Die entlaufene, widerwillige Braut
Ein großer Affe mit schwarzgrauem Fell hing am Baum und durchsuchte die Äste und Zweige nach brauchbaren Zutaten für seine neuste Weinkreation. Er kicherte ein klein wenig vor sich hin.
Plötzliche Schritte in seine Richtung ließen ihn vorsichtig werden und versteckte sich zwischen den Ästen. Aus seinem Versteck sah er wie eine menschliche Frau aus den Büschen rannte. Sie war ganz außer Atem, blickte sich suchend um. Er konnte sehen wie sie zitterte. Es dauerte keine mehrere Augenblicke als zwei Soldaten ebenfalls aus derselben Richtung wie die Frau kamen.
„Haben wir dich gefunden, Weib!“, sprach der eine und packte die Frau am Handgelenk, versuchte sie grob zu sich ziehen. „Solltest dich glücklich schätzen, dass unser Herr dich als seine Braut ausgewählt hat! Und doch beschämst du ihn in dem du wegläufst?! Undankbares Weibsstück!“, rief der andere Soldat.
„Ich wurde nicht einmal gefragt! Warum sollte ich einen Mann heiraten, denn ich weder kenne noch liebe! Das ist absurd!“, sie sprach mit Akzent und der Affe wusste, dass sie eine Ausländerin war. Ihre Betonung der Wörter und der Klang waren anders. Er warf einen genauen Blick auf sie. Die Frau hatte schwarze, nackenlange Haare, dunkelblaue Augen und ein etwas schmaleres Gesicht. Sie war schön für einen weiblichen Menschen und sie war wahrscheinlich nicht älter 20 Menschenjahre. Aber waren die meisten Frauen nicht schon in dem Alter längst verheiratet?
Die Männer wurden wütend. „Grr! Schweig, Weib!“, schrie einer von beiden sie an, „Man hätte dich öfters disziplinieren sollen!“ „Disziplinieren?! Du meinst wohl eher Folter! Denkst du etwa ich habe die unzähligen Peitschenhiebe vergessen!“, knurrte sie, „Ich werde dieses Scheusal von einem Mann niemals heiraten! Eher nehme ich der ansässigen Yokai zum Mann!“
Die Frau gefiel ihm, sie hatte Feuer. Moment! Sagte sie gerade, dass sie mit Peitschenhiebe gefoltert wurde? Soweit der Affe wusste, war dies nicht die gängigste Praxis bei der menschlichen Umwerbung. Immerhin verbrachte der Brauer auch etwas Zeit in den Menschendörfern und -städten um neue Kelterei- und Braumethoden zu lernen oder frische Zutaten zu erstehen die im es Wald nicht gab. Da stimmte definitiv was nicht.
„Noch nicht einmal ein Yaoguai würde dich nehmen! Und jetzt komm!“, sprach derjenige, der ihr Handgelenk hielt und zog kräftig daran. Ein Schmerzenslaut entglitt ihr. „Yamero! Du tust mir weh!“, fauchte sie und versuchte sich schwer zu machen um nicht mitgezogen zu werden. Sie würde nicht nachgeben und mit denen mitgehen. Auch sie hatte ihren Stolz!
Er wusste, dass er nicht einschreiten sollte, immerhin ging es ihn nichts an aber.. diese Frau kämpfte um ihre Freiheit... Aber was sollte er tun? Er war kein Kämpfer nur ein einfacher Brauer. Vielleicht konnte er die Soldaten austricksen. Ein sehr schwacher Duft von einer Brauerei stieg ihm in die Nase; der Duft kam von ihr. Hm, sie war also eine Art Kollegin... Plötzlich kam ihm eine Idee.
Schnell sprang er vom Baum und landete neben den drei Menschen. „Hier bist du, mein Lehrling! Ich habe mir Sorgen gemacht“, sprach der Affe zu ihr blickend und zwinkerte kurz, hoffend das sie verstand, dass er ihr helfen wollte. Sein Glück war ihm hold. „Verzeih, Sensei“, antwortete sie und verbeugte sich so wie es ging vor dem fremden Affen, „Ich wurde aufgehalten.“
„Ein Yaoguai?“, der zweite Soldat zog sein Schwert. „Na na... Wer wird denn gleich zur Waffe greifen?“, kicherte der Affe. „Lasst einfach meinen Lehrling gehen“, dabei schlang er einen Arm um ihre Schulter. Der Soldat ließ langsam das Handgelenk los und sah den anderen an. Dieser Yaoguai war auf den ersten Blick unbewaffnet, aber konnten sie mit Sicherheit sagen, dass er ungefährlich war? Nein und es war bekannt das Affen sehr trickreich waren.
„Schön, schön“, kicherte der Yaoguai und wandte sich an die Frau in seinem Arm, „Komm, wir haben noch viel zu tun. Der Wein braut sich schließlich nicht von selbst.“ „Der verkocht sich höchstens selbst...“, grinste sie leicht worauf der Affe lachen musste. Humor hatte sie, das musste er ihr lassen. Die Soldaten waren sich unsicher. Die beiden gingen vertraulich miteinander um als würden sie sich tatsächlich kennen. Wenn diese Frau wirklich ein Lehrling von diesem Yaoguai war, dann sollte ihr Herr sie wirklich nicht heiraten. Dämonen sahen schließlich alles als ihr Eigentum an. Und auf einen wütenden Affendämon konnten sie liebend gern verzichten. Sie traten langsam den Rückzug an und ließen die Frau bei dem Affen zurück. Shen hingegen brachte sie erst mal zu seinem Zuhause.
Es dauerte nicht allzu lang bis sie zu seinem Unterschlupf kamen. Während er hinein ging, blieb sie ratlos am Eingang stehen. „Kommst du?“, fragte der Affe, als er bemerkte das sie stehen geblieben war. „Ja, ich... ähm...“, sie wusste nicht was sie sagen sollte, als plötzlich ein „Vielen Dank für die Rettung, Saru-san!“ aus ihr herausplatzte. „Schon gut“, winkte er ab. „Saru-san? Was bedeutet das?“, fragte er neugierig. „'Saru' bedeutet Affe in meiner Sprache und 'san' ist ein Suffix“, erklärte sie, „Ich hoffe, du bist nicht beleidigt. Aber ich weiß deinen Namen nicht...“
„Bin ich nicht und du kannst mich Shen nennen“, beruhigte er sie als er sah, dass sie nervös auf ihre Finger sah. „Na, dann. Vielen Dank für die Rettung, Shen-san. Mein Name ist Hikari“, lächelte sie und seufzte kurz, „Ich weiß nicht wie ich es dir vergelten, dass du mein Leben gerettet hast.“ „Hmm... Du kannst mir gern erzählen wie es dazu überhaupt gekommen war“, sprach der Yaoguai während er Gemüse klein schnitt und diese dann in einen Kessel mit kochendem Wasser warf. Sie erzählte ihm die ganze Geschichte wie ihr Vater sie auf die Reise schickte um ihre arrangierte Hochzeit von ihrer Stiefmutter zu entkommen bis hin wie sie zur unfreiwilligen Braut eines sehr reichen Adligen wurde und wie sie ihm entkam. „Verstehe... Es war keine angenehme Reise für dich gewesen“, bemerkte der Affe als sie die Geschichte beendete. Langsam rührte er im Kessel. Das Essen war bald fertig. „Ich gebe zu, dass ich Angst habe ihm erneut in die Arme zu laufen...“, flüsterte Hikari leise und zog die Beine an ihren Körper. Es war mehr als klar, dass sie soweit wie nur möglich von diesem Menschenmann weg wollte.
Shen holte zwei tiefe Schüsseln vom Regal und stellte diese auf den Tisch. Er füllte beide mit der Suppe auf. „Hier! Iss erst mal was, Kleine“, sprach er ruhig und stellte eine Schale vor ihre Füße. „Arigatō gozaimasu“, sagte sie, nahm die Schüssel und fing an zu essen. „Mhm~ lecker“, ihre Augen leuchteten als die Eintopf probierte. „Freut mich zu hören“, grinste der Affe und begann selbst zu essen.
Das Abendessen verlief ansonsten ruhig. Danach räumten sie die Schüsseln auf den Tisch. Shen holte aus einem kleinen Schrank eine Gästematte sowie eine dünne Decke heraus. „Es ist nicht viel, aber es sollte reichen um nicht zu frieren“, sprach er und gab ihr die Sachen. „“ Die Matte legte sie in die Nähe einer Seite der Höhlenwand. Plötzlich fühlte sie die Erschöpfung des Tages mit einem Schlag. Die Flucht hatte ihr einiges abverlangt.
„Oyasumi, Shen-san...“, murmelte sie müde. „Schlaf gut“, aber seine Worte hörte die junge Frau nicht mehr; so schnell war sie eingeschlafen...
~Später in der Nacht~
Shen hörte wie sie sich hin- und herwälzte; ging mit leisen Schritten zu ihr. Mit einem lauten Schrei wachte sie auf und blickte sich ängstlich um her. Dann sah sie ihn. „SHEN-SAN!“, die Frau stürzte sich schon beinahe auf ihn und klammerte sich an ihn. Ihr ganzer Körper zitterte. Kurz war er überfordert, aber dann registrierte er schnell warum sie es tat. Sie suchte Schutz und Trost, währenddessen ungehindert ihre Tränen flossen. Ihre Arme hatte sie um seinen Oberkörper geschlungen; drückte den Affenmann an sich. Vorsichtig legte er eine Hand auf ihren Kopf um sie nicht zu verschrecken und die andere auf ihren Rücken. Sanft streichelte er diesen hoch und runter. Als er dies tat, bemerkte der Primat Unebenheiten durch den Stoff hindurch. Shen wagte einen kleinen Blick auf ihren Rücken, der durch den leicht verrutschten Oberteil zu sehen war. Ihm stockte leicht der Atem als er einige der Narben sah. /Und das betrifft ihren ganzen Rücken.../, dachte er. Unbewusst hielt der Yaoguai sie näher an sich.
„Shen-san, bitte bleib bei mir! Ich habe Angst!“, ihre Stimme war gebrochen. „Willst darüber sprechen?“, murmelte er leise. „Ja...“, hauchte sie und holte tief Luft. Sie erzählte ihm von dem Alptraum; was darin geschah. Die Peitschenhiebe, welche sie früh und abends ertragen musste; Beleidigungen über ihre Herkunft, einfach alles. Ihr liefen Tränen ungehindert über die Wangen und tropften auf sein Hemd. Schweigend streichelte er ihr weiterhin über den Rücken. Irgendwann bemerkte er ihre ruhige Atmung; sie war eingeschlafen, in seinen Armen.
Wenn es half, dachte er seufzend, dann würde er die Nacht bei ihr bleiben und die nachfolgenden Nächte ebenfalls sollte es ihr helfen den Schlaf zu finden, den sie brauchte...
~Einige Zeit später~
In den nächsten Wochen wurden die Alpträume weniger und sie lächelte häufiger. Shen brachte ihr bei wie man Zutaten im Wald fand. Früchte, Kräuter und zu ihrem Schrecken, manche Organe von frisch gestorbenen Yaoguais. „Von manchen Yaoguais kann man die Organe entnehmen und später zu einem Tonikum verarbeiten“, erzählte er, Hikari fühlte sich dabei jedoch nicht wohl nach dieser Erkenntnis.
Schon bald wechselte das Thema der Gespräche ins private. Shen erfuhr, dass Hikaris Vater eine kleine Sake-Brauerei besaß und sie sowie ihr Bruder schon als kleine Kinder mithalfen. Ihre leibliche Mutter war eine Heilerin; sie kannte sich mit Heilkräutern aus und pflanzte auch selbst welche an. Manchmal wurden einige der Kräuter in den Sake getan um einen besseren Geschmack zu erhalten oder um bessere Heileigenschaften zu bekommen.
„Alkohol zum Heilen?“, verdutzt sah der Affe sie an. Davon hatte er noch nie gehört. „Ja, ich weiß es klingt ersten Moment seltsam, aber es stimmt. Meine Mutter verwendete diesen speziellen Sake für die Wunden ihrer Patienten. Die Verletzungen entzündeten sich seltener und heilen dafür besser. Es hatte jedoch auch lange gedauert bis sie das richtige Rezept herausgefunden hat, damit diese Wirkung erzielt werden konnte“, Hikari lächelte wehmütig an den Gedanken ihrer Familie; insbesondere wegen ihrer Mutter, „Sie starb vor einigen Jahren... Dann nahm mein Vater eine neue Frau und diese wollte mich mit dem Sohn einer wohlhabenden Freundin von ihr verheiraten. Da konnte ich, wollte ich nicht bleiben...“ „Was dazu führte, dass er dich auf eine Reise schickte“, er erinnerte sich an das Gespräch vor einigen Wochen; sie nickte als Antwort.
Der Affe wusste, dass sie ihre Familie vermisste und doch blieb sie schon seit einigen Wochen bei ihm. Es herrschte Schweigen zwischen zwischen ihnen.
„Du musst nicht hierbleiben, wenn du nicht möchtest“, sprach Shen nach einer Weile und schwenkte den Inhalt seiner Trinkschale. Hikari ließ sich seine Worte durch der Kopf gehen. Er zwang sie nicht bei ihm zu bleiben; zwang sie nie zu irgendetwas was sie nicht wollte und das mochte die junge Frau an ihm. Sie nahm seine freie Hand in die ihrigen und drückte diese sanft was ihn zu ihr aufblicken ließ. „Ich würde sehr gern bei dir bleiben, Shen-san“, sagte sie mit einer schwachen Röte im Gesicht und einem Lächeln. Er selbst grinste warm bei ihren Worten; er hatte seit einiger Zeit begonnen sie zu mögen. Man konnte sagen, das sie jetzt eine richtige Mitbewohnerin war und nicht ein Gast auf unbestimmte Zeit.
Wir sind Freunde?!
„Ich bin dann we~g!“, rief Hikari und machte sich auf den Weg in den Wald. Mit dem Korb unter dem Arm geklemmt ging sie auf Zutaten-Suche für neue Weinkreationen des Affendämon. Es dauerte meist zwei bis drei Stunden bis sie wieder kam. Der Affendämon hingegen räumte die Höhle etwas auf und bereitete einige der Weinfässer vor. Wenn Hikari wieder zurück war, wollte er mit einem neuen Wein beginnen. Nachdem er fertig war ging er nach draußen und sprang auf einen Ast in der Nähe. Der Primat wollte sich etwas seiner Natur hingeben und am Ast hängen...
Allerdings dauerte es nicht lang bis ein Schlangen-Yaoguai ihn überraschte und versuchte ihn vom Baum zu holen. „Zzshh... Komm rrunter!“, zischte das Reptil wütend. „Husch, Husch! Saures Affenfleisch bekommt deinem Magen nicht!“, erwiderte der Primat und versuchte nicht runter zufallen. Wenn nicht bald Hilfe käme, würde aus ihm Schlangenfutter werden...
Keine fünf Minuten später kam ein anderer Affe auf dem Holzweg entlang; bewaffnet mit einem Kampfstab. Schnell machte sich der Brauer auf sich aufmerksam. „Hey, hey! Worauf wartest du? Na los, komm! Hilf einem großen Bruder und verpass ihm eine Tracht Prügel!“, rief der schwarzgraue Primat und klammerte sich weiterhin an dem Ast, versuchend seinen Schweif nicht allzu niedrig zu halten.
Der Krieger besiegte die Schlange sehr schnell mit seinem Kampfstab. Shen sprang von seinem Ast hinunter als die Luft rein war. „Vor diesen Schlangenguais muss man sich nicht fürchten. Aber Schlangengalle in einem Trank ergibt ein wunderbares Tonikum gegen Krankheiten,“, sprach er und ging in die Höhle. „Bitte, bitte junger Freund! Sei mein Gast und tritt ei~n!“, lachte der Brauer. Zu sagen, das man keine Furcht vor den Schlangen haben musste, war vielleicht etwas übertrieben, aber er brauchte es dem Jungen nicht auf die Nase binden, dass er schon etwas Angst hatte.
Der Krieger folgte ihm in die Höhle. Er sah ein paar Weinbehälter hinter dem Brauer stehen. Daneben waren einige Kräuterkästen. War der andere Affe auch ein Heiler? Nein, die Ecke roch mehr nach einem Weibchen, nach einer menschlichen Frau um genau zu sein.
Jetzt wo der Brauer den Neuankömmling im Licht besser sah, sah er die sehr große Ähnlichkeit zu Sun Wukong, dem Großen Weisen gleich dem Himmel. Die Winde hatten es ihm zugeflüstert, dass der Große Weise wiedergeboren sein sollte... Vielleicht war es an der Zeit zurück zum Zodiac Dorf zu gehen? Die Frage war ob auch Hikari mit kommen würde... Nun darüber konnte er sich später noch Gedanken machen. Nun hatte er einen Gast und einen potenziellen Kunden zu bedienen.
„Sieh an, sieh an. Ich würde wetten, dass du ein Affe vom Huaguo-Berg bist. Ich habe schon viele deiner Art getroffen“, ein trauriges Kichern entfuhr ihm. Der junge Weise, wie er ihn erkannte, war nicht der Erste gewesen, der auf ihn traf. Es gab einige andere vor ihm, aber dieser schien zuversichtlich zu sein; fast wie der König selbst zu Lebzeiten.
„Dem Geburtsrang nach solltest du mich Urvater nennen. Aber vergiss das alles. Ich bin nur ein alter Affe, verbannt in die Welt der Sterblichen. Doch habe ich viele Schätze in dieses Reich mitgebracht. Schau sie dir an, vielleicht gefällt dir etwas“, fuhr der Brauer fort. Der junge Weise sah sich die Waren an. Es waren Zutaten für Tränke gewesen, darunter auch wirklich seltene, die man hier sehr schwer bekam.
„Es gibt keine Rückkehr an den Hof mehr. Ich kann nur noch meine Sorgen ertränken...“, seufzte Shen wehmütig, „Trinken, Trinken. Es kann zum Erfolg oder Versagen führen. Trink immer weise.“ Er genehmigte sich einen Schluck aus seiner Gurde während der Jüngere weiterhin die Handelsgüter begutachtete. Schließlich fand er etwas: die himmlischen Lotussamen. „Du hast ein gutes Auge, junger Freund“, schmunzelte der Brauer.
Fragend sah der junge Affenyaoguai zu den Pflanzen in den Kräuterkästen. „Die gehören meiner Assistentin und stehen somit nicht zum Verkauf“, erklärte Shen. Er hatte Hikari nicht wirklich als Lehrling angesehen sondern von Anfang als Assistentin. Sicher er hatte ihr noch was beibringen können, aber genauso war es umgekehrt gewesen; sie teilten sich ihr Wissen miteinander.
„Tadaima, Shen-sa~n!“, rief eine fröhliche,weibliche Stimme vom Eingang her. Shens Laune wurde erheblich besser dies bemerkte auch der Fremde. „Willkommen zurück! Wie war die Zutaten-Suche?“, fragte er als sie in die Höhle kam. „Sie verlief ganz gut. Allerdings bin ich einigen Schlangen begegnet... Sie haben mich jedoch nicht bemerkt. Lag wahrscheinlich an den Kräutern. Einige riechen etwas stark“, antwortete die junge Frau und blickte kurz auf den Korb. „Mhm? Wir haben einen Gast?“, ihr war der fremde Affe zuerst nicht aufgefallen, aber als sie ihren Blick hob bemerkte sie ihn. „Ja, haben wir. Er hat mich vor einem Schlangenguai gerettet“, antwortete Shen. Schneller als er gucken konnte, stellte Hikari den gefüllten Korb auf den Tisch ab und ging zu ihm. „Wo wurdest du gebissen? Hast du Schmerzen?“, fragte sie und untersuchte ihn, „Ist dir schlecht?“ Sie bombardierte ihn regelrecht mit Fragen „N-Nein... mir geht es gut“, er war mehr als überrascht gewesen als er ihre Hände auf seinen Körper fühlte. Sie war angenehm warm. Die junge Frau berührte seine Stirn mit einer Hand und mit der anderen ihre eigene Stirn. „Zumindest hast du kein Fieber“, seufzte sie erleichtert.
Der Fremdling kicherte leicht als er die Interaktion zwischen den beiden sah. Die Frau hatte keine Angst vor dem älteren Affen eher im Gegenteil sie berührte ihn ohne Angst und Furcht. Allerdings sah er auch wie der Ältere einen sehr schwachen Rotton im Gesicht bekam; zum Glück des älteren Pimaten bemerkte die Frau es nicht.
„Ich hing gerade am Baum als das Biest mich überrascht hatte...“, erklärte Shen. „Baka! Sag das doch gleich! Jage mir doch keinen Schrecken ein!“, sie schimpfte mit ihm als wären sie Gefährten. Aber sie war mehr als froh, dass ihm nichts passiert war. „Tut mir leid...“, entschuldigte sich der Brauer grinsend. „Du bist mir einer, Shen-san...“, murmelte sie sanfter. Ihre Augen wurden für einen Moment weicher. Dann widmete sie sich dem Korb zu. Die Kräuter legte sie alle sortiert auf den Tisch während der Brauer darüber sah.
Der Weise legte den Kopf schief als er den beiden zu sah. „Dies wird ein neuer Kräuterwein. Einer der Schmerzen lindern soll, wenn es wirkt...“, erklärte Shen mit nüchterne Stimme ohne den Jüngeren anzusehen. Auch wenn der Affe sich gerne mal betrinkt so braucht er bei der Auswahl der Zutaten und beim Brauen einen klaren Kopf.
„Ich hoffe wirklich das der hier besser wird...“, sprach die junge Frau und schenkte dem Brauer einen wissenden Blick. „Ich habe es überlebt“, beschwichtigte der schwarzgraue Yaoguai. „Du lagst beim letzten Mal eine ganze Woche auf der Matte mit Magenkrämpfen!“, zischte sie ihn an. „Ist ja gut... Ich habe es verstanden...“, seit der Nachwirkung des letzten Selbstversuchs war sie wirklich sehr streng gewesen. Er durfte nicht aufstehen, außer zum Wasserlassen, und keinen Alkohol trinken, aber dafür hatte sie ihn umso liebevoller gepflegt? Anders konnte er es nicht benennen. Sie hatte ihm Früchte klein geschnitten und per Hand gefüttert. Sogar ein hitzebeständiges, dehnbares Gefäß hatte sie, woher auch immer, gefunden; mit fast heißem Wasser gefüllt und es ihm auf den Bauch gelegt. Die Erinnerung an diese eine Woche ließ sein Herz schneller schlagen.
Hikari drehte sich zu dem jungen Affen um. „Brauchst du noch etwas?“, fragte sie ihn freundlich. „Habt... Ihr etwas... gegen Gift?“, die Stimme von dem Krieger war rau; wahrscheinlich benutzte er diese selten bis nie. „Sicher! Zum Glück haben wir Gegengift auf Vorrat“, die Frau wandte sich dem Regal über den Kräuterkästen zu und nahm ein kleines Fläschchen runter, „Hier, nimm diese kleine Flasche. Es reicht für drei Anwendungen!“ Bevor der Weise fragen konnte, nahm der ältere Affe ihm den Wind aus den Segeln. „Ich habe es getestet! Es wirkt einwandfrei, schmeckt allerdings scheußlich“, gab der Brauer von sich.
Der Krieger nahm die kleine Flasche entgegen und wollte gerade bezahlen als Hikari eine Hand hob. „Sieh es als meinen Dank an dass du meinen Tomodachi hier gerettet hast“, erklärte sie und verbeugte sich vor ihm, „Arigatō gozaimasu“. Mit einem zufriedenen Nicken bedankte sich der junge Weise bei den beiden für die Waren und verließ die Höhle.
„Tomodachi?“, er mochte es, wenn sie Worte in ihrer Sprache verwendete. „Es bedeutet 'Freund' im japanischen“, verdeutlichte sie. Ein Freund? Er war ein Freund für sie? Jetzt war der Affenmann überrascht. Über eine etwaige Freundschaft hatten sie bisher noch nicht gesprochen. Es ließ sein Herz ein klein wenig flattern, dass sie ihn, einen alten Yaoguai, mochte.
Ein paar Abende später ging sie spazieren. Sie hatte vorher eine Notiz für Shen dagelassen damit er wusste das sie sich nur die Beine vertrat. Hikari verließ die Höhle normalerweise nur, wenn sie für den Affendämon Wasser holen musste, Zutaten für seine Weine oder einige Heilkräuter suchte. Sie lief in die Nähe des Flusses, der Nahe der Höhle war. Es begann langsam zu dämmern. Die ersten Vögel hörten auf zu singen und flogen zu ihren Nestern.
Plötzlich hörte sie ein lautes Platschen aus der Richtung des Flusses. Ohne weiter nach zu denken lief Hikari in Richtung des Gewässers. Dort stand im Wasser ihr ein sehr bekannter Yaoguai. Es dauerte einen Augenblick als sie realisierte, dass der Affendämon vollkommen nackt im Fluss stand. Abgesehen davon das er von seinem Fell bedeckt war.
„AA~HH!!“, Hikari stieß einen spitzen Schrei aus. „Go... Gomene!! Ich wusste nicht das du hier bist“, quietschte die junge Frau mit verlegenem Gesicht während sie umgedreht hatte. Ihre Hände hatte sie vor dem Gesicht gehalten. Von dem Yaoguai hörte sie nur ein herzlichen Lachen. Ganz vorsichtig lugte sie zwischen ihren Fingern zu ihm. Die Wassertropfen, die an seinem Fell hingen, ließen es leicht glitzern. Er sah... schön aus.
„Ich vergaß wie prüde ihr Menschen sein könnt“, kicherte Shen weiter und holte sie damit aus den Gedanken. Leicht verunsichert sah sie ihn an. „Aber da du gerade einmal hier bist... Würdest du mir bei der Pflege helfen? Ich schaffe es nicht komplett allein“ bat der Affenmann und deutete auf seinen Rücken. Es war ziemlich zerzaust. „Das... das kann ich machen, ja“, sie kam näher zu ihm und begann sein Fell mit ihren Fingern zu entwirren. Sanft strich sie hindurch und kleine Knoten lösten sich aus dem Haar. Hikari arbeitete sich von seinem Nacken über den Schultern bis hinunter zu seiner Rückenpartie wo sein Schwanz anfing. Aus Respekt vor ihm wagte sie es nicht seinen Schweif zu berühren. Was sie nicht wusste, war das Shen sich ein Stöhnen verkniff und sein Anhängsel zwang still zu bleiben um nicht wie verrückt hin und her zu wedeln. Diese Berührungen waren einfach zu wundervoll! Jedoch ließ die Selbstbeherrschung seines Schwanzes relativ schnell nach sodass es sich um ihren Körper wickelte.
Hikari stockte kurz als sie eine ungewohnte Berührung spürte. Als sie zu ihrer Hüfte sah, sah sie seinen Schweif, welcher dort ruhte. Vorsichtig begann sie auch das Fell von seinem Schwanz zu säubern. Mit ihren Nägel kratzte sie sanft den Schmutz locker, ihr Griff um seinen Schweif war nicht sehr fest, aber so bestimmend das er es merkte.
Shen erstarrte beinahe als er merkte, das Hikari sein Schweif säuberte. Ihre sehr kurzen Krallen kratzten leicht über die Haut, welches bei ihm ein prickelndes Gefühl auslöste. Normalerweise war dies nur Familienmitglieder und Gefährten gestattet. Und doch hielt er sie nicht auf; zu schön war diese Empfindung gewesen. Der Yaoguai konnte es nicht verhindern das ihm ein spezielles Affengeräusch aus dem Mund entkam.
Schlagartig hielt er sich sein Maul zu. Was zum Himmel! Warum entwich ihm ausgerechnet dieser Laut? Shen war mehr als froh, dass er mit dem Rücken zu ihr saß, so konnte sie sein rotes Gesicht nicht sehen.
„Habe ich dir weh getan?“, besorgt hörte die junge Frau auf seinen Schweif zu berühren. „Nein! I-ich m-meine... “, stammelte der Affenmann und war nervös. Er atmete ein paar mal tief ein und aus. „Du hast mir wirklich nicht weh getan. Sei unbesorgt“, sprach er als er sich wieder gefasst hatte. Sein Gesicht glühte währenddessen immer noch. „Bist du sicher?“, hakte sie vorsichtig nach. „Ganz sicher“, war seine Antwort und sein Schwanz wickelte sich um ihr Handgelenk, drückte es sanft. „Es hat es einfach nur zu gut angefühlt. Das ist alles...“, erklärte der Yaoguai. Er würde diese Nacht nicht wirklich schlafen können, das wusste er bereits jetzt schon...
Ist das schon Umwerben?
Hikari trug neuerdings ihre Haare offen als sie vom Fluss wieder kam. Der Affe konnte seinen Blick nicht abwenden. Es hingen noch vereinzelte Tropfen in ihren Haaren, was sie beinahe wie eine Bodhisattva aussehen ließ. Die junge Frau setzte sich in die Nähe der Kräuterkästen um nach den jungen Pflanzen zu sehen. Danach ging sie zu dem Feuer um sich auf zu wärmen. Plötzlich zupfte etwas zärtlich an ihre Haare. Ein Blick über ihre Schulter und sie sah ihren Freund wie er mit seinen Händen durch ihr Haar fuhr.
Shen sah ihr dabei zu wie sie ihre neue Kräuter pflegte und sich dann aufwärmen ging. Ein sanftes Lächeln umspielte seine Lippen und lief auf leisen Fußsohlen zu der jungen Frau. Ehe er sich versah, saß er bereits hinter ihr und fuhr mit seinen Krallen langsam und vorsichtig durch ihr feuchtes Haar. Der Affe teilte es in Partien ein und ging bedächtig durch. Jede Strähne wurde beinahe sorgfältig gepflegt. Hikari hatte die ganze Zeit sehr behutsam geatmet als wollte sie ihn nicht dabei stören. Ihr Herz schlug stärker in der Brust, war besorgt das er es hören könnte. Der Yaoguai nahm dies war, allerdings war er zu sehr auf ihre Haare konzentriert um zu merken, dass er der Grund dafür war. So ging es dann in den nächsten Tagen weiter. Immer wenn sie vom Baden zurückkehrte, setzte er sich hinter sie und durchkämmte; pflegte er ihre Haare...
An einem Abend als Shen selbst vom Baden zurück kam, war er überrascht gewesen das sich die junge Frau wortlos hinter ihm setzte und mit ihren Fingern sanft durch sein Haar fuhr. Für ihn war es eine normale Sache gewesen jemand anderen zu pflegen; immerhin war er ein Affe, aber dass sie ihn von sich aus pflegte, brachte ihn leicht aus der Fassung. Nicht, dass er sich beschweren würde... Es tat so gut.
„Du... machst das seit einiger Zeit auch bei mir, Shen-san...“, sprach sie leise, „Stört es dich? Soll ich aufhören?“ „Nein... Nein, du brauchst nicht auf zu hören...“, murmelte er und lehnte sich weiter in ihre Berührungen. Ihre Nägel kratzten sanfte Kreise seine Kopfhaut. Es ließ den Affenyaoguai entspannen. Ein angenehmes Brummen entfuhr ihm. Wann hatte er sich das letzte Mal so wohl gefühlt? Das musste Jahrhunderte her sein... Er konnte nicht anders als seine Augen zu schließen und langsam einzuschlafen. Der süßliche Duft, welcher von ihr ausging, tat sein übriges...
Hikari war überrascht als der Brauer sich weiter nach hinten lehnte. Noch mehr als sie plötzlich eine ruhige Atmung vernahm. War er jetzt wirklich eingeschlafen? Die junge Frau beugte sich leicht vor und sah wie sich seine Brust langsam hob und senkte. Shen schlief tatsächlich. Vorsichtig legte sie seinen Kopf auf den Boden da sie ihm seine Matte holen wollte. Jedoch hatte sich bereits sein Schweif sich um ihre Hüfte gewickelt. Behutsam versuchte Hikari das lange Körperteil von sich zu lösen, aber es war zwecklos. Seufzend begutachtete sie den schlafenden Affendämon. Er sah friedlich aus. „Oyasumi, Shen-kun...“, flüsterte sie und küsste sanft seine ihr zugewanderte pelzige Wange. Anschließend legte sie ihren Kopf auf seine mit Fell bedeckte Brust; welche weich und warm war. Von ihm unbewusst schlang er seine Arme um sie und drückte die junge Frau näher an sich. Mit geröteten Wangen schmiegte sie sich an ihn und schlief ein.
Am nächsten Morgen wachte Shen mit einem schweren Gefühl auf der Brust auf. Er spürte auch das ihn etwas, nein, jemanden hielt. Seine Augen öffneten sich und was er sah ließ sein Herz kurz einen Schlag aussetzen. Hikari lag auf ihm, mit dem Gesicht auf seiner Brust, in seinem Fell eingekuschelt. Seine Arme hatte er um sie geschlungen. Sein Schweif hingegen war beinahe komplett um ihre Hüfte gewickelt. Wahrscheinlich war dies der Grund warum sie überhaupt auf ihm lag. Er fühlte sich ein klein wenig schlecht diesbezüglich was sich jedoch schnell änderte als er bemerkte wo und vor allem in welcher Position ihre Beine waren. Das eine war zwischen seinen Beinen, nahe seinen Genitalien und das andere über sein eigenes Bein. Es war eine sehr eindeutige Stellung.
Vorsichtig legte er sie auf den Boden, damit er sie nicht weckte und seinen Schwanz von ihr lösen konnte. Anschließend ging er zum Fluss um sich abzukühlen, da er eine gewisse Hitze zwischen seinen Beinen spürte. Schnell entkleidete sich der Affe und ging in das kühle Nass. Es dauerte nicht lang bis sich sein Problem von selbst behob.
Hinterher sammelte Shen Früchte für das Frühstück und schnitt bzw. schälte diese als er wieder Zuhause war. Hikari wachte unterdessen langsam auf als der Brauer gerade Teewasser aufsetzte. „Ohayou“, gähnte sie mit vorgehaltener Hand. „Gut geschlafen?“, neckte er sie. Ihr Gesicht wurde sehr schnell rot, als sie erinnerte wie sie eingeschlafen war... und zwar auf ihm. „Ich... habe sehr gut geschlafen... Danke der Nachfrage...“, antwortete sie ihm mit geröteten Wangen. Er war vor ihr wach geworden, was bedeutete er wusste das sie auf ihm gelegen hatte. Aber es schien als hätte er den Wangenkuss nicht mitbekommen, was hieß das er da wirklich schon tief und fest geschlafen hatte.
Der Teekessel pfiff und lenkte Shens Aufmerksamkeit darauf. Vorsichtig goss er das heiße Wasser in die bereitgestellte Kanne und ließ den Tee ziehen. Die Tassen holte er vom Regal und stellte diese neben der Kanne ab.
„Hier...“ der Affenyaoguai reichte ihr einen Teller mit geschnittenen Früchten, während der Tee zog. Kurz berührten sich die Finger der beiden als Hikari den Teller nahm. Sie wandten gleichzeitig den Blick voneinander ab. „Ich... Ich sehe nach dem Tee...“, murmelte er geradeso hörbar; die Ohrenspitzen waren gerötet. Bei der jungen Frau waren es die Wangen, welche sich verfärbten. Ihr Herz klopfte sehr stark.
Natürlich sah der Affe nicht wirklich nach dem Tee, da er diesen erst aufgegossen hatte; aber ihm fiel keine andere Ausrede ein. Er musste seine Gedanken sortieren. Seit wann hatte sie eine solche Wirkung auf ihn? Wenn er genau nachdachte, war es als… seine Augen weiteten sich. In dem Moment als er anfing ihr die Haare zu pflegen und sie es dann Tage später ihm gleichtat. Seit diesem Augenblick hatte sich ihre unausgesprochene Beziehung zueinander verändert.
Der Affenyaoguai schalt sich innerlich einen Narren. Er hatte sie unbewusst umworben. Und jetzt mit den kleingeschnittenen Früchten... Seine Art tat dies nur bei Gefährten oder wenn man die Person wirklich liebte. Ihm kam die Erinnerungen von vor ein, zwei Stunden ins Gedächtnis; als er aufgewacht war. Sie lagen eng beieinander und hatten gekuschelt! Beim Himmel! Shen zog sogar seit den letzten Tagen in ein Nest für sie beide zu bauen in Betracht... Ein schweres Seufzen verließ seine Kehle. Er hatte sich bereits in sie verliebt, nicht wahr? Das Problem war nur... wie sollte er es ihr bloß sagen?
Hikari hingegen blieb an Ort und Stelle sitzen. Ihre eigenen Gedanken und Gefühle liefen Sturm. Sie sah kurz auf ihre Finger; diese kribbelten noch leicht von der Berührung. Dann wandte sie ihren Blick auf das Obst. Es war schon in mundgerechte Stücke geschnitten. Wie ungewohnt. Normalerweise tat er dies nicht und doch freute sie sich darüber. Die junge Frau wagte es ihn in Augenschein zu nehmen. Seine Ohrenspitzen waren rot. Ging es ihm gut? Sie stellte den Teller auf den Boden und lief zu ihm hinüber.
Sie stand hinter ihm als sie den Duft bemerkte; der Duft der Kräuter, die sie für ihn gesammelt hatte. „Shen-san? Geht es dir gut?“, vorsichtig sprach sie den Affenmann an, um ihn nicht zu erschrecken. Allerdings zuckte er dennoch zusammen. „Äh...ja. Es geht mir gut“,. antwortete der Yaoguai und drehte sich um. Hikari stand jetzt direkt vor ihm. Ihre Wangen waren immer noch leicht rot. Die junge Frau wollte etwas erwidern, hielt aber inne als sie den krallenbewährten Daumen an ihrer Lippe spürte. Shen strich sanft über die untere Hälfte ihres Mundes. Er war schon einige Jahrhunderte alt und wusste somit wie Menschen ihre Zuneigung ausdrückten. Langsam beugte er sich nach vorn und schloss seine Augen halb. Hikari legte ihre Hände sanft auf seinen Oberkörper. Anschließend streckte sie sich ihm entgegen und schloss ebenfalls die Augen.
Sie kam ihm näher? Er hoffte es, dann merkte er wie sich ihre Hände von seiner Brust zu seinen Schultern wanderten. Sie konnten den Atem des jeweils anderen spüren. Nur noch ein bisschen näher...
Ein lautes Krachen ließ die beiden auseinanderfahren. Schnell schob der Affe sie hinter sich und ging langsam zum Höhleneingang. Er staunte kurz nicht schlecht als er den mit Pfeilen gespickten Menschenkörper sah. Der Affendämon zog einen der vielen Pfeile aus der Leiche. Nach einer kurzen Begutachtung wusste er, dass es sich dabei um einen Schlangenguai-Pfeil handelte. Sie waren bisher die einzigen gewesen, die Pfeile mit Einkerbungen verwendeten. Anscheinend musste er seinem Mädchen den Umzug wohl früher beibringen als erwartet... Moment! Sein Mädchen?!
„Shen-san? Was ist passiert?“, fragte Hikari als sie näherkam und den Affen von seinen Gedanken ablenkte. „Ein Opfer von den Schlangenguais“, war seine Antwort und zeigte ihr die Pfeilspitze, „Das ist deren Handwerk.“ Die junge Frau hielt sich den Mund zu. Der Anblick des Toten missfiel ihr sehr. Shen bemerkte dies und hob den leblosen Körper hoch auf seine Schulter. „Ich bring ihn weg bevor er anfängt zu stinken. Und uns ungebetenen Besuch beschert“, sprach der Affenmann und ging los.
„Komm bitte so schnell wie möglich zurück!“, rief ihm die junge Frau hinterher. Shen hob den freien Arm um ihr zu zeigen, dass er sie noch verstanden hatte.
Der Affenyaoguai trug den Leblosen tief in den Wald hinein, darauf achtend das er nicht auf irgendwelche Gegner traf; nahe der Grenzen des Schlangenguai-Gebiets. „Die Entfernung sollte reichen“, murmelte der Brauer und machte sich auf den Rückweg. Allerdings nahm er dafür die Bäume. Er kletterte auf einen hoch und sprang dann von Ast zu Ast. Oben war es sicherer als unten; zumindest für ihn.
„Ich bin wieder zurück“, rief er als er Zuhause ankam. „Okaeri, Shen-san!“, antwortete die junge Frau. Sie stand am Tisch und schnitt etwas. „Du hast noch nicht gegessen?“, leicht betrübt sah der Affe auf den vollen Teller, den er für sie gemacht hatte. „Ich habe auf dich gewartet. Ich wollte mit dir zusammen essen“, sie drehte sich um und er konnte sehen, dass sie Obst geschnitten hatte, „Und habe für dich auch was gemacht.“ Sie hatte für ihn Essen gemacht? Sein Gesicht hellte sich auf. „Danke“, lächelte er und ging zum Tisch. Hikari legte das Messer beiseite und gab den Teller dem Affendämon. Zusammen aßen die beiden ihr Frühstück. Unbewusst schwang sein Schweif zu ihrer Hüfte und hielt sie dort.
Danach begannen sie ihren Tagesablauf.
das Dorf der Tierkreiszeichen
„Hikari? Wir ziehen um“, stellte er klar. „Was meinst du mit 'wir ziehen um'?“, irritiert sah Hikari den Yaoguai an, „Hat das was mit dem Affen von neulich zu tun?“ „Auch mit, ja. Allerdings hat auch der Geruch der Schlangenguais in der Nähe teils stark zugenommen“, antwortete er, „Es ist hier nicht mehr sicher“
Shen erklärte ihr was es mit dem Weisen auf sich hatte, der den Brauer einmal gerettet hatte. „Die Wiedergeburt des Affenkönigs?“, skeptisch sah sie ihn an. Das klang doch etwas zu weit hergeholt. „Ich weiß, es klingt zu unglaublich um wahr zu sein, aber es stimmt. Die Winde hatten es mir vor unsrer Begegnung zu geflüstert und der Himmel ist in Alarmbereitschaft. Allerdings war die alte Sonne sehr gesprächig gewesen; anders als der junge Weise“, grinste der Yaoguai leicht als er sich an Sun Wukong erinnerte. Der alte König hatte seinen Kokosnusswein geliebt und sehr gern getrunken.
„Du... du wirst mich aber nicht zurücklassen, sollte er zurückkehren... Oder?“, sie konnte die Sorge aus ihrer Stimme nicht ganz verbannen. „Wo denkst du hin! Du kannst so lang bei mir bleiben wie du magst. Ich würde dich nie zurücklassen oder“, sanft berührte der Affe ihre Wange, „Fortschicken“. Ihm brach leicht das Herz als sie diese Gedanken hatte. Dieses Mädchen, nein diese Frau war ihm viel zu wichtig geworden als das er sie auf diese Art und Weise verletzen würde. Hikari lehnte sich in seine Hand. „Danke, Shen-san“, murmelte sie.
Zusammen räumten sie die Höhle auf. Die Weinfässer wurden gesäubert und zusammengestellt. Ihre Schlafmatten wurden zusammengerollt und auf die Behälter gelegt. „Shen-san? Wie transportieren wir die Sachen?“, fiel der jungen Frau ein. „Wir benutzen die hier“, sprach der Affenmann und zeigte ihr eine Schriftrolle. Er rollte diese auf und es zeigte ein wunderschönes Bild von einem Dorf. „Wir werden hindurch schreiten und schon sind wir dort. Allerdings müssen wir dann noch ein paar Meter laufen“, erklärte er und legte die Rolle auf den Boden, „Wir werden schon die ersten Sachen hinüberbringen. Alles auf einmal wird zu schwer werden.“ Er nahm eines der Weinbehälter und schulterte es. „Möchtest du hier warten oder mitkommen?“, fragte er. „Ich... werde hier warten. Mir ist nicht wohl dabei unsere Sachen unbeaufsichtigt zu lassen“, war ihre Antwort. „Gut, es wird nicht lange dauern bis ich wieder da bin“, meinte der Yaoguai und ging in Richtung Schriftrolle, „Es wird wirklich nicht lange dauern.“ Dann schritt er hindurch.
Die Brauerin dachte über seine Worte nach. Er würde sie nicht fortschicken, auch wenn sein König zurückkehren würde? Sie durfte wirklich bei ihm bleiben? Dann kam ihr seine Berührung ins Gedächtnis. Er hatte seine Hand auf ihre Wange gelegt und sie selbst hatte sich daran lehnt. Ihr Gesicht wurde schlagartig rot und ein Quietschen entfuhr ihr.
Es dauerte einen Moment bis sie ihre Verlegenheit unter Kontrolle hatte. Shen würde auch jeden Moment zurückkehren. Hikari atmete tief ein und aus; wiederholte es drei weitere Male. Dann kam auch schon der Affenmann aus der Schriftrolle. „Ich bin zurück!“, grinste Shen. „Okaeri!“, begrüßte sie ihn. Er schulterte bereits den nächsten Behälter. „Warte! Ich komme mit“, irritiert sah der Affe zu ihr. „Also nun doch?“, grinste er. „Nun, zu zweit wird es schneller gehen“, sprach sie und nahm die zusammengerollten Matten in die Arme. Shen ließ ein kurzes Lachen von sich hören. „Da hast du nicht ganz unrecht“, sein Grinsen war immer noch vorhanden.
Dann gingen sie gemeinsam zu der Rolle und schritten hindurch. Hikaris Augen weiteten sich als sie die Landschaft sah. „Gefällt dir was du siehst?“, amüsiert blickte der Yaoguai seine Assistentin an. „Es ist sehr schön...“, staunte die junge Frau; ihre Augen leuchteten als sie die Gegend betrachtete. Ein dumpfer Aufprall ließ sie kurz zusammenzucken. Die Schlafmatten, welche sie getragen hatte, waren runtergefallen. Shen brach in Gelächter aus. „So ablenkend, hm?“
„Nicht so ablenkend wie du...“, murmelte sie leise. Sein Herz stockte kurz; schlug dann aber etwas schneller. „Wie war das?“, fragte er nach. „N-Nichts!“, stotterte sie verlegen und räusperte sich, „Wo müssen wir jetzt lang?“ Der Brauer kicherte. „Folge mir einfach, Gānjú huā“, entgegnete er und lief voraus. „Was bedeutet ‚Gānjú huā ‘?“, wollte Hikari wissen als sie ihm folgte.
„Ich... erkläre es dir später...“, die Ohrenspitzen des Affenmannes waren gerötet. Hatte er sie gerade Zitrusblume genannt? Er musste sich eine gute Erklärung einfallen lassen, aber als erstes musste er sie zum Dorf bringen. Shen lief auf dem Trampelpfad entlang. Es dauerte nicht lang, dann kamen sie am Dorfrand an. Man konnte einige Häuser sehen, auch eine Schmiede war vorhanden. Zusammen betraten sie den Ort, während Hikari sich nebenbei umsah.
„Gānjú huā bedeutet Zitrusblume...“, fing er an, „Und du... ähm... Du riechst für mich nach einer Zitrusblume... und ich mag diese sehr. Außerdem bist du sehr freundlich und auch willensstark. “ Die junge Frau errötete. Bisher wurde ihr nur selten Komplimente gemacht. Die meisten zielten eher auf ihren Körper ab. „Danke, Shen-san. Das ist eines der wenigen schönen Komplimente, die ich bekomme“, lächelte sie. „Huh? Wie meinst du das?“, überrascht sah er sie an. „Naja... die meisten sagen mir wie schön sie mich bzw. meinen Körper finden oder dass sie gerne meine Figur hätten. Solche Sachen bekomme ich eher zu hören“, erwiderte die Brauerin.
Danach brachten sie die restlichen Gegenstände in das „Gemalte Reich“. Hikaris Kräuterkästen mussten sie zu zweit tragen, da sie doch schwerer waren als sie aussahen. Aber selbst dies ging zügig. Nach insgesamt anderthalb Stunden war der Umzug vorbei. Am Ende kontrollierten sie die Höhle nochmal ob sie nicht was vergessen hatten. „Ich sehe hier nichts mehr“, sprach die junge Frau und blickte sich erneut um. „Ich habe auch nichts gefunden. Dann haben wir alles“, antwortete der Affendämon. Anschließend gingen die beiden zu der Schriftrolle. Diesmal ging Hikari als Erste hindurch und wartete auf der anderen Seite auf ihn. Shen nahm die Rolle in die Hand. „Du musst auch noch mit“, murmelte er und berührte das Bild in der Mitte während er die Schriftrolle festhielt. Als er dann auf der anderen Seite war, wartete die Brauerin auf ihn. „Du hast auf mich gewartet?“, grinste der Yaoguai. „Natürlich warte ich auf dich!“, sie blies ihre Wangen gespielt beleidigt auf. „Schon gut, schon gut“, lachte er, „Gehen wir.“ „Baka... kawaii saru...“, lächelte sie sanft.
Die beiden liefen nebeneinander. Ohne es wirklich zu bemerken, streifte ihre Hand die seine. Diese Berührung ließ ihn kurz zusammenzucken, aber er verschränkte seine Finger mit den ihrigen. Jetzt war es an Hikari kurz zusammen zu zucken. Bevor Shen loslassen konnte, streichelte die junge Frau ihren Daumen über seinen Knöchel. Der Yaoguai wagte einen Blick auf sie. Ihr Gesicht glühte in einem sanften Rot. Dies zu sehen, ließ sein Herz schneller schlagen. So liefen sie Hand-in-Hand ins Dorf. Nach ein paar Minuten waren sie in ihrem neuen Heim angekommen.
„Dann wollen wir mal alles an seinen Platz stellen“, sprach der Affe, nahm eines der Weinbehälter auf die Schulter und stellte es auf den vorhergesehene Stelle. Danach die beiden räumten ihren Laden und das Haus zusammen ein. Nach einer Weile waren sie dann fertig. Der Affendämon hörte auf sie zukommende Schritte und blickte auf. Er konnte anders als zu grinsen, als er erkannte wer da zu Besuch oder wohl eher zur Begrüßung kam...
„Shen, du alter betrunkener Affe!“ ein großer weißer Tigeryaoguai mit einer Schmiedeschürze kam auf die beiden zu und schlug dem Affen kräftig auf den Rücken, so dass er beinahe nach vorne stürzte. „Ah, Yin. Es ist lange her seit wir uns gesehen haben“, sprach der Affenmann nachdem er sich gefangen hatte. „In der Tat... Es müssten jetzt beinahe 500 Jahre her sein...“, sinnierte die große Katze, „Aber wer ist die kleine Dame neben dir, alter Freund?“
„Ihr Name ist Shiranui Hikari und meine Assistentin, Brauerkollegin und indirekte Apothekerin“, stellte Shen sie vor. „Hallo...“ brachte die junge Frau etwas eingeschüchtert vor. Der Affe bemerkte es und legte eine Hand auf ihren Rücken um sie zu beruhigen.
„Also für eine Assistentin riecht sie sehr stark nach dir“, bemerkte der Tiger und wandte sich dann zu der Menschenfrau, „Nichts für ungut“ „Nun wir leben auch schon seit ein paar Monaten zusammen... Ich schätze es kein Wunder, dass ich nach ihm rieche“, erläuterte sie etwas mutiger.
„Seit ein paar Monaten?!“, Yin warf dem Affen einen „Du hast ihr es nicht gesagt“-Blick zu. „Ist das ein Problem?“, verwundert sah sie zwischen den Männern hin und her. „Nicht wirklich. Aber einige Yaoguais könnten euch für Gefährten halten. Und das könnte zu eventuellen Problemen führen. Da du ein Mensch bist“, erklärte der Tiger. „Oh...“, sie bekam große Augen, daran hatte sie gar nicht gedacht. Vielleicht sollte sie etwas Distanz von dem Affendämon war-
„Ich werde dich beschützen!“, ohne weiter nachzudenken nahm der Affe ihre Hände in seine. „Shen-san...“, überrascht sah sie ihn und eine leichte Röte zierte ihr Gesicht. Solche Worte von ihm hören ließ ihr Herz schneller schlagen. /Daher weht also der Wind.../, dachte Yin schmunzelnd, „Da wir so was ähnliches wie geschworene Brüder sind, werde ich helfen ein Auge auf sie zu haben, wenn du nicht in der Nähe sein solltest.“
Am Abend wurde ein kleiner Umtrunk veranstaltet. Shen grinste und lachte über Yins Geschichten genauso wie umgekehrt. Auch Hikari gab einige Geschichten aus ihrer Jugendzeit zum Besten. „... und dann kam unsere Stiefschwester rein und fragte entsetzt 'Wie, ich habe neue Geschwister?!'als sie uns sah. Sie wurde ziemlich blass und war der Ohnmacht nahe“, lachte die junge Frau, „Sie war absolut nicht begeistert gewesen das sie ein paar Dinge teilen musste. Und noch weniger als sie erfuhr, dass sie auch im Betrieb mithelfen musste.“ Die Männer lachten und Shen murmelte etwas „verwöhntes Gör, das keinen richtigen Mann finden wird“.
Mittlerweile hatte der Affendämon die junge Frau auf sein Schoß gezogen und ging seiner Lieblingsfreizeitbeschäftigung nach: Hikaris Haare pflegen. Yin besah sich die Situation vor ihm. Es sah so unwirklich aus Shen mit einer Frau und dazu noch einem Menschen zu sehen. Normalerweise blieb der Affe eher für sich. Was hatte sich geändert? Diese Frage würde der Tiger ihm wohl später stellen müssen, am besten, wenn Hikari nicht in der Nähe war.
Nach einiger Zeit kamen auch ein Hund und ein alter Drache ins Dorf. Der Hund, Xu, war ein Apotheker, der Pillen in einem Ofen herstellte und Chen war ein sehr alter Kräuterkundiger. Er hatte sogar Pflanztöpfe für seine Kräuter.
Beide waren überrascht gewesen eine Menschenfrau in dem Dorf vorzufinden, nicht das es verboten gewesen wäre, aber dennoch unerwartet. Seltsamerweise roch sie sogar nach ihrem alten Freund.
„Ah! Ihr seid um Shen-san zu sehen richtig? Einen Augenblick“, fragte die junge Frau mit schwarzem Haar, „Shen-sa~n, du hast Besuch!“ Von drinnen war ein Geklapper zu hören, gefolgt von einem kurzen fluchen. „Ich komme schon...“, langsam kam der Affenyaoguai angelaufen; sich den Kopf reibend. „Hab die Höhe vom Regal falsch eingeschätzt...“, brummte er als den fragenden Blick von ihr sah. Dann sah er die Gäste und fing an zu grinsen.
„Ah, Chen Drache und Xu Hund. Wir haben seit uns 500 Jahren nicht mehr gesehen“, begrüßte der Primat die beiden. „In der Tat, mein Freund, in der Tat“, stimmte das alte Reptil zu. „Ja, das stimmt. Es wurde Zeit das wir uns wieder sehen“, meinte der Hundeyaoguai und wedelte mit seinem Schweif. „Darf ich die junge Dame nach ihrem Namen fragen?“, fragte der Drache. „Mein Name ist Shiranui Hikari. Ich bin Shen-sans Assistentin“, entgegnete die junge Frau lächelnd.
Anschließend räusperte sich Hikari. „Soll ich die Trinkschalen holen?“, fragte sie den Brauer. „Ah! Nein, nein. Das machen wir heute Abend“, antwortete er schnell und grinste. „Heute Abend, ja? Na, hoffentlich ist der Wein bis dahin nicht verkocht...“ „Huh?“, es dauerte ein paar Sekunden bis dem Affenmann einfiel was sie meinte, „Oh nein!“ Schnell rannte er zu dem neuen kreierten, noch kochenden Wein. Man hörte ein lautes Zischen und weißer Dampf kam aus dem Gebäude. „Shen-san, alles in Ordnung?“, rief die junge Frau. „Alles gut! Es war jedoch kurz vorm Überkochen...“, erklärte als der Affenyaoguai zurückkam, „Jetzt muss der Wein erstmal abkühlen.“
~einige Stunden später, am Abend~
Hikari deckte den Tisch mit den Trinkschalen und Tellern während Shen den Wein in gesäuberten Flaschen füllte. Yin hingegen kümmerte sich um das Essen. Als alles fertig war, kamen Xu und Chen. Der alte Drache brachte einige getrocknete Kräuter und der Hund brachte vorsorglich einige Pillen gegen Übelkeit mit.
„Nur mal so aus reiner Neugierde... Wie habt ihr euch beiden überhaupt kennengelernt?“, fragte Xu unschuldig. Auch Yin spitzte die Ohren, hatte er doch seit einiger Zeit dieselbe Idee.
„Man kann sagen, dass ich eine entlaufende Braut bin und Shen-san hat mich gerettet. Das wäre die einfache und Kurzfassung“, antwortete die Frau, „Aber ich nehme an ihr wollt die lange Geschichte hören, oder?“ Von den dreien kam ein einstimmiges Nicken.
Sie seufzte kurz. „Das Ganze hat mit einer versuchten arrangierten Hochzeit seitens meiner Stiefmutter angefangen...“, fing die Brauerin an und erzählte ihre Lebensgeschichte. Die ganze Zeit über hielt sie dabei Shens Hand, welcher ihre sanft drückte als sie zum dem Teil mit den Peitschenhieben kam. Jeder von ihnen reagierte am Ende anders, aber sie waren froh darüber das junge Frau in Sicherheit war.
„Also bist du eigentlich vor zwei Hochzeiten davongelaufen?“, fragte Xu als Hikari fertig war mit erzählen, „Ich kenne kaum Geschichten in der eine Frau es schafft vor einer zu fliehen... Das ist schon beeindruckend.“
„Ich bezweifle, dass es dabei um ein aufrichtiges Umwerben handelte... “, meinte Chen kopfschüttelnd und strich sich seinen leicht gelockten Bart glatt, „Ich bin froh, dass du fliehen konntest, Kind.“
„Danke für eure freundlichen Wort, Chen-sama und Xu-san“, der Mensch verbeugte sich kurz. Sie war froh, dass sie sie nicht verurteilten.
„Du warst einfach von deinem Ast runter gesprungen um eine junge Frau zu retten, ohne irgendwelche Waffen? Ich muss sagen, das war mutig aber auch gleichzeitig dumm. Dein Glück war dir sehr hold gewesen“, sprach Yin und sah den Affen dabei an, der sich am Kopf kratzte. „Ich gebe zu, es war nicht die schlauste Idee, die ich gehabt hatte“, grinste er, „Aber für Hikari würde ich das jederzeit noch einmal tun!“ „Shen-san!“, schrie die junge Frau mit roten Kopf und schlug ihm leicht auf die Brust, was ihn zum Lachen brachte. „Dai baka...“, murmelte sie dann doch noch lächelnd.
Als es sehr spät wurde, lösten sie die Runde auf. Yin stellte die leeren Schalen auf den Tresen während Xu dem alten Drachen half nach Hause zu kommen.
Am nächsten Morgen wurde der Rest aufgeräumt und dem Tagewerk nachgegangen.