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a wonderful dream.

von

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Up on the housetop, reindeer pause.

Robin Nikolaev zog die schweren Vorhänge zur Seite und blinzelte verschlafen in den trüben Wintermorgen hinaus. Eine zarte Schneeschicht hatte sich über den Garten gelegt, und sanfte Flocken tanzten gemächlich in der Luft, als hätte der Tag selbst keinen Grund zur Eile.

Sie stützte sich mit einer Hand am Fensterrahmen ab und lächelte müde. Die Welt draußen wirkte so friedlich, fast wie ein Bild aus einem dieser kitschigen Weihnachtsfilme, die Nami so liebte.

Ein perfekter Tag für Gemütlichkeit, dachte Robin.

Ein Samstag, an dem man im Pyjama bleibt, sich in eine weiche Decke wickelt, einen heißen Kaffee in der einen Hand und ein gutes Buch in der anderen. Der Schneefall draußen war genau die Art von Wetter, das einen dazu einlud, sich zu Hause zu verkriechen und die Welt einfach Welt sein zu lassen.

Doch Robin wusste, dass dieser Samstag alles andere als gemütlich werden würde – für sie.

Ein leises Poltern aus dem Flur riss sie aus ihren Gedanken. Robin drehte sich gerade rechtzeitig um, um Nami hereinkommen zu sehen, die einen riesigen Karton mit der Aufschrift Weihnachtsdeko – Fragil! vor sich her schob. Ihr Gesicht leuchtete vor Begeisterung, und in ihren Augen blitzte der Tatendrang eines Menschen, der eindeutig mehr Energie hatte, als der Tag rechtfertigte.

»Guten Morgen – bist du bereit?«

Nein, wollte sie sagen.

Robin seufzte und zog den Vorhang vollständig auf, als müsste sie sich für einen Moment sammeln. »Für das große Dekorier-Spektakel?«, nuschelte sie. »Gib mir Anlaufzeit … bitte.«

Langsam schlurfte sie runter in die Küche.

Kaffee.

Sie brauchte ihn.

Dringend.
 

»Du bist ja voller Begeisterung«, bemerkte Nami mit einem ironischen Unterton, doch Robin reagierte nicht. Ohne nachzudenken, griff sie nach einer Tasse, stellte sie unter den Auslauf der Maschine und drückte auf die Taste. Der Kaffee lief in einem gleichmäßigen, beruhigenden Strom.

»Das hier ist wichtig«, murmelte Robin und hielt die Tasse wie einen Schatz fest. »Begeisterung braucht Koffein. Lass mir wenigstens den Kaffee, bevor ich mich auf deine Mission einlasse.«

Nami schob inzwischen die erste Kiste voller Weihnachtsdeko in die Küche, warf Robin einen strengen Blick zu, als sie bemerkte, dass sie immer noch im Pyjama saß. »Du weißt schon, dass du dich auch mal anziehen musst, oder? Der Garten schmückt sich nicht von allein!«

Robin zog die Tasse näher an sich, als könnte sie damit Namis Enthusiasmus abwehren. »Nichts auf der Welt schmückt sich so früh am Morgen«, brummte sie. »Eine Tasse. Dann reden wir weiter.«

Nami stemmte die Hände in die Hüften, als hätte sie sich diese Antwort genau so vorgestellt. »Aber wir müssen-«

Robin hob die Hand, um Nami zu unterbrechen, und grinste verschmitzt. »Nami, ich brauche ihn. Für das hier.« Sie machte eine weite Geste in Richtung des mittlerweile anwachsenden Haufens an Lichterketten, Kugeln und Schleifen, die schon auf ihren Einsatz warteten. »Das wird ein Projekt, und Projekte brauchen … Energie.«

Nami zog eine Augenbraue hoch und schnaubte. »In fünfzehn Minuten bist du draußen, Robin. Sonst-«

»Sonst was?« Robin hob ihre Tasse, blickte über den Rand hinweg und grinste sie herausfordernd an. »Willst du mich mit den Lichterketten fesseln und rauszerren? Das möchte ich sehen.«

Nami funkelte sie an, doch ihre Lippen zuckten verräterisch, und schließlich ließ sie mit einem genervten Augenrollen locker. »Unterschätze mich nicht. Wenn es sein muss, mache ich das. Aber ich gebe dir noch dreizehn Minuten. Nicht länger.«

Robin nickte gönnerhaft, nahm einen tiefen Schluck und lächelte. »Das ist großzügig von dir.« Sie lehnte sich zurück und ließ sich Zeit, während Nami bereits im Wohnzimmer auf und ab tigerte, voller Tatendrang.

Robin konnte sich ein kleines Schmunzeln nicht verkneifen. Sie wusste, dass Nami alles daransetzen würde, den Tag in eine Parade aus Lichtern und Dekorationen zu verwandeln. Und, wenn Robin ehrlich war, würde sie sich dem Chaos am Ende sowieso nicht entziehen können.

Aber erst nach dem Kaffee.
 

Robin nahm einen weiteren, genüsslichen Schluck und ließ sich auf dem Küchenstuhl tiefer zurücksinken. Sie spürte Namis Blicke, die sie wie kleine Stiche im Nacken trafen, ignorierte sie aber meisterhaft. Stattdessen zog sie die Tasse näher an sich, als sei sie der Mittelpunkt des Universums.

»Weißt du«, begann sie betont langsam, »es gibt nur wenige Dinge, die ich an einem verschneiten Samstagmorgen wirklich brauche.« Sie drehte die Tasse leicht in ihrer Hand, als würde sie sie wie ein Kunstwerk betrachten. »Kaffee steht ganz oben auf dieser Liste.«

Nami, die sich inzwischen in der Ecke der Küche durch eine Kiste wühlte, hielt inne und warf Robin einen Blick über die Schulter zu. Eine kleine Lichterkette hing ihr halb aus der Kiste, und in ihrer Hand hielt sie zwei Miniatur-Schneemänner. Ihr Ton war eine Mischung aus Belustigung und Warnung. »Du machst das absichtlich, oder?«

Robin hob die Schultern und tat unschuldig. »Absichtlich? Ich? Ich brauche nur meinen Moment der Ruhe, bevor ich mich deinem … wie nennst du es noch gleich? Weihnachtswunderland?« Sie grinste in sich hinein und nahm einen weiteren, übertrieben langsamen Schluck.

»Du brauchst Ruhe?« Nami stemmte die Hände in die Hüften. »Ich gebe dir Ruhe – sobald du draußen bist und mir mit dem Garten hilfst. Die Lichterketten hängen sich nicht von allein auf.«

Robin stellte die Tasse mit einem zufriedenen Seufzen ab und sah Nami mit schmalen Augen an. »Nami, ich bin keine Maschine. Ich muss mich… vorbereiten. Mental. Physisch. Emotional.« Sie zählte die Punkte mit erhobenem Finger auf, was Nami nur zu einem ungläubigen Lachen brachte.

»Emotional? Für ein paar Lichter?« Sie trat einen Schritt näher und beugte sich vor, ihr Gesicht direkt auf Robins Augenhöhe. »Robin, ich gebe dir exakt fünf Minuten, bevor ich Maßnahmen ergreife.«

Robin lehnte sich zurück und legte die Arme hinter den Kopf. »Oh, das klingt ja fast bedrohlich.«

»Pass auf, verspiel es dir nicht«, konterte Nami, ihre Augen funkelten gefährlich. Sie griff nach einer der Kugeln und hielt sie wie eine Waffe in der Hand. »Drei Minuten.«

Robin sah ihr nach, wie sie ins Wohnzimmer verschwand, und schüttelte amüsiert den Kopf. Sie wusste, dass sie das nicht ewig hinauszögern konnte – aber ein bisschen Zeit konnte sie noch herausholen. Sie streckte sich, nahm einen letzten Schluck Kaffee und stand langsam auf, um sich noch eine Tasse herunterzulassen.

»Robin!« Nami rief aus dem Wohnzimmer, und ihre Stimme war deutlich näher an der Grenze zur Ungeduld. »Du füllst deinen Kaffee nach, oder?«

»Natürlich nicht!«, rief sie zurück und grinste, während ihre Hand sank. »Ich mache mich gleich auf den Weg.«

Sie ließ sich jedoch bewusst Zeit, stellte die Tasse sorgfältig in die Spüle, spülte sie aus – ein Schritt, den sie normalerweise überspringen würde – und griff dann gemächlich nach der Küchenrolle, um ein paar unsichtbare Tropfen auf der Arbeitsfläche aufzuwischen.

Kaum hatte sie den Raum verlassen und einen Fuß ins Wohnzimmer gesetzt, wirbelte Nami herum, die Hände in die Hüften gestemmt, eine Lichterkette wie eine improvisierte Schärpe um ihre Schulter gelegt. »Das waren nicht fünfzehn Minuten, Robin. Das waren zwanzig.«

Robin hob eine Augenbraue. »Ach?«

»Das nennt man Verschleppungstaktik«, sagte Nami scharf, konnte sich aber das Lächeln nicht verkneifen. »Und jetzt geh dich anziehen. Sofort.«

Robin stand regungslos da und schürzte die Lippen, als würde sie ernsthaft über die Anweisung nachdenken. Dann wandte sie sich in aller Seelenruhe um. »Na gut, aber nur, weil ich weiß, dass du sonst tatsächlich die Lichterketten gegen mich einsetzen würdest.«

»Du kannst darauf wetten!«, rief Nami ihr hinterher, während sie weiter mit der Deko hantierte.

Robin grinste in sich hinein, während sie in ihr Schlafzimmer schlenderte.
 

Mit verschränkten Armen stand sie da, ihr Blick wanderte langsam vom Dach der Garage zu dem Schlitten mit Rentieren auf dem Boden und dann zurück zu Nami, die unschuldig lächelnd daneben stand. Es war ein Ausdruck puren Unglaubens, der sich schließlich in Worte wandelte.

»Das ist ein Scherz, oder?«, fragte Robin, ihre Stimme trocken wie die Dezemberluft. »Du willst wirklich, dass ich das da – den Schlitten, die Rentiere, alles – aufs Dach bringe?«

Nami nickte fröhlich und trat einen Schritt näher. »Natürlich! Es wird fantastisch aussehen. Der Schlitten auf dem Dach, die Rentiere davor… Es ist perfekt.«

Robin zog die Stirn kraus und deutete mit einer langsamen Bewegung auf das Dach. »Wir reden von unserem Garagendach. Und du willst, dass ich da hochgehe? Mit einem Schlitten und Rentieren?«

»Es wird großartig!« Nami ignorierte Robins skeptischen Ton komplett und legte ihren Charme in die Waagschale. »Stell dir vor, wie die Nachbarschaft reagiert. Es wird ein echter Hingucker.«

Robin seufzte und zog ihre Mütze tiefer ins Gesicht. »Ein echter Hingucker, ja. Und dann bin ich der Hingucker, der vom Dach fällt, weil er einen Schlitten in Position bringen musste.«

»Robin, jetzt übertreibst du«, entgegnete Nami mit einem neckischen Lächeln und trat noch einen Schritt näher. »Du bist vorsichtig, stark und ziemlich clever. Es gibt niemanden, dem ich das eher zutraue.«

»Aha.« Robin legte den Kopf leicht schief und musterte Nami mit einem durchdringenden Blick. »Das ist kein Kompliment. Das ist der Versuch, mich zu manipulieren.«

Nami grinste frech und trat einen Schritt näher. »Und? Funktioniert es?«

Robin ließ die Frage in der Luft hängen, während sie kurz nachdachte. Ihr Blick wanderte zum Garten, der inzwischen aussah, als hätte ein ganzer Weihnachtsmarkt seine komplette Beleuchtung bei ihnen abgeladen. Jede Ecke war geschmückt: leuchtende Figuren, funkelnde Sterne, eine übergroße Schneekugel, Schneeflocken – alles, was der Wahnsinn der Weihnachtszeit hergab, fand sich hier wieder.

Robin seufzte tief und zog ihre Mütze etwas fester ins Gesicht. »Weißt du, Nami, ich habe einen Verdacht. Du hast das hier absichtlich bis zum Schluss aufgehoben, oder?«

Nami zog gespielt überrascht die Augenbrauen hoch. »Ich bin verletzt! Das klingt ja so, als hätte ich einen Plan gehabt.«

»Du hattest einen Plan«, sagte Robin trocken und verschränkte die Arme vor der Brust. »Du hattest Lichterketten, Figuren, den ganzen Vorgarten – und jetzt, nachdem ich stundenlang hier draußen gestanden habe, schickst du mich aufs Dach. Zufall? Wohl kaum.«

Nami zog die Schultern hoch und lächelte unschuldig. »Ich wollte nur sicherstellen, dass du dich warmgelaufen hast.«

Robin schnaubte leise, ihr Blick blieb skeptisch. »Warmgelaufen? So nennst du das? Sag mir: Was mache ich nächstes Jahr? Einen Weihnachtsbaum auf den Schornstein setzen?«

»Nur, wenn du willst«, sagte Nami mit einem Zwinkern. »Aber fürs Erste bleibt es beim Schlitten.«

Robin stöhnte leise, aber ein kleines Lächeln schlich sich auf ihre Lippen. »Du bist unmöglich.«

»Und du liebst mich trotzdem«, sagte Nami, ihre Stimme weich, während sie Robin sanft an den Arm fasste. »Bitte, Robin. Es wird wirklich toll aussehen. Und ich verspreche, danach gibt’s deinen Lieblingskaffee – und eine Massage, wenn du magst.«

Robin warf einen Blick auf die Leiter und dann auf den Schlitten, bevor sie zurück zu Nami sah. »Ich erinnere dich daran … «

»Abgemacht!«, rief Nami lachend und drückte Robin einen schnellen Kuss auf die Wange, bevor sie triumphierend die Leiter festhielt. »Du bist die Beste!«

»Ich bin nicht die Beste. Ich bin ein Narr. Aber wenigstens ein Narr mit einer Massage in Aussicht«, murmelte sie frustriert.
 

Robin stand oben auf dem Dach der Garage, die eisige Winterluft biss in ihre Wangen, während sie den Schlitten mit vorsichtigen Bewegungen an die vorgesehene Stelle rückte. Ihre Hände waren vom Festziehen der Halterungen schon halb taub, aber das störte Nami, die sicher und warm eingepackt unten stand, offenbar nicht im Geringsten.

»Ein kleines Stückchen weiter nach rechts!«, rief Nami von unten und machte eine übertriebene Geste mit den Armen, als würde sie ein Flugzeug dirigieren.

Robin hielt inne und ließ ihren Blick für einen Moment über die schneebedeckten Dächer der Nachbarschaft schweifen. Sie hätte die friedliche, fast magische Stille des Winters genießen können – wenn nicht eine freudestrahlende Freundin unten stehen würde, die jede ihrer Bewegungen kritisch beurteilte.

»Nach rechts?«, rief Robin zurück. »Falls du es nicht bemerkt hast, ich stehe hier auf einer Eisschicht. Wenn ich noch einen Schritt mache, kannst du deinen Schlitten mit mir im Anhang vom Boden kratzen.«

»Sei nicht so dramatisch!« Nami winkte ab und trat einen Schritt näher an die Garage heran. »Es sieht schon toll aus, aber ein kleines Stückchen – nur minimal! – macht den Unterschied.«

Robin warf ihr einen Blick zu, der nur zu gut ausdrückte, was sie von dieser Einschätzung hielt, zog die Halterung noch einmal fest und schob den Schlitten ein paar Zentimeter zur Seite. »Wenn das hier dein Definition von minimal ist, möchte ich nie erleben, was ausführlich für dich bedeutet.«

»Perfekt!«, rief Nami begeistert und klatschte in die Hände. »Jetzt noch die Rentiere!« Robin seufzte tief und griff nach dem ersten Rentier, das sie vorsichtig nach oben zog. »Machst du einen auf Grinch?«, neckte Nami und stellte sich so, dass sie den besten Blick auf Robins Arbeit hatte. »Das sieht gut aus!«

»Was anderes will auch nicht hören«, murmelte Robin seufzend, während sie ein Rentier nach dem anderen mit einer stabilen Klammer sicherte. Hätte sie bloß Franky angerufen, er würde all das mit Kusshand mitmachen. »Die Frage ist, warum ich mich überhaupt darauf eingelassen habe.«

»Weil du mich liebst«, gab Nami prompt zurück und lächelte triumphierend.

Robin, die inzwischen die Position des letzten Rentiers überprüfte, hielt kurz inne, bevor sie resignierend nickte. »HA! Das ist das Problem – ich liebe dich. Wer hätte das gedacht!«

»Begeisterung bringt dich nicht um!«

Mit einem Ruck richtete sich Robin auf, stemmte die Hände in die Hüfte und blickte skeptisch hinunter.

»Fertig?«

»Fürs Erste, ja.«

»Fürs Erste?«, wiederholte Robin skeptisch. »Ich schwöre dir, wenn ich nochmal eine Leiter anfassen muss, binde ich dich mit einer Lichterkette am Schlitten fest.«

All is calm, all is bright.

Nami Lindgren ging die Treppe hinunter, ihre Schritte kaum mehr als ein leises Murmeln auf dem Holz. Die Kälte der Nacht schien noch in den Wänden zu sitzen, doch das war nichts, was sie störte – die Ruhe, die den Morgen umgab, machte alles wett. Es war früher Morgen, und das Haus lag still, wie die Welt draußen, die noch in winterlicher Ruhe verharrte.
 

Als sie durch den Flur ging, hörte sie das sanfte Knistern des Kamins aus dem Wohnzimmer, ein leises, beruhigendes Geräusch, das die Stille durchbrach, ohne sie zu stören. Ihre Füße berührten den Boden mit einem fast unhörbaren Laut, der mit dem gleichmäßigen Klang des Kamins verschmolz. Es war einer dieser Morgen, an denen die Welt zu atmen schien, und Nami ließ sich von diesem Gefühl tragen, während sie Richtung Küche ging.
 

Sie blieb im Türrahmen stehen und ließ ihren Blick durch den Raum gleiten. Die Fenster waren von kleinen Lichterketten umrahmt, deren sanftes Leuchten sich in den frostigen Mustern auf dem Glas brach. Auf der Fensterbank stand ein kleiner, hölzerner Nussknacker, den sie letztes Jahr auf einem Weihnachtsmarkt gefunden hatte. Aber all das, die Dekoration, die Wärme des Raumes, schien für Nami in diesem Moment nebensächlich zu sein.
 

Robin stand mit dem Rücken leicht zu ihr gewandt an der Arbeitsplatte, ihr dunkles Haar locker zu einem einfachen Dutt gebunden. Ein paar Strähnen hatten sich gelöst und fielen sanft über ihre Schläfen und den Nacken. Der weiche, cremefarbene Pullover schmiegte sich lässig an ihre schlanke Gestalt, die Ärmel ein Stück hochgeschoben, sodass ihre schmalen Handgelenke und die präzisen Bewegungen ihrer Hände sichtbar wurden. Mit einer ruhigen, beinahe beiläufigen Eleganz bereitete sie eine Tasse heiße Schokolade zu, als wäre dies eine vertraute, still genossene Routine.
 

Nami lehnte mit verschränkten Armen gegen das Holz und beobachtete. Sahne, Zimt, Marshmallows – alles war dabei, und jeder Schritt schien sorgfältig bedacht, obwohl Nami wusste, dass Robin dieses Getränk hasste. Für Robin war heiße Schokolade eine Tortur, viel zu süß, viel zu reichhaltig. Doch trotzdem machte sie sie für Nami – immer wieder, ohne ein Wort des Widerstands. Es war ein stiller Liebesdienst, ein kleiner, alltäglicher Akt, der mehr sagte als jede große Geste.
 

Namis Blick folgte jeder ihrer Bewegungen. Die Art, wie Robin den Sprühkopf der Sahnedose hielt, wie präzise sie die Marshmallows platzierte, erinnerte Nami an die sorgfältige Aufmerksamkeit, mit der Robin alles tat. Es war, als würde sie nicht nur eine heiße Schokolade machen, sondern einen Moment erschaffen. Nami ließ ihren Blick über Robins Gesicht gleiten, die leichte Konzentration in ihren Augen, die entspannt wirkende Haltung. Sie passte so selbstverständlich in die weiche Atmosphäre um sie herum.
 

Während sie Robin ansah, schlich sich eine Welle von Erinnerungen in ihre Gedanken. Vor einem Jahr hatte all das verloren gewirkt – die Nähe, die Vertrautheit, die ungesagten Gesten, die immer ein Teil ihrer Beziehung gewesen waren. Alles hatte so zerbrechlich gewirkt, wie ein Kartenhaus, das in sich zusammenstürzte. Doch jetzt, in diesem kleinen Moment, wurde Nami klar, wie weit sie gekommen waren. Es war kein einfacher Weg gewesen, aber sie hatten sich wiedergefunden, sich neu kennengelernt. Sie waren stärker zurückgekommen. Und dafür war Nami unendlich dankbar.
 

Robin drehte sich um und hielt die fertige Tasse in den Händen. Ihre Augen trafen sich, und Nami wusste, dass keine Worte nötig waren. Der Blick allein reichte aus – eine stumme Kommunikation, die tiefer ging, als es Worte je könnten. Robin wusste, dass Nami sie beobachtet hatte, wusste, dass sie es länger getan hatte, als notwendig war. Und sie nahm es hin, mit dieser stillen Selbstverständlichkeit, die so typisch für sie war. Wahrscheinlich dachte sie sich ihren Teil, doch das spielte keine Rolle. Sie akzeptierte Namis Blick so, wie er war, und das genügte.
 

Schließlich wurde ihr die Tasse gereicht. Die Wärme der Keramik breitete sich sofort in ihren Händen aus, aber es war mehr als die Hitze der Schokolade, die sie erfüllte. Es war die Wärme dieses Moments, die leise Vertrautheit, die sie zurückgewonnen hatten. Ohne ein weiteres Wort wandte Robin sich ab, nahm ihre eigene Tasse Kaffee und setzte sich zurück auf ihren Platz an der Küchentheke.
 

Namis Blick blieb hängen, wie sie sich hinsetzte, das Buch aufschlug und sich scheinbar in den Zeilen verlor. Ihre Haltung wirkte entspannt, die Beine lässig übereinandergeschlagen, die eine Hand hielt die Tasse, während die andere abwesend über die Buchseiten strich. Robin schien vertieft, völlig in ihre eigene Welt gezogen, doch Nami wusste es besser. Robin nahm alles um sich herum wahr, selbst wenn es nicht so wirkte. Sie spürte die Atmosphäre und sie wusste, dass Nami sie noch immer ansah.

Langsam hob sie die Tasse an die Lippen, nahm einen kleinen Schluck und genoss ihn sichtlich. Sie wusste, dass Robin diese Momente auch spürte, auf ihre eigene, stille Weise. Und es war genau diese Balance, diese still getragene Zuneigung, die Nami jetzt mit Glück erfüllte.
 

Dann endlich galt dem Esszimmer ihre Aufmerksamkeit. Auf dem Tisch stand wartend das Adventsgesteck, das sie gestern noch gemeinsam fertiggestellt hatten und die erste, noch unberührte Kerze lockte. Es war der Beginn der Adventszeit, der nach einem Zeichen verlangte.

Langsam ging sie hinüber, ihre Schritte leise auf dem Holzfußboden. Vorsichtig wurde die Tasse abgestellt, währen sie nach der kleinen Streichholzschachtel griff, die sie schon neben das Gesteck gelegt hatte.
 

Es war immer dieser Moment, der für sie den Weihnachtszauber wirklich entzündete. Die erste Kerze des Advents anzuzünden, war für sie mehr als nur eine Tradition – es war ein stiller Augenblick der Besinnung, ein Zeichen, dass die Magie der Weihnachtszeit nun wirklich begann.

Mit ruhigen Bewegungen zog sie ein Streichholz aus der Schachtel und entzündete es. Das leise Knistern der Flamme durchbrach die Stille, und der kleine Schein warf tanzende Schatten auf den Kranz. Nami hielt das Streichholz an den Docht der Kerze, der kurz flackerte, bevor er sich in einer ruhigen, sanften Flamme stabilisierte. Das Licht schien den Raum zu wärmen, das Gesteck zum Leben zu erwecken.
 

Sie wusste genau, dass Robin sie beobachtete. Robin war in der Küche geblieben, scheinbar vertieft in ihr Buch, doch Nami spürte ihren Blick, auch ohne ihn zu sehen. Es war immer so – Robin war leise, unaufdringlich, aber ihre Aufmerksamkeit war allgegenwärtig. Nami wusste, dass Robin es bemerkte, wie sie diesen Moment genoss, und dass sie ihn ihr auf ihre eigene, stille Weise überließ.
 

Mit einem zufriedenen Lächeln ließ sank sie auf einen der Stühle. Sie winkelte ein Bein an, zog es bequem unter sich, und umschloss die Tasse heiße Schokolade mit beiden Händen. Der süße, warme Duft stieg in ihre Nase, während sie einen kleinen Schluck nahm. Es war, als würde sie mit jedem Atemzug den Frieden dieses Morgens aufnehmen.

Die Stille war perfekt – nicht leer, sondern erfüllt von einem leisen Rhythmus, der den Moment lebendig machte. Das sanfte Knistern des Kamins aus dem Wohnzimmer mischte sich mit dem kaum hörbaren Umblättern der Buchseiten aus der Küche. Und über allem lag Robins stille, aber unmissverständliche Präsenz, eine Vertrautheit, die sich wie ein unsichtbares Band durch den Raum spannte.

Nami schloss für einen Moment die Augen, atmete tief ein und ließ alles auf sich wirken – die Wärme der Kerze, die Süße der Schokolade, das Flüstern des Feuers und das Wissen, dass Robin da war, still und aufmerksam. All das verschmolz zu einer tiefen, unverfälschten Harmonie, die den Morgen vollkommen machte.

Tis the season to be jolly.

Robin Nikolaev stand neben ihrem schwarzen SUV, die Schultern leicht angelehnt, eine Hand um ihren Thermobecher geschlungen, der angenehm wärmte. Sie zog den Schal fester um ihren Hals und atmete tief die schneidende Frische ein.

Die Umgebung war schlicht, funktional – der große Parkplatz eines Baumarkts, dessen grelle Lichter die frostige Nacht durchbrachen. Vereinzelt zogen Kunden mit Weihnachtsbäumen vorbei, das Rascheln der Tannennadeln mischte sich mit den dumpfen Geräuschen von Schritten auf dem harten Boden. In der Ferne leuchteten bunte Lichterketten eines Verkaufsstands für heiße Getränke und Brezeln, während ein Radio in schwacher Qualität Weihnachtslieder spielte.

Robin ließ ihren Blick schweifen, geduldig, aber mit einem Anflug von Erschöpfung in den Augen. Ihr dunkles Haar war zu einem makellosen Pferdeschwanz gebunden, die Strähnen glatt und ordentlich, als hätte sie ihn erst vor Kurzem noch einmal gerichtet. Kein Haar schien fehl am Platz, ein Überbleibsel ihres Tages, der sie durch endlose Meetings und Aufgaben geführt hatte. Sie nippte an ihrem Kaffee, das bittere Aroma drang kurz durch die Kälte und brachte einen Hauch von Energie zurück.

Sie mochte diese frühen Winterabende, auch wenn sie anstrengend waren – die klare Luft, die Menschen, die in dicken Mänteln und mit roten Wangen vorbeiliefen, und die Vorfreude, die selbst in der Geschäftigkeit greifbar war. Trotz der Perfektion ihres Äußeren, die von ihrem Arbeitstag zeugte, war in ihrem Blick eine leise Müdigkeit zu erkennen, die nur die Kälte ein wenig zu lindern schien.

Sie warf einen kurzen Blick auf ihre Uhr. Franky ließ sich Zeit, natürlich. Aber sie hatte es nicht eilig. Die Aufgabe, einen Weihnachtsbaum zu holen, hatte fast etwas Beruhigendes, eine Pause von den langen Stunden und der Gedanken. Sie blies leise durch die Nase aus, ein feines Lächeln schlich sich auf ihre Lippen. Es war eine ironische Mischung aus Amüsiertheit und Resignation.

Ein leises, dumpfes Brummen in der Ferne kündigte ein herannahendes Fahrzeug an. Robin zog die Schultern hoch, nahm einen weiteren Schluck aus ihrem Becher und wartete. Franky war endlich da.

»Robin!«

Die vertraute, dröhnende Stimme hallte über den Platz. Als sie sich umdrehte, tauchte ihr bester Freund zwischen den Reihen auf, in seiner ganzen exzentrischen Pracht.

Franky war groß – nein, riesig – mit breiten Schultern, die problemlos einen Weihnachtsbaum tragen konnten. Sein Outfit passte perfekt zu seiner beeindruckenden Präsenz: eine robuste, dunkle Daunenjacke, die trotz ihrer Größe an ihm fast zu schmal wirkte, mit schwarzen Lederdetails an den Schultern. Darunter trug er ein kariertes Hemd in Rot und Dunkelgrün, das durch den offenen Reißverschluss seiner Jacke hervorlugte. Seine dunkelgraue Jeans war ordentlich, aber an den Knien leicht ausgewaschen, und er hatte robuste, schwarze Stiefel an, die für jedes Wetter geeignet schienen.

Sein Gesicht, markant und voller Leben, wurde von einem breiten Grinsen dominiert, das nie lange verschwinden konnte. Seine Haare standen wie immer in einem perfekt unordentlichen Stil ab, als hätte er genau fünf Sekunden vor dem Verlassen des Hauses mit den Fingern durch sein Haar gefahren – und doch passte es makellos zu ihm.

»Der Verkehr war ein Albtraum, ich sag’s dir!« Er hob eine Hand in einer dramatischen Geste, als hätte er sich gerade durch einen Kriegszustand gekämpft. »Alle scheinen heute unterwegs zu sein. Und dann noch das Gespräch mit diesem Kunden – ich meine, der kann sich einfach nicht entscheiden!« Er schüttelte den Kopf, aber das Grinsen auf seinem Gesicht ließ ihn mehr amüsiert als wirklich genervt wirken.

Als er schließlich vor Robin zum Stehen kam, rieb er sich die Hände aneinander, sein Atem bildete kleine Wolken in der kalten Luft. »Aber jetzt geht’s ums Wichtige!« Seine Augen funkelten begeistert, und er machte eine übertriebene, fast zeremonielle Verbeugung. »Der Weihnachtsbaum. Mit dir den richtigen auszusuchen, das ist ’ne Ehre, Robin. Ehrlich, ich mein das ernst.« Sein breites Lächeln zeigte, dass er es durchaus tat, auch wenn der Ton seiner Stimme typisch übertrieben klang.

Robin hob eine Augenbraue, ihre Mundwinkel zuckten leicht. »Ach, eine Ehre also?«

»Natürlich! Was gibt es Schöneres, als den perfekten Baum zu finden? Mit dir! Das ist Kunst, Robin. Kunst und Präzision!« Er klopfte sich auf die Brust, als ob er sich selbst zum Baumflüsterer ernennen wollte, bevor er abrupt innehielt und sich umdrehte.

»Aber bevor wir loslegen, brauch ich was zu trinken«, erklärte er und nickte in Richtung des kleinen Standes am Rande des Parkplatzes, wo sich ein paar Leute mit dampfenden Bechern versammelt hatten. »Das hier ist schließlich keine Aufgabe für einen dehydrierten Mann! Willst du auch was? Oder bleibst du bei deinem Kaffee?«

Robin schüttelte den Kopf, ihre Stimme trocken. »Geh ruhig, Franky. Ich bin gut versorgt.«

Mit einem Daumen nach oben und einem übertriebenen »Bin gleich zurück!« machte er sich auf den Weg zum Stand, die Hände tief in die Taschen seiner Jacke vergraben, während er in der kalten Luft entschlossen marschierte. Robin sah ihm nach, zog einen Schluck aus ihrem Becher und konnte sich ein leises Lächeln nicht verkneifen. Franky und seine unnachahmliche Art machten selbst den kältesten Abend lebendig.
 

Robin hielt ihren Thermobecher mit beiden Händen umschlossen, der Duft von heißem Kaffee stieg angenehm auf und mischte sich mit der kalten Winterluft. Franky hingegen schwenkte seinen Glühweinbecher wie ein Alchemist, der das Geheimnis eines misslungenen Trankes ergründen wollte. Sein Gesichtsausdruck sprach Bände: purer Widerwillen.

»Das schmeckt, als hätte jemand Traubensaft mit abgestandenem Spülwasser gemischt«, murmelte er schließlich, nachdem er einen kleinen Schluck genommen hatte. Sein Gesicht verzog sich, als würde er gegen einen inneren Würgereflex ankämpfen.

Robin zog nur eine Augenbraue hoch und nahm einen weiteren Schluck aus ihrem Thermobecher. »Niemand zwingt dich, Franky.«

»Natürlich nicht«, erwiderte er mit gespielter Empörung. »Aber es ist Weihnachten. Tradition. Opfern für die Stimmung und so. Ich zieh das durch.«

Mit dramatischer Entschlossenheit setzte er den Becher an die Lippen und nahm einen großen Schluck. Seine Augen weiteten sich leicht, und er hustete leise, bevor er das Gesicht verzog. »Ja, genau, Tradition. Eine Tradition, die meine Geschmacksnerven beleidigt.«

Robin grinste, ihre Augen funkelten vor Belustigung. »Warum trinkst du es dann?«

Franky seufzte schwer und hob den Becher wie ein bitteres Andenken an schlechte Entscheidungen. »Weil ich kein Quitter bin.« Dann setzte er an und würgte den Rest des Glühweins in einem einzigen, heldenhaften Zug hinunter. Als er fertig war, hielt er den Becher triumphierend hoch, bevor er ihn mit einem befreienden Seufzer in den nächsten Mülleimer warf.

Robin warf ihm einen skeptischen Seitenblick zu, zog die Schultern hoch und richtete ihre Aufmerksamkeit wieder auf die Bäume. »Können wir uns jetzt auf das Wesentliche konzentrieren?«

Franky grinste, tat so, als inspiziere er einen Baum, der kaum größer war als ein Gartenzwerg. »Apropos Wesentliches – wie läuft’s eigentlich bei euch? Habt ihr mittlerweile ... dekoriert? Ich meine, Garten, Haus, das ganze Programm?«

Robin blieb abrupt stehen, ihre Augen verengten sich. »Dekoriert?« Sie ließ das Wort einen Moment in der Luft hängen, bevor sie weitersprach, ihre Stimme scharf. »Falls du damit meinst, dass jetzt ein verdammter Schlitten mitsamt Rentieren auf unserem Garagendach steht – dann ja, wir sind dekoriert.«

Franky erstarrte für einen Sekundenbruchteil, bevor er sich betont gelassen abwandte, pfeifend ein Stück weiterging und einen kleinen Ast von einem Baum begutachtete, als wäre er plötzlich ein Experte für Tannenzweige. »Ein Schlitten? Mit Rentieren? Auf eurem Dach? Das ist ja ... kreativ.« Seine Stimme war viel zu beiläufig, um glaubwürdig zu sein.«

»Kreativ. Genau. Weißt du, Franky, ich frage mich, wie Nami überhaupt auf diese Idee gekommen ist.« Und da stand für Robin endgültig fest, wer ihr den Spaß eingebrockt hatte. In dem Moment, indem Franky mit der Zunge schnalzte, einen Baum, der mehr einem Strauch glich, bestätigend zunickte. Eindeutig – er überspielte.

»Nami ist eine Frau mit Geschmack. Das weißt du doch.«

»Natürlich«, sagte Robin ruhig, trat aber näher, ihre Augen prüfend auf ihn gerichtet. »Aber ich frage mich, ob dieser Geschmack nicht von einem gewissen jemandem beeinflusst wurde, der zufällig alles weiß, was es für einen übertriebenen Weihnachtsauftritt braucht.«

Franky kratzte sich übertrieben am Hinterkopf, der Tonfall seiner Antwort plötzlich ein wenig nervöser. »Vielleicht ... hat sie mal was erwähnt. Ganz beiläufig, weißt du?«

»Beiläufig, ja? Und vielleicht hast du ihr beiläufig ein paar Tipps gegeben, wo sie genau das finden könnte? Oder warst du beiläufig sogar dabei, als sie es gekauft hat?«

Er glich einem Kind, das bei frischer Tat ertappt wurde. »Ich wollte nur helfen! Weihnachten soll doch Spaß machen, oder? Und mal ehrlich – ein Schlitten, Rentiere, passende Lichter … das ist pure Freude!«

Robin schüttelte langsam den Kopf, konnte ein leichtes Schmunzeln jedoch nicht unterdrücken. Sie nahm einen weiteren Schluck Kaffee, bevor sie antwortete. »Freude ist ein Wort dafür. Ich nenne es völlig übertrieben. Franky, das Dach unserer Garage sieht aus wie der Weihnachtsmarkt von Disneyland.«

»Und?« Franky zuckte mit den Schultern, sein Grinsen wurde breiter. »Die Nachbarn lieben es bestimmt.«

Robin zog die Augenbrauen zusammen, schüttelte leicht den Kopf und sah ihn an. »Du bist unglaublich. Weißt du das?«

»Natürlich bin ich das«, erwiderte er mit breitem Grinsen. »Und komm schon, sei ehrlich – ein winziger Teil von dir mag es.«

Ihr Blick schweifte über die Tannen. »Vielleicht, aber beim Hausdach hört sich der Spaß auf.«

»Oh, also dafür hätte ich Ideen-«

»Frank«, sprach sie bedrohlich und er hasste, wenn sie ihn Frank nannte. »Der Baum – jetzt.«
 

»Der hier vielleicht?« Robin deutete auf eine Tanne, die gleichmäßig gewachsen war und genau die richtige Höhe für ihr Wohnzimmer hatte.

Franky blieb stehen, legte den Kopf schief und betrachtete ihn mit übertriebener Dramatik. »Null Persönlichkeit«, erklärte er nach einer langen Pause.

Robin stieß einen leisen Seufzer aus. »Er braucht keine.«

»Natürlich braucht er das!« Franky drehte sich zu ihr um und hob die Hände wie eine Dozentin, die eine bahnbrechende Entdeckung verkündete. »Ein Baum muss eine Geschichte erzählen! Denk an Nami. Denk daran, wie sie ihn schmückt. Glaubst du, sie will irgendwas Durchschnittliches? Nein, Robin, dieser Baum muss besonders sein. Für euch beide.«

Robin zog eine Braue hoch. »Für uns beide?«

»Ja, für euch beide. Er muss das Jahr abschließen. Der perfekte Abschluss für alles, was ihr durchgemacht habt.« Er sah sie kurz an, dann wandte er sich wieder den Bäumen zu. »Und wenn ihr dabei einen Baum habt, der annähernd an meinen herankommt, dann wäre das natürlich ein Bonus.«

»Ah, jetzt verstehe ich. Es geht um den Wettbewerb.« Robin grinste leicht. »Du hilfst beim Suchen, aber es darf nichts geben, das besser ist als deiner.«

»Natürlich nicht.« Franky grinste zurück. »Realismus, Robin. Niemand übertrifft mich.«

Mit einem trockenen Lächeln ging sie weiter.
 

»Weißt du«, begann Franky schließlich, seine Stimme plötzlich ungewohnt ruhig, während er vor einem der Bäume stehen blieb. Er legte den Kopf leicht schräg und musterte die gleichmäßigen, dichten Äste, aber es war klar, dass seine Gedanken woanders waren. »Ich bin wirklich froh, dass ihr das wieder hingekriegt habt.«

Robin zog eine Braue hoch und wandte sich ihm zu, während sie beiläufig einen anderen betrachtete, dessen Äste zwar symmetrisch waren, aber eher schmächtig wirkten. »Das klingt ja fast so, als hättest du damit gerechnet, dass wir es nicht schaffen.«

Franky lachte leise, aber es klang ehrlicher als gewöhnlich. »Die Wahrheit? Ja. Letztes Jahr, als alles so … angespannt war, dachte ich, es ist nur noch eine Frage der Zeit. Ihr wart beide so stur, so verdammt festgefahren.« Er hielt inne, seufzte und schüttelte den Kopf. »Aber dann – die Berghütte, die Gespräche, die ihr offenbar geführt habt – und plötzlich war alles anders. Ihr kommt zurück und es war anders … besser. Ich schwöre dir, Robin, ich war so erleichtert!«

Robin hob leicht eine Augenbraue, während sie den Kopf schüttelte. »Das war nicht ganz so plötzlich, wie es vielleicht aussah. Zwischen der Berghütte und dem Zurückkommen lagen Wochen – Monate sogar – in denen wir uns sortieren mussten. Es war keine einfache Sache, alles loszulassen, was uns damals erst in diese Situation gebracht hat.« Sie lächelte leicht, der Hauch eines melancholischen Ausdrucks in ihren Augen. »Aber Nami ist es wert. Und ich glaube, ich bin es für sie auch.«

Franky nickte langsam, als würde er die Schwere ihrer Worte abwägen, bevor er mit einem ehrlichen Lächeln antwortete: »Das klingt genau richtig. Ihr beide seid es wert.«

Robin ließ den Blick über einen weiteren Baum schweifen, der durch seine majestätische Höhe und seine kräftigen Äste hervorstach. »Du magst sie wirklich, oder?«, fragte sie beiläufig, fast wie ein Test, ohne den Baum aus den Augen zu lassen.

Franky lachte wieder, diesmal ein tiefes, warmes Lachen. »Natürlich mag ich Nami! Sie ist stur wie ein Maultier, manchmal ein bisschen schwierig – aber sie ist großartig. Und vor allem – sie macht dich besser.« Er trat einen Schritt näher, schob die Hände in die Taschen seiner Jacke und suchte nach den richtigen Worten. »Robin, ich kenne dich lange genug, um zu wissen, dass du immer schon gut warst. Aber mit Nami? Da bist du mehr … du selbst. Ehrlicher. Offener. Und – was mir besonders gefällt – du lachst. Häufiger. Lauter. Das ist es, was ich an euch beiden so mag.«

Robin wandte sich langsam zu ihm um, verschränkte die Arme und sah ihn mit einem schiefen Lächeln an. »Wirst du gerade sentimental?«, fragte sie trocken, obwohl ein Hauch von Wärme in ihrer Stimme mitschwang.

Er grinste breit und zuckte mit den Schultern. »Vielleicht ein bisschen. Aber komm schon, Robin – es ist Weihnachten! Und was ihr dieses Jahr geschafft habt, ist beeindruckend. Ihr habt nicht aufgegeben. Gib mir diesen Moment.«

Robin schnaubte leise, doch ein ehrliches Lächeln stahl sich auf ihre Lippen. »Nein, wir werden jetzt nicht sentimental. Wir sind hier, um einen Baum zu kaufen.« Sie deutete auf den, der ihr zuvor ins Auge gefallen war. »Schau ihn dir an. Der wäre was, oder?«

Franky zog die Augenbrauen hoch, ging um die Tanne herum und betrachtete sie von allen Seiten. Er strich mit einer Hand über die gleichmäßigen, dichten Äste und nickte schließlich zustimmend. »Ja. Der hat Charakter. Präsenz. Persönlichkeit. Genau das, was ihr braucht.«

Darüber konnte sie nur den Kopf schütteln und murmelte: »Wenn du das sagst.«

Franky ignorierte ihren sarkastischen Unterton und winkte dem Verkäufer energisch zu. »Packen Sie den Baum ein, wir nehmen ihn!«, rief er und sah dabei aus, als hätte er gerade das perfekte Weihnachtsgeschenk gefunden.

In the air there's a feeling.

Nami Lindgren spürte die kalte Abendluft auf ihren Wangen prickeln, während sie Robins Hand hielt und gemeinsam mit ihr in Richtung des Weihnachtsmarktes schlenderte. Schon von weitem konnte sie die glitzernden Lichterketten sehen, die sich wie funkelnde Netze über die schmalen Gassen spannten. Der Duft von Zimt, Glühwein und gebrannten Mandeln lockte sie tiefer in das bunte Treiben, begleitet von leisen Klängen einer Weihnachtsmelodie, die von einem Akkordeon gespielt wurde.

Nami konnte ihre Aufregung kaum verbergen. Es war, als wäre sie wieder ein Kind, das zum ersten Mal in eine zauberhafte Welt eintauchte. Sie drückte Robins Hand ein wenig fester und sah zu ihrer Freundin hoch. Robin wirkte wie immer ruhig, ihre Bewegungen elegant und kontrolliert. Doch da war ein Hauch von Amüsement in ihrem Blick, als sie Nami ansah – ein kleines, vertrautes Lächeln, das ihre Mundwinkel zierte.

»Ich glaube, ich weiß jetzt schon, dass du mich an jeder zweiten Hütte bremsen willst«, sagte Nami grinsend.

»Nur an jeder zweiten?« Robin zog eine Augenbraue hoch.

»Spaßbremse«, erwiderte Nami mit einem gespielt beleidigten Ton, bevor sie ihre Schritte beschleunigte und Robin weiterzog.

Nicht weit von ihr erklang Frankys laute, unverkennbare Stimme: »Oi, Robin! Nami! Hier drüben!«

Nami drehte sich um und warf einen Blick über die Schulter. Da war er, wie immer eine wandelnde Attraktion, in einer schillernden Jacke, die im Licht des Weihnachtsmarktes beinahe blendete. Sein breites Grinsen verriet, dass er jetzt schon bestens gelaunt war – und das, obwohl sie gerade erst angekommen waren. Neben ihm lief Carina, in einen eleganten Mantel gehüllt, den Schal so perfekt drapiert, dass sie selbst inmitten des Markttrubels aussah, als wäre sie aus einem Modemagazin entsprungen. Der leicht genervte Ausdruck auf ihrem Gesicht war unübersehbar, genauso wenig wie der dampfende Becher Glühwein, den sie mit der Gelassenheit einer Frau hielt, die jeden Moment zum letzten Strohhalm greifen würde.

»Wurde auch Zeit – der Kerl raubt mir alle Nerven! Ein großes Kind sondergleichen!«, rief Carina und warf Franky einen scharfen Seitenblick zu.

»Aaaw, du bist so charmant!«, konterte Franky mit übertrieben süßlicher Stimme und einem Grinsen, das ihn noch provokanter wirken ließ.

»Für dich ein Fremdwort«, schoss Carina zurück und nahm einen kleinen Schluck von ihrem Glühwein, ohne ihn aus den Augen zu lassen.

»Zicke!« Franky zog eine Grimasse und streckte ihr frech die Zunge heraus.

Carina schnaubte laut, und Nami, die das Ganze beobachtete, konnte ein Lachen nur mühsam unterdrücken. Diese beiden – sie waren ein unerschöpfliches Schauspiel. Carina, immer spitz und scharfzüngig, hielt Frankys unerschütterlicher Euphorie nicht viel entgegen außer Sarkasmus, und doch schien sie ihn genau deshalb zu ertragen. Franky hingegen wusste genau, wie er sie reizen konnte, und tat es mit einer übertriebenen Leichtigkeit, die beinahe bewundernswert war.

Sie keppelten unentwegt, ein ständiges Hin und Her, das wie ein perfekt inszeniertes Stück wirkte. Feuer und Wasser, und doch passten sie irgendwie zueinander. Es war offensichtlich, dass sie sich gegenseitig auf die Palme brachten – und ebenso offensichtlich, dass sie sich insgeheim doch mochten. Auch wenn keiner der beiden das jemals zugeben würde.
 

»Das wird ein langer Abend«, murmelte Carina, während sie einen kleinen Schluck Glühwein nahm und zu Robin und Nami aufschloss. »Wie hältst du das eigentlich aus, Robin? Zwei Energiebündel, die von Hütte zu Hütte rennen werden, als wäre es ein Marathon, kein Marktbesuch.«

Robin zuckte leicht mit den Schultern, ein sanftes Lächeln schlich sich auf ihr Gesicht. »Man hat mir mal gesagt: Eine glückliche Frau führt zu einem glücklichen Leben. Es ist einfacher, das mit Ruhe zu nehmen. Und Franky?« Sie machte eine kurze Pause, bevor sie trocken hinzufügte: »Er ist … Franky.«

Carina blieb stehen, schnaubte leise und zog eine Augenbraue hoch. »Das ist ja mal Kitsch vom Feinsten.« Sie nippte erneut an ihrem Glühwein, bevor sie mit einem gespielten Schauder hinzufügte: »Vielleicht sollten wir uns rar machen und die zwei Wirbelstürme sich selbst überlassen.«

Robin hob die Augenbrauen, als würde sie ernsthaft darüber nachdenken. »Zwei Stunden? Genug Zeit, damit sie den halben Markt auf den Kopf stellen?«

Carina lachte leise und schüttelte den Kopf. »Oder ihn vollständig aufkaufen.«

Robin hob eine Hand, als würde sie einen Punkt einräumen. »Das klingt plausibel.«

Nami, die das ganze Gespräch still mit angehört hatte, konnte ein Grinsen nicht unterdrücken. Diese beiden – sie waren ein eingespieltes Duo, auch wenn sie es nie zugeben würden. Ihre humorvolle, manchmal spitze Dynamik war immer wieder ein Quell der Unterhaltung. Und dieser Spruch über das glückliche Leben? Den hatten sie letzten Weihnachten gefühlt hundertmal gehört. Aber, wie Nami mit einem kleinen Schmunzeln zugeben musste, entsprach er irgendwo der Wahrheit.

»Ihr wisst schon, dass ich euch höre, oder?«, fragte sie schließlich und drehte sich zu ihnen um, die Arme locker verschränkt.

Robin und Carina sahen sie gleichzeitig an, völlig ungerührt.

»Wissen wir.«

Nami rollte die Augen, ein Lachen in ihrer Stimme. »Gut, denn Weglaufen ist keine Option.«
 

Nami und Franky zerrten Robin und Carina von Stand zu Stand, während die beiden eher widerwillig hinterhergingen. Nami konnte sich vor Begeisterung kaum zurückhalten, und Franky war mindestens genauso energiegeladen. Jede Hütte schien ein neues kleines Abenteuer zu sein, ein Ort voller Schätze, die entdeckt werden wollten. Carina nippte an ihrem Glühwein, während sie Robin hin und wieder einen bedeutungsvollen Blick zuwarf, doch beide ließen sich mehr oder weniger geduldig mitziehen.

An einem Stand mit kunstvoll geschnitzten Holzfiguren blieben Nami und Franky schließlich länger stehen. Die Werke waren beeindruckend – von winzigen Tieren über detailreiche Krippen bis hin zu mechanischen Figuren, die sich durch kleine Hebel in Bewegung setzen ließen. Franky war sofort in seinem Element, während Nami eine geschnitzte Eule ins Auge fiel. Sie hob sie vorsichtig hoch und drehte sie in ihren Händen. Das Holz fühlte sich glatt und warm an, die Flügel waren so fein gearbeitet, dass sie fast lebendig wirkten.

»Die ist wunderschön«, murmelte sie und ließ ihre Finger über die Federn gleiten.

Robin trat leise hinter sie, und Nami spürte ihre Präsenz, bevor sie ihre ruhige Stimme hörte: »Hast du nicht schon mindestens ein Dutzend solcher Figuren?«

Nami neigte leicht den Kopf und brummte abwehrend: »Das ist eine Eule. So eine hab ich noch nicht.«

»Natürlich nicht. Und wo genau willst du die hinstellen? Langsam wird es überfüllt.«

Nami antwortete trocken, ohne die Eule aus den Augen zu lassen: »Ich hätte da noch dein Arbeitszimmer. Da ist eine ganze Wand, die man dekorieren könnte.«

Leicht hob sich ihre Augenbraue, ihre Haltung blieb ruhig, doch ihre Stimme verriet ihre wenig begeisterte Meinung. »Das wird nicht passieren.«

Neben ihnen lachte Franky leise, während er sich selbst in den Holzarbeiten verlor. »Nami, du bist unverbesserlich«, sagte er, ohne von den mechanischen Figuren aufzusehen, mit einem vielsagenden Unterton.

Robin schüttelte leicht den Kopf, beugte sich näher und drückte ihr einen sanften Kuss auf die Wange. »Denk daran, dass unser Zuhause irgendwann überquillt«, sagte sie leise und fügte dann mit einem kleinen Lächeln hinzu: »Ich sehe nach Carina. Sie schaut sich Schals und Mützen an. Das ist etwas weniger riskant.«

Nami sah ihr kurz nach, bevor sie sich wieder zu Franky wandte. Die beiden nutzten die Gunst der Stunde.

»Also, wann kann ich jetzt kommen?«, fragte er leise, sein Ton verschwörerisch. Mit einem Seufzen legte sie die Eule vorsichtig zurück.

»Robin schreibt gerade an einem Artikel und hat angekündigt, dass sie bis mindestens Mittwoch von zu Hause aus arbeiten wird. Ohne Ablenkung, ohne irgendwas.«

»Verdammt!«, murrte er und verzog das Gesicht zu einer Grimasse »Hat sie irgendwas bemerkt? Vielleicht beim Baumkauf? Hab ich mich verraten?«

»Möglich, aber ich glaube nicht.« Nami verschränkte die Arme und seufzte erneut. »Robin nimmt sich das mit dem zurückschalten und sich Zeit nehmen dieses Jahr verdammt ernst. Und genau das macht uns jetzt Probleme.«

Franky grinste schief und zuckte mit den Schultern. »Na, ignorieren wir’s doch einfach und machen es trotzdem. Wenn sie da ist.«

Sofort schüttelte sie den Kopf, ihre Stimme klang ungeduldig. »Nein. Sie würde es sofort unterbinden, und das können wir uns nicht leisten.«

»Mein Gott, dann zieh dir ein sexy Outfit an und verdreh ihr gehörig den Kopf – das verkraftet sie dann schon.«

Nami blinzelte einmal, dann zweimal, bevor sie Franky mit offenem Mund anstarrte. »Franky!« Ihre Wangen wurden augenblicklich warm, und sie schlug ihm spielerisch gegen die Schulter. »Hörst du dir eigentlich selbst zu?« Er lachte laut auf, unbeeindruckt von ihrem Protest.

»Was? Es wäre effektiv und ich erledige meine Arbeit!« Nami verdrehte die Augen und schüttelte den Kopf, konnte sich aber selbst kein Lachen verkneifen.

Ihre Unterhaltung wurde unterbrochen, als sich plötzlich Carina räusperte. Sie stand mit verschränkten Armen ein paar Schritte entfernt, den nächsten Glühweinbecher in einer Hand. »Können wir jetzt endlich weiter?«, fragte sie mit einem provokanten Unterton. »Ich friere mir hier den Arsch ab.«

Neben ihr erkannte sie Robin, mit skeptischem Blick auf sie beide gerichtet, doch blieb sie stumm. Ihr ruhiger, durchdringender Blick ließ Nami jedoch vermuten, dass Robin ahnte, dass sie etwas im Schilde führten.

»Ja, ja, wir kommen schon«, rief sie schnell und wandte sich ab, um den Stand hinter sich zu lassen.

Franky blieb noch kurz zurück. Mit einem breiten Grinsen und einem unauffälligen Blick auf die anderen griff er nach der Eule und kaufte sie, bevor er Nami wieder einholte. »Wir machen’s wie immer«, flüsterte er mit einem verschwörerischen Zwinkern.

Nami grinste. Über die Jahre hatten sie diesen Trick perfektioniert: Franky kaufte, was Nami begehrte, schmuggelte es zu ihr, und irgendwann tauchte es im Haus auf, während Robin sich fragte, wie es wohl dort hingekommen war. Irgendwann würde sie es bemerken – aber bis dahin war die Eule sicher.
 

Der Weihnachtsmarkt endete an einem offenen Platz, der von bunten Lichtern erhellt wurde. Im Zentrum lag eine überraschende Attraktion: eine schneebedeckte Schlittenbahn, die von einem kleinen Hügel hinunterführte. Kinder und Erwachsene rutschten auf Schlitten, Reifen und allerlei abenteuerlichen Konstruktionen lachend und kreischend den Hang hinab. Das Knistern des Schnees und das Lachen der Menschen erfüllten die kalte Nachtluft.

»Das sieht fantastisch aus!«, rief sie und zog Robin leicht am Arm. »Wir fahren ein paar Runden, oder?«

Robins Blick glitt gelassen über die Bahn. Doch Nami erkannte das Funkeln in ihren Augen, das nur sie zu deuten wusste. Robin liebte solche Dinge, auch wenn sie es nicht so überschwänglich zeigte wie Nami selbst oder – offensichtlich – Franky.

»Es sieht vielversprechend aus.«

»Vielversprechend?«, wiederholte Nami lachend und stieß sie spielerisch an. »Musst du untertreiben?«

»Vielleicht.«

Hinter ihnen stieß Carina ein lautes Murren aus.

»Habt ihr euch die mal genauer angeschaut? Der da drüben sieht aus, als hätte er sich was gebrochen!«

»Jammer nicht!«, rief Franky, der schon voran gestürmt war und mit einem Arm voller Schlitten und Reifen zurückkehrte. »Also, wer will was.«

»Ich fasse es nicht«, murmelte Carina, während sie den Schal fester um ihren Hals zog. Ihr Blick wanderte zwischen Robin und Franky hin und her, bis sie schließlich mit gespielter Verzweiflung die Arme hob. »Sag mal, Robin, wo ist deine Vernunft?«

Robin drehte sich leicht zu ihr um, ein Hauch von Belustigung in ihren Augen.

»Hat gerade eine Kaffeepause genommen. Warum?«

Carina starrte sie an, als hätte Robin gerade das Unglaublichste gesagt, bevor sie mit einer dramatischen Geste den Kopf schüttelte. »Verräterin. Absolut.« Unschuldig zwinkerte sie Carina zu.

»Ich nehme es gerne als Kompliment.«

»Hier, nimm den Reifen. Du sollst es doch gemütlich haben«, lachte Franky, er genoss sichtlich den Moment.

»Ich habe keine Worte für euch«, brummte Carina, doch ihre Schritte verrieten, dass sie sich ihrem Schicksal fügte – wenn auch widerwillig.

Während Franky vor ihnen herrannte, fast hüpfend vor lauter Begeisterung, blieb Robin bei Nami stehen. Der Trubel um sie herum schien für einen Moment zu verschwinden, gedämpft von den Lichtern und der leichten Kälte, die ihre Wangen rosig färbte.

»Das macht unser langes Stöbern doch wett, oder?« fragte Nami mit einem schelmischen Grinsen, ihre Augen glitzerten vor Freude.

Robin hob eine Hand, ließ ihre Finger eine lose Strähne aus ihrem Gesicht streichen und lehnte sich näher, bis ihre Stirnen sich fast berührten. »Vielleicht«, murmelte sie leise, bevor sie Nami einen sanften Kuss auf die Lippen drückte.

»Kommt ihr jetzt?« Carina war ein gutes Stück vor ihnen stehengeblieben und schüttelte ungläubig den Kopf. »Das ist ja nicht zu fassen. Franky hüpft da vorne herum wie ein Fünfjähriger, und ihr zwei macht das hier zu einer Szene aus einem kitschigen Liebesfilm.«

Through the years, we will be together, if the fates allow.

Robin Nikolaev lehnte mit der Schulter an der Wand, die Hände entspannt in die Taschen ihrer Hose gesteckt, und beobachtete Nami. Der Nachmittag lag still über dem Haus, das sanfte Licht der tiefstehenden Sonne fiel durch die Fenster und ließ die Dekorationen golden aufleuchten. Die Luft war angenehm warm, erfüllt von dem vertrauten Duft nach Tannengrün, gemischt mit Zimt und den subtilen Orangennoten.

Nami beugte sich leicht vor, eine Hand stützend am Tisch, während die andere ein Streichholz entzündete und es mit Bedacht zur zweiten Kerze am Adventskranz führte.

Die Flamme sprang über, klein, aber lebendig, und Robin beobachtete, wie das warme Licht Namis Gesicht einfing – die zarten Linien ihrer Wangen, den sanften Schwung ihrer Lippen. Ihre Haare fielen ihr leicht ins Gesicht, und Robin bemerkte, wie sie sich eine Strähne hinters Ohr strich, bevor sie das Streichholz vorsichtig ausblies. Der Rauch stieg in zarten Spiralen auf, und Nami verharrte für einen Moment, sah die beiden flackernden Flammen an, wie in Gedanken versunken.

Es gab nur wenige Momente, in denen Robin sich so völlig im Augenblick verlor, und das war einer davon. Sie wusste, dass Nami Weihnachten liebte – nicht die überladenen Aspekte davon, sondern die kleinen Dinge. Den Duft der Tanne. Das Licht der Kerzen. Die leise Musik, die jetzt aus dem Wohnzimmer drang. Es war ein Moment, der wie geschaffen schien, um innezuhalten, und Robin fühlte sich seltsam ruhig, fast demütig, als sie Nami ansah.

Sie war nicht der größte Fan von Weihnachten, nicht so wie Nami. Aber in diesen Augenblicken, wenn alles um sie herum zur Ruhe kam, konnte sie den Zauber dieser Zeit spüren. Es war nicht der Trubel oder die Geschenke, die Weihnachten besonders machten – es waren diese stillen Momente. Die kleinen Dinge, die mit jemandem geteilt wurden, den man liebte.

Robin verschränkte die Arme vor der Brust, ein leises Lächeln zog über ihre Lippen. Sie hatte Nami nie gesagt, wie sehr sie diese Momente schätzte – wie sehr sie sie liebte, vor allem dann, wenn sie so wirkte, als gehöre die Welt ganz ihr. Das Licht der Kerzen tanzte in Namis Augen, als sie sich wieder aufrichtete und sich für einen Moment in den Anblick des Adventskranzes verlor.

»Das war’s«, sagte Nami schließlich leise, mehr zu sich selbst als zu Robin. »Jetzt sind wir bei zwei.«

Robin machte einen Schritt in den Raum, die Hände noch immer in den Taschen. »Wirklich beeindruckend«, sagte sie trocken, aber mit einem leichten Schmunzeln in der Stimme.

Nami drehte sich zu ihr um, ein Hauch von Überraschung in ihrem Blick, bevor ihre Lippen sich zu einem Lächeln verzogen. »Du kannst ruhig zugeben, dass du es magst.«

Robin hob eine Augenbraue und ließ ihren Blick kurz über den Kranz und die brennenden Kerzen wandern. »Es hat was Beruhigendes«, gab sie schließlich zu, lehnte sich mit der Hüfte gegen den Tisch und sah Nami an. »Vielleicht sogar Magisches. Aber verrat das niemandem.«

Nami lachte leise, schüttelte den Kopf und schob sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht. »Dein Geheimnis ist sicher bei mir.«

Sanft ergriff sie Robins Hand und zog sie mit einem Lächeln ins Wohnzimmer. Robin ließ sich ohne Widerstand mitziehen, auch wenn sie insgeheim den Moment genoss, wie Nami in ihrer typisch entschlossenen Art voranging. Der Baum, den Robin am Nachmittag mit einiger Mühe ins Haus gebracht hatte, stand bereits sicher in der Halterung, gerade und stabil. Sie hatte sich viel Mühe gegeben, aber bei Frankys Statur und unverhohlener Begeisterung für solche Arbeiten wirkte das Tragen solcher Kolosse immer müheloser. Robin hatte es trotzdem geschafft, wenn auch mit deutlich mehr Aufwand – den sie natürlich niemandem gegenüber zugeben würde.

Die Tanne war prachtvoll, ein echter Hingucker, und wartete nur noch darauf, in vollem Glanz zu erstrahlen. Robin ließ ihren Blick durch den Raum gleiten, während Nami sich bereits eifrig in einer der Kisten zu schaffen machte. Der Kamin warf ein warmes, goldenes Licht, das die Schatten tanzen ließ, und die leise Weihnachtsmusik, die aus den Lautsprechern erklang, schuf eine friedvolle, fast magische Atmosphäre. Das Wohnzimmer war bereits weihnachtlich geschmückt – die Girlande über dem Kaminsims, die funkelnden Lichterketten am Fenster und die dezenten roten und goldenen Akzente auf dem Tisch und den Regalen. Alles wartete darauf, durch den Baum vervollständigt zu werden.

Robin verschränkte die Arme vor der Brust und lehnte sich leicht gegen die Rückenlehne des Sofas. »Du weißt«, begann sie, ihre Stimme ruhig, »ich hätte kein Problem damit gehabt, wenn der Baum noch ein paar Tage gewartet hätte.«

Nami, die tief in der Kiste nach der Lichterkette wühlte, sah kurz zu ihr auf und hob eine Augenbraue. »Das habe ich mir fast gedacht. Aber das kommt natürlich nicht in Frage.«

Als Antwort schnaubte sie leise und ließ ihren Blick zum Baum zurückwandern. Das Licht des Kamins spiegelte sich auf den dichten, tiefgrünen Zweigen, und sie musste zugeben, dass der Baum wirklich schön war – so perfekt, wie es nur ein Baum sein konnte. Aber während sie ihn betrachtete, glitten ihre Gedanken unwillkürlich zurück zu letztem Jahr.

Der Baum war kleiner gewesen. Viel kleiner. Fast verloren in diesem Raum, und so wenig geschmückt, dass er nicht annähernd wie ein Weihnachtsbaum gewirkt hatte. Es war die Zeit gewesen, in der sie und Nami kaum miteinander gesprochen hatten. Ihre Worte waren ausweichend, ihre Gesten distanziert gewesen. Und Nami, die Weihnachten sonst so liebte, hatte den Baum allein besorgt und geschmückt, als ob es eine Pflichtübung wäre.

Robin spürte einen leichten Stich in der Brust, als sie daran dachte. Es war immer noch seltsam, wie oft sie in dieser Zeit des Jahres an damals denken musste. Es lag wohl daran, dass alles um Weihnachten herum eskaliert war. Streit, Missverständnisse, Mauern, die sie voreinander aufgebaut hatten.

Doch gleichzeitig war es auch eine Erinnerung daran, wie weit sie es geschafft hatten. Ein Jahr später standen sie hier, wieder an dem Ort, an dem sie vor all dem Chaos gewesen waren – wenn nicht sogar stärker. Sie hatten einander zurückgewonnen, Schritt für Schritt, und vielleicht war es genau diese Jahreszeit, die sie daran erinnerte, wie wichtig das war.

Robin schüttelte leicht den Kopf, als würde sie die düsteren Gedanken abschütteln, und richtete ihren Blick wieder auf Nami. Sie war immer noch in der Kiste vertieft, zog schließlich eine Lichterkette hervor und hielt sie mit einem triumphierenden Lächeln hoch.

»Bitte sag mir, dass sie dieses Mal nicht wieder vollkommen verheddert ist.«

»Sie entwickeln ein Eigenleben … ich kann nichts dafür.«

Nami zuckte unschuldig mit den Schultern, ihre Bewegungen ruhig und konzentriert, als sie begann, die Lichterkette zu entwirren. Still beobachtete sie, wie sie es oft tat, wenn Nami so in ihre Arbeit vertieft war. Es war faszinierend, wie geschickt ihre Finger die Knoten lösten, wie sich ein leichtes Lächeln auf ihren Lippen hielt, während sie Stück für Stück Ordnung in das Chaos brachte. Ihr Haar fiel ihr immer wieder ins Gesicht, und sie schob es mit einer beiläufigen Bewegung zurück, ohne den Rhythmus zu unterbrechen.

Robin konnte nicht anders, als sich in diesem Moment in Gedanken zu verlieren. Vielleicht war es genau das, dachte sie, was sie an Nami so liebte. Diese Fähigkeit, selbst inmitten von Durcheinander und Unsicherheiten eine Art von Ruhe und Struktur zu schaffen – Momente, die sich anfühlten, als wäre alles in Ordnung, ganz gleich, was außen herum geschah.

Dann hielt Nami inne, sah auf und begegnete ihrem Blick. Ihre rehbraunen Augen funkelten und für einen Moment schien die Welt stillzustehen. Zwischen ihnen war nichts als dieses Lächeln, warm und offen, ein stilles Verstehen, das keine Worte brauchte.

»Ich hoffe, du bist bereit, zu helfen«, sagte Nami schließlich, ihre Stimme neckisch, während sie die entwirrte Kette hochhielt.

Robin hob eine Augenbraue und grinste schief. »Ich nehme an, ich habe keine Wahl?«

Ein leises Lachen, ein Kopfschütteln. »Nein.«

Kurz darauf legte Nami die fertige Lichterkette auf den Tisch, ihre Finger glitten über die Kabel, um die letzten Knoten zu glätten. Sie hob den Kopf, ihre Augen voller Schalk, und fragte mit gespielt ernster Miene: »Bist du bereit? Mental, physisch, emotional?«

Robin wollte eine spitze Bemerkung machen, doch als sie Nami ansah, schien ihr Herz für einen kurzen Moment auszusetzen. Es war dieser Blick, der alles in ihr durcheinanderbrachte – ehrlich, klar, voller Zuneigung. Sie schluckte leicht und wich dem Ansturm auf ihre Gefühle mit einem winzigen Lächeln aus.

»Immer, Солнышко«, sagte sie schließlich, ihre Stimme weich, aber bestimmt.

Nami lachte erneut, ein zarter, warmer Klang, der den Raum erfüllte und Robin ein kleines Lächeln entlockte. Bevor Robin etwas hinzufügen konnte, trat sie einen Schritt näher, hob eine Hand und legte sie sanft an Robins Wange. Sie hielt kurz inne, als würde sie Robin in sich aufnehmen, bevor sie sich auf die Zehenspitzen stellte und sie mit einem zärtlichen Kuss überraschte.

»Ich weiß«, murmelte Nami, ihre Lippen nur einen Hauch von Robins entfernt, bevor sie sich mit einem letzten Lächeln abwandte und zur Lichterkette griff.

Robin blieb einen Moment stehen, ließ den Kuss und die Wärme von Namis Nähe nachklingen. Dann atmete sie tief durch und setzte sich mit einem kleinen, zufriedenen Lächeln aufs Sofa.

Nami war bereits bei dem Baum, ihre Bewegungen flüssig und konzentriert, als sie begann, die Lichterkette um die Zweige zu legen. Das Licht des Kamins und die ersten sanften Funken der Kette ließen die Nadeln des Baums leise aufleuchten, als ob er langsam zum Leben erwachte.

Robin beobachtete sie aus der Entfernung, die Art, wie Nami den Baum mit so viel Sorgfalt schmückte, als wäre er ein wertvoller Schatz. Die Musik im Hintergrund wechselte zu einem ruhigen Weihnachtslied, das sanft durch den Raum schwebte, und für einen Moment fühlte sich alles vollkommen an.

»Hältst du dich für zu fein, um mitzuhelfen?«, fragte Nami plötzlich über ihre Schulter, ein schelmisches Grinsen auf ihren Lippen.

Sie hob eine Augenbraue, schob sich auf die Beine. »Ich bin die stille Unterstützung, die du brauchst. Motivation durch Präsenz, sozusagen.«

»Motivation, ja?« Nami schüttelte leicht den Kopf, aber ihre Stimme trug ein leises Lachen mit sich. »Ich hoffe, deine Präsenz hilft auch, wenn wir die Kugeln anbringen.«

Robin lächelte, stand schließlich auf und trat langsam zu ihr. »Ich lasse dich nicht im Stich. Nicht beim Baum – und nicht bei dir.«

Nami hielt für einen Moment inne und sah zu Robin, die Hände noch an der Lichterkette.

Let your heart be light.

Nami Lindgren trommelte mit den Fingern auf das Lenkrad ihres Wagens, während sie durch die verschneite Nacht fuhr. Der Scheibenwischer arbeitete unermüdlich, aber der Schnee fiel so dicht, dass die Sicht kaum besser wurde. Halb neun, und sie war immer noch unterwegs. Normalerweise wäre sie um diese Zeit längst zu Hause, wahrscheinlich auf der Couch mit Robin, vielleicht ein Glas Wein in der Hand, eine leichte Unterhaltung oder nur das beruhigende Flackern des Kamins im Hintergrund. Aber dieser Abend war alles andere als normal.

Ihr Handy lag stumm in der Halterung, ein Beweis dafür, wie knapp sie Zeit gefunden hatte, Robin zu informieren. Sie hatte lediglich eine kurze Nachricht geschickt: Es wird später. Weiß nicht, wann ich komme. Es war unpersönlich, fast lieblos formuliert, aber mehr war in diesem Moment nicht möglich gewesen. Jetzt fühlte sie sich leicht schuldig deswegen. Robin machte sich sicher Gedanken.

Nami seufzte und tippte erneut nervös auf das Lenkrad. Die Straßen waren schneebedeckt, der dichte Schnee schluckte jeden Ton, und die Stille, die nur durch das leise Rauschen der Heizung und das gleichmäßige Schaben der Scheibenwischer durchbrochen wurde, trieb sie fast in den Wahnsinn. Sie war extra früher losgefahren, um den schlimmsten Schneefall zu vermeiden. Das war der Plan gewesen. Doch dann war alles anders gekommen.

Ihre Gedanken wanderten zurück zu den letzten Stunden. Eigentlich war sie gut in der Zeit gewesen, der Arbeitstag war stressig, aber überschaubar gewesen. Doch kurz vor ihrem Feierabend hatte sich ihr Weg auf eine Weise gekreuzt, die sie nie erwartet hätte. Es war keine Sekunde, in der sie hätte entscheiden müssen – es war instinktiv gewesen. Und jetzt saß sie hier, immer noch dabei, das Chaos des Nachmittags in ihrem Kopf zu sortieren.

Sie zog ihren Schal enger um den Hals, obwohl die Heizung ihr Gesicht bereits angenehm wärmte. Ihr Blick wanderte kurz zur Beifahrerseite, bevor sie wieder die Straße fixierte.

Der Schnee türmte sich auf den Straßen, die Fahrbahnmarkierungen waren kaum noch zu erkennen. Ein weiterer Grund, warum sie früher zu Hause sein wollte – der Schnee. Sie liebte ihn, keine Frage. Die Ruhe, die er brachte, die Art, wie er die Welt unter einer flauschigen, weißen Decke verschwinden ließ. Aber nicht, wenn sie auf glatten Straßen unterwegs war, auf denen sie sich durch Sichtweiten quälte, die kaum zwanzig Meter betrugen.

Ihre Fingerspitzen trommelten wieder leicht gegen das Lenkrad, diesmal langsamer. Der Schneefall war beruhigend und erdrückend zugleich. Und dann, gerade, als sie sich in die Monotonie des Fahrens verlor, hörte sie es. Ein leises, kaum hörbares Miauen.

Nami hielt inne. Ihr Blick wanderte erneut zur Beifahrerseite, diesmal länger. Die Transporttasche, sicher auf dem Sitz verstaut, rührte sich ein wenig, als das leise Geräusch erneut ertönte.

»Alles okay da drüben?«, fragte sie, als ob die Antwort sie wirklich erreichen könnte.

In der Tasche saß ein kleiner, roter Kater, kaum vier Monate alt, wie der Tierarzt geschätzt hatte. Sein Fell war schmutzig und verfilzt, seine kleinen, spitzen Ohren zuckten hin und her. Er war abgemagert, seine Rippen leicht sichtbar, und doch schien er, trotz seiner elenden Verfassung, unerschütterlich. Müde, aber wachsam, mit diesen großen Augen, die fast zu viel für sein kleines Gesicht wirkten.

»Fast geschafft.« Ein Murmeln mehr zu sich selbst als zu ihm, wobei sie sich wieder auf die Straße konzentrierte. Die Nacht war dunkel und kalt, aber die Tasche neben ihr war warm, und das leise Schnurren, das schließlich erklang, war fast wie ein Versprechen, dass sie das Richtige getan hatte.
 

Langsam fuhr sie die Einfahrt hoch, umklammerte das Lenkrad fester als nötig – ihre Nerven spielten übel mit. Der Schnee fiel in noch dichteren Flocken, bedeckte das Auto und die Auffahrt mit einer glitzernden Decke. Die Scheinwerfer schnitten durch die Dunkelheit, warfen lange, tanzende Schatten auf die Garage. Mit einem leisen Seufzen rollte der Wagen durch das geöffnete Tor, und das vertraute Klicken des Motors ließ die Anspannung in ihrem Rücken nur kurz nach.

Als sie den Motor abstellte, verstummte alles. Die Garage war still, abgesehen von dem sanften Schnurren aus der Transporttasche auf dem Beifahrersitz. Das Geräusch war beruhigend und gleichzeitig ein ständiges, leises Pochen, das sie daran erinnerte, dass dies kein gewöhnlicher Abend war.

Sie lehnte sich in den Sitz zurück, ließ die Hände vom Lenkrad sinken, aber ihr Atem ging noch immer schneller, als sie es sich eingestehen wollte. Robin hat mich gesehen. Nur ein kurzer Blick, aber die Silhouette am Fenster war unverkennbar gewesen. Robin wartete. Und Nami wusste, dass ihre Lebensgefährtin nicht nur neugierig sein würde – sie war niemand, der Unerwartetes einfach hinnahm.

Nami zog den Blick vom Fenster weg und ließ ihn zur Rückbank gleiten. Dort lagen die Ergebnisse ihres überstürzten Einkaufs: eine Katzentoilette, eine Schale, eine Packung Katzenfutter, ein kleines Bettchen, ein paar Spielzeuge – alles, was sie auf die Schnelle finden konnte, um für das kleine Wesen vorbereitet zu sein. Es war chaotisch, improvisiert, und doch fühlte es sich richtig an.

Sie drehte sich wieder zur Tasche, zog den Reißverschluss ein Stück weiter auf und schob vorsichtig ihre Hand hinein. Das warme, raue Fell des kleinen Katers begrüßte sie, und er drückte seinen Kopf gegen ihre Finger. Sein Schnurren verstärkte sich leicht, ein leiser, fast rhythmischer Trost inmitten ihrer flatternden Nerven.

»Na, bist du bereit?«, flüsterte sie, ihre Stimme kaum mehr als ein Hauch. Ihre Finger fuhren sanft über seine Ohren, und er sah sie mit diesen riesigen, runden Augen an, die mehr fragten, als er je aussprechen könnte. Nami lächelte, ein schiefes, unsicheres Lächeln, aber eines, das aus tiefstem Herzen kam.

»Das wird schon«, murmelte sie, diesmal mehr zu sich selbst, während sie sich von ihm löste und langsam die Tür öffnete. Die kalte Luft der Garage schlug ihr entgegen, ließ sie für einen Moment die Schultern hochziehen, aber das leise Schnurren in der Tasche hielt sie auf Kurs.

Sie nahm sie auf, öffnete die Fahrertür vollständig und stieg aus. Einen Moment blieb sie stehen, sah zur Verbindungstür ins Haus. Robin war dort, irgendwo hinter dieser Tür, und wartete. Nami wusste, dass sie erklären musste, was passiert war – und sie hatte keine Ahnung, wie Robin darauf reagieren würde.

»Okay.« Ein tiefes Durchatmen, dann richtete sie sich auf. »Wir schaffen das.« Fast ehrfürchtig schubste sie die Tür auf. Ihr Herz pochte laut in ihrer Brust. Das Schnurren verstummte kurz, als der kleine Kater neugierig den Kopf hob, um die neue Umgebung zu betrachten.
 

Vorsichtig stellte sie die Tasche ab, öffnete sie ein Stück und sah kurz hinein. Zeus rührte sich kaum, sein kleines Gesicht wirkte müde. Mit einer langsamen Bewegung schälte sie sich aus Jacke, Schal und Mütze, ihre Gedanken wirbelten immer noch um den kleinen Kater und die bevorstehende Konfrontation.

Schritte hallten durch das Haus, näherten sich langsam. Robin erschien im Türrahmen, ihre Haltung lässig, aber ihre Augen durchdringend. Sie sagte nichts, ließ ihren Blick jedoch aufmerksam zwischen Nami und der Tasche hin und her gleiten. Eine Spannung lag in der Luft, die Nami unruhig machte. Sie wusste, dass sie sich erklären musste – besser früher als später.

»Es … ist alles gut« begann sie zögerlich, ihre Stimme leiser als beabsichtigt. »Es kam nur etwas dazwischen.«

Ein unmerkliches Heben der Augenbraue war Robins einzige Reaktion. Ihre stille Präsenz fühlte sich fast erdrückend an, als ob sie jede Nuance von Namis Verhalten genau registrierte. Eine kurze Bewegung ihres Kopfes in Richtung der Tasche machte deutlich, dass sie darauf wartete, mehr zu hören.

Mit einem tiefen Atemzug kniete sich Nami langsam hin, öffnete den Reißverschluss der Tasche und griff behutsam hinein. Der kleine Kater blinzelte sie mit schläfrigen Augen an, sein rot-getigertes Fell wirkte im warmen Licht des Flurs fast golden. »Das ist Zeus«, erklärte sie schließlich und richtete sich mit ihm in den Händen auf. »Zeus wohnt ab heute bei uns.«

Ein kurzes Schnurren entwich dem kleinen Körper, während er sich an Namis Handfläche schmiegte. Robin rührte sich nicht, ihre verschränkten Arme und der ruhige Blick machten es schwer, zu erraten, was sie dachte.

»Ich habe ihn heute auf dem Heimweg gefunden«, setzte Nami schnell hinzu, ihre Worte überschlagen sich fast. »Er war allein, mitten auf der Straße. Keine Mutter, keine Geschwister, nichts. Ich habe gesucht, wirklich, aber da war niemand.« Der kleine Kater gähnte, seine winzigen Pfoten bewegten sich leicht, und Nami zog ihn instinktiv näher an sich. »Ich konnte ihn nicht dort lassen. Es hat sich richtig angefühlt, ihn mitzunehmen.«

Ein langsames Nicken von Robin ließ Nami kurz innehalten. Das Schweigen war immer noch da, schwer und doch nicht unfreundlich. »Er war in der Tierklinik. Sie haben ihn untersucht. Er ist hungrig, ein bisschen verwahrlost, aber er wird. Und ich … ich habe alles geholt, was er braucht. Die Rückbank meines Autos ist voll.«

Robin trat schließlich einen Schritt nach vorne, ihre Bewegungen bedächtig, bevor sie an Nami vorbeiging. Ein flüchtiger Blick auf Zeus ließ ihre Lippen kurz zucken, bevor sie zur Garagentür ging. »Warum sagst du nicht gleich, dass du Hilfe beim Tragen brauchst?«, fragte sie ruhig, ein Hauch von Belustigung in ihrer Stimme.

Überrascht von der scheinbaren Leichtigkeit in Robins Antwort, öffnete Nami den Mund, schloss ihn aber wieder. Ihre Gedanken rasten, als Robin sich zu ihr umdrehte und sich leicht zu ihr hinunterbeugte. Der Kuss, den sie ihr gab, war unerwartet, sanft und dennoch voller Verständnis. »Wir beide wissen, dass ich keine Chance habe, dir das auszureden. Und ehrlich gesagt«, fügte sie hinzu, ein leises Lächeln auf ihren Lippen, »ich hätte dasselbe getan.«

Mit einem leisen Lachen auf den Lippen verschwand Robin durch die Tür, und Nami blieb allein mit Zeus in ihren Armen zurück. Der kleine Kater schmiegte sich noch enger an sie, sein leises Schnurren vibrierte gegen ihre Brust, als ob er ihren Herzschlag spüren wollte. Ein sanftes Lächeln breitete sich auf ihrem Gesicht aus, während sie ihre Finger sachte durch sein weiches Fell gleiten ließ.

»Hey, Kleiner«, murmelte sie, ihre Stimme kaum mehr als ein Flüstern, »wir haben es geschafft … ohne Gegenwind.« Ein winziges, fast fragendes Miauen war seine Antwort, und Nami konnte nicht anders, als zu lachen. »Na gut, fast ohne Gegenwind.«

Sie ließ ihren Blick für einen Moment durch den Flur gleiten, in dem die sanfte Beleuchtung einen warmen, beruhigenden Schimmer verbreitete. Alles fühlte sich plötzlich so viel ruhiger an, als ob dieser kleine Kater nicht nur bei ihnen eingezogen war, sondern auch eine gewisse Magie mitgebracht hatte.

»Willkommen zu Hause, Zeus«, flüsterte sie und spürte, wie eine eigenartige Mischung aus Stolz und Erleichterung sie durchströmte. Langsam hob sie den Kopf und lauschte dem leichten Klappern, das aus der Garage kam – Robin war schon dabei, die Einkäufe hereinzutragen.

Zeus' winzige Pfote legte sich sachte gegen ihre Hand, als wollte er ihre Aufmerksamkeit zurück auf sich ziehen. Nami schüttelte lächelnd den Kopf. »Du wirst uns beide ganz schön auf Trab halten, hm?«

He knows when you're awake.

Robin Nikolaev saß auf ihrem Bürostuhl, die Fingerspitzen schwebten über der Tastatur, doch ihr Blick driftete immer wieder von den Worten auf dem Bildschirm ab. Seit Dienstag, seit Zeus bei ihnen eingezogen war, hatte sich ihre Routine grundlegend verändert – oder besser gesagt: sie war ins Chaos gestürzt worden.

Aus dem erschöpften, verwahrlosten Fellknäuel war innerhalb weniger Tage ein energiegeladener Entdecker geworden. Sein Fell, das noch vor Kurzem matt und verfilzt gewesen war, schimmerte nun im Licht, weich und gepflegt. Die großen, braunen Augen, die anfangs müde und leer gewirkt hatten, waren voller Leben, und schienen jeden Winkel des Hauses mit neugieriger Wachsamkeit zu erfassen. Doch mit seiner Genesung kam auch eine neue Dynamik in ihr Leben – eine, die Robin besonders oft zu spüren bekam. Für Zeus war sie nicht nur diejenige, die ihn mit Futter und Streicheleinheiten versorgte. Nein, sie war vor allem eines: eine Leiter.

Kein Möbelstück, kein Regale schienen für den kleinen Wirbelwind so praktisch und zuverlässig wie Robin selbst. Ihre Beine, ihre Arme, ja sogar ihr Rücken waren für ihn bevorzugte Aufstiegsrouten. Lebendig, flexibel, beweglich – genau das, was Zeus für seine Abenteuer suchte.

Als sie dachte, sie könnte vielleicht ein paar Minuten ungestört arbeiten, spürte sie das mittlerweile vertraute Zupfen an ihrer Hose. Der Stoff spannte leicht, als winzige Krallen sich darin festhielten. Robin seufzte tief und blickte nach unten.

Da war er, wie erwartet. Zeus war bereits auf halber Höhe ihres Beins angekommen, die kleinen Pfoten suchten zielsicher nach dem nächsten Halt. Die Entschlossenheit in seinen braunen Augen ließ keinen Zweifel daran, dass er sein Ziel erreichen würde – mit oder ohne ihre Zustimmung.

Mit einem weiteren Satz schaffte er es bis auf ihren Schoß. Kaum hatte er sich dort für eine Sekunde niederlassen, sprang er auf den Schreibtisch, ohne auch nur kurz innezuhalten. Robin lehnte sich zurück und beobachtete, wie er zielstrebig auf einen Stift zuging. Die kleinen Pfoten griffen danach und beförderten ihn mit einem eleganten Schwung auf den Boden.

»Zeus!« Ihre Stimme klang streng, doch der kleine Kater zeigte keinerlei Reue. Stattdessen entdeckte er ein loses Blatt Papier, das er mit einem weiteren Hieb seiner Pfote zur Seite wirbelte. Robin beobachtete ihn, und trotz seines Chaos musste sie schmunzeln. Innerhalb weniger Tage hatte er sich von einem verängstigten Kätzchen in einen Wirbelwind verwandelt – mit einer Vorliebe für alles, was Lärm machte oder sich bewegte.

Als Zeus‘ Aufmerksamkeit schließlich von dem Blatt abließ, suchte er nach einer neuen Herausforderung. Seine Nase zuckte, und Robin erkannte den Moment, bevor es passierte. Seine Augen fixierten ihre Kaffeetasse, die am Rand des Schreibtisches stand. Sie griff geistesgegenwärtig danach, zog sie aus seiner Reichweite und stellte sie auf den Fenstersims.

»Oh nein, das ist nicht für dich«, sagte sie, bemüht, die Tasse weit genug wegzustellen. Doch Zeus ließ sich nicht beirren. Stattdessen stapfte er quer über ihre Tastatur, was den Bildschirm zum Leben erweckte und mehrere Fenster gleichzeitig öffnete. Robin stöhnte und schob die Tastatur ein Stück zurück.

Mit einer schnellen Bewegung griff sie nach ihm, hob ihn hoch und hielt ihn vor sich. Seine winzigen Beine baumelten in der Luft, während er sie mit unschuldigen Augen anstarrte – ein Blick, der deutlich zeigte, dass er sich keiner Schuld bewusst war.

»Okay, Satansbraten«, murmelte sie und zog eine Augenbraue hoch. »Was genau geht eigentlich in deinem Kopf vor? Irgendein Gedanke da oben? Oder pures Chaos?«

Seine Antwort war ein leises Miauen, das fast wie eine Frage klang. Robin schüttelte den Kopf und ließ ihre Augen über das glänzende rote Fell gleiten, über die kleinen, sich leicht bewegenden Pfoten und vor allem über diese großen braunen Augen. Sie seufzte leise und sprach mehr zu sich selbst als zu ihm: »Natürlich. Du hast braune Augen. Und dieses Talent, Chaos zu verbreiten, während du tust, als könntest du kein Wässerchen trüben.«

Ein leises Schnurren entwich seinem kleinen Körper, und schüttelte kaum merklich den Kopf. »Gleiche Hartnäckigkeit, gleiche Frechheit. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass du ebenfalls genau weißt, wie man einen um den Finger wickelt.«

Zeus neigte seinen Kopf leicht zur Seite, als wollte er ihre Worte bestätigen. Dann hob er eine Pfote und zielte zielsicher auf eine lose Haarsträhne, die sich aus ihrem Zopf gelöst hatte. Mit erstaunlicher Zielstrebigkeit schnappte er danach, wickelte die kleinen Krallen hinein und begann neugierig daran zu ziehen.

»Weißt du was?«, sagte sie schließlich und stand auf. »Ich glaube, wir hören für eine Weile auf.« Zeus schnurrte lauter, als hätte er die Mission erfolgreich abgeschlossen, und Robin griff nach ihrer Kaffeetasse, bevor sie mit dem kleinen Wirbelwind im Arm nach unten ging. »Zeit für eine Pause – und was zu essen. Für uns beide.«
 

Ihr Blick zwischen dem Bildschirm, verstreuten Büchern und ihren Notizen hin und her. Nach dem Mittagessen hatte Zeus, wie erwartet, den Schlaf der Gerechten angetreten. Er lag zusammengerollt auf seiner Decke in einem der Sessel und schnarchte leise. Robin hatte die Verschnaufpause genutzt und die Arbeit ins Esszimmer verlagert. Es war der einzige Weg, ihn im Auge zu behalten und trotzdem ein wenig produktiv zu sein.

Die Stille war beinahe magisch. Sie konnte sich tatsächlich auf ihre Gedanken konzentrieren. Robin war dankbar für die Ruhe, die dieser kleine Wirbelwind ihr momentan gönnte. Sie kam tatsächlich voran – alles lief wie am Schnürchen. Doch irgendwann bemerkte sie eine kleine Bewegung aus dem Augenwinkel.

Zeus.

Der kleine Kater hatte sich ausgiebig gestreckt, seine winzigen Pfoten ausgebreitet und gähnte herzhaft. Robin beobachtete, wie er langsam aufstand, die Augen halb geschlossen, und über den Boden tappte. Mit jedem Schritt wirkte er wacher, seine Bewegungen gezielter. Sie schloss die Augen kurz und seufzte tief. Der friedliche Moment war offiziell vorbei.

»Na, bist du wieder fit?« Ihre Worte waren leise, fast an sich selbst gerichtet, doch Zeus reagierte nicht. Seine Aufmerksamkeit galt der kleinen Spielzeugmaus, die er zuvor ignoriert hatte. Jetzt hob er sie mit einer Pfote auf, schnupperte daran und begann, sie mit kräftigen Hieben quer durch das Wohnzimmer zu befördern. Robin versuchte, ihre Konzentration zu behalten, wusste jedoch, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis das Chaos zurückkehrte.

»Warum nicht«, murmelte sie und schüttelte den Kopf, als Zeus mit einem energischen Schlag die Maus unter das Sofa katapultierte. Das leise Geräusch des Aufpralls ließ ihn innehalten. Er tapste neugierig näher und versuchte, seinen Kopf unter das Möbelstück zu schieben, aber das Sofa war zu niedrig. Sein Schwanz peitschte nervös hin und her, während er immer wieder versuchte, mit seinen Pfoten die Maus zu erreichen. Ohne Erfolg.

Dann kam das Miauen.

Robin hob langsam den Kopf, ihr Blick wanderte zum Wohnzimmer, wo Zeus vor dem Sofa saß, und verzweifelt starrte. Seine Stimme war erst leise, dann fordernder. Sie lehnte sich im Stuhl zurück, verschränkte die Arme und beobachtete ihn. »Das musst du schon selbst hinbekommen, mein Kleiner. Ich bin hier nicht die Servicekraft für verirrte Spielzeuge.«

Zeus drehte den Kopf und sah sie an.

Dieser Blick.

Robin schloss die Augen und stieß ein leises Lachen aus. »Satansbraten«, nuschelte sie beim Aufstehen.

Mit langsamen Schritten näherte sie sich ihm, ließ sich in die Hocke sinken und betrachtete ihn eine Weile. Seine großen, braunen Augen waren fest auf sie gerichtet, ein unschuldiger Mix aus Erwartung, Überzeugung und diesem unverkennbaren Ich brauch dich, bitte hilf mir, du kannst es mir sowieso nicht abschlagen-Blick.

»Selbst ist die Katze.«

Er ließ ein weiteres Miauen erklingen, diesmal noch verzweifelter, und Robin stöhnte leise. Natürlich würde sie es holen. Mit einem Knie ging sie zu Boden und schob die Hand unter das Sofa und tastete nach der verlorenen Beute.

»Dramaqueen.« Ihre Worte klangen belustigt, fast resigniert, während sie schließlich die kleine Stoffmaus zwischen den Fingern spürte und sie hervorholte. Mit einem leichten Schwung hielt sie sie Zeus hin. »Hier, dein Schatz. Zufrieden?« Zeus schnappte sich die Maus mit einem kurzen Satz, stolzierte davon wie ein König, der gerade seinen Thron zurückerobert hatte.

Robin ließ sich schließlich mit einem leisen Seufzen auf den Boden sinken, lehnte sich gegen das Sofa und zog die Beine an. Für einen Moment schloss sie die Augen, lauschte dem leisen Scharren von Zeus’ Spielzeug über den Boden und fühlte die Ruhe, die sich in den Raum gelegt hatte – zumindest für einen Augenblick.

Ein flüchtiger Gedanke brachte sie dazu, auf ihre Armbanduhr zu blicken. Die Zeiger verrieten ihr gnadenlos, dass es noch eine ganze Weile dauern würde, bis Nami zurück war. Ihre Finger strichen über das Ziffernblatt, als ob das die Zeit beschleunigen könnte, aber es änderte nichts.

Zeus, der mit seiner Maus triumphierend ein paar Meter entfernt saß, drehte den Kopf zu ihr und beobachtete sie, als hätte er genau verstanden, was sie dachte. »Wenigstens einer hat Spaß«, sagte sie, halb zu ihm, halb zu sich selbst, bevor sie sich zurücklehnte und einen Moment lang die Ruhe genoss – oder besser gesagt, das, was er ihr gönnte.
 

Die Tür öffnete sich, und vertraute Schritte hallten durch den Flur. Ein breites Lächeln umspielte Robins Lippen, als sie Namis Stimme hörte, die voller Energie und Wärme das Haus erfüllte. Die Tasche landete mit einem dumpfen Plumps auf dem Boden, und die Jacke folgte in einem halbherzigen Wurf auf den Haken. Noch bevor Robin etwas sagen konnte, eilte Nami ins Wohnzimmer.

Mit einem freudigen Aufschrei beugte sie sich über Zeus, der sich wie ein König auf dem Sofa ausgestreckt hatte. »Oh, mein kleiner Schatz! Hast du mich vermisst? Natürlich hast du das!« Ihre Hände griffen ihn sanft, aber bestimmt, und hoben ihn hoch. Der Kater strampelte kurz, wie um seine Unabhängigkeit zu demonstrieren, bevor er schließlich in der Umarmung nachgab. Sein Schnurren erfüllte den Raum, leise, aber zufrieden.

Robin lehnte sich mit verschränkten Armen an den Türrahmen und beobachtete die Szene. Es war fast, als hätte Zeus die vergangenen Stunden, in denen er ihr Büro zur persönlichen Spielwiese erklärt hatte, vergessen. Der kleine Satansbraten mutierte in Namis Armen zum reinsten Engel, eine Show, die Robin nur zu gut kannte. »Natürlich«, bemerkte sie trocken, ein Anflug von Belustigung in ihrer Stimme.

»Das nennt man Liebe«, konterte Nami mit einem schelmischen Lächeln und stupste Zeus spielerisch mit der Nase an. »Er weiß einfach, wer ihn wirklich verwöhnt.«

Ein leises Schnauben entkam Robin. »Oder wer sich besser täuschen lässt.«

»Vielleicht bist du nicht charmant genug.« Mit einem triumphierenden Grinsen zog Nami Zeus näher an sich, während dieser mit geschlossenen Augen schnurrte, als wäre die Welt ein perfekter Ort. »Siehst du das nicht? Er ist ein Engel.«

»Engel, ja«, antwortete Robin, der Sarkasmus unüberhörbar. »Ein Engel, der heute mehrfach versucht hat mein Büro zu verwüsten – oh, und mit dem restlichen Haus fange ich gar nicht erst an.«

Nami kicherte leise, während Zeus seinen Kopf an ihre Wange schmiegte. »Er lebt sich ein.«

Mit einem Schritt trat Robin näher, ihre Hand legte sich kurz an Namis Taille, bevor sie ihr einen Kuss auf die Lippen drückte. Ein leises Seufzen folgte, während sie zur Treppe deutete. »Ich brauche jetzt eine Pause. Stille. Keine Ablenkung. Und vor allem keinen pelzigen Unruhestifter.«

Nami hob theatralisch eine Hand zum Schwur, während die andere auf ihrer Brust lag. »Verständlich. Ich verspreche feierlich, dir deine Ruhe zu bewahren.«

Ein leises Lachen entkam Robin, als sie den ersten Schritt auf die Treppe setzte. Doch noch bevor sie den Flur vollständig verließ, hörte sie Namis Worte. »Sie mag dich. Auch wenn sie es nie zugeben würde.«

Sie hielt inne, lehnte sich einen Moment lang gegen das Treppengeländer und warf einen Blick zurück. Im Wohnzimmer saß Nami auf dem Sofa, Zeus ausgestreckt auf ihrem Schoß. Ihre Finger glitten sanft durch sein Fell, und das Lächeln auf ihrem Gesicht strahlte Ruhe und Glück aus.

Es war dieser Moment, der den Trubel des Tages in den Hintergrund rückte. Mit einem leisen Seufzen richtete sie sich auf und ging schließlich nach oben.

Let nothing you dismay.

Nami Lindgren zündete die drei Kerzen an. Die Flammen züngelten zaghaft, als ob sie die stillen Momente, die der Morgen mit sich brachte, erst begreifen müssten. Fast ehrfürchtig ließ sie das Streichholz erlöschen und genoss den warmen, goldenen Schimmer, der sich über das Adventsgesteck legte. Jeden Sonntag im Advent war dieser Augenblick ihr liebster—eine kurze Pause von allem, ein Innehalten, das sie selbst nicht ganz erklären konnte.

Ihre Aufmerksamkeit glitt von den Kerzen hinüber durch den offenen Durchgang in die Küche. Robin stand dort, in ihrem ruhigen, fast meditativen Rhythmus, während sie das Frühstück vorbereitete. Ihr schwarzes Haar fiel ihr leicht über die Schulter, doch es schien sie nicht zu stören. Zeus, der kleine Kater, hatte es sich offensichtlich zur Lebensaufgabe gemacht, Robin als persönliche Kletterwand zu nutzen. Mit der Beharrlichkeit eines Entdeckers arbeitete er sich von ihrer Hose langsam den Rücken hoch. Seine winzigen Krallen fanden Halt, wo er ihn kaum zu suchen schien, bis er schließlich auf ihrer linken Schulter ankam, wackelig, aber zufrieden.

Robin hielt inne. Ihre Schultern strafften sich leicht, ein kurzes Zucken des Körpers verriet den Reflex, der sich unterdrückt hatte. Ihre Hand verharrte mit dem Schneidemesser über einem Stück Brot, die Kiefer angespannt, als würde sie den unerwarteten Schmerz ignorieren. Nur ihre Augen sprachen, als sie den Kopf leicht zur Seite neigte und Zeus ansah, der nun wie ein kleiner König von seiner neuen Plattform aus, die Küche überblickte. Das schwache Spiel eines amüsierten Lächelns um ihre Lippen verriet, dass sie dem Kater widerstandslos die Rolle zugestand, die er sich genommen hatte.

Ihre Blicke trafen sich. Ohne Worte tauschten sie einen Moment aus, der sanft und vertraut wirkte, so als sei das hier, in dieser kleinen Szene voller Alltäglichkeit, alles, was wirklich zählte. Für Zeus war Robin eine Leiter und zugleich eine Aussichtsplattform. Für Nami war es einer dieser Augenblicke, die alles für einen Moment stillstehen ließen.

Ein Blick zurück auf das Gesteck lenkte sie wieder zu den Kerzen. Drei brannten heute. Drei wie der dritte Advent. Drei wie die Wochen, die hinter ihnen lagen, seit sie das Gesteck aufgestellt hatten. Und drei, so dachte sie, wie die Leben, die gerade ihren Weg miteinander teilten - sie selbst, Robin, und Zeus, der kleine Findling, der vor knapp einer Woche in ihr Leben gestolpert war. Ein wärmendes Gefühl durchzog sie. Die drei Kerzen flackerten leicht, als hätte auch der Morgen verstanden, was sie dachte.
 

Das leise Klirren von Geschirr und Besteck begleitete Bellemeres fröhliche Stimme aus dem Lautsprecher des Telefons. Der Vormittag schien endlos friedlich, als die Schranktüren rhythmisch auf- und zugingen, während Nami die Spülmaschine ausräumte. Bellemere erzählte begeistert von ihrer Kreuzfahrt - zwei Wochen Sonne, Meer und sogar ein Tanzkurs, an dem Genzo wider Erwarten mitgemacht hatte. Ein Bild formte sich vor Namis innerem Auge: Genzo, der mit steifem Rücken und grimmiger Entschlossenheit über das Parkett schritt, während Bellemere vor Lachen kaum tanzen konnte. Ein Lächeln schlich sich auf ihr Gesicht.

»Es war herrlich, wirklich! Nächstes Weihnachten könnten wir doch alle zusammen so etwas machen, was meinst du? Unsere Familien, eine Woche auf einem Kreuzfahrtschiff, stell dir das mal vor!« Die Worte sickerten langsam in ihr Bewusstsein.

Ein Kreuzfahrtschiff. Eine Woche. Mit allen. Das Bild eines friedlichen Weihnachtsessens verwandelte sich in pure, chaotische Anarchie auf einem schwankenden Deck. Der Gedanke an ihre ungleichen Familien - ihre Mutter, die keinen Filter hatte, und Robins distanzierte Eleganz - ließ ihre Hände kurz innehalten. Sie antwortete neutral, ein kaum hörbares »Das klingt ... interessant.« Aber innerlich bäumte sich alles gegen die Vorstellung auf. Nicht so. Nicht auf einem Schiff, nicht für eine Woche.

Gerade als sie sich von diesem Gedanken erholen wollte, wechselte Bellemere das Thema. »Jetzt freue ich mich erst auf die kommenden Feiertage. Wir werden vermutlich doch erst gegen Abend kommen.«

Die Teller, die sie gerade in den Schrank stellen wollte, blieben in ihren Händen hängen. Die Bedeutung der Worte sickerte langsam durch. Weihnachten. Bei ihnen. Das Haus voll. Und sie hatte es ... vergessen?

Der Blick wanderte durch die Küche. Die Tannengirlande über dem Türrahmen, die goldenen Kerzen auf dem Tisch, die liebevoll drapierten Weihnachtskissen auf den Stühlen – alles war da, ein halbes Wunderland, wie Robin es betitelte. Aber die Tage selbst? Sie hatte nicht daran gedacht, dass die Feiertage so nahe waren. Zeus hatte alles durcheinandergebracht. Seit der kleine Kater eingezogen war, hatten sie ihre Routine völlig verloren. Der Gedanke, dass die gesamte Familie – ihre und Robins – in einer Woche vor der Tür stehen würde, ließ das Porzellan in ihren Händen beben.

Ein hastiges »Kein Problem … wir freuen uns schon«, war das Einzige, was sie noch zustande brachte. Der Rest des Gesprächs lief wie durch einen Nebel. Sie gab die richtigen Antworten, aber nichts davon kam wirklich bei ihr an. In ihrem Kopf drehte sich alles. Sie hatten noch nicht einmal darüber gesprochen, seit das Los entschieden hatte, dass sie Gastgeber sein würden.

Kaum hatte Bellemere das Gespräch beendet, legte Nami das Telefon mit einem dumpfen Geräusch auf die Küchenarbeitsplatte. Panik griff nach ihr wie kalte Hände. Das Haus war zwar geschmückt, aber weder sie noch Robin waren auf die bevorstehende Invasion vorbereitet. Ihre Familie. Robins Familie. Unter einem Dach. Über Weihnachten.

Ihre Beine setzten sich fast von selbst in Bewegung. Durch die Küche, hinaus ins Wohnzimmer, durch die Flure. »Robin?« Ihre Stimme war lauter, als sie sein wollte. Keine Antwort. Die Stille im Haus verstärkte nur das Gefühl, dass ihr alles entglitt. »Robin!«

Mit jedem Raum, den sie durchsuchte, wurde ihr Atem flacher. Das musste sie verdammt nochmal jetzt klären. Ihr Herz hämmerte, während sie die Treppe hinaufstürmte. Es gab keinen Weg, diesen Wahnsinn zu verhindern – aber sie konnten zumindest versuchen, die Kontrolle zurückzugewinnen. Oder?
 

Robin saß an ihrem Schreibtisch, ihr Blick starr auf die Bildschirme gerichtet. Eine Hand stützte ihr Kinn, während die andere ruhig die Maus führte. Die Szenerie strahlte eine Ruhe aus, die in krassem Gegensatz zu der Unruhe stand, die Nami in den Raum trieb. Atemlos lehnte sie sich gegen den Türrahmen, ihre Brust hob und senkte sich schnell, als die Worte unkontrolliert aus ihr herausströmten.

»Weißt du, was in einer Woche ist?« Ihre Stimme überschlug sich fast, die Worte fielen übereinander.

Robin runzelte die Stirn, offensichtlich überrascht von der Frage. »Weihnachten«, antwortete sie ruhig, fast fragend.

»Und weißt du, was das bedeutet?« Nami legte die Hände auf den Schreibtisch, beugte sich leicht vor, ihre Augen fixierten Robin eindringlich.

Der Moment der Erkenntnis war unübersehbar. Robins Stirn glättete sich, ihr Blick wurde leer, als die Worte sanken. Ein tiefer Atemzug folgte, und dann vergrub sie langsam das Gesicht in ihren Händen. »Die Familie kommt«, murmelte sie in den gedämpften Raum hinein, und ihre Haltung sank spürbar.

»Die ganze Familie«, fügte Nami hinzu, als würde das die Schwere der Situation noch verstärken. »Deine, meine, alle ... hier.«

Ein schweres Schweigen legte sich zwischen sie. Beide wussten, was das bedeutete, aber keiner wollte es aussprechen. Es war, als würde die Last der kommenden Woche wie ein unsichtbarer Elefant im Raum schweben.

Das Summen von Namis Handy durchbrach die Stille. Hastig zog sie es aus der Tasche und las die Nachricht. Franky. Hey, hast du Infos für mich? Die Zeit drängt!

Die Worte ließen das Blut in ihrem Gesicht gefrieren. Ihr Griff um das Handy wurde fester, während sie stumm auf den Bildschirm starrte. Robin beobachtete sie aus ihren Händen heraus, der Ausdruck in ihrem Gesicht jetzt misstrauisch. »Was ist?«

»Ich … ein ... ein dringendes Telefonat.« Die Worte kamen hastig, und ohne weiteren Blick drehte sie sich zur Tür. »Ich muss was klären.«

Sie verschwand, ehe Robin noch etwas entgegnen konnte, die Stille hinter sich lassend, zusammen mit einem Hauch des Chaos, das in ihr tobte.
 

Der Rücken sank gegen die geschlossene Schlafzimmertür, der kühle Druck des Holzes half kaum, das Chaos in ihrem Kopf zu ordnen. Die Beine gaben nach, bis sie langsam auf den Boden glitt, die Hände zitternd, als sie das Handy entsperrte. Der Atem ging flach, während die Finger über den Bildschirm huschten und Frankys Nummer wählten.

»Hoho, meine Weihnachtsfee! Wird Zeit von dir zu hören!« Die Freude in seinem Ton schien wie eine fremde Sprache, unerreichbar in ihrer Welt, die gerade auseinanderzufallen drohte.

»Franky …« Ihre Stimme war leise, fast brüchig. »Ich weiß nicht, wie ich das sagen soll ... ich ... ich habe auf alles vergessen.«

»Alles?« Er lachte, eine Mischung aus Belustigung und Unglaube. »Du meinst wirklich alles? Na, das ist ja mal was! Also, wie sieht’s aus? Wann fangen wir an?«

»Ich ... ich weiß nicht. Ich meine, ich würde am liebsten alles abblasen.« Die Worte kamen schneller, als sie es beabsichtigte. Die Knie zogen sich näher an die Brust, die freie Hand drückte die Stirn.

Eine kurze Pause entstand, bevor Franky antwortete, und für einen Moment konnte sie den Klingen der Realität nicht entkommen. »Abblasen? Keine Chance, Weihnachtsfee! Hör zu, ich könnte in einer Stunde bei euch sein. Dann legen wir los. Es wird nie einen perfekten Moment geben, nicht mit Weihnachten, das direkt vor der Tür steht.«

Die Vorstellung ließ ihr Herz schneller schlagen, aber nicht vor Vorfreude. »Franky, du verstehst nicht. Robin ist zu Hause. Ich kann sie nicht einfach rausschicken. Nicht für Stunden.«

»Ach, komm schon!« Seine Stimme war ungebrochen optimistisch. »Wir ziehen das durch. Auch mit Robin im Haus. Es wird super, ich verspreche es dir. Wir kriegen das hin. Es ist Weihnachten, verdammt!«

Die Worte sollten aufmuntern, aber das Gegenteil passierte. Der Gedanke an Robin, die zufällig auf sie stoßen würde, während sie mit Franky das plante ... es war ein Albtraum. »Das ist eine riesige Übertreibung, Franky. Eine, die sie vielleicht nicht so locker nimmt wie die letzten. Ich sehe schon, wie sie mich einen Kopf kürzer macht.«

»Übertreibung?« Sein Lachen war laut und ansteckend. »Das ist keine Übertreibung, das ist Festtagszauber! Wenn sie dich umbringt, mach ich ’nen Sarg aus Weihnachtslichtern für dich. Aber hey, sie wird’s lieben. Vielleicht nicht sofort, aber irgendwann.«

Die Energie in seiner Stimme riss sie aus der Starre, zumindest ein bisschen. »Ich weiß nicht, Franky ...«

»Ich weiß!« Sein Ton ließ keinen Widerspruch zu. »Ich bin in einer Stunde da. Mach dir keinen Kopf. Das wird episch.«

Das Gespräch endete, aber das Gefühl des Drucks blieb. Das Handy fiel in ihren Schoß, während sie den Kopf gegen die Tür lehnte. Der Gedanke, dass das alles jetzt passieren würde – hier in ihrem Haus, mit Robin vor Ort – ließ die Panik in ihr weiterwachsen.
 

Der Duft von Tomaten und Gewürzen erfüllte die Küche, während die Pfanne auf dem Herd leise zischte. Das rhythmische Schneiden von Gemüse klang fast beruhigend, aber die Spannung in der Luft machte es unmöglich, sich darauf einzulassen. Der Blick im Rücken war wie eine unsichtbare Last, schwer und durchdringend, und jeder Muskel schien sich unter diesem stummen Druck zusammenzuziehen.

Die Konzentration lag auf dem Kochen, zumindest versuchte sie das. Die Hände bewegten sich mechanisch, die Gedanken wirbelten chaotisch durcheinander. Jede Bewegung fühlte sich wie ein Versuch an, der Intensität im Raum zu entkommen. Doch schließlich durchbrach eine Frage die Stille.

»Warum kommt Franky plötzlich zum Essen?«

Die Stimme war ruhig, fast beiläufig, doch der Unterton schwang wie eine unausgesprochene Forderung mit. Der Löffel in der Soße verharrte für einen Augenblick, bevor er wieder kreisförmig rührte. »Er wollte Zeus sehen«, kam die Antwort hastig, vielleicht zu hastig. »Spontan halt. Hast du was dagegen?«

Die Worte waren ein fragiler Versuch, Normalität vorzutäuschen, während das Gewicht des bohrenden Blicks jeden Ausweg versperrte. Jede weitere Sekunde, in der dieser Blick auf ihr lag, fühlte sich wie eine Prüfung an, die sie nicht bestehen konnte.

Die nächste Frage ließ nicht lange auf sich warten. »Und warum ist die Vorbereitung für das Weihnachtsfest plötzlich nicht mehr wichtig?«

Das Messer verharrte in der Luft. Die Wahrheit drängte sich unaufhaltsam an die Oberfläche, doch sie wurde mit aller Macht hinuntergewürgt. »Was? Das ist Quatsch … ich koche, das muss in Ruhe besprochen werden.« Die Worte klangen dünn und brüchig, als hätte sie sie aus Pappe gebaut. Der Blick im Rücken wurde dadurch nur intensiver, fast fühlte es sich an, als könnte er durch sie hindurchsehen.

Es war klar, dass Robin ahnte, wie wenig diese Antworten wert waren. Die Stille, die darauf folgte, war kein Ende, sondern eine stumme Herausforderung. Doch bevor die Situation völlig eskalieren konnte, suchten die Gedanken nach einem Ausweg.

Mit einem gequälten Lächeln drehte sie den Kopf leicht über die Schulter. »Kannst du mir einen Gefallen tun? Der Tisch müsste noch gedeckt werden.«

Ein Augenblick der Unsicherheit lag in der Luft, doch dann nickte Robin knapp. »Klar.« Ihre Schritte entfernten sich, das leise Klappern von Geschirr erklang kurz darauf.

Erst als der Blick aus ihrem Rücken verschwand, entwich die Luft aus ihrer Brust. Die Hände griffen wieder mechanisch zu den Zutaten, aber die Spannung blieb. Zeit war gewonnen, aber der Sturm war nur verschoben, nicht abgewendet.
 

Der Teller schien sich vor ihr zu verspotten, während jeder Bissen sich wie ein Zwang anfühlte. Die Ruhe im Esszimmer war dicht und schwer, wie das bedrohliche Schweigen vor einem Sturm. Am anderen Ende des Tisches war es unheimlich still, viel zu still. Die Art von Ruhe, die gefährlich war, die jeden Moment explodieren konnte. Franky hingegen schien das nicht zu bemerken. Seine gute Laune strahlte wie die Lichterkette eines Weihnachtsbaums, während er das Essen genüsslich in sich hineinschaufelte. Das Klirren seines Bestecks war das einzige Geräusch im Raum.

Der Blick glitt von den beiden weg. Zeus lag ausgestreckt auf einem der Sessel, die Augen halb geschlossen, die Pfoten entspannt nach vorne gestreckt. Erst vor wenigen Minuten hatte er Franky zum ersten Mal getroffen.

Franky hatte in seiner typisch übertriebenen Manier das kleine Kätzchen hochgehoben, als wäre es eine Trophäe, die er gerade gewonnen hatte. In seinen riesigen Händen wirkte Zeus noch kleiner, sein zierlicher Körper betonte die theatralische Inszenierung nur noch mehr. Mit einer Hand dramatisch auf die Brust gepresst, hatte Franky gespielt, als würde er vor Rührung gleich zusammenbrechen.

»Das ist purer Zucker! Ich kann nicht mehr!«, hatte er laut ausgerufen, seine Stimme erfüllt von gespielter Verzweiflung.

Die Erinnerung zauberte ein schwaches Lächeln auf die Lippen, ein kurzer Moment der Wärme, der jedoch schnell wieder verflog, als die Aufmerksamkeit zurück an den Tisch wanderte.

Das Essen selbst war schnell erledigt, und Robin erhob sich wortlos, um den Kaffee zu holen. Ihre Bewegungen waren ruhig, kontrolliert, und doch lag eine unterschwellige Spannung in jeder ihrer Handlungen. Als die Tassen schließlich vor ihnen standen, war die Stille noch drückender, greifbar wie ein unsichtbares Netz. Selbst Frankys unerschütterliche Fröhlichkeit begann unter dem Druck zu bröckeln. Robin sah sie beide an, ihre Augen durchdringend und ihr Blick scharf. Es war, als säße man vor der strengen Direktorin, die erwartete, dass man ohne Umschweife gesteht.

»Also«, begann sie, ihre Stimme ruhig, aber mit einem Tonfall, der keinen Widerspruch duldete. »Was ist los? Und ich frage das nur ein einziges Mal.«

Ein vielsagender Blick wurde zwischen ihnen ausgetauscht. Franky kratzte sich am Hinterkopf, eine Unsicherheit, die bei ihm selten zu sehen war. Schließlich atmete er tief ein, als hätte er beschlossen, das Schlachtfeld zu betreten. »Ähm, also ... Wir wollten ... weißt du, so ein bisschen ... die Außenfassade und das Dach dekorieren. Für Weihnachten. Für die Magie und so.« Seine Worte kamen zögerlich, fast schüchtern, und er warf immer wieder Blicke zu ihr hinüber, als würde er hoffen, dass sie ihn rettete. Je mehr er sagte, desto deutlicher spürte sie, wie sich die Spannung in ihrem Körper verstärkte.

Robins Gesicht blieb ungerührt, keine Emotion war darin zu lesen. Die Augen, die Franky und dann sie musterten, schienen direkt durch sie hindurchzusehen. Die Stille, die folgte, war quälend. Sekunden fühlten sich an wie Minuten. Dann kam die nächste Frage, kühl und präzise: »Sonst noch was?«

Kopfschütteln war die einzige Antwort, die beide hervorbrachten. Robin ließ die Stille absichtlich stehen, als wollte sie sie zwingen, noch mehr zu sagen, noch mehr preiszugeben. Die Zeit schien stillzustehen, bis sie schließlich ein leises Seufzen hören ließ. Die Hände griffen nach ihrer Kaffeetasse, und sie lehnte sich zurück. »Macht, was ihr wollt. Ich habe ja sowieso kein Mitspracherecht. Aber sorgt dafür, dass es wenigstens keinen unnötigen Lärm gibt.«

Ohne ein weiteres Wort erhob sie sich, der Kaffee in der Hand, und verließ den Raum mit kontrollierten, fast lautlosen Schritten. Das dumpfe Geräusch der Tür oben, die sich schloss, ließ die Luft im Esszimmer zurückkehren. Doch die Spannung blieb, klebrig und schwer, während beide sich gegenseitig ansahen, als hätten sie gerade einen Krieg überlebt.
 

Der kalte Wind strich über den Garten, während die Augen aufmerksam dem Treiben auf dem Dach folgten. Oben hantierte Franky mit erstaunlicher Geschicklichkeit, trotz seiner imposanten Statur. Jede Bewegung war sicher, jeder Griff saß. Alles, was er brauchte – Werkzeug, Seile, und natürlich die aufwendigsten Dekorationen – hatte er mitgebracht. Ein Lichtermeer, das bald den Himmel erhellen würde. Nach der Begegnung mit Robin am Mittag hatten sie lange über ihre Worte gebrütet. Franky hatte ihre Reaktion pragmatisch aufgenommen. »Machen wir’s trotzdem«, hatte er gesagt, mit einem Grinsen, das keine Widerrede duldete. Die Zustimmung war schließlich gekommen, zögerlich, mit einem mulmigen Gefühl.

Das Haus war still, als die Tür hinter ihr zufiel. Ein einzelner Klang drang aus dem Wohnzimmer. Die sanften Töne des Klaviers füllten den Raum, nicht festlich, nicht traurig, aber auch nicht fröhlich. Jede Note schien in die Luft zu schweben, schwerelos, aber bedeutungsvoll. Schritte führten näher, doch die Distanz blieb. Die Melodie war zu zart, um gestört zu werden. Jede Nuance, jede Bewegung der Finger auf den Tasten wurde wahrgenommen, wie ein Fenster in die Seele der Spielerin.

Obwohl sie keinen großen Enthusiasmus für Weihnachten hatte, machte sie es dennoch mit. Immer. Und das war es, was zählte, dachte sie. Das war der Punkt, der immer wieder zeigte, dass diese Frau mehr gab, als sie je zugeben würde.

Ein leises Ausatmen, bevor die Schritte leiser wurden. Arme schlangen sich sanft um die Schultern, eine vertraute Nähe, die gleichzeitig tröstete und entschuldigte. Der Kopf lehnte sich an den von Robin, der Blick ruhte auf den Händen, die weiterhin ungestört spielten. Die Finger bewegten sich mit einer fließenden Eleganz, die jedes Mal aufs Neue faszinierte. Klavierspielen war etwas, das sie liebte. Nicht nur das Können, sondern auch das, was dahinter lag – die Ruhe, die Hingabe.

»Es tut mir leid«, kam es schließlich, leise, fast ein Flüstern. »Es sollte eine Überraschung werden. Eine von denen, die du anfangs nicht magst, aber die am Ende gar nicht so schlimm sind. Meistens jedenfalls.«

Die Melodie setzte sich fort, keine Reaktion, keine Unterbrechung. Also ging es weiter. »Ich wollte einfach ... alles perfekt machen. So schön wie nie. Wegen letztem Jahr. Du weißt schon ...« Die Stimme zögerte, suchte nach den richtigen Worten. »Als alles zwischen uns verloren schien. Als dieser Monat wie ein Damoklesschwert über uns hing. Ich wollte neue Erinnerungen schaffen. So wie früher.«

Die letzte Note verklang und löste sich in der Stille des Raumes auf, wie ein Atemzug, der verhallte. Hände ruhten auf den Tasten, die Finger noch leicht gekrümmt, als wollten sie eine weitere Melodie greifen, aber sie blieben regungslos. Die plötzliche Ruhe legte sich wie eine warme Decke über den Raum, schwer, aber nicht unangenehm. Es war eine Stille, die mehr sagte als Worte je könnten.

»Man hätte mit mir reden können.« Die Worte kamen ruhig, doch sie waren deutlich und trafen genau den Kern. Die Stimme klang weder vorwurfsvoll noch kalt, sondern eher wie eine Feststellung, die in den Raum gestellt wurde, um dort zu verweilen. Robin hob den Blick nicht, ihre Augen ruhten weiterhin auf den Tasten, als suchten sie dort eine Antwort, die einfacher wäre als die, die sie aussprechen musste.

Ein leises, fast nachdenkliches Lächeln zog sich über ihre Lippen. »Wie konnte ich mir ausgerechnet zwei Weihnachtsfanatiker anlachen?« Es war eine Frage, die mehr an sie selbst gerichtet war, ein Ausdruck von leichtem Amüsement, gemischt mit einer Spur von Resignation.

Das Lächeln, das darauf folgte, war sanft, beinahe unsicher. »Vielleicht«, begann die Antwort, leise und zögernd, »weil ein Teil von dir solche Menschen braucht? Ob du es zugibst oder nicht? Die Entscheidung uns in dein Leben zu lassen, hast du getroffen.« Die Worte wurden sorgfältig gewählt, sanft ausgesprochen, wie ein Versuch, etwas Greifbares in die Luft zu legen, das nicht gleich wieder zerbrechen würde.

Langsam hob Robin den Kopf, der Blick hob sich von den Tasten und traf auf den ihren. Die Augen waren dunkel, voller Gedanken, die unausgesprochen blieben, aber dennoch laut genug zu hören waren. Die Tiefe dieses Blickes war fast erdrückend, eine Mischung aus Verständnis und dem Hauch von Widerstand, der in Robin immer vorhanden war, wenn es um persönliche Schwächen ging.

Keine Antwort kam, zumindest keine, die mit Worten geformt war. Aber keine war nötig. In der Ruhe dieses Augenblicks lag eine Wahrheit, die nicht ausgesprochen werden musste. Der Ausdruck in Robins Augen, dieses kurze, unbewusste Zucken eines Lächelns, das sie unterdrückte, war genug. Es war die Art von Geste, die mehr sagte, als Worte je könnten.

Der Moment hielt an, länger, als er wahrscheinlich sollte, aber keiner wollte ihn brechen. Schließlich senkte Robin den Blick wieder, ließ die Finger über die Tasten gleiten, ohne zu spielen. Es war ein leises Eingeständnis, das zwischen ihnen hing, und die Gewissheit, dass diese Frage eine Antwort hatte – nur eine, die sie vielleicht noch nicht aussprechen konnte.

Und in diesem Augenblick war klar, dass die Vermutung richtig war.

Der Moment schien ewig zu dauern, ein stiller Austausch, der in seiner Lautlosigkeit alles sagte, was gesagt werden musste. Robins Finger ruhten immer noch leicht auf den Tasten, doch die Spannung in der Luft löste sich langsam, wie Nebel, der sich bei Sonnenaufgang auflöst. Ihr Blick hob sich noch einmal, diesmal mit einem Anflug von Amüsement, das sich in ihren Augenwinkeln abzeichnete.

»Ich bin schon gespannt«, begann sie, ihre Stimme ruhiger, als Nami es erwartet hatte, »wohin du die Eule stellen wirst.«

Die Worte trafen unvermittelt, und für einen Moment kehrte die Irritation zurück, wie ein plötzlicher Windstoß. »Welche Eule?« Die Frage war leise, fast zögernd, und ein verwirrtes Stirnrunzeln begleitete sie.

Robins Lächeln vertiefte sich, ein wissendes, amüsiertes Lächeln, das mehr verriet, als sie vielleicht sagen wollte. »Die, die Franky mitgebracht hat. Die er für dich am Markt gekauft hat.«

Die Verwirrung wich einem Gefühl des Ertapptseins, das wie eine sanfte Röte ihre Wangen färbte. »Moment … du?«

»Ja.« Robins Stimme war fast belustigt, aber nicht spöttisch. »Du glaubst doch nicht wirklich, dass ich diese kleinen Spielchen von euch beiden nicht durchschaut habe.«

Das Lächeln, das sich auf Namis Lippen stahl, war unwillkürlich, aber auch leicht verlegen. Der Versuch, etwas zu verbergen, war offensichtlich gescheitert. Doch es war keine unangenehme Niederlage. Die Art, wie Robin sie ansah, war voller Wärme und einem Hauch von Nachsicht.

»Also?« Robins Blick war spielerisch, aber ihre Stimme trug immer noch die ruhige Autorität, die sie so mühelos ausstrahlte. »Hast du schon einen Platz für sie?«

Die Antwort blieb aus, doch das leise Lachen, das Robin schließlich entglitt, löste den Moment endgültig. Mit einem sanften Seufzen ließ sie die Finger ein letztes Mal über die Tasten gleiten, nur eine kurze, flüchtige Melodie, bevor sie die Hände zurückzog. »Mach dir keine Sorgen«, fügte sie hinzu, während sie aufstand. »Ich bin sicher, sie wird perfekt passen. Irgendwie tut es das ja immer.«

Der Moment verwandelte sich in etwas Leichtes, etwas, das sich wie ein kleiner Sieg anfühlte. Und während Robin den Raum verließ, blieb Nami zurück, lächelnd.

It's the most wonderful time of the year.

Robin Nikolaev starrte auf die endlose Flut von Menschen, die sich durch die breiten Gänge des Einkaufszentrums schoben. Das grelle Licht der Dekoration blendete, als funkelnde Sterne und Girlanden in jedem Winkel um Aufmerksamkeit buhlten. Weihnachtsmusik dröhnte aus den Lautsprechern, ein wenig zu laut, ein wenig zu fröhlich, als könnte sie die allgemeine Hektik übertönen. Der Geruch von Zimt und frisch gebackenen Keksen lag in der Luft, vermischt mit dem scharfen Hauch von Parfümproben, die irgendwo verteilt wurden. Es war Mittwochnachmittag, und das Zentrum war ein einziges Chaos.

Der Gedanke an den gestrigen Abend machte es nicht besser. Stundenlang hatten sie am Tisch gesessen, zwischen Papieren, Listen und Katalogen. Ein Plan für die Feiertage musste her, und das mit der Präzision eines Militäreinsatzes. Geschenke waren ohnehin schon ein Minenfeld, ganz zu schweigen vom Menü. Sie hatten schließlich einen Freund gebeten, ihnen zu helfen. Der hatte natürlich nichts Besseres zu tun, als Nami eine Liste zu schicken, die so lang war, dass sie wie ein mittelalterliches Pergament gewirkt hatte.

Die Liste war jetzt irgendwo in einer Tasche verstaut, aber das Wissen um ihren Umfang lastete schwer. Der Einkauf hatte kaum begonnen, und es fühlte sich bereits an, als wären sie am Ende ihrer Kräfte. Die Menschenmassen schienen in alle Richtungen gleichzeitig zu drängen, jede Bewegung schien mühsamer als die vorherige. Gespräche und Gelächter mischten sich mit dem Klicken von Einkaufswagen, ein endloser Strom von Geräuschen, der nur durch das gelegentliche Weinen eines Kindes unterbrochen wurde.

Das Problem mit den Geschenken war die erste Hürde gewesen. Die Ideen, die sie im Kopf gehabt hatten, waren großartig gewesen – zumindest bis gestern. Die bittere Erkenntnis, dass manche davon nicht rechtzeitig ankommen würden, hatte wie ein kalter Schauer über ihnen gehangen. Alternativen mussten her, und diese Suche fühlte sich an wie ein Rennen gegen die Zeit.

Und dann war da noch der Lebensmitteleinkauf. Die Liste war erschreckend spezifisch, und die Aussicht, sich durch überfüllte Gänge zu kämpfen, ließ keine Vorfreude aufkommen. Beide standen noch am Eingang, hielten die Taschen fester, als könnten sie ihnen Halt geben, und starrten in die Menge, die sich wie eine unbezwingbare Flut vor ihnen auftat.

Die Atmosphäre war erdrückend. Glitzernde Dekorationen und künstliche Freundlichkeit konnten nicht darüber hinwegtäuschen, dass die meisten hier genau dasselbe dachten: Wie schnell konnte man das hinter sich bringen? Die Luft war warm, fast stickig, und die endlose Bewegung um sie herum fühlte sich an, als würde sie jeden Moment die Kontrolle entgleiten.

Ein kurzer Blick wurde ausgetauscht, der nichts anderes sagte als: Warum tun wir uns das an? Doch es gab keinen Weg zurück. Die Feiertage rückten unaufhaltsam näher, und die Liste würde sich nicht von selbst abarbeiten.
 

Die Geschäfte waren ein einziges Gewimmel. Menschen schoben sich durch die Gänge, ihre Arme beladen mit Tüten, ihre Gesichter eine Mischung aus Stress und erzwungener Festtagsfreude. Robin bewegte sich ruhig durch das Getümmel, die äußere Fassade unerschütterlich. Doch innerlich wuchs der Drang, alles stehen und liegen zu lassen und einfach zu verschwinden. Der Trubel war erdrückend, die Stimmen zu laut, die Musik zu fröhlich. Wo zur Hölle waren all diese Menschen unter dem Jahr? Warum mussten sie jetzt, alle auf einmal, die gleiche Idee haben?

Ein tiefer Atemzug half nicht, die Spannung in ihren Schultern blieb. Es fühlte sich an, als würde das Einkaufszentrum sie mit seiner schieren Masse an Lichtern, Dekorationen und Menschen erdrücken. Vieles hatten sie bereits im Voraus bestellt, doch manche Dinge mussten physisch ausgesucht werden. Weihnachten blieb eben doch Weihnachten. Und mit dem Fest kam die Meute, pünktlich, in voller Pracht.

Ein Kind rannte kreischend an ihr vorbei, dicht gefolgt von einer verzweifelt rufenden Mutter. Ein Paar diskutierte lautstark über ein Geschenk, während ein Mann hinter ihnen mit einem überladenen Einkaufswagen wartete, sichtlich genervt. Ein Teenager schob sich mit einem Blick aufs Handy durch die Menge und stieß dabei fast einen älteren Herrn an, der mit einem Stapel von Geschenkboxen kämpfte.

Die Hektik war überall. Eine Gruppe von Jugendlichen hatte sich in der Mitte des Gangs versammelt, hemmungslos lachend und andere blockierend. Eine ältere Dame zog eine Liste hervor, studierte sie intensiv und schob ihren Wagen in Zeitlupe voran, als könnte sie so die perfekte Entscheidung treffen.

Robin hielt an einem Schaufenster inne, die Augen auf die Auslage gerichtet, aber die Gedanken woanders. Ihre Liste war klar, die Ziele definiert, doch jedes Mal, wenn sie glaubte, ein Problem gelöst zu haben, schien ein neues aufzutauchen. Der eine Laden hatte die gewünschte Farbe nicht, der andere hatte die richtige Größe nicht mehr. Ein besonders begehrtes Buch, das sie besorgen wollte, war ausverkauft – selbstverständlich.

Die Ruhe, die sie nach außen vorgab, war reine Selbstdisziplin. In ihrem Inneren brodelte eine leise Verzweiflung, begleitet von der Frage, warum sie sich überhaupt darauf eingelassen hatte. Vielleicht, weil Nami und die anderen so viel Wert auf diese Tradition legten. Vielleicht, weil es einfacher war, sich zu fügen, als sich gegen den Trubel zu stemmen. Vielleicht auch, weil sie wusste, dass ein Teil von ihr es doch genoss, wenn sie das perfekte Geschenk fand und die Freude in den Augen der anderen sah.

Eine Familie mit einem überladenen Wagen kreuzte ihren Weg, und Robin trat zur Seite, um sie vorbeizulassen. Das Kind, das im Wagen saß, griff nach einer goldenen Lametta-Girlande und warf sie quer in den Gang. Die Mutter stöhnte, der Vater rollte mit den Augen. Das war Weihnachten, dachte Robin. Chaos in voller Blüte.

Der Duft von Zimt und heißem Kakao mischte sich mit dem künstlichen Parfüm, das in der Luft lag. Weihnachtslieder erklangen aus den Lautsprechern, so übersteuert, dass die fröhlichen Botschaften fast zynisch wirkten. Sie wollte einfach nur fertig werden, zurück zur Bank, die Taschen abladen und aus diesem Trubel entkommen.

Ein letztes Geschäft lag vor ihr. Das letzte Geschenk. Noch ein Schritt durch den Trubel, dann würde sie sich eine Auszeit gönnen – und vielleicht ein Getränk, das stark genug war, um die Erinnerung an diese Stunden zu löschen.
 

Vor drei Stunden war der Eingang zum Einkaufszentrum wie ein Schlachtfeld erschienen. Das Glitzern der Lichter, die Menschenmassen und die dröhnende Weihnachtsmusik hatten sie empfangen, als wollten sie ihnen zeigen, was sie erwartete. Jetzt, Stunden später, fanden sie sich wieder am Treffpunkt ein, vollgepackt, erschöpft und fast stolz auf ihre Leistung. Taschen türmten sich um sie herum, das Gewicht ihres Einkaufsmarathons lag schwer auf ihren Schultern, doch es fühlte sich an, als hätten sie zumindest den ersten Teil des Krieges überstanden.

Schere-Stein-Papier war die einzige Lösung gewesen, als sie am Anfang feststellten, dass sie zusammen keinen Schritt weiterkamen. Der Lebensmitteleinkauf gegen die Geschenke – beides war ein Albtraum, aber einer musste es tun. Robin hatte gewonnen, wobei der Sieg bitter schmeckte. Der Pyrrhussieg der Geschenke hatte ihr immerhin erspart, sich durch überfüllte Supermarktgänge zu quälen. Ein Blick auf Nami zeigte jedoch, dass sie diesen Albtraum durchlebt hatte.

»Ich hätte sie erwürgen können!« Ihre Stimme war scharf, ein Ventil für den Ärger, der sich angestaut hatte. »Wirklich, manche Leute ... Die stehen mitten im Gang, als hätten sie das ganze Jahr Zeit, und andere drängeln sich an dir vorbei, als wäre die Welt morgen vorbei! Und dann noch die, die nicht wissen, was sie wollen!« Sie schnaubte, während sie eine Tasche energisch neben sich stellte. »Ich hasse Menschen. An Tagen wie diesen hasse ich sie alle.«

Robin betrachtete sie aus dem Augenwinkel, während sie eine Tasche zurechtrückte. Der Gedanke kam unaufhaltsam, leise, wie eine Wahrheit, die sich in den Vordergrund drängte: Nami liebte Weihnachten. Mit jeder Faser. Sie plante alles mit einer Präzision, die beeindruckte – Geschenke, Einkäufe, Dekorationen. Doch kurz vor den Feiertagen, wenn sie sich ins Getümmel stürzen musste, verfluchte sie alles. Die Leute, die Hektik, die Lautstärke, und vielleicht am meisten sich selbst, weil ihre Planung dieses Jahr nicht aufgegangen war.

Der Gedanke löste ein leises Lächeln in ihr aus, das sie unterdrückte. Jetzt war nicht der Moment, das laut auszusprechen. Stattdessen ließ sie den Blick schweifen, bis er an einem kleinen Café hängen blieb. Der Gedanke an Kaffee – viel und stark, vielleicht sogar mit einem Schuss Alkohol – war unwiderstehlich. Das war es, was sie jetzt brauchte.

Ein Stupsen an ihrer Seite riss sie aus den Gedanken. »Hörst du überhaupt zu?« Der Ton war genervt, und die Augen funkelten sie an. Robin nickte abwesend, murmelte eine automatische Antwort, die nicht einmal sie selbst wirklich registrierte.

Das leise Lachen, das darauffolgte, war unerwartet. Als sie aufsah, hatte Nami sich verändert. Der Ärger war wie weggeweht, und ihr Blick war weich, fast liebevoll. »Hol dir einen Kaffee«, sagte sie ruhig, fast sanft. »Ich warte hier mit den Sachen. Dann verschwinden wir von hier, okay?«

Die Erleichterung war fast überwältigend. Ein kleines Nicken reichte als Dank, und ohne ein weiteres Wort machte sie sich auf den Weg zum Café. Hinter ihr blieb Nami zurück, umgeben von Taschen, mit einem leisen, aber zufriedenen Ausdruck, der Robin kurz innehalten ließ. Trotz allem hatte dieser Moment etwas für sich. Es war chaotisch, laut und nervenaufreibend—aber irgendwie auch genau das, was Weihnachten ausmachte.

Baking cookies for Santa.

Nami Lindgren hatte die Küche in eine warme, duftende Oase verwandelt. Der süße Geruch von Vanille und Zimt hing in der Luft, begleitet vom leisen Klingen der Schüsseln und dem rhythmischen Klappern der Backutensilien. Mehlstaub lag wie ein zarter Schleier über der Arbeitsplatte, auf der sich Ausstechformen, Teigreste und bunte Streusel sammelten.

»Ich dachte, wir wären fast fertig«, Robin sprach leise, ihre Stimme fast verloren in der gemütlichen Atmosphäre. Mit ruhigen, geschickten Bewegungen rollte sie den Teig aus. »Aber hier sieht es aus, als hätten wir gerade erst angefangen.«

Ein Lächeln huschte über Namis Lippen, während sie eine Glockenform nahm und sie in den Teig drückte. »Wenn wir das heute nicht fertigbekommen, bleibt uns morgen keine Ruhe mehr. Ich möchte morgen den Tag entspannt verbringen, bevor der Trubel beginnt – sobald Ace hier ist, können wir die Kekse sowieso vergessen, er wird alle in Rekordzeit vertilgen.«

Robin zog eine Augenbraue hoch und legte die Ausstechform zur Seite. »Wir verstecken einen Teil, so bleiben ein paar bis zum zweiten Feiertag übrig.« Ihre Stimme war trocken, aber ein Schmunzeln spielte um ihre Lippen.

»Irgendwo, wo er nicht sucht. Garage?« Nami lachte leise, während sie eine weitere Form in den Teig drückte. »Oder besser noch, wir schreiben Gemüse drauf. Dann rührt er sie garantiert nicht an.«

Robin schüttelte leicht den Kopf, ein leises Lachen begleitete die Bewegung. »Das könnte funktionieren. Aber du weißt, dass er immer einen Weg findet. Er hat einen Riecher.«

Seufzend schüttelte Nami den Kopf, ihr Blick wanderte zu dem kleinen rot-getigerten Kater, der zusammengerollt auf einem der Stühle lag. Der Schwanz zuckte leicht, und seine großen, bernsteinfarbenen Augen verrieten, dass seine Ruhephase bald enden würde.

»Er sieht zu uns rüber«, murmelte Robin, eine Spur Amüsieren in ihrer Stimme. »Gib ihm noch zwei Minuten, und er wird sich wieder mitten ins Geschehen werfen.«

»Er ist wie eine kleine Zeitbombe, aber eine süße.« Sie schob das erste Blech in den Ofen »Ich hoffe nur, er bleibt vom Mehl weg. Gestern hat er darin gebadet, und die Küche sah aus, als hätte es geschneit.«

Ein leises Gähnen kündigte an, dass Zeus sich regte. Mit einem eleganten Strecken seiner Pfoten richtete er sich auf und tappte gemächlich zur Arbeitsplatte. Seine kleine Nase schnupperte neugierig an einer Dose Streusel, bevor er sich mit einem Sprung auf einen Stuhl und von dort auf den Tisch katapultierte.

»Und da ist er«, stellte Robin fest, während sie ihre Hände abklopfte und den Kater aufmerksam beobachtete. »Warum immer ich?« Mit einem leisen Lachen wich sie zur Seite, als Zeus begann, an ihrem Pulli hochzuklettern, die kleinen Krallen wie Haken im Stoff.

»Vielleicht, weil du die Größte hier bist«, erwiderte Nami mit einem Schmunzeln, ihre Augen glitzerten vor Belustigung. »Glück für mich.«

Robin schüttelte den Kopf und löste den kleinen Unruhestifter vorsichtig von ihrem Arm. »Das erklärt nicht, warum ich immer wie ein Kratzbaum behandelt werde.«

Zeus, offensichtlich nicht beeindruckt von der Missbilligung, setzte sich stolz auf den Tisch und beobachtete die beiden Frauen mit hochgerecktem Kinn, als wäre er der Chef der Küche.

Die Stimmung in der Küche war entspannt, fast friedlich. Leise Weihnachtsmusik spielte im Hintergrund, die sanften Töne fügten sich nahtlos in die warme Atmosphäre. Während Nami die nächste Ladung Kekse ausstach, bemerkte sie, dass Robin hin und wieder einen schnellen Blick auf den Kater warf, der jede ihrer Bewegungen mit neugierigen Augen verfolgte.

»Das hier ist meine Lieblingszeit vor Weihnachten«, sagte Nami plötzlich, ihre Stimme hatte etwas Nachdenkliches. »Die Momente, bevor das Chaos losgeht. Wenn alles noch so … ruhig ist.«

Robin hob eine Augenbraue und legte eine Hand auf die Arbeitsplatte. »Ruhig? Mit ihm?«

»Verglichen mit dem, was uns erwartet, definitiv«, erwiderte Nami trocken und zog eine Augenbraue hoch. »Kuzan kommt jetzt erst am 24., oder?«

»Ja. Sein Schiff hat Verspätung wegen des Wetters. Aber er meinte, er sei bis Mittag hier.«

Ein leises Aufatmen entwich Nami. »Ein paar Stunden mehr … Das ist fast ein Weihnachtsgeschenk.«

Robin lachte leise, während sie eine Ladung Kekse aufs Blech legte. »Du weißt, dass er es trotzdem wieder schaffen wird, uns mit irgendetwas auf die Nerven zu gehen?«

»Wenn er das Klavier anfasst, fliegt er raus. Niemand spielt so falsch und ergötzt sich noch daran!«

Die beiden tauschten einen vielsagenden Blick, bevor Robin sich wieder ihrer Arbeit widmete. Zeus hatte inzwischen die Streuseldose entdeckt und schob sie mit einem Pfotenstupser über die Kante. Nami fing sie gerade noch rechtzeitig auf.

»Das war knapp«, murmelte sie und hob den kleinen Kater hoch, um ihn auf den Boden zu setzen.

Robin lächelte und sah ihr nach, wie er sich gemütlich am Ohr kratzte. »Mal schauen, wie er auf die Meute reagiert.«
 

Die Ruhe hatte sich wie eine Decke über die Küche gelegt. Eine Weile arbeiteten sie schweigend, nur das leise Klappern der Utensilien und der Duft der Kekse begleiteten die beiden. Der kleine Kater hatte irgendwann aufgegeben. Zusammengerollt auf dem Stuhl lag er da, die Augen halb geschlossen, als würde er sein kleines Königreich aus sicherer Distanz überwachen.

Die Vorstellung von sechs Leuten, die bald durch das Haus wirbelten, schob sich in die Gedanken. Der Trubel, das Chaos – und dennoch eine unbestreitbare Freude. Nach dem letzten Jahr war es alles andere als selbstverständlich, Weihnachten gemeinsam zu verbringen. Die Erinnerung daran, wie fragil damals alles gewesen war, hatte einen bitteren Beigeschmack, aber sie war auch ein Beweis dafür, wie weit sie gekommen waren.

»Es kommt mir so vor, als wäre letztes Jahr ständig in meinen Gedanken«, durchbrach ihre eigene Stimme die Stille, zögernd, fast leise, als würde sie die Worte noch testen.

Ein leises Lächeln stahl sich auf Robins Gesicht, bevor sie innehielt. »Ich denke auch oft daran. Wahrscheinlich, weil es so ein Kontrast ist. Damals schien alles … auseinanderzufallen. Und jetzt …« Die Worte hingen in der Luft, aber die Bedeutung war klar. Das Zurechtrücken der Dinge hatte sie beide wieder hierhergeführt, gefestigt und glücklich, an einen Ort, den sie beinahe verloren geglaubt hatten.

»Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass du erneut ausholen wirst?« erklang es plötzlich mit einem Lachen. Der Gedanke an den letzten Winter, an den Kerl, der einfach nicht locker gelassen hatte – zuerst auf der Piste und dann noch beim Apres-Ski – zog ein breites Grinsen nach sich. »Ich werde nie sein Gesicht vergessen, als du ihm eine verpasst hast.«

Ein leises Glucksen kam von Robin. »Ich kann nichts dafür, wenn jemand so hartnäckig ist. Aber es hat doch etwas gebracht. Wir haben ab da wieder angefangen, ehrlich zu reden. Es war der Wendepunkt. Und der Whiskey.«

Ein Nicken begleitete diese Worte. Der Wendepunkt war genau das gewesen. Das Zurückfinden zu Gesprächen, zu Vertrauen, zu allem, was sie ausmachte.

»Also gut«, erklang es nach einem Moment, mit einem festen Blick. »Ein neuer Pakt. Wir lassen uns nicht von der Familie die Laune verderben.«

Ein leichtes Funkeln huschte durch Robins Augen. »Einverstanden.«

Because the night is peaceful and quiet.

Robin Nikolaev lehnte sich entspannt zurück, die warme Lehne des Sofas im Rücken, und schloss für einen Moment die Augen. Das Knistern des Kamins erfüllte den Raum, ein leises, beruhigendes Geräusch, das von der Stille um sie herum unterstrichen wurde. Vor ihr stand ein Glas Wein, dessen tiefrote Farbe im flackernden Licht des Feuers schimmerte.

Auf dem Couchtisch lag die Fernbedienung, über die Nami sich bereits seit einigen Minuten gebeugt hatte. Ihre Stirn war leicht gerunzelt, während sie durch die unendlichen Optionen scrollte, die der Fernseher bot. Das typische Gesichtsausdruck, der ankündigte, dass sie in wenigen Augenblicken laut schnauben oder frustriert aufgeben würde.

»Wir könnten das hier sehen«, murmelte sie, der Ton wenig überzeugt, bevor sie den Vorschlag gleich wieder verwarf. »Aber das ist nichts für uns ... und das hier auch nicht ...« Das Scrollen ging weiter, langsam, fast träge, während sie versuchte, etwas zu finden, das beide mochten.

Eine kurze Pause entstand. »Keinen 0815-Weihnachtsfilm. Nicht nochmal«, kam es schließlich aus Robins Richtung, ein Hauch von Belustigung in der Stimme. »Der Spaß hört irgendwann auf.«

»Ich weiß«, kam die Antwort, trocken und ohne den Blick vom Bildschirm zu nehmen. »Ich kenne deine Schmerzgrenze. Keine Sorge.«

»Tust du?« Der Moment brachte ein leises Lächeln auf ihre Lippen. Manche Weihnachtsfilme mochte sie tatsächlich—die charmanten, die mit der richtigen Dosis Nostalgie und Humor. Aber es gab Grenzen, und wenn sie heute Abend noch einen kitschigen Liebesfilm über Weihnachten und irgendeine verirrte Großstadtfrau sehen müsste, brauchte sie stärkere Geschütze als das Weinglas.

Die Aufmerksamkeit wanderte vom Fernseher weg. Der Raum lag im warmen Licht des Feuers, ruhig und vertraut. Der Duft von Tannenzweigen hing in der Luft, gemischt mit einem leichten Hauch von Zimt, der von einer Kerze auf dem Regal kam. Die Möbel wirkten einladend, gemütlich, und das Chaos der Woche schien sich irgendwo in den Hintergrund zurückgezogen zu haben.

Das Knistern des Kamins schien lauter zu werden, die einzige Bewegung in einem ansonsten stillen Raum. »Hörst du das?« fragte Robin schließlich, ihre Stimme ruhig, aber fragend.

Nami hob den Blick, die Stirn leicht gerunzelt. »Was denn?« Ihre Augen suchten den Raum ab, als würde sie ein Geräusch erwarten, das sie bisher überhört hatte.

»Die Stille«, erklärte Robin nach einer kurzen Pause, ihre Lippen formten ein kaum sichtbares Lächeln. »Es ist still.«

»Ja, und?«, kam die irritierte Antwort, bevor es langsam einsickerte. Der letzte Abend, bevor der Familientrubel losging, bevor das Haus voller Stimmen, Gelächter und gelegentlichem Streit war. Nami hielt inne, ihre Schultern sanken leicht ab, als das Gewicht des Moments zu ihr durchdrang.

Ein leises Kichern entkam ihr schließlich, fast wie ein Ausdruck von Erkenntnis. »Stimmt. Es ist himmlisch.«

Das Scrollen am Fernseher verstummte, bevor sie schließlich eine Entscheidung traf. »Hier. Das ist gut«, sagte sie, der Bildschirm füllte sich mit dem Startbild eines Films. Ohne große Worte legte sie die Fernbedienung zur Seite und schlüpfte zu Robin aufs Sofa, ließ sich mit einem leisen Seufzen an sie lehnen.

Ein Arm legte sich um ihre Schultern, zog sie noch näher. Die Hand begann, sanfte Kreise auf ihrem Rücken zu ziehen, ein beruhigender Rhythmus, der die Atmosphäre noch intimer machte. Die Wärme des Kamins, das Gewicht der Decke, die locker über beiden lag, und die Vertrautheit ihrer Nähe ließen die Woche wie einen fernen Traum erscheinen.

Die Stille war nicht mehr leer, sondern gefüllt mit dem Gefühl purer Entspannung. Der Film begann, das leise Summen des Soundtracks vermischte sich mit dem Knistern des Feuers. Robin ließ ihren Kopf leicht an Namis lehnen, die Augen halb geschlossen. Für diesen Moment war alles perfekt.

Hark how the bells, sweet silver bells, all seem to say.

Nami Lindgren genoss die friedliche Stille des vierten Adventsonntagsmorgens, die über dem Haus lag. Im Esszimmer stand sie, die Fingerspitzen um das Streichholz geschlossen, als sie die Flamme auf die erste Kerze lenkte. Ein leises Knistern erklang, gefolgt vom sanften Leuchten des Feuers, das die erste Kerze in warmes Licht tauchte. Der Vorgang wiederholte sich, bis alle vier Kerzen brannten, ihr Licht wie kleine Sterne im dämmernden Raum.

Eine behagliche Wärme füllte die Luft, verstärkt durch den Duft von Tannenzweigen und dem Hauch von Wachs, der sich mit der Kühle des Wintermorgens mischte. Der Adventskranz schien fast lebendig im Spiel der Flammen. Ein kurzer Moment der Stille – perfekt und harmonisch – umschloss den Raum.

Robin saß ihr gegenüber am Tisch, die Zeitung ausgebreitet, während eine dampfende Tasse Kaffee vor ihr stand. Sie wirkte in sich versunken, die Augen glitten ruhig über die gedruckten Zeilen, die Fingerspitzen strichen gelegentlich über die Ecke der Seite, bevor sie umblätterte. Ihr Gesicht blieb entspannt, kaum eine Regung verriet, was sie gerade las.

Zeus saß einige Meter entfernt auf dem Boden, direkt neben der Tür zum Flur. Die kleinen Flammen der Kerzen spiegelten sich in seinen großen, bernsteinfarbenen Augen, während er sie aufmerksam beobachtete. Sein Schwanz zuckte leise hin und her, aber er wagte sich nicht näher.

Gedanken formten sich in Namis Kopf, während sie einen Schritt zurücktrat und das Gesamtbild betrachtete. Der Adventskranz, der Raum, die friedliche Atmosphäre – alles wirkte so vollkommen, dass es schwerfiel, sich vorzustellen, wie bald alles anders sein würde. Ein leises Stoßgebet, kaum mehr als ein gedanklicher Flüsterlaut, richtete sich an alle erdenklichen Mächte. Die Bitte war einfach und doch tief empfunden: Mögen die bevorstehenden Tage ruhig und ohne Aufruhr verstreichen.

Das war der letzte Moment der Stille, bevor sich das Haus mit Leben füllen würde. Die Familienmitglieder würden kommen, Gelächter und Stimmenwogen würden den Raum erfüllen, und die friedliche Einsamkeit des Morgens würde in den Hintergrund treten. Doch noch war es ruhig, und sie atmete diesen Augenblick ein.
 

Die Dämmerung legte sich langsam über das Land. Die ersten Lichterketten schimmerten bereits, flackerndes, warmes Glühen, das die Zweige der Bäume umspielte. Aus den Fenstern des Hauses fiel ein einladender Schein, der die Schatten der nahenden Nacht verdrängte.

Das vertraute Brummen eines Motors durchbrach die ruhige Abendluft, bevor das Auto langsam die Auffahrt hinaufrollte. Die Reifen knirschten auf dem Kies, doch bevor der Motor ganz verstummte, flog die Fahrertür auf. Ace sprang mit der Energie eines aufgedrehten Teenagers aus dem Wagen, die Bewegungen hektisch und überschwänglich. Keine Sekunde später ließ er einen schrillen Pfiff los, der die klare Winterluft durchschnitt.

»Heilige … Das nenne ich mal Weihnachtswahnsinn!« Ace stemmte die Hände in die Hüften, die Kälte schien ihm nichts auszumachen. Sein Blick wanderte über die funkelnde Szenerie, die sich vor ihm ausbreitete. »Nojiko, das musst du dir ansehen!« Dann schossen seine Arme in die Höhe, dann deutete er wild umher, als könnte er die schiere Pracht der Weihnachtsdekoration gar nicht erfassen. Die Lichterketten, die um die Bäume gewickelt waren, glitzerten wie Sterne, die vom Himmel gefallen waren. Auf der Rasenfläche standen Schneemänner und Wichtel in allen möglichen Posen, und über der Garage thronte ein Schlitten mit Rentieren, als stünde Santa Claus kurz davor, abzuheben. Von den Rentieren führte eine funkelnde Spur hinauf aufs Dach, wo ein Weihnachtsmann mit seinem riesigen Geschenkesack balancierte, der so groß war, dass er kaum den Schornstein erreichen konnte. Und dann erstrahlte noch die gesamte Hausfassade.

Nojiko stieg gemächlicher aus dem Auto und ließ sich Zeit, ihren Mantel zu richten, bevor sie sich Ace zuwandte. »Hör auf, wie ein Affe herumzubrüllen!« Ihre Stimme klang tadelnd, doch das Amüsement in ihren Augen verriet sie. »Die ganze Nachbarschaft hört dich!«

Er ignorierte sie und stürmte zur Treppe, wo Robin stand, die Arme locker verschränkt. Ihre Augen musterten die Dekoration mit einer Mischung aus Unglauben und Gleichgültigkeit. Das kleine Lächeln auf ihren Lippen war kaum mehr als eine Andeutung, doch Ace ließ sich davon nicht abschrecken.

Mit einer schwungvollen Bewegung klopfte er ihr auf die Schulter, seine breite Grinse sprengte förmlich sein Gesicht. »Robin, das hier ist der Wahnsinn! So was habe ich noch nie gesehen! Nami hat sich echt selbst übertroffen, oder? Du musst doch zugeben, das ist beeindruckend!«

Robin schwieg für einen Moment, als würde sie überlegen, wie sie darauf reagieren sollte. Schließlich zog sie eine Augenbraue hoch und murmelte trocken: »Beeindruckend ist nicht das Wort, das mir in den Sinn kommt. Eher … grotesk.«

»Ach komm, du musst doch zugeben, es hat Stil!«

Ace brach in schallendes Gelächter aus, während Robin sich mit einem leisen Seufzen wieder an die Hauswand lehnte. Nami, die das Schauspiel beobachtete, schickte Robin ein amüsiertes Zwinkern, bevor sie ihre Schwester zur Begrüßung in die Arme schloss.

»Es sieht fantastisch aus«, sagte Nojiko, bevor sie Nami mit einem neugierigen Blick ansah. »Aber wie hast du Robin dazu gebracht, mitzumachen? Ich dachte, das hier wäre so gar nicht ihr Ding.«

Ein wissendes Grinsen breitete sich auf Namis Gesicht aus. »Ich habe mich entschuldigt … viele Male. Sehr überzeugend.« Der freche Unterton entging Nojiko nicht, sie verstand und lachte laut auf.

»Was ist so lustig?« Robin beobachtete die beiden mit einem misstrauischen Blick, was Nami nur mit einem unschuldigen Abwinken quittierte.

Währenddessen hatte Ace seinen Blick ins Haus gleiten lassen, wo er ein kleines Wesen entdeckte. »Zeus!«, rief er begeistert, und seine Augen leuchteten vor Freude. Das rot-getigerte Kätzchen saß mitten im Flur und leckte sich die Pfote, unbeeindruckt von der plötzlichen Aufmerksamkeit.

»Hey, mein kleiner Freund, komm her!« Ace rief liebevoll und hockte sich in den Türrahmen, klopfte mit der Hand auf den Boden. Zeus sah kurz auf, ließ jedoch keine Anstalten, sich zu bewegen. Stattdessen marschierte er einfach ins Wohnzimmer.

»Oh nein, du entkommst mir nicht!« Mit einem Satz war Ace im Haus, während Nojiko und Nami ihm kopfschüttelnd hinterherblickten. Zeus sauste vom Sofa hinunter und verschwand blitzschnell unter dem Couchtisch. Ace, zu groß und ungeschickt, rutschte beinahe aus, während er lauthals lachte.

»Ace, lass das!«, rief Nami mit einem Tonfall, der weniger nach einer echten Warnung klang, sondern eher nach Resignation. Sie sah, wie Zeus zurück in den Flur schoss, gerade noch die Kurve nehmend und Richtung Küche sprintete.

Robin seufzte hörbar und strich sich mit zwei Fingern über die Stirn. »Geht ihm je die Batterie aus?«

»Nein«, antworteten Nojiko und Nami wie aus einem Mund, bevor sie beide in Lachen ausbrachen. Robin schüttelte den Kopf und murmelte etwas Unverständliches, das wohl kaum schmeichelhaft war, während Ace‘ Lachen durch die Räume hallte.
 

Auf dem niedrigen Couchtisch standen Wein, ein Teller halb geleerter Plätzchen und eine Schale mit Nüssen. Es war ein Abend, wie er gemütlicher kaum sein konnte – ein Hauch von Trubel, ein Hauch von Entspannung, genau richtig.

Ace saß auf dem flauschigen Teppich vor dem Kamin und hatte Zeus auf dem Schoß. Das kleine Kätzchen miaute protestierend, während Ace es immer wieder sanft am Bauch kitzelte. »Komm schon, Zeus, sei doch nicht so«, sagte er grinsend, als das Kätzchen sich windend befreite und wie ein kleiner Blitz unter dem Sessel verschwand. Ace brach in lautes Lachen aus, schob sich zurück auf die Fersen und sah ihm mit leuchtenden Augen nach. »Der kleine Kerl hat echt Pfeffer!«

Die drei Frauen saßen auf der großen Couch, jeder mit einem Glas Wein in der Hand. Robin hatte sich bequem zurückgelehnt, ein Bein lässig über das andere geschlagen, während Nojiko und Nami etwas aufrechter saßen.

»Sag mal«, fragte Nojiko beiläufig, das Weinglas in ihrer Hand schwenkend, bevor sie zu ihrer Schwester sah, »hat Mama bei dir auch mit dieser Kreuzfahrtgeschichte angeklopft?«

Ein Seufzen kam als Antwort, gefolgt von einem langen Schluck Wein. »Natürlich hat sie das«, kam es schließlich mit einem Anflug von Resignation. »Und natürlich meint sie alle.«

»Alle?« Robin hob langsam eine Augenbraue, ein schiefes Lächeln zeichnete sich auf ihren Lippen ab. »Was genau heißt alle in ihrer Welt?«

»Das volle Programm eben.« Ein leises Klirren ertönte, als das Weinglas abgestellt wurde. »Ihr Plan klingt in ihren Worten ungefähr so: Stellt euch vor, wie schön es wäre, Weihnachten auf einem Kreuzfahrtschiff zu verbringen – alle zusammen, als eine große Familie. Klingt doch traumhaft, oder?« Der Sarkasmus war kaum zu überhören.

»Bellemere glaubt wirklich, dass das eine gute Idee ist?«

»Glaubt nicht nur, sie weiß es

Robin hielt inne, das Weinglas halb in der Luft, und sah Nami mit einem Blick an, der irgendwo zwischen ungläubig und genervt lag. Ihre Augenbraue hob sich langsam, und die Stille, die kurz darauf folgte, schien das Kaminfeuer selbst für einen Moment innehalten zu lassen.

Sie stellte ihr Glas mit einer fast übertrieben kontrollierten Bewegung ab, lehnte sich zurück und verschränkte die Arme vor der Brust. »Das wäre kein Urlaub, sondern eine Bestrafung! Und Lass mich raten: Bellemere wäre die Erste, die die Brücke stürmt, weil sie unbedingt sehen muss, wie das hier alles funktioniert. Genzo wandert durch die Bars. Und meine Mutter? Die setzt sich mit einem Notizbuch irgendwo an Deck und plant, eine komplette Abhandlung über historische Seefahrt im Kreuzfahrtzeitalter zu schreiben und da sind ihre Vorträge über Handelsrouten nicht mitbegriffen.«

»Und Kuzan«, seufzte Nami, »der verschwindet. Mindestens dreimal pro Tag. Niemand weiß, wohin er geht, und niemand fragt. Alle denken, er verzieht sich mit einem Buch auf einen der Balkone, um die Ruhe zu genießen.«

»Nur um später herauszufinden, dass er wieder mal etwas macht, das zum Fremdschämen ist«, seufzte Robin.

»Bis irgendwann«, beendete Nami mit schiefem Grinsen, »der Moment kommt, in dem die anderen Gäste verstehen, dass wir zu ihm gehören und das wird peinlich genug.« Synchron wanderten ihre Blick Richtung Ace, der noch immer versuchte Zeus die Verbrüderung schmackhaft zu machen und kläglich scheiterte.

Nojiko folgte ihnen, seufzte resignierend. »Ihr müsst nichts sagen.« Ein herzliches Lachen erfüllte den Raum, bevor sie nachsetzte: »Aber mal ehrlich. Vielleicht sollten wir ihnen die Kreuzfahrt wirklich schenken. Lasst sie ihren Spaß haben.«

»Über Weihnachten?«, murmelte Robin und schüttelte leicht den Kopf. »Aber selbst, wenn wir es ihnen schenken, weißt du genau, was passiert. Sobald unsere Mütter davon erfahren, drücken sie uns Tickets in die Hand. Damit wir das auch erleben – als Familie. Und plötzlich sitzen wir mitten im Chaos.«

Nojiko hob ihr Glas, ihre Stimme nahm einen nachdenklicheren Ton an. »Wenn das ein ernsthaftes Thema wird, dann sollen sie sich eine schöne Zeit machen und uns raushalten! Wir verziehen uns stattdessen in die Berge.«

Die Vorstellung war verlockend. Eine ruhige Hütte in den Bergen, nur sie drei – na gut, vielleicht auch Ace und Zeus –, weit weg von Trubel, von Plänen, von gut gemeinten, aber chaotischen Familienideen. Der Gedanke an verschneite Tage, klang wie ein Traum, einer, den sie fast zu schön fanden, um ihn zu glauben.

Doch es blieb ein Gedanke, eine kleine Fluchtfantasie, die nie Realität werden würde. In ihren Familien gab es so oder so kein Entkommen – und schon gar nicht an den Feiertagen. Weihnachten hatte seine eigenen Regeln, besonders bei Bellemere und Olvia. Regeln, die sie alle längst kannten.

Oh what fun it is.

Robin Nikolaev genoss die klare, kühle Luft des winterlichen Nachmittags, während ihre Stiefel im knirschenden Schnee Spuren hinterließen, die wie eine gemächliche Spur durch die weiße Landschaft wirkten. Sonnenstrahlen brachen durch das Gezweig der kahlen Bäume und ließen den Schnee glitzern wie Millionen kleiner Diamanten. Gemächlich bewegten sich zwei Gestalten nebeneinander, Nojiko mit ihrer typischen Gelassenheit und Robin, deren ruhige Haltung dem Moment eine beinahe poetische Note verlieh. Hinter ihnen schwoll das Stimmengewirr immer weiter an.

Ein lebhafter Schlagabtausch über Filme dominierte das Geschehen. Atemwölkchen stiegen in die kalte Luft, als die Worte zwischen Begeisterung und Neckerei hin- und hersprangen. Plötzlich hielt Ace inne, ein breites Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus, während er eine Handvoll Schnee formte. Triumphierend schleuderte er die Kugel durch die Luft. Das Ziel, Nami, wurde präzise an der Schulter getroffen.

Ein spitzer Aufschrei hallte durch den Park. »Das wirst du bereuen!«, rief sie, ging blitzschnell in die Knie und feuerte zurück. Der Schneeball prallte dumpf gegen Aces Brust. Innerhalb von Sekunden entbrannte ein wilder Kampf, Schnee flog in wilden Bahnen durch die Luft, begleitet von ausgelassenem Lachen und herausfordernden Rufen.

Das Schauspiel zog alle Aufmerksamkeit auf sich. Mit verschränkten Armen blieb Robin stehen, ein Lächeln spielte um ihre Lippen. Neben ihr schüttelte Nojiko den Kopf, doch ein amüsiertes Blitzen in ihren Augen war nicht zu übersehen. »Kindisch wie immer«, bemerkte sie trocken und hob eine Augenbraue. »Für so etwas bin ich zu alt«, fügte sie mit einem schiefen Lächeln hinzu, während ihre Haltung weiterhin Überlegenheit ausstrahlte.

Hinter der Deckung einer Schneewehe agierte Nami mit taktischer Präzision. Im Gegensatz dazu tobte Ace wie ein Wirbelwind über das Schlachtfeld, seine Schneebälle flogen wild durch die Luft, manche weit am Ziel vorbei. Das Chaos blieb jedoch nicht ohne Kollateralschaden. Eine gut gezielte Kugel traf Nojiko mit voller Wucht an der Hüfte. Triumphierend riss Nami die Faust in die Luft. »Das passiert, wenn du dich raushalten willst!«

Mit einem empörten Aufschrei und blitzendem Blick bückte sich Nojiko. Innerhalb von Sekunden landete ein präziser Wurf auf Namis Schulter, begleitet von lautem Lachen. Was als spöttischer Kommentar begonnen hatte, verwandelte sich in ein leidenschaftliches Engagement. Ihre Bewegungen, elegant und entschlossen, zeigten, dass sie jetzt voll dabei war.

Im Hintergrund hielt sich Robin noch immer zurück. Die Ruhe währte allerdings nicht lange. Ein Schneeball traf sie an der Schulter. Nami grinste herausfordernd, die Augen funkelnd vor Vergnügen. »Na los, Robin, du kannst dich nicht wehren!«, rief sie und hielt bereits die nächste Ladung bereit.

Ein Augenblick des Zögerns folgte. Der Blick, den Robin Nami zuwarf, lag irgendwo zwischen belustigt und provokant. Dann folgte ein theatralisches Seufzen. »Du lernst nie, oder?« Mit fließender Bewegung bückte sie sich, formte einen Schneeball und warf ihn mit Präzision direkt ins Ziel. Nami lachte überrascht auf, das Keuchen in ihrer Stimme war eine Mischung aus Entsetzen und Vergnügen. Robin gab schließlich jede Zurückhaltung auf und stürzte sich in das Geschehen.

Von allen Seiten flogen Schneebälle. Lachend und rufend tauchten die vier in eine Welt ein, die für einen Moment alles andere ausblendete. Nojiko bewies eine unerwartete Treffsicherheit, während Nami unermüdlich neue Angriffe plante. Ace war ein Chaos aus Bewegung, seine Strategie bestand aus purem Eifer. Robin agierte mit kühler Präzision, doch das leichte Lächeln auf ihrem Gesicht verriet, wie sehr sie den Moment genoss.

Plötzlich unterbrach ein dumpfer Knall das Treiben. Ace, vor Eifer blind für seine Umgebung, stolperte über einen versteckten Ast. Wild ruderten seine Arme, bevor er mit einem spektakulären Platschen im Schnee landete. Für einen Moment war alles still, dann brach ein unkontrolliertes Gelächter aus. Selbst Robin musste sich den Bauch halten.

Ace hob den Kopf, Schnee klebte an seinem Haar und Gesicht. »Na, wenigstens habt ihr jetzt was zu lachen«, murmelte er, während er sich langsam aufrappelte und seine Jacke abklopfte.
 

Die Schneeballschlacht hatte sie die Zeit glatt übersehen lassen. Robin konnte sich noch genau erinnern, wie sie mit hochroten Wangen und vor Kälte tauben Fingern ins Haus getaumelt waren, nur wenige Minuten vor den drei, die sie erwartet hatten: Olvia, Bellemere und Genzo. Jetzt, nach einer heißen Dusche und in bequeme Kleidung gehüllt, saßen sie alle zusammen um den großen Esstisch. Das knisternde Feuer im Kamin war die perfekte Kulisse für das fröhliche Durcheinander aus Stimmen, Lachen und Klappern von Geschirr.

Zeus, das kleine Kätzchen, war das Zentrum einiger Aufmerksamkeit. Elegant lief er zwischen den Stühlen hindurch und gelegentlich schmiegte er an den Beinen der älteren Generation.

Anders als bei Ace, den er oft stehen ließ, wirkte er bei ihnen völlig entspannt. Schließlich ließ er sich direkt neben Genzo nieder, die Augen neugierig aufgerissen, offenbar hoffend, dass etwas herunterfiel. Mit einem leisen, auffordernden Miauen versuchte Zeus, Genzos Aufmerksamkeit zu erregen, was ein Lächeln auf das Gesicht des Mannes zauberte. Robin beobachtete, wie Ace einen missmutigen Blick in Richtung der Katze warf, während er an seinem heißen Kakao nippte.

»Das ist unfair«, murmelte er schließlich und lehnte sich zurück. »Bei mir rennt er immer sofort weg, und jetzt rollt er sich einfach um ihre Füße.«

Nami grinste breit, während sie ein Stück Brot mit Butter bestrich. »Wie kann er denn dich nicht mögen?« Ihre Stimme triefte vor gespieltem Mitgefühl, was Ace nur noch mehr schmollen ließ.

Mit einem amüsierten Lächeln strich Nojiko ihrem Verlobten über den Rücken. »Das hast du dir selbst zuzuschreiben. Du hast ihn von Anfang an erschreckt.« Ein leises Kichern kam von Bellemere, die sich entspannt zurücklehnte.

»Vielleicht«, begann Olvia neckend, »solltest du lieber an deinem Charme arbeiten.«

Das allgemeine Gelächter verstärkte Ace' Schmollen nur noch, doch schließlich konnte er sich ein kleines Lächeln nicht verkneifen. Die Gespräche drehten sich bald um Neuigkeiten und Geschichten.

Robin ließ ihren Blick schweifen, nahm die vertrauten Gesichter in sich auf und fühlte ein warmes Gefühl der Zufriedenheit. Es war selten, dass sie so vollständig beisammen waren. Gerade weil sie mittlerweile in unterschiedlichen Städten lebten, ihren eigenen Rhythmus und ihre eigenen Leben hatten, waren die Weihnachtsfeste ein fester Bestandteil ihrer Familie geworden. Auch wenn sie oft darüber stöhnten, wie anstrengend die Vorbereitungen waren oder wie chaotisch es manchmal zuging, hätten sie diese Tradition niemals missen wollen. Diese gemeinsamen Tage bedeuteten Zusammenhalt, Geschichten und Erinnerungen – ein Gefühl, das sie alle immer wieder aufs Neue miteinander verband.

Während Bellemere eine weitere Anekdote erzählte, bemerkte Robin aus den Augenwinkeln, wie Genzo sich unauffällig zur Seite lehnte. Sein Teller war immer noch gut gefüllt, doch eine kleine Handbewegung verriet seine Absicht. Zeus, der aufmerksam neben ihm saß, erhob sich augenblicklich. Mit einem schnellen Haps schnappte sich das Kätzchen ein Stück, bevor es sich wieder brav neben ihn setzte, die Augen erwartungsvoll glänzend.

Ein Lächeln stahl sich auf Robins Gesicht, doch sie sagte nichts. Stattdessen ließ sie die Szene für sich sprechen, während Genzo ein leises Murmeln von sich gab: »Du kleines Schlitzohr!«

Oh Christmas tree, oh Christmas tree.

Nami Lindgren lauschte den leisen Gesprächen im Wohnzimmer, die wie das Knistern eines fernen Feuers klangen. Mit dem Rücken zum Raum und den Kopf leicht geneigt, hörte sie Bellemere aufmerksam zu, die begeistert von ihrem neuesten Gartenprojekt erzählte. Nojikos leises Lachen mischte sich mit dem tiefen Timbre von Genzos Stimme, während der Duft von frisch gebrühtem Kaffee und das harzige Aroma des Weihnachtsbaums eine wohlige Wärme verbreiteten. Der Vormittag fühlte sich an wie eine sanfte Brise, die die Seele streichelte – ruhig und trügerisch harmonisch.

Robin und ihre Mutter waren oben im Arbeitszimmer, vermutlich in ein Gespräch über Bücher oder alte Dokumente vertieft. Die Welt schien für einen Moment in perfekter Balance zu sein.

Doch dann hörte sie es.

Es war ein dumpfes Krachen, gefolgt von einem schrillen Klirren und dem schmetternden Aufprall von zerbrechendem Glas. Dazu hörte Nami ein Fauchen, ein verängstigtes Miauen und das hektische Kratzen kleiner Krallen auf dem Boden. Sie erstarrte. Ihre Fingerspitzen krallten sich in das Tischtuch, während ihr Atem stockte. Nojiko war blass geworden, ihre Lippen leicht geöffnet. Bellemeres Stirn zog sich zusammen, ein leises »Oh nein …« entfloh ihren Lippen. Genzo schüttelte nur wortlos den Kopf, bevor er schwerfällig aufstand.

Plötzlich sah Nami aus dem Augenwinkel, wie Zeus wie ein kleiner Blitz durchs Esszimmer schoss, auf glatten Pfoten kaum die Kurve kriegte und mit einem Fauchen unter einem der Schränke verschwand. Langsam, fast wie in Trance, drehte sie sich um. Ihre Augen weiteten sich, als sie das Desaster vor sich sah. Der Weihnachtsbaum – ihr wunderschön geschmückter, perfekt dekorierter Baum – lag quer auf dem Boden, ein Bild des absoluten Chaos.

Die Hälfte der Kugeln war zerschmettert, ihre bunten Scherben funkelten wie kleine Splitter eines Traums zwischen den verstreuten Tannennadeln. Ein Wandboard, das dekorative Figuren und Kerzen gehalten hatte, war teilweise in Mitleidenschaft gezogen worden. Zwei Figuren und ein Bild fehlten – die leeren Stellen im Regal stachen förmlich ins Auge. Ihre Bruchstücke lagen verstreut auf dem Teppich, als würden sie das Desaster bezeugen. Der massive Baum hatte mehrere Geschenke unter sich begraben. Und Nami glaubte jetzt schon den einen oder anderen gebrochenen Ast zu erkennen.

Der Boden war übersät mit zerbrochenen Kugeln, zerdrückten Schleifen und einem Meer aus Nadeln. Ein beschädigter Bilderrahmen lehnte schief an der Wand. Es wirkte wie ein gefallener Gigant, der im Strudel seines eigenen Untergangs alles um sich mitgerissen hatte.

Ace stand allein im Zentrum des Chaos, eine Lichterkette in der einen Hand, während an seiner anderen Hand deutlich die Spuren von kleinen Krallen zu sehen waren. Seine Augen waren weit aufgerissen, seine Haltung starr wie jemand, der gerade eine Lawine losgetreten hat und nun unfähig ist, die Folgen zu begreifen. Zeus war längst verschwunden, wie ein geisterhafter Blitz durch das Esszimmer entwischt, und niemand hatte genau gesehen, wie das alles passiert war. Doch in diesem Moment spielte das keine Rolle.

Es dauerte nur einen Herzschlag, bevor Nami explodierte.

»Was zur Hölle hast du jetzt wieder gemacht!«, schrie sie, ihre Stimme durchdrang das ganze Haus wie ein Gewitter. Sie sprang auf, der Stuhl kippte, ihre Hände zu Fäusten geballt, während ihr Gesicht von einem dunklen Rot überzogen wurde. Sie wirbelte auf Ace zu, ihre Augen loderten vor Wut. Ace blieb wie versteinert stehen, die Lichterkette immer noch in seiner Hand.

Ihm war die Schuld anzusehen, aber neuerlich war sein Mund schneller als sein Verstand. »Also, ich würde sagen, der Baum wollte einfach ein Nickerchen machen …«

Für einen Moment schien es, als hätte die Welt aufgehört, sich zu drehen. Namis Augen verengten sich, ihre Atmung wurde lauter, bevor sie schrie: »Ein Nickerchen?!« Ihre Worte hallten wie ein Donner. »Das ist dein Kommentar?«

Ace hob schützend die Hände, wissend, dass jede weitere Verteidigung sinnlos war. »Es war nicht mit Absicht!«, versuchte er, doch Namis Redeschwall überrollte ihn.

»Das interessiert mich nicht, sieh dir die Scheiße an!« Sie schnappte nach Luft, während sie einen Schritt näherkam. Unbewusst wich er zurück, seine Haltung nervös, seine Augen auf der Suche nach Rettung.

Doch dann, als Nami auf ihn losgehen wollte, ihre Hände hoben sich bedrohlich, schritt Bellemere ein. Sie packte Nami an den Schultern und hielt sie fest, auch wenn es sichtbare Mühe kostete. »Nami, beruhige dich«, sagte sie mit einer Stimme, die Ruhe ausstrahlen sollte, obwohl ihre Augen vor Sorge blitzten.

»Beruhigen?! Beruhigen?! Schau dir das an!« Nami rang nach Luft, ihre Brust hob und senkte sich schnell. Ihre Augen funkelten wie Dolche, die direkt auf Ace gerichtet waren, der einen Schritt zurückwich und unsicher grinste.

Nojiko stand wie versteinert da, unfähig, sich zu rühren. Ihre Hände zitterten leicht, doch sie machte keinen Schritt. Genzo dagegen trat näher, seine Stirn in tiefen Falten, und betrachtete den Baum mit prüfendem Blick. »Das wird eine Weile dauern, bis wir das wieder hinkriegen«, murmelte er vor sich hin, wobei er eine zerdrückte Kugel aufhob.

Inmitten dieses Wortgefechts hallten plötzlich Schritte die Treppe hinunter. Robin und Olvia tauchten in der Tür auf, ihre Gesichter spiegelten eine Mischung aus Verwirrung und Fassungslosigkeit wider. Robin blieb abrupt stehen, ihre Augen weiteten sich bei dem Anblick des Chaos. Olvia hob eine Hand vor den Mund, offenbar sprachlos.

Noch bevor jemand von ihnen ein Wort sagen konnte, ertönte die Haustürglocke. Der Klang durchbrach die Luft wie ein Gong, der das Ende eines Kampfes ankündigte. Alle erstarrten, selbst Nami, deren Augen weiterhin vor Wut funkelten.
 

Nami stampfte mit schweren, donnernden Schritten zur Türe, jeder Schritt ein deutlicher Ausdruck ihrer brodelnden Wut. Ihre Fäuste waren so fest geballt, dass ihre Fingernägel sich in die Handflächen drückten. Mit einem Ruck riss sie die Türe auf, dass sie gegen die Wand schlug und ein leises Echo durch den Flur hallte. Draußen stand Kuzan, eingemummt in einen langen, dunklen Mantel, mit seiner typischen Lässigkeit, als hätte er gerade einen entspannten Spaziergang durch eine schneebedeckte Winterlandschaft gemacht. Mit einem unverschämten Lächeln auf den Lippen, das die Spannung in Namis Nacken nur noch verstärkte. Seine dunklen Augen musterten sie mit einer Mischung aus Belustigung und leichter Überraschung.

»Du siehst aus, als hättest du zu lange ins Feuer gestarrt«, sagte er trocken und zog eine Braue hoch. Der Kommentar war wie Öl ins Feuer, und Nami fühlte, wie die Hitze in ihrem Gesicht erneut aufflammte.

Bevor sie auch nur einen Ton von sich geben konnte, schob Kuzan sich an ihr vorbei, so selbstverständlich, als gehöre ihm das Haus. »Wo ist das kleine Fellknäul, von dem alle reden?«, fragte er über die Schulter, während er ohne weiteres Zögern ins Wohnzimmer marschierte.

Ihre Augen verengten sich, und für einen Moment sah es so aus, als würde sie ihm direkt an die Gurgel gehen. Doch stattdessen schnaubte sie und zog die Schultern hoch, während sie ihm einen eisigen Blick hinterherschickte.

Kuzan rief bereits ein fröhliches »Frohe Weihnachten!« in den Raum, als sie ihm schließlich hastig folgte.

Im Wohnzimmer herrschte für einen Moment völlige Stille, als Kuzan den umgestürzten Baum registrierte. Er ließ seinen Blick provokant langsam über das Chaos schweifen – die zerdrückten Geschenke, die verstreuten Nadeln, die zerschmetterten Kugeln. Ein leichtes Zucken an seinen Mundwinkeln deutete an, dass er bereits einen Kommentar auf der Zunge hatte, doch er hielt sich zurück. Stattdessen schritt er direkt auf Olvia zu, zog sie in einen sanften Kuss und sagte: „Du siehst wie immer umwerfend aus.“

Robin, die neben ihrer Mutter stand, öffnete den Mund, als wollte sie etwas sagen, doch Kuzan ließ ihr keine Gelegenheit. Noch bevor ein Wort über ihre Lippen kam, zog er sie in eine übertrieben überschwängliche Umarmung, die ihr sichtlich die Luft nahm. Ihre Schultern blieben steif, ihr Gesichtsausdruck sprach von purer Anspannung, und neben ihm wirkte selbst sie kleiner und fast verloren. Kuzan schien es entweder nicht zu bemerken oder genoss es, sie in seiner gewohnt lässigen Art völlig zu überrumpeln.

Dann wandte er sich mit einem weiteren frechen Grinsen an den Rest des Raumes, sein Blick lungerte einen Moment länger als nötig auf dem gefallenen Baum »Also, so hässlich war der Baum jetzt auch wieder nicht.«

Ace, das Paradebeispiel für schlechtes Timing, konnte ein prustendes Lachen nicht zurückhalten. »Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum, wie schief sind deine Zweige …«, sang er leise vor sich hin.

Das war der letzte Tropfen. Ein urzeitliches, wutentbranntes Brüllen entfuhr Nami, ein Laut, der jedem Anwesenden die Nackenhaare aufstellte. Ihre Wut schien förmlich greifbar, eine brodelnde Kraft, die jeden Moment überkochen konnte. »Ihr seid alle verdammt nochmal gestört! Sing weiter und ich stecke dir den Tannenbaum dahin, wo kein Licht hinkommt! Und du kannst dorthin zurück verschwinden, wo du hergekommen bist!« schrie sie. »Was zum Teufel stimmt nicht mit euch!«

Bellemere und Nojiko reagierten blitzschnell. Bevor Nami endgültig über beide herfallen konnte, packten sie sie unter den Armen und zogen sie mit vereinten Kräften Richtung Tür. »Wir gehen jetzt«, erklärte Bellemere entschieden, ihre Stimme so fest wie Stahl, während sie Nami regelrecht nach draußen schleiften.

»Lasst mich los! Verdammt nochmal, was glaubt ihr eigentlich, was ihr da macht?!«, fauchte Nami, während sie strampelte und sich windete. »Bringt die Scheiße wieder in Ordnung!« Ihr Geschrei war durchdringend, und ihre Wut füllte den Raum wie eine lodernde Flamme, während Nojiko und Bellemere sie unbeirrt weiterzerrten.

»Oh, ist das der Ruf der roten Flut?« Kuzans Stimme war kaum verhallt, als sich Ace’s Gesicht vor Panik verzog. Schnell hob er die Hände, als wollte er die Worte zurück in Kuzan drängen.

»Halt den Mund«, flüsterte Ace hektisch, doch es war bereits zu spät.

»Wiederhol das!«, donnerte Namis Stimme aus dem Flur, scharf und durchdringend wie ein Peitschenschlag.

Bellemere und Nojiko wechselten erneut einen Blick, diesmal von stummer Dringlichkeit begleitet. Noch bevor Nami ihre nächste, schärfere Beleidigung ausstoßen konnte, erklang Bellemeres festes »Abmarsch!« und die Tür fiel mit einem entschlossenen Klick ins Schloss.
 

Die Schritte auf dem Holzboden waren kaum hörbar, so schleppend setzte sich ein Fuß vor den anderen. Die Küche lag im Halbdunkel, nur die warme Helligkeit des Herdlichts schien auf die Arbeitsplatte und die Gestalt, die davorstand.

Die Bewegung war ruhig, fast mechanisch, als ob sie ihre eigene Ordnung inmitten eines chaotischen Tages gefunden hätte. Ein zusammengerolltes Kätzchen auf einem Stuhl neben der Theke hob kurz den Kopf, als eine Hand vorsichtig über sein Fell strich. Ein leises Schnurren folgte, müde und dennoch zufrieden.

»Ich musste ihn unter dem Bett hervorholen«, sagte Robin, ihre Stimme ruhig, aber die Andeutung von Ärger war nicht zu überhören. »Hat eine Weile gedauert.«

Das leise Streichen der Hand stockte für einen Moment. Ein gemurmeltes, fast schuldbewusstes »Ich war wohl … etwas laut«, schob sich in die Stille. Keine Antwort kam direkt, nur ein Schulterzucken, das den Punkt deutlicher machte als jedes Wort.

Ihr Kopf deutete Richtung Wohnzimmer. Beim Vorbeigehen hatte es gewirkt, als hätte das Chaos nie stattgefunden. Alles war aufgeräumt, selbst der Baum stand wieder an seinem Platz. »Täusche ich mich oder wurde er ausgewechselt?«

Ein Seufzen begleitete die Bewegung, mit der der Löffel beiseitegelegt wurde. »Franky hat ihn vorbeigebracht«, begann Robin. »Ich wollte selbst los und ihn nur fragen, wo ich um diese Zeit noch Glück hätte. Aber er ließ es sich nicht nehmen, hat ihn gebracht und den beiden ordentlich eingeheizt.«

Das kleine Lächeln auf den Lippen war nicht zu verhindern. Die Vorstellung von Franky, der wie ein Sturm durch die Männer wirbelte, um den Schaden wiedergutzumachen, erwärmte etwas in der Brust. Der warme Gedanke wuchs, als ein Glas Wein vor sie geschoben wurde, keine Worte notwendig, nur die Geste und der Blick, der sie aufforderte, es anzunehmen.

Die Stille war angenehm, beinahe tröstlich, als ein stummer Dialog zwischen Blicken geführt wurde. Die Worte, die unausgesprochen blieben, hatten mehr Gewicht als jede Entschuldigung. Schließlich traten Arme hervor, offen und einladend. Es war keine Sekunde des Zögerns nötig. Der Schritt nach vorn brachte den Trost, der überfällig war. Das tiefe Einatmen war wie ein Moment des Loslassens, als die Wärme der Umarmung sie beide einschloss.

»Ich war einfach wütend, weil Ace Zeus den Baum erst schmackhaft gemacht hat«, kam es gedämpft, fast widerwillig. »Was es war, ist jetzt eh egal.«

Ein leises Lächeln begleitete die Antwort. »Shoppen, oder?«

Ein kurzes Lachen lockerte die Spannung, während die Erinnerung die Schwere der letzten Stunden zu vertreiben begann. »Auch.« Das kurze Schütteln des Kopfes und der schelmische Zusatz brachten einen Hauch von Spott zurück. »Ich gebe beiden die Rechnungen.«

»Sie wollen sich entschuldigen«, begann Robin schließlich, die Worte fast beiläufig, aber mit einem Hauch von Belustigung. »Ein Lied, am Klavier. Ich habe sie davon abgehalten. Dachte, das könnte die Stimmung noch weiter ruinieren.«

Ein Lachen entkam ungewollt, ein echtes, erleichtertes Lachen, das in der Küche widerhallte. »Danke. Wirklich. Ich glaube, das hätte ich nicht überlebt.« Ein tiefer Atemzug folgte, das Gewicht der letzten Stunden schien sich endlich aufzulösen. »Ich hoffe, der Abend wird jetzt besser«, kam es leise, fast wie ein Wunsch, den sie mehr an sich selbst richtete.

Joy to the world.

Robin Nikolaev stand am Herd und rührte die dickflüssige Sauce in einem kleinen Topf, während ihre Augen immer wieder zu Nami hinüberschielten, die am anderen Ende der Küche verzweifelt über handschriftlichen Notizen brütete.

»Hast du das Rezept eigentlich vorher mal durchgelesen?«, fragte Robin und warf einen vielsagenden Blick auf die Notizen, die aussahen, als wären sie im Liebestrunk verfasst worden.

Nami zuckte mit den Schultern, während sie ihre Stirn mit der Hand rieb. »Kaum. Ich hab nur die Liste der Lebensmittel überflogen und gedacht, es würde nicht so schlimm werden. Aber das hier?« Sie hielt das Blatt hoch und zeigte es ihr. »Die Kartoffeln in Sonnenstrahlen anrichten, sodass sie wie das Lächeln eines Frühlingsmorgens das Herz erwärmen? Will er mich verarschen?«

»Okay?«

»Oder hier: Einen Hauch von Eleganz in die Glasur einarbeiten. Was will er mir damit sagen?« Nami seufzte resignierend und legte es auf die Arbeitsfläche zurück. Sie verschränkte die Arme. Ihre Wangen waren leicht gerötet, teils von der Hitze in der Küche, teils vor Frustration.

Robin zog die Kelle aus der Sauce und legte sie beiseite. »Vielleicht meint er, dass die Glasur gleichmäßig verteilt sein sollte. Oder-«

»Oder er hat ein Rad ab«, unterbrach Nami leicht genervt und fuhr sich durchs Haar. »Sollte das nicht einfacher laufen?«

In dem Moment öffnete sich die Küchentür, und ihre Mütter kamen hereingeschneit, mit dieser Mischung aus selbstbewusster Gelassenheit und Warmherzigkeit, die sie immer ausstrahlten.

»Wie läuft es bei euch?«, fragte Bellemere mit einem frechen Lächeln, während sie Namis gerötetes Gesicht und die verstreuten Notizen auf der Arbeitsfläche betrachtete.

Diese seufzte und hielt ihr das Rezept entgegen. »Hier bitte. Vielleicht kannst du mir erklären, was er meint und wie das funktionieren soll.«

Bellemere lachte laut und reichte das Blatt an Olvia weiter, die es mit einem Schmunzeln entgegennahm. »Sehr poetische Anweisungen«, schmunzelte Olvia und las die Notizen durch. Die beiden Frauen tauschten einen vielsagenden Blick aus.

»Wir übernehmen jetzt hier. Ihr zwei könnt uns zur Hand gehen, und vielleicht lernt ihr ja noch was«, neckte Bellemere. »So was solltet ihr wirklich öfter machen«, fügte sie mit einem Augenzwinkern hinzu, »dann wäre es kein Abenteuer und ihr bräuchte keine kryptischen Anweisungen.«

Robin warf Nami einen schnellen Blick zu. Sie wusste, dass weder sie noch Nami regelmäßig in der Küche experimentierten. Sie kochten, ja, aber meistens war es pragmatisch, nie mit dem Anspruch eines fünf Sterne Menüs. Namis schiefes Lächeln spiegelte genau diesen Gedanken wider.

Die Küche verwandelte sich innerhalb weniger Minuten. Wo vorher Frustration geherrscht hatte, war nun eine geordnete Betriebsamkeit eingekehrt. Bellemere schälte mit geübten Bewegungen die restlichen Kartoffeln, während Olvia die Gewürze für die Glasur bereitstellte. Ein kurzer Blick, ein zustimmendes Nicken – die beiden Mütter arbeiteten, als hätten sie diese Küche schon ihr ganzes Leben lang gekannt.

Robin beobachtete das Zusammenspiel mit stiller Bewunderung. Es war, als ob eine unsichtbare Verbindung zwischen den beiden Frauen existierte, ein unausgesprochenes Verständnis, das die Arbeit leicht und mühelos wirken ließ. Immer wieder gab es Anweisungen an sie und Nami – holt das, schneidet dies, rührt dort – und obwohl es hektisch war, fühlte es sich irgendwie warm und harmonisch an.

»Merkt euch das«, sagte Olvia, während sie eine Handvoll frische Kräuter fein hackte. Ihre Bewegungen waren ruhig, fast meditativ, als würde sie die Atmosphäre der Küche direkt beeinflussen. »Es hat etwas Beruhigendes, wenn man zusammenarbeitet, oder?«

»Beruhigend?« Nami schnaubte und wischte sich mit dem Handrücken die Stirn ab. »Wäre es mit einer leichteren Anleitung von Anfang an.« Ihr Blick glitt wieder zum Rezept, das wie ein fremder Code vor ihr lag.

Bellemere lachte herzlich, der Klang warm und voller Leichtigkeit. »Ach, das hier ist doch ein Kinderspiel! Warte ab, bis du mal ein echtes Festmahl für zwanzig Leute vorbereiten musst.« Ihre Augen blitzten herausfordernd, als sie zu ihrer Tochter hinübersah.
 

Da schwang die Küchentür auf, begleitet von einem leisen Kichern. Kuzan trat ein, allerdings mit dem Rücken voran, als wolle er etwas Wichtiges geheim halten. In seinem auffälligen Weihnachtszweiteiler vom Morgen, die passende Mütze tief in die Stirn gezogen, wirkte er wie ein Kind, das gerade einen Streich plant. Robin kniff leicht die Augen zusammen. Er stand leicht gekrümmt, als würde er etwas verbergen, und warf nur einen kurzen, schelmischen Blick über die Schulter. Seine Schultern zuckten, begleitet von einem weiteren, leisen Kichern, das ihn sofort verdächtig machte.

Sie musste unwillkürlich an gestern denken. Seine hoch und heilig vorgetragene Entschuldigung an Nami war noch frisch in ihrem Gedächtnis – eine Entschuldigung, die er mit einem grauenhaft schief gesungenen Joy to the World am Klavier untermalt hatte. Obwohl sie ihm gesagt hatte, er sollte es lassen. Ein ohrenbetäubendes Klimpern, das jedem Musiklehrer Albträume bereitet hätte. Die Erinnerung brachte ein unmerkliches Zucken auf ihre Lippen.

»Was hast du da?« fragte Olvia mit einem Tonfall, der Robin skeptisch werden ließ – ihre Mutter wusste eindeutig, was er da versteckte.

Er hielt inne, drehte sich langsam zu ihnen um – und in einer dramatischen Geste hob er sein Geheimnis hervor. Mit Stolz hielt er Zeus in die Höhe, das offensichtlich sein Schicksal akzeptiert hatte. Zeus trug ein winziges Oberteil, das exakt wie sein Weihnachtsanzug aussah. Der winzige weiße Rand am Kragen und die roten Streifen ließen keinen Zweifel daran, dass jemand hier mit viel Hingabe gearbeitet hatte.

»Darf ich vorstellen: meinen Enkel Zeus, Santas kleiner Helfer«, verkündete Kuzan mit einem Grinsen, das von Ohr zu Ohr reichte. Er drückte dem Kater einen demonstrativen Kuss auf den Kopf, während Zeus ungerührt in seinem Arm hockte und nur leicht schnurrte. »Ist er nicht hübsch? Mein süßer, kleiner Enkel. Und was für Rabenmütter ihr seid! Nicht mal was zum Anziehen hattet ihr für den kleinen Mann. Aber Opa ist ja da und sorgt für alles.«

Die Küche fiel in verblüfftes Schweigen. Robin blinzelte und spürte, wie ihre Mundwinkel leicht zuckten. Neben ihr verschränkte Nami langsam die Arme vor der Brust, ihre Augen schmal. Bellemere hingegen zog eine Augenbraue hoch, und Olvia … Olvia hielt sich ein Lächeln sichtlich zurück, was Robin nicht entging. Ja, sie hatte eindeutig Kenntnis davon.

»Sag mal … ist bei dir da oben alles in Ordnung?« fragte Nami schließlich, die Stimme langsam, als wäre sie nicht sicher, ob sie eine ehrliche Antwort wollte.

Kuzan kraulte Zeus’ Kopf, aber sein breites Grinsen schwand leicht. Seine Haltung wurde ernster, und er hob den Blick, um die beiden Frauen direkt anzusehen. »Mal ehrlich, gibt es irgendeine Chance, dass hier in nächster Zeit oder überhaupt mal ein Kind aufkreuzen wird?«

Nami stockte. Sie blinzelte, als hätte sie nicht recht verstanden, und warf Robin einen schnellen Seitenblick zu. Robin, die sich noch immer gegen die Arbeitsplatte lehnte, blickte starr zur Decke, als suche sie dort nach einer passenden Antwort.

Ihre synchronen »Nein« kamen fast mechanisch, doch in der Stille, die folgte, waren sie deutlich. Beide bemerkten sofort die forschenden Blicke ihrer Mütter, die sie nun regelrecht durchbohrten. Olvias Gesicht zeigte ein nachdenkliches Lächeln, während Bellemere eine Augenbraue skeptisch in die Höhe zog.

Kuzan brach das Schweigen mit einem selbstzufriedenen Nicken. »Wusst ich's doch«, sagte er schlicht und kraulte Zeus weiter, dessen Kopf sich genüsslich in seine Hand drückte. »Na gut, dann bleibt dieses kleine Fellknäuel das Nächste, was ich einem Enkelkind habe. Und ich sage euch, er ist perfekt!« Er hob Zeus höher und schmiegte seine Wange an dessen winziges Köpfchen. »Wir zwei gehen bald auf Reisen, Kleiner. Opa wird dir die Welt zeigen. Und alle, die mir auf die Nerven gehen, dürfen dein kleines Geschäft wegräumen!«

Abrupt schüttelte Nami den Kopf und schwang den Kochlöffel wie eine Waffe. »Das kannst du dir direkt wieder aus dem Kopf schlagen! Zeus bleibt hier.«

Er lachte leise, ein Kichern, das vor schelmischer Zufriedenheit strotzte, und hielt inne, bevor er die Küche verließ. Er drehte sich noch einmal um, Zeus fest an sich gedrückt, und sagte mit einem verschmitzten Lächeln: »Wehe ihr habt keinen Teller für den kleinen Mann.« Mit einem letzten, dramatischen Kuss auf Zeus’ Kopf verschwand er aus der Küche.

Zurück blieben vier verdutzte Gesichter.

Robin brach schließlich die Stille und wandte sich an ihre Mutter »Wo hat er das Oberteil her?« Olvias trockene Antwort kam wie ein unerwarteter Schlag.

»Hat er heute Nacht noch genäht und den passenden – für ihn versteht sich – Moment für die Präsentation abgewartet.«

Under the mistletoe.

Nami Lindgren ließ sich schwer auf die kühle Küchenplatte sinken, ihr Atem flach und rhythmisch, als sie die letzten Stunden Revue passieren ließ. Der Weihnachtsabend war vorbei, die Familie hatte sich zurückgezogen, und die leise Ruhe des späten Abends hüllte das Haus in eine seltsame, aber willkommene Gelassenheit.

Robin stand dicht neben ihr, den Rücken an die Arbeitsplatte gelehnt, ein Weinglas in der Hand. Ihr Lächeln war entspannt, fast träumerisch, während sie hin und wieder mit ihrem Finger über den Rand des Glases fuhr.

Die letzten Krümel des Abends waren beseitigt, und die Küche war wieder makellos. Nichts erinnerte mehr an das Chaos der vergangenen Stunden. Die aufgeräumte Arbeitsfläche und das ordentliche Geschirr schienen fast zu leugnen, dass hier noch vor wenigen Stunden emsige Betriebsamkeit und lebhafte Gespräche geherrscht hatten. Es war, als hätte die Küche die Strapazen der Feier genauso überstanden wie sie selbst.

Mit einem kleinen Lächeln hob sie ihr Glas und stieß leicht mit Robin an. »Frohe … Nachweihnachten?«, sagte sie, die Worte halb Scherz, halb Erleichterung.

Robin ließ einen Moment verstreichen, bevor sie leicht den Kopf schüttelte. »Eine passende Bezeichnung. Weihnachten ist offiziell überlebt.« Sie nahm einen Schluck, ließ den Wein kurz auf der Zunge verweilen und seufzte dann leise. »Die eigentlichen Feiertage sind geschafft, aber die Familie bleibt noch ein paar Tage. Ein bisschen kann ja noch passieren.«

»Heute hat man aber wirklich gemerkt, dass die Gläser öfter nachgefüllt wurden.« Mit hochgezogener Augenbraue sah sie zu Robin hinüber, ihr Tonfall halb belustigt, halb kritisch.

Sie lachte leise, ihr Blick glitt zu ihr. »Es gehört dazu, nicht wahr? Ein bisschen Drama, ein bisschen zu viel Wein. Alles in der Mischung macht den Zauber dieser Tage aus.«

Ein Nicken und sie leerte ihr Glas in einem Zug. Die Stille, die folgte, war keine unangenehme. Es war eine dieser seltenen Momente, in denen das Schweigen mehr sagte als Worte. Das Haus um sie herum war voller Leben – doch genau hier, zwischen den beiden, herrschte Frieden.

Sie ließ es länger auf sich wirken, bis sie das Schweigen mit leiser, aber amüsierter Stimme durchbrach: »Ich hätte nicht gedacht, dass Kuzan das mit Zeus wirklich durchziehen würde. Er betitelt ihn durchgehend als Enkel.«

Robin hob eine Augenbraue, ein neckisches Lächeln auf den Lippen. »Eine Anspielung, die er niemals loslassen wird. Ich bin mir sicher, er genießt es, uns damit aufzuziehen.«

»Du musst zugeben, es ist so absurd.« Ein leises Lachen entfuhr ihr, während sie den Kopf schüttelte. »Er weiß ganz genau, dass wir das Thema vor Jahren besprochen haben. Alle wissen das.«

Robins Gesicht wurde nachdenklicher, ihre Augen ruhten auf ihrem Glas. »Unsere Meinung hat sich auch nie wirklich geändert, oder?«

»Nicht im Geringsten.« Nami stützte sich mit den Händen auf die Platte hinter sich ab. »Wenn wir jemals …« Sie suchte nach den richtigen Worten. »… in Betracht ziehen würden, ein Kind zu haben, müsste es uns regelrecht auf die Türschwelle gelegt werden.«

Ein leises Lachen, ein warmer Klang, der den Raum füllte. Sie schüttelte leicht den Kopf. »Nun, mit Kuzan in der Nähe wäre das nicht einmal so unwahrscheinlich. Sprich es nie in seiner Gegenwart so aus.«

Beide brachen in Gelächter aus, ihre Stimmen gedämpft, um die anderen im Haus nicht zu wecken. Es war ein Moment von Leichtigkeit, ein Augenblick, der die Last der letzten Tage vollkommen verblassen ließ.

Der Blick hob sich und ruhte auf Robin. Ihre Augen musterten sie auffällig, und ein Ausdruck von etwas zwischen Nachdenklichkeit und Schalk trat in ihr Gesicht.

Robin bemerkte den Blick und legte den Kopf leicht schief. »Was ist?«, fragte sie, ihre Stimme sanft, aber neugierig.

Ein breites Grinsen breitete sich auf Namis Gesicht aus, während sie hinter sich griff und ein kleines Bündel Grün hervorholte. Es war ein Mistelzweig, den sie triumphierend vor sich hielt. »Ich denke, wir haben etwas vergessen.« Sie schüttelte den Zweig leicht, sodass die Blätter wackelten, und sah Robin mit funkelnden Augen an.

Robins Lippen verzogen sich zu einem breiten Grinsen, das ihre Augen zum Strahlen brachte. »Oh, dieses Jahr also doch?«, fragte sie mit gespielter Unschuld.

»Dieses Jahr ist anders.« Namis Stimme war leise, doch voller Bedeutung. Sie hielt den Mistelzweig etwas höher, ihre Augen fest auf Robin gerichtet.

Robin beugte sich vor, und ihre Lippen trafen sich in einem sanften, warmen Kuss. Es war kein flüchtiger Moment, sondern einer voller Vertrautheit und Zuneigung. Die Zeit schien stillzustehen, während die Spülmaschine weiter summte und das restliche Haus tief schlief.

Frosty wind made moan.

Robin Nikolaev saß auf einem der harten Stühle im Wartebereich der Notfallaufnahme, die Jacke über die Rückenlehne geworfen, den linken Arm schwer und unbeholfen auf ihrem Schoß. Die Schwellung am Handgelenk war unverkennbar, die Haut gespannt und leicht verfärbt. Doch nichts davon war an ihrem Gesicht abzulesen. Sie saß aufrecht, der Blick geradeaus, die Lippen zu einer neutralen Linie gepresst. Nach außen hin wirkte sie unantastbar.

Doch innerlich tobte ein Sturm. Jede Bewegung schickte ein dumpfes Pochen durch ihren Arm, ein Schmerz, der sich mit der Demütigung verband, hier zu sitzen – verletzt, hilflos, wartend. Sie wusste längst, dass ihr Handgelenk gebrochen war. Im Moment des Aufpralls hatte sie es gespürt, dieses dumpfe Knirschen, das durch ihre Knochen gefahren war, der stechende Schmerz, der ihr jede Illusion genommen hatte. Jetzt wartete sie nur noch auf die Bestätigung des Arztes und darauf, dass der Gips angelegt wurde. Es war eine reine Formalität.

Sie hatte sich noch nie etwas gebrochen – nie. Nicht bei riskanten Skiabfahrten, nicht bei Klettertouren, nicht einmal damals, als sie sich beim Heliskiing einen Adrenalinkick geleistet hatte und dabei fast in einen Felsvorsprung geraten wäre. Ihr Körper war stets verlässlich gewesen, ein stabiler Anker in einem Leben, das oft chaotisch und unberechenbar war. Und jetzt das. Der steile Hang an der Südflanke, der heute Morgen so verlockend ausgesehen hatte, war tückisch. Eine unscheinbare Eisplatte hatte ihren linken Ski nach außen gedrückt, und der Rest war schnell gegangen: ein unkontrollierter Sturz, ein Schmerz, der ihren Arm durchfuhr, und schließlich die bittere Erkenntnis, dass sie in der Notaufnahme landen würde.

Es roch nach Desinfektionsmittel, abgestandener Heizungsluft und einer schwachen Spur von nasser Kleidung, die jemand mitgebracht haben musste. Robin ließ ihren Blick durch den Raum gleiten. Eine Mutter versuchte, ein weinendes Kind zu beruhigen, ein älterer Mann döste mit dem Kopf an die Wand gelehnt, und eine Frau scrollte unablässig auf ihrem Smartphone.

Das war der denkbar schlechteste Zeitpunkt. Nicht, dass es je einen passenden gegeben hätte, aber das hier? Es war Mittag, sie hätte in einer Berghütte sitzen sollen, ein Glas Wein in der Hand, einen dampfenden Teller Pasta vor sich, die verschneiten Berge im Blick. Stattdessen saß sie in diesem trostlosen Krankenhaus, mit pochendem Schmerz und noch größerem Frust.

Ihr Handy vibrierte leise in der Tasche ihrer Skijacke, das sie mühsam mit der rechten Hand hervorholte, es entsperrte und Namis Nachricht erspähte.

»Sie haben eingepackt und fahren nach Hause. Es wartet später ein Essen auf uns. Geht’s voran?«

Robin schüttelte unmerklich den Kopf und schob die Erinnerung zurück. Jetzt saß sie hier, mit einem Arm, der ihr wie ein Fremdkörper vorkam, und einem Ego, das mindestens genauso lädiert war. Die Nachricht auf dem Handy war noch immer geöffnet, und sie spürte, wie ein weiterer Schwall von Frustration in ihr hochstieg. Sie hätte diesen Unfall nie zulassen dürfen – aber sie hatte es. Und nun musste sie mit den Konsequenzen leben.

Robin ließ das Handy sinken, ihre Lippen verzogen sich kaum merklich. Ein großes Essen. Genau das, was sie jetzt nicht wollte. Sie konnte sich lebhaft vorstellen, was sie zu Hause erwartete: Die Familie, vollzählig versammelt, alle besorgt, laut, redend. Ihre Mutter mit diesem Blick, der jedes Mal eine unausgesprochene Frage mit sich brachte: »Wie konnte dir das passieren?« Und Kuzan ...

Kuzan würde theatralisch werden. Sie konnte ihn förmlich hören, wie er halb ernst, halb scherzhaft ihre Unachtsamkeit kommentierte, während er übertriebene Versprechen machte, künftig jeden ihrer Schritte zu überwachen. Und dabei würde er es genießen. Vielleicht würde er sogar einen dieser dummen Scherze machen, die er sich nie verkneifen konnte.

Robin schloss die Augen für einen Moment und atmete tief durch. Das Letzte, was sie brauchte. Sie wollte keine aufgesetzte Fürsorge, keine Fragen, keine Ratschläge. Sie wollte ihre Ruhe, wollte einfach mit diesem Fiasko allein klarkommen. Doch die Chance darauf war bereits vorbei.

Ihr Blick glitt wieder durch den Raum, scheinbar ruhig, während sie innerlich brodelte. Der Schmerz in ihrem Arm war schlimm genug, aber was sie wirklich quälte, war die Demütigung. So etwas passierte ihr nicht. Sie war diejenige, die die Kontrolle behielt, die sich nie überrumpeln ließ – und jetzt das.

Ein leises Seufzen entwich ihr, kaum hörbar. Die Tür zum Behandlungsraum öffnete sich, eine Stimme rief einen anderen Namen. Nicht ihren. Robin richtete sich etwas auf, ihre Haltung makellos, ihre Fassade ungebrochen. Doch innerlich zählte sie jede Sekunde, bis sie gehen konnte.

Nein, Robin hatte sich diesen Tag anders vorgestellt.
 

Die sterile Luft des Behandlungszimmers mischte sich mit dem scharfen Geruch von Desinfektionsmittel, und das monotone Summen der Leuchtstofflampen zog sich wie ein leiser Nerv in ihren Kopf. Der Arzt betrachtete konzentriert die Röntgenbilder. Robin hielt ihren Blick fest auf ihn gerichtet.

Für sie war das hier reine Formalität. Sie wusste längst, dass ihr Handgelenk gebrochen war. Der Moment des Aufpralls hatte keine Zweifel gelassen. Das Warten auf die Bestätigung des Arztes war für sie nicht mehr als eine unnötige Verzögerung. Und es dauerte.

»Ein distaler Radiusbruch«, begann der Arzt schließlich, ohne den Blick von den Bildern zu nehmen. »Eine häufige Verletzung bei Stürzen dieser Art.«

Robin nickte knapp, ihre Haltung makellos. Natürlich war es das. Das war nicht mehr als die Bestätigung dessen, was sie bereits wusste.

»Also einen Gips und fertig?«

Der Arzt wandte sich zu ihr um, die Stirn leicht in Falten. »Leider nicht. Hier erkennen Sie, dass der Bruch zu einer Verschiebung geführt hat. Ein einfacher Gips reicht nicht aus, um den Knochen stabil zu halten. Wir müssen einen Metallstift einsetzen, um die richtige Position zu gewährleisten.«

Sie reagierte nicht. Äußerlich blieb sie vollkommen ruhig, der Blick starr auf den Arzt gerichtet, doch innerlich war es, als würde sich alles in ihr zusammenziehen. Natürlich musste es kompliziert sein. Warum sollte es auch anders sein?

»Wie läuft das ab?«, fragte sie, ihre Stimme war kühl und ruhig, doch der Hauch von Schärfe in ihrem Ton ließ keinen Zweifel an ihrer Ungeduld.

»In der Regel mit einem stationären Eingriff«, begann er. »Eine kurze Operation unter Vollnarkose, bei der der Stift eingesetzt wird. Danach bleibt der Patient einige Stunden oder über Nacht –«

»Nein.« Robins Antwort kam schnell, bevor er den Satz beenden konnte. Ihre Stimme war scharf, fast wie ein Messer, das durch die sterile Luft schnitt. »Keine Vollnarkose. Was ist die Alternative?«

Der Arzt hielt kurz inne, musterte sie, als wolle er sicherstellen, dass sie verstand, worauf sie sich einließ. »Es gibt eine ambulante Möglichkeit«, sagte er schließlich. »Dabei wird die Hand lokal betäubt, und der Stift wird unter Sicht eingesetzt. Sie wären wach, und der Eingriff dauert nicht lange. Allerdings empfinden viele Patienten das als unangenehm, weil sie alles sehen können.«

»Das wäre mir recht«, erwiderte Robin, ohne zu zögern.

Der Arzt schien einen Moment lang überrascht von ihrer schnellen Antwort. »Sind Sie sicher? Wir bieten die stationäre Option nicht grundlos.«

Robin hob leicht eine Augenbraue, ihr Gesicht blieb ausdruckslos. »Ich habe verstanden. Ich möchte es ambulant durchführen lassen.« Ihre Stimme war ruhig, aber fest, ein klares Zeichen, dass sie keine weiteren Diskussionen zuließ.

Der Arzt nickte schließlich. »Gut. Wir bereiten alles vor. Bitte gehen Sie zurück in den Wartebereich, wir rufen Sie auf, sobald wir bereit sind.«

Robin stand langsam auf, die Bewegungen bedacht, um ihren Arm nicht unnötig zu belasten.

Zurück im Wartebereich setzte sie sich erneut auf einen der unbequemen Stühle. Die Minuten zogen sich quälend, der dumpfe Schmerz in ihrem Arm wurde durch das Warten nur noch unerträglicher. Die sterile Luft und der Geruch von Desinfektionsmitteln schienen sie zu erdrücken, und ihr Handy vibrierte leicht in der Tasche ihrer Jacke.

Nami fragte in regelmäßigen Abständen nach Updates, ob sie mehr wüsste oder einfach, um sie etwas abzulenken. Mit der gesunden Hand zog sie es hervor, entsperrte es und tippte eine kurze Nachricht: »Wird noch etwas dauern.«

Sie ließ das Handy auf ihrem Schoß ruhen und lehnte sich zurück. Für einen Moment kam ihr der Gedanke, dass das Krankenhaus – mit all seiner sterilen Distanz und der Möglichkeit, sich abzuschotten – vielleicht doch das kleinere Übel gewesen wäre. Doch als sie an die Familie zu Hause dachte, wusste sie, dass es nicht stimmte. Laut, anstrengend und oft unerträglich – aber vertraut.

Robin schloss kurz die Augen, doch die Frustration ließ sie nicht los. Es war einfach nicht ihr Tag. Jede Minute, die sie hier warten musste, fühlte sich wie eine Ewigkeit an. Und während sie äußerlich ungerührt blieb, schrie innerlich alles in ihr. Je schneller sie das hier hinter sich brachte, desto besser.
 

Die Glastür der Unfallabteilung glitt hinter Robin leise zu, und der kalte Wind traf sie wie eine Welle. Der frisch angelegte Gips an ihrem linken Arm fühlte sich schwer und sperrig an, doch das war nicht das Seltsamste. Ihre Hand war noch immer taub von der lokalen Betäubung, ein dumpfes, kribbelndes Gefühl, das sie irritierte. Jede Bewegung fühlte sich falsch an, als gehöre der Arm nicht wirklich zu ihr. Sie drückte ihn vorsichtig an ihren Körper, unsicher, ob sie ihn überhaupt richtig hielt.

Mit der gesunden Hand zog sie ihre Jacke enger, der halb geöffnete Reißverschluss ließ sich mit einer Hand nur mühsam weiterziehen. Nichts an diesem Tag lief so, wie es sollte. Der Parkplatz lag vor ihr, und ihr Blick fiel auf Nami, die am Auto lehnte. Das rote Haar wehte leicht im Wind, in ihrer Hand ein dampfender Thermobecher, während ein zweiter auf dem Dach stand.

Robin nahm sich einen Moment, um den Anblick auf sich wirken zu lassen. Nami wirkte ruhig und gelassen, doch die Art, wie sie Robin beobachtete, verriet, dass sie nichts übersah. Diese Aufmerksamkeit war immer da – leise, aber beständig.

Als sie näherkam, griff Nami nach dem Becher auf dem Dach und hielt ihn ihr ohne ein Wort entgegen. Robin nahm ihn mit ihrer gesunden Hand, ließ die Wärme durch ihre kalten Finger strömen, und der erste Schluck des kräftigen, aromatischen Kaffees ließ sie kurz innehalten.

»Das ist definitiv kein Krankenhauskaffee«, murmelte sie trocken und hob leicht die Augenbrauen.

»Natürlich nicht.« Ein schiefes Lächeln zog sich über Namis Lippen, ihre Stimme war ruhig, aber leicht neckend. »Ich weiß, wo man den besten bekommt. Und ich hatte ja genug Zeit, während du da drinnen… deinen Stolz begraben hast.«

Ein leises Schnauben entkam Robin, doch sie nahm noch einen Schluck. »Poetisch.«

»Ich gebe mir Mühe.« Nami grinste kurz, doch der Blick glitt unweigerlich zum Arm. Ihre Augen blieben auf dem Gips hängen, bevor sie mit einem leichten Kopfnicken fragte: »Was ist gebrochen?«

Robin ließ ein Seufzen hören, bevor sie die Worte mit der gleichen monotonen Ruhe aussprach, die sie durch den ganzen Tag getragen hatte. „Speiche. Und, weil alles andere langweilig wäre, habe ich einen kleinen Metallstift bekommen. In vier Wochen wird das Teil abgenommen und der Stift gezogen.«

Für einen Moment sagte Nami nichts, ihre Stirn zog sich leicht zusammen, bevor sie leise antwortete: »Weißt du, du hattest verdammtes Glück.« Ihre Stimme war ruhig, doch die Ernsthaftigkeit darin war nicht zu überhören.

Robin hob leicht die Augenbrauen. »Glück?« Dann die gebrochene Hand. »Das nennst du Glück?«

»Ja, genau das.« Nami trat einen Schritt näher, die Augen fest auf Robin gerichtet. »Ich war direkt hinter dir. Ich habe gesehen, wie du gestürzt bist. Es hätte viel schlimmer kommen können. Du bist trainiert, Robin, und das hat dir den Arsch gerettet. Du hast reagiert, auch wenn du es nicht bewusst gemerkt hast. Die gebrochene Hand? Unter den Umständen ist das ein verdammt geringer Preis.«

Die Worte trafen sie, ließen sie kurz innehalten. Nami hatte recht. Aber zuzugeben, dass sie Glück hatte, war schwerer als erwartet.

»Okay, ja, hatte ich«, murmelte Robin schließlich, der Blick wanderte kurz zur Seite.

»Ich glaube nicht, dass du es wirklich weißt.« Namis Stimme wurde leiser, aber sie blieb hartnäckig. »Du bist immer so darauf fixiert, alles unter Kontrolle zu haben. Aber das war eine Situation, die du nicht komplett in der Hand hattest. Und trotzdem hast du reagiert. Das hat dich vor etwas viel Schlimmerem bewahrt.«

Ein weiteres Seufzen entkam Robin, die Spannung in ihren Schultern ließ leicht nach. »Ich hasse es, dass du recht hast.«

»Das weiß ich.« Nami lächelte leicht, ihre Stimme wurde wärmer. Sie legte eine Hand auf Robins gesunden Arm, die Berührung war sanft, aber bestimmt. »Aber es ist die Wahrheit. Und du darfst wütend sein, Robin. Du darfst das nervig finden. Aber du solltest auch froh sein, dass du nur mit dem davongekommen bist.« Robin hielt ihrem Blick stand, doch ihre Schultern sanken ein wenig. Bevor sie etwas erwidern konnte, beugte Nami sich vor und drückte einen leichten Kuss auf ihre Wange. »Lass uns gehen.« Mit einem Lächeln trat sie zurück und öffnete Robin die Beifahrertür. »Steig ein und keine Sorge, ich halte Kuzan fern von dir – zumindest für die erste halbe Stunde.«

Tidings of comfort and joy.

Nami Lindgren lag wach im dunklen Schlafzimmer, während die Welt um sie herum in tiefer Ruhe verharrte. Der Sonntagmorgen hatte noch nicht begonnen, und die Nacht hinter ihr war eine Kette aus flüchtigen Schlafphasen und wachsenden Sorgen gewesen. Obwohl ihre Lider schwer waren, hielt etwas sie davon ab, in die Dunkelheit des Schlafs zurückzugleiten. Neben ihr lag Robin, endlich zur Ruhe gekommen. Es hatte eine halbe Ewigkeit gedauert, bis sie eine Position gefunden hatte, die die Schmerzen erträglicher machte.

Der weiße Gips, der Robins linkes Handgelenk umschloss, war das sichtbarste Zeichen des gestrigen Sturzes. Doch Nami wusste, dass der Schmerz nicht nur dort endete. Am Anfang hatte sich alles auf die Hand konzentriert, aber mit den Stunden waren die wahren Ausmaße des Unfalls sichtbar geworden. Eine Schürfwunde an der Schulter, eine Prellung entlang ihrer Rippen, ein vorsichtiges Zurückhalten der Bewegungen – Robins Körper sprach in einer Sprache, die Nami nur allzu gut verstand. Besonders die linke Seite schien mitgenommen, und Robin hatte es sich zur Aufgabe gemacht, alles herunterzuspielen.

Namis Blick glitt zu Robins Gesicht. Im Schlaf war sie ein Bild des Friedens, doch die letzten Stunden hatten diese Ruhe gekostet. Nami konnte den Moment nicht vergessen, als Robin gefallen war. Der Aufprall war hart gewesen, der Winkel ungelenk, und in ihrem Kopf hatte sich sofort ein Schreckensszenario abgespielt. Robin hatte einfach dagelegen, nicht vor Schmerz, sondern vor Frustration.

Dieser angekratzte Stolz war es, der Nami manchmal zur Verzweiflung brachte. Robin hatte eine ungesunde Angewohnheit, Verletzungen herabzuspielen, so als könnten sie ihrer Willenskraft nichts anhaben. Doch Nami wusste, dass diese Haltung einen Preis hatte. Sie hatte gestern nichts gesagt, hatte Robin Raum gelassen.

Ein leises Rascheln am Fußende des Bettes lenkte sie ab. Zeus, das kleine Kätzchen, hatte sich gereckt und sah sie mit verschlafenen Augen an. Sein Schnurren war ein beruhigendes Summen in der Stille. Nami hob ihn vorsichtig auf, das warme Gewicht des Tieres in ihren Armen war ein kleiner Trost.

Langsam und bedacht, um Robin nicht zu wecken, schob sie sich aus dem Bett. Sie bewegte sich mit der Sorgfalt einer Diebin, die keinen Alarm auslösen wollte, und schloss die Tür hinter sich, ohne ein einziges Geräusch zu verursachen. Die Dunkelheit des Flurs umgab sie, während sie mit Zeus auf dem Arm die Treppe hinunterging.
 

Mit Zeus auf dem Arm trat sie in die Küche und fand genau das vor, was sie erwartet hatte: Bellemere und Olvia an der Theke, die Kaffeetassen vor sich, und unterhielten sich in gedämpften Stimmen. Der Rest des Hauses schlief noch, aber das hielt die beiden Frauen nicht davon ab, den Morgen so früh wie immer zu beginnen. Es war unmöglich mit ihnen, dachte Nami mit einem Anflug von Belustigung.

Zeus blinzelte träge in das warme Licht und tapste schlaftrunken auf Bellemere zu. Mit einem leisen Schnurren sprang er auf ihren Schoß, rollte sich zusammen und schloss die Augen. Sie kraulte ihn automatisch hinter den Ohren, ohne das Gespräch mit Olvia zu unterbrechen.

»Wie geht es ihr?«, fragte Olvia schlussendlich.

Nami stieß ein langes Gähnen aus, bevor sie antwortete. »Sie schläft jetzt endlich. Ihr Körper hat mehr abbekommen, als sie zugeben will. Das Handgelenk ist nicht das Einzige. Sie hat die halbe Nacht gebraucht, um eine Position zu finden, in der sie schlafen konnte.«

Olvia seufzte und sah sie mit einem durchdringenden Blick an. »Das gilt aber auch für dich, meine Liebe. Du siehst aus, als hättest du kein Auge zugemacht.«

Ein Schulterzucken und sie lehnte sich gegen die Arbeitsplatte. »Ist halt so. Aber ich bin froh, dass sie jetzt Ruhe findet.« Nami seufzte leise und fuhr fort: »Ehrlich gesagt, ich habe mit allem gerechnet in diesen Feiertagen, aber nicht damit, dass Robin stürzt. Das hat mich kalt erwischt.«

Bellemere hob die Augenbrauen und schenkte ihr ein wissendes Lächeln. »Gib es zu, du hast auf andere Eskapaden gesetzt.«

»Überrascht dich das?«

Nami schnaubte leise und griff nach einer Tasse, die sie mit frischem Kaffee füllte. Der erste Schluck war ein kleiner Segen, der den Rest der Müdigkeit vorübergehend beiseiteschob.

Olvia beobachtete sie einen Moment schweigend, bevor sie das Thema wechselte.

»Robin wollte doch eigentlich in einer Woche los, oder? Mit Franky?«

»Hat sich zum Glück erledigt«, murmelte sie mit einem schiefen Grinsen in die Tasse.

Bellemere lachte leise, ein tadelndes Lächeln auf den Lippen. »Du bist unmöglich, Nami. Lass sie doch.«

Nami drehte sich zu ihr um, die Kaffeetasse noch in der Hand. »Ihr versteht das nicht«, sagte sie mit einem Anflug von Frustration. »Ich hasse diese Unternehmungen. Sie sind gefährlich, und Robin liebt den Adrenalinschub. Das ist nie gut. Und wisst ihr, wer die Videos zugeschickt bekommt, bei denen mir schon beim Zuschauen die Angstzustände kommen? Ich.«

»Dabei ist sie ruhiger geworden, du hättest sie in ihren Teenagerjahren erleben sollen«, lachte Olvia und erhob sich, um sich selbst nachzuschenken. »Die Abstände sind länger geworden, aber macht es nicht einfach, oder?«

»Nein, tut es nicht«, stimmte Nami zu und nahm einen weiteren Schluck Kaffee. Sie konnte die Wärme spüren, die sich in ihrem Körper ausbreitete, doch die Gedanken ließen sie nicht los.
 

Leise öffnete Nami die Tür ins Arbeitszimmer. Die Nachmittagssonne strömte durch die bodentiefen Fenster, tauchte den Raum in warmes Licht und ließ die Bücherreihen wie einen Schatz erscheinen. Unten war der vertraute Klang von Stimmen und Gelächter zu hören – der Trubel der Familie, der hier oben wie ein fernes Echo wirkte.

Robin saß am Schreibtisch, den Kopf über ein Notizbuch gebeugt. Neben ihr aufgestapelte Papiere und eine halb volle Teetasse ließen vermuten, dass sie sich schon länger hier zurückgezogen hatte. Ihre linke Hand war in Gips gehüllt, während die rechte einen Stift hielt, der ungeduldig gegen das Holz klopfte. Zeus, ihr kleiner Kater, lag zusammengerollt auf einem der Papiere und schnurrte leise. Er nutzte die Tage jede erdenkliche Chance, die ihm bot, um Ruhe zu haben.

»Was tust du da?«, fragte Nami, die Stirn leicht gerunzelt, während sie eintrat und die Tür schloss.

Robin hob den Kopf und blickte sie an, ein leicht gequältes Lächeln auf den Lippen. »Mich ablenken.«

»Du könntest dich anderweitig ausruhen.«

Robin ließ den Stift fallen, lehnte sich zurück und seufzte tief. »Was, glaubst du, will mir das Universum eigentlich damit sagen?« Sie hob ihren linken Arm, ließ den Gips vor sich baumeln und sah ihn an, als hätte er sie persönlich beleidigt. »Ich habe deinen Weihnachtsirrsinn akzeptiert, nichts gesagt, als du Zeus hier angeschleppt hast, und ich habe Frankys Wahnsinn mitgemacht – sogar, als Ace den Baum umgeworfen hat! Und was ist der Dank? Ein gebrochenes Handgelenk!«

Nami trat neben den Schreibtisch, ließ ihren Blick auf Zeus fallen, der in den letzten Wochen erstaunlich gewachsen war. Ihr Lächeln wurde weicher, ehe sie Robin ansah. »Weißt du, was das Universum dir wirklich sagen will?«

»Was denn?«

»Dass euer Trip ins Wasser fällt.«

»Und was daran ist bitte gut?« Einen Moment lang schien Robin die Worte zu verarbeiten, dann hob sie die Augenbrauen.

Mit einem Seufzen warf sie einen Blick zum Bücherregal. »Niemand würde dir ansehen, dass du auf Adrenalinkicks stehst. Du gönnst dir die seltener als andere, aber das tut nichts zur Sache. Dein Charakter schreit geradezu nach Vernunft, nach ruhigen Abenden mit einem Buch und Kaffee. Aber dann gehst du doch los, lässt dich auf irgendein unnötiges Risiko ein, weil das, was andere abschreckt, dich wie magisch anzieht.«

Robin schnaubte leise. »Du dramatisierst.«

»Tue ich das?« Nami drehte sich zu ihr um, der ernste Ausdruck wich nicht aus ihrem Gesicht. »Dieser Trip mit Franky – ich war nie begeistert davon. Und jetzt ist das Universum auf meiner Seite.«

Robin zog die Mundwinkel zu einem schiefen Lächeln hoch, ihr typischer schwarzer Humor blitzte durch. »Oh, Nami, du bist der Grund, warum ich immer unversehrt zurückkomme – sonst würdest du meine Leiche in tausend Stücke zerteilen.« Mit schmalen Augen schwieg Nami. »Aber wenigstens würdest du dich freuen. Das alles hier –« Sie machte eine großzügige Geste, die das Arbeitszimmer und darüber hinaus umfasste. »Es würde dir gehören. Endlich könntest du das Haus in Santas Werkstatt am Nordpol verwandeln.«

»Idiot.« Namis Stimme war leise, aber der Ton ließ keinen Zweifel an ihrer Meinung. Sie murmelte etwas, das wie »Warum sind wir noch zusammen?« klang.

Robin grinste und legte den Kopf schief. »Ansprüche.« Sie zeigte mit einer eleganten Bewegung auf sich selbst. »Die Messlatte ist verdammt hoch geworden.«

Langsam schüttelte Nami den Kopf, unsicher, ob Robin zu viele Schmerzmittel intus hatte oder ob Kuzans Einfluss langsam auf sie abfärbte. »Du verbringst zu viel Zeit mit ihm«, meinte sie schließlich, ihre Stimme wieder ruhiger.
 

Der Abend hatte sich wie ein wärmender Kokon über das Haus gelegt. Die Lichter des Wohnzimmers strahlten gemütlich, während der Fernseher die vertrauten Farben und Klänge von Mario Kart zeigte. Auf dem Sofa saßen Olvia, Bellemere und Genzo, vertieft in ihre hoffnungslose Schlacht um die hinteren Plätze. Jeder Blaue Panzer wurde von einem Aufschrei begleitet, jedes Abrutschen in die Lava mit wilden Flüchen kommentiert. Robin saß abseits, in ihrem üblichen Sessel, Zeus auf dem Schoß, der wohlig schnurrte, während Kuzan ihr mit einer lässigen Selbstverständlichkeit eine dampfende Tasse Tee reichte.

»Honig?«

»Du liest Gedanken«, entgegnete Robin mit einem leichten Lächeln und nippte an ihrem Tee. Aus dem Augenwinkel beobachtete Nami das Schauspiel. Irgendwie, irgendwann hatte Robin nachgegeben und ließ sich tatsächlich von ihrem Stiefvater bedienen.

Und dann war die zweite Partie. Ace, Nojiko und Nami lieferten sich ein erbittertes Rennen um den Sieg. Es war die dritte Runde auf Regenbogen-Boulevard, und die Anspannung war fast greifbar. Nami lag momentan auf Platz zwei, dicht hinter Nojiko, während Ace irgendwo zwischen ihnen hin und her sprang, ein roter Panzer nach dem anderen in den Angriff schickte.

»Komm schon, kleine Schwester!«, rief Nojiko lachend, ihre Augen funkelten vor Triumph, als sie eine Bananenschale strategisch platzierte. »Deine Frau kann dir dieses Mal nicht den Arsch retten!«

Nami zog die Augenbrauen hoch, ein herausforderndes Grinsen auf ihren Lippen. »Ich hab geübt. Dich schaff ich auch ohne Robins Hilfe. Euch beide.«

»Große Worte!«, rief Ace, bevor er von einem Blitz getroffen wurde und mit einem dramatischen »Oh, komm schon!« den Controller schüttelte.

Im Hintergrund ertönte Bellemeres Lachen, als Olvia Genzo mit einem gezielten Grünen Panzer ins Aus manövrierte. »Da bist du wohl in die Falle getappt, alter Mann!«

»Ihr seid alle gemein«, knurrte Genzo, der sich an seinen Controller klammerte, als wäre es ein Rettungsanker.

»Wer wird gewinnen?«, hörte Nami Kuzan neugierig fragen. Sie saß direkt vor Robin, lehnte leicht an ihre Beine. Dem Gehör nach musste er sich ebenfalls auf den Boden gesetzt haben.

»Oh, Nojiko wird sich den ersten Platz bis zur Zielgeraden sichern«, murmelte Robin, »aber Nami hat ein Ass im Ärmel. Wart’s ab.«

Und tatsächlich, in den letzten Sekunden, als Nojiko triumphierend die Ziellinie erreichen wollte, schleuderte Nami einen Roten Panzer, schoss an ihrer Schwester vorbei und ließ das Zielband hinter sich. Nojiko schrie protestierend auf, während Ace lautstark lachte.

»Tja«, sagte Nami grinsend und streckte die Arme siegreich in die Luft. »Übung macht den Meister.«

»Ich will eine Revanche!«, knurrte Nojiko, ihre Augen funkelten kampfeslustig.

»Später … vielleicht.« Nami ließ sich Zeit mit der Antwort, ihr Tonfall fast provozierend beiläufig, während sie den Controller sorgsam neben sich auf den Boden legte.

»Später?« Nojiko verschränkte die Arme, ihre Augen verengt. »Du hast doch nur Angst, dass ich dich gleich platt mache. Du hast Angst vor einem Zufallssieg.«

»Oh, das glaube ich kaum.« Nami drehte sich halb um, lehnte sich dabei immer noch entspannt gegen Robins Beine. »Ich genieße einfach meinen Sieg, Nojiko. Solltest du auch mal probieren – falls du heute die Gelegenheit bekommst.«

Nojikos Lachen war trocken und spöttisch. »Sehr witzig. Wir beide wissen, dass das nur ein Zufallstreffer war.«

Langsam stand sie auf, sich bewusst Zeit lassend, während sie die kleinen Falten ihrer Hose glatt strich. »Zufall? Nein. Das war Talent, Nojiko. Reines Talent.«

»Dein Talent, dich vor einer Revanche zu drücken, vielleicht.«

»Manchmal muss man wissen, wann man aufhören soll.« Nami drehte sich zu Robin, deren Blick ruhig, aber wachsam war, als hätte sie jeden Moment genau beobachtet. »Oder nicht?«

Robin hob eine Augenbraue, als Nami sich zu ihr hinunterbeugte. Ihre Gesichter waren nur Zentimeter voneinander entfernt, und bevor Robin etwas sagen konnte, küsste Nami sie. Es war ein kurzer, neckender Kuss, der Robin dennoch ein leises Lächeln auf die Lippen zauberte.

»Danke«, murmelte Nami dann, griff nach Robins Tasse und nahm einen kleinen Schluck. »Perfekt wie immer, Kuzan.«

Robin lehnte sich entspannt zurück, ihre Augen noch immer auf Nami gerichtet. »Du weißt, wie man einen Moment inszeniert.«

»Warte nur, Nami. Das nächste Rennen kommt schneller, als du denkst und du wirst heute noch heulend zu Robin laufen«, konterte Nojiko mit einem Grinsen, doch es war klar, dass sie sich den nächsten Angriff schon genau überlegte.

»Besser als jede Soap«, kommentierte Kuzan trocken.

»Du hättest sie als Kinder erleben sollen«, bemerkte Bellemere, »heute sind sie ja harmlos.«

Deck the shelves and glide the ice.

Robin Nikolaev ließ ihre Finger über die Buchrücken gleiten, während sie durch die Regale des kleinen Ladens schlenderte. Sie zog ein Buch heraus, betrachtete das Cover mit einem Anflug von Interesse und stellte es wieder zurück. Die friedliche Atmosphäre des Montagvormittags umgab sie wie eine schützende Decke, und sie atmete tief ein, um das Gefühl der Ruhe in sich aufzunehmen. Es war genau das, was sie gebraucht hatte, nachdem ihr die letzten Tage nahezu die Luft abgeschnürt hatten.

Neben ihr bewegte sich Franky mit seiner gewohnt entspannten Art durch die Reihen, ein leichtes Lächeln auf den Lippen. Es war beruhigend, ihn in ihrer Nähe zu wissen – er war jemand, der die Dinge immer leichter erscheinen ließ, selbst wenn sie kompliziert waren.

»Wie waren die restlichen Tage?«, fragte er schließlich, während er ein Buch aus dem Regal zog und den Klappentext überflog.

Robin hielt kurz inne, drückte ihren Rücken gegen das Regal und ließ die Luft langsam aus ihren Lungen entweichen. »Laut. Chaotisch. Erdrückend.«

Er warf ihr einen Blick zu, der sowohl Neugier als auch Besorgnis verriet. »Weitere Zwischenfälle?« Sie zuckte mit den Schultern und ließ ein leises Seufzen hören.

»Nichts in der Kategorie eines umgeworfenen Weihnachtsbaums. Aber seit Samstag …« Sie hob ihre linke Hand, den Gips im Licht drehend, als wäre er das Symbol all ihrer jüngsten Frustrationen. »Seit dem Unfall behandeln sie mich, als wäre ich aus Glas. Ich musste einfach raus.«

Der Gedanke an die übervollen Tage zu Hause brachte sie dazu, sich unruhig von einem Fuß auf den anderen zu verlagern. Die ständigen Fragen, ob sie etwas brauche – es war zu viel.

»Bist du selbst gefahren?«, fragte Franky plötzlich und zog sie aus ihren Gedanken.

Robin warf ihm einen kurzen Blick zu, bevor sie leicht schnaubte. »Natürlich. Es gibt nicht umsonst Automatikgetriebe und so angeschlagen bin ich nicht.«

Er musterte sie genauer, eine Mischung aus Schmunzeln und ernsthafter Überprüfung auf seinem Gesicht. »Und Nami hat nichts gesagt?«

Dabei hielt sie inne, nahm ein Buch aus dem Regal und öffnete es, ohne wirklich zu lesen. Ihre Antwort kam zögerlich. »Ich weiß es nicht. Sie war zu dem Zeitpunkt schon unterwegs.«

Franky seufzte, lehnte sich mit verschränkten Armen gegen das Regal und schüttelte den Kopf. »Also willst du kurz vorm Neujahr noch einen Streit vom Zaun brechen?«

Robin drehte sich langsam zu ihm um, ihr Blick scharf, aber nicht ohne Humor. »Fängst du auch an? So schlimm ist das nicht.«

»Okay, okay«, murmelte er, die Hände beschwichtigend hebend. »Ich meine es nicht böse. Aber ich verstehe dich. Manchmal ist es einfach erdrückend. Ein bisschen rauskommen hilft. Bei mir war es auch laut und chaotisch, aber das ist genau das, was ich liebe.«

Robin ließ ein leises Lachen hören, ihre Haltung entspannte sich ein wenig. »Ohne Stromausfall?«

Mit lautem Lachen schüttelte er den Kopf. »Ein einziges Mal vor über zehn Jahren … dein Ernst? Ich bin ein Profi geworden, Robin. Meine Beleuchtung hält!“ Er zwinkerte ihr zu, ein Hauch von Stolz in seiner Stimme.

Ein paar Minuten vergingen in angenehmem Schweigen, während sie langsam durch die Bücherreihen schlenderten. Robin ließ ihren Blick über die Buchrücken gleiten, doch in ihrem Kopf wirbelten noch immer Gedanken an die letzten Tage und die bevorstehenden. Schließlich war es Franky, der die Stille durchbrach.

»Übrigens«, begann er, seine Stimme beiläufig, »ich habe vorerst alles storniert.«

Robins Schritte stockten kurz. Es frustrierte sie.

»Wie sieht die Situation in eineinhalb Monaten aus?«

»Das macht keinen Sinn. Du brauchst ein funktionierendes Handgelenk. Wir reden hier nicht über einen Spaziergang, sondern über Klettern, Skier, Eispickel. Du weißt, dass das schnell nach hinten los geht.«

»Ich weiß. Natürlich weiß ich das.« Ihre Stimme war ruhig, aber die Frustration darunter war unüberhörbar. »Es nervt mich trotzdem.«

Franky legte ihr eine Hand auf die Schulter, sein Griff fest und beruhigend. »Nächstes Jahr. Wir machen’s richtig, wenn du wieder fit bist.«

Robin schloss die Augen für einen Moment, ließ die Worte auf sich wirken und seufzte dann leise. »Nächstes Jahr«, wiederholte sie. Ihre Lippen verzogen sich zu einem kleinen, schiefen Lächeln.

»Und ich wette, es wird unser bisher bestes Abenteuer!« Und wie sie ihn mit diesem breiten Grinsen sah, spürte sie den winzigen Moment der Leichtigkeit inmitten ihrer angestauten Frustration. Manchmal, dachte sie, war es genau das, was sie brauchte.
 

Die Nacht war längst hereingebrochen, als Robin Nikolaev das Auto auf dem Parkplatz der Eisbahn abstellte. Die Luft war klirrend kalt, und der Dampf ihres Atems mischte sich mit den schwebenden Wolken, die von den Menschenmengen aufstiegen. Die Lichter schimmerten auf dem Eis. Die Geräusche von Gelächter, unterbrochen von gelegentlichem Kreischen, und das rhythmische Scharren der Schlittschuhe hallten durch die Dunkelheit.

Robin blieb kurz stehen, als sie auf das Tor zuging, eine Hand in der Tasche des Mantels. Einmal im Inneren des Geländes glitt ihr Blick über die Eisfläche, suchte nach den vertrauten Gesichtern. Sie sah bunte Mützen, Schals und wogende Haare, doch keiner der Menschen war Nami oder einer der anderen. Ein leises Seufzen entwich ihren Lippen, während sie die Umgebung absuchte. Keine Spur von ihnen.

Nach einem Moment des Zögerns ging sie zur Schlittschuh-Ausleihe. Der Gedanke, einfach wieder zu gehen, kam ihr kurz, doch sie schob ihn beiseite. Bewegung tat gut, und sie hatte nicht geübt, um jetzt vor einer leeren Bank zu kapitulieren. Sie nahm die geliehenen Schuhe entgegen, nickte knapp und setzte sich auf eine freie Bank nahe der Eisfläche.

Das Anziehen der Schlittschuhe stellte sich schnell als größere Herausforderung heraus, als sie erwartet hatte. Der Gips an ihrer linken Hand machte selbst die einfachsten Aufgaben kompliziert, und sie fluchte leise, als sie die Schnürsenkel zum dritten Mal versuchte festzuziehen. »Verdammt«, murmelte sie und zog schließlich mit der rechten Hand die Schnüre fester. Noch einen ganzen Monat vor sich – der Gedanke ließ sie innerlich aufstöhnen.

»Was genau hast du hier vor?«

Die vertraute Stimme ließ sie innehalten. Robin blickte auf, ihr Kopf drehte sich zu der Gestalt, die nun vor ihr stand. Nami, die Arme vor der Brust verschränkt, mit einer hochgezogenen Augenbraue und einem Ausdruck, der eine Mischung aus Besorgnis und Belustigung war.

»Ich dachte, das wäre offensichtlich«, antwortete Robin trocken und zog weiter an den Schnürsenkeln.

Nami trat einen Schritt näher, der Schnee knirschte leise. »Offensichtlich? Wirklich?«

Da hob Robin eine Augenbraue und musterte sie kurz, bevor sie sich wieder den Schlittschuhen widmete. »Es gibt keinen Grund, das so dramatisch zu sehen. Ich ziehe Schlittschuhe an. Oder versuche es zumindest.«

»Das ist keine gute Idee«, sagte Nami, ihre Stimme hatte diesen Ton, der irgendwo zwischen Ermahnung und Sorge lag.

»Komm schon«, begann Robin und sah kurz zu ihr auf, ein Anflug von einem Lächeln auf den Lippen. »Wir hatten diesen Winter noch keine Chance … willst du die etwa sausen lassen?«

Ein Seufzen entglitt Namis Lippen, während ihre Arme langsam von der Brust sanken. »Und du meinst, heute wäre der richtige Zeitpunkt, zwei Tage nach dem Sturz.«

»Ich habe extra für dich geübt«, sagte Robin, ihre Stimme leiser, während sie die zweite Schnur festzog und die Schuhe schließlich geschlossen hatte. »Willst du wirklich darauf verzichten? Ich bin deinetwegen hier.«

Das brachte ein kleines Lächeln auf Namis Lippen, ein Ausdruck, der Robins Herz einen Moment lang schneller schlagen ließ. »Also bezirzt du mich jetzt?«

»Wenn es funktioniert«, entgegnete Robin mit einem schiefen Grinsen und richtete sich auf.

Nami schüttelte leicht den Kopf, trat dann jedoch einen Schritt näher, mit prüfendem Blick. »Ich werde dich beobachten. Und wehe, du verletzt dich noch mehr.«

»Ich habe dich doch an meiner Seite. Was soll da schon schiefgehen?« Robin hielt ihr den Arm hin, mehr zur Schau als aus Notwendigkeit. Ein erneuter Seufzer entglitt Nami, doch sie folgte Robin zurück aufs Eis.

Die ersten Schritte auf dem Eis waren für Robin noch ungewohnt, doch sie hatte tatsächlich geübt. Sie glitt langsam vorwärts, die Knie leicht gebeugt, und drehte sich schließlich zu Nami um. »Siehst du, alles gut.«

Auld lang chaos.

Nami Lindgren fuhr alarmiert herum. Das Klirren hallte noch nach, und Kuzan stand wie erstarrt, umgeben von Glasscherben und einer Pfütze Champagner, die sich rasend schnell über den Holzboden ausbreitete. Das leere Tablett baumelte schief in seiner rechten Hand, und sein Gesichtsausdruck war der Inbegriff schuldbewusster Überraschung.

»Ups«, sagte er schließlich, mit der Art von Gleichmut, die Kuzan selbst in den peinlichsten Momenten bewahrte.

Nami öffnete bereits den Mund, um etwas zu sagen – wahrscheinlich etwas Genervtes, weil das Chaos immer wie magisch von Kuzan angezogen wurde –, als sie aus dem Augenwinkel eine Bewegung wahrnahm. Zeus, der junge Kater, hockte auf der Fensterbank und fixierte mit großen, goldenen Augen die glitzernde Pfütze. Sein Schwanz zuckte, und bevor Nami reagieren konnte, spannte er die Muskeln an.

»Zeus, nein!«, rief sie, ihre Stimme scharf und panisch.

Doch bevor der kleine Kater auf das gefährliche Meer aus Glassplittern und Champagner springen konnte, blitzte Robins rechte Hand in Namis Sichtfeld auf.

Es passierte so schnell, dass Nami kaum folgen konnte. Robin, die gerade noch entspannt neben ihr war, machte einen geschickten Schritt nach vorn und fing Zeus mit einer einzigen, präzisen Bewegung aus der Luft ab. Ihr Gipsarm blieb nah an ihrem Körper, doch ihre freie Hand umschloss den Kater sicher, bevor seine Pfoten auch nur die Nähe der Scherben erreichten.

Für einen Moment war es vollkommen still.

»Wow«, murmelte Ace schließlich, der hinter dem Sofa hervorlugte. »Das nenne ich Reaktion.«

Robin hielt Zeus fest, der leicht zappelte und ein verwirrtes Miauen von sich gab, während seine kleinen Pfoten in der Luft strampelten. Ihre Lippen verzogen sich zu einem dünnen Lächeln, als sie ihn hochhielt und mit ruhiger Stimme sprach: »Du bist ganz schön waghalsig, Kleiner. Aber nicht auf meine Kosten.«

»Robin, das war ...« Nami suchte nach den richtigen Worten, doch ihr Kopf war noch damit beschäftigt, die Szene zu verarbeiten.

»Beeindruckend?«, schlug Bellemere vor, die sich immer noch lachend gegen die Wand lehnte.

»Angeberisch … ich hätte ihn auch gehabt«, warf Kuzan ein, während er ein Handtuch auf die Pfütze warf, ohne dabei sonderlich erfolgreich zu sein.

Robin drehte sich langsam zu Nami um und trat vorsichtig aus dem Gefahrenbereich, wobei sie Zeus weiter festhielt. »Hätte uns noch gefehlt, eine Stunde vor Mitternacht Glasscherben aus seinen Pfoten zu ziehen … oder schlimmeres.«

Zeus antwortete mit einem langgezogenen Miauen, das durch den Raum hallte. Nami runzelte die Stirn und musterte den kleinen Kater, der sich nun in Robins Arm wieder einmal als Zentrum der Aufmerksamkeit zu fühlen schien.

»War das jetzt eine Zustimmung, oder ist er einfach nur genervt, dass du ihm sein großes Abenteuer verdorben hast?«, fragte sie trocken, wobei ein Schmunzeln ihre Mundwinkel umspielte.

Mit gehobener Augenbraue hielt Robin Zeus nochmals in die Luft. »Was meinst du, kleiner Satansbraten? War das dein Protest gegen die böse Welt der Regeln?«

Seine Pfoten strampelten. Sein Kopf drehte sich Richtung Kuzan. Ein weiteres, kürzeres Miauen entkam ihm, diesmal weniger dramatisch, eher ein Tonfall von »Lass mich runter.«

»Eindeutig genervt«, stellte Nami fest, obwohl sie sich ein Lachen kaum verkneifen konnte.

»Du kannst sagen, was du möchtest, bis zum Schluss ist ein bisschen was dabei. Aber es macht es lebendig. Und es macht uns ... uns.«

Nami spürte, wie ihr Herz bei diesen Worten ein wenig ruhiger schlug. Sie betrachtete Robin für einen Moment, ließ den Klang ihrer Stimme nachklingen, und dann, fast ohne nachzudenken, trat sie näher. Zeus in ihrer einen Hand, legte sie die andere sanft um Robins Schultern, zog sie in eine leichte Umarmung. Robin lehnte sich ohne Widerstand an sie, und für einen Augenblick schien es, als wäre die Welt nur für sie beide stehen geblieben.

Ein leises Schnauben von Kuzan holte sie beide in die Realität zurück. Sie drehten sich um, gerade rechtzeitig, um den großen Mann auf dem Boden hocken zu sehen, ein Tuch in der Hand, das er energisch über den mittlerweile klebrigen Boden schob. »Keine Sorge«, murmelte Kuzan, ohne aufzublicken, »ich brauche keine Hilfe.«

Sein Ton war so sarkastisch, dass Nami sich das Lachen verkneifen musste. Doch als Kuzan aufschaute und ihnen einen giftigen Blick zuwarf, konnte sie nicht mehr. Ein leises Kichern entkam ihr, und selbst Robin schmunzelte.

»Du machst das großartig, Kuzan«, rief Bellemere aus dem Hintergrund, ihre Stimme triefend vor Ironie. »Vielleicht solltest du das öfter machen.«

»Danke für die Unterstützung«, brummte Kuzan, während er weiter wischte, ohne sich von den leisen Lachern um ihn herum aus der Ruhe bringen zu lassen.

Nami lehnte sich leicht gegen Robin, die mittlerweile wieder auf dem Sofa Platz genommen hatte und ihren Wein austrank. Zeus hatte sich in Namis Arm zusammengerollt, offensichtlich zufrieden mit seiner Position.

Es war ein seltsamer Moment. Nami spürte, wie ruhig sie war, fast überraschend ruhig. Kein schnippischer Kommentar, kein Drang, das Chaos zu kontrollieren oder zu kommentieren. Stattdessen fühlte sie eine fast meditative Akzeptanz in sich aufsteigen.

Vielleicht, dachte sie, war es genau das – dieser Hauch von Chaos, der inmitten der Perfektion existieren musste, um alles lebendig zu halten. Es war dieser Kontrast, der die Schönheit der Zeit mit ihrer Familie und Robin so deutlich machte.

Sie ließ ihren Blick schweifen. Kuzan, der mit sarkastischen Bemerkungen den Boden schrubbte. Bellemere, die sich zurücklehnte und immer noch leise kicherte. Olvia, die ihrem Mann begann Anweisungen zu geben, wo sie angeblich noch Reste sah, die gar nicht da waren. Einfach um ihn zu ärgern. Ace und Nojiko, die sich in einer stillen Unterhaltung verloren hatten. Genzo, der am Fenster stand und hinaus in die klare Winternacht blickte. Und Zeus, ein kleiner Chaosmagnet, dachte sie mit einem Schmunzeln, doch einer, der genau richtig war.

Schließlich landete ihr Blick wieder auf Robin. Die Dunkelhaarige saß entspannt auf dem Sofa, das Glas Wein in der rechten Hand, während sie mit einem zufriedenen Lächeln den Raum überblickte. Für Nami war es dieser Moment – dieses Bild von Robin inmitten der kleinen, chaotischen Perfektion –, das sich unauslöschlich in ihr Gedächtnis brennen würde.

Es waren die kleinen Momente, die unerwarteten, die zählten. Wie Zeus, der beinahe ins Unglück gesprungen wäre, wie Kuzan, der den Boden schrubbte, oder wie Robin, die mit einem einzigen, eleganten Griff das Chaos gebändigt hatte. Es waren diese Kleinigkeiten, die das Leben ausmachten, die die besten Erinnerungen schufen.

Nami setzte sich neben Robin, nahm sich ihr eigenes Glas Wein und stieß leise mit ihr an. »Auf das Chaos«, sagte sie mit einem Lächeln.

Robin hob das Glas leicht an, ihre Augen voller Wärme. »Und auf uns.«


Nachwort zu diesem Kapitel:
Und hiermit wünsche ich Frohe Weihnachten! :) Komplett anzeigen
Nachwort zu diesem Kapitel:
Ich wünsche einen angenehmen Rutsch und alles Gute fürs kommende Jahr :) Komplett anzeigen

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Kommentare zu dieser Fanfic (20)
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Von:  BurglarCat
2025-01-03T06:20:44+00:00 03.01.2025 07:20
Achja.. es wäre doch ein Wunder gewesen, wenn es völlig friedlich geendet hätte, nicht wahr?
Geschieht ihm aber recht, dass er das Chaos selbst wieder sauber machen kann, wenn er es schon anrichtet und dann auch noch Scherze darüber macht. Da kann ich nur wenig Mitleid haben. Und am Ende stimmt es auch; diese Familie besteht aus Chaos und egal was man macht, man wird es wohl auch nicht aus ihnen heraus bekommen. So etwas gehört eben auch ein bisschen dazu. Die Frage ist eben, wie man damit umgehen möchte.
Akzeptanz scheint da ein erster, wichtiger Schritt zu sein, denn am Ende? Nami würde sich an ihrem Ärger darüber nur selbst aufreiben und ist nur noch gestresster ohne das es jemandem hilft. Natürlich sind manche Dinge ärgerlich, besonders wenn es keine Einsicht gibt, doch.. der klügere gibt nach, nicht wahr?
Ich finde es einen schönen Abschluss für das ganze. Danke das wir sie durch diese Weihnachtszeit begleiten durften, das war durchaus erheiternd und eine angenehme Abwechslung.
Bin ja schon gespannt, wie das nächste Weihnachten der Familie verlaufen wird?! :P

Aber erst einmal wünsche ich in diesem Sinne auch ein wunderbares, neues Jahr!
Antwort von: robin-chan
03.01.2025 17:17
Darum geht's immerhin, den Kontrast zum Vorjahr aufzeigen und das hat durchaus Spaß gemacht ;) Und tatsächlich, ich habe eine Idee für die nächsten Weihnachten. Mit dem Chaostrupp nicht überraschend, aber abwarten, ob der Dezember Part 3 bringt! xD
Von:  BurglarCat
2025-01-03T05:42:49+00:00 03.01.2025 06:42
Robin hat ja schon fast was von einem bockigen Kind, das einfach nicht hören will xD
natürlich ist es blöd, wenn man wenig machen kann, das Haus voller Leute ist und man dann auch noch ein Event absagen muss auf das man sich ewig gefreut hat. Keine Frage. Nur zelebriert sie das ja förmlich und das auch irgendwie in dem Wissen Nami's berechtigte Sorge zu ignorieren. Sicherlich ein schmaler Grad bei dem man aufpassen muss, dass es nicht zu viel und eine neuerliche Belastung wird.
Auf der anderen Seite sehen wir aber auch das, was sich schon die ganze Zeit durchziehet; die beiden haben drastisch an sich gearbeitet. Vor einem Jahr wäre Nami sicher ausgerastet aber nun scheint es da eine Basis zu geben und sie scheinen immer wieder zu einer entspannten Ebene zurück zu finden auf der sie miteinander sprechen können. Und während Robin das Weihnachtschaos duldet, duldet Nami wohl das bockige Kind, was da ab und an zum Vorschein kommt und sich nicht recht um sich selbst kümmern möchte.
Aber darum geht's eben auch, die kleinen Macken des anderen annehmen. Und wenn Robin dann schon extra für Nami geübt hat? Ist natürlich ganz geschickt das anzubringen, damit Frau sich ein bisschen mehr entspannt xD
Von:  BurglarCat
2024-12-31T08:24:42+00:00 31.12.2024 09:24
Man könnte es ja fast schon als positive Entwicklung bezeichnen, dass sie am Ende alle ruhig und gemütlich zusammen sitzen, spielen und es einfach friedlich ist. Fast. Bin zum einen gespannt, ob es jetzt wirklich dabei bleibt zum anderen frage ich mich doch, warum Robin sich so sträubt. Was sind das nur für Anwandlungen? xD
Ich muss zugeben mir gefällt es ja das zu sehen und diese Seite von ihr etwas ausgearbeitet zu bekommen auch, wenn ich nicht ganz verstehe, wie sie da so verbissen sein kann. Ist ja fast so schlimm wie Nami mit ihrem Weihnachtswahnsinn. Und so haben sie doch beide ihre Marotten mit denen die andere irgendwie klarkommen muss. Problematisch ist es eben nur, wenn es dabei auf die eigene Gesundheit geht und Robin das nicht so ganz zugeben möchte. Oder eben auch nicht auf sich aufpasst und da das richtige Maß an Verantwortung übernimmt. Durchaus nicht einfach. Da kann man Nami durchaus verstehen, dass sie es als etwas gutes ansieht, wenn die nächste Aktion ins Wasser fällt. Doch wird sie das wirklich?
Bin gespannt was davon uns noch in den nächsten Kapiteln begleiten wird.
Von:  BurglarCat
2024-12-28T14:33:27+00:00 28.12.2024 15:33
okay, das kam irgendwie unerwartet xD
ich war darauf eingestellt Familiendiskussionen zu sehen, Zeus, dem das alles doch zu viel wird, Spieleabende aber Robin im Krankenhaus? Nein. Das habe ich so wirklich nicht erwartet. Hab erst gedacht sie hätte sich geprügelt oder provozieren lassen aber anscheinend war es einfach nur ein Unfall. Soll vorkommen und gerade wenn man Sport macht kann man das auch nicht ausschließen. Ist eben ein Risiko auch, wenn man dafür irgendwann vielleicht das Gefühl verliert.
Dennoch hat Nami recht; es mag ärgerlich und lästig sein aber sicher können dabei auch ganz andere Sachen passieren. Man darf das nie auf die leichte Schulter nehmen auch, wenn Robin das wohl gerne tun würde.
Bin ja mal gespannt, ob es das nun an Zwischenfällen für diese Saison war oder, ob die beiden doch noch mit etwas anderem rechnen müssen, was da auf sie zukommt. Dennoch empfinde ich es als sehr angenehm, dass es zwischen Nami und Robin immer diese entspannte Ruhe gibt. Eine wahre Wohltat!
Antwort von: robin-chan
28.12.2024 18:51
Um ehrlich zu sein ... deine Aufzählungen gehörten zum eigentlichen Plan. Bis ich mich gefragt habe, was würde dem etwas drauf setzen, was nicht so erwartet wird bzw. was nicht der Familie zugeschoben werden kann. Das kam dabei heraus 😂
Von:  BurglarCat
2024-12-26T13:00:41+00:00 26.12.2024 14:00
vielleicht lese ich zu viel in das alles hinein, doch Nami wirkt in ihrer Entscheidung zu den Kindern deutlich sicherer zu sein, als Robin. Oder aber Robin war sich nur unsicher darüber, dass Nami das plötzlich anders sehen könnte? Verzwickt. So oder so haben die beiden jetzt aber einen kleinen Zuwachs, um den sie sich kümmern müssen.
Und wieder ist da dieses Detail der laufenden Spülmaschine im Hintergrund, während die zwei sich unter einem Mistelzweig küssen. Ich liebe es einfach!
Ebenso schön, dass die Feiertage wohl rum sind ohne das jemand dabei umgekommen ist xD bisher zumindest.
Von:  BurglarCat
2024-12-25T20:15:15+00:00 25.12.2024 21:15
Wo soll ich anfangen. Sanji's blumige Rezepte haben schon etwas für sich auch, wenn er sich wirklich hätte denken können, dass das Nami nicht helfen würde es besser zu verstehen xD
Woran ich aber mehr hing war die Kinderfrage. Eine, die wohl nie so wirklich im Raum stand. Und ich habe mich gefragt wie man die Reaktion der beiden aufnehmen kann. Ging es nur darum, dass sie überhaupt gefragt wurden, das es von Kazu kam oder sind sie sich eigentlich in dieser Frage noch nicht sicher? Haben sie darüber überhaupt je gesprochen?
Gleichzeitig hab ich mich auch gefragt, ob ich die beiden mit Kindern sehen würde und müsste die Frage glaube ich mit nein beantworten auch, wenn es gleichzeitig wohl ziemlich spannend sein könnte. So viele Möglichkeiten xD

In jedem Fall schön, dass sich die Gemüter etwas beruhigt haben auch, wenn Zeus die ganze Familie irgendwie auf trapp hält und alle irgendwie mitmachen und ihn nicht hergeben wollen. Gut, dass der Kleine so geduldig ist xD
Von:  BurglarCat
2024-12-24T10:09:13+00:00 24.12.2024 11:09
Ich wusste es :D
War ja klar, das das mit dem Baum nicht einfach so gut gehen konnte. Wenn auch etwas anders als gedacht aber wenn man an Ace denkt? Durchaus anstrengend der Gute. Ich meine, er denkt einfach nicht über seine Handlungen nach und besonders nicht über das was es mit anderen macht und scheint zudem eine gewisse Ignoranz oder wenig Empathie zu besitzen. Zumindest sollte es doch nicht schwer sein darauf zu kommen, dass ein umgefallener Baum so oder so nicht cool ist. Schon alleine wegen dem, was man im Anschluss wieder aufräumen muss. Ist einfach nur Arbeit und unnötig.
Es fiel mir nicht schwer Nami zu verstehen. Bedenkt man was ihr Weihnachten bedeutet und dann ist er eben keine Unterstützung sondern bringt zusätzliche Unruhe und Arbeit.
Und Kazu.. ich ahne, dass das nur der lustige Anfang des ganzen war? xD Bin ja schon sehr gespannt wie die kommenden Tage werden.

Und in diesem Sinne, frohe Weihnachten ;)
Von:  BurglarCat
2024-12-24T07:23:59+00:00 24.12.2024 08:23
Einfach mal wieder Kind sein. Momente, die man sich zu selten nimmt und die uns allen wohl einfach gut tun würden. Irgendwie verlieren wir das doch alle, wenn wir älter werden. Schön sie alle so gelöst sind und die Zeit genießen.
Und das Zeus Wege findet, um durch zu kommen? Das ist schon irgendwie niedlich auch, wenn man aufpassen muss, dass man ihn nicht verzieht, oder? Again, ich kenne mich null aus aber irgendwie fühlt sich füttern am Tisch falsch an xD Und doch wirkt es fast schon friedlich und schön. Manche Momente mit der lieben Familie sind ja doch nicht so schlecht. Und, wenn Nami und Robin das ganze im kommenden Jahr nicht wieder ausrichten ist es vielleicht doch ein wenig entspannter.
Von:  BurglarCat
2024-12-23T06:46:49+00:00 23.12.2024 07:46
Es ist nur einer aber der wäre mir schon zu viel xD
Ich komme da nochmal auf die Frage zurück, die Robin schon einmal hatte; warum tut man sich das an? Zumindest, wenn es mehr Stress als Freude auslöst, dann sollte man es doch eigentlich lassen oder zumindest in betracht ziehen etwas anderes zu machen.
Wenigstens sind sie sich bei der Kreuzfahrt einig aber, ob sie damit wirklich durch kommen? Ich bin sehr gespannt. Wir sind ja doch sehr leicht in das Chaos gestartet, wobei Zeus mir am meisten leid tut. Ich meine.. wenn die Katze nicht will, dann lass die Katze doch in Ruhe, kann doch wirklich nicht so schwer sein, oder? Sollte man zumindest meinen aber er gehört ja nicht umsonst zu der anstrengenden Fraktion mit der man sich herumschlagen muss..
Von:  BurglarCat
2024-12-22T18:56:58+00:00 22.12.2024 19:56
Ich finde eigentlich das, trotz des ganzen Chaos, ziemlich viel perfekt. Auf eine unperfekte Art und Weise. Ich finde es schön, wie du die Schönheit der kleinen Momente heraus arbeitest, die ansonsten - auch in unserem Alltag - sicher zu wenig Zeit erfahren dürfen und denen man keine Aufmerksamkeit schenkt. Oder sie eben zu wenig beachtet. Es geht eben nicht immer um höher, schneller weiter. Das zeigt sich hier doch ganz gut und es lädt durchaus zum verweilen ein.


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