrzeuge rollten in den Innenhof, und der Plan, der noch in Jacks Kopf war, blieb klar. Dustin musste sofort behandelt werden, aber dann galt es, die Sicherheit der jungen Omegas zu gewährleisten.
 

„Los! Hilfe für Dustin!“, rief Jack, als er aus dem Fahrzeug sprang und zum Eingang des Anwesens eilte. „Dann kümmern wir uns um die anderen. Keine Verzögerung. Sie dürfen uns nicht finden.“
 

Die Schritte hallten durch den Hof, während die Dämmerung immer dunkler wurde. Mit jedem Schritt wurde Jack klarer, dass dies ein Wettlauf gegen die Zeit war. Und dass er bereit war, alles zu riskieren, um die zu retten, die er liebte.
 

„Es geht um mehr als nur Dustin. Es geht um alle. Es geht um unsere Zukunft“, flüsterte er, als die Türen des Anwesens sich vor ihm öffneten und der letzte Abschnitt ihrer gefährlichen Reise begann…

Kapitel 69

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Das Anwesen von Damian war ein Ort, den Darius inzwischen kannte, doch heute wirkte es fremd, fast beunruhigend, als sie den Hof erreichten. Der gewohnte Anblick des alten, ehrwürdigen Gebäudes schien in den Hintergrund zu treten, von einer Düsternis überlagert, die Darius' Herz beschleunigte.
 

Er spürte, wie die Anspannung in ihm wuchs, als er sich an Damian wandte. Er wollte sofort zu seinem Bruder, doch Damian hielt ihn zurück, seine Hand fest auf Darius’ Arm.
 

„Darius, du kümmerst dich jetzt um den jungen Omega“, sagte Damian ruhig, aber bestimmt. „Ich übernehme mit meinen Männern Dustin. Ein Arzt wartet auf ihn.“
 

Darius sah Damian an, als wollte er widersprechen, doch die Sorge um Dante, der immer noch verängstigt war, hielt ihn zurück. Die Situation war nun eine andere. Es ging nicht nur um Dustin, sondern um das Leben aller jungen Omegas. Und Dante war der nächste, der Schutz brauchte.
 

„Okay“, sagte Darius leise, „aber du hältst mich auf dem Laufenden.“
 

Damian nickte und zog sich mit seinen Männern zurück, um Dustin sofort in die Obhut des Arztes zu übergeben. Darius wandte sich zu Dante, der noch immer zögerte. Der Junge wirkte wie erstarrt, seine Augen voller Angst, als würde er jeden Moment weglaufen.
 

Doch Darius kannte diese Angst nur zu gut. Mit einem Schritt näher und einem beruhigenden Blick legte er die Hand auf Dantes Schulter.
 

„Komm“, sagte Darius, als er dem Jungen entgegen ging. „Du bist jetzt in Sicherheit. Lass uns da drinnen sprechen.“
 

Dante nickte nur zögerlich, aber er folgte Darius dennoch. Die Tür des Anwesens schloss sich hinter ihnen, und während Darius den Jungen in einen Raum führte, hörte er die beruhigenden Stimmen, die sich um Dustin kümmerten.
 

Aber es war nicht nur Dustin, der Hilfe brauchte. Die ganze Situation lastete schwer auf Darius' Schultern – er spürte, wie die Verantwortung auf ihn drückte, die Verantwortung für die Jungs, die er in dieser bedrohlichen Welt schützen musste.
 

Im selben Moment bemerkte Jack Aiden, der aus der Richtung des Hauses rannte. Die Erleichterung, die Jack in diesem Moment durchströmte, war fast überwältigend. Aiden schien in diesem Augenblick die einzige Konstante in der unsicheren Welt zu sein, die sie gerade durchlebten.
 

Ein breites, erleichtertes Lächeln erschien auf Aidens Gesicht, und bevor Jack reagieren konnte, fiel Aiden ihm in die Arme.
 

Es war, als wäre die ganze Last von Jack in diesem Moment abgefallen. Aiden umarmte ihn fest, und Jack spürte das Zittern seines Körpers, als er die Wärme von Aidens Nähe suchte, als wäre er selbst endlich am Ziel angekommen.
 

„Jack... du bist wieder da“, flüsterte Aiden, seine Stimme von Erleichterung durchzogen. „Ich hatte solche Angst um dich…“
 

Jack umarmte ihn zurück, zog ihn enger an sich und sprach leise in sein Ohr: „Es tut mir leid, dass du dich so lange allein gefühlt hast, Aiden. Aber jetzt bist du nicht mehr allein. Und du bist echt fällig, Junge.“
 

Die Worte schienen durch die Stille zu hallen, und Aiden zog sich etwas zurück. Ein tiefer Rotschimmer stieg ihm ins Gesicht, als die Bedeutung dieser Worte ihn unweigerlich erreichte. Der plötzliche Flirt ließ ihn fast sprachlos werden, aber es war nicht der Moment, um darauf zu reagieren. Es war zu viel auf dem Spiel.
 

Doch bevor er etwas erwidern konnte, öffnete sich die Tür, und die Männer, die sich um Dustin kümmerten, traten ein.
 

„Dustin ist stabil“, sagte einer der Männer, warf einen kurzen Blick auf Jack, der immer noch Aiden in seinen Armen hielt. „Aber wir müssen schnell entscheiden, wie es weitergeht. Es gibt noch zu viele offene Fragen.“
 

„Wir sollten uns versammeln“, sagte Jack schließlich und blickte zu den anderen. „Wir müssen besprechen, was jetzt kommt und wie wir die Jungs schützen können. Es ist noch nicht vorbei.“
 

Aiden löste sich langsam aus Jacks Umarmung und trat in den Raum, wo alle versammelt waren. Darius war ebenfalls eingetroffen, zusammen mit Dante, der nervös an der Wand lehnte und dem kleinen Ed, der von einem zum anderen sah, während er sich an Darius klammerte, als wäre er das Einzige, was ihm noch Halt gab.
 

Jack stellte sich neben Damian, sein Blick fest und entschlossen. Er wusste, dass dieser Moment entscheidend war. Für sie alle.
 

„Wir wissen, dass die Weltregierung hinter uns her ist“, begann Damian, seine Stimme ruhig, aber bestimmt. „Und wir wissen, dass sie noch nicht aufgegeben haben. Aber es geht nicht nur um Dustin, es geht um euch alle.“ Er sah zu Darius, Aiden, Dante und auch dem kleinen Ed.
 

„Wir müssen jetzt einen Plan machen, um euch in Sicherheit zu bringen. Und zwar schnell.“
 

„Aber wo sollen wir hin?“, fragte Darius, die Gefahr immer noch deutlich spürend, während der Gedanke, dass die Weltregierung vielleicht schon auf sie wartete, sich wie ein eisiger Griff in seinem Magen anfühlte. „Was, wenn sie uns schon aufgespürt haben?“
 

„Wir haben noch Optionen“, antwortete Jack ruhig, aber bestimmt. „Aber wir müssen zusammenarbeiten. Und es muss schnell gehen.“
 

Die Anspannung im Raum war greifbar. Jeder von ihnen dachte nach, suchte nach einem Ausweg. Doch eines war klar: Es war ein Wettlauf gegen die Zeit. Die Weltregierung würde nicht ruhen, bis sie die Kontrolle über die Jungen hatte.
 

Jack und Damian wussten, dass sie alles riskierten. Sie mussten alles tun, um ihre Schützlinge zu retten. Sie konnten nicht zulassen, dass die Weltregierung ihnen noch näherkam.
 

Denn das war jetzt mehr als nur ein Ziel. Es war ihre Zukunft – und sie würden sie verteidigen…

Kapitel 70

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Die Besprechung ging weiter, und trotz der ernsten Lage merkte Jack, dass er tief durchatmen musste, um klar denken zu können. Der Raum war still, jeder wartete auf den nächsten Schritt. Der Druck war erdrückend, aber er wusste, dass sie einen klaren Kopf brauchten, um den richtigen Plan zu schmieden.
 

„Es gibt keine Zeit für Fehler“, sagte Jack, seine Stimme fest, doch auch er konnte die Nervosität in sich spüren. „Die Weltregierung hat Augen überall. Wir müssen uns bewegen, aber leise. Und wir brauchen einen sicheren Ort. Es darf nichts zurückgelassen werden, das uns verraten könnte.“
 

Darius, der inzwischen neben Dante saß, schien nachdenklich. „Aber was, wenn sie uns schon gefunden haben? Was, wenn sie uns auf dem Weg hierher verfolgt haben?“
 

„Dann müssen wir sie austricksen“, antwortete Jack. „Wir müssen alles tun, um sie zu täuschen. Es gibt versteckte Verstecke, die wir noch nicht genutzt haben. Und ich kenne Leute, die uns helfen können, sie zu verlieren. Aber wir müssen uns beeilen.“
 

„Und was ist mit Dustin?“, fragte Aiden, der Jack nicht aus den Augen ließ, seine Augen immer noch voller Sorge. „Was, wenn er nicht schnell genug genesen kann?“
 

„Der Arzt wird ihm helfen“, antwortete Jack ruhig. „Aber es ist mehr als das. Wir müssen den Rest der Gruppe in Sicherheit bringen. Dustin ist verletzt, aber wir können uns keine langen Pausen leisten. Es wird schwer, aber wir müssen zusammenhalten.“
 

„Ich werde Dante nicht zurücklassen“, sagte Darius, die Entschlossenheit in seiner Stimme spürbar. „Er ist ein Teil meiner Familie, und ich werde ihn nicht aufgeben.“
 

Jack nickte, dann wandte er sich an die anderen. „Wir brauchen ein sicheres Versteck, und wenn das nicht geht, dann müssen wir mehrere Optionen in Betracht ziehen. Wir dürfen nicht alle in ein einziges Risiko stürzen. Wir müssen uns splitten, wenn es nötig ist.“
 

„Und was ist mit Dante?“, fragte Damian, der sich nun ebenfalls dem Gespräch anschloss, nachdem er sicher war, dass Dustin versorgt war. „Er ist das wichtigste Ziel für die Regierung. Was, wenn sie ihn holen wollen?“
 

Dante zog unbewusst die Schultern hoch, als er sich die Aufmerksamkeit auf sich zog. Jack sah ihn an, ein kurzer Moment des Verständnisses in seinen Augen, bevor er die anderen beruhigte. „Dante bleibt nicht allein. Wir werden nicht zulassen, dass sie an ihn rankommen. Und wir werden sicherstellen, dass er nie wieder das Gefühl hat, verfolgt zu werden.“
 

Die Gruppe schien für einen Moment zu verschnaufen, aber die Anspannung blieb. Jeder wusste, wie riskant die nächste Phase ihres Plans werden würde.
 

„Gut“ sagte Jack schließlich, nachdem er einen weiteren Moment nachgedacht hatte.
 

„Es gibt keinen perfekten Plan, aber wir müssen sofort handeln. Wir teilen uns auf, jeder in kleinen Gruppen, damit wir uns gegenseitig decken können. Darius, du und Damian werdet mit Aiden und Dante zusammen reisen. Ihr nehmt den Weg über den Wald – er ist nicht weit von hier, und wir haben genug Ressourcen, um euch zu unterstützen.“
 

„Ich werde nicht ohne dich gehen, Jack.“ Aiden sah ihn klar an, er wollte nicht, dass er sich wieder alleine auf den Weg machte. Doch noch ehe Jack auf Aidens Worte eingehen konnte, hörte er Darius sprechen.
 

„Und du?“, ein kritischer Blick in seinen Augen.
 

„Ich werde mit Thomas und Will die andere Route nehmen. Wenn alles gut geht, sollten wir uns an einem sicheren Punkt wieder treffen. Und dann wird die nächste Entscheidung getroffen.“
 

„Nein, du gehst nicht alleine“, meinte Aiden, wurde aber wieder von Darius einfach übergangen. Jack war sein zukünftiger Ehemann, und er hatte verdammt noch mal ein Recht darauf, bei ihm zu bleiben.
 

„Verstanden“, sagte Damian, und obwohl die Besorgnis in seiner Stimme mitschwang, spürte man auch eine Entschlossenheit, die ihn von der Besorgnis der anderen abgrenzte.
 

„Und was passiert, wenn wir doch erwischt werden?“, meldete sich Dante zu Wort, seine Stimme zitterte vor Unsicherheit. „Was passiert dann mit uns?“
 

„Dann kämpfen wir“, antwortete Jack ohne Zögern. „Wir werden nicht einfach aufgeben. Aber wir müssen so schnell wie möglich los.“
 

„Es ist zu riskant!“, gab Damian zu bedenken. „Du weißt, was auf dem Spiel steht. Sie wissen jetzt, dass wir uns in Sicherheit bringen wollen. Sie könnten uns in die Enge treiben.“
 

„Wir nehmen das Risiko“, sagte Jack. „Wir müssen es tun. So schnell es geht.“
 

Der Tag neigte sich gänzlich dem Ende zu, und obwohl der Gedanke an die noch bevorstehenden Herausforderungen in Jacks Kopf brannte, wusste er, dass es jetzt wichtig war, einen Moment der Ruhe zu finden.
 

Sie waren am sichersten im Anwesen von Damian – zumindest für die ersten Tage. Es war der einzige Ort, an dem sie vorerst in relativer Sicherheit waren, auch wenn der Gedanke an die Gefahr draußen sie nie ganz losließ.
 

Als der Dämmerungsschleier die Welt in ein schwarzes Licht tauchte, zogen sich die Männer langsam zurück. Ein seltsames Gefühl der Erleichterung durchzog das Anwesen, auch wenn jeder von ihnen wusste, dass es nur vorübergehend war.
 

Die Geräusche des Hauses – das Knarren der Dielen, das Murmeln aus den anderen Räumen – schienen wie eine entfernte Erinnerung an ein einfacheres Leben, das sie nie wiederhaben würden…

Kapitel 71

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Jack war der letzte, der sich zurückzog. Obwohl es Damians Anwesen war, hatten sie sich darauf geeinigt, dass, solange er da war, er ein wenig mehr auf seinen besten Freund Dustin achten konnte. Doch Jack konnte sich nicht wirklich entspannen.
 

Etwas nagte an ihm, besonders Aiden. Irgendetwas in seinen Augen war anders – die Mischung aus Erleichterung und der Angst, die ihn immer noch fest im Griff hatte.
 

Vor Aidens Tür zögerte er, der Gedanke, was er sagen sollte, verwirrte ihn. Doch dann klopfte er leise.
 

„Aiden?“ Seine Stimme war sanft, doch fest.
 

Ein Moment verging, dann öffnete sich die Tür einen Spalt. Aiden stand dort, seine Augen immer noch von der Erleichterung des Tages erfüllt. Doch als er Jack sah, flackerte eine neue Welle von Emotionen in ihm auf – ein Blick, der zwischen Wut und Verletztheit schwankte.
 

„Jack“, flüsterte Aiden. Seine Stimme war leise, doch die Spannung in ihm war spürbar. Es war klar, dass er immer noch verletzt war, dass er sich von allen übergangen fühlte. Doch er sagte nichts, ließ die Worte unausgesprochen.
 

„Kann ich reinkommen?“, fragte Jack, als er die Bitterkeit in Aidens Augen sah. Es war nicht nur die Erleichterung, die sie vorher geteilt hatten. Aiden wollte mehr, Jack spürte das. Aiden wollte einfach bei ihm sein.
 

Aiden trat zur Seite, und Jack betrat das Zimmer. Es war ein bescheidener Raum, mit wenigen Möbelstücken, aber es strahlte dennoch eine gewisse Geborgenheit aus. Aiden hatte sich bereits umgezogen, die schmutzigen Kleider vom Tag abgelegt, und saß jetzt auf dem Bett, seine Hände in den Schoß gelegt.
 

„Ich wollte nur nach dir sehen“, sagte Jack, setzte sich auf die Kante des Bettes, aber ließ Abstand. Nicht zu nah, aber auch nicht zu weit, vorerst. „Du hast den ganzen Tag stark durchgehalten, Aiden. Aber du weißt, du kannst dich auch mal ausruhen, oder?“
 

Aiden nickte, doch es war offensichtlich, dass er mehr wollte. Die Erleichterung des Tages konnte die wachsende Wut und die Unsicherheit in ihm nicht vertreiben. „Ich… weiß, dass ich stark sein muss“, sagte er, seine Stimme zitterte leicht. „Aber es fühlt sich an, als würde alles immer näher rücken. Die Gefahr. Die Regierung. Ich habe solche Angst…“
 

Jack sah ihn an, sein Mitgefühl war unverkennbar. „Du musst keine Angst haben, Aiden. Ich bin hier. Ich werde dich nicht im Stich lassen.“ Die Worte waren ein Versprechen, das tief in Aiden eindrang, doch der junge Mann schien sich nicht ganz beruhigen zu können.
 

„Ich vertraue dir, Jack“, sagte Aiden dann leise, fast zaghaft. Und doch lag in seinen Worten eine Entschlossenheit, die Jack aufrüttelte. „Aber ich will einfach nicht mehr allein sein...“
 

Jack spürte, wie ihm das Herz schwer wurde. Es war mehr als nur das Bedürfnis nach Sicherheit, das Aiden da ausdrückte. Aiden sehnte sich nach Nähe, nach einem Halt, der in dieser Welt immer seltener zu finden war. Und Jack wusste, dass er dieser Halt war, den Aiden so dringend brauchte.
 

„Du bist nicht allein, Aiden“, sagte Jack sanft und zog Aidens Hand zu sich. „Ich werde dich immer beschützen. Du wirst nie wieder allein sein.“
 

Die Worte schienen Aiden zu beruhigen, auch wenn er sich noch immer unbehaglich fühlte. „Ich weiß nicht, was die Weltregierung von uns will, Jack“, sagte er nach einer Pause, seine Stimme wieder unsicher. „Warum sind wir plötzlich so wichtig? Was passiert, wenn wir sie nicht aufhalten können?“
 

„Wir werden sie aufhalten“, antwortete Jack ohne Zögern, fest in seiner Überzeugung. „Wir haben keine Wahl. Aber jetzt zählt nur das Hier und Jetzt. Du... du bist das Wichtigste.“
 

Aiden sah ihn an, und für einen Moment überzog Dankbarkeit sein Gesicht. Doch dann, fast vorsichtig, fragte er: „Was wird aus uns, Jack? Was passiert mit uns beiden?“
 

Jack blickte ihm tief in die Augen. Die Stille zwischen ihnen war laut, doch er wusste, dass die Antwort auf diese Frage keine einfachen Worte fanden. „Was auch immer passiert, Aiden… Du wirst nie allein sein. Ich werde bei dir sein. Was auch immer die Zukunft bringt.“
 

Für einen Moment schien die Welt stillzustehen. Die Gefahr war da, doch sie hatten sich gegenseitig. Und das war alles, was Jack in diesem Moment brauchte – Aiden an seiner Seite zu wissen, sicher, auch wenn draußen die Unsicherheit lauerte...

Kapitel 72

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Jack spürte den Moment der Nähe wie einen elektrischen Impuls, der zwischen ihnen vibrierte. Die Anspannung war greifbar, und das Bedürfnis, Aiden mehr als nur mit Worten zu beruhigen, wurde übermächtig. Als ihre Blicke sich trafen, schien die Welt für einen Moment stillzustehen – nur sie beide existierten in diesem Raum, in diesem Augenblick.
 

Ohne Vorwarnung legte Jack seine Hand an Aidens Nacken, zog ihn sanft zu sich heran und raunte ihm mit einer Intensität ins Ohr, die keinen Zweifel ließ: „Lass mich dir zeigen, wie sehr ich dich will...“ Die Worte waren leise, kaum mehr als ein Flüstern, das allein für Aiden bestimmt war. Sein Körper antwortete sofort – eine stille, unausgesprochene Zustimmung, die Jack spürte, ohne dass ein weiteres Wort fallen musste.
 

Der Raum um sie herum verschwand. Alles, was zählte, war die Verbindung zwischen ihnen, die sich in jedem Blick, jeder Berührung vertiefte. Jack zog ihn näher, ließ keine Distanz mehr zwischen ihnen zu, und ihre Lippen fanden einander.
 

Der Kuss war kein zaghaftes Herantasten, sondern ein Versprechen, tief und bedeutungsschwer. Aidens Hände vergruben sich in Jacks Haar, hielten ihn fest, als wolle er sicherstellen, dass dieser Moment ewig andauerte.
 

Jack zog sich nicht zurück. Stattdessen rutschte er weiter zwischen Aidens Beine, der diese bereitwillig öffnete, um sich auf ihn zu legen. Es war, als wolle er sich ganz in ihm verlieren, als wolle er Aiden durch diese Verbindung alles geben, was er hatte.
 

Jack zog Aiden sanft zurück, nur um ihm einen weiteren Kuss auf die Stirn zu geben, bevor er seine Stirn gegen, die des jungen Mannes lehnte. „Ich werde dich nie allein lassen“, raunte er, diesmal noch leiser, sodass die Worte allein für Aiden bestimmt blieben.
 

Aidens Körper entspannte sich, seine Atmung wurde ruhiger, und er ließ sich vollends in Jacks Armen nieder. Die Worte hallten in ihm nach, nicht als bloße Aussage, sondern als ein unauslöschliches Versprechen.
 

Die Nähe zwischen ihnen war fast überwältigend. Jack fuhr mit seinen Händen an Aidens Seiten entlang, jede Berührung sanft, aber zielgerichtet. Es war, als würde er ihm durch jede Geste sagen: „Du bist sicher. Bei mir.“ Aidens Körper reagierte unwillkürlich, als ob er bereit wäre, sich Jacks Schutz und Zuneigung vollkommen hinzugeben.
 

Jack zog sich ein Stück zurück, sah Aiden tief in die Augen und sprach mit einer Ruhe, die aus der Tiefe seines Wesens kam: „Ich weiß, dass wir einen langen Weg vor uns haben. Aber ich will, dass du weißt, dass es für mich mehr ist als nur Pflicht. Du bist mehr für mich.“ Seine Stimme war leise, fast ein Flüstern, das den Moment nur umso gewichtiger machte.
 

„Aiden“, begann Jack dann, seine Stimme ruhig und bestimmend, „ich weiß nicht, wie diese Situation für uns enden wird...“ Die Worte hingen schwer in der Luft. „Ich weiß nicht…ob ich lebend aus der Sache herauskomme, daher muss ich dich einfach fragen…“
 

Aiden sah ihn an, seine Augen unsicher, aber zugleich voller Vertrauen. Jack konnte die unausgesprochene Frage in seinen Augen sehen, und in diesem Augenblick wollte er keine Zweifel mehr lassen.
 

Mit einer letzten, fast unmerklichen Bewegung ließ Jack seine Lippen an Aidens Ohr gleiten und flüsterte so leise, dass die Worte nur für ihn bestimmt waren. Es war kein Zweifel, sondern ein Bekenntnis, das Aiden in einen stillen Moment der Erkenntnis versetzte.
 

„Du… willst mich wirklich…?“ Aiden zögerte einen Moment, doch als er in Jacks Augen blickte, konnte er keine Unsicherheit mehr sehen. Er war nicht mehr der gleiche junge Mann wie noch vor Tagen. Die Liebe zu Jack war stark und klarer als alles, was er je gefühlt hatte.
 

„Ja, Aiden. Du hast mich schon richtig verstanden.“ Jacks Stimme war fest, aber von einer Wärme durchzogen, die Aiden tief berührte.
 

Aiden sah ihm tief in die Augen, als ob er in diesem Moment ganz sicher sein musste, dass Jack ihn nicht verarschte. Doch dann wusste er, dass er bereit war. „Ja“, flüsterte er schließlich, „Ja...“ seine Stimme sicher, auch wenn er sich noch nie so verletzlich gefühlt hatte.
 

Die Worte fielen, und Aiden spürte eine Last von seinen Schultern fallen. Er war nicht mehr der gleiche junge Mann, der voller Ängste und Zweifel war. In Jack hatte er nicht nur einen Partner gefunden, sondern einen festen Anker, der ihm half, seinen eigenen Platz in der Welt zu finden.
 

Jack zog ihn sofort an sich, seine Hände pressten sich auf Aidens Hintern, als er ihn in einen Kuss zog – fest, leidenschaftlich, als ob er nie mehr loslassen wollte. Es war nicht nur ein Kuss, sondern ein Versprechen, eine Verbindung, die sich in ihrer Intensität nur weiter vertiefte.
 

Aiden spürte Jacks Nähe, die Wärme, die ihn durchflutete, und wusste, dass er sich ihm ganz hingeben würde. In Jack fand er nicht nur Sicherheit, sondern auch Liebe und Begleitung. Die Welt mochte sich verändern, doch in diesem Moment war es nur noch er und Jack.
 

Als der Kuss schließlich endete, atmete Aiden tief ein, der Moment noch immer in ihm nachklingend. „Ich… will dich, Jack“, flüsterte er, als er in Jacks Augen blickte. Und in diesem Moment wusste er, dass er bereit war für alles, was vor ihnen lag. Die Zukunft, das Ungewisse – es schien nicht mehr so beängstigend, wenn Jack an seiner Seite war.
 

Es war der Beginn von etwas Neuem, einer Verbindung, die weit über das hinausging, was sie sich jemals hätten vorstellen können. Und so wie er in diesem Moment in Jacks Armen lag, wusste Aiden tief in seinem Herzen, dass er sich ihm hingeben würde – nicht nur jetzt, sondern für immer…

Kapitel 73

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Die Nacht im Anwesen war ruhig, aber für Darius, der in Damians Armen lag, war es ein Moment, in dem sich viele Gedanken überschlagen hatten. Er hatte sich nach dem kurzen Blick auf Dustin und den kleinen Ed gefragt, wie alles weitergehen würde.
 

Die Frage nach der Zukunft, nach dem, was noch kommen konnte, quälte ihn, auch wenn er wusste, dass er in Damians vertrauten Händen war. Der Gedanke daran, wie es weitergehen würde – wie es mit Damian weitergehen würde – ließ ihn an die vergangenen Tage und die Momente zurückblicken, die er mit ihm geteilt hatte.
 

„Damian“, begann Darius vorsichtig, als er sich in Damiani Arme kuschelte und die Wärme seiner Nähe spürte, „wie habt ihr es damals geschafft, so beste Freunde zu werden?“
 

Damian, der sich ebenfalls entspannt hatte, sah Darius mit einem Blick an, der die Fragen schon verstand, bevor sie ausgesprochen wurden. „Es war im Kindergarten“, begann Damian mit einem Schmunzeln, als er in Erinnerungen schwelgte. „Ich erinnere mich noch gut daran – Dustin und ich saßen im Sandkasten, bauten Burgen, und irgendwie… irgendwie fanden wir uns gegenseitig.“
 

Darius hörte aufmerksam zu, eine kleine Freude über die Geschichte in sich wachsend, als Damian fortfuhr: „Es war damals eine Zeit, in der wir beide keine Ahnung hatten, was es wirklich bedeutete, miteinander befreundet zu sein. Doch irgendwie fanden wir immer wieder zu uns, auch wenn wir unterschiedliche Welten hatten. Und schließlich wurden wir beste Freunde – auch, wenn es manchmal nicht so leicht war.“
 

Das Gespräch war gerade in einem Moment der Intimität und Erinnerung vertieft, als plötzlich das leise, aber unmissverständliche Stöhnen von Aiden aus dem oberen Stockwerk zu hören war.
 

Es hallte durch das Anwesen, und obwohl es eine leise, verhaltene Geräuschkulisse war, war es klar, was genau geschah. Aiden, und sicherlich Jack, waren in einem Moment der körperlichen Nähe, und Darius, der den Klanganfall hörte, erschrak plötzlich.
 

Der Gedanke, dass es Aiden war – und Jack, der wohl verantwortlich war – brachte eine hitzige Röte auf Darius‘ Gesicht. Es war ein Moment, der ihn an sich selbst erinnerte, in dem er und Damian sich vertragen hatten und ihre Beziehung sich intensivierte.
 

Ein kleines, verlegenes Lächeln stieg in ihm auf, als er sich plötzlich daran erinnerte, wie Damian ihn mit einer Leidenschaft gefüllt hatte. Es war eine Erinnerung, die sowohl angenehm als auch leicht peinlich war.
 

„Oh...“, murmelte Darius, das Stöhnen von Aiden immer noch in seinem Ohr klingend. Er fühlte sich ein wenig überfordert von der Situation, das Gefühl, sich selbst in so einem Moment zu erkennen und in Erinnerung zu schwelgen, ließ ihn erröten.
 

Doch der Gedanke an Jack und Aiden, wie sie sich in diesem Moment ineinander verloren hatten, brachte ein zartes, fast verlegenes Lächeln auf Darius‘ Gesicht. Es war eine Erinnerung an die eigene Verbindung, die noch immer tief in ihm lebte.
 

„Vielleicht sollten wir das Thema wechseln“, sagte Darius mit einem kleinen, scheuen Blick zu Damian, der ihm einen amüsierten, aber fürsorglichen Blick zuwarf.
 

Damian lachte leise. „Ja, das ist wohl besser.“ Doch auch er konnte nicht ganz verhindern, dass er an ihre eigenen Momente dachte, als das Stöhnen und das leise Geräusch des Verlangens noch in der Luft schwebte.
 

Damian konnte sich das Schmunzeln nicht verkneifen, als er Darius in seinen Armen hielt und der Gedanke an Jack und Aiden durch den Raum schlich. „Jack fackelt echt nicht lange…“ sagte er leise, ein amüsiertes Glitzern in seinen Augen.
 

Es war ein Moment der Lockerheit, in dem die Anspannung der letzten Stunden kurz beiseitegeschoben wurde. Doch auch er wusste, dass es nur ein flüchtiger Moment war, der nicht über die Realität hinwegtäuschte.
 

Darius lachte leise, auch wenn es nicht ganz ohne eine Spur von Verlegenheit war. „Das ist Jack“, antwortete er mit einem leichten Grinsen, aber auch eine gewisse Wärme in seiner Stimme. Jack hatte immer eine direkte Art an sich gehabt, besonders wenn es um Aiden ging. Doch diese Leichtigkeit war schnell vergessen, als die beiden sich wieder der Realität des Moments zuwandten.
 

Denn auch wenn sie im Moment Ruhe fanden, gab es draußen eine ständige Bedrohung. Die Gefahr war nie weit entfernt, und Darius war sich bewusst, dass ihre Sicherheit alles andere als garantiert war.
 

„Aber du hast recht. Es ist ein Moment des Friedens. Wir sollten ihn genießen, solange wir können.“ Darius’ Worte waren nachdenklich, und als er sich ein Stück zurückzog, blickte er zu Damian auf. Doch die Gedanken drehten sich immer wieder um das, was noch bevorstand.
 

In der Ferne, nicht weit vom Anwesen, schlichen sich dunkle Wolken heran. Taylor und Graham Brook waren unterwegs – und sie waren näher, als es Jack und die anderen realisierten.
 

Noch lagen etwa drei Fahrstunden zwischen ihnen und dem Anwesen, aber die Unsicherheit darüber, was sie erwartete, nagte an allen. Wer wusste schon, was passieren würde, wenn sie endlich ankamen? Was, wenn die Gefahr sie schneller einholte als erwartet?
 

Damian, der die besorgte Stimmung seines Mannes spürte, zog ihn noch näher an sich, als ob er ihn vor der unbekannten Bedrohung schützen wollte. „Du machst dir zu viele Sorgen“, sagte er ruhig und versuchte, Darius ein wenig zu beruhigen. „Wir wissen, was auf uns zukommt, und wir haben uns alle immer gegenseitig beschützt. So wird es auch jetzt sein.“
 

Darius nickte, aber die Unruhe blieb in ihm. Er wusste, dass sie auf der Uhr waren und dass keine Zeit zu verlieren war. Und obwohl die Nähe zu Damian in diesem Moment eine gewisse Ruhe brachte, wusste er auch, dass sie immer in Bewegung bleiben mussten, um sich und die anderen zu schützen.
 

„Ich hoffe, du hast recht“, murmelte Darius, bevor er sich wieder in Damians Armen vergrub, der ihn festhielt. Sie konnten die Gedanken nicht abschütteln, die ihnen durch den Kopf schwirrten – die Gefahr, die in der Luft lag, und das, was vor ihnen lag.
 

Aber für den Moment war es ein stilles Versprechen: Egal, was noch kam, sie würden sich nicht auseinanderreißen lassen. Sie würden zusammenhalten – immer…

Kapitel 74

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Der Regen prasselte unaufhörlich gegen die Windschutzscheibe, während das Fahrzeug die kurvige, schlecht beleuchtete Straße hinaufrollte. Taylor saß konzentriert am Steuer, seine Hände fest um das Lenkrad geschlossen, die Stirn gerunzelt.
 

Neben ihm saß Graham, dessen Blick sich immer wieder zwischen der Dunkelheit draußen und dem Gewehr in seinem Schoß bewegte.
 

„Wie weit noch?“ Grahams Stimme war leise, aber scharf genug, um die Stille im Wagen zu durchbrechen.
 

„Keine zwei Kilometer“, antwortete Taylor. Seine Augen blieben fest auf die Straße gerichtet, die im schwachen Licht des Autoscheinwerfers kaum erkennbar war. „Das Anwesen von Damian McKinley liegt direkt hinter dem nächsten Hügel. Wenn sie glauben, dass sie uns entkommen können, irren sie sich gewaltig.“
 

Graham schnaubte, sein Blick wanderte nach draußen. „Glaubst du wirklich, sie wissen nicht, dass wir kommen? Sie sind nicht dumm, Taylor.“
 

Taylor zuckte mit den Schultern, ohne ihn anzusehen. „Vielleicht wissen sie es. Aber das macht keinen Unterschied. Das Spiel ist für sie ohnehin verloren.“
 

Ein kaltes Schweigen breitete sich im Wagen aus, nur unterbrochen vom rhythmischen Klatschen des Regens. Graham war sich nicht sicher, ob er Taylors Zuversicht teilen konnte. Sie waren beide erfahrene Männer, die genug Einsätze hinter sich hatten, um zu wissen, dass Selbstsicherheit oft zur größten Schwäche wurde.
 

„Was ist, wenn sie vorbereitet sind?“ Grahams Stimme war ruhig, doch sie verriet eine unterschwellige Skepsis.
 

„Dann wird es umso interessanter.“ Taylor warf ihm einen kurzen Seitenblick zu, bevor er seinen Fokus wieder auf die Straße richtete. „Aber sie sind nicht vorbereitet. Sie denken, sie hätten genug Zeit gehabt, uns abzuschütteln. Das ist ihr Fehler.“
 

Graham lehnte sich zurück, doch die Anspannung in seinem Körper blieb. Er wusste, dass sie nicht nur mit dem Anwesen ein Risiko eingingen. Ihre gesamte Mission war ein Drahtseilakt – ein perfides Spiel, das sie mit der Weltregierung trieben.
 

Die beiden Männer spielten seit Jahren ein doppeltes Spiel. Offiziell dienten sie der Regierung, lieferten Omegas aus und schafften sie zu den streng bewachten Einrichtungen. Was dann mit ihnen geschah, kümmerte die meisten nicht – sie galten als Eigentum, nicht als Menschen. Aber Taylor und Graham hatten eigene Ziele. Sie spielten nicht für die Weltregierung, sondern für sich selbst.
 

„Und was genau tun wir, wenn wir das Omega haben?“ Grahams Frage war absichtlich scharf formuliert.
 

Taylor lächelte dünn. „Das, was wir immer tun. Wir liefern, was wir brauchen, und behalten, was uns weiterbringt. Aber unser Hauptziel bleibt. Das Omega ist der Schlüssel zu allem.“
 

„Und was, wenn die anderen Männer uns Probleme machen?“
 

Taylor hielt den Wagen an einer versteckten Stelle am Straßenrand an und schaltete die Scheinwerfer aus. Der Motor verstummte, und das Geräusch des Regens trat deutlicher hervor. „Dann machen wir es wie immer: Wir eliminieren die Probleme, bevor sie größer werden.“
 

Graham warf ihm einen Blick zu, der gleichzeitig Zustimmung und Misstrauen ausdrückte. Sie hatten schon viele Missionen gemeinsam durchgestanden, doch Graham konnte sich nicht daran erinnern, wann Taylor je so entschlossen – oder so skrupellos – gewesen war.
 

„Die Weltregierung würde uns für Verräter halten, wenn sie wüsste, was wir wirklich tun“, murmelte Graham, als er die Tür öffnete und in die kalte Nacht hinaustrat.
 

Taylor zuckte mit den Schultern und folgte ihm. „Sie wissen es nicht. Und sie werden es auch nie erfahren. Solange wir unsere Lieferungen abgeben, stellen sie keine Fragen.“
 

Die beiden Männer bewegten sich lautlos durch das Unterholz, das Anwesen immer im Blick. Es war ein beeindruckendes Gebäude, eine Festung, die sich dunkel gegen den bewölkten Himmel abhob. Doch Taylor sah keine Festung – er sah eine Gelegenheit.
 

„Wenn sie wüssten, wie nah wir sind, hätten sie längst die Flucht ergriffen“, murmelte Taylor, während er eine Karte hervorholte und die Umgebung musterte.
 

„Und wenn sie doch wissen, dass wir kommen?“ Grahams Stimme war angespannt, aber nicht unsicher.
 

„Dann bedeutet das nur, dass sie dümmer sind, als ich dachte“, erwiderte Taylor mit einem kalten Lächeln. „Ihr Glaube an Sicherheit wird ihr Untergang sein.“
 

Die Männer näherten sich dem Anwesen weiter, ihre Bewegungen leise und präzise. Taylor blieb stehen und deutete auf eine Seitentür. „Hier gehen wir rein. Keine Fehler, keine Zögern. Wenn wir das Omega finden, holen wir es uns. Alles andere ist unwichtig.“
 

Graham sah ihn an, doch seine Gedanken waren bei den anderen Männern im Anwesen. Was, wenn sie eine Falle vorbereitet hatten? Was, wenn sie nicht so überrascht waren, wie Taylor glaubte?
 

„Und was, wenn wir herausfinden, dass das Omega nicht hier ist?“ Grahams Frage hing schwer in der Luft.
 

„Dann machen wir es wie immer: Wir passen den Plan an“, sagte Taylor ruhig. „Aber eines ist sicher: Wir lassen uns nicht aufhalten. Nicht von ihnen, nicht von der Weltregierung und schon gar nicht von unseren Zweifeln.“
 

Graham konnte nicht sagen, ob Taylors Selbstvertrauen ansteckend oder beunruhigend war. Aber eines wusste er: Der Mann, der neben ihm stand, war bereit, alles zu tun, um sein Ziel zu erreichen – selbst wenn das bedeutete, alles zu riskieren.
 

Die Dunkelheit umhüllte sie, als sie sich dem Anwesen näherten. Die Nacht würde entscheiden, wer dieses Spiel gewinnen würde – und wer am Ende zurückblieb…

Kapitel 75

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Mit schnellen Schritten durch die Dunkelheit, hatten sie ein klares Ziel vor Augen: Sie wollten Dante, den jungen Omega, der immer noch von den anderen als unschuldig und schutzbedürftig angesehen wurde. Sie ahnten noch nicht, dass sie auf einem viel größeren Schatz stoßen würden, als sie es sich jemals erträumt hätten.
 

„Wenn wir Dante finden, haben wir alles, was wir brauchen“, flüsterte Graham, „Dieser Omega ist wertvoll.“

„Der Junge ist der Schlüssel, für unser Plan“, antwortete Taylor, der den Blick fest auf sein Ziel richtete. „Aber was, wenn sie uns einen Trick spielen? Es könnte sein, dass sie Dante nur als Köder benutzen.“
 

„Dann wird es umso einfacher“, sagte Graham, seine Augen blitzten. „Aber das ist unser Ziel. Wenn wir Dante bekommen, können wir vielleicht auch hoffen, dass sich noch ein anderer Omega in dem Anwesen aufhält.“
 

Der Gedanke daran, wie viel Macht sie mit der Ergreifung von Dante erlangen würden, ließ Taylor noch entschlossener werden. Sie hätten nicht nur Dante, sondern auch noch einen anderen Omega. Diese junge Generation von Omegas würde nicht nur ein Vermögen einbringen, sondern auch als Schlüssel zu etwas viel Größerem dienen – vielleicht sogar zu einem politischen Spiel, das die Weltregierung in ihren Fängen halten würde.
 

„Wenn wir sie alle kriegen …“, begann Graham, doch seine Stimme brach ab, als er Taylor ansah. „Es könnte alles verändern. Wir könnten die Weltregierung destabilisieren, aber auch viel Feinde auf uns ziehen.“
 

„Feinde?“, wiederholte Taylor mit einem gefährlichen Lächeln. „Feinde sind nur ein weiteres Hindernis, das wir aus dem Weg räumen müssen. Wenn wir die Kontrolle über die Omegas haben, haben wir die Macht. Und wenn die Weltregierung das weiß, dann sind wir die Gewinner.“
 

Während sie sich weiter dem Ziel näherten, waren sie sich der Gefahr kaum bewusst. Keiner der beiden wusste, dass nicht nur Dante dort war, sondern auch Aiden und Darius, die sich dort in Sicherheit wähnten, ebenso wie der kleine Ed. Das Anwesen war alles andere als sicher, doch für die Zeit waren sie dort, geschützt vor der Welt, die sie als Ziel betrachtet hatte.
 

Taylor und Graham hatten den Plan ausgeklügelt, Dante zu fangen, ohne sich der Tragweite ihrer Jagd bewusst zu sein. Sie hatten keine Ahnung, dass sich in diesem Anwesen noch viel mehr verbarg als nur der Omega, den sie suchten. Sie würden auf einen goldenen Fund stoßen – und es war nicht nur der wertvolle Omega, den sie sich erhofft hatten.
 

„Wir müssen vorsichtig sein“, sagte Taylor. „Keiner darf wissen, dass wir hier sind, bis es zu spät ist.“
 

„Bereit“ sagte Graham. „Es wird eine lange Nacht.“
 

Sie schlichen weiter, ihre Schritte leise und bedacht, als sie sich um das Anwesen herumbewegten. Sie wussten, dass jeder Fehler jetzt ihr letzter sein könnte. Doch der Gedanke an den Gewinn, der vor ihnen lag – trieb sie voran. Sie mussten nur einen Moment lang unbemerkt bleiben, dann würden sie ihre Beute sicher in den Händen halten.
 

„Wenn wir Glück haben, können wir in die unteren Stockwerke gelangen, ohne bemerkt zu werden.“
 

„Komm, wir gehen“, antwortete Taylor, seine Stimme ruhig, aber mit einer Entschlossenheit, die ihm fast unheimlich schien. „Dante ist nicht weit. Wir nehmen, was wir brauchen und verschwinden dann.“
 

Taylor hatte alles im Blick, von den Wachen auf dem Gelände bis hin zu den Lichtquellen, die potenziell ihren Plan verraten könnten. Doch das Anwesen war groß und die Nacht noch jung – die Zeit war auf ihrer Seite, zumindest für den Moment...

Kapitel 76

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Die beiden Männer kamen schließlich an, und Taylor hielt einen Moment lang inne, um den Bereich zu inspizieren. „Sieht aus, als wären wir allein. Keine Kameras, keine Wachen, die hier patrouillieren“, murmelte er. „Jetzt müssen wir uns beeilen.“
 

Mit einem schnellen Blick über die Schulter, um sicherzugehen, dass sie nicht beobachtet wurden, drückte er die Tür auf, die leise und unscheinbar war, aber den Zugang zum Gebäude ermöglichte.
 

Der Eingang führte sie in einen langen, schwach beleuchteten Korridor, dessen Wände mit teuren Gemälden und edlen Möbeln geschmückt waren – ein sicheres Zeichen für den Wohlstand der Familie, die hier lebte. Doch für Taylor und Graham war dies nur der Weg zu ihrem Ziel, nichts anderes. Ihre Schritte hallten leise auf dem Marmorboden, die Atmosphäre fühlte sich fast zu still an, und die Dunkelheit schien den Raum zu umarmen.
 

Auf dem Weg begegneten sie einer kleinen Babykatze, die sie jedoch nur mit einem flüchtigen Blick beachteten. Sie war irrelevant. Nur die Jagd auf Dante zählte.
 

„Das Zimmer, in dem sie ihn verstecken, sollte im ersten Stock sein“, sagte Graham, als er den Plan durchging, den sie für ihre Infiltration entwickelt hatten. „Wir müssen nur sicherstellen, dass wir nicht auf jemanden treffen.“
 

„Bleib ruhig“, antwortete Taylor, zog sein Messer aus der Tasche und schob es mit geübter Hand unter den Ärmel. „Wir holen ihn uns, und dann verschwinden wir wieder, ohne eine Spur zu hinterlassen.“
 

Sie schlichen weiter durch das Gebäude, vorbei an teuren Möbeln und reich verzierten Wänden, die den Eindruck von Luxus und Macht vermittelten. Doch je näher sie dem Ziel kamen, desto gespannter wurden sie. Wer wusste, wie gut Damian McKinley das Anwesen geschützt hatte – er hatte nicht nur Wachen, sondern vielleicht auch Fallen aufgestellt, um Eindringlinge zu fangen.
 

Als sie die Treppe erreichten, mussten sie ihre Schritte noch mehr dämpfen. Jeder zu laute Ton könnte ihre Position verraten und ihre gesamte Mission gefährden. Langsam, fast unmerklich, schlichen sie sich den Flur entlang, bis sie vor einem Raum standen, der genau das zu sein schien, was sie suchten.
 

„Dante“, murmelte Taylor, als er sich die Tür ansah. Es war der Raum, in dem er sicher war, dass der junge Omega sich aufhielt. Doch bevor sie die Tür öffnen konnten, hörten sie ein leises Geräusch hinter sich. Ein unruhiges Flüstern, dann Schritte – Wachen, die auf Patrouille waren.
 

„Schnell“ flüsterte Taylor, als er sich hinter einem Vorhang versteckte. Graham tat es ihm gleich, und sie warteten, bis die Schritte wieder verklangen. Die Spannung in der Luft war greifbar, und ihre Herzen pochten im Einklang mit der Gefahr, die sie umgab.
 

Doch was sie nicht wussten – während sie sich auf Dante konzentrierten – Ihre Jagd nach Dante könnte nicht nur ihre Pläne zunichtemachen, sondern auch die größte Herausforderung für sie darstellen.
 

„Da“ flüsterte Graham, als die Wachen in die entgegengesetzte Richtung gingen. „Jetzt oder nie.“
 

Sie nahmen den letzten Schritt, öffneten die Tür zu Dantes Zimmer und fanden sich plötzlich nicht nur vor dem Omega, sondern auch vor einer Situation, die sie nicht erwartet hatten – eine, die ihre gesamte Mission auf den Kopf stellen würde.
 

Als Taylor und Graham die Tür langsam öffneten, fanden sie sich zunächst in einem schwach beleuchteten Raum wieder, der mit wenigen Möbeln und persönlichen Gegenständen ausgestattet war. Es roch nach frischem Parfüm und etwas anderem – vertrautem. Etwas, das sie nicht sofort einordnen konnten. Und dann wurde es klar: Der Raum war leer. Dante war nicht hier.
 

„Er ist nicht hier“, murmelte Taylor, seine Stirn in Falten gelegt. „Wo ist er?“
 

Graham, der bereits die Wände nach möglichen Geheimtüren oder Verstecken absuchte, schüttelte den Kopf. „Er muss irgendwo in der Nähe sein. Wir haben ihn nicht verpasst. Such weiter.“
 

Während sie sich durch das Dunkel tasteten, hörten sie plötzlich Schritte näherkommen – leise, aber eindeutig. Die Gefahr, entdeckt zu werden, war hoch. Taylor hielt Graham an, und sie duckten sich hinter einem dicken Vorhang, der das Fenster verbarg. Die Schritte kamen näher, und der Herzschlag der beiden Männer wurde schneller, als sie darauf warteten, dass die Wachen vorbeigingen.
 

„Das war knapp“, flüsterte Graham, als die Schritte verstummten und sich wieder entfernten.
 

„Ja“, antwortete Taylor und ließ einen leisen, frustrierten Atemzug entweichen. „Aber es ist noch nicht vorbei. Wir müssen Dante finden, bevor sie uns erwischen. Lass uns nach unten gehen und den Rest des Hauses absuchen.“
 

Die beiden Männer verließen das Zimmer so leise, wie sie gekommen waren, und begaben sich auf den Weg durch das Anwesen.
 

Währenddessen in einem anderen Teil des Hauses war Aiden immer noch mit Jack in einem Raum, die beiden versunken in ihrer eigenen Welt. Aiden lag in den Armen von Jack, der ihn einfach nur beschützen wollte. Er liebte diesen Jungen, und um nichts in der Welt würde er ihn noch hergeben.
 

Doch der Frieden war trügerisch. Darius und Damian, die sich am anderen Ende des Hauses befanden, hatten die unheimliche Stille bemerkt und tauschten besorgte Blicke.
 

„Etwas stimmt hier nicht“, sagte Darius leise, als er immer noch in Damians Armen lag. „Die Luft fühlt sich seltsam an. Ich spüre diese Bedrohung, als ob wir nicht allein wären.“
 

Damian nickte und griff nach seiner Waffe, die er immer bei sich trug, als er sich nur anzog und Darius es ihm gleichtat. „Ich habe das Gefühl, dass wir beobachtet werden. Aber wer?“
 

„Vielleicht ist es der geheimnisvolle Feind, der uns verfolgt“, antwortete Darius, „Oder vielleicht ist es jemand anderes, der uns in Gefahr bringen könnte. Wir müssen vorbereitet sein.“
 

Gleichzeitig bemerkte Aiden im Zimmer etwas, das ihm seltsam vorkam. „Jack…“, flüsterte er, als er die gespannte Atmosphäre im Haus bemerkte. „Etwas ist nicht in Ordnung. Ich fühle mich… beobachtet.“
 

Jack blickte Aiden aufmerksam an, und der Ausdruck in seinen Augen veränderte sich. „Hast du etwas bemerkt, Aiden?“
 

„Ich… ich weiß nicht. Irgendetwas stimmt nicht“, sagte Aiden, seine Stimme leise und unsicher.
 

„Wir sollten vorsichtig sein“, sagte Jack und zog Aiden näher zu sich. „Bleib bei mir, es gibt keine Zeit, sich allein zu bewegen. Wenn wir hier einen Angriff erwarten, müssen wir sicherstellen, dass alle in Sicherheit sind.“
 

Doch während sie sich auf das Unbekannte vorbereiteten, war die Jagd nach Dante noch lange nicht vorbei. Die Bedrohung, die sich näherte, war jetzt mehr als nur eine körperliche Gefahr – es war ein Kampf um das Überleben, den niemand vorhersehen konnte.
 

Die Frage war nicht mehr, ob sie Dante finden würden – es war, was passieren würde, wenn sie es taten und mit ihm die Wahrheit entdeckten, die das ganze Anwesen und alle, die es beherbergten, gefährden könnte.
 

Und so setzte sich die Spannung im Anwesen fort, während Taylor und Graham, ohne es zu wissen, in das Herz einer größeren, noch gefährlicheren Verschwörung eindrangen…

Kapitel 77

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Während Taylor und Graham weiterhin durch das Anwesen schlichen, spürten sie, wie sich die Spannung in der Luft verdichtete. Ihre Schritte waren vorsichtig, jeder Geräuschschnipsel ließ sie innehalten und den Raum auf mögliche Bedrohungen absuchen. Die beiden Männer waren sich der Gefahr bewusst, die sie heraufbeschworen hatten, doch der Wunsch nach Dante trieb sie weiter.
 

„Wir müssen Dante finden, bevor wir das ganze Haus durchsucht haben“, flüsterte Taylor, als er in die Nähe einer Treppe kam, die in den oberen Bereich des Anwesens führte. „Es wird nur eine Frage der Zeit sein, bis sie uns bemerken.“
 

„Dann machen wir Schluss mit der Suche und holen uns, was wir brauchen“, antwortete Graham knapp, als er die Tür zu einem Raum öffnete. Doch was er sah, ließ seine Kehle wie zugeschnürt wirken. Anstatt den erhofften Omega Dante vorzufinden, standen sie vor einem Raum voller Überwachungsmonitore, die die Bewegungen im gesamten Anwesen zeigten.
 

„Verdammt“, fluchte Taylor, als er die Situation begriff. „Wir sind nicht allein. Sie haben uns längst auf dem Schirm.“
 

Es war klar, dass jemand sie beobachtete, dass der Angriff auf das Anwesen nicht unbemerkt geblieben war. Die Wachen würden bald hier sein, und sie mussten eine Entscheidung treffen: Bleiben und kämpfen oder sofort fliehen.
 

„Wir können nicht hierbleiben“, sagte Graham mit eisiger Entschlossenheit. „Wenn sie wissen, dass wir hier sind, wird es keine Möglichkeit mehr geben, Dante zu bekommen.“
 

„Und was ist mit den anderen?“ fragte Taylor, der einen Moment zögerte. Da er glaubte, noch mehr Omegas hier antreffen zu können. Die sie einsammeln könnten.
 

„Wir holen uns Dante, und dann verschwinden wir“, antwortete Graham. „Alles andere wird warten.“
 

Schnell verließen sie den Raum und schlichen sich in den Flur, doch ihre Bewegungen waren nicht mehr so leise wie zuvor. Das Haus, das vor wenigen Stunden noch eine sichere Zuflucht zu sein schien, war jetzt der Ort eines gefährlichen Spiels geworden.
 

Die Gefahr lauerte an jeder Ecke, und je mehr Zeit sie im Anwesen verbrachten, desto wahrscheinlicher wurde es, dass die anderen sie entdeckten.
 

Doch noch immer war nicht klar, wie tief die Bedrohung tatsächlich ging. In einem anderen Teil des Hauses versuchten Darius und Damian, die Situation zu überblicken. Sie spürten, dass etwas nicht stimmte – und es war nicht nur die wachsende Gefahr, sondern auch das Gefühl, dass sie sich in einem Netz aus Geheimnissen verfangen hatten, dass sich immer enger zusammenzog.
 

„Ich kann nicht genau sagen, was es ist, aber ich habe das Gefühl, dass wir in Gefahr sind“, sagte Darius, als er neben Damian stand und die Lage beobachtete.
 

„Ich auch“, erwiderte Damian, seine Stimme ruhig, aber mit einem entschlossenen Unterton. „Wir müssen wissen, was hier vor sich geht.“
 

Das ganze Anwesen war eine potenzielle Falle, und in diesem Moment war es klar, dass sie nicht nur gegen die Gefahr von außen kämpften, sondern auch gegen die Bedrohung von innen – gegen diejenigen, die im Verborgenen agierten.
 

„Wir müssen uns auf alles vorbereiten“, sagte Damian, als er sich mit Darius austauschte. „Und du musst sicherstellen, dass Aiden, Ed und Dustin geschützt sind. Wir dürfen sie nicht allein lassen.“
 

Darius nickte, ein besorgter Ausdruck auf seinem Gesicht. „Ich werde sie beschützen. Aber du musst auch sicherstellen, dass du das tun kannst. Wir dürfen nicht riskieren, dass du fällst.“
 

Der Entschluss, den sie fassten, war klar: Sie mussten zusammenhalten, um den Angriff abzuwehren. Doch gleichzeitig mussten sie die Jagd nach den Omegas und die Wahrheit über die dunklen Machenschaften, die sich um sie herum rankten, ans Licht bringen.
 

Doch was sie noch nicht wussten: In diesem Moment war die Jagd nach Dante längst nicht mehr nur ein Ziel – es war der Beginn eines Spiels, das sie nicht kontrollieren konnten...

Kapitel 78

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Während Taylor und Graham sich tiefer in das Anwesen von Damian begaben, war ihr Ziel längst nicht nur Dante. Sie wussten, dass die Anwesenheit anderer Omegas von unschätzbarem Wert war. Da sie sich sicher waren da sich noch mindestens 3 von ihnen im Anwesen aufhalten mussten.
 

Der Gedanken, sie ebenfalls zu entführen und als Druckmittel oder gar als wertvolle Ware zu nutzen, ließ den Plan der beiden noch gefährlicher werden. Das Anwesen, das jetzt nicht mehr nur als Zufluchtsort galt, war nun auch ein Ort des Kampfes und des Schreckens für die Anwesenden.
 

„Wenn wir Dante bekommen, ist das nur der Anfang. Die anderen –…“ sagte Taylor leise, während er vorsichtig an einer Tür lauschte. „Die haben noch viel mehr Wert, als wir uns je erträumt haben.“
 

Graham nickte zustimmend. „Wenn wir diese Omega-Kinder in unsere Hände bekommen, können wir den gesamten Markt kontrollieren. Niemand würde sich mehr gegen uns stellen können. Die Weltregierung wird uns alles geben, was wir wollen.“
 

„Aber wir müssen vorsichtig sein“, warnte Taylor, als er die Tür vorsichtig öffnete und die leeren Gänge des Anwesens absuchte. „Wir dürfen keinen Fehler machen. Wenn wir die anderen finden, muss alles glatt laufen. Wenn Damian oder Jack uns in die Quere kommen…“
 

„Sie werden es nicht schaffen, uns aufzuhalten“, unterbrach Graham ihn. „Nicht jetzt. Wir sind vorbereitet.“
 

Während die beiden sich weiter im Anwesen versteckten, war Aiden gerade dabei, mit Jack zu sprechen. Die ständige Angst, entdeckt zu werden, ließ ihn nicht los. Es war ein unruhiger Frieden, der hier herrschte.
 

Er ahnte das es hier nicht nur um Dante ging, woher er das Gefühl hatte, konnte er nicht sagen, nur das er das Gefühl hatte, was ihn nicht losließ.
 

„Jack, ich weiß nicht… ich habe das Gefühl, dass sie uns suchen“, sagte Aiden leise, als er in Jack’s Arme lag.
 

„Es wird alles gut gehen, Aiden“, beruhigte Jack ihn und streichelte ihm über das Haar. „Niemand wird uns finden. Aber wir müssen wachsam sein.“
 

Doch als die beiden noch in ihrem Gespräch vertieft waren, bemerkten sie es nicht sofort. Jemand hatte die Tür zum Zimmer leise geöffnet – und als Aiden und Jack sich gerade in einem Moment der Nähe befanden, wurden sie von einer kühlen Stimme unterbrochen.
 

„Dachte ich es mir doch, dass hier auch noch andere Omegas sind.“
 

Taylor und Graham standen nun in der Tür, mit finsteren Blicken und entschlossenen Mienen. Es war zu spät, um zu fliehen.
 

„Ihr“, flüsterte Jack, als er sich sofort in eine Verteidigungsposition brachte. Er hatte es doch gewusst, dass es Graham und Taylor sein mussten. Doch die beiden Männer waren schneller.
 

„Wir sind nicht hier, um zu verhandeln“, sagte Graham und trat einen Schritt näher. „Du und dein kleiner Omega-Freund werdet uns folgen – alle werden wir mitnehmen. Jeden einzelnen Omega in diesem Haus.“
 

Die Bedrohung war real, und es dauerte nicht lange, bis Darius, der den Kleinen Ed auf den Armen hatte, der nicht schlafen konnte und Damian ebenfalls bemerkten, dass etwas nicht stimmte.
 

Sie hatten die Geräusche gehört, die Schritte im Flur, das leise Klirren von Waffen und wussten sofort, dass Gefahr im Anmarsch war. Als sie sich in Bewegung setzten, waren sie nur wenige Sekunden zu spät.
 

Taylor der nur zu Graham sah, nickte und in einem Moment der Verwirrung wurden Darius, Aiden und der kleine Ed überwältigt. Die beiden Männer handelten schnell, ihre Berührungen hart und bestimmt. Ein Schrei von Ed, der verängstigt versuchte, sich zu wehren, ließ Darius zusammenzucken – doch in diesem Moment war es zu spät. Sie hatten ihn, sie hatten alle drei.
 

„Lasst sie los!“, rief Damian, der jetzt mit einer Waffe in der Hand auftauchte, doch die beiden waren schnell und drohten mit tödlicher Gewalt. Weswegen sich Damian und Jack leider zurückziehen mussten, wollten sie nicht erschossen werden.
 

„Es ist vorbei“, sagte Taylor und grinste selbstsicher. „Jetzt sind wir an der Reihe. Diese Omega-Kinder werden uns alles bringen, was wir brauchen.“
 

Die Situation war eskaliert, und während Damian und Jack verzweifelt versuchten, die Situation unter Kontrolle zu bringen, mussten sie erkennen, dass sie der Gefahr nicht mehr entkommen konnten. Sie hatten verloren, zumindest für den Moment.
 

Dante der den Tumult hörte und falscheinschätzte kam ebenfalls angerannt, was ein Fehler war, auch er wurde mit schnellen Griffen überwältigt. Jetzt hatten sie nicht nur Dante in ihrer Hand - sie hatten alle!
 

Und damit waren sie jetzt das wichtigste Ziel in einem Spiel, das sich plötzlich zu einer viel größeren Gefahr entwickelte…

Kapitel 79

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Die Tür des SUVs wurde mit einem lauten Knall hinter ihnen zugeschlagen, und die vier jungen Omegas fanden sich in der engen, dunklen Kabine wieder. Der Schock war noch immer spürbar, als sie sich auf ihren Sitzen zurechtrückten.
 

Darius, Aiden, Dante und der kleine Ed waren wie in einem Albtraum gefangen – alles, was sie kannten, war plötzlich verschwunden. Sie hatten keine Ahnung, was mit ihnen geschehen würde, doch der Gedanke an das, was sie verloren hatten, ließ ihre Herzen schwer werden.
 

„Alles okay?“, flüsterte Darius und drehte sich zu Aiden, der sich noch hastig seine Kleidung zurechtrückte. Der ältere Omega war noch immer erschüttert, das Zittern in seinen Händen war nicht zu übersehen. Er schüttelte unbewusst den Kopf, als wollte er sich von der Situation abwenden, doch seine Augen blieben ängstlich auf Dante und Ed gerichtet.
 

„Ich... ich weiß nicht“, antwortete Aiden, seine Stimme war zitternd, als er einen flüchtigen Blick auf die beiden anderen Omegas warf. „Es fühlt sich so falsch an, Darius. Warum sind sie hinter uns her?“ Seine Worte brachen fast, als er versuchte, sich zusammenzuhalten, doch der Druck der Situation lastete schwer auf ihm.
 

Darius schüttelte den Kopf, seine Gedanken rasten. „Ich weiß es nicht. Aber ich werde nicht zulassen, dass wir hier drinbleiben. Wir müssen einen Weg finden, um zu entkommen.“
 

Ed, der in der Mitte saß und verängstigt auf die beiden Männer blickte, hielt sich fest an Darius' Arm. „Was passiert jetzt mit uns?“, fragte er leise, seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. Darius' Herz zog sich zusammen, als er den kleinen Jungen ansah. Er hatte Angst, das wusste er. Alle hatten Angst.
 

Dante, der neben Darius saß, starrte einfach geradeaus, als ob er versuchte, sich von der Realität zu lösen. „Das ist nicht unser Ende, oder?“, fragte er, obwohl er wusste, dass niemand ihm eine Antwort geben konnte.
 

Im Fahrerraum saßen Taylor und Graham, die sich in leisen, triumphierenden Gesprächen über ihre "Fangeneinladung" unterhielten. Die Fahrt verlief ruhig, doch in ihren Köpfen waren sie bereits bei dem, was sie vorhatten.
 

„Was für eine Goldgrube“, sagte Taylor mit einem breiten Grinsen, das fast selbstsicher wirkte. „Mit diesen Jungs – vor allem den kleinen Ed und Dante – können wir uns die Welt kaufen. Der Omega-Markt wird uns gehören.“
 

„Und der Rest von ihnen...“, fügte Graham hinzu, „Darius, Aiden… sie sind die wertvollste Beute. Die Weltregierung wird uns reich machen, wenn sie davon erfahren.“
 

Taylor lachte leise. „Ja, und die Jungs wissen noch nicht, wie viel sie wirklich wert sind. Aber wir werden sie schon noch dazu bringen, uns zu danken.“
 

Ihre Stimmen drangen durch den Raum und machten es den Gefangenen noch klarer: Sie waren nichts anderes als wertvolle Objekte in den Händen dieser Männer. Doch Darius war nicht bereit, sich einfach so aufzugeben. Er hatte einen Plan, auch wenn die Umstände alles andere als ideal waren. Und er wusste, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis sie eine Chance bekommen würden, zu entkommen.
 

„Hör zu“, sagte Darius leise, während er sich an Aiden wandte. „Wir müssen still bleiben. Wenn wir eine Chance haben wollen, müssen wir jetzt ruhig sein und warten. Es gibt immer einen Moment, in dem wir handeln können. Wir dürfen die Hoffnung nicht aufgeben.“
 

Aiden atmete tief durch, doch seine Hand zitterte, als er sie an die Stelle legte, an der Darius’ Arm lag. „Ich... ich vertraue dir“, flüsterte er, doch die Unsicherheit in seinen Augen war nicht zu übersehen. Das Zittern seiner Stimme war kaum zu überhören. „Aber es fühlt sich so an, als ob wir keine Chance haben. Was, wenn wir es nicht schaffen?“
 

„Du wirst nicht alleine sein“, sagte Darius und drückte ihm die Hand fester. „Wir alle kommen hier lebend raus.“
 

Ed klammerte sich weiterhin an Darius' Arm, seine kleinen Finger drückten fest zu. Dante saß neben ihnen, mit einem starren Blick nach vorne, als er versuchte, nicht an die Gefahr zu denken, die sie gerade umgab.
 

Die Fahrt zog sich weiter und die Spannung stieg. Doch trotz des Schocks und der Panik, die in ihnen brodelten, wussten sie, dass es noch nicht vorbei war. Sie waren alles andere als am Ziel, und Darius hatte das Gefühl, dass das Schicksal sie auf eine noch gefährlichere Reise geführt hatte.
 

Doch in dieser Nacht, während der SUV durch die Dunkelheit rollte, war ein Funken Hoffnung in ihnen. Sie wussten, dass sie kämpfen würden, egal, was als Nächstes kam. Und dass sie vielleicht – nur vielleicht – noch einen Weg finden würden, ihre Freiheit zurückzuerobern...

Kapitel 80

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Taylor bemerkte eine Veränderung in Aiden, als er in der Nähe des Sitzes des jüngeren Omegas saß. Ein leichtes Zittern ließ Aiden gegen den Sitz sinken, seine Haltung war angespannt, und das kaum sichtbare Schimmern auf seiner Stirn deutete auf einen nahenden Fieberschub hin. Ein Blick in Aidens Augen genügte, um seine Verletzlichkeit zu erkennen. Taylor grinste schief – es war fast zu einfach, diese Schwäche zu nutzen.
 

Er ließ seinen Blick zu Darius schweifen, der zwar äußerlich gefasst wirkte, aber dieselben Anzeichen von Erschöpfung und Schwäche zeigte. Taylor wusste genau, was das bedeutete: Zwei Omegas, kurz davor, in einen Fieberschub zu geraten. Er hatte schon oft gesehen, wie Omegas in solchen Zuständen beinahe zerbrachen, aber er hatte auch gelernt, wie viel Stärke manchmal genau in diesen Momenten zum Vorschein kommen konnte.
 

„Was für ein Glücksgriff“, dachte Taylor, während sich in seinem Kopf ein Plan formte. „Zwei wertvolle Omegas, beide am Rand ihrer Kräfte – und dann noch der kleine Junge. Die Weltregierung wird uns alles bieten, was wir wollen.“
 

Ein gefährlicher Funke blitzte in seinen Augen auf, als ein weiterer Gedanke durch seinen Kopf zuckte. „Warum warten? Warum nicht einfach Aiden nehmen? Er ist schwach. Ich könnte ihn brechen, ihn noch wertvoller machen…“
 

Doch Taylor hielt inne. Noch nicht. Der Moment war nicht der richtige. Stattdessen konzentrierte er sich wieder auf die Straße, während das SUV durch die Dunkelheit rollte. „Geduld“, murmelte er leise, seine Stimme kaum hörbar. „Es wird noch viel interessanter, wenn wir sie erst in die Hände der richtigen Leute bekommen. Dann wird sich zeigen, wie wertvoll sie wirklich sind.“
 

Darius spürte Taylors stechenden Blick, wie ein kalter Wind, der ihm den Rücken hinablief. Instinktiv schob er sich näher an Aiden heran, als wollte er ihn abschirmen. Er war erschöpft, aber er wusste, dass er sich jetzt keine Schwäche leisten konnte. Seine Stimme war leise, aber bestimmt, als er zu Aiden sprach: „Es wird alles gut. Ich lasse nicht zu, dass dir etwas passiert.“
 

Aiden sah ihn an, seine Augen unsicher, aber voller Hoffnung. „Ich vertraue dir“, flüsterte er, doch seine Stimme zitterte. Der Ausdruck in seinen Augen machte deutlich, wie groß seine Angst war.
 

Ed, der neben ihnen saß, klammerte sich an Darius’ Arm. Seine kleinen Finger gruben sich fest in den Stoff von Darius’ Jacke, während er leise fragte: „Wird alles wieder gut?“ Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.
 

Darius sah den Jungen an, und sein Herz zog sich zusammen. „Ja“, sagte er, auch wenn er selbst daran zweifelte. „Ich verspreche dir, dass wir hier rauskommen.“
 

Taylor hörte die leisen Worte und schnaubte amüsiert. „Ihr könnt euch so viel Mut zureden, wie ihr wollt“, murmelte er. „Aber am Ende gewinnt, wer den längeren Atem hat.“
 

Dante, der neben Ed saß, starrte wortlos aus dem Fenster. Seine Schultern waren angespannt, und sein Atem ging flach, als würde er versuchen, die Situation einfach auszublenden. Doch innerlich tobte ein Sturm aus Angst und Entschlossenheit.
 

Die Fahrt zog sich weiter, und die Stille im Fahrzeug wurde nur durch das gleichmäßige Brummen des Motors unterbrochen. Taylor und Graham, die sich ihrer Beute so sicher waren, ahnten nicht, dass sich der Weg, den sie eingeschlagen hatten, schon bald wenden könnte…

Kapitel 81

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Die Fahrt setzte sich fort, und die Dunkelheit umhüllte den SUV wie ein undurchdringlicher Schleier. Die Straße schien endlos zu sein, und die Atmosphäre im Fahrzeug war von einer dichten, fast greifbaren Spannung erfüllt.
 

Darius versuchte, sich zu konzentrieren, seine Gedanken zu ordnen, während er die Situation analysierte. Ein Omega in diesem Zustand war unglaublich verletzlich, und Darius wusste, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis Taylor oder Graham ihre Gier nicht mehr im Zaum halten konnten.
 

Aber er konnte nicht zulassen, dass Aiden auf diese Weise ausgenutzt wurde. Nicht ohne zu kämpfen.
 

„Wir müssen ruhig bleiben“, murmelte Darius, der Aiden eine feste Hand auf den Arm legte. „Bleib stark, Aiden. Es gibt immer einen Ausweg.“
 

Doch Aiden hatte seine eigene innere Hölle zu durchleben. Der Fieberschub, der in ihm loderte, machten es schwer, klar zu denken. Es war eine Mischung aus Schmerz und etwas, was er nicht klar deuten, nicht kontrollieren konnte. Und es machte ihn noch verletzlicher, noch abhängiger.
 

„Ich will nicht so sein“, flüsterte Aiden, als er versuchte, sich zu beherrschen. „Ich kann nicht…“
 

„Du musst nicht alleine sein, Aiden“, antwortete Darius sanft, aber bestimmt. „Wir werden das gemeinsam durchstehen. Ich werde dich nicht allein lassen.“
 

Doch selbst in diesem Moment der Nähe konnte Darius den besorgten Blick von Taylor im Rückspiegel sehen. Der Mann war aufmerksam, spürte die Veränderung in Aiden, und seine Gedanken begannen zu rennen.
 

Ein Omega der Verletzlich war – das war ein unermesslicher Wert, ein kostbarer Besitz, den man nicht einfach aufgeben konnte.
 

„Vielleicht ist es doch nicht schlecht, wenn wir die Gelegenheit nutzen“, murmelte Taylor zu sich selbst, als er das schnelle Zittern in Aiden und Darius’ Nähe bemerkte. Er hatte das Gefühl, dass der Moment gekommen war, um die Machtverhältnisse zu ändern.
 

Doch die Frage, ob er es sofort tun sollte oder warten sollte, beschäftigte ihn noch immer. Es war eine schwierige Entscheidung. Aiden und Darius waren zu wertvoll. Sie würden nicht nur als Beute für die Weltregierung, sondern auch für ihn selbst von unschätzbarem Wert sein.
 

„Nicht noch heute“, entschied er sich schließlich. „Es gibt noch viel zu viele Möglichkeiten, wie sich alles entwickeln kann. Und ich will nicht, dass sie das hier einfach so verpassen. Ich werde warten.“
 

Graham, der am Beifahrersitz saß, hörte Taylors Gedanken und nickte. „Wir haben genug Zeit. Sobald wir sie in den Händen der Bosse haben, können wir alles arrangieren.“
 

Darius spürte die Aufmerksamkeit der Männer immer wieder auf sich und Aiden. Er wusste, dass sie in Gefahr waren, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis sie härter zupacken würden.
 

Aber er war entschlossen, einen Weg zu finden, zu fliehen. Und mit Aiden, Dante und dem kleinen Ed würde er nicht aufgeben.
 

„Wir können nicht ewig so weitermachen“, sagte Darius schließlich, seine Stimme leise und bestimmt. „Ich werde kämpfen, Aiden. Ich werde alles tun, um dich zu schützen.“
 

Aiden blickte zu ihm auf, seine Augen unsicher und voller Dankbarkeit. „Ich vertraue dir“, flüsterte er, obwohl er wusste, dass sie sich in einer ausweglosen Lage befanden. Doch es war mehr als nur Vertrauen: Es war ein Band, das sie verband, ein Versprechen, das sie einander gaben – und Aiden wollte nicht daran zweifeln.
 

„Es gibt immer einen Plan, Aiden“, sagte Darius, als er das Fahrzeug und die sich langsam öffnende Möglichkeit der Flucht ins Auge fasste. „Irgendwann werden wir hier rauskommen. Ich verspreche es dir.“
 

Doch während sich die Stunden zogen und der SUV weiter durch die Nacht raste, ahnten sie nicht, dass die Männer in der vorderen Reihe bereits über das Schicksal ihrer Fänge nachdachten.
 

Die Zeit schien sich gegen sie zu wenden, aber auch in dieser Dunkelheit, in diesem Moment der Gefahr, war die Hoffnung noch nicht ganz erloschen.
 

Die Straße führte weiter in die Ungewissheit, und die einzigen, die noch nicht völlig aufgegeben hatten, waren die vier Omegas, die in ihren Fesseln saßen und versuchten, einen Ausweg zu finden, auch wenn sie noch nicht wussten, wo dieser Ausweg sie hinführen würde…

Kapitel 82

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Darius konnte nicht anders, als sich Sorgen um Aiden zu machen, besonders in Anbetracht dessen, wie schlecht es ihm ging. Während er sich auf Aiden konzentrierte, bemerkte er kaum, wie schlecht es ihm selbst ging, so sehr war seine Aufmerksamkeit auf den anderen Omega gerichtet.
 

„Aiden…“, sagte Darius leise, seine Stimme war voller Sorge. „Du bist stark. Du schaffst das.“
 

Aiden nickte schwach, aber Darius konnte die Erschöpfung und das Zögern in seinen Augen sehen. Es war schwer, ihn in diesem Zustand zu sehen.
 

„Und du, Darius…“, sagte Aiden dann, mit einem Anflug von Besorgnis in seiner Stimme. „Wie geht es dir? Ich sehe, dass du dich auch nicht gut fühlst.“
 

Darius hielt inne. Er hatte nicht darüber nachgedacht, aber Aiden hatte natürlich recht. Er fühlte sich selbst schwach, noch bevor das alles passiert war, und wusste nicht, wie es weitergehen würde. Auch er kämpfte mit den Auswirkungen eines Fieberschubs.
 

„Ich…“, begann Darius, doch er brach ab. Die Worte wollten einfach nicht kommen. „Es ist… es ist schwer zu sagen. Ich habe das Gefühl, dass es schlimmer wird, je länger wir fahren.“
 

Aiden spürte, wie sich die Atmosphäre zwischen ihnen veränderte, und obwohl er selbst litt, bemerkte er auch Darius’ Anspannung und seine eigene Besorgnis. Er wusste, dass Darius alles tat, um ihm zu helfen, doch auch er brauchte Unterstützung, und es fühlte sich wie eine unsichtbare Last an, die sie beide trugen.
 

„Wir müssen es durchhalten“, flüsterte Aiden, als er sich an Darius’ Nähe klammerte. „Zusammen.“
 

Darius nickte, seine Hand fand sanft ihren Weg zu Aidens Schulter. Er wusste, dass sie gemeinsam durch diese Herausforderung gehen mussten – für sich selbst und füreinander.
 

Doch trotz der Tatsache, dass sie sich gegenseitig unterstützten, konnte Darius nicht anders, als sich zu fragen, wie lange sie noch durchhalten würden, bis der Moment kam, in dem auch er keine Kontrolle mehr hatte.
 

Die Enge des Autos, das ständige Ruckeln der Straße und die bedrückende Atmosphäre machten die Fahrt unerträglich. Der kleine Ed, der sich eng an Dante kuschelte, merkte, dass Darius gerade viel Aufmerksamkeit auf Aiden richtete. Der Vierjährige fühlte sich ängstlich und unsicher, wusste aber nicht, wie er die anderen stören konnte.
 

Seine kleinen Hände klammerten sich an Dantes Kleidung, als er versuchte, sich an ihm festzuhalten. Die Ungewissheit, was um ihn herum passierte, machte ihm Angst, und obwohl er so jung war, wollte er nicht mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Er spürte die Spannung, wollte aber nicht nerven.
 

Dante bemerkte die Nervosität und den Schmerz, den Ed durchlebte, und legte seinen Arm schützend um ihn. Es war nicht einfach für ihn, aber er wollte das Kleine beruhigen. „Hey, es wird alles gut“, murmelte er leise, obwohl er selbst keine Ahnung hatte, was die Zukunft bringen würde.
 

Gleichzeitig war es auch für Darius und Aiden nicht einfach. Die Fahrt zog sich wie Kaugummi, und der Gedanke, in einem fahrenden Fahrzeug eingesperrt zu sein, ließ die Spannung zwischen den beiden steigen.
 

Sie versuchten, sich gegenseitig Halt zu geben, doch die körperlichen und emotionalen Belastungen der Situation machten es schwierig, sich wirklich zu entspannen.
 

Darius legte seinen Arm um Aiden und zog ihn sanft an sich. Auch wenn er wusste, dass sie nur wenig Kontrolle über das hatten, was ihnen bevorstand, wollte er trotzdem, dass Aiden wusste, dass er nicht allein war. Die Zeit verging langsam, und die Stimmen von Taylor und Graham, die sich in der Front des Fahrzeugs unterhielten, drangen zu ihnen zurück.
 

„Bleib ruhig, wir schaffen das zusammen. Ich bin bei dir“, sagte Darius schließlich, als er spürte, dass Aiden immer noch unruhig war.
 

Aiden nickte und lehnte sich an Darius. Die Nähe, die er zu ihm hatte, war der einzige Trost, den er gerade finden konnte. Doch während er versuchte, sich zu entspannen, hörte er die Gespräche von Taylor und Graham, die in die Dunkelheit der Nacht hallten.
 

Ihre Worte machten es schwer, sich auf irgendetwas anderes zu konzentrieren, und obwohl er wusste, dass sie nicht viel wussten, was ihre Situation anging, fühlte sich die Bedrohung von außen noch präsenter an.
 

„Es wird bald vorbei sein“, sagte Aiden, als er die Hand von Darius nahm, fast wie ein stilles Versprechen an sich selbst, dass sie diesen Albtraum überstehen würden.
 

Doch auch wenn sie sich gegenseitig Halt gaben, spürten sie die wachsende Gefahr. Die Zeit verging quälend langsam, und jedes Geräusch, jede Bewegung ließ sie hoffen, dass der Albtraum bald ein Ende haben würde – aber die Unsicherheit über die Zukunft war unerträglich...

Kapitel 83

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Als der SUV plötzlich zum Stehen kam, brannte eine knisternde Stille in der Luft. Der Motor verstummte, und das dumpfe Geräusch des sich drehenden Rades hallte nach. Darius, Aiden, Dante und der kleine Ed spürten, wie die Anspannung in der Luft mit jedem Atemzug dichter wurde. Irgendetwas war nicht in Ordnung.
 

Taylor öffnete die Tür des SUVs mit einem Ruck, und die kalte Nachtluft strömte herein, begleitet von seinem schweren Atmen.
 

„Raus! Alle raus!“, rief Taylor mit harter, kalter Stimme, seine Hand fest um die Waffe geschlossen, die er bedrohlich in ihre Richtung hielt. Es war keine leere Drohung, das war klar. „Schnell!“
 

Mit einem letzten Blick auf die Waffe zogen Darius und Aiden sich voneinander los und stiegen aus dem SUV. Der Wind wehte scharf gegen ihre Haut, und die Kälte kroch unbarmherzig in ihre Knochen. Auch Dante versuchte, den kleinen Ed zu beruhigen, der ängstlich an ihm festhielt. In den Augen des Jungen lag eine Angst, die er nur zu gut kannte.
 

Graham, der sich bereits der Hütte zuwandte, öffnete die Tür und rief: „Rein! Beeilung!“
 

Ohne zu zögern, packten Taylor und Graham die Gefangenen und schubsten sie grob in Richtung der Tür. Der kleine Ed weinte laut, als Graham ihn unsanft in die Hütte stieß. Darius spürte die panische Angst des Jungen, während er selbst nur knapp in der Lage war, seine eigenen zu bändigen. Aiden war kaum besser dran – ihre gemeinsame Verzweiflung verband sie in diesem Moment noch stärker.
 

Als Darius die Schwelle der Hütte betrat, durchfuhr ihn ein kalter Schauer. Der Raum war düster, feucht, und roch nach Moder und altem Holz. Ein unheimlicher Hauch von Gefahr lag in der Luft, und Darius wusste sofort: Hier waren sie nicht sicher. Dieser Ort schrie nach Bedrohung – und sie hatten keinen Platz, um sich zu verstecken.
 

„Setzt euch hin!“, dröhnte Taylor, als er die Tür hinter ihnen zuschlug und mit seiner Präsenz den Raum füllte. „Wir müssen noch einiges besprechen, aber jetzt bleibt hier erstmal ruhig!“
 

Zögernd ließ sich Darius neben Aiden nieder, der ebenfalls erschöpft und voller Angst war. Der kleine Ed wurde grob in eine Ecke gestoßen, wo er sich ängstlich auf dem Boden zusammenkauerte. Die Dunkelheit und das modrige Licht schienen die Verzweiflung, die sie alle empfanden, nur noch zu verstärken.
 

In dieser Kälte, die auch ihren Geist lähmte, wussten sie alle, dass die Gefahr noch lange nicht vorbei war. Der Moment, als sie zusammengekommen waren, um zu fliehen, schien jetzt wie ein ferner Traum. Jetzt waren sie eingesperrt – verwundbar und allein…

Kapitel 84

++++
 

Die Atmosphäre im Anwesen von Damian war angespannt, beinahe elektrisierend. Damian konnte es nicht fassen, was geschehen war. Die Angst um Darius ließ ihn kaum zur Ruhe kommen. Er hatte seinen Mann in den Händen der Feinde verloren, und die Vorstellung, dass ihm etwas zustoßen könnte, brachte ihn fast um. Sein Körper war von Anspannung und Wut erfüllt, seine Hände ballten sich zu Fäusten.
 

„Ich werde sie holen“, knurrte Damian, die Zähne zusammengebissen. „Ich werde Darius zurückholen, koste es, was es wolle!“
 

Jack, der Damian gut kannte, trat einen Schritt näher, legte eine Hand beruhigend auf Damians Schulter und versuchte, ihn zu beruhigen. Auch Jack war im Inneren zerrissen. Aiden, der immer mehr zu seinem Herzen gewachsen war, war in Gefahr – genauso wie Darius. Aber die Wut und Verzweiflung, die Damian durchzog, konnte er nur zu gut nachvollziehen.
 

„Wir müssen ruhig bleiben“, sagte Jack mit einer ruhigen, aber bestimmten Stimme. „Wenn wir unüberlegt handeln, verlieren wir nur mehr Zeit. Wir müssen wissen, was die Weltregierung vorhat, und wie wir den Jungs helfen können.“
 

Damian schnaubte und stieß sich von Jack ab. „Ruhe bewahren? Wie soll ich ruhig bleiben, wenn die Männer, die wir kennen, die wir lieben, in den Händen dieser Monster sind?!“
 

Doch bevor er weiter aufgebracht reagieren konnte, trat Dustin in den Raum. Er war schwach, wankte ein wenig, aber seine Entschlossenheit war in seinen Augen klar erkennbar. Trotz seiner Verletzungen und seiner Erschöpfung wusste er, dass er etwas Wichtiges zu sagen hatte.
 

„Ich… ich muss mit euch reden“, krächzte Dustin und verschluckte sich beinahe an seinen eigenen Worten. „Es geht um die Jungs… Es gibt etwas, das ihr Wissen müsst…“
 

Damian und Jack sahen sich an, und obwohl sie sich um Dustin sorgten, wussten sie, dass er etwas Wichtiges beizutragen hatte. Sie setzten sich hin, und Dustin, trotz der Schmerzen, die er noch immer fühlte, begann zu sprechen.
 

„Die vier Jungs – Darius, Aiden, der Kleine und Dante – sind die letzten noch jungen Omegas. Es sind keine normalen Kinder. Sie sind… sie sind die nächsten in der Zucht, die man für die Schaffung neuer Alphas benutzen will“, erklärte Dustin mit einem bitteren Lächeln. „Und die Weltregierung wird alles tun, um sie zu bekommen. Sie werden nicht zögern, alle zu töten, die sich ihnen in den Weg stellen.“
 

Die Worte, die Dustin sprach, trafen Damian und Jack wie ein Schlag. Sie wussten, dass die Weltregierung grausam war, aber das Ausmaß ihrer Macht und Skrupellosigkeit ließ sie für einen Moment in Fassungslosigkeit verharren.
 

„Was? Sie… sie wollen sie einfach benutzen?“, stammelte Jack, der sich kaum fassen konnte.
 

Dustin nickte. „Ja. Sie töten jeden, der in ihrem Weg steht – die Eltern der Omegas, oder jeden, der versucht, sie zu schützen. Niemand ist sicher. Und die Jungs, die wir so sehr lieben… sie sind ihre Zielscheibe.“
 

Damian stand auf, die Wut in seinem Blick flammte auf. „Wir müssen etwas tun. Wir müssen sie retten, und zwar schnell!“
 

Jack griff nach Damians Arm, hielt ihn fest, um ihn vor einer impulsiven Handlung zu bremsen. „Ja, wir müssen sie retten. Aber nicht, wenn es uns das Leben kostet. Wir brauchen einen Plan, Damian.“
 

Dustin sah die beiden Männer an und schüttelte den Kopf. „Ihr versteht nicht. Die Gefahr ist real. Und wenn ihr jetzt nicht handelt, könnte es zu spät sein.“
 

„Ich weiß“, antwortete Jack, seine Stimme rauer als zuvor. „Aber wir werden nicht vorschnell handeln. Wir holen die Jungs zurück, und wir werden dafür sorgen, dass sie sicher sind – ohne uns dabei zu verlieren.“
 

Der Raum war erfüllt von einer schweren Stille, während die Männer über das Ausmaß der Bedrohung nachdachten. Der Gedanke, dass ihre Welt und die Zukunft der jungen Omegas auf dem Spiel standen, lastete schwer auf ihren Schultern.
 

„Wir haben keine Zeit zu verlieren“, sagte Damian schließlich, als er sich wieder sammelte. „Lass uns einen Plan ausarbeiten und uns vorbereiten. Wir holen sie zurück. Alle.“
 

Und obwohl die Unsicherheit noch immer in der Luft lag, hatten sie zumindest ein Ziel vor Augen: die Rettung der Jungen – und die Zerstörung der Weltregierung, die sie für ihre eigenen finsteren Pläne nutzen wollte…

Kapitel 85

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Dustin zog sich unter Schmerzen auf einen Sessel zurück, konnte kaum noch stehen. Doch seine Schmerzen waren nicht das, was ihn quälte. Der Gedanke an die anderen, vor allem die Jungs, ließ ihn nicht zur Ruhe kommen.
 

Es war klar, dass sie sich in einer extremen Situation befanden, und er wusste, dass er den beiden etwas Wichtiges mitzuteilen hatte. Aber nicht jetzt – er musste sicherstellen, dass sie wirklich bereit waren, alles zu hören.
 

„Jack“, begann er nach einer Weile zögerlich, „ich weiß, dass du alles für Aiden tun würdest. Aber du musst wissen, dass die Situation sich anders entwickelt, als wir es uns je vorgestellt haben.“
 

Jack warf ihm einen prüfenden Blick zu, seine Miene schwer, als er aufstand und sich zu Dustin setzte. Er spürte, dass mehr dahintersteckte. Dustin atmete tief durch, bevor er fortfuhr: „Wenn einer der Jungs empfängnisbereit ist… das verändert alles.“
 

Dustin seufzte. „Wenn einer der Jungs auch nur Anzeichen in dieser Richtung macht…“, er wagte nicht einmal zu Ende zu sprechen.
 

„Dustin, ich weiß, dass es bei Darius nicht mehr lange dauert“, sagte Damian, die Anspannung in seiner Stimme war deutlich zu hören.
 

Der Raum war still, die Bedeutung von Damians Worten hallte nach. Es war klar, dass sie auf einem schmalen Grat wandelten. Doch es ging um ihre gemeinsame Zukunft.
 

„Die Weltregierung ist gnadenlos. Sie setzen alles daran, Kontrolle zu erlangen, und die Jungs sind das Zentrum dessen.“
 

Damian ballte die Fäuste auf Dustins Worte. Es war schockierend, diese Details ein wenig zu spät erfahren zu haben, so hätten sie die Jungs vielleicht besser schützen können – wenn sie das vorher gewusst hätten.
 

Jack sah mit Besorgnis zu der Stelle, an der Aiden und die anderen noch vor kurzem waren. Die Leere in dem Raum drückte die Atmosphäre. Es war schwer zu akzeptieren, dass sie nun alle in den Händen der Entführer waren.
 

Damian knurrte leise, die Anspannung in seinem Körper war spürbar. „Ich will nicht, dass sie am Ende noch missbraucht werden, und das könnte passieren, wenn wir sie nicht rechtzeitig retten.“
 

Jack senkte den Blick, seine Augen waren ernst. „Es fühlt sich an, als ob uns die Zeit davonläuft.“
 

Dustin sah die beiden mit einem entschlossenen Blick an. „Ich habe herausgefunden, dass die Weltregierung mehr plant als wir bisher gedacht haben. Sie werden nicht nur Leute wie uns jagen.“
 

Damian nickte, seine Augen blitzten entschlossen. „Wenn das so ist, dann müssen wir sicherstellen, dass wir einfach schneller sind und wir nicht zulassen, dass sie uns jagen oder im schlimmsten Fall noch töten.“
 

Jack sah Damian an und nickte. „Ja, das kann ich nur beipflichten.“
 

Allerdings konnte Jack den Gedanken, dass Aiden bereits empfängnisbereit war, nicht abschütteln. Die Tatsache, dass er Aidens Empfängnisbereitschaft bereits genutzt hatte, ließ ihm das Herz in der Brust zusammenziehen.
 

Das war der Moment, in dem alles eskalieren konnte, und er konnte nicht umhin, sich vorzustellen, was passieren würde, sollte das die Weltregierung herausfinden.
 

„Verdammt“, flüsterte Jack leise zu sich selbst, als die Realität ihn einholte. Aiden war wegen ihm in noch einer größeren Gefahr, und es könnte so schnell außer Kontrolle geraten.
 

Damian, der Jacks Besorgnis spürte, legte ihm beruhigend eine Hand auf die Schulter. „Jack, du darfst jetzt nicht verzweifeln. Aiden ist stark, er hat viel durchgemacht. Aber wir müssen ihn schnell zu uns holen und auch Darius und die anderen beiden.“
 

Jack ballte die Fäuste, die Entschlossenheit in seinen Augen funkelte. „Aber was, wenn wir zu spät kommen? Was, wenn sie ihn schon... schon...“ Seine Stimme brach, als er die Worte nicht aussprechen konnte. Von dem stolzen Alpha, der Jack normalerweise war, war aktuell nicht viel zu sehen.
 

„Wir holen ihn zurück. Alle von ihnen“, sagte Damian ruhig, aber mit einer festen Stimme. „Wir haben keine Wahl. Sie sind unsere Verantwortung. Aiden, Darius, der kleine Ed... Wir müssen alles riskieren, um sie zu retten.“
 

„Und was, wenn die Gefahr uns überholt? Was, wenn sie schon weiter sind, als wir glauben?“ Jack blickte nervös zur Tür, als würde sie ihm die Antwort verweigern. „Ich werde es nicht ertragen können, wenn wir sie verlieren.“
 

Damian griff nach Jacks Hand und sah ihm tief in die Augen. „Du musst an die Jungs glauben. Wir haben immer noch Zeit, sie zu retten.“
 

Aber Jack wusste, dass die Uhr tickte. Aiden war in Gefahr, und jede Sekunde zählte. Er musste einen Plan haben, er musste schnell handeln. Die Angst vor dem, was passieren könnte, wenn sie nicht schnell genug handelten, nagte an ihm.
 

„Ich kann nicht warten, Damian. Wir müssen jetzt los“, sagte Jack entschlossen, obwohl er gerade keinen Plan hatte, wie sie die Jungs retten könnten…

Kapitel 86

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Damian hielt Jack mit einem festen Griff am Arm zurück, als er sich der Tür zuwandte, weil er eigentlich gehen wollte, um die Jungs zu retten. „Jack, hör mir zu“, sagte er ruhig, aber mit einer entschlossenen Schärfe in der Stimme.
 

„Wenn wir jetzt voreilig handeln, dann setzen wir alles aufs Spiel. Deine Angst ist verständlich, aber du musst den Kopf kühlen. Wir können Aiden nicht retten, wenn wir uns von der Panik übermannen lassen.“
 

Jack schnaubte, seine Wut und Besorgnis kämpften miteinander. „Ich kann nicht einfach abwarten, Damian. Du weißt nicht, was passieren könnte, wenn wir nicht schnell genug sind… ich kann nicht einfach tatenlos zusehen.“
 

Damian atmete tief durch, trat einen Schritt näher und legte seine Hand auf Jacks Schulter, als würde er ihn auch in diesem Moment festhalten wollen. „Ich weiß, wie du dich fühlst. Ich will Darius auch retten. Ich mache mir Sorgen, Jack. Du weißt, dass er mir nicht egal ist. Aber das hier ist kein Kampf, den wir mit Panik gewinnen. Wir müssen ruhig bleiben, einen klaren Kopf bewahren, und dann handeln.“
 

Jack ballte die Fäuste, doch als er Damians Blick sah, spürte er, wie die Wut langsam von ihm abfiel. Damian hatte immer einen kühlen Kopf bewahrt, selbst in den schlimmsten Momenten. Es war schwer für Jack, das zu akzeptieren, aber er wusste, dass Damian recht hatte. Wenn sie jetzt unüberlegt handelten, könnten sie alle verlieren.
 

Dustin, der leise beobachtet hatte, wie die beiden miteinander sprachen, konnte sich ein schiefes Grinsen nicht verkneifen. „Du liebst also meinen kleinen Bruder, hm?“ sagte er schmunzelnd, wobei sein Blick zwischen Damian und Jack hin und her wanderte.
 

Damian drehte sich abrupt zu ihm um, seine Augen blitzten auf, und für einen Moment war es, als würde er versuchen, das Lächeln von Dustins Gesicht zu prügeln. „Was redest du da?“
 

Dustin lachte leise und zuckte mit den Schultern, als wüsste er mehr, als er sagte. „Na, ich hab’s immer gewusst. Du hattest schon immer eine ganz besondere Verbindung zu Darius. Aber, ähm... das weiß mein kleiner Bruder wohl noch nicht, oder?“
 

Die Worte trafen Damian wie ein Schlag, ein unangenehmes Ziehen in der Brust. Für einen Moment stand er wie erstarrt da, als würde er die Luft nicht mehr richtig einatmen können. Diese Bemerkung, die so beiläufig und scherzhaft rüberkam, packte etwas in ihm, das er längst in den tiefsten Winkel seines Herzens verbannt hatte – die Wahrheit, die er sich selbst nie eingestehen wollte.
 

Darius. Dieser Name war in den letzten Tagen zu einem ständigen Begleiter in seinen Gedanken geworden. Die Sorge um ihn war wie ein Schatten, der ihn ständig begleitete. Aber es war mehr als nur Sorge – es war eine Besessenheit, ein Ziehen, das ihn fast in den Wahnsinn trieb.
 

Damian wusste, dass er es nicht zulassen durfte, dass diese Gefühle die Oberhand gewannen. Doch immer wieder schlich sich die Erkenntnis in ihn, dass Darius ihm mittlerweile viel mehr bedeutete, als es ihm lieb war.
 

„Du hast keine Ahnung, was du da sagst“, murmelte Damian, doch die Worte kamen ihm schwer über die Lippen. Es war, als würde er sich gegen etwas wehren, das er längst fühlte, aber nie akzeptieren wollte. „Das ist... das ist nicht das, was du denkst.“
 

Dustin beobachtete ihn aufmerksam, als hätte er ihn längst durchschaut. Vielleicht hatte er es immer gewusst, oder vielleicht war es einfach der feine Unterschied in Damians Haltung, der ihn verriet. „Na, ist schon gut“, sagte Dustin schließlich, als er die Spannung in Damians Blick bemerkte. „Aber du solltest vielleicht mal drüber nachdenken, was das für dich bedeutet.“
 

Damian wollte sich abwenden, doch in diesem Moment fühlte er die schmerzliche Wahrheit in sich aufsteigen, die er nicht länger leugnen konnte. Die Vorstellung, dass Darius in Gefahr war, brachte ihn an den Rand des Wahnsinns…

Kapitel 87

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Es war nicht nur die Sorge um seinen besten Freund – es war der Gedanke, dass Darius ihn vielleicht genauso brauchte, wie er ihn brauchte, und das machte ihn unfassbar ängstlich. Der Gedanke, ihm nicht helfen zu können, nicht schnell genug zu reagieren, ließ einen Knoten in seiner Magengegend wachsen, der sich einfach nicht mehr lösen wollte.
 

„Ich mache mir Sorgen um ihn. Du weißt nicht, was er für mich bedeutet...“, flüsterte Damian, als er sich wieder zu Jack umdrehte, der mit einer Mischung aus Unverständnis und Besorgnis in seinen Augen schaute.
 

Es war, als hätte er selbst die Ängste, die in Damian brannten, fast körperlich wahrnehmen können. „Aber das hier ist nicht der Moment, um das zuzulassen. Ich darf keine Fehler machen, nicht bei ihm.“
 

Jack nickte stumm, und ein weiteres schweres Schweigen legte sich über den Raum.
 

Damian fühlte, wie das Gewicht der Verantwortung ihn fast erdrückte. Aber es war nicht nur die Verantwortung für Darius, die ihn quälte – es war die tiefere Angst, ihn zu verlieren.
 

Eine Angst, die er nicht in Worte fassen konnte, weil sie zu intensiv war, zu viel, um sie auszudrücken. Doch sie war da, immer in seinem Hinterkopf, in jedem Atemzug, den er nahm.
 

Es war die Art von Angst, die die Knochen schmerzt und die Hände zittern lässt, die ihn daran hindert, klar zu denken. Und das machte ihn fast verrückt.
 

„Wir müssen vorsichtig sein“, sagte Jack leise, während er einen tiefen Atemzug nahm. „Wir dürfen nichts überstürzen, aber auch nicht untätig bleiben. Jeder Moment zählt.“
 

Damian nickte zustimmend. „Wir haben nicht viel Zeit. Wir müssen sicherstellen, dass sie wieder bei uns hier in Sicherheit sind.“
 

Es herrschte ein Moment der Stille, in dem jeder kurz in seinen Gedanken nachhing. Das Risiko war real, und sie mussten sicherstellen, dass sie keinen Fehler machten. Indem sie versuchten, die Jungs zu retten, wusste Jack, dass er keine Fehler mehr machen durfte. Doch was war, wenn er schon einen gemacht hatte?
 

„Es gibt etwas, das ihr Wissen müsst“, begann Dustin, als er sich langsam den anderen zuwandte. Seine Augen blickten ernst, der Ernst der Lage lastete auf ihm. „Die Situation mit den Jungen... Es ist nicht einfach, was da vor sich geht. Und ihr müsst euch bewusst sein, dass manchmal sogar die kleinste Wendung alles verändern kann.“
 

Jack runzelte die Stirn, sah ihn aber dabei auch abwertend an. „Was genau meinst du?“ fragte er, während er sich näher zu Dustin beugte. Damian, der bis dahin ruhig gewesen war, richtete seine Augen fest auf Dustin gerichtet.
 

„Ich meine, es kann sein, dass ein bestimmter Umstand dazu führen kann, dass einfach alles eskaliert“, fuhr Dustin fort, „Nicht jeder von uns weiß genau, was da mit dem Körper der Omegas passiert. Aber es kann schnell gefährlich werden. Es braucht nur einen kleinen Moment – eine Entscheidung, ein Schritt – und die Folgen können alles verändern.“
 

Damian schnaubte, seine Wut, aber auch die Sorge über Darius, war spürbar. Die Vorstellung, dass Aiden und Darius in Gefahr waren, ließ ihn beinahe zerbrechen.
 

Es war eine lähmende, aber auch antreibende Angst, die ihm die Luft nahm. Was war, wenn Darius früher als er wollte in einem Zustand geriet, den er nicht mehr kontrollieren konnte? Was, wenn er… – Damians Gedanken kreisten um Darius, und er fühlte die Panik in sich aufsteigen

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Er durfte nicht zulassen, dass seine Sorgen ihn lähmten, aber die Vorstellung, dass Darius gefährdet sein könnte, schnürte ihm die Kehle zu. Wollte er es ungern zugeben, aber er hatte für den kleinen Bruder seines besten Freundest Gefühle entwickelt in den letzten Tagen und das machte ihm eine scheiß Angst – ihm das aber auch nicht sagen zu können – oder niemals sagen zu dürfen.
 

Dustin fuhr nur fort. „Auch wenn es nicht sofort offensichtlich ist, kann es bei einem Omega – vor allem in dieser Zeit – sehr schnell zu einer Situation kommen, in der er... nun, in einem anderen Zustand ist, der sich stark auf alle auswirken könnte.“
 

Jack spürte ein Knoten im Magen. Er konnte die Bedeutung von Dustins Worten schon erahnen. Die Situation war gefährlicher, als er es sich je hätte vorstellen können.
 

Doch in seinem Inneren nagte etwas an ihm – die Sorge, dass er mit Aiden vielleicht einen fatalen Fehler gemacht hatte. Hätte er in dieser Situation, in diesem Moment wirklich zu ihm gehen dürfen? Die Frage ließ ihn nicht los, und die Antwort quälte ihn. Und was noch schlimmer war – sie hatten keine Ahnung, was in diesem Moment mit Aiden wirklich geschah...

Kapitel 88

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Die Stille in der Hütte war fast greifbar. Die leisen Gespräche von Taylor und Graham in der Ecke des Raumes drangen kaum zu den Jungs, die sich am anderen Ende niedergelassen hatten. Es war ein Moment der Ruhe, den niemand so recht zu schätzen wusste. Die Anspannung in der Luft war beinahe spürbar.
 

Während der kleine Ed und Dante eingeschlafen waren, konnte Darius wegen der Sorge um Aiden nicht zur Ruhe kommen. Er hatte sofort bemerkt, dass mit Aiden etwas nicht stimmte, seit sie hier waren. Aiden saß da, die Haltung gekrümmt, als ob er sich unbewusst vor einem Schmerz schützte, der tief in ihm lauerte.
 

Aiden war unruhig, seine Atmung ging schneller, und das leichte Zittern in seinen Händen war nicht zu übersehen. Doch es war nicht nur das. Darius kannte diese Zeichen nur zu gut. Er hatte sie schon mehr als einmal gesehen und wusste, dass sich Aidens Körper auf eine Weise veränderte, die mit nichts anderem zu vergleichen war.
 

Ein Blick auf Aiden genügte, um zu erkennen, dass er schwanger war. Bei einem Omega dauerte es nie lange, bis man die Empfängnis bemerkte. Es war schon einige Tage her, dass Aiden und Jack zusammen gewesen waren, und seitdem hatte sich sein Zustand deutlich verändert. Sie waren mittlerweile mehrere Tage in der Hütte, und Darius wusste, dass die Zeichen von Aidens Schwangerschaft unübersehbar waren.
 

Ein leichtes Schmunzeln konnte er sich nicht verkneifen, egal wie unmöglich die Situation gerade war. Doch seine Gedanken drifteten wieder zu den Symptomen: Die subtilen Zeichen – das blasse, leicht gerötete Gesicht, die Schweißperlen auf seiner Stirn, die langsam, aber sicher an Intensität gewannen – ließen es Darius sofort wissen.
 

Obwohl der Gedanke an Aiden in diesem Zustand eine Welle von Beschützerinstinkt in ihm auslöste, sagte er nichts. Er wollte ihn nicht beunruhigen. Nicht jetzt. Aiden hatte ohnehin schon genug mit sich selbst zu kämpfen.
 

„Aiden…“, flüsterte Darius leise, als er sich etwas näher an ihn heranbewegte. „Es wird bald vorbei sein. Versuch dich zu entspannen.“ Seine Stimme war sanft, aber auch von einem tiefen, unermüdlichen Wunsch getragen, ihm zu helfen – auch wenn der Fieberschub ihn kaum noch Herr seiner eigenen Lage sein ließ. Aber für Aiden musste er einfach stark bleiben.
 

Aiden reagierte kaum, nur ein schwaches Zittern ging durch seinen Körper, als der Fieberschub ihn erneut überrollte. Darius konnte nicht anders, als ihn besorgt zu mustern. Es war schwierig für ihn, zu erkennen, was genau Aiden durchmachte, ohne es direkt anzusprechen. Doch die Tatsache, dass Aiden sich in diesem Zustand befand, ließ ihm keine Ruhe.
 

„Du musst dir keine Sorgen machen“, fügte Darius hinzu, während er Aiden behutsam in seine Arme zog. „Wir finden einen Weg. Du bist nicht alleine.“
 

Dante, der wieder aufgewacht war, beobachtete die beiden aus der Ferne. Schlief er nie lange, aber er sagte nichts. Die Veränderung, die er bei Aiden bemerkte, war unübersehbar. Doch wie alle anderen war auch er sich nicht sicher, was genau vor sich ging, und hielt es für besser, sich erst einmal still zu verhalten.
 

Aiden schloss für einen Moment die Augen und versuchte, sich zu beruhigen. Doch in ihm brodelte eine Mischung aus Unbehagen und Angst. Der Schmerz, den sein Körper ihm bereitete, war nicht leicht zu ertragen, und die Tatsache, dass niemand wusste, was wirklich mit ihm geschah, ließ ihn sich nur noch unsicherer fühlen.
 

Darius konnte es sehen, und obwohl er wusste, dass er ihn nicht beunruhigen sollte, hatte er keine Wahl. Irgendwann würde Aiden es selbst bemerken. Und dann würde es zu spät sein, ihm zu helfen.
 

„Darius“, flüsterte Aiden schließlich mit heiserer Stimme. „Es tut mir leid… ich weiß nicht, was mit mir passiert.“
 

„Es ist nichts, worüber du dir Sorgen machen musst“, sagte Darius ruhig. „Wir werden das gemeinsam durchstehen. Du bist stärker, als du denkst.“
 

Darius wusste, dass er Aiden noch nicht alles sagen konnte, was er wusste. Es gab Dinge, die vielleicht noch nicht die richtige Zeit hatten. Doch er würde alles tun, um Aiden zu beschützen, so wie er es mit jedem seiner Lieben tun würde…

Kapitel 89

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Aiden schloss für einen Moment die Augen, als eine Welle der Erkenntnis ihn überrollte. Die Anzeichen, die er längst nicht wirklich deuten konnte, fügten sich nun zu einem erschreckenden Bild zusammen. Ein unwillkürlicher Schock durchfuhr ihn, als er realisierte, was gerade mit ihm geschah. Er war schwanger.
 

Ein Zittern durchlief seinen Körper, als der Gedanke, dass Taylor und Graham es bemerken könnten, ihm einen kalten Schauer über den Rücken jagte. Zumal sie hier ja, in dieser dämlichen Hütte festsaßen.
 

Warum ließen die beiden sie denn nicht einfach frei? Das verstand er einfach nicht. Aber eines stand für ihn fest: Wenn sie herausfanden, dass er schwanger war... wenn sie das Kind von Jack, seinem Liebsten, entdeckten... Er konnte es sich nicht einmal ausmalen, was mit ihm geschehen würde. Das Kind war ein Symbol ihrer Liebe, und es war das Letzte, was er in dieser Welt wollte, dass es in Gefahr geriet. Doch die Situation, in der er sich befand, ließ ihm keine Wahl.
 

Er klammerte sich verzweifelt an Darius fest, als das Gewicht seiner Erkenntnis ihm den Atem raubte. Er fühlte sich plötzlich so hilflos, so schwach. Die Angst, dass Taylor und Graham es entdecken könnten, dass sie ihn oder das Kind verletzen könnten, übermannte ihn.
 

„Darius...“, murmelte er, seine Stimme brüchig, „ich... ich kann das nicht verlieren. Ich kann das Kind nicht verlieren. Es ist... es ist das Einzige, was mir bleibt.“ Seine Finger gruben sich in Darius' Shirt, als würde er sich mit allen Kräften an ihm festhalten wollen, um nicht zu zerbrechen.
 

Darius, der geahnt hatte, dass Aiden es bald selbst merken würde, spürte, wie Aiden zitterte. Und obwohl er nichts sagen konnte, was den Schmerz und die Angst, die er in Aidens Augen sah, lindern würde, hielt er ihn einfach nur fest. „Du wirst es nicht verlieren“, flüsterte er beruhigend. „Ich werde dich beschützen, Aiden. Wir werden es zusammen schaffen. Es wird alles gut.“
 

Er wusste, dass es nichts gab, was er wirklich tun konnte, um Aidens Angst zu vertreiben, außer ihm das Gefühl von Sicherheit zu geben. Doch auch Darius spürte die Schwere der Situation. Er hatte selbst nie in einer solchen Lage gesteckt, wollte es gar nicht, aber er wusste, dass er alles tun würde, um Aiden zu helfen, egal zu welchem Preis.
 

„Aber etwas leiser...“, seufzte er nur und legte einen Finger auf seinen Mund. „Wir wollen doch nicht, dass die beiden noch was merken.“ Allerdings konnte er in diesem Moment die Zweifel und Ängste, die Aiden quälten, nicht vollkommen verstehen, aber er fühlte mit ihm. Und das war alles, was er gerade tun konnte.
 

Aiden atmete schwer, seine Stirn an Darius' Brust gelehnt, als er versuchte, sich zu beruhigen. Doch die Furcht, dass Taylor und Graham etwas bemerken könnten, ließ ihn keine Ruhe finden.
 

Was, wenn sie das Kind entdeckten? Was würde mit ihm und Darius geschehen? Und vor allem – was würde mit dem Kind passieren?
 

„Ich weiß, dass du versuchst, mich zu beruhigen“, flüsterte Aiden, „aber was, wenn es zu spät ist? Was, wenn sie es schon bemerkt haben?“
 

Darius spürte, wie sein Herz schneller schlug, als er sich die Situation vorstellte: Wenn sie es wirklich wussten, könnten sie es gegen Aiden und das Kind verwenden. Der Gedanke ließ ihm die Kehle zuschnüren.
 

„Wir müssen sicherstellen, dass niemand etwas bemerkt“, sagte Darius schließlich, seine Stimme fest, aber voller Sorge. „Wir dürfen nichts riskieren, Aiden. Nicht für uns und nicht für das Kind.“
 

Aiden nickte schwach und zog sich noch näher an Darius, als ob er in ihm Halt finden könnte. Doch die Angst blieb. Sie war wie ein Schatten, der sie verfolgte, und obwohl Darius alles tun würde, um sie zu beschützen, wusste er auch, dass sie in einer unvorstellbar gefährlichen Lage waren. Auch versuchte er, Schlaf zu finden, und schloss die Augen.
 

Aber er wusste nur eins: Sie mussten stillhalten und einen kühlen Kopf bewahren, denn jeder Fehler könnte alles zerstören…

Kapitel 90

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Aiden versuchte, die Tränen zurückzuhalten, als sich die Angst weiter in ihm festsetzte. Auch konnte er keinen Schlaf finden, egal wie sehr er es versuchte. Er fühlte sich zudem so verletzlich, so ausgeliefert, und je mehr er darüber nachdachte, desto klarer wurde ihm, dass seine Situation mehr als nur gefährlich war. Taylor und Graham wussten noch nicht, was mit ihm geschah – doch wie lange würde das so bleiben?
 

„Was, wenn sie es merken? Was, wenn sie es benutzen, um uns zu erpressen?“ Aiden flüsterte die Worte, als ob er sich selbst die Antwort auf die Frage geben wollte. Doch es gab keine einfache Antwort. Wenn Taylor und Graham tatsächlich von seiner Schwangerschaft erfuhren, wären sie nicht nur eine Bedrohung für ihn selbst, sondern auch für das Kind.
 

Darius hielt ihn weiterhin fest, seine Arme wie ein Schutzschild um ihn gelegt. Aber in seinen Augen spiegelte sich ebenfalls die Sorge. Sie mussten wachsam sein, und sie mussten einen Plan haben, um das, was kommen würde, zu überstehen.
 

„Aiden, wir müssen ruhig bleiben. Sie wissen noch nichts. Und sie werden es nicht wissen, wenn wir nicht zulassen, dass sie Verdacht schöpfen“, sagte Darius ruhig, obwohl die Nervosität in seiner Stimme kaum zu überhören war. „Du hast das Recht, Angst zu haben, aber wir dürfen uns nicht von dieser Angst leiten lassen.“
 

Aiden atmete tief ein, versuchte, den Druck in seiner Brust zu lindern. Aber es war schwer. So schwer. Die Furcht, die sich um ihn legte, schien immer stärker zu werden. Und das Gefühl, dass er in einer Situation gefangen war, aus der es kein Entkommen gab, drückte ihn beinahe zu Boden.
 

„Ich will das Kind nicht verlieren, Darius. Ich kann es einfach nicht...“
 

Darius' Blick wurde weicher, als er Aiden in die Augen sah. „Du wirst es nicht verlieren, Aiden. Ich verspreche es dir. Wir werden uns gegenseitig durch diese Zeit bringen. Und wenn du denkst, dass du es nicht mehr kannst, dann werde ich da sein. Für dich und für das Kind.“
 

Doch Aiden wusste, dass die Bedrohung noch lange nicht vorbei war. Im Gegenteil, sie stand gerade erst am Anfang. Taylor und Graham hatten ihre eigenen Pläne. Sie würden nicht aufhören, bis sie alles bekommen hatten, was sie wollten – und das konnte auch Aiden und das ungeborene Kind betreffen.
 

Aber in diesem Moment, mit Darius an seiner Seite, fand Aiden einen Hauch von Zuversicht. Gemeinsam würden sie durchhalten.
 

Und während sie sich weiter in der Dunkelheit der Hütte versteckten, spürte Aiden, wie sein Körper sich weiter veränderte. Das pochende Fieber, das ihn gequält hatte, schien nachzulassen, aber es war nur eine Frage der Zeit, bis der nächste Schub kommen würde.
 

Nämlich jedes Mal, wenn sein Körper in dieser Hitze kochte, fühlte er sich mehr und mehr zu Darius hingezogen, als ob sie zusammenhalten müssten, um die drohende Gefahr zu überstehen.
 

Doch die wirkliche Herausforderung lag nicht nur in der Bedrohung von Taylor und Graham. Sie mussten sicherstellen, dass niemand herausfand, was Aiden trug.
 

Es war eine schwere Stille, die über Aiden und Darius lag, während sie dort saßen und sich gegenseitig hielten. Aiden konnte spüren, wie Darius’ Herz gegen seine Brust schlug, als wäre es genauso aufgewühlt wie seines.
 

Der Gedanke daran, was auf sie zukommen könnte, lastete schwer auf beiden, und es war nicht nur die unmittelbare Gefahr durch Taylor und Graham, die sie bedrohte, sondern die Ungewissheit, wie sie sich all das überhaupt entziehen konnten.
 

„Was, wenn wir es nicht schaffen? Was, wenn sie uns nie in Ruhe lassen?“ Aiden murmelte die Worte gegen Darius' Brust, sein Blick gesenkt. Seine Finger krampften sich in den Stoff von Darius’ Hemd. „Ich will nicht, dass es... ich will nicht, dass es uns auseinanderreißt.“
 

„Es wird uns nicht auseinanderreißen“, flüsterte Darius, seine Stimme sanft, aber bestimmt. „Wir sind stärker als das, Aiden. Du bist nicht allein in dieser Situation, und das Kind ist nicht allein. Wir sind hier, und wir werden einen Weg finden.“
 

Doch Aiden konnte nicht ganz beruhigt werden. Die Gedanken an das Ungewisse, das ständige Gefühl der Bedrohung, dass sie jederzeit entdeckt werden könnten, nagte an ihm. In seiner Hitze, da er immer noch einen Fieberschub hatte und seiner Verwirrung fühlte er sich erschöpft, sowohl körperlich als auch seelisch.
 

Und die Verzweiflung, die sich in ihm regte, kam nicht nur von der Tatsache, dass er schwanger war – sondern auch von der wachsenden Unsicherheit, wie sich die Welt um ihn herum verändern würde, wenn das Geheimnis jemals ans Licht kam.
 

Darius bemerkte, wie Aiden sich an ihn klammerte, und streichelte sanft durch sein Haar. „Es wird alles gut werden, Aiden. Wir dürfen uns nicht von der Angst beherrschen lassen. Ich bin bei dir, immer.“
 

Doch in diesem Moment war Aiden sich nicht sicher, wie er dieser Angst entkommen konnte. Es war nicht nur die körperliche Belastung, die er spürte, sondern die Gewissheit, dass sie in einem Netz aus Lügen, Täuschungen und bedrohlichen Plänen gefangen waren. Wenn sie nicht vorsichtig waren, konnte alles zusammenbrechen, bevor sie überhaupt eine Chance hatten, sich zu wehren.
 

„Ich will nicht, dass irgendetwas passiert“, flüsterte Aiden, seine Stimme kaum hörbar. „Ich will einfach nur, dass wir sicher sind. Dass wir alle sicher sind.“
 

„Wir werden sicher sein“, versicherte Darius ihm noch einmal. „Das verspreche ich dir, Aiden. Wir kämpfen weiter, auch wenn es schwer wird. Und wir holen uns alles zurück, was uns gehört.“
 

Aber Aiden wusste, dass sie nicht nur gegen Taylor und Graham kämpfen mussten, sondern gegen das System, das sie unterdrückte. Und gegen alles, was sie wollten, was sie als Eigentum betrachteten. Es war eine längst überfällige Revolution, die noch nicht begonnen hatte, aber bald entbrannt werden würde.
 

In der Dunkelheit der Hütte, inmitten der Schatten, die sich wie eine zweite Haut um sie legten, hielten sie aneinander fest – die Liebe und die Sorge, die sie verbanden, stärker als je zuvor.
 

Doch Aiden wusste auch, dass die wirkliche Gefahr erst beginnen würde, wenn sie zurückkehrten – wenn die wahren Feinde ihren Plan zur Entführung und Ausbeutung von Omegas fortsetzten…

Kapitel 91

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Taylor und Graham hatten eine Auszeit gebraucht. Zufrieden waren sie dennoch – es war ein großer Erfolg gewesen, gleich mehrere Omegas einzufangen. Doch auch sie waren nur Menschen und keine Maschinen. In der Hütte herrschte trotzdem eine spürbare Anspannung, und die Zeichen einer baldigen Flucht wurden immer deutlicher. Taylor und Graham waren bereits in Aufbruchsstimmung. Sie hatten genug Zeit hier verbracht, und langsam war es wirklich an der Zeit, weiterzuziehen.
 

Darius wusste, dass ihnen keine Zeit mehr blieb. Er hatte verzweifelt versucht, einen Fluchtplan auszuarbeiten, doch die Realität drängte sie dazu, ohne Vorwarnung wieder in den SUV zu steigen. Sein Herz pochte schneller, als er hektisch nach einem letzten Ausweg suchte – doch es gab keinen.
 

„Los, bewegt euch!“, bellte Taylor, die Waffe fest in der Hand, die Mündung auf sie gerichtet. Seine Stimme schnitt durch die Stille wie ein scharfes Messer. Ohne zu zögern, trieb er sie mit einem drohenden Blick in Richtung des Fahrzeugs. „Keine Spielchen mehr, sonst wird es unangenehm.“
 

Aiden spürte, wie sein Körper rebellierte, als er versuchte, sich auf den Beinen zu halten. Das Baby, das Jack in ihm hinterlassen hatte, fühlte sich immer schwerer an, als würde es ihn von innen heraus erdrücken. Der Gedanke, dass es bald alles gefährden könnte, ließ ihn noch nervöser werden.
 

Er hatte Angst, dass Taylor oder Graham es merken könnten. Die Vorstellung, dass sie das Geheimnis entdecken könnten, ließ ihn immer wieder unruhig blinzeln. Doch er konnte nichts tun, um es zu verhindern.
 

Darius, der sofort spürte, dass Aiden in einem ernsten Zustand war, sah ihn mit besorgtem Blick an. „Komm, wir müssen gehen“, flüsterte er, als er Aiden sanft an der Hand zog und ihn zum SUV führte. Doch während sie sich ihrem Ziel näherten, sah Darius, wie Aiden unruhig an ihm zerrte, als würde er etwas loswerden wollen.
 

„Was ist?“, fragte Darius, hielt ihn einen Moment zurück. Doch Aiden konnte nur schweigend den Kopf schütteln, das Gesicht von Angst und Schmerz gezeichnet. Die Panik in seinen Augen war nicht zu übersehen.
 

Der kleine Ed hielt sich an Dante fest, immer noch verwirrt von der ganzen Situation, aber auch er konnte die Anspannung in der Luft spüren. Der Kloß in seinem Hals war kaum zu ertragen.
 

„Sie wissen es noch nicht“, murmelte Darius und versuchte, Aiden zu beruhigen, auch wenn ihm das gleiche mulmige Gefühl überkam. Es war klar, dass sie keine Zeit mehr hatten, um weiter zu warten. Sie mussten zurück in den SUV und sich der Tatsache stellen, dass sie keine Wahl hatten, als sich Taylor und Graham zu beugen.
 

Der SUV startete und setzte sich in Bewegung, während Darius die anderen ansah – Aiden, der immer noch unter seinem Umstand litt, Dante und der kleine Ed, die beide sichtlich verängstigt waren. Sie waren immer noch in der Hand ihrer Entführer, und Darius wusste, dass sie in dieser Situation alles tun mussten, um zu überleben.
 

„Es wird nicht lange dauern“, murmelte Darius zu Aiden. „Wir finden einen Weg. Ich verspreche es dir.“
 

Doch auch Darius wusste, dass es keine einfache Aufgabe war. Taylor und Graham waren nur die Vorhut der Bedrohung. Und der Gedanke, dass sie alle im SUV eingesperrt waren, während draußen eine unbekannte Gefahr lauerte, brachte das Blut in Darius’ Adern zum Kochen. Jede Stunde, die sie näher an ihr Ziel kamen, schien die Spannung weiter zu steigen.
 

Aiden konnte die wachsende Hitze in seinem Körper kaum mehr ertragen. Es fühlte sich an, als würde er von innen heraus brennen. Das Baby, das in ihm wuchs, erinnerte ihn ständig daran, was auf dem Spiel stand. Doch noch viel mehr quälte ihn die Sorge, dass Taylor und Graham es vielleicht doch bemerken könnten. Die Angst ließ ihn kaum atmen, und er versuchte, die Kontrolle zu behalten, obwohl es fast unmöglich schien.
 

Darius saß neben ihm, der Arm schützend um ihn gelegt, auch wenn er wusste, dass er im Moment wenig tun konnte, um die Situation zu ändern. In ihm brodelte der Drang, etwas zu tun, sich zu wehren. Doch der kalte Realismus der Lage hielt ihn zurück. Die Weltregierung war nicht weit entfernt, und ihre Macht schien grenzenlos.
 

„Wir müssen einfach durchhalten“, flüsterte Darius, seine Worte nur für Aiden, aber auch für sich selbst. „Es gibt immer einen Weg, auch wenn wir ihn noch nicht sehen.“
 

Aiden nickte schwach, sein Blick war leer, aber auch von innerer Entschlossenheit geprägt. Er wusste, dass sie nichts tun konnten, dass es keinen Ausweg gab, zumindest nicht jetzt. Aber wie Darius sagte – sie mussten durchhalten. Für sich selbst, für das Kind und für die anderen, die mit ihnen in dieser Situation gefangen waren.
 

Dante saß neben dem kleinen Ed, der in seinen Armen eingeschlafen war, müde und verwirrt von den vielen fremden Eindrücken. Der kleine Junge hatte keine Ahnung, was vor sich ging, aber er spürte die Schwere der Situation.
 

Die Stille, die die Fahrt begleitete, war drückend, und die wenigen Worte, die sie miteinander wechselten, hatten keinen Raum für echte Hoffnung. Es war, als ob die Fahrt selbst sie langsam in die Verzweiflung trieb.
 

„Vier Stunden noch“, murmelte Taylor, der vorne im Fahrzeug saß, den Blick nach vorne gerichtet, während er sich in seinem Sitz zurücklehnte. „Dann sind wir da. Haltet durch, Jungs. Es wird noch viel interessanter, wenn wir angekommen sind.“
 

Darius wusste, dass Taylor ihn in diesem Moment absichtlich ignorierte, wie auch die anderen. Aber jeder von ihnen wusste, dass die Realität der Situation nicht verschwinden würde, egal wie oft man sie versuchte zu verdrängen. Sie waren auf dem Weg in den Griff der Weltregierung, einem Ort, an dem es kein Entkommen geben würde – oder zumindest schien es so.
 

Doch auch wenn die Hoffnung schwinden wollte, hatte Darius einen Funken in sich, der noch immer daran glaubte, dass es einen Ausweg geben musste. Auch wenn er nicht wusste, wie…

Kapitel 92

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Die Stunden vergingen quälend langsam. Jeder Kilometer brachte sie näher an ihr Ziel, doch die Aussicht auf das, was sie dort erwarten würde, lähmte ihre Hoffnung. Darius spürte die Unruhe in Aiden, der sich immer wieder zusammenzuckte, während die Hitze in ihm intensiver wurde, als ob sie ihn von innen zerreißen wollte.
 

Der Gedanke, dass Taylor und Graham irgendwann merken könnten, was mit Aiden war, ließ ihm keine Ruhe. Es war, als ob der Boden unter ihm immer weiter sank, und er hatte das Gefühl, dass er irgendwann nicht mehr in der Lage sein würde, Aiden zu beschützen.
 

„Ich weiß, dass du versuchst, stark zu bleiben“, flüsterte Darius schließlich, als er Aiden’s Hand in seiner spürte. „Aber du musst mir sagen, wenn du Hilfe brauchst. Wir kommen da zusammen raus.“
 

Aiden nickte schwach, aber in seinen Augen lag eine Tiefe von Angst, die Darius nicht ignorieren konnte. Der Ausdruck in Aiden’s Blick sagte mehr als Worte, und Darius wusste, was er durchmachte – wusste, dass er sich hilflos fühlte, während die Situation mit jedem Kilometer immer unerträglicher wurde. Doch er konnte nichts tun. Nicht jetzt.
 

Der kleine Ed, der in Dantes Armen schlief, wachte auf und blinzelte verschlafen. „Wann sind wir da?“ fragte er, seine Stimme schwach und ängstlich.
 

Dante strich ihm beruhigend über den Kopf. „Es dauert nicht mehr lange, Kleiner. Wir sind fast da.“
 

Ed schien nicht ganz zu verstehen, was vor sich ging, doch er spürte, dass etwas nicht stimmte. Der Ernst in den Gesichtern der Erwachsenen war nicht zu übersehen, und es beunruhigte ihn. So blieb er still und klammerte sich noch fester an Dante.
 

Die Stille im Auto war beinahe erdrückend, nur das Brummen des Motors und das gelegentliche Rauschen des Windes, der an den Fenstern zog, waren zu hören. Taylor und Graham schienen in Gedanken versunken, immer wieder flogen vereinzelte Blicke zu den Gefangenen, aber sie sagten nichts. Sie waren zu beschäftigt mit den Gedanken an das, was sie bald erreichen würden.
 

Darius spürte die zunehmende Panik in Aiden. Die Hitze in ihm stieg weiter, und der Schweiß lief ihm über die Stirn, als würde sein Körper gegen sich selbst kämpfen. „Ich… ich kann das nicht mehr lange ertragen“, flüsterte Aiden schließlich, als er sich erneut in Darius’ Arm lehnte, als ob der einzige Halt, den er noch hatte, Darius war.
 

„Ich weiß“, antwortete Darius leise und drückte ihn noch fester an sich. „Ich weiß, Aiden. Aber du bist nicht allein. Ich bin hier, und wir werden das gemeinsam durchstehen.“
 

Aiden atmete tief ein und versuchte, sich zu beruhigen, aber der Schmerz, das Verlangen und die überwältigenden Gefühle von Angst und Unsicherheit waren zu viel. „Was wird mit uns passieren? Was wollen sie von uns?“
 

„Ich... ich weiß es nicht“, sagte Darius, seine Stimme rau vor Sorge. „Aber wir werden es gemeinsam herausfinden. Ich verspreche dir, Aiden, ich werde dich nicht im Stich lassen.“
 

Die Minuten verstrichen, und die Spannung in der Luft stieg weiter. Niemand wusste, was die Zukunft für sie bereithielt, doch die Realität, dass sie nur noch wenige Stunden von einem der gefährlichsten Orte der Welt entfernt waren, hielt jeden von ihnen in einem Zustand der ständigen Alarmbereitschaft. Was würde mit ihnen geschehen, wenn sie am Hauptquartier der Weltregierung ankamen?
 

„Haltet euch bereit“, sagte Taylor schließlich mit einem kalten Lächeln, als er den Blick in den Rückspiegel warf und die Fahrt fortsetzte. „Das wird der interessante Teil. Bald wird sich alles entscheiden.“
 

Darius’ Herz pochte schneller. Er wusste, dass die nächsten Stunden entscheidend sein würden – für ihn, für Aiden, für Dante, und für Ed. Und egal, was kommen würde, er war bereit, alles zu tun, um sie zu schützen…

Kapitel 93

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Taylor saß mit einem selbstgefälligen Lächeln am Steuer des SUVs, seine Gedanken bereits einen Schritt voraus. Er hatte Aiden beobachtet, hatte bemerkt, dass sich dessen Zustand verschlechterte, dass sich die Hitze in ihm auf eine Weise manifestierte, die nicht nur körperlich spürbar war, sondern auch eine gewisse „Veränderung“ in seiner Ausstrahlung widerspiegelte. Es war klar, dass Aiden sich in einer anderen Phase befand – und Taylor wusste genau, was das bedeutete.
 

Mit einem leicht ironischen Grinsen holte er sein Handy hervor und tippte die Nummer von Jack ein. „Dieser Junge wird uns noch viel einbringen“, murmelte er zu sich selbst und ließ sich zurücksinken, während er den Anruf abschickte. „Mal sehen, wie gut Jack auf diese Neuigkeit reagieren wird.“
 

Der Anruf wurde schnell angenommen, und Jacks ruhige, aber spürbar angespannte Stimme ertönte am anderen Ende. „Was willst du, Brook?“, kam es am Ende allerdings nur noch knurrend. Er wusste, dass es nichts Gutes sein konnte.
 

„Jack, mein Freund“, begann Taylor, seine Stimme schmeichelnd und fast süffisant. „Ich wollte dir einfach mal gratulieren. Es sieht so aus, als ob du das große Los gezogen hast. Dein Omega scheint in besten Umständen zu sein. Aiden... er ist schwanger. Was für ein Glück, oder?“
 

Jack erstarrte, seine Kehle schnürte sich zu. Ein Moment lang konnte er kein einziges Wort herausbringen. Der Gedanke, dass Taylor das wusste, ließ ihn fast ersticken. Er hatte immer gewusst, dass etwas kommen würde, aber das hier...
 

Das war mehr, als er in diesem Moment ertragen konnte. Schließlich, kaum fähig zu sprechen, brachte er nur ein schwaches „Was redest du da?“ heraus, seine Stimme fast ein Flüstern, während er versuchte, den Schock zu überwinden, dass Taylor es herausgefunden hatte. Einmal mehr verfluchte er sich selbst.
 

„Aiden ist schwanger. Und jetzt wird es wirklich spannend, nicht wahr?“, sagte Taylor mit einem Lächeln, das man durch den Hörer fast hören konnte.
 

Jack biss sich auf die Lippe, versuchte, sich zusammenzunehmen. Die Vorstellung, dass Taylor das bereits wusste, ließ ihn nicht nur wütend, sondern auch panisch werden. „Was hast du vor, Taylor?“, sagte er schließlich mit einem Hauch von Bedrohung in seiner Stimme.
 

„Ach, keine Sorge, Jack. Ich habe gar nicht vor, etwas zu tun, was du nicht willst. Aber du weißt ja, der Wert eines jungen, schwangeren Omegas ist... ziemlich hoch. Und man muss sich ja immer mal fragen, wie man das Beste daraus macht. Es wäre doch schade, wenn so ein kleiner Schatz wie Aiden ungenutzt bleiben würde, oder?“
 

Jack kniff die Augen zusammen, und es war klar, dass er verstand, was Taylor anspielte. „Du wagst es nicht, Taylor“, sagte er eisig. „Du wirst Aiden nicht antasten. Und wenn du das versuchst, bring ich dich um.“
 

„Oh, Jack“, antwortete Taylor lachend, „du weißt genauso gut wie ich, dass du gegen mich und die Weltregierung nicht viel ausrichten kannst. Aber keine Sorge, das ist alles nur ein Angebot. Wie du dich entscheidest, liegt bei dir.“
 

Der Anruf wurde abrupt beendet, und Jack starrte auf das Handy, das nun in seiner Hand lag. Der kalte Schweiß brach ihm aus. Was hatte Taylor vor? Und warum musste es ausgerechnet jetzt herauskommen?
 

Er schloss die Augen und atmete tief durch, während er versuchte, die Angst in Schach zu halten. Jetzt war nicht der Zeitpunkt, um die Fassung zu verlieren. Aber das war eine neue Ebene der Bedrohung – und Jack wusste, dass er schnell handeln musste, bevor Taylor und die Weltregierung einen Schritt weiter gingen…

Kapitel 94

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Damian und Dustin hatten die Anspannung auf Jacks Gesicht bemerkt, als er das Handy in der Hand hielt. Die Worte von Taylor hallten immer noch in seinem Kopf, und das Gefühl der Wut und Verzweiflung vermischte sich mit der Sorge um Aiden. Die beiden Männer warteten, dass Jack endlich etwas sagte, aber der Moment dehnte sich hinaus.
 

Er hielt sein Telefon fest in seiner Hand, sodass man befürchten musste, dass es zerbrach. Doch schließlich ließ Jack das Handy lockerer und drehte sich zu den anderen. „Es ist schlimmer, als ich dachte“, sagte er mit einem tiefen Seufzer. „Taylor weiß, dass Aiden schwanger ist.“
 

Damian starrte ihn an, verwirrt. „Was?“ fragte er, die Besorgnis in seiner Stimme nicht verbergend. Er wusste ja, dass Jack nicht lange gefackelt hatte, um Aiden zu seinem zu machen, aber das? – Das überstieg sein Vorstellungsvermögen.
 

„Er hat es bemerkt“, erklärte Jack, seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern. „Er hat die Anzeichen bei Aiden erkannt, und jetzt ist er überzeugt, dass er uns zuvorkommen kann. Und ich...“ Jack stockte, als er keine Worte mehr fand.
 

Dustin, dem es nach einigen Tagen wieder besser ging, saß in einer der Ecken des provisorischen Unterschlupfs, während sie sich schon auf den Weg gemacht hatten, um Taylor und Graham zu folgen. Er begann nervös an seiner Unterlippe zu kauen.
 

„Das ist nicht gut“, murmelte er, bevor er mit einem fast düsteren Blick zu Jack sah. „Weißt du, was das bedeutet, oder?“
 

Jack nickte, seine Augen finster. „Ja. Ich kann es mir denken, und genau deshalb will ich es auch so schnell wie möglich beenden. Aber Taylor...“ Jack schüttelte den Kopf. „Er will uns erpressen. Und Aiden ist ein Ziel.“
 

Dustin lehnte sich etwas nach vorne, seine Miene jetzt ernst und angespannt. „Weißt du, was mit schwangeren Omegas passiert?“, fragte er, seine Stimme mit einem bitteren Unterton. „Sie sind nicht nur viel wertvoller. Sie sind eine Goldgrube. Und noch viel gefährlicher – sie können mit ihnen machen, was sie wollen. Alles.“
 

Er hatte, bevor er den kleinen Dante gefunden hatte, die Unterlagen seines Vaters gefunden und ahnte, warum dieser hatte sterben müssen. Weshalb er jetzt sicher wusste, warum sein Vater und Damians Eltern gewollt hatten, dass sein kleiner Bruder mit seinem besten Freund verheiratet werden sollte – alleine zu seinem Schutz.
 

Hatten sie gedacht, dass es eventuell dort sicher sein könnte – ohne zu ahnen, dass es der Weltregierung völlig schnuppe sein würde, ob der Omega vergeben, verheiratet oder sonst was war. – Was die Situation nur noch mehr verschärfte.
 

Damian sah Dustin scharf an. „Was meinst du mit ‚alles’?“, fragte er, die Sorge in seiner Stimme nun deutlicher. Er hatte die Unterlagen seiner Eltern noch nicht gefunden.
 

Dustin verschränkte die Arme vor der Brust und fuhr fort: „Die Weltregierung sieht schwangere Omegas als reines Eigentum. Sie sind wie Spielzeuge für die Zucht – besonders, wenn sie in einer Phase sind, in der sie nicht ganz bei sich sind. Sie machen mit ihnen, was sie wollen, und sie können die Kontrolle über sie übernehmen. Sie denken nicht nur an den Preis, den sie zahlen können, sondern auch an die Macht, die sie bekommen, wenn sie die Schwangerschaft in ihre Hände bekommen.“
 

Jacks Gesicht verfinsterte sich, als er die vollen Ausmaße von Dustins Worten begriff. „Das darf nicht passieren“, sagte er, die Entschlossenheit in seiner Stimme eindeutig. „Wir werden nicht zulassen, dass Aiden in diese Hände fällt.“
 

„Aber wir müssen schnell handeln“, warf Damian ein, der die Bedrohung ebenfalls verstand. „Sonst sind wir schon zu spät.“
 

Jack nickte, wischte sich mit einer Hand über das Gesicht. „Wir müssen mit unserem Plan weitermachen, und zwar jetzt.“
 

Dustin fuhr währenddessen fort: „Es wird schwer, sich gegen sie durchzusetzen. Aber ihr habt noch eine Chance, wenn ihr richtig vorgeht. Aber ihr müsst Aiden schützen. Denn wenn sie ihn haben, dann ist alles verloren.“
 

Damian und Jack tauschten einen Blick, der mehr sagte als tausend Worte. Sie wussten, dass sie handeln mussten, aber sie waren auch klar darüber, dass jeder Fehler in dieser Situation alles zunichtemachen konnte.
 

„Wir holen uns Aiden zurück“, sagte Jack schließlich, die Entschlossenheit in seiner Stimme fest wie Stahl. „Wir holen ihn zurück, und wir bringen ihn in Sicherheit, egal, was es kostet.“
 

Die Atmosphäre im Raum wurde noch schwerer, als die Schwere der Situation sich langsam auf alle Anwesenden legte. Jack, Damian und Dustin waren sich einig: Sie mussten Aiden, Darius, Dante und auch Ed retten, bevor sie in die Hände der Weltregierung fielen, und sie mussten es schnell tun.
 

Doch die Realität war, dass jeder Schritt, den sie weiter unternahmen, mit extremen Risiken verbunden war.
 

„Wie kommen wir da raus?“, fragte Damian, seine Stimme ruhig, aber der Funken Besorgnis in seinen Augen verriet, wie sehr ihn die Situation beschäftigte.
 

Dustin sah sich nachdenklich um und atmete tief ein. „Wir können uns nicht einfach rausziehen. Taylor und Graham wissen mehr, als sie uns bislang gesagt haben. Aber... sie haben uns unterschätzt. Wenn wir es schaffen, sie zu überlisten...“
 

Jack schüttelte den Kopf. „Wir können nicht auf Glück hoffen. Wir brauchen einen klaren Plan. Und vor allem müssen wir sicherstellen, dass Aiden keine Gefahr droht.“
 

Damian zog eine scharfe Linie, als er sich an Jack wandte. „Ich stimme zu. Aber was machen wir, wenn wir die Hütte verlassen, wenn sie uns bemerken...“
 

„Wir dürfen nicht zulassen, dass es dazu kommt“, unterbrach Jack ihn und ballte die Fäuste. „Aiden ist nicht nur ein Ziel für sie. Er ist... er ist jemand, den ich beschützen muss, und ich werde alles tun, um ihn zu retten.“
 

Dustin nickte zustimmend. „Genau. Aber wir müssen die Kontrolle über die Situation zurückgewinnen. Wenn Aiden wirklich schwanger ist... dann müssen wir ihn sicher zurückbringen, genauso wie Darius. Und zwar schnell.“
 

Damian setzte sich, seine Augen fokussiert auf den Boden, während er nachdachte. „Es gibt noch eine andere Sache, die wir bedenken müssen. Aiden und Darius sind nicht die einzigen, die Gefahr laufen. Taylor und Graham haben die anderen auch in der Hand. Dante und Ed...“
 

Jacks Miene verfinsterte sich. „Ja, sie haben sie alle. Aber wir müssen uns auf Aiden konzentrieren, sonst haben wir verloren, bevor wir überhaupt anfangen.“
 

Dustin seufzte, weil er wusste, dass er aktuell keine große Hilfe war. „Wir müssen die Zeit zu unserem Vorteil nutzen. Und wir müssen unseren Jungs zeigen, dass wir da sind – dass sie nicht allein sind.“
 

Ein Moment des Schweigens breitete sich aus, als alle über die nächsten Schritte nachdachten. Der Plan war klar, doch das Risiko blieb. Jack wusste, dass sie es nur schaffen würden, wenn sie es richtig anstellten. Doch mit jeder Sekunde, die verstrich, war die Gefahr, dass sie die Kontrolle verloren, immer greifbarer.
 

„Lasst uns keine Zeit verlieren“, sagte Jack schließlich. „Wir müssen handeln, bevor es zu spät ist.“
 

Und so, mit einem letzten Blick aufeinander, machten sich die Männer auf, um den nächsten Schritt in ihrem Plan zu gehen. Es war ein Wettlauf gegen die Zeit – und sie wussten, dass die Zukunft von Aiden und allen anderen davon abhingen, wie gut sie sich vorbereiteten…

Kapitel 95

++++
 

Während die Jungs im SUV fuhren, dicht gedrängt und auf das Unvermeidliche wartend, hielt Taylor sich still und wachsam. Er saß seitlich, beobachtete Aiden unauffällig und spürte, wie etwas in ihm zu arbeiten begann.
 

Da war etwas an Aiden, das ihm unangenehm vertraut vorkam, aber er verdrängte den Gedanken sofort. Er wusste, dass es jetzt nicht der richtige Moment war, sich von solchen Gedanken ablenken zu lassen.
 

Taylor blieb regungslos, doch er konnte nicht verhindern, dass sein Blick immer wieder zu Aiden wanderte. Die subtile Veränderung in dessen Verhalten, die Spannung in seinen Bewegungen und die leichte Unruhe waren schwer zu übersehen – zumindest für jemanden, der wusste, worauf er achten musste. Taylor presste die Lippen zusammen und zwang sich, seinen Blick abzuwenden, bevor jemand seine Beobachtung bemerken konnte.
 

Er hatte gelernt, sich nicht anmerken zu lassen, was er wusste oder dachte. In einer Welt wie ihrer war es gefährlich, zu viel zu zeigen. Selbst hier, zwischen denen, die er mittlerweile als Vertraute ansah, war Vorsicht geboten. Niemand durfte je erfahren, was wirklich in ihm vorging oder welche Erfahrungen ihn prägten.
 

Neben ihm saß Graham, der Blick stoisch nach vorn gerichtet. Nach außen hin waren sie Brüder – ein unzertrennliches Duo, das gemeinsam durchs Leben ging. Doch in Wahrheit war ihre Verbindung weitaus komplizierter. Graham wusste mehr über ihn, als irgendjemand sonst es tat, doch selbst er stellte nie Fragen. Es war eine stillschweigende Vereinbarung, die sie beide eingehalten hatten.
 

Taylor atmete langsam ein und aus, um die Ruhe zu bewahren. Die Anspannung im Wagen war förmlich greifbar, und er wusste, dass Aiden nicht die Einzige Quelle dafür war.
 

Alle hatten ihre Sorgen und Ängste, und doch sprach niemand darüber. Die Dämmerung brach herein, und die Welt draußen schien in ein trübes Grau gehüllt, das zu ihrer Stimmung passte.
 

Als der Wagen über eine besonders unebene Straße holperte, warf Taylor erneut einen Blick zu Aiden. Dessen Hände ruhten nervös auf seinem Schoß, und seine Augen hatten einen Ausdruck, der Taylor seltsam vertraut vorkam. Es war ein Blick, den er selbst zu oft im Spiegel gesehen hatte.
 

Taylor wandte sich ab und spürte eine Welle des Unbehagens. Er wollte nicht zu viel darüber nachdenken, wollte keine Erinnerungen an Dinge heraufbeschwören, die er längst begraben hatte. Doch die Situation ließ ihm keine Wahl.
 

„Du bist so still“, bemerkte Graham schließlich leise, ohne ihn direkt anzusehen.
 

Taylor brauchte einen Moment, um zu antworten. „Nur müde“, murmelte er und hoffte, dass die Ausrede überzeugend klang. Graham nickte knapp, sagte aber nichts weiter.
 

Die Fahrt zog sich endlos hin. Jeder Kilometer, den sie zurücklegten, fühlte sich wie eine Ewigkeit an. Taylor ließ seinen Blick über die anderen schweifen. Niemand sprach, und die einzigen Geräusche kamen vom Motor des Wagens und dem gelegentlichen Knirschen der Reifen auf der Straße.
 

Aiden wirkte angespannt, als ob er gegen etwas ankämpfte, das ihn innerlich zu überwältigen drohte. Taylor konnte die Veränderung spüren, auch wenn er sich bemühte, sie zu ignorieren. Er wusste, wie gefährlich es war, in einer solchen Situation Schwäche zu zeigen.
 

„Alles in Ordnung?“, fragte Graham plötzlich und warf Aiden einen prüfenden Blick zu.
 

Aiden zuckte zusammen, als ob er aus einem Traum gerissen worden wäre. „Ja… ich… alles gut“, murmelte er, doch die Unsicherheit in seiner Stimme war unüberhörbar.
 

Taylor presste die Lippen zusammen und beobachtete den kurzen Austausch aus den Augenwinkeln. Graham wirkte skeptisch, ließ das Thema aber fallen.
 

Als die Dunkelheit allmählich über die Landschaft fiel, spürte Taylor, wie die Anspannung im Wagen weiter zunahm. Es war, als ob jeder spürte, dass etwas bevorstand, aber niemand wagte, es auszusprechen.
 

„Wir sind bald da“, sagte Graham schließlich, als ob das die Situation entspannen könnte. Taylor war sich nicht sicher, ob er das glaubte.
 

Aiden bewegte sich unruhig auf seinem Sitz, und Taylor konnte das Zittern in seinen Händen sehen. Es war kein offensichtliches Zittern, aber für jemanden wie ihn, der gelernt hatte, auf die kleinsten Details zu achten, war es unmöglich zu übersehen.
 

Taylor neigte sich leicht vor und senkte die Stimme. „Bleib ruhig“, flüsterte er, kaum hörbar.
 

Aiden sah ihn an, seine Augen weit und voller Unsicherheit. „Was… was passiert mit mir?“, fragte er leise, beinahe flehend.
 

Taylor zögerte, bevor er antwortete. „Du bist nur nervös. Das ist normal in einer Situation wie dieser.“
 

Aiden schien ihm nicht ganz zu glauben, doch er nickte schwach. Taylor spürte, dass es nicht die Antwort war, die Aiden hören wollte, aber es war die Einzige, die er ihm geben konnte, ohne zu viel preiszugeben.
 

Graham beobachtete die Szene aus dem Augenwinkel, sagte aber nichts. Er wusste, wann es besser war, sich herauszuhalten, und Taylor war ihm dankbar dafür.
 

Die Zeit verging quälend langsam, und Taylor versuchte, seine eigenen Gedanken in den Griff zu bekommen. Er durfte sich jetzt keine Schwäche erlauben, nicht hier, nicht jetzt.
 

„Wir schaffen das“, sagte er schließlich, mehr zu sich selbst als zu Aiden. Seine Stimme war ruhig, aber entschlossen.
 

Aiden sah ihn an, und für einen Moment war da etwas in seinem Blick, das Taylor nicht deuten konnte. War es Dankbarkeit? Hoffnung? Oder vielleicht einfach nur Erschöpfung?
 

Taylor lehnte sich zurück und schloss die Augen. Er wusste, dass die kommenden Stunden alles andere als einfach werden würden. Aber er wusste auch, dass sie keine andere Wahl hatten, als weiterzumachen…

Kapitel 96

++++
 

Graham warf Taylor einen scharfen Blick zu, als dieser Aiden zu beruhigen versuchte. „Du bist zu nachsichtig mit ihnen“, sagte er leise, aber mit einer klaren, scharfen Note in seiner Stimme. „Du musst dich auf das Wesentliche konzentrieren. Diese Jungs sind eine Gefahr, wenn du ihnen zu viel Vertrauen schenkst. Was immer du auch fühlst, es darf nicht im Weg stehen, wenn du deinen Plan umsetzen willst.“
 

Er fuhr sich durch das Haar und seufzte leise, als ob er sich selbst zügeln musste. Manchmal verstand Graham Taylor einfach nicht. Er wechselte seine Launen beliebig, wie es ihm passte.
 

„Ich weiß, was ich tue“, murmelte Taylor, doch es klang weniger selbstbewusst, als er es normalerweise gewohnt war. „Aber...“ Er schüttelte den Kopf. „Ich kann es nicht einfach ignorieren, was mit ihnen passiert…“
 

Graham schnitt eine abschätzige Miene, als er Taylor ansah. „Das ist nicht unser Problem“, sagte er ruhig. „Das ist das Problem der Weltregierung. Und wenn du nicht aufpasst, wird es auch dein Problem. Also halt dich zurück. Sonst könnten wir die ganze Operation gefährden.“
 

Taylor biss sich auf die Lippen, als er Grahams Worte vernahm. Doch anstatt zu widersprechen, nickte er nur, während sein Blick wieder zu Aiden und den anderen in der hinteren Reihe des SUVs wanderte. Die Gefühle, die er verspürte, waren schwer zu verarbeiten, aber er wusste, dass er sie nicht zeigen durfte. Nicht hier. Nicht jetzt.
 

Darius, der die ganze Unterhaltung im Stillen verfolgt hatte, war sein Blick aufmerksam und gleichzeitig von einer wachsenden Unruhe geprägt. Auch bemerkte er, dass etwas nicht stimmte. Etwas war an Taylor und auch an Graham anders, als es schien.
 

Es war nicht nur die Art, wie Taylor mit Aiden sprach oder wie er auf einmal viel zu nachsichtig wirkte. Es war die Art, wie Graham ihn immer wieder maßregelte – fast so, als würde er Taylor zu etwas zwingen wollen. Etwas, das Darius noch nicht greifen konnte, aber das ihm irgendwie verdächtig vorkam.
 

Darius beobachtete Taylor genauer, als er sich wieder zurücklehnte und das Gespräch abbrach. Die Art, wie Taylor die anderen ansah – wie er Aiden ansah – war nicht die eines normalen Mannes. Irgendetwas stimmte nicht.
 

Er konnte es nicht genau benennen, aber Darius hatte ein ungutes, nagendes Gefühl. Es war ein Gefühl, das er kannte, ein Gefühl, das ihm sagte, dass er in dieser Situation mehr entdecken würde, als er wollte. Taylor war nicht der, der er vorgab zu sein, und das konnte Darius nicht einfach ignorieren.
 

In seinem Kopf gingen die Fragen weiter. Was hatte es mit Taylor und Graham auf sich? Warum hatte Taylor plötzlich so ein starkes Interesse an Aiden? Und warum schien er mehr zu wissen, als er zugab?
 

Doch Darius hielt seine Gedanken für sich. Es war nicht der richtige Zeitpunkt, um sich darauf zu konzentrieren. Er wusste, dass er sich auf das Wichtigste konzentrieren musste: ihre Flucht.
 

Aber je länger er nachdachte, desto mehr hatte er das Gefühl, dass das Geheimnis um Taylor und Graham sie alle in Gefahr bringen könnte. Und das wusste er – sobald er mehr wusste, würde er es nicht länger ignorieren können.
 

Graham spürte, wie der Druck in ihm wuchs. Die ganze Situation mit Aiden und den anderen war ein heikler Tanz, und Taylor, der mehr zu wissen schien, als er zugab, brachte alles in Gefahr. Besonders die Tatsache, dass er Aiden, den Jungen, auf eine Weise behandelte, die weit über das hinausging, was als „praktisch“ angesehen wurde, machte Graham nervös.
 

Taylor war nicht nur in der Rolle eines „Schwagers“, er war auch der Onkel von Aiden, was die ganze Dynamik noch viel komplizierter machte. Niemand wusste davon, aber es erschwerte alles.
 

„Du verstehst nicht, was du tust, oder?“, knurrte Graham leise und packte Taylor etwas fester am Arm, als er sich zu ihm drehte. „Du spielst mit dem Leben eines Jungen, der zu viel mit sich selbst zu kämpfen hat, und du machst es noch schwieriger, als es ohnehin schon ist. Und was noch schlimmer ist – du könntest uns alle in den Abgrund reißen!“
 

Taylor wich seinem Blick nicht aus, doch das schlechteste Gefühl überkam ihn. Er wusste, dass Graham recht hatte, aber er konnte seine Gefühle nicht einfach abstellen. Nicht für Aiden. Nicht für das, was er in ihm sah. Doch Graham hatte seine Sichtweise und er spürte, wie sich die Anspannung zwischen den beiden verdichtete.
 

„Du hast keinen Plan, was in ihm vorgeht, Graham…“
 

Allerdings, konnte und wollte Graham diese Gedanken nicht hören. In seiner Welt, die von Verantwortung und der Weltregierung diktiert wurde, gab es keinen Platz für Gefühle.
 

„Du hast keine Ahnung, was du hier in Gefahr bringst, wenn du weiter so tust, als ob du ihn retten könntest“, sagte er mit einer scharfen Stimme, dann zog er Taylor zu sich und küsste ihn – nicht aus Zuneigung, sondern um ihm zu zeigen, dass er nicht nachgeben konnte.
 

Der Kuss war voller Zärtlichkeit, doch genau das Gegenteil dessen, was er fühlte, als er ihm ins Ohr flüsterte: „Du hast uns verraten, wenn du weiter so weitermachst.“
 

Darius, der die ganze Szene beobachtete, spürte, wie der Knoten in seinem Bauch immer fester wurde. Es machte in ihm Klick. Er hatte nie verstanden, was zwischen Taylor und Graham war, aber jetzt fühlte er, dass er nur einen Bruchteil des Bildes sah.
 

Es gab viel mehr, was er noch nicht wusste. Etwas, das er sich vielleicht nie hätte vorstellen können. Doch er wusste, dass er nicht in der Position war, etwas zu tun.
 

Graham drehte sich dann zu Darius um und fixierte ihn mit einem Blick, der klare Worte ohne Lautstärke sprach. „Was du hier siehst, bleibt unter uns, verstanden?“, sagte er mit eisiger Ruhe. „Niemand würde dir glauben, wenn du es erzählst, und du weißt es. Also halt dich zurück.“
 

Darius nickte stumm, obwohl es in ihm brodelte. Er wusste, dass er in dieser Situation keine Handhabe hatte, doch das Gefühl, dass er mehr wusste als die anderen, ließ ihn nicht los.
 

Doch die Bedrohung, die in Grahams Worten lag, ließ ihn die Sache schweigend auf sich beruhen…

Kapitel 97

++++
 

Darius hatte das Gefühl, dass er etwas nicht ganz begreifen konnte, aber in diesem Moment blieb ihm nichts anderes übrig, als zu schweigen. Was genau hinter den verschlossenen Türen der Beziehung zwischen Taylor und Graham steckte, war ihm unklar, aber eines wusste er sicher: Die Situation war weitaus komplizierter als er sich je hätte vorstellen können.
 

Die Art und Weise, wie sie miteinander umgingen, hatte etwas Verborgenes, Dunkles, das in Darius ein unangenehmes Gefühl hervorrief. Er fragte sich, ob er vielleicht etwas übersehen hatte, aber es war schwer zu sagen, was es genau war. Vielleicht lag es an den subtilen Signalen in Grahams Verhalten, vielleicht an Taylors undurchdringlichem Blick, der manchmal mehr verriet, als er zeigen wollte.
 

Trotzdem war er sich bewusst, dass er sich nicht in eine Sache einmischen konnte, die für ihn und die anderen viel zu gefährlich war. Während Graham weiterhin mit einem ernsten Blick auf Darius sah, wusste dieser, dass er sich für den Moment besser zurückhalten sollte. Ein falsches Wort, ein unbedachtes Handeln, und die Situation könnte noch unübersichtlicher werden.
 

„Komm“, sagte Graham, der das Gespräch abrupt beendete und sich wieder Taylor zuwandte. „Lass uns fertig werden, bevor noch mehr schiefgeht.“
 

Darius, der die Andeutungen verstand, wusste, dass dies kein guter Zeitpunkt war, um Fragen zu stellen oder weiter nachzuforschen. Doch der Gedanke, dass er vielleicht die falsche Entscheidung traf, ließ ihn nicht los. Was, wenn er sich jetzt zurückhielt, aber später feststellte, dass er Aiden und die anderen hätte warnen müssen? Die Zweifel nagten an ihm.
 

Er hatte den Eindruck, dass er etwas tun musste, um Aiden und die anderen zu beschützen. Doch wie? Welche Handlungsoptionen hatte er überhaupt? Was konnte er tun, wenn er wusste, dass er in einem gefährlichen Spiel steckte, das er nicht vollends verstand? Er war sich sicher, dass er nur einen falschen Schritt von einem Alptraum entfernt war.
 

Während Taylor und Graham sich weiter um ihre eigenen Angelegenheiten kümmerten, wurde Darius immer unruhiger. Aiden war nicht nur in einer schwierigen Phase, sondern der Junge war auch mit einem anderen gefährlichen Geheimnis belastet – einem Geheimnis, das niemand wissen durfte. Und auch wenn Darius nicht alles verstand, wusste er eines: Wenn er und die anderen nicht vorsichtig waren, könnte sich alles noch weiter zuspitzen.
 

Die Fahrt zum geheimen Hauptquartier der Weltregierung zog sich weiter, der SUV war still und gedrängt, während sich jeder mit seinen eigenen Gedanken beschäftigte. Dante, der ohnehin sehr ängstlich war, konnte spüren, dass etwas nicht stimmte, und kuschelte sich enger an Darius. Der Junge brauchte mehr Sicherheit, als er wusste.
 

Ed, der immer noch nicht wusste, was wirklich vor sich ging, drückte sich ebenfalls eng an Dante. Doch Darius konnte das Gefühl nicht abschütteln, dass der Junge mehr mitbekam, als er vorgab. Nur Aiden schien immer weiter in sich zu sinken, seine Augen leer, während er versuchte, das Gefühl der Angst und der Ungewissheit zu verarbeiten. Es war schwer, ihn so zu sehen. Aiden hatte nie einen so fragilen Zustand gezeigt.
 

Darius hatte das Gefühl, dass sie kurz vor einem Wendepunkt standen. Was auch immer kommen würde, er konnte sich nicht länger einfach in die Passivität zurückziehen. Irgendwann würde er handeln müssen. Aber wie? Und wann? Ein großer Moment stand bevor, und er wusste nicht, ob er genug war, um ihn zu überstehen.
 

Die Minuten verstrichen, und das drückende Schweigen im SUV machte die Fahrt noch unerträglicher. Jeder war mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt, aber niemand konnte die Stille durchbrechen. Es war, als ob jeder in seiner eigenen Welt war und gleichzeitig wusste, dass sie aufeinander angewiesen waren.
 

Taylor spürte den Blick von Darius auf sich, doch er reagierte nicht darauf. Stattdessen war sein Blick auf die Uhr gerichtet. Die Minuten verstrichen, und obwohl er innerlich ein gewisses Mitleid mit seinem Neffen empfand, ließ er sich nichts anmerken. Es war schwer, sich mit dieser Entscheidung zu versöhnen, aber er wusste, dass es kein Zurück mehr gab. Auch wenn ein Teil von ihm widerstrebte, wusste er, dass dieser Weg nun unumgänglich war.
 

Es war der Preis für das, was er und Graham sich aufgebaut hatten – und dieser Preis würde jetzt ein weiteres Mal eingefordert werden.
 

In den letzten Stunden hatte er Aiden immer wieder beobachtet. Die Unsicherheit, die er in seinen Augen sah, und die Spuren von Angst, die sich mehr und mehr auf seinem Gesicht zeigten, ließen Taylor kurz zögern. Aber nur für einen Moment. Es war, als ob er sich selbst wieder zusammenrief, bevor er weiter an seinen Entscheidungen zweifelte.
 

Er hatte sich für diesen Weg entschieden und würde ihn nicht verlassen. Die Realität war, dass er Aiden für seine eigenen Zwecke brauchte. Der Junge, den er für seinen Neffen hielt, war auf seinem besten Weg, ein wertvolles Gut zu werden – und damit war auch der Druck auf Taylor enorm. In dieser Welt ging es nur um Macht, und wer einmal im Spiel war, konnte nicht mehr einfach aussteigen.
 

„In zwanzig Minuten sind wir da“, murmelte Taylor kalt, und seine Augen waren für einen Moment abwesend, als er den Gedanken an die bevorstehenden Ereignisse noch einmal überdachte.
 

Graham, der in der Nähe saß, spürte den Druck, der in der Luft lag. Er konnte nicht ganz ergründen, was in seinem Mann vor sich ging, doch er wusste, dass der Moment näher rückte. Sie mussten ihren Plan nun umsetzen.
 

Doch auch er war von der wachsenden Unsicherheit, die er in Taylor spürte, beeinflusst. Es war klar, dass Taylor innerlich kämpfte, aber es war auch offensichtlich, dass er sich nicht von seinem Ziel abbringen lassen würde.
 

Darius, der stumm zuhörte, nahm die Situation in sich auf. Er konnte die Anspannung in der Luft förmlich spüren und wusste, dass sich bald alles entscheiden würde. Aber was bedeutete das für ihn und Aiden? Die Fragen, die sich ihm stellten, waren alles andere als einfach zu beantworten.
 

Doch für jetzt blieb ihm nichts anderes übrig, als die Fahrt weiter auszuhalten. Bald würden sie an ihrem Ziel ankommen, und dann würde sich alles verändern…

Kapitel 98

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Die Fahrt kam schließlich zum Ende, als der SUV langsamer wurde und auf das imposante Gebäude zusteuerte. Der Weg war lang und holprig gewesen, aber jetzt war das Ziel in Sicht, und der Druck in der Luft wurde noch greifbarer.
 

Taylor und Graham hatten sich kaum ausgetauscht, doch der Gedanke an das, was noch kommen würde, belastete beide auf unterschiedliche Weise. Der Moment, den sie seit so langer Zeit geplant hatten, rückte nun näher.
 

Natürlich war auch während der Fahrt durchgegeben worden, dass Taylor und Graham nicht nur Dante einfangen konnten, sondern auch noch drei weitere Omegas. Weswegen die Wachen, die bereits auf den SUV gewartet hatten, keine Rücksicht auf die Jungs und ihre Situation nahmen, als die Tür geöffnet wurde. Sie stießen sie regelrecht aus dem Wagen.
 

Die kalte Luft draußen war wie ein Schlag ins Gesicht, und der graue Himmel wirkte genauso bedrückend wie die Situation. Darius versuchte, Aiden zu stützen, als dieser sich zitternd an ihm festklammerte. Aiden fühlte sich schwach, ausgelaugt von den quälenden Schmerzen, die immer noch durch seinen Körper zogen.
 

Doch was noch schlimmer war, waren die ständigen, hämischen Kommentare der Wachen, die sich einig waren, dass sie definitiv jetzt mehr als ein weiteres wertvolles „Gut“ in ihrer Sammlung hatten.
 

„Ihr werdet sehen, wie schnell ihr euch hier nützlich machen könnt“, spottete einer der Wachen mit einem schiefen Lächeln, während er Aiden einen scharfen Blick zuwarf.
 

Aiden versuchte, sich zusammenzunehmen, doch die Worte brannten sich in seinen Ohren. Der Klang ihrer Schritte, das leise Knirschen von Kies unter den Stiefeln der Wachen und das metallene Klicken von Schlössern und Ketten verstärkten das beklemmende Gefühl. Er hatte das Gefühl, die Luft war dicker geworden, und je weiter sie gingen, desto schwerer wurde es, die Kontrolle über seine Emotionen zu bewahren.
 

Darius, der sich so nah an ihm hielt, versuchte, ihn zu beruhigen, doch auch er spürte den lähmenden Druck. Die Präsenz der Wachen und die Aussicht auf das, was sie erwarten würde, ließen ihn innerlich zittern, auch wenn er nach außen hin versuchte, ruhig zu wirken.
 

„Komm schon, du musst da durch. Es wird gleich besser“, flüsterte Darius, obwohl er selbst nicht glaubte, was er sagte. Jeder Schritt auf diesem Weg führte sie weiter in eine ungewisse Zukunft. Er konnte den Gedanken an das, was die Weltregierung mit ihnen vorhatte, kaum ertragen.
 

Der Weg war lang und steinig, und als sie das Gebäude schließlich erreichten, war es ein harter Schritt ins Ungewisse. Die mächtigen Wände der Einrichtung schienen sich gegen sie zu erheben, und Darius wusste, dass der Kampf jetzt nicht mehr nur gegen ihre Entführer ging, sondern gegen ein System, das mit jeder Sekunde an Macht über sie gewann.
 

Aiden, immer noch blass und mit den Augen voller Angst, klammerte sich noch fester an Darius, als die Wachen sie weiter in das Innere des Gebäudes führten. Der Geruch von Desinfektionsmittel mischte sich mit einer kalten, sterilen Atmosphäre, die ihn erschaudern ließ. Es fühlte sich an, als würde jeder Atemzug schwerer werden, je tiefer sie in das Herz dieses Ortes eindrangen.
 

„Halt den Kopf hoch, wir kommen da irgendwie durch“, flüsterte Darius, doch in seinem Inneren wusste er, dass sie alle in Gefahr waren.
 

Aiden hatte Mühe, die aufkommenden Tränen zurückzuhalten, als er sich noch enger an Darius drückte. „Ich wünschte, Jack wäre hier“, flüsterte er mit zitternder Stimme, „Ich brauche ihn jetzt.“ Es war ein verzweifeltes Bedürfnis, das in ihm brannte. Jack war seine einzige Quelle der Sicherheit in dieser ausweglosen Situation.
 

Doch in diesem Moment war es nur Darius, der ihm beistand, und dafür war er ihm dankbar. Auch wenn er wusste, dass die Lage für alle bedrohlich war, fühlte er sich zumindest ein Stück weit weniger allein.
 

Darius spürte die Erschütterung in Aidens Stimme und zog ihn noch fester an sich. „Du bist nicht allein“, murmelte er, „Ich bin hier. Wir schaffen das zusammen. Aber ich wünschte auch, dass Damian jetzt hier wäre…“ Aber in seinem Inneren hatte auch er Angst, dass sie diesem Schicksal nicht entkommen würden.
 

Die Alphas, die bald eintreten würden, versprühten eine düstere Macht, die den Raum zu erdrücken schien. Es war ein Gefühl, das einem den Atem raubte, eine Präsenz, die die gesamte Atmosphäre füllte.
 

Schließlich traten die Alphas in den Raum. Ihre Aura war sofort spürbar, ihre bloße Anwesenheit schickte einen kalten Schauer durch die Anwesenden. Es war eine Mischung aus überragender Macht und Unbarmherzigkeit.
 

Die Art, wie sie sich bewegten, war ruhig und kontrolliert, doch jeder Schritt schien das Gewicht ihrer Autorität zu verstärken. Die Wände schienen sich mit ihnen zu verengen, als ob die Luft selbst schwerer wurde.
 

Aiden konnte kaum atmen, als er die Alphas betrachtete. Sie waren nicht nur stark, sondern sie strahlten eine Dominanz aus, die es schwer machte, sich nicht von ihr erdrücken zu lassen. Es war klar, dass sie die Kontrolle über alles hier hatten. Und auch wenn Darius an seiner Seite war, konnte Aiden nicht umhin, sich vorzustellen, was sie mit ihm tun würden.
 

Die Möglichkeit, dass ihre schlimmsten Ängste Realität werden könnten, schien immer näher zu rücken.
 

„Du musst nicht so erschrocken wirken“, sagte einer der Alphas mit einem fast schon amüsiert klingenden Ton, als er Aiden ansah. Doch die Worte, die er verwendete, hatten nicht den Hauch von Fürsorge – sie klangen mehr wie ein kaltes Spiel.
 

Darius stand aufrecht, aber sein Blick verriet ebenfalls eine unterschwellige Nervosität. Er wusste, dass sie in den Händen dieser Alphas nicht viel zu sagen hatten.
 

Alles, was er hoffen konnte, war, dass Aiden stark genug war, um das Unausweichliche zu überstehen, und er auch. Denn Darius hatte das Gefühl, nicht so stark zu sein, wie er Aiden versprochen hatte zu sein…

Kapitel 99

++++
 

Der Alpha betrachtete die Gruppe und zog die Augenbrauen hoch, als er die Namen auf dem Klemmbrett las. Natürlich war er schon gleich zu Beginn benachrichtigt worden. „Darius Green“, murmelte er, während sein Blick über Darius glitt. „Aiden Evans, Dante Lewis und Ed Miller. Interessante Zusammenstellung.“
 

Er musterte die Gruppe mit einem kalten, fast bewertenden Blick. Doch etwas in seiner Haltung verriet, dass er mehr wusste, als er preisgab. „Ihr seid endlich da, schön.“ Seine Stimme klang direkt, scharf und kalt. Der Alpha trat einen Schritt näher, wobei seine Aura unmissverständlich zu spüren war – er wollte eine Antwort, und er wollte sie jetzt.
 

Darius knurrte leise, ein leises Grollen in seiner Kehle, das Frustration und Abneigung verriet, die tief in ihm brodelten. „Ich bin bestimmt nicht freiwillig hier“, antwortete er in einem eher patzigen Ton. „Und du kannst dich glücklich schätzen, dass du mich überhaupt siehst. Ich hätte auch in die andere Richtung gehen können, aber das passiert ja nicht.“ Er wusste, dass er als Omega nicht der war, den man leicht übersehen konnte, aber sein Selbstbewusstsein und sein Zorn machten es schwer, sich von den anderen klein machen zu lassen.
 

Seine Haltung war defensiv, ein brüchiges Gleichgewicht zwischen Wut und der Angst, die er tief in sich spürte. Wenn die Alphas es herausfanden, dass er ein McKinley war, würde sich das Bild vielleicht ändern. Dann würde er nicht einfach nur ein entführter Omega sein – dann wäre er ein Ziel, ein noch wertvolleres Ziel, das viele in der Weltregierung begehrten.
 

Darius sah gar nicht ein, höflich und nett zu sein, da er keine Lust hatte, sich zu verstellen. Er war schon immer so zu Alphas, die ihn nur als kleinen schwachen Omega sahen. So war es auch seinem Mann am Anfang ergangen. Aber bei ihm konnte Darius ja auch verstehen, warum Damian am Anfang so war – es musste ihm jetzt nach wie vor nicht passen, aber bei Damian kam er langsam damit klar. Bei diesen Alphas hier nicht.
 

Aiden, der immer noch eng an Darius‘ Seite stand, konnte die drückende Unruhe kaum verbergen. Der Gedanke, was mit ihnen passieren könnte, ließ ihn nicht los. Was würde das für sie alle bedeuten?
 

Doch er versuchte, sich zusammenzunehmen und seinen Fokus nicht zu verlieren. Es war klar, dass die Situation bedrohlich war, aber die Gewissheit, dass Darius an seiner Seite war, gab ihm ein klein wenig Halt.
 

„Ihr seid sicherlich nicht hier, um eine Tasse Tee zu trinken“, sagte der Alpha, als er langsam den Raum durchschritt und jeden von ihnen genau musterte. „Ich nehme an, das macht die Situation noch interessanter. Nicht wahr? Aber es gibt noch viel mehr, was ihr bald herausfinden werdet.“
 

In diesem Moment wurde Darius klar, dass sie weit mehr tun mussten als das Nötigste, um zu überleben. Die Alphas, die vor ihnen standen, waren nicht nur mächtig – sie waren gefährlich. Aber das größte Risiko war, dass Darius und die anderen noch nicht einmal wussten, wie tief der Strudel war, in den sie hineingezogen wurden.
 

Taylor und Graham, die sich bis jetzt im Hintergrund gehalten hatten, waren keineswegs unsichtbar. Sie standen ruhig und aufmerksam, immer bereit, eingreifen zu können, wenn es nötig wurde. Doch der Blick von Graham verriet, dass er die Kontrolle über die Situation nicht ganz verloren hatte. Er wusste, wie gefährlich die Lage war, und dass jeder Moment einen entscheidenden Unterschied machen konnte.
 

Den Alphas waren Graham und Taylor egal, solange die ihre Arbeit machten, hatten die beiden nichts zu befürchten. Doch während sie sich auf die Gruppe konzentrierten, blieb Darius bei der Wahrheit – sie hatten nur noch eine sehr geringe Chance, hier heil wieder herauszukommen. Und das Einzige, was ihn jetzt noch stützte, war die Hoffnung, dass Aiden und die anderen stark genug waren, um die kommende Herausforderung zu überstehen.
 

Doch Darius ließ sich nicht einschüchtern. Da sie noch immer nicht gesagt bekommen hatten, warum sie wirklich hier waren und statt sich zurückzuziehen, trat er einen Schritt vor und fixierte den Alpha mit einem herausfordernden Blick. „Was ist das hier?“, fragte er scharf zurück. „Was macht ihr hier mit uns?“
 

Der Alpha musterte ihn weiter, als würde er versuchen, Darius‘ Beweggründe zu ergründen. Die Atmosphäre im Raum veränderte sich sofort. Die Spannung war greifbar, als der Alpha Darius mit einer Mischung aus Interesse und Berechnung ansah.
 

„Was wollt ihr wirklich von uns?“, fragte Darius noch einmal.
 

„Ihr seid hier, weil ihr von uns gebraucht, werdet“, antwortete der Alpha mit einem selbstbewussten Ton. Darius‘ Magen zog sich zusammen, als der Alpha diese Worte aussprach. Er wusste, dass die Alphas in der Regierung an jungen Omegas interessiert waren, aber was genau sie vorhatten, konnte er noch nicht erahnen.
 

Doch es war offensichtlich, dass ihre Situation immer aussichtsloser wurde. Darius konnte nicht verhindern, dass der Gedanke an die Macht, die sie über ihn und Aiden haben würden, ihm einen kalten Schauer über den Rücken jagte.
 

„Was nun?“, fragte Darius, seine Stimme härter als je zuvor, als er den Alphas direkt in die Augen sah. Er wusste, dass er keine Wahl hatte. Aber er würde alles tun, um sich, die anderen beiden und Aiden zu beschützen – auch wenn es bedeutete, gegen die Alphas und die Weltregierung anzukämpfen.
 

Darius sah die Alphas an, sein Blick trug all die Wut, die er tief in sich fühlte. Doch er wusste, dass er in dieser Situation keine großen Fehler machen durfte. Alles, was er jetzt noch tun konnte, war abzuwarten und zu hoffen, dass sie irgendwie einen Ausweg finden würden...

Kapitel 100

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Der Alpha, der den Raum dominierte, machte einen Schritt auf Darius zu, als wolle er seine Aussage noch unterstreichen. Seine Augen funkelten mit einer Mischung aus Belustigung und Machtbewusstsein, während er Darius musterte. „Du wirst noch verstehen, welche Rolle ihr spielen werdet“, sagte er mit einem scharfen Unterton in der Stimme. „Es wird euch bestimmt gefallen, da bin ich mir sicher.“ Sein Lächeln war dieses Mal nicht gespielt, sondern ein Ausdruck echter Genugtuung, was Darius innerlich vor Wut fast zum Kochen brachte.
 

Darius nickte nur knapp, sein Körper angespannt. Doch er hielt den Blick des Alphas stand, auch wenn in ihm alles schrie, ihm einen Teil dieser Überheblichkeit zu nehmen. „Ach ja?“, antwortete er, die Kälte in seiner Stimme unüberhörbar. „Aber ihr habt immer noch nicht erklärt, was genau wir hier sollen. Was ist der wahre Grund?“
 

„Es geht um mehr, als du dir vorstellen kannst“, kam die Antwort, begleitet von einem leichten, fast spöttischen Lächeln, das Darius kaum als freundlich deuten konnte. „Die Omega-Gesetze der Weltregierung sind klar. Eure Art – und vor allem du, Darius McKinley – ist wertvoller, als du je ahnen könntest.“
 

Darius‘ Magen zog sich zusammen. Der Name McKinley schien absichtlich betont worden zu sein. Seine Gedanken rasten. Wie viel wussten sie? Wie viel hatten sie über ihn und seine Vergangenheit herausgefunden? Die bloße Tatsache, dass sie ihn nicht als „Green“ ansprachen, war beunruhigend genug.
 

Aiden, der immer noch eng an Darius’ Seite stand, konnte die wachsende Nervosität nicht länger unterdrücken. Seine Augen wanderten nervös zwischen Darius und dem Alpha hin und her, als ob er nach Antworten suchte, die ihm niemand geben konnte. „Was meinen sie, Darius?“ Seine Stimme war leise, fast flehend, doch der zitternde Unterton machte seine Unsicherheit unüberhörbar.
 

Darius drückte Aidens Hand, ein kurzer, beruhigender Druck, auch wenn die eigene Anspannung ihm fast die Kehle zuschnürte. „Bleib ruhig“, flüsterte er, so leise, dass nur Aiden es hören konnte. „Lass sie nicht sehen, dass sie dich verunsichern. Wir finden einen Weg.“
 

In diesem Moment trat Graham vor, seine Haltung wachsam, seine Augen auf den Alpha gerichtet, als wollte er die Situation unter Kontrolle bringen. Seine Stimme war ruhig, aber seine Worte waren scharf: „Wir sollten vorsichtig sein, Alpha. Zu viel verraten könnte uns selbst gefährden.“
 

Der Alpha warf Graham einen kurzen Blick zu, sein Gesichtsausdruck zeigte, dass er nicht viel von Ratschlägen hielt, auch wenn er kurz innehielt. Dann drehte er sich wieder zu Darius um, ein zynisches Lächeln auf den Lippen. „Was für ein Geheimnis bleibt, wenn der Name McKinley ins Spiel kommt?“ Er sprach diesen Namen so aus, als würde er ihn genüsslich auf der Zunge zergehen lassen. „Das könnte unsere gesamte Strategie ändern. Oder uns einen Vorteil verschaffen.“
 

Schließlich hatte die Weltregierung nicht umsonst ihre Fäden in der Hand gehabt, warum auch immer war es der Weltregierung gelungen, Omegas schon im Kleinkindalter zu erkennen und klar zu filtern, auch wenn die Jungs es selbst nicht wussten. Dass Darius’ Mutter bei seiner Geburt gestorben war, war auch kein Zufall. Allerdings wusste das wirklich keiner!
 

Darius spürte, wie sein Herz schneller schlug. Jeder Moment in diesem Raum fühlte sich an, als ob die Luft ihn erdrücken würde. Der Alpha spielte ein Spiel, dessen Regeln er nicht kannte, und jede seiner Äußerungen fühlte sich an wie eine versteckte Falle.
 

Es war kaum zu ertragen für Darius, wie die Gespräche sich entwickelten, als ob er und Aiden nur Schachfiguren in einem Spiel waren, dessen Regeln sie nicht kannten. Und die Wahrheit über ihre Herkunft – oder vielmehr die Wahrheit über Darius‘ und Aidens wahre Bedeutung – war das entscheidende Element.
 

„Ich hoffe nur, dass wir uns nicht zu weit hinauslehnen, Alpha“, sagte Graham mit einem scharfen Blick, als ob er jede Äußerung von Darius und Aiden im Auge behielt.
 

Darius konnte nicht anders, als eine tiefe, nagende Angst in sich zu spüren. Er wusste, dass dies alles nicht nur eine Bedrohung für ihn und Aiden war, sondern auch für die Welt, wie sie sie kannten.
 

„Es wird sich herausstellen, wie weit dieses Spiel geht“, sagte Darius, und seine Worte waren ruhig, aber bestimmt. „Und wenn ich eine Chance habe, das zu ändern, dann werde ich sie ergreifen. Auch wenn ich dabei mein Leben riskiere.“
 

Es war ein letzter Versuch, sich nicht vollständig der Macht der Alphas zu unterwerfen. Doch die Realität war gnadenlos. Es würde nicht nur um ihn und Aiden gehen – sondern auch um das, was sie repräsentierten, was sie noch nicht wussten…

Kapitel 101

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Während der Raum noch in Stille verharrte, wurde Darius’ Blick eisig, als Taylor, der bisher im Hintergrund geblieben war, schließlich vortrat und das Wort ergriff. Die Spannung im Raum war fast greifbar, als er es wagte, die Situation noch weiter zu eskalieren.
 

„Es tut mir leid, Darius“, begann Taylor mit einem Hauch von spöttischem Bedauern, „aber ich glaube, es gibt noch etwas, das du über deinen Freund wissen solltest bzw. was die Alphas unbedingt wissen sollten.“
 

Darius’ Augen verengten sich. Seine Hände ballten sich zu Fäusten. Er wusste, dass Taylor diese Entdeckung nicht ohne Grund enthüllen würde, und der Gedanke an das, was Taylor vielleicht sagen könnte, ließ ihn in Alarmbereitschaft versetzen.
 

„Aiden... ist schwanger“, sagte Taylor dann, mit einem beinahe unmerklichen Lächeln, als wäre er über Darius' Reaktion amüsiert.
 

Darius erstarrte, seine Wut auf Taylor kochte in ihm hoch. Er hatte gehofft, dass Taylor es nicht sagen würde – nicht jetzt, nicht unter diesen Umständen. Seine Hände zitterten leicht vor unterdrückter Wut, als seine Augen Taylor durchbohrten. Doch die Worte waren ausgesprochen, und es gab kein Zurück mehr.
 

Aidens Augen weiteten sich, seine Verwirrung und Angst waren deutlich zu erkennen. „Darius…“, flüsterte er, als ob er eine Erklärung suchte. Doch Darius war zu sehr auf Taylor fokussiert, seine Züge verhärtet und seine Stimme schneidend, als er endlich das Schweigen brach.
 

„Das hätte nicht sein müssen, Taylor. Du hast keinen Plan, was du damit angerichtet hast.“ Seine Worte waren leise, aber gefährlich. Jeder im Raum spürte die Spannung, die sich wie ein unbändiges Tier aufbaute, bereit, loszubrechen.
 

Taylor zuckte kaum merklich mit den Schultern, sein Gesichtsausdruck neutral, als ob ihn Darius’ Reaktion nicht beeindruckte. „Es war ohnehin nur eine Frage der Zeit, bis sie es herausfinden. Warum es also verbergen?“, sagte er mit einer Spur von Gleichgültigkeit, die Darius’ Wut nur weiter anfachte.
 

Ein leises Murmeln ging durch den Raum, als der Alpha und die anderen Alphas die Nachricht aufnahmen. Der Alpha, der bisher geschwiegen hatte, trat vor. Seine Augen funkelten, und ein gefährliches Lächeln spielte um seine Lippen. „Ein schwangerer Omega?“, wiederholte er langsam, als wolle er jedes Wort genießen. „Das macht die Sache... interessanter.“
 

„Ihr habt einen schwangeren Omega in eurer Mitte und habt das nicht sofort erwähnt?“ Seine Stimme war tief und bedrohlich, während er Taylor ansah, als ob er ihm einen Vorwurf machen wollte.
 

Taylor wich dem Blick des Alphas aus, doch ein selbstzufriedenes Lächeln schlich sich auf seine Lippen, als er den Kopf leicht neigte. „Nun, jetzt wissen wir es alle. Und ich denke, wir können uns einig sein, dass Aiden in dieser Situation... von besonderem Wert ist.“
 

Der Alpha, der das Gespräch beobachtet hatte, trat nun näher, sein Interesse deutlich zu erkennen. „Ein schwangerer Omega“, murmelte er, mehr zu sich selbst als zu den anderen. Seine Augen verengten sich, als er Aiden musterte. „Das ändert alles.“
 

Aiden wich unwillkürlich einen Schritt zurück und suchte instinktiv Darius’ Nähe. „Das darf nicht…“, begann er, aber seine Stimme brach ab, als der Alpha eine Hand hob, um ihn zum Schweigen zu bringen.
 

„Es ist nicht nötig, etwas zu sagen“, unterbrach der Alpha kühl. „Es erklärt vieles – Ein schwangerer Omega ist eine seltene Gelegenheit.“ Seine Worte ließen keinen Zweifel daran, dass er dies als strategischen Vorteil betrachtete.
 

Darius trat schützend vor Aiden, sein Blick so scharf wie eine Klinge. „Er ist kein Besitz, kein Werkzeug, das ihr nutzen könnt. Vergesst das nicht.“ Seine Stimme war fest, unnachgiebig, doch sein Herz raste, während er die Situation einschätzte.
 

Der Alpha lächelte kalt. „Das liegt nicht in deiner Hand, Darius McKinley.“
 

Darius knurrte leise, seine Wut kaum zu bändigen. „Ihr werdet sehen, wie wenig ihr in der Hand habt, wenn ihr glaubt, uns zu kontrollieren.“
 

Der Alpha trat näher an Darius heran, sein Gesicht nur wenige Zentimeter von ihm entfernt. „Du und dein kleiner Freund“, begann er, seine Stimme leise, aber schneidend, „seid ein wertvolles Gut. Und ich verspreche dir, wir werden euch so einsetzen, wie es nötig ist.“
 

Darius spürte, wie sich sein Körper anspannte. Die Wut in ihm war wie ein Feuer, das sich ausbreitete, doch er wusste, dass er vorsichtig sein musste. Jeder Fehler könnte Aiden gefährden – und das ungeborene Kind, weswegen Darius nicht zurückwich. Sein Blick war eisig, und seine Stimme war ruhig, als er antwortete: „Ihr werdet keinen von uns so benutzen, wie ihr es euch vorstellt.“
 

Graham, der bisher still geblieben war, trat vor, seine Haltung entspannt, doch seine Augen sprachen Bände. „Vielleicht sollten wir das Gespräch beenden, bevor es aus dem Ruder läuft“, schlug er vor, seine Stimme ruhig, aber bestimmend.
 

Die Worte hingen schwer in der Luft, und für einen Moment schien die Welt stillzustehen. Doch in Darius‘ Innerem tobte ein Sturm – ein Sturm, den er nicht bereit war, aufzugeben…

Kapitel 102

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Darius konnte die Spannung in der Luft förmlich spüren, eine gefährliche Mischung aus Interesse und Verachtung. Es war klar, dass es um Macht, um Kontrolle und um das, was sie als Omega repräsentierten, ging.
 

Auch war klar, als der Alpha die Dimension der Situation erfasste, dass sich Darius nur etwas selbst vormachte. Da er nicht wusste, ob er die Kontrolle in ihrem Spiel behalten würde können.
 

„Ihr bleibt hier,“ sprach einer der Alphas. „Ihr werdet gebraucht, ihr seid ein Instrument, ein Symbol, ein Altar, auf dem unser Spiel weitergehen wird.“
 

Darius‘ Blick wurde stahlhart, als er den Alpha musterte, der alles in diesem Raum offenbar, wie ein Schachbrett betrachtete. Doch ihm war klar, dass er gegen all das nicht viel ausrichten konnte. Und das wurde auch Aiden bewusst, der sich weiterhin an Darius’ Seite klammerte, mit blassen Lippen und einem immer wieder unterdrückten Zittern.
 

„Wer ist eigentlich der Erzeuger des Kindes?“, stellte der Alpha Taylor die alles entscheidende Frage. Er ging davon aus, dass jener es einfach wissen musste. Woraufhin Taylor nur den Alpha angrinste.
 

„Jack Brown.“
 

Ein Name mit sehr viel Bedeutung. Das wurde dem Alpha klar, als er sich von Taylors Worten beeinflussen ließ. Die Nachricht über einen schwangeren Omega, und noch dazu einem Omega, der möglicherweise nicht nur von irgendeinem Mann schwanger war, sondern von einem der wichtigsten in der Gesellschaft – Jack – ließ in den Augen des Alphas etwas gefährlich Funken sprühen.
 

Der Wert eines schwangeren Omegas war in der Welt der Alphas unbezahlbar. Und Aiden, der hier vor ihm stand, war der Schlüssel zu einer Macht, die er jetzt auf keine Weise entkommen ließ.
 

„Ihr werdet hier euren Platz einnehmen, und ich werde sicherstellen, dass dieser Platz auch der richtige ist.“, sagte der Alpha schließlich und ließ keinen Zweifel daran, dass dies keine Diskussion war.
 

Darius‘ Herz zog sich zusammen, aber er konnte nichts tun. Alles, was er tun konnte, war, Aiden weiterhin zu stützen, ihn zu beruhigen und zu hoffen, dass irgendeine Möglichkeit kommen würde, sie aus diesem Albtraum zu befreien. Doch bis dahin würde er kämpfen, um zumindest ein wenig Schutz für Aiden zu bieten.
 

„Ihr habt keinen Plan, wie es weitergeht“, knurrte Darius, als er den Raum mit einem Blick durchbohrte. „Aber glaubt mir, es wird der Tag kommen, an dem ihr alles, was ihr für sicher haltet, verlieren werdet.“
 

Der Alpha grinste nur und nickte leicht. „Vielleicht. Aber bis dahin, Darius, wirst du dich noch etwas gedulden müssen.“
 

Darius konnte das Gefühl der Ohnmacht kaum ertragen, doch er wusste, dass er in diesem Moment keine Wahl hatte. Alles, was er tun konnte, war, die Zeit zu überbrücken und Aiden zu schützen, so gut er konnte. Doch mit einem schwangeren Omega an ihrer Seite und einer Weltregierung, die alles zu kontrollieren versuchte, würde der Weg aus diesem Netz aus Lügen und Machtspielen alles andere als einfach sein.
 

Während Darius Aiden weiterhin festhielt und sich bemühte, dem drohenden Sturm in seinem Inneren zu widerstehen, spürte er plötzlich, wie sich ein unterschwelliges Fieber in seinem Körper ausbreitete.
 

Es war kaum mehr als ein Hauch, ein leises Ziehen, aber es war da – die ersten Anzeichen. Er hatte es schon oft genug erlebt, wusste genau, was kommen würde. Doch der Gedanke daran ließ ihn noch unruhiger werden.
 

Das Fieber, das in ihm aufstieg, brachte eine Unruhe mit sich, die er kaum verbergen konnte. Es war wie ein Drang, sich zu verkriechen, zu fliehen, aber auch wie ein Bedürfnis, sich zu beweisen, sich zu halten und ruhig zu bleiben – nicht nur für sich selbst, sondern auch für Aiden, der weiterhin an seiner Seite hing…

Kapitel 103

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Ausgerechnet jetzt war sein Mann Damian nicht anwesend – und die schmerzhafte Leere, die sich breitmachte, weil er nicht an seiner Seite war. Inmitten dieser ganzen Bedrohung, des Fiebers, des Spiels, das die Alphas mit ihnen trieben, hatte Darius das Gefühl, etwas zu verlieren, was ihn vielleicht stabilisieren konnte. Damian.
 

Ohne ihn war er schwächer, das wusste er mit jedem Atemzug. Der Gedanke, dass Damian jetzt nicht da war, verstärkte die Nervosität in ihm, ließ die innere Unruhe noch stärker werden. Es war, als ob ein Teil von ihm fehlte, und das ließ ihn umso zerbrechlicher wirken.
 

Der Gedanke an Damian war wie ein ständiges Ziehen in seinem Inneren, ein vermisstes Stück, das ihn in dieser dunklen Stunde zurückhielt. Er hatte sich nie bewusst auf Damian verlassen müssen – er hatte immer geglaubt, sich selbst zu genügen. Aber in diesem Moment war das anders. Damian war nicht nur der Mann, den er liebte, er war auch die Stütze, die ihm Halt gab, die Ruhe inmitten des Chaos. Ohne ihn fühlte sich Darius verloren, und das verstärkte das Gefühl der Bedrohung, das von den Alphas ausging.
 

Jedes Mal, wenn Darius sich an den Gedanken an Damian klammerte, fühlte er sich gleichzeitig schwächer und stärker. Schwächer, weil er es ohne ihn in diesem Moment nicht ertragen konnte, stärker, weil er wusste, dass Damian in seinem Herzen immer bei ihm war, auch wenn er physisch nicht da war. Doch das half ihm nicht, als der Raum von der Aura der Alphas erdrückt wurde. Es war, als ob diese Leere ihn einhüllte und ihn angreifbarer machte als je zuvor.
 

Doch trotz des Ziehens in seinem Inneren, trotz der Nervosität und der brodelnden Unruhe, wusste Darius, dass er nicht nur an sich selbst denken konnte. Aiden war an seiner Seite, schwach und zitternd, immer noch von der Gefahr erfasst. Die anderen beiden – sie brauchten ihn, brauchten seine Stärke, um zu überstehen, was vor ihnen lag. Diese Verantwortung lastete auf seinen Schultern, schwerer als alles andere. Während das Fieber ihn in seinen Bann zog, kämpfte er gegen die aufkommende Schwäche an, gegen das Verlangen, sich einfach in Damian zurückzuziehen, gegen das Gefühl, sich fallen lassen zu wollen.
 

Darius musste Aiden beschützen. Und er würde es tun, auch wenn er sich selbst dabei verlor. Auch spürte er, wie sich seine Atmung veränderte, wie sein Körper zunehmend gegen ihn arbeitete, als das Fieber ihn durchströmte. Doch was ihm noch mehr Sorgen bereitete, war, dass er wusste, wie es in diesem Raum war: jeder dieser Alphas konnte es spüren. Und sie hatten längst genug geübte Instinkte, um zu wissen, dass etwas mit ihm nicht stimmte.
 

Der Alpha, der zuvor ruhig zugehört hatte, bemerkte das subtile Zittern in Darius‘ Bewegungen. Seine Augen verengten sich, als er ein weiteres Mal Darius’ Aura durchdrang.
 

„Und du?“, fragte der Alpha mit einem tiefen, fast durchdringenden Blick. „Du scheinst auch nicht in Bestform zu sein. Was hast du zu verbergen, Darius McKinley?“
 

Darius’ Herz schlug schneller, doch er versuchte, ruhig zu bleiben. Die Mischung aus Angst und Verlangen, die nun durch seinen Körper pulsierte, war schwer zu kontrollieren. Er wollte nicht, dass diese Männer mehr wussten als nötig – nicht jetzt, nicht hier. Doch es war offensichtlich, dass sie ihn durchschauten.
 

„Es ist nichts“, sagte Darius mit einem knappen Blick, versuchte, sich in die Fassade der Gelassenheit zu flüchten, die er sich in all den Jahren hart erarbeitet hatte. Doch die Erregung in seinem Körper, das Glühen seiner Haut, das langsame Entgleiten der Kontrolle – all das verriet ihn. „Ich habe nichts zu verbergen.“
 

Der Alpha grinste schmal. „Oh, aber du hast etwas, das uns interessiert. Und das macht dich wertvoll, Darius. Sehr wertvoll.“
 

Darius fühlte, wie sich sein Nacken verspannte, als der Alpha sich ihm näherte. Es war nicht nur Aiden, der in dieser Situation von Bedeutung war. Auch er, Darius, wurde plötzlich von Interesse für die Männer, die in dieser Weltregierung alles kontrollierten. Und das war das Letzte, was er wollte…

Kapitel 104

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Taylor beobachtete alles mit einem wissenden Blick, als er die Situation genauestens einschätzte. Er wusste um Darius‘ Zustand und die damit verbundene Schwäche, die er vergeblich zu verbergen versuchte. Und obwohl er es nicht ausgesprochen hatte, wusste auch er, dass die bevorstehende Hitze Darius in eine noch gefährlichere Lage brachte.
 

„Ich glaube, das ist deine erste Hitze. Nicht wahr?“, sagte Taylor mit einem leichten, aber bissigen Lächeln. „Das wird uns sehr nützlich sein. Und du wirst sie mit uns erleben, Darius. Viel zu verlieren hast du nicht, oder?“ Taylor wusste, dass es eh passieren würde. Dass Darius gar keine Wahl hatte.
 

Darius biss sich auf die Lippen, versuchte, sich gegen die zunehmende Hitze zu stemmen, die in seinem Körper brodelte. Die Glut in seinen Adern brannte, stach wie tausend Nadeln in seinem Inneren. Sein ganzer Körper verriet ihn, als würde er ihm in diesem Moment den Rücken kehren. Alles in ihm schrie nach Flucht, nach einem Ausweg, aber er wusste, dass er keine Wahl hatte. Aiden braucht dich. Du darfst jetzt nicht schwach werden. Nicht vor ihnen. Nicht, wenn Aiden dich ansieht.
 

„Ich werde es mit keinem hier erleben.“, knurrte Darius, doch seine Stimme war brüchig, als ob er sie durch das Feuer in seinem Körper beinahe verlieren würde. Der Alpha hatte ihn in den Bann gezogen, und Darius konnte das kaum noch verbergen.
 

Der Alpha trat einen Schritt näher, seine Augen funkelten mit einer Mischung aus Bedrohung und Genuss. „Oh, aber du wirst, Darius. Du wirst. Und wir werden dafür sorgen, dass du dich dabei wohlfühlst.“
 

Die Hitze in ihm nahm zu, wie ein wildes, unaufhaltsames Feuer, das durch seine Adern raste. Er fühlte sich, als würde er verbrennen, als würde sein Körper ihn verraten, und es war klar, dass er bald nicht mehr in der Lage sein würde, die Kontrolle zu bewahren. Die Blicke der Alphas bohrten sich in ihn, jede ihrer Bewegungen, jede ihrer Regungen absichtlich so gemacht, dass sie ihn nur noch mehr erdrückten. Sie genossen es. Und das war es, was ihn am meisten quälte – sie würden ihn brechen, genau wie sie es mit Aiden vorhatten.
 

Sein Atem wurde schneller, flacher. Der Schweiß stand ihm auf der Stirn, und er konnte kaum noch geradestehen. Es war, als ob der Boden unter ihm immer weicher wurde, als würde er gleich zusammenbrechen.
 

„Du solltest dich setzen“, sagte der Alpha mit einem bösartigen Grinsen, das Darius wie ein Messer in der Brust fühlte. „Es wäre bedauerlich, wenn du in dieser Verfassung noch viel länger stehen müsstest.“
 

Darius biss die Zähne zusammen, versuchte, sich zu sammeln. Du darfst nicht schwach wirken. Zeig ihnen nicht, wie nah du am Zusammenbruch bist. Doch je mehr er versuchte, sich zu fassen, desto mehr fühlte er sich von der Hitze in seinem Körper übermannt. Sie zog ihn runter, ließ ihn in einem Sturm aus Verlangen und Schmerz taumeln.
 

„Es geht mir gut“, stieß er schließlich hervor, doch die Worte klangen fast hohl, als ob sie nicht aus ihm, sondern aus der brennenden Hitze stammten, die ihn verschlang. „Ich bin nur…“
 

Der Alpha grinste weiter, als hätte er das Spiel durchschaut, das Darius spielte. „Nur was, Darius? Nur in einem Zustand, den wir alle kennen?“ Er trat einen Schritt näher und fuhr fort, als Darius kaum noch ausweichen konnte. „Wir wissen, was du bist, und was du brauchst. Und das kannst du dir jetzt nicht mehr entziehen.“
 

Darius spürte, wie der Widerstand in ihm brach. Die Hitze wurde zu einem unaufhaltsamen Fluss, der seine Sinne trübte und seinen Körper lähmte. Die Kontrolle, die er so lange aufrechterhalten hatte, rutschte ihm endgültig aus den Fingern.
 

„Verdammt“, knurrte er und wankte, als ein plötzlicher Schwindelanfall ihn fast umwarf. Aus den Augenwinkeln sah er Aiden zurückweichen, und allein dieser Blick stach in sein Herz wie ein Dolch. Es war alles zu viel – die Anspannung, die Alphas, die Hitze, die in ihm tobte.
 

Die Alphas schienen genau auf diesen Moment gewartet zu haben. Einer von ihnen trat schnell zu ihm und griff nach seinem Arm, als er taumelte. Darius versuchte, sich zu befreien, doch seine Muskeln gehorchten ihm nicht mehr.
 

„Jetzt ist der Moment, in dem du verstehst, was es bedeutet, hier zu sein“, sagte der Alpha mit einem triumphalen Lächeln. „Du bist jetzt unser.“
 

Darius‘ Atem ging schnell und unregelmäßig, und er konnte kaum noch klar denken. Ein Teil von ihm schrie nach Damian, nach irgendeiner Rettung, aber er wusste, dass niemand kommen würde. Nicht diesmal.
 

Alles, was er fühlte, war die unaufhaltsame Hitze, die ihn erdrückte. Aber was ihn am meisten quälte, war, dass Aiden direkt hinter ihm stand, unsicher und zerbrechlich wie nie zuvor.
 

„Haltet euch von ihm fern!“ brüllte Darius plötzlich, als er versuchte, sich in einer letzten verzweifelten Bewegung zu befreien. Doch seine Energie war erschöpft, und die Worte verloren sich in einem heiseren, fast unverständlichen Laut.
 

„Haltet euch von ihm fern!“ brüllte er noch einmal, diesmal mit einem verzweifelten Zucken seines Körpers. Doch die Worte waren kaum mehr als ein Stöhnen, und Darius merkte, wie sein Körper nachgab.
 

Er konnte es nicht länger aushalten. Taylor grinste zufrieden, als er Darius' letzten Widerstand zusammenbrechen sah. Die Alphas standen nur abwartend da, ihre Blicke wie Raubtiere, die wussten, dass sie ihre Beute schon bald in der Hand hatten.
 

„Taylor, du solltest ihn nicht unnötig reizen“, meinte der Mann neben ihm, doch sein Ton war leicht und voller Genugtuung. Darius fühlte sich plötzlich von einer unerklärlichen Übelkeit übermannt, seine Beine gaben nach, und er sackte nach hinten zusammen. Er konnte nicht mehr aufstehen, konnte sich nicht mehr wehren. Die Alphas, die ihre Augen immer noch auf ihn gerichtet hielten, sahen sich nur kurz an und wussten, dass er ihnen gehörte. Ein lautes, selbstzufriedenes Lachen ertönte aus der Gruppe.
 

Aiden, der die ganze Zeit über still hinter ihm gestanden hatte, sah das alles mit einer Mischung aus Angst und Schmerz. Die ganze Situation, die sich vor ihnen abspielte, war mehr, als er ertragen konnte.
 

„Darius…“ flüsterte Aiden, und die Angst in seiner Stimme ließ Darius‘ Herz noch schwerer werden. Doch er konnte ihm nicht mehr helfen. Nicht jetzt. Nicht so. Trotzdem würde er es versuchen.
 

„Lasst ihn in Ruhe“, hörte Darius Aidens Stimme, die leise und fast schon verzweifelt klang. „Ihr müsst ihn nicht noch weiter provozieren!“ Aiden versuchte sich jetzt schützend über Darius zu beugen. Er hatte so viel für ihn immer riskiert, da wollte Aiden es ihm wenigstens ein wenig zurückgeben können.
 

Die Alphas tauschten nur einige kurze, bedeutungsschwere Blicke aus. Die Dynamik zwischen ihnen war klar. Sie hatten ihre Beute – und es würde nicht lange dauern, bis sie mit Darius und Aiden alles tun würden, was sie wollten...

Kapitel 105

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Die Alphas beobachteten Darius mit einer Mischung aus Verachtung und Belustigung, während er immer schwächer wurde. Sie wussten, dass sie gewonnen hatten, und sie genossen den Moment. Doch in den Augen von Darius, die jetzt von Schmerz und Unsicherheit gezeichnet waren, spiegelte sich auch ein Funken von Widerstand, auch wenn er kaum noch die Kraft hatte, ihn zu zeigen.
 

„Du bist mehr wert, als du denkst, Darius“, sagte einer der Alphas mit einem spöttischen Lächeln, als er sich zu ihm beugte. „Du wirst sehen, was wir mit dir tun werden.“
 

Doch Darius hörte kaum hin. Die Hitze in ihm war jetzt fast unerträglich. Sein Körper verlangte nach Ruhe, nach etwas, das ihm die Kontrolle zurückgab, aber es war nicht mehr möglich, die Fäden zu ziehen. Alles, was er wollte, war, dass Aiden sicher war. Doch die Vorstellung, dass er und Aiden hier in dieser Situation zusammen waren, ließ ihn in eine noch tiefere Verzweiflung stürzen.
 

Sein Verlangen, Damian an seiner Seite zu wissen, wurde immer stärker. Darius wusste, dass, wenn jemand mit ihm schlafen durfte, es Damian war. Aber die Angst, dem Alpha zu erliegen, überkam ihn wie eine Welle. Auch wenn er immer noch rebellierte, hatte er genug gehört und gesehen, dass es keinen Unterschied machte, wer den Omega nahm – er würde die Kontrolle über seinen Körper verlieren, und dieser Gedanke jagte ihm einen kalten Schauer über den Rücken.
 

„Damian… warum bist du nicht hier…?“, flüsterte er fast verzweifelt. Ein inneres Seufzen überkam ihn, als er realisierte, warum Damian damals so reagiert hatte, als er Regeln aufgestellt hatte. Er bereute ihren Streit zu Beginn ihrer Ehe und spürte das Zittern in Aidens Händen, als dieser sich schützend über ihn beugte.
 

Aber beide wussten, dass es keinen Moment mehr zu verlieren gab. Die Alphas waren zu nah, und es war klar, dass sie jederzeit zuschlagen würden – es war keine Frage mehr von „ob“, sondern von „wann“.
 

„Aiden…“ flüsterte Darius mit schwacher Stimme, die kaum über seine Lippen kam. „Bleib… bei mir.“
 

Aiden presste die Lippen aufeinander und nickte, auch wenn seine Augen vor Angst weit aufgerissen waren. Er hatte schreckliche Angst um Darius. Er erinnerte sich nur zu gut, wie es für ihn selbst das erste Mal war. Jeder lebte seine eigene Hölle, das wusste Aiden zu gut. Doch er hatte Glück gehabt, einen besonderen Mann an seiner Seite zu wissen – etwas, das Darius nun nicht mehr vergönnt war, eine bittere Wahrheit, die sie beide nur zu gut verstanden.
 

Es war kein Moment, um zu fliehen oder sich zu verstecken. Nicht jetzt. Nicht hier. Aiden konnte Darius nicht seinem Schicksal überlassen, auch wenn der Gedanke, in diesem Moment so hilflos zu sein, seinen Magen verkrampfte.
 

Als einer der Alphas einen Schritt auf sie zu machte, sein sardonisches Lächeln dabei kaum verbergend, verschärfte sich die Anspannung. „Es scheint, dass es nicht mehr lange dauern wird“, sagte er nur und trat näher. „Aber du, Aiden, bist also schwanger… Interessant.“ Die Bedeutung dieses Satzes ließ Darius' Nackenhaare aufstellen. Es gab immer einen Grund für solche Bemerkungen.
 

Darius’ Kopf schmerzte, als er versuchte, die Welle aus Verwirrung und Angst abzuwehren. Als er merkte, dass der Alpha Aiden fast schon liebevoll tätschelte, schnürte sich ihm die Kehle zu. „Haltet euch von ihm fern“, knurrte er, doch die Worte waren kaum hörbar, eher ein verzweifeltes Flehen als ein Befehl.
 

Der Alpha lachte nur und drehte sich wieder zu den anderen, als ob Darius' Proteste keine Bedeutung hätten. „Wir werden sehen, wie wir mit euch beiden umgehen“, sagte er mit einem kalten Blick, der Darius‘ letzten Rest an Widerstand zum Schmelzen brachte.
 

Darius spürte, wie er weiter in das Verderben gezogen wurde. Doch er gab nicht auf, selbst wenn der Schmerz ihn immer weiter zerfraß. Der Gedanke an Aiden – an den kleinen Jungen, der mit ihm hier war und dessen Zukunft ebenfalls auf dem Spiel stand – hielt ihn bei klarem Verstand, so gut es noch ging.
 

Er wusste, dass sie beide nicht lange so bleiben konnten. Ein Plan musste her, aber in diesem Moment gab es keine klare Lösung. Es war, als ob sie in einem Netz aus Lügen und Macht gefangen waren, ohne einen Ausweg.
 

Der Alpha, der sich jetzt zu Darius beugte, hatte es bemerkt. Er wusste, dass Darius keine Kraft mehr hatte, richtig zu rebellieren, und wollte das ausnutzen. „Du hast keine Kontrolle mehr, Darius“, sagte er mit einem zufriedenen Lächeln. „Und du wirst nie wieder die Kontrolle haben.“
 

Die Worte hallten in Darius' Kopf wider, während er kämpfte, nicht vollständig zu brechen. Aber tief in seinem Inneren wusste er, dass dieser Moment der Anfang von etwas viel Größerem war, von etwas, das sie nicht einfach ignorieren konnten.
 

Doch für jetzt blieb nur eines: Sie mussten überleben. Sie mussten warten. Und hoffen…

Kapitel 106

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Der Raum, in den Darius und Aiden gebracht wurden, war klein und düster, mit einem erstickenden Luftzug, der ihnen das Atmen erschwerte. Die Tür war laut ins Schloss gefallen, und Stille lastete schwer in der Luft, als ob der Raum selbst ihre Verzweiflung aufsaugte.
 

Darius konnte kaum noch einen klaren Gedanken fassen. Die Hitze in ihm war so intensiv, dass sie ihn in einem Zustand der Ohnmacht gefangen hielt, das Gefühl, dass sein Körper sich in Flammen auflöste, und doch fühlte er sich schwächer und ausgeliefert. Der Druck in seinen Adern war so stark, dass er fast das Gefühl hatte, er würde in den eigenen Schmerzen zerbrechen.
 

Es war die erste Hitze – und der Zeitpunkt hätte nicht ungünstiger sein können. Seine Gedanken versanken, der Schmerz kroch durch seine Glieder und die Erschöpfung drückte so stark auf ihn, dass er kaum in der Lage war, noch eine klare Entscheidung zu treffen.
 

„Aiden…“, murmelte er, seine Stimme so schwach, dass sie kaum die Luft durchbrach. Aiden, der immer noch verzweifelt an ihm festhielt, taumelte. Die Wärme in Darius’ Körper war ansteckend, und sie schlich sich immer weiter in Aiden hinein. „Ich kann nicht mehr…“, flüsterte Aiden, als seine Beine unter ihm nachgaben. Der Boden schien unter ihm zu verschwinden, und seine Sicht verflimmerte.
 

„Halt durch, Aiden“, presste Darius hervor, doch der Schmerz in seiner eigenen Stimme zeigte, dass er die Kontrolle über sich selbst verlor. Und mit jedem Moment, der verstrich, spürte er, wie die verzweifelte Angst in ihm wuchs. Die Angst, Aiden nicht mehr beschützen zu können.
 

Der Gedanke, dass er in diesem Zustand vollkommen hilflos war, wuchs wie ein unaufhaltsames Ungeheuer in ihm. Aiden war alles, was ihm noch blieb, doch er konnte ihn nicht mehr schützen, nicht in diesem Moment. Der Schmerz, der wie eine Welle über ihn brach, war nicht nur körperlich, sondern auch tief in seiner Seele, als er spürte, wie seine Verantwortung für Aiden mit jedem Atemzug zu zerbrechen drohte.
 

„Du musst stark bleiben, Darius“, sagte Aiden, auch wenn er selbst kämpfte, nicht unterzugehen. Der Blick in seinen Augen war von der gleichen Verzweiflung gezeichnet, doch er versuchte, Darius zu stützen, auch wenn er selbst fast nicht mehr in der Lage war, zu stehen. Die Hitze, die sie umhüllte, ließ ihre Körper vor Schwäche zittern, und der Gedanke an die Alphas, die über sie bestimmten, schlich sich in Darius’ Gedanken. Doch in diesem Moment war es nicht der körperliche Schmerz, der ihn am meisten quälte – es war die Ohnmacht, die Kontrolle zu verlieren, während er Aiden nicht mehr schützen konnte.
 

„Es tut mir leid“, flüsterte Darius, die Worte von unendlichem Bedauern, als er in die Augen von Aiden blickte. Doch es war nicht nur eine Entschuldigung für die Situation, sondern für alles, was er nicht mehr tun konnte. Für das, was er Aiden antat, ohne es zu wollen. Der Gedanke, dass er ihn in diese gefährliche Lage gebracht hatte, zerbrach ihn von innen.
 

„Du musst sicher sein“, brachte Darius keuchend hervor, seine Stimme kaum mehr als ein Hauch. Der Schmerz brannte in seiner Brust, als die Hitze noch stärker wurde, doch selbst in diesem Zustand, halb benommen und in völliger Kontrolle über sich selbst, wusste er, dass er Aiden nicht einfach aufgeben konnte. „Du musst…“
 

Währenddessen im anderen Raum, wo die Alphas ihre Blicke nun auf Dante und Ed richteten, stand die bedrohliche Stille wie eine Wand zwischen den beiden und den Alphas. Dante, der noch so jung war, und der kleine Ed, dessen Augen weit aufgerissen und vor Angst glänzten. Sie waren wie hilflose Tiere in einem Käfig, ohne den Hauch einer Chance, zu entkommen.
 

Der Alpha trat auf die beiden zu, ein schiefes, grausames Lächeln auf seinen Lippen. „Wie süß“, sagte er, seine Stimme glitt kalt wie Stahl über den Raum. „Ein kleiner Omega, der noch nichts weiß, was auf ihn zukommen wird.“ Seine Hand legte sich auf Eds kleinen Körper, hob ihn mit Leichtigkeit in die Luft, während der Junge sich ängstlich an ihm klammerte. Der Schmerz in Eds Augen war zu viel für Dante, der nur zuschauen konnte – sein Instinkt, den kleinen Jungen zu beschützen, ließ ihn unruhig hin und her schwanken. Doch er wusste, er war nicht stark genug.
 

Dante konnte die Bedrohung in der Luft spüren, und obwohl er selbst noch nicht die Phase erreicht hatte, die ihn so verletzlich machen würde, war er sich der Gefahr mehr als bewusst. Der Alpha drehte Ed in seinen Armen, und der kleine Junge schrie leise, verängstigt, ohne genau zu wissen, was ihm bevorstand.
 

„Du bist ein ganz besonderer Omega, nicht wahr?“, murmelte der Alpha, sein Blick war unheimlich interessiert, als er Ed betrachtete, und doch war er so abweisend, dass Dante sich wie gelähmt fühlte. Was auch immer die Alphas mit ihnen vorhatten – Dante wusste, dass es schrecklich werden würde.
 

Dante kämpfte gegen den Drang an, sich einfach zu wehren, doch er wusste, dass jeder Versuch, sich zu wehren, mehr Gefahr bringen würde, nicht nur für ihn, sondern auch für Ed. In seiner Brust pochte die Angst, und doch versuchte er, so stark zu bleiben, wie er konnte. Aber der Gedanke an die Alphas, die Macht über sie hatten, war fast zu viel für ihn. Und der Schmerz, Ed in dieser Situation so hilflos zusehen, ließ ihm den Atem stocken.
 

„Dante… Ed…“, sagte der Alpha und sah sie mit einem fast nachlässigen Blick an. „Macht euch keine Sorgen. Wir werden euch nicht vergessen.“ Doch der Ausdruck in seinen Augen verriet etwas anderes – es war der Blick eines Sammlers, der wusste, dass er sie jederzeit nach Belieben kontrollieren konnte.
 

Die Luft war dick vor ungesagtem Horror, und obwohl sie beide noch nicht ganz verstanden, was hier vor sich ging, wussten sie eines: Niemand, der sie in die Hand nahm, würde ihnen Gutes wollen…

Kapitel 107

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Die Atmosphäre in dem Raum wo Aiden und Darius sich befanden, war unerträglich, die Luft stickig und der Geruch von Angst und Verzweiflung lag schwer in der Luft. Es fühlte sich an, als ob jede Minute, die verstrich, eine Ewigkeit war. Darius’ Kopf schien zu rasen, doch das Einzige, was er klar denken konnte, war der brennende Wunsch, Aiden zu beschützen. Doch wie konnte er, wenn er sich selbst nicht mehr beherrschen konnte?
 

„Ich... ich kann nicht mehr...“, murmelte Darius, seine Worte waren kaum zu verstehen, während er sich an Aiden klammerte, als würde sein Körper selbst gegen ihn kämpfen. Der Schmerz, der ihn durchzog, war wie ein unaufhaltsamer Sturm, und er spürte, wie seine Kontrolle langsam entglitt.
 

Die Hitze, die seinen Körper überflutete, fühlte sich wie tausend Nadeln an, die in seine Haut stachen. Jeder Atemzug war ein Kampf, und er konnte nicht einmal klar denken, geschweige denn für Aiden da sein, so wie er es sich immer gewünscht hatte.
 

Aiden, der sich ebenso von der Erschöpfung gezeichnet fühlte, zog Darius noch fester an sich, als wollte er ihm Halt geben. Doch die Aussicht auf Sicherheit schien mehr und mehr unerreichbar. In diesem Moment konnte Aiden nicht sagen, ob er sich selbst noch festhielt oder Darius.
 

„Bleib bei mir, bitte“, flüsterte Aiden, seine Stimme brüchig, als er versuchte, Darius’ Blick zu fangen. Die Verzweiflung in seinen Augen war nicht zu übersehen. Die ganze Situation war ein Albtraum, und das Gefühl der Machtlosigkeit schnürte ihm die Kehle zu.
 

„Ich... ich werde nicht weggehen“, versprach Aiden, obwohl er selbst fast keine Kraft mehr hatte, noch einen klaren Gedanken zu fassen. Doch das Gefühl, Darius’ Nähe zu spüren, war das Einzige, was ihn irgendwie noch festhielt.
 

Während, in dem Raum, wo sich Ed und Dante befanden, sich die Situation weiter zugespitzt hatte. Der Alpha, der sie wie Spielzeuge behandelte, hatte Ed von sich weggenommen und Dante einen Schritt näher an sich herangeführt. Der junge Omega fühlte sich entsetzlich klein und hilflos in diesem Moment, als würde seine gesamte Existenz von den Alphas bestimmt werden.
 

„Warum… warum tun sie das?“, dachte Dante verzweifelt, aber er konnte sich keinen klaren Reim darauf machen. Er hatte noch nicht genug Erfahrung, um das Ausmaß der Gefahr zu begreifen, in der er und Ed sich befanden. Doch eines wusste er mit Sicherheit: Wenn er nicht stark blieb, würde auch Ed keinen Schutz finden.
 

Ed, der sich eng an Dante klammerte, konnte kaum begreifen, was um sie herum geschah. Doch das Gefühl der Gefahr, das ihn in seinem jungen Alter bereits ergriff, war unmissverständlich. Seine Augen waren weit aufgerissen, der Blick voller Angst und Verwirrung, als er versuchte, zu verstehen, was aus ihm und Dante werden sollte.
 

„Es wird alles gut, Ed“, flüsterte Dante, obwohl er selbst nicht sicher war, ob er sich überhaupt noch selbst glauben konnte. Doch er wusste, dass er Ed nicht alleine lassen durfte – nicht jetzt. Auch wenn er sich innerlich völlig ausgeliefert fühlte, musste er stark bleiben, zumindest für den kleinen Jungen.
 

Der Alpha, der sie weiterhin beobachtete, sah ihre Angst mit einer Mischung aus Belustigung und Kalkül. „Süß, die beiden…“, murmelte er leise, „aber sie müssen noch wachsen. Vielleicht ist es an der Zeit, die Kleinen nach Hause zu bringen.“
 

Dass er damit einen Raum meinte, in dem sich auch noch nicht erwachsene Omegas aufhielten, wussten die beiden nicht. In diesem Anwesen wurden gebärfähige Omegas von den Kindern getrennt.
 

Dante wollte darauf nicht reagieren, doch der Gedanke, dass es für Ed noch schlimmer kommen könnte, ließ ihn innerlich erstarren. Doch er weigerte sich, sich von dieser Angst lähmen zu lassen. Ed durfte nicht so enden.
 

Zurück bei Darius und Aiden schien die Zeit stillzustehen. Der Schmerz, der Darius’ Körper durchflutete, war alles, was er noch wahrnahm. Doch inmitten der Qual blitzte ein Gedanke auf – er musste Aiden beschützen. Auch wenn er wusste, dass er die Kontrolle über sich selbst verlor, musste er ihm zuvorkommen, während seine Gedanken wieder zu Aiden zurückkehrten, der immer noch bei ihm war, auch wenn er selbst auf der Kippe stand.
 

„Du musst es überstehen, Darius“, flüsterte Aiden, seine Hand fest auf Darius’ Brust. „Wir schaffen das... gemeinsam.“
 

Darius wollte antworten, doch die Worte blieben ihm im Hals stecken. Was konnte er noch tun? Wie sollte er Aiden vor dem schützen, was kommen würde, wenn er selbst nicht einmal mehr in der Lage war, klar zu denken?
 

Doch auch Aiden wusste, dass dies nicht nur eine körperliche Herausforderung war – es war ein Kampf gegen ihre eigene Angst, gegen das, was ihnen bevorstand…

Kapitel 108

++++
 

Die Minuten zogen sich quälend in die Länge, ohne dass die beiden um das Schicksal von Dante und Ed wussten. Die Dunkelheit des Raumes schien immer dichter zu werden, als ob die Luft selbst erdrückend schwerer wurde.
 

Darius’ Atem ging schneller, flacher, und jeder einzelne Zug ließ die Hitze in seinem Körper stärker werden. Er konnte spüren, wie die Kontrolle über seine Sinne immer mehr schwand. In diesem Zustand fühlte es sich an, als würde er in einen Strudel aus Gefühlen und Instinkten gefangen, ohne Halt.
 

„Darius…“, flüsterte Aiden erneut, die Besorgnis in seiner Stimme unüberhörbar. Es war schwer für ihn, Darius zu sehen, wie er immer mehr gegen seine eigene Körperreaktion ankämpfte. Die Alphas hatten sie in diesen Raum gebracht, doch es war das, was mit Darius geschah, was ihn wirklich beunruhigte.
 

„Es tut mir leid, dass du das durchmachen musst“, sagte Aiden, seine Stimme brach, als er Darius’ zitternden Körper betrachtete. „Ich wünschte, ich könnte dir helfen.“ Konnte er ja nicht, immerhin kannte er es leider gut genug. War auch nur die erste Hitze die schlimmste, die anderen merkte man nur noch in abgemilderter Form.
 

Darius hatte kaum genug Kraft, um ihm zu antworten. Ein tiefes, schmerzerfülltes Stöhnen entkam ihm, als er sich mit aller Willenskraft versuchte, gegen das Ungeheuer in ihm zu wehren. Doch die Hitze, die in ihm loderte, erdrückte jeden klaren Gedanken. Alles, was er wollte, war, dass Aiden sicher war – aber er wusste nicht, wie lange er in diesem Zustand noch in der Lage sein würde, ihn zu beschützen.
 

„Ich halte durch“, murmelte Darius schließlich, seine Stimme kaum mehr als ein Hauch. „Nur… bleib bei mir…“
 

Aiden nickte, auch wenn die Sorge ihn fast zerfraß. Er konnte Darius nicht einfach alleine lassen, nicht in diesem Zustand. Doch in seinem Inneren wusste er, dass sie sich in einer Sackgasse befanden. Die Alphas, die sie hierhergebracht hatten, waren nicht nur eine Bedrohung, sie waren auch in diesem Moment ein Teil dessen, was Darius’ Körper zerfraß.
 

„Wir müssen warten“, sagte Aiden leise, mehr zu sich selbst als zu Darius. „Irgendwann wird die Hitze nachlassen… und wir finden einen Weg. Du wirst wieder zu Kräften kommen.“
 

Doch Darius konnte diese Worte nicht wirklich hören, nicht wirklich verstehen. Der Schmerz hatte ihn so tief erfasst, dass er in seinen eigenen Gedanken gefangen war. Plötzlich hörte er Schritte vor der Tür, und der Gedanke, dass die Alphas jeden Moment eintreten könnten, ließ ihn für einen Moment zu einem fast unhörbaren Knurren ansetzen.
 

„Nicht jetzt… bitte nicht jetzt…“, murmelte er schwach, als er Aiden versuchte, mit einem letzten Rest seiner Kraft festzuhalten.
 

Als die Tür sich öffnete, war es nicht der erhoffte Moment der Rettung, sondern der Beginn einer neuen, unerträglichen Bedrohung.
 

Ein Alpha trat ein, sein Blick kalt und berechnend. „Wie erwartet“, sagte er leise und nickte Darius und Aiden zu, als er sie beide musterte. Er wusste, wie Darius sich fühlte – hatten sie das schon tausend Male gesehen und auch ausgenutzt.
 

„Wir wissen, wie du dich fühlst, Darius“, sagte der Alpha in einem Ton, der weder Mitleid noch Mitgefühl kannte. „Aber du wirst erkennen, dass es keinen Ausweg gibt.“
 

Darius’ Augen flackerten schwach. Der Alpha hatte erkannt, was mit ihm geschah – und der Gedanke, dass er jetzt in der Hand der Alphas war, ließ die Panik in ihm aufsteigen. Die Kontrolle über seinen Körper hatte er längst verloren, aber die Kontrolle über seinen Geist war etwas, das er noch zu verteidigen versuchte.
 

„Haltet euch von ihm fern“, keuchte Darius, der verzweifelt versuchte, sich wieder zu fassen, auch wenn er wusste, dass es keine Kraft mehr hatte, ihn zu retten.
 

Der Alpha trat noch näher, mit einem kalkulierten Lächeln auf den Lippen. „Du bist hier nichts mehr als ein Spielball“, sagte er ruhig. „Und das werden wir dir noch einmal zeigen.“
 

Der Gedanke, dass Darius nun wirklich nicht mehr viel Kontrolle über die Situation hatte, ließ eine Welle der Verzweiflung durch ihn strömen. Doch gleichzeitig war da auch noch dieser Funke, dieser unerschütterliche Wille, Aiden zu beschützen, der ihn trotz der überwältigenden Hitze nicht vollständig aufgab.
 

„Wir müssen… irgendwie…“ Darius’ Stimme brach erneut, als er versuchte, einen klaren Gedanken zu fassen. Doch es war zu spät. Der Alpha hatte den Abstand verringert – zu nah, als dass Darius noch etwas tun konnte…

Kapitel 109

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Der Alpha trat noch weiter in den Raum, sein Blick weiterhin kalt und unbarmherzig, doch für einen Moment blitzte etwas anderes in seinen Augen auf – ein unerkennbares Verlangen. Darius konnte es kaum begreifen, so sehr war seine Wahrnehmung der Hitze und dem Schmerz verzerrt. Doch der Alpha sah ihn an, und ein leises, fast schmerzliches Lächeln verzog seine Lippen.
 

„Du bist also bereit, dich mir hinzugeben“, sagte er mit einer Stimme, die gleichermaßen Befehl wie Drohung war. „Das hast du dir selbst eingebrockt.“ Als wäre es Darius’ Schuld, ein Omega zu sein – als hätte er eine Wahl gehabt.
 

Darius’ Blick war verschwommen, die Schmerzen in seinem Körper ließen ihn kaum klar denken. Aber er konnte noch die vage Ahnung einer Bedrohung spüren, die von dem Alpha ausging. Der Alpha näherte sich ihm, und bevor Darius überhaupt reagieren konnte, hob der Alpha ihn mit einer Leichtigkeit hoch, die Darius’ schwache Körperkraft überforderte.
 

Ein scharfer Schmerz durchzuckte Darius’ Körper, als seine Glieder sich gegen den Griff des Alphas aufbäumten, aber es war ein vergeblicher Versuch. Der Alpha war stärker, schneller, und Darius’ Körper gehorchte nicht mehr.
 

„Lass mich…“, murmelte Darius schwach, als er versuchte, sich aus dem Griff des Alphas zu winden, doch seine Beine versagten ihm den Dienst. Der Schmerz war so tief, dass seine Stimme nur noch ein kaum vernehmbares Flüstern war.
 

„Du wirst nicht widerstehen, Darius“, sagte der Alpha ruhig und packte ihn fester. „Es ist ohnehin zu spät. Du gehörst mir.“ Der Alpha sprach es mit einer Überzeugung aus, die wie ein eisiger Befehl in der Luft lag. Und irgendwie fühlte es sich an, als könnte er es nicht nur sagen – er könnte es tatsächlich durchsetzen.
 

Mit einer letzten, fast verzweifelten Bewegung hob der Alpha Darius von der Erde und trug ihn mit einem entschlossenen Schritt zur Tür. Darius konnte kaum noch verstehen, was um ihn herum geschah.
 

Die Hitze, die in ihm tobte, verschleierte alles, und als der Alpha die Tür öffnete, konnte Darius sich nur noch kraftlos gegen seinen Körper lehnen. Der Raum verschwamm vor seinen Augen, als hätte er keine andere Wahl, da sein Körper nicht mehr mitmachte, als würde er in eine Zukunft geführt, die er nie gewollt hatte.
 

Aiden war zurückgeblieben. Er hatte Darius' Hilferufe gehört, hatte ihn verzweifelt angefleht, nicht einfach mitzugehen. Doch in dem Moment, als der Alpha Darius in seinen Armen trug und Aiden hilflos in der Ecke des Raumes stand, stürzte der junge Omega verzweifelt gegen die Tür.
 

„Lass ihn los!“, schrie Aiden, seine Fäuste schlugen mit aller Wut gegen die Tür. „Darius, bitte!“ Doch die Tür schloss sich mit einem harten, bedrohlichen Knall. Der Raum war plötzlich still, nur noch Aiden war übrig, der erschöpft und entkräftet gegen die Tür lehnte.
 

In dem Moment, als die Tür ins Schloss fiel, wusste Aiden, dass er keine Zeit hatte, sich mit seiner eigenen Angst zu beschäftigen. Darius war in der Hand eines Alphas, der weder Mitleid noch Rücksicht kannte. Der Gedanke, dass er nun alleine zurückgelassen wurde, ließ einen kalten Schauer über seinen Rücken laufen. Er konnte sich nicht erlauben, zu zögern – er musste einen Weg finden, Darius zu helfen.
 

Doch in diesem Moment fühlte er sich genauso hilflos wie Darius. Das Zittern in seinen Händen, die Angst in seinen Augen – all das war nicht genug, um die Situation zu ändern. Es war nicht genug, um sie beide zu retten.
 

Der Alpha war mit Darius fort, und der Gedanke, dass er nun auf sich alleine gestellt war, brachte Aiden fast um den Verstand.
 

Während der Alpha, der Darius in seinen Armen hielt, entschlossen durch den Gang schritt, der sich wie ein endloser Tunnel vor ihnen erstreckte, kamen vereinzelt Wachen an ihnen vorbei, die jedoch nichts sagten, außer zu grinsen. Sie kannten es schon – daher taten sie es ab. Der einzige Klang war das leise Rauschen der Luft und das gedämpfte Klopfen seiner Schritte.
 

Darius’ Körper hing schlaff in seinen Armen, der Kampf gegen die aufkommende Hitze schien vergeblich, aber der Alpha ließ nicht locker. Seine Kälte war offensichtlich, doch auch in dieser Kälte war ein Ziel zu spüren – er hatte Darius nicht nur als Gefangenen, sondern als eine Art erträumtes Ziel – eine Trophäe.
 

„Du wirst dich schon noch an mich gewöhnen“, sagte der Alpha, mehr zu sich selbst als zu Darius, während er die Tür zu einem der Zimmer öffnete. Es war ein spärlich möbliertes Zimmer – nicht viel mehr als ein Bett und ein Tisch. Der Raum wirkte kühl und ungemütlich. Der Alpha setzte Darius auf das Bett, als wäre er nichts weiter als ein Objekt, das er ablegen konnte.
 

Darius’ Kopf lag in seinen Händen, seine Augen halb geöffnet und von der Hitze verzerrt. „Lass mich…“, brachte er noch einmal hervor, doch seine Stimme war schwach, kaum mehr als ein heiseres Flüstern. Der Alpha beugte sich über ihn und musterte ihn mit einem Blick, der sowohl von Verlangen als auch von Kontrolle geprägt war.
 

„Du bist noch nicht bereit, Darius. Aber du wirst es sein“, flüsterte der Alpha, während er Darius’ Gesicht mit den Fingern berührte und den Widerstand in den Augen des Omegas beobachtete.
 

Doch die Wut, die Darius in sich spürte, war stärker als je zuvor. Der Kampf, der in ihm tobte, war intensiver als die Hitze, die er durchlebte. Aber er konnte nichts tun, nichts, um dieser Situation zu entkommen.
 

„Du weißt, was passiert, wenn du dich wehrst. Aber du musst dich nicht wehren, Darius. Das ist die einzige Möglichkeit, wie du durch diese Nacht kommst“, sagte der Alpha mit einem fast zuversichtlichen Lächeln, das Darius’ Zorn nur noch mehr anfachte.
 

Darius wusste, dass er allein war – sowohl körperlich als auch seelisch. Ein weiterer Schritt in seine Gefangenschaft, den er nicht verhindern konnte.
 

Aber er wusste auch eines:
 

Er durfte nicht aufgeben.
 

Egal, wie aussichtslos es war. Egal, wie schwach sein Körper sich anfühlte, wie sehr die Hitze ihn benebelte. Sein Geist war nicht gebrochen. Noch nicht. Und solange er diesen letzten Funken Widerstand in sich spürte, konnte er nicht einfach nachgeben.
 

Er wollte nicht nachgeben.
 

Seine Finger krallten sich verzweifelt in das raue Laken unter ihm, als könnte er sich daran festhalten. Sein Atem ging schwer, sein Körper fühlte sich taub an, aber seine Gedanken rasten. Da war Angst – oh ja, diese Angst, die in seinem Magen saß und ihn würgte. Aber da war auch Wut. Reine, brennende Wut, die sich gegen die Hilflosigkeit stemmte, die ihm von allen Seiten entgegenschlug.
 

Er durfte sich nicht verlieren.
 

Nicht hier. Nicht jetzt.
 

Auch wenn die Dunkelheit um ihn herum dichter wurde, auch wenn der Alpha über ihm stand wie eine unüberwindbare Wand – er würde kämpfen.
 

Auch wenn er nicht wusste, wie lange er das noch konnte…

Kapitel 110

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Darius' Körper rebellierte immer noch gegen die Schmerzen und die brennende Hitze, die in ihm loderte. Der Alpha stand über ihm, sein kaltes Lächeln ließ keinen Zweifel daran, dass er diese Kontrolle über Darius genoss. Doch je mehr er auf Darius herabsah, desto deutlicher wurde ihm, dass der Omega noch nicht völlig gebrochen war. Die Glut der Hitze war zwar stark, aber der Widerstand, den Darius in seinen Augen trug, war ebenso unverkennbar.
 

„Du bist stark, Darius… aber das wird dir hier nichts nützen“, murmelte der Alpha, während er sich langsam von ihm entfernte und zum Fenster trat. Darius lag dort, halb auf dem Bett, noch immer gefangen in der Qual seiner eigenen körperlichen Reaktionen. Doch er versuchte, sich zu sammeln, den klaren Verstand wiederzufinden, der durch die Wellen der Hitze fast völlig ausgelöscht schien.
 

„Ich werde nicht…“ Darius' Stimme versagte fast, als er versuchte, sich zu wehren, „…Ich werde nicht… gehorchen.“ Der Satz war schwach, die Worte kaum hörbar. Doch der Alpha drehte sich langsam um, als hätte er gerade die Antwort erwartet, und trat dann mit einem Schritt näher.
 

„Du musst noch nicht gehorchen, Darius. Nicht jetzt. Aber ich weiß, dass du bald verstehen wirst, warum es der einzige Weg ist.“ Der Alpha legte seine Hand auf Darius’ Schulter, doch der Omega zuckte zusammen, als ob die Berührung ihn mehr quälen würde als die Hitze selbst.
 

„Du bist hier, weil du keine Wahl hast. Und du wirst mir gehören, ganz gleich, wie sehr du es ablehnst“, sagte der Alpha, sein Ton unbarmherzig, aber auch irgendwie seltsam ruhig. Es war eine Mischung aus Geduld und Selbstverständnis, als wäre er überzeugt, dass Darius sowieso irgendwann nachgeben würde.
 

Der Gedanke, sich diesem Alpha zu unterwerfen, war kaum erträglich für Darius, aber die Realität seiner Situation ließ ihm keinen Spielraum. Er wusste, dass er diesem Moment nicht entkommen konnte.
 

Doch in der Dunkelheit seines Herzens flammte der Widerstand wieder auf. Er konnte nicht einfach aufgeben, nicht einfach nachgeben, nur weil er sich in dieser Situation befand. Darius zwang sich, die Hitze zu ignorieren, das pulsierende Gefühl in seinem Körper, das ihm befahl, sich dem Alpha zu überlassen. „Ich werde nicht… wie die anderen werden“, flüsterte er schwach. „Ich werde nicht.“
 

Der Alpha lächelte, als würde er auf den Widerstand warten, als ob er diese Reaktion längst erwartet hätte. „Dann wirst du eben weiter leiden müssen, Darius“, murmelte er mit einem fast schmerzlichen Ausdruck. „Aber das wird dir nichts nützen. Denn am Ende wirst du begreifen, dass du nichts gegen mich tun kannst.“
 

Er ließ Darius liegen, als er sich langsam wieder umdrehte und aus dem Raum ging. Doch noch bevor die Tür sich hinter ihm schloss.
 

„Du wirst es dir anders überlegen“, flüsterte der Alpha, bevor er die Tür hinter sich zuschlug.
 

Der Raum war wieder still, und Darius fühlte, wie sich die Luft um ihn herum zu verdichten schien, als er sich in seinem Zustand der völligen Erschöpfung und der Hitze wälzte. Das leise Geräusch, das die Tür hinter dem Alpha gemacht hatte, hallte noch in seinen Ohren nach – oder war es nur ein Echo aus einem Traum?

Kapitel 111

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Plötzlich veränderte sich die Stille. Ein anderes Geräusch drang an seine Ohren – Schritte, leise, aber bestimmt. Jemand näherte sich. Doch Darius konnte seine Sinne nicht richtig ordnen, der Schmerz in seinem Körper war allgegenwärtig, und dennoch gab es diesen winzigen Moment des Zweifels: War das real? Oder war es nur ein wirrer Traum, der sich in die Ritzen seines verzerrten Bewusstseins schlich?
 

Der Boden knarrte unter dem Gewicht der Person, die langsam und mit Bedacht den Raum betrat. Darius’ Körper schien ihm keine Hilfe zu sein, als er versuchte, sich aufzurichten, doch etwas in ihm – ein Rest von Hoffnung vielleicht – ließ ihn glauben, dass es jemand war, der ihm helfen konnte. Doch war es wirklich so? Oder war es nur ein Trugbild?
 

Die Tür öffnete sich, und jemand trat ein, die flackernde Lampe draußen warf ein seltsames Licht, das die Silhouette des Besuchers an der Schwelle zeichnete. Darius' Herz setzte für einen Moment aus, als er die vertraute Gestalt erkannte – doch konnte er sich sicher sein, dass es nicht nur ein weiterer Teil seines delirierenden Traumes war?
 

„Damian…?“ Die Stimme, die seinen Namen hauchte, war kaum mehr als ein Krächzen, doch sie war erfüllt von einem Gefühl, das genauso sehr Hoffnung wie Zweifel in sich trug. Hatte er sich das alles nur eingebildet? War es wirklich Damian, der vor ihm stand?
 

Damian, der Mann, auf den Darius so lange gewartet hatte, stand nun im Raum, seine Miene starr, doch etwas anderes schien durchzubrechen. Es war der Ausdruck eines Mannes, der sich nicht sicher war, was er tun sollte, aber der in diesem Moment mehr als alles andere gebraucht wurde. Doch Darius konnte nicht genau sagen, ob es wirklich Damian war oder ob sein kranker Geist sich einfach jemanden herbeisehnte.
 

„Darius…“, flüsterte Damian, sein Blick fiel auf den geschwächten Omega. Für einen Augenblick schien es, als ob er zögerte, als ob er sich fragte, ob er an diesem Ort und in dieser Situation wirklich sein sollte. Die Dunkelheit im Raum schien für einen Moment stillzustehen, doch Damians Augen, die im fahlen Licht glühten, verrieten etwas anderes: eine Mischung aus Besorgnis und einem ungläubigen Verstehen, als ob er die Situation ebenso wenig verstand wie Darius selbst.
 

„Was… was machst du hier?“ Darius kämpfte gegen die Schwäche an, doch die Worte kamen nur stockend, fast heiser, über seine Lippen. Es war, als ob er in einem Traum gefangen war – und vielleicht war es auch so. Warum war Damian hier? Warum war er in diesem Moment an seiner Seite, wo doch alles darauf hindeutete, dass er besser hätte fernbleiben sollen?
 

„Ich hatte keine Wahl, Darius. Ich kann dich nicht einfach hierlassen. Auch wenn es alles falsch ist, wenn alles in mir schreit, dass ich nicht hier sein sollte…“ Damian zögerte, seine Augen wanderten über Darius’ erschöpften Körper und das Bett, auf dem er lag. Die Worte klangen wie eine Mischung aus Entschlossenheit und einem fast surrealen Wissen. „Aber ich werde dich nicht im Stich lassen. Nicht jetzt.“
 

Darius konnte kaum glauben, was er hörte – aber trotzdem spürte er, dass in den Worten eine tiefe Entschlossenheit lag. Ein Funken Hoffnung, der, wenn auch zerbrechlich, in ihm aufloderte. Vielleicht war Damian die einzige Person, die ihm in diesem Moment noch einen Ausweg bieten konnte – doch war das wirklich wahr? Oder war es nur ein Flimmern in diesem Traum, der ihn nicht losließ?
 

Doch auch wenn Darius das Gefühl hatte, sich an Damian festhalten zu können, wusste er tief in seinem Inneren, dass der Weg, der vor ihm lag, viel länger war, als es dieser Moment vermuten ließ. Ein Weg, der nicht nur von den Worten des anderen abhängen würde – und er konnte sich nicht sicher sein, ob er diesen Weg wirklich gehen konnte…

Kapitel 112

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Die Welt um Darius war verschwommen, ein Wirbel aus Schmerzen und drängendem Verlangen, der ihn festhielt und nicht losließ. Die Hitze in seinem Körper war zu viel, sie fraß ihn von innen auf. Die Welt war nicht mehr klar, die Umrisse der Realität begannen zu zerfließen, und das Einzige, was noch irgendwie Sinn ergab, war die Sehnsucht nach Damian. Sein Mann – der einzige, den er in dieser qualvollen Zeit an seiner Seite brauchte.
 

„Damian…“, hauchte er wieder, der Name wie ein leises, verzweifeltes Flehen. Doch die Antwort kam nicht. Stattdessen schien sich der Raum zu verändern, als ob er in einen anderen Raum überging – alles war irgendwie anders. Ein Schatten trat aus der Dunkelheit, und Darius’ verwirrte Sinne brachten ihn dazu, die Person zu erkennen, die vor ihm stand.
 

„Du kannst dich nicht mehr wehren, Darius“, hörte er den Alpha sagen, dessen Stimme wie eine Welle über ihn hinwegbrach. „Du wirst mich brauchen. Du wirst mir gehören.“
 

Der Raum war stickig, und Darius‘ Kopf drehte sich. War das wirklich der Alpha, der hier stand, oder war es nur ein Teil seines gequälten Traums? Die Worte des Alphas hallten durch seinen Fieberwahn, und eine verzweifelte Angst kroch durch seine Adern. Doch gleichzeitig – der Körper verlangte nach mehr. Es war nicht nur der Schmerz, es war das Bedürfnis, die Kontrolle zu verlieren. Die Kälte in seinem Inneren, das Brennen in jeder Faser seines Körpers, verschmolzen zu einer unerträglichen Mischung.
 

„Du bist ein Omega, Darius. Du wirst mir gehören, wie alle anderen.“
 

Es war zu viel. Die Hitze, der Schmerz, das Verlangen, all das mischte sich zu einem Fiebertraum, der immer tiefer und verzweifelter wurde. Er wollte Damian, er brauchte ihn. Der Gedanke an Damian war das Einzige, was ihn noch irgendwie zusammenhielt. Aber war er es, der hier bei ihm war, oder war es nur die verzweifelte Projektion seiner trüben Gedanken?
 

„Damian…“, flüsterte er erneut, doch dieses Mal klang seine Stimme schwach, beinahe verloren. Er wollte sich an ihm festhalten, wollte spüren, dass er nicht ganz in diesem Albtraum gefangen war.
 

Darius konnte kaum noch klar denken. Alles verschwamm, doch der Alpha wusste, was in Darius vor sich ging. Er sah die Schwäche in den Augen des Omegas, das zitternde Verlangen, und er wusste, dass dieser Moment der perfekte Zeitpunkt war.
 

„Du bist in keinem Zustand, dir etwas zu entziehen“, sagte der Alpha ruhig, fast schon sanft, als er sich Darius näherte, der kaum noch in der Lage war, sich zu wehren.
 

Darius hörte die Worte, doch sie drangen kaum in seinen Kopf, so benommen war er von seiner Hitze. Ein schwacher Widerstand lag in ihm, aber es war vergeblich. Der Alpha beugte sich vor, hob Darius’ erschöpften Körper auf und trug ihn wie ein zerbrechliches Stück Papier in seine Arme. Die Hände des Alphas griffen ihn fester, als Darius’ zitternde Glieder es erlauben wollten.
 

„Du wirst nicht entkommen“, sagte der Alpha mit einem Lächeln, das nicht die geringste Wärme ausstrahlte, und Darius fühlte, wie seine Augenlider schwer wurden. Der Schwindel war zu stark, und der Wunsch nach Damian wurde fast unerträglich. War er nun in Damians Armen? Hatte er sich so sehr nach ihm gesehnt, dass er sich in diesen Mann hineinflüchtete, der ihn jetzt hielt?
 

„Damian…“, flüsterte er erneut, und obwohl der Name kaum hörbar war, hatte es die Wirkung, dass der Alpha kurz zögerte. Immerhin kannte er den Namen und den Mann persönlich. Doch das Zögern war nur von kurzer Dauer…

Kapitel 113

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Der Alpha betrachtete Darius mit einer Mischung aus Verlangen und einer kalten Berechnung in seinen Augen, die Darius nicht erkennen konnte – zu verwirrt war er in diesem Moment. „Du weißt, wer ich bin, oder?“ fragte der Alpha plötzlich, die Worte wie ein leises, bedrohliches Murmeln in der stillen Luft. „Du bist der kleine Bruder von Dustin Green. Ich kenne dich gut, Darius. Du bist genau der, den ich gesucht habe.“
 

Ein kaltes Lächeln spielte um seine Lippen. „Du warst schon immer ein Omega, auch wenn du das nie richtig verstanden hast. Schon als Kind habe ich dich immer wieder beobachtet. Und nun… nun ist es der perfekte Moment.“
 

Er trat einen Schritt näher, während sich die Dunkelheit des Raumes, um sie beide zu verdichten schien. „Damian McKinley und Dustin Green… sie haben dich immer als etwas betrachtet, das sie beschützen müssen, oder? Sie wollten dich nie sehen, sie wollten nie, dass du etwas anderes wirst als das, was sie für dich vorgesehen haben. Aber was sie nicht wussten, Darius, war, dass ich schon damals gewusst habe, was du wirklich bist. Und jetzt, da du in meinem Griff bist… wird es an der Zeit, ihnen zu zeigen, dass sie sich geirrt haben. Sie dachten, sie hätten die Kontrolle über dich, aber du gehörst mir.“
 

Seine Hand glitt mit einem fast feierlichen Gefühl durch Darius' Haare. „Sie haben ihren Denkzettel verdient. Und ich werde ihnen beweisen, dass du nicht der Kleine bist, der sie immer geglaubt haben, dass du bist. Du wirst mir gehören, Darius. Und du wirst sehen, dass es kein Entkommen gibt.“
 

Die Tür fiel hinter ihnen ins Schloss, und Darius wusste nicht mehr, was real war. War es der Alpha, der ihn nun in seinen Händen hielt, oder war es der Fiebertraum, der ihn in diesem Moment gefangen hielt? Der Gedanke an Damian, an den einzigen, der ihn retten konnte, war die einzige Verbindung zur Realität, die Darius noch hatte. Doch selbst dieser Gedanke verblasste, als die Hitze in seinem Körper überhandnahm.
 

Die Hitze in Darius' Körper war unerträglich, die Wärme, die seinen gesamten Körper ergriff, hatte seine Sinne benebelt und seine Gedanken flogen nur noch wild umher. Verwirrung kroch in seine Gedanken, und inmitten dieser Flut an Emotionen und Schmerz versuchte er, den Fokus zu behalten. Doch seine Sicht war verschwommen, alles war ein unscharfes Durcheinander. Er suchte nach Damian, klammerte sich an die Vorstellung von ihm, doch die Realität verschwand immer mehr in einem undurchdringlichen Nebel.
 

Und dann – plötzlich – war da eine vertraute Präsenz. Eine Gestalt, die sich zu ihm beugte. Er konnte die tiefen, warmen Augen sehen, die sich auf ihn richteten, die gleiche beruhigende Statur, die ihn immer wieder in den Wahnsinn getrieben hatte. Doch der Mann, der vor ihm stand, war nicht Damian.
 

Der Alpha hatte die Situation erkannt, als er Darius' Zustand gesehen hatte. Er wusste, dass der Fieberwahn Darius' Verstand verdunkeln würde. Als er Darius an sich zog und den zitternden Körper des Omegas über die Schulter hob, vernahm er das leise Wimmern des Mannes, der nach etwas suchte – nach jemandem. Nach Damian.
 

„Komm schon, Darius“, murmelte der Alpha und strich mit einer Kühle, die er nicht ganz hinter seinem Bedürfnis verbarg, durch Darius' Haare. „Lass uns dir die Ruhe bringen, die du brauchst.“
 

In diesem Moment schloss Darius die Augen. Der Alpha, der sich wie Damian anfühlte, ließ ihn zu sich sinken, als er die Tür hinter sich schloss. Aber Darius' verwirrter Geist konnte keinen Unterschied erkennen. Die Züge des Alphas erinnerten ihn an Damian, an den Mann, den er so verzweifelt brauchte. „Damian...“, hauchte er.
 

Der Alpha ließ sich nicht beirren, dass er in Darius' Gedanken nur eine Projektion von Damian war. Er wusste, dass der Omega seine Worte jetzt nicht mehr verstand, dass sein Körper von der Hitze getrieben wurde. „Ja, Damian...“, flüsterte er leise, „…er wird es nicht rechtzeitig schaffen, dich zu retten.“
 

Der Alpha legte Darius auf das Bett, da er ihn direkt zu seinem Zimmer gebracht hatte und betrachtete ihn mit einem kühlen Lächeln. Die Illusion, die Darius erschuf, indem er glaubte, in den Armen von Damian zu liegen, war genau das, was der Alpha brauchte. Die Verwirrung des Omegas machte es ihm leicht, seinen Willen durchzusetzen…

Kapitel 114

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Der Raum war still, nur das leise, heisere Atmen von Darius war zu hören. Der Alpha trat langsam näher, beobachtete Darius, der nun auf dem Bett lag, schwitzend und zitternd, seine Augen halb geöffnet, aber leer.
 

„Du bist vollkommen hilflos, Darius“, sagte der Alpha mit einer kalten, beinahe gefühllosen Stimme, während er sich über den Omega beugte. Die Nähe des Alphas ließ Darius' Herz schneller schlagen, und die verzweifelten Reste seines klaren Verstands schrien, dass er sich wehren sollte. Doch die Hitze machte alles nur noch schlimmer, ließ seinen Körper gegen seinen Willen reagieren. Es war, als ob sein Körper einen eigenen Willen hatte, ein Wille, der ihn zu diesem Mann zog, der jetzt so nah war. Konnte er immer noch nicht zwischen Realität und Traum unterscheiden, auch wenn er langsam wieder zu sich kam? Es war, als würde er in einem Dämmerzustand gefangen sein.
 

Der Alpha fuhr mit den Fingern über Darius' Wange, die durch das Fieber glühte, und dann weiter über seinen Hals. Der Druck auf seiner Haut war zu viel, und Darius konnte nichts anderes tun, als die Augen zu schließen, als wäre das Ignorieren der Realität eine Möglichkeit, sich zu retten, selbst wenn er spürte, dass er sich weiter in den Sog dieser Verwirrung hineinziehen ließ.
 

„Ich weiß, was du willst, Darius“, flüsterte der Alpha und lehnte sich dann vor, seine Lippen berührten die weiche Haut des Omegas. Der Kuss war sanft, beinahe zärtlich – aber die Art von Zärtlichkeit, die er wusste, dass Darius in diesem Moment so sehr brauchte. Es war der Kuss eines Mannes, der wusste, dass Darius nicht klar denken konnte, dass er nicht in der Lage war, sich zu wehren. Ein Kuss, der Darius in einen Zustand zwischen Schmerz und Verlangen trieb, der ihm das Gefühl gab, als ob er sich in einem tiefen, betäubenden Nebel verlor.
 

Darius konnte nicht anders, als in den Kuss zu sinken, seine Hand unbewusst nach dem Alpha auszustrecken, als ob er ihn brauchen würde, als ob es keine andere Wahl mehr gab. Der Alpha zog sich dann zurück, ein kühles Lächeln spielte auf seinen Lippen, als er den verwirrten Ausdruck in Darius’ Augen sah, der die Zerrissenheit und den inneren Kampf widerspiegelte.
 

„Du bist so viel schwächer, als du selbst denkst, Darius. Aber du brauchst keine Angst zu haben“, sagte der Alpha, während er sich über den Omega beugte, seinen Atem an Darius’ Ohr hauchend. „Ich werde dir nichts tun, was du nicht willst... zumindest nicht sofort.“
 

Der Satz war eine Drohung, die Darius nicht hören wollte, aber seine Sinne waren zu sehr benebelt, als dass er sie richtig hätte erfassen können. Der Alpha fuhr fort, Darius' Nacken zu küssen, ließ seinen Atem heiß über seine Haut streifen. Darius wollte sich wehren, wollte aus der Verwirrung ausbrechen, doch der Körper gehorchte ihm nicht mehr. Alles, was er fühlte, war der Drang nach mehr – nach Nähe, nach Berührung, nach einem Gefühl von etwas, das er nicht benennen konnte, das aber in diesem Moment alles war, was ihm noch etwas Halt gab.
 

„Damian...“, murmelte Darius wieder, der Name seines Mannes ein verzweifeltes Flehen, das nicht nur der Hitze entsprang, sondern auch seinem Wunsch, sich nach dem zu sehnen, was er wirklich wollte. Inmitten der Hitze und der Zerrissenheit war Damian der Einzige, der ihm noch Trost und Klarheit zu geben vermochte, doch er war nicht da. Und der Alpha, dessen Züge sich immer mehr wie Damian anfühlten, verwirrte ihn weiter, verwischte die Grenze zwischen Wunsch und Realität.
 

Doch der Alpha ließ sich nicht beirren. „Du bist so durcheinander, Darius. Du wirst es mir nicht übelnehmen, dass ich dir jetzt gebe, was du suchst...“, sagte er und versuchte, Darius noch weiter zu beruhigen, ihn zu verführen, während seine Hände an Darius' Körper entlang strichen. Darius' Atem wurde schneller, die Hitze in ihm stieg weiter. Es war, als ob sein Verstand sich immer weiter in den Nebel des Verlangens verlor, der ihn betäubte und gleichzeitig erdrückte.
 

„Lass es einfach geschehen, Darius“, sagte der Alpha mit einem letzten, lang gezogenen Kuss auf Darius' Lippen. „Ich bin jetzt alles, was du hast.“

Kapitel 115

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Der Alpha blieb noch immer über Darius gebeugt, seine Hand fest an Darius’ Hüfte. Darius’ Körper fühlte sich wie ein fremdes Ding an, das nicht mehr auf seinen eigenen Willen hörte. Sein eigener Wille kämpfte gegen das verräterische Zittern seiner Glieder, doch die Hitze machte jede Bewegung schwer. Er zwang sich, klar zu denken, doch sein Bewusstsein schien sich immer weiter aufzulösen. Die Hitze nahm ihm fast die Luft zum Atmen, und jeder Augenblick, den der Alpha ihm näherkam, ließ ihn hilfloser werden.
 

„Du bist so viel schöner, wenn du dich nicht wehrst“, sagte der Alpha leise, als er Darius’ Kinn anhob und in seine Augen sah. Darius’ Blick war verschwommen, doch der Alpha wusste, dass er die Kontrolle hatte. Die Unsicherheit, die in Darius’ Augen lag, war mehr als nur eine Schwäche – es war die perfekte Gelegenheit für ihn, alles zu bekommen, was er wollte.
 

„Ich will...“, flüsterte Darius, der Satz kam wie aus einer anderen Welt, fast wie ein Traum, den er nicht kontrollieren konnte. In seinen Gedanken klang Damians Name wie ein Gebet, doch alles, was er sah, war dieser Alpha, der sich jetzt über ihn beugte, als er endlich aus der Traumwelt ins Hier und Jetzt zurückgekehrt war.
 

„Du willst mich, Darius“, sagte der Alpha sanft, fast als würde er Darius’ Gedanken lesen. „Und du wirst nicht widerstehen können.“
 

Er zog Darius näher an sich heran, so dass ihre Körper fast miteinander verschmolzen. Darius konnte den vertrauten Duft des Alphas riechen, den gleichen Geruch, der ihn fast verrückt machte – doch es war nicht der Mann, den er wirklich wollte. Es war nicht Damian.
 

„Ich... ich will Damian“, brachte Darius mühsam hervor, als würde ihn jedes Wort Kraft kosten. Doch selbst als er den Namen seines Mannes aussprach, klang er seltsam fremd in der dichten, erstickenden Luft. Er versuchte, sich einen Moment lang zu befreien. Doch seine Hände fanden keinen Halt, seine Muskeln waren zu erschöpft, um Widerstand zu leisten. Es war, als ob die Worte mehr aus seiner Haut als aus seinem Geist kamen.
 

„Du wirst dich an mich gewöhnen, Darius“, sagte der Alpha ruhig, seine Stimme triefte vor Verlangen und Gewissheit. „Du wirst merken, dass es keinen Unterschied gibt, wer dich berührt. Der Körper ist immer schwächer als der Geist.“
 

Er hob Darius’ Gesicht an, küsste ihn diesmal tiefer, als er es vorher getan hatte. Der Kuss war hungrig, drängend – und doch schien Darius, als würde er gleichzeitig in zwei Welten leben. Eine Welt, in der er noch immer gegen seine Körperreaktionen ankämpfte, in der er Damian brauchte, und eine andere, in der der Alpha in seiner Nähe war, seine Züge ihm immer mehr vertraut wurden.
 

Darius zwang seine Lider zusammen, suchte verzweifelt nach einem Anker, nach etwas, das ihn aus diesem Nebel zog. Doch sein Körper, dieser verfluchte Verräter, verlangte weiter nach etwas, das er nicht wollte. Er biss sich auf die Lippe, bis er Blut schmeckte. Aber es war schwer, gegen die Wellen der Hitze und der Lust anzukämpfen. Der Alpha hatte in diesem Moment die Kontrolle, und es fühlte sich an, als ob Darius einfach nachgeben musste, um die Qual zu beenden.
 

„Damian...“, flüsterte er erneut, doch der Alpha lachte nur leise, zog sich dann zurück und sah Darius’ erschöpften Körper an.
 

„Du wirst dich schon bald an mich gewöhnen, Darius“, wiederholte der Alpha mit einem kühlen, triumphierenden Lächeln. „Aber jetzt, in diesem Moment, gehörst du mir.“
 

Die Tür knarrte, und der Alpha trat einen Schritt zurück, als die Tür sich öffnete. Ein anderes Geräusch, das von der anderen Seite des Raumes kam, ließ Darius’ Herz schneller schlagen. Doch er konnte sich nicht darauf konzentrieren. Alles, was er wollte, war, dass die Hitze endlich nachließ, dass er den klaren Verstand zurückbekam. Doch der Alpha wusste genau, wie er die Qual noch weiter steigern konnte.
 

„Du hast noch nicht einmal angefangen, zu begreifen, was dir bevorsteht, Darius“, sagte der Alpha, als er wieder auf ihn zukam.
 

Der Raum, der sich immer weiterdrehte, war der einzige, den Darius noch kannte. Doch die Realität verschwamm, als der Alpha sich wieder über ihn beugte, ihm seine Küsse aufzwang.
 

In Darius’ Kopf tanzten immer noch die Schatten von Damian, aber je tiefer er in diesen Albtraum gezogen wurde, desto weiter zerfielen die Schatten von Damian – bis nur noch der Alpha blieb…

Kapitel 116

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Eines Stand fest, der Alpha hatte genug gespielt. Er beugte sich über Darius, seine Hand fest um dessen Kinn, sodass Darius’ Kopf nicht entweichen konnte. Der Kuss, der folgte, war hungrig und fordernd, als wollte der Alpha alles von ihm nehmen, was er sich noch verweigerte. Darius kämpfte mit allem, was er hatte, doch sein Körper gehorchte nicht. Er konnte die Wellen der Hitze nicht mehr kontrollieren, der Drang, nachzugeben, wurde immer stärker.
 

„Du wirst mir gehören“, murmelte der Alpha zwischen den Küssen, die er immer wieder auf Darius’ Lippen drückte, als wollte er die letzten Reste von Widerstand aus ihm herauslösen.
 

Darius versuchte, sich verzweifelt zu wehren, doch seine Hände zitterten. Der Gedanke an Damian, an den Mann, den er eigentlich wollte, schien immer weiter zu verblassen, als die Hitze sich weiter in seinem Körper ausbreitete und seinen Verstand einhüllte. Es war, als ob der einzige Teil von ihm, der noch standhielt, langsam zu brennen begann, während sein Verstand immer mehr in die Dunkelheit dieser Wellen abdriftete. Der Drang, Damian zu rufen, vermischte sich mit der wachsenden Erregung, die der Alpha in ihm entfachte.
 

Der Alpha wusste, dass er bald gewinnen würde. Er war ein geduldiger Mann, und er wusste, wie er mit einem Omega wie Darius umgehen musste, der in solch einem Zustand war. Diese Gedanken, dieser Widerstand, sie würden bald nichts mehr bedeuten. Es war kein „Ob“, sondern nur noch ein „Wann“. Und er wusste, dass es ihm ein besonderes Vergnügen bereiten würde, Damian die Ehre zu nehmen.
 

„Damian…“, flüsterte Darius mit kaum hörbarer Stimme, während seine Augen geschlossen blieben, der Kuss des Alphas auf seinen Lippen brannte wie Feuer. Doch in diesem Moment konnte er sich nicht gegen den Körper des Alphas wehren, der ihn jetzt vollständig einhüllte.
 

„Er wird nie hier sein, Darius. Du bist ganz alleine bei mir.“ Der Alpha presste sich weiter an ihn, seine Zunge in einem langsamen, kontrollierten Rhythmus über Darius’ Lippen strich, jeder Kontakt ein neuer Schlag gegen Darius’ letzten Widerstand.
 

Darius’ Augen schlossen sich, als er den unvermeidlichen Verlust des Kampfes spürte. Der Alpha wusste, dass es jetzt zu spät war, um noch zu entkommen. Und Darius wusste es auch. Der Drang, sich diesem Alpha zu ergeben, war unerträglich, wie eine Welle, die er nicht mehr aufhalten konnte. Aber tief in ihm schrie etwas anderes, etwas, das noch an Damian festhielt. Doch dieses Etwas war nur ein Hauch, immer schwächer werdend.
 

Der Alpha ließ sich nicht mehr aufhalten. Er beugte sich weiter zu Darius, seine Hand fest um dessen Kinn, das kaum noch Widerstand leisten konnte. Mit einem entschlossenen Kuss verschloss er Darius’ Lippen, der versuchte, sich noch ein Stück zu wehren, doch es war vergebens. Der Drang, sich diesem Alpha zu ergeben, wurde unerträglich. Darius’ Körper gehorchte, trotz seiner inneren Widerstände, die wie leere Schatten in ihm verblassten.
 

„Du bist mein“, murmelte der Alpha mit einem Hauch von Belustigung, als er Darius’ Widerstand spürte, aber genau wusste, wie er ihn brechen konnte. Die Hitze in Darius’ Körper nahm jeden letzten Funken Kontrolle von ihm. Vergeblich versuchte er, sich zu wehren – es war, als ob sein Körper und sein Geist längst den Kampf aufgegeben hatten, gefangen in der Welle der Lust.
 

Der Alpha küsste ihn erneut, mit einer Intensität, die Darius die Luft nahm. Die Zunge des Alphas drang tiefer in seinen Mund, und Darius spürte, wie alle Reste des Widerstands wie zerfallender Staub davonglitten. Seine Hände, die zuvor noch versuchten, sich an etwas festzuhalten, zitterten und ließen schließlich los, als der Alpha ihn fest an sich zog. Der Kuss brannte in ihm, und alles, was er wusste, schien plötzlich bedeutungslos.
 

„Du wirst mir gehören, Darius“, sagte der Alpha mit einer Stimme, die klar und fest war. „Kein anderer wird dich haben. Nicht Damian. Nicht du selbst. Nur ich.“ Die Worte des Alphas hallten in Darius’ Kopf, doch er konnte sich nicht dagegen wehren. Es war, als ob der Alpha jedes Wort und jede Berührung dazu benutzte, ihn vollständig zu durchdringen. Darius’ Atem wurde schneller, seine Gedanken wirr. Alles, was er wollte, war Damian. Doch der Alpha wusste, dass es jetzt zu spät war, um noch zu entkommen.
 

Er zog Darius unnachgiebig weiter, als seine Finger die Kleidung des Omegas zerrissen und ihn in ein bedrohliches, heißes Versprechen hüllten. „Du wirst mich jetzt spüren. Und du wirst es wollen. Du wirst sehen, dass es niemanden gibt, der dir besser gefällt als ich.“
 

Darius’ Augen weiteten sich, als der Alpha ihm die letzte Fluchtmöglichkeit nahm und ihn mit einem kalten, aber beharrlichen Kuss wieder in seinen Griff nahm. Der Widerstand in Darius’ Brust verflog wie der Nebel am Morgen – er konnte nur noch fühlen, wie der Alpha mit ihm spielte, wie er ihn für sich nahm, ihn durch seine Berührungen und Küsse brach. Alles, was er zuvor gewusst hatte, war jetzt bedeutungslos.
 

Die Hitze, die in Darius’ Körper wütete, brannte nun wie ein unaufhaltsames Feuer. „Du bist mein“, flüsterte der Alpha, als er Darius’ letzten Widerstand brach. „Kein Entkommen mehr.“ Und er nahm sich, was er wollte – ohne Rücksicht, ohne Gnade…

Kapitel 117

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Aiden saß auf dem Boden des Zimmers und starrte unruhig zur Tür. Die Stunden schlichen nur so dahin, und jede Sekunde ohne Nachricht von Darius fühlte sich wie eine Ewigkeit an. Die Dunkelheit in ihm wuchs mit jeder verstrichenen Minute, jede Sekunde schmerzte wie ein kleiner Stich in seinem Inneren. Was, wenn der Alpha ihm etwas antat? Was, wenn Darius niemals wieder zurückkehrte? Die Vorstellung, ihn in den Händen dieses Mannes zu wissen, quälte ihn bis ins Mark.
 

Der Gedanke, dass Darius schwanger werden könnte, hatte ihn fast aus der Fassung gebracht. Es war so ein unvorstellbarer Gedanke, und doch nagte der Schreck, dass es tatsächlich passieren könnte, an ihm. Darius war in einer so verletzlichen Lage – seine Hitze, die Übermacht der Alphas, die Ungewissheit, wie sich alles entwickeln würde… Und dann auch noch der Gedanke, dass er vielleicht Mutter werden könnte, ohne es zu wollen.
 

Ein Gedanke, der immer wieder in seinen Kopf eindrang, ihn umso mehr quälte.
 

„Nein“, flüsterte Aiden immer wieder, als könnte er die Angst mit seinen Worten vertreiben. Doch sie ließ sich nicht vertreiben. „Bitte, Darius…“
 

Aiden schüttelte den Kopf, versuchte verzweifelt, die Bilder aus seinem Kopf zu verbannen, doch sie blieben – lebendig, schmerzhaft, unausweichlich. Er erinnerte sich an die Momente, als er selbst in ähnlicher Lage gewesen war – als er keine Kontrolle hatte, als sein Körper nicht mehr aufhörte, sich nach dem zu sehnen, was ihm fehlte.
 

Das Gefühl der Hilflosigkeit nagte an ihm, während er sich fragte, ob er überhaupt noch in der Lage war, Darius zu beschützen.
 

„Was, wenn er... schwanger wird?“ flüsterte Aiden und biss sich auf die Lippe, als das Wort „schwanger“ seine Zunge verließ. Der Gedanke schien wie ein Schatten über ihm zu hängen, ein Schatten, der nicht verschwinden wollte.
 

Er wollte den Gedanken verdrängen, doch es war, als ob er immer präsenter wurde. Diese Möglichkeit – diese unvorstellbare Möglichkeit – schien immer wahrscheinlicher zu werden, und die Angst, dass Darius und er gemeinsam in eine Zukunft gestürzt würden, die sie nie wollten, brannte schmerzhaft in Aiden.
 

Er stand auf, lief nervös im Raum auf und ab. „Ich muss ihn finden. Ich muss sicherstellen, dass er in Sicherheit ist.“ Der Gedanke, dass er vielleicht zu spät kommen würde, ließ ihn zittern. Es war nicht nur die Angst um Darius’ Wohl – es war auch die Furcht, dass er in seinem verzweifelten Versuch, ihn zu retten, etwas Unumkehrbares tun würde.
 

„Hör auf zu denken, Aiden“, murmelte er leise. „Darius wird kommen… Er wird kommen…“
 

Doch gerade in diesem Moment hörte er ein leises Knarren. Die Tür öffnete sich langsam, und Aiden sprang auf, sein Herz setzte einen Schlag aus. Die Luft schien sich um ihn zu verdichten, als er in die Richtung der Tür starrte.
 

Der Alpha trat ein. Darius hing in seinen Armen, vollkommen bewusstlos, seine Augen geschlossen, sein Körper kraftlos, als wäre er nur noch ein Schatten seiner selbst. Der Alpha grinste selbstgefällig, als er Aiden ansah, und Aiden spürte einen Anflug von Wut und Panik in sich aufsteigen.
 

„Er ist ein Stück weitergekommen“, sagte der Alpha mit kalter, fast belustigter Stimme, „Aber keine Sorge, Aiden. Darius hat jetzt Abhilfe bekommen. Ich habe ihm gegeben, was er brauchte.“
 

Aiden stockte der Atem, ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken. „Was hast du ihm angetan?!“ Seine Stimme zitterte vor Wut, aber auch vor der Angst, dass er zu spät war, dass er in diesem Moment nichts mehr ausrichten konnte.
 

Der Alpha grinste noch breiter. „Du kannst froh sein, dass du schwanger bist.“ Er ließ es Raum stehen, was Aiden geblüht hätte, wäre er nicht schwanger. Doch Aiden konnte den Alpha nur fassungslos ansehen. Seine Gedanken wirbelten in Turbulenzen, während er versuchte, sich einen klaren Moment zu erkämpfen. Doch der Schock und die Panik vernebelten seine Wahrnehmung.
 

„Was ist… was ist mit ihm?“ Aiden ging auf den Alpha zu, seine Hand zitterte, als er versuchte, sich Darius zu nähern. Seine Schritte waren zögerlich, unsicher – wie ein Mann, der in den Abgrund blickte und trotzdem nicht anders konnte, als sich ihm zu nähern.
 

Ein Teil von ihm wollte Darius in den Arm nehmen, ihn festhalten, ihm die Sicherheit geben, die er brauchte. Doch die Bedrohung des Alphas war immer noch präsent, drückend, wie eine unsichtbare Wand zwischen ihnen.
 

„Er wird sich mit der Zeit an alles gewöhnen“, antwortete der Alpha kalt, seine Worte wie schneidende Klingen. „Er wird seine Zeit brauchen. Die habt ihr ja… Und du… du hattest einfach nur Glück. Aber wer weiß, was passieren wird… wenn er sich daran erinnert. Wenn er erwacht...“

Kapitel 118

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Aiden stand regungslos da, der Blick auf Darius fixiert, der immer noch in den Armen des Alphas lag. Jeder Teil von ihm wollte sich weigern, an das zu glauben, was der Alpha gesagt hatte. Doch tief in seinem Inneren wusste er, dass es wahr war – und diese Erkenntnis traf ihn wie ein Schlag, der ihm die Luft nahm. Der Gedanke, dass Darius wirklich nicht mehr derselbe war, durchbrach seine Gedanken wie ein gewaltiger Sturm, und für einen Moment schien die Welt um ihn herum stillzustehen.
 

„Du hast keine Ahnung, was du da angerichtet hast“, murmelte Aiden, seine Stimme brüchig, als er versuchte, den Kloß in seinem Hals zu überwinden. Der Schmerz in seiner Stimme war unüberhörbar, doch tief in ihm brodelte eine Wut, die er nicht abstellen konnte. „Glaub mir, wenn ich dir sage, Darius will keine Kinder…“, nuschelte er mehr für sich, als dass es dem Alpha etwas anging.
 

Doch der Alpha schenkte ihm darauf nur ein scharfes, sarkastisches Lächeln, als ob er Aiden’s Worte nicht einmal ernst nahm.
 

„Oh, ich weiß genau, was ich tue“, sagte er ruhig, fast zu ruhig. „Und Erstens ist mir das egal, was ein Omega will und zweitens, du bist der Nächste, Aiden. Dein Glück ist, dass du noch ein wenig Zeit hast. Und das weißt du.“ Natürlich musste er auf die bereits bestehende Schwangerschaft anschneiden.
 

Aiden schüttelte den Kopf, eine Mischung aus Angst und Zorn in seinen Augen, die unaufhörlich miteinander rangen. Der Druck in seiner Brust schien unerträglich zu werden, als wäre etwas Schweres in ihm eingeschlossen, das nicht entweichen konnte. „Ich werde nicht…“ Doch seine Worte brachen ab, als der Alpha langsam, fast wie ein Raubtier, auf ihn zuging.
 

„Du hast keine Wahl“, sagte der Alpha, und Aiden konnte die kalte Entschlossenheit in seiner Stimme hören. Ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken, als er spürte, wie sich die Luft um ihn herum verdichtete. „Du kannst dich wehren, so viel du willst, aber am Ende wirst du tun, was wir dir befehlen. Und du wirst sehen, es wird dir gefallen.“
 

Der Alpha trat näher, und Aiden wich instinktiv zurück, als ob sein Körper ein anderes Ziel hätte als sein Verstand. Doch der Alpha war schneller, griff nach seinem Handgelenk und zog ihn unbarmherzig näher. Die Kälte in seiner Berührung war wie eine Falle, die ihm den Atem nahm.
 

„Du hast Glück, dass du noch nicht so weit bist. Aber du wirst merken, dass es egal ist, wie du dich wehrst. Deine kommende Hitze, nach der Schwangerschaft, wird dich schließlich übermannen, so wie es bei jedem Omega ist, der ein Kind geboren hat.“
 

Aiden kämpfte gegen die aufkommende Panik an, die in ihm hochstieg, als der Alpha die Nähe suchte. Sein Herz schlug in seinem Hals, und der Raum um ihn herum schien sich plötzlich zu dehnen, als ob die Luft immer dicker wurde. „Bitte… bitte nicht“, flüsterte er verzweifelt, fast schon wie ein Gebet. Doch der Alpha zuckte nur mit den Schultern, als ob es nicht einmal wert war, darauf zu reagieren.
 

„Wie gesagt, du hast Zeit. Aber du bist der Nächste, Aiden. Bald wird dir die gleiche Abhilfe verschafft wie Darius. Du wirst sehen, es wird dir gefallen. So wie es ihm gefallen hat.“ Der spöttische Unterton in seiner Stimme ließ Aiden erschaudern. Aiden ahnte bereits, dass der Alpha Darius mit Gewalt genommen hatte, ob er das wollte oder nicht.
 

Ein kalter Schock durchfuhr ihn, als ihm bewusstwurde, dass Darius vielleicht niemals wieder derselbe sein würde – und das könnte ihm auch bevorstehen.
 

Aiden zog seine Hand weg, als er sich mit aller Kraft wehrte. Doch der Alpha war stärker, seine Hand umschloss sein Handgelenk wie ein eisernes Band. Verzweiflung stieg in ihm auf, und für einen Moment fühlte er sich, als ob er gegen ein unaufhaltsames Ungeheuer kämpfte, dessen Griff er niemals würde lösen können.
 

„Du wirst keinen Ausweg finden. Nicht jetzt. Nicht hier. Ihr werdet bei uns bleiben und uns so viele Kinder gebären, wie wir es befehlen. Entweder ihr sterbt bei einer Geburt oder ihr seid zu alt für eine Schwangerschaft.“
 

Aiden starrte ihm direkt in die Augen, sein Herz raste, die Welt um ihn herum schien sich zu drehen. Der Raum verschwamm, als er sich nach Halt suchte, aber es war nichts da, um ihn zu stützen. Er fühlte sich machtlos, als die Worte des Alphas wie ein eisiger Wind in ihm hallten, der alle Hoffnung mit sich riss.
 

„Nein. Das kannst du vergessen…“, sagte Aiden, doch seine Stimme klang brüchig, unsicher, obwohl er versuchte, standhaft zu bleiben. Er wusste nicht, wie lange er diesem Druck noch standhalten konnte, doch das Versprechen des Alphas ließ ihn immer tiefer in den Abgrund blicken.
 

Der Alpha lachte nur, ein Lachen, das Aiden durch und durch erschütterte.
 

„Oh, Aiden… du wirst es. Glaub mir, du wirst es.“ Des Alphas Stimme trug eine dunkle Gewissheit, die Aiden wie einen schweren Stein im Magen fühlte.
 

Der Alpha trat zurück, nachdem er Darius ein letztes Mal einen Blick zugeworfen hatte, als würde er sein Werk bewundern. Mit einem selbstzufriedenen Lächeln drehte er sich schließlich um, verließ den Raum und ließ die Tür mit einem leisen Klicken hinter sich ins Schloss fallen.
 

Aiden blieb zurück, seine Gedanken wirbelten in einem chaotischen Sturm. Sein Blick war immer noch auf Darius gerichtet, der bewusstlos auf dem Bett lag. Das Bild von Darius‘ reglosem Körper war wie ein Schock in ihm, der ihn nicht losließ. Die Stille war erdrückend, und Aiden konnte das Zittern in seinen Händen nicht unterdrücken. Sein Herz raste, während Panik in ihm aufstieg. Was hatte der Alpha mit ihm gemacht? Was, wenn Darius wirklich…
 

Er durfte nicht darüber nachdenken. Konnte es nicht. Sein Verstand klammerte sich verzweifelt an den Gedanken, dass Darius wieder aufwachen würde. Dass er noch nicht verloren war. Doch tief in ihm wusste er, dass die Dunkelheit, die sich über alles legte, nicht einfach verschwinden würde. Und die Dunkelheit, die sich tief in ihm ausbreitete, ließ ihn an nichts anderes mehr glauben.
 

Die Zeit verstrich quälend langsam, jede Sekunde fühlte sich wie eine Ewigkeit an. Aiden rang mit der Angst, unfähig, sich zu bewegen, unfähig, die Kontrolle über die Gedanken zu behalten, die ihn quälten…

Kapitel 119

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Aiden starrte verzweifelt auf Darius, der bewusstlos auf dem Bett lag. Seine Gedanken rasten, sein Atem ging ungleichmäßig, und in all dem Chaos fiel ihm plötzlich etwas auf. Seine Finger tasteten hektisch über seinen Körper – und dann spürte er es. Sein Handy.
 

Sein Herz setzte für einen Moment aus, als er es aus seiner Tasche zog. Er hatte es die ganze Zeit über dabeigehabt? Die Erschöpfung und Angst hatten ihn so überwältigt, dass er es vollkommen vergessen hatte. Mit zitternden Fingern drehte er es in seiner Hand, sein Blick huschte über das Display. Der Akku…
 

Er hielt den Atem an, als der Bildschirm aufleuchtete. Es war noch an. Nach einer Woche. Eine Welle der Erleichterung durchflutete ihn – er hatte es ausgeschaltet, bevor alles außer Kontrolle geraten war. Hätte er das nicht getan, wäre es längst tot.
 

„Bitte… bitte geh ran“, murmelte er, während er Damians Nummer eintippte.
 

Das Klingeln zog sich quälend in die Länge, bis endlich eine vertraute Stimme durch die Leitung drang. Bis er das befreite „Hallo“ hörte.
 

„Damian…“ Aiden keuchte, seine Stimme war brüchig. „Darius… Ich… ich kann ihn nicht wecken…“ Seine Worte kamen hastig, fast panisch. Er hatte so tierisch Angst, dass Darius gar nicht mehr aufwachen würde.
 

„Beruhig dich erst mal!“, kam es von Damian, aber seine Stimme zitterte vor unbändiger Wut. „Was ist passiert, verdammt?! Warum wacht er nicht auf?!“
 

„Es… es ist schlimm, Damian. Der Alpha hat… er hat Darius…“ Aiden stammelte, versuchte, sich zu fassen, doch die Bilder von dem, was der Alpha Darius angetan hatte, überfluteten ihn erneut. „Er hat seine erste Hitze durchgemacht, und der Alpha hat ihm…“
 

Sein Herz hämmerte, als die Worte über seine Lippen kamen. „Er hat gesagt, dass wir als Zuchtstuten behandelt werden sollen. Dass… dass wir Kinder bekommen sollen, wie es ihnen passt. Und ich… ich hab Angst, dass Darius jetzt schwanger ist.“
 

Er klammerte sich an das Handy, als wäre es seine einzige Rettung. „Was soll ich tun, Damian? Ich weiß nicht mehr, was richtig ist. Ich verstehe nicht, was sie mit uns vorhaben…“ Seine Stimme brach.
 

Für einen Moment herrschte Stille, dann hörte Aiden ein dumpfes Geräusch – als hätte Damian etwas umgestoßen oder gegen die Wand geschlagen. Dann kam seine Stimme, dunkel vor unterdrücktem Zorn: „Diese verdammten Bastarde… Das werden sie bereuen. Ich bringe sie eigenhändig um!“
 

Aiden zuckte zusammen, nicht weil ihn Damians Wut erschreckte, sondern weil sie seine eigene Panik noch weiter anfachte. „Ich… ich kann das nicht… Ich weiß nicht, was ich machen soll! Darius bewegt sich nicht! Was, wenn er nicht mehr derselbe ist? Was, wenn ich ihn verliere?!“ Er rüttelte verzweifelt an Darius‘ Schultern, versuchte ihn auf irgendeine Weise ins Bewusstsein zurückzuholen. Seine Finger waren eiskalt, sein ganzer Körper zitterte vor Angst und Erschöpfung.
 

„Aiden!“, fuhr Damian ihn an, seine Stimme eine Mischung aus Sorge und Dringlichkeit. „Du bleibst bei ihm, hörst du? Ich schwöre dir, wir holen euch da raus! Du musst durchhalten! Wo seid ihr?!“
 

Aiden rang nach Luft. Sein Kopf pochte, sein Brustkorb fühlte sich an, als würde er unter einem gigantischen Gewicht zusammengepresst. „Ich weiß nicht! Ich weiß nicht, wo wir sind!“
 

Er hörte, wie Damian durch die Zähne ausstieß: „Verdammt! Ihr seid in diesem Drecksanwesen, oder?!“
 

„Ja… ja, ich glaube…“ Aiden presste die Augen zusammen, sein Kopf dröhnte.
 

„Sind Dante und Ed bei euch?!“
 

Dante und Ed. Aiden hatte sie völlig vergessen. Die Panik schnürte ihm die Kehle zu. „Ich… ich glaube, sie wurden zusammen eingesperrt, aber ich habe sie nicht gesehen. Ich weiß nicht, was mit ihnen passiert ist!“
 

Ein weiteres Krachen in der Leitung. Aiden hörte Jack fluchen, dann Damians keuchende Wut: „Scheiße! Wir holen euch alle raus, egal was es kostet. Und du sagst mir sofort Bescheid, wenn sich etwas ändert! Dante und Ed… wenn wir nicht bald etwas von ihnen hören…“
 

Aiden nickte hektisch, die Angst um die beiden Jungen drängte sich zwischen all die anderen Gefühle. Auch hatte er aufgelegt. Doch als sein Blick wieder auf Darius fiel, wurde alles andere ausgeblendet. Die reglose Stille, die ihn umgab, ließ ihn zunehmend nervöser werden.
 

Was, wenn das hier der Moment war, in dem alles zerbrach?
 

Darius‘ Haut war blass, fast schon unnatürlich. Die Male auf seinem Körper, die Spuren der Fesseln – alles erzählte eine Geschichte des Grauens, die Aiden nicht ertragen konnte. Er legte eine Hand auf Darius‘ Stirn. Sie war warm, vielleicht zu warm. Sein eigener Körper fühlte sich eiskalt an, Schweiß klebte an seiner Haut, doch seine Finger zitterten so stark, dass er kaum die Kraft hatte, Darius festzuhalten.
 

„Halt durch, bitte…“ Seine Stimme war nur noch ein Flüstern.
 

Was der Alpha mit Darius getan hatte, war unübersehbar. Er hatte ihn mit Sicherheit gegen seinen Willen genommen – und Aiden konnte sich kaum vorstellen, wie tief das in Darius wühlen würde. Ein Mann wie er, stark und doch nun so gebrochen, das war alles andere als leicht zu ertragen.
 

Diese Art von Gewalt hinterließ nicht nur Spuren auf der Haut, sondern riss auch Wunden auf, die in der Seele klafften und nicht so schnell heilen würden. Aiden legte sich vorsichtig zu ihm aufs Bett, zog Darius sanft in seine Arme und hielt ihn fest. Es war, als wollte er die zerbrochenen Teile des Mannes in seinen Armen zusammenhalten, als könnte er diese inneren Risse mit bloßen Händen heilen.
 

Die Vorstellung, was Darius ertragen musste, sollte er erwachen, versetzte Aiden in einen Strudel aus Angst und Ekel. Die blauen Flecken, die sich wie düstere Schatten über Darius’ Körper zogen, die Striemen, die das Ergebnis von Fesseln waren – all das war mehr als nur sichtbare Gewalt. Es waren Zeichen von etwas weit Schlimmerem. Aiden konnte es kaum ertragen, es anzusehen, und doch musste er es tun, musste sich dem stellen, was geschehen war. Es war, als wäre ein Teil von ihm selbst zerstört worden.
 

Seine Hand fand den noch warmen Körper von Darius, als er die Augen schloss, die Erschöpfung an ihm zerrte, doch selbst im Schlaf ließ er ihn nicht los. Sein Griff blieb fest, schützend, als wollte er Darius vor all dem Schmerz bewahren, der ihn verfolgte, als könnte er ihn vor den Albträumen beschützen, die sich tief in dessen Geist eingegraben hatten…

Kapitel 120

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Damian starrte auf das Telefon, das in seiner Hand vibrierte, das Gespräch mit Aiden war gerade zu Ende. Die Worte, die Aiden ihm gesagt hatte, hallten in seinem Kopf nach. Darius… der Alpha… erste Hitze… bewusstlos… schwanger...
 

Ein Stechen in Damians Brust, das nichts anderes war als pure Wut und Sorge, ließ ihn auf der Stelle erstarren. „Verdammt, verdammt, verdammt," murmelte Damian und ballte die Hand zu einer Faust, drückte das Telefon gegen seine Stirn. Er spürte, wie sein Blut in den Adern kochte, die Wut brodelte in ihm.
 

Der Gedanke, dass Darius dort draußen in den Händen dieses Monsters lag, ließ ihn fast explodieren. Es war, als ob jeder Muskel in ihm sich straffte, als er die Kontrolle über seine aufgestauten Gefühle nur mit größter Mühe zurückhielt.
 

Jack war an seiner Seite, sah ihn aus den Augenwinkeln an. „Was ist los, Damian? Was hat Aiden gesagt?“ Immerhin wusste er nur Bruchstücke und was er mitbekommen hatte, gefiel ihm gar nicht – er wusste nur, dass es etwas mit Darius zu tun hatte.
 

Damian schloss für einen Moment die Augen, versuchte, seine aufgewühlten Gedanken zu ordnen. Aber es war schwer. Die Vorstellung von Darius‘ Zustand, der nicht nur physisch, sondern auch emotional gebrochen sein könnte, ließ ihn wütend und hilflos zurück.
 

„Es… Es geht um Darius“, sagte er schließlich, und die Worte kamen schwer über seine Lippen. „Aiden… er kann ihn nicht wecken. Darius ist bewusstlos…“
 

„Was hat er gesagt, Damian?“, fragte Jack leise, seine Stimme unsicher, als er zu Damian hinübersah. Doch die Besorgnis in seinem Blick war nicht zu übersehen. Die anderen Männer, die bisher ruhig in der Hütte gesessen hatten, sahen sich verwirrt an, spürten die Spannung in der Luft.
 

Damian atmete tief ein, doch seine Brust war von so viel Wut und Sorge erfüllt, dass es ihm schwerfiel, klare Worte zu finden. „Der verdammte Alpha hat ihn... hat ihn gewaltsam genommen“, stieß Damian aus, als ob die Worte ihm die Kehle zuschnürten. „Der Kerl hat ihn zerstört... er hat ihn benutzt, wie ein verdammtes Tier.“
 

Damian ballte die Hände zu Fäusten, die Zähne fest zusammengebissen. Er spürte, wie die Wut ihn noch mehr durchflutete und zittern ließ. „Und Aiden hat Angst, dass er schwanger ist, verdammt noch mal!“ Die Vorstellung, dass Darius nicht nur in dieser Hölle gefangen war, sondern auch mit den Folgen dieses Monsters zurechtkommen musste, brannte wie Feuer in Damians Brust. Ein Schmerz, den er kaum fassen konnte.
 

Ein plötzliches, dumpfes Geräusch hallte durch den Raum. Dustin, der noch leicht angeschlagen war, ballte die Fäuste. „Verdammte Hölle… Ich habe es immer gesagt. Ich wusste, dass sie irgendwann zu weit gehen würden. Ich habe gesagt, was passiert, wenn sie in die Hände der Alphas geraten!“ Seine Stimme klang gepresst, als er Damian anstarrte, als könnte er das Ganze nicht fassen.
 

Damian fuhr sich mit der Hand durchs Gesicht, seine Miene von unterdrücktem Zorn verzerrt. „Das darf nicht wahr sein.“ Er schüttelte den Kopf, als wollte er die Bilder aus seinem Kopf vertreiben, die gerade noch durch das Telefon nach ihm geschleudert wurden. „Ich verliere die Kontrolle. Wir müssen ihn da rausholen, jetzt!“
 

Jack trat einen Schritt näher, legte eine Hand auf Damians Schulter, um ihn zu beruhigen. Doch Damian zuckte zusammen, ehe er sich zwang, die Wut zu unterdrücken. „Es tut mir leid, Jack. Ich… ich kann nicht so tun, als wäre alles okay. Es geht um Darius. Mein Mann.“
 

Jack nickte, das Mitgefühl in seinen Augen war deutlich. Doch er wusste, dass er Damian auch nicht zu sehr bremsen konnte. „Wir holen ihn da raus, Damian. Aber du musst uns alles sagen, was du weißt. Wo sind sie?“
 

Damian schluckte, der Schmerz in seiner Stimme war unverkennbar, als er die nächsten Worte fast flüsterte. „Aiden hat gesagt, dass sie in einem dieser gottverdammten Anwesen sind, wahrscheinlich noch im Anwesen der Weltregierung schlechthin. Und Dante und Ed sind auch dort…“
 

„Verdammt“, fluchte Jack, und der Rest der Männer schüttelte die Köpfe. Sie wussten, wie gefährlich es war, sich mit den Alphas anzulegen, aber jetzt, wo es um Darius ging, gab es keine Ausflüchte mehr.
 

Damian sah zu den anderen, die angespannt warteten, und seine Augen brannten vor Wut und Angst. „Ich schwöre, wir holen sie da raus. Wir holen Darius raus. Keiner von diesen verdammten Bastarden wird ungestraft davonkommen.“
 

Dustin seufzte und nickte, dann trat er zu Damian. „Wir tun, was wir können. Aber du musst ruhig bleiben, wir brauchen einen klaren Kopf.“
 

„Ruhig bleiben?“ Damian lachte höhnisch, und es klang bitter und schmerzhaft. „Wie soll ich ruhig bleiben, wenn ich weiß, dass mein Mann in den Händen eines verdammten Monsters liegt? Wenn mein Mann in Gefahr ist?“ Damian stieß die Worte mit geballter Faust hervor, als ob der bloße Gedanke an Darius‘ Zustand ihn noch weiter in Rage versetzte.
 

„Dieser Mistkerl... sie haben ihn gebrochen, Dustin! Und Aiden ist nicht viel besser dran. Glaub mir, das ist noch nicht zu Ende!“
 

„Verdammt, wir müssen uns beeilen, bevor sie noch etwas Schlimmeres anrichten!“ Jack sagte die Worte, als wäre das das Einzige, was in diesem Moment zählte, und all die Sorgen um Aiden und das Baby schlichen sich in jede Faser seiner Stimme.
 

„Ich werde nicht zulassen, dass Darius das weiter durchmachen muss. Ich werde ihn holen, Jack. Und jeder, der mir im Weg steht, bekommt es mit mir zu tun!“
 

Dustin nickte, als er die Ernsthaftigkeit in Damians Tonfall bemerkte, doch er schaffte es, sich zu fassen. „Dann los. Wir müssen sie retten – jetzt.“
 

Damian sah ihn einen Moment lang an, dann schloss er kurz die Augen, um sich zu sammeln. „Ich werde alles tun, was nötig ist, um sie zu retten.“ Seine Worte waren nicht nur eine Drohung. Es war ein Versprechen – und diesmal würde er keinen Schritt zurückweichen.
 

Dustin, immer noch aufgebracht, trat vor und ballte die Fäuste. „Wenn sie Darius weiter wehtun, dann werde ich sie alle umbringen, egal, was passiert. Aber du hast recht, Damian“, seine Stimme war nun ruhiger, aber genauso bedrohlich. „Wir wissen, wo sie sind und was zu tun ist.“ Dustin war entschlossener denn je. Immerhin ging es hier um seinen kleinen Bruder.
 

„Ich werde ihn holen“, flüsterte Damian, die Stimme jetzt düster und fest. „Niemand wird Darius noch mehr verletzen. Keiner.“ Er sah auf, seine Augen brannten vor Wut, die Luft um ihn herum schien förmlich zu vibrieren. „Und wenn wir sie finden, dann... dann wird niemand von diesen Bastarden je wieder einen Schritt tun können...“

Kapitel 121

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Einige Stunden später wurde Aiden wieder wach, weil er Darius weinen hörte. Ein leises, gebrochenes Schluchzen, das ihm durch Mark und Bein ging. Sofort setzte er sich auf, sein Herz hämmerte in seiner Brust.
 

Was er sah, ließ ihm das Herz schwer werden.
 

Darius saß gekrümmt da, hielt sich den Bauch mit beiden Armen fest, sein Körper wiegte sich leicht hin und her, während sein Kopf gesenkt war. Selbst wenn man seine Tränen nicht sehen konnte, sprach seine gesamte Haltung für sich. Er weinte…
 

Nur zu gut konnte Aiden sich vorstellen, warum. Darius war jemand, der sich selbst oft vergaß, der sich vorgenommen hatte, Aiden zu beschützen – doch an sich selbst hatte er dabei nicht gedacht. Und nun war er derjenige, der Schutz brauchte.
 

Aiden schluckte schwer. Er spürte, wie sich die Schwere in seiner Brust ausbreitete. Vorsichtig hob er eine Hand, zögerte, weil er nicht wusste, ob Darius eine Berührung jetzt ertragen konnte. Doch er konnte ihn nicht einfach so lassen. Also näherte er sich langsam, ließ ihm Zeit, zu reagieren.
 

„Darius…“, flüsterte er leise, seine Stimme voller Sorge.
 

Doch Darius reagierte nicht. Seine Schultern bebten weiterhin, sein Atem ging ungleichmäßig, flach und zitternd, als würde er in einem Sturm kämpfen, der in ihm tobte. Aiden spürte, wie sich sein Brustkorb zusammenzog. Die Ohnmacht, nichts tun zu können, war unerträglich. Aber er würde nicht zulassen, dass Darius das allein durchstehen musste.
 

Er rutschte näher, legte schließlich ganz vorsichtig eine Hand auf Darius‘ Rücken, in der Hoffnung, dass er ihn so wenigstens ein wenig beruhigen konnte.
 

Darius zuckte kaum merklich zusammen, als Aidens Hand seine Haut berührte. Es war ein schwaches, beinahe instinktives Zusammenfahren, als würde er sich auf weitere Schmerzen einstellen. Doch dann blieb er einfach reglos, ließ die Berührung geschehen, ohne sich zu wehren.
 

Aiden hielt die Luft an. Sein Herz schlug schmerzhaft in seiner Brust, während er Darius’ zittrige Atmung beobachtete. Es war, als würde jeder Atemzug ein eigenes Gewicht tragen. Sein Freund war so still, so gebrochen – das passte nicht zu ihm. Darius war sonst immer derjenige gewesen, der Mut gezeigt hatte, selbst in den schlimmsten Situationen. Und jetzt… jetzt konnte er nicht einmal mehr den Kopf heben.
 

„Darius… ich bin hier“, sagte Aiden leise. Seine Stimme war sanft, vorsichtig, als könnte ein falsches Wort ihn in tausend Stücke reißen.
 

Für einen Moment blieb es still, dann hörte er, wie Darius schwer schluckte. Seine Finger krallten sich fester in den Stoff seines Oberteils, als würde er sich selbst daran festhalten.
 

„Es… es tut so weh…“, kam es schließlich kaum hörbar von ihm.
 

Aiden spürte, wie ihm ein dicker Kloß im Hals stecken blieb. Natürlich tat es weh. Körperlich, aber noch viel mehr in seinem Inneren. Darius hatte nicht nur Gewalt ertragen müssen – er hatte seine Würde, sein Gefühl von Sicherheit verloren. Und nichts, was Aiden jetzt tat, konnte das ungeschehen machen.
 

„Ich weiß…“ Seine eigene Stimme klang belegt. Er wusste nicht, was er sagen sollte, wusste nicht, wie er diese Wunden heilen konnte. Also tat er das Einzige, was ihm in diesem Moment blieb – er hielt ihn fest. Seine Arme schlossen sich vorsichtig um Darius, gaben ihm Halt, wenn schon nichts anderes.
 

Darius reagierte nicht sofort, doch nach einer Weile, als seine Schultern nicht mehr ganz so stark bebten, lehnte er sich einen Hauch mehr gegen Aiden. Es war kaum merklich, aber es war da – eine leise Zustimmung, ein stiller Versuch, sich an ihm festzuhalten.
 

„Du bist nicht allein“, flüsterte Aiden, seine Stirn gegen Darius’ gelegt. „Ich lasse dich nicht los.“
 

Er wusste nicht, ob seine Worte irgendetwas halfen. Vielleicht waren sie nichts weiter als leere Versprechen in einem Moment, in dem nichts mehr richtig schien. Aber er würde sie wahr machen. Egal, was es kostete.
 

Darius‘ Atem ging noch immer unregelmäßig, flach und zittrig. Er klammerte sich an sein eigenes Oberteil, als könnte er sich so vor dem schützen, was ihm widerfahren war. Aiden hielt ihn weiter in seinen Armen, spürte die Anspannung in seinem Körper und die Kälte, die von ihm ausging. Er fühlte sich wie eine erfrorene Welle, die ihn immer mehr mit sich zog.
 

Minuten vergingen in Stille. Aiden spürte, wie Darius‘ zittrige Bewegungen allmählich langsamer wurden, aber nicht, weil es ihm besser ging – eher, weil seine Erschöpfung überhandnahm. Er war am Ende seiner Kräfte, ausgebrannt und leer.
 

„Du musst dich nicht zwingen, irgendwas zu sagen“, murmelte Aiden schließlich, seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern. „Aber ich bin hier. Egal, wie lange du brauchst.“
 

Darius‘ Finger krallten sich in den Stoff seines Oberteils, seine Atmung stockte für einen Moment. Dann hörte Aiden ein leises, brüchiges Flüstern.
 

„Es ist vorbei… oder?“
 

Die Frage war so voller Zweifel, so voller Angst, dass Aiden spürte, wie sein eigener Körper sich verkrampfte. Er wollte „Ja“ sagen. Wollte ihm versichern, dass er nie wieder so leiden musste. Aber die Wahrheit war, dass er es nicht wusste. Dass er es nicht versprechen konnte.
 

„Ich werde nicht zulassen, dass dir nochmal etwas passiert“, sagte er stattdessen, mit einer Entschlossenheit, die er selbst kaum fassen konnte.
 

Darius‘ Schultern zuckten leicht, dann ließ er endlich den Stoff seines Oberteils los und griff stattdessen nach Aiden. Seine Finger waren kalt, schwach, aber sie krallten sich an ihn, als hinge alles davon ab.
 

Aiden hielt ihn fester.
 

Und diesmal war es Darius, der sich an ihn klammerte, nicht andersherum…

Kapitel 122

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Darius’ Griff war schwach, aber er ließ Aiden nicht los. Sein Körper zitterte noch immer, sein Atem war unruhig, doch es fühlte sich an, als würde er zumindest versuchen, sich an etwas festzuhalten – an Aiden, an der einzigen Konstante, die ihm in diesem Moment blieb.
 

Aiden strich ihm beruhigend über den Rücken, langsam und vorsichtig, als könnte eine zu plötzliche Bewegung Darius’ fragilen Zustand zum Einsturz bringen. Er konnte die Anspannung in seinem Freund spüren, jeden unkontrollierten Herzschlag, jedes zittrige Einatmen, das nicht ganz tief genug ging.
 

„Du bist bei mir…“, sagte er leise. „Du bist in Sicherheit.“
 

Doch Darius reagierte nicht darauf. Seine Finger umklammerten Aidens Ärmel so fest, dass seine Knöchel weiß hervortraten. Es war, als traute er dem, was Aiden sagte, nicht. Als würde er befürchten, dass sich alles als eine grausame Illusion entpuppte.
 

Es fühlte sich nicht echt an. Nicht diese Wärme, nicht dieser Moment. Darius hörte Aidens Worte, aber sie drangen nicht richtig zu ihm durch. Sicher? Was bedeutete das überhaupt noch? Die Wände in seinem Kopf waren immer noch dieselben, kalt, eng, erdrückend. Sie ließen sich nicht einfach mit Worten niederreißen.
 

„Darius?“ Aiden versuchte, einen Blick auf sein Gesicht zu erhaschen, aber sein Freund hielt den Kopf gesenkt. Er zitterte noch immer leicht, und dann, nach einer endlosen Stille, kam endlich eine Reaktion.
 

„Ich… kann es nicht vergessen“, flüsterte Darius kaum hörbar. Seine Stimme war brüchig, als wäre jedes Wort eine Qual. „Es… fühlt sich an, als wäre er immer noch da.“
 

Aiden schluckte schwer. Er wusste nicht, was er sagen sollte. Was konnte er darauf antworten? Er konnte nichts von dem ungeschehen machen, nichts auslöschen, was Darius ertragen musste.
 

Also drückte er ihn einfach nur fester an sich.
 

Darius hörte den gleichmäßigen Schlag von Aidens Herz, spürte die Wärme seines Körpers. Es war ein schwacher Anker gegen das Chaos in seinem Kopf. Er wollte sich festhalten, wollte glauben, dass dieser Albtraum vorbei war – aber die Dunkelheit ließ sich nicht einfach abschütteln.
 

„Ich weiß nicht, wie ich dir helfen kann“, gab Aiden leise zu. „Aber ich werde dich nicht allein lassen.“
 

Darius’ Atem stockte kurz, dann ließ er langsam los. Aber nicht, weil er Abstand wollte – stattdessen sank er schwer gegen Aiden, als hätten seine letzten Kräfte ihn verlassen.

Aiden hielt ihn fest, spürte die Wärme seines Körpers, das schwache Zittern, das langsam nachließ.
 

Darius hatte aufgehört zu weinen.
 

Aber Aiden wusste, dass das nicht bedeutete, dass es ihm besser ging.
 

Aiden spürte, wie sich Darius’ Gewicht schwer gegen ihn lehnte. Es war keine bewusste Bewegung – eher ein Nachgeben, als würde sein Körper nicht mehr die Kraft aufbringen, sich selbst zu halten. Aiden ließ ihn. Er hielt ihn einfach nur fest, während Darius’ ungleichmäßiger Atem an seinem Hals spürbar war.
 

Die Minuten verstrichen, ohne dass einer von ihnen ein Wort sagte. Es gab nichts zu sagen, nichts, was in diesem Moment auch nur annähernd helfen konnte. Also blieb Aiden einfach da, hielt Darius’ zitternden Körper in seinen Armen und versuchte ihm so zu vermitteln, dass er nicht allein war.
 

Irgendwann spürte er, wie sich Darius leicht bewegte. Kein wirkliches Aufrichten, eher ein minimaler Versuch, sich selbst wiederzufinden. Langsam lockerte Aiden seinen Griff, ließ Darius genug Raum, um selbst zu entscheiden, wie nah er bleiben wollte.
 

Darius fühlte sich müde. Nicht nur körperlich, sondern bis in jede Faser seines Seins. Die Gedanken in seinem Kopf ratterten unaufhörlich weiter, als könne er die letzten Stunden nicht hinter sich lassen. Er wusste, dass Aiden bei ihm war. Er wusste es. Aber der Angst war es egal.
 

„Brauchst du Wasser?“, fragte Aiden leise, ohne zu wissen, ob er überhaupt eine Antwort bekommen würde.
 

Darius zuckte kaum merklich. Dann nickte er. Es war eine so kleine Bewegung, dass Aiden es fast übersehen hätte, aber es war da – ein Zeichen, dass Darius ihn gehört hatte. Dass er wenigstens so weit, wieder bei sich war, um darauf zu reagieren.
 

Vorsichtig löste Aiden sich von ihm, aber nicht vollständig. Er blieb nah, bereit, ihn wieder zu halten, falls Darius’ Körper oder Geist doch noch nachgeben sollte.
 

Er griff nach der Wasserflasche, die neben dem Bett stand, öffnete sie und reichte sie Darius hin.
 

Darius‘ Finger zitterten leicht, als er sie nahm. Er sah die Flasche einen Moment lang an, als wüsste er nicht, ob er sie wirklich benutzen wollte. Dann führte er sie langsam an die Lippen und trank in kleinen, vorsichtigen Schlucken.
 

Aiden beobachtete ihn, seine Mimik, seine zitternden Hände, das leichte Zittern seines Kiefers. Es tat weh, ihn so zu sehen.
 

Als Darius die Flasche zurückgab, waren seine Finger eiskalt. Aiden nahm sie entgegen, stellte sie wieder weg und zögerte dann.
 

Darius‘ Blick war noch immer gesenkt.
 

„Möchtest du dich hinlegen?“, fragte Aiden sanft.
 

Darius‘ Schultern hoben und senkten sich langsam. Dann, nach einem Moment des Zögerns, nickte er wieder leicht.
 

Aiden half ihm, sich hinzulegen, langsam und vorsichtig, als könnte Darius jeden Moment zerbrechen. Als er schließlich auf der Seite lag, zog er die Decke über ihn, aber Darius‘ Hände krallten sich plötzlich an seinen Arm.
 

„Bleib hier“, flüsterte Darius. Seine Stimme war so leise, so verletzlich, dass es Aiden das Herz zusammenzog.
 

„Ich gehe nicht weg“, versprach er sofort.
 

Er legte sich wieder zu ihm, ließ Darius nicht los, und als er vorsichtig eine Hand in seine legte, hielt Darius sie fest. Seine Finger waren kalt, aber sein Griff wurde etwas fester.
 

Darius blinzelte gegen die Dunkelheit an. Sein Körper fühlte sich an, als würde er nicht mehr ihm gehören, als hätte er keine Kontrolle mehr darüber. Alles war dumpf, weit weg, als wäre er noch immer gefangen – nicht hinter physischen Wänden, sondern in seinem eigenen Kopf. Die Erinnerungen lauerten in jeder Ecke, bereit, ihn wieder zu verschlingen, doch da war Aidens Wärme. Seine Hand. Sein Versprechen.
 

Er wagte es kaum, dem zu vertrauen, aber sein Körper tat es bereits. Sein Griff um Aidens Hand wurde einen Hauch fester, als könnte er sich so daran festhalten, dass die Schatten ihn nicht wieder verschlingen würden. Sein Atem war immer noch unruhig, aber Aiden war da. Er ging nicht weg.
 

Aiden spürte das leichte Zittern in Darius’ Fingern, die Kälte, die in seinem Körper festsaß, als würde sie nie wieder verschwinden. Also hielt er ihn einfach nur fest, streichelte mit dem Daumen über seine Finger und blieb still. Worte konnten jetzt ohnehin nichts mehr ausrichten, aber vielleicht konnte seine Nähe etwas bewirken. Vielleicht konnte sie Darius zeigen, dass er nicht allein war.
 

Es war nicht viel.
 

Kein Wunderheilmittel, das all die Narben auf seiner Seele verschwinden ließ. Kein Versprechen, dass der Schmerz morgen weg sein würde. Aber es war etwas. Ein Halt, ein winziger Funke von Sicherheit inmitten des Chaos, das noch immer in ihm tobte.
 

Aber es war ein Anfang.
 

Ein erster, zaghaft gesetzter Schritt aus der Dunkelheit, auch wenn der Weg noch weit war. Und Aiden würde ihn nicht allein gehen lassen. Egal, wie lange es dauerte, egal, wie oft Darius fiel – er würde da sein, um ihn wieder aufzufangen…

Kapitel 123

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Darius‘ Griff blieb fest, als hätte er Angst, dass Aiden plötzlich verschwinden könnte. Seine Finger verkrampften sich, als ob er befürchtete, dass diese kleine Verbindung zu Aiden jederzeit wieder zerbrechen könnte. Aiden sagte nichts, er erwiderte einfach nur den Druck seiner Hand, wollte ihm das Gefühl geben, dass er hier war – dass er ihn nicht alleine ließ.
 

Darius’ Atmung war langsam und flach, sein Körper noch immer angespannt, aber er ließ Aiden näher. Sein Kopf ruhte schließlich leicht an Aidens Brust, als würde ihm die Nähe ein wenig Halt geben. Aiden spürte die Zitterpartie in Darius‘ Körper, das subtile, aber stetige Beben seiner Muskeln, das von der Anspannung in ihm zeugte. Die Nähe schien ihm zu helfen, aber nur für den Moment, nur für eine kurze Weile.
 

Aiden spürte, wie schwer sein eigener Atem ging. Er wollte etwas sagen, wollte ihm versichern, dass alles gut werden würde. Doch die Worte blieben ihm im Hals stecken. Es war nicht gut. Und es würde nicht einfach wieder verschwinden. Die Stille, die zwischen ihnen lag, war schwer wie Blei, und Aiden wusste, dass keine Worte die Last davon nehmen konnten. Aber vielleicht konnte er es mit seiner Nähe etwas erträglicher machen.
 

„Wenn du schlafen willst, ich bleib wach“, murmelte Aiden leise, während er mit der freien Hand beruhigend über Darius‘ Rücken strich.
 

Darius reagierte nicht sofort, dann kam ein kaum hörbares Murmeln.

„Ich kann nicht schlafen…“
 

Seine Stimme war so rau, so müde, als hätte sie jedes Leben verloren. Aiden schluckte schwer. Es war, als ob die Worte von Darius eine dunkle, tiefe Leere in sich trugen, und Aiden konnte die Verzweiflung darin spüren, das Gefühl eines Zustands, der nicht nur körperlich, sondern auch seelisch quälte.
 

„Muss du auch nicht“, sagte er sanft. „Wir bleiben einfach so.“
 

Er spürte, wie Darius‘ Körper zitterte, wenn auch nur schwach. Aber er zog sich nicht zurück. Stattdessen lag er einfach da, ließ sich halten, während Aiden ihm langsam mit den Fingern über den Rücken strich. Aiden versuchte, ihn zu beruhigen, doch auch wenn Darius’ Zitternde Bewegung sanft war, wusste er, dass da noch viel mehr in ihm brodelte, das nicht so einfach zu lindern war.
 

Die Stille war schwer, aber nicht unangenehm.
 

„Er hat es genossen…“ Darius’ Stimme war so leise, dass Aiden sie fast nicht gehört hätte.
 

Aiden erstarrte. Sein Körper spannte sich ungewollt an, aber er zwang sich, ruhig zu bleiben. Die Worte trafen ihn wie ein Schlag, und er konnte die Wut, die sich in ihm aufbaute, nur schwer unterdrücken. Aber er wusste, dass er Darius in diesem Moment nicht einfach durch seine Wut oder Enttäuschung verletzen konnte.
 

„Darius…“
 

„Ich hab es gesehen… in seinen Augen.“ Darius‘ Stimme war hohl, leer. „Er wollte, dass ich es weiß. Dass ich spüre, wie… wie wenig ich dagegen tun kann.“
 

Aiden schluckte hart, sein Kiefer spannte sich. Sein Herz zog sich zusammen, als er den Schmerz in Darius’ Worten hörte. Die Wut in ihm kochte hoch, aber sie war von einer tiefen Traurigkeit begleitet – die Ohnmacht, nicht genug tun zu können.
 

Er wusste nicht, was er sagen sollte. Keine Worte konnten das lindern, was Darius fühlte. Keine Worte konnten es richtig machen.
 

Also hielt er ihn einfach nur fester.
 

„Du bist nicht allein“, sagte er schließlich, seine Stimme fester als zuvor. Er versuchte, zu versichern, dass er noch hier war – dass er für ihn da war, auch wenn alles andere in diesem Moment zu zerbrechen schien.
 

Darius‘ Finger klammerten sich noch ein wenig fester an Aiden. Seine Atmung blieb unruhig, aber Aiden spürte, dass er sich nicht zurückzog. Es war wie ein leiser Kampf in Darius, der gegen die Dunkelheit, die ihn zu verschlingen drohte, anzukämpfen versuchte.
 

Und das war das Einzige, was in diesem Moment zählte. Es war nicht genug, aber es war alles, was sie gerade füreinander tun konnten.
 

Aiden spürte, wie Darius‘ Finger immer noch an seinem Ärmel festhielten, als wäre es das Einzige, was ihn davon abhielt, wieder in die Dunkelheit zu sinken. Der Griff war schwach, fast zerbrechlich, und Aiden wusste, dass Darius sich an ihm festhielt, wie an einem letzten Fetzen Hoffnung.
 

Die Stille war drückend, und doch wagte Aiden es nicht, sie zu durchbrechen. Er fühlte, wie tief Darius in seinem Schmerz gefangen war, und er wusste, dass er ihm nicht viel mehr geben konnte als das, was er jetzt hatte – diese ruhige, treue Präsenz.
 

Nach einer Weile, die sich wie eine Ewigkeit anfühlte, spürte Aiden eine Bewegung. Darius‘ Finger lockerten sich leicht, und dann kam ein leises, brüchiges Flüstern.
 

„Ich will das Vergessen…“
 

Seine Stimme war so voller Verzweiflung, dass Aiden die Luft anhalten musste.
 

„Ich weiß…“, sagte er leise. „Ich wünschte, ich könnte es für dich tun.“
 

Darius schwieg, seine Atmung flach und unregelmäßig. Es war, als ob die Worte in der Luft schwebten, schwer und ungreifbar, und Aiden fühlte sich hilflos, weil er wusste, dass er es Darius nicht abnehmen konnte.
 

„Aber du bist hier“, fuhr Aiden fort. „Und du hast überlebt.“
 

Darius verzog kaum merklich das Gesicht, als hätte das Wort einen bitteren Nachgeschmack.
 

„Überlebt…“ Er lachte kurz, doch es klang gebrochen, verzweifelt. „Ist das das Einzige, was zählt?“
 

Aiden wusste nicht, was er darauf sagen sollte. Also tat er das Einzige, was er konnte – er zog Darius noch ein Stück näher an sich, ließ ihn seine Wärme spüren, seine Anwesenheit.
 

„Du bist nicht allein“, wiederholte er, diesmal fester.
 

Darius‘ Körper war noch immer angespannt, aber er lehnte sich nicht von ihm weg. Stattdessen ließ er sich halten, ließ Aidens Worte an sich heran.
 

Es war nicht viel.
 

Aber vielleicht war es genug für diesen Moment… Es war eine zerbrechliche Hoffnung, aber es war etwas, das sie teilen konnten, auch wenn es nur für einen flimmernden Moment war…

Kapitel 124

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Darius‘ Gedanken rasten wild durcheinander, als er versuchte, sich auf den Moment zu konzentrieren und nicht auf das, was tief in ihm war. Ein Gefühl der Beklemmung, das sich wie eine schwere Last in seiner Brust ausbreitete, lähmte ihn.
 

Er wurde sich der Tatsache bewusst, dass er immer noch auf eine Weise gefüllt war – auf eine Art und Weise, die er nicht gewollt hatte. Ein Gefühl von Abscheu und Widerstand kroch in ihm hoch. Denn Damian hatte ihn niemals auf diese Weise gefüllt.
 

Ein Teil von Darius sträubte sich gegen diese Gedanken, gegen die Realität, die sich ihm mit unerbittlicher Klarheit aufdrängte. Das Gefühl in seinem Körper, das Gewicht, das ihn quälte, das ihn immer noch drückte, war unerträglich. Es erinnerte ihn schmerzhaft daran, dass er keine Kontrolle hatte – dass er in diesem Moment keine Entscheidungen getroffen hatte. Dass sein Körper etwas trug, das er nie wollte, etwas, das ihm angetan worden war.
 

Er schloss die Augen, als der Schmerz in ihm sich verdichtete, und versuchte, sich zusammenzureißen. Doch es fühlte sich an, als würde sich alles in ihm zusammenziehen, als wollte sich sein Innerstes von diesem Zustand befreien, der ihm so fremd war, so gegen seine Natur. Es war wie ein inneres Zittern, das er nicht kontrollieren konnte.
 

„Ich… will das nicht“, murmelte Darius schließlich, seine Stimme so leise, dass Aiden fast nicht verstehen konnte, was er sagte. „Ich will das nicht…“
 

Es war, als hätte er die Worte nie ganz verstanden, bis jetzt, in diesem Moment. Die Realität traf ihn wie ein Schlag, als er sich eingestand, was ihm angetan worden war. Das, was er in sich trug, war eine Erinnerung an die Gewalt, die er erdulden musste. Eine Erinnerung, die sich nicht löschen ließ. Ein Teil von ihm weigerte sich, diese Erinnerung zu akzeptieren, doch gleichzeitig wusste er, dass er sie nicht mehr ignorieren konnte. Sie war ein Teil von ihm geworden.
 

Aiden spürte, wie sich Darius unter seinen Händen anspannte. Der Schmerz, die Verzweiflung, die in Darius’ Körper schwang, waren förmlich greifbar. Aiden wollte ihn festhalten, wollte ihm sagen, dass es nicht seine Schuld war, dass er nicht allein war. Doch er wusste, dass Worte nicht ausreichten, um das zu heilen, was Darius fühlte. Er legte seine Hand sanft auf Darius’ Rücken und drückte ihn ein kleines Stück fester an sich.
 

„Du bist nicht allein, Darius“, sagte Aiden mit festerer Stimme, als ob er versuchte, Darius etwas von seiner eigenen Stärke zu geben. „Ich werde dir helfen, das loszuwerden. Wir werden es gemeinsam durchstehen.“
 

Darius wollte es nicht hören. Der Widerstand, die Unruhe in ihm war stärker als alles, was Aiden sagte. Aber tief in seinem Innern wusste er, dass Aiden da war, dass er ihm vertrauen konnte. Auch wenn er selbst keine Ahnung hatte, wie er aus dieser Situation herausfinden sollte, wusste er, dass Aiden nicht von seiner Seite weichen würde. Doch es fühlte sich trotzdem so überwältigend an. Der Körper, der sich nicht befreien wollte, der diesen ungewollten Ballast trug – Darius wollte einfach nur, dass es aufhörte.
 

„Ich kann nicht…“, flüsterte Darius, der Versuch, seine Gedanken zu ordnen, zerbrach unter der Unruhe, die in ihm brodelte. „Es fühlt sich so falsch an. Ich will das nicht…“
 

Die Worte kamen gequält und verloren aus ihm heraus. Es war, als ob er gegen die Unausweichlichkeit der Situation ankämpfte und sich dabei immer weiter von sich selbst entfernte. Er fühlte sich gefangen, nicht nur in seinem eigenen Körper, sondern in der Erinnerung an das, was ihm angetan worden war. Diese Erinnerung, die wie eine unsichtbare Kette an ihm hing, ließ ihm keine Ruhe. Die Unsicherheit über das, was noch kommen könnte, presste schwer auf seine Schultern, und die Angst, dass es vielleicht nie wieder „normal“ werden würde, nagte an ihm.
 

„Es geht vorbei, Darius“, sagte Aiden, und seine Worte klangen wie ein Versprechen, auch wenn er selbst nicht wusste, wie lange es dauern würde. Aber er wusste, dass er alles tun würde, um Darius zu helfen. „Wir werden es zusammen durchstehen. Ich verspreche dir, es wird irgendwann vorbei sein.“
 

Darius schloss die Augen, versuchte sich von den überwältigenden Gefühlen zu lösen, die seinen Körper überschwemmten. Doch der Druck blieb, dieser unerträgliche Zustand, der ihn an das erinnerte, was ihm angetan worden war. Es war wie ein ständiges Echo in seinem Inneren, das ihn erdrückte, das ihn nicht losließ…

Kapitel 125

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Darius atmete tief ein, versuchte, ruhig zu bleiben, aber der Gedanke, dass sein Körper immer noch gegen seinen Willen gefüllt war, brachte ihn fast um den Verstand. Es war, als ob dieser Zustand ihm die letzte Kontrolle über sich selbst geraubt hatte. Die Vorstellung, dass er nie wieder wirklich Herr über sich selbst sein könnte, riss in ihm an allem, was er als normal empfand.
 

„Ich kann nicht so bleiben“, murmelte er verzweifelt, seine Stimme war fast unhörbar. „Es fühlt sich falsch an, Aiden. Es… fühlt sich an, als ob ich nie wieder ich selbst sein kann.“
 

Aiden hörte den Schmerz in Darius’ Stimme, das Flehen nach einem Ausweg, und zog ihn noch näher an sich. Der innere Kampf, den Darius führte, war für Aiden fast greifbar. Es brach ihm das Herz, Darius so zu sehen, so verloren. Doch er wusste, dass er nicht zulassen konnte, dass Darius sich in dieser Verzweiflung verlor. Er musste für ihn da sein, jetzt mehr denn je.
 

„Es tut mir leid, Darius“, sagte Aiden leise, während er Darius’ Haare sanft zurückstrich, in der Hoffnung, ihm ein wenig Trost zu geben. „Ich weiß, dass es sich falsch anfühlt. Aber du bist nicht allein in dieser Nacht. Ich werde dir helfen, und zusammen kommen wir da durch.“
 

Darius atmete unruhig aus, seine Hände zitterten, als er Aiden fest an sich zog, als wolle er ihn nicht mehr loslassen. Die Tränen stiegen ihm in die Augen, doch er kämpfte gegen sie an. Er wollte nicht schwach erscheinen, wollte nicht, dass Aiden diese Seite von ihm sah. Aber Aiden wusste es besser. Er wusste, dass Darius in diesem Moment einfach nur jemanden brauchte, der ihn nicht verließ.
 

„Ich kann nicht…“, flüsterte Darius wieder, seine Stimme von Unsicherheit und Angst durchzogen. „Ich will nicht, dass es so bleibt. Ich kann das nicht in mir behalten.“
 

„Es wird nicht für immer so bleiben“, versicherte Aiden ihm, auch wenn er selbst nicht wusste, wie lange dieser Zustand andauern würde. Doch er wusste, dass er für Darius da sein musste, dass er ihn durch diesen dunklen Moment begleiten musste. „Du wirst wieder du selbst sein. Ich verspreche dir, Darius. Wir werden das zusammen schaffen.“
 

Die Worte, die er sprach, fühlten sich richtig an, auch wenn Aiden nicht wusste, was der Weg noch alles für sie bereithielt. Aber er wusste, dass er alles tun würde, um Darius zu helfen, die Kontrolle über sich zurückzugewinnen. Er würde ihm die Stärke geben, die er brauchte, um zu heilen.
 

Darius‘ Körper entspannte sich ein kleines Stück, als er die Nähe von Aiden spürte, als er das Gefühl hatte, dass ihm jemand zuhörte, dass er nicht mehr gegen diesen inneren Kampf ankämpfen musste. Doch der Druck in ihm blieb, und mit jedem Atemzug spürte er die Schwere der Situation, die ihn nicht losließ.
 

„Ich will nur, dass es aufhört“, murmelte Darius, seine Stimme war brüchig, wie ein Echo seiner inneren Zerrissenheit. „Ich will nicht, dass es immer da ist.“
 

Aiden nickte, obwohl er selbst wusste, dass es Zeit brauchen würde. „Ich weiß. Und es wird aufhören. Ich werde dafür sorgen, dass du wieder Frieden findest, Darius. Du bist nicht allein. Du musst nicht alles alleine tragen.“
 

Für einen Moment war alles still. Die Zeit schien stillzustehen, und Aiden spürte, wie Darius‘ Körper langsam, ganz langsam, wieder etwas zur Ruhe kam. Es war noch kein Frieden, aber es war ein Anfang.
 

Ein Anfang, auf den sie gemeinsam hinarbeiten würden. Und in dieser Nacht war das alles, was Aiden ihm geben konnte – das Versprechen, dass er nicht allein war, dass er ihn nicht im Stich lassen würde…

Kapitel 126

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Darius’ Gedanken drifteten unweigerlich zu Damian, und für einen Moment konnte er das Gefühl von Damians Nähe wieder spüren. Die Art und Weise, wie Damian ihn gehalten hatte, wie er ihn mit so viel Geduld und Zuneigung umarmt hatte – es war etwas ganz anderes gewesen. Etwas, das Darius bis in seine tiefste Seele erreicht hatte. Er konnte sich noch immer an die Wärme in Damians Blick erinnern, an das Gefühl, dass er immer da war, um ihn zu stützen. Das Gefühl, geliebt zu werden, war so tief und so wahr, dass Darius es mit jeder Faser seines Seins spürte, als wäre es der einzige Halt in einem Meer aus Verwirrung und Schmerz.
 

Doch jetzt, in diesem Moment, wo sein Körper noch immer von den Erinnerungen an das, was ihm angetan worden war, überschattet wurde, schlichen sich Zweifel und eine graue Leere in ihn.
 

Was der Alpha mit ihm getan hatte, war nicht das gleiche gewesen. Es hatte nichts mit der Fürsorge und der Zärtlichkeit zu tun, die Damian ihm geschenkt hatte. Was der Alpha ihm angetan hatte, hatte mehr von einer Bestrafung, einem Übergriff, einer Vergewaltigung!
 

Der Gedanke schnitt ihm wie ein Messer ins Herz, als ob jedes Wort, das er sich dazu sagte, ihn noch tiefer in den Abgrund stürzte. Es war schwer, ihn zu akzeptieren. Es war schwer zu begreifen, wie er, der so lange versucht hatte, sich selbst zu schützen, so in eine solche Situation geraten konnte.
 

Darius konnte nicht umhin, sich zu fragen, ob er dem Alpha irgendetwas gezeigt hatte, das ihm diese Behandlung irgendwie gerechtfertigt hatte. Aber dann verwarf er den Gedanken sofort. Nein, das war nicht seine Schuld. Der Alpha hatte keinen Grund, ihn so zu behandeln. Doch auch diese Erkenntnis konnte den schmerzhaften Knoten in seiner Brust nicht lösen.
 

Dabei hatte der Alpha durchaus seine Gründe gehabt, nur ahnte das Darius ja nicht. Die Vorstellung, dass es möglicherweise nicht nur aus reinem Willen des Alphas, sondern auch aus einem komplizierten Netz von Zielen und Absichten resultiert hatte, stürzte Darius in eine weitere Verwirrung. Die Frage, warum er, warum ausgerechnet er, blieb eine Wunde, die nicht heilen wollte.
 

Es fühlte sich so fremd an, so beängstigend. Es war, als würde sein Körper und seine Seele gegen das ankämpfen, was geschehen war, gegen das, was der Alpha ihm aufgezwungen hatte. Es war nicht das, was er wollte. Und es war sicherlich nicht das, was er sich je erträumt hatte. „Warum?“, flüsterte Darius, kaum mehr als ein Hauch, als er sich erneut an die Erinnerungen von dem, was ihm angetan worden war, versuchte zu erinnern. „Warum musste es so sein?“
 

Aiden hörte das leise Murmeln, und obwohl er nicht wusste, was in Darius vor sich ging, konnte er spüren, wie die Trauer und das Unglaubliche in ihm aufbrachen. Es war so viel zu verarbeiten, so viel, dass Aiden das Gefühl hatte, er könne Darius in diesem Moment keine echten Worte geben, die auch nur annähernd den Schmerz und die Verwirrung lindern würden.
 

Doch er wusste, dass er nicht einfach schweigen konnte. „Es war nicht deine Schuld, Darius“, sagte Aiden leise, als er versuchte, Darius zu beruhigen. Doch er wusste, dass es mehr brauchte als nur diese Worte. Es war ein Prozess, der Zeit brauchte, und er konnte nicht in die Seele von Darius blicken, um zu sehen, wie tief der Schmerz wirklich war.
 

„Ich weiß“, murmelte Darius schwach, aber die Worte kamen ohne Überzeugung. Sie waren eine Erinnerung, an die er sich klammerte, um sich selbst zu beruhigen, aber in Wahrheit war es nicht genug. Es konnte nicht genug sein, um den Schatten von dem, was er erlebt hatte, zu vertreiben. Und tief in ihm spürte er, dass dieser Schatten nicht einfach verschwinden würde – nicht so schnell, nicht ohne den richtigen Raum und die Zeit, die er vielleicht nie hatte.
 

Die Stille füllte den Raum, und Darius konnte nicht aufhören, an Damian zu denken. An die Liebe, die er von ihm erfahren hatte, die Zärtlichkeit, die in seinen Berührungen lag. Es war so anders gewesen. So anders als das, was der Alpha ihm angetan hatte. Darius konnte nicht anders, als zu hoffen, dass es nicht alles war, was er jemals kennen würde – diese Dunkelheit, die jetzt wie ein Schatten über ihm hing.
 

Doch irgendwo tief in ihm wusste er, dass er diese Dunkelheit überwinden würde, dass er wieder Frieden finden könnte, vielleicht nicht sofort, aber irgendwann. Und vielleicht, nur vielleicht, könnte er irgendwann auch wieder die Liebe und die Wärme erfahren, die er mit Damian geteilt hatte – die bedingungslose Liebe, die ihn heilte und ihn zu dem machte, was er heute war…

Kapitel 127

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Darius’ Körper wurde von einem erneuten Schub von Erschöpfung und Verzweiflung übermannt. Die Worte, die er so lange in sich getragen hatte, brachen nun mit unkontrollierbarer Wucht aus ihm heraus. Ein verzweifeltes Schluchzen, das tief aus seiner Seele kam, durchbrach die Stille der Nacht. Er schlug sich die Hände vor das Gesicht, als ob er den Schmerz abwehren wollte, der sich wie ein unsichtbares Gewicht auf seine Brust legte. Aber es war unmöglich, sich vor diesem Schmerz zu verstecken. Es war zu viel. Zu erdrückend.
 

Sein Körper zitterte, und die Tränen liefen heiß über sein Gesicht, während er sich krümmte und versuchte, sich irgendwie von den Erinnerungen und den Qualen zu befreien, die ihn quälten. Doch je mehr er es versuchte, desto mehr spürte er die Schwere des Geschehens, die ihm die Luft nahm, die ihn gefangen hielt.
 

„Damian…“, flüsterte Darius zwischen den Schluchzern. „Damian, bitte… komm zu mir…“
 

Es war der verzweifelte Ruf eines Mannes, der sich nach der einzigen Person sehnte, die ihn je wirklich gehalten hatte. Damian, der mit seiner Liebe und Zuneigung in der Lage war, Darius ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit zu geben, das er nie wieder mit jemand anderem fühlen wollte.
 

„Ich liebe dich, Damian“, keuchte Darius, seine Stimme zitterte vor Angst und Schmerz. „Ich liebe dich so sehr… Du bist der einzige Mann, den ich je wollte… Bitte komm. Ich kann das nicht ertragen, wenn niemand kommt, wenn niemand mich rettet.“
 

Es war, als ob Darius’ Herz in tausend Stücke zerbrach. Der Gedanke daran, ohne Damian zu sein, ohne seine Nähe, ohne seine Liebe, war wie ein unvorstellbares Urteil. Der Alpha, der ihm das angetan hatte, war ein unüberwindbares Monster in Darius’ Gedanken, und er konnte nicht begreifen, wie er sich jemals von dem, was er durchlebt hatte, erholen sollte. Doch der einzige Gedanke, der ihn in diesem Moment irgendwie aufrecht hielt, war der, dass Damian vielleicht noch zu ihm kommen würde, um ihn zu retten, um ihn aus dieser Dunkelheit herauszuholen.
 

„Bitte, Damian… ich kann nicht mehr…“ Seine Worte brachen ab, als der Schmerz ihn überkam, und er konnte nur noch weinen, sich hilflos an Aiden klammernd, als ob dieser ihm auch nur ansatzweise das geben könnte, was er sich so sehr wünschte.
 

Die Vorstellung, dass niemand kommen würde, dass niemand ihn aus dieser Situation befreien könnte, schnürte ihm die Kehle zu. Er konnte sich nicht vorstellen, wie er ohne Damian weiterleben sollte, wie er die Erinnerungen an das, was ihm angetan worden war, ohne ihn bewältigen konnte.
 

„Wenn du nicht kommst…“, murmelte Darius mit einem Hauch von Verzweiflung, „wenn keiner mich rettet… werde ich es nicht überstehen. Ich kann das nicht ertragen… Es wird mich zerstören…“
 

Es war, als ob all die Dunkelheit, die sich über ihn gelegt hatte, ihn nun endgültig erdrückte. Er konnte nur noch hoffen, dass Damian, der einzige Mann, der ihm das Gefühl gegeben hatte, wirklich geliebt zu werden, zu ihm kommen würde. Dass er zu ihm zurückkehrte, bevor es zu spät war.
 

Darius’ Weinen wurde lauter, unkontrollierbarer, als die Angst ihn noch fester umklammerte. Sein Körper zitterte heftig, als er sich zusammenkrümmte, als ob er versuchte, sich in etwas zu verbergen, was ihn vor diesem Schmerz schützen könnte, der ihn von innen zerfraß. Es fühlte sich an, als könnte er keine Luft mehr bekommen, als würde der Raum sich um ihn schließen, und es war schwer, auch nur einen klaren Gedanken zu fassen.
 

„Damian… bitte…“, flüsterte Darius erneut, die Worte wie ein Gebet, das keinen Halt fand. „Du musst kommen…“
 

Sein Verstand war chaotisch, verwirrt, voller Angst und Zweifel. Was, wenn niemand kam? Was, wenn er nie wieder die Wärme von Damians Händen spüren würde? Die Gedanken, die ihn quälten, wurden immer lauter, immer stärker, und der Glaube, dass er ohne Damian verloren wäre, wuchs unaufhaltsam.
 

Aiden saß immer noch an seiner Seite, versuchte, ihn zu beruhigen, doch es schien vergebens. Er wusste, dass er Darius in diesem Moment nicht vollständig erreichen konnte. Nicht mit den Worten, die ihm zur Verfügung standen, und nicht mit den Berührungen, die er ihm gab. Aiden hatte keine Ahnung, wie tief dieser Schmerz wirklich ging. Doch er konnte sehen, wie sehr Darius litt, wie zerbrochen er war, und es tat ihm im Herzen weh.
 

„Darius…“, flüsterte Aiden, seine Stimme unsicher, während er versuchte, Darius zu stützen. „Du bist nicht allein, ich bin hier. Du bist nicht allein, okay?“
 

Doch Darius hörte nicht wirklich zu. Die Worte prallten an ihm ab, wie Schläge, die nichts an dem veränderten, was er fühlte. Es war zu viel.
 

„Damian…“, wiederholte er, als er versuchte, sich aufrecht zu setzen, doch der Schmerz und das Zittern ließen es ihm kaum zu. „Damian, komm zurück… Ich… Ich will nur dich… Niemanden sonst… Niemanden, der mir so weh tun würde…“
 

Er konnte sich die Vorstellung nicht aus dem Kopf schlagen, dass er nie wieder die Liebe von Damian spüren könnte. Dass dieser Teil seines Lebens für immer verloren sein könnte. Dass er nie wieder zu dem Menschen werden würde, der er einst war, wenn er nicht die Sicherheit von Damians Nähe hatte.
 

„Du hast mir nie so weh getan…“, murmelte Darius zwischen den Tränen, während er weiter zitterte. „Du hast mich immer gehalten, immer geliebt… Warum kann ich das nicht mehr haben?“
 

Der Schmerz in seinen Worten war so deutlich, dass es fast körperlich zu spüren war. Es war eine Mischung aus Verzweiflung, Verlust und einer Angst, die so tief ging, dass es ihm fast den Atem raubte. Was auch immer der Alpha ihm angetan hatte, es war nichts, was Darius je gewollt hatte, und es ließ ihn glauben, dass er nie wieder zu sich selbst zurückfinden würde, wenn er nicht die Hilfe bekam, die er so verzweifelt suchte…

Kapitel 128

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Aiden beobachtete Darius, das Bild vor ihm war herzzerreißend. Es war, als ob Darius sich immer weiter von der Realität entfernte, in einem Zustand zwischen Bewusstsein und der völligen Zerstörung seines inneren Friedens. Aiden hatte nie gewusst, dass jemand so tief fallen konnte, und er fühlte sich hilflos. Er hatte immer geglaubt, dass er als Freund, als Begleiter, als jemand, der sich um Darius kümmerte, ihm helfen konnte. Aber jetzt… jetzt war er sich nicht mehr sicher, wie er diesem Mann, den er so sehr schätzte, wirklich beistehen konnte.
 

Er biss sich auf die Unterlippe, während er die fiebrige Unruhe in Darius’ Augen sah. Es war, als ob er etwas suchte, etwas, das nicht hier war – oder jemanden. Aiden wusste, dass er Damian meinte. Dass sein Freund verzweifelt nach dem einen Menschen rief, der ihn vielleicht noch halten konnte.
 

„Darius…“, sagte Aiden leise, seine Stimme zitterte. Er wusste, dass seine Worte keinen Halt in Darius finden würden, aber er konnte nicht schweigen. „Du bist nicht allein. Ich werde bei dir bleiben. Ich werde für dich da sein, bis Damian kommt, okay?“
 

Aber Darius hörte ihm nicht wirklich zu. Er war in einer anderen Welt, in einer Welt, die von der Erinnerung an den Schmerz, die Demütigung und die Angst beherrscht wurde. Aiden wusste, dass er mit diesen Worten nichts tun konnte, dass er nichts ändern konnte, was in Darius vorging. Doch er wollte ihm zeigen, dass er da war, dass er nicht aufgeben würde. Nicht jetzt.
 

Darius' Finger krallten sich in die Decke, als ob er sich irgendwo festhalten müsste. Seine Schultern zuckten leicht, sein Körper spannte sich an, und Aiden konnte nur raten, was für Bilder in seinem Kopf herumschwirrten. Bilder, die ihn weiter in den Abgrund zogen.
 

„Damian… bitte…“, wiederholte Darius, fast unhörbar, als ob er in einem endlosen Kreis von Schmerz und Hoffnung gefangen war.
 

Die Stille, die in der Luft lag, war schwer und erdrückend, und Darius wusste, dass der Einzige, der ihn aus diesem Albtraum retten konnte, jemand war, der ihn verstand. Jemand, der ihn nicht auf diese Weise verletzen würde. Doch die Frage, die er sich immer wieder stellte, war, ob dieser Mensch noch zu ihm kommen würde.
 

Darius’ Atmung blieb unregelmäßig, die Anspannung in seinem Körper ließ nicht nach. Alles in ihm schrie nach Damian, als ob der bloße Gedanke an ihn, ihn irgendwie aus dieser Gefühlsfalle befreien könnte. Doch die Realität holte ihn immer wieder ein, der Schmerz, der in ihm loderte, war nicht so leicht zu übersehen.
 

Aiden fühlte sich nutzlos. Er hatte nie zuvor so ein Gefühl der Machtlosigkeit erlebt, nie zuvor hatte er erlebt, dass Worte und Berührungen einfach nicht mehr ausreichten. Normalerweise konnte er Dinge verbessern, konnte helfen. Doch hier saß er nur da und sah zu, wie Darius in sich zusammenbrach.
 

Seine Augen brannten, als er sie langsam öffnete, und der Blick auf die vertrauten Wände seines Zimmers brachte wenig Trost. Es war, als ob er in einem Alptraum festhing, aus dem er nicht erwachen konnte. Er war sich nicht sicher, ob es der Gedanke an Damian war, der ihn weiter atmen ließ, oder ob es die verzweifelte Hoffnung war, dass er noch einen Ausweg finden konnte.
 

Er konnte nicht aufhören, den Namen seines Partners zu flüstern. Es war das Einzige, was ihm blieb.
 

„Damian…“, flüsterte Darius noch einmal, fast unhörbar, aber in diesem Moment klang es wie ein verzweifelter Ruf nach Hilfe. Ein Ruf, der über das hinausging, was Worte allein ausdrücken konnten.
 

Aiden saß ruhig neben ihm, beobachtete ihn mit einer Mischung aus Mitgefühl und Sorge. Es war schwer zu sagen, wie er Darius am besten helfen konnte. Jede Bewegung, die er machte, schien von Darius als weiterer Schmerz empfunden zu werden. Doch er wusste, dass er für ihn da sein musste, dass er alles tun musste, um ihn nicht im Stich zu lassen.
 

„Ich werde bei dir bleiben, Darius. Ich werde dich nicht alleine lassen“, sagte Aiden leise, fast wie ein Versprechen, das er Darius nicht brechen wollte. Es war nicht die Hilfe, die Darius wirklich brauchte, aber vielleicht war es ein kleiner Trost, dass jemand da war, der sich kümmerte.
 

Auch Aiden seufzte leise, er wusste, dass er nicht viel tun konnte, außer Darius zu begleiten, ihm beizustehen, während er auf die Rückkehr von Damian wartete. Doch er konnte den Schmerz, den Darius in sich trug, nicht wirklich lindern. Ein Teil von ihm fragte sich, ob Damian und Jack noch rechtzeitig kommen würde. Aber das war eine Frage, die er sich selbst nicht beantworten konnte…

Kapitel 129

Die Stunden zogen sich quälend langsam hin, und Darius’ Körper zitterte weiterhin, als ob er von der Last seiner eigenen Ängste und des Schmerzes, der ihn umhüllte, zerdrückt wurde. Jede Faser seines Körpers schien vor Anspannung zu vibrieren, als ob er nicht mehr in der Lage war, mit den Wogen des Schmerzes in seinem Inneren umzugehen.
 

Aiden saß regungslos neben Darius, die Hand immer noch leicht auf dessen Rücken, während er ihn sanft zu beruhigen versuchte. Doch der Anblick von Darius’ Zerrissenheit ließ die Verzweiflung in ihm weiterwachsen. Seine Gedanken rasten, die Hilflosigkeit nahm ihm den Atem, als er die Zerrissenheit in Darius’ Augen sah.
 

Der Raum schien enger zu werden, als ob jeder Atemzug, den Darius nahm, die Spannung noch weiter ansteigen ließ. Aiden fühlte sich machtlos, als könnte er nichts tun, um den Schmerz von Darius zu lindern. Es gab nur einen Menschen, der wirklich zu ihm durchdringen konnte – Damian.
 

Seine Hand zitterte, als er sein Handy erneut griff, um den Namen von Damian anzutippen. Aiden hatte es schon mehrmals versucht, doch diesmal war es anders. Diesmal wusste er, dass er es nicht länger alleine tragen konnte. Jeder Moment, der verstrich, schien Darius weiter von ihm zu entfremden.
 

„Damian, bitte…“, murmelte Aiden, während er den Anruf versuchte. Die Stille, die darauffolgte, ließ das Herz in seiner Brust noch schneller schlagen. Es fühlte sich an, als ob die Sekunden sich endlos dehnten, als wäre die Zeit selbst gegen ihn. „…bitte… er braucht dich. Ich… ich kann nicht genug für ihn tun. Er ist am Ende, Damian…“
 

Er wusste, dass er nicht viel sagen konnte, um Damian zu überzeugen. Doch die Worte, die er sprach, waren ein verzweifelter Appell, aus der Tiefe seines Herzens. Aiden drückte das Handy fester an sein Ohr, seine Gedanken wirbelten chaotisch. Er hoffte inständig, dass Damian abheben würde. „Er braucht dich jetzt, Damian. Du bist der Einzige, der ihn retten kann…“
 

Darius’ Körper hatte sich weiter zusammengezogen, als er sich weiterhin in die Decke kuschelte. Seine Hände zitterten, und jedes seiner flachen Atemzüge schien ein Stück weit mehr von ihm zu rauben. Die Dunkelheit, in die er gefangen war, schien ihn immer weiter zu verschlingen. Aber der Klang von Aidens Stimme, die verzweifelt um Hilfe bat, schien in einem abgelegenen Teil von ihm doch eine Reaktion auszulösen.
 

„Damian…“, flüsterte Darius kaum hörbar, ohne es wirklich zu merken, als ob der Name von allein über seine Lippen kam, so sehr war er in der Hoffnung gefangen, dass Damian auftauchen würde. Es war ein flüchtiges, fast zerbrechliches Laut, das von der Wunde seiner Seele ausging.
 

Aiden spürte, wie sich sein Magen zusammenzog, als er Darius’ leises Murmeln hörte. Es war, als ob Darius in diesem Moment für einen winzigen Augenblick aus seiner inneren Dunkelheit hervorlugte – und die Angst, die Aiden verspürte, wurde umso größer, je mehr er sich vorstellte, was passieren würde, wenn Damian nicht rechtzeitig da war. Der Druck in seiner Brust schnürte sich weiter zu.
 

„Damian… bitte…“, flüsterte Aiden mit einem stummen Gebet, als er den Anruf erneut versuchte.
 

Sein Herz schlug hektisch, während er den Freizeichen abwartete, als ob jede Sekunde, die verstrich, Darius’ Zustand noch weiter verschlimmerte. Er brauchte Damian. Nicht nur Darius brauchte ihn – auch Aiden selbst wusste nicht mehr, wie er mit der Situation umgehen sollte.
 

Endlich wurde der Anruf angenommen.
 

„Aiden?“ Damians Stimme klang atemlos, als wäre er gerannt. „Was ist los? Ist alles in Ordnung?“
 

Aiden schluckte schwer und schüttelte, obwohl Damian es nicht sehen konnte, verzweifelt den Kopf. „Nein… nein, verdammt, nichts ist in Ordnung!“ Seine Stimme zitterte vor unterdrückter Panik. „Ich… ich weiß nicht, was ich tun soll. Darius ist wieder aufgewacht, aber…“ Er klang einfach nur verzweifelt, als ob er an der Schwelle zwischen Hoffnung und völliger Verzweiflung stand.
 

„Er ist völlig weggetreten, Damian. Er reagiert kaum auf mich, als wäre er gar nicht richtig hier. Er murmelt immer wieder deinen Namen, aber ich… ich komme nicht an ihn ran.“ Aiden spürte, wie seine Brust sich zusammenzog. Es war, als ob die Worte sich wie Schweres Blei in seinem Mund anfühlten.
 

Am anderen Ende der Leitung blieb es für einen Moment still. Aiden konnte förmlich hören, wie Damian sich bemühte, ruhig zu bleiben, obwohl er innerlich sicher schon längst in Aufruhr war. Aiden hörte das leise Knacken am anderen Ende der Leitung – Damian kämpfte gegen die eigenen Emotionen an, als er versuchte, einen klaren Kopf zu bewahren.
 

„Verdammt…“, flüsterte Damian dann, seine Stimme klang angespannter. „Aiden, gib ihm das Handy. Ich will mit ihm sprechen. Er muss mich hören, jetzt.“
 

Aiden nickte stumm, auch wenn er wusste, wie schwer es für Darius war, in diesem Zustand zu reagieren. Doch es war genau das, was Darius brauchte – Damian. Die Stimme des Mannes, den er so verzweifelt herbeisehnte. Aiden zögerte nur einen Moment, dann nahm er vorsichtig das Handy und beugte sich zu Darius.
 

„Darius…“, begann Aiden leise, während er Darius anblickte, der immer noch in sich zusammengesunken auf dem Bett lag. „Damian will mit dir sprechen. Du musst ihm zuhören, okay?“ Die Worte schienen nur ein schwaches Echo in der Raumluft, aber er wusste, dass sie der letzte Versuch waren, Darius zu erreichen.
 

Darius hob langsam den Kopf, seine Augen waren noch immer von Tränen geschwollen, und es schien, als ob er in einem Zustand der Benommenheit war. Aber als er hörte, dass es Damian war, da zögerte er nicht. Seine Hand griff nach dem Handy, als ob er sich daran festhalten konnte, und brachte es langsam an sein Ohr. Der Kontakt zu Damian war für ihn der letzte Strohhalm.
 

„Damian…?“ Darius‘ Stimme war schwach, fast brüchig, doch der Name war ein Hauch von Hoffnung, den er in sich trug.
 

Damian ließ sich nicht lange bitten. „Darius…“ Seine Stimme war ruhig, aber es lag etwas Dringendes darin. „Ich bin hier. Du musst mir zuhören, Darius. Du bist nicht allein, verstehst du das?“ Doch auch in dieser Beruhigung schwang eine tief verwurzelte Sorge mit, die nicht ganz verborgen blieb. Die Gewissheit, dass Darius sich in einem kritischen Zustand befand, ließ Damian innerlich zerrissen zurück.
 

Darius’ Hand zitterte leicht, als er das Handy fester an sein Ohr drückte. Es war, als ob die Worte von Damian eine Wand aus Dunkelheit durchbrachen, die er um sich gebaut hatte, und die Hoffnung begann, langsam in ihm zu wachsen. Aber die Unsicherheit war noch immer da, die Angst, dass er nicht genug war, dass er nicht gerettet werden konnte. Er fühlte sich wie in einem Strudel gefangen, der ihn immer weiter in die Tiefe zog.
 

„Damian… ich…“, Darius brach ab, seine Stimme versagte fast, als er versuchte, die Worte zu fassen. Der Kummer und der Schmerz in ihm waren zu stark, als dass er sie einfach in Worte kleiden konnte.
 

„Ich weiß, es tut weh, Darius“, sagte Damian leise, aber fest. „Ich weiß, wie du dich fühlst. Aber du musst verstehen, du bist stark. Du bist nicht allein in diesem. Du wirst nicht alleine durch diesen Schmerz gehen.“ Die Worte waren wie ein beruhigender Mantel, der Darius umhüllte, aber auch die Entschlossenheit, die in Damians Stimme mitschwang, war unverkennbar.
 

Aiden beobachtete, wie Darius langsam etwas ruhiger wurde, seine zitternde Atmung sich ein wenig verlangsamen konnte, als er Damiani hörte. Doch es war nicht die Sicherheit, die er suchte, sondern vielmehr das Versprechen, dass er nicht im Stich gelassen würde. Es war ein schwaches, aber bedeutendes Zeichen der Hoffnung.
 

„Damian… ich… ich kann das nicht alleine durchstehen“, flüsterte Darius, seine Stimme wieder brüchig. „Ich habe solche Angst…“
 

„Ich bin hier“, wiederholte Damian ruhig, diesmal mit einer festeren, stärkeren Stimme. „Und ich werde nicht gehen, Darius. Ich werde bei dir bleiben. Wir werden das zusammen durchstehen, okay?“
 

Darius schloss die Augen, und für den Moment schien die Welt um ihn herum stillzustehen. Der Schmerz war nicht verschwunden, aber das Wissen, dass Damian bei ihm war, gab ihm für einen flimmernden Moment das Gefühl, dass er nicht mehr kämpfen musste…

Kapitel 130

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Darius hielt das Handy fest in seiner Hand, als wäre es der einzige Halt, den er noch hatte. Die Worte von Damian klangen in seinem Kopf nach, drangen tief in sein Innerstes, wo er sich verloren und verzweifelt gefühlt hatte. Es war, als ob die Dunkelheit, die ihn umhüllt hatte, ein Stück weit licht wurde. Aber die Angst blieb. Der Schmerz blieb.
 

Er konnte spüren, wie sein Herz immer schneller schlug, als ob es versuchte, sich aus seiner Brust zu befreien. Die Erinnerungen an das, was geschehen war, kamen in Wellen, unaufhaltsam, wie ein Sturm.
 

Was sie ihm angetan hatten, was er ertragen hatte – es war einfach zu viel, als dass er es allein tragen könnte. Er schloss die Augen und drückte das Handy fester an sein Ohr, als könnte er durch diesen physischen Kontakt mit Damian den Schmerz irgendwie lindern.
 

Doch der Druck in seiner Brust ließ nicht nach.
 

„Ich… ich weiß nicht, wie ich weiter atmen soll, Damian“, flüsterte Darius, seine Stimme fast unhörbar. „Es fühlt sich an, als ob alles zerbricht. Und ich… ich kann nicht mehr zurück. Was sie mir angetan haben, es tut zu weh. Ich kann das nicht tragen, nicht alleine. Ich… ich wollte dich nicht enttäuschen.“
 

Seine Worte fühlten sich wie ein Fluch an, der aus ihm herausbrach. Die Dunkelheit schien ihn immer tiefer zu verschlingen, und der Gedanke, dass er Damian enttäuscht haben könnte, schnürte ihm die Kehle zu.
 

Was, wenn er nicht stark genug war? Was, wenn Damian ihn nicht mehr lieben würde, wenn er von seiner Schwäche erfuhr?
 

Damian atmete tief ein, als er Darius’ Worte hörte. Es war schwer, ihn so zu hören – zerbrechlich und so weit entfernt von dem Darius, den er kannte. Aber Damian wusste, dass er die richtigen Worte finden musste, dass er Darius zeigen musste, dass er nicht versagen würde, dass er nicht allein war.
 

„Darius, du enttäuschst mich nicht“, sagte Damian mit einer sanften, aber festen Stimme.
 

„Du bist nicht verantwortlich für das, was ihnen durch den Kopf ging. Du bist nicht verantwortlich für das, was dir angetan wurde. Du kämpfst nicht alleine, hörst du? Ich bin hier, Aiden ist hier. Und ich weiß, du bist stark genug, um durchzukommen, auch wenn du es jetzt nicht glaubst. Ich glaube an dich, Darius. Ich werde dir helfen, wieder zu dir selbst zu finden. Wir werden das zusammen durchstehen. Du musst mir nur vertrauen.“
 

Damian spürte die Trauer in Darius’ Stimme, die in seiner eigenen Brust wie ein ständiges Echo widerhallte. Er wusste, dass es mehr brauchte als Worte, um Darius aus dieser Dunkelheit zu holen. Aber es war ein Anfang. Ein kleiner, aber entscheidender Schritt.
 

Darius’ Hand zitterte weiter, und er wusste, dass er keine Antwort hatte. Keine Worte, die den Schmerz, der tief in ihm saß, lindern konnten. Aber Damians Worte waren wie ein Band, das ihn wieder ein Stück mehr zusammenhielt. Es war nicht viel, aber es war genug, um ihn einen Moment lang nicht mehr so allein fühlen zu lassen.
 

„Ich…“, begann Darius, aber seine Stimme brach, und die Tränen stiegen ihm erneut in die Augen. Er schloss sie fest und drückte das Handy fester an sein Ohr. „Ich wollte dich nie enttäuschen. Aber ich weiß nicht mehr, wie ich stark sein kann, Damian. Es tut so weh…“
 

„Es ist okay, schwach zu sein, Darius“, sagte Damian leise. „Es ist okay, sich verletzt zu fühlen. Aber du musst wissen, dass du nicht schwach bist, nur weil du es fühlst. Du bist stark, gerade weil du fühlst. Und du wirst wieder heil werden. Es wird Zeit brauchen, aber ich werde da sein, an deiner Seite.“
 

Darius konnte kaum fassen, wie sehr ihm diese Worte halfen, wie sie einen Funken Hoffnung in ihm entzündeten, den er beinahe vergessen hatte. Es war, als ob Damian mit jedem Wort eine Mauer in ihm niederbrach, die er viel zu lange aufrechterhalten hatte. Der Gedanke, dass er nicht ganz allein durch diese Dunkelheit gehen musste, half ihm, einen Moment lang durchzuatmen.
 

„Danke“, flüsterte Darius schließlich. „Danke, dass du hier bist. Danke, dass du mich nicht aufgibst.“
 

„Ich werde dich niemals aufgeben“, sagte Damian mit einer Überzeugung, die Darius tief berührte. „Nicht jetzt und nicht später. Du bist nicht alleine, Darius. Und das wirst du nie mehr sein.“
 

Es war nicht die vollständige Heilung, nicht das Ende des Schmerzes, aber es war der Anfang von etwas, das Darius seit so langer Zeit nicht mehr gespürt hatte – Hoffnung. Und mit dieser Hoffnung fühlte er sich, als könnte er einen Schritt in die richtige Richtung gehen. Es war der erste Schritt in eine Richtung, die er lange nicht mehr für möglich gehalten hatte.
 

Damian wusste, dass der Moment gekommen war. Es war nicht mehr nur ein Versuch, Darius zu beruhigen oder ihm zu versichern, dass alles irgendwann besser werden würde. Es war jetzt ein Versprechen. Ein Versprechen, das er Darius nicht nur in Worten, sondern auch in Taten geben musste.
 

„Darius“, begann Damian, seine Stimme war fest und voller Überzeugung. „Du musst mir jetzt zuhören, okay? Du bist stärker, als du glaubst. Aber du musst hier raus. Du musst nicht in dieser Dunkelheit bleiben. Ich werde dich da rausholen. Ich werde dich retten. Du musst mir nur vertrauen.“
 

Darius’ Herz schlug schneller, als er Damians Worte hörte. Diese Entschlossenheit in seiner Stimme, dieses Versprechen… es war mehr, als er sich in diesem Moment erhofft hatte. Mehr, als er sich jemals getraut hatte zu hoffen. Er hatte immer gedacht, er müsse alles alleine tragen, immer gedacht, dass er sich niemandem öffnen konnte.
 

Aber jetzt wusste er, dass Damian das alles wusste. Und noch viel mehr – er wusste, wie man ihn retten konnte.
 

„Damian…“, flüsterte Darius, seine Stimme immer noch brüchig, aber mit einem Funken Hoffnung. „Ich… ich weiß jetzt, dass du immer recht hattest. Ich wollte immer nur, dass du mich beschützt. Dass du mich nicht im Stich lässt. Aber ich dachte, ich könnte es alleine schaffen. Ich dachte, ich könnte… Ich konnte nicht…“
 

„Du musstest es nicht alleine schaffen“, unterbrach Damian ihn sanft, aber bestimmt. „Und du wirst es auch nicht. Du bist nicht allein, Darius. Du hast mich. Du hast uns. Du bist mehr wert, als du denkst. Ich liebe dich, Darius. Ich kann nicht mehr ohne dich. Und ich werde nicht zulassen, dass sie dich weiter so zerstören.“
 

Darius schloss die Augen, als diese Worte wie ein warmes Licht in sein Dunkel fielen. Es war, als ob eine schwere Last von seinen Schultern fiel, als er begriff, dass Damian ihn wirklich, in jeder Hinsicht, lieben wollte. Dass er bereit war, ihn zu beschützen, ohne zu fragen. Und der Gedanke, dass Damian ihn so sehr liebte, ließ das Gefühl von Sicherheit, das er so lange nicht gespürt hatte, wieder aufsteigen.
 

„Du… du liebst mich?“ Darius‘ Stimme war schwach, beinahe ungläubig.
 

„Ja, Darius. Ich liebe dich“, sagte Damian, ohne einen Hauch von Zögern. „Und ich werde dich da rausholen. Du musst nichts tun. Ich bin hier. Ich werde dich beschützen. Wir schaffen das zusammen...“

Kapitel 131

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Darius konnte es kaum fassen. Der Mann, der ihm so viel bedeutete, war jetzt nicht nur bei ihm – er war derjenige, der ihn aus dieser Dunkelheit herausführen wollte. Es war, als ob er zum ersten Mal den Mut fand, wieder an die Möglichkeit einer besseren Zukunft zu glauben, auch wenn der Weg dorthin noch so ungewiss schien.
 

„Ich kann das nicht alleine, Damian. Ich…“, Darius’ Stimme brach erneut, und es war nicht nur Verzweiflung, die in seinen Worten lag. Diesmal war es etwas anderes – eine Erleichterung, die tief aus seinem Inneren kam, die Sehnsucht nach einer Geborgenheit, die er so lange nicht zugelassen hatte. Es war fast, als ob er einen Teil von sich selbst, den er verloren geglaubt hatte, wiederfand.
 

„Du musst das auch nicht alleine tun“, antwortete Damian, seine Stimme ruhig, aber mit einer festen Entschlossenheit, die Darius durchdrang. „Du bist nicht allein. Ich werde dir helfen, und wir werden das zusammen durchstehen. Du wirst heil daraus hervorgehen. Ich werde dich nicht im Stich lassen.“
 

Darius nickte, obwohl er wusste, dass der Weg noch lang war, dass der Schmerz nicht sofort verschwinden würde. Aber mit Damian an seiner Seite konnte er sich zumindest vorstellen, dass es einen Weg hinausgab – einen Weg, der nicht nur von Dunkelheit geprägt war, sondern auch von der Möglichkeit einer Zukunft, die nicht mehr von Angst bestimmt wurde.
 

„Danke“, flüsterte Darius, seine Stimme jetzt leiser, aber voller Dankbarkeit und Liebe. „Danke, dass du mich liebst. Ich… ich liebe dich auch, Damian. Ich brauche dich so sehr.“
 

„Und ich werde immer für dich da sein, Darius“, sagte Damian, als seine Stimme wieder etwas weicher wurde, aber immer noch fest, als ob er für beide sprach. „Du bist mein Leben, Darius. Und ich werde nicht zulassen, dass dir noch etwas passiert.“
 

Es war der Beginn von etwas Neuem, einem Beginn, der so viel Hoffnung in sich trug. Darius hatte nicht mehr das Gefühl, verloren zu sein. Mit Damian an seiner Seite fühlte er sich ein Stück weit heil, als ob er auf dem Weg war, wieder der zu werden, der er einmal war. Und das war alles, was er gerade brauchte: die Gewissheit, dass er nicht alleine war.
 

Damian hörte das zitternde Atemgeräusch von Darius am anderen Ende des Telefons und spürte, wie das Verlangen, ihn endlich zu sich zu holen, noch stärker wurde. Er konnte nicht länger zusehen, wie Darius litt, wie er in dieser Dunkelheit gefangen war, die ihm die Luft nahm. Es war Zeit, ihn zu holen, ihm die Hand zu reichen und ihn aus diesem Albtraum zu befreien.
 

„Ich werde dich holen, Darius“, sagte Damian wieder, diesmal mit mehr Nachdruck, als er je zuvor in seiner Stimme getragen hatte. „Du musst mir glauben. Du musst mir vertrauen, dass ich dich daraus hole. Ich werde nicht zulassen, dass du dableibst.“
 

Darius konnte kaum glauben, was er hörte. Die Worte von Damian waren wie ein rettender Anker, der ihn daran erinnerte, dass es eine Möglichkeit gab, da rauszukommen, dass er nicht für immer in dieser qualvollen Stille bleiben musste.
 

Doch der Zweifel kam zurück – was, wenn es zu spät war? Was, wenn alles, was ihm noch blieb, nur dieser Schmerz war? Was, wenn der Weg zurück zu einem Leben ohne Angst zu weit entfernt war?

„Damian, ich… ich weiß nicht, ob ich es ertragen kann. Es fühlt sich an, als ob es mich zerbricht. Als ob ich nie wieder heil werden kann. Was, wenn du nicht genug bist, was, wenn es zu spät ist?“ Darius’ Stimme war wieder gebrochen, doch in ihr lag auch die Bitte um Hilfe, die er so lange nicht ausgesprochen hatte – eine Bitte, die tief aus seiner Seele kam.
 

Damian schloss die Augen, als er die Unsicherheit und den Schmerz in Darius’ Worten hörte. Es zerriss ihm das Herz, aber er wusste, dass es jetzt nicht um ihn ging. Es ging darum, Darius zu helfen, wieder an sich selbst zu glauben, ihn aus diesem Abgrund zu ziehen, in dem er gefangen war.
 

„Ich werde genug sein, Darius“, sagte Damian mit voller Überzeugung, die jetzt unerschütterlich klang.
 

„Du bist nicht zu spät, und ich werde immer genug für dich sein. Du hast mich. Ich lasse dich nie wieder los. Wir werden uns zusammen durch diesen Schmerz kämpfen. Schritt für Schritt. Aber du bist nicht allein. Hörst du? Ich werde dich retten. Und zusammen werden wir den Weg finden.“
 

Darius atmete tief durch und hielt das Handy fest. Der Gedanke, dass Damian wirklich an seiner Seite war, dass er wirklich derjenige war, der ihn aus diesem Albtraum befreien würde, gab ihm eine Hoffnung, die er seit langem nicht mehr gespürt hatte. Es war wie ein Licht in der Dunkelheit, das immer heller wurde, auch wenn es noch schwach war.
 

„Ich… ich will dir glauben, Damian“, flüsterte Darius, seine Stimme immer noch von der Erschöpfung und dem Schmerz gezeichnet. „Ich will nicht mehr in dieser Dunkelheit bleiben. Ich will zurück zu dir. Ich will wieder leben. Aber ich habe Angst, dass ich es nicht schaffe.“
 

„Du musst dir keine Sorgen machen, Darius“, antwortete Damian ruhig, aber mit einer Wärme, die Darius wie ein sanfter Mantel umhüllte.
 

„Du musst nur mir vertrauen. Wir schaffen das. Ich werde dich da rausholen. Und du wirst wissen, dass du immer geliebt wirst, immer beschützt wirst. Ich werde für dich da sein, egal was passiert.“
 

Darius spürte die Erleichterung, die langsam durch seinen Körper sickerte. Die Worte, die so viel mehr bedeuteten als nur leere Versprechungen, begannen, in ihm einen Funken Hoffnung zu entzünden. Es war nicht sofort alles besser, aber es war der Beginn von etwas – der Beginn einer Reise, bei der er wusste, dass er nicht mehr alleine gehen musste.
 

„Danke, Damian“, flüsterte Darius, während er sich weiter an das Handy klammerte, als ob es ihm Halt geben könnte. „Ich weiß nicht, was ich ohne dich tun würde.“
 

„Du wirst nie ohne mich sein, Darius. Ich verspreche es dir“, sagte Damian, und in seiner Stimme lag mehr als nur eine Zusicherung. Es war ein Versprechen, das er in seinem Herzen trug, und Darius konnte es spüren.
 

„Ich liebe dich, Damian“, flüsterte Darius leise, und in dieser kurzen, zitternden Aussage lag all die Angst, die Hoffnung, die Sehnsucht und die Liebe, die er nie vollständig zu begreifen gewagt hatte.
 

„Ich werde dich nie im Stich lassen“, antwortete Damian, mit einer Wärme, die in diesem Moment alles durchbrach – die Dunkelheit, den Schmerz, die Angst. Es war nicht das Ende der Reise, aber es war ein Anfang. Ein neuer Anfang, den sie zusammen beschreiten würden.
 

Das Gespräch zwischen Darius und Damian war gerade dabei, einen kleinen Funken Hoffnung in Darius’ Herz zu entfachen, als es plötzlich abbrach. Ein kurzes Rauschen, dann Stille. Aiden starrte auf das Handy, als er realisierte, dass der Akku gerade den Geist aufgegeben hatte. Der Bildschirm blieb schwarz, und der verzweifelte Blick, der Aiden zuvor begleitet hatte, wurde nun von einer Welle der Frustration und Angst abgelöst.
 

„Verdammt!“, murmelte Aiden, die Panik stieg wieder in ihm auf. Er griff verzweifelt nach dem Ladegerät, aber die Minuten, die er damit verbrachte, es zum Laufen zu bringen, schienen wie Stunden. „Komm schon… nicht jetzt…“

Kapitel 132

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Damian, der zu Jack und seinem Schwager sah, spürte, wie sich die Anspannung in der Luft verdichtete. Die Miene der beiden Männer verriet, dass sie alles mitbekommen hatten, da das Handy auf laut gestellt war, und sie konnten die Qual in Damians Augen sehen – die Qual, die er gerade durchmachte, weil er nichts tun konnte, um Darius zu retten. Sie waren so nahe, und doch schienen die Jungs noch so weit entfernt.
 

Doch Damian wusste, dass er Darius nicht allein lassen durfte. Er brauchte jemanden, der ihm zusicherte, dass er nicht aufgegeben war – jemand, der ihn daran erinnerte, dass er gerettet werden konnte.
 

Das war es, was Darius brauchte: Hoffnung und eine Hand, die ihn aus der Dunkelheit zog.
 

Jack und Dustin standen nicht weit entfernt. Die Sorge in ihren Augen war genauso offensichtlich wie die Last, die sie alle miteinander trugen. Der Druck lastete schwer auf ihnen allen, und Damian spürte das Gewicht der Verantwortung, das auf seinen Schultern lag.
 

Es war, als ob die gesamte Welt auf den Schultern der Männer ruhte – ihre Handlungen entschieden über Darius’ Zukunft.
 

„Was machen wir jetzt?“, fragte Jack, seine Stimme rau und von der Situation gezeichnet, das Besorgnis und die Erschöpfung nicht verbergen konnte.
 

Damian holte tief Luft, versuchte, die Emotionen, die in ihm hochstiegen, zu kontrollieren. Er konnte es nicht mehr ertragen, in dieser Starre zu verharren. „Wir holen ihn raus. Es muss jetzt schnell gehen. Darius darf nicht länger dableiben. Er darf nicht in dieser Dunkelheit verfallen. Und Aiden braucht auch die Gewissheit, dass wir ihn nicht im Stich lassen.“
 

Die Wut und Trauer, die in seinen Augen brannten, sagten alles. Keiner von ihnen wollte in dieser Situation sein, aber sie wussten, dass sie handeln mussten. Sie mussten Darius retten, auch wenn es bedeutete, die Dunkelheit zu durchbrechen, in der er gefangen war.
 

„Damian…“, murmelte Jack, als er sich zu ihm drehte. „Ich weiß, wie wichtig das für dich ist, aber lass uns sicherstellen, dass wir Darius nicht noch mehr wehtun, wenn wir ihn holen. Wir müssen uns vorbereiten.“
 

„Ich weiß“, antwortete Damian mit einem bitteren Lächeln, das die Schärfe seines Schmerzes nur noch verstärkte. „Aber ich werde ihn nicht aufgeben. Nicht jetzt. Es ist meine Verantwortung. Ich werde ihn holen, egal, was es kostet.“
 

Damian spürte, wie sich die Wut und der Schmerz in ihm sammelten, zu einem ständigen Sturm, der in seinem Inneren tobte. Doch es war der Gedanke an Darius, der ihn ruhig hielt. Er würde zu ihm gehen. Er würde ihn holen – aus dieser Dunkelheit, diesem Ort der Qual, der seine Seele zerfraß.
 

Dustin konnte es kaum fassen. Die Vorstellung, wie es seinem kleinen Bruder ergangen war, war schlimm genug. Doch die Worte, die er gehört hatte – von Schmerz, Verzweiflung, und dem Gefühl, sich selbst schon aufgegeben zu haben – ließen ihn fast zusammenbrechen.
 

Der Gedanke, dass Darius, sein kleiner Bruder, den er immer beschützt hatte, derjenige war, der jetzt in dieser qualvollen Lage steckte, brachte ihn an seine Grenzen. Er hatte immer geglaubt, dass er Darius vor allem schützen könnte.
 

Doch hier stand er – mit nichts in der Hand, was ihm wirklich half. Die Realität, dass er versagt hatte, ließ seinen Magen verkrampfen. Der Gedanke daran, dass Darius für immer in dieser Qual gefangen sein könnte, ließ ihn erstarren.
 

Er hatte immer alles getan, um Darius zu beschützen, aber dieses Mal war es anders. Dieser Moment zeigte ihm, dass er das vielleicht nicht konnte – und er fühlte sich von einer überwältigenden Hilflosigkeit überrollt.
 

Sein Herz zog sich zusammen. „Ich werde dich da rausholen, Bruder“, flüsterte er mit einer Stimme, die von Sorge und Entschlossenheit erzitterte. „Ich verspreche dir, ich werde dafür sorgen, dass du wieder zu dir findest. Du musst nur ein bisschen mehr durchhalten.“
 

Auch wusste er, dass er nicht allein gegen die Dunkelheit kämpfen konnte, die Darius umhüllte. Hilfe war nötig, und das so schnell wie möglich. Denn solange Darius in diesem Zustand blieb, konnte niemand wirklich ruhig bleiben.
 

Und Dustin fühlte sich mehr denn je von der Verantwortung erdrückt, seinen Bruder aus dieser Hölle zu befreien, die ihn zu verschlingen drohte…

Buch 3: Kapitel 133

Buch 3:
 

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Braydan Farah, der oberste Alpha und Anführer der Hierarchien, war derjenige gewesen, der Darius durch die Hitze begleitet hatte. Begleitet war allerdings noch untertrieben – er hatte dem jungen Omega nicht einmal eine Wahl gelassen.
 

Es war eine Sache von Macht, Kontrolle und Besitz. Die Szene hatte sich noch lange in Braydans Gedanken eingeprägt, wie er das junge, widerstandsfähige Wesen geformt hatte, das nun unter ihm zitterte.
 

Noch immer verspürte er ein grenzenloses Verlangen nach Darius. Diese Verlangen war mehr als nur körperlich, es war tief in ihm verankert – ein Besitzanspruch, den er nie wieder aufgeben würde.
 

Er hatte es genossen, ihn zu brechen – nicht nur aus eigenem Vergnügen, sondern auch, um seinen überheblichen Zöglingen eine Lektion zu erteilen. Doch eines stand für ihn fest: Er würde Darius nicht mehr hergeben. Damian McKinley konnte sich auf den Kopf stellen, es würde nichts daran ändern. Braydan war fest entschlossen, seine Macht zu sichern und zu erweitern. Und Darius würde der Schlüssel dazu sein.
 

Er hatte es bereits gesagt: Er kannte Darius, seit dieser ein Kind war. Schon damals hatte ihn etwas an dem Jungen fasziniert, und er hatte ihn unter allen Umständen für sich haben wollen. Doch zu jener Zeit war der Weg noch nicht ganz frei gewesen. Die Welt, in der Braydan lebte, war von Konkurrenz und Rivalitäten geprägt, und auch er war nicht frei von den Fesseln des Kampfes um Einfluss. Doch seine Geduld war unbegrenzt – und seine Machenschaften ebenso.
 

Natürlich war er dafür über Leichen gegangen – und es war nicht das erste Mal. Sein Weg war gepflastert mit den Überresten derer, die er hatte ausschalten müssen, um sich seinen Platz an der Spitze zu sichern. Es war kein Zufall, dass er so weit gekommen war.
 

Schon damals, als Darius‘ Mutter noch lebte, hatte alles begonnen. Auch ihn hatte er um jeden Preis gewollt. Doch er hatte sich für seinen Erzrivalen Green entschieden – ein Verrat, den er nie verwunden hatte. Der Gedanke an diese Niederlage hatte sich tief in seinem Geist eingenistet, wie ein ewig schmerzhafter Stachel.
 

Sein Hass hatte sich mit der Zeit in eine regelrechte Obsession verwandelt. Er hatte ihn niemals aus den Augen gelassen – den Mann, den er so verzweifelt für sich haben wollte. Doch das Schicksal hatte ihm seine eigenen Lektionen erteilt, und Braydan wusste, dass er auch in diesem Fall nur auf den richtigen Moment hatte warten müssen.
 

Und dann hatte dieser Omega mit Green fünf Kinder bekommen. Es hätte nicht schlimmer für ihn kommen können. Noch dazu war der Älteste – wie zu erwarten – ein Alpha. Und jede weitere Schwangerschaft brachte dasselbe Ergebnis. Ein weiterer Alpha in der Familie, der seine Macht ausbauen würde. Aber Braydan würde nicht einfach zusehen, wie andere die Kontrolle über das Spielfeld übernahmen.
 

Doch dann, bei der letzten Geburt, war sein Omega schwach gewesen. Er hatte es sofort bemerkt. Er kannte die Anzeichen nur zu gut. Wenn man wusste, worauf man achten musste, erkannte man früh, ob ein Omega geboren wurde. Die Symptome ähnelten jenen einer Schwangerschaft, zogen sich aber bis zum Ende hin. Braydan hatte immer genau gewusst, dass der Moment kommen würde, in dem er eingreifen musste, um die Kontrolle zurückzuerlangen.
 

Normalerweise überlebten Omegas solche Geburten spielend – vorausgesetzt, man griff rechtzeitig ein. Und er hatte eingegriffen. Denn er wollte nicht, dass sein Omega noch mehr Kinder bekam. Stattdessen hatte er gehofft, dass ihm endlich das Kind zufallen würde, das er sich immer gewünscht hatte – Darius, den perfekten Omega.
 

Darius hatte er von klein auf beobachtet. Und er hatte sofort gespürt, dass sich der Junge zu Damian hingezogen fühlte. Ein weiterer Schlag ins Gesicht. Schon wieder war da ein Omega, den er begehrte – und wieder gehörte er einem anderen. Es war eine ständige Erinnerung an das, was er nicht haben konnte. Aber wie so oft war Braydan entschlossen, sich nicht unterkriegen zu lassen.
 

Doch das Schicksal spielte ihm in die Hände. Er hatte bei Darius‘ Vater und den McKinleys nachgeholfen – ohne zu ahnen, dass der Junge bereits Damian versprochen war. Die Nachricht von Darius‘ Verlobung hatte ihn wütend gemacht, ja geradezu in Rage versetzt. Aber er hatte nie daran gezweifelt, dass er den Omega doch noch für sich gewinnen konnte. Er war ein Meister der Manipulation.
 

Also hatte er bewusst dafür gesorgt, dass Dante, der stets im Verborgenen gelebt hatte, fliehen konnte. Ein kluger Schachzug, der ihm nur noch mehr Macht verschaffte.
 

Er hatte Graham und Taylor Brook auf den Jungen angesetzt und auch arrangiert, dass Ed bei Darius landete. Die Fäden, die er zog, verbanden alles miteinander, und er hatte immer die Kontrolle, auch wenn es nach außen hin nicht immer so schien.
 

Er hatte so viel getan, um Darius zu bekommen, dass er nun nur noch grinsen konnte. Der Erfolg schmeckte süß, und er wusste, dass er sich immer wieder auf seine manipulativen Fähigkeiten verlassen konnte.
 

Dass Graham und Taylor dann tatsächlich auch Aiden und Dante einfangen konnten, war für ihn ein voller Erfolg. Schließlich war es seine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass alle Omegas in seiner Obhut waren. Und er sorgte stets dafür, dass sie in die besten Hände kamen. Seine Hände.
 

Dass Dustin Green beinahe getötet worden war, als er Dante schützen wollte, war ihm egal. Er hatte genug Alphas, die genauso gut waren wie er. Und auch wenn er wusste, dass solche Vorfälle seine Macht nicht unangefochten ließen, konnte es ihm wenig anhaben.
 

Doch dass Darius dann ausgerechnet in seinem Anwesen seine erste Hitze durchlebt hatte – das war wie ein Sechser im Lotto. So hatte er den Jungen endlich bekommen. Und er hatte es in vollen Zügen genossen, ihn auf jede nur erdenkliche Weise zu nehmen. Darius‘ Widerstand war verführerisch gewesen, aber es war ein Widerstand, den Braydan mit jeder Faser seines Wesens hatte brechen können.
 

Und das würde er wieder tun.
 

Er würde Darius nicht mehr hergeben. Das war ein Versprechen, das er sich selbst gemacht hatte.
 

Auch Aiden würde bei ihm bleiben. Schließlich brauchte sein Spielzeug einen Freund. Und wenn sich die Gelegenheit ergab, würde er auch Aiden genüsslich nehmen. Es war nicht das erste Mal, dass Braydan mit mehreren Zielen auf einmal spielte, und er wusste, wie er die Dinge so lenken konnte, dass sie ihm zugutekamen.
 

Eigentlich hatte er nur einen gewollt, doch wenn er zwei zum Preis von einem bekam – umso besser. Zumal er mit Jacks Eltern noch eine Rechnung offen hatte. Dass er nun ihren Sohn als Spielzeug benutzen konnte, machte es für ihn nur noch befriedigender.
 

Natürlich war bekannt, dass Jack für das kämpfte, was ihm gehörte. Doch weder er noch Damian würden an ihm vorbeikommen. Braydan hatte schon immer das letzte Wort gehabt. Und er wusste, dass auch dieses Mal niemand in der Lage war, ihm das zu nehmen, was er sich zu eigen gemacht hatte.
 

Er würde sie beide zu sich holen. Sie waren nur kleine Figuren in einem viel größeren Spiel. Und Braydan war der Meister, der die Züge lenkte.
 

Seine Festung war uneinnehmbar. Und während er sich an seinen neuen Besitztümern erfreute, würde er sich eine kleine Armee züchten – eine, die sein Werk weiterführen würde. In dieser neuen Ordnung gab es keinen Platz für Schwäche.
 

Er konnte es kaum erwarten...

Kapitel 134

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Braydan ließ seinen Blick über die weitläufige Anlage gleiten, seine Festung, sein Reich. Hier war er der unangefochtene Herrscher. Niemand widersprach ihm, niemand stellte sich ihm entgegen – zumindest nicht lange. Er hatte alles unter Kontrolle, alles in seiner Hand. Jeder Schritt, jeder Atemzug, jedes Geräusch, das in diesem großen Anwesen erklang, gehorchte seiner Ordnung.
 

Die Wände, die hier standen, waren ein Symbol seiner Macht. Es gab keine Flucht. Niemand konnte sich verstecken. Nicht in seiner Festung.
 

Darius war nun hier. Sein Darius. Und er wusste, dass er niemals wieder entkommen würde. Der Junge war ihm verfallen, so wie alle anderen auch. Zu schwach, um sich zu wehren, zu abhängig von ihm, um sich je wieder zu befreien. Braydan konnte sich das Bild von Darius‘ gebrochenem Willen in seinem Kopf ausmalen – ein Omega, der bis ins Innerste verletzt und doch so wunderschön, so zerbrechlich war. Niemand anderes hatte ihn so gesehen. Nicht einmal Damian.
 

Es war lächerlich, dass irgendjemand dachte, ihm den Jungen noch entreißen zu können. Damian McKinley mochte glauben, dass er sich seinen Omega zurückholen konnte, aber das war ein Hirngespinst. Niemand kam gegen ihn an. Der Gedanke, dass dieser naiver Alpha sich gegen ihn stellen würde, war fast schon amüsant. Braydan hatte bereits in seinem Kopf den Sieg errungen.
 

Und Jack?
 

Braydan lachte leise. Jack hatte zwar Kampfgeist, aber was brachte ihm das, wenn seine wichtigste Schwachstelle bereits in seiner Gewalt war? Aiden würde nicht entkommen. Das Spiel war längst entschieden, und Braydan hatte gewonnen. Das Gefühl, die Zügel in der Hand zu halten, war wie ein Rausch.
 

Die Freiheit, die er sich verschafft hatte, gab ihm eine unersättliche Macht. Aiden, der unschuldig wirkte, war für ihn nun ein weiteres Spielzeug – ein Spielzeug, das ihm genauso gehören würde wie Darius.
 

Er trat langsam an das große Fenster, das ihm einen ungehinderten Blick auf das Gelände bot. Der Wind ließ die Bäume draußen leise rascheln, als ob sie ihm zuflüsterten, dass seine Herrschaft unerschütterlich war. In der Ferne konnte er die Konturen der Wächter sehen, die unaufhörlich patrouillierten, die Augen immer auf das Ziel gerichtet.
 

Er konnte sich lebhaft vorstellen, wie Darius sich in seinem Raum zusammenkauerte, verletzt, gebrochen – und doch immer noch wunderschön. Das Feuer, das er in sich trug, war noch nicht erloschen. Doch Braydan würde es nach und nach löschen, bis nur noch das blieb, was er wollte. Darius‘ Widerstand würde nicht ewig halten. Es würde verschwinden, Stück für Stück.
 

Darius gehörte ihm. Und Aiden würde ihm ebenfalls gehören. Beide waren nur Werkzeuge in seinem größeren Plan. Werkzeuge, die er mit Präzision und Geduld zu seinem Ziel führen würde.
 

Er konnte die Verzweiflung in den Augen der beiden fast schon sehen. Und es gefiel ihm. Diese Mischung aus Angst, Widerstand und unausweichlicher Unterwerfung – es war perfekt. Genau das, was er gebraucht hatte. Das Gefühl, das ihm die Kontrolle gab. Das Gefühl, das er nie wieder verlieren wollte.
 

Aber er hatte noch mehr vor. Und das, was er für sich geplant hatte, war noch viel größer. Die Macht, die er sich erarbeitet hatte, war nur der Anfang. Das Imperium, das er erschaffen würde, sollte nicht nur auf dieser Festung basieren. Es sollte über alle Grenzen hinweggehen, über alles hinaus, was andere für möglich hielten.
 

Er drehte sich um und trat an den massiven Holztisch in der Mitte des Raumes, auf dem einige Karten und Dokumente ausgebreitet lagen. Die Karten waren wie Schachbretter, auf denen er der König war. Jeder Zug, jede Entscheidung, die er traf, brachte ihn dem Sieg näher.
 

Sein Einfluss reichte weit. Nicht nur hier, sondern auch in anderen Gebieten hatte er seine Leute platziert. Er hatte das Spiel längst gewonnen. Doch er wollte mehr: Er wollte, dass alle wussten, dass er der einzig wahre Herrscher war.
 

Sein Ziel war nicht nur, Darius und Aiden zu behalten. Nein. Er würde alle Omegas in seine Hände bekommen. Er würde ein Imperium erschaffen, das er mit eiserner Faust regieren konnte. Und niemand – wirklich niemand – würde es je wieder wagen, sich ihm entgegenzustellen.
 

Das war sein wahres Werk. Seine Vision. Der Moment, auf den er so lange gewartet hatte. Er hatte schon immer gewusst, dass er größer war als die anderen Alphas. Dass er dazu bestimmt war, die Zukunft zu formen. Und er würde sie formen, so wie er es sich immer erträumt hatte.
 

Jeder Omega, der ihm in die Finger fiel, würde seinen Platz in seiner neuen Ordnung einnehmen. Darius und Aiden waren nur der Anfang. Aber der Anfang war immer der schwierigste Teil. Nachdem er sie gebrochen hatte, würde der Rest folgen.
 

Er lächelte kalt. Der Plan war perfekt.
 

Bald würde Damian kommen. Er wusste es. Würde sich aufspielen, würde versuchen, seinen Omega zu retten. Ein sinnloses Unterfangen. Damian mochte ein starker Alpha sein, aber er war naiv, schwach, von Gefühlen geleitet. Und Gefühle machten berechenbar.
 

Braydan wusste, dass er nur die richtigen Fäden ziehen musste. Und Damian würde sich selbst ins Verderben stürzen. Es war nur eine Frage der Zeit.
 

Braydan konnte es kaum erwarten…

Kapitel 135

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Braydan fuhr mit den Fingerspitzen über die raue Oberfläche des Tisches, während er über seine nächsten Schritte nachdachte. Darius war nur der Anfang gewesen. Die anderen würden folgen – einer nach dem anderen. Der Plan war bereits in Bewegung. Jeder Schritt war genau durchdacht, jede Bewegung war Teil eines größeren Ganzen.
 

Es war nicht mehr nur eine Frage des Wann, sondern des Wie. Alles fügte sich langsam zusammen, und es gab keinen Moment, der ihm entglitt.
 

Sein Blick wanderte zu den Dokumenten vor ihm. Jeder Name, jedes Detail ein weiterer Schritt auf dem Weg zu seinem Ziel. Diese Daten waren keine zufälligen Informationen – sie waren das Fundament für alles, was noch kommen sollte. Mit jedem Blick darauf fühlte er sich dem Sieg näher. Namen, Geburtsdaten, Hierarchien – alles fein säuberlich notiert. Seine Omegas. Sie wussten es nur noch nicht. Und bald würden sie es erfahren.
 

Er griff nach einem der Blätter und ließ es durch seine Finger gleiten. Darauf stand ein Name, der ihn amüsierte: Dustin Green.
 

Ein Dorn in seinem Auge, ein nicht zu ignorierendes Hindernis. Dustin hatte sich stets als uneinnehmbar gezeigt, aber Braydan wusste, dass auch der stärkste Fels irgendwann bricht. Alles, was er brauchte, war der richtige Moment.
 

Der älteste Sohn von Darius’ Vater. Der Alpha, den Green immer stolz präsentiert hatte, als wäre er das größte Geschenk an die Welt. Ein törichtes Denken. Aber er war nicht unbesiegbar. Braydan verzog leicht den Mund. Dustin war gefährlich, ja – aber nicht unantastbar. Er war nur ein Mann. Und Männer machten Fehler. Braydan wusste, wie man diese Fehler für sich nutzte. Fehler, die er nur ausnutzen musste.
 

Er wusste, dass Dustin nicht lockerlassen würde. Der Alpha hatte etwas, das Braydan als Schwäche betrachtete – eine bedingungslose Loyalität zu seiner Familie. Doch genau diese Schwäche würde ihn schließlich zu Fall bringen. Er würde ihm das Vertrauen in seine eigenen Stärken nehmen.
 

Braydan schnaubte leise. Der Widerstand würde ihn nicht retten. Es war zu spät für Darius, zu spät, sich gegen das zu wehren, was längst begonnen hatte. Es war kein Akt der Freiheit mehr, sondern ein unaufhaltsames Vorankommen. Und Braydan wusste, dass der Junge nicht die Kraft besaß, ihm zu entkommen.
 

Sein Blick wanderte zu einer weiteren Akte. Jack Brown.
 

Ein Grinsen verbreitete sich auf seinem Gesicht, als er die wenigen Details betrachtete, die zu Jack führten. Dieser Mann war ein interessanter Fall – ein Typ, der wie ein wildes Tier wirkte, das niemand zähmen konnte. Aber Braydan wusste, wie man wilde Tiere bändigte.
 

Und Jack würde keine Ausnahme bilden. Jack war interessant. Anders als Damian. Wilder, unkontrollierter. Ein Mann, der sich nahm, was er wollte – aber nicht gegen ihn. Nicht gegen Braydan, der genau wusste, wie man solche Männer bändigen konnte.
 

Braydan mochte Herausforderungen. Und Jack würde eine große und faszinierende Herausforderung werden.
 

Aber Aiden war seine Schwäche. Eine Schwäche, die er mit Freude ausnutzen würde. Braydan lehnte sich zurück, ließ seine Gedanken kurz schweifen und dachte nach.
 

Er hatte es schon so oft gesehen. Die Art, wie Jack Aiden ansah, mit einer tiefen Besorgnis in seinen Augen. Wie er ihn beschützte. Wie er sich für ihn aufopferte. Es war eine Schwäche, die Braydan nur zu gerne ausnutzen würde. Aiden gehörte jetzt ihm. Und Jack würde zusehen müssen, wie er ihn langsam und unaufhaltsam zerbrach. Langsame, qualvolle Zerstörung, die von Jack nicht verhindert werden konnte.
 

Sein Blick wanderte zum Fenster, als er den sich dämmernden Himmel beobachtete. Draußen begann langsam die Dämmerung. Die Nacht war seine Zeit. In der Dunkelheit geschahen die besten Dinge. Und Braydan liebte es, das Licht mit seiner Dunkelheit zu übertrumpfen.
 

Die Nacht hatte immer eine andere Macht. Eine, die er zu seinem Vorteil nutzen konnte.

Braydan schloss die Augen für einen Moment und atmete tief ein, um sich auf das zu konzentrieren, was vor ihm lag…

Kapitel 136

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Braydan konnte es kaum erwarten, bis alles endlich in seinen Händen lag. Darius gehörte ihm. Aiden gehörte ihm. Und bald … würde niemand mehr zwischen ihm und seiner Vision stehen, die er mit eisernem Willen verwirklichen würde.
 

Sein Blick ließ er nochmals über das Anwesen schweifen, während ein zufriedenes, fast schon triumphales Lächeln über seine Lippen huschte. Der Tag neigte sich dem Ende zu, und mit der Nacht kam seine wahre Macht zum Vorschein.
 

In der Dunkelheit verschwammen die Grenzen zwischen Richtig und Falsch, was in seiner Welt nur bedeutete, dass er alles tun konnte, was er wollte. Es war der Moment, in dem sich alles fügte und er die Zügel in die Hand nahm.
 

Er drehte sich um und strich mit der Hand über die massive Karte auf dem Tisch. Seine Finger glitten über verschiedene Punkte – Orte, an denen seine Männer bereits Position bezogen hatten. Alles verlief nach Plan, und der Plan war perfekt. Sein Plan, der sich nun Stück für Stück entfaltete.
 

Sein Blick blieb an einer kleinen Markierung hängen. Damian McKinley.
 

Braydan schnaubte verächtlich, während seine Gedanken sich auf den Mann konzentrierten, den er als störendes Element betrachtete. Der Mann würde kommen. Daran bestand kein Zweifel. Er kannte ihn gut genug, um zu wissen, dass er nicht tatenlos zusehen konnte. Damian war besessen von Darius, genau wie er, doch im Gegensatz zu ihm war Damian schwach.
 

Er ließ sich von seinen Gefühlen leiten, von der Hoffnung, dass er Darius retten könnte. Ein Fehler. Ein tödlicher Fehler.
 

Braydan drehte das Messer zwischen seinen Fingern, das er vom Tisch genommen hatte. Die Klinge glitzerte im schwindenden Licht. Sie spiegelte die Kälte wider, die Braydan tief in sich trug. Eine Kälte, die in den kommenden Tagen immer mehr Gestalt annehmen würde.
 

Damian war nicht wie die anderen. Nicht wie die Alphas, die ihm blind folgten. Er war ein Hindernis. Aber Hindernisse ließen sich beseitigen. Und wenn die Zeit reif war, würde er Damian nicht nur besiegen – er würde ihn zerstören.
 

Braydan wusste, dass er es genießen würde, Damian in seiner eigenen Verzweiflung zu brechen, ihm den letzten Funken Hoffnung zu nehmen.
 

Ein Klopfen an der Tür riss ihn aus seinen Gedanken.
 

„Herein“ sagte er ruhig, ohne sich umzudrehen.
 

Einer seiner Männer trat ein und verneigte sich leicht. „Sir, der Junge ist ruhig. Er hat sich zurückgezogen. Aber er isst nichts.“
 

Braydan lachte leise, ein kaltes, unnachgiebiges Lachen, das seine Zähne zeigte und in der Stille des Raumes widerhallte.
 

„Er glaubt, dass das etwas ändern wird?“
 

„Er scheint trotzig, aber … er zittert. Die Hitze macht ihm noch zu schaffen.“
 

Natürlich tat sie das. Es war der Anfang der Zerbrechlichkeit, die Braydan vorausgesagt hatte.
 

Braydan legte das Messer zurück auf den Tisch und trat langsam ans Fenster. Sein Blick schweifte über das Gelände, bis er bei dem Gebäude stehen blieb, in dem Darius untergebracht war. „Gut“ murmelte er, seine Stimme ruhig und doch von einer kalten Entschlossenheit durchzogen. „Er wird schon noch verstehen.“
 

Langsam drehte er sich wieder zu dem Mann um, wobei seine Augen einen Moment auf ihm ruhten, als würde er abwägen, wie er auf dessen nächstes Wort reagieren sollte.
 

„Und Aiden?“
 

„Er spricht nicht. Aber er weicht Darius nicht von der Seite. Sie halten sich aneinander fest.“
 

Braydan schmunzelte, eine Mischung aus Belustigung und Verachtung in seinem Blick. Das war zu erwarten gewesen.
 

Die beiden klammerten sich aneinander wie Ertrinkende. Ein sinnloser Versuch, sich gegenseitig Halt zu geben. Ein verzweifelter Griff nach dem letzten Stück Hoffnung.
 

Aber letztendlich spielte das keine Rolle. Er wusste, dass alle Bemühungen, die Widerstände zu überwinden, letztlich vergeblich sein würden.
 

Er hatte alle Zeit der Welt, und mit jeder verstrichenen Stunde, die er in Geduld wartete, würde seine Macht wachsen. Es war nicht Eile, die ihn antrieb, sondern die Gewissheit, dass er am Ende derjenige sein würde, der das letzte Wort hatte.
 

Und Zeit … war auf seiner Seite. In der Stille der Nacht würde er sich weiter festigen, während alles um ihn herum sich in Bewegung setzte…

Kapitel 137

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Braydan lehnte sich mit verschränkten Armen gegen den schweren Holztisch und betrachtete seinen Soldaten mit kühlem Blick, die Miene unnachgiebig.
 

„Halte sie getrennt“, befahl er nach einem Moment der Stille, der beinahe unerträglich war.

Der Mann zögerte einen Augenblick und trat einen Schritt zurück. „Sir?“
 

Braydans Miene blieb unbewegt, seine Augen verengten sich nur leicht, als er dem Soldaten in die Augen sah. „Darius und Aiden. Sie sind sich zu nah. Das muss aufhören.“ Seine Stimme war ruhig, aber in ihr lag eine Schärfe, die den Raum durchdrang.
 

Er wusste, dass sie sich gegenseitig Halt gaben – dass sie ihre Angst mit leeren Versprechen und Hoffnung zu verdrängen versuchten. Doch Hoffnung war eine Illusion. Eine, die er ihnen nehmen würde. Es war nicht nur eine Frage der Trennung – es war eine Frage der Kontrolle. Die hatte er, und er würde sie niemals loslassen.
 

Der Soldat nickte sofort, ohne Zögern. „Ja, Sir.“
 

„Aiden kommt in einen separaten Raum“, fuhr Braydan fort, ohne von der Karte, die vor ihm ausgebreitet lag, aufzublicken. „Er soll begreifen, dass er allein ist. Dass niemand ihn retten wird.“ Ein kaltes Lächeln stahl sich auf Braydans Lippen, als er sich ein weiteres Mal auf die Karte konzentrierte, die die Wege und Ziele symbolisierte, die er erreichen wollte.
 

Der Mann senkte den Kopf und nickte noch einmal. „Verstanden.“
 

Braydan wandte sich ab, ließ den Blick wieder nach draußen schweifen. Die Nacht hatte sich endgültig über das Anwesen gelegt, die Dunkelheit drang in jede Ecke, während der fahle Mond das Bild des Gebäudes zeichnete, in dem Darius gefangen war. Der Mond war nur ein schwaches Licht, das wenig Trost spenden konnte.
 

Er spürte es – die Unruhe, die Angst, die in dem Jungen brodelte. Seine Gedanken füllten sich mit der Vorstellung, wie der Omega sich weiter wehren würde, aber in seinem Inneren wusste er, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis auch Darius endlich zusammenbrechen würde.
 

Sein Omega.
 

Ein dunkles Lächeln umspielte seine Lippen, und in seinen Augen funkelte ein gefährlicher Glanz.
 

Darius war noch nicht gebrochen. Aber er würde es sein.
 

Und wenn es so weit war, würde er alles vergessen haben – Damian, Jack, seine Familie. Der Junge würde nichts mehr besitzen, niemanden mehr kennen. Dann würde er nur noch ihm gehören.
 

Kurz darauf öffnete sich die Tür des Zimmers, in dem Aiden saß, und Darius erwachte, da er sich nach dem Telefonat mit Damian ein wenig beruhigt hatte. Doch der Frieden war nur von kurzer Dauer, die Anspannung blieb, und auch wenn er nach wie vor alles verweigerte, um das Unausweichliche vielleicht noch zu verhindern, wusste er tief im Inneren, dass er keine Kontrolle mehr hatte. Immerhin wollte er nicht schwanger sein.
 

Obwohl bereits einige Tage vergangen waren, seit der Alpha ihn vergewaltigt hatte, hatte er die ersten Anzeichen der Schwangerschaft bei sich selbst schon erkannt. Was ihn mehr als alles andere quälte und warum er sich weiterhin sträubte.
 

Aiden, der völlig in Gedanken war und über das nachdachte, was sie alles durchgemacht hatten, fühlte sich von der Furcht erdrückt, die er für Darius empfand. Diese Furcht, die nagte an ihm, wie ein kaltes, undurchdringliches Dunkel, das ihn erdrückte. Die Panik, dass sie auseinandergerissen werden könnten, ließ ihn kaum noch klar denken.
 

Woher auch immer dieser Gedanke kam – er war plötzlich da, und er ließ ihn nicht mehr los.
 

Aiden saß am Rand des Bettes, die Hände in den Schoß gelegt, als er plötzlich die Schritte von Soldaten hörte. Die Tür öffnete sich einen Spalt weiter, und zwei kräftige Männer traten ein. Aiden sprang auf, sein Herz pochte schneller, als er die ernsten Blicke der Männer sah, die durch die Tür drangen.
 

„Was wollt ihr?“, fragte er, seine Stimme brüchig, doch voller Entschlossenheit.
 

„Du kommst mit uns“, sagte der eine Soldat, dessen Stimme hart und unmissverständlich war, während der andere Soldat nähertrat, um sicherzustellen, dass Aiden nicht versuchte, sich zu wehren.
 

„Nein!“ Aiden wich zurück, als die Männer sich ihm näherten. „Ich will bei Darius bleiben!“
 

Die Männer tauschten einen Blick, der mehr sagte, als Worte je ausdrücken konnten. „Das wird nicht passieren“, sagte der Soldat, der am nächsten zu ihm stand, mit einer Stimme, die keinerlei Widerspruch duldete. „Braydan hat befohlen, dass ihr getrennt werdet.“
 

Aiden, ebenso wie Darius, kam der Name bekannt vor, doch einordnen konnten sie ihn nicht. Der Name war überall, flüsterte wie ein Schatten durch die Gänge, doch ihre Gedanken verwehrten sich, sich mit ihm auseinanderzusetzen. Allein die Vorstellung brachte Alarm in ihnen auf.
 

Trotz der alarmierenden Situation versuchte Aiden, sich zu wehren, mit allem, was er hatte – mit seiner gesamten Energie. Doch es war vergebens.
 

„Nicht ohne Darius!“ Aiden blickte panisch zur Tür, als könnte er Darius durch die Wände hindurch hören, seine Gedanken bei ihm, an seiner Seite. „Ich werde nicht gehen!“
 

Die Soldaten tauschten erneut einen Blick, der mehr über die Situation verriet, als es Worte konnten. Der zweite Mann trat vor und packte Aiden am Arm, um ihn sanft, aber bestimmt zur Tür zu ziehen. „Komm schon, Aiden. Du weißt, dass du keine Wahl hast.“
 

„Ich gehe nicht ohne ihn!“ Aiden zog sich wieder zurück, aber die Männer waren stark, viel stärker als er. Der erste Soldat ergriff ihn ebenfalls und drückte ihn mit einem festen Griff gegen die Wand, sodass er kaum noch atmen konnte.
 

„Ich werde nicht alleine hier bleiben…“, keifte auch Darius und sah die Wachen mit einem Trotz an, den er gar nicht mehr für möglich gehalten hatte. Doch es nützte nichts. Seine Stimme war verzweifelt, sein Körper schwer und zitternd.
 

„Ihr seid noch nicht in der Position, Forderungen zu stellen, Omegas“, sagte der Soldat mit einem kaum hörbaren Zischen, als er Darius einen weiteren Blick zuwarf. Seine Worte waren schneidend, eine spürbare Bedrohung.
 

Aiden versuchte sich zu befreien, doch der Griff wurde nur fester. Der Widerstand, den er zeigte, war nichts im Vergleich zur Gewalt, die ihm entgegengeschlagen wurde. Schließlich gab er auf, seine Hoffnung schwand, als er nur noch zusehen konnte, wie die Soldaten ihn fortzogen.
 

„Ich werde dich nicht im Stich lassen, Darius…“ Die Worte vergingen fast unhörbar, als sie sich entfernten. Aber Darius konnte sie hören – und es war das Letzte, was er von Aiden hören würde, bevor der Raum erneut zu einem Gefängnis wurde.
 

Braydan beobachtete die Szene auf einem Monitor in seinem Arbeitszimmer, sein Blick kühl und unerbittlich, als er das Bild der getrennten Omega betrachtete. Aiden wurde gewaltsam in einen anderen Raum gebracht, die Trennung war endgültig. Der Widerstand, den die beiden zeigten, war zu erwarten gewesen. Doch es änderte nichts an der Tatsache, dass die Trennung geschehen musste.
 

Die Männer hatten mehr als nur einen Soldaten gebraucht, um die Jungs auseinanderzubringen. Die Bindung zwischen ihnen war zu stark, der Wille zu groß, als dass es ein einfaches Unterfangen gewesen wäre. Es hatte einige Überzeugungskraft und Kraftaufwand gekostet, doch jetzt war Aiden woanders.
 

Braydan wusste, dass der Schmerz der Trennung sie zermürben würde, Stück für Stück. Diese Schwäche würde er ausnutzen, um sie zu brechen.
 

Und am Ende würde Darius nur noch ihm gehören…

Kapitel 138

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Braydan ließ sich in seinen schweren Sessel sinken, während das Knistern des Kamins den Raum erfüllte. Die Dunkelheit um ihn herum war nur von dem schwachen, flackernden Licht des Feuers durchbrochen. Die Schatten tanzten an den Wänden, als wollten sie seine Gedanken widerspiegeln, die sich ständig in denselben Kreisen drehten – der Plan, das Spiel, das immer weiter voranschritt.
 

Er schloss für einen Moment die Augen, lauschte den Geräuschen der Nacht. Irgendwo draußen bellte ein Hund, ein einsames Geräusch, das in der stillen Nacht widerhallte, und in der Ferne hörte er das sanfte Rauschen von Wind, das durch die Bäume strich. Schritte hallten über das Pflaster, Wachen, die ihre Runden drehten, das Geräusch der Stiefel, das rhythmisch den Takt der Nacht vorgab.
 

Alles verlief nach Plan.
 

Sein Blick wanderte zu dem Glas auf dem Tisch – ein dunkler, schwerer Tropfen, der in der Dämmerung schimmerte, wie ein Spiegel seiner eigenen Dunkelheit. Mit ruhigen Bewegungen griff er danach, ließ die Flüssigkeit gegen das Glas schwappen, bevor er es an die Lippen setzte und den ersten Schluck genoss. Die Wärme verbreitete sich sofort in seiner Kehle, während das Brennen ihm ein Gefühl von Stärke und Sicherheit gab.
 

Er liebte dieses Gefühl. Die Kontrolle. Die Gewissheit, dass alles, was er tat, unausweichlich war. Es war nicht nur ein körperlicher Besitz, den er anstrebte. Nein, es war mehr. Darius würde ihm gehören. Nicht nur in seiner physische Existenz, sondern auch in seiner Seele. Sein Wille, seine Gedanken – alles.
 

Braydan hatte es schon oft gesehen. Das Flackern der Hoffnung in den Augen seiner Gefangenen. Der Widerstand, das kurze Aufbäumen gegen das Unvermeidliche, das Festklammern an der Idee, dass sie noch etwas ändern könnten. Doch am Ende … knickten sie alle ein. Sie begannen zu verstehen, dass ihr Widerstand gegen ihn ein sinnloser Kampf war. Und Darius, dieser junge Omega, war keine Ausnahme.
 

Der Gedanke, dass Darius schließlich genauso zerbrochen vor ihm stehen würde, wie all die anderen, erfüllte ihn mit einer stillen Vorfreude. Das war der Moment, auf den er hinarbeitete – der Moment, in dem Darius’ Wille ihn endlich gehörte.
 

Ein Klopfen an der Tür ließ ihn die Augen öffnen.
 

„Sir.“
 

Ein weiterer seiner Männer trat ein, blieb einige Schritte entfernt stehen. Sein Gesicht war ausdruckslos, professionell, als ob er nichts anderes als eine Funktion zu erfüllen hätte, ein Rädchen im Getriebe der Dinge.
 

„Was gibt es?“ Braydan fragte ruhig, als er das Glas zwischen den Fingern drehte, den Moment auskostend, bevor er wieder voll auf den Soldaten blickte.
 

„Der Junge ist unruhig. Er spricht nicht viel, aber er …“ Der Soldat zögerte. „Er hat nach Damian gerufen.“
 

Braydans Lippen verzogen sich zu einem belustigten Lächeln, als er das hörte.
 

„Natürlich hat er das.“
 

Es war vorhersehbar gewesen. Die beiden waren zu eng miteinander verbunden, der eine hielt den anderen in der Dunkelheit des Unbekannten fest. Die Tatsache, dass Darius in seinem Zustand nach Damian rief, war nicht nur eine Reaktion auf die Furcht, sondern ein stiller, ständiger Ruf nach Hilfe. Und Braydan wusste, dass der Alpha, der mit diesem Namen verbunden war, nie kommen würde.
 

„Und?“, fragte er ruhig, drehte das Glas noch einmal in der Hand, als ob das bloße Drehen des Kristalls ihm noch mehr Klarheit brachte.
 

„Wir haben ihn ignoriert, so wie Ihr es befohlen habt. Aber … er hat aufgehört zu essen.“
 

Braydan lehnte sich zurück, den Blick immer noch fest auf den Soldaten gerichtet. Ein weiteres kleines Stück Widerstand. Ein weiterer Versuch, sich gegen das Unausweichliche zu wehren.
 

Ein leises Lachen entwich ihm, als er das hörte.
 

„Er wird schon essen, wenn der Hunger groß genug ist.“
 

Seine Stimme war ruhig und voll von einer Arroganz, die in diesem Moment nur die Natur eines Mannes widerspiegelte, der die Kontrolle in jeder Zelle seines Körpers spürte. Wer würde sich schon weigern, wenn der Hunger zur größten Notwendigkeit würde?
 

Sein Blick wanderte zur Tür, als ob er in die Zukunft blickte, in die kommenden Tage, die für Darius und Aiden noch schmerzhafter werden würden.
 

„Und Aiden?“
 

„Er ist still. Aber man merkt, dass er Angst hat.“
 

Braydan nickte, als hätte er das schon gewusst. Es war gut, dass Aiden in seiner Stille die Angst spürte. Denn diese Angst war der erste Schritt zu seiner Zerbrechlichkeit.
 

„Gut. Lass ihn in der Dunkelheit sitzen. Sie brauchen Zeit, um zu verstehen.“
 

Er lehnte sich wieder vor, seine Augen funkelten im Schein des Feuers, das flackerte, als könnte es die Dunkelheit in seinem Inneren widerspiegeln.
 

„Sie werden mich anflehen.“
 

Er nahm einen weiteren Schluck aus seinem Glas, während sein Blick ins Leere ging, als ob er die Ereignisse der kommenden Stunden bereits vor sich sah. Es war nur eine Frage der Zeit, bis Darius und Aiden begreifen würden, wie vergeblich ihr Widerstand war.
 

„Es wird nur eine Frage der Zeit sein …“, murmelte er leise, als er sich zurücklehnte und mit einem zufriedenem Lächeln auf den Lippen in die Dunkelheit starrte…

Kapitel 139

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Eigentlich war die Rettung schon sehr nahe, doch Damian, Jack und auch Dustin fanden einfach keinen Zugang. Dieses verdammte Anwesen war so gut bewacht, dass sie keinerlei Chance sahen, hineinzukommen. Sie hatten alles ausprobiert, doch das Gelände war uneinnehmbar. Die Patrouillen waren ständig unterwegs, und jede noch so kleine Bewegung wurde sofort bemerkt.
 

Sie konnten nur auf Graham und Taylor hoffen, die vor zwei Tagen das Anwesen verlassen hatten. Sie waren bestimmt schon wieder auf Beutezug – schließlich war es ihr Job, junge Omegas zu fangen und zum Anwesen zu bringen. Doch das war nicht, was Taylor jetzt im Kopf hatte.
 

Graham und Taylor waren nicht auf der Jagd. Taylor wollte einfach nur so schnell wie möglich in das Versteck zurückkehren, das sie ihr Zuhause nannten. Alles, was ihm durch den Kopf ging, war, wie es seinem kleinen Sohn ging. Die letzten Tage hatten ihm wie eine Ewigkeit vorgekommen, und jetzt, da er endlich in der Nähe war, konnte er nur hoffen, dass der Kleine gut auf sich selbst aufgepasst hatte und dass ihm niemand zu nahegekommen war. Hoffentlich hatte ihn noch niemand entdeckt.
 

Als sie sich ihrem Versteck näherten, spürte Taylor, wie sich die Anspannung in ihm löste. Das schwere Gefühl, das ihn die letzten Tage begleitet hatte, begann langsam zu verschwinden. Noch ein paar Minuten, und sie wären zu Hause. Er konnte den vertrauten Geruch des Waldes schon riechen, und in Gedanken sah er sich selbst, wie er seinen Sohn in den Armen hielt.
 

„Denk dran, wir haben nicht viel Zeit“, erinnerte Graham ihn leise, als sie das kleine, versteckte Haus erreichten. Es war nur ein kurzer Stopp, und sie mussten so schnell wie möglich wieder verschwinden. Aber Taylor konnte sich nicht darum kümmern. All der Stress, all die Sorgen, die er die letzten Tage hatte, fielen plötzlich von ihm ab. Es war wie eine Last, die von seinen Schultern genommen wurde.
 

„Ich weiß“, murmelte Taylor, als er die Tür öffnete.
 

Kaum hatten sie den Raum betreten, war die Begrüßung laut und stürmisch. Kleine Füße rannten auf sie zu, und im nächsten Moment sprang ein kleiner Junge auf Taylor zu und umarmte ihn fest. „Hallo, Mama! Endlich seid ihr da! Ich habe euch schon so vermisst!“
 

Taylor konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen, als er seinen Sohn in die Arme schloss. „Ich hab dich auch vermisst, mein Schatz. Es tut mir leid, dass wir so lange weg waren.“
 

Der Kleine sah zu ihm auf, mit einer Mischung aus Freude und Hoffnung in seinen Augen. „Bleibt ihr dieses Mal länger?“ fragte er dann, seine Stimme voller Erwartung. Es war die Frage, die sich Taylor immer wieder stellte, wenn er nach Hause kam. Aber die Antwort, die er jedes Mal geben musste, war dieselbe.
 

„Leider nicht, mein Lieber“, antwortete Taylor sanft und strich ihm über die Haare. „Wir müssen noch einmal weg, aber wir sind bald wieder da. Nur ein paar Stunden, dann sind wir zurück.“
 

„Ach, schade“, murmelte der Kleine, seine Schultern sanken ein bisschen. „Aber ich freue mich, dass ihr jetzt da seid. Ich habe euch wirklich vermisst.“
 

Taylor konnte es nicht ertragen, die Enttäuschung in den Augen seines Sohnes zu sehen, aber er wusste, dass es keine andere Wahl gab. Er drückte den Kleinen fester an sich und flüsterte: „Wir kommen bald wieder. Ich verspreche es.“
 

Während sie noch im Raum standen, hörte Taylor einen weiteren leisen Seufzer von Graham. Taylor wusste, dass es auch für ihn schwer war, immer wieder zwischen diesem Leben der Flucht und den Momenten der Ruhe zu wechseln. Doch in diesem Moment, umgeben von seinem Sohn und Graham, fühlte sich alles für einen Augenblick richtig an.
 

„Du hast gut auf dich aufgepasst“, sagte Taylor zu dem Kleinen, als er sich von ihm löste und zu Graham sah. „Ich bin stolz auf dich.“
 

Der Junge strahlte. „Ich habe mich ganz alleine um alles gekümmert, Mama! Und alles ist in Ordnung. Aber ich hoffe, dass ihr diesmal länger bleiben könnt.“
 

„Wir kommen bald zurück“, wiederholte Taylor, während er sich einen Moment Zeit nahm, seinen Sohn anzusehen. Der Gedanke, dass er ihn bald wieder verlassen würde, stach in seinem Herzen wie tausend Nadeln. Doch er wusste, dass es keine andere Wahl gab, und dass sie immer wieder für ihren Sohn zurückkehren würden – egal, wie kurz der Moment war.
 

„Gut“ murmelte der Kleine und drückte sich erneut an Taylor. „Ich werde euch so sehr vermissen. Aber ich freue mich, euch wenigstens jetzt hier zu haben.“
 

Taylor streichelte ihm sanft über den Rücken und flüsterte ein weiteres „Ich hab dich lieb“ in sein Ohr, während er sich vorbehielt, noch für einen Moment einfach nur in dieser kurzen, friedlichen Ruhe zu verweilen. Sie hatten nicht viel Zeit, aber dieser Moment war alles, was zählte.
 

Graham trat leise neben sie, der Blick fest, als er nach Taylor griff und ihn zu sich zog. „Wir müssen gehen, wenn wir es schaffen wollen.“
 

Taylor nickte, die Realität schlich sich wieder in seinen Geist. Aber bevor sie sich endgültig von diesem Ort entfernten, nahm er einen tiefen Atemzug und erinnerte sich an das Versprechen, das er seinem Sohn gegeben hatte – dass sie bald wieder zurückkehren würden.
 

„Wir sind schnell wieder hier“, murmelte er, als er sich von seinem Sohn löste und sich einen Moment nahm, um noch einmal in seine Augen zu sehen.
 

Der Kleine nickte, der Trost in den Worten war noch nicht ganz angekommen, aber er wusste, dass seine Eltern immer wieder zurückkamen. Und so verließen sie das Versteck, mit dem Wissen, dass sie für einen Moment zu Hause gewesen waren, bevor der Kampf erneut begann…

Kapitel 140

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Als Taylor und Graham sich schließlich von ihrem Sohn lösten, spürten sie beide die Last der Verantwortung, die auf ihren Schultern lag. Taylor konnte es nicht ertragen, sein Kind in diesem ständigen Zustand der Unsicherheit zu wissen, aber er wusste, dass sie keine andere Wahl hatten. Ihr Leben, das Leben ihres Sohnes, stand ständig auf dem Spiel. Und die Gefahr, dass Braydan, der Alpha, ihn finden könnte, war real – zu real.
 

„Du weißt, warum wir ihn verstecken müssen, oder?“ sagte Graham leise, während sie gemeinsam den Raum verließen und sich auf den Rückweg machten.
 

Taylor nickte, seine Augen fest auf den Weg vor ihnen gerichtet. „Ja, ich weiß. Aber es bricht mir das Herz, ihn so schnell wieder zurückzulassen.“
 

Graham legte eine Hand auf Taylors Schulter, als wollten seine Berührungen ein wenig der Last von ihm nehmen. „Wir haben keine Wahl, Taylor. Du weißt es genauso gut wie ich. Braydan ist ein Alpha, der sich alles nimmt, was er will. Und unser Sohn ist genau das, was er braucht. Wenn er herausfindet, wo er ist...“
 

Taylor schüttelte den Kopf, als würde er den Gedanken vertreiben wollen. „Er kann ihn nicht finden. Wir haben ihn an einem sicheren Ort untergebracht. Und niemand weiß, wo er sich wirklich aufhält.“
 

Doch trotz der beruhigenden Worte, die er an sich selbst richtete, wusste er, dass die Bedrohung immer noch über ihnen schwebte. Ihr Sohn war ein Omega – und das war etwas, das bei einem Alpha wie Graham extrem selten war. Ein Omega in seiner Familie, in einem Haushalt, der von Alphas dominiert wurde, in dem kein anderer Omega existierte, war ein gefährliches Geheimnis.
 

Denn Braydan und andere Alphas wie er würden den Jungen schnell für ihre eigenen finsteren Zwecke beanspruchen. Was Graham nicht wollte – ebenso wenig wie sein Mann.
 

„Und es ist nicht nur unser Sohn, der in Gefahr ist“, fügte Graham hinzu, seine Stimme voll von düsterer Erkenntnis. „Es geht auch um dich, vergiss das nicht.“
 

Taylor nickte erneut. „Ja, wenn Braydan herausfindet, dass unser Sohn ein Omega ist… er würde ihn nicht nur als Trophäe nehmen. Es würde alles verändern. Und dafür müssen wir ihn verstecken, solange es geht.“
 

Der Gedanke an die Gefahr, die ihren Sohn bedrohte, schnürte Taylor die Kehle zu. Sie hatten einen sicheren Ort gefunden, aber in einem Moment könnte alles zerstört sein, wenn der falsche Mensch die Spur aufnehmen würde. Die Jagd nach Omegas war nie beendet. Und Braydan war ein Jäger, der niemals ruhte.
 

Taylor drehte sich noch einmal um, während sie die Tür hinter sich schlossen. Sein Sohn stand im Halbdunkel des Raumes, seine großen Augen voller Hoffnung und Sehnsucht. „Kommst du bald wieder, Mama?“ Seine Stimme war weich, voller kindlicher Unschuld, aber auch von einem leisen Zittern begleitet.
 

Taylor schluckte schwer. Er wollte ihn an sich reißen, ihn in den Arm nehmen und nie wieder loslassen. Doch er zwang sich zu einem Lächeln, so schwach es auch war. „Ja, mein Schatz. Bald.“
 

Der Kleine nickte, als würde er den Worten glauben, doch Taylor wusste, dass sein Sohn spürte, dass „bald“ eine ungewisse Zeit bedeutete. Er wollte nicht gehen. Er wollte nicht diesen Moment verlieren. Doch sie hatten keine andere Wahl.
 

Bevor sie das Haus endgültig verließen, zog der Junge eine kleine Zeichnung unter seinem Kissen hervor und drückte sie Taylor in die Hand. „Damit du mich nicht vergisst.“
 

Taylor nahm die Zeichnung entgegen, seine Finger glitten vorsichtig über die krakeligen Linien, die eine einfache, aber liebevolle Darstellung von ihnen als Familie zeigten. Seine Augen brannten, doch er zwang sich, die Tränen zurückzuhalten. Er musste stark sein – für ihn, für Graham, für ihren Sohn.
 

„Ich werde dich niemals vergessen“, flüsterte er, bevor er sich endgültig umdrehte und mit Graham in die Nacht verschwand.
 

Als sie sich schließlich auf den Rückweg zum Anwesen der Weltregierung machten, in der Dunkelheit, die immer dichter um sie wurde, wussten sie, dass sie ihren Sohn nur dann schützen konnten, wenn sie ihre Rolle mit äußerster Vorsicht und Entschlossenheit spielten.
 

Jeder Augenblick in der Nähe ihres Kindes war ein kostbares Geschenk – doch er war auch ein Moment, der sie verletzlich machte. Und genau das wusste Braydan. Und genau das wussten auch sie.
 

„Er bleibt sicher, Taylor“, sagte Graham noch einmal, als sie sich in die Nacht begaben. „Wir müssen nur weiterhin so wachsam bleiben wie immer. Wenn wir das tun, wird er nicht in die Hände dieser Bestie fallen.“
 

Taylor drückte die Zeichnung fester in seiner Hand. „Ich hoffe, du hast recht“, antwortete er, und in seiner Stimme lag die schwere Wahrheit, die sie beide kannten.
 

Ihre Aufgabe war nicht nur, ihren Sohn zu beschützen, sondern auch das Geheimnis zu bewahren, das sein Leben rettete…

Kapitel 141

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Braydan leckte sich langsam über die Lippen, während er das Glas mit dem dunklen, aromatischen Alkohol auf den massiven Holztisch stellte, dessen polierte Oberfläche das flackernde Licht des Kaminfeuers reflektierte.
 

Sein Blick blieb auf den lodernden Flammen haften, deren ungezähmte Bewegung ein kontrolliertes Chaos aus Hitze und Licht erschuf, das ihn auf seltsame Weise an Darius erinnerte – ungestüm, trotzig und doch bereits dabei, sich in seinem eigenen Feuer zu verzehren.
 

Der Junge war noch nicht gebrochen, sein Stolz hielt ihn noch aufrecht, wie ein geschwächter, aber nicht umgefallener Baum nach einem Sturm.
 

Noch nicht.
 

Aber das würde sich ändern. Früher oder später würde auch er begreifen, dass Widerstand zwecklos war, dass alle Straßen, die er zu gehen versuchte, letztlich nur zu ihm führten.
 

Langsam erhob er sich aus dem schweren Ledersessel, dessen Knarren in der stillen Nacht beinahe unheimlich klang, strich mit einer bedachten Bewegung seine Ärmel glatt und trat an das große Fenster, das den Blick auf das weite Anwesen freigab.
 

Die Nacht lag still und friedlich über dem Gelände, als wäre sie selbst Zeugin dessen, was geschehen würde, und würde diesen Moment in vollkommener Ruhe festhalten.
 

Perfekt.
 

„Bring eine Decke zu ihm“, befahl er schließlich mit ruhiger Stimme, während sein Blick weiterhin auf den Schatten der Nacht ruhte, als wäre dort etwas zu sehen, das ihn mehr interessierte als sein eigener Befehl.
 

Der Soldat, der an der Tür stand, zuckte leicht zusammen, als hätte er sich verhört, und neigte den Kopf leicht zur Seite. „Sir?“
 

Braydan lächelte, doch das Lächeln erreichte nicht seine Augen – es war kühl, berechnend, beinahe amüsiert.
 

„Er soll glauben, dass ich mich um ihn sorge“, erklärte er mit jener geduldigen Ruhe, die er so meisterhaft beherrschte, während sein Blick sich langsam vom Fenster löste und sich auf den Mann vor ihm richtete.
 

Manipulation war eine Kunst, eine delikate Mischung aus Härte und sanfter Nachgiebigkeit, aus Strenge und wohlkalkulierter Fürsorge – genau die Art von psychologischer Falle, in die gebrochene Seelen am leichtesten tappten.
 

Darius würde sich irgendwann an diese Momente klammern, an die kurzen Augenblicke scheinbarer Gnade, an die Täuschung einer sanften Hand in der Dunkelheit, weil verzweifelte Menschen sich an jeden Hoffnungsschimmer klammerten, selbst wenn es nur eine trügerische Lüge war.
 

An das vermeintliche Gute in ihm.
 

„Und wenn er sie ablehnt?“ fragte der Soldat zögerlich, als hätte er bereits geahnt, dass es keine Antwort geben würde, die ihm gefallen könnte.
 

Braydan drehte sich mit einer langsamen, bedächtigen Bewegung zu seinem Untergebenen um, seine Miene war ausdruckslos, doch in seinen Augen lag eine Eiseskälte, die jeglichen Widerstand erstickte.
 

„Dann wirst du sie ihm trotzdem geben“, stellte er mit der Gewissheit eines Mannes klar, der wusste, dass sein Wort Gesetz war und dass jeder Widerstand nur eine weitere Lektion nach sich ziehen würde.
 

Der Soldat hielt seinem Blick nicht lange stand, nickte rasch und verließ wortlos den Raum, als wüsste er, dass es keine Diskussion geben würde.
 

Braydan ließ sich Zeit, bevor er ihm folgte, genoss für einen Moment die Stille, die nur vom Knistern der Flammen und dem sanften Klirren des Eises in seinem Glas durchbrochen wurde. Seine Schritte hallten leise auf dem glatten Marmorboden, als er sich dem langen Flur näherte, der zu dem kleinen, kahlen Raum führte, in dem Darius untergebracht war.
 

Er blieb kurz vor der Tür stehen, lauschte in die Stille hinein, suchte nach einem Geräusch, einem Beweis, dass Darius noch kämpfte.
 

Nichts.
 

Doch als er die Tür mit einer langsamen, bedächtigen Bewegung öffnete, hörte er das leise, unruhige Atmen des Jungen – ein unsicherer, flacher Atem, der ihm mehr verriet, als jedes Wort es je könnte.
 

Darius kauerte auf der schmalen Matratze, sein Körper schien unter einer unsichtbaren Last zu zittern – sei es vor Kälte, Erschöpfung oder der allgegenwärtigen Angst, die selbst die Stärksten irgendwann lähmte.
 

Braydan trat näher, ließ sich einen Moment Zeit, um das Bild vor sich zu genießen, bevor er sich leicht vorbeugte.
 

„Du isst nicht“, stellte er mit ruhiger Stimme fest, während er seinen Blick über den abgemagerten Körper des Jungen gleiten ließ, der sich noch immer so stur weigerte, nachzugeben.
 

Darius reagierte nicht, doch das war keine Überraschung.
 

Braydan schüttelte amüsiert den Kopf, als wäre Darius’ Widerstand nicht mehr als eine kindische Trotzreaktion, die ihn nicht im Geringsten beeindruckte.
 

„Du wirst es tun“, verkündete er mit jener unerschütterlichen Sicherheit, die keinen Zweifel daran ließ, dass er es nicht nur wusste – sondern dass es bereits beschlossene Sache war.
 

Langsam ließ er sich auf die Bettkante sinken, beobachtete genau, wie sich Darius’ Körper unmerklich versteifte, als hätte allein seine bloße Nähe ausgereicht, um ihn in eine tiefere Anspannung zu treiben.
 

„Du glaubst, dass du mich so besiegen kannst? Indem du dich weigerst zu essen?“ fragte er mit gespieltem Interesse, während er seinen Blick nicht von ihm nahm, jede kleinste Reaktion registrierte.
 

Wieder keine Antwort.
 

Braydan neigte den Kopf zur Seite, als würde ihn Darius’ Sturheit belustigen.
 

„Ich kann warten, Darius“, flüsterte er mit jener leisen, fast sanften Stimme, die mehr Druck ausübte als jede Drohung.
 

„Du wirst irgendwann kommen. Du wirst darum bitten.“
 

Darius drehte den Kopf langsam zur Seite, als könnte er ihn mit dieser Bewegung ausblenden, als könnte er verhindern, dass seine Worte in seinen Kopf sickerten, doch Braydan sah, wie seine Finger sich in das dünne, raue Laken krallten.
 

Er konnte sein Gesicht nicht sehen, aber er wusste, was in ihm vorging – es war immer das Gleiche.
 

Der letzte Versuch, sich selbst treu zu bleiben, der verzweifelte Kampf eines Geistes, der sich noch nicht mit der unausweichlichen Niederlage abgefunden hatte.
 

Braydan lehnte sich näher, seine Stimme wurde noch leiser, dunkler, eindringlicher.
 

„Es gibt keinen Ausweg“, hauchte er mit der Gewissheit eines Mannes, der bereits gewonnen hatte. „Nur mich.“
 

Dann erhob er sich mit der Ruhe eines Jägers, der wusste, dass sein Opfer irgendwann von selbst in die Falle tappen würde, und ließ die Tür hinter sich ins Schloss fallen.
 

Er wusste, dass die Dunkelheit den Rest erledigen würde.
 

Doch er hatte es nicht eilig…

Kapitel 142

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Braydan wollte Darius nicht nur brechen – er wollte ihn formen, Stück für Stück auseinandernehmen und in etwas Neues verwandeln. Sein Eigentum. Seine Marionette.
 

Die Minuten dehnten sich wie Stunden, während Braydan seine Bewegungen genau abwog, seine Gedanken genau überlegte. Jedes Wort, jeder Blick war ein weiterer Pinselstrich in einem Bild, das er mit kalter Präzision malte.
 

Als er schließlich zurückkehrte, fand er Darius genauso vor, wie er ihn verlassen hatte – zusammengerollt auf der Matratze, die Schultern angespannt, den Kopf abgewandt, als könne er ihn einfach aus seiner Realität verbannen.
 

Braydan spürte die Freude in sich aufsteigen. Der Junge kämpfte, doch er wusste, dass er bald die Kontrolle übernehmen würde. Darius konnte sich nicht ewig so verstecken.
 

Ein schwaches Lächeln huschte über Braydans Lippen.
 

„Du kannst dich nicht ewig verstecken, Kleiner.“ Seine Stimme war ruhig, fast sanft, aber der Unterton war unmissverständlich. Er wusste, dass er langsam das Spiel gewann.
 

Darius reagierte nicht.
 

Es war fast so, als würde er in eine andere Welt flüchten, als wäre Braydan nicht mehr als ein flimmerndes Bild in seiner Wahrnehmung. Doch Braydan wusste, dass das nur eine Fassade war. Er trat näher, seine Schritte laut und bedrohlich in der Stille des Raumes.
 

Mit einer langsamen, bedachten Bewegung hob er die Decke vom Boden auf, als wäre sie ein wertvoller Besitz, und ließ sich direkt neben Darius nieder. Die Nähe, das Bedrängen, all das war Teil des Spiels.
 

„Hast du Angst vor mir?“ Darius‘ Körper zuckte kaum merklich, aber Braydan war ein erfahrener Beobachter. Er sah die feinen Zeichen des Widerstands, die Anspannung, die sich in Darius’ Muskeln aufbaute.
 

Doch es war auch ein kleiner Funken, den Braydan deutlich spürte – eine Unsicherheit, die sich nicht vollständig verbergen ließ.
 

Braydan beugte sich weiter vor, senkte die Stimme zu einem sanften, fast besorgten Tonfall, der nur als Täuschung diente.
 

„Ich tue das für dich.“ Seine Hand fand Darius‘ Kinn, übte kaum Druck aus, zwang ihn jedoch, ihm ins Gesicht zu sehen. Die Augen des Jungen funkelten vor Hass – doch dahinter lag etwas anderes.
 

Etwas, das Braydan viel mehr interessierte. Erschöpfung. Unsicherheit.
 

Braydan lächelte, ein kaltes, zufriedenstellendes Lächeln, das all das verstand, was Darius noch nicht begreifen konnte. „Du bist müde, nicht wahr?“
 

Darius‘ Lippen blieben fest aufeinandergepresst, doch sein Körper verriet ihn. Braydan konnte das schnelle Heben und Senken seiner Brust sehen, das Zucken der Schultern, das Aufbäumen gegen die Erschöpfung, die er nicht mehr leugnen konnte.
 

„Gib auf, Darius.“ Braydan strich ihm langsam eine Haarsträhne aus der Stirn, als wäre er sanftmütig. Doch jeder seiner Bewegungen war durchzogen von Berechnung, jede Geste ein Teil seines Plans. „Es wird einfacher, wenn du es tust.“
 

Darius‘ Brust hob und senkte sich schneller. Braydan beobachtete ihn genau, ließ keinen Moment ungenutzt. Der Junge war kurz davor zu brechen. Der Widerstand war zu groß geworden, und er wusste, dass es nicht mehr lange dauern würde.
 

„Ich kann der Einzige sein, der dich hält.“ Er ließ seine Finger über Darius’ Wange gleiten, spürte das leichte Anhalten seines Atems. Er wusste, dass er ihn hatte.
 

Perfekt.
 

„Alles, was du tun musst …“ Seine Stimme wurde kaum hörbar, ein Hauch, der nur Darius erreichen sollte. „… ist mich wählen.“
 

Er wartete. Der Raum war still, nur das leichte Rauschen des Atems zwischen ihnen war zu hören. Braydan wusste, dass der Moment jetzt kam, der Moment, in dem Darius entscheiden würde.
 

Und dann, ganz langsam, ließ Darius die Schultern sinken.
 

Es war nur eine Kleinigkeit, ein winziger Moment des Nachgebens. Aber Braydan sah es. Und er wusste: Es war der erste Schritt... und der Anfang von allem, was noch kommen würde…

Kapitel 143

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Braydan konnte nicht widerstehen. Der kleine Moment des Nachgebens, dieses leise Zittern in Darius’ Schultern – es war wie ein süßer Triumph, ein Hinweis darauf, dass er begonnen hatte, den Jungen zu brechen.
 

Diese flüchtige Regung, dieser Hauch von Unsicherheit, der sich so mühelos in Darius’ Körper einschlich, war für Braydan ein unbestreitbares Zeichen der Kontrolle, die er langsam, aber sicher gewann.
 

Er ließ seine Finger über Darius’ Wange gleiten, die Berührung fast sanft, als würde er den Jungen streicheln – doch dann, wie ein Blitz, packte er ihn plötzlich und zog ihn zu sich. Die Bewegung war abrupt, fast wie eine Strafe, und in diesem Moment trafen sich ihre Lippen, fordernd und besitzergreifend. Die Intensität, die in diesem Kuss lag, war beinahe greifbar.
 

Es war nicht nur ein Kuss – es war ein Anspruch, eine Erklärung.
 

Darius‘ ganzer Körper versteifte sich, die Muskeln zogen sich zusammen, als versuchte er, sich diesem Moment zu entziehen, als wäre jeder Instinkt in ihm darauf programmiert, gegen diese Zuneigung zu kämpfen. Doch Braydan hielt ihn fest, genoss den Moment, in dem der Junge verzweifelt gegen ihn ankämpfte – und dann, ganz langsam, wie ein brüchiges Mauerstück, nachgab.
 

Er schmeckte seinen Widerstand, das Salz der Angst, das sich auf Darius' Lippen sammelte. Es war köstlich, wie der Junge in seiner Umklammerung zu zittern begann, die unbewusste Akzeptanz, dass er diesem Moment nicht entkommen konnte, ein weiteres Zeichen für Braydan.
 

Seine Hand wanderte in Darius’ Nacken, zog ihn noch näher heran, als wäre er nicht mehr nur ein Mensch, sondern ein Objekt, ein Besitz, das er verfeinern konnte, wie er es wollte.
 

„Du gehörst mir“, murmelte er gegen seine Lippen, seine Worte wie ein unaufhaltsames Urteil, während er dem Jungen kaum Luft zum Atmen ließ, ihn in seiner Umklammerung festzuhalten.
 

Er spürte, wie Darius‘ Hände sich gegen seine Brust drückten – schwach, verzweifelt – als wollte er sich befreien. Doch die Kraft war nicht genug. Es war nutzlos. Braydan grinste widerlich gegen seinen Mund, spürte den verzweifelten Widerstand, der sich in Darius’ Körper aufbaute, doch wusste, dass es keinen Ausweg gab.
 

„Kämpf ruhig“, raunte er, als sei es eine süße Herausforderung, die er von dem Jungen forderte.
 

„Es macht es nur spannender.“ Es war ein Spiel, ein Versteckspiel mit den Emotionen des anderen, und Braydan liebte jedes einzelne Moment davon.
 

Er ließ seine Finger an Darius’ Rücken hinabwandern, folgte den Zitterbewegungen des Körpers, der sich in seiner Nähe aufbäumte, und spürte, wie der Junge unter seinen Berührungen zu zittern begann, als hätte er keine Kontrolle mehr über das, was er fühlte.
 

„Ich werde dich mir formen, genauso, wie ich es will“, sagte Braydan, als würde er ein Kunstwerk schaffen, als wäre Darius nicht mehr als eine leere Leinwand. Die Worte, kalt und vernichtend, waren ein Versprechen.
 

Seine Lippen fanden Darius’ Hals, und ohne Zögern biss er leicht zu, fühlte das leise Keuchen, das sich nicht unterdrücken ließ, aus dem Jungen entweichen. Es war das Geräusch eines Gezüchteten, das den Beginn seiner Entfaltung markierte.
 

„Und du wirst es lieben lernen“, fügte er hinzu, als würde es nur eine Frage der Zeit sein, bis der Widerstand vollständig zusammenbrach. Braydan wusste es.
 

Denn irgendwann würden Darius‘ Widerstand und sein Stolz brechen. Es war unvermeidlich, ein Moment, der wie der erste Riss in einem Dammbau war, der bald vollständig zum Einsturz gebracht werden würde.
 

Und dann würde er nur noch ihm gehören. Der Gedanke ließ Braydan den Atem anhalten – die Vorstellung, der alleinige Herr über Darius zu werden, war wie ein Sog, der ihn tiefer und tiefer in die Dunkelheit zog.
 

Braydan ließ seine Lippen weiter über Darius’ Haut gleiten, spürte die Wärme unter seinen Fingern, das leise Beben seines Körpers, das von Nervosität und Angst durchzogen war. Es war ein Rausch – das Spiel zwischen Kontrolle und Widerstand, der ständige Fluss von Macht und Unterwerfung, der beide verband.
 

Darius’ Atem ging stoßweise, schnell und unregelmäßig, während sein Körper immer wieder erstarrte, als würde er sich gegen das Unvermeidliche stemmen. Doch Braydan wusste, dass es nur eine Frage der Zeit war.
 

Die Zeit war auf seiner Seite.
 

Er packte Darius‘ Kinn, zwang ihn, ihn anzusehen. Die Augen des Jungen waren weit aufgerissen, der Blick brennend vor Hass, und in dem stillen Zorn lag eine Leidenschaft, die Braydan nur noch mehr anspornte.
 

„Sieh mich an“, forderte er, als wäre es ein Befehl, ein Muss.
 

Darius‘ Blick war voller Hass, voller stiller Rebellion – und genau das trieb Braydan an, brachte das Feuer in ihm zum Lodern. Die Rebellion, die Wut, die sich gegen ihn stemmte, war wie ein rotes Tuch vor einem wütenden Stier.
 

Er grinste.
 

„Oh, wie ich dieses Feuer liebe.“ Es war ein Spiel, ein Wettlauf mit der Zeit, und jeder Funke von Darius’ Wut entfachte in Braydan ein noch größeres Verlangen.
 

Seine Lippen trafen erneut auf die des Jungen, diesmal fordernder, dominanter, als er sich nahm, was ihm gehörte. Keine Gnade, keine Rücksicht – nur er und das, was er von Darius forderte. Darius hatte keine Wahl mehr, außer die Berührung zu ertragen.
 

Als sich Darius unter ihm Wand, drückte Braydan ihn nur fester auf die Matratze, als sei es der letzte Widerstand, der gebrochen werden musste.
 

„Weißt du, was ich an dir am meisten liebe?“ Seine Stimme war samtig weich, beinahe liebevoll, als er die Nähe des Jungen suchte. Doch in der Zärtlichkeit lag eine solche Bosheit, dass es fast schmerzhaft war.
 

Er ließ seine Finger über Darius’ Hals gleiten, spürte den schnellen Puls unter der Haut, der sich wild durch den Körper des Jungen zog. Der Rhythmus war fast betäubend, so wie der Kampf, der in Darius’ Brust tobte.
 

Jeder Schlag des Herzens schien ihm zu sagen, dass er noch einen Funken Freiheit hatte – und dennoch war es die Kontrolle, die Braydan genoss.
 

„Dass du glaubst, du könntest mir entkommen.“ Braydan flüsterte es mit einem verächtlichen Lächeln, als wäre es ein Witz.
 

Er lachte leise, während er sich über den Jungen beugte, seine Nähe erdrückend, seine Präsenz allumfassend. Er war das, was Darius nie loswerden konnte.
 

„Aber du gehörst mir.“

Braydan biss erneut in seinen Hals, dieses Mal fester, besitzergreifender, als wolle er ein Stück von Darius’ Seele in sich aufnehmen.
 

Er würde jeden Funken Widerstand aus Darius herauspressen. Stück für Stück, bis Darius sich nicht mehr wehren konnte, bis seine Stärke nicht mehr als Erinnerung war, die längst verblasste.
 

Bis nichts mehr von ihm übrig war – außer dem, was Braydan wollte

Kapitel 144

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Braydan ließ seine Augen noch einen Moment auf Darius’ Rücken ruhen, der sich langsam und erschöpft nach vorne neigte, während er versuchte, die Kontrolle wiederzugewinnen. Der feine Schweiß, der sich auf seiner Haut gesammelt hatte, glänzte im schwachen Licht des Raumes, und die Linie seines Rückens, die sich unter der Anspannung verdrehte, ließ Braydan in sich hineinlächeln.
 

Es war ein schönes Bild. Ein Junge, der sich gegen das Unvermeidliche stemmte, aber trotzdem immer wieder unterlag. Jeder Versuch, sich zu sammeln, nur ein weiteres Zeichen seiner Niederlage. Braydan wusste, dass er der Einzige war, der hier das Spiel bestimmte.
 

Er lehnte sich schließlich zurück, streckte die Arme aus und zog sich in einem fließenden, fast gelangweilten Zug das Hemd über den Kopf. Dabei beobachtete er weiterhin Darius, dessen Körper in kleinen Zuckungen zu kämpfen schien. Die Dominanz, die Braydan ihm aufgezwungen hatte, ließ sich nicht so leicht abstreifen.
 

Darius‘ Blick war ein stummer Widerstand, der sich noch immer gegen das Unausweichliche wehrte.
 

„Glaub nicht, du könntest fliehen“, murmelte Braydan fast gelangweilt zu sich selbst, als er das Hemd zuknöpfte und dabei einen Blick auf Darius warf, der sich mit verzerrtem Gesicht in der Matratze vergrub. Braydan wusste, dass er nichts anderes zu erwarten hatte – dieser Widerstand war nichts weiter als der letzte, verzweifelte Versuch eines Gebrochenen, der nie wieder entkommen konnte.
 

Ohne eine weitere Regung richtete Braydan sich auf, ging langsam zu dem Schreibtisch, der am gegenüberliegenden Ende des Zimmers stand, nachdem er Darius in sein Zimmer verfrachtet hatte. Hier hatte er viel mehr Spielzeug und Fesseln bei sich als in der Zelle, in der Darius vorher gefangen gehalten worden war.
 

Die Geräusche seiner Schritte hallten leise in der Stille nach, während er sich dort umdrehte, ein zufriedenes Grinsen auf den Lippen, dass die Luft noch schwerer machte.
 

Er konnte den Blick aus den Augenwinkeln spüren – Darius‘ stumme Rebellion, das Warten auf das, was als Nächstes kommen würde. Doch für Braydan war das alles ein Spiel, in dem er längst die Oberhand hatte. Der Kampf war entschieden, aber Darius musste es noch verstehen.
 

Braydan ließ die Blicke, die er Darius zuwarf, nur einen Moment länger hängen, dann drehte er sich endgültig zum Schreibtisch. Er streckte seine Hand aus und griff nach einem Dokument, das er mit einer präzisen Bewegung aus der Mitte des Stapels zog.
 

Die Stille im Raum war fast greifbar, nur unterbrochen vom leisen Rascheln des Papiers und dem schnellen Atem von Darius, der sich unter der Last der Situation immer noch abmühte. Es war fast niedlich, wie er versuchte, die Fassade zu wahren.
 

„Du bist wirklich ein widerspenstiger Junge, nicht wahr?“, sagte Braydan mit einer tiefen, fast beruhigenden Stimme, als er sich auf den Schreibtisch lehnte und mit den Fingern die Ecken des Papiers leicht abtastete. Seine Augen glitten wieder zu Darius, der immer noch mit dem Rücken zu ihm lag. Die Versuche, sich zu entspannen, schienen vergeblich, aber Braydan wusste, dass er die Kontrolle hatte – es war nur eine Frage der Zeit, bis Darius auch das verstand.
 

„Weißt du“, fuhr Braydan fort, ohne eine Antwort zu erwarten, „es ist das Einzige, was mich an dir interessiert. Dieser Kampf in dir. Du kannst dich wehren, aber ich weiß, dass du weißt, dass du es nicht gewinnst.“
 

Er ließ das Dokument auf dem Tisch liegen und ging langsam zurück zu Darius, seine Schritte jetzt langsamer, fast wie in Erwartung, dass der Moment, der nun kommen würde, die Spannung weiter steigern würde. Die Luft schien sich zu verdicken, je näher er Darius kam, und jedes seiner Schritte schien die Bedeutung des Moments weiter zu verstärken.
 

„Du wirst mir niemals entkommen, Darius“, sagte er leise, als er sich wieder hinter ihm positionierte, die Luft zwischen ihnen dick und geladen. Braydan beugte sich ein Stück weiter vor, seine Hand auf Darius’ Schulter legend, um ihn noch mehr in den Moment hineinzuziehen. Der Druck war erdrückend, und Darius konnte nicht entkommen.
 

Nicht heute. Nicht jemals.
 

Es war das Spiel, das immer weiter ging – das Spiel zwischen Kontrolle und Widerstand, das Darius zwar versuchte, zu durchbrechen, aber nie ganz gewinnen würde. Braydan würde ihn immer brechen, Stück für Stück, bis es nichts mehr gab, was er noch entziehen konnte…

Kapitel 145

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Der Alpha hatte es genossen, den Jungen in diese Position zu bringen – hatte sich immer mehr in den Gedanken verloren, wie viel er für dieses Ziel getan hatte.
 

Darius‘ Körper zu brechen, ihm die Wahl zu nehmen, all das hatte Braydan erregt. Es war ein Spiel – ein Spiel, das nun seinen Höhepunkt erreicht hatte. Doch was er Darius nun sagte, hatte eine andere Schärfe, eine unterschwellige Drohung.
 

„Du verstehst nicht, was ich alles für dich getan habe“, murmelte Braydan, seine Stimme hart und durchdringend. „Ich habe alles geopfert, nur um dich zu bekommen. Ich habe dich schon beobachtet, als du noch ein Kind warst, und es war klar, dass du immer in meine Obhut gehörst.“
 

Darius‘ Magen zog sich zusammen, sein Herz schlug schmerzhaft gegen seine Rippen. Er fühlte sich, als würde die Luft aus dem Raum gesogen, als würde er in ein schwarzes Loch stürzen, aus dem es kein Entkommen gab.
 

Schon als Kind? Seit wann? Seit wann hatte dieser Mann ihn als sein Eigentum betrachtet?
 

Erinnerungen flackerten auf – Momente, in denen er sich beobachtet gefühlt hatte, ein kaltes Kribbeln im Nacken, das er damals als Einbildung abgetan hatte. War es das gewesen? War Braydan die ganze Zeit über da gewesen? Immer in den Schatten, sich unsichtbar gemacht, doch immer anwesend? Und er hatte es nie bemerkt. Die Erinnerung, wie sein Rücken von einem scharfen Blick gepeinigt wurde, dämmerte ihm jetzt wie ein grausamer Traum.
 

Braydan trat einen Schritt näher, um Darius die Ernsthaftigkeit seiner Worte näherzubringen, spürte die Luft zwischen ihnen immer dicker werden.
 

Darius konnte das Geräusch seiner eigenen Atemzüge nicht mehr ignorieren, den Hauch von Panik, der in seinem Hals wie eine unsichtbare Hand schnürte. Der Raum war so dicht, als würde jeder Moment das einzige sein, der alles entscheiden würde. Und doch konnte er sich nicht bewegen. Der Alpha, seine Nähe, machte den Raum zu einem Käfig.
 

Die Stille im Raum wurde nur von Darius’ flachen Atemzügen unterbrochen, die unregelmäßig waren – als würde sein Körper selbst gegen die Situation ankämpfen, in die er gezwungen worden war. Seine Finger krallten sich unbewusst in die Matratze, suchten nach Halt, doch alles, was er fühlte, war die drückende Präsenz des Alphas hinter ihm.
 

Ein kalter Schauer lief über seinen Rücken, als er die Bedeutung von Braydans Worten wirklich erfasste. Die Dringlichkeit, die Kontrolle zu verlieren, war alles andere als beruhigend.
 

Darius’ Augen verengten sich, als er die Schwere seiner Worte zu begreifen versuchte. Hass flackerte in seinen Augen auf, doch seine Lippen blieben stumm – er konnte nichts sagen, nichts tun, das diesen Moment verändern würde.
 

Braydan bemerkte die Reaktion und grinste, ein grausames Lächeln, das die Dunkelheit des Raumes noch verstärkte.
 

„Du hast nie eine Wahl gehabt“, fuhr Braydan fort, seine Hand auf Darius’ Schulter legend. „Ich habe dich so gut wie schon immer für mich bestimmt, und nichts, was du tust, wird das, ändern. Und selbst wenn du jetzt versuchst, dich zu wehren, du bist schon in meinen Fängen.“
 

Sein Griff verstärkte sich kurz, nicht genug, um Schmerz zu verursachen, aber um eine klare Botschaft zu senden.
 

Darius’ Körper zuckte unter seiner Berührung, ein instinktives Zurückweichen, doch es gab keinen Platz, keinen Raum, um ihm zu entkommen. Alles, was Braydan sagte, hatte einen bitteren Kern – ein klarer Hinweis auf all die Wege, auf denen der Alpha manipuliert und kontrolliert hatte.
 

Darius wusste, dass er hier, in diesem Moment, nichts anderes tun konnte, als zu überleben. Doch die Vorstellung, dass er sich diesem Albtraum völlig ergeben musste, zerriss ihn innerlich.
 

„Ich habe dich beobachtet, dich beschützt, dich vor anderen bewahrt, die dich nicht zu schätzen wussten“, fuhr Braydan fort, sein Tonfall fast sanft, als würde er wirklich glauben, dass seine Besessenheit Fürsorge war. „Und sieh, wo du jetzt bist. Genau da, wo du hingehörst.“
 

Darius’ Brust hob und senkte sich unregelmäßig. Seine Gedanken rasten.
 

Es gab keinen Ausweg.
 

War es das, was Braydan wollte? Dass er endlich aufhörte zu kämpfen? Dass er sich in sein Schicksal ergab?
 

Es war, als würde sich der Boden unter seinen Füßen immer weiter aufreißen, und er konnte nur zusehen, wie Braydan sein Schicksal weiter in seinen Händen hielt.
 

„Du bist mein“, Braydan sagte es fast wie eine Bestätigung, nicht nur für sich selbst, sondern für Darius. „Und du wirst es immer sein, ganz gleich, wie oft du es versuchst, zu leugnen.“
 

Darius’ Brust hob und senkte sich in schnellen Atemzügen. Die Worte schmerzten, doch sie waren die Wahrheit, die er nicht länger ignorieren konnte. „Du hast nie wirklich darüber nachgedacht, was du mir antust, oder?“, flüsterte er schließlich, seine Stimme ein kaum hörbares Zittern. „Was du von mir verlangst…“ Seine Worte wurden von der hilflosen Wut in ihm erstickt.
 

Seine Finger verkrampften sich in der Matratze, sein Körper bebte. Die Wut kochte in ihm hoch, verdrängte für einen Moment die lähmende Angst. Es war eine Art Zorn, den er lange nicht gespürt hatte – heiß, verzweifelt, widerständig. Seine Faust ballte sich unbewusst, ein stummer Protest, ein letzter Funke von Trotz.
 

Braydan bemerkte es sofort.
 

Das Grinsen auf seinen Lippen wurde schmaler, härter. Seine Hand glitt von Darius’ Schulter zu seinem Nacken, übte gerade genug Druck aus, um die Kontrolle zu demonstrieren.
 

„Du wirst bald begreifen, dass alles, was ich tue, zu deinem Besten ist“, flüsterte er, seine Lippen fast an Darius’ Ohr. Seine Stimme war ein dunkles Versprechen, eine unausweichliche Realität. „Du wirst mir gehören. Ganz und gar. Und es gibt keinen Weg mehr zurück.“
 

Darius biss die Zähne zusammen, sein Körper spannte sich an. Die Kälte in seiner Brust breitete sich weiter aus, raubte ihm den Atem, als er versuchte, gegen die Wellen der Ohnmacht und Verzweiflung anzukämpfen. Doch tief in ihm wusste er, dass er keine Chance hatte, diesem Alpha zu entkommen.
 

Und genau das war es, was ihn innerlich zerfraß…

Kapitel 146

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Braydan ließ sich einen Moment Zeit, als er Darius’ stumme Reaktion betrachtete. Das war der Augenblick, in dem er nicht nur seine Macht auf die physische, sondern auch auf die geistige Ebene des Jungen ausdehnen wollte.
 

Er konnte es kaum erwarten, dass Darius alles verstand – alles, was er getan hatte, um dorthin zu kommen. Braydan trat noch einen Schritt näher, sein Blick bohrend und kalt.
 

„Du hast keine Ahnung, wie weit ich gegangen bin, um dich zu bekommen“, begann Braydan, seine Stimme leise, doch die Worte scharf und klar. „Du denkst, du bist einfach so in meine Hände gefallen, aber ich habe die Fäden gezogen, lange bevor du überhaupt eine Wahl hattest. Deine Mutter… er war alles, was ich wollte. Und weil ich ihn nicht bekommen konnte, habe ich alles getan, um ihn zu ersetzen.“
 

Braydan lachte leise, fast schon bitter. „Du warst mein Ziel, Darius. Du warst immer mein Ziel.“
 

Darius’ Gesicht verhärtete sich, als er die Bedeutung dieser Worte verstand. Ein Kälteschauer lief ihm über den Rücken, seine Hände zitterten, als er versuchte, sich zu wehren, doch die Kontrolle, die Braydan über ihn hatte, schien allumfassend.
 

Der Raum um ihn herum wurde enger, der Klang seiner eigenen Gedanken wurde immer leiser, übertönt von Braydans bedrohlicher Präsenz. Darius’ Versuch, sich zu wehren, scheiterte an der Überwältigung durch den Alpha.
 

War es das, was er wollte? War er immer schon der Preis in Braydans Spiel gewesen?
 

„Du hast nie einen Funken Mitgefühl gehabt, oder?“, flüsterte Darius, der versuchte, sich mit den wenigen Worten, die ihm blieben, zu wehren.
 

Braydan grinste, als er die Frage hörte, doch der Ausdruck in seinen Augen war finster. „Mitgefühl? Ich habe mit allen Mitteln dafür gesorgt, dass du zu mir kommst. Du bist mir nicht nur durch diese Hitze in die Hände gefallen, Darius. Du gehörst mir, weil ich all das gemacht habe. All die Toten… Das war alles Teil des Spiels. Deine Mutter war das Erste, und jeder Schritt danach war nur ein weiteres Stück meines Plans.“
 

Darius’ Augen weiteten sich, als er die Bedeutung dieser Worte begreifen konnte. Die Worte von Braydan trafen ihn wie Schläge. Er hatte das alles geplant? „Du… hast all das… gemacht, um mich zu bekommen?“ Es war kaum ein Flüstern, doch es war eine Mischung aus Entsetzen und Zorn. „Und jetzt... jetzt dreht sich alles nur um mich?“
 

„Ja“, bestätigte Braydan kühl. „Ich sorgte dafür, dass deine Mutter starb, weil er sich weigerte, mir zu gehören. Und ich wusste, dass du für mich bestimmt bist. Ich habe alles getan, um dich zu kontrollieren. Du, Darius. Du hast keine Ahnung, wie viel Blut an meinen Händen klebt, weil du mir damals nicht gehört hast. Aber das ist jetzt vorbei. Du wirst mir gehören. Du bist mein, und du kannst nicht entkommen.“
 

Darius’ Gedanken schienen in tausend Richtungen zu fliehen, doch er konnte keinen Ausweg finden. Seine Welt zerbrach vor seinen Augen, jede Vorstellung von Sicherheit und Kontrolle wurde von Braydans Worten aufgelöst. Es war ein furchtbares Gefühl – als ob er in einem Netz gefangen, war, aus dem es kein Entkommen gab.
 

Braydan beugte sich noch weiter zu ihm, seine Stimme leise und bedrohlich. „Und Aiden… du weißt nicht, wie weit ich bereit bin zu gehen. Aber er gehört mir genauso wie du. Selbst wenn der Junge es noch nicht weiß, wird er bald verstehen, dass er nur ein weiteres Stück in meinem Spiel ist. Denn wenn ich zwei zum Preis für einen bekomme, umso besser.“
 

Darius’ Herz schlug schneller, ein Gefühl der Ohnmacht überkam ihn. Aiden? Auch Aiden? Der Gedanke, dass Braydan auch Aiden in seine Hände bekommen wollte, war zu viel. „Du bist verrückt“, stieß er hervor, „du bist wahnsinnig, wenn du denkst, du kannst uns so einfach kontrollieren.“
 

Braydan lachte leise und stellte sich vor Darius, sodass er ihn direkt ansehen musste. „Ich kann alles kontrollieren. Ich habe die Macht, und du wirst sehen, dass du keine Wahl hast. Du wirst dich mir fügen, und Aiden wird sich genauso fügen müssen. Denn ich bin derjenige, der hier das Sagen hat.“
 

Mit einem letzten Blick, der Darius in den Grundfesten erschüttern sollte, zog Braydan sich zurück. „Du hast alles zu mir gebracht, Darius. Und jetzt wirst du mir gehören, für immer…“

Kapitel 147

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Darius‘ Brust zog sich schmerzhaft zusammen, als er die vollen Ausmaße von Braydans Manipulation und Wahnsinn begriff. Das, was er bis jetzt nur geahnt hatte, trat nun klar vor ihm – die ganzen Lügen, Intrigen und das Blutvergießen, das Braydan in seinem Streben nach Macht und Kontrolle angerichtet hatte. Darius fühlte sich, als würde er in einem Albtraum gefangen sein, aus dem es kein Entkommen gab.
 

Braydan hatte ihm nie die Wahl gelassen. Er war wie ein Schatten, der sich immer wieder in Darius‘ Leben schlich, ihn beobachtete und ihn zu diesem Punkt geführt hatte – zu diesem Moment, in dem er sich mit einer unfassbaren Kälte konfrontiert sah. „Du bist nichts anderes als ein Werkzeug für dich, Braydan“, flüsterte Darius, seine Stimme zitterte, doch der Hass und die Verzweiflung, die sich darin mischten, war unverkennbar. „Du bist nichts anderes als ein Monster, das glaubt, es könnte Menschen nach seinen eigenen Regeln formen.“
 

Braydan blickte ihn mit einem fast spöttischen Grinsen an. „Und du, Darius, wirst lernen, was es bedeutet, wirklich zu gehorchen. Du wirst sehen, dass du nichts weiter als ein Werkzeug bist, ein Spielzeug, das ich nach Belieben benutzen kann. Du wirst dich mir beugen, ob du es willst oder nicht.“
 

Darius spürte eine Welle der Wut in sich aufsteigen, doch sie wurde sofort von einer erschreckenden Ohnmacht überschattet. Was konnte er tun? Was konnte er gegen diesen Mann tun, der so viele Fäden zog und so viele Leben auf dem Gewissen hatte? Braydan war nicht nur ein Gegner, er war eine Macht, die alles, was ihr in den Weg kam, zerstörte.
 

„Ich werde mich nicht beugen“, sagte Darius, und obwohl seine Stimme schwach war, war darin ein ungebrochener Wille. „Du kannst mir so viel antun, wie du willst, aber du wirst nie meinen Geist brechen. Und du wirst nicht gewinnen. Du wirst nie gewinnen.“
 

Braydan starrte ihn für einen langen Moment an, als würde er die Herausforderung in Darius’ Augen abwägen. „Oh, aber Darius, du verstehst noch nicht, was es bedeutet, wenn man keine Wahl hat. Du wirst es verstehen. Du hast keine Macht, keine Kontrolle, und du wirst dich irgendwann fragen, warum du dir all diesen Widerstand aufgebürdet hast.“
 

Er trat einen Schritt zurück, die Hand an seinem Kinn, und schloss die Augen, als ob er seine eigenen Gedanken ordnen wollte. „Aber weißt du was, Darius? Das ist der Punkt. Du hast nie die Wahl gehabt. Ich habe alles dafür getan, dich hierher zu bekommen. Und jetzt wirst du der Beweis dafür sein, wie leicht es ist, jemanden zu brechen, der denkt, er hätte noch einen Funken Freiheit.“
 

Darius ballte die Fäuste, seine Zähne knirschten, als er versuchte, das Gefühl der Hilflosigkeit abzuschütteln. „Ich werde dich irgendwann stoppen“, sagte er fest. „Egal, was du tust. Ich werde einen Weg finden, dich zu zerstören.“
 

Braydan lachte, ein kaltes, bösartiges Lachen. „Du bist so naiv, Darius. Du bist nicht der Erste, der versucht hat, mich zu besiegen. Und sie alle sind gescheitert. Auch du wirst scheitern. Am Ende wirst du mir gehören, und du wirst es lieben.“
 

Die Worte hallten in Darius’ Kopf wider, während der Alpha ihn weiterhin ansah. „Du kannst dich wehren, so viel du willst, aber du wirst bald verstehen, dass es keinen Ausweg gibt. Du bist schon verloren.“
 

Darius atmete tief ein, versuchte, den Knoten in seiner Brust zu lösen, und fühlte dabei den brennenden Schmerz, der von seinen inneren Ängsten herrührte. Die Worte von Braydan hallten in ihm nach, und ein Teil von ihm fühlte sich gefangen, doch der andere, der ungebrochene Teil, kämpfte weiter – mit allem, was er noch hatte.
 

Er hatte die Kontrolle über seine eigene Zukunft nicht, aber er hatte Kontrolle über sich selbst. Der Schmerz, die Angst, der Hass – all das brannte in ihm, aber er ließ sich nicht von Braydan entmutigen. Er wusste, dass dieser Albtraum nicht für immer anhalten würde.
 

Es gab immer einen Ausweg, auch wenn er noch nicht wusste, wie er ihn finden würde. Aber er würde nicht zulassen, dass dieser Wahnsinn seine Welt zerstörte. Er hatte noch Hoffnung – vielleicht war das das Einzige, was ihn im Moment am Leben hielt.
 

Und während er Braydan weiterhin in die Augen sah, wusste er eines mit Gewissheit: Er würde nicht aufgeben…

Kapitel 148

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Braydan beugte sich über Darius, ein grausames Lächeln auf den Lippen, als er die Verzweiflung in den Augen des jungen Omegas erblickte. „Du bist mein, Darius. Und du wirst mir alles geben, was ich will – solange du lebst. Und das hier“, er strich mit einer Hand über Darius‘ Unterleib, seine Berührung unangemessen intim, „ist erst der Anfang.“
 

Darius versuchte, sich zu wehren, doch der körperliche Druck, der von Braydan ausging, ließ ihm kaum Raum. Sein Körper reagierte gegen seinen Willen, und er fühlte sich für einen Moment hilflos, als ob er in diesem Moment alles verlieren würde, was ihm wichtig war. Die Panik breitete sich wie ein erdrückender Nebel in seinem Inneren aus, während sein Verstand versuchte, einen Ausweg zu finden, aber jeder Fluchtgedanke fühlte sich wie ein ferner Traum an.
 

„Ich werde dir noch viele Kinder schenken, Darius“, fuhr Braydan fort, seine Stimme hart, aber mit einem Hauch von Lust, „nicht nur für mich, sondern für uns. Du wirst noch viele Male von mir schwanger werden, und das wird nicht die letzte Schwangerschaft sein, die du erträgst. Solange du mir noch nützlich bist, wirst du tun, was ich will. Und genauso wird Aiden es tun, da bin ich mir sicher. Ihr beide gehört mir.“
 

Ein wilder Widerstand flammte in Darius auf, seine Hände ballten sich zu Fäusten. „Du wirst niemals bekommen, was du willst“, zischte er durch zusammengebissene Zähne. „Ich werde keine Kinder bekommen. Das ist nicht mein Schicksal. Ich habe nie gewollt, dass so etwas mir passiert. Du bist ein Wahnsinniger, Braydan, und ich werde nicht der nächste deiner Marionetten sein.“
 

Braydan grinste nur, als er Darius‘ Widerstand bemerkte. Es amüsierte ihn, wie sehr der Omega sich gegen das Unvermeidliche sträubte. „Du wirst es trotzdem tun“, sagte er mit einer fast triumphalen Ruhe. „Denn du bist genauso in meiner Hand wie Aiden. Ihr beide seid meine Kreation. Und ich werde alles tun, um euch zu formen. Ich habe es euch schon gegeben, Darius, was ihr nie hattet. Und jetzt werde ich euch alles nehmen.“
 

Darius’ Herz raste, die Panik und die Verzweiflung überfluteten ihn. „Ich will keine Kinder!“, schrie er, aber es fühlte sich an, als würde es in der Stille des Raums verhallen. „Ich will nicht in deine verdammte Welt, Braydan! Ich will nicht, dass du meine Zukunft zerstörst!“ Die Worte verließen seinen Mund, doch sie fühlten sich wie leere Hüllen an, die im Wind verwehten, ohne irgendeinen Einfluss auf die grausame Realität, die ihn umgab.
 

Braydan hatte keinerlei Mangel an Selbstbewusstsein. „Die Zukunft ist nicht mehr deins, Darius. Du gehörst mir. Deine Freiheit, deine Entscheidungen – alles gehört mir. Du wirst tun, was ich von dir verlange, und du wirst es lieben, weil du keine andere Wahl hast. Und irgendwann wirst du es verstehen. Du wirst sehen, wie es ist, zu gehorchen und zu gehorchen und zu gehorchen…“
 

Darius fühlte, wie die Kälte von Braydans Worten tief in ihn eindrang, wie ein eiskalter Sturm, der ihn von innen heraus lähmte. Er kämpfte gegen den Schmerz an, gegen das Gefühl der Unausweichlichkeit, das ihn erdrückte. Der Gedanke, dass Braydan nicht nur seinen Körper kontrollieren wollte, sondern auch seinen Geist und seine Seele, ließ ihn fast an sich selbst zweifeln.
 

War er wirklich so hilflos? War er wirklich so weit gekommen, dass er in dieser Hölle gefangen war, ohne einen Ausweg zu sehen?
 

Zudem hatte Braydan vor, Damian zu töten, so dass er Darius heiraten konnte, das war auch eines seiner Ziele, dass er das Detail allerdings für sich behielt – sprach für sich.
 

Der Raum fühlte sich plötzlich enger an, die Luft schwer von Bedrohung und der Unvermeidlichkeit, die Braydan in der Stimme trug. Darius’ Verstand raste, versuchte, einen Fluchtweg zu finden, doch alles, was er fühlte, war die schreckliche Gewissheit, dass Braydan in der Lage war, alles zu nehmen, was ihm je wichtig gewesen war. Es gab keinen Ort mehr, an dem er sicher war.
 

Und noch einmal schob sich das Bild in seinen Kopf: die Vorstellung, Kinder zu haben, in einer Welt, die von diesem Wahnsinn regiert wurde. Es war ein Albtraum, der ihm den Atem raubte, und der Gedanke, dass er in diesem System gefangen war, ließ ihn innerlich zusammenbrechen. Ein Teil von ihm wollte einfach nur fliehen, alles hinter sich lassen, aber es gab keine Flucht. Braydan hatte ihn bereits so weit in seine Welt gezogen, dass er keine Chance hatte, sich zu befreien.
 

Trotz allem, was ihn quälte, fühlte Darius einen Funken Widerstand, der tief in ihm brannte. Es war schwach, fast unmerklich, aber er hielt daran fest. Es war der einzige Teil von ihm, der nicht gebrochen war – der letzte Rest von Hoffnung, dass er vielleicht doch einen Weg finden würde, gegen diesen Wahnsinn zu kämpfen…

Kapitel 149

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Braydan beobachtete Darius‘ verzweifeltes Gesicht mit einem Blick, der ebenso süß wie gefährlich war. Doch noch lange nicht zufrieden mit dem, was er gesehen hatte, neigte er sich näher zu Darius und strich ihm mit einem Finger über das Kinn.
 

„Weißt du, was mich auch interessiert, Darius?“ Braydan grinste, als er die Unsicherheit in den Augen des Jungen aufblitzen sah. „Wie es meinem kleinen Spielzeug geht. Dein Freund, Aiden. Ich frage mich, ob er sich ebenso für mich interessiert. Oder ob er dich einfach nur als Mittel zum Zweck benutzt.“
 

Darius’ Herz raste. Der Gedanke an Aiden, an denjenigen, der ihm nahe war, weckte in ihm eine Mischung aus Schutzinstinkt und Panik. Was würde passieren, wenn Braydan Aiden in die Finger bekam? Der Gedanke, dass Braydan auch Aiden auf diese Weise benutzen könnte, schnürte Darius die Brust zu.
 

Er hatte genug durchgemacht, genug gesehen, um zu wissen, wie grausam dieser Mann war. Doch Aiden... Aiden war ihm mehr als nur ein Freund. Er war ein Teil von ihm, ein Teil seiner Seele, der inmitten all dieser Dunkelheit immer noch ein Licht für ihn war. Der Gedanke, ihn zu verlieren, ließ ihn fast ersticken.
 

„Lass ihn aus dem Spiel raus, Alpha“, knurrte Darius, doch seine Stimme klang schwächer, als er es gerne gehabt hätte.
 

Tief in seinem Inneren spürte Darius, wie die Furcht ihn ergriff. Was würde Aiden nur von ihm denken, wenn er ihn so sehen musste? Würde Aiden sich noch an ihn erinnern, an den Darius, den er gekannt hatte, der stark war, der nie kapituliert hatte? Oder würde er ihn ebenfalls als Spielzeug in Braydans Händen sehen? Was konnte er tun, um Aiden zu retten?
 

Braydan lachte leise, fast schon belustigt über Darius’ Widerstand. „Ach, was für eine süße Vorstellung, du willst ihn beschützen? Aber er ist genauso in meinem Spiel gefangen wie du, mein Lieber. Und es wird nicht lange dauern, bis er auch hier bei uns ist.“
 

Mit einem deutlichen Befehl in seiner Stimme rief Braydan einen der Wächter, der sofort auf sein Signal hin den Raum betrat. „Hol Aiden. Ich will wissen, wie es meinem Spielzeug geht.“
 

Die Wache nickte und verschwand aus dem Raum, während Braydan sich wieder zu Darius beugte. Der Alpha schien die Stille und die Erwartung zu genießen, die nun den Raum erfüllte. Darius’ Gedanken wirbelten durcheinander. Aiden... wie würde er reagieren, wenn er den Raum betrat? Wäre er auch hilflos, so wie er selbst? Oder würde er stark bleiben, ihm in die Augen sehen und sagen, dass sie beide überleben würden, egal was kam?
 

„Es wird für dich eine Freude sein, Darius, Aiden hier zu sehen“, flüsterte Braydan leise, während er Darius mit einem beinahe zärtlichen Blick ansah. „Du wirst sehen, wie sehr er sich verändert hat. Und wie wenig er dagegen tun kann. Wie wenig ihr beide dagegen tun könnt.“
 

Die Worte hallten in Darius’ Kopf wider. Konnte er Aiden retten? Er fühlte sich ausgebrannt und hilflos, aber der Gedanke an Aiden – was mit ihm geschehen könnte, wenn Braydan ihn in seine Hände bekam – ließ etwas in ihm brennen.
 

Es war ein Funke, der noch nicht erloschen war. Aber was konnte er tun? Was konnte er tun, um Aiden zu beschützen? War er stark genug, auch für ihn zu kämpfen?
 

Die Minuten zogen sich wie Stunden, während er auf den Moment wartete, dass Aiden in diesen Raum geführt würde...

Kapitel 150

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Braydan saß zurückgelehnt da, sein Blick immer noch auf Darius gerichtet, als er auf den Moment wartete, in dem Aiden in den Raum gebracht würde. Doch sein Blick war nicht nur von Erwartung erfüllt, sondern auch von der spürbaren Lust, die er immer dann empfand, wenn er seinen „Besitz“ vor sich wusste. Der Gedanke, dass Aiden ungebrochen war, löste in ihm eine andere Reaktion aus – etwas, das fast schon ein wenig Unruhe in ihm weckte.
 

Darius’ Zustand hatte ihn immerhin zufrieden gestellt, aber er wusste, dass Aiden immer noch eine unbestimmte Größe in diesem Spiel war. Und Braydan liebte es, diese Größe zu kontrollieren. Er konnte sich das Bild von Aiden, der schwanger und zerbrechlich war, durchaus vorstellen. Doch was er nicht wusste, war, dass das Kind, das er so ersehnen würde, jederzeit eine Gefahr für den Jungen darstellen konnte.
 

Darius‘ Blick war trüb, doch selbst jetzt lag in seinen Augen noch eine Restwärme, wenn sie auf Aiden fielen. Er wirkte erschöpft, geschwächt, als hätte er längst akzeptiert, dass Widerstand ihm nichts brachte – doch die Art, wie sich seine Finger leicht zu Fäusten ballten, verriet, dass er nicht völlig gebrochen war.
 

Die Wache betrat schließlich den Raum, Aiden an seiner Seite. Doch der Ausdruck in Aidens Augen war nicht der eines unterwürfigen Spielzeugs. Stattdessen war dort Besorgnis, Zorn und vor allem etwas, das Braydan nicht hatte erwarten können – eine Entschlossenheit, die ihn für einen Moment überrumpelte. Aiden schien stärker zu sein, als er gedacht hatte.
 

Aiden hielt sich an seinem Bauch fest, als er in den Raum trat, als ob er vor irgendetwas Schutz suchen würde. Doch es war nicht vor Braydan, vor dem er sich schützen wollte, sondern vor etwas viel Intimerem und Gefährlicherem: dem kleinen Leben, das in ihm wuchs.
 

Er konnte nicht zulassen, dass Braydan es berührte.
 

„Was willst du von mir?“ Aiden stand, wie ein Fels in der Brandung da, als er die Augen auf Braydan richtete. Seine Stimme war schwach, aber es war auch eine deutliche Abwehrhaltung darin, die den Alpha herausforderte.
 

Braydan lächelte, ein arrogantes Lächeln, das seine Absichten nur allzu deutlich machte. „Nun, ich wollte sehen, wie es deinem kleinen Freund hier geht“, sagte er, als er Aiden von oben bis unten musterte. „Ob du in der Lage bist, dich zu wehren, oder ob du genauso wie Darius irgendwann unter meinem Einfluss sein wirst.“
 

Aiden kniff die Augen zusammen, seine Hände fest um seinen Bauch geschlungen, als ob er befürchtete, dass jeder falsche Schritt das Kind verletzen könnte, obwohl er noch nichts von der wahren Gefahr wusste. Er fühlte sich verletzlich, verwundbar – und genau das machte ihn so wütend.
 

„Lass Darius in Ruhe.“, sagte er, obwohl seine Stimme leise klang. „Was hast du mit ihm gemacht?“
 

Darius zuckte leicht zusammen, als er seinen Namen hörte, doch er sagte nichts. Sein Körper war angespannt, als erwartete er, dass jedes Wort Aidens Braydan dazu bringen könnte, ihn erneut zu bestrafen.
 

Braydan trat näher, sein Blick ein wenig sanfter, fast belustigt, aber es war die Art von Sanftheit, die Kälte und Kontrolle verbarg. „Ich habe ihn nie mehr losgelassen, seit dem Moment, als ich ihn in meine Hände bekam. Und genauso werde ich es mit dir tun. Du bist mein, genauso wie er. Dein kleines Kind ist das Einzige, was dich noch an deinem Platz hält, Aiden. Und das wird es dir schwer machen, dich von mir zu befreien.“
 

Aiden schluckte, ein Zittern lief durch seinen Körper. Doch er klammerte sich noch fester an das Kind in sich. Es war seine einzige Hoffnung, sein einziger Anker in dieser ausweglosen Situation.
 

„Du kannst uns nicht einfach kontrollieren“, sagte Aiden, obwohl er wusste, dass sein Widerstand bedeutungslos war. Doch in seiner Stimme lag der Wunsch, sich nicht einfach fügen zu müssen.
 

Braydan grinste. „Du glaubst wirklich, du hättest Kontrolle? Du bist schwach, Aiden. Du bist der perfekte Spielball in diesem Spiel.“ Er trat einen Schritt zurück, sein Blick glitt erneut zu Darius. „Und du, Darius“, sagte er mit einem Blick, der beinahe genüsslich war, „du wirst sehen, was passiert, wenn ich mit Aiden fertig bin.“
 

Darius‘ Kiefermuskeln spannten sich an, seine Hände ballten sich fester. Ein Zittern lief durch seinen Körper, aber nicht aus Angst – sondern aus aufgestauter Wut, aus Ohnmacht, aus dem unerträglichen Gedanken, dass Braydan jetzt Aiden genauso brechen wollte, wie er es mit ihm getan hatte.
 

Doch in diesem Moment spürte Braydan etwas, das ihn überraschte – ein leichtes Zittern in Aiden, das nicht von Angst, sondern von etwas anderem herrührte. Es war tief, urtümlich, fast unbewusst – eine Abwehr, die nicht allein aus Aiden kam.
 

Vielleicht war es das Kind, das im Inneren des Jungen auf irgendeine Weise reagierte, vielleicht war es auch Aidens Instinkt, sich nicht völlig zu unterwerfen. Dieser Moment der Unsicherheit bei Braydan selbst zeigte ihm, dass Aiden noch nicht ganz gebrochen war.
 

Sein Grinsen wurde schwächer.
 

Etwas war anders.
 

„Wir werden sehen“, murmelte Braydan dann, doch in seiner Stimme lag ein Hauch von Unsicherheit, den er sich sofort selbst verbot.
 

Die Luft war gespannt, und obwohl Aiden sich immer noch an das Kind klammerte, wusste Braydan, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis auch dieser Widerstand brach. Doch die Ungewissheit, was mit dem Kind in Aiden vor sich ging, ließ einen Hauch von Zögern in ihm aufsteigen, den er selbst kaum einordnen konnte...

Kapitel 151

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Braydan konnte das Gefühl der Kontrolle nie genug auskosten, er liebte es, seine Macht über andere zu demonstrieren, und Aiden war für ihn nur ein weiteres Spielzeug in dieser erbarmungslosen Welt, die er beherrschte. Als er Aiden vor sich sah, schwach und hilflos, aber dennoch mit einem Hauch von Widerstand in seinen Augen, spürte Braydan eine tiefe Befriedigung.
 

Das Kind, das Aiden trug, war nur ein weiteres Mittel, um ihn zu bändigen, um sich seiner gänzlich zu versichern.
 

„Du bist nichts weiter als ein Werkzeug, Aiden“, sagte Braydan mit einem scharfen Lächeln, das die Züge seines Gesichts verzog. „Du wirst tun, was ich sage, und du wirst dir keine Gedanken darüber machen, was du willst. Deine Wünsche sind jetzt meine.“
 

Mit einer schnellen, rohen Bewegung packte er Aiden und schmiss ihn mit voller Kraft auf das Bett, wo Darius lag. Der junge Omega war noch immer benommen von den Erlebnissen, die er in den letzten Tagen durchgemacht hatte, doch als er Aiden hörte, spürte er sofort die Unruhe in seinem Inneren. Er richtete sich mit einem Ruck auf, doch seine Fesseln ließen ihm kaum Bewegungsfreiheit.
 

„Aiden! Was…“, wollte Darius sagen, doch seine Stimme versagte, als er die brutale Behandlung von Aiden sah.
 

Aiden landete auf dem Bett, rutschte noch ein Stück und stöhnte leise, als er auf dem harten Stoff aufschlug. Er war schwach, seine Bewegungen träge und von der Erschöpfung seiner Schwangerschaft gezeichnet. Doch was ihn wirklich verwundete, war die Tatsache, dass er in diesem Moment nicht einmal spürte, wie sehr er sich gegen Braydan wehrte.
 

Es war alles zu viel, zu schnell. Doch eines wusste er: Er würde sich nicht brechen lassen. Nicht vor Braydan, nicht vor irgendjemandem.
 

Braydan trat näher, beugte sich über Aiden, der sich halb aufrichtete, um zu sehen, was mit Darius war. „Schau dich um, Aiden“, sagte Braydan, als er ihn angriff.
 

„Du bist hier in meinem Spiel, und du wirst lernen, dich zu fügen. Du bist nichts weiter als ein Gebrauchsgegenstand für mich.“
 

Aiden blickte wütend auf, doch in seinen Augen lag mehr als nur Widerstand – es war auch eine tiefe Verzweiflung. „Du wirst uns nicht kontrollieren, Alpha.“, keuchte Aiden, auch wenn ihm klar war, wie schwer es war, gegen diesen Mann zu kämpfen, vor allem in seinem Zustand.
 

Braydan lachte laut, beinahe gehässig. „Du bist süß, Aiden. Aber du wirst schnell merken, dass du hier keine Wahl hast.“
 

Er drehte sich dann zu Darius und sah ihn an, als er wusste, dass der Moment gekommen war, ihn endgültig in das Spiel zu ziehen, das er selbst inszenierte. Darius war nicht mehr der Junge, den er kannte – er war ein gebrochener Omega, der sich nicht mehr wehren konnte. Braydan wusste, dass er nur noch einen Schritt weiter gehen musste, um Darius endgültig zu besitzen.
 

Darius zitterte leicht, als Braydans Augen auf ihm ruhten. Trotz der Ohnmacht, die ihn umfing, trotz der Fesseln, die ihn hielten, loderten in ihm Emotionen auf, die er nicht unterdrücken konnte. Angst, Wut, aber auch eine leise Verzweiflung darüber, dass er hier war, dass Aiden hier war und sie nicht einfach entkommen konnten. Sein Blick traf Aidens, der sich mit letzter Kraft aufrichtete und versuchte, sich von dem Druck, den Braydan ausübte, zu befreien.
 

„Wir… werden… nicht aufgeben“, presste Aiden hervor, seine Stimme war rau, doch seine Entschlossenheit war in seinen Augen zu sehen.
 

Braydan schnaubte, doch sein Grinsen wurde breiter. „Oh, ich liebe es, wenn ihr noch denkt, ihr hättet eine Wahl.“
 

Er ließ seinen Blick erneut über Darius gleiten, als ob er sich sicher sein wollte, dass er gebrochen war. Doch selbst in dieser Situation war da noch etwas in Darius' Augen, das Braydan nicht mochte – ein Funken von Widerstand, von etwas Unberechenbarem, das sich ihm noch nicht ganz offenbart hatte.
 

Aiden versuchte, sich zu bewegen, aber seine Kraft reichte nicht aus, um Braydan in diesem Moment zu widerstehen. Der Gedanke an das Kind, das in ihm wuchs, war das Einzige, was ihn festhielt, doch auch das fühlte sich wie ein schwaches Band an, das immer mehr drohte zu reißen. Und trotzdem, tief in seinem Inneren, wusste er, dass er nicht aufgeben durfte.
 

Nicht für sich selbst und vor allem nicht für das Kind.
 

Doch der Raum war von Braydans Präsenz so erfüllt, dass es keinen Fluchtweg gab, keine Hoffnung, die ihm blieb…

Kapitel 152

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Braydan spürte die Macht, die er über die beiden Omegas hatte, und genoss sie in vollen Zügen. Es war nicht nur ein körperlicher Akt – es war eine Erhebung, eine Demonstration seines Sieges. Aiden, trotz seiner Schwäche, war die perfekte Trophäe. Braydan wusste, dass er ihn brechen konnte, und so ließ er Aiden keine Möglichkeit, sich zu wehren.
 

Der junge Omega war geschwächt, sein Körper, von der Schwangerschaft und der ständigen Bedrohung ausgelaugt. Jeder Atemzug war schwer, sein Kopf dröhnte, und die Erschöpfung zog ihn in eine lähmende Starre.
 

Braydan packte Aiden und zog ihn näher zu sich. Die Gewalt, mit der er ihn behandelte, war rücksichtslos, doch in Braydans Augen war es nur ein weiteres Spiel. Der Junge war für ihn nichts anderes als ein Mittel, um seinen Willen durchzusetzen. „Du bist jetzt mein, Aiden“, flüsterte Braydan, während er ihn packte, und Aiden wie ein Spielzeug aufs Bett drückte.
 

Aiden stöhnte leise, unfähig, sich richtig zu bewegen. Der Schmerz durchzog seinen Körper, doch was ihn noch mehr erschütterte, war das Wissen, dass er hier völlig ausgeliefert war. Er wollte sich wehren, wollte um das Leben seines ungeborenen Kindes kämpfen, doch in diesem Moment fühlte er sich vollkommen machtlos.
 

Sein Körper war müde, sein Geist zerrissen zwischen Angst und der unbändigen Sehnsucht nach Jack. Jack… hilf mir… Sein Herz zog sich zusammen, als ihm bewusstwurde, dass er vielleicht nie wieder in seine Arme sinken würde.
 

Darius lag hilflos auf dem Bett, seine Augen weit aufgerissen, als er mit ansehen musste, wie Braydan sich über Aiden beugte. Die Gewissheit, dass er weder eingreifen noch etwas tun konnte, um Aiden zu helfen, ließ ihn innerlich erstarren. „Damian… bitte komm“, flüsterte Darius in Gedanken. „Du musst uns retten.“
 

Sein Herz schlug hart gegen seine Brust, so laut, dass es in seinen Ohren dröhnte. Wo bist du, Damian? Er schloss für einen Moment die Augen, und Bilder flackerten vor ihm auf – Damians warme Berührung, sein ruhiger Atem in der Nacht, sein Blick, wenn er ihn ansah, voller Liebe und Hingabe. Darius klammerte sich an diese Erinnerungen, als wären sie das Einzige, was ihn noch am Leben hielt.
 

Doch je länger er in dieser Dunkelheit gefangen war, desto mehr drohten sie zu verblassen.
 

Braydan sah Darius mit einem sadistischen Grinsen an, als er Aiden weiter missbrauchte, das Spiel mit ihm genüsslich fortsetzte. „Du wirst deinen Freund nicht retten können, Darius“, spottete er. „Er gehört jetzt auch mir.“
 

Darius’ Blick verfinsterte sich, seine Hände ballten sich zu Fäusten, doch er wusste, dass Widerstand in diesem Moment nur mehr Schmerz und Qual für ihn und Aiden bringen würde. Aber wenn Damian kommt… wenn er nur kommt… dann wird das hier enden. Doch was, wenn Damian nicht kam? Was, wenn sie zu spät waren?
 

Jeder Moment, den sie hier waren, schien eine Ewigkeit zu dauern.
 

Braydan indes ließ sich von Aidens Schwäche nur noch mehr anstacheln. Er genoss es, den Jungen zu brechen, seinen Widerstand Stück für Stück zu zerstören. Seine Hand glitt über Aidens schlaffe, schwache Form, während er die Schmerzen in seinem Körper und das Gefühl der völligen Ohnmacht bemerkte. Die Augen des jüngeren Omegas weiteten sich vor Entsetzen, als er die Gewalt erlebte, mit der Braydan ihn behandelte.
 

Doch was ihn noch mehr erschütterte, war die Zerstörung von allem, wofür er gekämpft hatte – sein ungeborenes Kind, die Liebe zu Jack, und das Wenige, was noch an Hoffnung in ihm geblieben war.
 

Darius’ Blick war leer, leer vor Schmerz, vor Angst und Wut. Jede Bewegung von Braydan ließ ihn innerlich zusammenzucken, als er sah, wie der Alpha mit Aiden umging. Der Gedanke, dass er hier hilflos lag und nicht eingreifen konnte, zerbrach ihm das Herz.
 

Draußen war es still. Unnatürlich still. Kein einziges Geräusch drang durch die Wände, kein Anzeichen dafür, dass jemand kam, um sie zu retten. Doch dann—war da nicht etwas? Ein leises Knarren? Ein Schatten, der sich unter der Tür bewegte? Hoffnung flackerte für einen Moment auf, nur um im nächsten Atemzug wieder zu sterben.
 

„Warum bist du nicht hier, Damian?“ Der Gedanke an seinen Mann, den er so sehr liebte, war das Einzige, was Darius noch irgendwie am Leben hielt.
 

Braydan beugte sich über Darius, eine Hand auf seinen Unterleib legend, während er leise flüsterte: „Auch wenn ich es schon gesagt habe, aber du wirst mir noch mehr Kinder schenken, Darius. Ich werde es dir befehlen, und du wirst gehorchen. So wie Aiden es tun wird. Du bist mein, und du wirst es auch bleiben. Deine Schuld ist mein Vergnügen.“
 

Der kalte Hauch von Braydans Worten bohrte sich in Darius’ Bewusstsein, und er versuchte alles zu ignorieren, sich nicht von den schrecklichen Gedanken überwältigen zu lassen, die ihm über den Kopf hinweggruben.
 

Doch in dem Moment, als er erneut den Blick zu Aiden senkte, sah er die Tränen in dessen Augen. Aiden kämpfte, genauso wie er selbst, doch er war zu schwach, um sich selbst zu retten. Darius spürte die Wut in sich aufsteigen, die Wut gegen sich selbst, gegen Braydan und gegen das Schicksal, das sie in diese Situation brachte.
 

Sein Körper zitterte, seine Finger krampften sich in die Decke unter ihm. Ein Funke brannte in seiner Brust – klein, aber hartnäckig. Ich werde dich zerstören, Alpha. Irgendwann… werde ich dich zerstören.
 

Braydan sah ihn an, als hätte er Darius’ Gedanken gespürt, und ein selbstgefälliges Lächeln zuckte um seine Lippen. „Oh? Du hast noch Kampfgeist?“ Er drückte Darius fester ins Bett. „Mal sehen, wie lange der hält.“
 

Darius presste die Zähne aufeinander, zwang sich, keine Reaktion zu zeigen. Sein ganzer Körper schmerzte, aber er durfte sich nicht brechen lassen.
 

Der Gedanke, dass sie sich vielleicht niemals befreien würden, dass sie für immer in dieser Hölle gefangen bleiben könnten, lähmte ihn, doch er weigerte sich, aufzugeben. „Damian… bitte“, flüsterte er erneut, diesmal lauter, als er hoffte, dass der Ruf in der Dunkelheit seiner Gefangenschaft noch irgendwie gehört werden konnte.
 

Aber noch stärker war seine Angst, dass er nicht in der Lage sein würde, Aiden und das Kind zu beschützen, die alles bedeuteten.
 

Darius’ Atem ging flach, als er sich erneut auf die Dunkelheit konzentrierte, die ihn umgab. Damian… komm schon… bitte…
 

Vielleicht… vielleicht war er näher, als er dachte…

Kapitel 153

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Aiden lag auf dem Bett, ausgeliefert, erschöpft von den physischen und emotionalen Belastungen. Der Kampf in ihm war erschöpft, wie ein ertrinkender Mann, der nicht mehr den Mut hatte, nach Luft zu schnappen. Die Schmerzen in seinem Körper waren nicht nur körperlich, sie schnürten ihm die Brust zu, ließen ihn taumeln, seine Sicht verschwimmen.
 

Braydans Worte und Berührungen, die einst wie ein grausamer Albtraum erschienen, wurden allmählich zu einem bedrohlichen Hintergrundgeräusch, dem er nicht mehr zu entkommen versuchte.
 

Sein Atem ging flach, als hätte sein Körper längst entschieden, dass es keinen Sinn mehr hatte, um Luft zu ringen. Jeder Versuch, sich zu wehren, war nur eine weitere Erinnerung daran, dass er machtlos war. Selbst sein Innerstes, das so lange versucht hatte, an Hoffnung festzuhalten, zerfiel zu Staub.
 

Die Erinnerung an Jack, an das Kind in seinem Bauch, verblasste, so schwach wie sein eigener Herzschlag. Alle Hoffnungen, die er noch hatte, rannen durch seine Finger wie Sand. „Ich kann nicht mehr…“, dachte er stumm, der Gedanke an Widerstand war so fern wie der Gedanke an Freiheit. Die qualvollen Momente des Widerstands hatten sich bereits in Stille und Lähmung verwandelt.
 

Er wollte nicht mehr kämpfen. Der körperliche Schmerz war zu viel, das Gefühl der Machtlosigkeit erdrückte ihn.
 

Darius’ Blick blieb auf Aiden gerichtet, obwohl er wusste, dass er ihm nicht helfen konnte. Der Wunsch, Aiden zu retten, drückte wie ein Gewicht auf seiner Brust. Doch er konnte nur zusehen, während Aiden sich in die Dunkelheit der Resignation begab. Die Verzweiflung in Aidens Augen ließ Darius’ eigene Wut und Hilflosigkeit nur weiter brodeln, doch selbst in diesem Moment wusste er, dass er nichts tun konnte.
 

Der Kampf gegen Braydan, gegen das Unausweichliche, war zu stark, und sie waren zu schwach, zu zerbrechlich.
 

Die Luft im Raum war stickig, drückend, fast so, als würde sie sich um Darius' Brust schnüren und ihn daran hindern zu atmen. Jedes Geräusch von Aiden, jedes angestrengte Keuchen, hallte in seinem Kopf wider, und er konnte nichts tun, außer sich selbst zu verfluchen. Sein Körper bebte, sein Herz raste, und doch lag er da, gefesselt von seiner eigenen Ohnmacht.
 

Aiden ließ die Tränen in seinen Augen zu, sie strömten ungehindert, als er sich in Braydans Kontrolle fügte. Jedes Wort, jeder Griff von Braydan ließ ihn tiefer sinken. Die Wände, die er einst aufgebaut hatte, fielen Stück für Stück, als er sich völlig in den Händen des Alphas verlor. Der Widerstand war ein ferner Traum, den er nie wieder erreichen würde.
 

Sein Geist taumelte am Rand der Leere, wo keine Hoffnung mehr war. Der Schmerz, die Scham, die Angst – alles verschwamm zu einem dumpfen Rauschen in seinen Ohren. Es war einfacher, nichts mehr zu fühlen. Einfacher, loszulassen.
 

„Lass es einfach…“, murmelte er, fast zu sich selbst, als seine inneren Kämpfe erloschen. Der Gedanke an Jack, an das Leben, das er sich so sehr gewünscht hatte, verblasste zu einer schwachen Erinnerung. Alles, was noch zählte, war dieser Moment, der ihn zerbrach.
 

Braydan grinste, als er das spürte. Aiden war gebrochen, er hatte ihn in der Hand, genau wie er es wollte. Der Junge zuckte nicht mehr zusammen, seine Tränen flossen lautlos, und sein Körper lag schlaff unter ihm – ein Zeichen seiner völligen Unterwerfung. Es war genau dieser Moment, auf den Braydan gewartet hatte, der Augenblick, in dem jede Gegenwehr erlosch und nur noch Gehorsam blieb.
 

Und während er sich in Aiden bewegte, während er spürte, wie sich der letzte Funken Widerstand auflöste, wusste er, dass er gewonnen hatte. Ein berauschendes Gefühl durchströmte ihn, dunkle Befriedigung durch die absolute Kontrolle. Doch es war nicht genug. Noch nicht.
 

Doch Darius’ Blick, der immer noch an Aiden hing, war fest entschlossen, selbst in dieser verzweifelten Stunde. Auch wenn es aussichtslos schien, wollte er die Hoffnung nicht aufgeben.
 

„Damian… bitte…“
 

Aber was war Hoffnung anderes als eine grausame Illusion?
 

Er wusste nicht mehr, wie lange er noch durchhalten konnte. Sein Atem ging schwer, sein Körper war angespannt, jeder Muskel schrie nach Bewegung, nach einem Ausweg – aber es gab keinen. Sein eigener Wille wurde auf die Probe gestellt, während die Sekunden sich zu einer Ewigkeit dehnten.
 

Braydan hatte ihn nicht vergessen. Sein Blick glitt kurz zu Darius hinüber, ein herausforderndes Funkeln in seinen Augen. „Du wirst als Nächster fallen“, schien dieser Blick zu sagen. Darius’ Hände ballten sich zu Fäusten, seine Nägel bohrten sich tief in seine Handflächen, aber er sagte nichts.
 

Nicht eingreifen, nicht kämpfen, nicht einmal schreien.
 

Er konnte nur daliegen und zusehen, wie Aiden in Braydans Händen zu einem Schatten seiner selbst wurde…

Kapitel 154

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Die Szene, die sich vor Darius’ Augen entfaltete, war alles andere als erträglich. Jeder Blick auf Aiden schien ihn weiter zu zermalmen, als würde jeder Atemzug des Jungen ihm das Herz brechen. Er konnte nicht anders, als den hilflosen Körper von Aiden zu beobachten, der von Braydan achtlos liegen gelassen wurde, als er mit ihm fertig war – als wäre er nichts weiter als ein weiteres Spielzeug, das seinen Zweck erfüllt hatte.
 

Die Art, wie Aiden da lag, entkräftet und zerbrechlich, verstärkte nur das Gefühl der Hilflosigkeit, das Darius überkam.
 

Aiden lag reglos, die Augen leer und leerer, als ob das Leben langsam aus ihm wich. Der einst so starke, kämpferische Ausdruck war von seinem Gesicht gewichen, und stattdessen war da nur noch eine schmerzvolle Leere.
 

Sein Körper, so sichtlich entkräftet, schien beinahe willenlos zu Boden zu sinken, als würde er in den Armen des Schmerzes versinken, der sich tief in seine Knochen frisst. Der Raum um ihn herum schien sich zu verflüchtigen, die Wände engten sich ein, und Darius konnte nur noch zusehen, wie Aiden in sich zusammenbrach.
 

Braydan kümmerte sich nicht weiter um Aiden. Mit einem gleichgültigen Blick wandte er sich von ihm ab und kehrte wieder zu seinem Schreibtisch zurück. In seinem Blick lag keine Regung, als wäre Aiden für ihn nur ein weiteres Mittel zum Zweck gewesen.
 

Er hatte seine Ziele erreicht, Aiden war entmachtet, und das Kind – dieses schwache Leben, das in Aidens Bauch wuchs – war nicht mehr von Bedeutung. Es war, als hätte er Aiden und alles, was er verkörperte, abgehakt. Die Vorstellung, dass Aiden sich gegen ihn wehren könnte, war längst verblasst, wie eine verblühende Blume, die im Wind zerbricht.
 

Darius’ Herz zog sich zusammen, als er bemerkte, wie Aiden sich in der völligen Resignation zurückzog. Jeder Atemzug, den Aiden tat, schien ein Kampf um das nackte Überleben zu sein. Doch in diesem Moment war Darius’ größte Angst nicht mehr der Verlust von Aiden selbst.
 

Nein, die schlimmste Wahrheit brach in diesem Moment über ihn herein: Das Kind in Aidens Bauch, das schwache Leben, war zu zerbrechlich, zu verletzt, um dem Schmerz und der Qual standzuhalten, die Braydan ihm zugefügt hatte. Es war, als würde das Kind selbst in den Strudel der Verzweiflung gezogen, der sich um seine Mutter legte.
 

Der Körper von Aiden, zerrüttet und entkräftet, würde das ungeborene Leben nicht länger halten können. Darius wusste, dass das, was er vor sich sah, nichts anderes als ein langsamer, stiller Tod war, der sich nicht nur um Aiden selbst legte, sondern auch um das kleine Leben, das er trug. Ein Verlust, den er nicht verhindern konnte, egal wie sehr er sich danach sehnte, etwas zu tun.
 

Ein Schauder lief Darius über den Rücken, der wie eine kalte Welle über ihn hinwegrollte. Der Schmerz in seiner Brust war lähmend, und doch fühlte es sich an, als würde er keine Tränen mehr haben, um den Schmerz zu bekämpfen. Kälte breitete sich in seiner Brust aus, ein lähmendes Gefühl, das ihn von innen heraus auffraß.
 

Er hatte schon so viele Verluste erlebt, so viel Schmerz gesehen, aber das hier war anders. Es war ein stiller Mord an allem, was noch Hoffnung hatte – und Darius konnte nur zusehen. Es gab keinen Ausweg, keine Möglichkeit zu handeln.
 

„Es tut mir leid…“, flüsterte Darius innerlich, als die Realität immer mehr in ihn eindrang. Jede Sekunde, die verstrich, verstärkte die Erkenntnis, dass die Möglichkeit, Aiden zu retten, längst vorbei war. Er hatte gehofft, dass es noch eine Chance gab, dass sie irgendwie entkommen könnten, dass es einen Weg aus dieser Dunkelheit gab.
 

Aber jetzt, in diesem Moment, war alles, was blieb, die bittere Erkenntnis, dass es nur noch eine Frage der Zeit war, bis das Kind verloren war – zu zerstört von den Grausamkeiten, die ihm angetan wurden.
 

Er wagte es nicht, Aidens Blick zu suchen, aus Angst, dort nichts mehr zu finden. Kein Schmerz, keine Wut, keine Hoffnung. Nur noch Leere. Eine Leere, die den Raum erfüllte, die ihn immer weiter erstickte, bis er kaum noch atmen konnte. Es war, als wäre Aiden selbst schon fort – nur noch ein Schatten, der sich im Raum verlor.
 

In Darius’ Kopf spukte ein einziger Gedanke: „Damian, wo bist du?“
 

Doch der Schmerz von Aiden, der Verlust eines unschuldigen Lebens und das Gefühl der Hilflosigkeit erdrückten seine Gedanken, während der Alpha, der sich seiner Macht sicher war, weiter in seiner Welt der Kontrolle und Manipulation lebte. Die Dunkelheit dieser Welt schien ihn vollständig zu verschlingen.
 

Und alles, was Darius konnte, war zusehen...

Kapitel 155

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Braydan lehnte sich entspannt in seinem Sessel zurück, während sein Blick auf Darius ruhte. Das Bild, das sich ihm bot, war fast schon köstlich – die völlige Hilflosigkeit, die Verzweiflung, die sich in Darius’ Augen widerspiegelte. Ein unkontrollierbares Zittern durchlief den jungen Mann, seine Hände noch immer zu Fäusten geballt, als würde er sich verzweifelt an einem letzten Rest Hoffnung festhalten. Doch Braydan wusste es besser.
 

Aiden war bereits gebrochen. Jeder Widerstand war aus ihm herausgepresst worden, bis nichts weiter übriggeblieben war als ein Schatten seiner selbst. Und mit Aidens Fall hatte Braydan sich mehr genommen als nur dessen Körper – er hatte auch Jack getroffen, tief, an einem Punkt, an dem es richtig wehtat. Er konnte sich nur ausmalen, wie der mächtige Jacob Brown reagieren würde, wenn er erfuhr, dass sein geliebter Omega nicht nur entehrt, sondern vermutlich auch seines Kindes beraubt worden war.
 

Ein triumphales Lächeln legte sich auf seine Lippen. Jack war nicht mehr unantastbar, nicht mehr dieser überlegene Alpha, der immer über allen anderen stand. Jetzt hatte Braydan ihn in der Hand – und das war ein Gefühl, das er nur zu gerne auskostete.
 

Aber Jack war nicht der Einzige, auf den er gespannt war.
 

Dustin Green.
 

Allein der Name ließ eine düstere Vorfreude in ihm aufkeimen. Damian McKinley hatte ihn nie sonderlich interessiert – er war schwach, geleitet von Gefühlen, ein Narr, der sich in romantischen Vorstellungen verlor.
 

Doch Dustin? Dustin hatte Potenzial. Er war härter, kühler, strategischer. Ein Alpha, der durchaus eine Gefahr darstellen konnte.
 

So erwartete er auch nichts anderes, immerhin war er der Sohn seines Erzrivalen, der seinen Omega geheiratet hatte.
 

Nur war sich Braydan nicht sicher, wie weit Dustin tatsächlich gehen würde. Ob er es akzeptieren konnte, seinen kleinen Bruder so zu sehen, wie er jetzt war – zerbrechlich, entwürdigt, ein Spielzeug in seinen Händen. Würde Dustin blind vor Wut werden und kopflos handeln? Oder würde er den klügeren Weg wählen und sich fügen, um Darius zu schützen?
 

Braydan leckte sich langsam über die Lippen.
 

Egal, wie Dustin reagierte – er hatte bereits gewonnen.
 

Er hatte zwei Marionetten in seinen Fäden – Aiden und Darius. Zwei wertvolle Omegas, die zwei mächtige Alphas liebten, die nichts tun konnten, um sie zu retten. Die perfekte Waffe gegen Jack und Damian.
 

Und das Beste daran?
 

Es war ihm egal.
 

Moral war ein Fremdwort für ihn. Gnade existierte in seiner Welt nicht. Liebe? Ein Konzept, das ihn höchstens amüsierte. Vielleicht war er einmal verheiratet gewesen, aber selbst das hatte ihn nicht interessiert. Sein Ehemann, ein bedauernswertes Werkzeug, das seine Eltern für ihn ausgesucht hatten, war längst nicht mehr Teil seines Lebens. Braydan hatte ihn wie wertlosen Besitz abgestoßen, hatte ihn verkauft, ihn verschachert, ohne einen zweiten Gedanken an ihn zu verschwenden.
 

Aber er wusste, dass der Mann noch immer hier war. Dass er, irgendwo in den Schatten dieses Anwesens, sein Dasein fristete – gehorsam, still, angepasst. Wahrscheinlich hatte er sich längst seinem Schicksal gefügt. Vielleicht hatte er begriffen, dass es keinen Sinn hatte, sich gegen Braydan aufzulehnen.
 

Genau wie Aiden. Genau wie Darius.
 

Ein leises Lachen entwich ihm, während er sich in seinem Sessel zurücklehnte und zufrieden den Gedanken genoss.
 

Denn in dieser Welt gab es nur einen Sieger.
 

Und das war er…

Kapitel 156

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Soren Farnsworth, besagter Omega, saß in der Dunkelheit seines Zimmers, einem Ort, der längst nicht mehr war als ein verlassener Käfig. Die kalten Steinwände schienen immer näher zu rücken, als wollten sie ihn verschlingen, und dennoch weigerte er sich, sich von ihnen erdrücken zu lassen.
 

Nicht heute. Nicht morgen. Nicht jemals.
 

Braydan mochte ihn verkauft haben, ihn verstoßen haben wie einen wertlosen Gegenstand, aber das bestimmte nicht seinen Wert. Er wusste, dass er mehr war als das, mehr als ein gehorsames Werkzeug, das nur darauf wartete, benutzt und beiseitegeschoben zu werden.
 

Soren war mehr als die dunklen Wände dieses Raumes, mehr als das Unrecht, das ihm angetan wurde.
 

Er hatte andere Omegas gesehen, wie sie gebrochen wurden, wie sie ihre Hoffnung begruben, weil es einfacher war, in der Dunkelheit zu verharren, als nach einem Licht zu greifen, das es vielleicht gar nicht gab. Doch Soren war nicht wie sie.
 

Vielleicht war er schon so lange hier, dass er nicht mehr zählen konnte, was er alles durchlebt hatte. Jahrzehnte. Weit mehr als zwei Dekaden harrte er hier aus, und doch konnte er nicht aufhören zu hoffen. Hoffnung war alles, was ihm blieb. Und diese Hoffnung hielt ihn am Leben.
 

Er wusste nicht, wann der Tag kommen würde. Vielleicht würde es noch Jahre dauern. Vielleicht würde er es selbst nicht mehr erleben. Aber tief in seinem Inneren glaubte er daran, dass dieses Haus, diese Mauern, eines Tages einstürzen würden. Dass Braydan fallen würde. Dass all die Schreie, die hier so oft ungehört verhallten, eines Tages in Jubel übergehen würden.
 

Soren war sich bewusst, dass seine Hoffnung ihn verwundbar machte. Dass sie ihn verletzlicher machte als die, die bereits aufgegeben hatten. Doch wenn er die Augen schloss, konnte er sich Bilder von Freiheit ausmalen. Von Omegas, die nicht mehr in Fesseln lagen. Von Leben, die nicht länger in Angst geführt wurden. Das war es, was ihn lebendig hielt.
 

Vielleicht war es naiv. Vielleicht war es Wahnsinn. Aber es war alles, was er hatte. Und solange er atmete, würde er es nicht loslassen.
 

Er war nicht allein mit seinen Gedanken.
 

Lange vor dieser Hölle hatte er einmal Freundschaft gefunden – ein Licht, das ihm all die Jahre geholfen hatte, nicht vollends in der Dunkelheit zu versinken. Ein Licht, das Darius' Mutter war – ein Omega, der mehr Feuer in sich getragen hatte, als viele Alphas es je ertragen konnten. Er war stark gewesen, mutig, entschlossen. Er hatte gegen das Unrecht gekämpft, selbst als man ihm sagte, dass es keinen Sinn hatte.
 

Und jetzt war sein Sohn hier. Darius Green.
 

Soren wusste nicht viel über Darius, aber er wusste genug, um die Ähnlichkeit mit seiner Mutter sofort zu erkennen. Und er wusste, dass Braydan früher oder später versuchen würde, ihn zu fangen. Soren hatte gesehen, wie Braydan das Spiel spielte, wie er die Fäden zog und die Menschen wie Marionetten bewegte.
 

Und jetzt hatte Darius die gleiche dunkle Zukunft vor sich. Genau wie er war auch Darius in dieser Hölle gefangen. Ein Omega, ein Spielball in den Händen eines Tyrannen.
 

Dass Darius ein Omega war, wusste nur eine Handvoll Menschen. Es war ein Geheimnis, das Braydan nur denjenigen anvertraut hatte, denen er vertrauen konnte. Und wie bei vielen anderen Dingen behielt Braydan solche Informationen gern für sich, um sie für seine eigenen Zwecke zu nutzen. Soren wusste dies. Und das machte die Situation noch gefährlicher.
 

Doch er wusste noch mehr. Er wusste, wer Aiden Evans war. Aiden, der junge Omega, der in den letzten Jahren das Herz vieler Alphas erobert hatte, doch vor allem das von Jacob Brown, einem der mächtigsten Alphas, den er kannte. Der Omega, der eine Liebe gefunden hatte, die so stark war, dass sie selbst die finsteren Mauern dieses Anwesens zu sprengen schien.
 

Aiden, dessen Schicksal untrennbar mit Jacob verbunden war – ein Schicksal, das sich tief in den dunklen Ecken dieses Anwesens abspielte. Der Omega, dessen Stärke und Entschlossenheit vielleicht nicht in den Augen Braydans sichtbar waren, aber von Soren erkannt wurden. Aiden war kein gewöhnliches Spielzeug. Er war ein Schlüssel zu einer möglichen Wende, etwas, das Braydan nie erwarten würde.
 

Diese jungen Männer waren nicht irgendwer. Sie gehörten bereits jemandem. Ihre Herzen hatten sich längst entschieden. Ihre Seelen waren nicht mehr frei. Doch für Braydan waren sie lediglich Werkzeuge, die er nach Belieben benutzen konnte. Er sah ihre Liebe und Bindung nicht. Für ihn waren sie nur Schachfiguren auf einem Spielbrett, die er jederzeit verschieben konnte, um seine Ziele zu erreichen.
 

Aber Soren wusste es besser. Und er hatte einen Gedanken, der sich wie ein Funke in seinem Inneren entzündete. Vielleicht, nur vielleicht, gab es einen Weg.
 

Da war noch Taylor Brook. Ein Mann, der oft zu ihm kam. Manchmal für kurze Gespräche, manchmal auch für längere, wenn er Graham dabeihatte. Doch Taylor war anders als die anderen. Er war ein Mann mit einem Geheimnis – einem Geheimnis, das ihn jederzeit zu Fall bringen konnte. Ein Geheimnis, das Soren kannte.
 

Taylor war nicht einfach eine weitere Schachfigur, der sich in die Reihen der Unterdrücker eingereiht hatte. Nein, Taylor war anders. Und vielleicht, wenn Soren ihn auf seine Seite ziehen könnte… Wenn er ihn davon überzeugen könnte, dass die Zeit gekommen war, dass sie nicht mehr nur überleben mussten, sondern kämpfen mussten… Dann könnte es eine Chance geben.
 

Vielleicht würde die Dunkelheit irgendwann weichen. Vielleicht war es nicht nur ein hoffnungsloser Traum. Vielleicht gab es noch Hoffnung, auch wenn sie so weit entfernt schien…

Kapitel 157

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Braydan, der seine Macht und Kontrolle genoss, hatte sich wieder in sein Geschäft vertieft, als wäre nichts Außergewöhnliches geschehen. Das Klackern seiner Tastatur und seine vollkommen gleichgültige Haltung gegenüber den Opfern seines Spiels ließen Darius fast ersticken.
 

Er wusste, dass er nicht viel tun konnte – seine Bewegungen waren durch die Fesseln und Ketten vollkommen eingeschränkt. Aber das war nicht das Schlimmste. Die wahre Qual war die Hilflosigkeit, die sich wie eine kalte Hand um sein Herz legte. Er fühlte sich gefangen, nicht nur in den Ketten, sondern auch in dieser erdrückenden Ohnmacht, die ihn immer mehr erdrückte.
 

Jeder Atemzug, den er tat, fühlte sich an, als würde er tiefer in den Sumpf der Hilflosigkeit sinken. Die ganze Situation war wie ein schwerer Nebel, der ihn umhüllte und keine Klarheit ließ.
 

Darius hatte keine Kontrolle. Konnte nicht helfen. Konnte Aiden nicht schützen. Es war die ständige Qual, in der er sich befand. Jeder Moment, in dem er Aiden nicht helfen konnte, ließ die innere Zerrissenheit weiter wuchern. Selbst mit seinen eigenen Handicaps, den Fesseln und der Ungewissheit, fühlte er die Verantwortung, der er sich nicht entziehen konnte.
 

„Bitte, Damian…“, dachte er verzweifelt. „Komm endlich…“ Es war der einzige Gedanke, der ihn am Leben hielt, der ihn davor bewahrte, völlig zu zerbrechen.
 

Doch die Stunden verstrichen zäh, und keine Rettung kam.
 

Ein leises Stöhnen ließ ihn zusammenzucken. Darius wandte den Kopf und sah Aiden, der zusammengesunken auf dem Bett lag. Sein Gesicht war blass, seine Lippen leicht geöffnet, während seine Brust sich unregelmäßig hob und senkte. Darius spürte, wie ihm Übelkeit aufstieg. Aiden war am Ende seiner Kräfte – sein Körper zitterte, obwohl er kaum noch die Kraft hatte, sich zu bewegen.
 

Jeder Atemzug von Aiden fühlte sich wie ein weiterer Test an, ein messbares Zeichen von Hoffnungslosigkeit. Darius konnte es nicht fassen, wie Aiden so regungslos vor ihm lag, als würde die Zeit stillstehen, während sein eigener Herzschlag immer lauter wurde, jeder Takt eine Erinnerung daran, wie verzweifelt er gerade war.
 

Er konnte nicht einfach nichts tun. Es war wie ein schleichender Schmerz, der ihm in die Glieder kroch. Die Unfähigkeit, Aiden zu retten, schnürte ihm die Brust zusammen, und er fühlte sich innerlich zerrissen.
 

„Aiden…?“ Seine eigene Stimme klang rau, fast fremd. Die Worte schienen in der Luft zu zerbrechen, bevor sie Aiden erreichen konnten. Darius‘ Stimme drang nicht bis zu ihm durch, so schwach, wie er selbst war.
 

Keine Antwort. Nur ein leises, zittriges Einatmen.
 

Darius biss die Zähne zusammen. Er musste etwas sagen, irgendetwas. Er konnte Aiden nicht einfach so liegen lassen, ohne zu versuchen, ihn zu erreichen. Die Ketten um seine Hände klirrten, als er unruhig die Hände ballte. „Du musst durchhalten“, murmelte er, so leise, dass er nicht einmal sicher war, ob Aiden es hörte. „Damian… wird kommen. Jack auch. Sie werden uns holen. Es wird nicht für immer so bleiben.“
 

Stille.
 

Darius’ Blick huschte über Aiden, suchte nach einer Regung. Sein Atem ging so flach, dass es ihm Angst machte. Jeder Atemzug von Aiden ließ die Sorge in Darius‘ Brust weiterwachsen. Der dünne, schwache Atem ließ ihn unruhig werden. Was, wenn es zu spät war?
 

„Hörst du mich?“ Seine Stimme wurde etwas drängender. „Aiden?“
 

Ein schwaches Zucken in Aidens Fingern. Dann, nach einer endlosen Sekunde, ein heiseres Flüstern.
 

„Ich… kann nicht…“
 

Darius presste die Lippen zusammen. Er wollte ihm widersprechen, wollte ihm versichern, dass er es konnte. Doch die Wahrheit war: Er verstand Aidens Erschöpfung nur zu gut. Es war ein schmaler Grat zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Darius kämpfte gegen die Schwere der Worte, die in ihm brodelten, gegen die Wahrheit, die er nicht aussprechen wollte, aber tief in sich wusste: Aiden war am Ende, und er konnte ihm nicht helfen, sich aus diesem Abgrund zu befreien.
 

„Ich weiß“, sagte er schließlich leise. „Aber du darfst jetzt nicht aufgeben. Wir kommen hier raus…“
 

Aiden schloss die Augen. Darius sah, wie sich eine einzelne Träne über seine Wange stahl, und sein Herz zog sich schmerzhaft zusammen. Jeder Tropfen, der über Aidens Wange glitt, verstärkte den Schmerz, den Darius nicht in Worte fassen konnte.
 

Er wollte ihn halten, ihn trösten, ihm wenigstens das Gefühl geben, dass er nicht allein war. Doch die Ketten hielten ihn in brutaler Distanz. Also blieb ihm nur seine Stimme. Jeder Zentimeter, den er sich von Aiden entfernt fühlte, verstärkte den Schmerz.
 

Die Ketten, die ihn fesselten, waren nicht nur physischer Natur – sie schnürten auch das Band, das er zu Aiden hatte. Aber er wusste, dass er sich nicht vollständig aufgeben durfte. Wenn er es tat, was würde dann aus Aiden?
 

„Du bist nicht allein.“
 

Ein Zittern lief durch Aidens Körper. Ob es seine Worte waren oder einfach die Kälte, wusste Darius nicht. Es war unmöglich zu sagen, was es war – das Zittern könnte von beidem gekommen sein, oder von etwas noch Tieferem, das Darius in diesem Moment nicht benennen konnte.
 

Seine Gedanken rasten. Was, wenn Aiden nicht mehr die Kraft hatte, durchzuhalten? Was, wenn er hier starb, noch bevor Damian kam? Es war eine quälende Vorstellung. Eine Vorstellung, die ihn nicht losließ. Jeder Gedanke an das Unglück, das Aiden ereilen könnte, ließ seinen Magen zusammenziehen.
 

Die Vorstellung, dass Aiden hier vergehen könnte, ohne dass jemand rechtzeitig kam, war wie ein Schatten, der über alles andere fiel.
 

Nein. Darius kniff die Augen zusammen, zwang sich, nicht in diesen Gedanken zu versinken. Er durfte nicht nachgeben. Es war schwer, gegen die Dunkelheit in seinem eigenen Kopf anzukämpfen. Aber er wusste, dass er nicht aufgeben durfte – nicht für sich und nicht für Aiden. Es war der Moment, in dem er sich entschloss, stark zu bleiben, egal, wie sehr der innere Druck ihn niederzudrücken versuchte.
 

„Aiden“, flüsterte er eindringlich, „bleib wach.“
 

Aidens Lippen bewegten sich, aber es kam kein Laut mehr über sie. Darius‘ Atem wurde flacher. Er konnte kaum noch einen klaren Gedanken fassen, als er Aidens leise Bewegungen beobachtete. Der Klang von Aidens Lippen, der so schwach war, ließ ihn innerlich erschauern.
 

Der Atem, der nun immer flacher wurde, ließ die Luft in Darius’ Brust noch schwerer werden.
 

„Bitte…“ Seine Stimme brach. Es war der Moment, an dem sich Darius’ Konturen völlig verwischten. Jeder Ton in seiner Stimme, der so brüchig wurde, spiegelte die ganze Verzweiflung wider, die er tief in sich trug. Er wollte mehr sagen, mehr tun, aber nichts schien zu reichen.
 

Er wusste nicht, wie viel Zeit verging, während er neben ihm saß, gefangen in seinen Ketten, unfähig, auch nur die Hand nach ihm auszustrecken. Die Zeit schien stillzustehen, als er neben Aiden saß und nichts tun konnte. Jedes Ticken der Uhr verstärkte nur das Gefühl der Ausweglosigkeit, das ihn umhüllte. Es war wie ein ständiger Schlag in die Magengrube – die Zeit rannte davon, und er konnte Aiden nicht retten.
 

In der Ferne hörte er plötzlich Schritte. Hoffnung flammte für den Bruchteil einer Sekunde auf – doch sie erlosch genauso schnell wieder. Es war nicht Damian. Es war zu früh. Die Schritte waren nicht die, auf die er gewartet hatte, nicht die, die ihn aus dieser Hölle befreien würden.
 

Braydan drehte sich mit einem selbstzufriedenen Lächeln um und ließ seinen Blick auf Darius ruhen. „Du hoffst immer noch, nicht wahr?“ Spott schwang in seiner Stimme mit. Die Worte waren wie ein Schlag, als ob Braydan wusste, dass Darius nichts tun konnte, um sich zu befreien.
 

Darius kämpfte gegen die aufkommenden Tränen an. Er wusste, dass es sinnlos war, zu antworten. Aber der Versuch, wenigstens einen Funken Hoffnung zu bewahren, schien alles zu sein, was ihm noch blieb.
 

„Aber keine Sorge“, fügte Braydan hinzu, während er sich abwandte. „Aiden wird irgendwann wieder aufstehen. Doch bis dahin…“ Er ließ die Worte in der Luft hängen, als wäre es eine belanglose Bemerkung. Jedes Wort von Braydan fühlte sich wie ein weiterer Schritt in die Dunkelheit, der Darius tiefer in seine Verzweiflung trieb.
 

Darius’ Brust zog sich schmerzhaft zusammen. Noch immer gab es keine Spur von Damian. Und die Dunkelheit um ihn wurde immer dichter…

Kapitel 158

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Taylor stand im Raum, sein Blick war starr auf das Geschehen gerichtet gewesen, denn er konnte es nicht verstehen, wie Braydan, seine Männer dabei zuschauen ließ, schließlich hatte er als nächstes Wachdienst gehabt. Auch war es nicht das, was er sich vorgestellt hatte. Es war schlimmer. Der Raum, in dem er stand, war still, doch die Schreie verfolgten ihn, die gequält, einfach sich selbst überlassen wurden. Sie hallten in seinem Kopf wider.
 

Er wusste genau, was mit den Omega hier geschah, wusste, wie sie verschachert und zu etwas gemacht wurden, das man wie Ware oder Spielzeug behandelte. Es war das. Was Braydan verlange, was er der Welt aufzwang – den Omegas – die grausame Realität, in der er sich wiederfand, weil er keinen anderen Weg mehr sah.
 

Was auch immer er sich mit seinem Mann Graham vorgenommen hatte, er glaubte langsam nicht mehr daran. Er wusste, dass der Weg, den die beiden gingen, gefährlich war. Aber wie gefährlich das konnte, Taylor noch nicht ahnen.
 

Doch das, was er jetzt mit eigenen Augen gesehen hatte, ließ selbst die düstersten Bilder, die er sich je ausgemalt hatte, verblassen. Es war mehr, als er ertragen konnte.
 

Taylor atmete tief ein und versuchte, die Wut, die sich in ihm aufstaute, zu unterdrücken. Er hatte nicht gewollt, dass es so weit kam. Niemand hatte gewollt, dass es so weit kommen würde. Doch seine Hände waren gebunden. Nicht körperlich – nein, es war die Angst, die ihn lähmte. Die Angst vor den Konsequenzen, die er tragen würde, wenn er den falschen Schritt machte.
 

Er wusste, dass Graham und er für das hier verantwortlich waren. Sie hatten dafür gesorgt, dass Darius und Aiden hier landeten, aber was sie nicht ahnten, war das Ausmaß der Grausamkeit, das sie entfesselt hatten.
 

Sie hatten sich an einen Plan gehalten, der sich wie ein Verhängnis anfühlte, und jetzt, da er das Leid und den Schmerz mit eigenen Augen sah, fragte er sich, ob er diesen Plan hätte stoppen können – und warum er es nicht getan hatte.
 

„Du musst dich entscheiden, Taylor“, flüsterte eine innere Stimme, die er längst verdrängt hatte. „Bist du der, der wegschaut? Oder bist du der, der handelt?“ Doch er wusste, dass der Preis zu hoch war. Dachte er an seinen Sohn, der versteckt war, zum Schutz.
 

Er hatte das Gefühl, in einer Zwickmühle zu stecken. Wenn er eingreifen würde, würde das alles gefährden. Aber wie konnte er es ertragen, weiter zuzusehen?
 

Es war nicht nur der physische Schmerz, den er sah. Es war die Entmenschlichung. Die Tatsache, dass sie nicht einmal als Menschen betrachtet wurden, sondern als Objekte, die nach Belieben benutzt und zerstört werden konnten. Und was war er, wenn er dies einfach hinnahm?
 

Sein Herz zog sich zusammen, und er schloss die Augen, um den Anblick zu verdrängen. Doch die Bilder waren da. Er konnte nicht entkommen.
 

„Ich kann nicht länger so tun, als ob nichts passiert“, murmelte er leise, mehr zu sich selbst als zu jemand anderem. Aber was konnte er wirklich tun?
 

„Sir, darf ich Pause machen?“
 

Taylor wusste nicht, warum er es fragte. Vielleicht, weil er für einen Moment Luft brauchte, um nachzudenken. Vielleicht, weil er spüren wollte, ob Braydan ihm diese winzige Freiheit gewährte, oder ob er genauso gefangen war wie alle anderen hier – nur in einer anderen Weise.
 

Braydan drehte sich langsam zu ihm um, seine eisblauen Augen musterten ihn mit einer Mischung aus Belustigung und Gleichgültigkeit. Er ließ sich Zeit mit der Antwort, als wollte er ihn noch ein wenig zappeln lassen.
 

Dann zuckte er die Schultern. „Meinetwegen.“
 

Braydan beobachtete ihn genau, ließ Taylor jedoch ziehen, ohne eine weitere Bemerkung zu machen. Es war ihm nicht entgangen, wie er auf das Geschehen reagiert hatte. Natürlich wusste er längst, was Taylor war – es war offensichtlich. Doch er sagte nichts. Nicht jetzt. Vielleicht, weil er sich denken konnte, warum Taylor sich zurückzog, warum er eine Pause brauchte.
 

Taylor atmete kaum merklich aus. Er zwang sich, ruhig zu bleiben, nicht zu zeigen, dass dieser kurze Moment der Erleichterung bedeutete, dass er etwas im Schilde führte.
 

Er nickte knapp. „Danke.“
 

Braydan winkte ab, als wäre es ihm egal. Vielleicht war es das auch. Vielleicht hielt er Taylor für ebenso bedeutungslos wie die anderen. Oder vielleicht amüsierte es ihn, ihn in dieser Lage zu sehen – zerrissen zwischen dem, was er sein sollte, und dem, was er tatsächlich war.
 

Doch Taylor wusste, dass dies seine Chance war.
 

Er verließ den Raum mit kontrollierten, gleichmäßigen Schritten, spürte Braydans Blick noch für einen Moment in seinem Rücken…

Kapitel 159

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Taylor hastete aus dem Raum, seine Gedanken wirbelten durcheinander, als er die Treppen hinaufstürmte. Sein Herz schlug heftig, und sein Atem ging stoßweise, als würde er jeden Moment ersticken. Er konnte nicht länger tatenlos bleiben, nicht nach allem, was er gesehen hatte.
 

Die Bilder, die sich in sein Gedächtnis brannten, die Schreie, die ihm durch Mark und Bein gingen – all das ließ ihm keine Ruhe, es verfolgte ihn, selbst jetzt, wo er verzweifelt versuchte, einen klaren Gedanken zu fassen.
 

Seine einzige Flucht war der Weg nach oben, in den Raum, in dem er sich mit seinen Gedanken allein fühlen konnte. Das war der einzige Ort, an dem er jetzt einen klaren Kopf bekam, fernab von Braydans wachsamem Blick, fernab von der Hölle, die sich dort unten abspielte.
 

Er fühlte Braydans Blick noch immer in seinem Rücken, eine unsichtbare Last, die sich auf seine Schultern legte und ihn förmlich erdrückte. Doch der Alpha hielt ihn nicht auf, nicht dieses Mal. Taylor wusste, dass Braydan längst verstanden hatte, warum er eine Pause forderte, und dass es ihm nicht gefiel, aber er ließ ihn gewähren.
 

Vielleicht, weil er glaubte, dass Taylor ohnehin nicht den Mut hatte, etwas zu unternehmen. Vielleicht, weil er wusste, dass Taylor zu viel zu verlieren hatte, dass ihn Ketten hielten, die er nicht einfach sprengen konnte.
 

Mit zitternden Händen griff er nach dem Schlüssel an seiner Hüfte, spürte, wie er ihm fast aus den Fingern glitt, so als würde selbst sein Körper sich gegen ihn stellen. Er öffnete die Tür zur Zelle von Soren Farnsworth, dem Mann, den er als Freund betrachtete, als einen Verbündeten inmitten dieses Albtraums, auch wenn eben jener hier gefangen war und Taylor nicht helfen konnte, wie er es vielleicht wollte.
 

Soren sah ihm an, dass etwas nicht stimmte. Die Art, wie Taylor sich bewegte, wie seine Schultern bebten, wie sein Blick unstet durch den Raum flog – es sprach Bände. Ohne zu zögern, ging er auf ihn zu, zog ihn in eine Umarmung, so fest, als könnte er ihn allein mit dieser Geste vor allem Bösen abschirmen.
 

„Was ist denn passiert?“ Seine Stimme war ruhig, aber in seinem Blick lag Besorgnis.
 

Er wusste, dass es schwer war, Taylor zum Reden zu bewegen. Besonders jetzt, wo sich die Angst und der Schmerz in dessen Zügen abzeichneten. Zumal er spürte, dass auch dessen Mann jetzt bei ihm sein müsste, Graham, der immer versuchte, ihn zu schützen.
 

Soren fragte sich, wie lange es wohl dauern würde, bis Graham ebenfalls hier auftauchte, getrieben von demselben Wissen, das auch Taylor erschütterte.
 

„Braydan… Aiden… Vergewaltigung…“ Taylors Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, brüchig wie Glas. Sein Körper bebte, als wäre es ihm unmöglich, das Gesagte selbst zu begreifen, als könne er es nicht einmal aussprechen, ohne daran zu zerbrechen.
 

Er hatte niemals gewollt, dass seinem Neffen so etwas geschah. Niemals. Aber er wusste langsam wirklich nicht mehr, ob er noch weiter in der Lage sein würde, die Farce und das Spiel aufrechtzuerhalten, ob er den Mann spielen konnte, den Braydan von ihm verlangte.
 

Sorens Blick verfinsterte sich. Er verstand auch so, was passiert war, auch ohne weitere Worte. Aber er kannte leider Braydan zu gut, wusste, wozu dieser fähig war. Und er wusste, dass dies erst der Anfang war, dass sich dieser Wahnsinn nicht von allein beenden würde.
 

Auch schloss er für einen Moment die Augen, während er Taylor festhielt. Er spürte, wie der Mann in seinen Armen zitterte, gefangen zwischen Schuld, Wut und Angst, und er wünschte sich, er könnte ihm diese Last abnehmen. Ein leiser Seufzer entkam ihm, als er Taylor etwas fester drückte, als würde er ihn allein durch diese Umarmung daran erinnern wollen, dass er nicht allein war.
 

„Du kannst das nicht länger mitmachen“, sagte Soren schließlich leise, aber bestimmt, seine Worte so klar wie ein unausweichliches Urteil. „Nicht, wenn du noch in den Spiegel schauen willst.“
 

Taylor lachte bitter, ein raues, kraftloses Geräusch, das nichts mit echter Erleichterung zu tun hatte. Seine Finger krallten sich in Sorens Ärmel, als wäre dieser der einzige Halt, den er noch hatte.
 

„Denkst du, das tue ich jetzt noch?“ Seine Stimme war voller Resignation, voller Abscheu – nicht nur gegenüber Braydan, sondern auch gegenüber sich selbst.
 

Er löste sich aus Sorens Griff, fuhr sich mit einer Hand durchs Gesicht, als könnte er so die Bilder vertreiben, die sich in seinem Kopf festgesetzt hatten. Sein Herz hämmerte so laut, dass es in seinen Ohren dröhnte, als würde es ihm jeden Moment die Brust zerreißen.
 

„Ich weiß, dass Graham bald hier sein wird“, fuhr Soren fort, seine Stimme noch immer ruhig, aber bestimmt, und musterte ihn mit einem Blick, der keinen Widerspruch duldete. „Und ich weiß, dass du hoffst, er hat eine Lösung. Aber Taylor… es gibt keine Lösung, die uns alle heil aus der Sache rausbringt.“
 

Taylor schüttelte den Kopf, ein verzweifeltes Leuchten in seinen Augen, als würde er sich weigern, diese Wahrheit zu akzeptieren. „Nein, das darf nicht sein. Ich… ich kann Aiden nicht einfach hierlassen. Ich kann keinen von ihnen einfach hierlassen.“
 

Soren legte ihm eine Hand auf die Schulter, hielt ihn fest, zwang ihn, ihn anzusehen, damit er seine Worte auch wirklich verstand. „Dann tu es nicht.“
 

Taylor sah ihn mit weit aufgerissenen Augen an, suchte nach einer Antwort in Sorens Miene, nach einer Hoffnung, die ihm die Angst nahm. „Du weißt, was das bedeutet.“
 

Soren nickte langsam, ohne zu zögern. „Ja. Und du weißt es auch.“
 

Ein Zittern lief durch Taylors Körper, ein unkontrollierbares Beben, das von all den unterdrückten Gefühlen zeugte, die er so lange hinuntergeschluckt hatte. Er wusste, dass er eine Entscheidung treffen musste. Aber konnte er das wirklich? War er bereit, alles zu riskieren?
 

Noch während er darüber nachdachte, hörte er schwere Schritte auf dem Flur.
 

Sein Atem stockte, als hätte jemand ihm die Luft aus der Lunge gepresst.
 

Die Schritte waren langsam, gleichmäßig – nicht hastig, nicht vorsichtig. Wer auch immer da kam, hatte keine Angst, entdeckt zu werden, kein Bedürfnis, seine Anwesenheit zu verbergen. Ein leises Schaben auf dem Boden, das dumpfe Echo schwerer Stiefel, das den kalten Flur erfüllte.
 

Taylor konnte nicht sehen, wer es war, aber sein Körper spannte sich an, als wäre sein Instinkt schneller als sein Verstand.
 

Soren löste sich aus der Starre als Erster. Er legte Taylor eine Hand auf die Brust, als wollte er ihn zurückhalten, ihn davor bewahren, voreilig zu handeln.
 

„Bleib ruhig“, flüsterte er, seine Stimme kaum mehr als ein Hauch, aber voller Ernst.
 

Die Schritte hielten vor der Tür, ein Moment der Stille – zu lang, zu bedeutungsschwer, als dass er zufällig sein könnte.
 

Dann: Ein Schlüssel im Schloss, das leise Klacken von Metall auf Metall…

Kapitel 160

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Taylor wusste, dass es Graham war, noch bevor die Tür sich öffnete. Sein Herz schlug schneller, aber diesmal nicht aus Angst, sondern aus einer tiefen Erleichterung, die er sich kaum eingestehen wollte. Er atmete tief durch, versuchte, seine Gedanken zu ordnen, als sein Mann eintrat und ihn mit scharfem Blick musterte.
 

„Taylor.“ Grahams Stimme war ruhig, aber fest, durchzogen von einer Anspannung, die er nicht ganz verbergen konnte. Sein Blick war scharf, prüfend, wanderte zu Soren, dann wieder zu Taylor, als suche er nach Antworten, die unausgesprochen zwischen ihnen lagen.
 

„Was ist passiert?“
 

Taylor wollte antworten, doch für einen Moment brachte er kein Wort heraus. Seine Kehle fühlte sich trocken an, als hätte sie sich zugeschnürt, und die Worte blieben ihm förmlich im Hals stecken. Er ballte die Hände zu Fäusten, seine Nägel drückten sich tief in seine Handflächen, während er verzweifelt versuchte, seine Emotionen unter Kontrolle zu halten.
 

Doch als er Grahams durchdringenden Blick spürte, so fordernd, so voller unausgesprochener Sorge, gab er auf.
 

„Braydan… er… Aiden…“ Seine Stimme brach, kaum hörbar, als würde allein das Aussprechen der Worte ihm die Luft zum Atmen nehmen. Er schüttelte den Kopf, als könne er so die Bilder vertreiben, die sich in sein Gedächtnis gebrannt hatten.
 

„Ich kann das nicht mehr. Ich kann nicht mehr zusehen.“
 

Graham schwieg für einen Moment, sein Blick wurde härter, dunkler, während er das Gesagte verarbeitete. Doch hinter dieser eisernen Fassade lag etwas anderes – Schmerz. Ein tiefer, nagender Schmerz, den er nicht zulassen wollte, weil er wusste, dass er ihnen nicht half.
 

Dann trat er näher, langsam, fast zögerlich, bevor er eine Hand an Taylors Wange legte, die Berührung warm, aber fest.
 

„Wir wussten, dass es gefährlich wird“, sagte er leise, seine Stimme nun sanfter, aber mit einer Schwere, die Taylor nicht entging. „Aber ich habe nie gewollt, dass du es so weit kommen lässt.“
 

Taylor schloss für einen kurzen Moment die Augen, ließ die Wärme von Grahams Berührung zu, auch wenn sie ihm keinen Trost brachte. Er lehnte sich unmerklich gegen seine Hand, als könne sie ihn davor bewahren, unter der Last seiner Schuld zusammenzubrechen.
 

„Was soll ich tun?“ Seine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.
 

Graham sah zu Soren, als suche er bei ihm eine Bestätigung, dass es noch einen anderen Weg gab, irgendeinen Ausweg, der Taylor aus dieser Situation heraushalten konnte. Doch Sorens Blick verriet ihm, dass es keinen einfachen Weg gab.
 

„Wir müssen einen Weg finden, sie da rauszuholen. Bevor es zu spät ist.“
 

Soren nickte langsam, sein Gesichtsausdruck ernst. „Ich habe einen Plan. Aber er ist riskant.“
 

Taylor atmete tief durch. Er wusste, dass sie keine Wahl mehr hatten. Die Zeit lief ihnen davon, und wenn sie nicht bald handelten, könnte es für Aiden, Darius und die anderen zu spät sein.
 

Soren seufzte leise und ließ sich auf das einfache Bett in seiner Zelle sinken. „Ich hatte hier drin genug Zeit zu beobachten, was draußen passiert. Ich weiß nicht, wie sie es geschafft haben, aber Damian, Jack, Dustin, Will, Thomas und ihre Männer sind hier. Sie sind nah dran, aber sie kommen nicht rein.“
 

Sein Blick war ernst, als er Taylor ansah. „Sie suchen nach einem Weg. Aber so, wie es aussieht, haben sie bisher keinen gefunden.“
 

Taylor riss die Augen auf, Hoffnung flammte in ihm auf – doch sie wurde sofort wieder erstickt von der bitteren Realität, die sie umgab. „Sie sind hier?“ Seine Stimme klang atemlos, sein Herzschlag beschleunigte sich. „Verdammt… wenn sie da draußen sind, bedeutet das, dass sie in Gefahr sind. Braydan wird es bemerken.“
 

Graham verschränkte die Arme vor der Brust, seine Kiefermuskeln spannten sich an. „Ich habe sie auch gesehen. Sie sind vorsichtig, aber nicht vorsichtig genug. Wenn sie einen Fehler machen, sind sie tot, bevor sie überhaupt in die Nähe des Eingangs kommen.“ Seine Stimme war hart, aber Taylor kannte ihn gut genug, um das Zittern darin zu hören.
 

Soren lehnte sich gegen die kalte Wand, seine Miene nachdenklich. „Vielleicht gibt es eine Möglichkeit, das zu nutzen. Braydan ist arrogant. Er fühlt sich unantastbar. Wenn wir es schaffen, ihn abzulenken oder in eine Falle zu locken, dann könnten sie von draußen angreifen. Aber wir brauchen eine Gelegenheit.“
 

Taylor fuhr sich mit einer zitternden Hand durchs Haar, der Druck in seiner Brust wurde unerträglich. „Braydan lässt sich nicht einfach so in eine Falle locken…“
 

„Nein“, stimmte Graham zu, seine Stimme war nun leise, fast rau. „Aber wenn er glaubt, dass er gewinnt, wird er unvorsichtig. Wir brauchen einen Köder.“
 

Soren sah ihn scharf an. „Und wen schlägst du vor?“
 

Graham zögerte, als wäre es ihm unmöglich, die Worte auszusprechen. Sein Blick wanderte zu Taylor, blieb an ihm hängen, voller Widerwillen und einer stummen Bitte, dass es einen anderen Weg geben musste. Aber es gab keinen.
 

„Jemanden, dem er vertraut. Jemanden, der ihn in Sicherheit wiegt.“
 

Taylor verstand sofort. Sein Magen zog sich zusammen, kalte Panik kroch ihm die Wirbelsäule hinauf. „Du meinst mich.“
 

Obwohl Taylor nicht verstehen konnte, warum ausgerechnet Braydan ihm vertraute – das wollte nicht in seinen Kopf, egal, wie oft er darüber nachdachte.
 

Er hatte sich nie als jemanden gesehen, der überzeugend lügen konnte, geschweige denn als jemanden, dem man freiwillig Glauben schenkte. Und doch hatte Braydan ihn nie wirklich infrage gestellt, nie an seiner Loyalität gezweifelt.
 

War es Arroganz? Der unerschütterliche Glaube daran, dass Taylor niemals den Mut aufbringen würde, ihn zu hintergehen? Oder lag es daran, dass Braydan ihn als gebrochenen Mann sah, der zu nichts anderem mehr fähig war, als sich seinem Willen zu beugen?
 

Egal, was es war – es ekelte Taylor an.
 

Graham nickte langsam, aber diesmal war sein Blick nicht entschlossen – sondern voller Widerstand. „Ich weiß, dass es gefährlich ist.“ Seine Stimme klang rauer als zuvor, seine Hände ballten sich zu Fäusten. „Aber wenn wir ihn ablenken können, dann haben die Jungs draußen eine Chance.“
 

Taylor spürte, wie ihm die Luft wegblieb. Sein ganzer Körper protestierte gegen den Gedanken, sich absichtlich in Braydans Nähe zu begeben. Doch tief in seinem Inneren wusste er, dass sie keine andere Wahl hatten.
 

Graham hingegen konnte diesen Gedanken kaum ertragen. Er hatte Taylor schon viel zu oft in Gefahr gesehen. Schon viel zu oft hatte er machtlos zusehen müssen, wie sein Mann sich in Situationen brachte, die ihm den Schlaf raubten.
 

„Es muss einen anderen Weg geben“, murmelte er, mehr zu sich selbst als zu den anderen. Doch er wusste, dass es keinen gab.
 

Taylor hob den Kopf, sein Blick begegnete Grahams. „Wenn wir es nicht tun, dann war alles umsonst.“
 

Graham presste die Lippen aufeinander, sein Atem ging schwer. Er wollte nicht zustimmen. Wollte nicht derjenige sein, der seinen eigenen Mann in eine Falle schickte. Aber er wusste, dass sie sonst alle verloren waren.
 

Taylor legte ihm kurz eine Hand auf den Arm, ein stummer Versuch, ihm seine Entscheidung zu zeigen. „Ich weiß, was ich tue.“
 

Doch Graham wusste, dass das nicht stimmte. Niemand konnte wissen, was passieren würde. Und genau das war es, was ihm am meisten Angst machte…

Kapitel 161

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Soren, der den inneren Konflikt von Graham spürte, lehnte sich ein Stück vor, sein Blick entschlossen, ehe er sprach. „Ich werde es tun.“
 

Taylor schüttelte sofort den Kopf, seine Augen weiteten sich vor Entsetzen. „Nein, das ist zu gefährlich!“
 

Er konnte nicht fassen, dass Soren das wirklich in Erwägung zog. Sein Magen zog sich zusammen, als er sich vorstellte, was passieren konnte – was Braydan ihm antun könnte. Die bloße Vorstellung war unerträglich.
 

Doch Soren ließ sich nicht beirren. Sein Blick war fest, ohne ein Anzeichen von Zweifel. „Taylor, hör zu. Ich kenne Braydan. Ich weiß genau, wie ich ihn herumbekomme. Er denkt, er hätte mich längst gebrochen – das kann ich nutzen.“
 

Graham beobachtete ihn aufmerksam, seine Augen schmalten sich leicht, als er jedes Wort sorgfältig abwog. „Und wie genau stellst du dir das vor?“
 

Soren zuckte mit den Schultern, sein Blick wurde kälter, als hätte er bereits mit dem Schlimmsten abgeschlossen. „Braydan ist berechenbar, wenn es um seine Lüste geht. Ich muss nur das richtige Maß an Widerstand und Gehorsam zeigen, damit er mich für sich beanspruchen will. Wenn ich ihn lange genug beschäftige, haben eure Männer vielleicht eine Chance, hier reinzukommen.“
 

Taylor spürte, wie sein Herzschlag schneller wurde. Sein Atem ging flacher, und ein bitterer Geschmack breitete sich in seinem Mund aus. Er wollte widersprechen, wollte schreien, dass es Wahnsinn war, aber die Realität schlug erbarmungslos zu. Sie hatten keine andere Wahl.
 

„Das Risiko ist zu hoch.“ Seine Stimme klang brüchiger, als er es wollte.
 

Soren verschränkte die Arme, sein Blick blieb ruhig. „Und was ist die Alternative?“ Er sah Taylor direkt an, ließ ihm keine Möglichkeit auszuweichen. „Dass du es tust? Dass du deine Fassade fallen lässt und Braydan Verdacht schöpft? Taylor, du bist der Einzige, der noch halbwegs außerhalb seines Misstrauens steht. Wenn er auch nur den Hauch eines Zweifels bekommt, bist du dran.“
 

Graham nickte langsam, seine Kiefermuskeln angespannt. „Er hat recht. Du kannst es dir nicht leisten, Fehler zu machen.“
 

Taylor ballte die Fäuste. Alles in ihm sträubte sich gegen den Gedanken, Soren diesem Monster zu überlassen. Doch gleichzeitig wusste er, dass Soren recht hatte. Er hätte niemals die nötige Kontrolle über sich, um Braydan zu täuschen.
 

Soren erhob sich und klopfte ihm leicht auf die Schulter. Seine Berührung war nur flüchtig, doch sie trug eine stumme Botschaft in sich: Ich tue das nicht nur für euch – sondern auch für mich.
 

Taylor sah ihm in die Augen und erkannte den festen Entschluss dahinter. Es war nicht bloß ein Plan – es war Sorens Entscheidung. Er wollte es tun, nicht nur, weil es die beste Option war, sondern auch, weil er nicht wollte, dass Taylor sich opferte.
 

Nach einem langen Moment seufzte Taylor schwer. „In Ordnung… aber wenn es schiefgeht—“
 

„Dann habt ihr keine Zeit zu zögern.“ Sorens Blick wanderte zu Graham, dessen Miene unnachgiebig blieb. „Sobald ihr merkt, dass er abgelenkt ist, müsst ihr handeln.“
 

Graham nickte knapp. „Wir werden bereit sein.“
 

Ein schweres Schweigen legte sich über den Raum.
 

Schließlich durchbrach Soren die Stille mit einer direkten Anweisung: „Graham, du als Alpha bringst mich zu Braydan, mit der Bitte, dass ich meine Hitze habe. Was nicht einmal gelogen ist. Er wird dann schon anbeißen, und du, Taylor… beruhigst dich bitte.“
 

Taylor riss die Augen auf, sein ganzer Körper spannte sich an. „Das ist Wahnsinn, Soren!“
 

Doch Soren blieb ruhig. „Es ist unsere beste Chance. Ich weiß, was ich tue.“
 

Graham verschränkte die Arme und musterte ihn nachdenklich. Sein Blick war hart, doch hinter dieser Maske lag etwas anderes – Widerwillen. „Du willst also, dass ich dich zu ihm bringe und so tue, als würdest du in der Hitze stehen?“
 

Soren zuckte mit den Schultern. „Es ist nicht einmal eine Lüge. Ich spüre, dass sie bald einsetzen wird. Braydan wird nicht widerstehen können.“
 

Taylor lief unruhig auf und ab, sein Blick getrieben von Angst und Wut. „Und was, wenn er dich nicht zu sich nimmt? Was, wenn er dich stattdessen an jemand anderen weitergibt?“
 

Sorens Lippen verzogen sich zu einem humorlosen Lächeln. „Das wird er nicht. Ich kenne ihn. Er will immer das, was er für sich beansprucht hat. Und Braydan glaubt, mich längst gebrochen zu haben. Er wird mich für sich behalten wollen.“
 

Graham nickte langsam, seine Finger trommelten unruhig gegen seinen Unterarm. „Das könnte tatsächlich funktionieren…“
 

Taylor blieb stehen, sein Blick voller Zorn und Sorge. „Und was, wenn es schiefgeht? Was, wenn er merkt, dass du ihn täuschst?“
 

Sorens Miene wurde fester. „Dann müsst ihr schnell sein. Sobald ihr merkt, dass er abgelenkt ist, nutzt die Gelegenheit.“
 

Graham sah Taylor ernst an. „Er hat recht. Wir haben nicht viele Möglichkeiten.“
 

Taylor atmete schwer aus, rieb sich mit einer fahrigen Bewegung durchs Gesicht und nickte schließlich widerwillig. „In Ordnung… aber sei vorsichtig.“
 

Sorens Grinsen war schwach, aber auf seltsame Weise beruhigend. „Ich bin immer vorsichtig.“
 

Graham legte eine Hand auf Sorens Rücken, seine Finger gruben sich leicht in den Stoff seines Hemdes, als würde er ihn dadurch zurückhalten können. Doch er wusste, dass es keine andere Wahl gab.
 

Sein Blick wanderte zu Taylor, der immer noch nicht überzeugt war. Graham verstand ihn. Es fühlte sich falsch an, Sorens Leben in Gefahr zu bringen, doch es war die beste Chance, die sie hatten.
 

„Dann verschwende keine Zeit mehr.“ Grahams Stimme war tief und schwer. „Ich bringe ihn jetzt zu Braydan.“
 

Soren nickte zustimmend, seine Miene war ernst, aber entschlossen. „Dann los. Es gibt keine Zeit zu verlieren…“

Kapitel 162

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Graham führte Soren aus dem Raum, und ließ Taylor mit einem Gewicht zurück, dass ihn fast zu Boden drückte, auch blieb er, von Sorge und Wut gleichermaßen zerrissen zurück. Er wusste, dass Soren alles riskierte, doch die Dringlichkeit der Situation ließ ihm keine Wahl. Jeder Moment zählte.
 

Taylor spürte eine aufkommende Panik in sich. Was, wenn Braydan sich gegen Soren stellte? Was, wenn der Plan scheiterte? Doch er wusste, dass es jetzt kein Zurück gab. Sie mussten es versuchen, egal wie gefährlich es war.
 

Graham führte Soren durch das dunkle, verwinkelte Gebäude, vorbei an den Wachen, die sich ihrer Nähe nicht bewusst waren. Die Atmosphäre war angespannt, und die Schritte hallten leise in den Fluren wider. Soren blieb still und regungslos, seine Bewegungen eingefroren, als würde er eine leblose Puppe darstellen.
 

Es war eine Fassade, die er perfekt beherrschte, ein Spiel, das er mit Braydan schon oft gespielt hatte. Doch für Graham war es unerträglich zu sehen, wie weit Soren sich für diesen Plan hingab.
 

„Komm schon, Soren. Du weißt, was du tun musst“, sagte Graham leise, als sie vor der Tür zum Büro von Braydan standen.
 

Soren nickte kaum merklich und ließ sich dann von Graham ins Büro führen.
 

Braydan saß an seinem schweren, dunklen Schreibtisch, die Fingerspitzen aneinandergelegt, als Graham mit Soren eintrat. Seine eisblauen Augen fixierten sie sofort, durchbohrend und voller Argwohn. Das gedämpfte Licht des Raumes warf harte Schatten auf sein Gesicht, betonte die Linien um seinen Mund und die kalte Berechnung in seinem Blick.
 

„Ah, Graham.“ Seine Stimme war glatt, ein dunkles, schleichendes Etwas, das sich in die Luft legte. „Du bringst mir ein Geschenk?“
 

Graham zwang sich, ruhig zu bleiben, obwohl seine Hände sich nur zu gerne zu Fäusten ballen würden. Er nickte knapp, seine Haltung unterwürfig genug, um keinen Verdacht zu wecken. „Sir, Soren will zu euch.“
 

Braydans Lippen verzogen sich zu einem zufriedenen Lächeln. Er lehnte sich zurück, betrachtete Soren mit der Intensität eines Raubtiers, das seine Beute begutachtet.
 

Soren hob langsam den Kopf, als hätte er große Mühe, es zu tun. Seine Augen wirkten glasig, sein Körper zitterte kaum merklich. Die perfekte Illusion von Schwäche. Ein Spiel, das er bereits unzählige Male hatte spielen müssen.
 

„So?“ Braydan erhob sich, sein massiger Körper bewegte sich mit erschreckender Ruhe. „Willst du mir etwa sagen, dass du endlich verstanden hast, wo dein Platz ist?“
 

Soren ließ seinen Blick sinken, seine Schultern leicht nach vorne fallend. „Ja, Sir.“ Seine Stimme war leise, zögerlich, durchdrungen von einer unterdrückten Resignation.
 

Graham beobachtete ihn aus dem Augenwinkel, und obwohl er wusste, dass es nur eine Rolle war, kroch ihm eine abgrundtiefe Wut in die Knochen. Soren spielte den gebrochenen Omega perfekt – und Braydan fraß es ihm aus der Hand.
 

Braydan trat näher, umkreiste Soren wie ein Wolf, der seine Beute abwog. „Hmm… du siehst erbärmlich aus.“ Seine Finger griffen plötzlich nach Sorens Kinn, zwangen ihn, aufzublicken. „Hast du wirklich deine Lektion gelernt? Oder versuchst du nur, mich wieder zu täuschen?“
 

Soren zuckte kaum merklich unter der Berührung, ließ es aber geschehen. Seine Lippen bebten leicht. „Ich… ich bin müde, Sir. Ich will nicht mehr kämpfen.“
 

Braydans Lächeln wurde breiter, und ein dunkler Funke glomm in seinen Augen auf.
 

„So gefällt mir das. Endlich hast du es kapiert.“
 

Seine Finger fuhren über Sorens Wange, eine fast zärtliche Geste, die von brutaler Macht durchtränkt war. Dann wandte er sich an Graham.
 

„Gut gemacht. Du kannst gehen.“
 

Graham blieb wie angewurzelt stehen, sein Kiefer angespannt. Seine Hände zuckten an den Seiten, doch er zwang sich, nicht zu reagieren.
 

„Sir… wenn ich bleiben dürfte…“
 

Braydans Lächeln verschwand augenblicklich. Sein Blick wurde eiskalt. „Ich habe gesagt, du kannst gehen, Graham.“
 

Graham wusste, dass er nichts weitersagen durfte. Mit einem letzten Blick auf Soren, einem unausgesprochenen Versprechen, drehte er sich um und verließ das Büro.
 

Die Tür fiel mit einem leisen Klick ins Schloss.
 

Soren blieb allein mit Braydan zurück, trat einen Schritt vor, doch seine Bewegungen waren starr und unnatürlich, als würde er sich in einem Zustand völliger Unterwerfung befinden. Er senkte den Blick und ließ seinen Körper schlaff herunterhängen, als ob er nur dazu da war, Braydan zu gefallen – wie eine leblose Puppe, deren einzige Funktion es war, gefallen zu werden.
 

Er ließ keinen Anflug von Schwäche in seinem Gesicht sehen. Stand völlig in seiner Rolle als Puppe, als etwas, das nur existierte, um Braydan zu gefallen.
 

Darius konnte nicht fassen, was er sah. Das Gefühl der Hilflosigkeit stieg in ihm auf. Wieder ein Omega, den Braydan als Puppe missbrauchte – einen Omega, den Darius kannte. Seine Mutter hatte ihm viel von ihm erzählt. Hatte er Soren Farnsworth sofort erkannt. Einige Bilder, die er von seinem Vater gezeigt bekommen hatte, zeigten ihn mit seiner Mutter. Darius hatte sich den Namen und auch die Erscheinung in den Kopf gebrannt.
 

Auch sah, er dass der Mann sich nicht viel verändert hatte, sah, wie Braydan sich Soren näherte, mit einem Blick, der von Gier und Verlangen durchzogen war. Soren jedoch ließ sich widerstandslos von Braydan umarmen, seine ganze Körperhaltung war passiv, als ob er nicht mehr als ein Objekt war. Darius konnte sich kaum zurückhalten, als er diese Szene betrachtete.
 

Er wollte aufspringen, wollte etwas tun, aber er konnte sich nicht bewegen. Die Situation hatte ihn in ihrem Bann, und trotz der Wut, die in ihm brodelte, wusste er, dass er keine Chance hatte, jetzt einzugreifen. Er war ein Gefangener in diesem Spiel, und alles, was er tun konnte, war zuzusehen.
 

In dem Moment, inmitten der Stille, fühlte er sich plötzlich noch mehr gefangen als zuvor.
 

Darius blieb still liegen, starrte auf die Decke des Büros, und es schien, als ob die Zeit stillstand, das leise Klirren der Ketten an seinen Handgelenken ließ den Druck in seiner Brust nur noch intensiver werden...

Kapitel 163

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Braydan setzte sich langsam in seinen Stuhl, seine eisblauen Augen noch immer auf Soren gerichtet, als dieser sich mit einem kalkulierten Blick auf ihn zu bewegte. Ohne ein weiteres Wort setzte Soren sich provokativ auf Braydans Schoß und legte seine Hände um Braydans Nacken, die Augen halb geschlossen, als ob er die Kontrolle völlig abgegeben hätte.
 

Doch das war eine Illusion.
 

„Ich bin in Hitze“, sagte er ruhig, die Worte klangen fast wie ein vertrautes Mantra, das er viele Male wiederholt hatte. „Du weißt, was das bedeutet, Braydan.“
 

Braydan starrte ihn einen Moment lang an, seine Augen so kalt wie immer. Die Situation war eindeutig, und Soren wusste genau, wie er die Kontrolle in dieser Situation nutzen konnte.
 

„Du bist also wirklich so verzweifelt, hm?“, flüsterte Braydan mit einem spöttischen Grinsen. Doch in seinem Blick lag ein Funken von Interesse, den Soren nur allzu gut kannte. „Du weißt, dass ich nicht so leicht zu haben bin, Soren.“
 

Soren antwortete nicht sofort. Stattdessen lehnte er sich etwas weiter nach vorne und strich mit den Fingerspitzen über Braydans Brust, eine Bewegung, die bewusst langsam und verführerisch war. Seine Berührungen waren leicht, fast flüchtig, doch genau das machte sie so wirkungsvoll. Jeder Atemzug von ihm schien sich mit Braydans zu vermischen, während er ihm mit dunklen, glühenden Augen in die seinen sah.
 

„Ich weiß genau, was du willst“, flüsterte er, seine Stimme war fast wie ein raues Versprechen. „Und ich bin bereit, dir alles zu geben.“
 

Braydan behielt das Grinsen auf den Lippen, doch seine Augen funkelten. Soren wusste, wie er ihn manipulieren konnte. Und er wusste, dass es jetzt nur noch eine Frage der Zeit war, bis er die Oberhand gewinnen würde.
 

Auch wenn Braydan es niemals zugeben würde, tief in seinem Inneren lag ihm doch etwas an Soren. Es war keine Liebe, das wusste er, denn er war nicht in der Lage zu lieben – doch er konnte Soren nicht einfach als bloßes Werkzeug sehen. Nicht ganz. Es war mehr eine Mischung aus Besitzgier und der Vorstellung, dass Soren etwas war, das ihm gehörte.
 

Soren hatte ihm schon mehr als zehn Nachkommen geschenkt, und wenn er jetzt, in dieser Situation, bereit war, ihm Nummer elf zu schenken … warum sollte Braydan diese Gelegenheit nicht nutzen?
 

Er spürte die Nähe von Soren, der sich immer noch provozierend auf seinem Schoß bewegte, als wäre er schon lange die einzige Existenz, die für Braydan von Bedeutung war. Und irgendwie war es das auch. Soren war seine willenlose Puppe, geformt, um ihm zu gefallen, ohne Fragen zu stellen.
 

„Du weißt, dass ich dich immer bekomme, Soren“, murmelte Braydan leise, seine Stimme kälter als der Raum selbst.
 

Soren neigte seinen Kopf und grinste, während er sich noch weiter an ihn schmiegte. Seine Lippen streiften Braydans Ohr, und seine Fingerspitzen krallten sich für einen kurzen Moment in seinen Nacken. „Ich weiß“, flüsterte er. „Aber es fühlt sich trotzdem immer wieder neu an.“
 

Braydan konnte nicht anders, als zu lachen, ein leises, aber dennoch durchdringendes Geräusch. „Neue Spiele sind immer die besten“, murmelte er dann, seine Hände auf Sorens Hüfte legend, bereit, die Kontrolle zu übernehmen.
 

Obwohl Soren ihm nichts weiter als ein Werkzeug war, wusste Braydan, dass er ihn brauchte, dass diese Machtübernahme und Kontrolle ihm mehr gaben als nur körperliche Erfüllung.
 

Braydan schob Soren mit einer schnellen, gezielten Bewegung auf den Schreibtisch. Der Raum füllte sich mit einer dichten, fast greifbaren Spannung, als er sich über Soren beugte. Sein Blick war lodernd, eine Mischung aus Raubtierinstinkt und berechnendem Besitzdenken.
 

„Du willst wirklich, dass ich dir Baby Nummer 11 gebe?“ Braydan flüsterte die Worte mit einer Mischung aus Überheblichkeit und kalter Entschlossenheit, seine Hand auf Sorens Hüfte drückend. „Du kannst es haben, Soren. Alles, was du willst. Und du wirst es bekommen.“
 

Soren grinste, seine Augen funkelten wie immer in einer Mischung aus Unterwerfung und Herausforderung. „Ich weiß, was du von mir willst, Braydan. Und ich werde dir immer geben, was du verlangst.“
 

Doch in seinen Augen lag noch etwas anderes. Etwas, das Braydan nicht sehen wollte oder bewusst ignorierte.
 

Aus der Ecke des Zimmers konnte Darius kaum fassen, was er da hörte. Noch immer auf dem Bett liegend, unfähig, sich zu bewegen, schien es, als ob die Worte in der Luft erstarrten. Er hatte immer gewusst, wie grausam und manipulativ Braydan sein konnte, aber zu hören, wie er mit Soren sprach, überstieg alles, was er sich vorgestellt hatte.
 

Darius’ Herz klopfte heftig, als er versuchte, die Fassung zu bewahren, doch das Bild, das sich ihm bot, war zu verstörend.
 

Wie konnte er das glauben? Es schien zu viel, zu abstoßend, zu grausam, um wahr zu sein.
 

Darius’ Augen brannten vor Verwirrung und Entsetzen, als er die Worte weiter hörte. Er konnte nicht glauben, was vor seinen Augen geschah. Die kalte Beherrschung, mit der Braydan mit Soren sprach, ließ Darius’ Magen sich zusammenziehen.
 

Ein Teil von ihm wollte einfach weggucken, sich abwenden, doch er konnte es nicht. Etwas in ihm hielt ihn fest, als ob der Anblick der Brutalität zwischen den beiden eine tiefe Wunde in ihm hinterließ.
 

Braydan ließ sich von Soren nicht abbringen, als dieser sich weiterhin provozierend gegen ihn bewegte. Er packte Soren mit einer Hand an den Haaren, zog ihn weiter an sich, bis ihre Körper sich fast unnatürlich aneinanderpressten. „Du bist mein, Soren. Du gehörst mir. Und du wirst mir alles geben, was ich verlange“, flüsterte Braydan, seine Stimme nun von einem leichten Hohn durchzogen.
 

Soren stöhnte leise, seine Augen glitzerten, als er sich unter Braydans Griff wand. „Ich gehöre dir, Braydan. Das weißt du doch längst. Aber warum immer wieder diese selbe Frage?“
 

„Weil du es immer wieder vergisst“, erwiderte Braydan mit einem eisigen Lächeln, das Soren nur zu gut kannte. „Du musst immer wieder daran erinnert werden, wer du bist. Was du für mich bist …“

Kapitel 164

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Der Raum war erfüllt von der Spannung, die zwischen den beiden herrschte, und Darius konnte nicht anders, als die Augen zusammenzukneifen, als ob er sich von der Szene abwenden könnte. Aber es war zu spät. Das, was er gerade hörte, zerriss etwas in ihm, etwas, das er nicht kannte. Es war eine Mischung aus Wut, Schmerz und der beängstigenden Erkenntnis, dass er in dieser Welt einfach nichts zu sagen hatte.
 

Er wusste, dass er in diesem Moment nichts tun konnte. Er war auf das Bett gefesselt, unfähig zu handeln, und jeder Versuch, sich zu bewegen, schien vergebens. Die Worte von Braydan drangen tief in Darius’ Geist ein, wie scharfe, durchdringende Messer. Er konnte nicht fassen, dass es in dieser Welt wirklich Menschen gab, die so viel Macht ausübten.
 

Die Luft im Raum fühlte sich plötzlich schwer an, fast erstickend. Jeder Atemzug brannte in Darius’ Lungen, während sein Blick unablässig auf die beiden Männer vor ihm gerichtet war. Braydan zog Soren noch näher an sich, als seine Worte sich in der dicken Luft des Raums verfestigten.
 

„Du bist nichts ohne mich“, wiederholte er, diesmal mit einem grimmigen Lächeln. „Du wurdest geformt, um mir zu gefallen. Und du tust es immer wieder. Es macht keinen Unterschied, wie oft ich dich an den Rand bringe – du bist immer noch meine.“
 

Darius spürte, wie sein Herz schneller schlug, ein schwerer, drückender Rhythmus in seiner Brust. Er konnte nicht verstehen, wie Soren diese Worte einfach so hinnahm. Sein Körper war angespannt, seine Muskeln bebten vor unterdrückter Wut, doch er konnte nichts tun. Er war gezwungen, zuzuhören, gezwungen, mitanzusehen, wie Braydan seine Macht ausspielte.
 

Soren nickte, doch in seinem Blick lag eine stillere, tiefere Wahrheit, die Braydan nicht sehen konnte. Er wusste, was Braydan dachte, was er glauben wollte. Doch Soren hatte längst gelernt, dass es ein Spiel war, das er meisterte, obwohl Braydan es nie ahnen würde. Jahre der Täuschung, Jahre des Spielens, Jahre, in denen er tat, was Braydan von ihm verlangte – alles, um zu überleben, alles, um bei ihm zu bleiben.
 

Ein gequältes Lächeln huschte über Sorens Lippen, kaum wahrnehmbar. Seine Finger, die eben noch an Braydans Kleidung gespielt hatten, verkrampften sich kurz, bevor er die Spannung wieder losließ. Niemand würde diesen Moment bemerken, niemand außer ihm selbst.
 

„Ja, du hast recht“, flüsterte Soren, als er sich weiterhin gegen Braydan lehnte, seine Bewegungen einstudiert, fast mechanisch. Doch hinter seiner Fassade brodelte etwas anderes. „Ich bin, was du willst. Und ich werde immer wieder zurückkommen, egal was passiert.“
 

Darius, der immer noch auf dem Bett lag, sah die Szene mit wachsender Verwirrung und Unverständnis. Die Worte, die er hörte, brannten sich in seinen Kopf, doch er konnte nicht begreifen, was hier wirklich vor sich ging.
 

Die Macht, die Braydan über Soren ausübte, schien so absolut, so endgültig, dass Darius einen Moment lang glaubte, Soren sei wirklich gebrochen. Doch etwas in ihm stimmte nicht. Es war diese subtile Bewegung, dieser Blick in Sorens Augen, der Darius’ Instinkt weckte. Etwas war anders, aber er konnte es nicht fassen.
 

Die Stille zwischen den Sätzen war beinahe noch schlimmer als die Worte selbst. Sie zog sich in die Länge, ließ Raum für Darius' Gedanken, die wie ein Sturm durch seinen Kopf fegten. Was, wenn Soren nicht das Opfer war, als das er wirkte? Was, wenn er viel mehr Kontrolle hatte, als Braydan ihm zutraute?
 

Er beobachtete, wie Soren weiterhin in seiner unterwürfigen Rolle verharrte, sich an Braydan schmiegte, während er tief in sich das Gegenteil wusste – dass er hier nicht wirklich gebrochen war, dass er nicht wirklich ein Spielzeug war, sondern ein Mann, der in einem gefährlichen Tanz zwischen Liebe, Überleben und Stolz gefangen war.
 

Doch dieser Teil von Soren blieb verborgen, verborgen selbst vor Braydan, der alles für Wahrheit hielt, was er sehen wollte.
 

Braydan sprach weiter, seine Stimme so sanft wie sie grausam war. „Du bist so leicht zu brechen, Soren“, sagte er, seine Hand nun fest auf Sorens Hals, während er die Worte wie einen Besitzanspruch in den Raum warf. „Und du weißt es. Du willst es sogar.“
 

Darius biss die Zähne zusammen, als er die Art und Weise sah, wie Braydan seine Finger um Sorens Hals schloss – nicht fest genug, um zu würgen, aber fest genug, um seinen Punkt klarzumachen.
 

Soren sah Braydan nicht an, sondern senkte den Blick, als er flüsterte, „Ja. Ich will es. Ich werde dir immer gehorchen, Braydan. Und du kannst mich immer wieder so formen, wie du es möchtest.“
 

Doch in den Tiefen seiner Augen, verborgen vor Braydan, war ein Funken von Widerstand, ein leises „Nein“, das nie laut ausgesprochen wurde, aber immer da war. Denn Soren hatte längst gelernt, dass es nicht nur das Überleben war, was ihn hier hielt, sondern auch die Hoffnung, irgendwann die Kontrolle zurückzugewinnen – in einer Art und Weise, die Braydan niemals verstehen würde.
 

Darius’ Magen zog sich zusammen, als die Worte auf ihn einprasselten. Was war das hier wirklich? War Soren ein Gefangener in diesem Spiel, oder hatte er all die Jahre über seine eigene, geheime Agenda verfolgt? Darius konnte es nicht fassen. Diese Erkenntnis, dass er vielleicht die ganze Zeit über das Falsche geglaubt hatte, ließ ihn fast verrückt werden. War er hier, um zu retten? Oder war Soren längst derjenige, der den wahren Plan hatte?
 

Die Vorstellung war erschreckend.
 

Er beobachtete, wie Braydan eine Hand an Sorens Kinn legte und ihn zwang, ihn anzusehen. Das Licht spiegelte sich in Sorens Augen, und für einen winzigen Moment sah Darius etwas darin – eine tiefe Müdigkeit, eine unermüdliche Wachsamkeit, ein Gedanke, der Braydan verborgen blieb.
 

Braydan glaubte, der Jäger zu sein. Aber was, wenn er es nicht war?
 

Ein Schauer lief Darius über den Rücken, und er wusste, dass er diese Szene nie wieder vergessen würde…

Kapitel 165

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Darius’ Gedanken rasten, während er versuchte, die Situation zu begreifen. Was er gerade hörte, brachte alles durcheinander. Die Vorstellung, dass Soren sich all die Jahre nur so gab, als ob er gebrochen war, war ein gewaltiger Schlag. Darius hatte geglaubt, was er sah. Aber nun schien es, als ob Soren in einem gefährlichen Spiel seine eigene Agenda verfolgte, und Braydan war sich dessen nicht einmal bewusst.
 

Braydan hatte sich wieder zurückgelehnt, eine arrogante Miene aufgesetzt, als ob er den Sieg bereits in der Tasche hatte. „Du bist mein, Soren. Und du wirst es immer sein. Keine Tricks, keine Ausflüchte. Du weißt, was du zu tun hast.“
 

Soren hielt inne, atmete tief ein, als ob er sich innerlich sammelte. „Ich weiß, Braydan“, antwortete er mit einer Stimme, die sich fast unmerklich von vorher unterschied.
 

Ein Hauch von Selbstbestimmung schwang in den Worten mit. „Ich werde immer tun, was du verlangst. Aber du weißt auch, dass du mich nie ganz besitzen kannst.“
 

Braydan lachte kurz, doch es war ein kühles, abwertendes Lachen. „Du redest viel, Soren. Du vergisst, wer hier die Kontrolle hat.“
 

„Vielleicht“, murmelte Soren leise. Doch seine Augen funkelten jetzt mit einer Klarheit, die Braydan nicht bemerkte. „Aber die Kontrolle, die du glaubst zu haben, ist nur ein Moment. Ich bleibe immer derjenige, der entscheiden kann, wie ich mich dir gegenüber verhalte.“
 

Braydan starrte Soren an, seine Miene wurde immer härter. „Du wagst es...“
 

Doch Soren hob nur eine Hand, als ob er die Worte in der Luft zerschneiden wollte. „Ich tue nichts anderes, als dir zu zeigen, wie gut ich darin bin, deinem Spiel zu folgen. Aber du solltest wissen, dass es immer mein Wille ist, der hier entscheidet, wie weit ich mitspiele.“
 

Darius, der diese Unterhaltung in der Stille mitanhörte, begann langsam zu begreifen, dass er nie wirklich wusste, was in Soren vorging. Der Omega hatte die Rolle des willenlosen Werkzeugs gespielt, aber vielleicht war er nie wirklich gebrochen.
 

Vielleicht hatte Soren sich all die Jahre hinweg einfach seine eigene Strategie zurechtgelegt, die Braydan nie durchschaut hatte. Doch die Verwirrung blieb. Darius spürte, wie etwas in ihm klang, ein inneres Zerren zwischen dem Bild, das er von Soren hatte, und der Realität, die sich nun vor ihm entfaltete.
 

Was hatte er gerade gehört? Soren hatte dem Spiel zugestimmt, aber es war mehr als das. Es war ein Test. Ein Test, den Braydan nicht einmal wahrnahm.
 

„Du bist ein Stück Besitz, Soren“, wiederholte Braydan mit grimmiger Überzeugung, doch Soren lächelte nur, und seine Augen funkelten immer mehr.
 

„Vielleicht“, antwortete Soren leise, „aber auch ein Besitz kann irgendwann ausbrechen.“
 

Braydan zögerte. Nur für den Bruchteil einer Sekunde. Es war kaum mehr als ein Flackern in seinem Blick, doch Darius hatte es gesehen. Ein Schatten, der so schnell verschwand, wie er gekommen war. War das Unsicherheit gewesen? Hatte Sorens Worte tatsächlich etwas in ihm bewegt?

Doch dann war es wieder verschwunden. Braydan starrte Soren mit einer Mischung aus Verachtung und Kälte an. „Du hast immer noch nicht verstanden, wer hier die Kontrolle hat, oder?“ Seine Stimme war leise, aber von einer bedrohlichen Schärfe durchzogen. „Du kannst reden, so viel du willst, aber du gehörst mir. Und das wirst du immer tun.“
 

Soren schwieg, seine Züge verrieten keine Regung. Doch innerlich wusste er, dass seine Worte nur eine Illusion waren. Er konnte sich nicht befreien. Nicht hier. Nicht von Braydan.
 

Braydan zog Soren fester an sich, seine Hände ruckartig, fest und bestimmt, als er ihn mit einem Klicken der Zähne auf den Schreibtisch drückte. „Du spielst immer noch das Spiel, Soren. Aber du hast vergessen, dass ich derjenige bin, der bestimmt, wann es vorbei ist. Du bist mein, du wirst immer mein Bleiben. Und ich nehme mir, was ich will.“
 

Soren stöhnte leise, sein Körper unter Braydans Griff wie ein widerspenstiger Faden, der trotzdem immer wieder zurück in die gleiche Richtung gezogen wurde. Er wusste, dass er keine Chance hatte. Nicht wirklich. Alles, was er tat, war, Braydan ein Spiel zu bieten, das der Alpha nur allzu gern spielte – und das wusste Soren.
 

Doch der Schmerz, die Erniedrigung, das Gefühl der Machtlosigkeit, all das war Teil eines Spiels, das er selbst immer wieder fortführte, weil er keine andere Wahl hatte.
 

„Du bist nichts ohne mich, Soren“, wiederholte Braydan, während seine Hand hart auf den Tisch klopfte. „Verstehst du das jetzt? Ich habe dich so gebrochen, dass du nie wieder von mir loskommen wirst. Und wenn du glaubst, du kannst etwas anderes wollen, dann täuscht du dich. Du bist hier, weil du es willst. Und weil ich es dir erlaube.“
 

Darius schluckte schwer. Die Worte sickerten in seinen Kopf wie Gift, ein langsames, nagendes Brennen, das ihn nicht losließ. Was war das für ein Spiel, das hier gespielt wurde? Wer war der Jäger und wer die Beute?
 

Soren blickte auf, seine Augen hart wie Stahl, doch in seinem Inneren wusste er, dass er sich nie befreien würde. Braydan hatte ihn so vollkommen in seinem Griff, dass jeder Versuch von ihm, sich zu befreien, nur ein weiterer Beweis dafür war, wie sehr er gebrochen war.
 

In Braydans Augen war er ein Spielzeug, das der Alpha besaß und nach Belieben nutzte. Und dennoch... dennoch tat Soren weiter, was von ihm verlangt wurde, weil es die einzige Art und Weise war, wie er bei ihm bleiben konnte.
 

„Du wirst nie verstehen, was ich tue, Braydan“, flüsterte er, seine Stimme rau, aber mit einer Entschlossenheit, die sich in seinem Blick widerspiegelte. „Aber du wirst es tun müssen. Und du wirst mich immer wieder brauchen.“
 

Braydan lachte kalt, seine Hand noch immer fest auf Sorens Körper. „Ich brauche dich? Du bist nichts, Soren. Du bist ein Werkzeug, das ich benutzen kann, wann immer ich es will. Und du wirst mir immer gehorchen.“
 

Doch hinter Sorens Augen blitzte ein Funken, der nur für ihn selbst sichtbar war. Ein Funken, der wusste, dass er in einem endlosen Spiel gefangen war – doch vielleicht war es auch das, was ihn hier hielt.
 

Braydan mochte denken, er hätte alles unter Kontrolle, aber Soren hatte in all den Jahren gelernt, dass man auch in völliger Unterwerfung immer noch ein Stück Kontrolle behalten konnte.
 

Vielleicht nicht über den Moment, aber über die Wahl, zu gehorchen.
 

„Ja, ich werde gehorchen“, flüsterte Soren, während er sich weiter unter Braydans Griff beugte. Doch in seinem Inneren brannte immer noch die Erkenntnis, dass er – auch wenn er keine Chance gegen Braydan hatte – dennoch einen Teil seiner eigenen Freiheit bewahrte. Ein Teil, den der Alpha niemals sehen würde.
 

Darius, der sich noch immer auf dem Bett befand, konnte nicht fassen, was er hörte. Die Worte, die er in dem Raum aufsog, ließen ihn mit wachsendem Unverständnis zurück. Was war das für ein Spiel? Wer hatte hier die wirkliche Kontrolle?
 

Soren wirkte, als sei er nur ein weiteres Werkzeug in Braydans Händen, doch warum hatte Darius das Gefühl, dass mehr dahintersteckte? Ein Zweifel, den er nicht abschütteln konnte, nagte an ihm... Und genau das machte ihm Angst…

Kapitel 166

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Braydan spürte den Widerstand in Soren, auch wenn der Omega versuchte, ihn zu verbergen. Soren war nicht mehr der Mann, der er früher gewesen war – das war Braydan klar. Aber es gab immer noch diese unausgesprochene Bindung zwischen ihnen, etwas, das Braydan kaum ertragen konnte. Soren betrachtete ihn immer noch als Ehemann, als den Mann, mit dem er einst verbunden war, obwohl sie schon lange nicht mehr verheiratet waren. Das nagte an Braydan, obwohl er es nicht zugeben wollte.
 

„Du bist immer noch derjenige, den ich geheiratet habe“, sagte Soren leise, seine Stimme fest, aber mit einem Hauch von Bitterkeit, der Braydan ins Mark traf. „Du bist immer noch der Mann, den ich vor all den Jahren als meinen Ehemann gewählt habe.“ Es war ein Satz, der von einer tiefen, verborgenen Wut durchzogen war, die Soren nie vollständig losgelassen hatte.
 

Auch wenn er es versuchte, konnte er nicht leugnen, dass ein Teil von ihm immer noch an der Liebe festhielt, die sie einst teilten, eine Liebe, die jetzt in einem dunklen Schatten unterging.
 

Braydan starrte ihn einen Moment lang an, als ob er Soren nicht ganz verstand. Es war, als ob ein unsichtbares Band ihn immer noch mit diesem Omega verband, und das nagte an ihm. Es war ein Punkt, den er nie wollte, der ihm nie wichtig war, und trotzdem war er da, unausgesprochen, zwischen den beiden.
 

Und trotz seiner Bemühungen, sich von dieser Verbindung zu lösen, wusste Braydan tief im Inneren, dass er nie ganz frei von Soren sein würde.
 

„Hör auf, das zu sagen“, zischte Braydan, seine Stimme schärfer, als er sich über Soren beugte. „Du bist nicht mehr mein Ehemann. Und ich war nie wirklich dein Ehemann. Wir waren nie wirklich zusammen, verstehst du das? Ich wollte dich nie. Du warst ein Spielzeug, ein Besitz. Mehr nicht.“ Seine Worte klangen wie ein Schlag, doch innerlich spürte er einen Hauch von Unruhe. Warum schien es ihm so schwer, diesen Satz wirklich zu glauben?
 

Soren hielt seinen Blick standhaft, auch wenn er das Gefühl hatte, dass Braydan ihm immer noch auf eine Weise wehtat, die er sich nicht eingestehen wollte. Der Schmerz, den Braydan ihm immer wieder zufügte, war mittlerweile ein ständiger Begleiter, aber Soren wusste, dass er ihn tragen konnte. Was ihn jedoch am meisten verletzte, war, dass Braydan nie wirklich gesehen hatte, was zwischen ihnen war.
 

Die Jahre, die sie zusammen verbracht hatten, waren für Braydan nur ein Spiel, eine Möglichkeit, Kontrolle zu gewinnen. Aber für Soren war es nie nur das. Tief in seinem Inneren war die Verbindung nie vollständig abgerissen, auch wenn Braydan es nie zugeben würde.
 

„Du tust so, als ob du mir all die Jahre etwas vorgemacht hättest“, sagte Soren ruhig. „Aber du weißt genauso gut wie ich, dass du nie frei von mir warst. Und auch wenn du versuchst, mir einzureden, dass ich dir nicht wichtig bin – du weißt, dass du mich immer wieder brauchst.“ Soren hatte sich lange Zeit eingeredet, dass es nur um die Kontrolle ging.
 

Aber tief in seinem Inneren wusste er, dass Braydan mehr brauchte, als er jemals zugeben würde. Soren wusste, dass Braydan, so sehr er sich auch wehrte, immer wieder zu ihm zurückkehren würde.
 

Braydan atmete scharf aus, ein Hauch von Wut und Frustration, der sich in seiner Stimme verfing. „Du hast doch keine Ahnung, was du redest, Soren“, sagte er, während seine Finger in Soren’s Hüfte gruben. „Ich bin hier, weil ich ein weiteres Kind von dir will. Du bist nichts weiter als eine Gebärmaschine, und das war’s. Du bist ein Werkzeug, das mir meine Nachkommen gibt. Und das war’s.“
 

In seinen Worten schwang eine unbestimmte Unsicherheit mit. Es war, als ob er versuchte, sich selbst davon zu überzeugen, dass er in Kontrolle war. Doch selbst Braydan konnte die wachsende Angst, die er versuchte zu verbergen, nicht ganz unterdrücken.
 

Doch Soren wusste mehr, als Braydan es sich eingestehen wollte. Er wusste, dass Braydan ihn nie wirklich verstanden hatte. Braydan verbarg sich hinter seiner Macht, hinter der Kontrolle, doch in Wahrheit war es die Besessenheit, die ihn trieb – und vielleicht ein kleines, unerkanntes Bedürfnis, etwas von Soren zu haben, was mehr war als bloß ein Werkzeug. Soren war sich dessen sicher, auch wenn Braydan es nie zugeben würde.
 

„Du kannst mir sagen, was du willst, Braydan“, flüsterte Soren, seine Stimme jetzt ein Hauch von Verachtung, der sich hinter seiner Fassade verbarg. „Aber du verstehst es nie. Ich bin mehr für dich, als du je begreifen wirst. Du brauchst mich, aber nicht auf die Weise, die du dir einredest.“
 

Es war ein stiller Triumph in seinen Worten, auch wenn er wusste, dass es nur vorübergehend war. Die Wahrheit war, dass er niemals wirklich die Kontrolle über Braydan hatte – doch einen Teil von Braydan konnte er erreichen, und dieser Teil würde irgendwann ans Licht kommen.
 

Braydan starrte ihn an, als ob diese Worte ihn verwirren würden. Aber er wusste es besser. Er hatte die Kontrolle. Er würde sich nehmen, was er wollte. „Ich will dich nur für das, was du mir gibst“, murmelte Braydan, seine Stimme kälter als der Raum um sie. „Und wenn du mir wieder ein Kind schenkst, dann wirst du mir damit geben, was ich brauche. Aber mehr nicht.“ Doch in dieser Kälte lag eine seltsame Unsicherheit, die er sich selbst nicht erklären konnte.
 

Hatte er wirklich alles im Griff, wie er es immer geglaubt hatte?
 

Soren wusste, dass Braydan nicht die Wahrheit sagte. Es war nie nur das Kind, was Braydan wollte. Es war Soren, auch wenn Braydan es nicht zugab. Aber für Soren war die Wahrheit klarer als je zuvor. In diesem Spiel hatte er nie wirklich die Kontrolle gehabt – aber er wusste, dass er noch immer einen Teil davon besaß, auch wenn Braydan es nicht sah. Dieser Teil von ihm, der die Macht über Braydan hatte, war etwas, das er bewahren musste, koste es, was es wolle.
 

„Du wirst immer wieder zurückkommen, Braydan“, flüsterte Soren, während er sich gegen den Alpha drückte. „Du wirst immer wieder das brauchen, was ich dir gebe. Und irgendwann wirst du verstehen, dass du nicht nur meine Unterwerfung willst, sondern etwas viel mehr.“ Soren wusste, dass diese Worte Braydan verunsichern würden.
 

Er hatte ihn getroffen – nicht körperlich, sondern tief in seinem Inneren. Braydan mochte sich wehren, doch Soren war sich sicher, dass er nicht entkommen konnte. Irgendwann würde Braydan erkennen, dass er mehr brauchte, als er sich je eingestehen würde.
 

Braydan spürte einen Stich in der Brust, als er diese Worte hörte. Vielleicht war es das, was Soren meinte. Aber Braydan wollte es nicht wissen. Nicht jetzt. Nicht hier. Und doch wusste er, dass er immer wieder in Soren’s Nähe sein würde, egal wie sehr er sich dagegen sträubte…

Kapitel 167

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Braydan stand über Soren, der sich unter ihm zu beugen schien, doch sein Blick blieb fest, als er die Worte des Alphas hörte. Soren wusste, dass Braydan ihn brauchte, auch wenn der Alpha es niemals so ausdrücken würde. Und das war es, was ihn in dieser Situation unweigerlich hielt. Er wusste, dass Braydan ihn immer wieder holen würde, egal wie sehr er sich wehrte. Denn am Ende war Soren mehr als nur ein Werkzeug. Er war der einzige, den Braydan nie ganz loslassen konnte. Der Gedanke, dass er immer wieder die gleiche Rolle spielen musste, stellte ihn vor eine Wahl – eine Wahl, die er nicht treffen wollte, aber in der Dunkelheit des Raumes fühlte sich jede andere Entscheidung wie ein Verrat an sich selbst an.
 

„Du kannst mir nicht entkommen, Braydan“, flüsterte Soren. „Du hast mich immer wieder geholt, auch wenn du es nicht wolltest. Du brauchst mich mehr, als du je zugeben wirst.“ Seine Worte waren wie eine Herausforderung, wie ein stiller, aber unmissverständlicher Widerstand gegen die Macht, die Braydan ausübte. Es war ein Spiel, das sie schon lange spielten, und obwohl Soren versuchte, sich selbst in dieser Manipulation zu schützen, wusste er tief in seinem Inneren, dass Braydan ihn nie wirklich aufgeben würde.
 

Doch Braydan zog ihn ruckartig näher, ein finsteres Lächeln auf den Lippen. „Du bist nichts weiter als ein weiteres Spielzeug für mich, Soren. Und du wirst dich fügen, egal wie oft du mir etwas anderes einreden willst. Ich bin hier, um das zu bekommen, was ich will, und du hast keine Wahl, als es mir zu geben.“ Die Worte, die er sprach, hatten keinen Zorn in sich, sondern waren von einer beängstigenden Ruhe durchzogen. Es war die Kälte des Alphas, der sich seines Einflusses bewusst war und die Macht über Soren ausspielte, ohne dass es für ihn wie eine Eroberung aussah.
 

Soren konnte das Gefühl der Machtlosigkeit nicht ganz abschütteln, aber in diesem Moment wusste er, dass er einen kleinen Funken Wahrheit in seinen eigenen Worten bewahrte. Er hatte eine Wahl. Vielleicht war es keine Wahl, die ihn aus dieser Situation befreien würde, aber er wusste, dass Braydan ihn brauchte. Und das war ein Wissen, das er nie ganz vergessen konnte. Doch inmitten dieser Erkenntnis lag auch der Schmerz einer Beziehung, die er nie wollte, und das Wissen, dass er immer wieder in diese Dynamik zurückgezogen wurde, selbst gegen seinen Willen.
 

Während dieser Spannung in dem Raum, die zwischen Braydan und Soren immer mehr an Intensität gewann, blieb Darius auf dem Bett zurück, unfähig, sich zu bewegen. Die Worte, die er aus der Ferne hörte, ließen ihn in einem Zustand der Verwirrung zurück.
 

Was war hier wirklich passiert? Was war es, das er hörte?
 

Soren, der immer noch den Mann an seiner Seite als Ehemann sah, obwohl er nicht mehr verheiratet war, und Braydan, der eindeutig alles daransetzte, zu bekommen, was er wollte, ohne Rücksicht auf irgendetwas anderes. Darius konnte es kaum fassen. Es war, als ob er nicht nur ein fremder Beobachter war, sondern als ob er auch in den Wirren dieses Konflikts auf seine eigene Weise gefangen war. Der Gedanke, dass er in diesem Wirbelsturm eine Rolle spielte, schien fast absurder, je mehr er nachdachte.
 

Darius’ Gedanken rasten, doch er konnte keinen klaren Weg finden, seine Fragen zu formulieren. Was hatte Soren nur an sich, dass Braydan immer wieder zu ihm zurückkehrte? War es wirklich nur die Kontrolle, die Braydan so faszinierte, oder war es mehr – ein unstillbares Bedürfnis nach etwas, das er sich selbst nie eingestehen konnte? Was war in dieser Beziehung zwischen ihnen, dass sie immer wieder von einer Ebene zur nächsten führte?
 

Soren hatte sich nie vollständig brechen lassen. Und das war es, was Braydan in diesem Moment nicht verstand – er dachte, er hätte Soren in jeder Hinsicht im Griff. Doch Darius wusste es besser. Soren war nicht einfach ein hilfloses Spielzeug, das sich willig fügte. Er hatte noch immer etwas, was Braydan nie ganz kontrollieren konnte – den Willen, den man nicht in Fesseln legen konnte.
 

Doch wie konnte Darius in dieser Situation helfen? Wie konnte er etwas tun, wenn er noch immer so hilflos war, wenn er selbst so in seiner eigenen Unsicherheit gefangen war? Er wusste, dass die Situation alles andere als klar war, und dennoch schien die Antwort so simpel und zugleich so unerreichbar zu sein. Soren war gefangen, genauso wie er selbst – in einem Netz von Abhängigkeiten und ungesunden Bindungen, die mehr Schmerz als Heilung brachten.
 

„Was geht hier vor sich?“ murmelte Darius mehr zu sich selbst, seine Stimme von einer Mischung aus Verwirrung und Besorgnis durchzogen. „Warum lässt er sich immer noch so behandeln?“ Doch die Antwort war nicht einfach zu finden. Soren war gefangen in seiner eigenen Welt, einer Welt, die von jahrzehntelangem Schmerz, Enttäuschung und unerfüllter Sehnsucht geprägt war. Wie konnte Darius jemanden retten, der sich selbst nicht retten wollte? Und noch schwieriger war die Frage, ob er überhaupt in der Lage war, sich selbst aus der Dunkelheit zu befreien, die ihn umgab.
 

„Vielleicht ist es der Schmerz, den er sich selbst auferlegt hat...“, dachte Darius leise, als er sich mit zitternden Händen an die Bettkante klammerte. „Vielleicht glaubt Soren wirklich, dass er nichts anderes verdient hat.“ Aber auch wenn Darius versuchte, sich in diese Gedanken hineinzufühlen, wusste er nicht, wie er Soren helfen konnte. Und noch schlimmer, er wusste, dass er sich selbst noch nicht einmal vollständig verstand. Wusste er wirklich, was er tat, als er hier war, in dieser Situation, zwischen all den Gefahren, zwischen all den bedrohlichen Mächten, die sich um ihn herumzogen? Darius konnte die Schwere der Entscheidung, die vor ihm lag, fast physisch spüren.
 

Die Antworten schienen so weit entfernt wie der nächste Sonnenaufgang, doch in diesem Moment wusste Darius nur eines: Er konnte nicht mehr einfach nur zusehen... Wenn er je eine Entscheidung treffen wollte, musste es jetzt sein. Doch die Angst, die ihn lähmte, schien ihn immer wieder in den Griff zu bekommen.
 

Würde er genug Mut finden, um zu handeln? Oder würde er sich wieder verstecken, wie er es schon so oft getan hatte?

Kapitel 168

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Braydan drückte Soren fester gegen den Schreibtisch, als wäre er ein lebendiges Objekt, das er jederzeit nach Belieben manipulieren konnte. Soren fühlte sich in diesem Moment gleichzeitig entmachtet und doch unendlich stark, auch wenn er es nicht aussprechen konnte. Braydan dachte, er hätte die vollständige Kontrolle – aber tief in Sorens Innerem war der Widerstand gegen diese Dominanz immer noch präsent. Er würde sich nicht brechen lassen. Nicht vollkommen.
 

Doch diese Gedanken... sie fühlten sich weit entfernt an, wie ein Echo aus einer anderen Zeit.
 

„Du bist ein Spielzeug, Soren“, murmelte Braydan, seine Stimme kalt und durchdringend. „Du hast mir 10 Nachkommen geschenkt. Warum solltest du jetzt zögern, mir auch Nummer 11 zu geben?“
 

Soren fühlte den kalten Hauch von Braydans Atem an seinem Hals, das Gewicht des Alphas, das auf ihm lastete. Es war eine beängstigende, aber auch vertraute Position. Braydan würde sich nehmen, was er wollte, das war die unausweichliche Wahrheit. Doch in Sorens Augen lag eine Klarheit, die Braydan immer noch nicht ganz verstand.
 

Tief in ihm wusste Soren, dass er sich nicht ganz verlieren würde, dass ein Teil von ihm, vielleicht der kleinste, niemals zu Braydan gehören würde.
 

„Du hast mich nie wirklich gehabt, Braydan“, flüsterte Soren, seine Stimme ruhig, doch in seinen Augen brannte ein Funken. „Du hast versucht, mich zu besitzen. Aber du bist nie wirklich in der Lage gewesen, mich zu halten. Du hast mich immer gebraucht, aber du hast nie verstanden, warum ich mich immer wieder zu dir hingezogen habe.“
 

Braydan starrte ihn an, eine Mischung aus Wut und Verwirrung in seinen Augen. Was wollte Soren ihm damit sagen? Was versuchte er, ihm zu erklären?
 

Und doch, als Soren diese Worte aussprach, wusste er, dass es eine Lüge war – oder zumindest ein Teil davon. Er hatte sich immer wieder zu Braydan hingezogen, auch wenn er es nie ganz verstand. Vielleicht war es die Macht, vielleicht die Unterwerfung, die er nicht loslassen konnte.
 

Vielleicht war es der Schmerz, der eine seltsame Art von Zugehörigkeit schuf.
 

„Was hast du zu verlieren, Soren?“ Braydan zischte, seine Hände schlossen sich noch fester um Sorens Hüfte, als er ihn weiter in den Schreibtisch presste. „Ich habe dich nie geliebt. Du bist nicht mehr als ein Werkzeug, das ich benutze, um zu bekommen, was ich will. Und ich werde Nummer 11 bekommen, egal, ob du es willst oder nicht.“
 

Soren wusste, dass er in diesem Moment keine Chance hatte, sich zu wehren. Aber es war nicht der Körper, den Braydan besaß, sondern seine Gedanken und sein Herz, die er nie ganz besessen hatte.
 

In diesem Moment fühlte Soren sich leer, doch nicht schwach. Die Leere war ein Raum, in dem er sich verstecken konnte.
 

Er war sich dessen bewusst, auch wenn Braydan es nicht war. Und in diesem Wissen lag eine stille Macht.
 

„Du kannst mir nicht alles nehmen, Braydan“, sagte Soren, seine Stimme fest, obwohl der Schmerz in seinem Inneren brannte. „Du wirst nie wirklich bekommen, was du von mir verlangst. Und das weißt du.“
 

Braydan ließ einen leisen, zornigen Laut von sich geben. „Du bist ein Dummkopf, Soren“, sagte er, während er den Griff um ihn löste und einen Schritt zurücktrat. „Du hast dich immer wieder selbst belogen. Du hast geglaubt, du hättest Kontrolle über dich, aber in Wirklichkeit bist du nur meine Puppe. Und ich werde dich genauso benutzen, wie ich es immer getan habe.“
 

Soren atmete tief ein, der Schmerz war real, aber er war nicht neu. Was Braydan nicht wusste, war, dass dieser Schmerz ihn nicht mehr wirklich betraf. Es war die Wunde, die er in all den Jahren nicht hatte heilen können – der Verlust einer Freiheit, die er nie ganz besessen hatte.
 

Soren konnte den Schmerz in seinen eigenen Worten hören, doch er wusste, dass es nur ein Spiel war – eines, in dem er immer wieder die Rolle des Gehorsamen spielte, auch wenn er sich nicht wirklich fügte. Die Jahre, die er mit Braydan verbracht hatte, waren keine Zeit der Freiheit, aber sie waren auch nicht nur von Schmerz und Unterdrückung geprägt.
 

Es gab da immer noch das Band, das ihn an den Mann band, der ihm so viel genommen hatte. Doch Soren hatte auch in diesen Jahren gelernt, wie man überlebt – und wie man gleichzeitig nicht vollständig untergeht.
 

„Du hast mich nie besessen, Braydan“, flüsterte Soren, als er sich langsam aus der Ecke seines Geistes befreite, die der Alpha ihm auferlegt hatte. „Und du wirst es nie tun. Nicht wirklich.“
 

Die Worte schmerzten weniger, jetzt, da er sie ausgesprochen hatte. Vielleicht war es die letzte kleine Rebellion, die er sich selbst zugestand.
 

Braydan spürte, wie eine Welle der Wut in ihm aufstieg, doch er konnte nicht anders, als Soren wieder in seine Nähe zu ziehen. Es war ein gefährliches Spiel, eines, das er niemals gewonnen hatte – aber er war entschlossen, es immer wieder zu versuchen, bis er es konnte.
 

„Du wirst sehen, Soren“, murmelte Braydan, seine Hand wieder auf Sorens Hüfte legend. „Du bist nicht mehr als mein Werkzeug. Und irgendwann wirst du dich mir wirklich hingeben müssen. Denn egal, wie sehr du dich wehrst, du gehörst immer noch mir.“
 

Soren wusste, dass diese Worte nicht neu waren. Doch sie hatten für ihn mittlerweile einen seltsamen, fast schon abgedroschenen Klang. Die Vorahnung, dass es immer so weitergehen würde, ließ ihn innerlich verhärten. Widerstand war keine Option mehr – nicht in dieser Welt.
 

Soren hielt den Blick des Alphas, wusste aber, dass dies nur ein weiterer Moment war, in dem er sich dem Willen von Braydan beugte, ohne sich vollständig zu verlieren. Die Schläge, die ihm Braydan immer wieder versetzte, waren nicht immer körperlich. Es war die innere Zerrissenheit, die ihn immer wieder an diesem Ort hielt – der Konflikt zwischen der Sehnsucht nach etwas, das er nie bekommen würde, und der Erkenntnis, dass er zu viel durchgemacht hatte, um sich nun zu brechen.
 

„Vielleicht“, flüsterte Soren schließlich, „aber nicht heute.“
 

Die Worte hingen wie ein letzter, zitternder Atemzug in der Luft. Es war nicht das erste Mal, dass er sich so fühlte. Nicht das erste Mal, dass er sich hingab. Doch diesmal war es anders – es fühlte sich leer an, als ob der Widerstand aus ihm entwichen war, wie Luft aus einem zerplatzten Ballon.
 

Braydan spürte, wie Soren sich wieder gegen ihn presste, diesmal ohne Widerstand, als ob er alle Hoffnung und all seinen inneren Kampf abgelegt hatte. Es war ein vertrautes Bild, ein Bild, das Braydan fast schon erwartete, doch es fühlte sich anders an. Es war, als ob Soren sich vollkommen von allem losgesagt hatte – von der Idee eines Widerstands, von der Idee einer Verbindung, die über den physischen Akt hinausging.
 

„Du weißt, dass du dich nicht wehren kannst, oder?“ Braydan murmelte es beinahe beiläufig, seine Hände glitten über Sorens Körper, fühlten ihn, kontrollierten ihn, wie sie es immer taten.
 

Soren antwortete nicht. Er sagte nichts. Er ließ einfach zu, was kommen würde, während sein Herz wieder in den Hintergrund trat und er sich wieder selbst überging. Es war nicht das erste Mal, dass er sich so fühlte, nicht das erste Mal, dass er sich für die Rolle eines bloßen Objekts entschied – für den Moment, in dem er die Kontrolle abgab und sich in die Hand von Braydan legte.
 

„Wenn du es so willst...“, sagte Braydan, der nun ein dunkles, zufriedenes Lächeln auf den Lippen hatte, als er sich über Soren beugte. „Dann wirst du eben Nummer 11 bekommen. Und dann kannst du wieder genau das tun, was du immer tust – dich hingeben, ohne zu fragen.“
 

Soren schloss die Augen, seine Atmung gleichmäßig, als er sich immer weiter von dem Gedanken entfernte, dass er etwas anderes verdient hatte. Es gab keinen Raum mehr für Selbstbestimmung, keine Gelegenheit, sich zu widersetzen. Er hatte keine Wahl mehr. Es war einfacher, sich zu fügen, als zu kämpfen – und so viele Jahre des Widerstands hatten ihn ausgelaugt, zermürbt.
 

„Es wird nur ein weiterer Sohn sein“, dachte Soren in seinem Inneren, die Worte wie eine leise, resignierte Melodie in seinem Kopf. „Ein weiteres Kind. Ein weiteres Mal...“
 

Und trotzdem wusste er, dass er tief in sich etwas bewahrte – auch wenn er es nicht mehr benennen konnte…

Kapitel 169

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Soren spürte, wie sich das kalte Wort in seinem Inneren manifestierte. Kind. Es war immer dasselbe, immer nur das. Aber er hatte sich längst damit abgefunden. Und so presste er sich noch enger an Braydan, der Körper bereit, sich wieder zu fügen, auch wenn sein Herz längst von der Liebe oder von der Hoffnung befreit war.
 

„Es ist nicht schlimm“, dachte er für sich, als er den Moment hinnahm. „Wenn es so sein muss... dann ist es eben so.“
 

Die Verbindung zwischen ihnen war nie mehr als das. Ein Körper, der sich dem Willen des anderen beugte, ohne Fragen zu stellen. Soren wusste, dass er sich wieder verlieren würde, aber es war nicht mehr die Frage des Warum – es war nur noch die Frage des Wie lange.
 

Braydan hatte keine Ahnung, dass er es nie geschafft hatte, wirklich in Sorens Herzen zu dringen. Aber Soren hatte längst akzeptiert, dass er diesen Mann nie für sich gewinnen würde. Was er tat, tat er nur, weil es keine andere Wahl mehr gab. Weil er wusste, dass er nicht einmal mehr den Mut hatte, sich wirklich zu wehren.
 

„Wenn ich wieder schwanger werde, dann ist es eben so“, dachte Soren, als er sich weiter an Braydan schmiegte, sich in den Moment einfügte, den Braydan ihm diktierte, ohne zu zögern. „Ich habe keine andere Wahl...“
 

Soren lag reglos da, sein Atem flach, während Braydan sich nahm, was er wollte. Es war einfacher, sich zu ergeben, als gegen eine Wand zu rennen, die niemals nachgab. Seine Gedanken drifteten ab, entfernten sich von der Realität, während sein Körper mechanisch reagierte. Er war daran gewöhnt. An diesen Rhythmus, an diese Erwartung, an das Unausweichliche.
 

Es ist nur ein Moment. Ein weiterer in einer langen Reihe. Ich kann das durchstehen.
 

Ein tiefer Atemzug, und dann war er wieder bei Braydan im hier und jetzt. Ein inneres Gefühl der Entfremdung, das sich in den Knochen verankerte. Aber es war nicht neu. Er hatte sich schon lange daran gewöhnt, sich selbst zu verlieren, Stück für Stück, bis kaum mehr von ihm übrig war.
 

Doch tief in ihm nagte eine Stimme, die er nicht ganz zum Schweigen bringen konnte. Ein schwaches Echo von dem, was er einmal gewesen war, von dem Funken Widerstand, der sich nie ganz hatte löschen lassen. Aber was nützte Widerstand, wenn es keine Flucht gab? Wenn jede Entscheidung, die er traf, bereits von vornherein als falsch abgestempelt war?
 

Braydan zog sich nicht zurück, machte eiskalt weiter, sein Blick weiter auf Soren gerichtet, doch in seinen Augen lag kein Funke von Zuneigung. Nur Besitzanspruch. „Du wirst mir wieder ein Kind schenken. Und du wirst es mit Stolz tun.“
 

Soren sah ihn nicht an. Er nickte kaum merklich, seine Finger umklammerten das kühle Holz des Schreibtisches, als wollte er sich daran festhalten. Doch in Wahrheit gab es nichts, woran er sich noch halten konnte. Alles, was er tat, war längst eine leere Geste, eine Flucht vor dem, was er nicht mehr ändern konnte.
 

Draußen indes ging Taylor eine Runde spazieren. Er tat es, um den Wachen, die draußen patrouillierten, eine Pause zu gönnen. Der Wind war kalt und beißend, und Taylor zog den Mantel enger um sich, als er mit bedachten Schritten das Anwesen umrundete. Seine Gedanken aber waren weit entfernt von der Kälte der Nacht.
 

Sein Ziel war klar – Damian, Jack und Dustin. Er wollte, dass es endlich ein Ende fand. Die Männer mussten in das Anwesen. Sie mussten handeln, und er musste sicherstellen, dass sie das taten, ohne dabei entdeckt zu werden.
 

Er ließ den Blick über das Gelände schweifen. Er ging langsam, mit bedachten Schritten, als wäre er nur ein Mann auf einem gewöhnlichen Rundgang. Niemand zweifelte an seinen Absichten. Er war lange genug in diesem Spiel, um zu wissen, wie man sich unauffällig bewegte.
 

Sein Herz schlug schneller, als er in der Ferne eine Bewegung wahrnahm. Dort, wo die Schatten tiefer waren, wo selbst der schwache Schein der Laternen nicht hinreichte. Er wusste, dass sie dort waren. Damian, Jack, Dustin. Sie warteten nur auf ihn.
 

Er wusste, was auf dem Spiel stand. Soren. Aiden. Darius. Dante. Ed. Die anderen und die Kinder, die in diesem Haus geboren wurden, nur um als Werkzeuge benutzt zu werden. Es musste enden. Heute Nacht.
 

Taylor zog tief die kalte Nachtluft ein und ging weiter, als wäre nichts geschehen. Doch in seinen Gedanken bereitete er sich auf das Kommende vor. Jedes Detail, jeder Schritt war entscheidend. Die Zeit drängte.
 

Die Wachen hatten ihre Pause. Das Tor stand einen Spalt offen. Es war an der Zeit.
 

Taylor bewegte sich ruhig weiter, hielt den Kopf leicht gesenkt, als wäre es nur ein gewöhnlicher Kontrollgang. Sein Herz schlug schneller, aber seine Miene blieb reglos. Jede Sekunde zählte. Der Plan war so präzise, dass kein Fehler erlaubt war.
 

Die Dunkelheit schien schwer über dem Anwesen zu liegen, das leise Murmeln der Wachen in der Ferne war kaum wahrnehmbar. Doch Taylor wusste, dass sie da waren. Damian, Jack und Dustin mussten sich in Bewegung setzen – jetzt oder nie.
 

Er ließ die Hand beiläufig über den eisernen Türgriff gleiten, als er das Tor passierte. Der Spalt war kaum sichtbar, aber er war da. Genau wie geplant.
 

Sein Blick wanderte unauffällig zur Seite. Eine Silhouette tauchte aus der Dunkelheit auf, nur ein Hauch einer Bewegung. Damian…

Kapitel 170

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Damian blieb stehen, als er den kaum wahrnehmbaren Spalt in der Tür bemerkte. Ein Augenblick der Stille, dann das leise Quietschen des Metalltors, das den Moment bestätigte. Die Tür war absichtlich offen. Zu leicht. Zu ungeschützt. Ein Hauch von Unsicherheit blitzte in Damians Augen auf, als er sich sicher war, dass Taylor sie hereingelassen hatte – oder besser gesagt, ihnen einen Zugang verschaffte.
 

Was, wenn es eine Falle war? Die Zweifel nagten an ihm, aber es gab keinen Raum für Unsicherheit.
 

„Was zum Teufel?“ murmelte Jack leise, als er neben Damian stand und ebenfalls auf die Tür starrte. Sein Blick war scharf, als suchte er nach Hinweisen, nach einem Zeichen, das alles in einen klareren Kontext stellen könnte. Doch da war nur das ständige, beunruhigende Gefühl, dass etwas nicht stimmte.
 

Dustin hatte es ebenfalls bemerkt und trat einen Schritt zurück. „Das ist zu einfach. Warum?“ fragte er misstrauisch. Seine Augen huschten über die dunklen Ecken des Korridors, als er nach einer Erklärung suchte, nach einem Grund, der nicht mit Verrat zu tun hatte.
 

Doch dieser Moment fühlte sich an, als wäre der ganze Raum ein einziges Rätsel.
 

Damian ließ den Blick über den Korridor gleiten. Die Wachen waren zu weit entfernt, um etwas zu ahnen, aber das war nicht das, was ihn beschäftigte. Es war Taylor, der ihnen geholfen hatte. Der Gedanke daran machte ihn noch wütender als die Gefahr selbst.
 

Was dachte Taylor, was hatte er im Sinn?
 

„Er ist kein Verbündeter. Er kann nicht.“ Damian zischte die Worte, als wäre die bloße Vorstellung davon schon ein Verrat. Zumal er seinen Mann und auch Aiden, sowie Ed und Dante zusammen mit Graham entführt hatte.
 

Ein Teil von ihm, der immer nach einem klaren Feind suchte, versuchte, sich diese Möglichkeit zu verwerfen. Doch in seinem Inneren wusste er, dass Taylor nicht einfach so handeln würde.
 

Warum sollte er sie auf diesem Weg unterstützen? Warum jetzt?
 

Ein Gedanke schlich sich in seinen Kopf, dunkler als alle anderen. Was, wenn Taylor nicht aus freiem Willen handelte? Was, wenn er zu etwas gezwungen wurde? Die Vorstellung gefiel ihm nicht, denn sie bedeutete, dass es eine größere Bedrohung im Hintergrund gab. Etwas, das sie nicht sahen.
 

„Vielleicht war es nie wirklich seine Entscheidung,“ murmelte Jack, doch die Zweifel in seiner Stimme waren unüberhörbar. Auch er konnte das, was gerade passierte, nicht begreifen.
 

Die Idee, dass Taylor sie aus irgendeinem Grund unterstützen würde, schien beinahe zu absurd, doch der Fluchtweg war klar. Und die Entscheidung, sich hier nicht in Ungewissheit zu verlieren, war ebenso notwendig.
 

„Was, wenn er uns hereingelassen hat, weil er glaubt, er kann uns noch in eine Falle locken?“ Dustin war immer noch skeptisch. „Oder glaubt er, dass wir nicht wissen, was er spielt?“
 

Damian ballte die Fäuste, den Kopf voller Fragen. Taylor war der letzte Mensch, von dem sie eine Hilfe erwartet hätten, und doch standen sie hier, mit der Tür weit offen, als würde der Weg in das Innere des Anwesens bereitwillig zu ihnen führen.
 

Doch was, wenn es der Anfang von etwas viel Größerem war? Ein Plan, der sie alle in eine noch tiefere Gefahr stürzen würde?
 

Ein leises, fast unhörbares Knacken ließ Damian aufhorchen. Ein Schatten, der sich bewegte, kaum wahrnehmbar am Rand seines Blickfeldes. Sein Körper spannte sich an, jeder Instinkt schrie, dass etwas nicht stimmte. Waren sie beobachtet worden? Oder war es nur sein misstrauischer Verstand, der ihm Streiche spielte?
 

„Nicht jetzt, keine Zeit für Fragen“, befahl Damian, obwohl er das mulmige Gefühl in seiner Brust nicht abschütteln konnte. Die Fragen nagten an ihm, doch das Ziel war klar. Darius musste gefunden werden, und alles andere konnte später geklärt werden.
 

Er musste sich darauf konzentrieren, Darius zu finden. Es gab keine Zeit, sich mit der Frage nach Taylors Motiven aufzuhalten. Der Gedanke, dass der Mann, dem sie nie wirklich vertrauen konnten, ihnen jetzt helfen könnte, nagte an ihm. Was, wenn sie sich geirrt hatten?
 

Was, wenn Taylor längst nicht mehr die Kontrolle hatte?
 

Mit einem letzten Blick auf die offenstehende Tür, die in den Schatten des dunklen Gangs führte, ging Damian weiter. Jeder Schritt war entscheidend, doch der Gedanke an Taylor, der möglicherweise ein unerklärliches Bündnis mit ihnen eingegangen war, ließ ihn kaum ruhen.
 

Die Wahrheit, was Taylor wirklich im Schilde führte, musste später kommen.
 

Jetzt zählte nur noch, was vor ihnen lag…

Kapitel 171

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Taylor atmete aus, zwang sich, nicht zu lange hinzusehen. Ein falscher Moment der Unsicherheit, ein zu auffälliger Blick – und alles wäre umsonst. Aber seine Entschlossenheit wuchs mit jedem Schritt, den er machte. Sie mussten weitermachen, mussten sich nicht von den Zweifeln beeinflussen lassen.
 

Irgendetwas in ihm fühlte sich schwer an, als ob er sich selbst in eine Ecke manövrierte. Doch er wusste, dass er keine Wahl hatte.
 

Die Nacht war drückend.
 

Die Luft im Korridor war stickig, ein schwacher Geruch von altem Holz und Metall lag darin. Jeder Schritt hallte auf dem Boden, leise, aber in der Stille unüberhörbar. Taylor fühlte, wie sein eigener Herzschlag schneller wurde. War das Angst? Nervosität? Oder einfach die Anspannung, die sich über die letzten Stunden aufgebaut hatte?
 

Er ging weiter, umrundete die Ecke des Gebäudes, als wäre es nichts weiter als Routine. Die Rolle des Verräters zu spielen war nie leicht, besonders wenn er nicht wusste, ob er sich wirklich auf die Seite derer gestellt hatte, die in diesem Spiel am Ende gewinnen würden.
 

Die Wachen ahnten nichts. Noch nicht.
 

Damian presste sich gegen die Wand, seine Finger umklammerten die Waffe, als er sich langsam vorwärtsbewegte. Jack war dicht hinter ihm, Dustin auf der anderen Seite des Korridors. Die Dunkelheit machte es schwer zu erkennen, ob sich noch jemand in der Nähe befand. Das dumpfe Summen der Lampen an der Decke war das Einzige, was die Stille durchbrach.
 

Der Raum war ruhig, zu ruhig. Es war ein gefährlicher Moment – das Gefühl, dass jeder Schritt von entscheidender Bedeutung war, nagte an ihnen.
 

Es war ein Risiko. Ein verdammtes Risiko. Aber es war die einzige Chance. Sie waren drinnen. Und es gab keinen Weg zurück. Es war nicht nur ein Ort, den sie durchquerten, es war ein Symbol der Entscheidung. Der Moment, in dem alles verändert werden konnte.
 

Damian spürte das Adrenalin durch seine Adern rauschen, sein Herz hämmerte in seiner Brust. Noch war es ruhig. Noch hatten sie den Vorteil. Doch es würde nicht lange so bleiben. Die Realität war, dass sie alle in einer Falle landen konnten.
 

Er sah zu Jack, der ihm ein knappes Nicken zuwarf. Dann bewegten sie sich weiter. Seine Finger waren feucht vom Schweiß, die Kälte der Waffe in seiner Hand ein seltsamer Kontrast dazu. Die Stille des Korridors war schwer. Kein Umkehren. Nur vorwärts.
 

Sie mussten Darius finden. Sie mussten Aiden finden. Und sie mussten es schnell tun. Der Gedanke an Aiden und Darius – die Ungewissheit über ihren Zustand – ließ sie nicht los. Aber vorerst gab es keine Antwort. Nur Fragen. Und die einzige Möglichkeit war, weiterzugehen.
 

Jack spähte um die Ecke, seine Augen scharf auf jede Bewegung gerichtet. Der Gang war leer, doch das bedeutete nichts. Schatten bewegten sich leicht an den Wänden, verzerrt durch das flackernde Licht. Es konnte eine Falle sein. Sie alle wussten, dass sie sich keine Fehler leisten konnten. Sie mussten vorsichtig bleiben, mussten den richtigen Moment finden, um zu handeln.
 

Dustin atmete leise aus, seine Kiefermuskeln angespannt. „Wir müssen uns beeilen“, murmelte er, seine Stimme kaum hörbar, als er zurück zu den anderen gekehrt war. Seine Augen huschten ständig umher, suchten nach einer Gefahr, die noch nicht zu sehen war.
 

„Je länger wir hier drin sind, desto größer ist die Gefahr, entdeckt zu werden.“
 

Damian nickte knapp. Er wollte nicht daran denken, was passieren könnte, wenn sie zu spät kamen. Der Gedanke an Darius, verletzt, in Angst, irgendwo in diesem verdammten Anwesen, ließ ihn beinahe durchdrehen. Und Aiden – sie wussten nicht einmal, was mit ihm war.
 

Ob er noch in der Lage war, zu kämpfen, oder ob er längst gebrochen worden war. Damians Atem ging flach, seine Brust hob und senkte sich schneller, während er versuchte, die Gedanken zu verdrängen. Doch der Moment, in dem sie etwas entscheiden mussten, rückte näher. Jeder Atemzug, jeder Schritt war entscheidend.
 

„Wir teilen uns auf“, entschied Jack leise. „Dustin, du kommst mit mir. Damian, du gehst den linken Gang runter. Wir treffen uns in zehn Minuten hier wieder. Wenn irgendwas schiefläuft…“
 

„Dann beenden wir es“, unterbrach Damian ihn kalt. Er wusste, dass es keine zweite Chance gab. Keine Fehler. Kein Zögern.
 

Dustin warf ihm einen prüfenden Blick zu, doch dann nickte er. Seine Finger lagen bereits an seinem Gürtel, bereit, seine Waffe zu ziehen. Sie wussten alle, was auf dem Spiel stand.
 

Niemand würde jetzt zurückweichen.
 

Damian atmete noch einmal tief durch, dann machte er sich auf den Weg. Jeder Schritt hallte in der Stille wider. Die Wände des Korridors fühlten sich enger an als zuvor, als würden sie auf ihn zukommen, mit jeder Sekunde mehr. Es war mehr als nur eine Flucht, es war die Suche nach etwas, das sie zurückhalten konnte.
 

Die Zeit verrann, aber die Chance war da. Sie mussten nur handeln, bevor es zu spät war.
 

Darius. Damians Magen zog sich zusammen. Er durfte ihn nicht verlieren…

Kapitel 172

++++
 

Damian bewegte sich geduckt vorwärts, die Dunkelheit half ihm, mit den Schatten zu verschmelzen. Sein Blick huschte über die Gänge, jeder Türrahmen, jede Ecke konnte eine Falle sein. Er musste sich konzentrieren, durfte sich nicht von der Angst ablenken lassen – doch es fiel ihm schwer.
 

Darius.
 

Der Name brannte in seinem Kopf, und mit ihm all die Bilder, die er nicht haben wollte. Was, wenn sie zu spät kamen? Was, wenn sie ihm schon zu viel angetan hatten? Sein Herz zog sich schmerzhaft zusammen, aber er zwang sich, ruhig zu bleiben. Er konnte es sich nicht leisten, die Kontrolle zu verlieren.
 

Jack und Dustin waren längst in einer anderen Richtung verschwunden, ihre Schritte unhörbar. Damian wusste, dass sie genauso angespannt waren wie er. Sie alle wussten, dass dies keine Rettungsmission war, sondern Krieg.
 

Er erreichte das Ende des Gangs und lehnte sich vorsichtig an die Wand, bevor er um die Ecke spähte. Stille. Keine Wachen. Noch nicht.
 

Aber er spürte es – die Bedrohung lag in der Luft, schwer und drückend.
 

Seine Gedanken rasten. Wieso hatte Taylor die Tür absichtlich offengelassen? Wieso half er ihnen? Es ergab keinen Sinn. Bis zuletzt hatte Taylor sich gefügt, hatte mitgespielt, als wäre er einer von ihnen. Hatte er etwa… alles nur vorgespielt?
 

Oder hatte er seine Meinung geändert?
 

Damian konnte es nicht wissen, und das machte ihn wütend. Er hasste es, nicht die ganze Wahrheit zu kennen. Er hasste es, Darius nicht bei sich zu haben, nicht zu wissen, ob er verletzt war oder… Sein Griff um die Waffe verstärkte sich, als er weiterging.
 

Er durfte nicht daran denken. Nicht jetzt.
 

Ein leises Geräusch ließ ihn erstarren. Schritte.
 

Er presste sich an die Wand, hielt den Atem an. Zwei Männer, Stimmen gedämpft. Sie sprachen über irgendetwas, das er nicht verstand, dann entfernten sie sich langsam. Damian wartete. Eine Sekunde. Zwei. Dann bewegte er sich weiter.
 

Jede Minute zählte.
 

Er musste Darius finden. Er musste Aiden finden.
 

Und dann würden sie hier rauskommen – egal, wer sich ihnen in den Weg stellte.
 

Damian schlich weiter, das Adrenalin in seinen Adern pulsierend. Seine Sinne waren geschärft, jeder Schritt bedacht, doch seine Gedanken sprangen immer wieder zu Darius. Was, wenn er ihn zu spät fand? Was, wenn er Darius’ warmen Körper nie wieder in seinen Armen halten könnte? Der Gedanke an das, was ihnen vielleicht schon angetan worden war, ließ seinen Magen rebellieren, aber er zwang sich, den Fokus zu behalten.
 

Er bog in einen weiteren Gang ein, der mit jeder Faser seines Körpers wie ein Käfig wirkte. Die Wände schienen sich zu verengen, als ob die Dunkelheit selbst ihn erdrückte. Es war zu still. Zu leer. Und doch spürte er die Gefahr in jeder Faser seines Körpers.
 

„Damian…“
 

Seine Gedanken wurden jäh unterbrochen, als eine Stimme, kaum mehr als ein Flüstern, ihn aus der Dunkelheit anrief. Er zuckte zusammen und drehte sich schnell um. Jack stand dort, genauso ruhig wie er selbst, doch auch in seinen Augen brannte die gleiche Unruhe. Dustin war nicht zu sehen, aber das war nichts – er wusste, dass der Mann sich woanders aufhielt, auf der Jagd nach Antworten.
 

„Was hast du?“ fragte Damian leise, das Risiko, auch nur zu laut zu atmen, bewusst wahrnehmend.
 

Jack schüttelte nur den Kopf, seine Lippen zu einem dünnen Strich gepresst. „Nichts, noch nichts. Aber die Wachen… sie wissen noch nicht, dass wir hier sind. Ich habe ihre Patrouille gesehen, sie drehen sich nicht im Kreis, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis sie uns entdecken.“
 

Damian nickte knapp. „Zeit, die wir nicht haben.“ Er wollte gerade weitergehen, als Jack ihn zurückhielt.
 

„Was ist mit Taylor? Du glaubst nicht wirklich, dass er uns geholfen hat, oder?“
 

Damian starrte Jack für einen Moment an. Die Frage war berechtigt, aber er konnte keine Antwort darauf finden. „Es spielt keine Rolle“, murmelte er schließlich. „Er hat uns reingelassen. Was er danach tut, interessiert uns nicht. Wir müssen Darius und Aiden finden und rauskommen. Egal, was er spielt.“
 

Jack nickte, aber Damian konnte das Misstrauen in seinen Augen sehen. Es war das gleiche Misstrauen, das auch ihm selbst zu schaffen machte. Sie hatten keine Zeit für Fragen – nicht jetzt.
 

„Lass uns weitermachen“, sagte Damian und begann, sich wieder in Bewegung zu setzen. Doch diesmal spürte er etwas anderes in der Luft, eine unbestimmte Bedrohung, die wie ein Schatten über ihnen schwebte.
 

Jedes Geräusch, jede Bewegung konnte das Verhängnis bringen. Die Stille der Gänge drückte wie ein drückendes Gewicht auf seine Brust, und jedes Mal, wenn er um die Ecke lugte, hatte er das Gefühl, beobachtet zu werden, auch wenn er keine Wachen sah.
 

Der Gedanke, dass sie auf dem Spiel standen, ließ seine Nackenhaare aufstellen. Was, wenn sie entdeckt wurden, bevor sie Darius erreichten? Was, wenn sie in einen Hinterhalt gerieten?
 

Er konnte die Sorge aus seinen Gedanken verdrängen, er musste es.
 

Aber das war leichter gesagt als getan.
 

Und sie mussten es schnell tun, bevor ihre verfluchte Hoffnung zu Staub zerfiel…

Kapitel 173

++++
 

Damian zog die Dunkelheit enger um sich, als er sich weiter durch die Gänge bewegte. Das schwere Gefühl in der Luft ließ ihn nicht los. Alles wirkte wie eine Falle, und jedes Geräusch, jedes Rascheln der Luft ließ sein Herz schneller schlagen. Die Wachen waren in der Nähe, das wusste er.
 

Er bewegte sich geduckt weiter, die Muskeln angespannt, bereit, in jede Richtung zu reagieren. Sein Herz pochte so laut in seinen Ohren, dass er kaum noch die leisen Geräusche um sich herum wahrnahm. Es fühlte sich an, als würde das gesamte Gebäude gegen ihn arbeiten, als würde es ihn verschlucken, wenn er nicht vorsichtig genug war.
 

Aber es war nicht die Gefahr von außen, die ihn quälte – es war das Wissen, dass irgendwo in diesem verdammten Gebäude Darius und Aiden waren, hilflos, vielleicht verletzt, und er konnte nichts tun, um es zu verhindern.
 

Er stieß gegen eine Wand und blieb einen Moment stehen. Die Stille war erdrückend. Der Gedanke an Taylor, der ihnen absichtlich geholfen hatte, verunsicherte ihn immer mehr.
 

Es passte nicht. Er konnte es nicht fassen. Aber jetzt war keine Zeit, sich mit diesen Gedanken aufzuhalten. Sie mussten weiter.
 

„Verdammt“, murmelte er, als er einen flimmernden Lichtschein am Ende des Korridors sah. Es war die einzige Veränderung in der endlosen Dunkelheit, die ihnen den Weg wies. Doch in seinem Kopf spielte sich eine andere Szene ab – ein Bild, wie Taylor das Tor absichtlich öffnete, als ob er sich entschieden hatte, doch auf ihre Seite zu stehen.
 

Warum? Und wenn ja, warum jetzt?
 

Damian schüttelte den Kopf. Fragen halfen ihm nicht weiter.
 

Er machte sich auf den Weg, zog den Atem tief in seine Lungen, als das Licht weiter in seine Richtung driftete. Es war ein flimmerndes, schwaches Licht, das durch eine angelehnte Tür sickerte. Ein Raum. Ein kleiner Raum.
 

Sein Puls raste. Jede Faser seines Körpers schrie danach, endlich eine Spur von Darius oder Aiden zu finden, aber er wusste, dass er vorsichtig bleiben musste. Er schob sich näher heran, seine Finger umklammerten die Waffe fester.
 

„Darius?“
 

Seine Stimme hallte durch den Korridor, doch als keine Antwort kam, trat er vorsichtig näher. Der Raum war still, und als er die Tür einen Spalt weiter öffnete, fand er nichts. Kein Darius. Kein Aiden.
 

„Scheiße“, fluchte er, als er zurücktrat und in die Dunkelheit starrte. Wo waren sie? Was war mit ihnen geschehen?
 

Damian schlich weiter, als plötzlich das leise Geräusch von Schritten und Stimmen zu ihm herüberdrang. Es war nicht Darius, es war nicht Aiden – aber es war etwas. Etwas, das ihm eine flimmernde Hoffnung gab.
 

„Da drüben!“, flüsterte er und machte sich auf den Weg in die Richtung, aus der die Geräusche kamen.
 

Er drückte sich gegen eine Wand und spähte vorsichtig um die Ecke. In einem kleinen Raum entdeckte er Dante und den kleinen Ed, zusammengekauert auf dem Boden, die Gesichter blass und ängstlich.
 

Damian sog scharf die Luft ein. Der Anblick traf ihn mit einer Wucht, die ihn für einen Moment erstarren ließ. Die beiden wirkten verloren, wie kleine Schatten in einem viel zu dunklen Raum. Eds kleine Arme umklammerten seine Knie, seine Schultern bebten. Dante saß daneben, sein Blick war leer, sein Gesicht ausdruckslos – aber seine Finger waren so verkrampft in den Stoff seiner Kleidung gekrallt, dass die Knöchel weiß hervortraten.
 

Die beiden sahen ihn erschrocken an, doch Dante ließ sofort seinen Blick wieder abwandern, als hätte er das Vertrauen in die Welt längst verloren.
 

Damian kniete sich langsam hin, hielt die Hände leicht gehoben, um keine plötzliche Angstreaktion auszulösen.
 

„Ihr seid hier“, murmelte er leise. Seine Stimme war sanft, aber sein Körper blieb angespannt, jederzeit bereit, sie zu verteidigen.
 

„Es geht euch gut?“
 

Der Kleine Ed klammerte sich sofort an Damian, als er ihn erkannte – war aber zu keinen Worten fähig. Sein kleiner Körper zitterte, und Damian spürte, wie seine Finger sich in seinem Hemd festkrallten.
 

Dante nickte, aber seine Augen verrieten mehr, als er sagen konnte. „Darius… er… er ist nicht hier.“
 

Damian spürte ein schmerzhaftes Ziehen in seiner Brust. „Wo ist er?“
 

Dante schluckte schwer. Er wollte etwas sagen, aber sein Blick wanderte zur Tür, als hätte er Angst, dass jedes Wort sie verraten könnte.
 

„Er ist… irgendwo anders“, antwortete Dante schließlich zögerlich. „Wir wissen nicht, wo.“
 

Damian atmete tief ein. Das Gefühl der Hilflosigkeit war fast überwältigend, doch er konnte nicht aufgeben. Nicht jetzt. Nicht, wenn sie so nah dran waren.
 

„Wir holen ihn. Beide“, versprach Damian und sah den beiden tief in die Augen, um zu zeigen, dass er die Verantwortung nicht abgeben würde.
 

Dante zögerte, als ob er ihm nicht glauben konnte. Doch dann nickte er langsam.
 

Er wusste, dass sie noch nicht am Ziel waren. Darius und Aiden waren noch immer verschwunden, und die Zeit lief ihnen davon. Doch jetzt hatte er wenigstens einen Hinweis, der sie weiterführte.
 

„Komm, wir müssen weiter. Wir holen sie alle“, sagte er entschlossen, als er sich wieder aufrichtete und Dante an sich zog, da Ed schon bei ihm im Arm war.
 

Die Erleichterung in ihren Augen zu sehen, dass jemand endlich da war, der für sie kämpfte, beruhigte Damian auf eine Art und Weise.
 

Aber, jede Sekunde zählte.
 

Dante sah Damian mit einem stillen Blick an, als sie sich auf den Weg machten. Es war kein freudiger Ausdruck – mehr ein verzweifelter Hauch von Hoffnung, der in seinen Augen lag. Doch Damian wusste, dass er das Richtige tat.
 

Die Sicherheit von Dante und Ed war jetzt das Wichtigste.
 

Während sie weitergingen, ließ Dustin den Gedanken an das, was er selbst durchgemacht hatte, nicht los. Die Erinnerung daran, wie er fast sein Leben verloren hatte, weil er sich auf eine Sache eingelassen hatte, die er nicht vollständig verstanden hatte, war noch frisch.
 

Es war Dante gewesen, der das Ganze ins Rollen gebracht hatte, der ihm geholfen hatte, am Leben zu bleiben, als alles verloren schien. Ohne ihn hätte Dustin die Situation nicht überlebt.
 

Und während sie sich vorsichtig vorwärtsbewegten, kam es ihm plötzlich in den Sinn: Wenn das hier vorbei war, wenn sie alle heil rauskommen würden, dann wollte er Dante endlich kennenlernen.
 

Richtig kennenlernen.
 

„Wenn das hier vorbei ist…“, dachte Dustin, „Wenn wir raus sind, wenn wir gewonnen haben, will ich ein kleines Essen – nicht viel, nur ein kleiner Schritt, aber genug, um zu verstehen, was alles auf dem Spiel stand.“
 

Doch das war nicht der Augenblick. Jetzt zählte nur eins: Sie mussten Darius und Aiden finden. Und sie mussten sich beeilen.
 

„Komm, wir gehen weiter“, sagte Dustin leise zu Damian, als er ihn mit einem entschlossenen Blick ansah. „Wir finden sie.“
 

Und mit jedem Schritt verließ die Last, die ihn bedrückte, noch nicht ganz seinen Körper, doch er konnte sie wenigstens für den Moment in den Hintergrund stellen.
 

Ein anderes, späteres Ziel wartete auf ihn.
 

Aber jetzt zählte nur das hier…

Kapitel 174

++++
 

Damian nickte kaum merklich, seine Augen blieben auf den dunklen Gang gerichtet, während er sich weiter durch das Anwesen bewegte. Ein seltsames Gefühl, dass der junge Dante und Dustin in dieser verdrehten Geschichte miteinander verbunden waren.
 

Er kannte seinen besten Freund und er hatte aus den Augenwinkeln gesehen, wie er den jungen Omega angesehen hatte. Doch jetzt war keine Zeit für solche Gedanken.
 

Sein Atem war flach, während er versuchte, seine Schritte leise zu halten. Jeder Laut hallte von den Wänden wider, als würde das Gebäude sie verspotten. Die Dunkelheit lag schwer auf seinen Schultern, drängte sich in seine Gedanken. Ein Gefühl, als wäre er in einem Albtraum gefangen, aus dem es kein Erwachen gab.
 

Er wusste, dass sie sich beeilen mussten. Das ganze Gebäude war gegen sie, und sie hatten nur wenige Minuten, bevor die Wachen begannen, nach den vermissten Personen zu suchen. Die Suche nach Darius und Aiden war alles, was zählte.
 

Seine Finger ballten sich zu Fäusten. Darius. Der Gedanke an ihn ließ ihn kaum atmen. Die Ungewissheit fraß sich wie Gift durch seine Adern.
 

Hatte er Schmerzen? War er wach? War er…? Nein. Er durfte nicht so denken. Er musste ihn retten, musste ihn finden.
 

„Hoffentlich werden wir sie finden“, dachte Damian, als er an Darius dachte. „Ich hoffe, dass sie nicht zu viel durchmachen mussten. Dass wir sie noch rechtzeitig holen können.“
 

Doch sein Herz war schwer. Ich schwöre es, Darius. Ich komme.
 

Die Dunkelheit schien immer schwerer zu werden, als sie weitergingen, doch der Gedanke an Darius ließ Damian nicht los. Er musste ihn finden. Er würde alles tun, um seinen Mann zu retten, koste es, was es wolle.
 

Sein Körper war angespannt, jeder Muskel zum Zerreißen gespannt, bereit für den Kampf – doch innerlich tobte ein Sturm, der ihn zu zerreißen drohte. Er spürte die Anspannung in seinen Gliedern, das Kribbeln unter der Haut, das Adrenalin, das durch seine Adern schoss und ihn zugleich schärfte und lähmte. Das leise Klirren von Dustins und Jacks Ausrüstung drang an sein Ohr, ein vertrautes Geräusch, das sonst Sicherheit vermittelte, doch jetzt klang es fremd, beinahe unwirklich.
 

Der gedämpfte Atem seiner Freunde war ebenfalls da, ein ständiges Mahnen, dass er nicht allein war. Doch all das wurde übertönt von seinem eigenen rasenden Puls, der so laut in seinen Ohren dröhnte, dass es sich anfühlte, als könnte ihn jeder hören.
 

Auch die leisen Schritte von Dante nahm er wahr, kaum mehr als ein sanftes Schleifen auf dem Boden. Mittlerweile hatte der Junge Ed auf die Arme genommen, hielt ihn fest an sich gedrückt, während er hinter ihnen herlief. Sein Atem war ruhig, aber seine Bewegungen waren angespannt, fast vorsichtig, als wüsste er, dass jeder Fehltritt ihre Deckung auffliegen lassen könnte.
 

Doch Dustins Gedanken schienen woanders zu sein. Damian wusste, dass er sich auf die Mission konzentrieren musste, doch ein Teil von ihm fragte sich, ob Dante nicht auch ein Puzzleteil war – eines, das später noch seinen Platz finden musste. Vielleicht war es für Dustin, vielleicht für ihn selbst. Doch der Moment war jetzt nicht da. Jetzt mussten sie einfach nur weitergehen.
 

„Wir sind fast da“, murmelte Damian, als sie an einer weiteren Wand vorbeigingen.
 

Dustin nickte, doch sein Blick wanderte immer wieder zur nächsten Ecke, als er versuchte, sich zu orientieren. „Es wird nicht leicht“, sagte Damian leise und warf Dustin einen prüfenden Blick zu. „Aber wir holen sie zurück – egal was es kostet.“
 

Dustin und auch Jack nickten, die Kiefermuskeln angespannt, aber auch fest entschlossen. „Ja. Wir holen sie zurück…“

Kapitel 175

++++
 

Dante sagte nichts. Alles, was er tat, war darauf bedacht, die Männer nicht zu verlieren, ihre Schritte im Blick zu behalten, während er sich leise hinter ihnen hielt. Und doch, ohne es selbst zu merken, lag ein verträumter Ausdruck in seinen Augen, jedes Mal, wenn sein Blick unbewusst zu Dustin wanderte.
 

Er war ihm dankbar – unendlich dankbar, dass dieser ihn aufgenommen hatte, ihm Schutz geboten hatte, als er niemanden sonst hatte. Doch gleichzeitig lastete eine schwere Schuld auf ihm, eine, die ihn innerlich zerfraß. Wegen ihm war Dustin verletzt worden. Wegen ihm hatte der Mann Schmerzen erlitten. Er konnte sich das einfach nicht verzeihen, egal, wie oft er sich sagte, dass es nicht seine Schuld war.
 

Es war ein ständiger Kampf in ihm, das Gefühl der Schuld abzuwehren, dass ihn wie ein Schatten verfolgte, jedes Mal, wenn er in Dustins Nähe war.
 

Irgendetwas hatte Dustin an sich, etwas, das Dante nicht greifen konnte, etwas, das ihn faszinierte, verwirrte und doch gleichzeitig ein unbestimmtes Gefühl in ihm auslöste. Er wusste, dass er diesem Mann sein Leben gerettet hatte – hätte er nicht instinktiv gehandelt und seine Schusswunde provisorisch versorgt, bis Jack endlich aufgetaucht war, hätte Dustin verbluten können.
 

Doch während er darüber nachdachte, überkam ihn ein weiteres, unerklärliches Gefühl – die Gewissheit, dass Dustin ihm mehr bedeutete, als er sich eingestehen wollte. Ein Gedanke, den er versuchte zu verdrängen, aber er konnte ihn nicht aus seinem Kopf bekommen.
 

Aber er wusste auch, dass er noch zu jung war. Dass Dustin ihn nur als Jungen sah, als jemanden, der Schutz brauchte, nicht als jemanden, der auf Augenhöhe mit ihm stand. Und genau dieser Gedanke ließ eine leise Traurigkeit in ihm aufkeimen, die wie ein unaufhörliches Echo in seinem Inneren widerhallte. Es war eine Wunde, die nie ganz heilen würde.
 

Was Dante jedoch nicht ahnte, war, dass auch in Dustin etwas war – etwas, das ihn unbewusst zu dem Jungen zog, auch wenn er es sich selbst noch nicht eingestand. Ein unbenannter, unsichtbarer Magnet, der ihre Wege immer wieder kreuzen ließ.
 

Sie gingen weiter, tiefer in das dunkle Gebäude hinein, die Wände schienen ihnen immer näher zu rücken, doch die Vorstellung von Aiden und Darius trieb sie voran. Sie durften nicht aufgeben, nicht jetzt, nicht, nachdem sie so viel hinter sich gebracht hatten.
 

Damian atmete tief durch, versuchte, den Kloß in seiner Kehle herunterzuschlucken. Doch es half nichts. Die Enge in seiner Brust wurde immer stärker. Er musste Darius finden. Jetzt. Sofort. Jeder Schritt fühlte sich an, als würde er gegen die Schwere der Welt ankämpfen, aber er durfte sich nicht ablenken lassen. Nicht jetzt.
 

Die Stille des Gebäudes war erdrückend, nur durchbrochen von leisen Geräuschen, die immer wieder in die Stille hineinschnitten. Damian blieb abrupt stehen, als er das Stöhnen hörte. Ein leises, verzweifeltes Wimmern, das irgendwo aus den tieferen Teilen des Anwesens zu kommen schien.
 

Es war kein Geräusch, das er je vergessen würde – die Art von Klang, die einem die Eingeweide zusammenzog und den Atem raubte. Der Klang von Schmerz und Verzweiflung, von etwas, das einem Leben oder einer Seele entglitt. Damian’s Muskeln spannten sich, sein Atem stockte. Darius?
 

Dante zuckte ebenfalls zusammen. Dieses Geräusch – er hatte es mehr als einmal gehört, seit er hier war. Ein Laut, der ihm jedes Mal eine Gänsehaut über den Rücken jagte, der ihm das Blut in den Adern gefrieren ließ. Doch diesmal war es anders. Irgendetwas in ihm wusste instinktiv, dass es weder Darius noch Aiden sein konnte. Sie klangen anders. Er wusste es, weil er es hatte hören müssen – mehr als einmal, mehr als ihm lieb war. Leider.
 

Doch die Ungewissheit nagte an ihm, als er in den Raum starrte und versuchte zu verstehen, was sie hier hörten.
 

„Was war das?“ flüsterte Dustin, der ebenfalls innehielt, als er aufmerksam lauschte.
 

Damian hörte es noch einmal – das Stöhnen, gefolgt von einem verzweifelten, keuchenden Atemzug. Es war eine Folter, so nah und doch so unerreichbar. Jedes Mal, wenn sie sich dem Ursprung des Geräusches näherten, schien es weiter weg zu rücken. Ein Albtraum, in dem sie sich verloren hatten, der sie immer tiefer in den Tunnel der Verzweiflung zog.
 

Sein Magen zog sich schmerzhaft zusammen. Wenn es Darius war, dann war er nicht okay. „Wir müssen weiter“, sagte Damian, seine Stimme rau vor Anspannung. „Wir können uns nicht ablenken lassen.“ Doch die Worte fielen schwer, als wüsste er, dass der Drang, jetzt sofort zu handeln, ihn beinahe zerbrechen würde.
 

Aber das war leichter gesagt als getan. Denn plötzlich folgte ein weiterer Laut, diesmal ein Schrei. Ein verzweifelter, schmerzerfüllter Schrei, der alles in Damian zum Zittern brachte. Ein Klang, der aus einer Seele kam, die in Qualen war. Darius? Aiden?
 

Ein kalter Schauder lief über seinen Rücken. Panik packte ihn mit eiskalten Fingern, und für einen Moment konnte er kaum atmen. Der Schrei schnitt durch die Luft wie ein Messer und schmerzte in den Ohren. Es war zu viel, zu verzweifelt, zu real. Sein Herz raste.
 

„Verdammt, wir müssen sie finden“, murmelte er und beschleunigte seine Schritte. Doch zu jedem Schritt, den sie machten, schien das Geräusch sich weiter zu entfernen. Wie ein Schatten, der ihnen immer wieder entglitt.
 

Nein. Es durfte nicht so sein. Er durfte nicht zu spät kommen. Nicht nach allem, was sie durchgemacht hatten.
 

„Aber wo sind sie?“ fragte Jack leise, fast hoffnungslos, die Verzweiflung in seiner Stimme deutlich zu hören.
 

Sie drehten sich um, lauschten auf jedes Geräusch, doch mehr als das ständige Wimmern und Schreien, das in den dunklen Hallen widerhallte, gab es nichts. Sie waren so nah und doch so weit entfernt. Die ganze Situation war wie ein furchtbarer Albtraum, aus dem sie nicht aufwachen konnten.
 

Damian presste die Lippen zusammen, spürte, wie seine Fingernägel sich in seine Handflächen bohrten. Alles in ihm schrie danach, einfach loszurennen, alles zu riskieren, um Darius zu erreichen.
 

Sie blieben stehen, ihre Blicke trafen sich, doch sie konnten sich nichts sagen, was den Knoten in ihren Magen löste. Der Schmerz, nicht helfen zu können, war körperlich spürbar. Er schnürte sich in ihrem Magen zusammen und ließ ihre Brust schmerzen.
 

Sie hörten das Stöhnen erneut, lauter als zuvor, und es klang jetzt fast, als würde es aus einem Raum direkt vor ihnen kommen. Es war fast so, als wäre es für sie bestimmt, als wollten sie es hören, als müssten sie es hören.
 

So nah… so verdammt nah. Doch gleichzeitig schien es immer weiter weg zu rücken.
 

„Es kommt näher“, flüsterte Dustin, und die Verzweiflung war in seiner Stimme deutlich zu hören. Seine Augen waren weit aufgerissen, die Angst, die sie alle fühlten, war in jedem seiner Worte zu spüren.
 

Aber sie wussten: Sie konnten nichts tun. Nicht jetzt. Nicht ohne das Risiko, alles zu gefährden.
 

Der Moment war nicht der richtige. Jede falsche Bewegung könnte alles gefährden, und so mussten sie sich gedulden, sich zurückhalten, selbst wenn ihre Herzen in der Brust hämmerten und der Drang, in den Raum zu stürmen, um die Schreie zu beenden, fast unerträglich war.
 

„Wir warten“, sagte Damian leise, seine Stimme hart wie Stahl. „Aber wir werden sie finden. Es wird nicht mehr lange dauern.“
 

Doch während sie warteten, klang der nächste Schrei, und diesmal hörte man die Panik darin. Es war kein Schrei der Resignation, sondern ein verzweifelter Aufschrei, als ob jemand an den letzten Resten von Hoffnung festhielt. Und es traf sie, wie ein Schlag in die Magengrube.
 

Sie wussten, dass sie jetzt keine Zeit mehr verlieren durften…

Kapitel 176

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Sie bewegten sich weiter, Schritt für Schritt, immer vorsichtiger, immer angespannter. Das Anwesen, ein riesiges Labyrinth aus dunklen Korridoren und endlosen Räumen, schien sich immer weiter auszudehnen, als würde es sie in sich hineinziehen, bis sie nicht mehr wussten, wo sie waren.
 

Die Schatten an den Wänden schienen sich zu bewegen, als würden sie sich nach ihnen ausstrecken. Die Dunkelheit war fast greifbar, sie legte sich wie ein erstickender Nebel auf ihre Schultern. Der Geruch von altem Holz, vermischt mit einer unterschwelligen Note von Blut und Angst, ließ Damians Nackenhaare aufstehen.
 

Jeder Schritt hallte dumpf in den Gängen wider, als würde das Gebäude ihr Eindringen registrieren.
 

Der Schmerz in Damians Brust wurde stärker, als er den vertrauten Klang von Schreien und Stöhnen weiter hörte, doch er wusste, dass er sich nicht von der Panik ergreifen lassen durfte. Er ballte die Fäuste, seine Fingernägel gruben sich in seine Handflächen. Sein Herz pochte unaufhörlich, und für einen Moment schien es, als würde ihm die Luft fehlen.
 

Der Gedanke, dass Darius irgendwo hier war, vielleicht allein, vielleicht verletzt, ließ ihn beinahe ersticken.
 

„Darius.“ Der Name seines Ehemannes brannte wie ein Feuer in ihm, und doch schien er sich zu entfernen, je mehr er sich in diesem Gebäude verlor.
 

„Verdammt, warum dauert das so lange?“ murmelte Dustin, seine Stimme rau vor Anspannung. Er hatte selbst das Gefühl, dass sie nicht vorankamen, dass sie in diesem Spinnennetz aus dunklen Wänden gefangen waren. „Wo zur Hölle sind sie?“
 

Damian konnte es auch nicht erklären. Das Gefühl, dass sie so nah, aber doch so weit entfernt waren, ließ seinen Magen umdrehen. Die Geräusche – die Schreie, das Wimmern – kamen immer wieder, doch sie führten sie nicht weiter. Sie schienen sich zu verzweigen, als ob der Klang aus verschiedenen Ecken des riesigen Anwesens käme.
 

Aber es war nicht Darius oder Aiden.
 

Auch Dante wusste, dass es jemand anderes sein musste – wahrscheinlich sogar jemand, der wollte, dass man ihn fand, dass jemand kam, um ihn zu retten. Doch er konnte es nicht mit Sicherheit sagen. Alles, was er wusste, war, dass er, wenn er älter gewesen wäre, nicht glimpflich davongekommen wäre. Und im schlimmsten Fall … wäre er es, der jetzt so schrie.
 

Der Gedanke ließ ihm das Blut in den Adern gefrieren. Jedes Mal, wenn er daran dachte, schnürte es ihm die Kehle zu. Es hätte ihn treffen können. Es hätte sein Schicksal sein können. Vielleicht wäre er genau jetzt in diesem Moment dort, ausgeliefert, gequält, schreiend. Und genau dieser Gedanke jagte ihm eine Heidenangst ein.
 

Unbewusst drückte er den kleinen Ed fester an seine Brust, als könnte er ihn so davor bewahren, die Schreie zu hören. Seine Arme zogen sich noch enger um ihn, sein Körper bildete einen schützenden Kokon um den Kleinen.
 

„Ganz ruhig“, flüsterte er, obwohl er wusste, dass es zwecklos war. Ed hörte es. Sie alle hörten es.
 

Die verzweifelten Stimmen hallten durch die dunklen Gänge, panisch und verloren. Mal war es ein tiefes, klägliches Wimmern, dann wieder ein schriller Aufschrei. Es war fast unmöglich zu sagen, aus welcher Richtung sie kamen.
 

Und doch klangen sie falsch. Verzerrt. Nicht nur vor Angst – sondern, als würde jemand absichtlich mit ihnen spielen.
 

Die Geräusche prallten von den Wänden ab, fraßen sich in ihre Köpfe, machten das Warten unerträglich.
 

„Wir müssen uns aufteilen“, sagte Damian schließlich, seine Stimme war fest, aber in seinen Augen lag ein Funken Zweifel. Er wusste, dass das gefährlich war, aber sie mussten eine Chance haben. Wenn sie jetzt nicht schneller vorankamen, würde es zu spät sein.
 

Dustin verzog das Gesicht, sein Blick flackerte zwischen Damian und den dunklen Gängen hin und her. Er wollte widersprechen, wollte sagen, dass es zu riskant war, dass sie zusammenbleiben sollten. Ein Teil von ihm wollte Damian anschreien, ihn packen, ihn zwingen, das nicht zu tun. Doch dann presste er die Lippen aufeinander und nickte knapp. Sie hatten keine Wahl.
 

„Dustin, du nimmst den linken Flügel. Nimm Dante und Ed mit. Ich gehe nach rechts. Jack, du bleibst bei mir. Wir treffen uns hier wieder. Zehn Minuten.“
 

Jack nickte zustimmend, aber in seinen Augen flackerte Zorn – ein Ausdruck purer Ungeduld. Er wollte nicht warten. Er wollte nicht vorsichtig sein. Jeder Moment, den sie verloren, war ein Moment zu viel. Doch sie mussten. Der Plan war ihr einziger Weg.
 

„Klar, ich bleibe bei dir, Damian“, sagte er mit fester Stimme, seine Entschlossenheit ungebrochen.
 

Dante spürte, wie sein Herz schneller schlug. Er wollte sich nützlich machen, wollte helfen, aber als er Eds kleinen Körper an sich drückte, wusste er, dass seine Aufgabe klar war: Er musste ihn beschützen. Also nickte er nur stumm, auch wenn seine Kehle sich trocken anfühlte.
 

Dustin atmete tief durch, dann sah er Damian direkt an. „Und wenn du sie nicht findest?“ Seine Stimme war rau, aber es war sein Blick, der mehr sagte als Worte.
 

Damian erwiderte seinen Blick, seine Miene hart, unerbittlich. „Dann brechen wir durch. Aber wir finden sie, Dustin.“ Seine Hände ballten sich zu Fäusten. „Wir müssen sie finden.“
 

Und so trennten sich ihre Wege.
 

Damian spürte, wie sich der Druck in seiner Brust verdichtete, als er in den dunklen Gang vor ihm trat. Jeder Schritt fühlte sich an, als würde er durch zähen, unsichtbaren Widerstand gehen. Der Geräuschpegel um ihn herum war beinahe verstummt – kein Flüstern, kein Wimmern mehr. Nur das unaufhörliche Pochen seines eigenen Herzens, das so laut in seinen Ohren dröhnte, dass es fast schmerzhaft war.
 

Hinter ihm wurden Dustins und Dantes Schritte leiser, bis sie schließlich ganz in der Dunkelheit verschwanden. Stille. Doch es war keine erholsame Stille – es war die Art von Schweigen, die eine Bedrohung in sich barg, die sich wie ein Schatten in jeden Winkel drückte. Die Luft war schwer, stickig, als würde sie seine Lungen füllen und ihm die Luft abschnüren.
 

Irgendwo in der Ferne flackerte eine Lampe, ihr Licht warf groteske, zuckende Schatten an die Wände, die sich verzerrten, ineinander verschlangen – als würden sie ihn auslachen, als würden sie zusehen, wie er verzweifelt versuchte, seinen Mann zu finden.
 

Damian ballte die Fäuste. Er durfte sich nicht ablenken lassen. Jeder Moment war entscheidend. Jede Sekunde, die er verlor, konnte bedeuten, dass er zu spät kam.
 

Das Gebäude war ein Labyrinth aus Dunkelheit und Angst, doch irgendwo hier waren Darius und Aiden.
 

Und auch wenn sie sich noch weit entfernt anfühlten, wusste Damian, dass sie genau in diesem Moment um jede einzelne Sekunde kämpften… Und wenn er sie nicht schnell genug fand, dann…
 

Nein. Das durfte er sich nicht ausmalen. Er würde sie finden. Er musste...

Kapitel 177

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Soren rutschte erschöpft vom Schreibtisch, als Braydan mit ihm fertig war, seine Bewegungen langsam und schwer, als ob jeder Muskel in seinem Körper schmerzte und er keinerlei Energie mehr hatte. Es war, als hätte er alles, was er noch in sich hatte, in diesen einen, schrecklichen Moment gesteckt, und nun fühlte er sich vollkommen ausgebrannt, als würde jede seiner Zellen aufgebraucht und leer sein.
 

Die Welt um ihn herum verschwamm, wurde immer ferner und entglitt ihm, während er versuchte, tief durchzuatmen und sich in das zu fügen, was von ihm erwartet wurde. Jeder Atemzug schien mehr Mühe zu kosten als der letzte, und dennoch konnte er nichts anderes tun, als sich zu fügen – wie ein Schatten, der sich dem Licht nicht entziehen konnte.
 

In seinem Inneren, ganz still, hoffte er, dass Taylor es schaffte, die Männer unbemerkt ins Anwesen zu schleusen. Doch die Hoffnung schwand schnell, und seine Gedanken wurden immer trüber, als ob er in einem Nebel versank.
 

Er war zu erschöpft, zu ausgebrannt, um noch einen klaren Gedanken zu fassen oder zu wissen, was noch passieren würde. Alles, was er konnte, war, einfach da zu sein, sich zu fügen und zu hoffen, dass irgendwie alles gut gehen würde.
 

Die Zukunft, die einmal so klar vor ihm gestanden hatte, war nun nur noch ein vager Schatten, den er nicht mehr greifen konnte.
 

Braydan beobachtete ihn mit einem Blick, der zwischen Erschöpfung und Widerstand schwankte. Für einen flimmernden, unbestimmten Moment schien es, als würde auch er zögern, als würde ein kurzer Funken Mitleid in ihm aufblitzen, doch dann, als ob er sich selbst überwand, griff er nach Sorens Arm.
 

Er zog ihn mit einem fast ungeduldigen Ruck, als ob er keine Geduld für noch mehr Widerstand hatte, und warf ihn, nicht gerade sanft, auf das Bett.
 

Darius und Aiden lagen dort, in ihrer eigenen Welt, der Raum schien von einer seltsamen, fast greifbaren Stille durchzogen zu sein, die nur von den leisen Atemzügen der beiden unterbrochen wurde. Der Raum war in gedämpftes Licht getaucht, als ob die Zeit selbst hier langsamer verging, als ob auch die Wände den Atem anhielten.
 

„Du bist wirklich nichts anderes als das, was ich von dir will“, murmelte Braydan, während er sich über Soren beugte. Mit einem kurzen, fast gleichgültigen Kuss auf dessen Stirn beendete er den Moment, der für ihn nicht mehr bedeutete als ein notwendiges Übel.
 

Es war ein Kuss, der nicht nach Zuneigung roch, sondern nach einem leeren Ritual. Etwas, das er erledigte, weil es einfach dazugehört hatte. „Danke“, sagte Braydan, seine Stimme so leise, dass das Wort fast wie eine Farce klang, ein Hohn, der keine Bedeutung hatte.
 

Doch er meinte nichts weiter als den Abschluss des Moments, als wäre es ein notwendiges Übel, das abgehakt werden musste.
 

Mit einer geringen Bewegung richtete er sich auf und drehte sich dann von Soren weg. Der Blick in seinen Augen war leer, als er zurück zu seinem Schreibtisch ging, als ob das, was gerade geschehen war, keinerlei Einfluss auf ihn hatte.
 

Es war nicht das erste Mal, dass er so handelte.
 

Das Spiel war längst ein abgenutztes Ritual, das ihm keine Befriedigung mehr brachte, kein Genuss, keine Lust. Soren war nur ein Werkzeug, eine leere Hülle, die er sich jederzeit greifen konnte, wann immer er es brauchte – mehr nicht.
 

Soren blieb auf dem Bett zurück, völlig ausgelaugt und leer, der Kuss auf seiner Stirn brannte mehr als alles, was er je gespürt hatte. Doch die Hitze des Kusses verflog schnell, als die Leere, die er fühlte, alles andere verdrängte. Es war ein Gefühl der Resignation, als würde ein Teil von ihm gerade langsam, aber unaufhaltsam, sterben.
 

Der Moment, der ihn verlassen hatte, ließ ihn nur noch mehr das Gefühl haben, dass er nicht mehr als ein Schatten seiner selbst war. Die Erinnerung an den Kuss, so kalt und mechanisch, verfolgte ihn, als ob sie in sein Innerstes eingegraben war. Es war mehr als nur das, was er in diesem Moment erlebte.
 

Es war das ständige Absterben von ihm selbst, das ihm immer wieder vor Augen geführt wurde, als wäre er in einem endlosen Zyklus gefangen, der niemals enden würde.
 

Er lag dort, mit nichts weiter als der dunklen Stille um sich, und versuchte, die Hüllen der Erschöpfung und der Leere von sich abzustreifen, nur um wieder in die Kälte zurückzufallen.
 

Doch was blieb ihm anderes, als sich selbst zu verlieren?
 

Es war der Moment, in dem er sich wieder von sich selbst entfernte, als ob es der einzige Weg wäre, überhaupt noch einen Schritt weiterzukommen.
 

Die Leere, die in ihm wuchs, schien ihn mehr zu definieren als alles, was er je gewesen war. Wie konnte er sich noch als Mensch begreifen, wenn selbst seine Gefühle wie der Rauch eines Feuers waren, das bereits erloschen war?
 

Er schloss die Augen, zog die Luft tief in seine Lungen und flüsterte sich immer wieder selbst zu: „Es ist nicht schlimm, es ist nicht schlimm...“ Es war ein Mantra, das er sich ins Gedächtnis rief, um sich nicht selbst zu verlieren, um sich von der Dunkelheit nicht völlig verschlingen zu lassen.
 

Aber je öfter er es sagte, desto leerer klang es, als ob auch diese Worte sich langsam in Luft auflösten, genauso wie alles andere, was ihn einmal ausgemacht hatte.
 

Sein Körper schmerzte an mehr Stellen, als er zählen konnte. Jeder einzelne Muskel fühlte sich wie zerrissen an, und doch war es nicht der Schmerz, der ihn am meisten quälte. Es war die Kälte in seinem Inneren, die Leere, die sich tief in seine Knochen gegraben hatte, als wäre sie ein Teil von ihm, das er nie wieder loswerden würde.
 

Diese Kälte war es, die ihm das Gefühl gab, dass nichts mehr einen Sinn hatte, dass er nicht mehr als ein Schatten von sich selbst war. Ein dumpfes Rauschen legte sich über seine Sinne, als ob seine Gedanken in einem dicken Nebel gefangen wären.
 

Alles schien langsamer zu werden, als würde die Zeit selbst ihren Rhythmus verlieren.
 

Seine Gedanken wurden schwer, träge und kaum noch zu fassen.
 

Er hörte Aiden leise atmen, spürte die sanften Bewegungen auf der Matratze, doch alles fühlte sich so fern an, als wäre er Lichtjahre entfernt.
 

Der Raum um ihn herum schien sich immer weiter zu dehnen, bis er sich ganz allein in einer endlosen Leere wiederfand…

Kapitel 178

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Braydan saß wieder an seinem Schreibtisch, die Hand immer noch auf dem Hörer, den er nun wieder in seine Hand nahm. Seine Gedanken drehten sich noch immer um das, was gerade geschehen war, doch es war eine seltsame Mischung aus Erleichterung und Unmut, die ihn nun durchflutete.
 

Er wollte nicht darüber nachdenken, doch es war da – wie eine Flut von widersprüchlichen Gefühlen, die über ihn hereinbrach.
 

Doch das Gefühl verflog schnell, als er sich wieder auf seine Aufgabe konzentrierte, das Telefon in der Hand und die Nummer von Graham wählend. Die Ziffern in seinem Kopf verschwammen, als er mit einem leichten Ruck die Nummer wählte.
 

Der Klang des Freizeichens zog sich länger hin als gewöhnlich, als ob die Zeit selbst den Moment dehnen wollte. Braydan saß da, mit einem kühlen, fast leer wirkenden Blick, als er das monotone Tuten hörte, das unaufhörlich in der Stille widerhallte.
 

Als Graham schließlich abhob, klang seine Stimme müde, aber zugleich direkt und ohne jegliche Regung, die von der gewöhnlichen Distanz zwischen ihnen abweichen könnte.
 

„Was gibt’s?“ fragte Graham mit der gleichgültigen Schärfe, die er immer dann anlegte, wenn er keine Zeit für Smalltalk hatte und direkt auf den Punkt kommen wollte.
 

Braydan atmete kurz ein, der Blick noch immer auf die Papiere auf seinem Schreibtisch gerichtet, als ob die Worte, die er gleich aussprechen würde, nur eine weitere Selbstverständlichkeit für ihn wären.
 

„Hör zu, Graham“, begann er, wobei seine Stimme ruhig, aber klar und ohne jede Unsicherheit war. „Ich möchte, dass du Soren wieder in sein Zimmer bringst. Ich will nicht, dass er zu lange bei Darius und Aiden bleibt. Sie haben nichts mit ihm zu tun. Bring ihn zurück.“
 

Der Befehl war klar und hart, ein markantes Urteil, das nicht zur Diskussion stand. In Braydans Stimme lag eine unmissverständliche Härte, die jeden Gedanken an Widerspruch im Keim erstickte.
 

Es war nicht nur eine Bitte, nicht einmal ein Vorschlag, sondern eine autoritäre Anweisung, die in seiner ruhigen Bestimmtheit keinerlei Raum für Entgegenkommen ließ.
 

Graham wusste das nur zu gut. Jeder, der in Braydans Nähe war, wusste, dass der Alpha das letzte Wort hatte, besonders in solchen Angelegenheiten.
 

Doch tief in seinem Inneren spürte Graham eine seltsame Erleichterung. Ein kurzer, fast unbewusster Moment der Befreiung durchzuckte ihn. Er hatte schon lange damit gerechnet, dass Braydan nicht erkennen würde, was wirklich hinter den Kulissen spielte. Wie ein unsichtbares Netz hatte sein Feind sich in die tiefsten Winkel seines Lebens geschlichen, ohne dass Braydan je einen Verdacht schöpfte.
 

Graham konnte sich ein bitteres Schmunzeln nicht verkneifen, als er darüber nachdachte. Er hatte stets gewusst, dass er vorsichtig sein musste, dass er seine Züge mit Bedacht setzen musste. Doch jetzt, wo die Dinge sich langsam zu ihrem Ende zubewegten, empfand er keinerlei Mangel an Kontrolle.
 

Er hatte nie wirklich in Braydans Schatten gestanden, und das wusste der Alpha nicht.
 

„Verstanden“, antwortete Graham, seine Worte kurz und sachlich, ohne Nachfragen. Es war die Art und Weise, wie er immer handelte, eine Art von pragmatischem Umgang, der keine Zeit für Fragen und Erklärungen ließ.
 

„Ich kümmere mich darum.“ Und während er das sagte, wusste er, dass seine eigenen Schritte ebenso bestimmt und präzise wie die von Braydan sein würden. Es gab kein Zurück mehr...

Kapitel 179

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Braydan legte das Telefon auf, ohne ein weiteres Wort zu verlieren, und ließ seinen Blick für einen Moment an die Decke über ihm schweifen. Es war fast, als wollte er sich für einen kurzen Augenblick von der Realität entfernen, als ob er durch diesen Blick eine Pause finden könnte, bevor er sich wieder dem zuwandte, was vor ihm lag.
 

Der Raum um ihn schien sich für einen Moment zu dehnen, als die Wände stiller wurden, als ob sie selbst von der Spannung, die in ihm aufstieg, ersticken würden. Es war eine Art erdrückende Stille, die sich in seine Lungen bohrte, als er versuchte, zu atmen, ohne dabei den Zorn, der in ihm loderte, zu entfesseln.
 

Soren war kein wirklicher Teil dieses Spiels, das wusste er mit jeder Faser seines Körpers. Soren war ein Werkzeug, ein Objekt, ein Mittel zum Zweck, das sich nicht wehren konnte, nicht in der Lage war, sich zu befreien oder zu entkommen.
 

Das war der Preis für das Spiel, das er führte.
 

Wer nicht stark genug war, sich selbst zu schützen, war eben ein Teil des Rahmens, der gebaut wurde, um größere Macht zu sichern. Und Soren war ein Teil dieses Rahmens – nicht mehr, aber auch nicht weniger.
 

Braydan hatte ihn immer wieder benutzt, weil er es konnte, weil er die Macht dazu hatte. Aber tief in ihm wusste er, dass er nicht wollte, dass Soren zu lange in der Nähe der anderen war. Soren war zu zerbrechlich, zu unberechenbar.
 

Und was noch viel gefährlicher war: Soren konnte Dinge sehen, Dinge wahrnehmen, die andere nicht wollten, dass sie gesehen oder wahrgenommen wurden. Es war nur eine Frage der Zeit, bis Soren etwas in Bewegung setzen würde, das Braydan aus seiner bequemen Position bringen könnte.
 

Es war einfach… unangemessen. Es war ein Gedanke, der sich wie ein unsichtbares Band um seinen Verstand legte, als würde dieser bloße Umstand in Braydans Augen alles verzerren, was er an Kontrolle und Autorität über das Ganze noch zu haben glaubte.
 

In diesem Moment konnte er sich nicht entscheiden, ob er mehr Wut oder Angst verspürte. Vielleicht war es beides in einem, eine explosive Mischung, die nur darauf wartete, sich in irgendetwas zu entladen, das nicht kontrollierbar war.
 

Wer wusste schon, welchen Floh Soren den anderen ins Ohr setzen konnte, besonders jetzt, wo auch Aiden wieder wach war? Aiden, der sich, kaum zu fassen, an Darius klammerte – ein Bild, das die Grausamkeit des Spiels in Braydans Augen nur noch verstärkte.
 

Das Bild von Aiden, der sich an jemanden klammerte, der selbst noch in einem fragilen Zustand war, zeigte, wie weit alle bereits gesunken waren. Aiden war nicht mehr der Mann, der er einst gewesen war. Braydan konnte das sehen – es war offensichtlich.
 

Aber es war auch ein Bild, das viel mehr verriet, als es auf den ersten Blick tat. Denn Aiden klammerte sich nicht nur an Darius, er klammerte sich an den letzten Rest von Hoffnung, den er noch hatte. Und das konnte Braydan nicht dulden.
 

Es war nicht mehr nur ein Problem des Körpers, es war ein Problem der Psyche, ein Problem der Machtverhältnisse, die zerbrachen. Was einmal so sicher schien, war nun in seinen Grundfesten erschüttert.
 

Und das, was er am meisten fürchtete – das Gefühl von Verlust der Kontrolle – war jetzt näher, als er es sich je hätte vorstellen können. In diesem Moment war die Angst vor dem Unbekannten, vor dem, was noch kommen würde, fast greifbar.
 

Was, wenn alles, was er sich erarbeitet hatte, sich in nichts auflöste? Was, wenn das Vertrauen, das er so hart erkämpft hatte, von einem Moment auf den anderen in den Abgrund stürzte?
 

Aiden war vollständig gebrochen, gezeichnet von all dem, was er durchgemacht hatte, und doch hielt er sich noch an Darius fest, als wäre dieser noch der Anker, der ihm irgendwie Halt gab. Aber es war ein trügerischer Halt.
 

Darius war nicht der Retter, den Aiden sich erhoffte. Er war derjenige, der durch den gleichen Sturm gegangen war, der Aiden zu dem gemacht hatte, was er jetzt war.
 

Doch das wollte Aiden nicht sehen. Und Braydan wusste, dass das die Schwäche war, die er ausnutzen konnte. Darius war nicht derjenige, der das Ruder herumreißen konnte, er war Teil des Sturms.
 

Darius war noch nicht an diesem Punkt angekommen.
 

Noch nicht ganz. Darius war nicht vollkommen gebrochen.
 

Und genau da lag das Problem. Darius hatte noch den Funken von Widerstand in sich, der ihn vor einer totalen Niederlage bewahrte. Und genau das war es, was Braydan am meisten fürchtete. Denn während Aiden zu einem Schatten seiner selbst geworden war, war Darius noch nicht am Ende, er hatte noch nicht alles verloren.
 

Braydan wusste, dass dies ein gefährlicher Zustand war, ein Zustand, in dem Darius noch immer Widerstand leisten konnte, in dem er sich noch wehren konnte – und das durfte nicht passieren.
 

Nicht, wenn Braydan die Kontrolle behalten wollte…

Kapitel 180

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Soren zwang sich, wach zu bleiben, obwohl sein Körper schrie, einfach loszulassen. Die Dunkelheit lockte ihn, ein sanftes, einladendes Versprechen, das ihm Erleichterung versprach. Sie zog ihn mit einer fast greifbaren Schwere an, als ob sie ihn in ihre Umarmung aufnehmen würde, ihn in einen Zustand der Ruhe und des Vergessens zu wiegen.
 

Doch er konnte nicht.
 

Nicht jetzt. Nicht, wenn es eine Chance gab, dass Taylor es rechtzeitig schaffte. Die Gedanken an Taylor, der vielleicht die einzige Möglichkeit war, aus dieser verzweifelten Situation zu entkommen, hielten ihn in einem Zustand der ständigen Anspannung. Sein Körper verlangte nach Entspannung, nach einem Moment des Aufgebens, aber der Gedanke an das, was noch kommen könnte, ließ ihn nicht los.
 

Sein Atem ging flach, fast unhörbar. Jede Bewegung war eine Anstrengung, sein Körper fühlte sich schwer an, seine Muskeln zu müde, um ihm noch zu gehorchen. Ein Schmerz zog sich durch seine Glieder, als er versuchte, sich ein wenig zu rühren, um nicht völlig zu erstarren.
 

Doch er wagte es nicht, Braydan direkt anzusehen, aus Angst, dass der Mann noch einen weiteren Grund finden könnte, ihn länger hierzubehalten. Diese Furcht war real, beinahe greifbar. Er konnte sich keine weiteren Spielchen leisten. Jede Sekunde, die er nicht in Bewegung war, könnte das letzte Fünkchen Hoffnung zerstören.
 

Ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken, als er daran dachte, was wäre, wenn Taylor zu spät käme. Wenn sie nicht rechtzeitig hier wären. Die Angst nagte an ihm, doch selbst diese Angst reichte nicht aus, um seinen Körper in Bewegung zu versetzen. Es war, als ob er in einem Zustand zwischen Wachen und Schlafen gefangen war, als ob er nur noch eine leere Hülle war, die darauf wartete, sich aufzulösen.
 

Er blinzelte langsam, zwang sich, die Schatten an der Decke nicht zu lange anzustarren, denn dort lag das Versprechen der Bewusstlosigkeit, und er durfte es sich nicht erlauben, nachzugeben. Jedes Mal, wenn er die Augen schloss, schien die Dunkelheit noch näher zu kommen, drängte sich in seine Gedanken und zog an seiner Seele. Doch er wusste, dass er nicht einfach aufgeben durfte.
 

Nicht jetzt. Nicht, wenn noch Hoffnung bestand.
 

Aiden bewegte sich neben ihm, ein leises, kaum hörbares Geräusch. Soren spürte es, fühlte die Wärme, die er selbst kaum noch wahrnahm. Es war ein seltsamer Trost – eine Erinnerung daran, dass er nicht allein war.
 

Die Präsenz von Aiden, auch wenn sie nur flüchtig war, gab ihm etwas Halt, etwas, das er nicht erklären konnte. Vielleicht war es nur die Gewissheit, dass sie in diesem Moment zusammen waren, in diesem Raum, der sie beide festhielt, dass ihm einen letzten Funken menschlicher Nähe gab.
 

Doch ob das in diesem Moment etwas Gutes oder etwas Schlechtes war, wusste er nicht mehr. Die Frage, ob es ihn tröstete oder noch weiter in die Dunkelheit zog, ließ ihn nicht los.
 

Vielleicht war es beides – eine seltsame Mischung aus Geborgenheit und Qual, aus dem Wissen, dass er nicht ganz allein war und dem gleichzeitigen Gefühl, dass es auch nichts an seiner Situation ändern würde…

Kapitel 181

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Graham legte sein eigenes Telefon weg, ließ sich einen Moment Zeit, um seine Gedanken zu sortieren. Er wusste, was ihn erwartete, wenn er das Büro betrat. Er wusste, in welchem Zustand er Soren finden würde. Und dennoch ließ sich das flaue Gefühl in seinem Magen nicht verdrängen.
 

Die Vorstellung, dass er wieder mit einem Menschen konfrontiert würde, den er einstmals gekannt hatte – und der jetzt nur noch ein Schatten seines früheren Selbst war – schmerzte auf eine Art, die er nicht in Worte fassen konnte.
 

Soren war schon immer ein Kämpfer gewesen, auch wenn sein Widerstand nach all den Jahren kaum noch mehr als ein Schatten war. Doch das war genau das, was Graham quälte: Dieser Kampf war nicht mehr derjenige, den er gekannt hatte. Es war ein verzweifelter Versuch, etwas von sich selbst zu bewahren.
 

Und es machte für Graham einen Unterschied. Es machte alles schwerer. Jeder Atemzug Sorens, jedes winzige Zucken seines Körpers, schien den Kampf zu dokumentieren, den er in sich führte – und Graham konnte nicht anders, als sich immer weiter von ihm entfernt zu fühlen.
 

Er atmete tief durch, zwang seine Gesichtszüge zur Neutralität und machte sich auf den Weg. Sein Herz schlug ein wenig schneller, als er die Tür zum Büro öffnete. Doch er konnte die Unruhe in seiner Brust nicht ganz verbergen. Es war nicht nur der Anblick von Soren, der ihm Sorgen bereitete.
 

Es war die Tatsache, dass er mit ihm konfrontiert wurde – in diesem Zustand, in dieser Lage. Was konnte man tun, wenn jemand bereits alles verloren hatte?
 

Braydan beachtete ihn kaum, sein Blick war auf einige Unterlagen gerichtet, die ihn offensichtlich mehr interessierten als die Menschen in diesem Raum.
 

Und dort lag Soren.
 

Seine blasse Haut hob sich unnatürlich von den dunklen Laken ab, seine Glieder schienen schwer, als hätte er keine Kraft mehr, sich zu bewegen. Graham konnte sehen, dass er kämpfte – darum, seine Augen offen zu halten, darum, nicht einfach ganz zu verschwinden. Sein Brustkorb hob und senkte sich ungleichmäßig, als wäre selbst das Atmen eine Last. Ein Zittern durchlief seine Finger, kaum wahrnehmbar, aber es war da. Die Anspannung, die Soren in sich trug, schien greifbar. Graham konnte es fast auf seiner eigenen Haut spüren.
 

„Bring ihn zurück in sein Zimmer“, sagte er nur, als wäre es eine alltägliche Angelegenheit. Doch seine Stimme verriet etwas anderes – ein Zögern, das er nicht ganz verbergen konnte.
 

Graham ließ sich nichts anmerken, doch innerlich spannte sich alles in ihm an. Ohne ein Wort zu verlieren, kniete er sich neben Soren und legte ihm eine Hand auf die Schulter. Die Berührung war sanft, doch sie hatte etwas festes an sich – als würde er aufpassen, dass Soren nicht einfach in die Dunkelheit entglitt.
 

„Soren“, sagte er leise, seine Stimme so sanft, wie es ihm möglich war. Es war ein leiser Versuch, ihn zu wecken, und doch wusste er, dass die Worte nicht viel ausrichten würden.
 

Keine Reaktion. Nur ein müdes Blinzeln. Es wirkte, als würde es ihn unendlich viel Kraft kosten, überhaupt zu reagieren. Doch das war nicht das Schlimmste. Das Schlimmste war, dass Soren überhaupt keine Hoffnung mehr zu haben schien.
 

Ein Gefühl der Leere, das Graham an seinen eigenen Knochen spüren konnte…

Kapitel 182

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Graham schob einen Arm unter seinen Rücken, der andere stützte ihn unter den Beinen. Soren war leicht, zu leicht. Er fühlte sich an wie eine Puppe, die kaum noch Kraft hatte, sich selbst zu halten. Es war ein verstörender Moment, als Graham bemerkte, wie dünn und zerbrechlich Soren geworden war.
 

„Komm“, sagte er leise, seine Stimme klang rau, fast zu sanft für diesen Ort. „Ich bring dich zurück.“
 

Er erwartete keinen Widerstand, und er bekam auch keinen. Soren war zu erschöpft, zu weit weg. Doch als Graham ihm half, sich aufzurichten, entging ihm nicht, wie sehr sein Körper zitterte. Ein leiser, kaum hörbarer Laut entkam seinen Lippen, ein Ausdruck seines Schmerzes, bevor er ihn unterdrückte.
 

Es war, als ob jeder Schritt, den sie taten, Soren weiter in die Dunkelheit zog, aus der es keinen Ausweg zu geben schien. Graham spürte, wie sich eine unerklärliche Kälte in ihm ausbreitete. Der Gedanke, dass er so viel von Soren verloren hatte, lähmte ihn, auch wenn er es sich nicht eingestehen wollte.
 

Für einen Moment blieb Soren einfach an ihn gelehnt, als würde er nicht die Kraft haben, sich selbst zu halten. Graham ließ ihn gewähren, doch innerlich kämpfte er gegen das Gefühl an, dass er auch zu einem Teil dieser Dunkelheit wurde. Er versuchte, diesen Gedanken zu verdrängen, aber er konnte nicht.
 

Immerhin war der Mann in seinen Armen zu einem guten Freund geworden – nicht zuletzt, weil auch sein eigener Mann ihn in dieser schweren Zeit als besten Freund ansah. Graham wusste, wie selten sein Mann Freundschaften einging, zu oft war er bereits enttäuscht worden. Gerade deshalb wollte er dem Mann in seinen Armen etwas zurückgeben.
 

Doch er wusste auch, die Realität des Augenblicks war zu stark. Die Dunkelheit, die Soren umhüllte, schien sich wie ein Nebel auf Graham auszubreiten.
 

Dann, nach einem Moment, half er ihm auf die Beine. Es war ein langsames, zögerliches Vorwärtskommen. Jeder Schritt schien ihm mehr zu kosten als der letzte, doch er gab sich nicht auf. Und doch wusste Graham, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis Soren zusammenbrechen würde, wenn niemand da war, um ihn zu stützen.
 

Braydan würdigte ihnen keinen zweiten Blick. Warum auch? Es war ihm offensichtlich egal, was mit Soren geschah – und vielleicht war das das, was Graham an ihm am meisten störte. Doch er sagte nichts. Es war zu laut in seinem Inneren, als dass er es hätte laut aussprechen können.
 

Als er die Tür öffnete und Soren vorsichtig hinausführte, empfing ihn der dunkle Flur. Die Schatten zogen sich lang und verzerrt an den Wänden entlang, als ob sie die Vergangenheit verschluckt hätten. Das entfernte Licht einer schwachen Lampe kroch träge über den Boden, die Stille war fast erdrückend.
 

Seine Haltung blieb steif, sein Blick berechnend. Einen Moment lang hielt er inne, als würde er spüren, dass jemand in der Dunkelheit lauerte. Dann trafen sich seine Augen mit denen von Damian, Jack, Dustin, Dante und dem kleinen Ed.
 

Ihre Blicke kreuzten sich, als Graham sie bemerkte. Ein unausgesprochenes Verständnis lag in der Luft, doch ebenso ein unausgesprochenes Misstrauen, das zwischen ihnen stand – kein Wunder, schließlich war dies einer der Männer, die ihre Leute entführt hatten.
 

Dante spürte, wie sofort eine neue Emotion in ihm aufstieg: Panik. Der kleine Ed, der auf seinen Armen lag, bemerkte ebenfalls, dass sie nicht mehr allein waren, und vergrub sich zitternd an Dantes Brust. Dante senkte hastig den Blick zu ihm, versuchte ihn zu beruhigen, doch was nützte es, wenn die Angst in ihm selbst unaufhaltsam wuchs?
 

Sein Herz schlug hart gegen seine Rippen, seine Kehle fühlte sich eng an, und es kostete ihn all seine Kraft, nicht unter der drohenden Panik zu wimmern. Instinktiv machte er einen Schritt zurück und versteckte sich hinter Dustin.
 

Dustin ließ es geschehen – mehr noch, er befürwortete es. Sein Griff um die Fäuste wurde fester, sein Körper spannte sich an, als würde er sich zwischen Dante und jede potenzielle Gefahr stellen.
 

Aus den Augenwinkeln bemerkte er eine Bewegung – Taylor.
 

Als Taylor die Szene erblickte, hielt er abrupt inne.
 

Sein Blick fiel sofort auf Soren, der so verletzt und zerbrochen vor ihm stand, und für einen Moment füllte sich Taylors Magen mit eisiger Angst. Doch dann ergriff ihn ein neuer Gedanke: Er musste wissen, wie Graham reagierte.
 

Still, fast wie ein Schatten, blieb Taylor stehen und beobachtete, die ganze Situation mit einer Mischung aus Sorge und Neugier verfolgend. Er konnte sehen, wie sich in Grahams Augen eine der wenigen Emotionen regte, die er noch zeigte. Die Entschlossenheit war da, aber auch etwas anderes – etwas, das Taylor nicht ganz deuten konnte.
 

Als Graham die Blicke der anderen Männer bemerkte, spürte Taylor, dass er nicht übersehen worden war. Doch es gab keinen Moment der Konfrontation. Vielmehr ein stilles Lächeln – eines, das Taylor nicht entging.
 

Als er den subtilen Ausdruck in Grahams Gesicht sah, verstand er: Sein Mann hatte alles unter Kontrolle. Auch wenn er keine Worte für diese Erkenntnis fand, wusste er, dass Graham nicht zulassen würde, dass etwas seiner Kontrolle entglitt.
 

Es war in diesem Moment, dass Taylor sich entschied, sich zurückzuhalten. Er blieb im Schatten, lachte jedoch leise in sich hinein, als er sah, wie sein Mann die Rolle des Führenden übernahm.
 

Auch den anderen fiel nun auf, dass Graham mit einer Hand eine taumelnde Gestalt stützte – Soren.
 

Sein Körper war gezeichnet von Erschöpfung, sein Gesicht blass und von getrocknetem Schweiß überzogen. Dunkle Schatten lagen unter seinen leeren, ins Nichts gerichteten Augen. Aufgesprungene Lippen, ein unsicherer Gang – jeder Schritt schien eine Qual. Der Stoff seines zerrissenen Shirts klebte an seiner Haut, als hätte er nicht einmal mehr die Kraft, sich selbst aufrechtzuhalten.
 

Ein Anblick, der sich tief ins Gedächtnis brannte.
 

Dustin hielt zuerst inne. Seine Augen verengten sich, als würde sein Verstand kämpfen, das Bild vor ihm einzuordnen. Dann weitete sich sein Blick. Dustin kannte den Mann persönlich und hatte sich immer gewundert, wo er all die Jahre verblieben war – jetzt wusste er es.
 

„Soren...?“
 

Es war kaum mehr als ein heiseres Flüstern, doch es hallte in der beklemmenden Stille des Korridors wider. Die Worte trugen mehr mit sich, als sie sagten. Sie trugen all die Jahre, all die verlorene Zeit, und doch gab es keine Freude in dieser Entdeckung, nur tiefe, durchdringende Erschöpfung.
 

Soren reagierte nicht sofort. Es dauerte einige Sekunden, bis sein Kopf leicht zuckte und er Dustin erkannte. Doch seine Miene zeigte keine Erleichterung, kein Zeichen der Freude. Nur eine tiefe, bodenlose Erschöpfung. Sein Blick blieb starr, als hätte er nicht die Kraft, Emotionen zuzulassen.
 

Er war nicht mehr der Soren, den Dustin gekannt hatte, und das sah Dustin klar – es war wie der Blick in eine fremde, verzerrte Version dessen, was er einmal gewesen war.
 

Graham schien diesen Moment nicht weiter zu kommentieren. Sein Griff um Sorens Arm wurde fester, als er ihn weiterzog, ihn von ihnen fortführen wollte.
 

„Er kann nicht hierbleiben“, sagte er knapp, seine Stimme emotionslos. „Er muss sich ausruhen.“
 

Graham sah die Männer allerdings nur an und wollte schon weitergehen, als er kurz innehielt und leise, fast nicht hörbar sagte: „Kommt mit. Hier seid ihr nicht sicher.“
 

Dustin ballte die Fäuste. Die Anspannung in ihm war greifbar, die Frage wie ein Sturm, der in seinem Inneren tobte.
 

„Warum sollten wir dir vertrauen?“
 

Graham warf ihm einen warnenden Blick zu, doch sagte nichts weiter. Es war nicht der richtige Ort, nicht der richtige Moment.
 

Er zog Soren mit sich, ohne zurückzublicken.
 

Damian und Jack blieben angespannt, ihre Blicke zwischen Dustin und Graham hin und her wandernd. Doch keiner von ihnen bewegte sich, während Sorens Gestalt langsam im Schatten des Ganges verschwand.
 

Die Luft war schwer. Es fühlte sich an, als hätte sie das Gewicht eines unausgesprochenen Krieges, der gerade erst begann. Die Stille drückte auf die Brust, und der Druck, der sich dort aufbaute, war fast unerträglich.
 

Doch nach kurzem Zögern folgten die Männer schließlich Graham und Soren…

Kapitel 183

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Graham brachte Soren vorsichtig ins Zimmer und Taylor, eilte sofort zu Graham. Ohne ein Wort zu verlieren, legte er ihm eine Hand auf die Schulter und half ihm, Soren mit zusätzlicher Unterstützung ins Bett zu legen. Grahams Hände zitterten, als er Soren behutsam ablegte, und die ständige Sorge, ihn falsch zu bewegen und noch mehr zu verletzen, war in seinen Augen zu sehen.
 

Soren ließ sich regelrecht in das Bett sinken, als ob sein Körper keinen Widerstand mehr leisten konnte. Jede noch so kleine Bewegung schien seine Knochen schmerzlich zu quälen, als ob jeder Atemzug ihn weiter ermüdete. Graham stützte ihn, seine Hände zitterten fast, als er versuchte sicherzustellen, dass Soren so bequem wie möglich lag.
 

Der Anblick von Sorens blutunterlaufenem, schmerzgezeichnetem Körper schien Graham zu erdrücken. Die blassen, eingefallenen Züge und das zerzauste, feuchte Haar erinnerten ihn daran, wie weit dieser Mann gebrochen worden war.
 

Es war, als ob jeder Blick auf Sorens Zustand ein weiteres Stück von Grahams Seele verlangte, um mit dieser Realität zu leben.
 

Erst als er sicher war, dass Soren sich wenigstens ein wenig ausruhen konnte, wandte er sich an Taylor, die Besorgnis in seinen Augen deutlich zu erkennen. „Das war riskant, Graham“, sagte Taylor mit ernster Miene, dabei fuhr er sich mit einer Hand durch das Haar, als versuche er, den Druck aus seinen Gedanken zu vertreiben.
 

Doch dann legte er sanft seine Hände auf das Gesicht seines Mannes, seine Blicke weich und voller Sorge. „Du hättest ihn nicht so weit schleppen sollen“, sagte er leise, seine Stimme von einer tiefen Besorgnis durchzogen. „Du weißt, wie dünn das Eis ist, auf dem wir hier stehen.“
 

Graham seufzte tief und nickte. „Ich weiß, aber er konnte nicht mehr selbst gehen. Was sollte ich tun, Taylor?“, erwiderte aber den Blick, von Taylor, der aber auch viel Sorge in sich trug.
 

„Du hättest warten sollen. Aber jetzt ist es zu spät.“ Taylor löste sich aber wieder von Graham und schaute auf Soren, dessen Atem unregelmäßig und schwer war, als ob jeder Atemzug eine Qual für ihn war. „Er braucht Ruhe, keine weiteren Strapazen. Aber es geht nicht nur um ihn.“
 

Graham folgte seinem Blick und verstand sofort, worauf Taylor hinauswollte. Es ging nicht nur darum, Soren zu schützen.
 

Es ging um viel mehr.
 

„Wir müssen nicht nur Soren retten, sondern auch sie. Sie sind genauso in Gefahr“, sagte er schließlich, seine Stimme leise und fest, als versuchte er, das Gewicht dieser Worte nicht zu spüren.
 

„Ich weiß“, antwortete Taylor mit einem scharfen Blick zu Graham, das Misstrauen, das sie verband, schien sich in diesem Blick zusammenzuziehen. „Und das macht es noch schwieriger. Wenn wir nicht vorsichtig sind, können wir niemanden mehr retten.“
 

In diesem Moment wurde Graham klar, wie viel er tatsächlich auf dem Spiel stand.
 

Es ging nicht nur um die unmittelbare Gefahr, die Soren drohte, sondern auch um die größeren Konsequenzen, die ihre Entscheidungen mit sich brachten. Jeder falsche Schritt konnte verheerende Folgen haben.
 

„Ich verstehe“, sagte Graham ruhig, obwohl der Druck auf ihm lastete. „Aber wir müssen jetzt einen Schritt nach dem anderen machen. Wir müssen ruhig bleiben und uns nicht von der Angst leiten lassen.“
 

Während sie miteinander sprachen, hatte sich leise die Tür geöffnet, die Graham mit Absicht unverschlossen gelassen hatte. Die Umrisse von Damian, Dustin und Dante der Ed bei sich trug waren sichtbar.
 

Sie hatten den Raum betreten, ohne ein Wort zu sagen, doch ihre Blicke sprachen Bände. Die Spannung zwischen ihnen und den anderen war greifbar. Es war, als hätten sie den Raum betreten, um sich selbst zu beruhigen, aber die unausgesprochenen Worte, die zwischen den Männern und Graham hin- und herschwebten, zeigten alles, was nicht ausgesprochen wurde.
 

Dustin ging direkt zu Soren, sein Gesicht von Sorge und Schmerz verzerrt, als er den Körper des Mannes behutsam in seine Arme zog. „Wo warst du all die Jahre? Hier? Warum hast du nicht nach Hilfe gerufen?“, fragte er leise, die Worte scharf in der Stille des Raumes.
 

Soren, der kaum noch einen Mucks von sich gab, wirkte wie ein Schatten seiner selbst. Seine Augen waren leer, als ob er jegliches Gefühl für die Welt um ihn herum verloren hätte.
 

Es stand außer Frage, dass er derjenige gewesen sein musste, dessen Wimmern und Schreien sie durchs ganze Anwesen gehört hatten. Die Erinnerung daran ließ sie noch immer erschaudern, tief bis in die Knochen.
 

Besonders für Dante war es eine grausame Erfahrung. Als Omega stand ihm das alles noch bevor, falls sie keinen Ausweg aus dieser Situation fanden.
 

„Er konnte nicht fliehen. Sie haben ihn verheiratet, und sein Ehemann wollte ihn nicht wirklich“, seufzte Taylor, seine Stimme brüchig, als er die schmerzliche Wahrheit aussprach, die sich wie ein schweres Gewicht auf seiner Zunge legte. Es war, als ob er die Worte selbst kaum ertragen konnte, als ob sie ihn selbst innerlich zerrissen.
 

„Sein Mann hat ihn verkauft, versklavt, sich von ihm scheiden lassen und ihn anschließend gebrochen. Soren hat bereits zehn Kinder von diesem Mann…“, fuhr Taylor fort, seine Worte wie aus einem tiefen Abgrund gepresst, während er sich zunehmend von der Gegenwart entfernte.
 

Er stellte sich ans Fenster, als ob er hoffte, der gnadenlosen Realität entkommen zu können, die ihn mit jeder Sekunde mehr erdrückte. Seine Augen suchten den Horizont, doch sie sahen nur Leere, die ihn genauso leer zurückließ.
 

Graham trat leise von hinten an ihn heran, als ob er die Schwere von Taylors Worten teilen wollte. Er legte seine Hände sanft auf Taylors Schultern, ein stummer Versuch, die zerrissene Realität, die sie alle umgab, für einen Moment zu verdrängen. Ein kleiner, menschlicher Kontakt, der mehr sagte als Worte je könnten.
 

Doch selbst dieser kleine Trost schien nicht genug, um die dunklen Gedanken und die Ohnmacht zu vertreiben, die wie ein Schatten über ihnen schwebte.
 

Währenddessen sahen sich Damian und Jack an, ohne ein Wort zu sagen, doch beide wussten, dass sie sich einig waren. Die sanfte Art, wie Graham mit Taylor umging, weckte bei ihnen den Verdacht, dass diese beiden Männer keine Brüder sein konnten.
 

Die Zuneigung, die Graham zeigte, war zu tief, zu intim für bloße Geschwister. Es war etwas anderes, das zwischen ihnen stand, etwas, das sie noch nicht ganz begreifen konnten. Doch sie sagten nichts, noch nicht.
 

Es war nicht der richtige Moment, ihre Vermutungen auszusprechen, und so hielten sie ihre Gedanken vorerst für sich, während die Stille zwischen ihnen immer schwerer wurde...

Kapitel 184

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Während sich die Anspannung im Raum noch immer hielt, bemerkte Dante das der kleine Ed, in seinen Armen eingeschlafen war. Der Junge war ruhig, die Schläfchen Atmung fast unmerklich, und doch war er wie ein stiller Trost, den Dante in dieser schweren Stunde nicht ungenutzt lassen wollte.
 

Mit einem leisen Seufzer trat er näher an Soren heran, der immer noch regungslos im Bett lag, als wäre er vollkommen in sich selbst gefangen.
 

Dante wusste, dass Soren in diesem Moment mehr als nur Worte brauchte – er brauchte Nähe, Geborgenheit, vielleicht die Anwesenheit eines Unschuldigen, der ihn daran erinnerte, dass das Leben auch noch etwas anderes zu bieten hatte als Schmerz und Zerstörung.
 

Langsam trat Dante näher, die Augen auf Soren gerichtet, während er Ed ein wenig fester an sich drückte. Der kleine Junge wachte auf, seine Augen schauten neugierig umher, aber Dante streichelte ihm beruhigend über den Rücken, als er sich Soren näherte.
 

Er wusste, dass er in dieser Situation vorsichtig sein musste.
 

Doch irgendwie hatte er das Gefühl, dass der kleine Ed, der völlig unvoreingenommen war, derjenigen Person, die in diesem Raum zerbrochen und verletzt war, einen Moment der Ruhe geben konnte.
 

„Hey“, flüsterte Dante sanft, als er sich über Sorens Bett beugte und dem Jungen sanft an die Wange strich, „es tut mir leid, was dir passiert ist. Aber du musst wissen, du bist nicht alleine.“
 

Er setzte sich vorsichtig auf die Kante des Bettes, den Blick nie von Soren abwendend. Ed bemerkte die Stille und legte seinen Kopf an Dantes Schulter, als wäre er sich der Schwere der Situation durchaus bewusst.
 

Für einen Moment schien es, als ob die Zeit stillstand – die einzige Bewegung war das sanfte Atmen des Kindes in Dantes Armen. Die weichen Finger des Kleinen, die sich an Dantes Hemd festhielten, und die Leichtigkeit, die in Eds Augen funkelte, wirkten wie ein stiller Ruf nach Hoffnung.
 

Dante dachte an die unbeschwerte Welt des Kindes und daran, wie sehr der Schmerz von Soren alles zu verschlingen schien.
 

Doch dann, nach einem langen Moment der Stille, flüsterte er: „Vielleicht kannst du etwas Ruhe finden. Vielleicht bringt er dir wenigstens ein kleines Stück Frieden.“
 

Nachdem Taylor sich sanft von Graham gelöst hatte, trat er langsam zu Dante und dem kleinen Ed, der immer noch in Dantes Armen war.
 

Die Anspannung in seinen Schultern war immer noch spürbar, doch der Blick auf den kleinen Jungen schien einen Moment lang seine Gedanken zu beruhigen.
 

Vorsichtig setzte er sich auf die Bettkante neben Dante, dessen Blick sich für einen Moment von Soren abwandte, als er Taylors Nähe spürte.
 

Taylor bemerkte die leichte Anspannung in Dante, was auch kein Wunder war, doch anstatt sich darauf zu konzentrieren, beugte er sich vor und strich dem kleinen Ed sanft über die Wange.
 

Der Junge zuckte leicht zusammen, öffnete dann aber mit einem leisen Lächeln die Augen, als er Taylors Berührung spürte. Der zarte Moment der Zuneigung war für Taylor mehr als nur ein Trost.
 

Es fühlte sich an, als ob er in diesen Momenten ein kleines Stückchen seiner eigenen Menschlichkeit zurückfand.
 

„Es tut mir leid, Dante“, flüsterte Taylor, seine Stimme ruhig, aber von einer Schwere durchzogen. Er streichelte dem Kleinen über das Haar, während er gleichzeitig nach Worten suchte.
 

„Es tut mir leid, dass ich euch hierhergebracht habe. Es war nicht meine Absicht, euch in diese Gefahr zu bringen.“
 

Dante nickte wortlos, ließ sich jedoch von Taylor nichts anmerken. Es war offensichtlich, dass sie alle mit dieser Situation kämpften, doch Taylor war nicht allein.
 

Und das wusste er.
 

Dann zog Taylor den kleinen Ed kurz in seine Arme, um ihn fest an sich zu drücken, als wollte er etwas von dem Trost finden, den er in seinem eigenen Sohn vermisste.
 

Der kleine Ed war ein leiser Trost in dieser finsteren Situation.
 

Als er sich von ihm löste, flüsterte er leise: „Du erinnerst mich an meinen kleinen Sohn, der genauso heißt wie du.“
 

Ein sanftes Lächeln umspielte Taylors Lippen, als er den Jungen behutsam in die Arme von Soren legte, der immer noch bewegungslos im Bett lag.
 

Dante beobachtete, wie Taylor sich dann wieder aufrichtete und sich langsam in Richtung des Fensters bewegte.
 

Die Stille im Raum schien alles zu erdrücken, doch dann, fast unmerklich, legte sich die starke Hand von Graham wieder sanft auf Taylors Schulter.
 

Taylor ließ sich von der Berührung umarmen, die das Gewicht der Ereignisse und der Verantwortung ein wenig lindern sollte.
 

Die Stille wurde nur durch die gedämpften Blicke und unausgesprochenen Gedanken der anderen unterbrochen.
 

Damian und Jack waren sich nun einig und sogar Dustin, der die Blicke der beiden vorhin nicht bemerkt hatte.
 

Ihre Blicke trafen sich für einen Augenblick, und sie wussten sofort, dass sie alle dasselbe gedacht hatten. Die sanfte Art, wie Graham mit Taylor umging, konnte nur eines bedeuten.
 

Taylor war ein Omega, was in dieser Situation nicht nur eine Gefährdung für ihn selbst, sondern für alle war.
 

Doch niemand sagte etwas.
 

Nicht jetzt.
 

Es war nicht der richtige Moment, diese Wahrheit zu äußern.
 

Und dennoch war es mehr als nur das, was sie sich bewusst machten. Sie waren sich einig, dass wenn der Alpha, dem das Anwesen gehörte, herausfand, was Taylor war, er in ernster Gefahr schwebte.
 

Die Männer wussten, dass sie vorsichtig sein mussten, um keine unüberlegten Entscheidungen zu treffen.
 

Doch sie waren sich auch nicht einig, was für ein Spiel Taylor spielte. Es war ihnen noch nicht klar, welche Absichten er wirklich verfolgte.
 

Während sie über diese Fragen nachdachten, war ihnen nur eines sicher: Es gab mehr an Taylor und Graham, als sie begreifen konnten.
 

Der Einzige, der genau wusste, was zwischen ihnen lief, war Graham, doch er war ein Mann mit vielen Geheimnissen.
 

Jack wurde sich bewusst, dass alles, was er früher über die beiden gedacht hatte, mehr als nur ein Teil der Wahrheit war.
 

Doch es gab einen entscheidenden Unterschied: Taylor als Omega hatte vermutlich ganz andere Motive als Graham als Alpha.
 

Was ihre Verbindung wirklich ausmachte, wusste niemand genau, doch es war klar, dass die beiden Männer in einem Spiel verstrickt waren, dessen Regeln nicht leicht zu verstehen waren.
 

Die Stille blieb, und die unausgesprochenen Gedanken schwebten im Raum.
 

Damian, Jack und Dustin wussten nun auch, dass Graham kein Beta war, sondern ein Alpha.
 

Ein Alpha, der sich auf seine eigene Weise um Taylor kümmerte, auf eine Art und Weise, die die anderen nicht ganz begreifen konnten.
 

Doch auch diese Erkenntnis wurde vorerst in den Hintergrund geschoben, denn der Moment verlangte nach etwas anderem…

Kapitel 185

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Taylor atmete tief ein, als er sich wieder von der Fensterscheibe abwandte und sich von Graham löste. Seine Augen fixierten den stillen Soren, dessen Atem noch immer unregelmäßig ging. Es war, als kämpfte er mit jedem Atemzug gegen unsichtbare Ketten. Neben ihm sah Taylor den kleinen Ed, der sich ein wenig überfordert wirkte.
 

„Er wusste, was er tat“, sagte Taylor schließlich, um die drückende Stille zu durchbrechen. Seine Stimme war fest, als er den Blick von Soren zu den anderen Männern im Raum wandern ließ.
 

„Er hat es so gewollt. Er hat es absichtlich getan, um den Alpha abzulenken“, erklärte Taylor ruhig, doch in seiner Stimme lag eine Schwere, die nicht zu überhören war. „Früher oder später hätte er sowieso gemerkt, dass ihr versucht, ins Anwesen zu gelangen. Soren hat mir die Gelegenheit verschafft, euch hineinzubringen.“
 

Damian, der Taylors Worte mit gerunzelter Stirn verfolgte, zog eine Augenbraue hoch. Sein Blick wanderte kurz zu Soren, dann wieder zurück zu Taylor. „Du willst sagen, er hat sich absichtlich in diese Lage gebracht? Nur um uns zu helfen?“
 

„Ja“, bestätigte Taylor, ohne zu zögern. Sein Blick blieb fest, seine Stimme ruhig, aber bestimmt. „Soren wusste, dass seine einzige Chance darin bestand, den Alpha zu täuschen – die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, damit wir die Möglichkeit bekamen, zu handeln. Ohne ihn hätten wir es nicht geschafft, euch überhaupt in das Anwesen zu bringen.“
 

Jack trat einen Schritt näher, seine Miene angespannt. „Das ist… riskant. Er hat sein Leben aufs Spiel gesetzt, nur um uns zu helfen.“
 

Taylor ließ seinen Blick erneut zu Soren wandern, der beinahe regungslos in den Kissen lag. Sein Atem war flach, sein Körper schien schwer und erschöpft. „Ich weiß“, sagte er leise. „Aber er hatte keine andere Wahl. Dieser Ort hat ihm alles genommen. Und jetzt ist er bereit, alles zu riskieren, nur um wenigstens ein kleines Stück davon zurückzuholen.“
 

Damian, der die Tragweite der Situation begriff, nickte langsam. „Dann schulden wir ihm alles, um sicherzustellen, dass es nicht umsonst war.“ Er sah zu Jack und Dustin. „Kein Fehltritt. Nicht jetzt.“
 

„Nein“, antwortete Taylor. „Kein Fehltritt. Aber wir müssen verstehen, dass Soren es nicht nur für uns getan hat. Er hat es getan, um sich selbst zu retten – auf seine Weise. Und das ist etwas, das niemand von uns wirklich nachempfinden kann, es sei denn, wir haben selbst durchgemacht, was er ertragen musste.“
 

Ein schweres Schweigen legte sich über den Raum, als jeder in Gedanken versank. Doch eines war klar: Taylors Worte legten den Grundstein für das weitere Vorgehen.
 

Sie hatten keine Wahl. Sie mussten es richtig machen – Soren hatte ihnen eine Chance gegeben, und die durfte nicht verschwendet werden.
 

Es fiel Damian schwer zu glauben, dass dieselben Männer, die ihre Gefährten entführt hatten, nun auf ihrer Seite stehen sollten. Er trat einen Schritt vor und verschränkte die Arme vor der Brust.
 

„Und um wen genau handelt es sich?“ Damians Stimme war ruhig, doch ein scharfer Unterton verriet seinen inneren Konflikt. Sein Blick fiel auf Soren, dessen blasse Haut beinahe gespenstisch wirkte.
 

Er hatte bereits eine Ahnung, um wen es sich handelte. Sollte er damit recht haben, dann Gnade ihnen Gott. Doch sicher war er sich nicht.
 

Aber er wusste, dass sie kaum gegen ihn ankommen konnten – sollte sich seine Vermutung bestätigen.
 

Die Frage hing schwer im Raum. Taylor, der sich gerade von Grahams Umarmung gelöst hatte, drehte sich langsam zu Damian um. Sein Blick war fest, doch in seinen Augen lag eine Mischung aus Erschöpfung und Entschlossenheit – ein Ausdruck, den nur wenige je bei ihm gesehen hatten.
 

Seit Tagen fühlte er sich unwohl – und er ahnte, warum. Aber er behielt dieses Wissen bewusst für sich. Er war sich fast sicher, dass Graham es längst wusste, doch eine Bestätigung gab es nicht.
 

Taylors Stimme war ruhig, doch man hörte das Gewicht der Entscheidung heraus, die er getroffen hatte. Dennoch konnte er Damians Frage nicht wirklich beantworten. „Es geht um weit mehr als Gehorsamkeit oder Loyalität gegenüber einem Einzelnen.“
 

Damian zog eine Augenbraue hoch, skeptisch, doch Taylor ließ sich von seinem durchdringenden Blick nicht beirren. „Dieser Ort, dieser ganze Wahnsinn – er muss enden. Und das betrifft nicht nur Soren. Du weißt es, Damian. Du weißt, wie viele unschuldige Leben hier zerstört wurden.“
 

Dustin, der immer noch an Sorens Seite saß, sah auf und warf einen Blick zwischen Taylor und Damian hin und her. „Wenn du es uns nicht erlaubt hättest, hätten wir es trotzdem versucht“, sagte er mit einem schiefen Lächeln, in dem weder Zorn noch Spott lag. „Aber danke trotzdem.“
 

„Er hätte euch nicht einmal die Chance gegeben, sein Anwesen zu betreten“, meinte Taylor eindringlich. Noch immer hatte er den Namen nicht ausgesprochen.
 

Damian trat näher, sein Blick brannte in Taylors Rücken, als er erneut leise fragte: „Um wen genau geht es, Taylor?“
 

Doch Taylor wich geschickt aus – so, wie es nur ein Omega konnte. „Das hier endet nicht mit uns. Und du weißt, dass wir nicht länger stillhalten können“, antwortete er und legte Soren sanft die Hand auf die Stirn.
 

„Er ist nicht der Einzige, Damian. Du solltest dich darauf vorbereiten, dass sich vieles ändern wird. Sehr vieles.“
 

Die Spannung im Raum war fast greifbar. Jeder spürte das Gewicht der unausgesprochenen Worte. Taylor war bereit, den entscheidenden Schritt zu gehen – und sie alle mit ihm. Doch die drohende Gefahr war noch lange nicht gebannt.
 

„Dann lasst uns sicherstellen, dass wir es richtig machen“, murmelte Damian schließlich und warf Jack und Dustin einen Blick zu. Beide wirkten angespannt, ebenso wie er selbst. Doch sein Blick wanderte zurück zu Taylor.
 

„Aber du weichst aus. Um wen geht es, verdammt noch mal?“
 

Nun war die autoritäre Präsenz eines Alphas deutlich spürbar. Taylor fühlte sie, ließ sich davon jedoch nicht einschüchtern. Schließlich war sein Mann anwesend – und er wusste genau, wie er mit Alphas umgehen musste.
 

Er warf nur einen einzigen Namen in den Raum – und wartete.
 

„Braydan Farah…“

Kapitel 186

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Der Name hallte in der Stille des Raumes wider, und für einen Moment schien es, als ob die Luft selbst den Atem anhielt.
 

Braydan Farah war mehr als nur ein Name – er war ein Albtraum.
 

Ein Mann, dessen Macht und Grausamkeit legendär waren, dessen Kontrolle über das Anwesen und alles, was darin geschah, unantastbar schien.
 

Damian starrte Taylor an, sein Blick hart, seine Miene eine undurchdringliche Maske. Braydan Farah war nicht nur ein Name aus der Vergangenheit; er war eine Bedrohung, die nie ganz verschwunden war. Ein Mann, gegen den selbst Damian einen Krieg führen würde, wenn es sein musste.
 

Und jetzt, zu hören, dass es sich um ihn handelte, der Darius und Aiden, in seiner Gewalt hatte, ließ den Druck in seiner Brust wachsen.
 

Die Vorstellung, dass Braydan wieder in der Nähe war, riss alte Wunden auf. Erinnerungen an all das, was er ihm in seiner Jugend angetan hatte, stiegen wie Schatten in Damians Gedanken auf.
 

Doch er kämpfte dagegen an – jetzt war kein Platz für Schwäche.
 

„Braydan Farah…“, wiederholte Damian leise, fast wie ein Fluch. Der Name war wie ein Drahtseil, das plötzlich straffgezogen wurde, bereit, bei der kleinsten Bewegung zu reißen.
 

„…verdammte scheiße“, sagte Damian scharf, seine Stimme hart und schneidend. Die Bedeutung hinter diesen Worten war klar, doch die Gefahr war unverkennbar. Der Zorn, den Damian verspürte, war wie eine heiße Flamme in ihm, aber auch eine lähmende Angst, die ihn in Schach hielt.
 

Wenn es Braydan ist, was haben wir dann noch?
 

Taylor drehte sich wieder zu Soren um, der sich inzwischen ein wenig beruhigt hatte, doch immer noch erschöpft und in seiner Verletzlichkeit gefangen war. „Wir alle sitzen in der Falle, Damian. Wenn er merkt, was passiert ist, sind wir alle tot. Braydan hat seine Hände überall, und er wird nicht zögern, uns alle zu zerstören, wenn wir ihm im Weg stehen.“
 

Taylors Worte waren so real, dass sie wie ein kaltes Messer in Damians Brust stachen. Jeder wusste, dass sie es mit einem Mann zu tun hatten, der keine Gnade kannte.
 

Dustin trat einen Schritt nach vorne, sein Blick genauso fest wie der von Damian. „Und genau deshalb sind wir hier. Wir sind nicht hier, um abzuwarten, was passiert. Wir sind hier, um zu handeln, auch wenn es riskant ist.“
 

Die Entschlossenheit in Dustins Stimme war ein starker Kontrast zu der Spannung, die den Raum erfüllte. Er wusste, dass sie keine Wahl hatten. Das Risiko war groß, aber das Warten war noch gefährlicher.
 

Damian fuhr sich mit der Hand über das Gesicht, als er die Schwere der Situation begriff. „Und was sollen wir tun?“, fragte er, fast mehr zu sich selbst, während er überlegte, wie sie gegen einen Mann wie Braydan Farah ankämpfen konnten.
 

Es war eine Gefahr, der sie nicht einfach entkommen konnten, aber es gab keine andere Wahl, als sich ihr zu stellen.
 

Die Gedanken in seinem Kopf rasten, während er versuchte, einen Plan zu schmieden. Doch je mehr er darüber nachdachte, desto weniger erschien ihm eine Lösung möglich. Die Bedrohung war zu groß.
 

Was, wenn wir nicht genug sind? Was, wenn wir scheitern?
 

„Wir müssen uns auf die kommenden Tage vorbereiten“, sagte Taylor, als er sich langsam von Soren löste. „Alles andere wird zu spät sein, wenn wir nicht schnell handeln. Es geht nicht mehr nur um uns. Es geht um das, was nach uns kommt.“
 

Taylor’s Worte hinterließen eine Schwere im Raum. Es war mehr als nur eine Frage des Überlebens – es war eine Frage der Zukunft.
 

Was, wenn sie es nicht schaffen, Braydan zu stoppen?
 

Die Gefahr, die sie alle drohte zu verschlingen, war so präsent wie nie zuvor. Aber jeder wusste, dass sie jetzt keine andere Wahl mehr hatten, als zusammenzuhalten und zu kämpfen. Der nächste Schritt war entscheidend – und sie mussten sicherstellen, dass sie ihn richtig machten.
 

Jack, der Braydan gut genug kannte, da beide sich persönlich kannten, packte die Wut. „Wie konnte er nur…“, er wusste, dass er eigentlich still sein sollte.
 

Aber die Vorstellung, wie Aiden, bei diesem Schwein… alleine diese Vorstellung, brachte ihn fast zum Kotzen. Der Zorn, der ihn überkam, war so intensiv, dass es ihm den Atem nahm.
 

Wie konnte jemand so tief sinken?
 

Soren, der die Unterhaltung nur lauschen konnte, versuchte sich aufzusetzen, als er so halbwegs wieder zu sich gekommen war. „Darius…Aiden… sie sind bei ihm… im Büro…“, sagte er, als er die Bedeutung der Worte langsam erkannte.
 

Dieser Satz, den Soren sagte, war bedeutungsschwer. Wenn erst einmal die Tragweite dessen bewusstwurde, was er gesagt hatte, würde es niemanden im Raum mehr unberührt lassen...

Kapitel 187

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Damian ballte die Hände zu Fäusten, als der Gedanke an Darius und Aiden in Braydans Händen ihn fast überwältigte. Ein Gefühl von hilfloser Wut durchströmte ihn, doch gleichzeitig wusste er, dass er sich nicht in seinen Gefühlen verlieren durfte.
 

Sie mussten handeln, und zwar jetzt. Er konnte sich keinen Moment der Schwäche leisten, auch wenn sein Mann und Aiden in Gefahr waren.
 

„Wir müssen herausfinden, was Braydan vorhat“, sagte er schließlich, seine Stimme rau und fest. „Wenn er Aiden und Darius im Büro hat, dann ist es nur eine Frage der Zeit, bis er noch mehr gegen uns in der Hand hat. Wir dürfen nicht zulassen, dass er die Kontrolle übernimmt.“
 

Jack trat einen Schritt nach vorne, sein Gesicht verzerrt von Zorn, und eine tiefe, fast verzweifelte Wut kochte in ihm hoch. Wenn Braydan nur einen Finger an Aiden oder Darius legte, würde er es ihm heimzahlen.
 

Doch die Realität war härter – sie mussten kühlen Kopf bewahren, auch wenn jede Faser seines Körpers nach Rache schrie.
 

„Wenn er auch nur einen Finger rührt…“, er brach ab, unfähig, seine Worte zu vollenden. Die Vorstellung, dass Braydan Aiden und Darius in die Finger bekommen hatte, trieb ihm die Wut ins Blut. Doch er wusste, dass jetzt nicht der Zeitpunkt war, impulsiv zu handeln. „Was schlägst du vor, Damian? Wie wollen wir an ihn rankommen?“
 

Damian sah zu Taylor, der wieder schweigend in den Armen seines Mannes gestanden hatte. Taylor war eigentlich derjenige, der immer die Ruhe bewahrte, der Mann, der in schwierigen Momenten einen klaren Kopf behielt. Doch auch er konnte die Gefahr nicht ignorieren, die wie ein Schatten über ihnen hing.
 

„Braydan ist ein Mann der Organisation. Alles, was er tut, folgt einem Plan. Aber er hat einen Fehler gemacht“, sagte Taylor, seine Stimme so ruhig wie immer, doch die Schärfe in seinen Worten war nicht zu überhören. „Er hat sich selbst zu sicher gefühlt. Und das ist unsere Chance.“
 

„Wie meinst du das?“, fragte Damian, obwohl er die Antwort schon wusste. Wenn Braydan einen Fehler gemacht hatte, war das ihre einzige Möglichkeit, ihn zu schlagen.
 

„Wir müssen ihn in seinem eigenen Spiel überlisten“, sagte Taylor. „Braydan glaubt, er hat die Kontrolle. Aber wir wissen, wie er denkt. Wir müssen seine Züge vorhersagen, bevor er sie macht. Wir können ihn nicht direkt angreifen, aber wir können ihn austricksen.“
 

Damian nickte langsam. Es war riskant, doch es war ihre einzige Hoffnung. „Und was schlagen wir vor? Wie machen wir Braydan den Garaus?“
 

„Wir müssen zuerst Darius und Aiden aus dieser Falle holen“, sagte Taylor entschlossen. „Sie sind der Schlüssel. Wenn wir sie nicht rausbekommen, wird alles andere keinen Sinn haben.“
 

Sein Blick wanderte zu dem jungen Dante und dem kleinen Ed, die bei Soren auf dem Bett saßen. Sie konnten die Tragweite der Gefahr nicht einmal erahnen. Der Kleine lehnte sich an Soren, der ihn in die Arme nahm – mit einer Fürsorglichkeit, wie es nur eine Mutter konnte.
 

Es gab Soren einen kleinen Trost nach der Tortur, die er hatte erleiden müssen.
 

Auch wusste Damian, dass Taylor recht hatte. Darius und Aiden waren in der Mitte des Spiels, und sie mussten sie so schnell wie möglich befreien, bevor Braydan sie weiter in seine Pläne verwickelte.
 

„Wie kommen wir an sie ran?“ Jack stellte die Frage, die alle sich im Moment stellten. „Der Typ ist überall. Er wird uns nicht einfach durchlassen.“
 

„Wir müssen uns zuerst einen Überblick verschaffen“, antwortete Damian. „Und dann handeln. Niemand geht allein. Wir machen es zusammen. Das ist der einzige Weg, wie wir gegen Braydan gewinnen können.“
 

Soren, der die ganze Zeit über still zugehört hatte, während er den Kleinen im Arm hielt, schüttelte langsam den Kopf. „Ich kann dir nicht sagen, was im Büro noch alles passiert ist, aber ich weiß, dass es schlimmer war, als ihr euch vorstellen könnt“, sagte er mit müder Stimme.
 

„Aiden war… er war halbwegs bei sich, als ich ihn das letzte Mal gesehen habe. Und Darius sah noch schlimmer aus“, fügte er leise hinzu.
 

Taylor, der spürte, wie die Worte in der Luft hingen, mischte sich ein. „Braydan hat Aiden viel angetan… und ich weiß nicht, ob das Baby… ob er es halten konnte, Jack. Die Tortur, die er durchgemacht hat, hat ihn zerbrochen.“
 

Jack erstarrte regelrecht. Er sah Taylor versteinert an, während die Schwere seiner Worte langsam auf ihn herabzusinken schien. Er musste sie erst einmal in sich aufnehmen. Worte fanden nicht zu ihm – die Vorstellung allein schnürte ihm die Kehle zu. Das Baby. Sein Kind. Er konnte nicht atmen.
 

Damian wusste, dass sie der harten Realität nicht entkommen konnten, so sehr sie es sich auch wünschten. Sie mussten sich ihr stellen. Der Gedanke, dass Aiden und Darius so sehr gelitten hatten, ließ ihn innerlich zusammenzucken.
 

„Darius…“, begann Taylor erneut, „er konnte nichts tun. Er war mit Ketten ans Bett gefesselt. Da war nichts, was er machen konnte, während Braydan das mit Aiden getan hat.“ Taylor hielt inne, als der Schmerz in seinen eigenen Erinnerungen aufbrach.
 

„Es war wie ein Albtraum. Ich hab’ es gesehen, Jack. Ich hab’ es gesehen und musste zusehen, wie Braydan Aiden…“ Taylor stockte, unfähig, die Worte weiter auszusprechen.
 

Taylors Miene war ausdruckslos, doch seine Augen brannten vor ungesagtem Schmerz. „Ich hab’ es gesehen“, sagte er noch Mal leise, fast wie ein Flüstern. „Ich musste zusehen, wie Braydan Aiden vergewaltigte. Ich konnte nichts tun. Darius konnte nichts tun, er war zu schwach, zu gefesselt, um sich zu bewegen. Ich… ich konnte nur zusehen, wie er das mit ihm machte.“
 

Jack spürte, wie die Wut in ihm aufstieg. Der Gedanke, dass Aiden so gequält wurde und Darius dazu verdammt war, hilflos zuzusehen, riss an seiner Fassung. Doch Taylor sprach weiter, seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern.
 

„Darius war hilflos. Er konnte ihn nicht einmal beschützen. Und Aiden… er ist nicht mehr derselbe. Die Tortur… Braydan hat ihn gebrochen.“
 

Jack schloss die Augen und atmete tief durch, während die Schwere der Situation auf ihm lastete. Es war mehr, als er ertragen konnte, doch er wusste, dass er jetzt nicht schwach werden durfte. Genauso wenig wie Damian. Unüberlegtes Handeln würde ihnen nichts nützen – nicht jetzt, wo jeder Fehler alles kosten konnte.
 

Nach einem Moment der Stille durchbrach Taylor erneut die angespannte Luft. „Das ist nicht vorbei“, sagte er fest. „Wir holen sie da raus. Aber wir müssen klug vorgehen. Braydan wird nicht aufgeben, und wenn wir einen Fehler machen, ist alles verloren.“
 

„Und was, wenn es zu spät ist?“ Jacks Stimme war angespannt, die Frage unausweichlich nach Taylors Worten.
 

„Dann kämpfen wir trotzdem“, erwiderte Damian, ohne zu zögern. „Aber wir holen sie raus. Es gibt keine andere Wahl.“
 

Entschlossenheit lag in den Gesichtern der Männer, unübersehbar und fest. Jeder von ihnen wusste, was auf dem Spiel stand. Doch zugleich breitete sich eine bedrohliche Stille aus, als sie erkannten, dass sie nicht nur gegen Braydan kämpften, sondern gegen alles, was er in Bewegung setzen konnte.
 

Soren nickte langsam, als würde er sich selbst damit bekräftigen. „Es gibt keine Wahl. Wir müssen sie retten…“

Kapitel 188

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Während die anderen noch in Sorens Zimmer beisammen waren und sich einen Plan ausdachten, um Braydan zu Fall zu bringen und Darius sowie Aiden zu retten, saß Braydan in seinem Sessel und grübelte.
 

Er dachte an die Situation mit Taylor, als er ihm erlaubt hatte, seinen Posten zu verlassen – er wusste jedoch auch, dass dieser irgendwann an einen Punkt kommen würde, an dem er die Ungerechtigkeit nicht mehr ertragen konnte.
 

Der Alpha spürte, dass dieser Tag näher rückte. Der Mann, der in seinen eigenen vier Wänden lebte, der das ganze Drama miterlebte, hatte plötzlich den Drang, alles zu beenden, was er instinktiv wusste. Doch Braydan wusste auch, dass Taylor noch ein weiteres wertvolles Druckmittel besaß, das ihn ruhig halten würde, selbst wenn er sich verraten sollte.
 

Braydan lächelte hinterlistig bei dem Gedanken, dass er Taylor, der sich sehr wahrscheinlich gegen ihn stellte, in der Hand hatte. Er hatte immer gewusst, dass Taylor mehr war, als er vorgab – und er hatte recht. Dieser Blick, die Art, wie Taylor sich in seiner Nähe bewegte, hatte ihm verraten, dass er mehr wusste, als er zugab. Und jetzt konnte er ihn gezielt in die Enge treiben.
 

Er wusste um Taylors Sohn, und das war das Einzige, was den Mann, den er als schwach betrachtete, noch festhalten konnte. Ein gutes Druckmittel war alles, was Braydan brauchte, um zu verhindern, dass Taylor sich gegen ihn stellte. Denn Taylors Wunsch, seine Familie zu schützen, war stärker als alles andere – und das wusste Braydan.
 

Taylor würde niemals wagen, sich wirklich gegen ihn zu stellen. Nicht, solange er wusste, dass nur ein einziges Wort von ihm reichte, um seinem Sohn das Leben zu nehmen.
 

„Du hast es versaut, Taylor“, murmelte Braydan, als er in seinem Büro saß und nachdachte. „Aber du bist immer noch nützlich. Immer noch von Wert.“
 

Darius, der das alles mit anhörte, fühlte, wie Panik in ihm hochkroch. Wenn Braydan jetzt schon Taylor als nächstes Ziel auserkoren hatte – wer würde dann als Nächstes auf seiner Abschussliste stehen?
 

Braydan wusste, dass Taylor niemals wagen würde, sich wirklich gegen ihn zu stellen, solange er das Leben seines Sohnes in der Hand hielt. Taylors Schuldgefühle und seine Verantwortung als Mutter würden ihn dazu bringen, zu schweigen, wenn er davon erfuhr, dass Braydan alles wusste. Schließlich war es immer die Schwäche derjenigen, die unter Druck standen, die sie in den Wahnsinn trieb.
 

Ein bösartiges Lächeln breitete sich auf Braydans Gesicht aus. Er wusste, dass er Taylor immer wieder dazu bringen konnte, ihm zu gehorchen, dass er sich ihm beugen würde. Er könnte ihn sich nehmen, solange er nur die richtige Drohung aussprach.
 

Und diesmal würde er die Sache mit noch mehr Macht durchziehen. Es gab kein Entkommen mehr, kein Zurück. Wenn er Taylor in die richtige Richtung lenkte, würde er ihn für immer ruhigstellen.
 

Braydan wusste um Taylors Schwächen, aber das war nicht genug. Jetzt, da er wusste, wie tief Taylor für seine Familie ging, würde er alles tun, um ihn zum Schweigen zu bringen – und er würde es mit unbarmherziger Entschlossenheit tun.
 

Er wusste aber auch, dass noch Graham im Spiel war – Taylors Mann. Graham war ein Problem. Und Braydan mochte keine Probleme. Also würde er ihn beseitigen – früher oder später. Vielleicht würde er ihn töten. Vielleicht aber auch etwas viel Schlimmeres tun.
 

Dass die beiden verheiratet waren, hatte er nur durch Zufall erfahren, doch es war ein Wissen, das Braydan in eine vorteilhafte Position brachte. Mochte ja sein, dass die anderen glaubten, die beiden seien nur Brüder und gäben sich als Betas aus, aber Braydan wusste es nun mal besser – viel besser.
 

Ein bösartiges Lächeln stahl sich auf seine Lippen, als er an die Möglichkeiten dachte, die sich ihm nun eröffneten.
 

Auch hatte Braydan an der Art, wie Taylor sich benommen hatte, sofort etwas gemerkt. Er wusste ja genau, worauf er achten musste. Der schüchterne Blick, das Zögern in seinen Bewegungen – alles sprach dafür, dass Taylor sich in einer schwierigen Lage befand. Braydan hatte die feinen Nuancen längst erkannt und wusste, dass Taylor sich in anderen Umständen befand.
 

Das spielte ihm nur noch mehr in die Hände. Vielleicht glaubte niemand, welche Macht er wirklich besaß, aber er hatte sie längst eindringlich bewiesen. Allein, wenn er zu seinem „Spielzeug“ auf dem Bett sah, erinnerte er sich daran, wie er Aiden Evans gebrochen hatte.
 

Aiden, der sich nur an Darius klammerte und zu keinerlei Handlung mehr fähig war… wollte einfach nur vergessen, aber das ging nicht. Die Dunkelheit seiner Gedanken und die lähmende Angst, die ihn festhielten, ließen ihm keinen Ausweg. In seinen Erinnerungen war er gefangen, konnte sich nicht von dem, was passiert war, losreißen. Jeder Moment schmerzte, als würde er sich immer weiter in einem Strudel verlieren.
 

Und während Darius ihn festhielt, wusste Aiden, dass er sich nichts wünschen konnte, als in diesem Moment zu bleiben, auch wenn er wusste, dass er irgendwann wieder an den Punkt kommen würde, an dem alles wieder von vorne begann.
 

Auch wusste Braydan, dass er Taylor genauso brechen würde wie die anderen Omegas zuvor. Es war nur eine Frage der Zeit und die hatte er.
 

Er hatte Zeit. Viel Zeit.
 

Und wenn Taylor sich weigerte, nachzugeben – nun, dann war das kein Problem. Würde er ihn Stück für Stück brechen, bis nichts mehr von ihm übrig war – außer das, was Braydan von ihm haben wollte.
 

Er war geduldig. Er hatte es schon oft getan.
 

Und am Ende würden sie alle brechen. Denn das taten sie immer…

Kapitel 189

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Braydan verschränkte die Arme und legte ein selbstgefälliges Grinsen auf, während er zum Telefon griff. Mit ruhiger Stimme erteilte er seinen Wachen einige Anweisungen, um sicherzustellen, dass alles genau nach seinem Plan verlief. Doch er legte das Telefon nicht beiseite.
 

Schließlich hatte er noch etwas zu erledigen.
 

Seine Finger glitten über die Tasten, als er Taylor anrief. Das Freizeichen ertönte, durchbrach die beklemmende Stille im Raum – ein leises, stetiges Signal, das sich fast in die Dunkelheit fraß. Braydan lehnte sich zurück, das Gerät ans Ohr gepresst, während ein kaltes Lächeln über seine Lippen huschte.
 

Er wartete.
 

Ein Gefühl der absoluten Kontrolle durchströmte ihn, als er daran dachte, dass Taylor bald vor ihm stehen würde. In Gedanken spielte er bereits die nächste Szene durch – wie Taylor sich ihm beugen würde, so wie immer.
 

Das Handy klingelte nur wenige Male, bevor der Anruf entgegengenommen wurde. Braydan hörte das leise Einatmen am anderen Ende der Leitung, dieses kurze Zögern, das ihm verriet, dass Taylor genau wusste, wer ihn rief.
 

Ein unangenehmes Gefühl kroch Taylor den Rücken hinauf, doch er hatte keine Wahl. Mit einem mulmigen Gefühl nahm er ab.
 

„Taylor.“ Braydans Stimme war ruhig, fast beiläufig – doch dahinter lag diese unausgesprochene Drohung. „Komm sofort zu mir. Wir müssen reden.“
 

Kaum dass Taylor den Anruf entgegennahm, war Graham sofort alarmiert. Der Klang des Klingeltons durchschnitt die angespannte Stille – ein Ton, den er sofort erkannte. Sein Instinkt setzte augenblicklich ein. Ohne ein Wort sprang er auf, seine Muskeln angespannt, bereit zu handeln.
 

Soren, der noch immer auf dem Bett saß, beobachtete ihn aufmerksam. Die plötzliche Veränderung in Grahams Haltung entging ihm nicht. Er kannte ihn gut genug, um zu wissen, dass er nicht leicht aus der Fassung geriet – und doch lag jetzt eine bedrohliche Spannung in der Luft.
 

Etwas Entscheidendes stand bevor.
 

„Braydan ist dran“, murmelte Graham, seine Stimme war kaum mehr als ein Knurren. Soren sah ihn an, sein Blick schärfte sich, als die Bedeutung der Worte zu ihm durchdrang. Langsam nickte er, während sich die Atmosphäre im Raum weiter verdichtete.
 

„Warum auch immer sagt mir mein Gefühl, das es nicht gut enden wird, wenn Taylor zu ihm geht.“, murmelte Soren und richtete sich ebenfalls auf. Besorgnis war deutlich in seinen Augen zu sehen. Braydan war ein Spiel, das niemand gewinnen konnte, und er wusste, dass Taylor nun im Visier des Alphas stand – wahrscheinlich hatte Braydan irgendetwas bemerkt, vielleicht sogar Taylors wahre Natur.
 

Soren selbst hatte immer einen scharfen Blick für solche Dinge, und es war gut möglich, dass Braydan es längst wusste.
 

Graham nickte, sein Gesicht verzerrte sich zu einer grimmigen Miene. „Hat er es jetzt auf Taylor abgesehen?“, fragte er, die Besorgnis in seiner Stimme unüberhörbar. „Aber warum?“, er machte eine kurze Pause.
 

Damian, Jack und Dustin, die das Gespräch verfolgten, hatten insgeheim geahnt, dass es früher oder später darauf hinauslaufen würde. Der Alpha, dem das Anwesen gehörte, war nicht dumm – sie alle wussten, dass er Verdacht schöpfen könnte. Und wenn das geschah, würde Taylor in ernste Gefahr geraten.
 

Ihre Gedanken überschlugen sich bereits, während sie versuchten, mögliche Auswege zu finden. Sie mussten einen Weg finden, um Graham zu unterstützen, bevor es zu spät war. Denn wenn ihre Befürchtungen sich bewahrheiteten, könnte Taylor am Ende genauso leiden wie Darius und Aiden.
 

Es war nur ein Gefühl. Ein unbestimmtes Ziehen in der Brust, das sich nicht abschütteln ließ. Doch sie hatten gelernt, auf solche Vorahnungen zu achten – denn allzu oft waren sie wahr geworden.
 

„Ich habe das Gefühl, dass Braydan es ganz genau weiß. Als Alpha fällt mir so etwas auf. Und auch wenn er sich gutverstellen kann, habe ich das Gefühl, dass er die Wahrheit über Taylor längst erkannt hat. Aber warum, das bleibt mir unklar.“
 

Bevor sie weiterplanen oder auch nur ein weiteres Wort wechseln konnten, durchbrach plötzlich Taylors Stimme die angespannte Stille am anderen Ende des Raumes.
 

„Ich komme“, sagte er tonlos, ohne jede Emotion in der Stimme. Dann beendete er das Gespräch abrupt und ließ keinen Raum für Widerspruch. Wortlos verließ er den Raum...

Kapitel 190

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Soren kannte Braydan besser als jeder andere in diesem Raum – kannte seine Grausamkeit, seine unberechenbare Art und vor allem seine Fähigkeit, die Schwächen anderer auszunutzen. Und genau das machte ihn so gefährlich.
 

Weswegen er nur mit angespannten Blick, die Sorge um Taylor in seinen Zügen sichtbar, fragte „Du weißt, was passiert, wenn er jetzt geht?“
 

Graham sah ihn mit ernster Miene an. „Es ist zu gefährlich, wenn er alleine geht.“
 

Die Angst in seinen Augen war unübersehbar, als er zur Tür stürmte. Er fürchtete um Taylor, um den Mann, den er liebte. Und er wusste, dass er jederzeit bereit war, alles zu tun, um ihn zu beschützen – selbst wenn er dafür sein eigenes Leben opfern musste.
 

Gerade als hinter Taylor die Tür ins Schloss fiel und er tief durchatmen wollte, um sich zu wappnen – schließlich wusste er nicht, was Braydan von ihm wollte – spürte er plötzlich eine feste Hand an seinem Handgelenk.
 

Graham hatte ihn aufgehalten.
 

„Warte“, sagte er leise, aber bestimmt. Sein Griff war nicht grob, aber er ließ keinen Zweifel daran, dass er ihn nicht einfach gehen lassen würde, ohne noch etwas zu sagen.
 

Taylor drehte sich abrupt zu Graham um, sein Blick war fest, doch eine Spur von Unsicherheit schimmerte darin. „Ich kann das allein“, sagte er mit einer Ruhe, die im Kontrast zu der Spannung in seinem Körper stand. „Braydan erwartet mich – nicht uns beide. Wenn du mitkommst, gefährdest du nicht nur dich selbst, sondern auch mich.“
 

Doch Graham schüttelte nur langsam den Kopf. „Ich lasse dich nicht allein zu ihm gehen.“ Seine Stimme war ruhig, doch dahinter lag eine tiefe, unerschütterliche Bestimmtheit.
 

Taylor atmete scharf aus und trat einen Schritt näher an seinen Mann heran. „Ich weiß, was ich tue“, betonte er, während er eine Hand auf Grahams Brust legte, als wollte er ihn zurückhalten. „Ich habe mich all die Jahre allein durchgeschlagen. Ich kann auf mich selbst aufpassen.“
 

Graham musterte ihn eindringlich, sein Blick war weich, aber voller Sorge. „Das weiß ich“, gab er leise zurück, ehe er sanft nach Taylors Hand griff und sie festhielt. „Aber das bedeutet nicht, dass ich dich allein lassen werde.“
 

Taylor wollte gerade erneut ansetzen, doch bevor er sprechen konnte, zog Graham ihn unvermittelt näher zu sich und legte seine Lippen auf seine. Der Kuss war fordernd, voller Verlangen, aber zugleich auch voller Emotionen, die Worte nicht ausdrücken konnten – Liebe, Sorge, Besitzanspruch.
 

Taylor spürte, wie sein Widerstand für einen Moment nachließ, wie Grahams Nähe ihn einhüllte und ihn fast vergessen ließ, warum er überhaupt hier stand.
 

Als Graham sich langsam von ihm löste, blickte er Taylor mit einer Intensität an, die ihn für einen Moment sprachlos machte. Dann senkte er die Hand, legte sie sanft auf Taylors Unterleib und hielt ihn dort einen Moment lang ruhig.
 

Taylor erstarrte. Sein Herz schlug schneller, als er in die Augen seines Mannes sah, in denen sich eine tiefe Gewissheit spiegelte.
 

Er hatte es also bemerkt. Irgendwie war es keine Überraschung – Graham kannte ihn zu gut. Doch es aus seinem Mund zu hören, es in seinen Augen zu sehen, ließ Taylors Brust eng werden.
 

„Ich weiß es“, sagte Graham leise, während sein Daumen sanft über Taylors Bauch strich.
 

Taylor wusste nicht, was er sagen sollte. Für einen Moment stand er einfach nur da, sah Graham mit einem verträumten Ausdruck an, als wäre die Welt um ihn herum verstummt. Doch dann fing er sich wieder, riss sich innerlich zusammen.
 

Er räusperte sich und trat einen Schritt zurück. „Warte vor der Tür“, sagte er schließlich mit fester Stimme. „Wenn etwas nicht stimmt, dann komm rein.“
 

Graham musterte ihn einen Moment lang, als wollte er protestieren, doch dann nickte er langsam. „Ich werde nicht gehen“, versprach er.
 

Taylor sah ihn noch einen Moment an, ehe er sich schließlich umdrehte und mit erhobenem Kopf zur Tür schritt. Er nahm einen tiefen Atemzug, seine Hand ruhte für den Bruchteil einer Sekunde auf der Klinke. Er konnte sich keinen Fehler erlauben.
 

Dann öffnete er die Tür.
 

Braydan, der geduldig auf Taylor wartete, wusste, dass dieser nicht leicht zu brechen war. Doch er hatte genug über ihn herausgefunden, um zu wissen, welche Schwächen er gezielt ausnutzen konnte – und welche er besser unbeachtet ließ.
 

Besonders, da er mittlerweile ahnte, dass Taylor mehr war, als er zugeben wollte. Vielleicht wusste Braydan sogar, dass Taylor ein Omega war, und das gab ihm einen gefährlichen Vorteil.
 

Als Taylor schließlich das Büro betrat und vor ihm stand, blieb Braydan ruhig, seine Miene und Körperhaltung von kaltem Selbstbewusstsein geprägt. Er wusste, dass Taylor in dieser Situation auf sein äußerstes Selbstbeherrschung setzen würde, um nicht zu zeigen, was in ihm vorging. Und doch hatte Braydan in diesem Moment den Vorteil.
 

Taylor wusste ebenfalls, dass sein Mann draußen vor der Tür sein würde, bereit einzugreifen, wenn es notwendig war. Doch er wusste, dass er diese Konfrontation alleine durchstehen musste.
 

Die Anspannung in der Luft war beinahe greifbar, aber Taylor tat sein Bestes, sich nichts anmerken zu lassen…

kapitel 191

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Braydan konnte die Nervosität in Taylor förmlich riechen. Vielleicht hatte Taylor gehofft, dass sein Geheimnis weiterhin verborgen bliebe. Doch nun war es an der Zeit, mit ihm darüber zu sprechen – und die Wahrheit ans Licht zu bringen. Braydan wusste genau, wie er die Kontrolle übernehmen würde.
 

„Setz dich, oder auch nicht. Ist mir egal“, sagte Braydan kalt, als er den Blick auf die stummen Omegas Darius und Aiden richtete, die weiterhin hilflos auf dem Bett lagen. Zwei weitere Opfer seiner Machenschaften, die sich nicht wehren konnten. Die beiden waren keine Bedrohung, sondern einfache Spielfiguren, die sich nicht gegen seine Kontrolle auflehnen konnten.
 

„Also, Taylor“, begann Braydan, als er aufstand und sich vor ihm positionierte, „du und ich wissen beide, dass du ein Omega bist. Und du kannst mir nicht erzählen, dass du nicht weißt, was das bedeutet, besonders hier, bei mir, in meinem Haus. Aber du hast versucht, es zu verbergen, nicht wahr? Vielleicht hast du gehofft, es wird niemand auffallen, dass du dich versteckst. Du dachtest, ich wäre blind für das, was du wirklich bist.“
 

Braydan bemerkte, wie Taylor stockte. Die Nervosität war ihm deutlich anzusehen, als er noch immer regungslos dastand, als wollte er die Situation ignorieren oder sich ihr entziehen. Doch es war klar, dass Taylor die Kontrolle längst verloren hatte.
 

Jeder seiner Bewegungen war von Unsicherheit und Angst durchzogen, doch er konnte nichts dagegen tun. Er war wie ein Tier in einer Falle, das wusste auch Braydan.
 

Er wusste, dass er mit ihm spielen konnte, während er Taylor zu einer weiteren entscheidenden Entscheidung drängen würde. Es war eine intensive Stille zwischen ihnen, die nur durch die bedrückende Spannung gefüllt war.
 

Sein Blick blieb ungerührt, als er auf Darius und Aiden auf dem Bett deutete. „Ich nehme an, du hast es nie für nötig gehalten, mir zu sagen, dass du genauso in dieser Lage bist wie die beiden dort drüben.“
 

Die Worte waren wie ein Schlag, ein weiterer Nagel in Taylors Sarg. Braydan wusste, dass es diese Erkenntnis war, die Taylor ins Mark traf.
 

Taylor kämpfte sichtbar mit den Worten. Er wollte nicht antworten, doch die Angst, die ihn ergriff, war unverkennbar. Braydan kannte ihn zu gut, wusste genau, wie er ihn unter Druck setzen konnte.
 

„Und du wusstest, was ich mit ihnen gemacht habe“, fuhr Braydan fort, ohne einen Moment zu zögern. „Hast du wirklich geglaubt, dass du sicher bleiben würdest?“ Der Spott in seiner Stimme war unverkennbar, und er wusste, dass es Taylor noch weiter verletzen würde.
 

Er trat einen Schritt näher, die Bedrohung in seiner Haltung war nun unmissverständlich. Braydan spürte, wie Taylor zu zittern begann, doch er konnte nichts tun. Die Fäden in dieser Situation lagen in Braydans Händen, und er hatte die Kontrolle.
 

„Du denkst, du kannst dich mir entziehen? Denk nochmal nach, Taylor. Du bist hier, bei mir. Du gehörst mir.“
 

Taylor stand da, seine Haltung zwar ruhig, doch in seinen Augen loderte eine Entschlossenheit. Der Blick auf den Boden gerichtet, war er alles andere als devot. Braydans Worte trafen ihn hart, aber er ließ sich nicht einfach in die Enge treiben. Es war klar, dass er nicht aufgeben würde, auch wenn er wusste, dass jeder Moment der Widerstandskraft ihn weiter in den Abgrund zog.
 

Was konnte er schon sagen? Es ging nicht mehr nur um ihn selbst, sondern um die Sicherheit derer, die er liebte. Und das wusste Braydan auch. Doch Taylor würde nicht ohne Kampf nachgeben, das wusste er nur zu gut. Dieser Kampf würde sich weiter aufbauen, und vielleicht würde er etwas in Taylor brechen, dass er nie für möglich gehalten hätte.
 

Darius’ Blick veränderte sich, als Braydans Worte in seinen Ohren widerhallten. „Taylor… ist auch ein Omega?“
 

Der Schock war in seiner Stimme deutlich zu hören. Es war eine Überraschung, die er nicht kommen gesehen hatte, und er war sichtlich verwirrt. Sein Körper verharrte, als er versuchte, die Bedeutung dieser Worte zu begreifen. Es war, als würde ein kalter Schock durch ihn hindurchziehen, der sich immer weiter ausbreitete.
 

Die Neuigkeit traf ihn so unerwartet, dass er sie nicht sofort fassen konnte.
 

Taylor, der vor ihnen gestanden hatte, als wäre er nichts weiter als ein gewöhnlicher Beta – der sie zudem entführt hatte, um sie hierher zu bringen, war ebenfalls ein Omega? Die Erkenntnis traf Darius wie ein Schlag ins Gesicht, und für einen Moment fühlte sich alles um ihn herum verschwommen und unscharf an.
 

Alles, was er über Taylor zu wissen geglaubt hatte, begann sich aufzulösen. Der Mann, der sie mit solch einer Entschlossenheit gejagt hatte, der sie in diese Situation manövriert hatte, hatte ein solches Geheimnis verborgen?
 

Doch die Erklärung schien die einzig plausible zu sein. Was Braydan sagte, konnte kein Zufall sein. Diese Wahrheit war keine einfache, keine, die man leicht akzeptieren konnte.
 

Für einen Moment verschwamm die Welt um Darius, als Zweifel und Ängste in ihm hochkamen. Was bedeutete das für sie alle? War Taylor wirklich der, der er vorgab zu sein? Was hatte er noch verborgen? Darius fühlte sich von der Flut der Fragen überwältigt und gleichzeitig machtlos. Es war eine Wahrnehmung, die ihn in die Tiefe zog.
 

Und warum hatte er dieses Geheimnis vor ihnen verborgen? Darius wusste, dass er Antworten brauchte, doch gerade in diesem Augenblick fühlte sich alles so weit entfernt an, so unendlich unklar im Vergleich zu dem, was er geglaubt hatte zu wissen.
 

Braydan stand da, mit einem kalten Grinsen, als er die Verwirrung in Darius’ Augen beobachtete. Und Darius konnte den Abgrund hinter diesem Grinsen spüren. Der Schmerz, den Braydan verursachte, war spürbar in der Luft, und es war klar, dass er nicht vorhatte, den Druck zu verringern.
 

Was hatte Braydan vor? Was wusste er über Taylor, was sie nicht wussten?
 

„Was ist jetzt, Taylor?“ Braydan setzte sich wieder, das düstere Grinsen auf seinem Gesicht immer deutlicher. „Du hast deine kleinen Geheimnisse, aber die sind jetzt vorbei. Was willst du tun?“

Kapitel 192

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Taylor spürte, wie seine Kehle sich zuschnürte, als Braydans Worte wie scharfe Messer in ihn eindrangen. Es war nicht die Angst, die ihn schwächen sollte, aber die schmerzliche Erkenntnis, dass alles, was er versucht hatte zu verbergen, nun ans Licht kam, schickte ein Zittern durch seinen Körper.
 

Ein eisiger Schauer lief ihm über den Rücken.
 

Es war zu spät, die Fassade brach zusammen, und mit ihr jede Hoffnung, sich weiterhin zu verbergen.
 

Doch er würde sich nicht einfach ergeben. Die Wut, die langsam in ihm aufstieg, drängte die Angst aus seinen Gliedern, ließ sie wie eine fahl gewordene Erinnerung verblassen. Er wusste, dass dies der Moment war, in dem alles entschieden würde. Ein falscher Schritt, ein falsches Wort, und alles war verloren.
 

Er konnte nicht aufgeben. Nicht jetzt. Nicht hier.
 

Die Scham überkam ihn wie eine Welle, kalt und drückend, und das Gefühl der Ohnmacht breitet sich immer weiter aus, wie ein immer enger werdender Kreis. Taylors Kopf war ein Wirbelsturm aus Gedanken – er hatte genug von Braydan gesehen, wusste, wie dieser spielte.
 

Doch jetzt, in diesem Moment, war er selbst das Ziel.
 

Diese neue Erfahrung, das eigene Geheimnis entlarvt zu sehen, fühlte sich viel anders an, als er es sich jemals vorgestellt hatte. Er kämpfte mit sich selbst, versuchte einen klaren Gedanken zu fassen, doch die Umstände, die Bedrohung von Braydan, ließen ihm keinen Raum dafür.
 

Er fühlte sich nackt, verletzlich, unfähig, sich zu wehren – nicht nur gegen Braydan, sondern gegen die eigene Angst.
 

Sein Blick wanderte zu Darius und Aiden, die hilflos auf dem Bett lagen. Eine kalte Welle der Verantwortung durchzog ihn, doch gleichzeitig spürte er die Furcht, nicht genug tun zu können. Er konnte die Angst in Aiden spüren, das Zittern in Darius’ Körper, das stumme Flehen in ihren Augen.
 

Ein unerträgliches Gefühl der Hilflosigkeit stieg in ihm auf. Er wusste, dass er sie nicht vor dem schützen konnte, was noch kommen würde. Nicht vor Braydan.
 

Nicht vor dem, was er selbst für sie bedeuten könnte.
 

Taylor hatte nie wirklich begreifen können, wie es war, in dieser Falle zu sitzen. Und jetzt, wo er selbst dort war, fühlte es sich anders an – als könnte er die Kontrolle nie wieder zurückgewinnen. Der Boden unter seinen Füßen war brüchig geworden, seine Entscheidungen unsicher und verzweifelt.
 

Was konnte er tun? Was sollte er tun?
 

Er kannte Braydan und wusste, wie dieser agierte. Doch sich jetzt aus dieser Situation zu befreien, war etwas anderes. Jede Bewegung schien ein falscher Schritt, als würde er tiefer in eine Falle geraten, aus der es kein Entkommen gab.
 

Es war, als würde er jeden Moment in den Abgrund stürzen, ohne sicher zu wissen, was ihn dort erwartete.
 

Doch tief in ihm wusste er, dass das, was er jetzt tat, alles entscheiden würde. Jede Entscheidung konnte die Wende bringen – oder das endgültige Ende. Die Verantwortung, die er in diesem Moment trug, war schwerer als alles, was er je gekannt hatte. Die Verantwortung gegenüber Darius, Aiden, all den anderen, die er nicht in dieser Situation allein lassen konnte.
 

Aber es gab nur eines, was er in diesem Moment wusste – er konnte nicht aufgeben. Die Hoffnung, so klein sie auch war, blieb in ihm, ein letzter Funke, der in der Dunkelheit leuchtete. Doch je länger er sich den Worten von Braydan aussetzte, desto mehr wuchs die Furcht.
 

Die Drohungen, die er aussprach, klangen so real. Zu real. Taylor wusste, dass er sich entweder beugen oder kämpfen musste.
 

Und selbst wenn der Kampf aussichtslos schien, würde er nicht kampflos aufgeben.
 

Tief in seinem Inneren wusste er, dass er sich in einer Sackgasse befand. Er konnte keinen Ausweg sehen, aber die Vorstellung, sich zu ergeben, war schlimmer als der Gedanke, weiterzukämpfen, egal wie unmöglich es schien.
 

Darius beobachtete das mit Entsetzen und wachsender Angst. Es war, als würde er in einem Albtraum gefangen sein. Zu wissen, dass Taylor ein Omega war, zu erfahren, dass Braydan ihn als Druckmittel gegen ihn selbst nutzen wollte – all das stürzte auf ihn ein wie ein schrecklicher Sturm.
 

Die Worte hallten in seinem Kopf nach, doch die Bedeutung ließ ihm kaum Raum zum Atmen. Taylor, der Mann, der ihn in diese Lage gebracht hatte, war nun ebenfalls in einer gefährlichen Position gefangen.
 

Ein Omega? Er konnte es kaum fassen.
 

Die Welt um ihn verschwamm, als er die hilflose Verfassung von Aiden neben sich spürte, das Bild von Braydan, der triumphierend vor ihnen saß, und die lähmende Erkenntnis, dass er selbst nichts tun konnte.
 

Die schreckliche Ohnmacht, die ihn durchdrang, ließ ihn wie gelähmt auf dem Bett liegen. Die Verzweiflung ergriff ihn mit einer Wucht, die ihn fast erdrückte.
 

Was konnte er tun, wenn er nicht einmal mehr die Kontrolle über seine eigenen Gefühle hatte?
 

Er wusste, dass er nicht der Einzige war, der in dieser Situation gefangen war – doch er konnte nichts ändern. Der Gedanke an Damian ließ ihn für einen Moment hoffen, doch in dieser stillen Verzweiflung konnte er kaum glauben, dass Hilfe kommen würde.
 

Es fühlte sich an, als ob jede Sekunde, die verstrich, die Ketten enger zogen.
 

Hoffnung war ein ferner Gedanke, ein leiser Wunsch, der immer wieder im Hintergrund seines Verstandes flackerte. Doch der Moment schien sich endlos zu dehnen, und mit jeder weiteren Sekunde wuchs das Gefühl der Hilflosigkeit.
 

Es war, als wäre er in einem Raum gefangen, der immer kleiner wurde, der ihn langsam erstickte.
 

Er konnte nur hoffen, dass Damian bald kommen würde, um sie zu befreien. Doch im Moment fühlte sich alles so hilflos an, und die Dunkelheit schien alles zu verschlingen.
 

Die Dunkelheit, die er nicht mehr zu vertreiben wusste…

Kapitel 193

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Braydan saß ruhig auf seinem Stuhl, eine beinahe träge Gelassenheit umgab ihn, doch seine Augen verrieten etwas anderes. Das Spiel, das er in seinen Händen hielt, schien längst gewonnen. Jeder Zug war von ihm geplant, jedes mögliche Szenario von ihm durchdacht. Doch er wusste, dass es noch nicht ganz vorbei war. Noch nicht.
 

Es gab noch etwas, das ihm fehlte. Etwas, das ihm zustehen sollte, dass er sich nehmen würde, ganz gleich, welche Mittel er dafür einsetzen musste. Er war bereit, alles zu tun, um es zu bekommen.
 

Geduld war eine Tugend, die er selten benötigte – nicht, wenn er wusste, dass sein Sieg nur einen letzten Druck erforderte.
 

Er lehnte sich etwas vor, ein kühles Lächeln auf den Lippen, während er den Mann vor sich betrachtete – zierlich im Vergleich zu ihm, doch zäh, unnachgiebig. Es war ein interessanter Kampf, doch er wusste bereits, wie es enden würde. Es endete immer auf die gleiche Weise.
 

„Du denkst also, du kannst mir entkommen?“ sagte er schließlich mit einem schmalen Grinsen, seine kalten Augen funkelten vor Belustigung. „Du hast dir vielleicht eingebildet, dass du stark genug bist, Taylor. Aber du bist nichts weiter als ein Omega. Ein wertloser Omega, der sich immer wieder dem Willen der Stärkeren beugen muss.“
 

Taylor stand da, noch immer wie gelähmt, die Augen auf den Boden gesenkt. Doch tief in ihm wusste er, dass er nicht aufgeben durfte. Nicht diesmal. Nicht für ihn.
 

Die Worte schnitten tief, ihre Schärfe bohrte sich in sein Innerstes, doch sie schürten auch etwas anderes – eine entschlossene Flamme, die in ihm aufkeimte. Es war nicht nur sein eigener Wille, der jetzt zählte, sondern der, den er für sich selbst und für die anderen noch bewahren musste.
 

Sein Herz raste, der schlagende Puls pochte in seinen Ohren. Doch nach außen hin zwang er sich zu einer äußerlichen Ruhe. Jeder Atemzug fühlte sich wie ein Kampf an, doch er wusste, dass er sich nichts anmerken lassen durfte.
 

Kein Zeichen von Angst. Keine Schwäche. Doch tief in seinem Inneren brannte die Panik. Sie zerrte an ihm, drohte ihn zu verschlingen, wie ein unaufhaltsames Feuer.
 

„Ich muss ruhig bleiben. Konzentrier dich, Taylor. Du bist stärker als das…“ Doch die Worte verloren sich in seinem Kopf, als er gegen das Dröhnen in seinen Ohren ankämpfte.
 

„Du weißt, dass du nichts gegen mich ausrichten kannst“, fuhr Braydan fort und stand langsam auf, als würde er sich für das, was er als Nächstes tun würde, aufwärmen.
 

„Aber da gibt es noch etwas, was du liebst... etwas, das du beschützen würdest, koste es, was es wolle. Dein Sohn.“
 

Taylor spürte, wie sein Herz für einen Moment aussetzte. Die Panik stieg in ihm auf, seine Kehle schnürte sich zusammen. Nicht er…
 

Der Gedanke an den Kleinen, an den, der auf ihn angewiesen war, der ihm den Atem nahm, ließ ihn für einen Augenblick den Halt verlieren. „Nein. Ich kann ihn nicht gefährden. Ich darf nicht schwach werden.“
 

Er wusste, dass Braydan nur darauf wartete, ihn in die Enge zu treiben, und doch konnte er nicht verhindern, dass ein Teil von ihm erschauerte.
 

„Wo ist er, Taylor? Wo versteckst du ihn?“ Die Frage kam wie ein gezielter Stoß, als würde Braydan in seine Seele schneiden.
 

Seine Finger bebten leicht, der Zorn brodelte in ihm, doch er ballte die Hände zu Fäusten, um es zu verbergen. Er durfte sich nicht verraten. „Ich darf nicht brechen. Nicht jetzt. Für ihn.“
 

Braydan ließ ein amüsiertes Lachen hören, ehe er die Distanz zwischen ihnen überbrückte und Taylor grob am Nacken packte. Mit einer Bewegung zog er ihn mühelos hoch. Da Taylor kleiner war als Braydan, musste er sich auf die Zehnspitzen stellen, um nicht gänzlich von Braydans Griff erdrückt zu werden.
 

Taylors Hände krallten sich instinktiv an Braydans Handgelenk. Sein Körper gehorchte ihm, wie ein verängstigtes Tier, das sich nicht wehren konnte. Jeder Moment fühlte sich wie ein Stich in seine Ehre an. Jeder Atemzug wie eine Niederlage.
 

„Du bist nichts“, raunte Braydan, und Taylors Haut brannte unter seinem festen Griff. „Ein Omega, der ohne Wert ist. Du wirst mir sagen, wo er ist – oder du wirst den Rest deines Lebens damit verbringen, zu bereuen, dass du versucht hast, dich mir zu widersetzen.“
 

Taylor keuchte erschrocken, der Luftzug drang scharf in seine Lungen, doch er presste die Lippen fester aufeinander, als wollte er sich in seinem Schweigen selbst schützen. Die Worte von Braydan schnitten wie scharfe Klingen durch seine Gedanken, doch er hielt stand. „Ich muss stark bleiben. Ich kann nicht aufgeben.“
 

Sein Schweigen ließ Braydan die Stirn runzeln, dann wurde sein Lächeln breiter, das amüsiert und gleichzeitig beängstigend wirkte.
 

„So, so… du glaubst also wirklich, du kannst mir trotzen?“ Braydan packte Taylor noch fester, seine Hand um Taylors Hals straff und kalt, bevor er ihn abrupt auf den massiven Schreibtisch hinter sich drückte.
 

Taylors Rücken prallte mit einem schmerzhaften Ruck gegen die harte Oberfläche, das Geräusch der Wucht ließ die Luft erschauern. Ein schmerzhaftes Stöhnen entwich ihm, das er hastig unterdrückte, während sein Körper sich gegen den Schreibtisch presste.
 

Nicht schreien. Nicht schwach wirken. Gib ihm nicht, was er will…
 

Ehe er sich aufrichten konnte, drängte Braydan sich grob zwischen seine Beine, drückte ihn tiefer in die kalte, harte Oberfläche des Tisches. Taylor spürte, wie sich der Raum um ihn zusammenzog, als er in eine Position gezwungen wurde, aus der es kaum ein Entkommen gab.
 

Der Druck in seiner Brust wuchs, als er sich daran erinnerte, dass es hier nicht nur um seinen eigenen Widerstand ging – es ging um alles, was er zu verlieren hatte.
 

„Ich könnte es mir einfach machen, Taylor“, murmelte Braydan, seine Stimme rau und fast süßlich in ihrer Bedrohlichkeit, während sein Gesicht sich bedrohlich näherte. „Ich könnte dir zeigen, wie wertlos du wirklich bist…“

Kapitel 194

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Taylor zitterte, ein unangenehmes Kribbeln lief ihm über den Rücken, als Braydan ohne Vorwarnung seinen Kopf packte, die kalte, feste Hand an seinem Kiefer. Mit einem Ruck zwang er ihn zu einem erzwungenen Kuss, der von Taylor wie ein Angriff empfunden wurde. Der Moment schien in Zeitlupe zu verlaufen, als sein Magen sich verkrampfte und er versuchte, den bitteren, widerwärtigen Geschmack von Macht und Kontrolle von seinen Lippen zu wischen.
 

Der Kuss selbst war keine Geste der Zuneigung, sondern eine Machtdemonstration. Taylor fühlte Braydans Zunge, die sich in seinen Mund drängte, als wäre er ein Spielzeug, das ihm gehörte.
 

Er konnte den bitteren Geschmack von Angst und Hilflosigkeit auf seiner Zunge schmecken, als sich eine Flut von Erinnerungen in seinem Geist auftat – an die kalten Hände, die ihn in der Vergangenheit gefangen gehalten hatten, an den Bruder, der ihm nie den Schutz geboten hatte, den er so verzweifelt brauchte.
 

„Nicht… nicht wieder…“, schoss es ihm durch den Kopf, während der Drang, sich zu wehren, von einer inneren Kälte erstickt wurde.
 

Braydan drückte seine Zunge tiefer in Taylors Mund, und Taylor wollte schreien, doch sein Körper war wie gelähmt. Er konnte die Hände nicht bewegen, konnte sich nicht wehren – als ob die Angst, die von seiner Brust in jede Faser seines Körpers drang, alles erstickte.
 

Sein Herz pochte so heftig, dass es sich anfühlte, als würde es gegen seine Rippen hämmern, als wolle es aus seiner Brust ausbrechen. Die Erinnerungen an die Erlebnisse mit seinem Bruder fluteten ihn mit unbarmherziger Klarheit – die unausweichlichen Berührungen, die Worte, die ihn damals so gequält hatten. Der Gedanke, dass er sich wieder in dieser Ohnmacht finden würde, war ein schrecklicher Moment reiner Hilflosigkeit.
 

Sein Körper bebte, und er kämpfte gegen den Drang, sich zu befreien, doch die Gewalt, mit der Braydan ihm den Kuss aufzwang, lähmte ihn. Der Gedanke an den Schmerz, den er schon erlebt hatte, an die Momente, in denen er gezwungen worden war, sich zu fügen, überflutete ihn und ließ ihn fast ersticken.
 

An die kalten Hände, die ihn festgehalten hatten. An die erzwungenen Berührungen, die unausweichlich gewesen waren. An die widerlichen Worte, die ihm ins Ohr gehaucht wurden, als hätte er keine andere Wahl gehabt, als sich zu fügen. Sein eigener Bruder hatte ihn zu Dingen gezwungen, die kein Mensch, kein Omega jemals ertragen sollte. Und bis dieser seinen eigenen Gefährten gefunden hatte, war er kaum besser gewesen als Braydan.
 

Sein Magen krampfte sich zusammen. Ein bitterer Geschmack stieg in seine Kehle. Diese unheilvolle Machtlosigkeit, dieses Gefühl, dass er nichts weiter war als ein Spielzeug für die Lust eines Alphas – es war genau das, wovor er sich immer gefürchtet hatte.
 

Das war auch einer der Gründe, warum er sich als Beta ausgab und mit unerbittlicher Härte gegen die Weltregierung kämpfte – obwohl er selbst einst ein Teil davon gewesen war. All das, was er getan hatte, was er geworden war… Er fand keine Worte dafür. Doch eines stand für ihn fest:
 

Ich werde mich nicht wieder brechen lassen.
 

Er hatte sich geschworen, nie wieder unter der Kontrolle eines Alphas zu stehen. Niemals. Nicht Braydan, nicht irgendjemand, der versuchte, ihn zu besitzen. Der Gedanke ließ ihn tief durchatmen, seine Fäuste ballen.
 

Kein Alpha wird mich jemals wieder brechen.
 

Es war der Schwur, den er nach all den qualvollen Jahren gemacht hatte. Und in diesem Moment, in dem die Dunkelheit zu erdrücken drohte, war dieser Schwur alles, was ihm noch Halt gab.
 

Er dachte an Graham, an den einzigen Mann, dem er sich freiwillig hingab. An den Mann, der ihn nicht als Besitz sah, sondern als den, der er war. Graham war der Einzige, dem er sich aus freien Stücken unterwarf. Der Einzige, dem er vertraute. Der Einzige, der ihn wirklich liebte – ohne zu besitzen, ohne zu brechen.
 

Graham ist der Einzige, der mich hält, nicht der, der mich zerstört.
 

Mit diesem Gedanken in seinem Kopf konnte er die Verzweiflung in sich überwinden.
 

Graham liebt mich. Ich gehöre ihm, weil ich es will. Der Gedanke an seinen Mann war wie ein Schild, das ihn vor dem zerreißenden Griff von Braydan schützte. Taylor hob den Kopf, versuchte, sich zu befreien.
 

Ich bin mehr als das, was du mir antust.
 

Sein Atem ging schwer. Sein Körper zitterte. Doch tief in ihm brannte etwas Helles – eine unnachgiebige Flamme, die sich weigerte zu verlöschen…

Kapitel 195

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Taylor spürte den brennenden Blick Braydans auf sich, sein Körper spannte sich an, doch er konnte sich nicht rühren. Das Zittern in seinen Fingern verriet mehr, als er zugeben wollte. Irgendwo hinter ihm veränderte sich der Atemrhythmus einer Person – flach, unregelmäßig. Darius.
 

Auf dem Bett lag Darius, als würde sein Körper den Kampf gegen die Schmerzen und die erdrückende Erschöpfung verloren haben. Sein Herz schlug heftig gegen seine Rippen, als wollte es aus seiner Brust springen, und jeder einzelne Schlag schien lauter in seinem Kopf zu hallen. Seine Hände zitterten, unaufhörlich, obwohl er versuchte, sich zusammenzunehmen.
 

Es war die Unruhe, die ihn quälte, die verzweifelte Hoffnung, dass sich etwas ändern musste. Irgendetwas, das ihm die Kontrolle zurückgab.
 

Er ballte die Fäuste, seine Fingernägel gruben sich schmerzhaft in seine Handflächen, ein ständiger Versuch, sich zu erden. Die Wut, die in ihm loderte, war nicht mehr zu bändigen. Sie brannte heiß in seinen Adern, als ob sie sein ganzes Wesen durchdringen würde.
 

Doch inmitten des Feuers wusste er, dass jetzt nicht der Moment war, um zu handeln. Wenn er jetzt… wenn er einen Fehler machte… könnte es Taylor und dem Kind das Leben kosten. Der Gedanke ließ ihn fast erstarren. Er biss die Zähne zusammen, so fest, dass sein Kiefer schmerzte.
 

Er musste warten. Musste sich zurückhalten, auch wenn jeder Muskel in seinem Körper danach schrie, zu handeln. Einen Moment finden, in dem er nicht nur seine eigene Entschlossenheit in den Griff bekam, sondern auch die Gefahr, die drohte, abwenden konnte. Einen Moment, in dem alles zum Guten wenden konnte – aber nur, wenn er stark genug war, es richtig zu tun.
 

Braydan löste sich von ihm und Taylor atmete hastig, als die Kälte der Luft ihn für einen Moment zu befreien schien. Doch sein Blick blieb unverändert, hart und ruhig, selbst als Braydan ihn mit einer fast besitzergreifenden Geste fixierte.
 

„Sag es mir, Taylor“, raunte Braydan mit einem fast sanften Unterton, der jedoch keinerlei Mitgefühl verriet. Seine Hand glitt langsam und selbstbewusst nach unten, berührte Taylors Unterleib mit einem kalten, fordernden Druck, der Taylor sofort erstarren ließ.
 

Das Gefühl, das von diesem kalten Druck ausging, war wie ein Kälteschock, der sich tief in seinen Bauch bohrte. Es war das gleiche Gefühl wie damals – als hätte er keine Kontrolle über seinen eigenen Körper. Ein Zittern durchzog ihn, als er versuchte, sich nicht zu verraten.
 

Nicht… nicht das…
 

„Ich wusste doch, dass du mir etwas verheimlichst“, murmelte Braydan, als er das flimmernde Zeichen eines Bauches unter Taylors Hemd bemerkte. Die Worte trafen ihn wie ein Faustschlag in den Magen, und das Gefühl der Bedrohung veränderte sich, als er realisierte, dass Braydan mehr wusste, als er wollte, dass er wusste.
 

Sein Körper sträubte sich gegen die Panik, die aufstieg. Doch er konnte nicht verhindern, dass der Angstschweiß sich auf seiner Stirn sammelte. Er fühlte sich erdrückt von der Kälte, die von Braydans Hand ausging, und der Vorstellung, dass er erneut etwas oder jemanden verlieren könnte, den er liebte.
 

Braydans Grinsen vertiefte sich, als er die Reaktion bemerkte. „Ah… sieh mal einer an.“ Seine Finger glitten forschend und fast verspielt über den kleinen, kaum sichtbaren Ansatz eines Bauches.
 

„Ich wusste doch, dass du mir etwas verheimlichst“, murmelte er, als ob er ein kleines Geheimnis entdeckt hatte, das ihn nur noch mehr bestärkte.
 

Taylor biss sich mit all seiner Kraft auf die Lippe, um die panische Reaktion zu unterdrücken, die sich tief in ihm aufbaute. Ein Flackern purer Panik blitzte für einen Moment in seinen Augen auf, doch er zwang sich mit aller Willenskraft, ruhig zu bleiben.
 

Braydan bemerkte es sofort. Sein Blick wurde noch triumphierender, als er diese kleine Regung wahrnahm.
 

„Wie süß“, hauchte er mit einer kalten, fast anklagenden Freude und verstärkte dabei den Druck seiner Hand. Taylors Körper zuckte auf, und ein leises Keuchen entglitt ihm. „Denkst du wirklich, ich würde es nicht merken?“
 

Braydan trat einen Schritt näher, die Stimme fast zärtlich und doch durchzogen von Verachtung. „Du trägst schon wieder ein Kind in dir, nicht wahr? Und du willst es genauso schützen, wie du es mit deinem Erstgeborenen tust.“
 

Taylors Hände krallten sich verzweifelt in die Tischkante, als ob er sich dadurch irgendwie halten könnte. Sein Körper bebte unkontrolliert, und der Schmerz, der von seiner Hand ausging, schien nur ein schwacher Ersatz für das Gefühl der Bedrohung, das sich jetzt in seiner Brust ausbreitete.
 

Darius hielt die Luft an. Sein Herz raste. Oh Gott er ist schwanger…
 

Seine Gedanken wirbelten durcheinander. Taylor... schwanger? Das war unmöglich. Nein, unmöglich durfte es nicht sein – es war die Realität. Doch bevor er diesen Gedanken ganz erfassen konnte, drang Braydans Stimme wieder durch den Raum, kalt und durchdringend.
 

„Sag es mir, Taylor. Wo ist er?“ Braydan senkte den Kopf, sein Atem heiß und feurig gegen Taylors Wange, während er seine Worte wie scharfe Messer in die Stille schnitt. „Oder soll ich anfangen, mich um dein kleines Problem hier zu kümmern?“
 

Taylor schluckte schwer, das Gefühl von Kälte, das sich wie ein eisiger Schleier über seinen Körper legte, fast unerträglich. Angst würgte ihn, schnürte seine Lungen zusammen und ließ die Welt um ihn verschwimmen.
 

Doch er wusste eines: Er würde keinen seiner Liebsten verraten.
 

Nicht seinen Sohn. Nicht das Kind, das in ihm wuchs und dessen schlagendes Herz in der Stille seines Körpers pochte, als sei es bereits ein Teil von ihm. Nicht dieses Leben, das er um jeden Preis beschützen würde, solange noch ein Funken Hoffnung in ihm brannte, solange er noch atmete.
 

Seine Lippen blieben fest versiegelt, als wäre der Druck, den Braydan ausübte, ein zusätzlicher Schmerz, den er zu ertragen hatte.
 

Auch wenn sein Körper vor Angst bebte, die Panik in ihm wie ein loderndes Feuer brannte und die Welt um ihn herum sich verzerrte, wusste er: Er musste stark bleiben.
 

Und Braydan wusste es, er konnte es in Taylors Augen sehen. Das Zittern, die Verzweiflung, die innerliche Zerrissenheit – doch auch das unerschütterliche Schweigen.
 

Der Triumph in Braydans Blick wurde nur größer, als er spürte, dass Taylor sich weigerte, ihn zu beugen…

Kapitel 196

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Braydan betrachtete Taylor mit einem spöttischen Grinsen, während er seine Finger langsam über dessen Bauch gleiten ließ, als würde er einen Besitz prüfen. Taylor konnte das Herz bis zum Hals schlagen hören, doch er zwang sich, nicht nachzugeben.
 

Nicht nachgeben. Nicht wanken.
 

Braydan ließ die Finger sacht auf dem kleinen, fast nicht sichtbaren Ansatz seines Bauches ruhen, bevor er plötzlich fester drückte. Die plötzliche Härte ließ Taylor zusammenzucken, ein dünner Schmerz zog sich durch seinen Körper, doch er unterdrückte ein Stöhnen und biss die Zähne zusammen. Sein Atem ging flach.
 

„Nun? Ich frage dich nicht noch einmal, Taylor. Wo ist dein Sohn?
 

Stille.
 

Die Luft zwischen ihnen wurde schwer. Taylors Herz schlug so laut, dass es sich anfühlte, als könnte Braydan es hören. Jede Sekunde, die verstrich, ließ die Spannung weiter anschwellen. Doch er blieb standhaft. Sein Schweigen war alles, was er hatte.
 

Braydan seufzte genervt. „Du machst es dir selbst nur schwerer.“
 

Taylor zwang sich, den Blick nicht abzuwenden. Doch in seinem Kopf hämmerte eine einzige Frage:
 

Wo bleibt Graham?
 

Er hätte längst hier sein müssen.
 

Hätte merken müssen, dass etwas nicht stimmte.
 

Doch die Sekunden dehnten sich in quälende Minuten. Und Braydan war nicht der Geduldigste.
 

Draußen – außerhalb dieses Albtraums – stand Graham mit zusammengezogenen Brauen vor der Tür. Sein Körper war angespannt, seine Hände zu Fäusten geballt. Er hatte Taylor schreien hören. Keine wirklichen Worte, aber dieses eine gequälte Geräusch, das ihn bis ins Mark erschüttert hatte.
 

Als er allerdings ins Büro gehen wollte, wurde er abrupt aufgehalten. Eine kräftige Hand packte ihn hart am Handgelenk, noch bevor seine Finger die Türklinke erreichen konnten. Ein stechender Schmerz durchzuckte seinen Arm, als die Wache seinen Griff verstärkte und ihn mit einem ruckartigen Zug zurückhielt.
 

„Sir, der Alpha hat angeordnet, dass niemand stört“, sagte einer der Männer mit tonloser Stimme.
 

Bevor Graham überhaupt protestieren konnte, tauchte eine zweite Wache aus dem Nichts auf und versperrte ihm endgültig den Weg. Sie standen wie eine undurchdringliche Mauer vor ihm, ihre Blicke eiskalt, ohne einen Hauch von Mitgefühl.
 

„Lasst mich durch!“, fauchte Graham und versuchte, sich aus dem Griff zu winden, doch die Wache hielt ihn mit unerschütterlicher Kraft fest. Er spürte die Verzweiflung in seiner Brust aufsteigen.
 

„Es gibt nichts, was Sie dort drin zu suchen haben“, kam die knappe Antwort, während der Griff um sein Handgelenk sich noch weiter verstärkte.
 

Grahams Kiefer mahlte. Sein Herz schlug hart gegen seine Rippen. Das war kein Zufall. Braydan hatte vorgesorgt. Er hält mich von ihm fern.
 

Sein Blick fiel auf die Tür. Dahinter war Taylor. Und er war allein mit einem Mann, der keine Grenzen kannte. Graham spürte, wie seine Muskeln sich anspannten. Sein Körper war bereit zum Kampf, jeder Instinkt in ihm schrie danach, zu handeln.
 

Drinnen drängte sich Braydan noch dichter an Taylor. „Ich kann das noch ewig weitertreiben, Taylor“, flüsterte er, während er mit einer Hand grob über Taylors Kiefer strich, ihn zwang, ihn anzusehen. „Aber du weißt genau, dass du verlieren wirst.“
 

Taylor spürte, wie sein Körper verriet, dass er Angst hatte – doch sein Geist blieb stark. Sein Kinn hob sich leicht. „Lass es gut sein, Braydan…“ keuchte er. „Ich werde es dir nicht sagen.“
 

Braydans Augen verengten sich. Das Funkeln in ihnen wurde dunkler, gefährlicher. „Dann sollte ich vielleicht doch… drastischere Maßnahmen ergreifen.“ Mit einem ruckartigen Stoß drückte er Taylor noch fester auf den Tisch.
 

Taylor keuchte, sein Rücken schmerzte von der plötzlichen Härte der Holzplatte. Braydans Griff war unerbittlich, sein Körper so nah, dass Taylor nicht ausweichen konnte. Die Kälte des Schreibtisches drang durch seine Kleidung, doch die Hitze von Braydans Körper fühlte sich erstickend an.
 

Panik flackerte in seinen Augen, doch er zwang sich, sie zu unterdrücken. Nicht nachgeben. Das ist genau das, was er will...
 

Graham spürte, wie sein Puls raste. Jede Faser seines Seins sagte ihm, dass er keine Zeit mehr hatte. Er konnte nicht abwarten.
 

Die Wache vor ihm trat einen Schritt näher und hob warnend die Hand, als Graham erneut ansetzte, an ihr vorbeizugehen. „Sir, Sie sollten sich beruhigen. Der Alpha wünscht keine Störungen.“
 

Graham blieb kurz stehen, sein Blick verengte sich. Sie siezten ihn. Das taten sie sonst nie. Ein ungutes Gefühl breitete sich in seiner Brust aus, doch die aufkochende Wut drängte es sofort in den Hintergrund. Er machte einen weiteren Schritt, versuchte, an der Wache vorbeizukommen, doch sie rührte sich nicht vom Fleck.
 

„Keine Störungen?“ wiederholte er mit gefährlich ruhiger Stimme. „Mein Mann ist da drin. Mit ihm. Und ihr wollt mir allen Ernstes erzählen, ich soll mich beruhigen?“
 

Er spannte die Kiefermuskeln an, seine Hände zuckten, als würde er die Wache einfach packen und beiseiteschieben. Doch kaum regte er sich erneut, trat eine zweite Wache hinter ihm näher, legte ihm schwer eine Hand auf die Schulter.
 

„Sir, treten Sie zurück“, kam es dieses Mal schärfer. Unnachgiebig.

Graham riss die Schultern herum, schüttelte die Hand ab, sein Atem ging schneller.
 

Was zur Hölle lief, hier?
 

Sie sprachen ihn an, als wäre er irgendwer. Als hätte sich sein Rang in diesem Moment in Luft aufgelöst…

Kapitel 197

++++
 

Die Wachen interessierten sich nicht mehr für seinen Rang. Braydan hatte klare Anweisungen gegeben, und dass Taylor Grahams Mann sein sollte, hörten sie zum ersten Mal. Doch das kümmerte sie nicht.
 

„Tja, wenn sich herausstellt, dass er ein Omega ist, war er eh nichts wert“, murmelte einer spöttisch. „Und wir wissen alle, dass, wenn der Boss mit ihm fertig ist, wir auch noch dran sind.“
 

Graham stockte der Atem. Ein heißes, loderndes Feuer breitete sich in seiner Brust aus. Diese dreckigen Mistkerle. Sie glaubten wirklich, sie könnten sich an seinem Mann vergreifen?
 

Ein rotes Tuch legte sich über seine Sicht, als eine der Wachen seine Schulter packte.
 

Schlechter Fehler.
 

Graham reagierte blitzschnell. Seine Faust schnellte nach oben, traf den Mann mit einem harten Schlag gegen die Rippen, bevor er den zweiten mit einem Tritt nach hinten taumeln ließ. Als die Wachen keuchten, fauchte Graham in einem tiefen, bedrohlichen Knurren: „Ich werde nicht zulassen, dass ihr die Hände an meinem Mann legt.“
 

Die Männer blieben wie erstarrt, doch Graham ließ ihnen keine Zeit, sich zu sammeln. Er ging sofort in Angriffstellung.
 

Dann – Schritte. Hastige, schwere Stiefel, die über den Boden hallten.
 

Graham fuhr herum, sein Atem ging schwer, sein Körper angespannt. Die Männer, die eben noch auf dem Boden gelegen hatten, rappelten sich auf, während zwei weitere dazustießen.
 

Er konnte kämpfen. Würde kämpfen. Aber nicht gegen sechs Männer auf einmal. Die Zahl - kein Zufall.
 

Eine der Wachen, die das Geräusch der Auseinandersetzung gehört hatte, war nicht überrascht. Im Gegenteil, sie wusste, dass es nun harte Einsätze erfordern würde. Graham war ein Alpha – sie hatten es längst begriffen, wie schwer es war, einen Alpha zu überwältigen.
 

Die Zahl der Wachen, die herbeigerufen worden war, war ein klares Signal. Es war nicht genug, nur einen zu überwältigen, wenn der Alpha sich wehrte.
 

Ein starker Griff packte ihn von hinten. Dann ein weiterer. Hände zogen an ihm, rissen ihn mit Gewalt von der Tür fort. Er knurrte, riss sich los – traf einen, trat nach einem zweiten – doch es waren zu viele.
 

„Bringt ihn weg!“ bellte einer.
 

Er wehrte sich, trat um sich, doch dann – ein harter Schlag in die Rippen. Ein kurzer, stechender Schmerz. Die Wucht ließ ihn taumeln. Zwei Wachen nutzten den Moment, packten seine Arme und zwangen ihn in die Knie.
 

Sein Blick flog zur Tür. Zu Taylor.
 

Nein. Er versuchte, sich loszureißen, doch eine Faust traf ihn an der Schläfe. Kurz wurde ihm schwarz vor Augen.
 

Die Stimmen um ihn herum wurden dumpf, während ein Befehl durchbrach: „Tja, mal sehen, wie lange dein süßer Taylor wohl durchhalten wird…“
 

Ein finsteres Grinsen breitete sich auf dem Gesicht eines der Wachen aus, der noch das Bild vor Augen hatte, wie Graham eben Taylor geküsst hatte, bevor dieser zu Braydan ins Büro gegangen war. Ihm war bewusst, dass es nicht leicht gewesen war, Graham zu überwältigen – er war selbst ihr Trainer gewesen, und sie wussten genau, wie sie ihn unter Kontrolle bringen konnten.
 

Grahams Körper gehorchte ihm nicht. Zu sehr hatten ihm die Schläge zugesetzt. Er knurrte, presste die Zähne zusammen – der Widerstand brannte in ihm, doch er wusste, dass er für jetzt verloren hatte.
 

Für jetzt.
 

Drinnen verfinsterte sich Braydans Blick. „Du spielst mit dem Feuer, Taylor“, knurrte er.
 

Taylor schnappte nach Luft, als Braydan ihn erneut gegen den Schreibtisch drückte, seine Hände fester um seinen Nacken. Die groben Finger, die sich in seine Haut gruben, die überheblichen Blicke – all das war ein einziger Machtbeweis.
 

Doch Taylor blieb standhaft.
 

„Ich werde dir nichts sagen“, stieß er hervor, seine Stimme klang entschlossen, aber auch von der Panik überschattet, die in ihm brodelte.
 

Braydan lachte leise – aber es war kein amüsiertes Lachen. Es war gefährlich. Eisig.
 

„Dann sollte ich dich vielleicht daran erinnern, was auf dem Spiel steht“, murmelte er, während seine Hand wieder zu Taylors Bauch wanderte. Ein schwerer, drückender Gedanke lag in der Luft.
 

Die Bedrohung war mehr als nur Worte, sie war spürbar.
 

Taylor sog scharf die Luft ein, sein Herz schlug wild. Die Worte schnürten ihm die Kehle zu, doch er versuchte, sich zu sammeln, ihm die Kälte entgegenzuhalten.
 

„Ja…“ Braydan spürte den leichten Ansatz eines Bauches, und für einen Moment sah Taylor in den Augen des Mannes, wie das Grinsen breiter wurde. „Dachte ich mir doch. Und du willst wirklich riskieren, dass ihm oder deinem wertlosen Sohn etwas passiert?“
 

Taylor zitterte innerlich, doch er blieb eisern, kämpfte gegen die Furcht, die versuchte, ihn zu übermannen.
 

„Du… bekommst von mir gar nichts.“ Er hatte die Worte nur gerade so herausgebracht, als Braydan ihm das Kinn packte und ihn zwang, ihn anzusehen.
 

Ein Schatten fiel über Braydans Gesicht, seine Augen glühten vor Wut, als er die Kontrolle noch fester ergriff. Dann presste er wieder grob seine Lippen auf Taylors, und seine Zunge stieß brutal gegen seine.
 

Taylor wand sich, wollte den Kopf wegdrehen, doch Braydan hielt ihn eisern fest, seine Hand um Taylors Kiefer wie ein eisernes Band.
 

„Vielleicht sollte ich dich daran erinnern, wohin du gehörst“, flüsterte er mit schneidender Ruhe, die in sich die ganze Bedrohung trug.
 

Mit einem kräftigen Stoß drückte er Taylor noch fester auf den Schreibtisch, der Holzrahmen knarrte unter der Gewalt, während Braydan weiterhin zwischen seinen Beinen stand und nun seinen Schritt auf den seinen presste...

Kapitel 198

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Taylor versuchte verzweifelt, sich zu wehren, doch seine Kraft schwand langsam. Jeder Widerstand schien vergebens, als Braydan ihn weiter in die Nähe der Kante des Schreibtisches drängte, den harten Druck gegen seinen Körper spürend.
 

Auch konnte er den eisernen Griff an seinen Handgelenken spüren, der ihn daran hinderte, sich zu befreien. Der Schmerz von den eingeklemmten Gliedmaßen machte es ihm fast unmöglich, sich zu bewegen, geschweige denn zu atmen.
 

Zudem spürte er Braydans Schritt an sich und die aufkeimende Erektion, die sich dagegen drückte.
 

Und trotzdem blieb er stumm, kämpfte gegen den überwältigenden Druck an.
 

Braydan drückte weiter, seine Hand zerrte an Taylors Oberkörper, als würde er ihn zerreißen wollen. Die brutale Nähe, die unnachgiebige Präsenz von Braydan schien den Raum zu ersticken. Doch Taylor konnte sich nicht brechen, konnte sich nicht vor der Welle aus Angst und Panik ducken, die durch seinen Körper raste.
 

„Du bist nicht mehr stark, Taylor. Du bist nur noch ein Schatten dessen, was du einmal warst.“ Braydan schnaubte abfällig, ergötzte sich aber an seiner Hilflosigkeit. „Und dein Sohn wird das wissen.“
 

Der Gedanke an den Jungen, den kleinen, unschuldigen Jungen, der in Gefahr war, jagte wie ein Blitz durch Taylors Gedanken.
 

Weißt du, was du tust? Der Gedanke schnürte ihm die Kehle zu.
 

„Du bist schwach. Du wirst sehen, wie schwach du wirklich bist, wenn du noch einmal versuchst, dich mir zu widersetzen.“ Braydan verengte seinen Griff, zwang Taylor noch mehr in die Enge, seine Züge furchtbar und kalt.
 

Der Schmerz, den er verursachte, konnte Taylor nicht davon abhalten, sich einen Moment der Schwäche zu erlauben.
 

Aber es war nur ein Moment. Taylor atmete tief ein und starrte ihn mit einem Blick an, der nichts von der quälenden Unsicherheit verriet, die in ihm tobte. „Ich werde dich nicht gewinnen lassen“, presste er zwischen den Zähnen hervor.
 

Braydan lachte erneut, aber dieses Mal war es ein spöttisches, hohles Lachen, das in Taylors Ohren nachhallte. „Du bist ein Narr, Taylor. Ein Narr, der sich selbst in die tiefste Falle lockt.“ Die Hände, die ihn hielten, lockerten sich, als Braydan sich etwas zurücknahm, einen Moment der Kontrolle, als würde er sich eine Pause gönnen.
 

Und genau in diesem Moment wusste Taylor, dass dies der Augenblick war, den er brauchte.
 

Es war die einzige Chance, die er hatte.
 

Braydan presste sich weiter gegen Taylor, der fast die ganze Last des Alpha zu spüren bekam. Mit seinen Beinen eingeklemmt und den Händen fest im Griff des anderen, konnte Taylor kaum einen Moment der Freiheit finden.
 

Der Schmerz in seinen Gliedmaßen ließ seine Bewegungen schwerfällig und verzögert erscheinen, doch der unaufhörliche Druck auf seinen Körper war zu viel.
 

Jede Faser seines Körpers schrie nach Luft. Mit einem letzten Ruck befreite er, sich aus Braydans Griff. Der Alpha war zu nah, und doch – er fand in einem Moment der Wut eine unbändige Kraft, die ihn vorwärtsdrückte.
 

Er schaffte es, sich mit einem verzweifelten Schulterstoß gegen Braydans Brust zu werfen, was den Alpha ins Taumeln brachte.
 

Es war nur ein Moment, aber dieser Moment war alles, was er brauchte, um den erdrückenden Druck von sich zu lösen. „Du bist nicht der Einzige, der stark ist“, flüsterte Taylor, die Fäuste geballt, seine Stimme hart und entschlossen. Er trat einen Schritt nach vorne, während das Feuer der Entschlossenheit in seinen Augen brannte.
 

Braydan holte mit einer ruckartigen Bewegung aus, mit voller Wucht traf die Faust sein Gesicht. Der Schmerz durchzuckte ihn, und ein kurzer, schmerzerfüllter Laut entwich ihm. Taylor taumelte zurück, hatte er den Schlag nicht kommen sehen.
 

Blut drang aus einem kleinen Riss an seiner Lippe, und für einen Moment konnte er sich kaum orientieren, während der Schock des Schlags ihn benommen machte.
 

Braydan ließ sich von Taylors Benommenheit nicht beirren. Mit einem spöttischen Lächeln auf den Lippen nutzte er den Moment aus. Er packte Taylor mit brutaler Kraft und presste ihn wieder nach unten auf den Schreibtisch. Taylor konnte sich kaum wehren – der Schlag hatte ihn weit zurückgeworfen, und er spürte, noch immer wie alles vor seinen Augen verschwamm.
 

„Das wird dir eine Lektion erteilen, Taylor“, sagte Braydan leise, sein Tonfall voller Spott. „Denk nicht, du kannst dich aus allem herauswinden.“
 

Braydan drängte sich erneut zwischen Taylors Beine. Kalte Finger umklammerten Taylors Oberschenkel, hielten ihn fest, während der Alpha sich wieder auf ihn presste.
 

Taylor spürte den Druck wieder, doch dieses Mal war er nicht mehr so benommen wie zuvor. Der Schmerz der Wunde an seiner Lippe und die intensiven Gefühle in ihm ließen ihn wieder klarer werden.
 

Ekel kroch wie Gift durch seinen Körper. Es war widerlich. Falsch. Er konnte Berührungen ertragen – aber nicht diese. Nicht von ihm. Nur Graham durfte ihn so anfassen. Nur Graham.
 

Aber eines war klar: Taylor konnte nicht aufgeben. Er durfte nicht. Die Worte, die sich in seinem Hals stauten, wollten nicht herauskommen, doch in seinem Inneren brannte die Entschlossenheit weiter.
 

Er musste durchhalten. Für das Baby. Für Graham. Für die Hoffnung.
 

Wie lange er noch in dieser Qual aushalten würde, wusste er nicht. Doch solange Graham nicht hier war, blieb ihm keine Wahl. In diesem Augenblick klammerte sich Taylor an den letzten Funken Hoffnung, dass sein Mann es rechtzeitig schaffen würde – dass er sie retten würde, bevor es zu spät war.
 

Und dann, wie ein zarter Schimmer in der Dunkelheit, spürte er einen flimmernden Hoffnungsschimmer, der an den Fäden seiner Stärke zupfte.
 

Ein leises, fast unmerkliches Ziehen, das ihm sagte, dass er nicht ganz allein war, dass er nicht die ganze Last tragen musste.
 

„Ich werde es dir niemals sagen, wo mein Sohn ist…“

Kapitel 199

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Graham, der es geschafft hatte, sich von der lähmenden Benommenheit zu befreien und sich von den Wachen, die ihn in eine Kammer sperren wollten, zu lösen, rannte durch die dunklen Gänge. Sein Atem ging schwer, doch er durfte nicht anhalten.
 

Taylor war in Gefahr, und es gab keine Zeit zu verlieren. Er wusste, was Braydan tat – was er tun wollte. Sonst hätten die Wachen ihn ins Büro gelassen. Graham spürte den kalten Schweiß auf seiner Stirn und das brennende Gefühl in seiner Brust, als er versuchte, die Panik zu unterdrücken, die ihn übermannte.
 

Seine Hände zitterten, als er die Tür aufstieß und in den Raum trat, wo Soren, Damian, Jack, Dustin und die anderen versammelt waren.
 

Die Anspannung in der Luft war greifbar, als sie sich umdrehten. Ihre Blicke trafen sich mit seinem, und sofort erkannten sie die Besorgnis, die ihm ins Gesicht geschrieben stand. Die Sekunden dehnten sich, als die Anspannung in der Luft zu einer fast greifbaren Wand wurde, die niemand mehr durchbrechen konnte.
 

Es war der Moment, in dem jeder wusste, dass es keine einfachen Worte für das gab, was er bringen würde.
 

„Was ist los?“ fragte Soren, doch er klang bereits, als ahnte er es. Die Spannung in seiner Stimme ließ keinen Zweifel daran, dass er wusste, was Graham kommen sehen hatte.
 

„Braydan“, keuchte Graham, seine Stimme war rau und klang gehetzt. „Er… ich kann nicht zu Taylor. Sie halten mich auf. Ich– ich habe ihn schreien gehört.“
 

Ein schweres Schweigen legte sich über den Raum. Es war ein Moment, in dem jeder der Männer die Dringlichkeit der Situation spüren konnte. Das Gefühl der Hilflosigkeit, das sie jetzt durchzog, war fast greifbar.
 

In diesem stillen Raum schien die Zeit stehen zu bleiben, als alle das Unvermeidliche erkannten. Ihre Blicke trafen sich – und für einen Moment war es, als ob jeder von ihnen die gleiche bittere Erkenntnis teilte.
 

Dann knirschte Dustin mit den Zähnen, und sein Blick verfinsterte sich. „Verdammt.“
 

Jack stand ruckartig auf. „Wo ist er?“ fragte er mit einem Ton, der das Verlangen nach Handlung verriet, nach Rache, nach Rettung.
 

„In seinem Büro“, sagte Graham und fuhr sich mit einer Hand durchs Haar, als wollte er die Gedanken aus seinem Kopf vertreiben. Doch sie blieben hartnäckig. Sein Kopf war ein einziges Chaos.
 

„Ich kann nicht rein. Die Wachmänner drängen mich zurück. Sie… lassen mich nicht mal in die Nähe. Ich musste mich zurückziehen, um überhaupt Hilfe zu holen.“
 

Er presste die Lippen zusammen, sein Blick war voller Wut – aber noch mehr voller Angst. Diese Angst, die sich tief in seine Eingeweide bohrte, als er die schreckliche Vorstellung von Taylors Leiden durch Braydan vor seinem inneren Auge hatte.
 

„Er… er wird es tun“, flüsterte er schließlich, die Worte kaum über seine Lippen bringend. Aber er wusste, es war die Wahrheit.
 

„Was?“ fragte Damian, seine Stimme kaum mehr als ein Knurren, doch das Unverständnis in seinem Tonfall war nur von kurzer Dauer. Auch er spürte die lähmende Schwere, die über Graham und den Raum hereinbrach.
 

Graham schluckte schwer, die Worte brannten ihm auf der Zunge. „Er wird ihn vergewaltigen.“
 

Damian und Dustin erstarrten, als die Schwere dieser Worte sie traf.
 

Soren sog scharf die Luft ein, als er das Ausmaß der Situation begriff. Er hatte es geahnt, hatte es schon befürchtet, aber es war schwer, es zu akzeptieren.
 

„Braydan hat es immer getan“, sagte Graham rau, als er sich an die schrecklichen Taten des Alphas erinnerte, die er schon lange verdrängt hatte. „Jedes Mal, wenn er einen Omega in die Finger bekommt. Und jetzt… Taylor ist schwanger.“
 

Die Wut in Damians Gesicht flammte auf, und Jack sah aus, als wolle er jemanden umbringen, als wollte er diesen Alpha auslöschen, der die Menschen, die sie liebten, auf solche Weise behandelte.
 

„Er weiß es“, fuhr Graham gehetzt fort, seine Stimme zitterte. „Er hat es gespürt. Ich konnte nichts tun, nichts, um ihn zu schützen!“
 

„Wir werden ihn retten“, sagte Soren bestimmt, seine Augen blitzten auf. Seine Hand ballte sich zu einer Faust. „Braydan wird Taylor nicht brechen. Wir werden ihm zeigen, dass er sich mit den Falschen angelegt hat.“
 

„Wir müssen ihn sofort da rausholen“, drängte Damian, seine Stimme war fest, aber auch von einer Wut durchzogen, die sich in jeder Faser seines Körpers manifestierte.
 

„Aber wie?“ fragte Dustin, der den Plan hinterfragte. „Wenn die Wachen Graham nicht durchlassen, uns erst recht nicht.“
 

Soren kniff die Lippen zusammen, und für einen Moment schien er nach einer Lösung zu suchen. Dann murmelte er: „Wir brauchen eine Ablenkung. Und wir müssen es versuchen. Wenn wir nicht handeln, wird es zu spät sein.“
 

Graham nickte hastig. „Ich kann nicht allein gegen Braydan und die Wachen ankommen. Wir müssen schnell handeln, sonst ist es zu spät.“ Fuhr sich mit fahrigen Händen durchs Haar…

Kapitel 200

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Graham musste etwas tun. Er konnte Taylor nicht einfach in Braydans Händen lassen. Aber es ging nicht nur um Taylor. Darius und Aiden waren ebenfalls in Gefahr. Sie waren bereits Opfer von Braydan geworden, und die Vorstellung, dass dies noch einmal passieren könnte, ließ Graham fast ersticken.
 

Er konnte es nicht zulassen, dass Braydan seinen Willen noch einmal mit so unvorstellbarer Gewaltdurchsetzte.
 

Soren trat vor, seine Augen scharf und voller Entschlossenheit. „Ich werde sie ablenken“, sagte er, seine Stimme ruhig, doch in ihr lag eine Entschlossenheit, die Graham deutlich spürte.
 

Graham sah ihn an, aber die Sorge in seinen Augen war nicht zu übersehen. „Soren, du bist nicht stark genug dafür“, sagte er sofort, seine Stimme hart.
 

„Du bist ein Omega. Die Wachen sind Braydan treu ergeben. Sie würden dich ohne Zögern töten – sogar vergewaltigen, wenn es darauf ankommt. Die Gefahr für dich ist zu groß. Außerdem bist du von Braydans letzten Übergriff noch total geschwächt, weil du da schon Lockvogel gespielt hast.“
 

Soren öffnete den Mund, um zu protestieren, doch Graham schüttelte entschlossen den Kopf, bevor er ihm überhaupt eine Chance ließ. „Du kannst nicht einfach dein Leben aufs Spiel setzen. Es geht hier um mehr als nur eine Ablenkung. Du hast keine Chance gegen die Wachen, und du weißt das.“
 

„Wir brauchen eine andere Ablenkung“, sagte Graham, seine Stimme nun ruhiger, aber nicht weniger fest. „Eine, die nicht dein Leben riskiert.“
 

Er blickte sich im Raum um, und seine Augen trafen die von Damian, Jack und Dustin. Sie alle wussten, wie ernst die Lage war. Darius und Aiden waren bereits schwer verletzt – vergewaltigt – und das Risiko, dass es wieder passierte, war unerträglich.
 

„Wir werden Braydans eigenes System gegen ihn nutzen“, sagte Graham, als sich ein gefährlicher Plan in seinem Kopf formte.
 

Damian, Jack und Dustin schauten sich mit einem Mix aus Entschlossenheit und Verzweiflung an. Sie wussten, dass sie handeln mussten – und zwar schnell. Ihre Freunde, ihre Kameraden, ihre Familie waren in Gefahr. Es war nicht nur Taylor, es war auch Darius und Aiden, die sie retten mussten.
 

„Braydan ist ein Alphatier“, fuhr Graham fort, seine Stimme voller Wut. „Er glaubt, er kann alles kontrollieren, wenn er die richtigen Fäden zieht. Aber das ist der Fehler. Wir haben jetzt die Kontrolle. Wir müssen es nur richtig einsetzen.“
 

„Was schlägst du vor?“ fragte Damian, der den Plan verstand, aber sicherstellen wollte, dass er alles wusste.
 

„Es geht nicht nur darum, Taylor zu retten“, erklärte Graham. „Es geht auch darum, Darius und Aiden zu befreien. Sie sind im Büro. Alle drei – sie müssen raus, bevor Braydan noch mehr Schaden anrichtet.“
 

Jack nickte. „Wir können nicht zulassen, dass er sie noch einmal missbraucht.“
 

„Richtig“, sagte Graham, „es geht nicht nur darum, Braydan zu stoppen. Es geht darum, zu verhindern, dass er noch mehr Omegas vergewaltigt. Wenn es ihm gelingt, auch Taylor zu vergewaltigen, wird kein Omega mehr vor ihm sicher sein.“
 

Alleine der Gedanke, dass Braydan Taylor so etwas antun könnte, ließ Graham das Herz schwer werden. Taylor war nicht nur sein Mann, er war derjenige, der ihm zeigte, dass Omegas mehr wert waren als nur als Beute betrachtet zu werden.
 

Doch Graham wusste auch, dass er einen Teil der Verantwortung trug. Er hatte Omegas zu Braydan gebracht, hatte nicht immer gewusst, was mit ihnen geschah – und doch fühlte er sich schuldig.
 

Dieser Kampf war nicht nur für Taylor, sondern für all die anderen, die unter Braydan gelitten hatten. Er musste sicherstellen, dass niemand mehr das durchmachen musste, was er unbewusst zugelassen hatte.
 

„Aber wir müssen das System von innen heraus destabilisieren, was Taylor und ich schon versucht und angefangen haben“, sagte Graham entschlossen. „Braydan wird uns nicht unterschätzen, aber wir müssen schnell und präzise handeln.“
 

„Du hast recht“, sagte Damian und ballte die Fäuste. „Was müssen wir tun?“
 

„Wir müssen die Wachen ablenken, aber gleichzeitig sicherstellen, dass Braydan nicht merkt, was wir tun“, erklärte Graham. „Wir brauchen jemanden, der das Vertrauen der Wachen ausnutzt, um sie zu manipulieren. Wir werden ihre Kommunikation stören und einen Moment schaffen, in dem wir unbemerkt ins Büro eindringen können.“
 

„Ich werde die Wache ablenken“, sagte Damian mit fester Stimme. „Ich kenne die Männer, mit denen er arbeitet. Sie wissen nicht, wie wir uns verhalten werden.“
 

„Und ich werde den Rest erledigen“, sagte Jack, seine Stimme entschlossen. „Solange es keine Zeitverzögerungen gibt, kriegen wir das hin.“
 

Dustin trat einen Schritt vor, sein Blick ernster als je zuvor. „Und was ist mit den Wachen vor dem Büro? Wenn wir es zu schnell angehen, könnten sie uns sehen.“
 

„Wir müssen sicherstellen, dass sie abgelenkt werden, und zwar genau dann, wenn wir uns auf den Weg machen“, sagte Graham. „Ich werde den Kontakt zu einigen Wachen suchen. Das wird uns einen Moment geben.“
 

„Dann müssen wir uns beeilen“, sagte Damian, der auf den Flur lauschte, als ob er den Druck der Zeit schon spürte. „Es gibt keine Zeit zu verlieren.“
 

Graham nickte und setzte den Plan in Gang. Sie machten sich auf den Weg, und obwohl die Zeit drängte, wusste er, dass er nicht zu spät kommen durfte – es ging darum, seinen Mann zu retten. Mit dieser neuen Entschlossenheit brannte in ihm der feste Wille, dass sie es schaffen konnten. Sie hatten keine andere Wahl.
 

Für Taylor.
 

Für Darius. Für Aiden.
 

Und für alle anderen, die Braydan noch in seine Gewalt bringen wollte…

Kapitel 201

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Braydan atmete schwer durch die Nase. Seine Brust hob und senkte sich tief, als er versuchte, die aufkochende Wut in seinem Inneren unter Kontrolle zu halten. Seine Kiefermuskeln zuckten, während er Taylor mit eiskaltem Blick fixierte.
 

Für einen Moment sagte er nichts, ließ die Stille zwischen ihnen wachsen, als würde er Taylor mit bloßer Präsenz erdrücken.
 

Die Anspannung im Raum war erdrückend. Der schwache Lichtschein der Tischlampe warf harte Schatten auf Braydans Gesicht, betonte die Härte seiner Züge, das leise Zucken in seinem Kiefer, das verriet, wie viel Beherrschung ihn das hier kostete.
 

„Du hast mich enttäuscht, Taylor“, sagte er leise. „Ich dachte, du wärst klüger.“
 

Seine Stimme war ruhig, fast sanft – doch genau das machte sie so bedrohlich. Jedes Wort lag schwer in der Luft, wie ein unausweichliches Urteil.
 

Er sah zu dem Omega unter sich hinab. Taylor lag halb auf dem Schreibtisch, sein Blick trotzig – aber seine Hände zitterten. Er kämpfte darum, die Furcht zu unterdrücken, die in seinem Inneren tobte, doch sein Körper verriet ihn.
 

Braydan grinste kalt.
 

Seine Augen glitzerten in dem schummrigen Licht des Raumes, während er sich weiter zu Taylor neigte, ein Gefühl der Überlegenheit in seiner Haltung.
 

Der Moment war geladen mit Spannung, und jeder Atemzug schien die Stille noch intensiver zu machen, als ob die Welt um sie herum für einen Moment aufgehört hätte zu existieren.
 

„Du weißt, dass du nicht gewinnen kannst, oder?“
 

Die Worte fielen schwer, wie ein Urteil, das in der Luft hängen blieb. Braydans Stimme war leise, doch sie hatte einen schneidenden Klang, der den Raum füllte. Sein Blick bohrte sich weiter in Taylors Augen, scharf und durchdringend, als er nach einer Reaktion suchte.
 

Er packte den Stoff von Taylors Shirt und riss ihn mit einem einzigen Ruck entzwei.
 

Das Geräusch des zerrissenen Stoffs hallte durch den Raum, als ob es die letzte Grenze überschreiten würde. Taylor zuckte zusammen. Kalte Luft traf auf seine Haut, und sein Atem wurde flacher, als er den plötzlichen Temperaturunterschied spürte.
 

Ein Zittern lief über seinen Körper, dass er kaum noch unterdrücken konnte.
 

Braydan ließ seine Finger über Taylors Bauch gleiten, langsam, fast absichtlich, als würde er die Wirkung seiner Berührung auskosten. Genau dort, wo er es gespürt hatte, wo das Gefühl von Kontrolle und Macht seinen Körper durchzuckte.
 

Taylors Muskeln spannten sich unwillkürlich an, als die Berührung in ihm eine Mischung aus Scham und Angst auslöste.
 

Sein Grinsen wurde breiter.
 

Es war ein Grinsen, das alles andere als freundlich war. Es war das Grinsen eines Mannes, der wusste, dass er gewonnen hatte, bevor der Kampf überhaupt begonnen hatte.
 

„Ich könnte dich hier und jetzt nehmen“, flüsterte er. Die Worte fielen in die Stille wie ein eisiger Tropfen in ein stilles Gewässer, und jeder Klang hallte in Taylors Ohren nach.
 

Braydans Stimme war ruhig, fast zu ruhig, als hätte er sich all die Wut und den Zorn in seinem Inneren perfekt kontrolliert. Aber es war eine Kontrolle, die nur den Schein wahren sollte – in Wahrheit war sie genauso gefährlich wie der Ausbruch selbst.
 

Taylor erstarrte.
 

Seine Muskeln verkrampften sich, als ein kalter Schauer seinen Rücken hinunterlief. Für einen Moment schien alles stillzustehen, als ob die Zeit selbst für einen Augenblick in den Hintergrund trat, und nur der Klang seines Herzschlags in seiner Brust den Raum füllte.
 

Sein Körper war voll von unkontrollierbarem Zittern, das er mit aller Kraft zu unterdrücken versuchte.
 

„Und keiner würde mich stören, denn dafür habe ich gesorgt.“
 

Taylor wusste, was das bedeutete. Das war nicht nur eine Drohung, das war eine Tatsache, eine durchdachte, präzise Maßnahme, die Braydan ergriffen hatte. Es war die grausame Realität, dass er sich hier völlig allein und hilflos befand, ohne Hoffnung auf Rettung.
 

Sein Mann hatte keine Chance, ihn zu retten. Diese Gewissheit traf ihn mit voller Wucht und ließ ihn für einen Moment den Atem anhalten.
 

Alles, was er sich je erhofft hatte, schien gerade in tausend Stücke zu zerbrechen.
 

Sein Herz hämmerte in seiner Brust, als wollte es sich einen Weg nach draußen erzwingen. Die Panik kroch ihm die Kehle hinauf, und doch war da dieses eine kleine Stück Vernunft, das ihn verhinderte, laut um Hilfe zu schreien.
 

Er durfte nicht. Er durfte nicht nachgeben. Er durfte es einfach nicht.
 

Seine Augen suchten verzweifelt nach einem Ausweg, nach irgendetwas, das ihm wenigstens einen Funken Hoffnung geben könnte. Doch alles, was er sah, war die eisige Präsenz von Braydan, der ihn aus seinem Grinsen heraus ansah, als wäre er bereits verloren.
 

Doch er wusste, dass ihm nicht mehr viel Zeit blieb. Wenn Graham ihn nicht bald rettete, würde es zu spät sein. Auch wenn er wusste, dass er ihn wahrscheinlich nicht würde retten können.
 

Die Erkenntnis fraß sich durch seinen Verstand wie ein tödliches Gift. Jede Sekunde, die verstrich, fühlte sich an wie eine Ewigkeit, während die Angst immer tiefer in seinen Knochen wuchs.
 

Sein Atem kam stoßweise, seine Brust hob und senkte sich unregelmäßig, doch er durfte sich nicht gehen lassen.
 

Nicht jetzt.
 

Taylor keuchte, sein Körper bebte. Die Kälte des Raumes biss sich in seine Haut, doch die wahre Kälte kam von Braydan selbst.
 

Sein Blick war ein stechender Dolch, seine Haltung eine Mauer, die Taylor keinen Fluchtweg ließ. Doch Braydan beugte sich nur tiefer über ihn, seine Augen glühten vor siegesgewisser Arroganz.
 

„Jetzt sei doch vernünftig, Taylor“, raunte er, seine Stimme ein gefährliches Säuseln, das sich wie eine Schlinge um Taylors Hals legte. „Du musst doch merken, dass du keine Wahl hast. Also sag mir, wo er ist.“
 

Seine Worte krochen in Taylors Ohren, nagten an seinem Verstand, versuchten, ihn mürbe zu machen. Doch Taylor presste die Lippen aufeinander. Er durfte nicht nachgeben. Er wollte schreien, wollte sich befreien – doch Braydan war zu stark.
 

Noch einmal würde Braydan sich nämlich nicht mehr einfach überrumpeln lassen, nicht bei einem Omega wie ihm.
 

Taylor spürte die erdrückende Dominanz in jeder Bewegung, das unerschütterliche Selbstbewusstsein, mit dem Braydan ihn fixierte. Jeder Fluchtversuch war zwecklos – und das wusste Braydan ganz genau.
 

Seine Muskeln brannten, als er sich aufbäumte, seine Hände gegen Braydans Brust drückte, um ihn von sich zu stoßen. Sein Körper war angespannt, jeder Nerv zum Zerreißen gespannt.
 

Es war ein verzweifelter Kampf, ein Widerstand, der ihm alles abverlangte…

Kapitel 202

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Braydan ließ sich nicht beirren. Stattdessen verstärkte er seinen Griff, zwang Taylor zurück, als wäre sein Aufbäumen nicht mehr als ein laues Lüftchen gegen einen Sturm. Ein leises, belustigtes Lachen verließ seine Kehle – voller Spott, voller Überzeugung, dass er bereits gewonnen hatte.
 

Mit einer brutalen Leichtigkeit packte er Taylors Hüfte und riss ihn noch fester an sich. Ein kehliges Knurren drang aus seiner Kehle, als er sich mit überlegener Stärke gegen Taylors verzweifelten Widerstanddurchsetzte.
 

Sein Griff war unerbittlich, seine Finger gruben sich schmerzhaft in Taylors Haut, als wollte er ihn auf diese Weise brechen. Taylor keuchte auf, sein Atem ging stoßweise, doch er weigerte sich, die Angst in seiner Brust überhandnehmen zu lassen.
 

„Töricht“, murmelte Braydan.
 

Er lachte leise, genoss es, Taylors Zucken unter sich zu spüren. Jede seiner Bewegungen war langsam, genüsslich, als würde er sich an der Hilflosigkeit seines Gegenübers laben.
 

„Ich hab es immer geahnt...“ Seine Finger gruben sich in den Stoff von Taylors Hose, sein Griff besitzergreifend. „Auch der stärkste Omega kommt gegen einen Alpha nicht an.“
 

Seine Stimme war ein dunkles Flüstern, das sich wie Gift in Taylors Verstand fraß. Es war keine Drohung mehr – es war eine Tatsache.
 

Mit einem Ruck riss er die Hose auf, bis sie in Fetzen an Taylor hing, der verzweifelt nach Halt suchte, doch nichts fand, woran er sich festklammern konnte – nichts, das ihn aus diesem Albtraum reißen konnte.
 

Taylor schnappte nach Luft, sein Körper bebte unkontrolliert, jeder Muskel spannte sich an, als würde er versuchen, sich selbst vor dem Unvermeidlichen zu schützen. Die plötzliche Kälte biss sich gnadenlos in seine entblößte Haut, kroch wie ein giftiger Hauch über seine Glieder, ließ ihn erzittern, während sein Atem stoßweise ging.
 

Sie brannte sich tief in sein Bewusstsein ein, schürte die Scham, die ihn von innen heraus zu zerfressen drohte, wie eine giftige Schlange, die sich langsam, aber unerbittlich um sein Herz wand.
 

Seine Finger krallten sich in die Oberfläche des Schreibtischs, seine Fingernägel hinterließen blasse Abdrücke, doch es war sinnlos. Nichts davon würde ihn retten. Nichts davon würde ihn vor dem schützen, was kommen würde.
 

Er spürte Braydans Blick auf sich, spürte das leise Prickeln von Panik, das sich seinen Weg durch seine Adern bahnte.
 

Seine Hände krallten sich in den Rand des Schreibtischs, als könne er sich so vor dem schützen, was kommen würde. Doch er wusste es besser.
 

Er wusste, dass es keinen Ausweg gab.
 

Darius erstarrte, sein Körper fühlte sich an, als wäre er in Eis getaucht worden, während seine Kehle sich wie zugeschnürt anfühlte und sein Herz wild gegen seine Rippen hämmerte, als wollte es ihm aus der Brust springen.
 

Die Brutalität, mit der Braydan Taylor behandelte, ließ ihm das Blut in den Adern gefrieren, während sich ein lähmendes Gefühl in ihm ausbreitete, dass ihn wie eine kalte Hand umklammerte und jede seiner Bewegungen einschränkte.
 

Er konnte nicht wegsehen, selbst wenn er gewollt hätte, und er wollte nicht wegsehen, denn der Anblick brannte sich tief in sein Gedächtnis ein, als wäre es eine unausweichliche Strafe für seine eigene Hilflosigkeit.
 

Seine Finger ballten sich zur Faust, seine Nägel bohrten sich schmerzhaft in seine Handflächen, doch die Fesseln an seinen Handgelenken schnitten sich nur noch tiefer in seine Haut, bis sich ein dumpfer Schmerz ausbreitete, der jeden Gedanken an eine Flucht in den Hintergrund drängte.
 

Jede Bewegung ließ die Seile enger werden, rieben seine Haut auf, hinterließen ein brennendes Pochen, doch es war ihm egal, denn der Schmerz war nichts im Vergleich zu dem, was er gerade mit ansehen musste.
 

Er riss daran, so sehr er konnte, fühlte, wie seine Muskeln vor Anspannung zitterten, wie sein ganzer Körper sich gegen die Fesseln stemmte – aber es war sinnlos.
 

Auch war Darius zu dem Entschluss gekommen, Taylor zu verzeihen, denn dieser musste seine Gründe gehabt haben. Und wenn er ihn sich jetzt so ansah, wie er verbissen darum kämpfte, nicht zu verraten, wo sein Sohn war, dann konnte das wohl nur der Hauptgrund gewesen sein.
 

Zudem hatte Taylor – warum auch immer – eine auffallende Ähnlichkeit mit Aiden, einem Detail, dem er unbedingt auf den Grund gehen wollte, sobald sie hier raus waren, sobald sie befreit wurden.
 

Denn er wusste, dass sie es würden – die Hoffnung hatte er immer noch nicht aufgegeben, und er würde es auch weiterhin nicht tun.
 

Aiden, der neben ihm lag, mittlerweile ebenso gefesselt, seine Hände hinter dem Rücken zusammengebunden, seine Atmung stockend, während sein Körper kaum merklich bebte, als würde er jeden Moment zusammenbrechen.
 

Braydan hatte das vorsorglich getan, weil er nicht wollte, dass einer der beiden auch nur die geringste Chance hatte zu entkommen, als hätte er jeden möglichen Widerstand bereits im Keim erstickt, bevor er überhaupt entstehen konnte.
 

Auch Aiden hatte alles gesehen, alles gehört, jedes einzelne grausame Wort, jede abscheuliche Berührung, und doch konnte er nichts tun, nichts sagen, denn sein ganzer Körper war wie gelähmt vor Angst, während seine Atmung flach und unregelmäßig ging, als würde seine Lunge nicht genug Luft fassen können.
 

Er rang danach, nach jedem Atemzug, als wäre es ihm unmöglich, in dieser Situation richtig zu atmen, als würde die Panik seine Brust zuschnüren und ihm jede Kontrolle nehmen.
 

Seine Augen waren weit aufgerissen, starr auf Taylor gerichtet, gefangen in einer Mischung aus Fassungslosigkeit und blankem Entsetzen, in denen Panik, Angst – und ein schwacher Funken Hoffnung lagen, der jedoch mit jeder weiteren Sekunde mehr und mehr zu verlöschen drohte.
 

Aiden hatte noch Andenken an seine Eltern, darunter ein Fotoalbum, das er in seinem Zimmer aufbewahrte und von Zeit zu Zeit durchblätterte. Darin befand sich ein Bild seines Vaters, als dieser noch jünger war – aus einer Zeit lange vor seiner eigenen.
 

Doch neben ihm stand ein junger Mann, der ihm auffallend ähnlichsah. Und genau diese Ähnlichkeit fiel ihm nun auf, denn Taylor wirkte wie eine ältere Version dieses Mannes auf dem Bild.
 

Gleichzeitig hatte Aiden von Anfang an keine Angst vor ihm gehabt, und die sanfte, fast beschützende Art, mit der Taylor ihn behandelt hatte. Und dann fiel es ihm auf.
 

All das ergab plötzlich einen Sinn.
 

Sein Herzschlag setzte einen Moment aus, bevor er heftig gegen seine Rippen hämmerte.
 

Taylor war sein Onkel…

Kapitel 203

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Dieses Wissen fühlte sich so richtig an, dass für ihn kein Zweifel bestand. Und mit dieser Erkenntnis kam ein ungewohntes Gefühl der Zugehörigkeit. Er hatte noch Familie. Er war nicht mehr allein.
 

„Wir müssen etwas tun…“, flüsterte Aiden heiser, seine Stimme zitternd, kaum mehr als ein leises, angsterfülltes Beben, das in der erdrückenden Stille zu verhallen drohte.
 

Seine Worte klangen panisch, voller Verzweiflung, so als wüsste er, dass sie keine Chance hatten, aber sich trotzdem daran klammerte, weil alles andere bedeuten würde, dass es endgültig zu spät war.
 

Sein Brustkorb hob und senkte sich hastig, während sein Herz wie ein verzweifeltes Tier in seinem Inneren pochte. Kalter Schweiß rann ihm über die Schläfen, während er Darius' Blick suchte – als könnte er dort eine Bestätigung finden, dass es noch Hoffnung gab.
 

Auch wollte er seinen Onkel nicht verlieren.
 

Darius biss die Zähne so fest zusammen, dass sein Kiefer schmerzte, spürte, wie Wut und Hilflosigkeit in ihm tobten, während er sich dazu zwingen musste, nicht einfach loszuschreien.
 

„Ich weiß“, stieß er hervor, seine Stimme gepresst, fast drohend, während sein Blick immer wieder zu Taylor glitt, dessen Körper wie ein geschundener Schatten in der Dunkelheit lag.
 

Er war gefangen, in einem Albtraum, aus dem er nicht erwachen konnte, einem Albtraum, den auch Darius nicht aufhalten konnte, so sehr er es sich auch wünschte. Sein ganzer Körper bebte vor unterdrückter Wut, eine Wut, die sich wie ein Sturm in seiner Brust aufbaute, heiß und unkontrollierbar, ein Feuer, das ihn von innen heraus zu zerreißen drohte.
 

Seine Finger verkrampften sich so stark, dass seine Nägel sich tief in seine Handflächen gruben. Er hätte schreien können, hätte toben können, hätte die ganze Welt verfluchen können, doch er wusste, dass es nichts bringen würde, nicht jetzt, nicht hier, wo jede Unachtsamkeit sie nur noch tiefer in den Abgrund reißen würde.
 

Sein Kopf pochte, als würde er unter der Last seiner eigenen Gedanken zerbrechen, seine Gedanken rasten, sprangen von einem Punkt zum nächsten, suchten nach einem Ausweg, nach einer Lösung, nach irgendetwas, das ihm half, die Ketten der Hilflosigkeit zu sprengen.
 

Er musste hier raus, er musste es schaffen, er musste stark bleiben – nicht für sich selbst, sondern für Taylor, für Aiden, für alle, die von dieser Situation abhängig waren.
 

Irgendwie.
 

Doch egal, wie sehr er sich dagegen wehrte, die Fesseln hielten ihn fest, hielten ihn gefangen wie ein Tier, das in eine Falle geraten war, aus der es kein Entkommen gab. Jeder Versuch, sich zu befreien, jede Bewegung führte nur dazu, dass sich das Seil noch tiefer in seine Haut schnitt, bis das brennende Gefühl in seinen Handgelenken ihn fast in den Wahnsinn trieb.
 

Sein Atem wurde flacher, sein Brustkorb engte sich an, als würde er gegen unsichtbare Wände pressen. Panik lauerte in den Schatten seiner Gedanken, lauerte darauf, ihn zu überwältigen, wenn er nicht aufpasste.
 

Aiden drehte langsam den Kopf, seine Lippen leicht geöffnet, sein Blick leer, als hätte die Hoffnung ihn längst verlassen. Es war, als wüsste er bereits, dass er seinen Onkel verlieren würde, als hätte er sich mit diesem unausweichlichen Schicksal abgefunden, auch wenn jeder Teil von ihm dagegen aufschreien wollte. Seine Finger zitterten, krampften sich um das raue Material seiner Kleidung, während sich ein schmerzhafter Kloß in seiner Kehle bildete.
 

„Taylor…“, hauchte er, seine Stimme kaum mehr als ein gebrochener Laut, der von der Verzweiflung getragen wurde, die ihm tief in den Knochen saß. Es war nicht einmal mehr ein richtiger Ruf, nicht einmal mehr eine Bitte um Hilfe, es war einfach nur noch ein leises Echo, das von seiner Machtlosigkeit sprach.
 

Er konnte nicht einmal mehr schreien. Er konnte nur zusehen, mit weit aufgerissenen Augen, mit einem Körper, der sich kaum mehr bewegte, weil er wusste, dass es nichts brachte, weil er wusste, dass sie verloren waren.
 

Und alles, was blieb, war die Hoffnung. Die Hoffnung, dass es nicht zu spät war. Die Hoffnung, dass Taylor noch genug Kraft hatte, um durchzuhalten.
 

Grahams Plan hatte funktioniert – mit viel Mühe und einer gehörigen Portion Risiko. Sie hatten es tatsächlich geschafft, die Wachen abzulenken, sich unbemerkt in den Gang zu schleichen und sich einen kurzen Moment der Hoffnung zu erkämpfen.
 

Doch die Erleichterung währte nicht lange. Vor dem Büro standen nach wie vor zwei Wachen, ihre Körper angespannt, ihre Blicke wachsam, als wüssten sie instinktiv, dass etwas nicht stimmte.
 

Jede falsche Bewegung, jedes noch so leise Geräusch könnte ihren Plan zum Scheitern bringen.
 

Taylor kämpfte verbissen. Jeder Muskel in seinem Körper war angespannt, seine Fingernägel gruben sich in Braydans Handgelenke, während er mit aller Kraft an ihnen zerrte. Seine Beine traten wild um sich, trafen Braydans Schienbein, doch es schien dem Alpha kaum etwas auszumachen.
 

Es war, als würde er gegen eine unerschütterliche Wand kämpfen, eine Wand, die sich einen Spaß daraus machte, seinen Widerstand zu genießen.
 

Braydan ließ ihn zappeln, ließ ihn sich winden, als wolle er ihn erst erschöpfen, bevor er zuschlug. Seine Lippen verzogen sich zu einem kalten Grinsen, während seine Finger sich noch fester um Taylors Handgelenke schlossen, bis Taylor das Gefühl hatte, seine Knochen könnten jeden Moment brechen.
 

Schmerz zuckte durch seine Arme, heiß und stechend, sein Atem ging stoßweise, während er gegen die unbarmherzige Kraft ankämpfte, die ihn in die Knie zwingen wollte.
 

Dann, ohne Vorwarnung, riss Braydan ihn mit einem brutalen Ruck nach vorne, nur um ihn im nächsten Moment wieder mit voller Wucht gegen den harten Schreibtisch zu drücken. Taylor keuchte auf, sein Kopf schwirrte, doch er versuchte, nicht nachzugeben.
 

Seine Fingernägel kratzten über die glatte Oberfläche des Holzes, suchten nach Halt, nach irgendetwas, das ihm die Kontrolle zurückgeben konnte. Doch er wusste, dass er gegen eine Übermacht ankämpfte.
 

„Hör auf, dich zu wehren“, zischte Braydan und beugte sich drohend über ihn. Sein heißer Atem streifte Taylors Wange, während seine Stimme vor Arroganz triefte.
 

„Du wirst mir sowieso alles sagen. Ich kann so lange warten, wie es nötig ist.“
 

Seine Finger gruben sich noch fester in Taylors Arme, und für einen Moment schien die Luft um sie herum zu vibrieren – ein stilles Versprechen, dass er es ernst meinte…

Kapitel 204

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Langsam bekam Taylor wirklich Panik. Sein Herz raste so laut, dass es in seinen Ohren dröhnte, seine Atmung ging stoßweise, während seine Gedanken rasten. Er konnte sich nicht befreien, konnte ihn nicht abschütteln – und in dieser Panik kam ihm plötzlich ein verzweifelter Gedanke.
 

Seine zitternden Hände tasteten über die glatte Oberfläche des Schreibtischs, als Braydan sie losgelassen hatte – was sein Fehler war. Die plötzliche Freiheit ließ ihn für einen Moment aufatmen, doch er wusste, dass er keine Zeit zu verlieren hatte.
 

Fieberhaft suchten seine Hände nach etwas – irgendetwas – das er als Waffe benutzen konnte. Dann spürte er es. Hart und kühl unter seinen Fingern. Ein Laptop.
 

Ohne zu zögern, griff er danach, hob ihn mit beiden Händen und schlug mit aller Kraft auf Braydan ein.
 

Das kantige Metall traf Braydan mit voller Wucht an der Schläfe. Ein dumpfer Laut hallte durch den Raum, gefolgt von einem erstickten Fluch. Braydan stolperte, sein Griff lockerte sich für den Bruchteil einer Sekunde – und Taylor zögerte nicht.
 

Mit brennenden Muskeln riss er sich los, stolperte rückwärts und stürzte beinahe, doch er fing sich gerade noch rechtzeitig. Der Schmerz in seinen Armen war egal, das Adrenalin jagte durch seine Adern.
 

Er wusste, dass dies seine einzige Chance war.
 

Er rappelte sich auf, drehte sich um und sprintete zur Tür.
 

Der Knall, der sich wie ein Schlag angehört hatte, hatte alle sofort alarmiert. Es war, als würde die Zeit für einen Moment stillstehen. Der dumpfe, erschreckende Laut war nicht zu überhören gewesen – er hatte durch die Wände gehallt, vibriert durch den Boden, hatte selbst die Luft schwerer erscheinen lassen.
 

Jede Wache, die im Gang stand, erstarrte. Ein Sekundenbruchteil der Verwirrung.
 

Doch für Graham, Damian, Jack, Soren und Dustin war dieser eine Laut alles, was sie brauchten. Sie wussten sofort, dass etwas nicht stimmte.
 

Graham zischte scharf ein. Sein Blick flog zur Tür, dann zu den anderen.
 

„Verdammt, wir müssen rein!“, presste er hervor, seine Stimme angespannt, drängend. Sie hatten keine Zeit zu verlieren.
 

Jeder Schritt zählte. Jeder Atemzug war kostbar.
 

Der Druck war enorm – und sie wussten alle, dass sie jetzt handeln mussten. Schnell. Bevor es zu spät war.
 

Taylor riss die Tür auf – doch er wurde abrupt gestoppt. Vor ihm standen Wachen, die ihn sofort ergriffen, ihre starken Hände griffen nach seinen Armen und hielten ihn mit einem festen, fast schmerzhaften Griff fest.
 

Die anderen waren gerade an den Türen angekommen, ihre Schritte hallten durch den Gang, als sie sich ihm näherten.
 

Gerade in diesem Moment sahen Graham, Soren, Jack, Damian und Dustin Taylor – und der Anblick von ihm in diesem Zustand ließ sie alle erschüttert zurückweichen. Jeder von ihnen konnte das Grauen in Taylors Augen sehen, die Angst, die Panik, die sich in seiner Haltung widerspiegelte.
 

Seine Atemzüge waren hastig und von Angst geprägt, sein Körper zitterte unkontrolliert vor Kälte und Schmerzen. Die Reste seiner zerrissenen Hose hingen schlaff an seinen Beinen, und die Narben und Blutspuren auf seiner Haut machten das Bild noch schmerzhafter.
 

Taylor wollte zu ihm, zu Graham, seine einzige Hoffnung, die einzige Person, bei der er sich sicher fühlte.
 

Doch bevor er reagieren konnte, packte Braydan ihn, der an der Schläfe verletzt war, mit brutaler Gewalt und zog ihn mit einem Zerren zurück ins Büro. „Du …“ – sein Atem war schwer, seine Worte ein zischendes Flüstern, das von Wut und Verachtung nur so durchzogen war.
 

Trotz der Wut und seinem verzweifelten Vorhaben war Braydan benommen von dem Schlag, den Taylor ihm verpasst hatte. Der Treffer war unerwartet gekommen und hatte ihn völlig aus dem Gleichgewicht gebracht. Ein dumpfes Klingeln hallte in seinem Kopf, und für einen Moment war er nicht sicher, ob er in der Lage war, weiterzumachen.
 

Taylor versuchte sich loszureißen, doch Braydan hielt ihn mit roher Gewalt fest, wütend über die Enttäuschung, von einem so unvorbereiteten Schlag getroffen worden zu sein.
 

„Wir sind noch lange nicht fertig miteinander, jetzt zeig ich dir, was es heißt, mir wirklich ausgeliefert zu sein“, zischte er, seine Stimme schneidend und voller Verachtung, die sich wie eine Eisglocke in Taylors Ohren anhörte. Doch in den Tiefen seiner Worte lag ein Hauch von Unsicherheit, als ob der Schlag Taylor tatsächlich für einen Moment die Oberhand gegeben hatte.
 

Doch diesmal gab Taylor nicht auf. Mit jeder Faser seines Körpers kämpfte er dagegen an. Mit aller Kraft riss er sich los, sein Herz schlug wie wild in seiner Brust, als er einen verzweifelten Sprint ansetzte.
 

Die Luft schnitt ihm ins Gesicht, seine Beine trugen ihn schneller als je zuvor – zu Graham. Er schaffte es, durch die Wachen zu brechen und stürmte auf den Mann zu, der immer noch die einzige Quelle seiner Stärke und seines Mutes war.
 

Graham, der die Bewegung in der Ecke des Augenwinkels erfasst hatte, war schneller. Er öffnete sofort seine Arme, griff nach Taylor und zog ihn fest an sich. „Halt dich fest, Taylor!“, flüsterte Graham mit einem verzweifelten, aber gleichzeitig beruhigenden Ton, als er ihn fest umklammerte.
 

Der Schutz, den er ihm in diesem Moment bot, war alles, was Taylor gerade noch brauchte, um nicht völlig zusammenzubrechen.
 

Doch Braydan, der seine Benommenheit abschüttelte, griff nach einem Dolch und stürzte sich mit einem wütenden Knurren auf Graham. Der Anblick von Taylor, der sich befreit hatte, ließ ihn außer sich geraten.
 

Er sah seinen Plan gefährdet und konnte nicht zulassen, dass jemand ungestraft davonkam – schon gar nicht ein Omega, der die Frechheit besaß, ihn zum zweiten Mal zu verletzen.
 

„Du kleines Miststück. Du kommst hier nicht weg, wir sind noch lange nicht fertig!“, knurrte Braydan und rammte den Dolch vor Wut in Grahams Schulter.
 

Graham stieß einen schmerzverzerrten Laut aus, taumelte nach hinten, während Taylor in den Armen seines Mannes zitterte. Der Schmerz durchzuckte ihn, doch er versuchte, sich zu konzentrieren, um den Angriff abzuwehren. Jeder Atemzug tat weh, und der Druck in seiner Schulter nahm ihm fast jede Möglichkeit, sich zu verteidigen.
 

Taylor verkrampfte sich, als er sah, wie Graham ins Wanken geriet. Panik stieg in ihm auf. „Graham!“, rief er verzweifelt, doch sein Blick war nicht nur auf seinen Mann gerichtet.
 

Er wusste, dass sie nicht mehr viel Zeit hatten, dass sie bald alle in Gefahr sein würden, wenn sie nicht schnell handelten. Braydan war eine reale Bedrohung, und der Wahn in dessen Augen verhieß nichts Gutes.
 

„Lass ihn los!“, brüllte Taylor und versuchte, sich aus Grahams Umklammerung zu befreien. Doch die Erschöpfung von der Befreiung und die Furcht, die ihn lähmte, hielten ihn fast genauso gefangen wie die Ketten zuvor. In seinem Inneren brodelte eine Mischung aus Hass und Angst, während er nicht wusste, wie lange er noch standhalten konnte.
 

Braydan fixierte ihn mit kalten Augen. „Du kannst dich wehren, so viel du willst, aber es ist zu spät. Dein Mann ist erledigt.“ Er trat einen Schritt näher, wirbelte den Dolch in der Hand und war bereit, ihn noch tiefer in Grahams Körper zu treiben.
 

Doch der Blick in Taylors Augen schien ihn für einen Moment innehalten zu lassen. Ein Moment des Zögerns – kurz, aber spürbar. Doch dann schoss der Dolch erneut in Grahams Körper.
 

„Nein… Graham!“, schrie Taylor verzweifelt, als er sah, wie sein Mann nach dem zweiten Angriff zu Boden ging.
 

Der Anblick ließ sein Herz beinahe erstarren. Ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken. Ohne nachzudenken, stürzte er vor, um Graham zu stützen.

Doch es war zu spät.
 

Dieser kurze Moment, in dem er nicht auf Braydan achtete, besiegelte sein Schicksal.
 

Eine starke Hand packte ihn erneut am Arm, riss ihn mit brutaler Härte zurück. Ein erschrockener Laut entkam ihm, als sein Körper gegen die breite Brust von Braydan prallte.
 

„Lass mich los…“
 

Taylor spürte den heißen Atem des Alphas in seinem Nacken, die eiserne Kraft, mit der Braydan ihn an sich zog. In dessen Stimme lagen Wut und Gier, dunkler als je zuvor.
 

Braydan zerrte ihn wieder ins Büro, während die anderen ihm nicht helfen konnten – sie hatten alle Hände voll mit den Wachen zu tun.
 

„Du bist mein, Omega“, zischte Braydan, seine Finger schlossen sich wie ein Schraubstock um Taylors Hüfte. Mit einem brutalen Ruck drückte er ihn auf den Schreibtisch, zwang sich zwischen seine Beine.
 

Taylor keuchte, Panik loderte in seinen Augen auf. Doch Braydan hielt ihn fest – unnachgiebig, unbarmherzig…

Kapitel 205

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Taylor keuchte, sein Körper bebte. Seine Kraft verließ ihn langsam, sein Widerstand wurde schwächer. Jeder Versuch, sich aufzubäumen, endete in einem verzweifelten Zittern, das ihn mehr entkräftete, als dass es ihm half. Die Seile um seine Handgelenke schnitten tief in seine Haut, hielten seine Arme fest über seinem Kopf fixiert.
 

Er zog ruckartig daran, doch es war zwecklos – das grobe Material rieb sich unerbittlich gegen seine Haut, bis sich ein brennender Schmerz ausbreitete.
 

Braydan hatte kein Risiko eingehen wollen. Taylor hatte ihn bereits zweimal verletzt, und er hatte nicht vor, ihm ein drittes Mal die Gelegenheit dazu zu geben. Er ging auf Nummer sicher – nicht, weil er Angst hatte, sondern weil er sich nicht länger mit Widerstand herumschlagen wollte. Taylor war ein Kämpfer, das wusste er.
 

Doch genau das machte es für Braydan umso befriedigender, ihn jetzt so zu sehen – wehrlos, gefesselt, ausgeliefert.
 

Bevor er sich ihm erneut zuwandte, ließ er seinen Blick noch einmal durch den Raum wandern, suchte nach allem, was Taylor in seiner Verzweiflung noch als Waffe einsetzen könnte. Die wenigen Gegenstände, die gefährlich werden konnten, schob er außer Reichweite, räumte sie mit ruhigen, fast beiläufigen Bewegungen weg. Als er zufrieden war, zog er schließlich den Gürtel seiner Hose auf.
 

Taylor sah es und spürte, wie Panik in ihm aufbrandete. Ein eisiger Schauer lief ihm über den Rücken, sein Magen zog sich krampfhaft zusammen.
 

Sein Atem ging stoßweise, und für einen Moment hatte er das Gefühl, dass seine Glieder nicht mehr gehorchten. Sein Kopf sagte ihm, dass er sich wehren musste, dass er nicht aufgeben durfte – doch sein Körper gehorchte nicht mehr. Es war, als hätte ihn die nackte Angst gelähmt.
 

Seine Finger öffneten und schlossen sich unkontrolliert, krampften sich in die Luft über ihm, als könnten sie sich an etwas festhalten, das nicht da war. Sein Blick zuckte panisch zu Braydans Gesicht hoch, in der verzweifelten Hoffnung, dort etwas anderes als diese grausame Entschlossenheit zu finden.
 

Doch da war nichts.
 

Nichts außer der Gewissheit, dass er diesem Mann völlig ausgeliefert war. Und Braydan genoss jede Sekunde davon.
 

Braydan griff nach Taylors Handgelenken und drückte sie fest zusammen, obwohl sie bereits gefesselt waren. Der zusätzliche Druck ließ die Seile noch tiefer in seine Haut schneiden, ein brennendes Stechen, das sich unangenehm ausbreitete.
 

Doch Braydan wollte sicher gehen, dass Taylor erst recht keine Möglichkeit hatte, sich zu wehren. Der Alpha war zu stark, zu entschlossen.
 

Taylor versuchte verzweifelt, sich zu befreien, spannte seine Muskeln an, zog an den Fesseln, versuchte, seinen Körper aus Braydans Griff zu drehen – doch es war zwecklos. Seine Hände waren wie in Eisen gefangen, sein Widerstand bedeutete nichts. Jeder Versuch, sich zu wehren, endete in einem schmerzhaften Zerren, das ihn nur noch mehr entkräftete.
 

In diesem Moment war alles, was Taylor noch wahrnahm, das erdrückende Gewicht von Braydan, der sich erneut über ihn beugte, seine Präsenz wie eine kalte, drohende Wand, die keinen Fluchtweg zuließ. Die Luft schien aus dem Raum zu verschwinden, und mit ihr seine Hoffnung. Er wollte schreien, wollte sich wehren, aber die nackte Panik schnürte ihm die Kehle zu.
 

Braydan presste sich näher an ihn, seine Finger gruben sich in Taylors Oberschenkel, fest, besitzergreifend. Der Griff verstärkte sich, bis es wehtat, bis Taylor unwillkürlich zusammenzuckte. Ein Schauer der Abscheu lief ihm über den Rücken, sein Körper gehorchte ihm nicht mehr.
 

„Du hast dich gewehrt“, murmelte Braydan mit einem amüsierten Unterton, als hätte er nichts anderes erwartet. Seine Stimme vibrierte vor Selbstgefälligkeit, während sein Daumen langsam über die empfindliche Haut an der Innenseite von Taylors Schenkel strich – eine beiläufige, berechnende Berührung, die in ihrer Ruhe noch beängstigender war.
 

„Aber du solltest langsam begreifen, dass es keinen Sinn hat.“
 

Taylor zitterte. Alles in ihm schrie danach, sich zu wehren, sich irgendwie aus diesem Albtraum zu reißen, aber Braydan hielt ihn fest, spielte mit seiner Angst, kostete jede Sekunde seiner Hilflosigkeit aus.
 

Sein Atem ging stoßweise, seine Brust hob und senkte sich schnell. Panik flackerte in seinen Augen auf, doch er biss sich auf die Lippe, kämpfte dagegen an, weigerte sich, ihm Genugtuung zu geben. Er durfte ihm nicht zeigen, wie sehr ihn das anwiderte, wie sehr ihn die Situation innerlich zerriss.
 

„Lass mich los“, brachte er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, die Worte rau und voller Abscheu. Seine Stimme war nicht mehr als ein ersticktes Knurren, ein letzter Funken Widerstand. Doch selbst als er es aussprach, wusste er, dass es sinnlos war.
 

Braydan lachte leise, ein dunkles, selbstzufriedenes Geräusch, das Taylor die Kehle zuschnürte. „Du gehörst mir jetzt, Taylor. Dein Widerstand macht es nur noch aufregender.“ Seine Finger drangen sich fordernder in die Haut von Taylors Oberschenkel, gruben sich tief ein, als wolle er ihm beweisen, dass er keine Wahl hatte, dass jeder Versuch, sich zu wehren, nur noch mehr Schmerz bringen würde.
 

Taylor schnappte nach Luft, sein Herz hämmerte gegen seine Rippen, so laut, dass es in seinen Ohren dröhnte. Er durfte nicht nachgeben. Durfte sich nicht brechen lassen. Aber verdammt, es fühlte sich so hoffnungslos an. Jede Faser seines Körpers schrie nach Flucht, nach irgendeinem Ausweg, aber es gab keinen.
 

Seine Gedanken rasten – wie kam er hier raus? Wie konnte er sich wehren, ohne noch mehr zu riskieren? Er wusste es nicht. Konnte es nicht wissen. Alles in ihm schrie nach Widerstand, nach einem letzten Funken Kontrolle, doch er wusste auch, dass Braydan nicht länger warten würde.
 

Braydan beugte sich näher zu ihm, sein warmer, widerlicher Atem streifte Taylors Haut und ließ ihn erschaudern. Sein Magen zog sich zusammen, ein Schwall Übelkeit stieg in ihm auf.
 

„Du kannst kämpfen, so viel du willst“, raunte Braydan, während seine Finger sich fester in Taylors Oberschenkel gruben. Sein Griff war besitzergreifend, fast spielerisch – als wäre das alles ein verdammtes Spiel für ihn. „Aber am Ende…“
 

Taylor sog scharf die Luft ein, als Braydan sich zwischen seinen Beinen noch enger an ihn drängte. Er konnte es kaum ertragen. Jede Berührung fühlte sich wie glühendes Eisen auf seiner Haut an – falsch, unerträglich, ekelhaft.
 

„… wirst du dich mir fügen...“

Kapitel 206

++++
 

Taylors Körper versteifte sich. Alles in ihm rebellierte. Ein Teil von ihm wollte schreien, wollte Braydan treten, beißen, irgendetwas tun – aber sein Körper war nicht frei. Die Fesseln hielten ihn gefangen, schnitten tief in seine Haut, raubten ihm jede Möglichkeit zur Gegenwehr.
 

Mit einem ruckartigen Griff packte Braydan seine Handgelenke und zog das Seil noch straffer. Der plötzliche Schmerz ließ Taylor keuchen, seine Muskeln zuckten unkontrolliert. Er biss die Zähne zusammen, zwang sich, nicht nachzugeben. Nicht jetzt. Nicht vor ihm.
 

Braydan lachte leise, genoss offensichtlich jede Sekunde. „Wir werden sehen.“
 

Mit der freien Hand fuhr er langsam über Taylors Seite, erkundete ihn, ließ seine Fingerspitzen absichtlich über die empfindlichste Stelle seiner Rippen wandern. Es war nicht nur ein Griff nach Kontrolle – es war ein Spiel mit seiner Angst. Taylor versuchte sich zu winden, doch es war zwecklos.
 

Er war gefangen. Und Braydan wusste es.
 

Sein Herz raste. Er wollte schreien, doch seine Stimme war ihm erstickt. Es war, als hätte die Panik seine Kehle zugeschnürt, jede Möglichkeit auf Widerstand erstickt, noch bevor sie eine Chance hatte.
 

Braydan ließ seine Finger weiter über Taylors Körper wandern, nahm sich jede Frechheit heraus, raubte ihm jede Möglichkeit, sich zu befreien. Sein Griff war unerbittlich, seine Berührungen besitzergreifend, kalt und fordernd, als hätte er jedes Recht auf ihn.
 

Taylor keuchte, wand sich unter dem Alpha, versuchte, sich gegen die Fesseln zu stemmen, gegen das Gewicht auf ihm, doch mit jeder Bewegung wurde ihm bewusster, dass er kaum eine Chance hatte. Seine Muskeln verkrampften sich, sein Atem ging stoßweise. Sein Körper zitterte, nicht nur vor Anspannung, sondern vor Ekel. Vor Abscheu.
 

„Hör auf…“ Seine Stimme war heiser, kaum mehr als ein Flüstern, das zwischen ihnen im Nichts verpuffte.
 

Braydan schnaubte amüsiert. „Oh, aber wir haben doch gerade erst angefangen.“
 

Er beugte sich näher, seine Lippen schrammten über Taylors Hals, als wolle er sein Revier auf ihm markieren – ein widerwärtiges Gefühl, das Taylor den Magen umdrehte. Ein eiskalter Schauer jagte über seinen Rücken, seine Nackenhaare stellten sich auf. Reflexartig drehte er den Kopf zur Seite, versuchte, der Berührung zu entkommen, doch Braydan ließ nicht locker.
 

„Bleib still“, knurrte der Alpha und zog die Fesseln noch straffer, bis Taylors Schultern unangenehm in der Haltung schmerzten.
 

Sein Griff um Taylors Oberschenkel wurde fester, die Fingerspitzen drückten sich tief in seine Haut, zwangen ihn, sich nicht weiter zu bewegen. „Du gehörst mir. Ob du willst oder nicht.“
 

Panik keimte in Taylor auf, ein eiskaltes, lähmendes Gefühl, das sich in seiner Brust festsetzte. Seine Atemzüge kamen immer schneller, unkontrollierter, während seine Gedanken sich überschlugen. Er wusste, dass er sich nicht einfach ergeben konnte – und doch schien sein Körper gegen ihn zu arbeiten. Die Angst lähmte ihn, nagte an ihm, schnürte ihm die Luft ab.
 

Nein.
 

Sein Magen zog sich zusammen. Er durfte das nicht zulassen. Konnte es nicht zulassen.
 

Graham…
 

Er wusste, dass Graham irgendwo in der Nähe sein musste. Dass er, selbst wenn er es wollte, nicht helfen konnte. Verletzt, hilflos.
 

Draußen, jenseits der massiven Tür, hörten die Anwesenden nur gedämpfte Stimmen. Taylors leise, zerrissene Worte, kaum verständlich, und dann Braydan, dessen Tonfall kalt und überlegen klang. Für diejenigen, die lauschten, war es kaum greifbar – doch das Unheil, das sich dahinter verbarg, war unüberhörbar.
 

Und Graham…
 

Er konnte nichts tun. Konnte sich kaum bewegen. Doch er hörte es.
 

Jedes einzelne Wort.
 

Jedes leise, unterdrückte Keuchen. Jede gehässige Bemerkung von Braydan. Die Art, wie Taylor versuchte, sich zu wehren – und wie seine Gegenwehr immer schwächer wurde.
 

Es fraß sich in seinen Kopf, brannte sich in seine Gedanken wie ein unauslöschliches Feuer.
 

Sein Atem ging flach. Er musste etwas tun. Musste ihm helfen. Doch selbst als er versuchte, sich erneut aufzurichten, drückte Soren ihn wieder zurück.
 

„Bleib. Liegen.“, sagte Soren eindringlich, seine Stimme voller Sorge und Dringlichkeit.
 

Doch Graham hörte nicht mehr zu. Sein Blick blieb auf die Tür geheftet, als könnte er sie allein mit seinem Willen aufbrechen. Seine Hände ballten sich zu Fäusten, Nägel gruben sich in seine Handflächen.
 

Hilflosigkeit nagte an ihm.
 

Er durfte das nicht geschehen lassen. Er konnte das nicht geschehen lassen.
 

Graham stöhnte nur schmerzhaft auf, als er versuchte, sich aufzurichten. Ein brennender Schmerz durchzog seine Schulter, zog sich durch seine Brust und ließ ihn scharf die Luft einziehen. Blut sickerte durch den Stoff seiner Kleidung, warm und klebrig, doch das war nicht das, was ihn wirklich quälte.
 

Es war der Anblick der verschlossenen Tür. Taylor war dort drinnen. Allein mit diesem Monster.
 

Und er konnte ihn hören, was ihm gar nicht gefiel. Der Klang von Braydans kaltem, selbstsicherem Ton ließ Grahams Magen verkrampfen. Es war, als würde jeder Ton von Braydan die Welt um ihn herum enger werden lassen, bis alles nur noch eine dunkle, unerträgliche Enge war.
 

Sein Kopf spielte ihm Bilder vor, grausame Szenen, die er nicht sehen konnte, aber die sich dennoch mit erschreckender Deutlichkeit in seinen Gedanken manifestierten. Taylors Gesicht – verzerrt vor Angst. Sein Körper, gefesselt, hilflos unter Braydans Griff. Die Art, wie er sich wand, versuchte, zu entkommen, aber keinen Ausweg fand.
 

Graham wusste nicht, was genau dort drinnen passierte, aber sein Verstand malte es ihm in den schlimmsten Farben aus.
 

Er hörte erneut ein Keuchen – leise, zitternd. Grahams Kiefer spannte sich an. War es Taylor? Oder war es nur das Echo seiner eigenen Angst?
 

Seine Fingernägel gruben sich tiefer in seine Handflächen, bis er spürte, wie die Haut drohte nachzugeben. Der Schmerz half ihm, nicht durchzudrehen, aber er konnte das Zittern in seinen Muskeln nicht unterdrücken.
 

Er musste da rein.
 

Er musste Braydan aufhalten, bevor…
 

Sein Atem ging stoßweise, seine Brust hob und senkte sich schwer. Nein. Nein, das durfte nicht passieren. Nicht Taylor. Nicht so.
 

„Bleib liegen!“, knurrte Soren, als er neben Graham in die Hocke gegangen war. Seine Hände fanden sofort die Wunde, drückten fest auf den Einstich, um die Blutung zu stoppen. „Verdammt, Graham, du blutest wie ein Schwein! Hör auf, dich zu bewegen!“
 

Doch Graham schüttelte nur schwach den Kopf. Sein Blick war starr auf die Tür gerichtet, hinter der Taylor gefangen war. Auch wenn Soren ihm immer wieder befahl, ruhig zu bleiben, hörte er nicht wirklich zu. Jedes Wort von ihm, jedes flehende „Bleib liegen“ verschwand irgendwo im Hintergrund.
 

Der Drang, Taylor zu retten, der Drang, ihm zu helfen, war stärker als jede andere Regung in seinem Körper…

Kapitel 207

++++
 

Inzwischen hatten die Wachen genug. Sie hatten nicht mit so vielen Alphas auf einmal gerechnet, und schon gar nicht damit, dass selbst Soren, ein Omega – der sich sonst eher zurückhielt – in den Kampf eingestiegen war.
 

Soren hatte sich von Taylors Lektionen leiten lassen, und nun zeigte sich, wie sehr er sich verändert hatte. Mit präzisen Bewegungen hatte er die Schwachstellen der Wachen ausgenutzt, hatte sie so weit in die Enge getrieben, dass sie sich schließlich zurückzogen. Einige wankten, hielten sich gebrochene Arme oder blutende Wunden, andere halfen ihren Kameraden auf die Beine, um sich schleunigst zurückzuziehen.
 

„Verdammt, wir brauchen Verstärkung!“, keuchte einer der Wachen und warf einen panischen Blick zur Tür. „Holt Lucien White! Er soll hier aufräumen, bevor der Mist noch schlimmer wird!“
 

Keiner von ihnen wusste, dass Lucien bereits auf dem Weg war. Nachdem er die schlafende Person auf seiner Couch zugedeckt hatte, hatte er noch eine andere Angelegenheit zu klären. Er hatte keine Ahnung, dass das Chaos bereits seinen Höhepunkt erreichte.
 

Auch hatte er überhaupt keine Ahnung, was überhaupt los war, doch sein Instinkt, die Sache zu regeln, hatte ihn in Bewegung gesetzt.
 

Jack fluchte und trat gegen die Tür. „Scheiße!“, knurrte er, zog sein Messer und versuchte das Schloss zu knacken. Doch es war vergeblich. Braydan hatte vorgesorgt. Ohne den verdammten Schlüssel würden sie da nicht reinkommen.
 

Der Zorn in Jacks Augen war unübersehbar. Jede Sekunde, die sie hier draußen standen, zog die Zeit nur noch mehr in die Länge. Und jede Sekunde, die Taylor weiter in Gefahr war, fraß an Jacks Geduld und seinem Verständnis.
 

Drinnen war es, als würde die Luft um ihn herum immer dünner werden. Taylors Brust hob und senkte sich schnell, sein Atem ging keuchend.
 

Die Angst saß tief, zog sich wie eine eiskalte Klaue um seine Kehle. Es war eine Beklemmung, die alles andere überlagerte. Jede Bewegung fühlte sich wie ein schwerer Kampf an, doch die Panik ließ ihm keine Luft zum Atmen.
 

Er konnte Graham nicht sehen, nicht hören – doch er wusste, dass er verletzt war. Dass er draußen lag, während er hier bei Braydan war und er auf ihm lag.
 

Das Wissen, dass Graham da draußen in diesem Zustand war, brannte wie ein flammendes Verlangen in seinem Inneren. Sein Herz raste. Was war, wenn Graham ihn rufen wollte? Wenn er seine Hilfe brauchte? Wenn er dort lag und…
 

Nein.
 

Taylor biss die Zähne zusammen, versuchte den Gedanken abzuschütteln, doch er nagte an ihm, zerrte an seinen ohnehin schon brüchigen Nerven. Er wollte sich aufrichten, wollte rufen, wollte kämpfen – doch er konnte nicht.
 

Sein ganzer Körper fühlte sich taub an, als wäre er nicht mehr seiner.
 

Und seine Hände…
 

Sein Blick schnellte nach oben, sein Atem stockte, als er spürte, wie sich das raue Material der Fesseln in seine Handgelenke grub. Die Seile waren stramm, so stramm, dass jede noch so kleine Bewegung das Fleisch darunter aufscheuerte.
 

Ein brennender Schmerz durchzog seine Arme, zog sich über seine Schultern, doch es war nichts im Vergleich zu der Panik, die sich in ihm ausbreitete,
 

Er konnte sich nicht befreien.
 

Er konnte nicht einmal seine Hände senken.
 

Sein ganzer Körper war ausgeliefert, seine Arme über seinem Kopf fixiert, sodass er in einer Position lag, die ihn noch hilfloser wirken ließ.
 

Er konnte nichts tun, um sich selbst oder Graham zu retten.
 

Es war ein Gefühl der völligen Hilflosigkeit, das in seinem Magen zu einem schmerzhaften Knoten wurde.
 

„Graham…“ Ein leiser Flüsterton, kaum hörbar, doch in Taylors Gedanken überlauter als alles andere. Es war ein Hilferuf, ein Bekenntnis seiner eigenen Ängste und Zweifel, die sich wie ein schwerer Schleier über seine Seele legten.
 

Der Name schlich sich aus seinen Lippen, von einer inneren Qual begleitet, als ob er dadurch ein Stück Hoffnung rufen könnte, das ihn aus dieser Dunkelheit befreien würde.
 

Doch es kam keine Antwort.
 

Taylor wusste, dass es keine Hilfe geben würde. Nicht hier. Nicht jetzt.
 

Er schloss die Augen, drehte den Kopf zur Seite, als er die Tränen spürte, die seine Wangen hinunterliefen. In diesem Moment fühlte er sich zerbrochen, ausgeblendet von der Welt, die um ihn herumtobte.
 

Allein.
 

Und so verdammt hilflos.
 

Doch es war mehr als nur der Schmerz, der ihn quälte. Es war die Erinnerung an das, was kommen würde, das Wissen, dass er jetzt nichts anderes war als ein Spielzeug für Braydan, ein Objekt der Lust und Macht.
 

So wie es immer bei seinem Bruder gewesen war, genau die gleiche Situation. Die gleiche Ausgangsposition. Der gleiche lähmende Moment der Ohnmacht, der ihm die Luft nahm, der ihn in der Erkenntnis erdrückte, dass er weder Kontrolle noch Ausweg hatte.
 

Ein Kreislauf, der nie enden wollte. Ein Kreislauf, den er immer wieder ertragen musste, weil er es nicht ändern konnte.
 

Die Bilder in seinem Kopf wurden schärfer.
 

Sein Bruder.
 

Das Lächeln.
 

Die Worte.
 

Der Schmerz.
 

Seine Finger krampften sich zusammen, doch er konnte nicht einmal eine Faust machen. Die Fesseln schnitten noch tiefer ein, die Muskeln in seinen Armen zuckten unter der Anspannung. Sein ganzer Körper bebte, nicht nur vor Angst, sondern vor der erdrückenden Realität, dass er wieder genau dort war.
 

Aber diesmal war es anders.
 

Es war nicht nur der Schmerz seines Körpers, den er fühlte. Es war der Schmerz seines Geistes, die Erkenntnis, dass er wieder diesem Grauen ausgeliefert war – wieder ein Objekt, das in den Händen eines anderen lag. Und es war nicht nur Braydan, der ihn so betrachtete. Es war auch sein Bruder gewesen.
 

Und Braydan? Der kümmerte sich nicht um die Tränen, nicht um Taylors Qual. Er hatte seinen Gürtel schon geöffnet gehabt, die Hose schon ein Stück heruntergezogen, sich darauf vorbereitet, was gleich geschehen würde.
 

Ein kaltes Lächeln spielte auf seinen Lippen, während er Taylor nicht mehr als einen Körper betrachtete, mit dem er tun konnte, was er wollte.
 

Taylor wusste es.
 

Die Ohnmacht, die sich über ihn legte, wurde immer größer, während er die Augen wieder öffnete und sich erneut der ausweglosen Situation auslieferte.
 

„Bleib ruhig“, flüsterte er sich selbst zu, doch es war eine Lüge.
 

Wie konnte er ruhig bleiben, wenn er wusste, was Braydan mit ihm tun würde? Wie konnte er ruhig bleiben, wenn er sich selbst in diesem Moment der völligen Hilflosigkeit so nah fühlte?
 

Aber er musste sich zusammenreißen. Musste sich etwas vormachen, wenn er nicht völlig zerbrechen wollte…

Kapitel 208

++++
 

Soren drückte mit geübten Händen auf die Wunde an Grahams Schulter, sein Blick hart, aber konzentriert. Blut klebte an seinen Fingern, während er das notdürftige Verbandszeug aus seiner Tasche zog.
 

„Halt still“, murmelte er, doch Graham reagierte kaum. Seine Augen waren auf die Tür geheftet, hinter der Taylor war.
 

Soren folgte seinem Blick und seufzte leise. Er wusste, was in Grahams Kopf vorging. Kannte die Angst, die Wut, die Verzweiflung. Doch er kannte auch Braydan. Und das war das Schlimmste.
 

„Graham…“, begann er, seine Stimme gedämpft, aber eindringlich. „Wirst du das ertragen können?“
 

Graham blinzelte, als hätte er nicht verstanden. Doch Soren ließ ihm keine Zeit, sich in falscher Hoffnung zu wiegen.
 

„Du weißt, was als Nächstes passiert“, fuhr Soren fort, sein Blick wurde dunkler. „Du weißt, wie Braydan jemanden zum Reden bringt. Ich frage dich noch mal: Wirst du es ertragen, wenn du Taylor gleich wimmern und schreien hörst?“
 

Graham presste die Kiefer aufeinander, seine Finger krallten sich in den Stoff seiner Hose. Er spürte den Schmerz kaum noch. Nur die wachsende Verzweiflung in seiner Brust.
 

Er wusste es.
 

Verdammt, er wusste es nur zu gut.
 

Aber Soren blickte sich auch rasch um, als er ein leises Fauchen hörte, sah nur nichts…
 

Aiden.
 

Er hatte es tatsächlich geschafft, sich trotz der gefesselten Hände in eine aufrechte Position zu bringen. Seine Schultern bebten unter der Anstrengung, seine Finger krampften sich in die Fesseln, die tief in seine Haut schnitten. Doch das hielt ihn nicht auf.
 

Seine Augen funkelten, und das war alles, was Braydan brauchte, um sich erneut verspottend zu verziehen.
 

„Hör auf! Lass meinen Onkel in Ruhe!“ brüllte Aiden, seine Stimme rau und von Angst durchzogen, aber auch von einem Funken Widerstand. „Du sollst aufhören!“
 

Sein ganzer Körper war angespannt, sein Atem schwer. Es war unklar, ob es die Wut war, die ihn zittern ließ, oder die Verzweiflung, die ihn zu ersticken drohte. Doch er hielt sich aufrecht, trotz der Schmerzen, trotz der Erschöpfung.
 

Taylor war überrascht, dass Aiden es wusste, aber was hatte er erwartet? Dass er es ewig Geheimhalten konnte – oder dass er ein Omega war? Auch wusste es ja ohnehin schon jeder, sonst würde er nicht hier liegen.
 

Doch dass Aiden sich trotz allem aufrichtete, trotz der Fesseln kämpfte, ließ eine bittere Wärme in ihm aufsteigen.
 

Nicht aus Hoffnung.
 

Sondern aus Angst.
 

Braydans Lachen, tief und hämisch, hallte durch den Flur. Es war ein bedrohliches, höhnisches Geräusch, das den ohnehin schon angespannten Raum noch mehr auflud. Doch Aiden gab nicht auf, seine Zähne bissen sich zusammen, während er weiter versuchte, sich gegen die Fesseln zu stemmen.
 

Es war das Bild eines kämpfenden, verzweifelten Mannes, der sich gegen das Unvermeidliche stellte.
 

Draußen war es zu hören.
 

„Es hört sich an, als würde Aiden noch nicht ganz gebrochen sein“, murmelte Damian, der neben Jack stand. „Das ist typisch für ihn. Selbst in einer Situation wie dieser kämpft er noch. Da gibt es noch Hoffnung.“
 

Jack nickte stumm, seine Miene hart. „Er ist ein Kämpfer, das darf man ihm nicht absprechen. Aber... er braucht mehr als Hoffnung.“
 

In der Zwischenzeit starrte Darius auf die Tür, er wusste ja, dass die anderen draußen waren, seine Augen verengten sich, als er das letzte Stück von Braydans Lachen hörte. Innerlich brodelte er. Es war alles zu viel. Zu weit gegangen. Und Taylor – Taylor hatte keinen Ausweg.
 

„Braydan, hör auf!“, rief Darius mit einer Stimme, die trotz der angespannten Lage Stärke ausstrahlte. „Es bringt dir nichts, was du tust! Es ist barbarisch, und du wirst nichts erreichen, wenn du ihn vergewaltigst!“
 

Aber wieder war es das höhnische Lachen von Braydan, das Darius’ Worte zunichtemachte. Das Lachen, das alles und nichts zu sein schien. Es war ein Lachen des Triumphes, das den Raum füllte, und es traf Taylor wie ein Schlag.
 

Aber inmitten des Grauen, das Braydan über sie brachte, fühlte Taylor einen Funken Hoffnung, der in ihm auflodert.
 

Ein Funken Energie, der ihm half, die Dunkelheit für einen Moment zu vertreiben. Vielleicht – vielleicht war das der Moment, in dem sich alles wenden könnte.
 

Trotz allem – er war noch nicht verloren
 

Draußen, wo Damian bei Jack stand, hörte auch er Darius’ Stimme. Trotz der angespannten Situation, die sie durchmachten, klang Darius’ Ton fest und entschlossen. Es ließ Damian für einen Moment aufatmen.
 

Es war das, was er hören wollte – und wusste, dass Darius nicht gebrochen war. Der Gedanke, dass auch sein Mann nicht nachgab, gab ihm einen kleinen, aber bedeutenden Trost. Er konnte ein winziges Lächeln nicht unterdrücken.
 

So kannte er Darius: stark, ausdauernd und nie bereit, sich zu ergeben, auch wenn alles gegen sie sprach.
 

Doch trotz der Erleichterung war die Situation immer noch verzweifelt. Sie mussten sich um Graham kümmern, der verletzt war. Soren hatte die Verantwortung übernommen, aber sie waren immer noch ausgeschlossen und konnten nichts tun.
 

Nur zuhören und hoffen, dass sie eine Lösung fanden.
 

Es war schwer, in dieser Passivität zu verharren, aber Damian wusste, dass es noch nicht vorbei war.
 

Sie mussten durchhalten. Und sie mussten einen Weg hineinfinden, bevor es zu spät war…

Kapitel 209

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Braydan stieß sich mit einem wütenden Ruck auf, löste sich von Taylor, ehe er auf Darius zutrat, der trotz seiner Situation versuchte, sich aufrecht zu halten, seine Augen brannten vor Wut und Verzweiflung. Braydan ließ nicht einmal eine Sekunde verstreichen, bevor er Darius am Kiefer packte und ihn mit einem scharfen Ruck dazu zwang, ihm in die Augen zu sehen.
 

„Ist das dein Ernst, Darius?“ Seine Stimme war kalt und höhnisch, als er ihn fest fixierte. „Glaubst du wirklich, du kannst mich aufhalten?“
 

Darius starrte ihn an, das Blut pochte in seinen Ohren, doch er gab nicht nach. „Reicht es dir nicht, dass du schon Aiden und mich genommen hast?“ Die Worte kamen heiser, aber fest, der Hass und die Verzweiflung kämpften in ihm.
 

„Musst du auch noch Taylor haben? Du hast uns schon genug angetan, Braydan.“
 

Braydan verzog nur ein weiteres Mal das Gesicht zu einem scharfsinnigen Lächeln. „Du verstehst es nicht, oder?“ Er beugte sich näher zu Darius, der seine Zähne zusammenbiss.
 

„Für dich… es würde doch alles einfacher, wenn du dich mir einfach unterwirfst. Du würdest für mich arbeiten, du und Aiden. Was ist Taylor noch? Ein weiteres Spielzeug, dass du für mich fangen musst. Ein weiteres Opfer, das du mir überlässt.“
 

Seine Finger drückten stärker gegen Darius' Kiefer, bis der Alpha ein leises Knirschen vernahm. Doch es war nicht der Schmerz, der Darius lähmte, es war der Gedanke, wie weit Braydan bereit war zu gehen. Und wie er Taylor schon fast als selbstverständlich betrachtete, als wäre der Omega nichts weiter als ein weiteres Spielzeug in seiner Sammlung.
 

„Du bist nichts weiter als ein Werkzeug für ihn“, brüllte Darius zurück, seine Stimme rau und fest, als er sich aus Braydan Griff zu befreien versuchte. „Er wird dich brechen, Braydan. Und du wirst es selbst nicht merken, bis es zu spät ist.“
 

Braydan lachte schallend, ein grausames Lachen, das Darius’ Worte zertrampelte, noch bevor sie die Luft berühren konnten. „Du kannst mich nicht aufhalten. Niemand kann mich aufhalten.“
 

Und plötzlich schlug Braydan zu. Die Wucht des Schlags ließ Darius' Kopf zur Seite schnellen, und sein Körper kippte gegen den harten Pfosten des Bettes. Ein leises, schmerzhaftes Stöhnen entwich ihm, als er benommen halbsitzend liegen blieb.
 

Sein Kopf dröhnte, alles um ihn herum flackerte für einen Moment, doch er kämpfte dagegen an. Seine Wangen brannten, doch viel schlimmer war die Wut, die in ihm aufloderte. Langsam hob er den Blick, seine Augen funkelten vor Zorn, während er Braydan mit einem eisigen Ausdruck fixierte.
 

Doch Braydan schenkte ihm keine weitere Beachtung. Für ihn war Darius nicht mehr als eine lästige Ablenkung. Der Blick des Mannes veränderte sich, als er sich wieder zwischen Taylors Beine drängte. Die grausame Freude in seinen Augen war unübersehbar.
 

Taylor lag noch immer auf dem Schreibtisch, seine Handgelenke fest in den Fesseln gefangen, und jede Bewegung brachte das raue Material dazu, sich noch tiefer in seine Haut zu graben. Der Schmerz war stechend, doch was viel schlimmer war, war das Gefühl der Hilflosigkeit.
 

Seine Gedanken wirbelten durcheinander, doch er wusste, dass er keine Chance hatte, sich zu befreien, solange Braydan hier war.
 

Er konnte nichts tun. Nichts, um Braydan aufzuhalten. Nichts, um sich selbst zu retten. Und genau das wusste Braydan – es war in seinen Augen zu sehen, in dem selbstgefälligen Ausdruck auf seinem Gesicht.
 

„Du wirst nicht gewinnen“, flüsterte Taylor, seine Stimme zitterte vor Angst und Wut zugleich. Doch in den Augen von Braydan war nur kalte Berechnung zu erkennen. Braydan kümmerte sich nicht um Taylors Worte. Er hatte bereits entschieden, was er mit ihm tun würde.
 

„Du wirst tun, was ich will“, murmelte Braydan, als er sich erneut über Taylor beugte. „Das weißt du. Und du kannst dich nicht wehren.“
 

Graham hingegen versuchte sich vorsichtig aufzurichten, doch der Schmerz durchzuckte seinen Körper wie ein loderndes Feuer. Ein lautes Stöhnen entglitt ihm, als er sich mit aller Kraft gegen den Boden stemmte.
 

Aber die Bewegung brachte nur eine neue Welle der Qual mit sich. Sein Körper wehrte sich, und er konnte kaum atmen vor dem Schmerz, der in seinen Adern pulsierte. Es war, als würde der Schmerz in jeder Faser seines Körpers pulsieren und ihn zurück in den Boden zwingen.
 

„Verdammt…“ Seine Stimme war heiser, als er erneut versuchte, sich aufzurichten, aber es war vergeblich. Seine Hand zitterte, als er sie auf den Boden stützte, um sich abzustützen, doch selbst der kleinste Schritt schickte einen lähmenden Schmerz durch seinen gesamten Oberkörper.
 

Soren blickte auf, die Miene ernst, doch er war an Grahams Seite. „Lass das“, sagte er sanft, aber bestimmt und zog ihn zurück in die liegende Position. „Du bist noch nicht in der Verfassung, dich zu bewegen. Du musst ruhig bleiben, oder du verschlimmerst es nur.“
 

Graham biss die Zähne zusammen, die Wangen angespannt, als er Soren einen Moment lang ansah, bevor er sich wieder in den Boden sinken ließ. „Ich kann nicht einfach hier liegen und nichts tun…“, knurrte er, die Verzweiflung und Wut in seiner Stimme deutlich hörbar.
 

„Ich… ich kann nicht nur zusehen, wie er alles zerstört.“
 

Soren seufzte und setzte sich auf den Boden neben ihn. „Du bist in keinem Zustand, etwas zu ändern, Graham“, sagte er ruhig, während er eine Hand auf Grahams Schulter legte. „Mach dir keine falschen Hoffnungen. Wir müssen an einen anderen Plan denken, nicht an Heldentaten, die du im Moment nicht leisten kannst.“
 

Jack, der mit einem leisen Fluch an der Tür kämpfte, drehte sich jetzt zu ihnen um. „Es bringt nichts, Soren“, rief er frustriert, als er die Hände in die Hüften stemmte. „Das verdammte Schloss wird uns nicht aufhalten. Aber wir brauchen einen Plan, und das jetzt.“
 

Graham schloss für einen Moment die Augen, der Schmerz und die Verzweiflung zogen an ihm vorbei. Was sollte er noch tun? Er war kein Held mehr, sondern ein weiterer geschlagener Mann, der wusste, dass er gegen Braydan nicht gewinnen konnte – nicht so wie er jetzt war.
 

„Wir haben keine Zeit“, murmelte er und versuchte sich erneut, auf seinen Ellbogen zu stützen, aber der Schmerz brachte ihn wieder ins Schwanken. „Wenn wir nicht schnell handeln, wird Braydan Taylor zerstören. Ich kann das nicht zulassen.“
 

Doch wie?
 

Es gab keine Antwort, keine einfache Lösung.
 

Jeder Gedanke, jeder mögliche Ausweg schien im Nebel seiner Angst und Verzweiflung zu verschwimmen. Der einzige Plan, den er in seinem verwirrten Zustand hatte, war die Hoffnung, dass sie genug Zeit gewinnen konnten, um die Situation irgendwie zu stoppen.
 

Aber Zeit war ein Luxus, den sie nicht hatten.
 

Wie sollte man gegen einen Mann wie Braydan ankommen, wenn man selbst vor Schmerz kaum atmen konnte? Wenn jede Sekunde, die verstrich, nur noch mehr Gefahr bedeutete?
 

„Hör auf, dich zu quälen“, sagte Soren ruhig, doch seine Stimme war drängend. Er legte eine Hand auf seine Schulter, ein fester, beruhigender Druck, der ihn für einen Moment daran hinderte, weiter in seine eigenen Gedanken abzudriften. „Wir kriegen das hin. Irgendwie.“
 

Irgendwie. Das Wort klang hohl, fast lächerlich, wenn er bedachte, was dort drinnen gerade geschah.
 

Während er hier lag, unfähig, sofort zu handeln, lief ihnen die Zeit davon. Sekunden verstrichen, vielleicht Minuten – er wusste es nicht mehr genau. Aber dann war da plötzlich diese Stille.
 

Gerade eben hatten sie noch Darius’ schmerzvolles Stöhnen gehört, doch jetzt … nichts. Eine beklemmende, unnatürliche Ruhe hatte sich über alles gelegt. Zu ruhig. Viel zu ruhig. Und genau das war niemals ein gutes Zeichen.
 

Sein Magen zog sich schmerzhaft zusammen. Er kannte Braydan leider zu gut. Kannte seine Methoden, seine Grausamkeit. Und genau deshalb wusste er, dass etwas nicht stimmte…

Kapitel 210

++++
 

Einen Moment lang hatte Taylor noch gehofft, dass er mehr Zeit bekommen würde, aber er kannte ja Braydan. Doch dann hörte er es – das dumpfe, schmerzhafte Aufstöhnen seines Mannes irgendwo außerhalb dieses Raumes.
 

Sein Herz schlug schmerzhaft gegen seine Rippen, als würde es versuchen, aus seiner Brust zu brechen.
 

Graham…
 

Er wollte ihn rufen, doch seine Stimme versagte. Er wusste es. Konnte es spüren. Graham würde nicht kommen. Er konnte nicht kommen. Und das Wissen schnürte ihm die Kehle zu, ließ seinen Körper nur noch angespannter wirken, als ob die Fesseln ihn gleich in zwei Hälften reißen würden.
 

Braydan lachte leise über Taylors plötzliche Starre. „Jetzt verstehst du es, oder?“ raunte er und drängte sich noch näher zwischen seine Beine. „Du bist ganz allein.“
 

Taylor keuchte, schüttelte schwach den Kopf. Er wollte es nicht wahrhaben. Wollte nicht glauben, dass Graham wirklich nicht hier sein würde. Dass niemand ihn retten würde. Doch die kalte Realität grub sich wie Messer in seine Brust.
 

Braydan ließ ihm keine Zeit, das zu verarbeiten. Seine Finger packten Taylors Hüfte, zogen ihn grob an sich. So, dass Taylors Schultern sich noch mehr spannten, als die Fesseln an seinen Handgelenken sich in seine Haut schnitten und jede Bewegung zu einem schmerzhaften Kampf machten.
 

Sein Atem ging schneller, flacher. Panik breitete sich in ihm aus wie eine schwarze, giftige Masse, die ihn von innen heraus zu ersticken drohte. Die Enge der Fesseln, der Schmerz in seinen Armen und das Wissen, dass es niemanden gab, der ihn retten konnte, raubten ihm den Verstand.
 

„Bitte… hör auf…“ Taylors Stimme war nicht mehr als ein Flüstern, ein letzter verzweifelter Versuch. Sein ganzer Körper zitterte, sein Geist war ein einziges Chaos.
 

Doch Braydan schnaubte nur abfällig. „Glaubst du wirklich, das interessiert mich?“ Seine Hände packten fester zu, sein Griff besitzergreifend, bestimmend.
 

Er wusste genau, was er tat. Kannte jede Angst, jedes Zittern, jeden Funken Verzweiflung, der sich in Taylors Körper manifestierte. Und er genoss es.
 

Taylor sog zitternd die Luft ein. Sein ganzer Körper war angespannt, sein Herz hämmerte so laut, dass es in seinen Ohren dröhnte. Wie ein Tier in der Falle. Jeder Muskel in ihm schrie nach Flucht, doch er wusste, dass es keinen Ausweg gab. Keine Rettung. Kein Entrinnen.
 

Und das Schlimmste war – Braydan wusste es auch.
 

Taylor rang nach Luft. „Bitte…“
 

Braydan beugte sich zu ihm, seine Lippen streiften Taylors Ohr, heiß und nass. „Du kannst betteln, so viel du willst.“ Die Worte klangen wie ein Versprechen, das nichts Gutes verhieß.
 

Er würde nicht aufhören.
 

Taylor wusste, dass es keinen Ausweg mehr gab. Der Raum, der ihn umgab, schien immer kleiner zu werden, als würde die Luft in seiner Lunge knapp werden. Sein Körper war wie gelähmt vor Angst, ein lähmender Schock, der ihn bewegungsunfähig machte. Doch in seinem Kopf tobte ein Sturm.
 

Sein Geist rebellierte, wollte sich von der Umklammerung befreien, wollte schreien, sich losreißen. Aber er war gefangen. Gefangen in Braydans Griff, der seinen Körper wie ein eisernes Band umschlang, in der kalten, grausamen Erkenntnis, dass niemand kommen würde, um ihn zu retten.
 

Niemand.
 

Er presste die Augen zusammen, als Braydan sich noch enger an ihn drängte. Die Berührungen brannten auf seiner Haut, schienen sich in sein Innerstes zu brennen, ließen ihn würgen. Jeder Kontakt war wie ein Stich, ein unauslöschlicher Schmerz.
 

Es war eklig. Unausweichlich. Er konnte das nicht ertragen. Nicht von ihm. Nicht von jemand anderem als Graham. Seine Gedanken stürzten in einen Abgrund, der ihn weiter in die Verzweiflung zog. Warum war er hier? Warum hatte er keinen Ausweg?
 

„Du gehörst mir“, knurrte Braydan, seine Stimme ein grollendes Raunen, als er Taylors Oberschenkel grob packte und diese weiter auseinanderdrückte. Die Kontrolle, die Braydan über ihn hatte, war erdrückend.
 

„Hör auf, dich zu wehren. Es wird nur schlimmer für dich.“
 

Ein Zittern durchlief Taylors Körper, seine Hände ballten sich zu Fäusten, doch er war zu schwach, um sich zu wehren. Jeder Muskel in ihm wollte sich wehren, doch er fühlte sich so ausgelaugt, so hilflos.
 

Er wollte nicht, dass es schlimmer wurde. Aber er konnte sich auch nicht einfach ergeben. Der Gedanke, sich zu fügen, war unerträglich.
 

„Bitte… bitte hör auf“, flehte er, seine Stimme kaum mehr als ein ersticktes Wimmern, das sich in der Stille des Raumes verlor.
 

Braydan lachte. Ein tiefes, selbstgefälliges Lachen, das in Taylors Ohren wie das Geräusch eines herannahenden Unwetters klang. „Ich liebe es, wenn sie betteln…“
 

Er ließ Taylor nicht los. Die Kontrolle lag einzig bei ihm.
 

„Bitte… ich sage dir auch, wo mein Sohn ist… aber bitte hör auf…“, flehte Taylor verzweifelt, seine Stimme zitterte unkontrolliert. Es war der verzweifelte Hilferuf eines Mannes, der wusste, dass er keine Chance mehr hatte. Doch Braydan lachte nur, sein Spott klang deutlich in seiner Stimme, und das Lachen hallte wie ein kaltes Echo in Taylors Ohren.
 

„Das kommt ein bisschen spät. Es interessiert mich nicht. Ich bekomme deinen Sohn sowieso.“, sagte er mit einem diabolischen Grinsen, das nur noch grausamer wurde, als er Taylors Angst erkannte.
 

Braydan brachte sich in Position, der Raum schien sich mit seiner Dominanz zu füllen, das diabolische Grinsen auf seinem Gesicht wurde noch breiter.
 

„Du glaubst wirklich, dass du noch irgendetwas sagen kannst, das mich interessiert?“, höhnte er, und Taylors Herz setzte für einen Moment aus. „Du bist längst nicht mehr in der Position, Forderungen zu stellen.“
 

Taylors Hände zitterten, als er versuchte, sich von den Fesseln zu lösen. Die Schweißperlen auf seiner Stirn verrieten die Qualen, die er in diesem Moment durchlebte. Doch es war vergeblich. Die Fesseln schnitten nur weiter in seine Haut, die Schmerzen durchzogen ihn wie Dornen, und seine Schulter fühlte sich schon fast taub an.
 

Doch der Schmerz war nichts im Vergleich zu der Verzweiflung, die in ihm aufstieg.
 

Was konnte er noch tun? Wo war der Ausweg? Die Grenzen seines Körpers und Geistes verschmolzen zu einer quälenden Ohnmacht.
 

Er konnte sich nicht befreien. Er konnte nichts tun. Alles, was er fühlte, war das Gewicht der Situation, das auf ihm lastete.
 

Aber eines war gewiss: Braydan war stärker, beherrschte ihn mit einer Grausamkeit, die keinen Raum für Hoffnung ließ. Es war, als ob jeder Gedanke an Widerstand bereits im Keim erstickt wurde, als ob Taylors Wille keine Bedeutung mehr hatte, kein Gewicht, keine Kraft.
 

Es war, als hätte er bereits aufgegeben, ohne es zu merken.
 

„Hör auf, bitte“, flüsterte Taylor, die Worte kamen kaum über seine Lippen, als die Panik in seiner Brust wie ein Sturm tobte. „Ich werde alles tun, was du verlangst. Aber mein Sohn… er ist unschuldig…“ Die Hoffnung, die in seiner Stimme mitschwang, war ein letzter verzweifelter Versuch, Braydan zu erreichen.
 

Doch die Worte verglühten wie Asche im Wind, als Braydan die Distanz zwischen ihnen noch weiter verringerte, sodass Taylor spüren konnte, wie Braydan bestückt war.
 

„Genau“, murmelte Braydan, seine Stimme war ein kaltes, zufriedenes Murmeln. „Dein Sohn wird genau das bekommen, was er verdient. Und du auch, Taylor. Du hast es dir beide verdient.“
 

Die Worte hallten in Taylor nach, wie der Klang eines unausweichlichen Urteils, das längst gefällt war. Damit war Taylors Schicksal besiegelt, das Gefühl der Ohnmacht hatte sich in ihm manifestiert.
 

Es gab nichts und niemanden, der ihn jetzt noch davon abhalten konnte, sich das zu holen, was er wollte, das, was er schon lange ersehnt hatte – er konnte die Handlung fast schon spüren, die er in wenigen Augenblicken ausführen würde.
 

Der Augenblick war gekommen, als er Taylors Hüften packte, seine Finger sich fest in seinem Fleisch vergruben und mit einem Stoß tat er endlich, was er die ganze Zeit schon tun wollte – er nahm Taylor…

Kapitel 211

++++
 

Es geschah abrupt, ohne Vorwarnung. Ein erstickter Laut, der die Luft zerriss, wie ein Riss, der sich plötzlich durch die Dunkelheit zog. Keine Zeit, sich darauf vorzubereiten. Kein lauter Knall, keine Explosion – sondern etwas viel Schlimmeres.
 

Etwas, das tiefer schnitt, als jede Waffe es je vermochte. Ein dumpfer, gequälter Atemzug, als hätte jemand verzweifelt nach Luft geschnappt, nur um sofort wieder erstickt zu werden.
 

Das war der Moment, der alles veränderte.
 

Dann ein dumpfer Aufprall. Schwer, wie ein Körper, der gegen den Boden oder eine Wand schlug. Ein Geräusch, das nicht nur gehört, sondern auch gefühlt wurde – tief im Magen, in den Knochen. Es schien den Raum zu erschüttern, als ob der Boden selbst unter der Last zusammenbrach.
 

Und dann— Ein Schrei.
 

Kein wütender. Kein verzweifelter.
 

Ein Schmerzschrei.
 

Roh, angsterfüllt.
 

Er schnitt durch die Luft, bohrte sich in Grahams Ohren und ließ das Blut in seinen Adern gefrieren. Der Klang war wie das Schreien der Erde selbst, wie das Aufeinandertreffen von Alpträumen und Wirklichkeit.
 

Es war der Schrei einer Seele, die sich vor Schmerz und Angst krümmte. Graham war kaum bei Bewusstsein, doch dieser Schrei zerriss ihn. Es war, als würde dieser eine Schrei seine ganze Welt in Stücke reißen. Sein Kopf pochte, seine Glieder fühlten sich wie Blei an, als hätten unsichtbare Ketten ihn an den Boden gefesselt, doch dieses Geräusch schnitt durch die Nebel der Ohnmacht, ließ ihn wieder klarer denken
 

Sein Herz setzte einen Schlag aus – dann raste es los, hämmerte wie wild in seiner Brust. Der Klang des Schreis war wie ein schmerzhaftes Echo in seinem Inneren.
 

„Taylor…“ Es war ein Flüstern. Verzweifelt. Kein Wort konnte so schwer wie dieses sein. Jeder Buchstabe brannte in seiner Zunge, während er sich versuchte zu erinnern, wie er hierhergekommen war. Sein Verstand versuchte, sich gegen das zu wehren, was er längst wusste. Die Verletzung, die ihm die Kraft raubte, war nur noch ein weit entferntes Gefühl, während die panische Angst ihn übermannte.
 

„NEIN!“ Der Gedanke an Taylor, der in diesem Moment Schmerz und Angst erlebte, schnürte ihm die Kehle zu.
 

Er versuchte, sich zu bewegen. Musste zu ihm. Musste Taylor retten. Doch er konnte sich kaum rühren. Der Schmerz in seinem Körper war überwältigend, als hätte sich jede Faser seiner Muskeln gegen ihn verschworen. Eine tiefe, quälende Verletzung in seiner Seite hielt ihn fest. Jeder Versuch, sich zu bewegen, ließ ihn zusammenzucken, als ob sein Körper sich selbst bestrafen wollte.
 

Ein scharfer Schmerz durchzog ihn, wie ein Messer, das sich immer tiefer in seine Haut grub, ohne Rücksicht.
 

„Graham, hör mir zu!“ Soren stand an seiner Seite, seine Stimme fest, doch auch sie trug Sorge, als er versuchte, ihn ruhig zu halten. „Du kannst nicht gehen. Du bist verletzt, du musst ruhig bleiben. Du musst...“ Soren klang fast wie ein Brückenbauer zwischen der Realität und dem Chaos, das Graham umgab. Doch seine Worte, so fest sie auch waren, fanden nur schwer Zugang zu Grahams überflutetem Verstand.
 

Graham versuchte, seine Hand nach Soren auszustrecken, doch seine Finger reagierten nicht. Der Schmerz in seiner Seite ließ ihn keuchen, als ob das bloße Strecken seiner Hand ihn noch weiter zerbrechen würde.
 

„Taylor…“ kam es schwach von seinen Lippen, aber in seinem Inneren tobte ein Sturm, der sich keinen Platz zum Atmen ließ.
 

„Graham, es tut mir leid.“ Soren beugte sich zu ihm und drückte seine Hand, die mittlerweile fast schlaff anfühlte. Die Berührung war wie ein zarter Versuch, ihn zurückzuholen. „Du musst ruhig bleiben, du kannst ihm jetzt nicht helfen, wenn du dich selbst in Gefahr bringst.“ Seine Stimme war ruhig, aber das leise Zittern darin verriet mehr als tausend Worte.
 

„Ich kann ihn nicht einfach hierlassen!“ Graham kämpfte gegen die Ohnmacht an, doch seine Gedanken wurden zunehmend trüber, als der Schmerz sich in ihm ausbreitete. „Ich muss ihn retten.“
 

Soren seufzte tief, ein stummer Ausdruck von Verzweiflung und Mangel an Optionen in seinen Augen. „Ich weiß, was du durchmachst, aber du bist nicht in der Lage, irgendetwas zu tun. Ich kann nicht viel tun, aber du musst mir vertrauen.“ Seine Worte waren weich, fast müde, doch in ihnen lag eine unmissverständliche Wahrheit, die Graham nur zu gerne verdrängt hätte.
 

Doch Graham rührte sich nicht, während der Schrei, den er gehört hatte, noch immer in seinen Ohren widerhallte. In diesem Moment konnte er nichts anderes tun, als sich nach Taylor zu sehnen, zu wissen, dass der Schmerz, der ihn durchzog, nichts im Vergleich zu dem war, was Taylor gerade ertragen musste.
 

„Taylor…“ murmelte er erneut, diesmal schwächer. Der Schrei, den er gehört hatte, hallte weiter in seinem Kopf nach, ließ sein Herz schwerer schlagen.
 

„Du musst ruhig bleiben“, wiederholte Soren, seine Stimme etwas fester, als er seine Hand auf Grahams Schulter legte. „Du kannst ihm nicht helfen, wenn du dich selbst nicht zusammenreißt.“ Der Griff war fest, doch es war der letzte Halt, der ihm blieb.
 

Plötzlich wehrte sich Graham gegen Sorens Griff. Er wollte sich aufrichten, wollte zu Taylor – egal, was es kostete. Doch Soren hatte ihn fest in der Hand, und als er versuchte, sich zu bewegen, drückte Soren ihn mit aller Kraft wieder auf den Boden.
 

„Graham, du musst ruhig bleiben!“ Soren versuchte, ihn festzuhalten, doch Graham war außer sich, als der Gedanke, Taylor im Stich zu lassen, ihn innerlich zerriss. Er wusste, dass er gebraucht wurde, wusste, dass er nichts tun konnte, wenn er jetzt einfach hier liegen blieb. Die Stimme in ihm schrie nach einem Ausweg, nach einem Weg, sich zu befreien.
 

„NEIN!“ brüllte er, doch die Worte waren wie ein Echo in seiner Kehle, schwach und verzweifelt. Er ignorierte die Schmerzen, ignorierte die ständigen Wellen des Unwohlseins, die ihn überfluteten. Es war, als würde jede Faser seines Seins gegen ihn kämpfen.
 

„Er wird ihn nicht lassen!“ Damian hörte, wie Graham sich gegen Soren stemmte, und eilte zu ihnen. „Soren, wir müssen ihn festhalten!“ Damit war es nicht nur ein Kampf gegen die Verletzung, sondern gegen die völlige Ohnmacht.
 

Jack kam ebenfalls dazu, seine Miene ernst. „Graham, du kannst ihn nicht retten, nicht so. Du kannst nicht gegen diese Verletzung ankämpfen.“
 

„Lass ihn!“ rief Dustin, der sich mit ihnen gesellte, seine Augen voller Sorge. „Er hat recht, Graham. Du bist nicht in der Verfassung, um zu helfen.“
 

Doch Graham hörte nicht. Der Schrei, den er gehört hatte, ging nicht aus seinem Kopf.
 

Taylor war in Gefahr, und er musste ihn erreichen, koste es, was es wolle…

Kapitel 212

++++
 

Soren drückte Graham wieder auf den Boden, doch diesmal halfen Damian, Jack und Dustin dabei, ihn zu halten. Es war eine kraftvolle, beinahe verzweifelte Umklammerung, während Graham versuchte, sich von der Last seiner eigenen Verletzungen zu befreien.
 

„Lass mich los! Ich muss zu ihm! Ich kann ihn nicht allein lassen!“ Der Schmerz, die Ohnmacht, all das, was ihm widerfuhr – es zerriss ihn innerlich. Taylor brauchte ihn. Und er würde nicht zulassen, dass er dort draußen alleine war.
 

Doch tief in ihm wusste Graham, dass seine eigenen Verletzungen ihn aufhielten. Jede Bewegung, jeder Atemzug war eine Qual. Aber der Gedanke an Taylor – der Gedanke, dass er ihn verlassen könnte – trieb ihn an, ließ ihn inmitten des Schmerzes nicht aufgeben.
 

Doch Soren, und nun auch die anderen, hielten ihn fest – ihre Stimmen, ruhig, aber eindringlich, versuchten, ihn in den Griff zu bekommen.
 

„Du kannst ihn nicht helfen, wenn du dich selbst umbringst“, sagte Soren, und diesmal war die Entschlossenheit in seiner Stimme nicht zu überhören.
 

Graham schloss die Augen, während die Dunkelheit ihn wieder zu überfluten drohte. Taylor. Nur der Gedanke an ihn hielt ihn fest, auch wenn der Schmerz, die Verletzung und die Angst alles zu erdrücken drohten. Was wäre, wenn er zu spät kam? Wenn Taylor ohne ihn aufgeben würde? Die Vorstellung ließ ihn innerlich brechen.
 

„Lass mich los!“, schrie Graham, seine Stimme kratzte, als er gegen Jack ankämpfte. Doch Jack hielt ihn eisern fest, seine Hände wie Eisen. Damian kniete vor ihm, blockierte seinen Weg, wie eine Mauer, die ihn daran hinderte, weiterzugehen. Er kämpfte gegen die Erschöpfung an, doch die beiden Männer verhinderten, dass er sich auch nur einen Zentimeter bewegte.
 

„Wir können nicht, Graham“, sagte Jack mit einer Stimme, die genauso verzweifelt klang wie seine eigene. „Du kannst nicht mehr.“
 

Aber es war zu viel. Der Schrei, der durch die Luft schnitt, war zu viel. Ein weiterer folgte. Weit schwächer. Ein Wimmern. Ein flehendes „Bitte nicht…“
 

Taylor – wie konnte er das zulassen? Warum konnte er nichts tun?
 

Graham spürte, wie sich die Welt um ihn herum veränderte. Der Schmerz in seinem Körper, das Blut, das an seinen Händen klebte – all das war plötzlich nicht mehr von Bedeutung. Alles, was zählte, war Taylor. Er musste zu ihm. Er konnte ihn nicht allein lassen.
 

Auch wollte Graham nur noch schreien, doch der Schmerz in seinen Wunden lähmte ihn, hielt ihn fest wie unsichtbare Fesseln. Der pochende Schmerz in seiner Seite, der das Atmen zur Qual machte, war allgegenwärtig. Doch es war nicht der körperliche Schmerz, der ihm den Atem raubte. Es war der Gedanke daran, dass Taylor gerade das durchmachte – und er wusste, dass es Taylor brechen würde.
 

„Nicht wieder… nicht noch einmal…“ Der Gedanke durchbrach die Dunkelheit seines Verstandes und zerriss ihn innerlich. Er hatte schon so viel verloren, so viele geliebte Menschen, und in diesem Moment war er machtlos. Die Erinnerung an all das, was ihn getroffen hatte, überflutete ihn, ließ ihn fast ersticken.
 

Taylor. Es war immer wieder Taylor. Der Gedanke daran, dass sein Mann das gleiche Leid noch einmal ertragen musste, trieb ihm Tränen in die Augen. Taylor hatte bereits so viel durchgemacht, so viele Male.
 

Doch diesmal… diesmal war er nicht bei ihm. Graham hatte ihm versprochen, ihn zu beschützen, und doch konnte er nichts tun. Nichts, außer zu wissen, dass er ihn wieder allein ließ.
 

Er hatte immer gehofft, dass er Taylor irgendwann davon abhalten konnte, dieses grausame Schicksal zu erleiden. Doch jetzt, in diesem Moment, war er derjenige, der hilflos zurückblieb.
 

„Ich kann nicht… nicht noch einmal…“ Die Worte kamen kaum über seine Lippen. Er wollte zu ihm, wollte ihn retten, doch sein Körper gehorchte ihm nicht. Alles, was er spüren konnte, war der lähmende Schmerz und die Schwere der Angst, die ihn zu erdrücken drohte.
 

Die Bilder aus der Vergangenheit stiegen in ihm auf. Taylor, verletzt, gebrochen, doch immer noch stark. Taylor, der niemals wirklich heilte, nur funktionierte, nur weiterlebte. Graham wusste, wie es sich anfühlte, alles zu verlieren – und vor allem wusste er, dass Taylor dieses Gefühl besser kannte als jeder andere.
 

Aber gerade jetzt konnte er nichts tun. Er konnte sich nicht rühren, nicht zu ihm kommen. Und das war das Schlimmste.
 

Der Moment war bereits vergangen, und damit auch jede Hoffnung, zu Taylor zu gelangen, bevor es zu spät war. Der Gedanke, dass er ihn nicht erreichen konnte, machte ihn fast wahnsinnig.
 

Damian kniete vor ihm wie eine Mauer, sein Gesicht verzerrt vor Anspannung, die Anzeichen einer qualvollen inneren Zerrissenheit deutlich sichtbar. Die Muskeln in seinem Nacken spannten sich, als er versuchte, sich gegen Grahams verzweifelte Bemühungen zu stemmen.
 

„Graham, wir können jetzt nicht—“ Seine Stimme war gepresst, fast als wäre sie ihm gewaltsam aus dem Hals gerissen worden, und ein leichter Zittern zog durch seine Hände, die in den Boden gegraben waren, um ihm Halt zu geben. Er hasste es, das zu sagen. Nichts hätte er lieber getan, als selbst loszustürmen, mit allem, was er hatte, um zu Taylor zu gelangen.
 

„ER BRAUCHT MICH! ICH KANN NICHT—“ Graham schrie, seine Worte ein verzweifeltes Beben, das aus seiner tiefsten Seele kam. Der Schmerz, die Angst, all das in ihm wuchs zu einem einzigen, überwältigenden Gefühl.
 

Noch ein Schrei. Lauter als alles, was er je gehört hatte. Dieses Mal schwächer. Ein Schrei, der nicht mehr nach Hoffnung klang, sondern nach einem nahezu zerrissenen, letzten Aufbegehren. Ein ersticktes Geräusch, als hätte jemand versucht, den Schmerz herunterzuschlucken – und wäre gescheitert.
 

Ein leises, schmerzliches „Nein“. Es war wie der Klang von zerberstendem Glas, das in tausend Stücke fiel.
 

Dann kam das Wimmern. Zitternd. Flehend. Fast unhörbar, und doch schnitt es durch die Stille wie ein scharfes Messer. Ein leises „Nein“, das so gebrochen war, so voller Verzweiflung, dass es Graham das Herz aus der Brust riss.
 

Der Schmerz in Taylors Stimme war wie ein kaltes Messer, das sich durch Grahams Brust bohrte, dass ihn lähmte und in einem Moment alles um ihn herum verschwimmen ließ...

Kapitel 213 (R-18)

[Dieses Kapitel ist nur Volljährigen zugänglich]

Kapitel 214 (R-18)

[Dieses Kapitel ist nur Volljährigen zugänglich]

Kapitel 215 (R-18)

++++
 

Darius und Aiden lagen auf dem Bett, ihre Körper fest gefesselt, unfähig zu entkommen. Ihre Gedanken wirbelten chaotisch, doch das Einzige, was sie klar wahrnahmen, war die grausame Szene vor ihnen. Sie konnten nichts tun. Keine Bewegung, keine Worte – nur stumme Zeugen des Schreckens.
 

Jeder Schrei von Taylor zerriss Darius innerlich. Es war nicht nur die körperliche Gewalt, die sie ertragen mussten, sondern auch die unvorstellbare Hilflosigkeit, als sie den Schmerz und die Qualen von Taylor miterlebten. Der Gedanke, dass der Mann, den Aiden gern kennengelernt hätte, nun in einer derartigen Agonie gefangen war, zerriss Darius' Herz.
 

Die Vorstellung, dass dieser Mann, der Aiden als Onkel so viel bedeuten sollte, nun in dieser brutalen Falle gefangen war, ließ Darius' innere Welt auseinanderbrechen.
 

In seinen Gedanken hörte er nur das Wimmern von Taylor, als er versuchte, sich aus Braydans Griff zu befreien, aber es war unmöglich. Die brutale Gewalt, die Braydan mit einer Unbarmherzigkeit ausübte, ließ Taylor keinerlei Freiraum.
 

Darius’ Fingernägel gruben sich tiefer in das Laken, als er den Oberschenkel Taylors sah, wie er von Braydans Griff gequetscht wurde, während Taylor nicht einmal die Möglichkeit hatte, sich zu wehren. Es war wie ein unaufhörlicher, ohrenbetäubender Schmerz, der in seinem eigenen Körper nachhallte.
 

Aiden starrte mit leerem Blick auf die Szene, und doch war in ihm eine Welle von Gefühlen, die ihn fast überwältigte. Taylor war ein Mensch, den er gern kennenlernen wollte – da er ja sein Onkel war, der Mann, der sein einziger Verwandter war. Jetzt konnte er nur zusehen, wie er in diesen grausamen Händen zerbrach.
 

Der Gedanke, dass der Mann, den er nie richtig kennenlernen konnte, nun auf diese Weise zerstört wurde, zerbrach ihn.
 

Wie konnte es nur so weit kommen?
 

Wie konnte er nur hilflos da liegen, während der Mann, während Taylor, in dieser Brutalität zerbrach?
 

Aiden fühlte sich, als würde etwas in ihm selbst zerbrechen, ein schmerzhaftes Echo, das nichts heilen konnte.
 

„Bitte... Erbarmen, Braydan, denk an das Kind in ihm!“ Aiden schrie verzweifelt, seine Stimme durchdrang den Raum, doch selbst seine Worte schienen in der grausamen Realität keine Bedeutung zu haben. Die Verzweiflung in seiner Stimme war laut und erschütternd, doch es war, als ob Braydan in seiner Unbarmherzigkeit nicht einmal einen Moment innehalten würde, um die Worte zu hören.
 

Das Kind, das Aiden in Taylor sah – es war seine einzige Hoffnung, die ihm noch etwas Halt gab, doch selbst dieser kleine Funken schien in Braydans Augen bedeutungslos.
 

Für ihn war das Leben des Kindes ebenso bedeutungslos wie alles andere, was in dieser grausamen Szene vor sich ging – für Braydan war es nur ein weiteres Mittel, um zu dominieren. Das war den beiden Omegas bereits klar, doch in diesem Moment konnte Aiden seine Angst nicht mehr zurückhalten.
 

Was, wenn das Kind jetzt stirbt?
 

„Braydan, bitte… hör auf!“ Darius flehte, der Kloß in seinem Hals war fast unerträglich. Jede Silbe, die er hervorbrachte, schien in der Luft zu vergehen, ohne eine Wirkung zu erzielen. Aber er konnte nicht aufhören. Der Gedanke, Taylor und das Kind so zu verlieren, machte Darius beinahe wahnsinnig.
 

Warum konnte er nichts tun?
 

Doch auch das hatte keinen Einfluss auf Braydan. Stattdessen fragte Darius sich, ob Braydan sich überhaupt des Blutes bewusst war, das Taylor schon zwischen seinen Beinen verlor. Es war ein grausames Bild, das Darius nicht verdrängen konnte – der Gedanke, dass das Leben des Kindes in dieser Brutalität ausgelöscht werden könnte, während Braydan es nicht einmal wahrnahm.
 

War das alles wirklich so gleichgültig für ihn?
 

Der Gedanke an das Kind, das unschuldig in dieser Hölle gefangen war, ließ Aiden fast ersticken. Es war wie ein nagender Schmerz in seiner Brust, den er nicht abschütteln konnte. Was würde mit diesem Kind geschehen, wenn Braydan sich nicht erbarmte?
 

Konnte er wirklich zulassen, dass dieses Leben auch noch ausgelöscht wurde?
 

Aiden fühlte sich hilflos, als würde der Raum sich um ihn herum immer mehr zusammenziehen. Es war ein Gefühl, das er nie wieder erleben wollte.
 

Es war, als ob der Raum selbst das Gewicht dieser Frage verstärkte, als könnte Aiden es spüren, wie das Leben des Kindes mit jedem Moment mehr und mehr in Gefahr geriet. Jede Sekunde schien die Möglichkeit zu verringern, dass sie dieses Grauen irgendwie beenden könnten.
 

Darius' Gedanken kreisten ebenfalls um das Kind, das in Taylor wuchs. Der Schmerz, den sie in Taylors Schreien hörten, war nichts im Vergleich zu der Angst, dass das Kind in diesem Moment unter dem brutalen Zwang leiden könnte.
 

Jeder Schrei war ein Schrei des Todes für das Kind, das noch nicht einmal die Chance hatte, zu leben.
 

Es war, als ob Darius sich auch für das Kind verantwortlich fühlte, als ob er es beschützen müsste, doch er war völlig machtlos.
 

Aber auch Darius wusste – es war keine Hoffnung, dass Braydan für irgendetwas oder irgendjemanden Mitgefühl empfinden würde. Sie waren nur Beweismittel in einem Spiel, das sie nicht gewollt hatten.
 

Die grausame Realität zerbrach alles, was sie bis zu diesem Moment gekannt hatten. Jede Sekunde, in der sie nicht eingreifen konnten, verstärkte ihre Hilflosigkeit. Ihre Blicke waren gefangen, und selbst als das Blut von Taylors Körper tropfte, fühlten sie sich wie erstarrt – unfähig, diesen Albtraum zu beenden.
 

Braydan bewegte sich nicht mit der Hast eines Rasenden, sondern mit der Präzision eines Mannes, der wusste, dass ihm niemand etwas entgegensetzen konnte.
 

Sein Griff, seine Hand, die mittlerweile an Taylors Kehle platzgefunden hatte, wurde fester, und ein dunkles, keuchendes Geräusch entkam Taylors Mund.
 

Er zappelte, versuchte verzweifelt, Luft zu holen, doch Braydan hielt ihn gnadenlos an Ort und Stelle. Taylors Hände versuchten verzweifelt, sie aus seinen Fesseln zu lösen, doch seine Kraft war unbedeutend, die Fesseln wurden gefühlt nur noch enger.
 

Wie lange konnte Taylor noch überleben, unter dieser unglaublichen Gewalt?
 

Taylors Gedanken begannen zu verschwimmen. Sein Körper rebellierte gegen die Qual, doch tief in seinem Inneren wusste er, dass er nicht aufgeben durfte.
 

Nicht jetzt. Nicht hier. Er wollte nicht sterben. Nicht in Braydans Händen.
 

Er versuchte sich zu konzentrieren, einen Weg zu finden, sich loszureißen, aber sein Körper war schwach, seine Glieder schwer.
 

Und dann – ein lauter Schlag. Taylors Kopf wurde brutal gegen den Schreibtisch gedrückt, sein Körper sackte kurz zusammen, als sein Bewusstsein für einen Moment nachgab. Braydan ließ nicht locker, nein, er genoss es, ihn an der Schwelle zwischen Bewusstsein und Ohnmacht zu halten.
 

„Hör auf! Du wirst ihn umbringen!“ brüllte Darius erneut, die Worte gepresst zwischen Zähnen, die von der Wut und der Angst gezeichnet waren.
 

„Hör endlich auf! Du bringst ihn mit jedem Moment näher an den Tod!“
 

Doch Braydan schien kein Stück der Worte zu beachten. Darius’ Blick glitt zu Taylor, und da keimte in ihm der Verdacht, dass Braydan tatsächlich vorhatte, Taylor zu töten.
 

Er würde ihn nicht schonen, nicht aufhören, bis der Mann, der Aiden in diesem Moment so nahestand, durch seinen Verwandtschaftsgrad zerstört war. Was anderes blieb ihm nicht übrig, als diese grausame Wahrheit zu akzeptieren.
 

Jeder Moment, in dem Braydan weitermachte, schien ein Schritt in Richtung von Taylors endgültiger Zerstörung zu sein.
 

Er zerrte noch fester an den Fesseln. Seine Finger waren taub, doch er konnte Taylors schwächere Bewegungen sehen. Sein Blick verschwamm.
 

Er kannte diesen Anblick. Er hatte es schon einmal gesehen…

Kapitel 216

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Der Schrei von Aiden hallte in Graham wider, drang tief in seine Knochen und ließ ihn mit jedem Wort zusammenzucken. Die Verzweiflung in Aidens Stimme war unüberhörbar, durchzogen von Angst und der verzweifelten Hoffnung, dass Braydan auch nur einen Funken Mitgefühl zeigen würde. Doch Graham wusste es besser.
 

Er kannte Männer wie Braydan – kannte die Kälte in ihren Augen und die Grausamkeit in ihren Taten. Dennoch ließ ihn Aidens Flehen nicht los. Die Worte „Denk an das Kind in ihm!“ bohrten sich in sein Bewusstsein, hinterließen einen bitteren Nachgeschmack.
 

Der Schmerz und die Qualen von Taylor drangen tief in Grahams Bewusstsein, und der Gedanke an das Kind, das in ihm wuchs, machte die Sache nur noch schlimmer. In seiner Brust raste die Angst, die Sorge um sein eigenes Kind. Was würde mit ihm passieren, wenn Braydan nicht nur Taylor zerstörte, sondern auch das Leben seines ungeborenen Kindes? Ein vertrauter Schmerz stach in Grahams Herz, der ihn fast ersticken ließ.
 

Plötzlich, ein harter, dumpfer Schlag.
 

Der Klang hallte durch die Wände, ließ Graham erstarren, während er die Erschütterung der anderen spürte. Das Geräusch war eindeutig – das dumpfe Aufprallen von Gewalt, die ohne Gnade niederprasselte.
 

„Hör auf! Du wirst ihn umbringen!“ konnte man Darius brüllen hören, seine Stimme bebend vor Wut und Angst. Seine Worte waren scharf, gepresst zwischen Zähnen, die sich beinahe schmerzhaft aufeinanderpressten. „Hör endlich auf! Du bringst ihn mit jedem Moment näher an den Tod!“
 

Dustin sog scharf die Luft ein, sein Körper spannte sich an. Jack hatte bereits die Hände zu Fäusten geballt, sein Blick flackerte zwischen der Tür und Damian hin und her. Damian selbst fühlte, wie sein Magen sich zusammenzog.
 

Soren, der ohnehin blass war, fühlte, wie eine Welle kalter Angst ihn überrollte. Das, was Braydan da tat – das hatte er selbst durchmachen müssen. Er kannte diesen Schmerz. Kannte die lähmende Angst. Und jetzt geschah es wieder. Wieder stand er da, konnte es hören, aber nicht aufhalten.
 

Aber er wusste auch genau, wie Braydan funktionierte, wusste, was er in seinem Wahn tun würde. Er kannte diesen Mann zu gut. Die Erinnerung an das erste gemeinsame Kind, das er und Braydan zusammen verloren hatten, schlich sich schmerzlich in Sorens Gedanken. Damals hatte er nicht gedacht, dass er jemals wieder ein Kind bekommen würde, doch das Schicksal war ihm noch einmal gnädig gewesen.
 

Viele andere Omegas hatten das Glück nicht – sie hatten denselben Albtraum durchlebt und waren nie wieder in der Lage, Kinder zu bekommen.
 

Soren biss sich auf die Lippen. Er wusste, was Braydan tat – und er würde nicht aufhören, bis er bekam, was er wollte. Bis er seine „Spielchen“ vollendete. Soren konnte den bitteren Gedanken nicht unterdrücken, dass Taylor vielleicht nicht überleben würde.
 

„Er wird ihn ficken, bis er keine Lust mehr hat oder Taylor vorher stirbt...“, murmelte Soren, die Worte fast unerträglich. Der Gedanke, dass Taylor das nicht überstehen könnte, brachte einen Kloß in seinem Hals hoch, der ihn fast ersticken ließ.
 

Er wusste, wie Braydan funktionierte, wusste, dass dieser keine Hemmungen kannte. Soren hatte erlebt, wie brutal Braydan wurde, bis er sich mit allem zufriedengab, was er wollte – egal zu welchem Preis.
 

Der Preis, den Braydan zu zahlen verlangte, war alles andere als klein.
 

Graham kämpfte gegen die Panik an, als die Bilder von Taylors Qualen immer klarer vor seinen Augen wurden. Der Gedanke, dass Braydan gerade sein Kind auf diese Weise behandeln konnte, war zu viel.
 

„Er wird ihn umbringen“, keuchte Graham, seine Stimme ein verzweifeltes Flüstern, das kaum über seine Lippen kam. Er konnte die Vorstellung nicht ertragen, dass sein eigenes Kind in diesem Moment unter der Gewalt von Braydan litt. Der Zorn brodelte in ihm, doch gleichzeitig war er gelähmt von der Hilflosigkeit.
 

Der enge Kloß in seinem Hals schnürte sich zu, und sein Atem kam in schnellen, flachen Zügen. Sein Brustkorb hob und senkte sich viel zu schnell, seine Lungen brannten wie Feuer. Er fühlte sich, als würde er ersticken, als könnte er sich nicht mehr aus dieser unerträglichen Klemme befreien, in der er sich selbst gefangen hatte.
 

„Graham, du musst ruhig bleiben“, sagte Jack, seine Stimme fest, aber auch mit einer leisen Anspannung, die seine eigene Verzweiflung verriet. Er packte Graham an der Schulter und zwang ihn, ihn anzusehen.
 

„Wir holen ihn da raus. Aber wir dürfen jetzt nicht die Kontrolle verlieren.“
 

„Und wenn es zu spät ist?“ Graham hatte Mühe, die Worte auszusprechen. Der Gedanke, dass sein Kind – das Kind, das er mit Taylor gezeugt hatte – in so einer Hölle gefangen war, war zu viel.
 

„Wir müssen warten“, sagte Jack ruhig, aber fest, seine Hand auf Grahams Schulter drückend, als wolle er ihn festhalten, um zu verhindern, dass er in die Hölle hineinrannte, die sie nicht ändern konnten. Aber in seinen Augen stand der gleiche Schmerz, der Grahams Gedanken plünderte. Jeder Moment, in dem sie nichts taten, war ein Moment der Quälerei.
 

Graham rang nach Luft. Der enge Kloß in seinem Hals schnürte sich zu, und sein Atem kam in schnellen, flachen Zügen. Sein Brustkorb hob und senkte sich viel zu schnell, seine Lungen brannten wie Feuer.
 

Er fühlte sich, als würde er ersticken, als könnte er sich nicht mehr aus dieser unerträglichen Klemme befreien, in der er sich selbst gefangen hatte.
 

Jack packte ihn an der unversehrten Schulter. Fester. Härter. Die rauen Finger gruben sich tief in Grahams Haut, zwangen ihn, ihn anzusehen. Jack war selbst am Ende, aber er wusste, dass er die Kontrolle behalten musste.
 

„Wir werden ihn retten“, sagte er, seine Stimme rau und gepresst. „Aber nicht so.“ Es war ein Versuch, ihn zurückzuhalten, zu beruhigen, auch wenn er wusste, dass jeder Moment, in dem sie nichts taten, eine Qual war. Aber in seinen Augen stand dieselbe Angst, dieselbe Wut, die Graham so gut kannte.
 

Graham keuchte. Die Luft schien zu dick zu werden, als würde sie sich um ihn legen, ihn einengen. Es fühlte sich an, als könnte er sich keinen weiteren Moment mehr davon befreien. Sein ganzer Körper bebte, nicht nur vor Schmerz, sondern vor einem überwältigenden Gefühl der Hilflosigkeit.
 

Er wollte sich befreien, wollte losstürmen, wollte kämpfen, sich gegen all das Wehren, aber er konnte nicht. Die Wunden, die ihn niederdrückten, und die Unfähigkeit, sich zu bewegen, hielten ihn zurück. Er wollte zu Taylor. So sehr.
 

Damian ballte die Fäuste. Seine Nägel schnitten in seine Handflächen, doch er spürte es kaum. Der Schmerz war nichts im Vergleich zu dem, was er gerade fühlte. Wut. Unbändige Wut. Seine Kiefermuskeln zuckten, als er versuchte, den Zorn niederzuringen, der in ihm brodelte.
 

Er wollte sich übergeben.
 

Nicht wieder. Nicht noch einmal. Nicht noch jemand.
 

Der Gedanke, dass jemand, den Graham liebte, in diesem Moment so etwas durchmachen musste, war wie ein brennender Stich, der ihn fast zerbrach. Sein gesamter Körper spannte sich an, als könnte er sich nur so davon abhalten, etwas zu zerstören, das ihm keinen Halt gab.
 

„Wir müssen warten“, flüsterte er, mehr zu sich selbst als zu den anderen. Doch die Worte klangen hohl, und der Zorn in ihm wollte diese Geduld nicht akzeptieren.
 

Es war ein schmerzhaftes Gefühl der Ohnmacht, und es war unvorstellbar, dass sie so hilflos waren.
 

Graham ballte seine Fäuste. Der Zorn in ihm loderte wie ein unaufhaltsames Feuer, aber er hielt ihn zurück, wusste, dass sie keine Chance hatten, wenn er die Kontrolle verlor. „Ich muss zu ihm...“, krächzte er, aber es war nur ein Flüstern. Er zitterte. Es war ein unaufhaltsames Zittern, das seinen Körper durchzog, als ob er in einem kalten, düsteren Sturm stand.
 

Aber er wusste: Es war der schmerzlichste Kampf seines Lebens…

Kapitel 217

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Graham konnte das Schreien aus dem Büro noch weiterhin hören. Sein Herz zog sich zusammen, als die Zeit verstrich. Jeder Schrei schnitt tief in sein Innerstes, ließ ihn verzweifeln. Es war das Geräusch von Schmerz und Angst, das sich in seinen Kopf bohrte, das ihn zu quälen begann. Ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken, und für einen Moment fühlte es sich an, als würde der Schrecken von der anderen Seite des Raumes in seinen eigenen Körper übergehen.
 

Die Sekunden dehnten sich, und doch schien er keinen Schritt weiterzukommen. „Wir müssen ihn… stoppen.“ Sorens Blick war scharf. „Wir haben keine Zeit mehr.“
 

Graham nickte hastig, doch jede Bewegung schmerzte. Die Wunde an seiner Seite brannte wie Feuer, und er konnte kaum noch klar denken. Die Gedanken schwirrten, doch der Schmerz überwältigte ihn immer wieder. Verzweifelt versuchte er, sich aufzurichten, doch seine Hände zitterten, als er sich auf den Boden stützte.
 

Ein scharfer Schmerz schoss durch seine Schulter, und er musste sich zusammenreißen, nicht laut zu keuchen. In diesem Moment war er sich seiner Verletzungen so bewusst wie nie zuvor, doch der Drang, Taylor zu retten, war stärker als der Schmerz.
 

Er spürte den kalten Schweiß auf seiner Stirn, der sich mit der Panik mischte, die in ihm aufstieg. Was, wenn es zu spät ist? Ein Bild von Taylor, gefangen in diesem Albtraum, ließ ihn fast den Verstand verlieren.
 

„Holt ihn raus, jetzt!“ keuchte er, die Worte kaum verständlich, doch die Dringlichkeit ließ sie aus ihm herausbrechen. Die Luft war stickig, und seine Brust fühlte sich immer schwerer an, als würde sie gleich zerreißen.
 

Doch das Büro war abgesperrt. Die Tür war fest verschlossen, und selbst der verzweifelte Versuch, sie zu öffnen, scheiterte. Ein erneutes, unbarmherziges Schreien hallte von innen, und Graham fühlte sich, als würde er ersticken. Die Geräusche klangen, als kämen sie aus einer anderen Welt, als ob der Raum selbst diese Schreie verschlucken würde, doch sie durchbrachen alles.
 

Seine Hände waren blutverschmiert, und der Schmerz in seiner Seite sowie Schulter war so intensiv, dass er beinahe den Verstand verlor. Für einen Moment blieb alles still, und Graham fragte sich, ob er sich die Schreie nur einbildete. Doch dann kam der nächste Schrei, und er wusste, dass es real war – Taylor war noch immer dort, gequält, in einem Raum aus purer Verzweiflung.
 

Soren trat an ihn heran, legte eine Hand auf seine Schulter, doch Graham zuckte zusammen, als der Druck ihn durchzuckte. „Graham, wir müssen eine andere Lösung finden. Wir kommen nicht rein.“
 

„Ich... ich muss... ich muss ihn rausholen“, stammelte Graham, und seine Stimme klang wie ein leiser Schrei der Verzweiflung. „Ich kann das nicht länger zulassen.“
 

Damian, Jack und Dustin, die bereits ebenso verzweifelt versucht hatten, ins Büro zu gelangen, standen nun regungslos da, während das verzweifelte Schreien durch die Tür drang. Ihre Blicke waren düster, ihre Fäuste geballt. Sie konnten nichts tun – nur zuhören.
 

Jack biss die Zähne so fest zusammen, dass seine Kiefermuskeln zuckten. Wieso fühlte sich alles so schwer an?
 

Dustin hatte die Hände zu Fäusten geballt, seine Knöchel waren weiß. Jeder Schrei, jeder verzweifelte Laut von Taylor ließ sie in ihrem Innersten zerbrechen.
 

Damian spürte, wie Wut und Ohnmacht sich in ihm vermischten, seine Fingernägel bohrten sich in seine Handflächen. Doch alle spürten sie das gleiche – den tiefen, quälenden Drang, zu handeln.
 

Doch nur dastehen und warten? Das kam für keinen von ihnen in Frage.
 

„Es muss doch einen anderen Weg geben“, stieß Damian schließlich aus, seine Stimme rau vor Anspannung. Er fuhr sich mit der Hand durch die Haare, während sein Blick hektisch die Umgebung absuchte, als könnte sich irgendwo ein geheimer Zugang auftun.
 

Verdammt, warum war dieser verdammte Raum so gut abgesichert?
 

„Verdammt! Es kann doch nicht sein, dass wir nichts tun können!“ Jack trat gegen die Tür, ein lauter Knall hallte durch den Flur, doch die Tür gab nicht nach. Er verfluchte sich selbst, seine Hilflosigkeit, alles an dieser verdammten Situation.
 

Wieso gab es keine Schwachstellen, keinen Zugang?
 

Dustin atmete schwer aus, zwang sich zur Ruhe, auch wenn alles in ihm danach schrie, sofort zu handeln. „Vielleicht gibt es einen anderen Zugang. Ein Fenster, einen Lüftungsschacht, irgendwas! Wir müssen nachsehen!“
 

Damian nickte knapp, seine Muskeln waren angespannt wie Sehnen kurz vor dem Reißen. „Teilen wir uns auf. Jack, sieh nach, ob du einen anderen Weg finden kannst. Dustin, hilf mir, diese Tür weiter zu bearbeiten. Irgendwas muss nachgeben!“
 

Jack zögerte nur einen Moment, bevor er losrannte, die Augen suchend über die Wände und die Decke gleiten ließ. Irgendeine Schwachstelle, ein verdammter Riss, durch den sie reinkommen konnten...
 

Dustin packte die Tür mit beiden Händen, als könnte er sie allein mit Willenskraft aus den Angeln reißen. Damian trat erneut mit aller Kraft dagegen, spürte das dumpfe Echo in seinem Bein. Aber nichts.
 

Ein weiteres markerschütterndes Geräusch ließ sie alle zusammenzucken. Grahams Atem stockte. Seine Finger krallten sich in den Boden, während sein Kopf sich langsam zur Tür drehte.
 

Wenn er nur rein könnte...
 

„Wir müssen da rein...“, presste er heiser hervor, aber es gab keinen Weg hinein.
 

Soren sah ihn an, und für einen Moment war da nur Stille. Die Geräusche aus dem Büro, die Schreie, das schreckliche, unerbittliche Schreien, ließen den Raum erbeben. „Du bist verletzt, Graham. Du kannst nicht...“
 

„Ich kann nicht einfach hier liegen und nichts tun!“ schnitt Graham ihm scharf das Wort ab.
 

„Wir... wir müssen etwas tun, Soren, Damian, Dustin. Bitte... ich... ich muss helfen!“

Kapitel 218

++++
 

Verzweifelt ballte Graham die Fäuste und versuchte ein weiteres Mal, sich aufzurichten. Seine Wunden pochten, und jeder Atemzug fühlte sich an, als würde er aufgeschlitzt werden. Der Drang, Taylor zu retten, der Drang, ihn aus diesem Albtraum zu befreien, war stärker als der Schmerz.
 

„Es tut mir leid“, murmelte Soren, und in seiner Stimme lag ein bittersüßer Trost, den Graham nicht hören wollte. „Aber du kannst nicht mehr helfen. Es tut mir leid, Graham. Wir müssen warten.“
 

„Warten?“ Graham sah ihn an, als wäre Soren verrückt geworden. „Du willst warten, während er...?“
 

Doch bevor er den Satz beenden konnte, hörte er ein weiteres, durchdringendes Schreien, das seinen gesamten Körper erschütterte. Der Schmerz in Grahams Brust verstärkte sich, und für einen Moment dachte er, er würde sich übergeben.
 

Ich kann nicht warten. Nicht bei ihm. „Soren... wir müssen... wir müssen jetzt handeln...“
 

„Wir können nichts tun, solange die Tür verriegelt, ist“, antwortete Soren ruhig, auch wenn seine Augen die gleiche Panik widerspiegelten, die Graham durchströmte. „Du bist zu verletzt, um weiterzumachen.“
 

Jack tauchte wieder auf, seine Miene angespannt. „Es gibt keinen verdammten Weg rein“, presste er hervor, seine Stimme voller Frustration. „Kein Fenster, kein Lüftungsschacht. Der Raum ist eine verdammte Festung!“
 

Dustin trat von der Tür zurück, sein Atem ging schwer. Er fuhr sich durch die Haare, seine Augen verengt. „Dann müssen wir sie aufbrechen. Irgendwie.“
 

Damian schüttelte den Kopf, atmete tief durch. „Wir haben keine Zeit für ‚irgendwie‘. Wir brauchen etwas, das schnell funktioniert.“
 

Die Zeit verstrich quälend langsam. Graham konnte die Schreie hören, konnte nicht aufhören, an Taylor zu denken...
 

Jack trat an die Tür, lehnte seine Stirn für einen Moment dagegen, als könnte er Taylors Schmerz auf der anderen Seite spüren. Dann hob er langsam den Kopf, seine Augen brannten vor Entschlossenheit.
 

„Dann reißen wir das verdammte Ding jetzt ein.“
 

Doch bevor sie das auch nur Ansatzweise versuchen konnten, hallten schwer Schritte, durch den Gang. Jack drehte sich scharf um, seine Augen verengten sich, als mehrere Wachen um die Ecke kamen. Die Waffen in ihren Händen waren unmissverständlich auf sie gerichtet.
 

Die Wachen zuvor hatten Lucien nicht gefunden und sich stattdessen mit Verstärkung auf den Weg gemacht. Nun traten sie mit erhobenen Waffen aus dem Schatten, bereit, ihre Überlegenheit zu demonstrieren.
 

Immerhin standen sie vier Alphas gegenüber – einer davon verletzt – und einem wertlosen Omega.
 

„Scheiße!“, zischte Damian und zog instinktiv seine eigene Waffe.
 

Jack reagierte sofort. Ohne zu zögern, packte er Graham an der Schulter, obwohl diese Verletzt war und er vor Schmerz scharf die Luft einsog und zog ihn mit sich zur Wand, brachte ihn aus der Schusslinie.
 

„Bleib unten!“, befahl er scharf, sein Blick blitzte zu Soren. „Soren, bleib an seiner Seite, lass ihn nicht los!“
 

Soren nickte, sein Körper angespannt, als er sich zwischen Graham und die Wachen stellte.
 

Dustin und Damian hatten sich bereits in Position gebracht, ihre Körper angespannt, bereit, sich mit reiner Kraft gegen die Wachen zu stellen. Der Flur war erfüllt von der düsteren Spannung, keiner wagte es, einen Schritt zu tun, während die Schreie aus dem Büro weiterhin hallten.
 

„Wir haben keine Zeit für das hier“, knurrte Jack leise, ohne den Blick von den Wachen zu nehmen. Immerhin waren diese mit Verstärkung gekommen und das erste Mal dachten die Jungs daran, dass sie doch ihre Männer hätten mitnehmen sollen.
 

Was nützte es ihnen, wenn Will, Archie und Thomas draußen geblieben waren, um alle Fluchtwege im Auge zu haben? Aber selbst wenn, sie jetzt zu rufen würde zu lange dauern.
 

Ein stummer Moment verging, in dem alle angespannt verharrten – bereit für das Unvermeidliche…
 

„Die Jungs hätten wir echt dabei gebrauchen können“, murmelte Damian und ließ seinen Blick einen Moment in Richtung der Tür gleiten. „Aber wir müssen es ohne sie hinkriegen.“
 

Die Wachen starrten sie an, ihre Hände fest um die Waffen gekrallt. Eine Sekunde schien wie eine Ewigkeit, als würden alle auf den ersten Schritt warten, der alles ins Rollen bringen würde.
 

„Lass uns keine Fehler machen“, murmelte Dustin, seine Stimme ein Hauch in der Stille.
 

Jack nickte, seine Augen verengten sich. „Keine Fehler. Wir müssen ihn da rauskriegen. Sofort.“
 

Der Knoten in seinen Magen wurde fester, je länger sie in dieser angespannten Haltung verharrten. Die Geräusche aus dem Büro wurden zunehmend unheimlicher, fast wie das Summen eines herannahenden Sturms.
 

„Beweg dich nicht, oder ich schieße“, knurrte einer der Wachen, seine Waffe nun auf Damian gerichtet. „Alle bleiben ruhig, dann passiert nichts.“
 

„Du bist nicht in der Position, hier Befehle zu erteilen“, fauchte Damian zurück, ohne sich zu bewegen.
 

Doch in diesem Moment brach die Stille – nicht durch einen Schuss, sondern durch einen neuen, durchdringenden Schrei. Dieser Schrei war anders als die vorherigen. Es war ein verzweifelter, fast hilfloser Laut, der alles andere übertönte.
 

Die Wachen drehten sich instinktiv in Richtung des Büros, was die Gelegenheit für die Jungs eröffnete. „Jetzt!“, brüllte Jack.
 

„Los, schaltet sie aus!“, knurrte Damian und stürmte vor, packte eine Wach, der sich zu sehr auf die Tür konzentrierte, und schickte ihn mit einem gezielten Schubs auf die Bretter, wo er mit dem Rücken gegen die Wand prallte und liegen blieb.
 

„Weiter!“, rief Dustin. Die Wachen, abgelenkt durch die unerwartete Offensive, versuchten, ihre Position zu retten.

„Zisch ab!“, fauchte Soren, als er sich vor Graham stellte und eine der Wachen, mit einer kraftvollen Bewegung, beiseitestieß, um Graham zu schützen, der praktisch nur seine Waffe in der Hand hatte, um notfalls Soren retten zu können.
 

„Nicht nachlassen!“, brüllte Jack, der nun zu den Wachen vorgedrungen war, als er seine Stärke einsetzte, um sie weiter zurückzudrängen. Er wich keinem Angriff aus, sondern kämpfte mit allem, was er hatte.
 

Die Anspannung war kaum zu ertragen, als sie sich weiter gegen die Wachen stemmten. Der Schweiß rann von ihren Gesichtern, während sie alles gaben, um die Kontrolle zu behalten.
 

„Haltet durch!“, rief Damian, als er eine weitere Wachen auf den Boden brachte. „Nur noch ein bisschen!“
 

Es war ein unaufhörlicher Kampf, jeder Schub eine Entscheidung, der Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg. Jeder wusste, dass es bald zu einem Ende kommen musste – ein Ende, das sie nur mit all ihrer Kraft und Entschlossenheit erreichen konnten.
 

Ohne zu ahnen, welche Katastrophe sich im Büro abspielen würde…

Kapitel 219 (R-18)

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Darius’ Gedanken waren wie ein wirbelnder Sturm. Der Gedanke, dass er hier lag, während Taylor in den Fängen von Braydan zerbrach, trieb ihn fast in den Wahnsinn. Er musste etwas tun, irgendetwas. Die Stimme in ihm rief, dass er kämpfen musste. Der Zwang, nicht aufzugeben, wuchs mit jeder Sekunde.
 

Die Verzweiflung war eine unaufhörliche Qual – aber sie war auch der Antrieb, weiterzumachen. Er würde nicht zulassen, dass sie alle verlieren. Er wusste, dass er sich nicht einfach weiter unterwerfen konnte – dass er nichts tun konnte, war die grausamste Form der Qual.
 

Die Geräusche des Kampfes draußen erreichten ihn durch die dicken Wände. Das Wuchten schwerer Körper, das Krachen von Faustschlägen und das Rasseln von Waffen, die auf den Boden fielen, drangen an sein Ohr. Er konnte die Entschlossenheit in den Geräuschen hören – sein Mann, sein Bruder und Jack kämpften.
 

Sie kämpften für ihn, für Aiden und für Taylor. Der Gedanke daran ließ sein Herz schneller schlagen. Aber gleichzeitig fühlte sich der Schmerz in seinen Armen wie ein ständiger, gnadenloser Begleiter.
 

Seine Finger zuckten, als er gegen die Fesseln ankämpfte. Er zog mit aller Kraft an den Seilen, die um seine Handgelenke geschnürt waren. Der Schmerz schoss durch seine Arme, als er versuchte, die Fesseln zu lösen, doch der Widerstand war überwältigend.
 

Mit jedem Zug war er sich nur noch sicherer, dass Braydan es absichtlich so festgemacht hatte – dass es ihm unmöglich gemacht wurde, zu entkommen.
 

Doch der Klang des Tumults draußen gab ihm Hoffnung. Die Männer kämpften, und für einen Moment fühlte er sich weniger allein.
 

„Komm schon, verdammt…“ flüsterte Darius zwischen zusammengebissenen Zähnen, seine Stimme gepresst vor Anstrengung. Der Schmerz in seinen Handgelenken brannte wie Feuer, als er verzweifelt gegen die Fesseln ankämpfte. Schweiß lief ihm von der Stirn, und jeder Zug ließ das Seil nur noch enger an seiner Haut schürfen – ein greller, quälender Widerstand, der ihn beinahe in den Wahnsinn trieb.
 

Doch der Gedanke an Taylor, an Aiden, an alles, was auf dem Spiel stand, hielt ihn aufrecht. „Ich muss es schaffen“, dachte er, als er noch einmal zog, stärker, schneller.
 

Sein Blick war auf Taylor gerichtet, auf das unbarmherzige Spiel, das Braydan mit ihm spielte. Die Qual, das Schreien, die verzweifelten Versuche, sich zu befreien – Darius konnte es nicht länger ertragen. Jeder Schrei von Taylor schnitt ihm ins Herz. „Ich muss es schaffen“, dachte er verzweifelt, „Ich muss ihn stoppen, bevor es zu spät ist.“
 

Aiden, der neben ihm lag, starrte wie gelähmt auf die Szene, seine Augen weit vor Schock und Angst. Doch Darius fühlte, wie sein eigener Körper brannte, als er immer wieder versuchte, sich zu befreien. Die Luft schien dichter zu werden, die Hoffnung schwand, je mehr er versuchte.
 

„Du wirst ihn nicht töten!“, brüllte Darius, seine Stimme von Panik und Zorn durchzogen. Doch der Ton klang schwach, fast verloren, als ob seine Worte in den Raum fielen, ohne den Kampf gegen Braydan wirklich aufhalten zu können. In seinen Augen brannte verzweifelte Entschlossenheit, doch der Schmerz in seinen Armen war zu überwältigend.
 

Jede Bewegung zog sich wie Feuer durch seinen Körper, doch er hörte nicht auf, sich zu winden. Die Aussicht, Taylor zu verlieren, ließ ihn keinen Moment ruhen.
 

Er würde nicht aufgeben.
 

Nicht, wenn Taylor noch eine Chance hatte.
 

Nicht, solange er noch ein einziges Mal atmen konnte.
 

Er zog weiter, mit einem letzten, verzweifelten Ruck – und dann... ein Knacken. Der Schmerz in seinen Handgelenken brannte, aber er wusste, dass er nicht aufgeben durfte. Die Fesseln gaben nach – ein kleiner Erfolg, der wie ein greller Lichtstrahl in der Dunkelheit war. Doch der Triumph war nur von kurzer Dauer, als er Braydans Blick auffing.
 

Ein kleines Stück Freiheit. Das Seil war locker genug, um mit einem kräftigen Ruck seine Hand zu befreien.
 

Darius’ Herz schlug schneller. Jetzt! Er griff nach dem zweiten Seil, seine Bewegungen schnell und rücksichtslos. Die Zeit lief ihm davon, aber er war näher als je zuvor daran, Braydan zu stoppen.
 

Seine’ Finger waren blutverschmiert und schmerzten von der Anstrengung, doch er kämpfte weiter. Die Fesseln, die ihn festhielten, brannten in seinem Handgelenken, und sein Körper war noch immer von den früheren Misshandlungen geschwächt.
 

Die Wut, die in ihm loderte, ließ ihn nicht nachgeben. Er konnte nicht aufgeben. Nicht jetzt. Nicht hier, wo das Leben von Taylor und das Kind auf dem Spiel standen.
 

„Aiden, hilf mir!“ Keuchend versuchte Darius, sich zu befreien, doch die Ketten hielten ihn fest, als wären sie aus Stahl. Aiden war ebenfalls aufgebracht, der Blick in seinen Augen wild, doch auch er wusste, dass sie in dieser Situation nur einander hatten, und sie waren nicht in der Lage, sich viel zu leisten.
 

Doch als sie versuchten, sich zu befreien, war es bereits zu spät.
 

Denn Braydan, der den Tumult draußen, das Wuchten schwerer Körper und das Krachen der Faustschläge, mitbekommen hatte, merkte, dass etwas nicht stimmte. Er hörte das Keuchen und Stöhnen, das mit den verzweifelten Versuchen der beiden, sich zu befreien, einherging.
 

Ein flüchtiger Blick Richtung Tür ließ ihm nicht entgehen, dass sich Darius mit aller Kraft gegen seine Fesseln wandte, als ob er einen Ausweg suchen würde.
 

Für einen Moment verhielt er sich still, der Blick auf Darius gerichtet, seine Miene plötzlich ernst. Das vorherige schadenfrohe Schmunzeln verschwand von seinen Lippen, als er die Entschlossenheit in Darius’ Augen bemerkte – und als er sah, wie sich der andere tatsächlich befreien konnte.
 

Es war nur ein kleiner Ruck, ein flüchtiger Moment der Bewegung – ein Funke des Widerstands. Doch dieser winzige Impuls reichte aus, um Braydan für einen Augenblick den Glauben an seine völlige Kontrolle zu rauben.
 

Ein flüchtiger Moment des Sieges. Ein winziger Funke der Hoffnung – und dann das erschreckende Lächeln von Braydan. Darius’ Magen zog sich zusammen. Er hatte es für einen Moment geglaubt – und jetzt wusste er, wie nahe er am Scheitern war.
 

Der Blick in Darius’ Augen, der trotz allem einen Funken Hoffnung zeigte, ließ ihn innehalten, seine Miene härter werden. Es war der Moment, in dem Darius ihm zeigte, dass er nicht gewonnen hatte.
 

Braydans Blick verhärtete sich, als die Wut in ihm aufstieg – ein loderndes Feuer, das von den Tiefen seines Inneren herausbrach. Für einen Moment war es kein Wunsch, zu schlagen, sondern der Drang, sich zu vergewissern, dass der Schmerz, den er verursachte, tiefer ging. Er genoss den Moment der Macht, das Gefühl, Darius’ letzte Hoffnung zu brechen, während er sich langsam wieder auf Taylor konzentrierte.
 

Er wollte Darius’ verzweifelten Versuch, sich zu befreien, in seiner vollen Bedeutung spüren. Die Dramatik des Moments lag in der Tatsache, dass er sich jetzt überlegen fühlte. Er lachte – ein tiefes, bösartiges Lachen, das den Raum mit seiner kalten, grausamen Freude erfüllte, als wolle er den beiden bewusst die letzte Hoffnung rauben.
 

Jeder Atemzug von Darius und Taylor schien für Braydan zu einer weiteren Bestätigung seiner Überlegenheit zu werden.
 

Weswegen Braydan nicht lange zögerte. Der Ausdruck in seinem Gesicht wurde noch grimmiger, als er sich wieder auf Taylor konzentrierte, der erschöpft und völlig ausgeliefert vor ihm lag. Mit einem weiteren brutalen Stoß stieß er tiefer in Taylor, der dadurch erneut keine Luft bekam, der Schmerz durch seinen Körper jagend.
 

Taylor versuchte, sich zu wehren, doch die Fesseln ließen keine Bewegung zu, seine Kehle presste sich unter den Schlägen, und der Schmerz brach sich mit jedem Stoß Bahn. Der Schrei, der seine Kehle entwich, war erstickt, fast verschwunden, als Braydan sich mit einem letzten, harter Stoß aus ihm zurückzog.
 

Es war der Moment, in dem jeder Widerstand und jede Hoffnung, die Taylor noch gehabt hatte, endgültig von Braydan erstickt wurde. Ein zynisches Grinsen lag auf Braydans Lippen, als er Taylor mit einem letzten Blick der Verachtung strafte. Seine Augen funkelten vor Hass, doch es war auch eine Art Befriedigung darin, als er den Blick von Taylor abwandte.
 

Braydan zog sich zurück. Das Zynische Grinsen auf seinen Lippen hielt noch für einen Augenblick, dann wandte er sich von Taylor ab. Das war nicht nur ein Akt der Gewalt. Es war seine Art, Besitz zu zeigen. Und in dieser Dunkelheit wollte er Darius nicht zu schnell entkommen lassen.
 

Noch einmal funkelte die Wut in seinen Augen, dann wandte er sich endgültig von ihm ab und ging zu Darius...

Kapitel 220 (R-18)

++++
 

Braydan spürte die Intensität in der Luft, die unerbittliche Spannung, die von Darius ausging. Er konnte die Verzweiflung in Darius’ Augen spüren, als dieser seine letzten Kräfte mobilisierte, um sich zu befreien. Doch Braydan merkte auch, dass er sich diesem Widerstand nicht einfach entziehen konnte.
 

Die Bewegung, die Darius machte, verlangsamte Braydans Schritte. Etwas in Darius’ Haltung ließ ihn innehalten, als er die Entschlossenheit und den Funken Hoffnung sah, der trotz der Qual in seinen Augen flackerte.
 

Mit einem leisen Knacken der Fesseln, das fast wie ein Vorbote des nahenden Endes klang, und einem Zucken in Darius’ Arm, griff Braydan endgültig ein. Er trat näher, seine Schritte hallten bedrohlich in der Stille des Raumes.
 

„Du willst dich also wirklich befreien, hm?“ sagte er mit einem spöttischen Lächeln, das nicht das geringste Verständnis für die Not der beiden zeigte. Seine Stimme war schneidend, rau und voller Hohn, als ob er das Verlangen in Darius’ Augen wie einen schlechten Witz betrachtete. Doch als er Darius’ Blick erneut traf, merkte er, dass dieser sich nicht so leicht unterkriegen ließ.
 

Ein Moment der stillen Konfrontation, in dem die Luft zwischen ihnen vibriert war.
 

In Darius’ Augen flackerte ein Funken Widerstand, ein Moment der Hoffnung, der Braydan nicht entging. Der Funke war winzig, fast unsichtbar, aber er war da – und es war genau das, was Braydan in diesem Moment herausforderte. Etwas in ihm regte sich, ein Gefühl von Zorn und Entschlossenheit, dass er nicht einfach ignorieren konnte.
 

Braydan holte tief Luft, seine Hand ballte sich zur Faust, als er die Herausforderung in Darius' Blick bemerkte. Ein finsteres Grinsen breitete sich auf seinen Lippen aus, während er sich langsam zu Darius beugte, die Drohung in seiner Haltung greifbar.
 

Dann, ohne Vorwarnung, zog er seine Hand zurück und holte aus – ein brutaler, gezielter Schlag, der auf Darius' Gesicht zielte.
 

Der Schlag traf Darius mit einem dumpfen Geräusch, als sein Kopf gegen das Kopfteil des Bettes schlug. Der Schmerz durchzog seinen gesamten Körper wie ein Blitz, alles um ihn herum verschwamm für einen Moment. Die plötzliche Bewegung ließ seine Sinne schwanken, doch er zwang sich, den Blick auf Braydan zu richten.
 

Der Alpha stand über ihm, sein Blick so kalt und voller Verachtung, dass es Darius fast den Atem nahm. Jeder Muskel in seinem Körper schrie vor Schmerz, doch die Wut in ihm ließ ihn nicht zusammenbrechen. Sie ließ ihn weiterkämpfen, weiter hoffen, auch wenn er wusste, dass er nicht viel mehr tun konnte als das.
 

„Du hast gedacht, du könntest mich aufhalten, Darius?“ Braydan knurrte, während er sich langsam erhob, seine Bewegungen überlegt und bedrohlich. Der Alpha, immer noch genauso stark und dominant wie zuvor, widmete sich Aiden zu, der sich zitternd aufrichtete, um sich gegen ihn zu stellen.
 

Doch Braydan wusste, dass er Darius mit Aiden ruhigstellen konnte. Der junge Omega, schwächer, verletzlicher – er war das perfekte Ziel. Aiden versuchte, sich zu wehren, doch Braydan war schneller. Mit einer einzigen, schnellen Bewegung packte er Aiden am Hals, zog ihn zu sich und drückte seine Hand mit solcher Gewalt gegen dessen Kehlkopf, dass Aiden nicht einmal einen Atemzug lang aufkeuchen konnte.
 

Die Panik in den Augen des jungen Omegas war unübersehbar, und Braydan genoss es, die Kontrolle zu haben. Es war ein machtvolles Gefühl, das ihn ergriff, als Aiden hilflos gegen seinen Griff kämpfte.
 

„Ihr denkt wirklich, ich würde mich von zwei geschwächten Omegas aufhalten lassen?“ Braydan stieß Aiden gegen die Wand, der mit einem schmerzhaften Aufschrei gegen das harte Holz krachte. Das Geräusch des Aufpralls hallte in Darius’ Ohren nach, und die Zerrissenheit in seiner Brust wurde unerträglich.
 

„Aiden!“, schrie er, als er die Situation mit wachsender Angst überblickte, doch der Schrei wurde von der Wucht der Realität verschlungen. Es war der gleiche Schmerz, der in seiner Brust brannte – die Hilflosigkeit, das Gefühl der Ohnmacht, während er zusah, wie Braydan Aiden weiter quälte.
 

„Du bist nichts. Ihr seid nichts“, sagte Braydan mit einer Stimme, die von Überheblichkeit und unvorstellbarem Hass durchzogen war. „Und wenn ihr denkt, ihr könnt mich besiegen, dann habt ihr euch geirrt.“
 

Die Worte schnitten wie Messer durch Darius’ Seele. Aber es war nicht nur der Schmerz, den er spürte – es war die nackte Angst, die ihn lähmte, als er sah, wie Braydan weiter Aiden misshandelte. Der Schmerz, der sich in seiner Brust festsetzte, war mehr als körperlich – es war die Erkenntnis, dass sie wirklich in Braydans Gewalt waren, dass ihr Kampf gegen ihn vergeblich war. Der Gedanke, dass er nichts tun konnte, um Aiden zu helfen, schnürte ihm die Kehle zu.
 

Die Zerrissenheit in Darius’ Brust war unerträglich. Er konnte nicht einfach zusehen, aber er wusste, dass er ohne seine Freiheit keine Chance hatte. Der Zorn in ihm wuchs – es war ein schmerzhafter Zorn, der tief aus der Verzweiflung kam. Doch er konnte nicht einmal richtig reagieren, während er selbst immer noch im Würgegriff der Fesseln und der Ohnmacht war.
 

Der Schmerz in seinen Handgelenken brannte, als er weiter an den Seilen zog.
 

„Du wirst uns nicht brechen“, sagte Aiden keuchend, obwohl er spürte, wie die Kraft aus ihm wich, während er versuchte, sich von Braydans Griff zu befreien. Doch es war zu spät. Der Alpha hatte das Übergewicht, und ohne jegliche Möglichkeit zur Flucht war Darius gezwungen zuzusehen, wie Braydan weiterhin auf Aiden losging.
 

Der Alpha war ein unaufhaltsamer Sturm, und sie waren nur schwache Flügel in seinem Wind.
 

„Oh, aber ich habe schon gewonnen“, sagte Braydan mit einem grimmigen Lächeln. „Es ist zu spät für euch. Viel zu spät.“ Die Worte hingen wie eine düstere Vorhersage in der Luft, und Darius konnte nichts tun, um sie zu entkräften.
 

Darius’ Wut explodierte wie ein wilder Sturm. „Lass ihn los!“, brüllte er, als er sich mit allem, was er noch in sich hatte, gegen die Fesseln warf. Doch selbst mit all seiner Energie gab es keinen Ausweg. Braydan war zu stark, zu unerbittlich.
 

Es war klar: Darius und Aiden waren hier nicht die Jäger, sondern die Beute. Und in diesem Moment wusste Darius, dass sie sich einen noch viel größeren Kampf bevorstanden. Doch er würde nicht aufgeben. Nicht so leicht. Er wusste, dass er nicht aufgeben durfte, selbst wenn es noch so aussichtslos schien.
 

Auch wurde ihm klar, dass der Befreiungsversuch in die Hose ging, als der Schmerz in seinen Gliedmaßen und die schier endlose Erschöpfung ihn endgültig übermannten. In diesem Moment konnte er nichts mehr tun.
 

Er hatte alles gegeben, doch der Kampf gegen die Fesseln, gegen Braydan, war verloren.
 

Die Hoffnung, die noch kurz zuvor in ihm geflackert hatte, erlosch wie eine Flamme im Wind, und Darius verstand nun, dass er und Aiden völlig in der Hand ihres Peinigers waren…

Kapitel 221

++++
 

Damian und die anderen hatten die Wachen wieder so weit in die Flucht geschlagen, obwohl sie nicht ohne Verletzungen davongekommen waren. An ihren Körpern prangten blutige Striemen, Zeichen des Kampfes, der mit jeder Sekunde an Intensität zugenommen hatte. Der Geruch von Schweiß und Blut hing schwer in der Luft, vermischt mit dem metallischen Hauch der Waffen, die noch warm von der Benutzung in ihren Händen lagen.
 

Doch trotz der Schmerzen standen sie da, jeder von ihnen hielt sich ein anderes Körperteil, das nach dem Aufeinandertreffen schmerzte, und grinsten – grinsen wie Idioten, als hätten sie gerade eine kleine, unbedeutende Auseinandersetzung hinter sich.
 

Jack wischte sich mit dem Handrücken eine Blutspur von der Stirn, während Dustin tief durchatmete, um den stechenden Schmerz in seiner Seite zu ignorieren.
 

Soren verzog das Gesicht, als er vorsichtig seine Schulter bewegte, aus der ein dumpfer Schmerz pochte, der sich durch seinen ganzen Arm zog. Als Omega hatte er sich nicht schlecht geschlagen, auch wenn sein Körper jetzt die Erschöpfung spürte. Jeder Muskel in ihm pochte, seine Hände zitterten leicht von der Anstrengung, doch er war stolz darauf, nicht einfach kampflos aufgegeben zu haben.
 

Er war Taylor wirklich mehr als dankbar, dass dieser sich trotz seiner wenigen freien Zeit die Mühe gemacht hatte, ihm einige Verteidigungsattacken beizubringen. Ohne dieses Training hätte er kaum eine Chance gehabt, sich zu wehren – und er wollte gar nicht daran denken, wie die Situation dann geendet hätte.
 

Taylor hatte ihm nicht nur Techniken gezeigt, sondern auch das nötige Selbstvertrauen vermittelt, um in einem solchen Moment nicht einfach in Angst zu erstarren. Soren wusste, dass er körperlich unterlegen war, aber er hatte gelernt, seine Umgebung zu nutzen, um sich zumindest einen Moment der Flucht zu erkaufen. Ein Kratzen, ein Tritt an die richtige Stelle, eine schnelle Drehung – all das konnte den entscheidenden Unterschied machen. Und genau das hatte ihm geholfen, sich so lange zu behaupten.
 

Aber tief in ihrem Inneren wussten sie alle, dass die Situation alles andere als zum Lachen war. Sie hatten das Beklemmende bemerkt, was sich in der Luft abspielte, der beunruhigende Stille, die sich über alles gelegt hatte, nachdem die Schreie von Taylor verstummt waren.
 

Diese Stille war nicht befreiend, sondern bedrückend – als ob die Schatten selbst den Atem anhielten und auf den nächsten Schlag warteten.
 

Ein ungutes Gefühl kroch in ihren Magen. In der Regel war dies kein gutes Zeichen. Jedes Mal, wenn die Schreie plötzlich aufhörten, war das fast immer ein Vorbote von etwas viel Schlimmerem, etwas, das noch dunkler und bedrohlicher war.
 

Jack schluckte schwer, sein Kiefer verspannte sich, während er den Gang hinunterblickte, aus dem die Geräusche zuvorgekommen waren. Der Nachhall der Schreie schien noch immer in seinen Ohren zu klingen, als wären sie in die Wände eingebrannt.
 

Trotz dieser drückenden Stille, die sich um sie legte, hatten sie jedoch auch das Schreien von Darius gehört, ein schmerzverzerrtes, verzweifeltes Kreischen, das jeden von ihnen aufhorchen ließ. Es war kein bloßer Ruf nach Hilfe – es war ein Schrei voller Qual, der durch Mark und Bein ging und ihnen das Blut in den Adern gefrieren ließ.
 

Und dann das keuchende Stöhnen von Aiden – durchdringend und voller Angst. Diese Geräusche, vermischt mit den Geräuschen des Kämpfens und der Waffengewalt, ließen den Verdacht aufkommen, dass Taylor nicht mehr der Einzige war, der in Gefahr schwebte.
 

Die Männer wussten nun, dass sie sich in einem Wettlauf gegen die Zeit befanden. Jeder Schlag ihres Herzens war ein weiterer verstrichener Moment, ein weiteres Risiko, dass sie zu spät kommen könnten. Damian knirschte mit den Zähnen und ballte die Hände zu Fäusten, als wolle er die drohende Panik mit bloßer Willenskraft ersticken.
 

Damian, der an den ausgeprägten, engen Fäden seiner Verbindung zu Darius hing, spürte instinktiv, dass sein Mann etwas versuchte, sich zu befreien. Darius war nicht der Typ, der sich einfach so seinem Schicksal hingab. Er war stur, entschlossen – ein Kämpfer durch und durch.
 

Wenn er eine Möglichkeit sah, zu entkommen oder wenigstens einen kleinen Moment der Hoffnung zu erhaschen, würde er diese niemals ungenutzt lassen. Und so wie Damian ihn kannte, hatte er bestimmt alles versucht, sich zu befreien – mit aller Entschlossenheit, die in ihm steckte.
 

Er konnte es sich bildlich vorstellen: Darius, mit schweißnassen Haaren, die an seiner Stirn klebten, seine Brust hob und senkte sich in erschöpfenden, aber wilden Atemzügen, während er sich mit aller Kraft gegen seine Fesseln stemmte. Er konnte förmlich das Adrenalin spüren, das durch Darius' Adern rauschte, den Trotz in seinen Augen sehen, der sich auch in Damian selbst widerspiegelte.
 

Doch in diesem Moment war es nicht nur die Hoffnung, die Damian motivierte, sondern auch der scharfe, nagende Gedanke, dass auch sie sich in akuter Gefahr befanden. Wenn Darius und Aiden geschwächt waren, dann waren sie das Ziel – und diese Gewissheit nagte an ihnen.
 

Und Braydan wusste das. Er wusste genau, was er tun musste, um Damian und die anderen in die Enge zu treiben.
 

„Es wird eng“, murmelte Soren, der neben Graham kniete, seine Stimme ruhig, aber das Blickfeld nach vorne gerichtet, als er versuchte, den Überblick zu behalten. Seine Hand ballte sich zur Faust, als er tief durchatmete.
 

„Taylor hat wohl eine kurze Verschnaufpause, aber das wird sich denke ich wieder ändern… das ist nicht gut. Und was Darius betrifft – das ist kein gutes Zeichen. Er kämpft, ja, aber der Schmerz...“ Soren hielt inne, sein Blick wanderte zu Damian, der sich kaum zurückhalten konnte, sofort loszurennen.
 

„Er wird nicht aufgeben“, sagte Graham, seine Stimme rau, doch sein Blick war entschlossen. „Aber die Situation hat sich verschärft. Wir müssen handeln, und zwar jetzt.“
 

Graham versuchte sich aufzurichten, doch sein Körper war noch schwer von den Strapazen. Er biss die Zähne zusammen, während er sich gegen die Wand lehnte, seine Finger krallten sich in den Stoff seines Hemdes.
 

Die Worte von Soren und Graham hingen wie ein drohendes Echo in der Luft. Es war klar, dass sie alles andere als bereit waren, aufzugeben. Doch für Damian war der Gedanke, dass er seinen Mann, Aiden und Taylor noch weiter in Gefahr wissen musste, unerträglich.
 

Seine Nerven waren zum Zerreißen gespannt.
 

Der Schmerz in seiner Brust wuchs mit jeder Sekunde, die verstrich, ohne dass sie einen klaren Plan entwickelten. Aber er wusste, dass sie alles versuchen mussten. Es blieb ihnen keine andere Wahl.
 

„Ich kann nicht aufstehen“, flüsterte Graham, während er versuchte, sich auf seine Beine zu stützen, nur um festzustellen, dass sein Körper noch zu erschöpft war. Die Frustration darüber spiegelte sich in seinen Augen wider, doch er ließ sich nicht davon abhalten.
 

„Aber ich werde... ich muss.“
 

Damian sah Graham an, die Entschlossenheit in seinen Augen, aber auch die offensichtliche Erschöpfung. Es war nicht nur die körperliche Belastung, die ihn am Boden hielt, sondern auch der mentale Druck. Sie alle waren am Limit.
 

Es war ein Kampf um das Leben derer, die sie liebten. Doch die Zeit drängte. Und so versuchte Graham, sich gegen die Schwäche zu stemmen, als Soren ihm half, sich besser abzustützen.
 

Damian kniff die Augen zusammen und ließ sich von seinem Zorn und seiner Angst treiben, den Moment zu ergreifen. Darius und Aiden brauchten sie jetzt mehr denn je. Die Gewissheit, dass sie vielleicht zu spät kommen würden, nagte an ihm, aber er wusste, dass er nicht nachgeben konnte.
 

„Wir holen sie zurück. Alle“, murmelte Damian…

Kapitel 222

++++
 

Darius' Augen brannten vor Hilflosigkeit, als er den blutigen Anblick von Taylor auf dem Schreibtisch erfasste. Der Mann, der so stark gewesen war, lag jetzt völlig ausgeliefert in den Fesseln, die seine Bewegungen einschränkten. Taylors Beine waren in einem traurigen Teich aus Blut versunken, die Rinnsale zogen sich über die Tischplatte, als er verzweifelt versuchte, sich zu bewegen.
 

Die Schmerzen waren für Darius beinahe körperlich spürbar, als er sah, wie Taylors Brustkorb sich in hektischen Zügen hob und senkte, immer schneller, als würde der Körper selbst gegen die Qual ankämpfen. Doch der Kampf war längst verloren.
 

Seine Arme waren in den Fesseln so weit fixiert, dass er sie nicht einmal nutzen konnte, um sich zu stützen oder eine minimale Kontrolle zu gewinnen. Was blieb, war nur die hilflose Bewegung seines Körpers.
 

Mit einem lauten, schmerzhaften Wimmern versuchte Taylor, seine Beine an sich zu ziehen, als er den Schreibtisch benutzte, um sich zu stützen. Der Schmerz schoss durch seinen Körper, als er die Beine auf einen Versuch der Bewegung konzentrierte, und ein weinendes Keuchen entglitt ihm, als er vor Schmerz zusammenzuckte.
 

Seine Oberschenkel brannten mit einer Intensität, die er kaum ertragen konnte, und das Blut, das noch immer an seinen Oberschenkelinnenseiten herunter sickerte, schien jede Bewegung nur zu verstärken. Der Schmerz war so überwältigend, dass seine Augen sich mit Tränen füllten, die sich dann langsam ihren Weg über sein Gesicht bahnten.
 

Das weinende Schluchzen, das ihm entkam, klang wie ein zerbrochener Schrei der Verzweiflung.
 

„Es tut weh... es tut weh...“, murmelte Taylor unter seiner Atemnot, seine Worte waren kaum verständlich, doch die Bitterkeit in seiner Stimme ließ Darius' Herz noch mehr brechen.
 

Taylor war gefangen – nicht nur in den Fesseln, sondern auch in seinem Trauma, das ihn mit der brutalen Gewalt konfrontierte, die er ertragen musste. Das Zerren an seinen Beinen verstärkte nicht nur den körperlichen Schmerz, sondern holte auch tief verborgene Ängste und Erinnerungen an die Qualen der Vergangenheit zurück, die er nie ganz überwunden hatte.
 

Die Worte, die er versuchte zu sagen, hatten keinen Halt, und es war, als ob sein Körper und Geist sich in der Tiefe seines Schmerzes verloren hatten.
 

Tränen liefen ihm unaufhörlich über das Gesicht, als er verzweifelt versuchte, sich zu schützen, zu verschließen, aber die Qual war zu groß. Es war, als ob jeder Moment auf diesem Schreibtisch, jeder Atemzug, den er tat, ihn noch tiefer in den Abgrund zerrte.
 

Und doch versuchte er, sich wieder zu sammeln, einen Funken Stärke in sich zu finden, um die Welle der Verzweiflung abzuhalten.
 

Doch er konnte nicht – nicht mehr.
 

Darius konnte nicht wegsehen. Er musste jeden Moment mit ansehen, wie Taylor weiter in seinen Fesseln litt. Der Anblick ließ ihn fast ersticken, doch er kämpfte weiter. „Taylor... bitte, halt durch. Wir sind hier...“, flüsterte Darius, obwohl er wusste, dass diese Worte keine Bedeutung hatten in einer Welt, die so grausam war.
 

Taylors Versuche, sich zu befreien, wurden immer schwächer, als die Kraft ihm endgültig entglitt. Jede Bewegung, jeder Versuch, sich zu befreien, verstärkte die Schmerzgefilde in ihm. Doch es war, als würde er sich dennoch weiter nach einem Ausweg sehnen.
 

Die brutale Realität, in der sie gefangen waren, schien keine Gnade zu kennen. Ein schwaches Zittern lief durch Taylors Körper. Seine Lippen öffneten sich einen Moment lang, doch kein Laut kam über sie. Nur ein tiefer, brennender Atemzug.
 

Er wimmerte laut, als er versuchte, sich auf dem Schreibtisch einzuigeln, doch jeder noch so kleine Versuch, sich in eine geschützte Position zu bringen, verstärkte nur die brennenden Schmerzen, die durch seinen Körper schossen. Seine Beine zitterten vor Anstrengung, das Blut tropfte weiterhin langsam von seinen Oberschenkeln, doch er konnte die Beine nicht weiter zusammenziehen.
 

Sein Körper schmerzte von jeder Bewegung. Die Fesseln, die ihn festhielten, ließen keinen Raum für irgendeine Art von Freiheit. Er konnte sich nicht aufrichten, konnte keine Position finden, die den Druck auf seine schmerzenden Glieder linderte. Das Stehen oder Hocken war ein ferner Traum – was blieb, war das Zucken seines Körpers, das heftig nach Luft schnappte, und der unaufhörliche Schmerz, der von seinen Oberschenkeln, der Hüfte, seinem Hintern und bis in den unteren Rücken zog.
 

„Ah... ah...“, Taylors Keuchen mischte sich mit einem ständigen, unterdrückten Schluchzen. Jede Bewegung, jeder Versuch, sich zu stabilisieren, brachte eine neue Welle des Schmerzes, die ihn fast erdrückte. Und die einzige Reaktion war sein Schreien, seine Klagen über die erdrückende Qual, die er nicht abschütteln konnte.
 

„Bitte... bitte...“, stöhnte er zwischen den Tränen, doch seine Stimme war kaum mehr als ein schwaches, hohes Wimmern, das von der Qual übertönt wurde. Er konnte nichts anderes tun, als zu weinen – vor der Angst, vor dem Schmerz, vor der Wut, dass er nichts tun konnte, um sich zu befreien.
 

Die Welt um ihn verschwamm immer mehr. Taylors Sinne wurden von den Qualen überflutet, als der Schmerz sich wie eine undurchdringliche Wand um ihn legte. Er versuchte erneut, sich zusammenzukrümmen, doch jedes Mal, wenn er seinen Körper in eine andere Position brachte, hörte er ein quälendes, unterdrücktes Schreien, das aus seinem Inneren kam, als ob die Bewegung seine Seele zerriss.
 

Ein Krampf zog sich über seinen Körper, als er versuchte, sich zusammenzuziehen, um sich wenigstens vor der äußeren Bedrohung zu schützen. Doch nichts half. Der Schmerz war einfach zu viel.
 

Seine Augen waren vor lauter Tränen verschwommen, und die Schreie, die er von sich gab, hallten in der Luft wie ein Schrei der völligen Verzweiflung. Jeder Atemzug war ein Kampf, ein verzweifelter Versuch, sich nicht völlig zu verlieren, aber es war fast unmöglich.
 

Der Schmerz war so überwältigend, dass er kaum mehr wusste, wo er war – nur dass er in dieser Hölle gefangen war.
 

„Ich... kann nicht mehr...“, schluchzte er, seine Worte kaum mehr als ein flüsterndes Keuchen, das im Raum verhallte. Die Fesseln schienen ihn noch fester zu binden, als ob der Schmerz seine ganze Existenz beherrschte.
 

Und selbst als seine Schreie immer leiser wurden, als er sich immer mehr in den Schmerz verlor, wusste er tief in sich, dass er nicht aufgeben durfte. Aber der Körper konnte nicht mehr. Er war zu erschöpft, zu verletzt.
 

Und doch setzte er weiterhin alles daran, auch wenn er wusste, dass die Hoffnung auf Erlösung in diesem Moment nur ein ferner Traum war…

Kapitel 223

++++
 

Graham konnte das verzweifelte Weinen und Heulen nicht ertragen. Es war nicht nur der Klang von Schmerz, der die Luft zerriss, sondern auch der quälende, fast qualvolle Ausdruck von jemandem, der in einer unvorstellbaren Pein gefangen war. Das unaufhörliche Wimmern, das durch die Stille drang, ließ seinen Brustkorb fast brechen.
 

Er wusste, dass sein Mann gerade buchstäblich durch die Hölle ging – und es war nicht der grausame Übergriff von Braydan, der diese Schreie hervorrief, sondern etwas anderes.
 

Etwas, das nicht nur körperlich war, sondern tief in seinem Innersten wütete.
 

Es war die schmerzliche Reaktion seines Körpers, etwas, das sie beide längst nicht mehr kontrollieren konnten.
 

Und doch war es die Ohnmacht von Taylor, die ihm das Herz zerbrach.
 

Jeder Wimmern, jedes Zucken, jeder Atemzug, der von Qual und Angst begleitet wurde, war wie ein Messer, das sich in Grahams Brust bohrte. Er wusste, was es war. Taylor durchlebte etwas, das niemand erleben sollte, und zu wissen, dass er diesem Schmerz nicht helfen konnte, zerriss ihm die Seele. Es war wie eine eisige Hand, die sich immer fester um sein Herz legte.
 

Der Gedanke, dass sein Mann in diesem Zustand war, ohne dass er ihn retten konnte, war fast unerträglich.
 

Graham keuchte, als er versuchte, sich unter den schmerzhaften Stichen in seinem Körper weiter aufzurichten.
 

Soren, der bemerkte, wie sehr sein Freund litt, stützte ihn mit all seiner Kraft, aber es war ein aussichtsloses Unterfangen. Die Schmerzen, die in Grahams Gliedmaßen zogen, hinderten ihn daran, sich zu bewegen, doch der Wille, zu Taylor zu gelangen, war stärker als alles andere. Es war das Einzige, was ihn jetzt noch antrieb – die Vorstellung, dass sein Mann ihn brauchte.
 

Der Gedanke, dass er jetzt genau dort bei ihm sein musste, wurde zu einem immer drängenderen Ruf in ihm.
 

„Ich muss zu ihm…“, murmelte Graham mit zitternder Stimme, als er sich gegen Soren drückte, der ihm versuchte, Halt zu geben. Doch es war einfach unmöglich. Der Schmerz war zu intensiv, die Erschöpfung zu überwältigend. Dennoch gab er nicht auf.
 

Es war nicht mehr nur ein „Wollen“, es war ein tiefes, seelisches Bedürfnis, das ihn durchflutete. Taylor brauchte ihn jetzt mehr denn je. In diesem Moment konnte er sich nicht erlauben, aufzugeben.
 

Es erinnerte ihn an die Zeit, als er Taylor damals traf, als dieser erst 16 Jahre alt gewesen war. Damals war Taylor ein seelisches Wrack, zerrissen von der Welt, von all den Dingen, die er in seinem jungen Leben erfahren hatte. Doch auch damals hatte Graham ihn auf eine Weise gebraucht, die er nicht hätte erklären können. Taylor war mehr als nur ein Begleiter gewesen – er war die Antwort auf etwas, das er selbst nie ganz begreifen konnte.
 

Doch jetzt, in diesem Moment, war es noch stärker. Es war nicht nur eine Frage von Nähe oder Fürsorge, es war ein unerschütterliches Bedürfnis, ihm beizustehen, ihn zu beschützen und ihm zu helfen, durch das Dunkel zu finden, das ihn umgab.
 

„Ich werde dich nicht allein lassen“, flüsterte Graham zu sich selbst, auch wenn er wusste, dass Taylor ihn nicht hören konnte. Es war ein Versprechen, das er sich selbst gab, weil er wusste, dass Taylor jetzt jemanden brauchte, der ihm die Dunkelheit abnahm – jemanden, der mit ihm gegen diese Qual kämpfte.
 

Es war ihm egal, ob sein Mann in diesem Moment seine Nähe zulassen würde. Es war ihm völlig gleich, ob Taylor sich zurückzog oder sich nicht an ihn klammerte.
 

Alles, was er wollte, war, dass Taylor wusste, dass er da war – immer da. Dass er für ihn da war, egal wie schwierig es auch werden mochte.
 

In diesem Moment konnte Graham nur eines denken: Er musste zu ihm. Nichts anderes zählte mehr…

Kapitel 224 (R-18)

++++
 

Braydan beobachtete das Chaos, das er hinterlassen hatte, und wandte sich dann wieder Aiden und Darius zu. Während Taylor weiterhin zu einem Schatten seiner selbst zerbrach, achtete er darauf, die beiden anderen Omegas nicht aus den Augen zu verlieren. Ihr Widerstand, so gering er auch war, hatte ihn nur verärgert und war nicht unbeachtet geblieben.
 

Mit einem kaltblütigen Lächeln wandte Braydan sich wieder Darius zu. Er wusste, dass der Omega versuchte, sich zu wehren, doch jede Regung in seinem Körper war wie ein Zeichen seiner Schwäche. Mit einem fließenden Griff zog er Darius enger zu sich und überprüfte seine Fesseln, die ihn und Aiden kaum noch bewegungsfähig ließen.
 

„Und du…“, murmelte Braydan leise, fast spöttisch, während er sich über Darius beugte. „Du hast geglaubt, du könntest mir entkommen?“
 

Darius' Blick war wie ein offenes Fenster zu seiner Seele, er war voller Verzweiflung und gleichzeitig brennender Wut. Doch der Kampf in ihm war erlahmt, der Schmerz und die Erschöpfung hatten ihn weitestgehend niedergestreckt. Es war klar, dass er nichts tun konnte, um sich zu befreien, aber der Funke in seinen Augen zeigte, dass die Dunkelheit in ihm nicht ganz erloschen war.
 

Braydan nahm ihn mit einer einzigen Bewegung und schubste ihn gegen die Wand. Der Aufprall hallte durch den Raum, und Darius' Körper prallte heftig ab. Ein schmerzhaftes Stöhnen entglitt seinen Lippen, bevor er taumelte, kaum in der Lage, sich zu stützen.
 

Ohne Zögern packte Braydan ihn erneut, diesmal an den Oberschenkeln, und mit einem schnellen Handkantenschlag zerbrach er das Bein von Darius. Ein laut knirschendes Geräusch war zu hören, gefolgt von einem Schrei des Schmerzes, der von Darius kaum unterdrückt werden konnte. Noch bevor Darius sich von dem Schmerz erholen konnte, war er schon auf das Bett geworfen worden, mit Fesseln, die ihn nun auch ans Bett banden, so dass er sich nur noch in einem schmerzhaften Liegen abmühen konnte.
 

Ich darf nicht weinen... nicht vor ihm... Doch die Tränen brannten in seinen Augen, und der Schmerz in seinem Bein, so quälend und durchdringend, ließ ihn fast zusammenbrechen.
 

„Du wirst nichts tun können, Darius“, murmelte Braydan kalt, während er Darius fixierte und seine Bewegungsfreiheit noch weiter einschränkte.
 

Nachdem Darius fixiert war, trat Braydan zu Aiden, der versuchte, die Qualen der Fesseln und der Situation in sich zu ertragen. Der Alpha packte ihn grob, zog ihn mit einer Hand an den Haaren und schob ihn dann ebenfalls auf das Bett, wo er Aiden ebenfalls fixierte, sodass er nichts anderes tun konnte, als die Folter der Situation hilflos zu ertragen. Aiden versuchte, sich zu wehren, doch die Erschöpfung hatte auch ihn fest im Griff.
 

Doch die Hoffnung, die in ihm glomm, war schwach, beinahe erloschen, während der Schmerz und die Ohnmacht ihn überwältigten.
 

Braydan beobachtete seine Opfer mit einem bösen Grinsen. „Ihr seid jetzt nichts weiter als Marionetten, die sich nicht wehren können“, sagte er, und ließ sich von der verzweifelten, inneren Stärke, die in Aiden und Darius noch immer glimmte, nicht beeindrucken. Sie hatten keine Chance.
 

Dann wandte er sich wieder zu Taylor, der immer noch auf dem Schreibtisch lag, seine Bewegungen von, den Fesseln und dem Schmerz stark eingeschränkt. Taylor hatte verzweifelt versucht, sich einzuwickeln, sich in eine noch halbwegs erträgliche Position zu bringen, doch es war ein vergeblicher Versuch. Ich darf nicht…Ich muss irgendwie...
 

Doch es war fast unmöglich, einen klaren Gedanken zu fassen, der Schmerz war zu überwältigend.
 

Der Schmerz, der ihn quälte, hatte ihn fast gebrochen, doch für Braydan war dies noch lange nicht genug.
 

Mit einer einzigen Bewegung packte er Taylor, der sich kaum rühren konnte, an den Beinen. Taylor konnte kaum mehr als einen schmerzvollen, heiseren Schrei von sich geben, als er unsanft zu Braydan gezogen wurde. Der Schmerz in seinen Oberschenkeln und Rücken war unerträglich, jede Regung, jede Bewegung, die er versuchte, schien seine Qualen nur noch zu verstärken. Bitte nicht… nicht mehr… Doch es war nicht genug, um ihm die Erlösung zu bringen.
 

„Ahh! Bitte, nicht...“ Taylors Worte waren kaum mehr als ein Wimmern, das von der Schmerzwelle überrollt wurde. „Es tut so weh... bitte...“ Der Schrei, der aus ihm herausbrach, war ein reines Echo seiner Qualen, seiner völligen Ausweglosigkeit.
 

Er hatte nur eine kurze Verschnaufpause bekommen, doch als er von Braydan an den Beinen gezogen wurde, wurde der Druck auf seine Verletzungen nur noch schlimmer. Seine Oberschenkel brannten wie Feuer, und der Schmerz in seinem Körper ließ ihn fast in Ohnmacht fallen. Der Gedanke kam nur flüchtig, weil der Schmerz alles verschlang. Doch auch das war keine Erlösung, nicht für Taylor.
 

„Du bist ein schwacher, verachtenswerter Omega“, spottete Braydan, als er ihn in die Kontrolle brachte und den Blick des gebrochenen Mannes noch einmal genoss. Taylors verzweifelte Blicke waren das Einzige, was ihm noch Freude bereitete.
 

Mit jedem weiteren Zerren und jeder neuen Welle von Schmerz, die über Taylor hinwegrollte, wusste dieser tief in sich, dass es kaum noch einen Ausweg für ihn gab. Aber er kämpfte weiter, obwohl es ihm immer schwerer fiel, die Kontrolle über sich selbst zu bewahren.
 

„Hör auf... bitte...“, weinte Taylor, und die Tränen liefen ihm unaufhörlich über das Gesicht, seine Worte unter dem Schmerz fast nicht mehr hörbar.
 

Doch es war zu spät.
 

Braydan hatte ihn wieder in seiner Gewalt, und es gab nichts, was Taylor noch tun konnte...

Kapitel 225 (R-18)

[Dieses Kapitel ist nur Volljährigen zugänglich]

Kapitel 226 (R-18)

[Dieses Kapitel ist nur Volljährigen zugänglich]

Kapitel 227

++++
 

Draußen vor dem Büro merkten Graham, Soren, Damian, Jack und Dustin, dass Taylors Schreie, die wieder angefangen hatten, plötzlich ohne weitere Vorwarnung verstummten. Es war, als ob jemand einen Schalter umgelegt hätte, der all die qualvollen Geräusche, die zuvor durch die Wände gedrungen waren, einfach abbrach.
 

Das Wimmern. Das Schreien.
 

Einfach weg.
 

Die plötzliche Stille war schlimmer als die Geräusche zuvor.
 

Kein gutes Zeichen.
 

Graham spürte, wie ihm das Blut in den Adern gefror. Es war, als ob die Zeit für einen Moment stillstand, und in diesem stillen Moment jagte ihm der Gedanke, was genau in diesem Raum gerade passierte, kalte Angst durch den Körper.
 

Sein Herz raste so schnell, dass es schmerzte, aber sein Körper fühlte sich taub an. Jeder Atemzug war schwer, als ob selbst die Luft zu schwer für ihn wurde, und das Gewicht der Ungewissheit drückte auf ihm, als wäre er in einer Falle gefangen, aus der es kein Entkommen gab.
 

Der Raum, der jetzt so still war, fühlte sich erdrückend an. Ein dichter Nebel der Unsicherheit hing in der Luft, der alles um ihn herum erstickte.
 

Die Worte, die er nicht aussprechen konnte, lagen wie ein Klumpen in seiner Kehle, der ihn erstickte.
 

„Nein … nein, nein, nein!“, flüsterte er, seine Stimme ein leises, verzweifeltes Beben, das seine eigene Angst kaum in Worte fassen konnte. Graham wusste, dass Taylor… er wagte es nicht auszusprechen.
 

Der Gedanke daran war zu furchtbar, als dass er es zulassen wollte, ihn zu denken.
 

Er wusste, dass er seinen Mann verlieren würde, wenn sie nicht einen Weg in das Büro fanden. Die Gewissheit brannte sich wie glühendes Eisen in sein Herz, raubte ihm beinahe den Atem. Aber er konnte nicht zulassen, dass Taylor dort drinnen, alleine, vielleicht schon…
 

Er konnte es nicht zulassen.
 

Konnte nicht zulassen, dass Taylor hinter dieser Tür wahrscheinlich starb, während sie hier draußen wie erstarrt standen. Ihm kamen die Tränen, heiße, brennende Tropfen, die über seine Wangen liefen, während seine Gedanken rastlos umherschwirrten.
 

Der Gedanke, ohne Taylor weiterzuleben, fühlte sich wie ein unaussprechlicher Verlust an, als würde ein Teil von ihm selbst in diesem Moment mit ihm sterben.
 

Was sollte er ihrem gemeinsamen Sohn sagen? Wie sollte er in seine unschuldigen Augen blicken und ihm erklären, dass seine Mutter nicht nach Hause kommen würde?
 

Dass er es nicht geschafft hatte, ihn zu retten?
 

Allein die Vorstellung ließ ihn würgen. Er konnte es nicht. Er durfte es nicht. Taylor musste leben – er musste.
 

Jack und Damian hielten ihn zurück, ihre Hände fest an seinen Armen, als sie versuchten, seine wilde Bewegung zu stoppen. Sie spürten, wie er krampfhaft versuchte, sich zu befreien, um zu Taylor zu gelangen. Es war, als ob seine ganze Existenz jetzt nur noch aus dieser einen, verzweifelten Bitte bestand.
 

In diesem Moment fühlte sich die Welt kleiner an, der Druck in seiner Brust zu groß, um sich zu befreien. Die Nähe zu den anderen machte alles nur schlimmer, der Gedanke, sie müssten ihn zurückhalten, quälte ihn.
 

„Lass mich los!“, brüllte er, seine Stimme zitternd vor Wut und Angst, die in jeder Silbe mitschwang. Es war nicht nur die Angst um Taylor, es war auch die Angst vor dem, was sie nicht wussten, vor dem, was sie in diesem Moment nicht kontrollieren konnten.
 

Ein Gefühl der Hilflosigkeit durchströmte ihn, dass er nicht ablegen konnte.
 

„Lass mich los! Ich muss zu ihm!“
 

Aber sie konnten ihn nicht einfach loslassen.
 

Nicht, wenn er sich jetzt ins Verderben stürzen würde.
 

Nicht, wenn der brüchige Faden, der ihn zusammenhielt, in Gefahr war, zu zerreißen.
 

„Graham, du kannst ihm jetzt nicht helfen!“, rief Damian, aber seine Stimme war kaum mehr als ein verzweifeltes Zucken in der bedrückenden Stille, die sie umgab. „Du weißt, was passieren würde, wenn du jetzt da reingehst. Braydan würde ihn, umbringen….“
 

Graham wusste es. Er wusste es, aber es änderte nichts an der Zerrissenheit in ihm. Der Gedanke, dass er nichts tun konnte, quälte ihn fast noch mehr als der Gedanke an den Verlust.
 

Der Drang, zu Taylor zu gehen, war überwältigend, der Schmerz in seiner Brust war beinahe körperlich, doch er konnte nicht einfach losstürzen, nicht ohne zu wissen, ob es noch einen Sinn hatte.
 

Aber die alles entscheidende Frage war.
 

War Taylor noch da?
 

Oder war es für ihn zu spät?
 

Graham schloss für einen Moment die Augen, die Dunkelheit der Situation umhüllte ihn wie eine zweite Haut. Die Sekunden zogen sich wie Stunden hin. Jede weitere Sekunde der Ungewissheit war ein weiteres Stück seines Verstandes, das zu zerbrechen drohte.
 

Es war, als ob der Raum selbst die Luft abschnürte, als ob jeder Atemzug ein kleinerer und verzweifelterer Versuch war, durchzuhalten.
 

Er wollte keine Antworten, die er nicht hören konnte. Doch in der Stille spürte er, wie die Luft immer dicker wurde.
 

„Er lebt“, murmelte Jack, der hinter Graham stand, „er lebt, wir müssen nur…“
 

Doch Jack konnte den Satz nicht beenden. Auch er wusste, dass Worte in diesem Moment wenig Bedeutung hatten. Niemand wusste, was mit Taylor war.
 

Oder auch mit Darius und Aiden.
 

Der Raum vor ihnen war still, unheimlich still, und das war das Schlimmste. Es war, als ob jeder Atemzug, den sie taten, nur eine Erinnerung daran war, wie wenig sie in dieser Situation kontrollieren konnten.
 

Graham wusste, dass er nicht mehr lange ruhig bleiben konnte, dass er irgendwann die Grenze überschreiten würde, egal was die anderen sagten. Doch es war nicht nur Wut, die ihn antrieb.
 

Es war die bittere, lähmende Sorge um Taylor...

Kapitel 228 (R-18)

+++
 

Darius' Bein brannte wie Feuer, der Schmerz ließ ihm fast die Luft zum Atmen fehlen. Jeder Atemzug schmerzte, jeder Gedanke war ein Kampf gegen die Welle der Ohnmacht, die ihn immer wieder zu überrollen drohte.
 

Jeder Atemzug fühlte sich an, als würde er ihm das Leben aus den Lungen reißen. Er wollte schreien, wollte sich wehren, aber sein Körper gehorchte nicht. Wäre er nur stärker, schneller, dann könnte er es stoppen. Er hätte es stoppen können... wenn nicht dieser Schmerz...
 

Doch trotz des brennenden Schmerzes und der Qual, die ihn fast zerbrachen, hatte er noch genug Verstand, um zu sehen, was mit Taylor geschah. Der Omega lag dort, völlig ausgeliefert, und das war mehr, als Darius ertragen konnte.
 

„Braydan, bitte... hör auf...“, stieß Darius hervor, seine Stimme verzerrt und schwer vor Verzweiflung, während er sich verzweifelt versuchte, sich wieder aufzurichten, als wäre er in der Lage, die grausame Szene zu stoppen.
 

Aber Braydan hörte nicht. Der Alpha schien nicht einmal die Worte wahrzunehmen. Seine Bewegungen waren unaufhaltsam, als würde er den Schmerz, den er über Taylor brachte, nicht als das empfinden, was es war – ein grausames, brutales Übermaß an Gewalt.
 

Aiden, der ebenso versuchte sich wieder aufzurichten, lehnte an Darius, die Hände zitterten, als er versuchte, sich irgendwie aufrecht zu halten.
 

Warum konnte er nichts tun?
 

Warum musste er immer zuschauen?
 

Die Schmerzen, die in seinem Körper nagten, fühlten sich bedeutungslos an im Vergleich zu dem, was sie hier erlebten.
 

„Hör auf! Bitte… er ist am Ende!“ wieder Worte, die von reiner Angst und Sorge um Taylor durchzogen waren, hallten im Raum wider, doch sie schienen in der Dunkelheit der Situation zu verhallen.
 

Braydan ignorierte sie vollkommen. Er war in einem Rausch gefangen, ein Rausch von Dominanz, von Macht, der seine Sinne vernebelte.
 

„Bitte, Braydan!“, wimmerte Darius, als er sich trotz der Qual weiter bemühte, sich aufrecht hinzusetzen, um vielleicht so zu Taylor zu gelangen, wenn er es wieder geschafft hatte aufzustehen. Doch der Schmerz in seinem Bein war so durchdringend, dass es ihn immer wieder zu Boden zwang.
 

„Du kannst ihn nicht weiter so behandeln… Bitte!“
 

Die Worte der beiden, ihre verzweifelten Flehen, fast schmerzlich in ihrer Inbrunst, doch nichts davon brachte Braydan dazu, auch nur einen Moment innezuhalten. Sie schrien, flehten, aber die Welt, in der sie gefangen waren, hatte keinen Platz für Gnade.
 

Ein kalter Schauder lief Darius über den Rücken, als er das leere, emotionslose Gesicht von Braydan sah. Es war, als wäre der Mann nicht mehr in der Realität, als hätte ihn die dunkle Lust nach Macht und Kontrolle längst jeglicher Menschlichkeit beraubt.
 

„Ihr könnt nichts tun. Ihr seid nichts.“
 

Aiden biss sich auf die Lippen, seine Nägel gruben sich in die Matratze, als er sich mit letzter Kraft nach vorn zog. Seine Brust hob und senkte sich schnell, sein Blick irrte zwischen Taylor und Braydan hin und her.
 

„Du… wirst ihn… umbringen“, presste er hervor, seine Stimme kaum mehr als ein ersticktes Flüstern. Seine eigenen Wunden schmerzten, aber das war egal. Taylor war wichtiger. Darius spürte Aidens Anspannung, seine Verzweiflung. Es war dieselbe, die in seinen eigenen Knochen brannte, die ihn lähmte und doch zugleich zwang, weiterzumachen.
 

Wenn sie nichts unternahmen, würde Taylor sterben. Und er würde auch daran zerbrechen.“
 

Doch Taylor indes reagierte nicht mehr. Sein Körper hing schlaff da, die letzten leichten Bewegungen waren verstummt. Das Rasseln in seiner Kehle war verklungen, sein Brustkorb hob und senkte sich nur noch schwach.
 

Er war bewusstlos. Die brutale Behandlung hatte ihm jegliche Kraft geraubt.
 

Darius keuchte, sein Herz schlug schneller. „Er bewegt sich nicht mehr! Braydan, hör auf!“
 

Braydan hielt für einen Moment inne, sein Blick wanderte zu Taylor, als würde er bewerten, ob er noch einen weiteren Reiz aus ihm herausbrechen konnte. Doch dann zuckte er nur mit den Schultern. Ein unbeteiligter Ausdruck huschte über sein Gesicht, als wäre es ihm egal.
 

Darius‘ Hände ballten sich zu Fäusten, seine Fingernägel gruben sich tief in seine Handflächen. Er wusste, dass er etwas tun musste. Irgendwas. Aber sein Körper war schwach, sein Kopf dröhnte, als würde er jeden Moment die Kontrolle verlieren.
 

Die Gedanken in Darius‘ Kopf wirbelten durcheinander, jeder Schritt, den er zu Taylor machen wollte, schien ihn weiter zu zerstören. Aber er musste etwas tun – irgendetwas, um das Leben von Taylor zu retten. Es war seine einzige Chance.
 

Doch dann plötzlich –
 

Ein Geräusch von draußen? Die Tür?
 

Braydan hielt inne, sein Kopf ruckte zur Seite, als hätte er etwas gehört.
 

Anstatt sich jedoch davon beirren zu lassen, verließ ein amüsiertes Schnauben seine Lippen, bevor er sich wieder Taylor zuwandte, als wäre nichts geschehen.
 

Was auch immer dort draußen passierte, es war ihm gleichgültig.
 

Sein Fokus lag allein auf dem, was er vor sich hatte – und er hatte nicht vor, aufzuhören…

Kapitel 229

++++
 

Grahams Herz raste in seiner Brust, ein unaufhörliches, dröhnendes Pochen, das sich wie eine Warnung durch seinen Körper zog. Plötzlich durchbrachen verzweifelte Worte die angespannte Stille, schrien förmlich nach Rettung. Die Stimmen von Darius und Aiden hallten durch den Flur, von Angst durchzogen, erstickt von dem Entsetzen, das sie erleben mussten.
 

Es war nicht nur ein Ruf nach Hilfe – es war ein Flehen, ein verzweifeltes Aufbäumen gegen das unausweichliche Grauen, das sich vor ihnen entfaltete.
 

Aber nicht nur Graham hörte es. Auch die anderen Männer erstarrten, als die Schreie durch die Dunkelheit schnitten, jedes Wort ein Dolch aus purer Verzweiflung.
 

„Braydan, bitte… hör auf…“ Darius’ Stimme war brüchig, bebend vor Schmerz und schierer Hoffnungslosigkeit. Jedes Wort kam zittrig über seine Lippen, als würde sein Körper unter der Last des Schreckens nachgeben.
 

Seine Worte waren nicht bloß eine Bitte – sie waren der Ausdruck einer Seele, die wusste, dass sie gegen eine unaufhaltsame Wand ankämpfte.
 

„Bitte… hör auf, er ist am Ende!“ Aidens Schreie waren durchsetzt von einer Panik, die nur jemand empfinden konnte, der das Unvermeidbare bereits vor sich sah. Seine Stimme schwankte zwischen Wut und Angst, eine schneidende Klinge aus purer Verzweiflung.
 

Seine Kehle brannte von der Anstrengung, doch seine Worte klangen, als würde er gegen eine leere, gefühllose Welt anschreien, die nicht bereit war, ihm Gehör zu schenken.
 

„Du… wirst ihn… umbringen…“ Darius’ Stimme war nicht mehr als ein Flüstern, ein erstickter Laut, kaum mehr als ein Hauch in der Dunkelheit. Doch diese wenigen Worte wogen schwer, so schwer, dass sie wie ein Felsbrocken in Grahams Magen sanken. Sie waren nicht nur eine Warnung – sie waren die bittere Wahrheit.
 

Und dann, nach endlosen Momenten, kam der Satz, der alles zum Stillstand brachte:
 

„Er bewegt sich nicht mehr! Braydan, hör auf!“
 

Darius keuchte, rang nach Luft, doch in seiner Stimme lag eine unausweichliche Endgültigkeit.
 

Graham spürte, wie sein gesamter Körper erstarrte, als der wahre Schrecken dieser Worte ihn traf. „Oh Gott…“, keuchte er, als ihm die Bedeutung bewusstwurde. Seine Gedanken überschlugen sich, sein Verstand kämpfte gegen das Bild, das sich in ihm aufbaute – Taylor lag reglos da.
 

Bewusstlos.
 

Wehrlos.
 

Und Braydan war nicht der Mann, der Mitleid kannte.
 

Aber es war nicht nur Graham, der die schreckliche Wahrheit begriff. Auch Soren sog scharf die Luft ein, sein Blick panisch auf die Tür gerichtet, die zwischen ihnen und dem Grauen lag. Jeder einzelne Herzschlag hämmerte in seinen Ohren, und mit jeder Sekunde wurde ihm bewusster: Sie hatten keine Zeit mehr.
 

Denn anders als damals, als Braydan sich ihm gegenüber brutal, aber berechenbar verhalten hatte, wusste Soren diesmal mit absoluter Gewissheit – diesmal würde Braydan nicht aufhören.
 

Er wollte ein Exempel statuieren.
 

Er wollte zeigen, dass er die Macht hatte, Leben zu nehmen, ohne dass jemand ihn aufhielt.
 

Taylor Würde sterben.
 

Diese Worte brannten sich wie glühende Klingen in Sorens Verstand.
 

Sie hallten in ihm wider, immer und immer wieder, bis sie jeden anderen Gedanken verdrängten. Es war keine Möglichkeit mehr, kein vages Schreckensszenario – es war eine unabwendbare Realität.
 

Er hatte es ja schon mal gesagt und auch gedacht, dass Braydan erst dann aufhören würde, wenn er keine Lust mehr hatte oder wenn Taylor sterben würde. Und letzteres würde wohl mehr als bestätigt mit Darius letztem Satz.
 

Auch fraß sich der vorherige Satz in Sorens Verstand wie ein glühendes Eisen.
 

Die Unausweichlichkeit dieser Worte ließ seinen Magen verkrampfen, ließ die Welt um ihn herum enger werden. Sein Atem wurde flach, seine Finger gruben sich unbewusst in den Stoff seiner Kleidung. Wenn sie nicht sofort handelten, war es vorbei.
 

Keine Macht der Welt würde ihn wieder zurückholen können.
 

Diese Gedanken schienen ihn zu zerreißen. Denn in ihnen steckte nicht nur die Angst vor Taylors Tod, sondern auch die bittere Realität, die ihn nicht losließ: Sein kleiner Sohn – das Kind, das ihn brauchte, das auf ihn wartete – würde ohne seine Mutter aufwachsen.
 

Ein Junge, der noch viel zu klein war, um die Grausamkeit der Welt zu begreifen, der eines Tages fragen würde, warum sein Leben nicht mehr dasselbe war.
 

Und Soren wusste nicht, ob er die Kraft hatte, diese Frage zu beantworten.
 

Doch so schrecklich dieser Gedanke war, eine andere Erkenntnis war fast noch schlimmer. Selbst wenn Taylor überlebte… selbst wenn er diesen Albtraum durchstand…
 

Er würde niemals wieder der sein, der er einmal war.
 

Braydan würde ihm mehr nehmen als nur seinen Körper, mehr als nur seine Unversehrtheit. Er würde ihm das nehmen, was ihn ausmachte – sein Lächeln, sein sanftes Wesen, das Funkeln in seinen Augen, wenn er lachte.
 

All das würde verblassen, ausgelöscht von dem Schatten, den dieser Tag auf ihn werfen würde.
 

Und Graham wusste es genauso gut. Sollte sein Taylor – sein, geliebter Mann dieses Martyrium überleben, würde nichts mehr so sein wie zuvor. Seine Seele, sein Geist, das, was ihn ausmachte – es würde nie wieder dasselbe sein.
 

Denn manche Wunden heilten nie wirklich.
 

Sie blieben, tief eingebrannt, wie Narben auf einer Seele, die nie wieder unbeschwert sein konnte…

Kapitel 230 (R-18)

++++
 

Der Klang der flehenden Stimmen zerriss den Raum, schärfer als jeder Schrei, den sie bisher gehört hatten. Darius und Aiden hatten keine Hoffnung mehr, es schien, als wären sie völlig machtlos, doch ihre Worte hallten dennoch in der Stille wider. Sie schrien, bettelten und flehten um das Leben von Taylor, der in diesem Moment längst jenseits von allem war.
 

„Hör endlich auf, Braydan!“, schrie Aiden erneut, seine Stimme brach unter dem Schmerz. „Er ist tot, wenn du so weitermachst!“
 

Aber Braydan… Braydan ließ sich nicht beirren. Er hatte keine Reue, kein Mitleid, nichts, was ihn stoppen konnte. Er war entschlossen, den Schmerz zu verlängern, ihn zu verstärken, selbst wenn das bedeutete, dass Taylor in den Armen des Todes lag.
 

Es war, als wäre der Omega für Braydan nicht mehr als ein Objekt – etwas, das er nach Belieben nutzen konnte, ohne Rücksicht auf den Schmerz oder das Leben selbst.
 

Die Zeit lief weiter, und mit jedem Moment, den sie in dieser Hölle verbrannten, schrumpfte der Funken der Hoffnung weiter. Aber vielleicht war es nicht zu spät, vielleicht gab es einen Funken, der es ihnen ermöglichte, wenigstens zu retten, was zu retten war.
 

Aber es gab keinen Platz mehr für Hoffnung.
 

Nur die verzweifelte Erkenntnis, dass sie vielleicht nichts mehr tun konnten.
 

Auch legte sich eine qualvolle Stille, über den Raum.
 

Und Darius’ Körper zitterte nicht nur vor Schmerz, sondern vor der qualvollen Erkenntnis, dass er hilflos war, dass er nichts tun konnte, um zu helfen. Sein Bein brannte wie Feuer, der ganze Körper schmerzte, doch nichts war so quälend wie das Wissen, dass er hier hilflos war – dass sie alle hilflos waren.
 

„Braydan… bitte“, stieß Darius mit einer Stimme hervor, die kaum mehr als ein Flüstern war. Die Worte prallten an der Wand der Brutalität ab, die Braydan errichtet hatte.
 

„Hör auf, du wirst ihn umbringen…“
 

Doch Braydan kümmerte sich nicht um die Rufe. Er war wie ein Mann, der völlig in seiner eigenen Welt gefangen war, wie jemand, der nichts anderes als die Kontrolle und den Schmerz sah, den er gerade verursachte.
 

„Er wird nicht sterben…“, murmelte Braydan, seine Stimme kalt, fast so, als würde er sich selbst beruhigen. „Er wird sich fügen… du wirst sehen. Er hat das verdient…“
 

Braydan hielt für einen Moment inne, doch nur, um sich zu positionieren, die Kontrolle zu behalten, um dann, ohne ein weiteres Wort, mit einem weiteren, harten Stoß in Taylor einzudringen.
 

Darius’ Augen weiteten sich vor Entsetzen, als er das dumpfe Geräusch von Taylors leblosen Körper hörte, der jedem weiteren Angriff schutzlos ausgeliefert war. Der Omega regte sich nicht mehr, seine zuvor verzweifelten Schreie waren verstummt, als hätte die Gewalt ihm selbst die Fähigkeit genommen, noch Schmerz zu empfinden.
 

Stattdessen breitete sich eine lähmende Stille aus – schwer, bedrohlich, wie ein dunkler Schleier, der über ihnen lag und das unausweichliche Grauen nur noch deutlicher machte.
 

„Bitte… du musst aufhören…“, keuchte Aiden, seine Worte kamen zitternd und verzweifelt. „Er ist bewusstlos, Braydan. Er kann nicht mehr…“
 

Doch Braydan hörte nichts mehr, als wäre der Schmerz und das Flehen der anderen in einer anderen Realität, in einer Welt, die nur ihm gehörte. Jeder Stoß, jeder Griff schien ihm nur noch mehr Bestätigung zu geben. Der Omega war ihm nicht mehr als ein Objekt, etwas, das seine Wut und seinen Hass widerspiegelte.
 

„Du bist nichts“, flüsterte Braydan nun in Taylors Richtung, seine Worte bitter und spöttisch, als er erneut auf den bewusstlosen Körper eindrang. „Du hast mich provoziert… du hast dich in mein Leben gedrängt. Und jetzt wirst du es bezahlen.“
 

Der Schmerz, die Verzweiflung, die in den Worten der anderen mitschwang, war kaum auszuhalten. Darius, der sich krampfhaft versuchte, aufzurichten, wusste, dass die Zeit für jeden von ihnen lief. Jeder Schritt, den er machte, brannte wie Feuer, doch er wusste, dass er etwas tun musste, irgendetwas, um Braydan zu stoppen, auch wenn es aussichtslos schien.
 

In diesem Moment schien der Raum nur noch von der brutalen Gewalt Braydans beherrscht zu werden. Er konnte nichts anderes tun als weitermachen, getrieben von einer Wut, die er nicht kontrollieren konnte und wollte.
 

Er wollte Taylor brechen, wollte den Omega in einem Spiel aus Schmerz und Kontrolle verlieren.
 

Doch für die anderen… für Darius und Aiden… gab es keine Hoffnung mehr.
 

Es war ein Moment der vollkommenen Verzweiflung, als sie realisierten, dass nichts und niemand kommen könnte, um Taylor zu retten.
 

Doch trotzdem flehten die beiden weiter, jedoch war Braydan unberührt von ihren Rufen.
 

Er sah eine Weile kalt auf Taylor herab, als ob er sich seiner Macht über den Omega sicher war – ein Opfer, das keine Chance mehr hatte. Dann löste er langsam die Fesseln des Omegas, als wolle er ihn zu nichts weiter als einer hilflosen Puppe machen.
 

Die Augen des Alphas waren leer, sein Blick berechnend und emotionslos. Ungeachtet der Ohnmacht des Omegas, drang er weiterhin brutal in seinen Körper, als ob er den letzten Funken Würde und Widerstand brechen wollte.
 

Dabei streifte seine Hand über Taylors Bauch, den er zu zerstören suchte – den kleinen Bauch, der ein Symbol für das wachsende Leben in ihm war, das Braydan ohnehin nicht respektierte. Nicht, solange das Leben von ihm in den Körper gepflanzt wurde.
 

Es war der Teil von Taylor, den er in seiner krankhaften Kontrolle unterdrücken wollte, und in seinem Wahnsinn schien er die Schwangerschaft des Omegas als eine weitere Waffe zu sehen, um ihn zu brechen.
 

Dann zog Braydan mit einer Kälte, die jedes Gefühl erstickte, den Dolch aus seinem Stiefel, den er zuvor schon in Grahams Schulter gerammt hatte. Kurz ließ er die Klinge in seiner Hand ruhen und betrachtete sie mit einem fast schon zufriedenen Lächeln.
 

Dann legte er den Dolch auf Taylors Brust. Doch Taylor war bewusstlos und konnte nichts mehr spüren – die Klinge, die gegen seine Haut drückte, war für ihn nur noch eine ferne Bedrohung…

Kapitel 231 (R-18)

++++
 

Braydan, in seinem Wahn, schien keinen Halt mehr zu kennen. Mit einem fast schon schmerzhaften Lächeln drückte er den Dolch tiefer, als er ihn von Taylors Brust gehoben hatte, zielgerichtet in seinen Unterleib, als wolle er mit der Klinge das Leben zerstören, das in ihm wuchs – das Leben, das ihm ohnehin ein Dorn im Auge war.
 

Der scharfe Stahl schnitt tief, als er mit einem fast respektlosen Ruck durch die weiche Haut drang, seine brutale Absicht klar und unmissverständlich.
 

Taylor, immer noch bewusstlos, war der Zerstörung ausgeliefert. Die Klinge schien sich gegen das Leben zu wenden, das Braydan so sehr verachtete. Es war mehr als nur ein Akt der Gewalt – es war ein Exempel, eine grausame Botschaft, dass niemand sich gegen ihn auflehnen durfte, dass niemand ungestraft von ihm entkommen würde.
 

Darius und Aiden, die hilflos an den Fesseln gehalten wurden, sahen die grausame Szene mit Entsetzen. Ihre Schreie brachen aus ihren Kehlen, als sie Taylors Körper vor ihren Augen zerstört sahen.
 

„NEIN!“, rief Darius, seine Stimme rau vor Wut und Verzweiflung. „Du wirst ihn umbringen! Hör auf!“ Aiden war kaum in der Lage, sich zu fassen, der Schmerz in seiner Brust schnürte ihm die Luft ab, als er mit einem verzweifelten Schrei nach Taylors Namen rief. „Taylor! Bitte, nein!“
 

Doch Braydan, ungerührt von den flehenden Stimmen, setzte seine grausame Tat fort. Die Welt um ihn herum schien in einem einzigen, blutigen Moment zu verschwimmen. Nur der stechende Schmerz, der von der Klinge ausging, schien ihm klar zu sein, als er weiterhin das Leben von Taylor auslöschen wollte.
 

Für Darius und Aiden war es ein Moment des völligen Machtlosigkeit. Jeder Versuch, sich zu befreien, wurde durch die Fesseln und die brutale Hand von Braydan vereitelt. Der Raum füllte sich mit dem Echo ihrer Schreie, doch nichts konnte die unaufhaltsame Gewalt stoppen, die sich nun in Taylors Körper manifestierte.
 

„Verschone bitte das Kind…“ Ein panischer, verzweifelter Schrei brach aus Aidens Kehle, seine Stimme voller Angst und Schmerz. Es war ein Schrei, der von tiefster Verzweiflung durchzogen war, ein letzter verzweifelter Versuch, das Leben von Taylors ungeborenem Kind zu retten – das Leben, das Braydan in seinem Wahnsinn zu zerstören versuchte.
 

Aiden zitterte, als er die Worte hervorstieß, seine Augen weit vor Entsetzen.
 

„Verschone das Kind, Braydan! BITTE!“
 

Dieser Schrei hallte durch den Flur, obwohl er aus dem Büro kam, und traf Graham, Soren, Damian, Dustin und Jack mit voller Wucht. Sie standen draußen, suchten verzweifelt nach einem Weg hinein – doch noch immer fanden sie keinen Zugang.
 

Dann erstarrten sie.
 

Alle.
 

Allen voran Graham!
 

Für ihn war es, als würde die Welt um ihn herum zerbersten. Aiden schrie nicht nur aus Angst – er schrie, weil etwas Unwiderrufliches geschah. Weil Braydan dabei war, nicht nur Taylor, sondern auch das Leben in ihm auszulöschen. Grahams Kind.
 

Ein kaltes Grauen durchfuhr ihn, ließ ihn jeden Schmerz vergessen, der ihn eben noch am Boden gehalten hatte. Er wollte sich aufrappeln, sich auf die Beine zwingen, doch sein Körper gehorchte ihm kaum. Verzweiflung und blinder Wille rangen miteinander, während er sich gegen die Schwere in seinen Gliedern stemmte. Er hatte seinen Mann nicht retten können – aber sein Kind.
 

Sein Kind würde er nicht auch noch verlieren.
 

Mit einem Schrei riss er sich hoch, seine Hände zitterten, als er sich an der Wand abstützte. Sein Atem ging schwer, doch in seinen Augen brannte ein unaufhaltsamer Wille.
 

Er musste in dieses Büro.
 

Koste es, was es wolle.
 

Braydan indes starrte auf Aiden, als hätte er nicht gehört, was dieser gerade gesagt hatte. Doch die Stille, die darauffolgte, war beinahe noch beunruhigender. Für einen Moment schien Braydan innezuhalten, als würde er die Worte in seinem eigenen Wahnsinn abwägen.
 

Ein kleiner Zucken in seiner Mimik, ein Augenblick des Zögerns, als ob die Bedeutung von Aidens Schrei in seiner Dunkelheit kurz durchdrang. Aber nur für einen flimmernden Moment. Dann setzte er seine grausame Handlung fort, als sei der Schrei nichts weiter als ein Hintergrundgeräusch, das er längst ignoriert hatte.
 

„Das ist mein Exempel“, murmelte Braydan kalt, die Klinge noch immer fest in Taylors Körper, während der Omega keinen Widerstand mehr leisten konnte.
 

„Niemand wird sich mir je wieder widersetzen.“
 

„Verschone bitte das Kind…“ Aiden schrie es wieder verzweifelt, als sich die Worte mit einem Ruck aus seiner Kehle brachen. Der Schmerz in seiner Stimme war unerträglich, ein hilfloser Schrei, der den Raum durchdrang. „Verschone das Kind, Braydan, bitte!“
 

Doch Braydan schien keine Regung zu zeigen. Der Blick in seinen Augen war leer, wie der eines Mannes, der in seiner eigenen Dunkelheit gefangen war, ohne jegliche Empathie. Der verzweifelte Schrei hallte nur als schwacher Widerhall in seinen Ohren, während er weiterhin in Taylor eindrang, ohne ein weiteres Wort zu verlieren.
 

Es war, als würde er den Schmerz und das Leid um ihn herum gar nicht wahrnehmen, so tief war er in seinem eigenen Wahn gefangen.
 

„Das ist mein Exempel“, murmelte Braydan erneut mit kalter, gleichgültiger Stimme, während er unaufhaltsam in Taylor weiter stieß, die Klinge noch immer in seinem Körper. Jeder Stoß war wie ein Schlag, jeder Schritt ein weiterer Teil seiner Zerstörung.
 

Er hatte sich längst davon überzeugt, dass Taylor es verdient hatte, dass das Leben in ihm ausgelöscht wurde – so wie auch der Omega selbst in seinen Augen nichts weiter war als ein Objekt seiner Rache.
 

Die Klinge glitt weiter in Taylors Unterleib, als ob Braydan sie dazu benutzte, das Leben zu vernichten, das er in sich trug. Es war ein absichtlicher, grausamer Akt – ein Versuch, nicht nur Taylor zu brechen, sondern alles, was in ihm war, zu zerstören.
 

Der Dolch drang tiefer, als ob der Mann das Leben aus dem Körper des Omegas reißen wollte, als ob er sich von dem Schmerz ernährte, den er verursachte. Taylors Körper, regungslos und leblos, während Braydan weiterhin gnadenlos in ihn eindrang.
 

Der Omega hatte keinen Widerstand mehr zu leisten, sein Körper war nun nichts weiter als ein hilfloses Objekt in Braydans Händen, zu einem Spielball seiner Rache geworden. Die Gewalt, die ihn traf, ließ sich nicht mehr in Lauten oder Bewegungen ausdrücken, es war das Schweigen des Zerbruchs, das alles umhüllte.
 

„Du hast nichts zu sagen…“, zischte Braydan mit einem kalten Lächeln, als er seine Bewegung fortsetzte. „Niemand wird sich mir jemals wiedersetzen, nicht einmal du.“
 

Darius und Aiden hörten den schrecklichen Klang von Braydans Bewegungen, das dumpfe Geräusch, wenn sein Körper gegen den leblosen von Taylor stieß. Keine Gegenwehr, kein Laut – nur das erbarmungslose, brutale Stoßen, das die Stille zerriss. Darius’ Schreie durchbrachen den Raum, während er sich verzweifelt gegen seine Fesseln wehrte – kämpfte, schrie, flehte.
 

„Hör auf! Du wirst ihn umbringen, Braydan, hör endlich auf!“
 

Doch Braydan blieb gleichgültig, fuhr unerbittlich fort. Taylor war längst zu einem leblosen Spielball seiner Wut und Kontrolle geworden, sein Körper hilflos ausgeliefert.
 

Die Luft im Raum war schwer von Angst, Verzweiflung und der schrecklichen Gewissheit, dass sie nichts tun konnten.
 

Dass es bereits zu spät war...

Buch 4: Kapitel 232

Buch 4:
 

++++
 

Lucien White hatte noch einen Abstecher zu einem Omega gemacht, der ebenfalls schon seit Jahrzehnten in diesem Anwesen war. Der Omega war ein Schatten seiner selbst, gezeichnet von den Jahren der Misshandlungen und Qualen.
 

Sein Blick war leer, seine Bewegungen träge, als hätte das Leben längst seine Spuren aus ihm getilgt. Er hatte mit ihm kurz gesprochen, wollte wissen, wie er sich fühlte. Schließlich war er zwar ein Alpha, aber nicht so ein kaltblütiges Arschloch wie Braydan.
 

Und dennoch, auch wenn er es sich nicht eingestehen wollte – seine Hände waren nicht sauber.
 

Ja, auch er hatte schon den ein oder anderen Omega vergewaltigt und gegen seinen Willen genommen, allerdings dann meist nur, wenn Braydan oder einer der anderen Alphas in der Nähe waren.
 

Es war ein abscheuliches Spiel, ein Kreislauf aus Gewalt und Gehorsam, in den er sich irgendwann hatte fügen müssen, um nicht selbst zur Zielscheibe zu werden.
 

Lucien hatte nie wirklich Freude an diesen Handlungen gefunden – es widerstrebte ihm zu tief. Der Drang, Macht auszuüben, war zwar da, aber nie in dem Maße, wie es Braydan empfand.
 

Er redete sich ein, dass es anders gewesen war. Dass es keine Wahl gegeben hatte. Aber war das wirklich wahr? Oder hatte er sich einfach damit abgefunden, sich nicht zu wehren?
 

Auch war er damals nur in dieses Anwesen gekommen, da er nach wie vor seinen kleineren Bruder suchte, den er über all die Jahre nie gefunden hatte. In all den Jahrzehnten hatte er nach ihm gesucht, und dennoch war der Junge wie vom Erdboden verschluckt.
 

Unzählige Nächte hatte er wachgelegen, über Listen gebeugt, durch Berichte gescrollt, in der Hoffnung, irgendwo eine Spur zu entdecken. Gefunden hatte er ihn in all den Jahren nicht.
 

Sein Gesicht verblasste immer mehr in seiner Erinnerung. Die Stimme, das Lachen – verschwommen, als hätte der Wind sie längst mit sich genommen.
 

Natürlich hätte er auch einfach in den Unterlagen von Braydan schauen können, aber da er vorerst das Vertrauen von ihm nicht aufs Spiel setzen wollte, hielt er sich in der Regel zurück. Das Vertrauen, das er sich bei ihm erarbeitet hatte, war ihm zu wertvoll, um es leichtfertig aufs Spiel zu setzen.
 

Ein Alpha der Weltregierung zu sein, hatte schon seine Vorteile, aber auch seine Nachteile. Er wusste, dass ein falscher Schritt ihn alles kosten konnte. Loyalität war eine Illusion in diesem Kreis. Jeder war austauschbar – und wenn Braydan nur einen Hauch von Zweifel spürte, war es vorbei.
 

Besonders im Hinblick auf die Familie.
 

Eine Familie hatte er deswegen nämlich nicht, auch wenn er selbst schon einige Kinder gezeugt hatte.
 

Kinder, die ihm nicht gehörten. Kinder, die vielleicht genauso litten, wie Alfred gelitten hatte.
 

So wusste er, dass sein Leben nicht vollkommen war.
 

Aber war es nicht auch ironisch? Er hatte Leben in diese Welt gesetzt, doch keines davon war wirklich seines. Keines davon konnte die Leere in ihm füllen.
 

Doch vor allem plagte ihn das Versprechen, das er seiner Mutter gegeben hatte, bevor er starb – er würde seinen kleinen Bruder finden und ihn sicher nach Hause bringen. Er erinnerte sich noch genau an seine fiebrigen, brüchigen Worte, an die schwache Hand, die die seine umklammerte. 'Finde ihn, Lucien… bring ihn nach Hause…'
 

Doch was, wenn sein kleiner Bruder längst gestorben war?
 

Was, wenn er ihn nur suchte, um sich selbst davon zu überzeugen, dass er nicht gescheitert war?
 

Aber auch Lucien wusste, dass die Hoffnung, ihn noch lebend zu finden, mit jedem Tag schwand. Die Jahre hatten ihn gezeichnet, und der Zustand des Anwesens war nichts, was Hoffnung auf ein glückliches Ende wecken konnte. Die Wände hier waren Zeugen unzähliger Grausamkeiten, die Luft geschwängert von vergangenen Schreien, die längst verklungen waren.
 

Er sah zum Fenster…
 

Denn der Omega, der gerade aus dem Fenster starrte, war Braydans kleiner Bruder Alfred – und der bloße Gedanke, ihm gegenüberzustehen, versetzte Lucien einen stechenden Schmerz, den er kaum ertragen konnte.
 

Lucien wusste das, und es machte ihm beinahe körperliche Schmerzen, darüber nachzudenken. Alfreds Schultern waren eingefallen, seine Hände zitterten leicht. Er hatte nichts mehr von der einstigen Würde, die ihm als Bruder eines Alphas hätte zustehen sollen.
 

Der Mann vor ihm war in seiner Pubertät unvorstellbar gequält worden, hatte viel zu früh das Martyrium erfahren, das Braydan ihm zugedacht hatte.
 

Ein gebrochener Mann. Einer, der nie eine Wahl gehabt hatte.
 

Jahr um Jahr war er hier gefangen, wurde vergewaltigt, gefoltert – die Liste war endlos.
 

Der Gedanke an das Martyrium, das er durchlebt hatte, brachte Lucien ins Grübeln. Dass dieser Mann noch am Leben war, war fast ein Wunder. Vielleicht war es aber auch kein Wunder, sondern ein grausamer Zufall, eine Ironie des Schicksals, das ihn nicht sterben ließ, sondern zwang, weiterzuleben.
 

Wäre es nicht gnädiger gewesen, wenn er gestorben wäre?
 

Es war das letzte Kind, das er zur Welt gebracht hatte, dass ihm schließlich die Fähigkeit nahm, noch weitere Kinder zu empfangen – in der Regel das Todesurteil für einen Omega. Der Körper eines Omegas konnte nur so viel ertragen, und irgendwann zwang ihn die Natur in die Knie.
 

Doch der einzige Grund, warum er noch lebte, war, dass er Braydans Bruder war.
 

Und auch, weil er sich um die meist kurz vor der Geburt stehenden Omegas, die sich auch hier befanden, kümmerte. Er war ihre letzte Stütze in einer Welt, die sie längst verschlungen hatte.
 

Das war der einzige Lebensinhalt, den er noch hatte.
 

Oder war es nur eine Form der Strafe? Ein weiteres perfides Spiel, das Braydan mit ihm spielte?
 

Selbst wenn er nicht auf schreckliche Weise seine Fähigkeit verloren hätte, so wäre diese nun eh langsam dem Ende zugegangen, sein Alter war dementsprechend, und ein Omega konnte nicht ewig Kinder bekommen, höchstens vielleicht bis 50. Und selbst das war nur eine theoretische Zahl.
 

In Wirklichkeit überlebten die meisten nicht einmal annähernd so lange.
 

Er fragte sich, ob Alfred noch Hoffnungen hegte.
 

Ob in ihm noch ein Funke war, der sich nach Freiheit sehnte.
 

Oder ob er längst akzeptiert hatte, dass es für ihn keinen Weg mehr hinausgab…

Kapitel 233

++++
 

In stiller, nachdenklicher Ruhe stand Lucien dort und betrachtete den Omega vor ihm, der in die Ferne starrte, als ob er in einer anderen Welt war, weit entfernt von all dem Schmerz und Leid, das ihn hierhergeführt hatte. Der Omega hatte sich dem Leben ergeben, als wäre es nichts weiter als eine endlose Strafe, die er ohne Widerstand hinnahm.
 

Lucien wusste, dass der jüngere Bruder von Braydan ein Schatten seiner selbst war, gebrochen und zerstört durch die endlosen Jahre des Missbrauchs.
 

Doch was konnte er tun?
 

Wie konnte er Alfred helfen?
 

Lucien wusste, dass der Weg zu Braydan nie einfach gewesen war. Der Alpha hatte zu viel Macht, zu viel Kontrolle. Es war immer eine Frage der Zeit gewesen, bis Lucien den Schritt in diese Welt gesetzt hatte, aber er wusste auch, dass er sich von den Alphas fernhalten musste, wenn er jemals seinen Bruder finden wollte.
 

Er seufzte leise und wandte sich dann ab. Vielleicht würde er irgendwann wieder nach ihm suchen, aber der Gedanke an die endlosen Jahre der Suche, an das Versprechen, das er seiner Mutter gegeben hatte, ließen ihn immer wieder zweifeln.
 

Es war schwer, an etwas zu glauben, das so fern schien, so weit weg – aber er konnte sich nicht einfach aufgeben. Nicht, solange noch Hoffnung bestand.
 

Lucien stand immer noch regungslos da, sein Blick unverwandt auf den Omega gerichtet, der in die Ferne starrte. Es war, als wäre er in einer anderen Welt, weit entfernt von allem, was hier geschah Der Raum war still, nur das leise Summen der Fliederblätter, die sich im Wind wiegten, drang durch das Fenster.
 

Es war eine trügerische Ruhe, die Lucien eine seltsame Art von Nervosität verspüren ließ. Der Gedanke, dass alles hier jederzeit kippen konnte, hatte etwas Bedrohliches an sich.
 

Plötzlich wurde die Stille durch das Knarren der Tür unterbrochen. Eine Wache trat hastig ein, und der Omega zuckte erschrocken zusammen, als die Tür aufschlug. Lucien wirbelte herum, die Wut sofort in seinen Augen aufflammend, als er die Störung wahrnahm.
 

„Was zum Teufel…“ fauchte er mit schneidender Stimme.
 

Die Wache, sichtbar verunsichert, stellte sich sofort aufrecht und sprach schnell: „Es gibt ein Problem.“
 

Lucien zog eine Augenbraue hoch und seine Miene verfinsterte sich. „Und? Was hat das mit mir zu tun?“
 

Die Wache zögerte einen Moment, als er die Anspannung in Luciens Stimme hörte. „Bitte kommen sie mit. Graham macht Probleme. Er ist zudem nicht alleine.“
 

„Was zur Hölle…“ Lucien knurrte, seine Augen blitzten vor Misstrauen. „kann, das Braydan nicht selbst klären?“, wollte Lucien nur wissen.
 

Die Wache zögerte „Nein, ich fürchte nicht. Er hat Anweisung gegeben nicht gestört zu werden und Graham, setzt sich über den Befehl hinweg.“, kam es nur zögerlich.
 

„Ach und das könnt ihr nicht selbst klären. Wer ist denn bei ihm, dass ihr nicht mit einem Alpha fertig werden könnt?“ Lucien wusste mehr über Graham als so manch anderer und das machte die Sache nur schwieriger, zumal er sich vorstellen konnte, wie stark Graham eigentlich war. Dieser das aber versteckte und das nicht ohne Grund.
 

„Wir wissen das Soren bei ihm und noch 3 weitere Alphas, aber diese kennen wir leider nicht. und auch nicht wie sie ins Anwesen gekommen sind.“ meinte die Wache nur kleinlaut.
 

„Ach und ein Omega und vier Alphas zur Vernunft zu bringen, schaff ihr nicht? Und dafür braucht ihr mich?“ Lucien war sichtlich genervt. Denn er wusste, wenn Soren bei Graham war, war etwas nicht in Ordnung, denn meistens lief der Omega nicht freiherum und schon gar nicht mit Alphas!
 

„Es tut uns leid, Sir. Aber Graham dreht frei, weil es um Taylor geht“, antwortete die Wache, ohne eine Spur von Unsicherheit in der Stimme. „Soweit wir wissen…scheint es um ihn zu gehen… denn Einige hatten ihn in Braydans Büro gehen sehen…“, dass er seither nicht mehr herausgekommen war, dass verschwieg die Wache vorerst.
 

Lucien spürte, wie sich etwas Unheilvolles in seinem Magen zusammenzog. Der Name Taylor ließ in ihm eine Ahnung aufsteigen, die er nur schwer zu greifen vermochte. Er mochte Taylor. Und das Taylor zu Graham gehörte, das war kein Geheimnis.
 

Aber dass er irgendwie in diese Situation verwickelt war… Lucien hatte schon oft das Gefühl gehabt, dass mehr hinter Taylor steckte, als man ihm nachsagte.
 

Aber war er wirklich ein Omega? Und wenn ja, warum schwiegen alle?
 

„Scheiße“, murmelte Lucien leise, mehr zu sich selbst als zu der Wache.
 

„Ich werde mich darum kümmern. Ich will, dass du das Büro beobachtest. Wenn sich irgendetwas verändert oder die Situation eskaliert, informiere mich sofort.“
 

Die Wache nickte schnell und machte sich sofort auf den Weg zurück, um seinen Befehl auszuführen.
 

Ein unheilvolles Gefühl machte sich in ihm breit, als er die tiefere Bedeutung dieser Situation zu verstehen begann.
 

Wenn Braydan von Taylors Geheimnis wusste…

Kapitel 234

++++
 

Lucien blieb noch einen Moment wie erstarrt stehen, starrte in die Leere, als er versuchte, seine Gedanken zu ordnen. Die Vorstellung, dass Braydan und die anderen Alphas in irgendeiner Form Taylor involviert hatten, ließ ihn innerlich zornig werden.
 

Doch noch mehr machte ihm die Unsicherheit zu schaffen.
 

Hatte Braydan wirklich schon längst herausgefunden, dass Taylor ein Omega war?
 

Und was bedeutete das für ihn?
 

Er musste schnell handeln. Die Dinge konnten nicht einfach so weitergehen. Lucien war sich zwar nicht sicher, was wirklich gespielt wurde, aber er wusste, dass er sich nicht einfach zurücklehnen konnte.
 

Er konnte es sich nicht leisten, dass Braydan die Oberhand gewann.
 

Nicht über Taylor.
 

Nicht jetzt…
 

Lucien stand immer noch in der gleichen Position, als Braydans kleiner Bruder plötzlich den Kopf drehte und ihn mit einem Blick ansah, der mehr zu sagen schien, als Worte es je ausdrücken könnten. Es war das erste Mal, dass er etwas an Lucien richtete. Lucien wartete, gespannt auf das, was kommen würde.
 

„Du solltest dich beeilen“, sagte Braydans kleiner Bruder mit leiser, aber fester Stimme. „Du solltest Taylor retten…“
 

Lucien spürte, wie sich in ihm eine unangenehme Spannung aufbaute, als er die Bedeutung der Worte des Omegas verarbeitete.
 

„Was meinst du damit?“ fragte Lucien, wobei sein Blick scharf wurde. Braydans kleiner Bruder sah kurz zu Boden, als würde er abwägen, ob er wirklich alles sagen sollte.
 

„Taylor war bei den Omegas hier sehr beliebt“, fuhr er fort. „Schließlich wussten wir alle, dass er ein Omega ist. Es hat eine Zeit lang gedauert, aber wir haben ihm irgendwann vergeben, dass er uns entführt hatte, zusammen mit seinem Mann Graham.“
 

Alfred holte tief Luft, als würde er sich sammeln, um das, was folgte, besser zu formulieren. „Aber Lucien, du musst verstehen Taylor... er ist sensibler als er zugibt zu sein…“
 

Lucien fühlte sich plötzlich unruhig. Ein dämpfendes Gefühl drückte auf seine Brust, und eine Ahnung, die er nicht wahrhaben wollte, schlich sich in seinen Kopf. Es war, als ob ein Schleier von Ungewissheit und Geheimnissen sich lüftete, und er begann, das Bild klarer zu sehen.
 

„Und was weiß Braydan?“ Lucien fragte, seine Stimme jetzt schärfer. Braydans kleiner Bruder stieß einen leisen Seufzer aus.
 

„Braydan weiß, was Taylor ist und auch… auch weiß er, dass Taylor schwanger ist.“ Braydans kleiner Bruder schaute Lucien mit einem ernsten Blick an.
 

„Braydan wird nicht zulassen, dass ihm ein Omega auf der Nase herumtanzt. Du kennst meinen großen Bruder besser als jeder andere. Er schreckt auch nicht vor Mord zurück, wenn er sich in seiner Macht bedroht fühlt. Du musst schnell handeln, sonst wird es gefährlich.“
 

Lucien starrte Alfred für einen Moment an, als sich die letzten Puzzleteile zusammenfügten. Ein schneller Blick in die Augen des Omegas genügte, um zu verstehen, dass die Situation gefährlich und weitaus komplexer war, als er es sich je hätte vorstellen können.
 

Die Wahrheit über Taylor war längst kein Geheimnis mehr, zumindest nicht für die, die es wirklich wissen mussten.
 

„Verdammt“, murmelte Lucien, als er begann, die Tragweite dessen zu realisieren, bevor er sich hastig auf den Weg zu Braydans Büro machte, während das bedrohliche Gefühl in ihm immer stärker wurde.
 

Er wusste, dass er schnell handeln musste – und dass er Taylor vor Braydan beschützen musste, bevor es zu spät war. Lucien rannte durch die Korridore, der Puls hämmerte in seinen Ohren, während die Worte des Omegas immer wieder in seinem Kopf hallten.
 

Braydan wird nicht zulassen, dass ihm ein Omega auf der Nase herumtanzt.
 

Ein furchtbarer Verdacht regte sich in ihm, doch noch konnte er nichts Konkretes wissen, nichts, was er beweisen konnte.
 

Aber ein Gefühl von Urgency, wie ein unheilvoller Schatten, drängte ihn weiter…

Kapitel 235

++++
 

Was Lucien noch nicht wusste, war, dass in Braydan Büro bereits Unvorstellbares geschah. Braydan hatte längst mit Taylor gehandelt – und auch wenn Lucien noch auf dem Weg war, war es für ihn schon zu spät. Die Vergewaltigung hatte längst begonnen, und es war wahrscheinlich, dass das Kind in Taylor schon längst den Kampf gegen die grausamen Umstände verloren hatte.
 

Lucien hatte keine Ahnung davon, als er den Flur entlangging. Für ihn war es nur ein verzweifeltes Rennen gegen die Zeit. Aber die Realität, die ihn bald einholen würde, war umso erschreckender.
 

Taylor war nicht nur in Gefahr – es ging um das Leben eines ungeborenen Kindes, das von Braydan auf brutalste Weise zerstört wurde. Lucien würde diese Wahrheit erst erfahren, als es längst zu spät war, um zu verhindern, was schon geschehen war.
 

Doch bevor Lucien weitergehen konnte, da in der Zwischenzeit stehengeblieben war, hörte er ein leises Geräusch hinter sich. Als er sich umdrehte, sah er Braydans kleinen Bruder – Alfred – der ihm gefolgt war und nun vor ihm stand.
 

Seine Miene war besorgt, und er hatte einen Ausdruck, als ob er Lucien etwas sagen wollte. „Warte“, sagte er und trat einen Schritt näher. „Ich muss wissen, was mit Taylor ist. Ich mache mir Sorgen um ihn.“
 

Lucien hielt inne. „Du solltest dich zurückziehen“, sagte Lucien, doch seine Stimme klang weniger schroff als er beabsichtigt hatte. „Es ist gefährlich für dich.“
 

„Ich kann nicht einfach nichts tun“, sagte der Omega, seine Augen brannten vor Sorge.
 

„Ich weiß, was Braydan… was er tut. Aber… Taylor ist wichtig für uns. Und ich… ich habe das Gefühl, dass er in großer Gefahr ist. Braydan… er würde vor nichts zurückschrecken, nicht einmal vor einem Omega wie Taylor. Was, wenn… was, wenn er ihm etwas antut?“
 

Alfreds Stimme bebte leicht, denn für ihn war Taylor wie ein Sohn – der Gedanke, ihn zu verlieren, war unerträglich.
 

Lucien seufzte, wusste, dass der Omega recht hatte. Er kannte Braydan zu gut, um zu wissen, wie rücksichtslos dieser sein konnte.
 

„Ich werde herausfinden, was passiert ist“, sagte Lucien entschlossen, „aber du solltest dich aus dieser Sache raushalten. Es ist zu gefährlich.“
 

Alfred nickte, aber der Ausdruck in seinen Augen zeigte, dass er sich nicht zurückhalten konnte. „Ich kenne meinen Bruder. Er wird nicht zögern, alles zu tun, um Taylor zu brechen“, fügte er hinzu. „Ich will wissen, ob es schon zu spät ist, oder ob ich noch etwas tun kann.“
 

Lucien zögerte einen Moment, dann nickte er. „Komm mit, aber bleib im Hintergrund. Wenn Braydan schon weiß, dass Taylor ein Omega ist, dann wird er uns nicht einfach davonkommen lassen.“
 

Der Omega trat näher und folgte Lucien, während sie in Richtung Braydans Büro gingen. In seinem Inneren fragte sich Lucien, ob er zu spät kommen würde.
 

Was, wenn Braydan Taylor längst zu etwas gezwungen hatte, das nicht mehr rückgängig zu machen war?
 

Die Angst, dass Taylor in diesem Moment Leid erfuhr, wuchs in ihm, und die Ahnung, dass der Schlimmste schon eingetreten sein könnte, ließ ihn nicht los.
 

„Verschone das Kind, Braydan! BITTE!“ Der verzweifelte Schrei hallte durch den Flur und ließ Lucien und den Omega erschrocken innehalten. Beide starrten sich einen Moment lang an, bevor Lucien sich umdrehte und in die Richtung des Schreis blickte.
 

Er wusste sofort, was passiert war – und das Bild, das sich ihm nun in den Kopf setzte, war schlimmer, als er es sich je hätte vorstellen können.
 

„Taylor“, murmelte Alfred, seine Stimme von Angst und Sorge gepackt. „Er ist da… mit Braydan. Er…“
 

„Komm“, schnitt Lucien ihm ab, die Zähne zusammenbeißend, „wir müssen schnell sein.“ Er wusste, dass es keine Zeit zu verlieren gab, und zog den Omega mit sich, als sie die letzten Meter in Richtung Braydans Büro hasteten.
 

Der Schrei hatte sie erreicht, aber es war offensichtlich zu spät. Das Bild, das sie gleichsehen würden, würde die Wahrheit über Braydan und seine grausame Natur bestätigen – und es würde für Taylor, wenn er noch am Leben war, vielleicht das Ende bedeuten.
 

Der Omega drängte sich noch etwas näher an Lucien, sein Blick auf den Boden gerichtet, als könnten die Worte ihn davor bewahren, das zu sehen, was er bereits ahnte. „Er wird es nie aufhören“, flüsterte er. „Nie…“
 

Lucien hielt kurz an, sein Blick verfinstert.
 

Er wusste, dass er nichts tun konnte, um die Vergangenheit zu ändern.
 

Aber er würde alles in seiner Macht Stehende tun, um Taylor zu retten. Er konnte nicht zulassen, dass Braydan ein weiteres Leben zerstörte.
 

Mit einem schnellen Blick auf den Omega, der immer noch an seiner Seite war, betrat Lucien den Flur zum Büro.
 

„Hoffentlich ist es noch nicht zu spät“, sagte Lucien, mehr zu sich selbst als zu Alfred, der neben ihm stand...

Kapitel 236

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Lucien und Alfred blieben im Hintergrund, als sie den Flur entlang schlichen, was er sehen konnte, erschreckte ihn. Er sah Graham, der schwerverletzt an der Wand lehnte, während Soren, der Omega, sich besorgt um ihn kümmerte. Grahams Zustand schien schlimmer zu sein, als Lucien sich vorgestellt hatte, und der Schmerz in dessen Augen war kaum zu ertragen.
 

Die Szene war von bedrohlicher Stille erfüllt, und als Lucien einen Schritt weiter trat, bemerkte er, dass er tatsächlich nicht alleine war. An der Wand standen Damian McKinley, Jack Brown und Dustin Green – alles Männer, die er hier nicht erwartet hatte.
 

„Was machen die hier?“, murmelte Lucien leise, fast zu sich selbst. Diese Männer – alles Alphas – hatten nichts in diesem Anwesen zu suchen, es sei denn, sie waren aus einem bestimmten Grund hier.
 

Darius und Aiden waren zwar bereits hergebracht worden, doch Lucien war zu diesem Zeitpunkt anderweitig beschäftigt gewesen. Er hatte den Eindruck, dass er hätte wissen müssen, wenn diese Alphas plötzlich im Anwesen der Weltregierung auftauchten.
 

Sein Blick schweifte zurück zu Graham, der unter der Verletzung offensichtlich litt. Lucien konnte nicht verstehen, was genau passiert war, aber er wusste, dass diese Männer nicht zufällig hier waren.
 

Er fragte sich, ob sie wirklich nur gekommen waren, um sich um Graham zu kümmern – oder ob ihre Anwesenheit noch eine andere Bedeutung hatte.
 

Warum waren sie hier?
 

Was wusste Braydan von all dem?
 

Lucien hatte das Gefühl, dass die Antwort gefährlicher war, als er es sich je hatte vorstellen können. Und es schien, als würde dieser Moment alles verändern.
 

„Braydan wird nicht zulassen, dass wir uns einmischen“, flüsterte der Omega neben ihm, als er die Anspannung in Lucien spürte.
 

Lucien nickte, aber der Drang, mehr zu erfahren, hielt ihn im Moment fest. Er konnte sich nicht einfach abwenden. Nicht, ohne zu wissen, was wirklich vor sich ging.
 

Alfred wusste nur zu gut, zu was Braydan fähig war. Er hatte genug gespürt, genug gesehen, um zu verstehen, dass Braydan keinerlei Skrupel hatte, wenn es darum ging, zu bekommen, was er wollte.
 

Der Gedanke, dass Grahams schwere Verletzungen nur der Anfang sein könnten, ließ einen kalten Schauer über seinen Rücken laufen.
 

„Es muss schlimmer sein, als du und ich uns vorstellen können“, flüsterte Alfred, als er Lucien einen Blick zuwarf.
 

„Braydan geht über Leichen, und wenn Taylor jetzt schon…“
 

Seine Stimme zitterte leicht, als er die Worte aussprach. „Er würde nicht zögern, es bis zum Ende durchzuziehen, wenn es sein muss.“
 

Lucien spürte einen wachsenden Druck in seiner Brust. Die Wut, die er sonst so gut unter Kontrolle hatte, brodelte jetzt an der Oberfläche. Er wusste, dass Braydan ein gefährlicher Mann war, aber es war noch etwas anderes, es aus dem Mund eines anderen zu hören, besonders aus dem seines Bruders, der ihn kannte.
 

Er konnte sich den schrecklichen Gedankengang nicht länger verwehren.
 

Wenn Graham schwerverletzt war, was bedeutete das für Taylor?
 

Was hatte Braydan mit ihm gemacht?
 

„Wir müssen irgendetwas tun“, sagte Lucien mit fester Stimme. Doch der Blick des Omegas sagte mehr, als Worte es könnten.
 

„Du kannst nicht einfach hineinspazieren, Lucien“, warnte Alfred. „Braydan wird nichts zulassen, was ihm in die Quere kommt. Und wir wissen beide, dass es noch nicht zu Ende ist. Es wird nur noch schlimmer.“
 

Lucien konnte den Widerstand in sich spüren
 

Die Frage, was sie als Nächstes tun sollten, wurde unerträglich. Doch das Gefühl, dass sie jetzt handeln mussten, war stärker als alles andere. Trotzdem würde er sich vorerst im Hintergrund aufhalten, um notfalls eingreifen zu können… das nahm er sich vor.
 

Auch schon um Grahams und Taylor Willen - doch der Gedanke an Taylor ließ die Fragen in Lucien noch drängender werden.
 

Was, wenn es für ihn schon zu spät war?
 

Was, wenn sie nichts mehr tun konnten?
 

Lucien ballte die Fäuste. Er wusste, dass er nicht ruhig bleiben konnte, auch wenn er gezwungen war, sich zurückzuhalten.
 

Das Bild von Taylor, hilflos in den Händen von Braydan, brannte sich in seine Gedanken ein.
 

Er wusste, dass er handeln musste – egal zu welchem Preis…

Kapitel 237 (R-18)

++++
 

Braydan indes zog Taylor an sich, seine Hände fest um den bewusstlosen Körper des Omegas, während der Dolch weiterhin in Taylors Bauch drückte, so tief, dass das Blut unaufhaltsam hervortrat. Aber Braydan schien dies kaum zu bemerken.
 

Mit einem grausamen Grinsen auf den Lippen ging er langsam zur anderen Seite des Schreibtisches. Sein Blick fiel auf Darius und Aiden, die dort gefesselt und völlig hilflos waren, unfähig, mehr zu tun, als zuzusehen.
 

Die Drohung, die von Braydan ausging, war unerträglich, doch er genoss es, die beiden Männer in diesem Zustand der Ohnmacht zu sehen.
 

Darius konnte das Bild kaum ertragen – es fühlte sich an, als ob jedes Stück von ihm selbst in Taylors Schmerz zerriss. Die Szene vor ihm schien zu einem Alptraum zu werden, und jeder Moment der Untätigkeit ließ den Druck in seiner Brust weiter anwachsen.
 

Aiden, der sich genauso hilflos fühlte, stieß einen verzweifelten, fast panischen Schrei aus. „Verschone das Kind...“, flehte er, doch der Schrei war wie ein Tropfen in einem Sturm, der von Braydan nicht einmal wahrgenommen wurde.
 

Der Alpha hatte sich vollständig von der Welt um ihn herum abgeschottet, seine Gedanken nur bei dem, was er Taylor antat. Während er weiterhin in den bewusstlosen Körper des Omegas eindrang, bemerkte er das Blut, das nun zwischen Taylors Beinen floss.
 

Ein weiteres Zeichen seiner Überlegenheit.
 

Ein weiteres Zeichen, wie tief er in Taylors Schmerz vordringen konnte.
 

Doch für Braydan war es nicht nur der körperliche Schaden, den er anrichtete – es war das psychische, das er vollkommen zerstören wollte.
 

Darius konnte kaum noch klar denken. Der Schmerz in seinen eigenen Fesseln war nichts im Vergleich zu der Qual, die er gerade miterlebte. Das Gefühl der Machtlosigkeit, dass er nicht eingreifen konnte, dass er nicht zu Taylor durchdringen konnte, zerbrach ihn langsam.
 

Jeder verzweifelte Gedanke, den er in diesen Momenten hatte, wurde von Braydans Brutalität übertönt.
 

Dieser zog Taylor wieder zu sich, seine Bewegungen dabei kalt und berechnend, als würde er eine Marionette steuern. Der Dolch, der noch immer in Taylors Körper steckte, schien in der Stille des Raumes zu schreien, als er, ohne Rücksicht auf den Schmerz, weiter in ihn eindrang.
 

Doch seine Augen waren nicht bei Taylor, sondern auf den gefesselten Darius und Aiden, die sich nicht rühren konnten.
 

Die Stille im Raum war drückend, durchzogen von einem erdrückenden Gefühl der Ohnmacht. Aiden kämpfte gegen die Fesseln an, als er den Blick von Taylor auf Braydan warf, der nun seine grausame Kontrolle in einem unheimlichen Grinsen verstärkte.
 

Darius, der die Szene nicht ertragen konnte, kämpfte gegen seine eigenen Fesseln an, der Schmerz in seinem Körper war fast nicht zu ertragen. Der Gedanke an Taylor, der von Braydan zerstört wurde, raubte ihm den Atem.
 

Er konnte nichts tun.
 

Nichts.
 

Das Echo von Braydans Worte schien für einen Moment die Stille zu durchbrechen, „Du wirst nie wieder in der Lage sein, dich zu wehren“, seine Worte durchzogen von Hass und der kalten Gewissheit, dass niemand sie aufhalten konnte.
 

Auch kehrte die Stille zurück, und die Schwere der Situation lag über ihnen wie ein dunkler, erdrückender Schleier.
 

Braydan zog den Dolch aus Taylors Körper, das metallische Geräusch hallte in der bedrückenden Stille des Raumes.
 

Der Schmerz, den Taylor nun durchlebte, war unvorstellbar, doch er war schon längst bewusstlos, das Leben aus ihm schien langsam zu entweichen. Braydan betrachtete den Dolch einen Moment lang, als wollte er sich seiner eigenen Macht versichern.
 

Dann grinste er triumphierend und setzte das Messer wieder in den verletzten Körper von Taylor, der nicht einmal in der Lage war, sich zu wehren.
 

„Du bist gebrochen...“ flüsterte Braydan, seine Stimme rau und voller Genugtuung. Es war ein seltsames Gefühl der Erfüllung, das ihn durchflutete, als er sich der Tatsache bewusstwurde, dass er den stärksten Omega zerstört hatte – derjenige, der sich ihm stets widersetzt hatte, war nun nichts mehr als ein Schatten seiner selbst.
 

Sein Blick wanderte zu den beiden anderen, zu Darius und Aiden, die immer noch in ihren Fesseln gefangen waren. Er wusste, dass sie sich vollkommen hilflos fühlten, keine Möglichkeit hatten, einzugreifen.
 

Ein schadenfrohes Lachen entglitt seinen Lippen, während er die Bewegung fortsetzte, als wolle er der Situation mehr Bedeutung verleihen. Doch mit jedem weiteren Moment, in dem er weiter auf Taylor einwirkte, spürte er eine zunehmende Leere in sich – der Lust an diesem Spiel, an diesem Zerstören, fehlte ihm plötzlich.
 

Seine Bewegungen wurden langsamer, als er sich ein weiteres Mal in Taylor bewegte, doch es war nicht mehr der gleiche Drang wie zu Beginn.
 

Es war nicht mehr der unbändige Wille, den Omega zu brechen, sondern eine tiefe Langeweile, die sich in ihm ausbreitete.
 

Es war, als hätte er all das erreicht, was er wollte, und jetzt war nichts mehr übrig, was ihn an diesem Ort hielt.
 

Für einen Moment blieb er still, den Blick auf Taylor gerichtet. In seinem Inneren regte sich etwas, ein Gedanke, der ihn für einen Augenblick von der wütenden Lust befreite.
 

War das wirklich alles?
 

Hatte er Taylor jetzt endgültig gebrochen, oder war es nur eine leere Erfüllung, die ihn nicht mehr zufriedenstellte?
 

Er betrachtete den zerstörten Körper des Omegas und die unaufhaltsamen Spuren seines Tuns. Der Triumph, der ihn zuvor beflügelt hatte, schien ihm plötzlich kalt und bedeutungslos.
 

Was hatte er wirklich gewonnen?
 

Ein weiterer Omega, der zu nichts mehr fähig war?
 

War dies der Höhepunkt seiner Macht?
 

Ein triumphales Ende?
 

Oder nur der Anfang einer Leere, die ihn jetzt erdrückte?

Kapitel 238 (R-18)

++++
 

Braydan zog sich langsam zurück, sein Blick noch immer triumphierend, während er das Geschehen auf Taylors Körper betrachtete. Der Omega lag bewusstlos auf dem Schreibtisch, sein Körper in einem Zustand, der all seine Entwürdigung widerspiegelte.
 

Das Blut, das sich auf ihm sammelte, die Zeichen des Schmerzes und der Zerstörung, die er hinterlassen hatte, ließen Braydan ein Gefühl von Kontrolle und Überlegenheit empfinden. Es war ein Moment der triumphalen Stille.
 

Die Luft war schwer von der Dunkelheit dieser Handlung, und Braydan nahm sich einen Augenblick, um den triumphalen Geschmack zu genießen, bevor er einen Schritt zurücktrat.
 

Er ging einen Schritt zurück, seine Hand fuhr über seine Stirn, als ob er sich von der Anstrengung befreien wollte, doch sein Lächeln blieb unerschütterlich. Es war das Lächeln eines Mannes, der wusste, dass er gewonnen hatte. Dass Taylor, der stärkste der Omegas, nun gebrochen war, gab ihm eine seltsame Genugtuung.
 

„Du bist nichts mehr...“, murmelte er leise vor sich hin, obwohl Taylor ihn nicht hören konnte.
 

„Nicht mehr als das, was ich aus dir gemacht habe.“
 

Die Stille in dem Raum war drückend, die Schreie und Rufe, die noch zuvor durch die Wände hallten, waren verhallt, und nur das leise Atmen der Gefesselten – Darius und Aiden – war zu hören. Ein leises, kaum wahrnehmbares Wimmern von Darius, das sich wie ein Flüstern durch die bedrückende Stille zog, ließ Braydan einen Augenblick zögern, doch dann ignorierte er es wieder.
 

Braydan nahm keine Notiz mehr von ihnen.
 

Sie waren nichts in diesem Moment.
 

Auch zog er sich die Hose hoch und wischte sich ab, als würde er sich von etwas Unreinem befreien. Es war ein abfälliger Akt, der den ganzen Raum mit einer Aura der Überlegenheit erfüllte. Doch der Blick, der immer wieder zu Taylor zurückkehrte, zeigte eine tiefere Unruhe in seinem Inneren.
 

Etwas in ihm nagte an diesem Bild, etwas, das er nicht benennen konnte. Die Lust an dieser Machtdemonstration begann zu verblassen.
 

Dann richtete er sich wieder auf und betrachtete Taylor, der wie ein zerbrochener Körper auf dem Schreibtisch lag. Es war ein Bild des Versagens, das Braydan für einen Moment stumm betrachtete.
 

Doch selbst als er sich abwandte, ließ ihn die Szene nicht los. Das Bild von Taylor in diesem Zustand nagte an ihm, auch wenn er es nicht zugeben würde. Irgendetwas in ihm schien langsam die Lust an diesem Spiel zu verlieren.
 

Die Befriedigung, die er anfangs gefühlt hatte, war verblasst, und er blieb einfach stehen, starrte auf den bewusstlosen Körper des Omegas, der wie ein Spielzeug auf dem Schreibtisch lag, als wäre er nichts weiter als ein Objekt, das entwertet und beseitigt wurde.
 

„Genug...“, sagte er schließlich leise, fast unhörbar, mehr zu sich selbst als zu den anderen im Raum. Ein Moment der Reflexion, den Braydan sich nicht gönnte, aber der in ihm aufkam, ohne dass er ihn aufhalten konnte.
 

Die dunkle Atmosphäre, die er erschaffen hatte, lastete auf allen, doch er wusste, dass er gewonnen hatte. Der Rest spielte keine Rolle mehr.
 

Braydan wandte sich von Taylor ab, der reglos auf dem Schreibtisch lag, ein hilfloses Haufen von Fleisch und Knochen, der keinerlei Widerstand mehr leistete. Doch als er sich in Richtung der beiden anderen, die auf dem Bett lagen, drehte, spürte er einen seltsamen Widerstand in seinem Inneren.
 

Ein unbestimmtes Gefühl, als ob dieser Teil des Spiels noch nicht abgeschlossen war.
 

Er versuchte, dieses Gefühl zu verdrängen.
 

Wie eine Puppe, die man achtlos wegwarf, war Taylor in seiner Entwürdigung gefangen. Braydan hatte gewonnen, und das war alles, was zählte.
 

Sein Blick galt den beiden anderen, die auf dem Bett lagen.
 

Aiden, mit bleichem Gesicht, der sich kaum noch auf den Beinen halten konnte, und Darius, dessen Oberschenkel in einem unnatürlichen Winkel verdreht war. Der Schmerz, den Darius fühlte, war fast greifbar, doch es war nicht nur körperlicher Schmerz.
 

Es war das Gefühl von Hilflosigkeit, das ihm den Atem raubte.
 

Ein schwaches Stöhnen entkam Darius' Lippen, als er versuchte, sich irgendwie zu stützen, doch das bruchstückhafte Gefühl der Schwäche hielt ihn auf dem Bett. Es war, als ob sein Körper gegen ihn selbst arbeitete, ihn in diesem Moment des Verlustes und der Verzweiflung gefangen hielt.
 

Braydan trat mit sicheren Schritten zu Aiden, der den Blick abgewandt hatte, um nicht direkt in die Augen des Mannes zu sehen. Doch in Aidens Augen, obwohl sie leer und voller Schmerz waren, schimmerte auch der Wunsch, zu entkommen – ein Wunsch, der in diesem Moment bedeutungslos erschien.
 

„Du hast Glück, dass du nicht genauso zerbrochen bist wie der andere“, sagte Braydan mit einem grausamen Lächeln, während er den Omega unsanft an der Schulter packte.
 

Aiden starrte ihn mit großen, schmerzvollen Augen an, als Braydan ihn mit einem Ruck auf die Füße zog und seine Fesseln fürs Erste löste. „Komm schon, steh auf“, befahl Braydan, seine Stimme ein kaltes Zischen. Es war ein Befehl, der keine Antwort duldete.
 

„Mach dich nützlich und räum den Dreck da weg.“
 

Er deutete auf Taylor, der immer noch bewegungslos auf dem Schreibtisch lag, das Blut und die Spuren von Zerstörung, die ihn prägten. Aiden zögerte, doch die Drohung in Braydans Stimme ließ keine andere Wahl zu.
 

Die Luft war dick vor Bedrohung und Angst.
 

„Du wirst den Scheiß von diesem Tisch wegmachen, indem du ihn ins Bett bringst. Jetzt.“
 

Darius, der das Geschehen nur mit gequältem Blick verfolgen konnte, versuchte sich noch einmal zu erheben, doch das gebrochene Bein hinderte ihn daran. Ein fast unhörbares Wimmern kam aus seiner Kehle, während er verzweifelt versuchte, Aiden zu erreichen, doch seine Bewegung war kraftlos.
 

Der Gedanke, Aiden zu schützen, nagte an ihm, doch die körperliche Schwäche und die Verzweiflung ließen ihm keine Luft, um zu handeln.
 

„Du kannst nichts tun, also bleib da, wo du bist“, spottete Braydan, als er mit einem kalten Blick zu Darius sah.
 

„Es wird ihm nicht schaden, ihm zu helfen. Du bist ohnehin nutzlos.“
 

Aiden stand nun zitternd vor Taylor, langte nach ihm, bekam ihn aber kaum zu fassen, so sehr zitterten seine Hände, denn es war ein widerlicher, erniedrigender Akt, doch er gehorchte, wissend, dass Widerstand keinen Sinn hatte.
 

Wollte er eh Taylor helfen, was anderes hatte er gar nicht im Sinn…

Kapitel 239

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Aiden hatte keine Wahl. Obwohl jeder einzelne Muskel in seinem Körper schmerzte, konnte er es nicht einfach ignorieren. Taylor, der bewusstlos und völlig hilflos da lag, war mehr als nur ein Opfer in diesem Moment.
 

Es war sein Onkel, der für ihn da gewesen war, der sich versucht hatte für sie einzusetzen und Aiden konnte ihn nicht einfach im Dreck liegen lassen, selbst wenn Braydan ihn dazu zwang.
 

Aiden wusste, dass er keine Wahl hatte. Taylor, der bewusstlos auf dem Schreibtisch lag, musste irgendwie ins Bett gebracht werden. Der Anblick von Taylors Zustand brannte sich in Aiden ein, doch jetzt war nicht der Moment für Trauer.
 

Es war der Moment, zu handeln.
 

Aiden griff nach Taylors Körper, seine Hände zitterten immer noch leicht, während er den Omega vorsichtig hob. Die ganze Situation fühlte sich wie ein Albtraum an, aber er musste es tun. Musste Taylor irgendwie sicher und so gut es ging ins Bett bringen.
 

Seine Arme protestierten sofort, die Muskeln brannten vor Erschöpfung, und seine Beine drohten nachzugeben, als er Taylors bewusstlosen Körper stützte. Ein dumpfer Schmerz breitete sich in seinen Schultern aus, seine Finger verkrampften sich, als er nach Taylors Arm und Rücken griff, um ihn nicht fallen zu lassen.
 

Die Haut unter seinen Händen fühlte sich kalt an, nur noch vereinzelt bedeckt von Stofffetzen, die kaum noch als Kleidung zu erkennen waren. Er musste die Berührung ignorieren, musste sich zwingen, nicht über das nachzudenken, was geschehen war – und was Taylor durchgemacht hatte.
 

Er rang nach Atem, sein Brustkorb hob und senkte sich schwer, doch er konnte jetzt nicht schwach werden. Ein Zittern durchlief seinen Körper, als er sich mit aller Kraft bemühte, Taylor aufrechtzuhalten.
 

„Darius…“ Aiden warf einen Blick auf den anderen Omega, dessen verletztes Bein und die Fesseln ihn daran hinderten, sich zu bewegen. Darius lag im Bett, die Augen geschlossen, aber Aiden wusste, dass er die Ohnmacht und die Hilflosigkeit in seinem Blick sah.
 

Darius konnte nichts tun. Er war so gefangen in seinem eigenen Schmerz, dass er nichts anderes als ein stummes, schwaches Hineinsehen in die Dunkelheit des Raums bot.
 

„Es tut mir leid…“, murmelte Aiden, als er sich mit aller Kraft bemühte, Taylor zu stützen, während er ihn langsam Richtung Bett zog. Es war ein anstrengender Kampf, aber schließlich erreichte er das Bett.
 

Mit einem kräftigen Ruck hob er Taylor und schaffte es, den bewusstlosen Omega darauf zu legen. Taylor war schwer, der Körper unkoordiniert, und Aiden kämpfte gegen die Erschöpfung an, doch er wusste, dass er ihn nicht einfach zurücklassen konnte.
 

Nicht so.
 

Als er sich schließlich von Taylor zurückzog, sah Aiden zu Darius, der im Bett lag. Der Schmerz in Darius’ Augen war so offensichtlich, dass Aiden fast das Gefühl hatte, der Raum selbst sei von der Verzweiflung durchzogen.
 

Das Gefühl von Ohnmacht, das die beiden in dieser Situation empfanden, war beinahe greifbar. Sie waren gefangen, jeder auf seine eigene Weise, und der Raum schien von der dunklen Schwere der Ereignisse durchzogen zu sein.
 

„Er hat Taylor gebrochen“, sagte Aiden schließlich mit einem bitteren Ausdruck.
 

„Und du...“ Er kämpfte gegen die aufsteigenden Tränen an. „Du… tust mir leid. Ich kann nichts für dich tun.“
 

Darius konnte nicht viel sagen. Die Worte saßen ihm im Hals, aber der Schmerz in seinen Augen sprach mehr als jede Antwort. „Du bist nicht allein“, murmelte er schließlich mit schwacher Stimme.
 

„Ich... ich weiß, dass du es tust, Aiden. Und du tust es nicht nur für uns, sondern für Taylor. Und wir werden irgendwann einen Weg finden, ihn dafür bezahlen zu lassen.“
 

Aiden nickte stumm, seine Hände zu Fäusten geballt, als er wieder zu Taylor sah, der auf dem Bett lag. Der Gedanke, was Braydan ihm angetan hatte, ließ die Wut in ihm aufkochen.
 

Doch im Moment konnte er nichts tun – außer zu hoffen, dass der Kampf noch nicht vorbei war...

Kapitel 240

++++
 

Aiden versuchte, ruhig zu bleiben, während er nach irgendetwas suchte, das er nutzen konnte, um Taylor zu helfen. Doch seine Hände zitterten, und sein Atem ging viel zu schnell. Er bemerkte die Blutlachen, die sich unter dem bewusstlosen Omega sammelten, und der Anblick ließ ihn fast erstarren.
 

Das Blut, das weiterhin an Taylors Beinen entlang sickerte und das Blut, das aus der Wunde aus seinem Bauch das Bett befleckte, war eine deutliche Warnung. Taylors Verletzungen waren schwer – lebensbedrohlich.
 

Ein Zittern lief über Aidens Rücken. Der Schmerz, der ihn bei diesem Anblick durchzog, ließ ihn zusammenzucken, doch er wusste, dass er handeln musste.
 

„Darius…“, flüsterte Aiden, als er sich hastig nach einer Decke umsah, um sie auf Taylors Unterleib zu legen, um wenigstens zu versuchen, die Blutung zu stoppen. Er fand etwas, das er schnell über Taylors Wunde drückte, um zu verhindern, dass noch mehr Blut verloren ging. Seine Fingerknöchel wurden weiß, so fest drückte er.
 

Darius lag weiterhin im Bett, immer noch gefesselt, und der Schmerz in seinen Augen war deutlich. Doch auch er wusste, dass sie jetzt schnell handeln mussten.
 

„Wir müssen etwas tun“, sagte Darius mit einer schwachen, aber entschlossenen Stimme. „Sonst wird er nicht überleben.“
 

„Er braucht einen Arzt... sofort!“, sagte Aiden, während er verzweifelt versuchte, Taylor so gut wie möglich zu stabilisieren, obwohl er sich hilflos fühlte. Das Blut sickerte immer weiter, und der Druck in seinem eigenen Kopf nahm zu.
 

In diesem Moment hörte Aiden das laute Knurren von Darius. Er sah zu ihm und bemerkte, wie sich der Omega mit allem, was er noch hatte, aufrichtete. Die Fesseln zogen an seinen Handgelenken, doch Darius ignorierte den Schmerz. Seine Augen funkelten vor blanker Wut.
 

„Du verdammter Bastard! Taylor braucht sofort einen Arzt, sonst wird er verbluten!“, fauchte Darius laut, seine Stimme war von der Wut und der Hilflosigkeit gleichermaßen durchzogen.
 

Seine Muskeln zitterten vor Anspannung, und das Seil um seine Handgelenke schnitt so tief in die Haut, dass Blut darunter hervorquoll. Doch es war ihm egal.
 

Die Worte hallten durch den Raum, aber Braydan reagierte nicht. Der Ausdruck auf seinem Gesicht war der eines Mannes, der die Kontrolle über die Situation hatte, der wusste, dass er gewonnen hatte. Aber das schien Darius nicht zu kümmern.
 

„Wenn er stirbt, bist du dafür verantwortlich“, knurrte Darius weiter, während er sich mit aller Kraft gegen die Fesseln stemmte. Seine Fingernägel bohrten sich in seine Handflächen, bis auch dort Blut hervortrat.
 

Aiden sah zu Braydan, der ungerührt stand, und dann zurück zu Taylor, dessen Zustand sich rapide verschlechterte. „Warum tust du nichts?“, schrie Aiden, als er endlich die Grenze überschritt. „Er braucht sofort Hilfe!“ Seine Stimme brach fast, so sehr kämpfte er dagegen an, völlig die Fassung zu verlieren.
 

Aber Braydan blieb ruhig, seine kalten Augen auf die beiden gerichtet. Es war, als ob er nichts mehr hörte oder als ob es ihm egal war. Doch der Blick von Aiden und Darius war unmissverständlich – ein unbändiger, gemeinsamer Wunsch, dass das, was sie gerade erlebten, nicht ohne Konsequenzen bleiben würde.
 

„Du wirst es bereuen“, murmelte Darius leise, fast zu sich selbst, aber auch als Drohung an Braydan. „Jeder Tropfen Blut, der hier verschwendet wird… jeder Schmerz, den du verursacht hast…“ Sein Atem ging flach, aber seine Stimme trug eine unerschütterliche Härte in sich.
 

Aiden presste weiterhin die Decke gegen Taylors Wunde, doch in seinem Inneren loderte ein Feuer, das ihm zu verstehen gab, dass der Moment der Vergeltung noch kommen würde. Seine Hände bebten vor angestauter Wut.
 

Und dann, irgendwann, würde Braydan dafür zahlen.
 

Auch zog Aiden Taylor so vorsichtig es nur ging in seine Arme, um ihn näher an sich zu ziehen und gleichzeitig die Decke noch fester gegen die Wunde zu drücken. Taylors Haut fühlte sich bereits kälter an, und ein grausamer Kloß bildete sich in Aidens Kehle.
 

Der Omega war bewusstlos, doch Aiden konnte das Gefühl nicht loswerden, dass Taylor wenigstens das Gefühl haben musste, nicht ganz alleine zu sein – auch wenn er keine Ahnung hatte, ob er ihm überhaupt noch helfen konnte.
 

Die Decke presste er fester, der Druck gegen die Wunde versuchte, die Blutung zu stoppen, während das Leben langsam aus Taylor zu entweichen schien.
 

Seine eigenen Hände waren bereits mit Blut überzogen, aber er durfte nicht aufhören.
 

Aiden blickte derweil zu Darius, dessen Körper immer noch in den Fesseln lag, der Schmerz in seinen Augen war nicht zu übersehen. Darius war kaum in der Lage, mehr als zuzusehen, doch er war da, und das allein gab Aiden das Gefühl, dass er nicht ganz alleine in diesem Albtraum war.
 

„Wir müssen irgendetwas tun“, murmelte Aiden, als er Taylor enger an sich zog, in der Hoffnung, dass es irgendetwas half. Doch er wusste, dass die Zeit gegen sie arbeitete.
 

Jede Sekunde zählte, während das Blut immer weiter aus Taylors Haut rann. Aiden versuchte, so ruhig wie möglich zu bleiben, als er Taylors Kopf vorsichtig auf seine Brust drückte, in der Hoffnung, dass der Omega wenigstens so das Gefühl von Nähe und etwas wie Trost spüren konnte.
 

Doch der Raum war von einer bedrückenden Stille erfüllt, nur das leise, gepresste Atmen der beiden war zu hören. Aiden konnte den Hass in seinen Augen kaum zurückhalten, als er zu Braydan sah, der immer noch die Szene in seiner ruhigen, ungerührten Weise beobachtete.
 

„Er braucht einen Arzt… jetzt!“, knurrte Darius, der sich immer noch vergeblich gegen die Fesseln stemmte. „Wenn du ihm nicht hilfst, wirst du es bereuen.“
 

Doch Braydan antwortete nicht. Stattdessen warf er einen letzten Blick auf den bewusstlosen Taylor und ging dann langsam zur Tür. Einen Moment lang zögerte er – kaum merklich, aber dennoch spürbar.
 

Seine Finger zuckten, als hätte er den Impuls, etwas zu sagen oder zu tun, doch er riss sich zusammen. Sein Gesicht blieb regungslos, doch in seinen Augen lag für den Bruchteil einer Sekunde etwas, das Aiden nicht deuten konnte.
 

„Was auch immer passiert – es spielt keine Rolle mehr.“
 

Aiden hatte genug gehört.
 

Ohne weiter auf Braydan zu achten, zog er Taylor noch etwas enger an sich, als wollte er ihm zumindest ein wenig Trost in diesem grausamen Moment spenden.
 

„Du wirst nicht alleine bleiben“, flüsterte Aiden, die Worte fast wie ein Versprechen, auch wenn er wusste, dass er keine Garantie dafür geben konnte.
 

Aber er wollte es versuchen. Taylor war nicht allein…

Kapitel 241

++++
 

Einige stille Momente waren vergangen, seitdem nichts mehr aus dem Büro gekommen war. Kein einziges Geräusch, nichts. Das Schweigen war beklemmend, fast erdrückend, und niemand wagte es, tief zu atmen, aus Angst, auch nur das kleinste Detail zu verpassen. Die Luft war schwer von Anspannung, jeder Muskel zum Zerreißen gespannt.
 

Jack indes versuchte weiterhin mit einem Dietrich, ins Büro zu gelangen. Seine Finger zitterten kaum merklich vor Frustration, doch sein Griff blieb fest. Er biss die Zähne zusammen, während er sich auf das Schloss konzentrierte.
 

Verdammt, diese verdammte Tür! Jack atmete scharf aus und versuchte es erneut. Die Zähne weiterhin zusammengebissen, während sein Blick fest auf das Schloss gerichtet war. Jeder Handgriff war präzise, doch das Schloss blieb unbeweglich.
 

Das konnte nicht wahr sein.
 

Eine nervöse Unruhe begann sich in ihm auszubreiten, aber er verdrängte sie. Kein Platz für Zweifel, Jack. Du musst da rein. Doch auch das half nichts – diese verdammte Tür ließ sich einfach nicht öffnen.
 

„Verdammt… es rührt sich gar nichts…“, knurrte Jack leise, als plötzlich—
 

Worte, die sich wie ein Dolch in die Stille schnitten.
 

„Du verdammter Bastard! Taylor braucht sofort einen Arzt, sonst wird er verbluten!“
 

Die Worte hallten durch den Raum, rollten wie ein Donnerschlag über den Flur hinweg. Sekunden verstrichen, in denen niemand reagierte.
 

Graham erstarrte, seine Haut wurde schlagartig kalkweiß.
 

Sein Atem stockte, und für einen Moment konnte er nicht mehr denken, nicht mehr atmen.
 

Die Worte trafen ihn mit einer Wucht, die ihn beinahe von den Beinen riss.
 

Soren riss den Kopf herum, seine Augen weit aufgerissen vor Schock.
 

Damian spürte, wie seine Kehle trocken wurde, während sein Blick zu Jack wanderte, der ebenfalls für den Bruchteil einer Sekunde erstarrte. Dann zog sich Jacks Kiefer an und sein Griff um den Dietrich verstärkte sich.
 

Auch Lucien und Alfred vernahmen die Worte, ihre Blicke trafen sich nur kurz, bevor sie wieder Richtung Tür gerichtet waren.
 

Es bedeutete nichts Gutes.
 

Jeder wusste es.
 

Sogar die Wachen, die zu Lucien getreten waren, schienen den Ernst der Lage zu begreifen, denn sie warteten auf Anweisungen. Doch Lucien hob nur eine Hand – ein Zeichen, nicht zu handeln.
 

Noch nicht.
 

Dann folgte eine weitere Stimme aus dem Büro, diesmal tiefer, bedrohlicher. Ein Knurren, das an einen lauernden Wolf erinnerte.
 

„Wenn er stirbt, bist du dafür verantwortlich!“
 

Dustin erstarrte. Damian erstarrte. Sie erkannten Darius' Stimme sofort. Wut, Schmerz und eine unerschütterliche Entschlossenheit hallten in seinen Worten nach.
 

Graham konnte kaum noch atmen. Die Worte hatten sich wie ein glühender Dorn in sein Bewusstsein gebohrt. Taylor brauchte sofort einen Arzt, sonst würde er verbluten.
 

Diese Worte klangen wie ein Urteil. Sein Magen zog sich schmerzhaft zusammen, sein Herz schlug hart gegen seine Rippen. Die Welt um ihn herum verschwamm, einzig der kalte Griff der Angst hielt ihn aufrecht.
 

Seine Knie gaben leicht nach, aber er fing sich rechtzeitig.
 

Das durfte nicht wahr sein.
 

Taylor konnte nicht verbluten.
 

Nicht jetzt.
 

Nicht so.
 

Soren bemerkte Grahams Zustand sofort. "Graham?" Seine Stimme war leise, fast vorsichtig, als wolle er ihn nicht weiter erschüttern. Er wusste, was dieser Mann Taylor bedeutete. Er wusste, dass Graham nicht einfach nur besorgt war.
 

Es war Panik.
 

Verzweiflung.
 

Ein Gefühl der Ohnmacht, das in seinem Inneren tobte.
 

Graham hörte ihn nicht. Sein Blick war fest auf die verschlossene Tür gerichtet. Er presste die Lippen zusammen, seine Fäuste bebten. Sein Instinkt brüllte ihn an, etwas zu tun, aber er konnte nicht.
 

Die verdammte Tür war verschlossen.
 

Er war machtlos.
 

„Wir müssen da rein!", keuchte er, seine Stimme brüchig. „Verdammt noch mal, wir müssen da rein!“
 

Jack fluchte leise, als er erneut versuchte, die Tür zu knacken. „Es funktioniert nicht! Das Schloss ist zu gut gesichert!“
 

Graham spürte, wie sich eine unbändige Wut in ihm aufstaute. Seine Hände ballten sich fester zu Fäusten, seine Knöchel traten weiß hervor.
 

Er konnte nicht einfach zusehen. Nicht hier stehenbleiben und warten, während Taylor blutete.
 

Während sein Mann vielleicht...
 

Er schüttelte den Kopf, weigerte sich, den Gedanken zu Ende zu bringen.
 

Soren trat näher, legte eine Hand auf seine Schulter. "Graham, wir finden einen Weg. Ich verspreche es dir. Aber du musst ruhig bleiben. Wenn du jetzt die Kontrolle verlierst, bringt das niemandem etwas."
 

Graham schloss die Augen, versuchte tief durchzuatmen, doch es war zwecklos. Die Panik fraß sich weiter durch seine Brust, zerrte an seinem Verstand.
 

Dann hörte er Aiden.
 

Den Schrei.
 

„Warum tust du nichts?!“ Aidens Stimme bebte vor Verzweiflung. Sein Atem ging schnell, Panik klang in jeder Silbe mit.
 

Die Zeit schien sich zu verlangsamen, jeder Herzschlag pochte wie ein dumpfer Trommelschlag in den Ohren der Männer draußen. Dann -
 

„Er braucht sofort Hilfe!“ Aidens Schrei war diesmal noch lauter, fast flehend, voller Wut und Angst.
 

Etwas in Graham zerbrach. Er konnte nicht warten. Er konnte nicht untätig bleiben. Sein Blick wurde hart, seine Kiefer mahlten. Wenn diese Tür sich nicht öffnen ließ, dann würde er eine andere Lösung finden.
 

Soren bemerkte die Veränderung in ihm sofort. „Graham? Was hast du vor?“
 

Graham zog seine Waffe. „Ich werde nicht zulassen, dass er stirbt.“, trotzdem war er sehr wackelig auf den Beinen, waren seine Verletzungen noch zu schlimm, er hatte Schwierigkeiten sich auf den Beinen zu halten.
 

Soren nickte langsam. „Dann lass es uns richtig machen. Gemeinsam.“
 

Währenddessen schlug Jack gegen die Tür. „Verdammt, macht die Tür auf!“, brüllte er, seine Stimme klang wütender, als er es eigentlich wollte. Damian trat neben ihn, sein Blick war dunkel, voller unbändiger Anspannung.
 

„Wir müssen da rein!“, knurrte er.
 

Doch die Tür blieb verschlossen.
 

Und drinnen, hinter dieser Tür, lief die Zeit unaufhaltsam weiter – gegen sie…

Kapitel 242

++++
 

Braydan ging langsam zur Tür, die den Raum von seinem Büro trennte, ein absichtliches Lächeln auf seinen Lippen. Doch bevor er verschwand, drehte er sich noch einmal um und ließ ein schneidendes Lachen hören – ein Klang, der die schwere, drückende Stille im Raum durchbrach. Es war ein Lachen, das von Überlegenheit und einem Gefühl völliger Kontrolle zeugte.
 

„Ihr seid nichts“, sagte er mit einem letzten Blick auf die beiden, bevor er durch die Tür trat und sie hinter sich schloss.
 

Ein kleiner, fast triumphaler Laut war noch zu hören, als er sich entfernte, aber er sagte keine weiteren Worte. Die Dunkelheit des Büros schien ihn zu verschlingen.
 

Doch hinter der Tür hatte Braydan mehr vor, als er zunächst gezeigt hatte. Er hatte noch eine Aufgabe, die er erledigen musste – und die konnte nicht länger warten.
 

Graham war ein Problem, das er auf seine eigene Weise lösen musste.
 

Der Mann wusste zu viel, und das machte ihn gefährlich.
 

Es gab keinen Platz für Fehler.
 

Wenn Graham weiterlebte, würde er der Meute eine viel zu große Gefahr darstellen. Braydan wusste genau, wie er mit solchen Risiken umzugehen hatte, und es war an der Zeit, die Sache endgültig zu regeln.
 

Mit einem letzten Blick auf Darius und Aiden verschwand Braydan aus dem Raum.
 

Er würde Graham bald einen Besuch abstatten. Doch bevor er das tat, hatte er einen weiteren Fehler gemacht, den er zunächst nicht bemerkt hatte.
 

Aiden war nicht erneut gefesselt worden, was ihm eine ungewollte Freiheit ließ, die er in der Hektik dieses Moments nicht bedacht hatte.
 

Aber das war vorerst Nebensache. Viel zu viel stand auf dem Spiel, und er hatte noch zu tun.
 

Als die Tür ins Schloss fiel und die Schritte von Braydan immer weiter entfernten, atmete Aiden tief durch. Ein Blick zu Darius verriet ihm, dass die Zeit drängte.
 

Die Fesseln, die Braydan nicht wieder angelegt hatte, hatten Aiden eine ungeahnte Möglichkeit eröffnet – Braydan hatte ihn nicht mehr gefesselt, was ein Fehler war, den Aiden schnell ausnutzen musste.
 

Eilig zog Aiden sich zu Darius, der in seinen Fesseln kaum noch beweglich war. Ohne viel nachzudenken, löste Aiden die Fesseln, so schnell er konnte.
 

„Wir brauchen mehr Bewegung, wenn wir Taylor noch retten wollen“, sagte er in einem flüsternden Ton, der nicht viel Raum für Diskussion ließ.
 

Darius' Augen weiteten sich einen Moment, als er spürte, wie sich die Fesseln lösten, und ein Gefühl der Erleichterung durchflutete ihn, wenn auch nur kurz.
 

Aiden griff sofort nach den restlichen Fesseln, die noch an Darius’ Handgelenken hingen, und befreite ihn so weit wie möglich. Es war eine riskante Bewegung, aber es musste sein – sie mussten sofort handeln.
 

Während er Darius’ Fesseln mit einer geschickten Handbewegung löste, bemerkte er die blutige Spur, die sich über den Tisch zog, und sein Blick ging unweigerlich zu Taylor, der immer noch in einem Zustand der Bewusstlosigkeit lag.
 

Die Wunde an Taylors Unterleib war nicht nur schmerzhaft anzusehen, sie war lebensbedrohlich. Sie mussten ihm so schnell wie möglich helfen, wenn sie ihm noch eine Chance auf Leben geben wollten.
 

Kurzerhand stand Aiden auf, nachdem er seinen Onkel vorsichtig neben sich aufs Bett gelegt hatte und scannte mit seinen Augen das Büro nach nützlichem Material ab. Vielleicht gab es ja etwas, irgendetwas, dass ihnen helfen konnte.
 

Mit einem kurzen Blick auf Darius, der sich nun mit ein wenig mehr Freiheit bewegte, durchsuchte er die Regale und Schubladen. Ein Verbandkasten war schnell gefunden. Es war nicht der perfekte Zustand für eine ordentliche medizinische Versorgung, aber es reichte für das, was sie brauchten.
 

Eilig holte Aiden das Nötigste heraus, als er etwas in der Ecke des Büros wahrnahm.
 

Sein Blick fiel auf einen Gegenstand, der ihm in dieser Situation von Nutzen sein könnte. Ein kleiner, aber scharfer Gegenstand, den er zuerst misstrauisch betrachtete. Doch ohne lange zu zögern, steckte Aiden ihn in seine zerrissene Hose, verborgen vor den Augen der Welt, für den Moment.
 

Es war ein riskantes Vorhaben, aber in einer solchen Situation konnte man keine Fehler machen.
 

Es war für später.
 

Aiden schaute kurz zu Darius, der sich jetzt mit den gelösten Fesseln etwas mehr bewegen konnte. Es war zwar immer noch schwer für ihn, doch er musste helfen.
 

„Komm, Darius, wir müssen Taylor stabilisieren“, flüsterte Aiden und ging zurück zu seinem Onkel, der auf dem Bett lag.
 

Der Anblick von Taylor, der immer noch bewusstlos und mit schweren Verletzungen auf dem Bett lag, ließ Aiden den Atem stocken. Der Omega war in einem Zustand, der alles andere als viel Hoffnung ließ, aber Aiden wusste, dass sie alles tun mussten, um ihn zu retten.
 

Sie hatten nicht viel Zeit. Die Wunde an Taylors Unterleib blutete weiter, und das Blut hatte bereits einen dunklen Fleck auf dem Bett hinterlassen. Es war klar, dass Taylor einen Arzt brauchte, aber in dieser Situation konnte Aiden nichts anderes tun, als sich mit dem Nötigsten zu behelfen.
 

Er beugte sich über Taylor, nahm wieder die Decke, die sie zuvor auf ihn gelegt hatten, und versuchte, die Wunde weiterhin abzudrücken, um das Bluten zu stoppen.
 

Es war keine perfekte Lösung, aber es war das Einzige, was er tun konnte.
 

Dabei spürte er, wie das Leben langsam aus Taylors Körper zu entweichen drohte. Aiden wollte nicht hinsehen, doch er konnte den Blutverlust förmlich spüren.
 

Taylors schien schwächer zu werden, die Haut immer blasser, die Augen weiterhin geschlossen.
 

Die Panik schnürte ihm die Kehle zu, aber er kämpfte dagegen an. Er durfte jetzt keine Schwäche zeigen.
 

Doch dann stockte er kurz, als er etwas Silbernes in Taylors Stiefel bemerkte. Es glitzerte, als er den Stiefel mitsamt Bein vorsichtig anhob und aufstellte. Ein glänzender Gegenstand hatte sich zwischen den Falten des Lederstiefels versteckt.
 

Aiden zog den Gegenstand heraus und hielt ihn einen Moment lang in der Hand – eine Waffe.
 

Ein Messer.
 

Warum hat er sich damit nicht gewehrt? fuhr es ihm durch den Kopf, aber er konnte sich keine Antwort darauf geben.
 

Wieso hatte Taylor sich so ergeben?
 

Hatte er gedacht, dass es das Ende für ihn war?
 

Dass es keinen Sinn machte, sich zu wehren?
 

Es waren Fragen, die Aiden nicht länger ergründen konnte. Er steckte das Messer vorsorglich ein. Vielleicht würde es später noch gebraucht werden, vielleicht war es nur ein weiterer Beweis, wie verzweifelt Taylor gewesen war, es nicht zu benutzen.
 

Darius hatte von alledem nichts mitbekommen. Er war viel zu sehr in Taylors Zustand vertieft, seine Augen auf die Wunde gerichtet, auf die er mit der Decke drückte, als versuche er, den blutenden Strom zu halten.
 

Es war schwer zu sagen, ob Darius sich überhaupt noch in der Lage fühlte, einen klaren Gedanken zu fassen. Der Schmerz durch sein Bein, den man in seinen Augen sehen konnte, sprach Bände.
 

Aiden konnte ihn in Darius' Blick sehen.
 

Die Tränen, die sich am Rand seiner Augen sammelten.
 

Der Verlust, die Ohnmacht.
 

Doch jetzt war keine Zeit, sich in diesem Schmerz zu verlieren.
 

„Wir müssen ihn stabilisieren, Darius. Sonst...“, Aiden hielt inne, als sein Blick auf Darius’ Gesicht traf. Der Schmerz war unübersehbar, und es war, als ob Aiden ihn förmlich spüren konnte.
 

Aber sie konnten nicht zulassen, dass dieser Schmerz sie lähmte. Sie mussten weiterkämpfen, auch wenn alles in ihnen schrie, dass es vielleicht schon zu spät war.
 

Darius nickte schwach, seine Bewegung langsam und zögerlich, als ob der bloße Versuch, sich zu erheben, schon zu viel wäre. Er versuchte es trotzdem, mit einer Entschlossenheit, die Aiden bewunderte, auch wenn er wusste, dass Darius noch immer nicht ganz bei Kräften war.
 

Der Blick in Darius' Augen sagte mehr als Worte – er wollte helfen.
 

Es war alles, was er tun konnte, und es war besser, er versuchte, etwas zu tun, als tatenlos zu liegen.
 

„Ich... ich kann helfen, aber du musst die Wunde besser abdrücken“, sagte Darius, seine Stimme rau und schwach. Aiden spürte, wie die Dunkelheit in Darius’ Augen wuchs. Es war der Schmerz, aber auch die Entschlossenheit, nicht aufzugeben.
 

Aiden nickte und drückte die Decke fester auf die Wunde, während er versuchte, die Panik zu unterdrücken, die in ihm hochkroch.
 

Die Zeit lief weiter – unerbittlich.
 

Der Raum war erfüllt von der Stille, die nur von Taylors schwachen Atemzügen und ihren hastigen Bewegungen durchbrochen wurde.
 

Jeder Schlag seines Herzens schien Aiden mit der gleichen Qual zu quälen, die Taylor fühlte. Doch er kämpfte weiter. Sie mussten kämpfen. Für Taylor. Für Darius. Und für sich selbst.
 

Mit einem kurzen Nicken konzentrierte sich Aiden wieder auf Taylor. Der Gedanke, was Braydan getan hatte, nagte an ihm, aber jetzt war nicht der Moment, darüber nachzudenken. Sie mussten Taylor am Leben erhalten, um ihn vor einer noch schlimmeren Zukunft zu retten.
 

„Wir müssen ihn irgendwie stabilisieren, bis ein Arzt kommt“, murmelte Aiden, während er weiter versuchte, die Wunde zu kontrollieren. Ein Blick zu Darius zeigte ihm, dass der Omega ebenfalls sein Bestes gab, so gut es ging.
 

Der Schmerz, die Verzweiflung und die Wut auf Braydan wuchsen in Aiden, doch für den Moment musste er sich darauf konzentrieren, Taylor zu retten.
 

Alles andere hatte jetzt keinen Platz...

Kapitel 243

++++
 

Aiden beugte sich weiterhin über Taylor, und versuchte verzweifelt, die blutende Wunde mit der Decke abzudrücken. Das Blut tropfte langsam weiter, trotz seiner Bemühungen, den Druck aufrechtzuerhalten. Jeder Tropfen schien wie ein Schlag auf seine Brust zu sein. Die Panik, die in ihm hochkochte, war kaum zu ertragen.
 

Er konnte den Gedanken nicht ertragen, Taylor einfach so zu verlieren.
 

Taylors Zustand war kritisch, und die Zeit drängte. Aiden konnte das nicht ignorieren, auch wenn jeder Moment an ihm zerrte. Er wusste, dass er nicht lange auf Hilfe hoffen konnte – wenn überhaupt.
 

Der Gedanke, Taylor zu verlieren, ließ Aiden keine Ruhe. In jedem Atemzug schien es, als ob die Zeit mit einem grausamen Lächeln weiter verrann.
 

Darius, der sich mit Schmerzen und Anstrengung auf dem Bett aufgerichtet hatte, war zwar verletzt und bewegte sich kaum, doch er versuchte trotzdem, so gut es ging, zu helfen. Sein Gesicht war schmerzverzerrt, und der Oberschenkelbruch, der ihn fast lähmte, ließ ihn kaum aufrecht bleiben.
 

Aber trotz des unerträglichen Schmerzes versuchte er, so gut es ging, einen klaren Kopf zu bewahren. Aiden konnte in Darius' Augen den Willen sehen – den Willen zu helfen, selbst wenn er körperlich fast am Ende war.
 

Doch in den Augen des Omegas brannte der Wille, Aiden zu unterstützen.
 

„Schau, ob du die Tür aufkriegen kannst“, sagte er mit rauer Stimme, während er Aiden einen Blick zuwarf. „Ich weiß nicht, wie lange Taylor noch durchhält...“
 

Aiden nickte, ohne einen Moment zu zögern, und wendete sich der Tür zu. Es war ein verzweifelter Versuch, doch vielleicht gab es noch eine Chance auf Hilfe. Doch seine Beine fühlten sich schwer an, als ob der ganze Raum gegen ihn stand, aber er konnte sich keine Zeit zum Zögern leisten.
 

„Mach es einfach, Aiden“, dachte er sich immer wieder, während die Verzweiflung tiefer in ihm wuchs.
 

Doch als er die Tür prüfte, stellte er fest, dass sie gut verschlossen war – Braydan hatte seine Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Aiden ballte die Hände zu Fäusten. Ein erneuter Schwall an Frustration und Angst überkam ihn.
 

Wie konnte es nur so schwierig sein?
 

Der Schlüssel – der Schlüssel musste da sein.
 

Als er zurück zum Bett kehrte, versuchte Aiden weiterhin verzweifelt, die Decke fester auf die Wunde von Taylor zu pressen. Seine Hände zitterten vor Erschöpfung und Angst. Er wusste nicht, wie viel Blut noch verloren ging, wie viel Zeit sie noch hatten.
 

„Es bringt nichts, Darius. Die Tür ist fest verschlossen. Wir sind auf uns selbst gestellt.“
 

Darius sah ihn mit einem stummen Nicken an und versuchte, sich noch weiter aufzurichten. Der Schmerz in seinem Oberschenkel war kaum zu ertragen, doch er wusste, dass es keine Zeit zu verlieren gab. Doch Aiden bemerkte die Anspannung in Darius' Gesicht.
 

Er wusste, dass er mehr kämpfte als nur gegen seinen eigenen Körper.
 

Es war der Wille, den anderen zu retten – um jeden Preis.
 

„Dann... dann musst du dich darauf konzentrieren, Taylor am Leben zu halten“, flüsterte Darius. „Ich halte dir den Rücken frei, so gut es geht.“
 

Aiden konnte die Entschlossenheit in Darius’ Blick sehen, trotz der Schmerzen, die der Omega durchmachte. Es war klar, dass er alles geben würde, um zu helfen, auch wenn er kaum mehr in der Lage war, sich selbst zu bewegen. Aiden ballte die Faust und presste sie gegen die Brust.
 

Diese Situation war verzweifelt, aber er musste kämpfen.
 

Taylor durfte nicht sterben, nicht jetzt.
 

Er konzentrierte sich wieder auf die blutende Wunde und versuchte, so viel Druck wie möglich auszuüben. „Halt durch, Taylor. Halt durch, wir sind bei dir.“ Doch auch die Worte, die er sagte, schienen nicht genug zu sein.
 

Sie klangen hohl in seinen Ohren, angesichts der Schwere der Situation.
 

Allerdings blickte Aiden erneut zu Darius, der versuchte, sich auf dem Bett zu stützen, obwohl die Schmerzen in seinem Oberschenkel offensichtlich waren.
 

Es war kaum zu fassen, wie viel er trotz seiner eigenen Verletzung versuchte, zu helfen. Doch Aiden wusste, dass sie ohne Hilfe von außen keine Chance hatten, Taylor zu retten. Das Wissen, dass Darius so verletzt war und trotzdem versuchte, ihn zu unterstützen, zerriss ihn innerlich.
 

Taylor brauchte sofort medizinische Hilfe, und Darius konnte nicht alleine aus dieser Situation herauskommen.
 

„Ich muss den Schlüssel finden“, sagte Aiden mit fester Stimme, obwohl die Angst in ihm wuchs.
 

„Es muss einen zweiten Schlüssel geben. Irgendwo hier muss er sein.“ Aiden hoffte es zumindest. Denn –
 

Es gab keine andere Wahl, sie mussten hier raus.
 

Darius nickte schwach, sein Blick auf Taylor gerichtet, während er versuchte, sich zu entspannen, um den Blutdruck bei Taylor so gut wie möglich zu halten. Doch es war klar, dass auch Darius' Kräfte schwand.
 

„Du musst schnell sein, Aiden. Ich... ich weiß nicht, wie lange Taylor noch durchhält. Und du weißt, dass ich auch Hilfe brauche. Aber mach, was du tun musst.“
 

Aiden atmete tief ein und sprang auf, obwohl sich seine Beine wie Blei fühlten. Er konnte sich nicht die Zeit nehmen, nachzudenken. Mit einem Blick auf Taylor, der weiterhin schwer atmete, ging Aiden zur Tür und begann, die Wände des Büros abzusuchen.
 

Braydan musste irgendwo einen zweiten Schlüssel versteckt haben. Die Türen waren sicher verschlossen, und Aiden wusste, dass sie nicht lange in diesem Raum bleiben konnten, ohne dass es zu spät war.
 

Er konnte den Gedanken nicht ertragen, Taylor in diesem Zustand zu lassen.
 

Die Vorstellung, ihn einfach so zu verlieren, war unerträglich.
 

Was, wenn er es nicht rechtzeitig schaffte?
 

Was, wenn sie zu spät kamen?
 

Seine Hände fuhren über Regale, Schubladen und Schränke, der Schweiß lief ihm von der Stirn. Doch er wusste, dass jeder Moment zählte. Er spürte das Hämmern seines eigenen Herzens und hörte das leise Stöhnen von Darius, der versuchte, sich besser in eine stabilere Position zu bringen.
 

Doch Aiden wusste, dass es keine Zeit mehr gab.
 

„Komm schon“, murmelte Aiden zu sich selbst, als seine Hände an einer weiteren Schublade arbeiteten.
 

Nach schier unendlich langen Minuten des Suchens – fand er den Schlüssel – gut versteckt hinter einem Stapel Papiere.
 

Der zweite Schlüssel.
 

Für Notfälle gut versteckt.
 

Was nun Aiden und Darius in die Hände spielte.
 

Aiden spürte die Erleichterung in seinem Inneren, auch wenn die Situation noch immer hoffnungslos schien. Doch er wusste, dass es der erste Schritt war. Ein kleiner Funken Hoffnung, der in ihm aufblühte, auch wenn die Dunkelheit sie zu erdrücken versuchte.
 

Schnell ging er zurück zu Darius und Taylor, den Schlüssel in der Hand.
 

„Ich habe ihn“, sagte er, während er auf die Tür zuging. „Jetzt brauchen wir nur noch die Kraft, hier rauszukommen und Hilfe zu holen.“
 

Darius nickte, seine Gesichtszüge immer noch von Schmerz gezeichnet, doch in seinen Augen war ein Funken Hoffnung. Ein Funken, der vielleicht alles verändern konnte.
 

„Mach schnell, Aiden. Du musst es schaffen.“
 

Aiden schloss die Tür auf und stand kurz still, als er sich der nächsten Herausforderung bewusstwurde: Sie mussten es schaffen, Taylor aus dieser Falle zu befreien, und zwar so schnell wie möglich…

Kapitel 244

++++
 

Draußen hatte es Jack mit zusammengebissenen Zähnen und einer grenzenlosen Geduld, mit seinem Dietrich, fest in der Hand, fast geschafft die Tür zu öffnen, als plötzlich ein leises Klicken einer Tür zu hören war. Natürlich zog das die Aufmerksamkeit aller auf sich. Das leise Geräusch, als sich ein Schloss öffnete, ließ die Männer zusammenzucken.
 

Doch sie wussten nicht, dass es Aiden war, der die Tür aufgeschlossen hatte. Der Augenblick schien ewig zu dauern, das Klicken des Schlosses hatte einen unausweichlichen Klang.
 

Im Inneren des Raumes war es still, nur das leise Rauschen von Taylors schwachem Atem und das gedämpfte Stöhnen von Darius durchbrachen die angespannte Stille. Aiden stand einen Moment lang regungslos vor der Tür, der Schlüssel immer noch fest in seiner Hand.
 

Ein kalter Schauer lief ihm über den Rücken, als er einen Blick auf Taylor warf, dessen Zustand immer kritischer zu werden schien. Doch dann drehte er sich schnell wieder zu Darius, der versuchte, sich aufzurichten, während er mit der schmerzhaften Verletzung in seinem Oberschenkel kämpfte.
 

Der Omega wusste, dass er ohne Hilfe nicht viel tun konnte, aber Aiden musste sicherstellen, dass Darius vorerst alleine klarkam.
 

Die Sorge, die Aiden quälte, war kaum zu fassen. Es war nicht nur die unmittelbare Gefahr, in der sie steckten, sondern die ständige Angst, dass jeder Augenblick zu spät sein könnte. Wenn Braydan zurückkam, würde alles zusammenbrechen.
 

Doch es war keine Wahl.
 

Es gab keine andere Möglichkeit.
 

Sie mussten es schaffen.
 

„Bist du sicher, dass du hier ohne mich klarkommst?“, fragte Aiden mit besorgtem Blick, während er sich zu ihm beugte. Die Worte, die er sagte, waren voller Unsicherheit, doch es war die einzige Frage, die er sich stellen konnte.
 

„Wenn Braydan zurückkommt…“
 

Darius, der immer noch mit sich selbst kämpfte, um den Schmerz zu ertragen, nickte, obwohl sein Gesicht von Anspannung und Schmerzen gezeichnet war. Das war der Moment, in dem Aiden bemerkte, wie sehr Darius mit seiner eigenen Schwäche kämpfte, aber trotzdem versuchte, stark zu bleiben.
 

Es war diese Mischung aus Zerrissenheit und Entschlossenheit, die Aiden tief berührte.
 

„Ich werde... versuchen... zu überstehen, Aiden“, sagte er mit einer Stimme, die brüchiger klang, als er es sich gewünscht hätte.
 

„Du musst... Taylor helfen. Du musst uns beide retten. Ich halte hier die Stellung.“
 

Aiden biss sich auf die Lippe und zog noch einmal die Decke fester um Taylors Wunde. Das Drücken war kaum genug, um das Bluten zu stoppen, doch er hatte keine andere Wahl, als es zu versuchen.
 

Die Verletzung schien ohne medizinische Hilfe zu schlimm zu sein, um sie nur mit improvisierten Mitteln zu bekämpfen. Es war eine Hürde, die sie zusammen überwinden mussten.
 

Doch jeder Moment, in dem Taylor nicht versorgt wurde, war ein Risiko.
 

Ein hohes Risiko.
 

Er sah noch einmal auf die beiden. „Ich muss los, Darius. Ich werde nach Hilfe suchen. Du musst mir vertrauen – ich komme zurück, so schnell es geht.“
 

Seine Stimme zitterte, doch er versuchte, seine Entschlossenheit zu zeigen. Die Gefahr war greifbar, aber es war keine Zeit zu verlieren.
 

Seine Gedanken rasten – was würde er tun, wenn er draußen auf eine Wand aus Feinden stieß?
 

Aber es gab keine Alternative.
 

Darius hob langsam seinen Kopf und sah Aiden mit einer Mischung aus Besorgnis und Vertrauen an. „Komm schnell zurück, Aiden...“, murmelte er. „Ich halte hier aus, aber du darfst nicht zögern.“
 

Aiden nickte kurz, dann drehte er sich um und lief auf Zehenspitzen zur Tür. Der flimmernde Lichtschein schien ihm wie ein letzter Hoffnungsschimmer, doch je näher er der Tür kam, desto lauter dröhnte der Gedanke in seinem Kopf: „Du musst es schaffen. Du musst.“
 

Der Druck auf seiner Brust wurde unerträglich, als er die Hand an den Türgriff legte und die kühle Klinke berührte.
 

Er wusste, dass dies die einzige Chance war, die sie hatten. Für einen Moment blieb er stehen, um tief durchzuatmen. Es war nicht nur ein körperlicher Kampf – es war ein Wettlauf gegen die Zeit.
 

Die Luft in diesem Raum fühlte sich immer stickiger an, als würde sie sich selbst gegen ihn wenden.
 

Schließlich hatte er keine Ahnung, was ihn draußen erwarten könnte.
 

Vielleicht waren Braydan und seine Männer schon auf dem Weg zurück, vielleicht warteten sie nur auf den richtigen Moment.
 

Aber Aiden konnte sich keine Sorgen machen. Die einzige Möglichkeit, hier rauszukommen, war es, jetzt zu handeln.
 

Schnell.
 

Und präzise.
 

Auch wusste er nicht, dass ihre Männer draußen waren und verzweifelt versuchten, ins Büro zu kommen, als die Sekunden wie Stunden zogen.
 

Jeder von ihnen kämpfte gegen die gleiche innere Zerrissenheit – die Sorge, ob sie es rechtzeitig schaffen würde, und die ständige, nagende Frage:
 

Was, wenn es zu spät war?

Kapitel 245

++++
 

Aiden riss die Tür auf – und blieb überrascht stehen. Vor ihm standen Jack, Damian und zwei weitere Männer. Einen davon erkannte er sofort als Dustin, den anderen als einen Omega, der Graham, der verletzt schien, halbwegs stützte.
 

Grahams Gesicht war bleich vor Schmerz, doch als seine Augen auf Aiden trafen, war da etwas anderes – Sorge, Hoffnung und Angst zugleich.
 

Jack musterte Aiden sofort, seine Augen weiteten sich vor Erleichterung, aber auch vor Besorgnis. Sein Liebster sah abgehetzt aus, außer Atem und mit zerrissener Kleidung. Doch er lebte. Jack wollte zu ihm, ihn festhalten, aber bevor er reagieren konnte, begann Aiden plötzlich zu weinen.
 

„Wir müssen Taylor helfen!“, brachte er schluchzend hervor. „Er wird sterben, wenn wir nicht sofort etwas tun! Bitte… er braucht Hilfe!“ Seine Stimme zitterte, und die Panik, die er so lange unterdrückt hatte, brach über ihn herein.
 

„Er sieht furchtbar aus… er ist nicht mehr bei Bewusstsein… Und Darius… Darius Bein ist gebrochen, er kann nicht weit kommen! Wir… wir haben Angst, dass Braydan jederzeit zurückkommt!“
 

Graham, der bis dahin kaum hatte stehen können, sackte nun endgültig in sich zusammen. Die Worte von Aiden trafen ihn wie ein Dolch ins Herz, doch in seinen Augen war der Schmerz deutlich zu sehen. Die Worte von Aiden hallten zusätzlich in ihm nach, doch er konnte die Furcht nicht völlig ablegen.
 

„Taylor...“ murmelte Graham und merkte nur wie ihm Tränen über die Wangen liefen, die er nicht länger zurückhalten konnte.
 

Der Gedanke, versagt zu haben und seinen Mann nicht beschützen zu können, drückte schwer auf seinem Brustkorb.
 

Sein Körper fühlte sich nach wie vor schwer an, als würde das Gewicht der Realität ihn weiter erdrücken. Doch noch bevor er völlig zusammenbrechen konnte, spürte er eine Hand an seinem Arm – Soren, der ihn stützte, hielt ihn aufrecht.
 

Soren hoffte das alles gut werden würde.
 

Er hoffte es einfach.
 

„Wir haben keine Zeit…“, presste Jack hervor und legte seine Hände auf Aidens Schultern, um ihn zu beruhigen. Seine Augen flackerten, als ob er nicht wusste, ob er Aiden trösten oder sofort handeln sollte.
 

„Komm…“ Jack drückte seine Hände leicht auf Aidens Schultern, bevor er ihn schließlich an der Hand nahm. Er wollte, dass Aiden wusste, dass er nicht mehr in Gefahr war. Jack würde nicht zulassen, dass Braydan noch einmal Hand an seinen Mann legte – nicht jetzt, nicht jemals.
 

Damian war bereits in Bewegung, seine Haltung angespannt, die Kiefermuskeln hart angespannt vor unterdrückter Wut.
 

Dustin nickte nur stumm, sein Blick verriet eine Mischung aus Besorgnis und Entschlossenheit.
 

Aiden wischte sich hastig über die Augen und drehte sich um, um sie zu Taylor und Darius zu führen.
 

Sie hatten keine Zeit zu verlieren.
 

Mit raschen Schritten führte Aiden sie ins Büro, seine Schritte eilig, sein Herz raste. Doch nichts hätte sie wirklich auf den Anblick vorbereiten können, der sich ihnen bieten würde.
 

„Erschreckt euch nicht“, sagte Aiden schnell, seine Stimme bebte leicht, aber er zwang sich zur Ruhe. „Es ist viel Blut… überall.“
 

Der Geruch von Blut lag schwer in der Luft.
 

Auf und um den Schreibtisch waren dunkle, klebrige Spuren zu sehen, die sich in einer grausamen Linie bis zum Bett zogen. Die Männer hielten unwillkürlich den Atem an, doch keiner ließ sich die Erschütterung wirklich anmerken – sie hatten schon viel gesehen, aber das hier… das war etwas anderes.
 

Zuerst sahen sie Darius. Trotz seiner eigenen Verletzung versuchte er verzweifelt, Taylors Wunde abzudrücken.
 

Erst dann fiel ihr Blick auf Taylor.
 

Sein Körper lag regungslos auf dem Bett, kaum bedeckt.
 

Das Blut, das seine Beine hinunterlief, hatte bereits den Stoff unter ihm durchtränkt. Die Decke, die Aiden und Darius über seine schlimmste Wunde gelegt hatten, verdeckte das Grauen darunter – doch die Spuren an seinen Handgelenken erzählten bereits eine grausame Geschichte.
 

Die Abdrücke der Fesseln zeichneten sich tief in seine Haut, als wären sie eine unauslöschliche Erinnerung an das, was hier geschehen war.
 

Und er war fast nackt.
 

Braydans Tat hatte nicht nur physische Wunden hinterlassen – sie hatte Taylor jede Würde geraubt.
 

Graham, der ohnehin schon kaum auf den Beinen war, taumelte, als er seinen Mann so sah. Sein Gesicht verlor jetzt erstrecht jegliche Farbe, seine Lippen bebten, aber er sagte nichts. Stumme Tränen liefen weiterhin über sein Gesicht.
 

Er konnte nichts sagen. Sein Blick blieb auf Taylors leblosen Körper geheftet, während seine Finger sich unbewusst verkrampften.
 

„Verdammt…“, murmelte Dustin leise, sein Blick dunkel. Doch keiner von ihnen konnte es sich leisten, jetzt in Schock zu verfallen.
 

Jack fasste sich als Erster. Seine Stimme war fest, wenn auch leise. „Wir müssen ihn hier rausholen. Sofort.“
 

Damian trat zu Darius heran, sein Blick war voller Sorge. „Und du? Wie schlimm ist es?“
 

Darius konnte ihn nur stumm ansehen, aber er war erleichtert das sein Mann endlich bei ihm war.
 

Doch zu Worten war Darius nicht fähig.
 

Aiden indes schluckte schwer und drehte sich zu Darius. Sie mussten schnell handeln. Taylor konnte nicht länger warten. Auch atmete er flach, sein Blick flog zwischen Taylor und Darius hin und her.
 

„Darius kann sich kaum bewegen. Sein Bein ist gebrochen, aber wir haben keine Zeit… wir müssen Taylor zuerst rausbringen.“ Seine Stimme zitterte, und ein unüberhörbares Beben lag in seinen Worten.
 

„Bitte… wir können nicht warten.“
 

Jack nickte sofort, seine Miene entschlossen. „Dustin, hilf mir mit Taylor. Wir müssen ihn vorsichtig tragen, nicht, dass wir noch mehr Schaden anrichten.“
 

Dustin trat ohne Zögern an das Bett, doch sein Blick fiel auf Graham, der sich nicht rührte. Seine Schultern zuckten, sein Brustkorb hob und senkte sich ungleichmäßig, als kämpfte er gegen die Realität an.
 

Soren war ebenfalls bleich geworden. Seine Lippen bebten, sein Blick war starr auf das viele Blut gerichtet, das sich bis zum Bett zog.
 

Die Bilder in seinem Kopf vermischten sich mit der grausamen Realität vor ihm. Jedoch stützte er nach wie vor Graham der kurz vor einem Zusammenbruch stand „Wie bei mir damals…“ murmelte er tonlos, kaum hörbar.
 

„Graham“, sagte Dustin schärfer, aber dennoch sanft. „Wir brauchen dich. Er braucht dich.“
 

Graham blinzelte, als würde er aus einer Trance erwachen, aber sein Körper war schwach. Seine Knie gaben fast nach, und ohne Sorens stützende Hände wäre er einfach zusammengesackt.
 

Er presste die Lippen aufeinander, sein ganzer Körper bebte vor unterdrücktem Schmerz – nicht nur der körperliche, sondern auch der seelische lastete schwer auf ihm.
 

„Ich… ich kann nicht…“ flüsterte er heiser. „Ich kann nicht mal stehen…“
 

Soren verstärkte seinen Griff an Grahams Arm, hielt ihn aufrecht, obwohl seine eigenen Hände zitterten. „Ich hab dich“, murmelte er, mehr zu sich selbst als zu Graham.
 

Doch sein Blick kehrte immer wieder zu Taylor zurück, und erneut flüsterte er mit gebrochener Stimme: „Wie damals…“
 

Aiden trat zurück, gab ihnen Platz. Sein Herz pochte schmerzhaft in seiner Brust, während er sich Darius zuwandte. „Braydan könnte jederzeit zurückkommen.“
 

Damian kniete sich bereits vor Darius hin, seine Hände glitten sanft über dessen Arm, als wollte er sich versichern, dass er wirklich noch da war. „Halt dich an mir fest. Ich trage dich.“
 

Darius biss die Zähne zusammen und nickte leicht. Der Schmerz pulsierte durch seinen Körper, brannte wie Feuer, aber er konnte nicht einfach hier liegen bleiben.
 

„Ja… aber es wird wehtun.“ Seine Stimme war rau, aber fest.
 

„Ich habe dich.“ Damian ließ keinen Widerspruch zu.
 

Während Jack und Dustin vorsichtig Taylor vom Bett hoben, mit Graham an ihrer Seite, der von Soren gestützt wurde, nahm Damian Darius mühelos auf die Arme, als wöge er nichts. Darius lehnte sich an seinen Mann, legte die Arme um seinen Nacken und schloss gequält die Augen.
 

Doch der Schmerz durchzuckte ihn so heftig, dass ihm schwarz vor Augen wurde. Er keuchte leise, klammerte sich jedoch fester an Damian, als könnte allein dessen Nähe ihn vor dem drohenden Abgrund bewahren.
 

Damian würde Darius nicht mehr aus den Augen lassen. Noch einmal würde Braydan ihn nicht bekommen – das schwor er sich.
 

Nicht jetzt, nicht jemals.
 

Mit entschlossener Miene hielt er ihn fester an sich gedrückt.
 

„Wir müssen jetzt gehen“, drängte Aiden, seine Augen huschten zur Tür. „Bevor es zu spät ist.“
 

Mit Taylor in ihren Armen, Graham, der sich schwer auf Soren stützte, und Darius gehalten von Damian, bewegten sie sich so schnell es ihre Lage zuließ hinaus aus diesem Albtraum – doch in ihrem Rücken lauerte immer noch die Gefahr.
 

Sie hatten es kaum ein paar Schritte aus dem Raum geschafft, als eine eiskalte Stimme durch den Flur schnitt.
 

„Glaubt ihr wirklich, dass ihr einfach so verschwinden könnt?“
 

Ein kalter Schauer durchzog die anderen, während sich die Spannung im Raum verdichtete.
 

Und Aiden erstarrte mitten in der Bewegung. Ein eisiger Schauder lief über seinen Nacken.
 

Sein Atem stockte, während seine Finger sich um nichts krallten, als er langsam den Kopf hob…

Kapitel 246

++++
 

Braydan stand am Ende des Ganges, sein höllisches Grinsen breitete sich wie eine Wunde über sein Gesicht aus. Doch es war nicht nur sein Ausdruck, der die Luft aus Aidens Lungen presste.
 

Es war das Blut.
 

Das Blut, das den Raum erfüllte, das alles durchzog und die Luft schwer und süßlich machte. Ein übler, erstickender Geruch, der sich tief in Aidens Lungen brannte, als ob es nicht nur das Blut war, sondern auch die Dunkelheit, die es mit sich brachte.
 

Seine Hände, sein Hemd, sogar sein Gesicht waren davon besudelt. Dunkle, getrocknete Flecken mischten sich mit frischen Spritzern, die seine Haut schmückten wie ein grausames Kunstwerk.
 

Der Geruch von Eisen lag in der Luft, schwer und beißend. Aiden spürte, wie sein Magen sich verkrampfte, sein Atem flacher wurde. Es war, als würde das Blut nicht nur die Luft vergiften, sondern auch seinen eigenen Körper. Ein bitterer Geschmack stieg ihm in den Hals, während die schaurige Stille die Spannung nur noch verstärkte.
 

Er sah aus, als wäre er direkt aus einem Albtraum gestiegen. Ein Alptraum, der niemals enden würde, in dem es keine Flucht und keinen Trost gab.
 

„Ich muss sagen… ihr habt mich überrascht.“ Seine Stimme triefte vor Spott. „Aber glaubt nicht, dass ich euch einfach mit meinen kleinen Spielzeugen davonziehen lasse.“
 

Sein Blick wanderte über die Gruppe – über Taylor, der bewusstlos in Jacks und Dustins Armen lag, über Darius, der ebenfalls schwer in Damians Armen lag, und dann zu Soren.
 

Bei ihm blieb er stehen.
 

Braydans Lächeln wurde noch breiter, seine Augen funkelten gefährlich, als er Soren fixierte, als ob er ein besonders wertvolles, erlegtes Tier begutachtete.
 

„Soren…“ Seine Stimme wurde sanft, fast schmeichelnd. „Du gehörst doch mir.“
 

Soren zuckte zusammen, sein Atem ging flach, als hätte er einen Albtraum. Grahams Griff um seine Schulter verhärtete sich augenblicklich, obwohl seine eigene Schwäche ihn kaum auf den Beinen hielt. Doch es war Sorens Reaktion, die Aiden eine Gänsehaut bescherte.
 

Ein unmerkliches Zittern zog durch ihn, als hätte er ein Stück seiner Seele bereits verloren.

Er murmelte etwas. Kaum hörbar. Ein Flüstern, das sich in Aidens Kopf brannte.
 

Sorens Worte, kaum mehr als ein Hauch der Erinnerung – Erinnerungen an eine Zeit, als er selbst noch derjenige war, der gefangen und gejagt wurde. Der Gedanke daran ließ seine Zähne aufeinanderschlagen, und der kalte Schauer überzog seinen Körper.
 

Wie bei mir damals…
 

Aiden sog scharf die Luft ein, als ob der Raum plötzlich zu eng für ihn wurde. Sein Blick flog zu dem Mann, der bis jetzt nicht zerbrechlich gewirkt hatte.
 

Soren schien für einen Moment nicht hier zu sein – gefangen in einer Vergangenheit, die er nicht aussprechen konnte. So sehr musste er Graham stützen, um sein Zittern zu verbergen. Um seine Angst zu überspielen.
 

Jack reagierte als Erster. Seine Muskeln spannten sich an, sein Blick war eine einzige dunkle Drohung, als er sich mit aller Macht auf Braydan stürzte, als ob er den Mann schon längst an diesem Punkt hätte stoppen wollen. „Halt. Dein. Maul.“
 

Braydan lachte leise, beinahe belustigt, als ob er es kaum fassen konnte, dass jemand so viel Wut in sich trug. „Oh, Jack… glaubst du wirklich, dass du mich aufhalten kannst?“
 

Er hob die Hand – und in seiner Faust blitzte ein Messer auf, die Klinge schimmerte im schwachen Licht wie ein Signal für das drohende Unheil.
 

Aiden spürte, wie sein Herz einen Schlag aussetzte, das Blut in seinen Adern zu gefrieren schien.
 

Jeder Schlag in seiner Brust wurde langsamer, als ob die Zeit selbst sich gegen ihn verschworen hätte. Das Gefühl von Panik, das er unterdrücken wollte, wurde stärker, als der Moment der Gefahr immer näher rückte.
 

Der Raum schien sich zu verengen, die Wände rutschten näher zusammen, und alles, was er konnte, war zu atmen – tief und flach, als würde er versuchen, sich selbst am Leben zu erhalten
 

Sie waren in der Falle.
 

Es war nicht nur die Wahrheit, die ihm ins Gesicht schlug, es war die Gewissheit, dass es keine Flucht gab.
 

Kein Weg hinaus.
 

Der Gedanke an die Möglichkeit, alles zu verlieren – schien wie ein dunkler Schatten, der über ihm hing.
 

Dann bewegte sich Braydan – langsam, genüsslich, als wollte er die Angst in ihren Augen auskosten…

Kapitel 247

++++
 

Der Alpha war wie ein Blitz, ein Sturm, der alles in seiner Bahn zerschlug. Die Geschwindigkeit, mit der er sich bewegte, ließ keine Zeit für Reaktionen. Er war wie ein wütender Schatten, der die Dunkelheit verschlang und alles, was in seinem Weg war.
 

Er war schnell. Zu schnell.
 

Ein Schatten, ein Hauch von Bewegung, und plötzlich stürzte er nach vorne, das Messer zuckte in seiner Hand, bereit, noch mehr Blut zu vergießen. Es war ein Moment, der sich wie eine Ewigkeit dehnte, und Aiden konnte nichts anderes tun, als den Atem anzuhalten.
 

Doch dieses Mal –
 

Gab es etwas anders Entschlossenheit. Und ein letzter Funken Hoffnung, der sie zusammenhielt, auch wenn der Wahnsinn noch immer mit ihm lauerte.
 

Jack riss Aiden nach hinten, als der Angriff zu nah kam, Damian schirmte Darius schützend ab, während Dustin blitzschnell Taylor auf dem Boden ablegte und sich in Kampfhaltung begab, seine Augen fest auf Braydan gerichtet.
 

Die Luft war dick vor Spannung, als sie sich auf den unvermeidlichen Kampf vorbereiteten.
 

„Bleib mir vom Leib, du verdammter Bastard!“, zischte er, als seine Muskeln sich anspannten, und jeder seiner Schritte verriet die tiefe Entschlossenheit, die in ihm brannte.
 

Braydan lachte erneut, als würde ihn das nur noch mehr anheizen. „Oh, Dustin… du hast keine Ahnung, womit du dich anlegst.“ Seine Stimme war voll von verächtlicher Belustigung, die seine Gegner nur noch mehr anstachelte.
 

Doch noch bevor er zuschlagen konnte, war es Graham, der sich – trotz seiner Verletzung – mit einem aufgebrachten Aufschrei nach vorne warf.
 

Graham, der sich durch die Schmerzen kämpfte, ohne einen einzigen Gedanken an seine eigene Sicherheit, stürzte sich auf Braydan. Es war ein Akt der Verzweiflung, des Hasses, der ihn vorwärtstrieb – und der Wunsch, das Monster, das seine Familie zerstören wollte, zu vernichten, trieb ihn weiter.
 

Er hatte nichts mehr zu verlieren.
 

In diesem Moment war alles, was er verloren hatte, in der Bedeutungslosigkeit verschwunden.
 

Was war noch übrig?
 

Nur dieser eine, schicksalhafte Moment, in dem er alles riskierte, um das, was übrig war, zu beschützen. Die Wahrheit, die ihn quälte, war, dass es nicht genug war, um Braydan zu stoppen, aber er hatte keine Wahl.
 

Nicht, wenn sein Mann hier sterben könnte.
 

Die Vorstellung, Taylor hier zu verlieren – nicht nur als seinen Partner, sondern als seinen Halt – ließ ihn förmlich wütend werden. Der Gedanke an Taylor, wie er bewusstlos auf dem Boden lag, brachte eine unbändige Wut in ihm hoch.
 

Dies war nicht das Ende.
 

Nicht hier. Nicht jetzt.
 

Nicht, wenn er dieses Monster nicht mit eigenen Händen vernichten konnte.
 

Der Gedanke, das Böse zu zerschlagen, das er nicht besiegen konnte, zog ihn mit aller Wucht in den Kampf. Jeder Instinkt in ihm schrie, dass nur er die Kontrolle hatte, nur er die Macht besaß, Braydan zu zerstören.
 

Alles, was er tun konnte, war jetzt zu handeln – zu töten, bevor er selbst zerrissen wurde.
 

Grahams Blick war wild, brennend.
 

In diesem Moment war er mehr als nur der verletzte Mann, der er war. Er war der Krieger, der verzweifelt nach einer Möglichkeit suchte, sich und die anderen zu retten. Das Verlangen nach Rache war wie ein Feuer, das alles in seinem Inneren verzehrte.
 

Braydans Grinsen wurde breiter, als er sah, wie Graham sich trotz seiner Verletzungen auf ihn stürzte. Es war ein Spiel für Braydan, ein grausames, tödliches Spiel.
 

Genau das hatte er gewollt.
 

Braydan hatte darauf gewartet. Der Moment, in dem sich der Kampf gegen ihn zu einem verzweifelten, unkontrollierten Chaos verwandelte. Es war das, was ihn antrieb – die Zerstörung der Kontrolle. Er wusste genau, wie er es so weit bringen konnte.
 

Graham war eine Gefahr.
 

Graham war mehr als nur ein Mann, der um das Überleben kämpfte. Er war ein Symbol für alles, was Braydan zerstören wollte. Ein Mann, der seine Familie schützte, der sich nicht zurückhielt, wenn es um den Schutz seiner Menschen ging. Und das wusste Braydan.
 

Nicht nur, weil er zu viel wusste. Sondern weil er bereit war, bis zum Äußersten zu gehen. Und genau das würde ihn sein Leben kosten.
 

Braydan wich geschickt aus, ließ Graham ins Leere greifen und nutzte dessen Momentum, um ihn mit einem harten Stoß gegen die Wand zu schleudern.
 

Ein keuchender Laut entwich Graham, als sein geschwächter Körper hart auf den Boden aufprallte. Doch es war der Schmerz, der ihn nicht stoppen konnte. Er kämpfte weiter, das Adrenalin durch seine Venen schoss und hielt ihn auf den Füßen.
 

„Tja, tja…“ Braydan ging langsam auf ihn zu, spielte mit dem Messer in seiner Hand. Die Klinge reflektierte das schwache Licht, als seine Stimme beinahe sanft, fast zu verführerisch klang.
 

„Du hättest einfach stillhalten sollen, Graham. Ich mochte dich eigentlich. Wirklich. Aber du konntest es nicht lassen, oder?“
 

Graham versuchte sich aufzurichten, doch seine Arme zitterten. Die Schläge, die er erlitten hatte, machten sich zunehmend bemerkbar. Aber sein Blick blieb fest auf Braydan gerichtet.
 

„Du… dreckiger Mistkerl…“ keuchte er, seine Stimme rau und voller Hass.
 

Der Hass, der aus Grahams Brust quoll, war in jeder Silbe spürbar. Er keuchte, als er sich hochrappelte, das Blut in seiner Kehle schmeckend, das adrenalingeladene Pochen in seinen Ohren.
 

Es war mehr als nur Wut – es war der pure Drang, sich zu rächen.
 

Braydan lachte leise, als er sich über Graham beugte, die Klinge des Messers in der Hand so scharf, dass sie den Raum in zwei Hälften schneiden konnte. „Ich weiß.“
 

Dann hob er das Messer – bereit, es ein für alle Mal zu beenden.
 

Doch er hatte die anderen vergessen.
 

Es war der fatalste Fehler, den Braydan machen konnte. In seinem Wahn hatte er nicht bemerkt, wie die anderen sich bewegten.
 

Ein Schatten tauchte plötzlich neben ihm auf.
 

Der Schatten war gefährlich, er hatte nur eine einzige Absicht: Braydan zu stoppen.
 

Dustin.
 

Er war es, der in diesem Moment die Richtung der Schlacht änderte. Der Mann, der bis dahin ruhig gewesen war, ergriff nun die Kontrolle, ein furchtloser Krieger, dessen Wut ihn zu einer Waffe machte.
 

Ohne zu zögern, packte er Braydans Handgelenk, verdrehte es brutal nach hinten – ein scharfes Knacken war zu hören, als Braydan das Messer aus der Hand glitt.
 

„Ich glaube nicht, dass wir das zulassen werden“, knurrte Dustin und verpasste ihm einen wuchtigen Schlag ins Gesicht. Braydan taumelte zurück, das Blut spritzte, als der Schlag ihn traf, doch anstatt sich abzuwenden, grinste er nur noch breiter.
 

„Oh… ihr wollt wirklich kämpfen?“ Er leckte sich das Blut von den Lippen, als seine Augen vor Wahnsinn funkelten, als ob er diesen Kampf schon immer gewollt hätte. Die Kontrolle hatte er längst verloren, und das war der Moment, der ihn noch gefährlicher machte.
 

„Na dann… los geht’s…“

Kapitel 248

++++
 

Darius hatte die ganze Szene mit angespannter Miene verfolgt. Er konnte nicht helfen. Sein Körper war zu schwach, um sich zu bewegen, aber sein Geist war scharf und klar. Jeder einzelne Moment, in dem er nicht handeln konnte, war eine Qual. Es war wie ein drückendes Gewicht, das ihm die Brust zusammenschnürte, als er zusah, wie Dustin sich, ohne zu zögern in den Kampf stürzte.
 

Deswegen rief er laut, so gut er konnte, „Dustin! Pass auf!“ obwohl sein Körper schmerzte und seine Bewegungen eh durch Damians Körper gemindert wurden. Darius wusste, dass er in dieser Situation nicht viel tun konnte, aber die Sorge um seinen Bruder ließ ihn keine Ruhe.
 

Seine Stimme war erschöpft, doch die Warnung war eindringlich. „Braydan ist gefährlicher, als du denkst! Er hat damals... er hat unsere Mutter vergiftet! Unseren Vater… er hat ihn umgebracht!“
 

Darius' Stimme brach fast, als er die schreckliche Erinnerung hervorkramte. „Er wollte an mich rankommen, und dafür hat er all das getan! Du musst vorsichtig sein!“
 

Dustin stockte kurz, als die Worte seines Bruders in seinem Kopf nachhallten. Der Schock und die Wut, die durch seinen Körper schossen, verstärkten sich. Er hatte immer gewusst, dass Braydan ein Ungeheuer war, damals schon, als er Damian und sein Lehrer gewesen war, aber nun hörte er von den schrecklichen Taten, die er begangen hatte, um an Darius heranzukommen.
 

„Dustin, er wird alles tun, um dich zu vernichten! Du kannst ihm nicht vertrauen, nicht für einen Moment!“
 

Darius' Blick war verzweifelt. „Er hat uns alles genommen!“
 

Aber Dustin war nun nicht mehr in der Lage, sich zurückzuhalten. Die Wut in ihm brodelte, und als er sah, wie Braydan ihn hasserfüllt anstarrte, wusste er, dass er es nicht zulassen konnte, dass dieser Mann weiter in ihrer Welt wütete.
 

Er hatte genug gesehen, genug gehört.
 

Braydan würde nicht davonkommen.
 

„Ich weiß, Darius... Ich weiß!“ Dustin schnaubte wütend und stürmte auf Braydan zu, die Faust bereit, den Schlag zu landen, der alles beenden sollte. „Aber ich werde ihn jetzt stoppen!“
 

Braydan lachte höhnisch. „Du bist nicht der Erste, der das versucht“, sagte er mit einem Grinsen, das nur Hass widerspiegelte. Doch er wusste, dass die Stunde für ihn gekommen war, und dass er alles verlieren könnte, wenn er nicht aufpasste.
 

Aiden war sofort zu seinem Onkel geflitzt, als Dustin Taylor abgelegt hatte. Die Kämpfe und das Chaos um sie herum schienen für einen Moment stillzustehen, als Aiden den Blick auf Taylor richtete. Er wusste, dass er ihn nicht alleine lassen konnte, dass jeder Augenblick, den sie ohne Hilfe verstreichen ließen, Taylor näher an den Tod bringen würde.
 

Seine Hände zitterten, als er die Wunde wieder abdrückte, der Schock von Taylors Zustand hatte nach wie vor seinen Körper erstarrt.
 

Jeder Herzschlag fühlte sich wie eine Ewigkeit an, als die Sekunden qualvoll verstrichen. Doch die Realität kam zurück – die Gefahr war noch nicht vorüber. Wenn er nicht schnell handelte, könnte es zu spät sein.
 

Taylor war nicht bei Bewusstsein, aber Aiden konnte die Hoffnung nicht aufgeben. Er durfte nicht. Er wusste, dass er sich nicht länger aufhalten lassen durfte.
 

Doch während Aiden sich niederbeugte, um zu seinem Onkel zu sprechen, spürte er das kalte, scharfe Metallstück in seiner Hose. Ein Moment der Klarheit durchbrach das Chaos, und sein Blick verengte sich.
 

Vielleicht konnte er es nutzen.
 

Vielleicht konnte er Braydan überraschen.
 

Aber noch war es nicht der Zeitpunkt. Für den Moment musste er sich auf Taylor konzentrieren.
 

„Komm schon, Taylor…“ flüsterte Aiden, seine Stimme zitterte vor Emotionen. „Du musst durchhalten. Du darfst jetzt nicht aufgeben.“
 

Er drückte wieder auf die Wunde und hielt seine Hand, versuchte so, ihm Trost zu geben, auch wenn er wusste, dass Taylor immer noch nicht bei Bewusstsein war.
 

„Wer würde mir denn noch bleiben, wenn du nicht mehr da bist?“
 

Seine Worte waren nicht nur ein Appell an Taylor, sondern auch ein verzweifelter Versuch, ihn am Leben zu erhalten. In diesem Moment fühlte Aiden sich unendlich allein, von der Angst überwältigt, alles zu verlieren.
 

Doch dann riss ihn der Krach des Kämpfens zurück. Dustin hatte Braydan schon wieder überwältigt, doch es war klar, dass der Kampf noch nicht vorbei war.
 

Braydan würde sich nicht einfach so geschlagen geben, nicht bei all dem, was auf dem Spiel stand…

Kapitel 249

++++
 

Aiden blickte für einen Moment auf, als er hörte, wie Braydan wütend brüllte, und er wusste, dass er schnell handeln musste. Doch während sein Blick zwischen Taylor und dem aufgebrachten Braydan hin und her wanderte, entschloss er sich, den Moment zu nutzen.
 

Still, fast unbemerkt, griff er in seine Hose und zog das Metallstück heraus, das er während der Durchsuchung des Büros gefunden hatte.
 

An den Dolch von Taylor, dachte er dabei gar nicht, aber das, was er gefunden hatte, war kein großer Dolch, aber es war scharf genug, um Schaden anzurichten, wenn er es richtig einsetzte.
 

„Halt durch, Taylor…“ murmelte er, während er sich gleichzeitig bereit machte, sich wieder Braydan zu stellen.
 

Die Entscheidung war klar: Zuerst musste er Taylor retten, aber wenn Braydan sich wieder auf sie stürzen würde, würde Aiden alles tun, um ihn zu stoppen. Das nahm er sich vor. immerhin wollte er sich auch für die Vergewaltigung, für die Demütigung, für Darius und schlussendlich für Taylor rächen.
 

Es manifestierte sich in seinem Kopf, denn Aiden fühlte, wie die Wut in ihm hochkochte, als er sah, wie Braydan immer wieder versuchte, sich aufzuraffen und weiterzukämpfen. Der Mann war ein Monster – und Aiden hatte genug davon.
 

Sein Blick fiel auf das Metallstück in seiner Hand, dass er heimlich in seine zerrissene Hose gesteckt hatte. In diesem Moment wusste er genau, was er tun würde.
 

Braydan hatte viel zu viel Schaden angerichtet, und Aiden würde nicht zusehen, wie er noch mehr Leid über die Menschen brachte. Das Bild von Taylor, blutend und leblos, trieb ihn zu einer Entscheidung.
 

Es gab keinen Platz für Gnade mehr.
 

Wenn er Braydan in die Finger bekam, würde er ihn mit allem bestrafen, was dieser verdiente.
 

„Du wirst hier nichts mehr zerstören“, murmelte Aiden mit knirschenden Zähnen, als er sich auf den Kampf konzentrierte.
 

Sein Blick wanderte zu Dustin, der mit aller Kraft versuchte, Braydan zurückzuhalten. Doch Aiden wusste, dass Dustin nicht genug Erfahrung hatte, um gegen Braydan, diesen brutaleren, älteren Kämpfer, lange zu bestehen.
 

Wenn er es nicht schaffte, würde Braydan wieder zurückkommen und alles, was sie erreicht hatten, zunichtemachen.
 

Aiden konnte nicht zulassen, dass das passierte.
 

„Verdammt, ich werde das nicht mehr zulassen“, dachte Aiden, als er das Metallstück fester in die Hand nahm. Es war der einzige Moment, in dem er es wagen konnte, Braydan zu überwältigen.
 

Er wusste, was er tun musste.
 

„Wenn du Dustin nicht in Ruhe lässt, Braydan...“ flüsterte Aiden und seine Stimme verriet die unbändige Wut, die in ihm brodelte.
 

„Dann werde ich dafür sorgen, dass du nie wieder aufstehst.“
 

Aiden stand auf und stürmte auf Braydan zu, den Entschluss gefasst, das Metallstück direkt in Braydans Geschlechtsteil zu rammen.
 

Ein schmerzhafter und zutiefst brutaler Schlag, der Braydan in seiner ganzen Überheblichkeit und Boshaftigkeit stoppen sollte. Aiden wusste, dass es keine andere Möglichkeit mehr gab. Er musste Braydan von allen anderen fernhalten, koste es, was es wolle.
 

„Süß. Was willst du schon ausrichten, du zitterst doch schon, wenn ich dich nur anfasse. Und glaube mir, das hat mir Spaß gemacht“, höhnte Braydan, seine Stimme ein grausames, selbstgefälliges Lächeln, das in der angespannten Luft schwebte.
 

Daraufhin konnte Aiden sich kaum noch beherrschen.
 

Jedes Wort, das Braydan sprach, fühlte sich an wie ein Schlag in sein Herz.
 

Doch anstatt sich von der Angst erdrücken zu lassen, tat etwas in ihm das Gegenteil. Etwas brannte in ihm, ein Drang, der alles andere verdrängte. Etwas, das er längst in sich spürte, aber nie wirklich gezeigt hatte.
 

Er erinnerte sich daran, wie Taylor nicht aufgegeben hatte, wie dieser versuchte gegen alle Widerstände zu kämpfen, wie er sich gewehrt hatte. Als Omega in einer Welt, die ihn niederdrücken wollte, wie Braydan in niederdrücken wollte.
 

Sein Onkel hatte ihm gezeigt, dass es keine Rolle spielte, wie schwach oder verletzlich man war – der Wille zu kämpfen war alles.
 

„Ich gebe nicht auf“, murmelte Aiden, seine Stimme fest, aber tief aus seinem Inneren kommend. In seinen Augen flackerte eine Entschlossenheit auf, die er noch nie zuvor gespürt hatte.
 

„Ich werde dir zeigen, dass ein Omega auch kämpfen kann, Braydan. Und ich werde es besser machen als du je dachtest.“
 

Sein Blick blieb fest auf Braydan gerichtet, der ihn spöttisch musterte. Doch Aiden ließ sich nicht von der Einschüchterung täuschen. Der Zorn, der ihn durchströmte, war stärker als jede Angst, die Braydan ihm einflößen wollte.
 

Mit einer einzigen Bewegung stürzte er sich wieder auf Braydan, das Metallstück in seiner Hand, fest entschlossen, nicht nur sich selbst, sondern auch das zu verteidigen, was noch übrig war.
 

Es war nicht nur der Kampf um seine eigene Überlebenschance, sondern der Beweis, dass er nicht der war, den Braydan dachte, er zu sein…

Kapitel 250

++++
 

Jack, der große Sorge um Aiden hatte, wollte sich gerade zu ihm begeben, um ihn zurückzuhalten. Doch bevor er den Schritt machen konnte, wurde er abrupt von Soren gestoppt, der nur mit einem Kopfschütteln reagierte.
 

„Lass ihn“, sagte Soren mit fester, aber ruhiger Stimme.
 

„Wenn Darius könnte, würde er auch kämpfen. Und ich glaube, Taylor hat mit seinem Widerstand mehr bewirkt, als ihr Alphas ahnen könnt.“
 

Jack starrte Soren an, die Worte trafen ihn. Es war wahr. Taylor hatte nicht nur mit seinem Körper gegen Braydan gekämpft, sondern auch mit einer Stärke, die er als Omega oft verwehrt bekam. Aber jetzt… jetzt lag er regungslos da, das Blut hatte alles durchtränkt.
 

Soren war jedoch nicht nur mit den Worten beschäftigt, er kniete an Taylors Seite, den Druck auf die Wunde haltend, als Aiden nämlich aufgestanden war, war er zu ihm geeilt, um weiterhin die Wunde abdrücken zu können.
 

„Komm schon, bleib bei uns, Taylor. Du musst durchhalten“, murmelte Soren, während seine Hände fest gegen die blutende Stelle pressten, in dem verzweifelten Versuch, die Wunde zu stoppen.
 

Doch der Schmerz in seinen Augen verriet ihm, wie wenig er tun konnte.
 

Graham, der sich an die Wand gelehnt hatte, konnte nichts tun. Es war ein grausames Gefühl der Hilflosigkeit, das ihn übermannte. Er konnte nur zusehen, wie Soren versuchte, die Wunde zu stoppen, und fühlte sich noch mehr wie ein Versager.
 

Wie sollte er seinem Mann je helfen können, wenn er hier nur nichts tun konnte?
 

„Verdammt…“, flüsterte er leise, das Gesicht verzerrt vor Schmerz, sowohl körperlich als auch emotional.
 

„Ich… ich hätte mehr tun müssen.“ Doch es war zu spät, um sich Vorwürfe zu machen.
 

Alles, was er tun konnte, war zu hoffen, dass Taylor überlebte. Dass sie alle überlebten.
 

Aiden indes erkannte seine Chance – eine Lücke in Braydans Verteidigung.
 

Braydan war einen Moment unaufmerksam, weswegen er, ohne zu zögern, das Metallstück fester packte.
 

Und den Augenblick nutzte.
 

Denn dieses Mal war er schneller.
 

Er wartete auf den richtigen Moment, dann rammte er das Metallstück mit aller Kraft in Braydans Geschlechtsteil. Der Mann schrie auf, taumelte zurück und versuchte verzweifelt, das Stück Metall herauszureißen, doch der Schaden war bereits angerichtet.
 

Das Metallstück war tief genug eingedrungen, um Braydan schwer zu verletzen.
 

„Du verdammter Bastard!“ Braydan brüllte vor Wut und Schmerz, stolperte zurück und konnte sich nur mit Mühe auf den Beinen halten. Sein Gesicht verzerrte sich zu einer Fratze des Hasses. Allerdings taumelte er auch zurück, das Gesicht jetzt jedoch verzerrt vor Schmerz, während das Blut aus seiner Wunde sickerte.
 

Jeder Atemzug schien ihm schwerzufallen, und doch hielt er sich noch auf den Beinen – wenn auch wankend. „Du verdammtes Miststück…“ keuchte er, während er sich mit einer Hand an einer umgefallenen Kiste abstützte.
 

Aiden, jedoch von seiner eigenen Wut angetrieben, ließ sich nicht von Braydans Zustand ablenken. Er behielt den verletzten Mann im Auge, ließ sich aber nicht zu weiteren Angriffen verleiten.
 

„Ich will, dass du spürst, was du uns angetan hast“, murmelte Aiden mit einem kalten, bedrohlichen Ton in der Stimme.
 

Doch dann, als ihm Taylors Zustand wieder gewahr wurde, drehte er sich sofort um. „Ich muss ihm helfen…“, flüsterte er verzweifelt, auch wenn er wusste, dass der Kampf längst noch nicht vorbei war.
 

Er ging auf Taylor zu, seine Hände zitterten, als er sah, das Soren bei ihm war. Auch die Panik war in seinen Augen zu sehen. Er wusste nicht, ob sie genugtun konnten, aber er konnte es nicht zulassen, dass Taylor in diesem Zustand blieb und starb.
 

„Bitte, Taylor... du musst durchhalten“, flüsterte Aiden, die Worte mehr als ein Befehl – sie waren ein verzweifeltes Flehen. Doch während seine und Sorens Hände versuchten, die Blutung weiterhin zu stoppen, spürte er den Blick von Braydan in seinem Rücken, das Wissen, dass der Kampf noch längst nicht vorbei war.
 

Und dass er vielleicht noch einen weiteren Angriff abwehren musste.
 

Noch bevor Aiden weiter handeln konnte, hörte er plötzlich das Knirschen von Schritten, die sich ihm näherten. „Lass gut sein Schatz, er ist am Ende…“, rief Jack, der sich zu seinem Mann gebeugt hatte, um ihn notfalls vor Braydan schützen zu können sollte dieser versuchen in seinem Zustand anzugreifen.
 

Soren, der nun aufsah, sah zu Aiden und dann zu Jack. Allerdings ohne sich von der Verletzung abzuwenden: „Jack hat recht! Braydan muss sich selbst erstmal erholen und das ist unsere Chance Taylor hier lebend herauszubekommen, denn wenn er sterben sollte…dreht Graham durch, das kann ich euch versprechen!“
 

Braydan allerdings hatte sich nun wieder gefasst, doch seine Bewegungen waren langsamer, durch den Schmerz, der durch seinen Körper zog. Noch immer glühte der Schmerz in seinem Schritt, doch der Hass in seinen Augen war ungebrochen.
 

„Ihr glaubt doch nicht wirklich, dass das hier zu Ende ist, oder?“ brüllte er, mit einer Wut, die alles zu verschlingen schien.
 

Aiden, der das nicht unkommentiert lassen konnte, sah ihn an. „Ich werde dich stoppen, Braydan. Ganz gleich, was du noch versuchst.“
 

Aber der Kampf war noch lange nicht zu Ende, und während Braydan auf sie zukam, wusste Aiden, dass dies noch nicht das Ende war.
 

Jedoch durchbrach plötzlich daraufhin eine kalte, amüsierte Stimme das Chaos.
 

„Was für ein Anblick…“


Nachwort zu diesem Kapitel:
Sorry an allen meinen Lesern aus früheren Geschichten. Das ich den Sex übersprungen habe. Irgendwann wird sich eine Gelegenheit ergeben, aber ich bin noch nicht sicher, ob ich es überhaupt einbaue.
Manchmal ist die Fantasie einfach größer wenn man es sich selbst vorstellen kann, sind einige Dinge angeschnitten und das reicht fürs Erste ;)

Viel Spaß weiterhin ♥ Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
Meine Verehrte Leserschaft, was nun kommt, ist und bleibt einzig euer Fantasie überlassen ;-)

Weiterhin viel Vergnügen ♥ Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
So wenn ihr es bisher geschafft habt, habt ihr ja sicher gelesen das ab hier Buch 2 anfängt ^^
Ich möchte es einfach unterteilen und hoffe das ihr mir das Nachsieht das wir hier schon bei Kapitel 54 angelegt sind.
Es hat einen Grund warum ich die Geschichte so lange werden lasse.
Solltet ihr mir treu bleiben werdet ihr es lesen 💞

Viel Spaß weiterhin Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
Kleine Anmerkung; Ich mag Aiden und Jack sehr, die beiden sind ein niedliches Paar und bekommen sehr wahrscheinlich ihre eigene Geschichte ;-)
Würde mich freuen wenn meine verehrte Leserschaft, meiner Meinung ist xD Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
Meine Verehrte Leserschaft,
es tut mir leid, für den Verlauf den ich jetzt geschrieben habe.
Und ja, vielleicht mögen einige mich jetzt nicht mehr, aber ich muss zu meiner Schande gestehen, der Verlauf musste folgen.
Die Vergewaltigung musste folgen.
Es hat alles seine Gründe. ^^"
Glaubt mir, auch wenn ich euch sage, es wird noch schlimmer xD
Aber was noch alles folgen wird, dass werdet ihr ja herausfinden x.x

Ich wünsche euch weiterhin viel Spaß beim Lesen Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
Ja, meine Liebe Leserschaft ☺️🙏 endlich hat auch Damian eingesehen das er Darius liebt 🤭 und es ihm gesagt 😁

Wie es nun weiter geht, dass wird ihr Lesen und ob Damian es schafft seinen liebsten zu retten 😜 müsst ihr abwarten 😉 Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
So hallo meine lieben 💕
Hiermit fangen wir Buch 3 an. Ab hier erkläre ich mehr und mehr, warum Darius und die anderen Omega gefangen wurden.
Man muss nicht verstehen wie Braydan tickt aber man kann es so einfach besser nachvollziehen.

In wie weit er eine Schraube locker hat, wird sich zeigen oder ob die anderen es schaffen ihn aufzuhalten xD

Wünsche euch trotzdem weiterhin viel Spaß beim Lesen meiner Story ^^ Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
Verehrte Leserschaft ^^
Ich hoffe man hasst mich jetzt nicht noch mehr. XD
Aber auch Aiden kam nicht um eine Vergewaltigung herum x.x
Es ist einfach der Verlauf der sein muss.

Ihr werdet lesen können warum das alles so kommen musste.
Ich hoffe ihr bleibt mir treu und liest den weiteren Verlauf.

Aber wenn ihr es bis hierher geschafft habt, habt ihr die Hälfte der Story geschafft 👍

Wünsche weiterhin viel Spaß beim Lesen

Eure Lu ^,~ Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
So meine verehrte Leserschaft, nun sind wir schon bei Buch 4 xD
Mal sehen was mir noch alles einfallen wird, aber schon etwas mehr als die Hälfte haben wir schon mal geschafft. Ich hoffe einfach das ihr mir weiterhin treu bleibt ;-D
Ich hoffe es einfach. Auch wünsche ich euch weiterhin viel Spaß beim Lesen meiner Geschichte x-D

Eure Lu ^,~ Komplett anzeigen

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Bitte keine Beleidigungen oder Flames! Falls Ihr Kritik habt, formuliert sie bitte konstruktiv.
Von:  Amy2805
2025-12-28T15:20:04+00:00 28.12.2025 16:20
Halli Hallo Hallöchen ~
Von:  Sunao-Fujimori
2025-07-22T12:01:19+00:00 22.07.2025 14:01
oh ja... Braydan mit dem Metallstück zwischen den Beinen XD
Von:  Sunao-Fujimori
2025-07-09T15:38:50+00:00 09.07.2025 17:38
*grins*
ab mit dem...
Antwort von: Luiako
20.07.2025 23:48
😂😂😂😂 wenn man es nicht wüsste und verstehen würde, wäre ich jetzt bei Alice im Wunderland, mit ab mit dem Kopf... Statt ab mit dem...
Von:  Sunao-Fujimori
2025-05-30T04:59:24+00:00 30.05.2025 06:59
oh man
Antwort von: Luiako
09.07.2025 15:40
Ja das kannst du laut sagen xD
Von:  Sunao-Fujimori
2025-05-27T20:01:56+00:00 27.05.2025 22:01
eigentlich wollte ich Fähnchen schwenken...
aber ich glaub das lass ich lieber, sonst bekommt es der Falsche in den Hals
und diesen gewissen will ich nicht anfeuern XD
Antwort von: Luiako
30.05.2025 02:32
Ich... na ja... du machst mich echt fertig xD
Von:  Sunao-Fujimori
2025-04-25T18:45:28+00:00 25.04.2025 20:45
Des pock i ned
Antwort von: Luiako
30.05.2025 02:31
😂😂 Verstehe ich, ich würde das auch nicht packen
Von:  Sunao-Fujimori
2025-04-23T04:24:16+00:00 23.04.2025 06:24
verdammt
Antwort von: Luiako
30.05.2025 02:31
o.O

Wow, da hab ich doch glatt vergessen zu antworten.... sorry v.v
Von:  Sunao-Fujimori
2025-04-19T18:42:59+00:00 19.04.2025 20:42
schnell... aiden
Antwort von: Luiako
23.04.2025 05:09
Ja, er sollte sich wirklich beeilen T.T Mal sehen ob er es schafft xD
Von:  Sunao-Fujimori
2025-04-18T19:22:06+00:00 18.04.2025 21:22
och...
Antwort von: Luiako
23.04.2025 05:08
Manchmal sagt ein Wort mehr als tausend Worte xDD
Von:  Sunao-Fujimori
2025-04-17T13:06:40+00:00 17.04.2025 15:06
🩺🩸
Antwort von: Luiako
18.04.2025 21:25
Da erst Mal danke für dein 100.tes Kommi ^.^


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