„Nein! Nein! Tenn-nii, hilf mir!“
Tenn zuckte zusammen, öffnete seine Augen, bemerkte, dass er in seinem Bett lag, während er nur kurz mit einem Seitenblick aus dem Fenster bemerkte, dass es wohl noch mitten in der Nacht war.
Es war ewig her, dass er von diesem Moment aus seiner Kindheit geträumt hatte.
„Der Wald, in dem diese Gerüchte von einer Hexe existieren?“
Tenn konnte sich vorstellen, wieso er erneut an den Tag denken musste, als er Riku das letzte Mal gesehen hatte. Immerhin war es nur ein paar Stunden her, als er mit Gaku und Ryuu zusammengesessen hatte und Ryuu ihnen erzählt hatte, dass er sich in diesen Wald verlaufen hatte, wo diese seltsame Hexe leben sollte.
Er hatte niemandem von seinen Freunden davon erzählt, aber er hasste Hexen. Er hasste Hexen, weil sie der Grund waren, dass er Riku nicht mehr gesehen hatte, seit sie beide gerade einmal acht gewesen waren.
Er erinnerte sich immer noch viel zu gut daran, wie diese Hexe Riku mitgezogen hatte, während er nur verzweifelt zu ihm und dann zu seinen Eltern gesehen hatte. „Mama, Papa, wieso? Warum könnt ihr nichts machen?“ Er hatte danach nur Rikus Namen gerufen und hatte zu ihm rennen wollen, allerdings war er von seinem Vater festgehalten worden, während er und seine Mutter nur still den Kopf geschüttelt hatten.
Inzwischen war er zwanzig und dabei, auf sich aufmerksam zu machen, um irgendwie herauszufinden, wo Riku steckte, oder dafür zu sorgen, dass Riku ihn sehen und hoffentlich kontaktieren würde.
Riku war auch der Grund, wieso er, als er gerade fünfzehn geworden war, die Chance ergriffen hatte, um ein spezielles Idoltraining zu absolvieren, selbst, wenn er dafür seine Eltern verlassen hatte müssen. Er hatte von ihnen auch nie erfahren, wieso sie diese Hexe nicht aufgehalten hatten, weswegen er sich nicht wirklich mehr Gedanken darum machte. Sein einziges Ziel war es, Riku zu finden, damit er wieder bei ihm sein konnte und damit er ihn von dieser Hexe befreien konnte, die ihn damals einfach mitgenommen hatte.
Inzwischen war er sich zwar sicher, dass er seine Freunde nicht so einfach wieder alleine lassen konnte, sobald er wusste, wo sich Riku aufhielt. Nur war es immer noch seine oberste Priorität.
Tenn seufzte, rutschte aus dem Bett und schlich durch das Zimmer. Er wusste, dass er noch etwas schlafen sollte, aber gerade konnte er sich nicht sonderlich beruhigen.
Er machte sich auf den Weg nach unten und wollte eigentlich in die Küche gehen, um sich etwas zu Trinken zu nehmen, als sein Blick eine Bewegung in ihrem Wohnzimmer ausmachte. War irgendjemand seiner Freunde ebenfalls noch wach?
„Hey“, startete Tenn, stoppte erschrocken, als er zu Ryuu sah, der halb auf dem Sofa saß, allerdings ragten seltsame, größere Flügel aus seinem Rücken, während seine Ohren eher spitzer waren. „... Ryuu? Wa– was ...“,
„Tenn?“, drang diese so ruhige Stimme zu ihm, die definitiv nach Ryuu klang, auch wenn Tenn immer noch zu geschockt auf die Erscheinung sah. Wieso sah Ryuu so anders aus? Was genau war das, was er besaß? „Tenn, du bist hier, oder?“
Tenn zuckte ein wenig zusammen, schüttelte kurz den Kopf und ging vorsichtig zu ihm, bemerkte, wie Ryuu seinen Kopf zu ihm drehte. Was er allerdings daraufhin auch bemerkte, war, dass Ryuus Augen ebenfalls anders aussahen. Oder eher funkelten sie etwas mehr und wirkten eher leicht silber-blau mit einem kristallenen glitzern.
„Was ... ist das, Ryuu?“, fragte Tenn langsamer nach, auch wenn er sich nicht wirklich näher zu ihm bewegen wollte. Wieso hatte er so ein komisches Gefühl, obwohl er wusste, dass das hier nur einer seiner Freunde war? Lag das an dieser Hexe, die Ryuu getroffen hatte?
„Tenn ... was ... es ist alles so ... verschwommen“, murmelte Ryuu, während er mehr etwas hin und her sah und nur einigermaßen in Tenns Richtung blickte.
Tenn schluckte, ignorierte diese Angst, die er gerade hatte, dass er mit diesen Dingen nichts mehr zu tun haben wollte. Aber immerhin war das hier sein Freund, keine Hexe, die ihm schaden würde. „Du siehst ... so anders aus“, flüsterte er, streckte seinen Arm aus und berührte Ryuu an einem der Flügel. Es fühlte sich irritierend an.
„Tenn“, startete Ryuu, während das Geräusch, was er darauf von sich gab, eher wie ein leises Grummeln klang, „das ... fühlt sich ... gut an.“
Tenn ignorierte es, weiter nachzufragen oder etwas zu sagen, sondern bewegte einfach nur seine Hand über den Flügel, nachdem er gemerkt hatte, dass es seinen Freund scheinbar beruhigte.
Langsam rutschte er neben Ryuu auf das Sofa, ließ seine Hand noch einen Moment über den Flügel gleiten, bevor er tiefer durchatmete und stattdessen über eins dieser spitzeren Ohren strich, sodass er ihn eher wieder mehr ansehen konnte. „Deine Augen ... sehen so anders aus, aber sie sind gerade irgendwie glitzernd.“
„Tenn“, flüsterte Ryuu, schob seine Hände zu Tenns Wangen, sah ihm direkt in die Augen, „ich weiß nicht, was es ist, aber es wirkt, als wenn ich gerade nicht einmal richtig etwas erkennen kann.“
Tenn schluckte erneut, ignorierte inzwischen das Gefühl komplett, dass er sich lieber fernhalten wollte. Er wollte Ryuu nicht abstoßen, nur weil er so anders aussah. Er war immerhin einer seiner Freunde. „Du bist ... immer noch du, oder?“ Warum klang diese Frage in seinen Ohren so falsch? Aber er musste sich versichern. Er musste sichergehen, dass er nichts zu befürchten hatte.
„Natürlich, Tenn“, sagte Ryuu leise, „ich weiß gerade gar nicht, was ...“,
Tenn ließ ihn nicht weitersprechen, nachdem er diese Bestätigung gehört hatte, sondern küsste ihn einfach, sorgte dafür, dass er sich gegen ihn drückte, und spürte kurz darauf, wie Ryuu seine Arme um ihn legte.
Für einen Moment versank er einfach nur in diesem Kuss, während er seine Augen geschlossen hielt, um sich einzureden, dass alles normal war. Vermutlich hatte sein Albtraum dafür gesorgt, dass er gerade diese Dinge sah. Ryuu hatte nichts damit zu tun.
„Ryuu?“
Tenn rutschte ein Stück zurück, als er Gakus Stimme hörte, blinzelte etwas in die Richtung der Tür, während Ryuu ihn weiterhin in den Armen hielt.
„Gaku–“, startete Ryuu, während er seinen Kopf etwas zur Seite drehte, wobei Tenn bemerkte, dass diese seltsamen Dinge bei ihm immer noch zu sehen waren.
Warum passierte das alles? Warum konnte das nicht alles ein Traum sein?
„Der Kontakt zu dieser Hexe im Wald“, sagte Gaku so eindringlich, dass es Tenn einen Schauer über den Rücken jagte.
Wieso klang Gaku so, als wenn er mehr wusste, was hier vor sich ging? Wieso sorgte es dafür, dass er sich verspannte?
„Kannst du herkommen? Es ist schwierig, etwas zu sehen ...“, murmelte Ryuu etwas mehr.
Tenn sah einfach nur still zu Gaku, während er etwas in den Augen des anderen spürte, was ihn nur mehr verunsicherte. Warum sah er ihn gerade so unsicher an? Oder ... was genau war das, was er in Gakus Blick sah? „Warum siehst du so seltsam zu uns? Keine Lust, mit uns zu kuscheln?“
„Sorry, ich lasse euch besser alleine und ... wir müssen morgen reden“, entgegnete Gaku, bevor er sich einfach nur umdrehte und das Zimmer verließ.
Tenn blinzelte ihm nur irritierter hinter her. Es fühlte sich mehr als eigenartig an und für den Moment konnte er sogar vergessen, was ihn die ganze Zeit beschäftigte.
„Was war das jetzt?“, fragte Ryuu nach, sorgte dafür, dass Tenn wieder zu ihm blickte.
„Ich ... macht es dir was aus, wenn ich erst einmal mit ihm rede?“, fragte Tenn nach, spürte immer noch, wie Ryuu ihn so eng umschlungen hielt, „ich meine ... normalerweise würde Gaku nicht so einfach gehen und uns alleine lassen.“
„Alles gut“, sagte Ryuu ruhiger lächelnd, ließ ihn langsam los, „ich meine ... wir gehören zusammen, oder? Keine Sorge, ich denke nicht, dass ich gerade irgendwohin könnte.“
Tenn nickte langsam, rutschte zurück und richtete sich dann auf. „Ich bin gleich zurück.“
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Der Weg durch ihre gemeinsame Wohnung und zu Gakus Zimmer fühlte sich eigenartig an, auch wenn Tenn nicht wirklich sagen konnte, wieso er sich so fühlte. Aber irgendwie hatte der Blick vorher dafür gesorgt, dass er es nicht so einfach vergessen konnte.
„Gaku–“, startete er langsam, als er die Zimmertür ein wenig öffnete, stoppte allerdings erschrocken in der halb geöffneten Tür, während er einfach nur seine Augen geweitet hatte.
„Tenn?“, entgegnete Gaku überraschter, während er auf seinem Bett saß und in eine seltsame Aura gehüllt war, während seine Augen eine Spur dunkler leuchteten.
„Was– wer ...“, fing Tenn an, ohne zu wissen, was er sagen sollte. Sein Kopf schwirrte und er fühlte sich seltsam, während er das Gefühl hatte, diesen Schatten zu sehen, der Riku festhielt. „Tenn-nii ...“
„Tenn, beruhig dich und lass uns in Ruhe darüber reden“, hörte er Gaku sagen, auch wenn es sich anfühlte, als wenn er ihn nicht mehr wirklich reden hörte.
„Du ... bist du ... eine Hexe?“, fragte Tenn nach, schlang seine Arme um seinen Körper, während er einfach nur zu ihm starrte. Warum? Erst fing Ryuu an, diese komischen Dinge zu haben und nun das?
„Tenn, beruhig dich, es ist alles gut“, startete Gaku erneut, kurz bevor er langsam zu ihm trat, während diese seltsame Aura um ihn herum längst wieder verschwunden war, „lass uns–“,
„Nein!!“, zischte Tenn ihm entgegen, machte mehrere Schritte zurück, umklammerte das Treppengeländer in seiner Nähe, „komm– komm mir nicht zu nahe!“ Warum? Warum waren seine Freunde solche Monster? Warum hatte er das vorher nie gesehen? Wieso hatte er Gaku und Ryuu so sehr an sich gelassen, wo sie zu denen gehörten, die ihm Riku genommen hatten?
„Tenn–“, fing Gaku erneut an, allerdings schüttelte Tenn nur heftig den Kopf, drehte sich einfach nur ab und rannte in die andere Richtung und nach draußen.
Er musste hier weg. Er musste von ihnen weg. Sie bedeuteten nichts Gutes. Es würde ihm nur Unheil bringen, weiterhin bei ihnen zu sein.
„Tenn?“, hörte er noch einmal Ryuus Stimme, allerdings ignorierte er ihn genauso und rannte einfach nur weiter.
Er wollte gerade einfach nur weg von ihnen. So schnell und weit weg, wie er nur konnte.
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Irritiert drehte Ryuu seinen Kopf zur Seite, als er spürte, dass er festgehalten wurde. „Gaku?“
„Glaubst du, es ist gut, wenn du Tenn so folgst?“, fragte Gaku nach, auch wenn er eher etwas zur Seite und nicht zu ihm sah. Wirkte er bedrückt?
„Sollten wir ihm nicht folgen?“, fragte Ryuu nach. Nicht, dass er nicht wusste, dass er gerade nicht wirklich in der Lage war, überhaupt gut unterwegs zu sein. Das Einzige, was er momentan merkte, war, dass er sich langsam wieder orientieren und etwas mehr sehen konnte.
„Besser ... nicht“, murmelte Gaku eher langsamer, sah immer noch eher zur Seite, „und vorher sollte ich dir helfen, meinst du nicht?“
„Gaku“, startete Ryuu, sagte allerdings nichts weiter, weil er nicht wirklich wusste, was er überhaupt sagen sollte. Wusste Gaku etwas, was Tenn und er nicht wussten?
Er zuckte etwas zusammen, als er merkte, wie sich sein Körper entspannte, während er langsam mehr realisierte, wie sein Freund ihn an den Stellen am Rücken, wo seine Flügel erschienen waren, berührte. Es fühlte sich alles andere als unangenehm an und er hatte das Gefühl, als wenn er sich dadurch wirklich besser fühlte und entspannte. „Was ... Gaku–“,
„Wir reden später darüber“, sagte Gaku nur, „über das, was vermutlich passiert ist und ... wieso ich Tenn und dir nie etwas erzählt habe.“
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Tenn war sich nicht einmal sicher, wie lange er lief. Es interessierte ihn in dem Moment auch nicht, wo er langlief, solange er nur wegkam.
Erst als er erschöpft nach vorne stolperte und auf dem eher weichen Boden vor sich landete, merkte er, dass er auf einem waldigeren Boden war, auf dem er sich nur erschöpft aufstützte und tiefer atmete. Wie weit war er gelaufen? Wo war er überhaupt?
Er rutschte so, dass er sich auf den Boden setzte und seine Beine an seinen Körper zog, wobei er überhaupt erst merkte, dass er nicht mehr als seinen Schlafanzug trug. Er hatte nicht einmal realisiert, dass er so losgelaufen war, aber es machte Sinn, wenn er daran dachte, dass er eigentlich nur durch diese Erinnerung wach geworden war.
Sein Atem ging immer noch heftiger und langsam spürte er, wie seine Füße schmerzten. Wie hatte er nur so einfach losrennen können? Wie sollte er hier draußen überhaupt eine Chance haben, wenn er nicht einmal irgendetwas mit sich hatte? Noch dazu war ihm inzwischen mehr als kalt. Dennoch fühlte er sich zu erschöpft, um weiterzugehen. Auch wenn er wusste, dass es keine gute Idee war, hierzubleiben und sich auszuruhen.
Er zuckte zusammen, als er Geräusche hörte, als wenn jemand auf ihn zukommen würde. Er war sich nicht sicher, ob er gerade jemanden sehen wollte. Würde derjenige ihm helfen oder eher nicht?
Langsam versuchte Tenn, sich aufzurichten, allerdings zuckte er nur kurz darauf wieder zusammen, sodass er nur wieder auf dem Boden sitzen blieb. Hatte er eigentlich die ganze Zeit nicht gemerkt, wie sehr seine Füße angefangen hatten, zu schmerzen?
„Hier ist jemand!“
Tenn blinzelte auf, versuchte, zu erkennen, wer da gesprochen hatte, allerdings fühlte sich sein Blick gerade auch zu verschwommen an. Dennoch erkannte er eindeutig rote Haare, die dieser Person vor ihm etwas ins Gesicht fielen, während ihn genauso rote Augen ansahen. Das war unmöglich, oder?
Er konnte nicht, nach all den Jahren, so viel Glück haben und Riku so treffen? „... Riku?“, fragte er dennoch nach, bevor er seine Augen eher schloss. Er war sich nicht sicher, ob es nicht eher ein Wunsch war, dass er sich nicht täuschte.
„Geh und sammele ein paar Heilkräuter, ich bringe ihn ins Warme“, hörte er eine weitere Stimme, die sich zu seltsam anfühlte, als das Tenn es irgendwie zuordnen konnte. Allerdings fühlte er nach einigen, weiteren Sekunden auch nur, wie er der Erschöpfung nachgeben musste und in einen Schlaf fiel.
Sein Körper fühlte sich eisig an, während er sich in etwas einkuschelte, was ihn bedeckte. Wo war er? War er nicht draußen gewesen?
„Bist du aufgewacht?“, hörte er die Stimme in seiner Nähe, während Tenn langsam seine Augen öffnete.
Sein Körper fröstelte immer noch, allerdings irritierte es ihn auch, dass er scheinbar mit etwas Warmen bedeckt war oder sich einkuscheln konnte.
Tenn blinzelte etwas mehr, als er seine Augen öffnete und er geradewegs merkte, wie jemand über ihm beugte und ihn aus besorgten, roten Augen ansah. Riku. Hatte er nicht vorher das Gefühl gehabt, Riku gesehen zu haben?
„Ein Glück, dir geht es gut“, sagte derjenige mit einem erleichterten Ausdruck, bevor er ihn anlächelte, „hast du hunger oder durst? Soll ich dir was bringen?“
„Ich–“, startete Tenn, hustete kurz darauf zu heftig, während er das Gefühl hatte, dass er nicht einmal normal reden konnte, „... Riku?“, fragte er stattdessen nur leiser nach. Warum klang seine Stimme überhaupt so heiser?
„Warte, ich hole dir erst einmal etwas zu trinken“, sagte die Person, bevor derjenige sich umdrehte und ihn alleine ließ.
Warum sah er so sehr nach Riku aus, aber wirkte so, als wenn er ihn nicht kannte. Oder erinnerte sich Riku nur nicht an ihn?
Tenn zuckte zusammen, als ihn erneut ein Frösteln überkam, bevor er das Gefühl hatte, dass sein Blick eher verschwamm. „Was ... ist das?“, fragte er in den Raum hinein nach. Warum konnte er gerade nicht mehr wirklich etwas sehen? Und wieso war ihm so kalt, obwohl er eindeutig spürte, wie er in eine Decke eingekuschelt war?
„Hier, trink das.“ Er bemerkte, wie ihm etwas entgegengehalten wurde, sodass er das Gefäß umfasste und langsam an seine Lippen führte.
Er war sich nicht sicher, wo er war oder ob diese Person wirklich Riku war. Aber er hatte so ein Gefühl, dass er gerade zumindest etwas trinken musste. Er fühlte sich sowieso ausgetrocknet.
Das bittere Gefühl in seiner Kehle ignorierte er, während er das Gefäß komplett leer trank und schließlich wieder versuchte, seinen Blick zu fokussieren. Es half nicht wirklich, wie er nur wenige Sekunden später merkte. „Riku? Du bist ... Riku, oder?“ Konnte er sich wirklich sicher sein, dass es Riku war, der sich nur nicht an ihn erinnerte?
„... Riku ist dein Zwillingsbruder, oder?“, drang diese fragende Stimme erneut zu ihm, bevor er ein Seufzen hörte, „Kyubi-sama hat mir von euch erzählt.“
„Was?“, fragte Tenn irritierter nach, „wer ... du siehst aus wie Riku.“ Zumindest war er sich ziemlich sicher, dass er so aussah, auch wenn er gerade nicht mehr wirklich etwas erkennen konnte. „Mir ist so kalt.“ Warum war ihm nur so kalt?
Er drückte sich mehr unter die Decke, als er zusammenzuckte, als er eine Berührung spürte und bemerkte, wie diese Person sich zu ihm legte.
„Ist das besser?“, fragte derjenige nach, „Kyubi-sama meinte, du benötigst diese Nähe vermutlich, wenn du aufwachst.“
„Ich ...“, fing Tenn an, allerdings legte er nur seine Arme um den anderen und hielt ihn so dicht bei sich. Auch wenn er nicht einmal genau wusste, was er tat, aber es fühlte sich so normal und richtig an. „... Riku ... du ... du fühlst dich an wie Riku. Alles an dir ...“ Konnte er für einen Moment ignorieren, dass er nicht wusste, wo er war oder bei wem, sondern einfach Riku in ihm sehen und mit ihm kuscheln?
Wie lange hatte er darauf verzichtet, mit Riku zusammen zu schlafen und ihn bei sich zu spüren?
„... Du solltest dich ausruhen“, hörte er diese leise Stimme bei sich.
„Riku ist so warm“, flüsterte Tenn vor sich hin, schloss seine Augen, auch wenn es kaum einen Unterschied machte, weil er sowieso nicht wirklich etwas sehen konnte, „ich ... endlich ...“, endlich hatte er Riku gefunden, oder? Er würde ihn nie wieder gehenlassen.
„Tenn-nii hat zu viel getan. Jetzt ruh dich aus. Diesmal beschütze ich dich und halte dich warm.“
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Sie saßen ein paar Tage später gemeinsam in dem Wohnzimmer ihrer Wohnung, nachdem Ryuu sich wieder davon erholt hatte, was ihn überrascht hatte. Er war sich zwar nicht genau sicher, was Gaku getan hatte, aber er wusste, dass es ihm damals geholfen hatte und er sich danach entspannen konnte.
Dennoch hatte diese Zeit nicht dafür gesorgt, dass er sich entspannen konnte, immerhin war es auch die Zeit gewesen, in der Tenn verschwunden war und er machte sich Sorgen um ihn. „Gaku?“
Gaku seufzte, sah ihn eindeutig eindringlicher an. „Ich sollte dir etwas erklären. Etwas, was ich dachte, euch niemals erzählen zu müssen.“
„Sollten wir nicht vorher nach Tenn suchen? Er sollte–“, startete Ryuu, stoppte sich allerdings selbst, als er nur sah, wie Gaku den Kopf schüttelte.
„Ich finde ihn schon, aber vorher ... deine Kräfte letztlich, du meintest doch, du hast eine Hexe im Wald getroffen“, entgegnete Gaku nun, sah daraufhin etwas fragender zu Ryuu, sodass dieser langsam nickte, „diese Hexe hat deine Kräfte erweckt. Vielleicht weiß sie es noch gar nicht, aber ... du bist vermutlich ihr Partner. Erst, wenn du diese Person das erste Mal triffst, erfährst du wirklich, was du bist.“
„Was?“, fragte Ryuu nach, dachte für einen Moment daran zurück, als er sich in diesen Wald verirrt hatte und geradewegs vor dieser Hütte tief im Wald gelandet war. „Du– woher weißt du davon?“
„Ich bin ebenfalls eine Hexe, allerdings habe ich es immer ignoriert und gelernt, meine Kräfte zu verstecken“, sagte Gaku ein wenig seufzender, „als ich euch, nein, eigentlich als ich Tenn getroffen habe, wusste ich vom ersten Moment, dass er derjenige ist, der mein Partner ist, aber ich wollte ihn nicht damit konfrontieren. Ich habe sowieso damit abgeschlossen, es irgendwie zu nutzen, also habe ich alles daran getan, meine komplette Aura zu verschließen, damit er nicht weiß, dass ich eine Hexe bin oder er eine Verbindung zu mir hat.“
„Du hast ... was?“, fragte Ryuu irritierter nach, „aber ... wieso?“
„Warum ich es versteckt gehalten habe? Ich wollte nie etwas damit zu tun haben. Nur die Familie meiner Mutter ist davon betroffen und ... ich habe etwas erfahren, womit ich nichts zu tun haben wollte, also habe ich alles getan, um es zu vergessen. Ich bin bereit gewesen, meine Kräfte niemals einzusetzen. Auch, weil ich einfach nur mit euch zusammen glücklich und erfolgreich sein wollte“, entgegnete Gaku ruhiger weiter, „als ich dich letztlich gesehen hatte, hat es mich geschockt und ich hatte das Gefühl, dass es etwas in mir auslöst. Deswegen wollte ich mich den Abend von Tenn fernhalten.“
„Aber ... ich denke nicht, dass es so schlimm wäre“, murmelte Ryuu, sah ein wenig zur Seite, „ich meine, ich fühle mich gut. Es war ein wenig seltsam, aber ich denke nicht, dass es etwas Schlechtes ist. Warum wolltest du nicht, dass Tenn davon weiß?“
„Es kommt ganz darauf an, aber eine Verbindung zu einer Hexe hat viel mehr Einfluss auf dich, als ihr euch vorstellen könntet und ... es könnte so viel zwischen uns verändern“, sagte Gaku seufzender.
Ryuu sah ihn wieder ruhiger an, bevor er lächelte. „Aber Tenn ist unser Freund, oder? Das würde nichts daran ändern, was wir haben.“
„Ich hoffe es“, sagte Gaku weiter, nickte schließlich, „aber die erste Sache ist wohl, ihn zurückzuholen.“
„Wir müssen ihn erst einmal finden, oder?“, fragte Ryuu nach, legte den Kopf schief, „immerhin–“,
„Ich kann ihn spüren, also weiß ich, wohin er gelaufen ist“, entgegnete Gaku nur ernster, „und Ryuu? Du solltest in der Zwischenzeit diese Hexe aufsuchen, die dein Partner ist. Sie wird inzwischen vermutlich auch wissen, dass du es bist.“
„Aber–“, startete Ryuu, dachte darüber nach, auch wenn er wusste, dass er sich gerade eindeutig eher Gedanken um Tenn machte. Immerhin kannte er diese Hexe dort gar nicht, sie hatten sich nur einen Moment unterhalten. Tenn war ihm gerade eindeutig wichtiger.
„Ryuu. Wir können dir mit diesen Kräften zwar auch helfen, aber solange ihr kein richtiges Band habt, kann es dir irgendwann auch schaden. Ich kümmere mich um Tenn und bringe ihn sicher zurück. Versprochen“, sagte Gaku ernster, sah ihn abschließend lächelnd an.
Ryuu schluckte, nickte langsam allerdings. „Okay“, sagte er dann, auch wenn er sich ein wenig unwohl dabei fühlte, diese Hexe zu priorisieren, aber er wusste auch, dass er Gaku vertrauen konnte. Auch wenn er inzwischen so viel mehr von ihm wusste. Aber das bedeutete auch, dass er vermutlich besser darüber Bescheid wusste, was sie gerade tun mussten.
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Als Tenn das nächste Mal wach wurde, blinzelte er erneut in dieses Gesicht, was ihn so sehr an Riku erinnerte. Auch wenn er in dem Moment bemerkte, dass er durchaus auch anders aussah.
Diese roten Augen lagen weiterhin so ruhig auf ihm, während er sich noch nicht wirklich von ihm wegbewegt hatte. Allerdings erkannte er nun so etwas wie kleine Hörner in den roten Haaren.
„Du bist nicht Riku“, flüsterte er vor sich hin, während seine Stimme eindeutig bedrückter klang. Wie hatte er auch erwarten können, dass er Riku ausgerechnet so begegnete?
„Tut mir leid, ich wollte dich auch nicht täuschen“, entgegnete dieses Wesen, bevor er sich zurückzog und schließlich wieder neben seinem Bett stand, „geht es dir besser?“
„Es ... ja, es geht“, sagte Tenn nach einem Moment, während er sich langsam aufsetzte und zu ihm blickte, „wo bin ich hier?“
„Du befindest dich in der Spiritwelt“, hallte eine weitere Stimme zu ihm, bevor dieses Wesen neben ihm anfangen konnte, etwas zu sagen.
Tenn zuckte heftiger zusammen und drehte seinen Kopf so, dass er die andere Gestalt erkennen konnte. Derjenige trug einen eleganten Kimono, der fast komplett weiß war, während er nur ein paar rote Verzierungen an den Seiten besaß. Außerdem konnte er deutlich mehrere Schweife bei demjenigen erkennen, so wie die großen, weißen Fuchsohren, die er hatte. Seine Haare waren genauso weiß und schienen ihm etwas über die Schultern zu fallen.
Was ihn allerdings etwas sprachlos machte, war diese irritierende Aura, die von diesem Wesen ausging. „Was ...“, startete er, stoppte allerdings gleich, da er nicht so wirklich wusste, was er sagen sollte.
„Hast du dich gut erholt?“, fragte dieses Wesen ruhig nach, trat langsam zu ihm herüber.
„Hm“, nickte Tenn etwas mehr, „wer ... wer seid ihr eigentlich?“
„Ihr würdet uns vermutlich Yokai nennen“, sagte dieses Wesen mit einem Schmunzeln zurück, „du kannst mich Kyubi no Kitsune nennen.“
„Oh und ich heiße Onibi“, sagte der andere und grinste ihn breiter an, „sorry, wenn ich dich etwas angelogen habe. Aber du hattest diese Phase, in der ich dachte, ich gebe dir einen Moment das Gefühl, dass du Riku gefunden hast.“
„Ihr seid ... was?“, fragte Tenn überraschter nach, „und ... wieso– was ist eigentlich passiert?“
„Du bist in der Nähe des Schreins, bei dem ich lebe, zusammengebrochen und ich konnte dich nicht dort lassen“, sagte Kyubi no Kitsune ruhig weiter, „du solltest dich bereitmachen, zurückzukehren. Zumindest, wenn du wieder fit bist, Tenn.“
Tenn schluckte, senkte den Blick vor sich auf die Bettdecke. „Ich kann nicht zurück. Ich will nicht zurück. Es war so ähnlich wie damals. Wie bei dieser Hexe, die Riku mitgenommen hat.“
„Dort draußen ist es gefährlich, wenn du dieses Band zu deinem Partner ignorierst und du wirst nicht hierbleiben können“, sagte Kyubi no Kitsune weiterhin ruhig.
Tenn zuckte zurück, sah einfach nur panisch zu diesem Wesen. Warum hatte er nur so ein ungutes Gefühl?
Er wollte nichts mit einer Hexe zu tun haben. Er wollte nicht jemandem vertrauen müssen, wenn er Riku wegen solch einer Person verloren hatte. Wieso wollte dieses Wesen ihn nun dazu zwingen, obwohl er dachte, dass derjenige ihm half? Obwohl er so ein wohliges Gefühl hier hatte?
„Ich ... will das nicht ... Riku ... Riku wurde ...“,
„Kyubi-sama, kannst du nicht herausfinden, wo sich Riku-kun befindet?“, fragte Onibi nach, sah eher zu dem anderen.
Tenn hob seinen Blick, sah wieder etwas hoffnungsvoller zu ihnen.
„Ich kann dir leider nicht helfen, Tenn“, schüttelte Kyubi no Kitsune den Kopf, sorgte dafür, dass sein Hoffnungsschimmer wieder erlosch, „allerdings sollte dein Partner in der Lage sein, immerhin ist Riku dein Zwillingsbruder und für jemanden, der deine Hexe ist, sollte es nicht allzu schwer sein, ihn aufzuspüren.“
Tenn weitete nur seine Augen, drehte seinen Kopf dann weg. „Ich will nichts mit Hexen zu tun haben.“ Er rutschte von dem Bett und streckte seine Beine von der Kante nach unten. „Bring mich hier raus. Ich brauche euch nicht mehr, wenn ihr mir nur etwas einreden wollt.“ Er würde alleine klarkommen. Er brauchte niemanden. Er würde Riku auch so finden.
„Aber–“, startete Onibi kurz darauf eher geschockter.
„Ich werde dich zurück zu der Stelle bringen, wo wir dich gefunden haben. Der Rest liegt bei dir“, sagte Kyubi no Kitsune daraufhin nur, „und Onibi? Wir sollten uns nicht mehr als nötig in die Menschenwelt einmischen.“
Ihm war eindeutig zu schwummrig, als er sich in der Nähe eines Schreins wiederfand. Er bemerkte allerdings, dass er zumindest in einen einfachen Kimono und einfache, passende Schuhe dazu gekleidet war. Hatten diese Yokai es ihm gegeben?
Er konnte in der Nähe ein Waldstück entdecken, bis zu dem er vorher wohl gekommen war.
Er hörte keinerlei Geräusche oder spürte auch nur jemanden in der Nähe, also hatten diese Yokai ihn wohl wirklich alleine gelassen.
Tenn schluckte, drehte seinen Kopf kurz den Weg entlang, der zu diesem Schrein führte, allerdings schüttelte er nur den Kopf. Wenn diese Wesen ihn nur dazu bringen wollten, dass er zurückkehrte, würde er sie nicht brauchen.
Langsam bewegte er sich von dem Schrein weg und wieder durch den Wald. Er würde sich darum kümmern, irgendwie Riku zu finden, ganz egal, wie lange er suchen musste. Aber Riku war die einzige Person, der er noch vertrauen konnte.
„Warte.“
Tenn stoppte in der Bewegung, auch wenn er sich nicht umdrehte. „Was willst du noch, Onibi?“
Er wusste, dass er den Yokai an der Stimme erkannt hatte. Dazu war er Riku zu ähnlich und er wusste inzwischen, dass er sie dennoch unterscheiden konnte.
„Ich will dir helfen, Tenn“, sagte Onibi leise weiter, während Tenn hörte, wie er sich zu ihm bewegte, „... deinen Zwillingsbruder zu finden.“
Tenn gab ein hohles Lachen von sich, drehte sich nun doch zu ihm, bemerkte wie Onibi direkt vor ihm stand und ihn so ruhig ansah. „Hat Kyubi no Kitsune nicht gesagt, du sollst es nicht?“
„... Ich weiß, aber ... ich kann es nicht ignorieren, okay? Du– ich habe so viel von deinen Gefühlen und Erinnerungen mitbekommen, als wir gekuschelt haben“, flüsterte Onibi mehr, drehte etwas seinen Kopf zur Seite, während Tenn erkannte, wie seine Wangen ein wenig rot geworden waren, „vielleicht kann ich dir auch helfen, Riku zu finden?“
Tenn schluckte, als er daran zurückdachte, dass er diesen Yokai für Riku gehalten hatte. Was war das überhaupt gewesen, was er damals gespürt hatte? „Wie sollen wir ihn denn finden?“ Wie sollte er eigentlich alleine zu ihm finden?
„Ich werde die Wesen um uns herum dazu befragen. Vermutlich würde deine Hexe es einfacher haben, aber du hasst Hexen schließlich“, sagte Onibi ruhiger, lächelte ihn wieder an, „und ... ich will dich nicht zwingen, zurückzukehren, wenn es auch eine andere Möglichkeit gibt.“
„Obwohl du dich gegen Kyubi no Kitsune stellen würdest?“, fragte Tenn nach, legte etwas den Kopf zur Seite.
„Hmm... Kyubi-sama wird vermutlich sauer, aber ... ich weiß auch nicht, irgendwie will ich dir helfen, Tenn!“, sagte Onibi nach einem kurzen bedrückten Moment wieder enthusiastischer.
„... Danke“, sagte Tenn nach einer kurzen Pause, „und wenn ich etwas ... für dich tun kann ...?“
Onibi lächelte ihn nur noch breiter an. „Alles gut, aber ... uh ... wenn wir noch einmal ... so kuscheln könnten ...?“
Tenn schmunzelte nur mehr. „Wenn das alles ist, was du willst.“
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Nachdem sie ein wenig zusammen unterwegs waren, hatte Tenn immer mehr das Gefühl, wie sehr Onibi ihn an Riku erinnerte. Zumindest wenn sie normal einfach nur den Weg entlanggingen und er nicht gerade dafür sorgte, mit den Wesen – Yokais, Tieren – um sie herum zu reden.
Es sorgte dafür, dass er sich ein wenig entspannte, auch wenn er gleichzeitig wieder daran erinnert wurde, wie sehr er Riku vermisste. Aber es war besser, als wenn er auf eine Hexe vertraute, oder?
Es war besser, als wenn er zurückkehrte, wo seine Freunde ihn all die Jahre so getäuscht hatten, oder?
„Tenn!“
Tenn zuckte erschrocken zusammen, während er kaum realisierte, wie er nach dem Ärmel von Onibis Kimono gegriffen hatte, sodass der Yokai überrascht zu ihm sah. Allerdings drehte Tenn dennoch seinen Kopf etwas zur Seite, da er durchaus erkannt hatte, wer ihn gerufen hatte. „Was willst du hier, Gaku?“ Wie hatte er ihn überhaupt gefunden, obwohl er sich sichergewesen war, dass er so weit gelaufen war? Warum fühlte er sich gerade eigentlich schon wieder so, dass er nur wieder wegrennen wollte?
Einzig Onibi sorgte dafür, dass er sich nicht von der Stelle bewegte.
„Tenn, lass uns reden“, sagte Gaku, trat langsam auf ihn zu, „und bitte, lauf nicht erneut weg.“
„Warum?“, flüsterte Tenn etwas mehr, spürte, wie ihm die Tränen kamen.
„Ich will dir nur helfen. Bitte, lass es mich erklären“, fing Gaku erneut an, „und komm mit zurück.“
„Du bist die Hexe, die Tenns Partner sein soll“, sagte Onibi und fletschte etwas die Zähne, trat einen Schritt vor und sorgte dafür, dass er eher vor Tenn stehen blieb, „... warum bist du ihm gefolgt?“
„Wer bist du?“, fragte Gaku nach, hob eine Augenbraue, „und es ist nur selbstverständlich, dass ich mir Sorgen um einen Freund mache, oder, Yokai?“
Tenn zuckte ein wenig zusammen, während er ihn hörte. Gaku redete nicht davon, dass sie Partner oder irgendetwas waren. Er wusste doch, dass sie eigentlich Freunde - oder viel mehr als das – waren, also wieso vertraute er ihm nicht einfach? Wieso hatte er immer noch den Drang, einfach von ihm wegzukommen?
Einzig das Gefühl des Stoffes von Onibis Kimono in seiner Hand hielt ihn davon ab, erneut wegzurennen.
„Ich denke nicht, dass du ihm helfen kannst“, sagte Onibi mit scharfer Stimme, „nicht jetzt. Nicht solange-“,
Tenn verfestigte den Griff bei ihm, sah den Yokai von der Seite her an, schüttelte den Kopf, als Onibi kurz zu ihm sah.
„Du bist ein Yokai, oder? Du solltest wissen, dass Tenn mein Partner ist“, erwiderte Gaku eindeutig ernster, sah mehr zu Onibi, „also solltest du–“,
„Kyubi-sama hat es mir gesagt“, sagte Onibi ruhiger, „aber ... ich kann auf ihn aufpassen. Tenn vertraut euch Hexen nicht.“
„... Ist das wahr, Tenn?“, fragte Gaku nun mehr in seine Richtung, eindeutig ruhiger, „du vertraust mir nicht mehr, weil du herausgefunden hast, was ich bin? Sind wir dazu nicht inzwischen zu eng miteinander befreundet?“
Einen Moment blickte Tenn einfach nur still zurück, bevor er seinen Kopf senkte und eher auf den Boden vor sich sah. „Kann ich dir denn vertrauen?“ Warum zweifelte er eigentlich selbst daran, obwohl er das vorher nie getan hatte? Obwohl sie sich eigentlich vom ersten Moment an gegenseitig vertraut hatten.
„Tenn“, flüsterte Onibi neben ihm, „du musst gar nichts. Ich finde heraus, wo Riku ist. Du brauchst ihn nicht.“
„Riku?“, fragte Gaku daraufhin nach, „wovon sprichst du, Yokai?“
Onibi antwortete erst einmal nicht, sodass Tenn zur Seite zu ihm blickte, schließlich seufzte.
„Riku ist mein Zwillingsbruder“, sagte Tenn nach einem kurzen Moment, schließlich spürte er allerdings nur, wie er schluchzte, „ich will doch nur ... ich will, dass er wieder bei mir ist.“
„Tenn“, flüsterte Gaku nun etwas mehr, während er nicht einmal realisiert hatte, dass sich sein Freund zu ihm bewegt hatte oder das er Onibis Kimono losgelassen hatte. Er spürte nur wenige Sekunden später, wie Gaku ihn in eine Umarmung gezogen hatte.
Eigentlich wollte er sich auch aus den Armen des anderen befreien, weil alles in ihm schrie, dass er Hexen nicht vertrauen durfte. Nur war er sich gleichzeitig auch sicher, dass er es genauso genoss. Außerdem war Gaku sein Freund – mehr als das. Wie konnte er ihm überhaupt misstrauen?
„Tenn“, hörte er Onibis Stimme ein Stück hinter sich, was dazu führte, dass er sich wieder der Präsenz des Yokais bewusst wurde, „bist du sicher?“
Tenn seufzte, bewegte seinen Kopf etwas zur Seite, während er allerdings nicht zuließ, dass Gaku ihn losließ oder das er sich aus dessen Armen befreite. „Ich ... danke für alles, Onibi, aber ... vielleicht hat Kyubi no Kitsune recht. Vielleicht ...“
„Ich kann dir auch helfen, Tenn. Du musst keiner Hexe trauen“, sagte Onibi daraufhin weiter, „sag einfach nur etwas.“
Tenn lächelte ein wenig, wenn auch mehr gegen Gakus Oberkörper gelehnt. „Ich ... ich vertraue keiner Hexe“, sagte er dann leise, schluckte etwas, „aber ich vertraue meinen Freunden.“ Langsam rutschte er ein Stück zurück, sah zu Gaku auf, suchte dessen Blickkontakt, bevor er weitersprach: „Was bin ich ... für dich, Gaku?“
„Du bist mein Freund“, sagte Gaku ruhig weiter, „und es tut mir leid, dass ich so viel vor dir geheimgehalten habe. Ich will dich nicht dazu bringen, zurückzukommen, weil wir diese Verbindung haben. Ich will, dass du zu uns zurückkommst, weil wir ein Team sind. Ryuu macht sich auch Sorgen um dich.“
Tenn nickte ruhiger lächelnd, bevor er ihn einfach nur küsste. Wenn auch nur kurz, bevor er seinen Kopf wieder etwas zur Seite drehte. „Ich vertraue meinen Freunden, Onibi.“
„Okay“, sagte Onibi schließlich wieder fröhlicher, „ich hoffe, du findest Riku bald.“
Tenn blickte nur kurz neben sich, als er nur sah, wie sich Onibis Gestalt in einen rötlich-violetten Nebel auflöste, bevor er ganz verschwunden war. Langsam lehnte er sich wieder gegen Gaku, seufzte ein wenig mehr. „Was genau ... ist das zwischen uns?“
„Es muss gar nichts zwischen uns sein, als das, was wir bereits haben“, sagte Gaku ruhig weiter.
Tenn schüttelte den Kopf, befreite sich aus den Armen des anderen und griff stattdessen nach Gakus Hand. „Ich will wissen, was das alles bedeutet. Wir sind Freunde, oder? Warum ... warum hast du das vor mir geheimgehalten?“
Gaku seufzte etwas mehr, umfasste Tenns Hand ein wenig mehr. „Du bist mein vorherbestimmter Partner. Ja, ich bin eine Hexe und habe bereits als Kind eine Verbindung zu jemandem gespürt, aber ich wusste nie, wer es war, bis ich dich das erste Mal getroffen hatte“, sagte er dann langsam, während sie sich auf den Rückweg machten, „nur ist das auch etwas, was viel mehr beeinflussen kann, als du dir vorstellen kannst. Als wir uns getroffen hatten, habe ich eigentlich mit diesen Kräften abgeschlossen. Ich wollte keinerlei Magie mehr nutzen und mit euch diesen Traum als Idols leben. Als ich dich gesehen hatte, wusste ich, dass ich meine Kräfte nur mehr unterdrücken muss, damit du nichts davon spürst.“
„Aber warum?“, flüsterte Tenn ein wenig mehr, auch wenn sich etwas in ihm immer noch verkrampfte.
„Ich war glücklich, als ich erfahren habe, dass du mein Partner bist, aber irgendwie wusste ich auch, dass ich gleichzeitig nicht wollte, dass du irgendetwas damit zu tun hast“, sagte Gaku ruhig weiter, sah ihm ernster in die Augen, „als ich gesehen habe, was mit Ryuu passiert war, wusste ich, dass ich mich den Abend von dir fernhalten muss, damit ich es weiterhin geheimhalten kann.“
„Was-“, murmelte Tenn nur weiter verwirrt, „deswegen bist du ... aber ... wieso?“
„Ich wollte nicht, dass unsere Verbindung irgendetwas daran ändert, was wir haben“, entgegnete Gaku ruhig weiter, „ich hätte meine Kräfte für immer ignoriert, wenn es bedeutet hätte, dass ich einfach nur mit Ryuu und dir zusammen glücklich sein kann.“
Tenn blinzelte ihn einen Moment an, bevor er schluckte und seinen Kopf wegdrehte. „... Sorry ... das ich ... dir misstraut habe.“ Wie hatte er nur glauben können, dass Gaku genauso war wie diese Hexe, die Riku mitgenommen hatte?
„Du konntest Hexen nicht trauen wegen deines Zwillingsbruders, oder?“, fragte Gaku ruhiger nach.
Tenn nickte ein wenig vor sich hin, sah mehr auf den Weg vor ihnen. „Riku wurde in unserer Kindheit von einer Hexe mitgerissen und niemand konnte es verhindern.“
Gaku seufzte, stoppte langsam und brachte Tenn dazu, ebenfalls wieder zu stoppen, sodass sie sich erneut in die Augen sahen. „Ich kann mir denken, wieso diese Hexe deinen Zwillingsbruder wollte“, sagte Gaku ein wenig bedrückter, „zumindest wenn ihr euch in dieser Hinsicht auch ähnelt.“
„Was? Wieso? Warum Riku?“, fragte Tenn nach, starrte nun ernster zurück, klammerte seine Hände in Gakus Oberteil, „wieso ... warum ausgerechnet Riku?“
„Du wunderst dich, wieso er und nicht du?“, sprach Gaku genau das aus, was Tenn die ganzen Jahre durch den Kopf gegangen war. „Nicht jede Hexe hat einen vorherbestimmten Partner, aber jeder von uns spürt, wenn jemand ein unsichtbares Band besitzt. Selbst, wenn sich diese Personen noch nicht getroffen haben.“
Tenn sah einen längeren Moment zurück, bevor er ein wenig seine Augen weitete. „Du meinst ...“,
„Du hättest dieser Hexe mehr geschadet und das riskiert niemand von ihnen“, entgegnete Gaku ruhig weiter, „oder eher nur sehr wenige und ganz bestimmt nicht, wenn es jemanden ohne diese Verbindung gibt.“
Tenn schluckte, lehnte sich wieder gegen Gakus Brust, während er nur wieder spürte, wie er kurz davor war, zu weinen. „Ich ... du hast mich davor beschützt? Warum?“, fing er schließlich eine Spur lauter an, auch wenn er nun doch wieder angefangen hatte, zu weinen, „warum?! Wegen dir ... wegen dir ist Riku ...!“
„Tenn, beruhig dich, bitte“, entgegnete Gaku nur, während er ihn wieder in eine Umarmung zog, „ich werde herausfinden, wo er ist.“
„Hilf mir, Riku zu finden!“, sagte Tenn lauter, wenn auch weiterhin unter Schluchzern, „du ... du bist es mir schuldig ...“
„Ich verspreche es dir, Tenn“, sagte Gaku ruhiger, legte ihm eine Hand auf die Stirn, sodass Tenn kurz darauf spürte, wie er einfach nur schläfrig wurde.
„Was ...“, murmelte Tenn, versuchte seinen Blick zu fokussieren.
„Es ist besser, wenn du dich erholst und beruhigst“, sagte Gaku ruhig zurück, „ich bringe dich nach Hause.“
„Ich ... du findest Riku?“, fragte Tenn leise nach, während er sich einfach nur an ihm festhielt, da er spürte, dass er sowieso nicht mehr alleine die Kraft hatte, überhaupt zu stehen.
„Ich verspreche dir, dass ich alles daran setze, ihn zu finden“, entgegnete Gaku noch einmal, „aber dann versprich mir, dass du nicht wieder verschwindest. Nicht weil wir diese Verbindung haben, sondern auch, weil wir Freunde sind.“
„Hmm ... versprochen“, murmelte Tenn vor sich hin, „tut mir leid ... das ich ... euch sorgen gemacht habe.“
Tenn war sich nicht sicher, wie lange er geschlafen hatte, aber als er wach wurde, bemerkte er, dass er in einem warmen Bett unter einer Decke lag. Er brauchte auch nicht lange, um zu realisieren, dass er in seinem eigenen Zimmer in ihrer gemeinsamen Wohnung war.
Ebenfalls bemerkte er mit einem kurzen Seitenblick, dass Ryuu neben seinem Bett saß und ihn besorgt ansah.
„Ryuu?“, fragte er leise nach, schluckte, als er daran dachte, dass er ihm genauso sorgen bereitet hatte, „tut mir leid ...“
Ryuu schüttelte nur den Kopf, lächelte ihn einfach sanfter an. „Ich bin nur froh, dass es dir gut geht, Tenn.“
Tenn schluckte, setzte sich in dem Bett auf. Wie hatte er nur damals daran zweifeln können, dass sie Freunde waren, nur weil er diese Dinge bei Ryuu gesehen hatte? Oder als er diese seltsame Aura bei Gaku gespürt hatte, die ihn so sehr an damals erinnert hatte?
Er wusste doch eigentlich, dass es anders war. Sie waren immerhin Freunde. Sie vertrauten sich schon viel zu lange.
Langsam blickte er etwas durch sein Zimmer, bevor er wieder zu Ryuu blickte.
„Gaku meinte, ich soll auf dich aufpassen, während er etwas erledigen muss“, sagte Ryuu daraufhin ruhiger, lächelte ihn an, „willst du was essen?“
„Wie lange ... habe ich geschlafen?“, fragte Tenn statt zu Antworten nach, während er kurz ignorierte, dass er vielleicht langsam wirklich was essen sollte.
„Ungefähr einen Tag, zumindest seit Gaku mit dir zurückgekommen ist“, erwiderte Ryuu ruhig, „kommst du mit oder soll ich dir was herbringen?“
„Ich komme mit“, erwiderte Tenn, rutschte von dem Bett runter, auch wenn er sich für ein paar Sekunden etwas wackelig fühlte, „wo ist er?“ Hatte er sich bereits daran gemacht, um Riku zu finden, nur weil Tenn ihn darum gebeten hatte? Ihn regelrecht dazu gezwungen hatte, weil er ihn beschuldigt hatte, dass es seine Schuld gewesen wäre?
„Gaku meinte, dass wir ihn alleine lassen sollten“, erwiderte Ryuu, schüttelte ein wenig den Kopf, stand dann ebenfalls auf, „komm, ich mache dir erst einmal was zu essen, damit du dich stärken kannst.“
Tenn nickte nur knapp und folgte Ryuu dann einfach in die Küche, auch wenn er sich innerlich mehr als schuldig fühlte. Er wusste, dass er das alles, was er dort gesagt hatte, nicht so gemeint hatte. Immerhin wusste er auch, dass es nicht Gakus Schuld war, dass diese Hexe Riku mitgenommen hatte. Sie hatten sich damals immerhin noch gar nicht gekannt. Davon ab, was hätte es geändert, wenn er es gewesen wäre und nicht Riku?
„Dir geht es wieder besser?“, fragte Tenn nach einer Weile nach, sah schließlich eher wieder zu Ryuu, der gerade dabei war, etwas zu kochen. Eigentlich wollte er für den Moment nur aufhören, darüber nachzudenken, was vorher gewesen war.
„Hm. Gaku hat mir geholfen und mir ein wenig was erklärt“, entgegnete Ryuu eindeutig ruhiger, „und scheinbar hat mein ungeplanter Ausflug in diesen Wald dafür gesorgt.“
„Diese Hexe dort?“, fragte Tenn nach, ignorierte das unangenehme Gefühl, wann immer er an so jemanden denken musste. Er war bei seinen Freunden und niemand war hier, der ihm erneut etwas antun würde.
Ryuu zuckte mit den Schultern, trat schließlich nach einem Moment zu ihm und stellte ihm erst einmal etwas zu Essen auf dem Tisch ab. „Scheinbar haben wir so etwas, wie eine magische Verbindung oder so? Jedenfalls habe ich das Gefühl, dass es mir besser geht, seit ich erneut dort war.“
Tenn starrte ihn einen Moment länger an, bevor er schließlich langsam anfing, zu essen. Also besaß Ryuu ebenfalls so eine Verbindung, wie er vermutlich zu Gaku eine Verbindung hatte?
Sie blieben eine Weile still, in der Tenn einfach nur aß, bevor er schließlich seufzte. „Ich habe einen Zwillingsbruder“, sagte er, nachdem er den letzten Bissen heruntergeschluckt hatte, „Riku wurde von einer Hexe mitgenommen, als wir acht waren.“
„Was?“, starrte Ryuu ihn geschockter an, „das ist–“,
„Ich wollte nie wieder etwas mit Hexen zu tun haben und einfach nur herausfinden, wo Riku ist“, sagte Tenn ein wenig ernster, „ich habe auch gehofft, dass ich ihn so finde oder er mich findet. Es ist auch der eigentliche Grund, wieso ich überhaupt darauf eingegangen war, ein Idol zu werden. Auch wenn ich damals nie gedacht hätte, dass es mir so viel Spaß macht oder das ich in euch so ein perfektes Team, so gute Freunde, finde.“ Er schluckte nur mehr, als er daran dachte, dass er das vorher alles hatte aufgeben wollen, nur weil er ihnen nicht mehr vertrauen konnte oder wollte. Weil er gespürt hatte, dass Gaku eine dieser Hexen war. Obwohl sie eigentlich so viel mehr als nur Freunde waren.
„Tenn, es ist alles gut“, hörte er Ryuu so dicht neben sich, kurz bevor er bemerkte, dass er von ihm festgehalten wurde und er ihn scheinbar zu sich gezogen hatte, „ich bin mir sicher, wir finden Riku.“
Tenn spürte, wie er schluchzte, allerdings riss er sich zusammen und sah nur wieder zu Ryuu auf. „Ich sollte mit Gaku reden.“ Immerhin war er sich ziemlich sicher, dass er sich wegen ihm zurückgezogen hatte, damit er in Ruhe nach Riku suchen konnte.
„Versprichst du mir, dass du nicht mehr wegläufst?“, fragte Ryuu so ruhig und ernst nach, dass Tenn spürte, wie sich in ihm etwas verkrampfte. Wie hatte er Ryuu nur solche Sorgen bereiten können?
„Tut mir leid, dass ich dir Sorgen gemacht habe“, flüsterte Tenn erneut, drückte sich noch einen Moment an ihn, „und ich weiß, dass ich euch vertrauen kann. Ganz egal, was ... ich verspreche es“, setzte er schließlich einfach nur an, ohne weiter über etwas anderes zu reden.
Aber er wusste auch, dass er sich gerade sogar eher Gedanken darüber machte, was Gaku für ihn in dem Moment vermutlich tat, nur weil er so überreagiert und ihn indirekt dafür verantwortlich gemacht hatte, dass er Riku seit damals nicht mehr gesehen hatte und er nicht einmal wusste, wo er war.
„Alles gut“, erwiderte Ryuu ruhig daraufhin, lächelte ihn nur sanfter an und ließ ihn dann los, „ich schätze, du willst jetzt erst einmal mit Gaku reden, nicht?“
Tenn nickte nur erneut, stand dann auf und sah noch einmal kurz zurück, bevor er sich auf den Weg machte, die Küche zu verlassen. Er wusste zwar, dass Riku ihm wichtig war und das er ihn finden wollte, aber er wusste inzwischen auch, dass es viel zu lange her war, dass sie sich gesehen hatten und seine Freunde viel mehr für ihn geworden waren. Auch wenn er es niemals mit Riku vergleichen konnte.
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Ryuu seufzte etwas, lehnte sich nach hinten, während er nur halb gelauscht hatte, wie Tenn sich von ihm entfernt hatte.
Er drehte sich auch nicht um, als er bemerkte, wie ihm jemand die Arme um den Hals legte.
„Gibt es einen Grund, wieso du dich Tenn nicht gezeigt hast, Minami?“, fragte er ruhig nach, ohne sich zu dem anderen umzudrehen. Eigentlich hatte Ryuu nicht vorgehabt, Tenn zu verheimlichen, dass seine Hexe hier war. Aber als er gemerkt hatte, dass Minami keine Anstalten gemacht hatte, ihnen näher zu kommen, hatte er ebenfalls geschwiegen.
„Er ist nicht bereit dazu, mit einer Hexe zu interagieren“, sagte Minami hinter ihm, hielt ihn weiterhin so umschlungen, „... Yaotome-san ist etwas anderes, aber ...“
„Du machst dir Gedanken um jemand anderen?“, fragte Ryuu nach, drehte seinen Kopf zumindest etwas, um Minami nun doch mehr sehen zu können, „die Hexe, die sich sonst nur um sich gekümmert hat?“
„...“ Minami blickte ihn einfach nur still an, drehte dann seinen Kopf zur Seite und gab ein Räuspern von sich. „Du würdest es mir nicht verzeihen, wenn ich dafür sorge, dass er erneut verschwindet.“
Ryuu drehte sich nun ganz zu ihm, hob nur eine Augenbraue, bevor er kicherte. „Du weißt, dass ich dich nicht alleine lassen kann. Nicht mehr.“
„Vielleicht ... will ich versuchen, nicht jeden Menschen zu hassen“, brummelte Minami, rutschte auf Ryuus Schoß und sah ihm in die Augen, „ist ja nicht so, als wenn er mir irgendetwas getan hätte.“
„Du weißt mehr davon, was Tenn passiert ist, oder?“, fragte Ryuu schließlich nach, hielt den anderen einfach auf seinem Schoß, „weswegen du dich auch so zurückgehalten hast.“
Minami seufzte etwas mehr, sah eindeutig bedrückter aus. „Vielleicht verstehe ich seinen Schmerz etwas. Es ist nicht das Gleiche, aber ... deine Familie verlieren, weil jemand einfach nur seine Macht verstärken will. Riku-kun hatte wirklich Pech. Es gibt nicht viele, die ein vorherbestimmtes Band zu einer Hexe haben.“
„Du solltest dennoch demnächst mit Tenn reden“, sagte Ryuu ruhig weiter, „ich will nicht, dass er davon überrascht wird, dass du zwischendurch hier bist.“
„Werde ich ... nur nicht jetzt“, flüsterte Minami ein wenig langsamer zurück.
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Tenn zögerte einen Moment, bevor er gegen die Zimmertür klopfte und sie schließlich einen Spalt öffnete. „Gaku?“, fragte er leise nach, während seine Hand weiterhin auf der Türklinke lag. Wieso fühlte er sich schon wieder so seltsam?
Er wusste doch, dass er hier nichts zu befürchten hatte. Es war nicht das Gleiche.
„Tenn?“, erwiderte Gaku leise zurück, kurz bevor er langsam seinen Kopf etwas drehte, um ihn über die Schulter hinweg anzusehen.
Erst dabei bemerkte Tenn, dass Gaku mit dem Rücken zu ihm auf einem Kissen saß und scheinbar etwas vor sich stehen hatte, was Tenn nicht wirklich erkennen konnte.
„Ryuu meinte, du wolltest ungestört sein, aber ...“, fing Tenn an, drückte die Tür hinter sich ins Schloss und ging langsam zu ihm.
„Wenn ich mich konzentriere, sollte ich die Möglichkeit haben, seine Aura ebenfalls wahrzunehmen“, erwiderte Gaku, drehte seinen Kopf wieder nach vorne und von ihm weg, „auch wenn sich jede einzelne Aura unterscheidet, aber wenn ihr Zwillinge seid, sollte es ... möglich sein.“
Tenn schluckte, bewegte sich weiter zu ihm, kniete sich hinter ihn und lehnte seinen Kopf gegen Gakus Rücken. „Tut mir leid.“ Klang seine Stimme eigentlich nur in seinen Ohren so brüchig? Warum hatte er nur schon wieder das Gefühl, als wenn er den Tränen nahe war?
„Wovon redest du, Tenn?“, fragte Gaku nach, ohne sich umzudrehen, allerdings bemerkte Tenn, dass er sich ein wenig entspannter aufsetzte.
„Du konntest nichts dafür, dass Riku ... ich hätte das nicht–“, fing Tenn an, stoppte allerdings, als er bemerkte, wie Gaku ihn an den Armen berührte und ihn nun ansah. Er hatte kaum wirklich realisiert, dass er sich zu ihm gedreht hatte.
„Du brauchst dich dafür nicht entschuldigen“, flüsterte Gaku ihm zu, sah ihn nur ruhig an, „außerdem mache ich das hier auch, weil ich dir helfen will. Nicht weil ich dir etwas schuldig bin, sondern weil du mir wichtig bist, Tenn.“
„Gaku“, fing Tenn an, zuckte zusammen, als er geradewegs in diese klaren Augen vor sich sah und bemerkte, wie Gaku ihn mit einer Hand am Kinn berührte, „du ... wie lange hast du ...?“
„Das ... ist nicht wichtig“, flüsterte Gaku ihm entgegen, bevor er sich einfach nach vorne lehnte, sodass Tenn nur irritiert bemerkte, wie er mehr gegen ihn rutschte und schließlich seinen Kopf auf Tenns Schoß bettete, „immerhin ... ist Riku dir wichtig.“
Tenn schluckte nur, legte seine Arme um ihn, während er erneut zusammenzuckte, als er merkte, wie kalt die Haut seines Freundes unter seiner Hand war. „Du solltest dich ausruhen.“
„Es geht ... schon, es ist nur ... ich habe lange nicht mehr ... so viel ... Magie genutzt“, erwiderte Gaku leise, ohne sich zu bewegen, „bitte ... beruhig dich, Tenn.“
„Du solltest dich richtig hinlegen und was schlafen“, sagte Tenn ein wenig ernster daraufhin, „... und dann sagst du immer, ich soll mich nicht überanstrengen.“
„Hmmm“, murmelte Gaku, während er langsam seinen Kopf hob, „wie soll ich mich ausruhen, wenn ich mir sorgen um dich machen muss, dass du nicht wieder verschwindest?“
Tenn schluckte, drehte etwas seinen Kopf zur Seite. Auch wenn er gespürt hatte, dass Gaku es eher in einem Ton gesagt hatte, der ihn anstacheln sollte, er fühlte sich in dem Moment eher nur schlecht.
„Tenn?“, fragte Gaku nun ruhiger nach, bewegte eine Hand zu seiner Wange, sorgte dafür, dass Tenn ihn wieder ansah, „... hilfst du mir?“, fügte er schließlich leiser an.
Tenn nickte nur knapp, richtete sich langsam auf und stützte Gaku dabei ebenfalls aufzustehen und ihn zu dem Bett zu begleiten. Er wusste, dass er nichts mehr sagen konnte oder wollte, auch wenn es sich seltsam anfühlte, sich so anzuschweigen.
Als Tenn ihn eigentlich loslassen wollte, spürte er nur, wie Gaku ihn zu sich zog und in seinen Armen festhielt, während er nun mehr auf ihm lag. „Gaku ...?“
„Stört es dich?“, flüsterte Gaku ihm entgegen.
Vorher war es normal gewesen, dass sie sich so nahe waren, kuschelten oder intimer waren, wieso fühlte es sich gerade eigentlich so distanziert an? Lag es an ihm? Weil er immer noch dieses komische Gefühl spürte, nur weil er wusste, dass Gaku eine Hexe war?
Tenn schluckte, rutschte nur etwas mehr so, dass er sich besser bei ihm einkuscheln konnte. „Nein“, erwiderte er dann leise, lächelte ihn an, „und danke, dass du mir hilfst, Riku zu finden.“
„Wir finden ihn gemeinsam“, flüsterte Gaku ihm leise zu, während Tenn nur bemerkte, wie er seine Augen inzwischen geschlossen hatte, „immerhin sorgst du dafür, dass ich meine Kräfte besser nutzen kann als vorher.“
„Was genau—“, fing Tenn an, stoppte sich allerdings selbst, als er nur bemerkte, wie Gaku unter ihm so entspannt atmete, dass er eher das Gefühl hatte, dass er sowieso schon nichts mehr mitbekam. „Wir reden später darüber“, flüsterte er mehr vor sich hin, während er nur lächelte.
Einzig das Licht des Fernsehers erhellte sein Zimmer, während Riku auf dem Sofa davor saß und das Konzert ansah. Er wusste, dass er nichts sehnlicher wollte, als Tenn endlich wieder zu sehen, aber er wusste auch, dass er nicht hier wegkam.
Er war an diese Hexe gebunden, seit er neun war. Seitdem wusste er, was es bedeutete, eine Hexe als Partner zu haben, oder was er selbst war. Er bewegte seine komplett schwarzen Flügel ein wenig nach vorne, sodass sie seine Arme mehr berührten.
„Du siehst dir eins ihrer Konzerte an.“
Riku drehte sich nicht um, sondern blickte nur weiter auf den Fernseher. Er brauchte sich auch nicht umzudrehen, um zu wissen, wer ihn angesprochen hatte.
„Gibt es etwas, Iori?“, fragte er nur nach, während seine Augen weiter auf der Gestalt seines Zwillingsbruders lagen. Tenn war so viel erwachsener und älter geworden als damals. Damals, als sie acht gewesen waren, als er Tenn das letzte Mal real gesehen hatte. Es war normal, immerhin war er ebenfalls bereits zwanzig. Sie waren keine Kinder mehr.
„Ich sollte nach dir sehen, Nanase-san.“
Riku seufzte nur, ließ seine Flügel etwas mehr um seinen eigenen Körper liegen. „Damit er weiß, was ich mache?“ Er wusste, dass es Iori nicht besser erging. Im Gegensatz zu ihm war Iori nicht an diese Hexe gebunden, auch wenn er schon viel länger bei ihm war, dennoch hatte er es aus genau dem Grund nicht einfacher, als es Riku hatte. Eigentlich hatte er manchmal das Gefühl, dass seine Hexe den anderen eher nur bei sich hielt, um ihn von anderen fernzuhalten und dazu zu züchtigen, ihm einfach nur zu folgen. Oder Rikus persönlicher Diener zu sein. Nicht, dass Riku ihn als das ansah. Genau genommen fragte sich Riku schon länger, ob er nicht etwas tun konnte, damit Iori von ihm wegkommen konnte.
„Warum siehst du dir diese Videos an?“, fragte Iori nach, „es wird dir nicht helfen, ihn wiederzutreffen.“
„Ich weiß, dass ich Tenn-nii nicht wiedersehen werde“, entgegnete Riku und seufzte etwas mehr, strich sich selbst durch seine Flügel. Er wusste sehr genau, dass er keinen Kontakt mehr zu Tenn oder seiner Familie haben würde. Dafür sorgte seine Hexe sehr genau. Aber genau deswegen hatte er angefangen, TRIGGERs Konzerte zwischendurch zu sehen. Um wenigstens so einen Moment zu haben, wo er Tenn beobachten konnte. Selbst wenn es nur durch den Fernseher war.
Es blieb eine Weile still zwischen ihnen, bis Riku schließlich doch seinen Kopf etwas so drehte, dass er Iori über seine Schulter hinweg ansehen konnte. „Solange ich weiß, dass es Tenn-nii gut geht, bin ich glücklich. Er soll glücklich sein.“ Riku lächelte etwas bitter vor sich hin. „Ich will, dass Tenn-nii glücklich mit diesen Menschen ist, mit denen er auftritt. Es passt zu ihm ein Idol zu sein.“ Er seufzte etwas mehr. „Tenn-nii soll nie erleben, was ich erleben muss.“ Er lächelte einfach nur bitterer. „Tenn-nii würde mich aufhalten, wenn er wüsste, was ich vorhabe. Ich will, dass er nie davon erfährt.“
Immerhin wusste Riku schon länger, was er tun musste, auch wenn es nicht einfach sein würde. Auch wenn es bedeutete, dass er dafür sorgte, dass er Tenn niemals wiedersehen würde.
„Du hältst wirklich an deinem Plan fest“, sagte Iori mehr feststellend.
Riku blickte zu ihm und lächelte Iori traurig an. „Anders kann ich ihn nicht aufhalten“, sagte er dann seufzender, „... ist es zu viel verlangt, wenn ich mir dennoch wünsche, dass ich Tenn-nii noch ein letztes Mal sehen ... und mich von ihm verabschieden kann?“
Iori sah einfach nur still zu ihm, senkte schließlich seinen Kopf. „Nein, ist es nicht.“
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Tenn spürte, dass ihm eindeutig zu warm war, als er langsam wach wurde. Er bemerkte, dass er immer noch so festgehalten wurde, dass er sich kaum wirklich bewegen konnte, allerdings sorgte dass mehr dafür, dass er Gaku genauer musterte.
Es sorgte auch dafür, dass er merkte, dass diese Hitze, die er spürte, nicht von ihm ausging. „Gaku?“, flüsterte er.
Er bekam keine Erwiderung, allerdings merkte er nur, wie Gaku ihn weiterhin so eng an sich drückte, dass es ihm langsam eindeutig zu warm wurde. Auch wenn er das momentan ziemlich ignorierte, weil er spürte, dass diese Hitze nicht normal sein konnte. „Gaku? Hey, was ist los?“
„Hng... Tenn? Was ... hah ...“, entgegnete Gaku eindeutig erschöpfter, sodass es nur mehr dafür sorgte, dass Tenn ihn eindeutig besorgter ansah.
Nicht das er gerade überhaupt etwas anderes tun konnte, als ihn anzusehen, wo er weiterhin so sehr festgehalten wurde. „Was ist mit dir los? Du wirkst, als glühst du.“
„Keine Sorge, sollte ... gleich wieder-“,
Das plötzliche Öffnen der Zimmertür sorgte dafür, dass Gaku abbrach, während Tenn ein wenig mehr zusammenzuckte.
„Bist du sicher, dass du das so einfach wieder normalisieren kannst?“
Tenn drehte etwas seinen Kopf zur Seite, blickte zu der Person, die er vorher noch nie gesehen hatte. Derjenige stoppte neben ihnen und starrte einfach nur zu ihnen.
„Wer bist du ...?“, fragte Gaku nach, eindeutig erschöpfter, sodass Tenn eher wieder besorgter zu ihm sah.
„Minami! Was-“, fing kurz darauf Ryuu an, als dieser ebenfalls zu ihnen kam und hinter dem anderen stoppte, „... uh, Gaku, Tenn, ist alles in Ordnung bei euch?“
„Nicht wirklich“, brummte Minami, bevor einer von ihnen antworten konnte, „oh und ich bin Ryuus Partner, Natsume Minami. Ich hatte eigentlich nicht vor, euch auf diesem Weg zu überrumpeln.“
„Warum ... tust du es dann?“, flüsterte Gaku mehr, während Tenn spürte, wie er ihn nur mehr festhielt.
Allerdings war sich Tenn gerade eh nicht sicher, ob er irgendetwas sagen oder tun konnte. Eigentlich sorgte es gerade eher dafür, dass er sich beruhigte, weil er wusste, dass Gaku ihn so festhielt. Vielleicht auch, damit er nicht erneut weglaufen konnte, aber es sorgte auch für eine Sicherheit, dass er es gerade nicht aus einem Instinkt heraus tun konnte.
„Du hast zu viel Magie genutzt, obwohl ihr noch keine richtige Verbindung eingegangen seid“, sagte Minami und seufzte etwas mehr, „ziemlich leichtsinnig von einer Hexe. Erst recht, wenn ich bedenke, von welcher Familie du stammst.“
„Sei ... still, Natsume“, brummte Gaku, schloss einfach nur seine Augen, „du hast keine ... Ahnung, was ...“
„Gaku“, flüsterte Tenn, unterbrach ihn somit, bevor er seinen Kopf langsam zur Seite drehte, „was ... was meinst du damit?“
„Ich könnte auch einfach gehen und euch eurem Schicksal überlassen“, sagte Minami und verdrehte etwas die Augen, seufzte dann etwas mehr, „allerdings weiß ich, was ihr Ryuu bedeutet, deswegen will ich euch helfen.“ Er stoppte kurz, sah langsam mehr in Tenns Richtung. „Wenn du ihm helfen willst, wirst du von dir aus eine ordentliche Verbindung herstellen müssen.“
Tenn blinzelte, sah einen Moment länger zu Minami, bevor er wieder zu Gaku sah. „Was ...?“
„Du ... solltest das nicht so ... einfach tun, Tenn“, sagte Gaku kurz darauf, „immerhin weißt du nicht, was es ... bedeutet.“
„Gaku?“, fragte Tenn verwirrter nach, während er ihn einfach nur ansah, „was ...“,
„Ich weiß, wie viel ... ich mir ... zumuten kann“, erwiderte Gaku weiterhin erschöpft, auch wenn er ihn eindeutig konzentrierter ansah, „und ... es geht immerhin ... um Riku.“
„Eine Hexe sollte nie zu viel für ihren Partner tun“, startete Minami ernster, seufzte etwas mehr, „du–“,
„Sei einfach still, Natsume!“, sagte Gaku eindeutig lauter, auch wenn er sich danach wieder mehr auf sein Atmen konzentrierte, „Tenn ist nicht ... nur ...“
„Was muss ich tun?“, unterbrach Tenn ihn, drehte seinen Kopf ein wenig, um Minami ansehen zu können. Sein Blick war eindeutig entschlossen.
„Nanase“, fing Minami mit einigen Sekunden der Überraschung an, bevor er lächelte, „konzentrier dich, ich werde dir helfen.“
Tenn blinzelte etwas mehr, bemerkte, wie Minami ihm näherkam, bevor er langsam eher wieder zu Gaku sah. Für einige Sekunden war er kurz irritiert, dass Minami ihn mit seinem eigentlichen Namen angesprochen hatte, obwohl er diesen länger nicht nutzte. Allerdings war es vermutlich gerade nicht der Zeitpunkt, weiter darüber nachzudenken.
„Schließ am besten deine Augen und versuche die Energien, die durch deinen Körper fließen, zu greifen“, sagte Minami, während er seine Hände über Tenns Rücken hielt, ohne ihn allerdings zu berühren, „spürst du etwas?“
Tenn schloss einfach nur seine Augen, versuchte sich darauf zu konzentrieren, um zu tun, was Minami sagte, während er nur wenige Sekunden später eine angenehme Wärme fühlte, während es sich anfühlte, als wenn sich eindeutig etwas durch seinen Körper bewegte. „Hm“, nickte er nur zur Antwort, ohne seine Augen zu öffnen, „... was ...?“
„Sag lieber nichts und konzentriere dich einfach nur darauf, dass du eure Verbindung stärken willst“, entgegnete Minami daraufhin, bevor Tenn weitersprechen konnte.
Tenn nickte nur knapp, blieb einfach nur konzentriert, während er nebenbei eindeutig dieses komische Gefühl, welches von Minami ausging, spürte.
„Hey, wen haben wir denn hier?“
Tenn zuckte zusammen, als er so plötzlich diese Stimme in seinem Kopf hörte. Er war sich in dem Moment nicht einmal sicher, ob er diese Stimme bereits schon mal gehört hatte oder nicht, er wusste nur, dass sich sein Körper kurz darauf eigenartig anfühlte und er das Gefühl hatte, als wenn er sich verkrampfte.
„Nanase?“ War das Minami? Sprach er zu ihm? Wieso fühlte sich die Stimme des Hexers so weit weg an?
„Tenn, stopp!“
Er öffnete seine Augen, versuchte, in Gakus Richtung zu sehen, als er ihn gehört hatte. Auch wenn er in dem Moment merkte, dass sein Blick viel zu verschwommen war, um etwas wahrzunehmen. „Nein, ich ... du brauchst ...“, fing er an, auch wenn er nicht einmal komplett realisierte, dass er angefangen hatte, zu sprechen.
Allerdings kam er auch nicht dazu, weiterzusprechen, als er nur spürte, wie Gaku ihn küsste und kurz darauf seine Wange mit einer Hand berührte. Es holte ihn ein wenig aus dieser seltsamen Trance und er hatte das Gefühl, als wenn sich sein Körper nicht mehr ganz so eigenartig anfühlte. Allerdings fühlte er sich auch komplett von dem Kuss eingenommen, während er nur halb realisierte, wie Gakus andere Hand ihn am Hals berührte.
„Tenn“, drang entfernt Ryuus Stimme zu ihm, auch wenn er nicht wirklich darauf reagieren konnte.
Gerade fühlte er sich sowieso einfach nur machtlos, auch wenn er spürte, dass es nicht unangenehm war. Aber immerhin war es auch nichts Neues, dass sie sich küssten, es war nur ein so eindeutigeres Gefühl, als wenn ihn ein wahrer Energiefluss übermannte.
Umso mehr blinzelte Tenn viel zu überrascht, als Gaku sich von ihm zurückzog und ihn nun ansah, auch wenn sie nicht sonderlich weit voneinander wegkonnten, da Tenn immer noch auf ihm lag und von ihm halb festgehalten wurde.
„Geht es dir gut?“, flüsterte Gaku ihm entgegen.
„Ich ... ja“, erwiderte Tenn einfach nur leise zurück, auch wenn er das Gefühl hatte, dass sich gerade alles noch seltsam anfühlte.
„Sorry, dass du das tun musstest“, entgegnete Gaku ein wenig seufzender, „aber es hat auch dafür gesorgt, dass ich für einen kurzen Moment deinen Zwillingsbruder gesehen habe.“
Tenn schüttelte nur den Kopf, lächelte ihn an, setzte sich dann etwas mehr auf. „Es ist okay“, schließlich weitete er ein wenig seine Augen, „du hast Riku gesehen? Weißt du, wo er ist?“
„Noch nicht“, schüttelte Gaku den Kopf, setzte sich nun ebenfalls auf, „allerdings bin ich mir sicher, dass ich es herausfinden werde.“
„Ich wusste nicht, dass Nanase dieses Aussehen hat“, sagte Minami kurz darauf, sodass Tenn sich etwas zu ihm drehte und merkte, wie er zu Ryuu zurückgetreten war.
Es sorgte dafür, dass Tenn ein wenig eine Augenbraue hob, während er ihn ansah. „Warum nennst du mich eigentlich so, Natsume?“
„Das ist eine gute Frage“, murmelte Gaku hinter ihm, während er seine Arme um Tenns Oberkörper legte, „immerhin nutzt Tenn diesen Namen nicht mehr wirklich.“
Minami zuckte mit den Schultern, bewegte sich etwas durch das Zimmer. „Ich fühle mich halt nicht wohl mit deinem Idol Namen. Immerhin sehe ich zu Kujou-san auf. Wie kommt es eigentlich, dass du seinen Namen übernommen hast?“
„Du meinst, weil Kujou-san einer der größten Hexer ist“, sagte Gaku ruhig daraufhin, bevor Tenn irgendetwas erwidern konnte.
Es sorgte auch dafür, dass Tenn ein wenig seine Augen weitete. „Kujou-san ist eine Hexe? Was?“ Warum hatte er das nie erfahren, obwohl er ihm so viel verdankte?
„Du wusstest das nicht einmal?“, fragte Minami nach, legte den Kopf schief, „... warum hält er das vor dir geheim ...?“
„Ich denke, er hatte nie einen Grund, dir etwas zu sagen, Tenn“, entgegnete Gaku daraufhin ruhiger, hielt ihn weiterhin so eng umschlungen, „aber ja, Kujou-san ist eine Hexe und er besitzt einen Magieladen auf der anderen Seite des Waldes.“
„... Wie auch immer, ich sollte gehen“, sagte Minami daraufhin nur, drehte sich zum Gehen um, „ich lasse euch alleine.“
„Mina-“, fing Ryuu daraufhin an, „was ...“
„Keine Sorge, wir können uns kontaktieren, wenn etwas ist oder merken es sowieso und ich war lange genug unter Menschen“, sagte Minami ein wenig die Augen verdrehend, „zumindest unter Menschen, die ich nicht quälen kann. Bye!“ Bevor irgendjemand noch etwas sagen konnte, war er einfach aus dem Raum verschwunden.
„... Natsume ist seltsam“, murmelte Tenn etwas mehr, drückte sich einfach nur gegen Gaku, „bist du sicher, dass du mit ihm klarkommst, Ryuu?“
„Ah, Mina ist nur was eigen, kein Grund zur Sorge“, sagte Ryuu, trat dann zu ihnen und ließ sich an der Bettkante nieder, „und es ist ja nicht so, als wenn das, was zwischen Mina und mir ist, irgendetwas daran ändert, was wir haben.“
Die nächsten Tage hatte Tenn das Gefühl, dass viel zu viel auf ihn einbrach. Auch wenn es kein unangenehmes Gefühl war, aber er wusste dennoch nicht so wirklich, wie er das alles annehmen sollte.
Allgemein änderte sich auch nicht wirklich etwas zwischen ihnen, aber er hatte halt in dieser Zeit so viel mehr erfahren, was das alles bedeutete, oder auch was er war.
Mit einem tiefen Seufzen drehte er sich auf den Rücken in seinem Bett, sah an die Decke. Er wusste, dass es der Tag war, wo sie wieder einen neuen Termin hatten, nachdem sie sich ein paar Tage Auszeit gegönnt hatten. Auch damit er sich an diese ganze neue Situation gewöhnen konnte.
Nur hatte er jetzt das Gefühl, dass es nicht so einfach war, sich daran zu gewöhnen, dass er eine Verbindung zu einer Hexe hatte. Es fühlte sich die ganze Zeit so falsch an, wo er jahrelang gedacht hatte, dass er einzig Riku von dieser Hexe von damals befreien wollte.
„Tenn?“
Er blinzelte, drehte sich ein wenig zur Seite, bemerkte wie Ryuu neben seinem Bett stoppte und sich auf der Kante niederließ. „Ryuu ...“
„Ich dachte, du brauchst vielleicht jemanden zum Reden“, sagte Ryuu ruhig weiter, lächelte ihn einfach nur an, „oder ...“,
Tenn schluckte, setzte sich auf, auch wenn nur, um mehr zu ihm zu rutschen und sich einfach nur bei Ryuu anzulehnen und sich von ihm festhalten zu lassen.
„Ist es deswegen?“, fragte Ryuu kurz darauf nach.
Tenn nickte nur ein wenig, rutschte mehr gegen ihn und drückte sich gegen Ryuu. „Es ist ...“, er stoppte sich selbst, da er nicht wirklich wusste, was er überhaupt sagen wollte.
„Es ist ein irritierendes Gefühl, wenn du plötzlich merkst, dass du jemand anderen so genau spürst, nicht?“, fragte Ryuu ruhiger nach, „Gaku meinte auch, dass ich nach dir sehen soll, immerhin ...“
„Hm ... es fühlt sich so komisch an, einer Hexe so vertrauen zu müssen, obwohl ... ich jahrelang dachte, dass ich nichts mit ihnen zu tun haben will und einfach nur Riku finden und zurückholen will“, sagte Tenn leise daraufhin, drückte seine Hände in Ryuus Oberteil, „auch wenn ... es nur Gaku ist. Auch wenn ich dachte, dass ich ihm schon lange vertraue. Aber ...“
„Es muss einfach nur komisch sein, dass alles jetzt zu wissen“, erwiderte Ryuu seufzender, „ich meine, ich weiß wie irritierend es ist, auch wenn ich natürlich nicht weiß, wie es für dich sein muss. Allerdings weißt du doch selbst, dass sich nicht wirklich was zwischen uns geändert hat. Gaku sieht dich doch auch nicht anders, selbst wenn ihr inzwischen diese Partnerschaft habt.“
„Mhm“, machte Tenn, rutschte etwas so, dass er ihn ansehen konnte, „außerdem ist da dieses ... was ist das? Wieso haben wir das? Du ... dein Aussehen damals ...“,
„Uh ... das“, murmelte Ryuu ein wenig überlegender, bewegte eine Hand über Tenns Rücken, sah ihm ein wenig ruhiger entgegen, „ich bin mir nicht komplett sicher, was es ist, aber es ist wohl etwas, was seit unserer Geburt tief mit unserer Seele verankert ist, allerdings wissen wir erst wirklich davon, wenn wir mit einer Hexe in Kontakt kommen, mit der wir eine engere Verbindung haben. Und uh– es ist nicht so schlimm, wie du denkst.“
Tenn blinzelte, hob seinen Blick ein wenig und sah Ryuu überraschter an. „Du wirktest nicht so, als wenn es angenehm war und ...“,
„Es fühlte sich damals auch irritierend an und ich hatte das Gefühl, als wenn etwas tief in mir nach außen bricht, sodass ich kaum mehr eine Kontrolle darüber hatte, was ich tun konnte“, sagte Ryuu seufzender, „aber du hast es eindeutig besänftigt damals, genau wie Gaku. Außerdem hilft Minami mir jetzt, es zu kontrollieren.“
„Ich ... was habe ich denn getan?“, flüsterte Tenn etwas mehr, lehnte sich wieder bei ihm an, „und ... das ist doch dennoch so unnatürlich.“
„Es gehört zu uns, Tenn“, sagte Ryuu ruhig weiter, „und du ... dein Aussehen war wunderschön. Es ist nichts Gefährliches. Nicht, solange wir unsere Hexe haben, die uns beschützt.“
„Ich ... was?“, fragte Tenn nach, sah wieder zu ihm. Warum konnte er überhaupt nicht erkennen, wie seine Form aussah? Wie er damals ausgesehen hatte?
„Wie wäre es, wenn wir aufstehen und uns langsam auf den Tag vorbereiten?“, fragte Ryuu schließlich nach, lächelte ihn ruhig an, „es würde dich vermutlich ablenken und es ist immerhin nicht so, als wenn das irgendetwas an unserem alltäglichen Leben ändern würde.“
Langsam nickte Tenn, richtete sich nach seinem Freund auf, seufzte etwas mehr. „Okay“, sagte er dann, auch wenn ihm weiterhin durch den Kopf ging, wie eigentlich sein Wesen in diesen Momenten aussah. Aber er wusste auch, dass er es früher oder später erfahren würde. Ryuu hatte recht, sie sollten sich wieder auf ihre eigentliche Aufgabe als Idols konzentrieren. Außerdem wollte er damit schließlich auch Riku dazu bringen, ihn zu finden.
––––
Minami war sich nicht sicher, wieso er ein paar Tage später bei Kujou-sans Magieladen stoppte. Es war nicht so, dass er etwas brauchte, aber irgendwie wollte er dennoch Informationen. Informationen darüber, wieso er Nanase Tenn nie etwas davon erzählt hatte, wer er war, wo er doch scheinbar mit ihm zu tun hatte.
Als Minami die Tür öffnete, blinzelte er irritierter, als er einen Jungen sah, der an den Regalen vorbeilief und etwas einsortierte. „Wer bist du denn?“
Der Junge zuckte zusammen, als er ihn angesprochen hatte, drehte sich dann zu ihm, worauf Minami auch die klaren, gelben Augen des anderen erkannte. Seine Haare waren eher türkisgrün.
Seine Aura wirkte irritierender, jetzt wo er ihn eine Weile ansah, auch wenn Minami nicht einordnen konnte, wieso.
„Oh, mein Name ist Natsume Minami, ist Kujou-san hier?“, fragte er dann nach, lächelte ihn an, als er keine Erwiderung von dem Jungen bekam.
Der Junge nickte nur, bewegte sich dann an den Regalreihen vorbei weiter nach hinten, ohne etwas zu sagen.
Es sorgte nur mehr dafür, dass sich Minami fragte, wer er war.
„Jemand will mit mir reden, Haruka?“, hörte Minami nach einem Moment unverkennbar die Stimme des Hexers, bevor er Kujou-san in den Raum des Magieladens treten sah, „oh, Minami. Was führt dich hierhin?“
Minami lächelte einfach nur, sah kurz an ihm vorbei zu dem Jungen, der sich eher etwas versteckt hielt. Er hieß also Haruka? „Ich wollte eigentlich nur mit dir reden, Kujou-san.“
„Verstehe“, nickte Kujou-san, drehte sich dann ab, „du kannst weitermachen, Haruka.“
Minami blickte kurz zu dem anderen, bevor er Kujou-san in den hinteren Bereich, der eher an einen Wohnbereich erinnerte, folgte. „Wer ist der Junge?“, fragte er dennoch erst einmal nach, nachdem er sich auf einem der Sessel niedergelassen hatte.
„Isumi Haruka“, entgegnete Kujou-san nur knapp, bevor er seufzte, „eine Hexe. Er besitzt eine Verbindung zu einer schwarzen Katze.“
Minami nickte, weitete dann allerdings seine Augen. Eine Verbindung zu einer schwarzen Katze? Er wusste, dass er Gerüchte gehört hatte, dass es etwas Besonderes war, aber er hatte nie wirklich gehört, dass es jemanden mit dieser Verbindung gab, und irgendwie bezweifelte er inzwischen, dass so etwas überhaupt existierte, weil es eine Hexe zu mächtig machte.
„Ich helfe ihm, seinen Partner zu finden“, sagte Kujou-san weiter, stützte seinen Arm neben sich auf der Lehne des Sessels ab, „aber du bist nicht wegen ihm hier, oder?“
Minami seufzte, schüttelte den Kopf. „Nanase Tenn. Warum hast du–“,
„Du hast Tenn-kun getroffen?“, unterbrach Kujou-san ihn, gab ein leises Lachen von sich.
„Mein Partner lebt mit ihm zusammen“, erwiderte Minami nur, zuckte mit den Schultern, „... warum hast du ihm nie erzählt, wer du bist?“
Kujou-san sah ihn einen Moment ernster an, bevor er seufzte. „Tenn-kun hasst Hexen, obwohl seine Verbindung ausschlaggebend ist. Ich habe nur getan, was ich tun musste. Dafür musste er nicht wissen, was ich bin.“ Dennoch sah er schließlich eindeutig betrübter drein und seufzte etwas mehr, was dafür sorgte, dass Minami ihn eindeutig skeptischer ansah.
„Du weißt mehr von ihm oder?“, fragte Minami nach, „warum–“,
„Ich weiß, bei wem Riku-kun ist, aber nicht wo“, erwiderte Kujou-san, schüttelte etwas den Kopf, „und ich hoffe nur, dass alles zu einem guten Ende kommt. Für Tenn-kun und Riku-kun. Genauso, wie für Haruka.“
„Kujou-san ...“, flüsterte Minami ein wenig mehr, auch wenn er in dem Moment nicht mehr wusste, was er überhaupt noch sagen wollte. Warum hatte er gerade das Gefühl, dass Kujou-san so viel mehr wusste, was er ihnen nicht erzählte. Oder eher nicht erzählen konnte.
„Was ist das mit Haruka? Ist sein Partner wirklich eine schwarze Katze?“, fragte Minami schließlich nach einer Weile nach. Immerhin war das etwas, was ihn wirklich interessierte, weil es so selten war, dass es auch inzwischen einfach unglaubwürdig wirkte, dass es überhaupt existierte.
„Du solltest gemerkt haben, dass er bereits eine Aura hat, die anders ist, obwohl er seinen Partner noch nicht getroffen hat“, erwiderte Kujou-san ruhiger weiter, schmunzelte etwas mehr, „ich hab ihn vor ein paar Tagen in der Nähe gefunden. Er wurde wohl von seiner Familie und Verwandten abgeschoben und ausgesetzt, weil er anders ist. Ich habe keine Ahnung, wer seine Familie ist, aber es ist mir auch egal. Haruka redet auch nur gut über seine Großmutter, die verstorben ist, als er noch sehr jung war. Die letzten zwei Jahre hat er auch eher auf der Straße gelebt oder wurde anfangs unter seinen Verwandten weitergeschoben, sodass er auch gelernt hat, sich so durchzuschlagen. Deswegen habe ich ihn aufgenommen und suche nebenbei nach Hinweisen zu seiner schwarzen Katze.“
Minami schluckte etwas mehr. „Er wurde ... von seiner eigenen Familie ...“, murmelte er etwas mehr vor sich hin. Er wusste, wie es war, alleine zu leben, aber bei ihm war es nicht seine Familie, sondern die Menschen, die seine Familie gejagt und ausgerottet hatten. Immerhin hatten selbst Hexen eine ziemliche Schwachstelle und außerdem hatte seine Familie eher dafür gesorgt, dass er entkommen konnte.
„Vielleicht kannst du ebenfalls sehen, ob du Harukas Partner findest?“, fragte Kujou-san nun nach, „ich will ihn noch nicht wirklich alleine hier lassen, weswegen ich aktuell nicht sehr weit reise, um nach Harukas Partner zu suchen.“
„Ich werde sehen, was ich tun kann“, nickte Minami ruhig weiter, bevor er seufzte, „gibt es nicht irgendetwas, was du für Nanase-kun tun kannst?“
„Tenn-kun hat alles, was es braucht, um Riku-kun zu finden“, sagte Kujou-san nur ruhiger lächelnd, „aber es ist selten, dass du dir Gedanken um jemand anderen machst, Minami.“
Minami schluckte, drehte etwas seinen Kopf zur Seite. „Es ist nicht, dass ich mir Gedanken um ihn mache“, sagte er daraufhin ein wenig grummeliger. Es war eher, dass er wusste, dass sein Partner ihn mochte und er wusste, dass er Ryuu glücklich sehen wollte.
Kujou-san schmunzelte nur etwas mehr. „Dein Partner hat dich scheinbar verändert, Minami“, sagte er dann weiter, „aber keine Sorge, Riku-kun zu finden sollte für Tenn-kuns Partner keine Schwierigkeit darstellen, wenn sie ihre Verbindung gefestigt haben.“
Minami blinzelte, spürte, wie er eindeutig rot wurde, weswegen er seinen Kopf in eine andere Richtung drehte. „Ich hoffe, du hast recht und das sie damit klarkommen, was sie haben.“
Vielleicht machte er sich zu viele Gedanken darum, dass sich etwas durch diese neue Verbindung änderte. Vielleicht hatten seine Freunde recht, dass er nicht viel mehr als nötig darüber nachdenken sollte.
Zumindest sorgten die nächsten Tage und die Rückkehr in ihren Alltag als Idols dafür, dass sich Tenn ein wenig entspannte und weniger darüber nachdachte, dass etwas anders war.
Er wusste, dass er inzwischen regelmäßig so viel mehr zu Gaku spürte, wie er immer gedacht hatte, aber er merkte über diese Tage auch, dass es dennoch nichts ändern musste. Seine Freunde sahen ihn nicht anders als vorher.
Das Einzige, was sich aktuell wirklich änderte, war, dass er das Gefühl hatte, dass er einen Schritt näher kam, wie er Riku finden konnte.
Sie wussten immer noch nicht, wo er war, aber Gaku sagte ihm regelmäßig, dass er ihn sehen konnte, wenn er sich darauf konzentrierte.
Tenn war sich nicht sicher, wieso er sich dennoch so merkwürdig fühlte oder ihn so genau beobachtete, wann immer er seinen Freund sah, wie er nach ihm suchte. Er war sich nicht einmal komplett sicher, wieso er Gaku manchmal darin unterbrach, weiter zu suchen, obwohl er doch wusste, dass es darum ging, Riku zu finden.
Es war, als wenn er daran zurückdachte, wie er dieses eine Mal regelrecht das Gefühl hatte, dass er ihn verlieren konnte. Als wenn er das nicht erneut erleben wollte.
Leise schlich er in den Raum im Keller ihrer Wohnung, in dem sich Gaku inzwischen eine Art magischen Raum eingerichtet hatte, um sich in Ruhe konzentrieren zu können. Es war auch einzig Tenn, der ihn dort aufsuchte – oder aufsuchen konnte, immerhin hatte Ryuu ihm vor ein paar Tagen gesagt, dass er nicht wirklich dorthin konnte.
„Du solltest das nicht jeden Abend machen“, flüsterte Tenn, als er hinter seinen Freund trat und schließlich seine Arme von hinten um ihn legte.
„Ich kann nicht so einfach aufgeben, wenn ich so nahe bin, Riku zu finden“, sagte Gaku daraufhin, ohne sich groß zu bewegen oder wirklich auf seine Berührung einzugehen.
Tenn wusste, dass er nicht so einfach stoppte. Er wusste auch inzwischen, dass er dafür sorgte, dass sich Gakus Magie verstärkte, wenn er in seiner direkten Nähe war. Er konnte es fühlen und auch wenn es am Anfang unangenehm oder irritierend gewirkt hatte, so war es inzwischen eher ein entspanntes Gefühl. „Du solltest das nicht für mich tun“, sagte er dann nach einer längeren, stillen Phase zwischen ihnen. Außerdem hoffte er doch immer noch, dass sich Riku von sich aus meldete, wenn er ihn nur sah.
„Tenn“, fing Gaku an, drehte seinen Kopf etwas zu ihm, zog ihn kurz darauf zu sich herum, sodass sich Tenn vor ihm niederlassen musste und spürte, wie Gaku seine Hände auf seinen Hüften liegen ließ, „du weißt, dass ich das für dich tue, weil ich will, dass ihr wieder zusammen sein könnt.“
Tenn schluckte nur mehr, blickte ihm in die Augen, senkte dann etwas seinen Blick. „Was, wenn dir etwas passiert, nur weil du etwas vorziehst, was du nicht tun solltest. Nicht als Hexe.“
„Tenn. Ich mache das hier, weil du mein Freund bist“, erwiderte Gaku ruhig weiter, „wie häufig soll ich dir das eigentlich sagen?“
Tenn schluckte, sah wieder zu ihm, drückte ihm kurz darauf einen Kuss auf die Lippen, sah dann so direkt in seine Augen. „Ich will nicht, dass du dich gefährdest. Aus dem gleichen Grund, okay? Nicht weil ich dein Partner bin, sondern weil ich dein Freund bin“, sagte er dann leise weiter, „ich liebe dich. Ich ... könnte es nicht ertragen, erneut jemanden zu verlieren, der mir so wichtig ist, okay?“
„Aber Riku ist–“, fing Gaku an, allerdings unterbrach Tenn ihn darin, dass er ihm einen Finger vor die Lippen hielt und lächelte.
„Riku ist mein Zwillingsbruder, aber wir haben uns unser halbes Leben nicht gesehen und ... ich denke nicht, dass ich es verkräften könnte, dich zu verlieren, nur um ihn wieder zu finden“, sagte Tenn schließlich, während er spürte, dass es etwas in ihm löste. Er wusste, dass er Riku seit Jahren nicht gesehen hatte, während er eine solche Bindung zu seinen Freunden aufgebaut hatte. Wie hatte er vergessen können, was Gaku und Ryuu ihm bedeuteten, nur weil er nach Riku suchte? Nur weil er erfahren hatte, dass Gaku das war, was er all die Jahre deswegen gehasst hatte? „Ich will euch nicht verlieren. Ich will Riku finden, aber nicht um den Preis, dass ich euch verliere“, sagte er schließlich weiter, lächelte ihn einfach nur an, „ich weiß ja nicht einmal, wer Riku inzwischen ist, nach all den Jahren. Es tut mir leid, dass ich dir die Schuld gegeben habe, obwohl du nichts dafür kannst. Lass uns– lass uns den Abend in Ruhe ausklingen lassen, ja?“
„Tenn ...“, flüsterte Gaku ihm zu, bevor er langsam nickte, „ja, du hast recht. Entschuldige. Ich will definitiv nicht, dass du das erneut durchmachen musst.“
„Gehen wir zu Ryuu und kuscheln einfach etwas?“, fragte Tenn ruhiger lächelnd nach, „und keine Sorge, ich bin mir sicher, du wirst irgendwann herausfinden, wo Riku ist. Nur nicht, wenn du dich übernimmst, okay?“ Er schmunzelte, richtete sich auf und sorgte nebenbei dafür, dass er Gakus Hand festhielt. „Wir erreichen nichts, wenn wir uns zu sehr überanstrengen oder zu viel wollen, nicht?“
„Du hast recht, Tenn“, sagte Gaku schmunzelnder, richtete sich ebenfalls auf, „und ich weiß nicht, ob ich mir das von dir anhören sollte.“
„Hey, du bist es, der jeden Abend hierhin verschwindet und Ryuu und mich alleine lässt!“, entgegnete Tenn mit einem leichten Grinsen auf den Lippen, „dabei hatten wir mal ausgemacht, dass unsere freien Abende alleine uns gehören. Niemandem sonst.“
„Ich weiß, tut mir leid“, sagte Gaku eindeutig etwas zu schmunzelnd, während er Tenn von der Seite her ansah, als sie sich bereits auf den Weg durch den Raum und die Treppe nach oben machten.
Kurz nachdem sie die Tür, die aus dem Keller führte, hinter sich gelassen hatten, zuckte Tenn eindeutig zusammen, während er nur eine neblige Umgebung vor sich erkannte. „Was–“,
„Natsume?“, fing Gaku neben ihm an, während er weiterhin Tenns Hand festhielt und keine Anstalten machte, ihn loszulassen.
Es sorgte dafür, dass sich Tenn etwas beruhigte, auch wenn das gerade alles so seltsam wirkte. Wieso konnte er nichts vor ihnen erkennen? Warum war alles um sie herum plötzlich in so einen Nebel gehüllt?
„Ihr habt euch einen beschissenen Zeitpunkt ausgesucht!“, zischte Minami zu ihnen, auch wenn Tenn nicht wirklich zuordnen konnte, von wo er zu ihnen sprach, „bring Nanase hier weg!“
Tenn bemerkte, wie Gaku ihn nur mehr festhielt, sodass er zu ihm sah und merkte, wie sich dessen Augen eine Spur weiteten. Konnte er ihn eigentlich auch nur deswegen erkennen, weil sie sich so nah waren, oder lag das auch mit daran, was sie für eine Verbindung hatten? „Was ...“,
„Halte dich an mir fest, sobald wir draußen sind, okay, Tenn?“, fing Gaku an, kurz bevor er ihn durch diesen viel zu dichten Nebel mitzog.
Es sorgte dafür, dass er gerade viel zu heftig die Orientierung verlor, wo sie waren, obwohl es doch eigentlich ihre Wohnung seit Jahren war. Dennoch nickte Tenn schließlich langsam bestätigend, gab ein knappes „okay“, von sich, als er nicht sicher gehen konnte, dass Gaku ihn überhaupt sah.
Warum hatte er nur so ein komisches Gefühl dabei?
Was genau war es, was dafür sorgte, dass er so geschockt war oder das sogar Minami davon redete, dass sie verschwinden sollten?
Tenn spürte nur, wie Gaku ihn schließlich einfach hochnahm und kurz darauf mit ihm in die Luft flog. Oder zumindest fühlte es sich so an, da er gerade immer noch zu benebelt und irritiert war, um überhaupt etwas zu erkennen.
„Wohin– was ...“, fing er an, allerdings brach Tenn sogleich wieder ab, da er nicht wirklich wusste, was er eigentlich fragen wollte.
„Ich weiß nicht, was genau los ist“, entgegnete Gaku dennoch, ohne seine Frage wirklich zu hören, „aber es klang so, als wenn Natsume nicht wollte, dass wir – oder du – dort bleibst.“
„Wohin sind wir unterwegs?“, fragte Tenn schließlich doch nach, während er langsam realisierte, dass er mit ihm auf einem Besen flog, während er seine Arme eher unbewusst um Gakus Hals liegen hatte und sich bei ihm festhielt.
„Wir suchen bei jemandem Schutz“, sagte Gaku ruhig weiter, „ein Freund aus der Kindheit, mit dem ich aber länger keinen Kontakt hatte, weil ... na ja, er ist ebenfalls eine Hexe und ich wollte mich davon ja eigentlich fernhalten.“
Tenn schluckte, nickte langsam. „Es ist okay. Ich– ich komme inzwischen damit klar, schätze ich“, sagte er ruhiger, lächelte ihn langsam an, „Ryuu vertraut Natsume immerhin auch und ... ihr seid nicht alle so ... außerdem hat Kujou-san mir geholfen, obwohl er ebenfalls ... ich will Hexen nicht mehr verurteilen.“ Er war sich gerade wirklich nicht sicher, was er überhaupt sagte, aber er wusste, dass er aufhören musste, wegen dieses einen Erlebnisses jeden von ihnen zu hassen.
Dennoch blinzelte er langsam etwas mehr, sah wieder irritierter auf. „Was ist mit Ryuu? Ich meine ...“,
„Er ist Natsumes Partner und ich bin mir sicher, dass er schon klarkommt“, sagte Gaku seufzender, „ich bin mir sicher, dass Natsume sich melden wird, wenn alles okay ist und wir zu ihnen kommen können.“
Tenn seufzte, drückte sich dann allerdings einfach nur weiter an seinen Freund. „Ich dachte, wir könnten den Abend einfach etwas zusammen kuscheln. Ich dachte nicht, dass ...“,
„Tenn“, flüsterte Gaku ihm zu, gab ihm einen kurzen Kuss, bevor er ihn ruhiger ansah, „ich bin mir sicher, dass wir das demnächst nachholen werden. Vielleicht solltest du dich etwas ausruhen, während wir unterwegs sind?“
„Ich denke nicht, dass ich das kann“, schüttelte Tenn seinen Kopf, drückte sich nur mehr gegen ihn. Auch wenn er das Gefühl hatte, dass er erschöpft und müde war, so fühlte er sich gerade dennoch zu wach oder aufgewühlt.
„Ihr wollt wirklich fliehen?“
Gaku stoppte in der Luft, hielt Tenn ein wenig mehr fest, als er sah, dass vor ihnen jemand in der Luft schwebte, der in einen schwarzen Umhang eingehüllt war.
„Was– wer bist du?“, fragte er nach, mit einer Hand angelte er nach seinem Magiestab, auch wenn er gerade nicht direkt kämpfen wollte. Nicht hier draußen.
„Ich denke nicht, dass ihr mich kennt“, sagte die Person ruhig weiter, „aber ihn hier vermutlich.“
„... Riku?“, fing Tenn an, bevor Gaku irgendetwas sagen konnte.
„Hi Tenn-nii“, erwiderte Riku, während sein Gesicht eher emotionslos wirkte. Aus seinem Rücken erstreckten sich schwarze Flügel, die ihn in der Luft hielten.
„Was ein nettes Wiedersehen zwischen Geschwistern, huh“, entgegnete dieser Hexer vor ihnen eher schmunzelnd, „wir sollten euch auslöschen, bevor ihr euer Band stärken könnt, nicht wahr?“
„Was–“, startete Tenn, weitete seine Augen etwas mehr, „Riku, wovon redet er?“
„Das ist gar nicht gut“, sagte Gaku daraufhin, „Tenn, vertrau mir und versuche, dich nicht von ihnen erwischen zu lassen. Und verschwinde von mir, so schnell du kannst.“
„Denkst du, ich lasse das zu?“, entgegnete diese Person schmunzelnder, „ich habe gehört, dass du deine Kräfte lange nicht genutzt hast, obwohl du eine Verbindung zu ihm hast ...“
„Und wenn schon“, sagte Gaku, kurz bevor er eine Energiewelle in die Richtung dieser Person schoss, „was willst du mit–“,
„Du wirst ihn nicht treffen“, unterbrach Riku ihn, während er einfach nur in den Weg flog, um die Attacke abzufangen.
„Riku!“, schrie Tenn einfach nur, „hör auf und komm mit nach Hause, okay? Du willst doch nicht– du weißt gar nicht, wie lange ich nach dir gesucht habe.“
„Du beschützt ihn also wirklich?“, fragte Gaku nach, sah ein wenig bitter lächelnd zu Riku, „obwohl ...“,
„Er ist mein Partner“, sagte Riku, bewegte seine Flügel etwas vor, „wenn ich es nicht tue ... du weißt selbst, was passieren würde.“
„Das ist es also“, flüsterte Gaku mehr, „Tenn, du solltest von hier verschwinden. Ich will nicht, dass–“,
„Ich werde nicht gehen“, entgegnete Tenn nur, sah ihn kurz eindringlicher an, bevor er sich aufrichtete und eher zu Riku sah, „ist es das, was du willst, Riku?“
„Tenn, was hast du vor?“, fragte Gaku entsetzter nach, „du weißt, was du alles–“,
„Vertrau mir“, sagte Tenn nur flüsternder, lächelte ihn noch einmal an, kurz bevor er von einem hellen Licht eingeschlossen wurde und kurz darauf ebenfalls Flügel aus seinem Rücken kamen, mit denen er sich in die Luft erhob, auch wenn seine Flügel eher schneeweiß waren.
„Das wird immer interessanter“, drang die Stimme dieses Hexers kichernder zu ihnen, „aber kannst du wirklich kämpfen, wenn es gegen deinen Zwillingsbruder ist?“
„Mach dir keine Gedanken um mich, Tenn-nii“, sagte Riku nun lächelnder zu ihm.
„Ich kämpfe nicht gegen dich, Riku“, sagte Tenn ruhig in seine Richtung, bewegte seine Hände vor sich und legte sie zusammen, sorgte dafür, dass der Lichtschein um ihn nur stärker wurde, „ich werde nur verhindern, dass ihr irgendetwas anrichtet.“
„Was–“, fing Riku erschrocken an, allerdings konnte er seine Flügel nur ein wenig nutzen, um sich von dem Licht zu schützen, „ugh ... Tenn-nii ... was ...“,
„Tenn, was tust du da?“, fing Gaku eindeutig ernster an, „du solltest nicht–!“
„Es ist alles gut“, unterbrach Tenn ihn erneut, „du vertraust mir doch?“
Gaku wusste, dass er nicht imstande war, darauf zu antworten, da er sich zu sehr darauf konzentrieren musste, nicht von dem Licht geblendet zu werden. Auch wenn er spürte und wusste, dass Tenns Kräfte ihn nicht treffen würden, so war dieses Licht dennoch zu grell, um irgendetwas zu sehen.
Aber er war sich auch ziemlich sicher, dass Tenn keine Antwort auf diese Frage erwartete, weil er es eh wusste. Natürlich vertraute er ihm. Nur noch mehr, seit sie diese Verbindung gefestigt hatten.
Allerdings sorgte es auch dafür, dass er auf den Boden flog, um Tenn kurz darauf in seinen Armen zu halten, während er merkte, dass er bewusstlos war. Dieses Licht und die Flügel waren komplett verschwunden, allerdings genauso konnte er nirgends diesen Hexer oder Riku sehen.
„Was hast du gemacht, Tenn?“, flüsterte Gaku mehr, sah einfach nur zu ihm runter, bevor er seufzte und sich einen Moment umsah. Sie konnten später darüber reden, was das war, wenn sich Tenn erholt hatte.
Er wusste, dass er es für diesen kurzen Moment gesehen hatte, als sie ihre Verbindung gefestigt hatten, auch wenn er sich damals nicht sicher war, was er wirklich gesehen hatte. Aber jetzt, nachdem er Tenns Kräfte noch einmal so direkt gesehen hatte, wusste er, dass er wirklich etwas an sich hatte, was man als besonders bezeichnen konnte.
Langsam ging Gaku weiter, hielt Tenn auf seinen Armen und stoppte schließlich vor einem Haus in dem etwas größeren Dorf, in dem sie sich befanden. Er wusste, dass sie sich ausruhen mussten, und es war vermutlich die beste Alternative, solange sie nicht wussten, wie es Minami und Ryuu erging.
Er musste auch nicht lange warten, nachdem er geklingelt hatte, bis sich die Tür öffnete und ihn ein überraschter Blick aus grünen Augen traf.
„Mit dir habe ich am allerwenigsten gerechnet, Gaku“, entgegnete derjenige schmunzelnder, „... was machst du hier?“
„Später Yamato“, erwiderte Gaku nur, „können wir eine Weile bei dir bleiben? Tenn muss sich ausruhen und scheinbar passiert gerade echt viel.“
„Sicher“, nickte Yamato, trat zur Seite, sodass er mit Tenn eintreten konnte, „er kann sich dort drüben in dem Zimmer ausruhen“, sagte er dann weiter, deutete auf eine Tür ein Stück den Flur entlang, „hey, Mitsu, kannst du ihn etwas im Auge behalten und was zu Trinken bereithalten, falls er wach wird?“
Gaku blickte von ihm zu jemandem mit orangenen Haaren, der gerade durch eine offene Tür blickte, auch wenn er sich erst einmal darum kümmerte, Tenn in das Zimmer zu bringen und dort auf einem Bett abzulegen. „Ruh dich aus und dann sehen wir weiter, Tenn.“
„Was genau ist passiert, Gaku?“, fragte Yamato hinter ihm nach, lehnte gegen den Türrahmen, während der andere neben ihm um die Ecke sah, „ich dachte, du wolltest keine Magie mehr nutzen.“
„Lass uns in Ruhe reden“, entgegnete Gaku nur, richtete sich wieder auf, nachdem er Tenn kurz über die Stirn gestrichen hatte, „ist das ...?“
„Izumi Mitsuki, er ist mein Partner“, sagte Yamato ruhig daraufhin, „er wird auf ihn aufpassen. Vermutlich ist es besser, wenn wir erst einmal alleine reden.“
Gaku nickte nur, folgte ihm dann und ließ Mitsuki mit Tenn alleine. Auch wenn er wusste, dass er vermutlich eh genau erfahren würde, worüber sie redeten, dadurch dass sie kaum etwas vor ihnen geheimhalten konnten, aber er war sich auch ziemlich sicher, dass Yamato es eher machte, damit jemand ein Auge auf Tenn haben konnte, während er so schlief.
––––
Riku zuckte heftiger zusammen, als er geradewegs eine Magiekugel abfing und nach hinten geschleudert wurde. „Ugh...“
„Riku!“
„Ich werde ... nicht ...“, fing Riku an, sah zu seinem Hexer auf, während er mit einem Seitenblick allerdings auch zu Iori sah, der hinter ihm auf dem Boden saß und schwer atmete.
Aus seinen dunklen Haaren waren zwei spitze Ohren zu erkennen, während ebenfalls ein schwarzer Schweif nach unten hing.
„Er hat es nicht anders verdient“, zischte sein Hexer und ließ erneut eine Kugel voller Magie in seiner Handfläche auftauchen, auch wenn er diese diesmal nicht direkt abfeuerte, „es ist besser, ihn auszulöschen, bevor–“,
„... bevor was?“, flüsterte Riku mehr, hob seinen Blick ein wenig, „warum kümmert er dich? Ich bin dein Partner, oder? Du brauchst Iori nicht.“ Warum konnte sein Hexer den anderen nicht endlich in Ruhe lassen?
„Du? Was kannst du denn tun?“, zischte er zurück, „du bist machtlos gegen Tenn.“
„Ich ...“, fing Riku an, schluckte, senkte ein wenig seinen Blick, „ich tue alles, um dich zu beschützen. Sie können dir nichts antun. Nur weil ...“,
„Ich wollte ihn und nicht dich, Riku“, zischte sein Hexer eindeutiger, „aber es hätte nichts Gutes bewirkt. Nur weil sie dieses vorherbestimmte Band haben.“
Riku schluckte, drehte seinen Kopf nun ganz zu ihm, auch wenn er sich nicht bewegte, sodass er Iori weiter schützen konnte. Er richtete sich nur langsam mehr auf, streckte seine Flügel zur Seite aus. „Nächstes Mal wird Tenn-nii mich nicht überraschen. Du kannst dich auf mich verlassen, ich besiege ihn, aber bitte ... lass Iori ihn Ruhe. Du brauchst ihn nicht. Ich habe viel länger trainiert, dass Tenn-nii mich niemals besiegen kann.“
„Dir vertrauen, Riku?“, fragte sein Hexer nach, „bist du sicher, dass du ihn töten kannst? Was, wenn Tenn das nächste Mal nicht so rücksichtsvoll ist?“
Riku nickte entschlossen. „Tenn ist nicht mehr mein Zwillingsbruder. Ich habe dieses Band abgelegt, seit ich dein Partner bin. Ich bin dafür da, dich zu beschützen, ganz egal gegen wen.“ Er lächelte langsam mehr, auch wenn es eher an ein Grinsen erinnerte. „Und Tenn kann mich nicht töten. Er wird es niemals können, das habe ich heute gesehen. Er ist noch lange nicht bereit, alles dafür zu tun, seine Hexe zu beschützen, im Vergleich zu mir.“
Sein Hexer musterte ihn eine Weile still unter der Kapuze hervor, trat zu ihm und ließ den aufgeladenen Zauber einfach verpuffen. „Du willst, dass ich Iori in Ruhe lasse und dir vertraue?“
„Ich bin dein Partner, nicht wahr?“, entgegnete Riku nur ruhiger, „warum solltest du ihn brauchen, wenn du mich hast? Bei ihm hast du immer ein gewisses Risiko, aber ich habe keinen Grund, dich zu täuschen. Ich stärke dich und du stärkst mich.“
„Na schön, ich verspreche es dir, fürs Erste“, sagte er ruhig schmunzelnd, zog seine Kapuze von seinem Kopf und sah Riku so direkt in die Augen, „wir werden das gemeinsam machen.“
„Du wirst niemanden außer mich brauchen, Ryo-san“, sagte Riku ruhig weiter, lächelte einfach nur süffisant, blickte in diese zu spitz zulaufenden Augen.
Eindeutig zu verwirrt öffnete Tenn seine Augen, blinzelte geradewegs in hellbraune Augen, die ihn von der Seite her ansahen.
Wo war er?
Was genau war eigentlich passiert?
Er wusste, dass er Riku gesehen hatte, wie er sich ihnen in den Weg gestellt hatte. Tenn konnte sich auch daran erinnern, wie entschlossen er dazu war, gegen Riku zu kämpfen und Gaku zu beschützen, nur konnte er sich nicht wirklich erinnern, was danach alles passiert war. Zumindest bis zu dem Zeitpunkt, an dem er bewusstlos geworden war.
„Dir geht es gut, Tenn-kun.“ Die Stimme des anderen klang freundlich und eindeutig erleichtert, während er ihn anlächelte.
Allerdings fühlte er sich gerade nicht in der Lage, darüber nachzudenken, wer das war oder wo er hier war, wenn sein Kopf eher mit dem Gedanken kämpfte, was in diesem Kampf passiert war. Hatte er Riku mit seinem Angriff erwischt? Warum war er nicht bei ihm? Wieso hatte er überhaupt keine Anstalten gemacht, zu ihm zurückzukehren, und war so entschlossen, gegen ihn zu kämpfen?
„Du hast einen guten Tag geschlafen, magst du was trinken oder essen?“, drang erneut diese freundliche Stimme zu ihm, sodass er wieder zu dem anderen sah, „oh, mein Name ist übrigens Izumi Mitsuki.“
Tenn blinzelte etwas mehr, spürte dann allerdings auch, dass sein Magen vermutlich wirklich etwas gebrauchen konnte. „Ich denke, das wäre gut, Mitsuki-kun.“
„Warte hier, ich hole etwas“, sagte Mitsuki ruhiger weiter, richtete sich auf, um dann das Zimmer zu verlassen.
Es sorgte dafür, dass sich Tenn ein wenig umsah, auch wenn das Zimmer nicht viel zu bieten hatte und eher nur ein paar Regale und eine kleine Sitzecke an der Seite zeigte.
Es dauerte allerdings auch nicht lange, bis Mitsuki zu ihm zurückkam und ein Tablett mit einem kleinen Frühstück bei ihm abstellte, sodass er sich erst einmal stärken konnte.
„Es muss schwierig für dich gewesen sein, Tenn-kun“, fing Mitsuki nach einer Weile an, während er wieder auf den Stuhl neben dem Bett gerutscht war.
„Was?“, blinzelte Tenn, sah von einem Bissen auf, trank einen Schluck von dem Tee, den Mitsuki ihm ebenfalls gemacht hatte, bevor er schließlich allerdings weiteraß.
„Ich hab Yamatos Gedanken mitbekommen, als ich in die Küche bin“, sagte Mitsuki seufzender, schluckte und senkte seinen Blick, „Yaotome-san hat wohl mit ihm darüber gesprochen, was euch passiert ist. Aber ... du hast das Richtige getan.“
Tenn sah wieder zu ihm auf, umklammerte einzig noch etwas die Tasse mit dem Tee, bevor er seufzte. „Was ist daran das Richtige? Woher weiß ich, was Riku passiert ist?“
Mitsuki lächelte ihn einfach nur an, legte ihm eine Hand auf seinen Arm. „Das Leben deiner Hexe ist wichtiger als jedes andere.“
„Niemand ist wichtiger als Riku“, sagte Tenn nur entschieden, schüttelte den Kopf, zog seine Hände von ihm zurück, „wie kannst du– du würdest nicht so reden, wenn du gegen deine Familie kämpfen müsstest!“
Wie konnte er jemals irgendjemanden über Riku stellen?
„Ich weiß ...“, flüsterte Mitsuki etwas mehr, senkte dann seinen Blick vor sich, „Iori bedeutet mir vermutlich so viel, wie Riku dir bedeutet ... und dennoch ... wenn ich mich entscheiden müsste, würde meine Wahl darauf fallen, Yamato zu schützen.“
„Was?“, fragte Tenn erschrockener nach, „du ... warum?“ Er wusste, dass er das nicht konnte. Er wusste, dass er immer noch so zwiegespalten war, überhaupt dieses Vertrauen einer Hexe gegenüber zu haben. Auch wenn es einer seiner Freunde war. Auch wenn Gaku schon lange so viel mehr für ihn war. Aber er wusste auch, dass diese Hexe damals dafür gesorgt hatte, dass Riku nicht mehr bei ihm gewesen war. Wegen dieser Hexe von damals hatte er Riku doch erst so gegenüber gestanden.
„Hör zu, ich würde alles dafür geben, wenn es nicht dazu kommt. Ich will nichts sehnlicher, als wieder mit Iori zusammenleben“, entgegnete Mitsuki nun wieder ruhiger, „aber diese Verbindung zu Yamato sorgt dafür, dass ich weiß, was es bedeutet. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass du auch weißt, was es bedeutet, dieses Band zu haben und was passieren würde, wenn du nicht alles dafür tust, deine Hexe zu beschützen.“
Tenn starrte ihn einfach nur an, seufzte dann und schüttelte einfach nur den Kopf. „Ich denke nicht, dass ich das kann. Oder je könnte ...“, sagte er langsamer, stellte seine Tasse zur Seite und rutschte wieder nach hinten, um sich zurück in das Kissen auf dem Bett fallen zu lassen.
„Das musst du auch nicht, Tenn“, hörte er kurz darauf Gakus Stimme, sodass er seinen Kopf wieder anhob und bemerkte, wie sein Freund zu ihm gekommen war. Wobei er mit einem Seitenblick bemerkte, wie sich Mitsuki einfach nur still von ihnen entfernte und zu der Person trat, die gegen den Türrahmen lehnte und einfach nur seine Arme vor sich verschränkt hatte.
„Aber–“, fing Tenn an, blickte wieder mehr zu Gaku, auch wenn er sogleich wieder stoppte und nichts weiter sagte.
„Ich habe dir gesagt, ich finde Riku und ich werde nicht so einfach aufgeben, euch wieder zu vereinen“, sagte er ruhiger weiter, „ich will auch nicht, dass ihr gegeneinander kämpft und dadurch etwas passiert. Auch wenn ich weiß, was es heißt, aber das wäre etwas, was ich versuchen würde, zu verhindern.“
Tenn schluckte, setzte sich wieder auf und rutschte einfach nur mehr zu ihm, ließ sich einfach nur festhalten. „Gibt es wirklich eine Möglichkeit?“ Immerhin erinnerte er sich auch daran, wie Riku ihn angesehen und wie er keine Anstalten gemacht hatte, zu ihm zurückzukehren. Im Gegenteil. Riku hatte allzu entschlossen gewirkt, zu kämpfen und diese Hexe von damals zu beschützen, die ihn fortgerissen hatte.
„Ich weiß es nicht“, erwiderte Gaku eindeutig seufzender, „aber sollten wir etwas finden, um es möglich zu machen, sollten wir es nutzen, nicht?“
Tenn blinzelte etwas, sah ihm wieder einfach nur in die Augen, nickte still. Er wollte auch nicht so einfach aufgeben.
„Du warst schon immer sehr eigen, Gaku“, drang eine weitere Stimme zu ihnen, wobei Tenn bemerkte, wie die Person an dem Türrahmen sich etwas bewegt hatte, „ich hoffe, ihr wisst, was ihr da macht.“
„Ich weiß sehr wohl, was ich mache, Yamato“, entgegnete Gaku nur, auch wenn er sich nicht zu ihm drehte, sondern eher weiter Tenn ansah und festhielt.
„Ihr könnt hierbleiben, solange ihr wollt“, erwiderte Yamato dann, zuckte mit den Schultern, „ich werde mal sehen, dass ich Natsume eine Nachricht zukommen lasse, dass ihr hier seid.“
Tenn blickte ihm einfach nur noch hinterher, wie er das Zimmer wieder verließ, gefolgt von Mitsuki, sodass sie alleine waren. „Bist du sicher?“, flüsterte er dann mehr, sah wieder eher zu Gaku, „was, wenn es nicht geht?“
„Denk nicht darüber nach“, sagte Gaku ruhig, „... ich wünschte, wir hätten diese Verbindung nie vollendet. Dann wäre das hier einfacher. Dann wäre ich nur dein Freund und nicht deine Hexe. Dann könnten wir, Ryuu, du und ich, einfach wieder das sein, was wir die ganze Zeit schon sind.“
„Aber ... du bist ...“, flüsterte Tenn, schluckte und unterbrach sich kurz, spürte danach aber nur, wie Gaku ihn einen Moment küsste, sodass er eher nur verwirrter zurücksah.
„Sag es nicht“, flüsterte Gaku ihm entgegen, „lass uns einfach nur darauf konzentrieren, Riku zu finden und diesmal zu retten.“
––––
„Nanase-san, wohin gehen wir?“
Riku blickte kurz zurück, bemerkte wie Iori ihn eindeutig fragender ansah.
Er konnte es ihm nicht verübeln, immerhin hatte er ihm bisher nicht gesagt, wohin sie unterwegs waren. Er war sich auch sicher, dass er nicht darüber reden wollte, solange er wusste, dass er noch in unmittelbarer Nähe seines Hexers war.
„Keine Sorge“, erwiderte Riku nur, lächelte ihn etwas an, sah wieder vor sich und seufzte schließlich, „ich will nur, dass er dich nicht mehr kontrollieren kann.“
„Was?“, fragte Iori nach, trat schließlich neben ihn, als Riku seine Schritte verlangsamt und schließlich gestoppt hatte, „wovon redest du?“
„Meintest du nicht, du willst deinen Bruder suchen, sobald du kannst?“, fragte Riku nach, seufzte etwas mehr, „du solltest endlich von hier verschwinden.“
Iori weitete ein wenig seine Augen, schüttelte schließlich den Kopf. „Du willst nicht sagen, dass du alleine zurückkehren willst.“
„Ich habe keine Wahl“, erwiderte Riku und sah ihm ernster entgegen, „Ryo-san ist meine Hexe. Wir haben eine Verbindung, die ich niemals mehr trennen könnte. Ich will nur, dass er dir nichts antun kann.“ Er schluckte, lächelte langsam einfach nur zurück. „Verschwinde von hier. Ich will wenigstens, dass du zurück zu deinem Bruder finden kannst. Etwas, was ich niemals wieder könnte.“
„Du hast echt vor, mit ihm unterzugehen, Nanase-san?“, fragte Iori nach, starrte ihn einfach nur aus zusammengezogenen Augen an, „bist du sicher ... er könnte es?“
„Tenn-nii ist stark“, sagte Riku leise zurück, während sich nichts an seinem Lächeln änderte, „er muss nur erkennen, dass es keine andere Möglichkeit für uns gibt.“
Iori schluckte, bewegte sich ein paar Schritte schweigend weiter, sah dann allerdings wieder zurück zu Riku, der immer noch an der gleichen Stelle stand. „Ich hoffe dennoch, dass es nicht so enden muss ... Riku-san.“
Riku schmunzelte etwas mehr. „Ich hoffe auch, Iori“, sagte er dann, „aber solltest du Tenn-nii treffen, sag ihm, dass er sich um mich keine Sorgen machen muss. Er soll nur alles daran setzen, ihn zu besiegen, ganz egal wie.“
Riku drehte sich einfach nur um, streckte seine Flügel aus, die er nach einer kurzen Konzentration erscheinen ließ und schwang sich damit in die Luft, um zurückzufliegen. Eigentlich hoffte er sowieso nur noch, dass er Iori so einfach nicht wiedersehen würde. Er wollte weder ihn, noch Tenn-nii, wiedersehen, weil er wusste, was es bedeutete. Weil er wusste, dass ein Zusammentreffen mit Tenn-nii dafür sorgen würde, dass sie diesmal richtig gegeneinander kämpfen mussten.
Er war sich nicht sicher, was es bedeuten würde, wenn er Iori wiedertreffen würde, aber er hatte ein ungutes Gefühl, wenn er daran dachte, dass sein Hexer ihm etwas verschwieg. Immerhin war er entschlossen, Iori auszulöschen, bevor er ihm schadete, auch wenn Riku keine Ahnung hatte, wieso er ihm schaden konnte.
Es war auch der Grund, wieso er gewollt hatte, dass Iori nicht mehr länger bei ihnen war, sondern irgendwohin kam, wo seine Hexe keinen Einfluss auf ihn hatte. Vielleicht würde er ja wirklich das Glück haben, seinen Bruder dadurch zu finden. Aber vermutlich war alles besser, als länger bei ihm zu sein.
Nachdenklich lehnte Minami in einem Sessel in seiner Wohnung inmitten des Waldes, während sein Partner auf dem Sofa lag.
Es war zwei Tage her, seit sie diesen Kampf gehabt hatten und er sie danach hierhin gebracht hatte. Er hatte auch noch keine Möglichkeit gehabt, Yaotome zu erreichen oder ihm zu sagen, dass sie hier waren, weil seine Gedanken eher bei dem damaligen Kampf gewesen waren und der Kreatur, gegen die sie gekämpft hatten.
Es fühlte sich zu irritierend an und dennoch hatte er dieses unbeschreibliche Gefühl, dass derjenige diese schwarze Katze war, von der Kujou-san gesprochen hatte, auch wenn er nicht wirklich so gewirkt hatte. Davon ab, dass derjenige auch eher gewirkt hatte, als wenn er keinen eigenen Willen in diesem Kampf gehabt hatte.
Minami wusste auch, dass er eigentlich mit Kujou-san darüber reden wollte, aber er wusste, dass er Ryuu nicht alleine lassen konnte, nachdem er damals verletzt worden war und bisher noch nicht wirklich aufgewacht war. Zumindest wenn man von den kurzen Sekunden absah, in denen er ihn für einen Moment angeblickt hatte. Allerdings war das auch so kurz gewesen, dass er das nicht als wirkliches wachsein bezeichnen konnte.
Kurz bemerkte er eine Bewegung des anderen, worauf Minami seine Aufmerksamkeit wieder zu seinem Partner richtete, der zumindest seine Augen geöffnet hatte und ihn etwas klarer ansah, als zuvor. „Minami ...? Wo ...?“
„Beweg dich nicht zu viel“, entgegnete Minami, erhob sich und trat zu ihm, ließ eine Hand über Ryuus Oberkörper schweben, „du wurdest von dieser Kreatur an einem Flügel verletzt. Du solltest dich noch nicht allzu sehr bewegen.“
„Hmmm“, erwiderte Ryuu nur, versuchte dennoch, sich langsam aufzurichten, während Minami einen Schritt zur Seite machte, „wo sind wir?“
„Bei mir“, sagte Minami nur ruhiger, „magst du was essen oder trinken?“
Ryuu nickte langsam, lehnte sich etwas mehr zur Seite und halb gegen die Rücklehne, auch wenn er kurz zusammenzuckte. „Klingt gut. Was ist mit Gaku und Tenn?“
Minami seufzte etwas mehr, sorgte erst einmal dafür, dass er ihm etwas zu essen und zu trinken holte. Zusammen mit einem kleinen Trank, den er vorher bereits gebraut hatte und der dafür sorgen würde, dass diese Verletzung etwas besser heilen würde. Er hatte sich zwar vorher bereits äußerlich darum gekümmert, aber es war dennoch ein zusätzlicher Heilungsprozess.
Nachdem er Ryuu die Sachen hingestellt hatte, ließ er sich wieder auf seinem Sessel nieder. „Soweit ich gehört habe, sind sie in Sicherheit. Wir können sie aufsuchen, wenn deine Verletzung ordentlich verheilt ist.“
„Es ist gut, dass es ihnen gut geht“, murmelte Ryuu ein wenig erleichterter, während er sich langsam daran machte, etwas zu essen, nachdem er den medizinischen Trank zu sich genommen hatte.
Ein wenig war Minami erstaunt, wie sehr er sich eher darum sorgte, was mit seinen Freunden war, aber irgendwie hatte er auch gleichzeitig das Gefühl, dass es genau das war, was er von ihm erwartet hatte. „Kann ich dich eine Weile hier alleine lassen?“, fragte er schließlich nach.
„Sicher. Ist etwas passiert?“, fragte Ryuu nach, sah ihn etwas fragender an.
„Ich müsste etwas mit Kujou-san besprechen“, entgegnete Minami nur seufzender, „versuch, dich auszuruhen und nicht allzu viel zu bewegen.“ Immerhin, wenn er richtig vermutete, konnte diese Kreatur möglicherweise wirklich Isumi Harukas schwarze Katze gewesen sein, auch wenn er dort so anders ausgesehen hatte. Aber Minami wusste auch, dass er zu wenig darüber wusste. Erst recht, weil er bis vor Kurzem nicht einmal daran geglaubt hatte, dass es diese Verbindung einer Hexe zu einer schwarzen Katze überhaupt gab.
„Keine Sorge, ich denke eh nicht, dass ich mich gerade wirklich bewegen kann“, erwiderte Ryuu nur lächelnder, „du denkst über denjenigen nach, gegen den wir gekämpft haben.“
Minami seufzte, ignorierte die Sache, dass er vermutlich zu laut darüber nachgedacht hatte, dass Ryuu es direkt mitbekommen hatte. „Ich will das alles nur einmal mit Kujou-san besprechen.“
„Schon gut, mach dich ruhig auf den Weg, ich werde solange hier warten“, entgegnete Ryuu daraufhin ruhiger weiter.
Minami nickte, drehte sich dann zum Gehen ab. „Ich werde mich dennoch beeilen.“ Außerdem konnte er dann auch noch einmal in Ruhe in Erfahrung bringen, wo sich Ryuus Freunde momentan befanden.
––––
Die Gegend, durch die Iori wanderte, fühlte sich irritierend an und dennoch wanderte er einfach weiter durch diesen dichten Wald. Er hatte auch dafür gesorgt, dass seine Katzenohren und sein Schweif sichtbar waren, um mehr alles um ihn herum wahrzunehmen.
Auch wenn er absolut keine Ahnung hatte, wo er wirklich war, aber er war bisher auch nicht häufig viel draußen gewesen, seit er bei dieser Hexe gelandet war und somit bei Riku-san.
Insgeheim wusste er, dass er zu seinem Bruder finden wollte, aber er hatte ja nicht einmal eine Ahnung, wo sich dieser befand oder wo er anfangen sollte. Zu lange war es her, dass sie sich nicht gesehen hatten.
Er wollte auch nicht zu sehr darüber nachdenken. Eigentlich konnte er sowieso nicht sagen, dass es noch das war, was er wollte. Eigentlich hatte er vorgehabt, Riku-san zu unterstützen oder ihm irgendwie zu helfen. Aber Riku-san hatte scheinbar wirklich andere Pläne, wenn er einzig daran dachte, zusammen mit seiner Hexe unterzugehen. Selbst wenn es bedeutete, dass er gegen seinen Zwillingsbruder kämpfen musste.
Iori schüttelte den Kopf bei dem Gedanken daran, stoppte kurz darauf, als seine Ohren ein Geräusch in der Ferne wahrnahmen. War hier jemand?
Er blickte ein wenig umher, spitzte seine Ohren, versteckte sich halb hinter den Bäumen in diesem dichten Wald. Immerhin hatte er hier gute Möglichkeiten, sich zu verstecken, um nicht zu schnell entdeckt zu werden.
„Wir sehen uns irgendwann wieder, Iori. Aber das ist etwas, was ich tun muss.“
Iori zuckte ein wenig zusammen. Warum erinnerte er sich jetzt daran, was Mitsuki ihm gesagt hatte, bevor er mit dieser jungen Hexe mitgegangen war?
Allerdings sorgte es auch dafür, dass er daran zurückdachte, dass Mitsuki vermutlich davon ausging, dass er immer noch bei seinen Eltern war oder zumindest all die Jahre gelebt hatte. Nicht bei dieser Person, die ihn von allem ferngehalten hatte und dafür gesorgt hatte, dass er einzig bei Riku-san sein sollte.
„Warum solltest du ihn brauchen, wenn du mich hast?“ Warum erinnerte er sich gerade so sehr daran, wie Riku-san zu seiner Hexe gesprochen hatte? Damals, als er nach dem Kampf so erschöpft gewesen war. Er war sich auch ziemlich sicher, dass Riku-san nicht gemerkt hatte, dass er es mitbekommen hatte. Aber er hatte es mitbekommen. Iori hatte mehr als deutlich mitbekommen, wie Riku-san ihn vor der Magie dieser Hexe beschützt hatte.
Langsam bewegte Iori seinen Schweif etwas hin und her, drehte sich mit dem Rücken gegen den Baumstamm und sah einfach nach oben, auch wenn er dort nicht mehr als die bewachsenen Baumkronen erkennen konnte. Wo genau sollte er eigentlich hin? Was sollte er eigentlich machen?
Seine Ohren zuckten erneut bei einem leisen Geräusch, sodass er seinen Kopf drehte und zur Seite zu einem kleinen Haus inmitten des Waldes sah. Wo war er hier? Wer lebte hier? Konnte er es überhaupt riskieren, jemandem zu vertrauen?
––––
Sein Leben lang war ihm gesagt worden, wie anders und seltsam er war. Selbst seine eigene Familie hatte Haruka immer wieder gesagt, dass er nur seltsam war, weswegen er sich bereits früh verschlossen hatte.
Auch wenn seine Großmutter anders gewesen war und ihn immer ermutigt hatte, dass er etwas Besonderes war. Dass es etwas Gutes war, dass er Magie beherrschen konnte. Nur war sie die Einzige gewesen, und als er sie verloren hatte, war er gerade einmal acht gewesen und hatte nur gemerkt, wie er von allen argwöhnisch angesehen oder verteufelt wurde.
Es hatte dafür gesorgt, dass er immer weniger seine Magie genutzt hatte und wenn auch nur, wenn er sicher war, dass er alleine war und niemand es mitbekam. Er hatte gehofft, dass sie ihn mehr mochten, wenn er einfach nur ein normales Kind ohne Magie war. Auch wenn Haruka es geliebt hatte, dass er eine Hexe war, wie es seine Großmutter gewesen war. Es hatte ihn stolz gemacht, dass er das konnte und das sie ihn so strahlend angesehen hatte.
„Irgendwann wirst du erkennen, was es bedeutet, Haru-chan.“ Er hörte eindeutig ihre Stimme in seinen Gedanken, während er sich genau daran erinnerte, wie glücklich sie ihn immer angesehen hatte.
Nur hatten der Hass und die Verachtung von allen anderen dafür gesorgt, dass er angefangen hatte, sich selbst zu hassen und das er so anders gewesen war. Haruka wollte das alles nicht, aber er fühlte sich immer mehr so hilflos und machtlos, wenn er daran dachte, dass niemand sonst aus seiner Familie ihn auch nur wirklich ansah.
Irgendwann war er an dem Zeitpunkt angekommen, wo er einfach nur das machte, was er tun musste, während er komplett alles und jeden ignorierte. Er wollte nicht mehr verletzt werden. Er wollte nicht mehr diesen Hass erleben, den er von seiner Familie erlebt hatte.
„Du solltest wertschätzen, was du hast, Haruka-kun.“ Diesmal war es nicht die Stimme seiner Großmutter, die in seinen Gedanken widerhallte, sondern Kujou-sans.
Es sorgte dafür, dass Haruka langsam wieder in der Gegenwart ankam, während er gegen die Wand neben dem Durchgang in den Wohnraum hinter dem Magieladen lehnte. Kujou-san war die erste Person nach seiner Großmutter, die ihn nicht ignoriert oder für seltsam gehalten hatte.
Immerhin war er ebenfalls eine Hexe. Er hatte ihn bei sich aufgenommen und ihm diverse Sachen gezeigt, auch wenn Haruka weiterhin keine Magie einsetzte. Er wusste, dass er jedes Wissen, was Kujou-san ihm zeigte und erzählte, aufnahm und speicherte, aber er wusste auch, dass er inzwischen nicht mehr wusste, ob er es jemals wieder nutzen konnte oder wollte.
Nicht weil er nicht stolz darauf war, eine Hexe zu sein, aber er hatte diese Zweifel, dass er nur wieder alleine war, wenn er sich darauf einließ, etwas zu nutzen.
Eigentlich war er auch nur neugierig, wer diese andere Hexe war, die Kujou-san nun schon zum zweiten Mal in relativ kurzer Zeit besuchte, auch wenn Haruka nicht wusste, ob er wirklich zu ihnen gehen sollte. Natürlich spürte er, dass der andere ebenfalls eine Hexe war, aber er war sich nicht sicher, was er von ihm halten sollte.
„Es könnte gefährlich sein, wenn diese Person wirklich eine schwarze Katze ist und jemand ihn für etwas benutzt“, drang Kujou-sans Stimme etwas gedämpfter zu ihm, worauf Haruka nun doch wieder etwas mehr lauschte.
Es war nicht so, dass er unbedingt so versteckt ihrem Gespräch lauschen wollte. Er wusste halt auch nicht, ob er so einfach zu ihnen gehen sollte, wo sie scheinbar eher alleine sprechen wollten.
„Ich bin mir nicht sicher, Kujou-san“, murmelte Natsume eindeutig stiller, „er wirkte ... so emotionslos und anders, dass ich mir nicht einmal sicher bin. Er hatte halt nur ansonsten schon Ähnlichkeiten damit. Auch wenn seine Form damals nicht wirklich etwas mit einer Katze zu tun hatte.“
Haruka schluckte, drehte sich nun doch etwas ab. Er war sich nicht sicher, wovon sie redeten, aber es fühlte sich komisch an, ihnen weiter zu lauschen.
„... Vielleicht versucht jemand diese schwarze Katze von Haruka-kun fern zuhalten“, drang kurz darauf Kujou-sans Stimme zu ihm, was dafür sorgte, dass Haruka nun doch wieder aufmerksamer wurde.
Was genau meinte Kujou-san damit?
Natürlich wusste er, dass es nicht unüblich für eine Hexe war, jemanden als Partner zu haben, der die eigenen Kräfte stärkte, immerhin war es bereits seine Großmutter gewesen, die ihm das erzählt hatte, nur hatte er bisher nicht mehr erfahren oder überhaupt darüber nachgedacht. Erst recht, nachdem er eigentlich damit abgeschlossen hatte, überhaupt noch einmal Magie zu benutzen.
„Warum sollte man das tun?“, fragte Natsume nach, „... ist es nicht eher etwas Besonderes, wenn so etwas existiert?“
„Wenn es jemand ist, der diese schwarze Katze wirklich vor Haruka-kun fernhalten will, oder diese Person allgemein versteckt halten will, könnte es jemand sein, der sich dadurch etwas erhofft oder eine Gefahr weniger haben will, für was auch immer“, sagte Kujou-san ruhig weiter, „erzähl mir alles, was passiert ist, Minami.“
„Ich kann dir nur erzählen, was Ryuu und mir passiert ist, allerdings sind Yaotome-san und Nanase-kun scheinbar noch in etwas anderes gekommen“, entgegnete Natsume etwas seufzender.
„Schon gut, fang erst einmal an“, sagte Kujou-san ruhiger weiter.
Tenn wusste, dass er sich nicht zu viele Gedanken machen sollte, während er eigentlich daran glauben wollte, dass sich zwischen Gaku und ihm nichts änderte, auch wenn er die ganze Zeit genau spürte, was inzwischen zwischen ihnen war.
Er wollte wirklich glauben, dass sich nichts änderte, aber gleichzeitig fühlte er so genau, dass es eben nicht wie vorher war.
Er lehnte so dicht bei ihm, während er seine Augen inzwischen geöffnet hatte und dadurch auch merkte, dass es draußen langsam hell wurde. Er war eindeutig froh, dass sie sich noch erholen konnten und für einen Moment nicht über irgendetwas nachdenken mussten.
Tenn wusste, dass er sich auch Gedanken darum machte, wie es Ryuu ging, aber nachdem er am vorherigen Abend noch gehört hatte, dass er bei Natsume in Sicherheit war, hatte er sich zumindest beruhigt.
Was allerdings auch nur mehr dafür sorgte, dass er viel mehr darüber nachdachte, was Gaku und er inzwischen für eine Verbindung hatten. Auch wenn Gaku gemeint hatte, dass es nichts zwischen ihnen ändern musste, so wusste Tenn, dass es etwas änderte. Er spürte, was es bedeutete. Noch dazu, dass er wusste, dass er nicht einmal diese Verbindung brauchte, um zu wissen, dass er seinen Freund beschützen wollte, ganz egal gegen wen.
„Er ist mein Partner“, hallte Rikus Stimme in seinem Kopf wider, während Tenn eindeutig etwas zusammenzuckte und unbewusst seine Hände in Gakus Oberteil verkrampfte.
Er wollte nicht darüber nachdenken, was Riku ihm gesagt hatte, aber Tenn wusste insgeheim, dass er Riku nicht vorziehen konnte.
„Tenn?“, hörte er Gakus Stimme leise, worauf er seine Augen mehr auf ihn richtete und bemerkte, wie er fragender angesehen wurde.
„Gaku“, fing Tenn an, rutschte so, dass er sich eher über ihn beugte, um seinem Freund direkter in die Augen sehen zu können, „es ist nicht möglich, eine Verbindung zu einer Hexe zu beenden, oder?“
Er wusste, dass es eine blöde Frage war, immerhin spürte Tenn die Antwort auch so, ohne dass Gaku ihm etwas erwiderte.
Dennoch hatte er das Gefühl, dass er es fragen musste. Suchte er nach einem kleinen Hoffnungsschimmer, wie er Riku wieder bei sich haben konnte?
„Tut mir leid, ich wüsste nicht, dass es möglich ist“, erwiderte Gaku ruhig, auch wenn er eindeutig bedrückter aussah, mit einer Hand über Tenns Wange strich, „allerdings ... vielleicht weiß Kujou-san etwas, wie wir es bewerkstelligen könnten.“
Tenn schluckte, weitete ein wenig seine Augen, sah dann eher zur Seite. „Kujou-san?“ Warum fühlte es sich so komisch an, wenn er jetzt darüber nachdachte, dass die Person, der er so viel zu verdanken hatte, eine mächtige Hexe war? Dass er die ganze Zeit einer Hexe verdankte, was er inzwischen hatte.
„Willst du ihn treffen?“, fragte Gaku ruhig nach.
Wollte er?
„Ich ... ich will nicht gegen Riku kämpfen, aber wenn ich es nicht tue ...“, murmelte Tenn, drückte sich einfach nur gegen seinen Freund.
„Wir müssen nicht gegen ihn kämpfen. Wir können einfach so weitermachen, wie bisher, Tenn“, entgegnete Gaku weiter.
Tenn schluckte, schüttelte den Kopf, sah ihm wieder mehr direkt in die Augen. „Irgendwas hat uns damals angegriffen. Ich ... ich will nicht, dass erneut etwas passiert. Ich– es war komisch, aber ... dieses Licht ... es war, als wenn ich etwas gesehen hätte ...“ Er war sich immer noch nicht sicher, was genau passiert war, aber er hatte immer mehr das Gefühl, dass es etwas bedeutete.
„Tenn“, startete Gaku, blickte ihn dann aber einfach nur zurück an.
„Ich glaube, Riku will, dass ich gegen ihn kämpfe“, sagte Tenn langsam mehr, „ich weiß nicht, wieso, aber ich hatte damals dieses Gefühl.“
„... und du willst nun wissen, ob es eine Möglichkeit gibt, ihn irgendwie zu retten, wenn wir kämpfen müssen?“, fragte Gaku nach, sah ihm ernster entgegen.
Tenn nickte langsam mehr. „Ich werde alles daran setzen, dich zu beschützen. Ich will nicht, dass dir oder Ryuu etwas passiert, aber ... wenn es irgendeine Möglichkeit gibt“, er konnte gar nicht weiterreden, als er nur spürte, wie Gaku ihn einfach küsste und kurz darauf seine Arme um ihn legte.
Auch wenn es nur für wenige Sekunden war, es sorgte dafür, dass Tenn etwas mehr zu ihm blinzelte.
„Ich will dich und Ryuu ebenfalls nicht verlieren, Tenn“, sagte Gaku daraufhin, „wir sollten mit Kujou-san reden und sehen, was möglich ist. Ich habe dir gesagt, ich finde Riku und ich werde nicht zulassen, dass ihr euch gegenseitig vernichtet, wenn es irgendeine andere Möglichkeit gibt.“
––––
Mitsuki lehnte gegen den Flur neben der Zimmertür. Eigentlich sollte er nicht hier sein und ihrem Gespräch lauschen. Es war auch mehr zufällig gewesen, aber irgendwie sorgten diese beiden Besucher dafür, dass es ihn neugierig gemacht hatte.
Seit dem ersten Moment, als er Yamato getroffen hatte, hatte er nie darüber nachgedacht, sich zu widersetzen, weil er gespürt hatte, dass es ihn verändern würde. Dass es dafür sorgen würde, dass er seine eigenen Kräfte besser nutzen konnte. Auch wenn er dafür Iori zurücklassen musste.
„Du würdest nicht so reden, wenn du gegen deine Familie kämpfen müsstest.“ Mitsuki schluckte, als er sich daran erinnerte, was Tenn ihm entgegnet hatte. Er wusste, dass er niemals gegen seine Familie kämpfen konnte, aber er wusste auch, dass jede familiäre Verbindung nichts bedeutete, wenn es darum ging, seine Hexe zu beschützen.
Natürlich würde er alles tun, um Iori zu beschützen, wenn er konnte.
„Mitsu“, drang Yamatos Stimme zu ihm, holte ihn aus seinen Gedanken, sodass Mitsuki sich zu ihm drehte und den ernsten Blick in dessen Augen sah, „du solltest nicht hier sein.“
Mitsuki sah ihn einige Sekunden an, bemerkte, wie sich Yamato umdrehte und den Flur in die andere Richtung von dem Zimmer wegging. Mitsuki schluckte, folgte ihm still, ohne etwas zu sagen.
Zumindest bis sie sich in einem kleineren Zimmer in einer Sitzecke niederließen und er langsam wieder aufsah. „Willst du nichts tun?“
Yamato hob eine Augenbraue, kurz bevor sich seine Mundwinkel mehr zu einem Grinsen schoben. „Gaku würde eh nicht auf mich hören, wenn ich ihn davon abhalten wollen würde.“
Mitsuki sah einige Sekunden länger still zu ihm, seufzte langsam mehr. „Es ist nicht verkehrt, wenn man nicht gegen seine Familie kämpfen will, oder?“ Er wusste, dass er es niemals wollte, auch wenn er wusste, dass es passieren konnte. Er wusste ja nicht einmal, wann er Iori wiedersehen würde oder ob.
„Mitsu“, startete Yamato, seufzte etwas mehr, „natürlich ist es nicht verkehrt.“
Mitsuki nickte langsam, bevor er wieder mehr zu ihm lächelte. „Keine Sorge, ich weiß, was unsere Verbindung bedeutet. Ich kann dich nicht verraten, Yamato.“
„Willst du wirklich nicht herausfinden, wo sich dein Bruder befindet?“, fragte Yamato nur kurz darauf nach, sah ihn mit einem bedrückten Ausdruck an, „du weißt, dass ich es herausfinden kann.“
Mitsuki schluckte, drehte dann seinen Kopf in eine andere Richtung, sah eher durch das Zimmer. „Ich bin mir sicher“, sagte er leiser, auch wenn er dabei nicht zu seiner Hexe sehen konnte. War er sich sicher? Fühlte er sich nur zu komisch, wenn er daran dachte, dass er ihn wiedersehen konnte, ohne zu wissen, was es bedeutete?
„Sieh mich an und sag mir erneut, dass du dir sicher bist, Mitsu“, sagte Yamato nun deutlich eindeutiger.
Eindeutig zusammenzuckend drehte Mitsuki seinen Kopf wieder zu ihm, bemerkte wie ihn diese grünen Augen so direkt ansahen. Er wusste ganz genau, dass Yamato spüren musste, dass er innerlich nicht komplett sicher war. Auch wenn er niemals bewusst seine Gedanken las. Aber Mitsuki war sich auch sicher, dass er seine Empfindungen gerade nicht vor ihm verstecken konnte.
„Ich ... bin mir sicher, Yamato“, flüsterte er langsam mehr, schluckte ein wenig, „ich will nicht wissen, wo Iori ist, aber ...“, er stoppte, spürte, wie sich Tränen in seinen Augen sammelten, die er kurz mit einem Arm wegwischte, „... ich habe Angst, ihm irgendwann gegenüberzustehen. So ... so wie es Tenn-kun ergangen ist.“
Er wusste, dass es nicht auszuschließen war, weswegen er lieber hoffte, niemals herauszufinden, wo sich Iori befand, um zu verhindern, ihn jemals wiederzutreffen.
Irritierter blinzelnd sah Mitsuki auf, spürte, wie Yamato ihn einfach nur in einer Umarmung festhielt, ohne etwas zu sagen. Es fühlte sich angenehm an und er wusste, dass es normalerweise nichts war, was er wirklich tat, damit sie eine gewisse Distanz zwischen ihnen hielten. Es war auch etwas, was sie nur zuließen, wenn sie komplett unter sich waren und niemand sonst sie sehen oder wahrnehmen konnte.
––––
Ryuu wusste, dass er sich wirklich besser schonte und so wenig bewegte wie möglich. Dennoch konnte er nicht anders, als aufzuschauen, als er etwas in der Nähe wahrnahm, was ihn irritierte.
Er war sich nicht sicher, was es war, aber es fühlte sich so anders an, dass es ihn unruhig werden ließ.
Langsam richtete er sich auf, ignorierte den Schmerz, der kurz darauf durch seinen ganzen Körper zog und dafür sorgte, dass er sich erst einmal an der nächsten Wand abstützen musste. Minami hatte irgendetwas davon gesagt, dass er an einem Flügel verletzt worden war.
Vermutlich war es wirklich keine gute Idee, irgendetwas zu tun, solange seine Hexe nicht zurück war.
Allerdings ließ dieses Gefühl nicht nach, was ihn übermannt hatte, dass irgendetwas außerhalb von Minamis Haus inmitten dieses Waldes war. Hatte sich jemand hierhin verirrt?
Er wusste, wie sehr die Gerüchte dazu herumgingen. Er wusste auch, dass er eindeutig nicht wollte, dass erneut jemand Minami begegnete, auch wenn sich seine Hexe vermutlich über jeden Gast bei ihm freuen würde.
Irritiert schüttelte Ryuu den Kopf, während er eindeutig nicht darüber nachdenken wollte, was er von seiner Hexe erfahren hatte.
Er bewegte sich stattdessen vorsichtig weiter durch die kleine Wohnung, stützte sich nebenbei immer wieder an etwas ab, während er bemerkte, dass er eindeutig Gleichgewichtsprobleme hatte. Vermutlich aufgrund seiner Verletzung an seinem Flügel.
Langsam öffnete er die Tür, sah in die Dunkelheit des Waldes, blinzelte, als er niemanden in der Nähe sah. Hatte er sich das Gefühl eingebildet? Wobei, er konnte immer noch etwas oder jemanden spüren und es irritierte ihn immer noch, weil es sich so seltsam anfühlte.
„Ist hier jemand?“, fragte er in den dichten Wald hinein, während er sich gegen den Türrahmen lehnte, um sich abzustützen. „Brauchst du etwas?“
Ryuu wusste, dass er nicht wirklich nach draußen gehen sollte oder konnte, solange er diese Verletzung hatte. Er hatte viel zu viele Gleichgewichtsprobleme, um überhaupt darüber nachzudenken, weiterzugehen.
Aber er wusste auch, dass er eindeutig etwas oder jemanden spürte.
„Ich habe dir doch gesagt, du solltest dich schonen, Ryuu“, drang Minamis Stimme kurz darauf zu ihm, bevor Ryuu überhaupt realisiert hatte, dass er sich vor ihn bewegt hatte und ihm nun entgegensah.
„Was ... Mina ... wo–“, fing Ryuu überraschter an, als er nur spürte, wie seine Hexe ihn zurück ins Innere schob, was dafür sorgte, dass er ein wenig aufgrund der Schmerzen zusammenzuckte.
„Was machst du hier draußen?“, fragte Minami eher nach, „... und ... was ...“, setzte er danach an, stoppte in der Bewegung, sodass Ryuu seinen Kopf etwas drehte und bemerkte, wie Minami nun eher zurück und durch die noch offene Tür in den Wald sah. „Hmmm.“
„Ich denke, hier ist jemand“, flüsterte Ryuu, drehte sich zu ihm und legte eine Hand auf Minamis Schulter, wenn auch mehr, um sich abzustützen.
„Ja“, erwiderte Minami nur, verengte seine Augen mehr, „diese Aura ... was machst du hier?“
Ryuu zuckte etwas mehr zusammen, weitete seine Augen, sagte allerdings nichts, als er merkte, wie Minami sich eindeutig anspannte und seinen Hexenstab mit einer Hand umklammerte.
„Keine Sorge, ich tue dir nichts“, sagte Minami mit einer so durchdringenden Stimme, dass es Ryuu einen Schauder über den Rücken jagte. Es fühlte sich auch komisch an, wenn er ausgerechnet Minami so etwas sagen hörte. Immerhin wusste Ryuu, wie viele unschuldige Menschen seine Hexe damit zu sich gelotst hatte.
„... Hast du hunger?“, fragte Minami nach einer Weile der Stille weiter, „ich wollte eh was zum Abendessen machen. Du kannst uns Gesellschaft leisten.“
Ryuu blickte einfach nur zu Minami, als sich dieser abdrehte und eher in Richtung der kleinen Küche ging. „Mina?“, fragte er langsam nach.
„Ich mache uns was zu essen. Lass die Tür offen, ich denke, unser Gast braucht noch eine Weile und du solltest dich wieder hinsetzen“, sagte Minami daraufhin, ohne ihn noch einmal anzusehen.
Ryuu sah kurz in die Richtung der offenen Tür, bevor er sich zur Seite bewegte und auf das Sofa rutschte, sich ein wenig entspannte, ohne das ihm zu viel wehtat. „Wer ... ist das?“, fragte er dennoch nach, während er sich sicher war, dass Minami ihn noch hörte. Sie waren schließlich auch nicht so weit voneinander entfernt.
„Wir werden sehen, ob wir das erfahren“, entgegnete Minami nur kurz darauf, „ich fühle nur, dass er skeptisch gegenüber anderen ist.“
Ryuu nickte ein wenig vor sich hin, lehnte sich nach hinten. „Warst du erfolgreich?“, fragte er schließlich nach, um einfach wieder in ein normales Gespräch zu kommen und nicht darüber nachzudenken, wer dort draußen war und sie vermutlich beobachtete.
„Hmmm, ich habe ein bisschen was von Kujou-san erfahren“, entgegnete Minami daraufhin, „wenn deine Verletzung nächste Nacht gut verheilt, kannst du auch wieder zu deinen Freunden.“
Ryuu schluckte, während er darüber nachdachte, dass er sich eindeutig ebenfalls Gedanken machte, was passiert war und ob Gaku und Tenn in Sicherheit waren. „Meinst du nicht, dass es gerade besser ist–“,
„Ich habe das Gefühl, es ist besser, wenn du bei ihnen bist“, unterbrach Minami ihn ernster, „du machst dir Sorgen um sie. Keine Sorge, ich bin mir sicher, ich komme klar und ... Nanase-kun ist vermutlich eher derjenige, den du beschützen solltest.“
Irritiert hob Ryuu seinen Kopf, sah in Richtung der Küchenzeile zu Minami, während er eindeutig verwirrter war. Er wusste, dass er sich Sorgen um Tenn machte, erst recht, nachdem sie so viel erfahren hatten. Allerdings sollte seine Priorität sein, seine Hexe zu schützen. Dass Minami ihm nun extra sagte, dass er eher Tenn schützen sollte, fühlte sich falsch und irritierend an. „Minami–“,
„Ryuu. Ich komme schon klar. Ich bin bisher immer klargekommen und ich weiß, wie ich mich verteidigen muss“, sagte Minami daraufhin ernster, drehte sich kurz zu ihm, „außerdem wenn etwas wäre, spüren wir das gegenseitig.“ Er stoppte einen Moment, kümmerte sich weiter um ihr Abendessen. „Außerdem ist es nervig, wenn ich regelmäßig deine Gedanken höre, wie sehr du dir Sorgen um deine Freunde machst!“
Ryuu sah ihn eindeutig nur überrascht an, bevor er lächelte. Auch wenn er nichts mehr sagte, so hatte er das Gefühl, dass es gleichzeitig ein Vertrauensbeweis war, dass Minami ihm vertraute, dass er bei ihm war, wenn er ihn brauchte. Gleichzeitig allerdings auch akzeptierte, was er mit seinen Freunden hatte. Immerhin waren Gaku und Tenn viel mehr als nur Freunde für ihn.
„Lass uns erst einmal essen“, sagte Minami nach einem weiteren Moment der Stille, ließ drei Teller mit ihrem Abendessen auf den Tisch schweben, bevor er zu der offenen Tür sah, „wenn du was willst, solltest du aufhören, dich zu verstecken. Ryuu tut dir nichts, auch wenn er ein Drache ist.“
„Minami“, brummte Ryuu, verdrehte die Augen, sah dann eher lächelnd zu der Tür, „keine Sorge, niemand hier tut dir was“, setzte er dann an, bewegte sich langsam auf einen Stuhl an dem Tisch zu.
Er war sich nicht sicher, ob er überhaupt erwartete, dass sich diese Person zu ihnen gesellte, nachdem Minami und er sich an dem Tisch niedergelassen hatten. Allerdings sorgte eine leise Stimme dafür, dass Ryuu seinen Kopf wieder zu der offenen Tür drehte.
„Bist du ... eine Hexe?“, kam diese leise Stimme zu ihnen, während an dem Türrahmen vorbei jemand mit klaren, blauen Augen sah, während die Ohren in der Dunkelheit kaum zu erkennen waren und Ryuu sich sicher war, dass er die spitzen, schwarzen Katzenohren nur sah, weil er inzwischen so klar sehen konnte, seit er seine Drachenkräfte erwacht hatte.
„Ich bin eine Hexe“, entgegnete Minami ruhig, „und Ryuu ist mein Partner. Aber wollen wir nicht erst essen, bevor wir weiter reden?“
„Kannst du ... Riku-san helfen?“
„Kannst du ... Riku-san helfen?“
Der bedrückte Tonfall in dieser so leisen Stimme sorgte dafür, dass Ryuu seinen Kopf wieder zu dem Jungen drehte, der immer noch in der Tür stand und sie ansah.
„Wie wäre es, wenn wir erst essen und danach reden?“, entgegnete Minami nur, worauf Ryuu merkte, wie er den anderen ruhiger anlächelte.
Er wusste, dass es vermutlich besser war, wenn sie nach dem Essen in Ruhe redeten. Auch wenn es ihn mehr interessierte, was dieser Junge wusste oder das er Riku kannte.
„Ryuu“, drang Minamis eindeutige Stimme zu ihm, sodass er ihn ansah und nur bemerkte, wie seine Hexe den Kopf schüttelte.
Stattdessen bemerkte er nur, wie dieser Junge still zu ihnen trat und sich auf dem dritten Stuhl niederließ. „Danke ...“
Minami ließ nur kurz die Tür mit seiner Magie zugehen, bevor er ruhiger lächelte. „Du hast in letzter Zeit nicht viel gegessen, hm? Ich bin übrigens Natsume Minami und das ist mein Partner, Tsunashi Ryuunosuke.“
Ryuu nickte ihm kurz zu, bemerkte, wie sich diese klaren Augen kurz auf ihn richteten, bevor er wieder mehr auf seinen Teller sah.
„Izumi Iori“, flüsterte er etwas mehr.
„Wir reden weiter, wenn wir gegessen haben“, sagte Minami daraufhin nur.
––––
Nach dem Essen wechselten sie zu dem Sofa und Ryuu bemerkte nur kurz, wie Minami mit seiner Magie die Verletzung an seinem Flügel überprüfte, bevor er seufzte.
„Es scheint besser zu werden“, flüsterte Minami etwas mehr, rutschte dann auf seinen Sessel, „wie wäre es, wenn du uns etwas mehr erzählst, Iori-kun?“
Dieser nickte langsam, ließ sich ein Stück neben Ryuu auf dem Sofa nieder, bewegte seinen Katzenschweif neben sich, der genauso schwarz wie seine Ohren war. „Riku-san hat mich beschützt, bevor er meinte, dass ich verschwinden soll. Aber ...“,
Ryuu beobachtete ihn einen Moment länger, seufzte dann, als Iori nicht weitersprach. „Du sorgst dich um ihn?“
Iori nickte langsam, sah eher den Boden an. „Riku-san will sterben, um den Plan seiner Hexe zu verhindern. Weil es für ihn keine andere Möglichkeit gibt. Obwohl ...“, er sah langsam auf und eher in Minamis Richtung, „Natsume-san, du bist auch eine Hexe, oder? Kannst du ihm helfen? Kannst du ihn retten?“
Minami sah einfach nur still zurück, während er nicht wirklich eine Regung zeigte. „Eine Bindung zu einer Hexe bedeutet, dass man diese Person beschützen muss, ganz egal vor wem.“
„Mina“, flüsterte Ryuu etwas mehr, auch wenn er genau wusste, worauf Minami hinauswollte. Wenn Riku wirklich eine Bindung zu dieser Hexe hatte, wie konnten sie ihn dann retten?
„Aber ...“, fing Iori an, stoppte, sah einfach nur wieder den Boden vor sich an.
Minami sah ihn einfach nur still und ruhig an. „Sag mir, Iori-kun, sagt dir der Name ‚Haruka‘ etwas?“
Ryuu blinzelte etwas irritierter zu ihm, während er kurz darauf zu Iori sah, der nur verwirrt seinen Kopf anhob.
„Nicht ... wirklich?“, entgegnete Iori eine Spur langsamer.
„Aber du bist eine schwarze Katze und es ist vermutlich kein Zufall, dass wir dich hier gefunden haben“, sagte Minami daraufhin, legte eine Hand an sein Kinn, schmunzelte etwas mehr, „spürst du, dass dich etwas hierhin gelotst hat?“
„Ich ... was?“, fing Iori an, sah eindeutig verwirrter zurück, bevor er ein wenig wieder seinen Kopf senkte, „ich ...“,
Ryuu blickte einen Moment länger zu ihm, bevor er wieder zu Minami sah, eindeutig realisierend, worauf seine Hexe hinaus wollte. Es war das, wieso er damals bei ihm in diesem Wald gelandet war, ohne zu wissen, wieso eigentlich. Damals hatte er zwar noch nicht gewusst, warum, aber er hatte damals so genau gespürt, wie ihn etwas hierhin gezogen hatte.
„Bei Kujou-san lebt ein Junge, eine Hexe, der nach seinem Partner sucht“, sagte Minami ruhig weiter, sah nur kurz in Ryuus Richtung, bevor er seinen Blick wieder auf Iori richtete, „und Kujou-san meinte, dass es eine schwarze Katze ist. Wenn du das Gefühl hast, dass du dorthin gezogen wirst, könnte es sein.“
„Eine ... Hexe?“, fragte Iori nach, sah wieder deutlicher zu Minami, „was meinst du damit?“
Minami schüttelte nur den Kopf. „Ich werde Kujou-san kontaktieren und den Rest sehen wir morgen. Du solltest dich ausruhen. Immerhin hast du bisher viel durchgemacht, Iori-kun.“
„Aber ... was ist mit Riku-san? Wenn wir uns nicht ... beeilen ...“, fing Iori an, kurz bevor er leiser wurde und schließlich einfach zur Seite wegkippte, sodass Ryuu ihn halb auffing, halb auf seinem Schoß bettete.
„Was ... Minami–“, startete Ryuu, bemerkte aber nur, wie Minami ihn ruhiger ansah und sich einen Finger vor die Lippen hielt.
„Es ist besser, wenn er schläft und sich ausruht“, sagte Minami leise, bevor er ihn mit seiner Magie durch das kleine Haus trug.
Ryuu blickte ihm einen Moment hinterher, wartete dann, bis seine Hexe zurückkam.
Nachdem sich Minami neben ihm niederließ, seufzte er etwas mehr. „Iori-kun war die Kreatur, die uns angegriffen hat“, sagte er kurz darauf, ohne eine Emotion, „ich bin mir sicher, dass es nicht normal ist, dass er so aussieht, wenn er sich verwandelt, aber vielleicht ist es, weil er nicht mit seiner Hexe zusammen ist.“
„Du hast ihm nichts getan, oder, Minami?“, fragte Ryuu nach, während er zur Seite sah, in die Richtung, in die Minami vorher mit Iori verschwunden war.
„Natürlich nicht. Er schläft nur“, sagte Minami, seufzte etwas mehr, lächelte ihn dann an, „... außerdem hat Kujou-san mich gebeten, nach ihm zu suchen. Nach Haruka-kun’s schwarzer Katze, meine ich.“
„Bist du sicher, dass er das ist?“, fragte Ryuu nach, legte den Kopf zur Seite.
„Nein“, schüttelte Minami den Kopf, seufzte mehr, „das wissen wir erst, wenn sie sich treffen. Aber das er hierhin gefunden hat, wo dieser Wald die Verbindung zu dem Dorf ist, wo Kujou-san mit Haruka lebt, könnte ein Anhaltspunkt sein.“
„Wir sollten zu ihm und das überprüfen, meinst du nicht?“, fragte Ryuu nach, sah ihn ernster an, „außerdem ... scheint er mehr von Riku-kun zu wissen.“
Minami seufzte nur mehr, lehnte dann seinen Kopf gegen Ryuus Schulter. „Ich werde morgen mit ihm zu Kujou-san gehen. Du gehst zu deinen Freunden zurück. Ich sage dir, wie du dorthin findest“, sagte er dann ruhiger, „und sag Nanase noch nichts davon, dass wir jemanden gefunden haben, der mit Riku-kun in Kontakt war. Ich denke, es ist besser, wenn er noch nichts von Iori-kun weiß.“
„Was? Aber könnten wir nicht–“, startete Ryuu, schluckte dann aber, als er bemerkte, wie Minami ihn aus dem Augenwinkel ansah, „... schon gut. Ich schweige.“
––––
Tenn wusste, dass er etwas tun wollte und nicht länger hier sein wollte, auch wenn er gleichzeitig das Gefühl hatte, dass es sich komisch anfühlte, wenn er daran dachte, was auf sie zukommen würde.
Er wusste auch, dass es nicht das Richtige war, dass er sich den vergangenen Tag fast komplett nur an Gaku gekuschelt hatte und sämtliche Außenwelt ausgeblendet hatte. Es sorgte auch dafür, dass er mehr darüber nachdachte, ob es wirklich richtig war, sich weiterhin bei dieser anderen Hexe einquartiert zu haben. Auch wenn er gemeint hatte, dass sie sich hier aufhalten konnten, um sich zu erholen.
„Wie wäre es, wenn wir zurückkehren, Tenn?“, drang Gakus Stimme zu ihm, während er ihn weiterhin einfach nur in seinen Armen hielt.
Die Frage fühlte sich so aus dem Nichts an, auch wenn Tenn sich denken konnte, dass es damit zusammenhing, dass sein Freund gemerkt hatte, wie aufgewühlt er war.
„Zurück ...?“, murmelte Tenn eher irritierter nach, sah nun mehr in die Augen seines Freundes, rutschte somit etwas mehr so, dass er ihn besser ansehen konnte, „was meinst du?“
„Du fühlst dich unsicher, ob du zu Kujou-san willst, um mehr zu erfahren oder mit dieser ganzen Sache“, erwiderte Gaku ruhiger weiter, „wir könnten sehen, dass wir erst einmal zurück zu unserem Alltag gehen und uns ablenken. Ich denke, es tut dir gut, nicht daran zu denken, und außerdem bin ich sicher, Anesagi fragt sich eh schon, wo wir sind. Wir konnten uns ja nicht einmal bei ihr melden.“
Tenn blinzelte etwas mehr, rutschte nun doch so, dass er sich ein wenig aufsetzen konnte, was dafür sorgte, dass Gaku ihn mehr losließ und ihn einfach nur aus seiner liegenden Position anblickte. „Du willst ... aber was ist mit ... wenn wir ...“, er stoppte, blieb einfach nur auf dem Bett sitzen und sah betrübter vor sich. Was genau wollte er eigentlich?
Er war sich doch auch nicht sicher, ob er gerade zu Kujou-san wollte, um etwas mehr herauszufinden, oder was er tun würde, wenn er Riku erneut so gegenüberstand. Wäre es da nicht besser, wenn sie erst einmal zurückkehrten?
„Ich will, dass du dich beruhigen kannst und entspannst, Tenn“, flüsterte Gaku etwas mehr, streckte seinen Arm zu ihm und berührte ihn am Kinn, „du bist zu aufgewühlt und das würde uns nur schaden.“
„Das klingt nach einer guten Idee, Tenn“, hörte er kurz darauf Ryuus Stimme hinter sich, bevor Tenn bemerkte, wie er ihn von hinten umarmte, „wir müssen nichts übereilen, also sollten wir erst einmal das tun, was wir die letzte Zeit immer getan haben.“
„Ryuu“, murmelte Tenn einen Moment überrascht, auch wenn er sich gleichzeitig wohl dabei fühlte, ihn so nah zu spüren. Seine Augen lagen weiterhin auf Gaku, der für einen kurzen Moment mehr aufsah und eher an ihm vorbei und vermutlich Ryuu musterte.
„Kehren wir zurück. Wenn sich etwas verändert, werden wir es merken“, sagte Gaku daraufhin ruhiger, rutschte ebenfalls ins Sitzen, „und wenn du wirklich bereit bist, können wir immer noch zu Kujou-san, um vielleicht mehr in Erfahrung zu bringen oder herauszufinden, ob es eine Möglichkeit gibt, Riku-kun zu retten.“
„Ja ... vielleicht habt ihr recht“, flüsterte Tenn etwas mehr, lehnte sich einfach nur etwas mehr gegen Ryuu zurück.
––––
Iori war sich nicht sicher, wie er fühlen sollte, als er mit Natsume-san zusammen auf dem Weg war, diese junge Hexe zu treffen, die möglicherweise sein Partner war.
Er war sich auch nicht sicher, ob er überhaupt etwas damit zu tun haben wollte, nach allem, was er von Riku-san mitbekommen hatte. Noch dazu, dass er sich daran erinnerte, wie Riku-sans Hexe ihn angegriffen hatte und bereit war, ihn auszulöschen, wenn Riku-san ihn nicht beschützt hätte. Zumindest war er sich sicher, dass er damals das alles ihm zu verdanken hatte, dass er überhaupt noch lebte.
Langsam blickte er zu dem Gebäude vor sich, welches wohl dieser Magieladen war. Natsume-san blickte einfach nur vor sich und öffnete die Tür, weswegen er ihm still folgte und sich kurz darauf etwas umsah.
Er bewegte seinen Schweif etwas zur Seite, während seine Ohren eindeutig zuckten. Was genau war das? Warum fühlte er sich so komisch, seit sie den Eingang durchschritten hatten?
„Scheinbar hatte ich recht“, flüsterte Natsume-san daraufhin, sah ihn kurz über die Schulter hinweg an, „Haruka-kun ist vermutlich wirklich deine vorherbestimmte Hexe.“
Iori blinzelte etwas überraschter, während er kaum realisiert hatte, dass er nicht mehr komplett in der Realität gewesen war. „Was ... ist das?“, fragte er leise nach, blieb einfach auf der Stelle stehen und ließ seinen Blick durch den Raum gleiten.
„Du hast ihn gefunden, Minami“, drang eine so klare, eindeutige Stimme zu ihm, dass es Iori einen Schauer über den Rücken jagte.
Er wusste, dass Riku-sans Hexe ebenfalls eine gewisse Aura um sich hatte, die dafür gesorgt hatte, dass jeder automatisch zurückgewichen war, aber diese Person fühlte sich noch einmal anders an. Auch wenn Iori merkte, dass es nicht in dem gleichen Maße bedrohlich war.
„Eigentlich hat er eher mich gefunden, Kujou-san“, entgegnete Natsume-san erheiternder, worauf Iori einfach nur irritierter zu ihm blinzelte.
„Er ist eindeutig Harukas schwarze Katze“, sagte Kujou-san daraufhin, während er in ihr Sichtfeld trat. Er wirkte um einiges älter, während er ihn mit diesem Blick ansah, der nur mehr dafür sorgte, dass Iori einfach nur still zu ihm sehen konnte, „und scheinbar hattest du mit Tenn-kuns Zwillingsbruder zu tun.“
Iori zuckte etwas zusammen, weitete seine Augen. „Du weißt davon ...? Was ... wie ...“,
„Es ist schwierig solche Gedanken und Gefühle zurückzuhalten“, entgegnete Kujou-san weiter, „aber erst einmal, mein Name ist Kujou Takamasa. Du scheinst ebenfalls ein paar Fragen zu haben, Iori-kun.“
„Was ... woher ...“, fing Iori an, blinzelte nur mehr, schüttelte dann aber den Kopf, da er sich gleichzeitig denken konnte, dass es für diese Hexe vermutlich einfach war, herauszufinden, wer er war, „ich will ... nur Riku-san retten.“
Kujou-san schmunzelte etwas mehr. „Nanase Riku hat eine Verbindung zu einer Hexe. Es ist fast unmöglich, dieses Band zu brechen.“
„Fast?“, wiederholte Natsume-san etwas überraschter, worauf Iori zu ihm sah und merkte, wie er etwas seine Augen geweitet hatte, „es ist ... unmöglich, oder?“
„Haruka hat die Möglichkeit, wenn er eine Verbindung zu dir herstellt, Iori-kun“, sagte Kujou-san ruhiger weiter, „die Macht einer Hexe mit einer kompletten Verbindung zu einer schwarzen Katze ist nahezu grenzenlos.“
Iori schluckte, sah ihn einfach nur an, bewegte seinen Katzenschweif zur Seite. „Riku-san wird dafür sorgen, dass Tenn-san ihn tötet, damit ... seine Hexe nicht mit diesem Plan durchkommt.“
„Kannst du mir alles erzählen, was du weißt, Iori-kun?“, fragte Kujou-san nach, „und Minami? Übermittel deinem Partner eine Nachricht. Tenn-kun sollte keine Anstalten machen, ihn erneut aufzusuchen. Nicht jetzt.“
Iori nickte langsam, kurz bevor er mit einem Seitenblick zu Natsume-san sah.
„Okay. Ich habe Ryuu eh gesagt, dass er nichts davon erzählen soll, dass wir etwas von Riku-kun wissen“, sagte Natsume-san daraufhin ruhig.
„Das ist gut. Ich bin mir nicht sicher, wie schnell wir wirklich etwas tun können“, sagte Kujou-san ein wenig langsamer, „wir brauchen Zeit, auch wenn hoffentlich nicht allzu viel.“
Tenn war sich nicht sicher, was er fühlen oder wie er reagieren sollte, als er einfach nur fühlte, wie er in eine Umarmung gezogen wurde.
„Ich bin so froh, dass es dir gut geht, Tenn-kun!“, sagte Anesagi-san eindeutig erleichtert, während sie ihn nur langsam losließ, „als ich gehört habe, dass ihr fliehen musstet ...“
„Uh, sorry“, murmelte Tenn, blinzelte irritiert zu ihr, „wir hätten uns gemeldet, wenn wir gekonnt hätten. Aber–“,
„Nicht jetzt“, sagte sie und unterbrach ihn einfach, sah dann an ihm vorbei, „... du hast eine Verbindung zu Tenn-kun hergestellt, Gaku?“
„Es blieb uns nichts anderes übrig“, entgegnete Gaku, seufzte etwas mehr, „ich hätte gerne weiterhin darauf verzichtet.“
„Was?“, blinzelte Tenn zu Gaku und dann zurück zu Anesagi-san, „woher ... ich meine, du weißt ... davon?“
„Ich habe es unweigerlich mitbekommen, weil Gakus Familie ... nein, reden wir nicht darüber“, sagte sie dann, schüttelte den Kopf, „ich bin nur froh, dass es euch gut geht.“
„Ich habe ihr erzählt, dass ich es geheimhalten will, nachdem ich wusste, dass du mein Partner bist, Tenn“, sagte Gaku nun ruhiger, trat zu ihm.
„Wie auch immer, ich bin zumindest froh, dass ihr unverletzt seid und ich mir nicht länger Gedanken machen muss“, sagte sie ruhiger, strahlte eindeutig mehr.
„Es sind ein paar Dinge passiert, aber in erster Linie brauchen wir ein wenig Zeit, uns abzulenken und nicht daran zu denken, was wohl demnächst auf uns zukommt“, sagte Gaku ruhiger weiter, „oder auf Tenn.“
Tenn schluckte, senkte ein wenig seinen Kopf. „Ich bin mir gerade nur so unsicher–“,
„Lass uns nachher alleine reden, Tenn-kun“, sagte Anesagi-san kurz darauf, lächelte ihn ruhiger an, „wollt ihr euch erst einmal ausruhen oder ...?“
„Ich schätze, wir hatten genug Erholung“, murmelte Tenn ruhiger weiter, „und es sorgt nur dafür, dass ich zu sehr darüber nachdenke, was uns erwarten könnte.“
––––
Tenn hatte wirklich nicht darüber nachgedacht, wie sehr ihn dieser Tag befreite und wie wenig er wirklich darüber nachdachte, was sonst gerade alles passiert war. Oder wie sehr er dieses Leben als Idol vermisst hatte, nachdem sie eine unfreiwillige Pause gemacht hatten.
Es sorgte auch nur mehr dafür, dass er merkte, dass er es nicht mehr nur machte, damit er Riku wiederfinden konnte oder etwas von ihm hörte. Es war eher zusätzlich etwas, was ihm neues Leben einhauchte, obwohl er zwischendurch gedacht hatte, dass er es nicht länger genießen konnte.
Eigentlich war der Moment, als er am späteren Nachmittag alleine mit Anesagi-san war, der Moment, wo er wieder darüber nachdachte, was wirklich war.
„Du siehst besser aus als vorher, Tenn-kun“, startete sie, lächelte ruhig, während sie sich durch den kleinen Raum bewegte, in den sie gegangen waren.
„Ich fühle mich auch ... besser?“, murmelte Tenn ein wenig nachdenklicher, während er kaum realisiert hatte, wie viel wirklich durch diesen Tag bereits von ihm abgefallen war.
„Wie geht es dir sonst? Ich meine auch damit, was Gaku und dich verbindet“, setzte Anesagi-san dann an, sah ihn nun eindeutig ernster, wenn auch dennoch ruhig, an.
Tenn schluckte, dachte darüber nach, bevor er eindeutig wieder lächelte. „Mir geht es gut. Immerhin ... es ist nicht so neu zwischen uns und–“, er stoppte mehr, als er merkte, wie Anesagi-san zu ihm getreten war und ihm nun so direkt in die Augen blickte.
„Du weißt, was es bedeutet?“, fragte sie langsamer nach.
„Ja“, murmelte Tenn mehr, blickte weiterhin einfach nur zu ihr zurück, „ich ... ich dachte vorher, ich hasse Hexen, nach diesem Kerl, der mir Riku genommen hat, aber das war bevor ...“, er schluckte etwas, unterbrach sich selbst, legte sich eine Hand auf die Brust, „Anesagi-san? Ich habe das Gefühl, dass da etwas ist, was ich kaum kontrollieren kann und was sich einerseits so fremd und komisch anfühlt, aber gleichzeitig ... es hilft mir, meine Freunde zu beschützen. Ich denke nicht, dass ich das ohne Gaku könnte.“
Anesagi-san nickte langsam vor ihm, lächelte ruhiger. „Ich bin mir sicher, dass es das ist, was ein Teil von dir ist, was überhaupt erst dafür sorgt, dass du diese Verbindung hast.“ Sie seufzte danach etwas mehr, legte eine Hand an Tenns Wange, sah ihn nun eher bedrückter an. „Bitte sag mir sofort Bescheid, wenn es dir deswegen irgendwie nicht gut geht, Tenn. Wirklich, du kannst mit mir reden. Erst recht, wenn es darum geht.“
„Anesagi-san, was ...“, er schluckte kurz, sah etwas zur Seite, bevor er wieder zu ihr sah, „woher weißt du das alles?“
Sie zuckte unmerklich zusammen, auch wenn sich Tenn für einen Moment nicht sicher war, ob er sich das nur eingebildet hatte, weil es so eine minimale Reaktion gewesen war. Allerdings, nachdem Anesagi-san ihre Hand zurückzog und eher etwas zur Seite sah, war er sich auch sicher, dass er es sich nicht eingebildet hatte. „Ich habe ein paar Dinge miterlebt und ich will nicht, dass du das Gleiche durchmachen musst. Es kann so viel verändern, eine Verbindung zu einer Hexe zu haben, auch wenn ... ich weiß, wie eng ihr bereits vorher zusammen ward.“
Tenn blinzelte langsam mehr, sah ihr einfach nur weiter entgegen. „Warum machst du dir nur Sorgen um mich? Ryuu hat ebenfalls–“,
„Ich weiß, dass Ryuu auch eine Verbindung zu einer Hexe hat, aber es ist nicht das Gleiche. Oder sollte ich sagen, es ist eher die Tatsache, was du besitzt und was genau hinter Gakus Familie steckt“, sagte Anesagi-san daraufhin ein wenig seufzender, blickte wieder zu ihm, „aber wir sollten nicht jetzt davon sprechen. Versprichst du mir einfach, dass du etwas sagst, wenn du dich seltsam fühlst? Ganz egal, was.“
Tenn schluckte, dachte darüber nach, dass er immer mehr das Gefühl hatte, dass er wissen wollte, was es war, was sie oder Gaku verbargen, aber gleichzeitig hatte er auch das Gefühl, dass er besser nicht nachfragte. Vielleicht war es auch besser, wenn er es nicht wusste. „Ich ... verspreche es“, flüsterte er dann mehr, während er darüber nachdachte, was er die letzte Zeit alles gefühlt hatte.
Wie sehr er dazu gewechselt war, dass er viel mehr wollte, dass er Gaku und Ryuu beschützte, als das er Riku wieder bei sich haben wollte. Auch wenn er immer noch wollte, dass er von dieser anderen Hexe befreit war, aber inzwischen fragte er sich wirklich, wie sehr sich alles verändert hatte. Rikus Blick damals, als sie sich gegenübergestanden hatten, hatte dafür gesorgt, dass er sich fragte, ob es überhaupt möglich war, ihn so einfach zurückzuholen. Er wollte ihn retten, ganz egal, was er dafür tun musste, aber er wollte auch nicht, dass er dadurch seine Freunde verlor.
Nicht weil er diese Verbindung zu Gaku besaß, die ihn quasi dazu zwang, ihn zu beschützen, mit allem, was er hatte. Eher weil er wirklich nicht wollte, dass ihm – oder Ryuu – irgendetwas passierte. „Ich will Gaku und Ryuu beschützen, ganz egal, wie oder vor was. Nicht weil ich Gakus Partner bin, sondern ... weil ...“, er schluckte, zuckte ein wenig zusammen, merkte, wie Anesagi-san ihre Hände an seine Wangen legte, sodass er wieder mehr in ihr Gesicht sehen konnte.
„Ich bin froh, dass du das sagst und so glücklich, eure Managerin zu sein“, sagte sie dann einfach nur lächelnder.
––––
Haruka wusste, dass er schlafen sollte, aber er konnte nicht, weil er viel zu sehr daran dachte, was ihm am nächsten Tag oder eher Abend bevorstand.
Seit er seine Großmutter verloren hatte, hatte er immer weniger daran geglaubt, dass er jemals wieder wirklich seine Kräfte nutzen würde oder überhaupt mehr erfahren würde.
Nachdem er Kujou-san getroffen hatte, hatte er zwar wieder mehr erfahren, was es bedeutete, diese Kräfte zu haben und das er wohl etwas Besonderes war, wie seine Großmutter ihm erzählt hatte, aber dennoch hatte er in gewisserweise aufgegeben, es wirklich noch einmal richtig zu erleben. Noch dazu, dass er nicht mehr wirklich daran geglaubt hatte, dass er wirklich eine Verbindung zu einer schwarzen Katze hatte, ganz egal, was seine Großmutter ihm erzählt hatte.
„Das ist doch nur ein dämlicher Aberglaube. Hör endlich auf, darüber nachzudenken, dass du etwas Besonderes bist, Haruka!“ Das und anderes war ihm oft genug von Teilen seiner Familie und engen Verwandten erzählt worden, die sich nie darum gekümmert hatten, dass er eine Hexe war oder eine besondere Verbindung haben sollte.
„Du musst daran glauben, Haru-chan“, hallte die Stimme seiner Großmutter in seinem Kopf wider, während er das Gefühl hatte, als wenn er sich geradewegs an ihr strahlendes Lächeln erinnerte, wie sie ihn damals angesehen hatte, „ich bin so stolz auf dich, Haru-chan. Eine Hexe, die eine Verbindung zu einer schwarzen Katze hat, ist so selten, dass viele nicht einmal glauben, dass es existiert.“
Haruka schluckte, drückte die Bettdecke über sich und schloss ein wenig mehr seine Augen, versuchte sich mehr an das zu erinnern, was sie ihm erzählt hatte. Damals war er erst fünf gewesen, aber sie hatte ihn auch viel zu früh alleine lassen müssen. Warum hatte er nur so sehr vergessen, wie sie ihn angestrahlt hatte, dass er nicht mehr wirklich daran geglaubt hatte, diese Kräfte erwecken zu können?
„Ich bin dir nicht böse, Haru-chan.“
Haruka blinzelte seine Augen auf, als er diese so klare Stimme bei sich hörte, die nicht mehr wirklich aus seiner Erinnerung war. Auch wenn er genau wusste, dass es nicht seine Großmutter sein konnte, immerhin war sie gestorben, als er nicht einmal sechs gewesen war.
„Habe ich dich erschreckt, Haru-chan?“
Haruka weitete etwas seine Augen, als er merkte, wie vor ihm eine Art rosa-violetter Nebel auftauchte, während er sich sicher war, dass er wirklich die Stimme seiner Großmutter gehört hatte. Nicht aus seinen Erinnerungen, sondern so direkt bei ihm. Als wenn sie real gerade zu ihm sprach, obwohl das nicht möglich sein sollte.
„Nicht möglich? Du weißt noch, wer wir sind, oder Haru-chan?“, sprach diese Stimme eindeutig kichernder.
„... Oma? Was ... wo ...“, fing Haruka an, blinzelte mehr, setzte sich dann in seinem Bett auf.
„Ich bin immer bei dir, Haru-chan“, sagte sie ruhiger weiter, während der Nebel in dem Zimmer etwas mehr vor ihm war und sich nur leicht bewegte, „aber du hast aufgehört, mich wahrzunehmen, nachdem du aufgehört hast, an deine Kräfte zu glauben oder sie nutzen zu wollen.“
Haruka blickte einfach nur still zu diesem Nebel, bevor er langsam seinen Blick senkte. „Tut mir leid, Oma, ich wollte nicht ... aber ...“
„Ich bin dir nicht böse“, unterbrach sie ihn nur sanfter, „sie haben dir etwas eingeredet. Ich wünschte, ich hätte dir mehr zeigen können, wirklich und ich bin froh, dass du hier gelandet bist. Es gibt keine bessere Hexe, bei der du hättest landen können.“
Haruka schluckte, schüttelte dann den Kopf, lächelte wieder mehr zu ihr. „Du hast mir alles gezeigt, was du konntest, Oma“, sagte er dann und wischte sich kurz über die Augen, „ohne dich hätte ich nie gewusst, was ich überhaupt bin oder kann.“
„Es gibt dennoch noch etwas, Haru-chan“, sagte seine Großmutter ruhiger, diesmal etwas ernster, „ich weiß, ich habe dir gesagt, dass eine Verbindung zu einer schwarzen Katze bedeutet, dass du fast grenzenlose Macht hast, aber gleichzeitig ... dein Partner kann dir schaden, wenn du nicht selbst stark genug bist. Ich denke, Kujou hat dir bereits alles darüber erzählt, aber ich wollte dich auch noch einmal warnen. Ich weiß, dass du stark bist, Haru-chan, ich weiß, dass du es schaffen kannst.“
„Ich ... weiß“, flüsterte Haruka etwas langsamer, legte sich eine Hand auf seine Brust. Er wusste sehr wohl, dass Iori ihm schaden konnte, sobald sie diese Verbindung vollendet hatten, wenn er nicht stark genug war. Selbst wenn er es nicht wollte, es war etwas, was an Haruka lag, ob er den anderen kontrollieren konnte.
„Es gibt noch eine Sache, Haru-chan“, sagte seine Großmutter daraufhin, eindeutig wieder ernster, „sobald es alles funktioniert hat, liegt eine große Verantwortung auf dir.“
Langsam nickte Haruka, sah einfach nur weiter in ihre Richtung. „Ich werde es schaffen. Immerhin bin ich nicht alleine, nicht? Und du bist bei mir, solange ich mich erinnere, wer ich bin, nicht wahr?“
„Natürlich, ich werde immer bei dir sein, Haru-chan“, sagte sie mit einem leisen Lachen, „und vergiss bitte nie, wie stolz ich auf dich bin. Selbst wenn niemand sonst stolz auf dich ist, ich bin es. Ich werde immer stolz auf dich sein, Haru-chan.“
Haruka lächelte nur mehr, nickte langsam eindeutiger. „Ja, ich weiß. Danke.“