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Love is a deal

von

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Der schwere Gang zum goldenen Tropfen

Es schüttete wie aus Eimern. Dabei tauchte der dunkle Himmel den grünen Wald in ein tiefes Grau.

 

Eigentlich müsste durch die Tageszeit das Licht des Mondes auf die Wipfel der Bäume scheinen, doch die Wolken verschlangen den Mond so dermaßen, dass man das Gefühl hatte, dass er gar nicht existiert. Stattdessen hörte man ein durchdringendes Rauschen, welches von den Wassermengen aus den Wolken verursacht wurde. Die Wege des Waldes standen unter Wasser und machten sie fast unpassierbar.

 

„Das kann doch nicht sein…irgendwo hier muss diese scheiß Bar doch sein! Ich habe sie doch von unserem Schiff aus schon gesehen!“

 

Zorro fluchte. Er lief seit Stunden durch den Wald. Seine schwarzen Schuhe waren von Wasser durchtränkt. Er hatte sich verlaufen.

 

Seine Zähne knirschten. Leider war dies die einzige Bar in diesem kleinen Ort.

 

Die Strohhutbande machte am Morgen dieses Tages auf dieser Insel halt, da Nami den Logport aufladen musste. Nachdem die alltägliche Lagebesprechung an Bord der Thousand Sunny sein Ende fand, ging jeder der Mugiwaras seinen Hobbys nach. Sanji ging los, um auf dem Markt noch die letzten Lebensmittel des Tages zu ergattern. Nami und Robin schnappten sich Chopper und schlenderten durch die kleinen Boutiquen der Stadt.

 

Brook, Lysop, Jinbei und Ruffy gingen unbekümmert fischen. Leider dachten sie nicht daran, sich ausgiebig zu tarnen. Mit Frust stellten sie fest, dass die Marine auf der Hauptseite des Hafens bereits ihre Lager aufgeschlagen hatte und sich innerhalb des Ortes verteilt hatte. Schnell kauften sie sich in der Stadt auf dem Weg zum Strand Kunstbärte und Kopfbedeckungen.

 

Nami ging davon aus, dass sie der Marine vorausgefahren sein müssten und sie einen Tag lang Ruhe von ihnen hätten. Leider war dem nicht so. Seit Tagen jagte das Schiff der G-5 ihnen nach. Nami war sich sicher, dass sie das Marineschiff abgehängt hatten – doch scheinbar hatte es sie schnell wieder eingeholt. Sicherheitshalber hatten die Strohhüte die Sunny in einer kleinen Lagune geparkt und sie vorsorglich mit großen Blättern bedeckt, damit niemand sie leicht finden konnte.

 

Zorro war schon immer ein Einzelgänger. Ab und an mochte er Gesellschaft; er war dennoch froh, nach ein paar Stunden seine wohlverdiente Ruhe zu haben. Zudem ging er gerade aus verschiedenen Gründen Nami aus dem Weg. (Er grummelte bei dem Gedanken an sie.) Nachdem er nach seinem harten Training einen Mittagsschlaf abgehalten hatte, machte er sich auf den Weg, um seine trockenen Kehle mit Alkohol zu befeuchten.

 

Das war vor drei Stunden. Dass der Weg zur Bar so zäh werden würde, hatte er nicht gedacht. Je länger er nach der Bar suchte, desto größer wurde sein Verlangen nach dem gelben Gerstengold – jedoch wuchs damit auch die Frust, die Bar einfach nicht zu finden.

 

Mit Frustration kannte er sich aus – Kuina war ein guter Lehrmeister.

 

Er war froh, dass er vorsorglich einen langen, dunkelbraunen Mantel aus dickem Baumwollstoff angezogen hatte. Jedoch war Dieser dank der Regenmassen so gut wie überflüssig geworden. Wasser tropfte in Massen am Rand seiner Kapuze herunter, welche er über seinen Kopf gezogen hatte.

Der Deal

Endlich. Ein altes, rustikales Holzgebäude erschien vor seinen Augen. „Zur Piraten-Planke“ stand in großen Lettern über der Holztür. Er drückte sich mit seinen letzten Kräften gegen die knarzende Tür.

 

Er schaute sich um und bewertete die Lage innerhalb der Wirtschaft.
 

Zorro ist das wachsamste und aufmerksamste Mitglied der Strohhüte. Er hatte eigentlich auch keine Wahl – er muss schließlich auf Luffy aufpassen, der die Gefahr liebt und gerne blind von der einen in die andere Katastrophe läuft. Da der Schwertkämpfer mittlerweile ein vielgesuchter Mann ist, versucht er, allen möglichen Gefahrenquellen aus dem Weg zu gehen.

 

Auf der rechten Seite der Bar saßen viele Gäste an kleinen, U-förmigen Tischen, auf welchen sich viele geleerte Krüge befanden. Man merkte anhand der Lautstärke und der Art der Gespräche, dass sich bei vielen ein hoher Alkoholpegel eingestellt haben müsste. Die Stimmung war heiter.

Zorro grummelte. Der einzige, freie Platz in diesem Raum war diesmal nur der Platz an der Bar. Er hasste 

Barplätze, da er dort in den meisten Fällen mit dem Rücken zu den anderen Gästen saß und somit nicht die Gesamtsituation beobachten konnte. Vor allem, wenn seine Sinne vernebelt waren.

 

Er betrachtete die Bar genauer. Es waren dort genau zwei Plätze vorhanden. Während der rechte Platz frei war, saß auf dem linken bereits eine Person, die an einem Whiskeyglas nippte. Es schien eine Frau zu sein, da die Silhouette einen eher zierlichen Eindruck machte. Sie trug ebenfalls wie er einen langen, verhüllenden Mantel mit Kapuze, sodass ihr Gesicht nicht zu erkennen war. 

 

Zorro schluckte, als sein Blick auf ihr Schwert fiel, welches neben ihr an der Wand lehnte.

 

„Verflucht…muss das jetzt sein? Kann man nicht einmal seine Ruhe haben? Was mache ich jetzt? Wer weiß, wie die heute drauf ist. Bei der weiß man nie.“ 

 

Zorros Finger und seine Augenbraue zuckten. Ein Schweißtropfen lief seine Wange herab. Er wägte ab, ob er seine Gier nach Bier heute noch stillen oder wieder schlagartig die „Piraten-Planke“ verlassen wollte. Er schluckte und ballte seine Hand zu einer Faust.

 

Er entschied sich, das Risiko einzugehen. Er hatte all die Strapazen auf sich genommen, um an den wohlverdienten goldenen Gerstensaft zu kommen. Er würde nicht zulassen, dass eine Frau ihm den Tag noch mehr vermieste.

 

Auf einmal wurde es unerwartet still in der Bar. Die Männer drehten sich um, sahen Lorenor an und erstarrten, als sie ihn erkannten. Es war nicht ein Teil seines Gesichtes, das ihn unter seiner heruntergezogenen Kapuze verriet, sondern seine drei langen Schwerter, die unter seinem Mantel herausragten.

 

Zorro rollte mit seinen Augen.

 

„Hätte ich die Schwerter vorher besser unter dem Mantel versteckt…Gut, jetzt kennt mich jeder hier.“

 

Die meisten Gäste zitterten vor Angst und fingen an, über Zorro zu tuscheln und ihn anzustarren. Dieser seufzte nur. Er war dies mittlerweile gewöhnt.

 

„He, du da!“

 

„Hmm?“

 

Zorro drehte seinen Kopf nach rechts in die Richtung eines jungen Mannes mit Hut, langen braunen Haaren und Bart, der ihn verachtend anschaute.

 

„Lorenor -wer? Wer bist du denn, dass alle auf einmal vor dir erstarren?“

 

Nach der ganzen Barsucherei hatte Zorro richtig schlechte Laune. Er wollte seine Gefühle unterdrücken, doch gerade in diesem Moment fiel es ihm besonders schwer. Würde jetzt noch ein Satz fallen, würde er platzen.

 

„Psst, Boss! Seien Sie lieber still!“

 

Sein Freund zitterte vor Angst und versuchte, ihn davon abzuhalten, weitere Dinge an Zorro zu richten.

 

„Mir doch egal. Ich finde dich ganz schön albern mit deinen drei Schwertern. Was machst du eigentlich mit dem dritten Schwert? Es dir in den Arsch stecken?“

 

Jetzt hatte er Zorros komplette Aufmerksamkeit. Dessen Ader auf der Stirn schien fast zu platzen.

Innerhalb von Sekunden stand der Schwertkämpfer auf einer Brüstung über dem Kopf des beleidigenden Gastes. Dieser schaute völlig verstört und erschaudert nach oben. 

 

„Wie bist du so schnell über meinen Kopf-?“

 

„Das Schwert ist dafür da, um dir den Schädel zu spalten. Möchtest du eine Kostprobe?“

 

Der Herr schrie auf einmal vor Angst wie am Spies und rannte aus der Bar direkt in den strömenden Regen hinein. Sein Freund blieb wie erstarrt sitzen.

 

Manche Gäste drucksten lustig rum.

 

Zorro steckte sein Wado-Ichi Monji zurück in die Scheide und schwang sich auf den Barhocker vor den ergrauten, älteren Barmann. Er hatte eine tiefe, markante Narbe an seiner Schläfe. Zorro fragte sich, was er in seinem Leben schon so alles erlebt haben musste. Narben erzählen Geschichten – das weiß er sehr gut.

 

„Lorenor Zorro, welch eine Ehre, Sie hier bei uns begrüßen zu dürfen. Der Gast ging mir schon den ganzen Abend auf den Leim – vielen Dank für die Hilfe. Was darf es für Sie sein?“

 

„Zwei Bier bitte. Eins für mich und eins für die Dame neben mir.“ 

 

Die geheimnisvolle Dame blickte nach rechts in Zorros Gesicht. Blaue Strähnen entflochtenen sich aus ihrer Kapuze. Ihr Blick war so durchdringend, dass er erschauderte.

 

„Gratuliere, Lorenor. Du hast die ganze Aufmerksamkeit nun auf dich gerichtet.“, sagte die Frau völlig unbeeindruckt und schaute von ihm zurück in das Glas Whiskey, welches sie mit ihrer Hand rührte.

 

Ihre Augenlider waren heruntergezogen. Sie sah betrübt aus.

 

„Sehe ich so aus, als ob ich das genieße? Du müsstest mich mittlerweile besser kennen, Käpt'n Brille.“, erwiderte er.

 

Zorro hatte sich nicht geirrt. Die geheimnisvolle Frau war Käpt'n Tashigi. Er traute sich kaum, sie anzusehen, aber erhaschte ein paar unauffällige, flüchtige Blicke. Die Frau nervte und faszinierte ihn gleichzeitig und er konnte nicht leugnen, in der letzten Zeit öfters an sie gedacht zu haben.

 

Seit er sie zum letzten Mal gesehen hatte, sind ein paar Monate vergangen. Sie hatte sich kaum verändert; Lediglich die dunkelblauen, durch den Regen leicht gelockten Haare sind länger geworden und es war ungewöhnlich, sie in einem grünen Mantel und nicht in ihrem Marineoutfit zu sehen. Zorro war kein großer Freund von Mode; empfand aber, dass sie darin gut aussah.
 

Er wusste nicht genau, ob er sich freut, sie zu sehen oder nicht. Sie hatten schon immer ein sehr schwieriges Verhältnis, seit seine Identität als Pirat in Loguetown aufgeflogen ist. Seitdem verfolgt sie ihn quer über alle Meerwege, um ihn zu verhaften – scheiterte bisher jedoch aus unterschiedlichsten Gründen. Es war schon fast so, als ob sie es aufgegeben hatte – obwohl es ihre Pflicht war. Lag es daran, dass sich ihr Verhältnis zueinander geändert hatte? Was genau da zwischen ihnen war konnten beide nie richtig in Worte fassen.

 

Tashigi machte eine kurze Atempause, bevor sie weiter sprach. „Das Bier musst du mir nicht ausgeben. Ich verdiene mittlerweile mein eigenes Geld.“

 

Nachdem die Situation mit dem Gast gerade eskaliert ist, entschied sich Zorro, es an der Bar ruhig angehen zu lassen. Zudem lohnte es sich einfach nicht, sich mit ihr anzulegen. Er wusste, dass er sonst ein ganzes Marineschiff gegen sich hatte.

 

„Das war lediglich als nette Geste gedacht. Du siehst ziemlich niedergeschlagen aus…“ erwiderte Zorro. „Da dachte ich, dass dir ein Bier bestimmt gut tut. Du suchst doch solche Orte sonst nie auf.“

 

Zorros Blut stieg in seinen Kopf. Die Situation überforderte ihn irgendwie.

 

Tashigi wurde schlagartig rot. Macht er sich etwa Sorgen um sie? Nie im Leben hatte sie gedacht, dass Lorenor Zorro ihr einen ausgeben würde. Sie wusste nicht, ob sie sich bedanken oder ihn anfauchen sollte. Sie haderte mit sich selbst. Dann holte sie tief Luft und wollte gerade zur Antwort ansetzen, bis der Schwertkämpfer sie unterbrach.

 

„Hey…Falls dich was bedrückt, können wir gerne drüber reden. Manchmal kann dies helfen. Sieh es als Angebot.“ Zorro konnte einfach nicht mit Frauen umgehen. Was er aber gut konnte, war zuhören und Verständnis zu haben.

 

Tashigi wurde still und sackte auf ihrem Barhocker ein. Warum hat der Schwertkämpfer eigentlich immer ein Gespür für das Innenleben anderer Menschen?

 

„Unsere Einheit hat großen Ärger von der Zentrale bekommen. Wir haben in den letzten Wochen einfach zu wenige Straftäter festgenommen.“

 

Zorro starrte sie an, zog die Augenbrauen zusammen und riss die Augen erstaunt auf. Dann begann er laut zu lachen.

 

„Wie bitte?“, erwiderte er. „Sieh dich noch mal um. Du sitzt hier quasi mitten im Fischteich. Du musst sie dir hier eigentlich nur herausangeln!

 

„So einfach ist dies leider nicht. Leider können wir Verdächtige nur unter zwei Bedingungen festnehmen: Entweder, wir können sie anhand des Steckbriefes identifizieren oder wir müssen sie auf frischer Tat ertappen. Der Rest ist Kleinkriminalität, um welche sich die Dörfer selbst kümmern müssen."

 

„Verstehe“, antwortete Zorro und nippte an seinem Bier, welches gerade serviert wurde.

 

„Ich habe eigentlich Feierabend. Durch den Anruf der Zentrale bin ich jedoch seit Tagen aufgewühlt und kann nicht richtig schlafen. Und genau deshalb sitze ich hier, um Tätern zu lauschen und sie auf frischer Tat zu ertappen.“

 

Zorro stützte seinen Unterarm auf den Bartisch ab. Dabei vergrub er das Gesicht in seine Hand und wandte sich komplett Tashigi zu.

 

„Also bin ich hier in diesem Schuppen quasi dein größter Fisch.“

 

Kann man so sehen, wenn man will.“ Tashigi hielt kurz inne. „Danke übrigens für das Bier.

 

Tashigi nahm einen kräftigen Schluck und leerte fast den ganzen Krug auf einmal.

 

„Keine Ursache - Oioi, nicht so hastig!“

 

Dann folgte ein großes Schweigen. Der Schwertkämpfer kratzte sich seinen Kopf.

 

Sag mal…welches Öl benutzt du eigentlich, um deine Schwerter zu reinigen?“, fragte der Schwertkämpfer.

 

Ich benutze das Öl von Tsubaki Abura.

 

„Das Edelzeug?“ Davon träume ich schon lange. Hast du zufällig auch etwas für mich davon?“

 

Ist das dein Ernst? Ich unterstütze doch nicht meinen Feind!“, sagte Tashigi fauchend. „Kauf es dir doch selbst!“

 

Zorro wandte den Blick von ihr ab und geriet ins Grübeln.

 

„Warum fragst du eigentlich, Lorenor?“

 

„Nun, ich habe mein Schwert mittlerweile seit Wochen nicht mehr richtig pflegen können.“

 

Erschrocken und entgeistert starrte Tashigi ihn an.

 

„Warum tust du deinen Schwertern sowas an? Die Luft auf der See ist zu rauh für das Metall. Ein Grund mehr, dir deine Schwerter wegzunehmen. Ich wusste schon immer, dass du sie nicht verdient hast.“

 

„Oi! Ich bin der letzte, der seine Schwerter vernachlässigen würde! Normalerweise stecke ich ganze Stunden in die Pflege!“

 

Tashigi verschränkte die Arme.

 

„Du widersprichst dir, Lorenor. Das passt nicht zusammen.“

 

Ich kann nichts dafür!“, murmelte er. Auf einmal wurde er still und rieb sich verlegen und peinlich berührt den Kopf. Er konnte ihr dabei nicht ins Gesicht schauen.

 

„… Ich habe bei einer Wette verloren. Mein ganzes, erspartes Geld aus Kopfgeldjägertagen ist einfach futsch. Ich bin völlig aufgeschmissen.“

 

„Und du gibst mir hier ein Bier aus? Schämst du dich nicht, deinen Schwertern so etwas anzutun?“

 

Tashigi seufzte. „Das ist der Grund, warum ich Schwerter von allen Bösewichten dieser Welt einsammeln will. Die meisten Besitzer verdienen sie sowieso nicht.“

 

Zorro grummelte. „Mach mir doch nicht noch mehr ein schlechtes Gewissen, Käpt'n Brille!

 

Plötzlich kam Zorro eine Idee. Ohne groß darüber nachzudenken sprach er laut aus, was er dachte.

 

Dann nehme mich doch einfach fest. Als Gegenleistung gibst du mir zwei Flaschen von deinem teuren Öl.

 

Tashigi fiel aus allen Wolken und dachte, sie hätte sich verhört.

 

Hast du gerade ernsthaft vorgeschlagen, dass ich dich festnehmen soll?

 

Zorro kratzte sich an seinen Bartstoppeln.

 

Natürlich nicht für immer. Nachts lässt du mich wieder frei, sobald Smoker meine Festnahme an die Zentrale weitergegeben hat.“

 

In Tashigis Kopf drehte sich alles. Sie wusste nicht, ob sie den Deal gut oder schlecht finden sollte. Am meisten hatte sie Mitleid um seine Schwerter.

 

Du hast doch gerade gesagt, dass ihr von der Marine in der letzten Zeit zu wenige Straftäter festnehmt. Wäre das nicht pures Prestige für dich und deine Karriere, wenn du mich Smoker in Handschellen präsentierst?

 

Tashigi starrte ihn weiterhin entgeistert an. Ihr fehlten die Worte.

 

War das nicht immer dein Traum, mich in Handschellen zu sehen?“, schob Zorro noch hinterher.

 

Nicht so, wie du dir dies gerade vorstellst, du Perverser.“ Tashigi wurde rot. „Wie stellst du dir eigentlich vor, dass ich dich hier festnehme?

 

So, wie du das immer so tust mit deinen Piraten.“, grinste Zorro.

 

Seine Augen fielen auf die in Holz eingelassenen Handschellen, die rechts neben der Bar an der Wand hingen.

 

Passenderweise sind wir hier in der Piraten-Planke. Wie sich das für die Bar gehört, haben sie hier auch passende Folterdekoration an den Wänden. Der Barbesitzer wird sicherlich nichts dagegen haben, wenn wir uns einen Teil ausleihen.

 

Der Barbesitzer grinste. „Ich habe nichts gehört.“, antwortete der weißhaarige Mann.

Der Weg zum Hafen

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Bitte schwöre, dass du meinen Männern nichts antust.“, platzte es aus Tashigi heraus.

 

War das etwa ein „Ja“, Käpt'n Brille?

 

Tashigi kniff die Augenbrauen zusammen und schaute ihn ernst an.

 

Ich tue das nur, damit es deinen Schwertern so schnell wie möglich besser geht. Nicht, um dir einen Gefallen zu tun.

 

Zorro grinste.

 

„Dann haben wir einen Deal.“

 

 

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„Wann genau soll ich dir die Handschellen anlegen? Ich kann es kaum abwarten.“, fragte Tashigi, während sie neben Zorro durch den Wald schlenderte. Sie hatten gemeinsam die Bar verlassen. Der Regen hatte aufgehört und es roch überall nach frischem Grün.

 

Zorro machte einen kurzen, lachenden Seufzer. „Irgendwie ist meine Idee schon ziemlich absurd. Ich gebe dir die Möglichkeit, mich auf Zeit festzunehmen – für zwei Flaschen Schwertöl. Was für eine Schnapsidee.“

 

„Ja, die Idee ist wirklich dämlich.“, bestätige die blauhaarige Schwertkämpferin. „ … und mutig, mir zu vertrauen, dass ich dich wirklich freilassen werde. Wir könnten ja auch einfach mit dem Schiff ablegen und dich direkt nach Impel Down bringen. Das lustige daran wäre, dass Strohhut uns folgen würde. Damit hätten wir zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen und könnten deine anderen Crewmitglieder direkt mit festnehmen!

 

Zorro wurde ernst und ergriff fest ihren Arm. Dabei zog er sie zu sich und schaute ihr tief in die Augen. 

 

„Hey, ich vertraue dir. Sonst hätte ich dir den Deal nicht vorgeschlagen.“

 

Der Schwertkämpfer kam ihr überraschend nahe. Ihre Nasenspitzen berührten sich fast. Tashigi schluckte und war überrascht. Ihre Wangen verfärbten sich rosa und sie konnte sich nicht erklären, warum.

 

„Lass uns einen Plan schmieden und Regeln vereinbaren, wie das ganze genau ablaufen soll!“, schlug Zorro vor.

 

„Kannst-Kannst du bitte ein wenig Abstand nehmen?“, stotterte Tashigi.

 

Zorro war überrascht und trat einen Schritt zurück. „Ich wollte dir nur mitteilen, wie ernst ich das meine. Mache ich dir etwa Angst?“, sagte er und grinste.

 

„Nein. Ich hätte niemals Angst vor dir.“

 

Tashigi hielt kurz inne, um das Thema zu wechseln. Sie wollte so schnell es ging ihre Gedanken sortieren.

„Streck deine Arme aus, damit ich dir die Handschellen anlegen kann. Hier im Wald sieht uns noch keiner zusammen.“

 

Zorro streckte die Arme aus und schaute sie dabei an.

 

„Soll ich dich eigentlich von vorne oder hinten fesseln?“, lenkte die Schwertkämpferin ab.

 

Zorro musste lachen. „Hörst du dir eigentlich selbst zu? Du redest, als ob ich dein Sexsklave wäre.“

 

„Was ist eigentlich in deinem Kopf los, Roronoa?! Ich tue nur meinen Job!“

Er näherte sich ihrem Gesicht, während sie die Handschellen sortierte, was sie komplett aus dem Konzept brachte. Nachdem er direkt vor ihrem Gesicht war, bog er mit seinem Kopf zu ihrem rechten Ohr ab.

 

Bitte von vorne.“, hauchte Zorro süffisant in ihr Ohr. Der absurde Deal zwischen ihnen und der Bierpegel lockerte sein Verhältnis zu ihr, was dazu führte, dass er sich über die Marinefrau amüsierte. Er hatte schon lange nicht mehr so viel Spaß gehabt.

 

Tashigi schluckte und verspürte merkwürdige Schwingungen in ihrem Bauch, die sie nicht verstand. Er wirkte immer anziehender auf sie und sie wehrte sich vehement, dass diese Lockerheit zu etwas führte, was sie unbedingt verhindern wollte.

 

Mit Schwung ließ sie die Handschellen auf Zorro’s obere Handgelenke sinken und ließ die Ketten mit Schwung eng einrasten.

 

„Die sind überraschend schwer. Gib es zu – dir gefällt, dass du mich endlich in Handschellen legen konntest. Hey, das tut weh!“

 

„Bei Fuß! Ärgere mich nicht, sonst zurre ich die Handschellen noch fester zu!“

 

Die Schwertkämpferin zog an der Kette, welche die beiden Handschellenteile miteinander verband, um ihn in Richtung Hafen zu zerren, in welchem sich das Marineschiff der G-5 befand.

 

„Ich bin doch kein Hund!“

 

Tashigi ging unbeeindruckt und grinsend weiter, während sie ihn hinter sich herzog. Es amüsierte sie, dass sie die Macht über den legendären Schwertkämpfer hatte. 

 

„Dein Blick sagt mir, dass du darauf stehst, mich so leiden zu sehen.“, sagte Zorro.

 

„Nur ein bisschen“, antwortete Tashigi.

 

„Wie auch immer…“, führte er fort. „Ich muss schon sagen, dass du abseits deiner Arbeit eine sehr nette Begleitung bist. Danke für den netten Abend, Miss Schwertkämpferin.“

 

Die Schwertkämpferin lächelte. Das ganze war mehr als absurd.

Soll ich oder soll ich nicht?

Die Marinefrau und der gefesselte Schwertkämpfer hatten endlich das Schiff im Hafen erreicht. 

Smoker fielen seine Zigarren aus seinem Mund, als Tashigi vor ihm stand, welche ihm einen gefesselten Lorenor Zorro präsentierte.

 

„Smoker-San! Ich habe Lorenor Zorro festgenommen.“, rief Tashigi mit eifriger, zielstrebiger, jedoch auch zitternder Stimme.

Zorro schaute knurrend zur Seite. In diesem Moment wurde ihm klar, wie dumm das ganze eigentlich war.

 

„Willst du mich verarschen, Tashigi? Also nicht, dass ich dir das nicht zutraue…ich kann es nicht glauben. Da steht tatsächlich der berüchtigte Lorenor Zorro gefesselt vor mir…“ murmelte Smoker in sich hinein.

 

„Um die Frage zu beantworten, wie ich dies hinbekommen habe…ich hatte ihn verfolgt und ihn von hinten überrascht.“

 

„Um ehrlich zu sein, bin ich mehr als positiv überrascht. Das muss ich direkt der Zentrale melden. Hervorragende Arbeit!“

 

Tashigi legte den Handrücken an ihre Stirn und salutierte.

 

„Hey ihr…“, rief Smoker den Soldaten an Deck zu. „Ihr werdet Käpt’n Tashigi zur Seite stehen und die Zelle im Keller vorbereiten. In einer halben Stunde werde ich Lorenor Zorro verhören.“

 

„Aye, Sir.“, antwortete Tashigi.

 

Zorro schluckte und fühlte sich auf einmal ganz klein. Er hoffte, dass alles nach Plan lief. Er war ganz allein – weder Ruffy noch einer der anderen Strohhüte war da, um ihn aus dieser Situation zu retten. Er wusste, dass er sich immer auf seine Schwerter verlassen konnte; war sich aber sicher, dass diese ihm gleich weggenommen werden. Er bemerkte, wie dieser Deal, welcher im Alkoholsuff entstanden ist, vielleicht doch nicht so lustig ist wie vorher angenommen. Langsam wurde er immer klarer im Kopf und bemerkte, in welch ernster Lage er sich auf einmal befand.

 

Er musste sich eingestehen, dass sein Leben nun ganz allein in den Händen der blauhaarigen Marinekapitänin lag. Er bekam Angst davor, dass Tashigi sich das ganze doch noch einmal anders überlegte und ihn nicht freiließ.

„Brille-“ Zorro musste schlucken.

 

Tashigi starrte ihn ernst und mit durchdringenden Augen an. Danach packte sie erneut die Ketten der Handschellen, die Zorro fesselten und zerrte den grünhaarigen Schwertkämpfer schweigend Richtung Treppe, die in den Keller führte. Ihr grüner Mantel und ihre Haarsträhnen, die mittlerweile wieder trocken waren, wehten im Wind.

 

Plötzlich ging alles ganz schnell. Wie erwartet nahm Tashigi ihm die Schwerter ab.

 

„Wehe, du gehst schlecht mit ihnen um!“, raunzte der gefesselte Schwertkämpfer sie an.

 

„Besser, als du es in der letzten Zeit getan hast…da bin ich mir sicher.“ Sie zwinkerte ihm spöttisch zu und entschloss, sich nicht in große Gespräche mit ihm zu verwickeln, da sich drei Marinesoldaten in ihrer Anwesenheit befanden. 

 

Anschließend führte einer der drei Marinesoldaten Zorro in eine kleine Zelle, welche aus Metallstreben bestand. Sie ähnelte eher einem Hundezwinger als einer Zelle. Der Schwertkämpfer beschloss, sich nicht groß zu beschweren und tat, wie ihm befohlen wurde.

 

„Hier sind die Schlüssel, Käpt’n!“, antwortete der Marinesoldat und legte die Schlüssel in Tashigis Hand, nachdem er die Zelle abgeschlossen hatte.

 

Vielen Dank! Abtreten, Kadett!

 

Aye!“

 

Tashigi warf Zorro einen letzten Blick zu, bevor sie den Gefangenen verließ. Ohne etwas zu sagen stieg sie die Holztreppen wieder nach oben.

 

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Tashigi war ungeduldig und lief in ihrem Zimmer auf und ab. Sie hatte sich mittlerweile umgezogen und ihre feuchte Kleidung über einen Stuhl gehangen.

 

In ihrem Kopf kreisten tausende Gedanken. Das Gute war, dass sie die zuständige Person auf dem Schiff war, die den Ablauf von Verhaftungen durchführte, sodass sie sich sicher war, dass ihr Plan keine großen Probleme machen dürfte. Wenn sie befahl, dass kein anderer Soldat oder Smoker in den Keller gehen sollte, dann wurde dies auch so eingehalten. Smoker vertraute ihr voll und ganz. 

 

Die vor Augen geführte Loyalität zu Smoker führte plötzlich zu starken Gewissensbissen. Sollte sie Lorenor Zorro wirklich freilassen oder nicht? Falls doch – Würde Smoker Tashigis Arbeit dennoch anerkennen?

 

Ihr Magen drehte sich um. Würde sie Zorro freilassen, hätte sie Probleme mit ihren Prinzipien als Marinekapitänin und dem Betrug an Smoker. Würde sie im Sinne der Marine handeln, hätte sie Mitleid mit dem grünhaarigen Schwertkämpfer und den Strohhüten.

 

Dazu kamen ihre Gefühle in ihrem Bauch, wenn sie an den grünhaarigen Schwertkämpfer dachte. Sie verstand sich einfach selbst nicht mehr. Was immer er mit ihrem Kopf gemacht hatte, es fühlte sich für sie falsch an…und verboten. Aber auch gleichzeitig verboten gut. Wie eine Droge, die sie nicht haben durfte. Durch die heutigen Konversationen wuchs gleichzeitig die Nähe zwischen ihnen.

 

Tashigi kaute ungeduldig auf ihren Fingernägeln und starrte auf die zwei Flaschen Schwertöl, die sie bereits abgefüllt hatte.

 

Dann klopfte Smoker endlich an ihrer Tür, um ihr Bericht über die Verhörung Zorros zu erstatten. Tashigi stockte der Atem, als sie aufgeregt mit Schwung die Tür aufriss.

 

Captain Smoker! Lief alles zu Ihrer Zufriedenheit?

 

Smoker schaute sie an.

 

Er ist eine harte Nuss mit engstirnigen Zielen. Der Dummkopf berichtete, Falkenauge besiegen zu wollen und davon, dass Strohhut den Platz von Roger einnehmen will. Diese Piratenjugend von heute…rebellisch und eigensinnig.

 

Ich denke, ich habe alles, was ich an Informationen brauche. Ich erstatte nun der Zentrale Bericht. Morgen schauen wir weiter. Vielleicht schaust du heute noch bei ihm vorbei und kontrollierst, dass alles soweit in Ordnung ist.

 

Tashigi war beruhigt. Es gab keine großen Vorkommnisse.

 

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Wortlos stieg Tashigi gegen Mitternacht in den Keller hinab. Die Stufen knarzten und ihre Augen glänzten durch Kerzen, die an den Wänden befestigt waren. Zorro saß auf dem Boden und bemerkte ihren Schatten. Er drehte seinen Kopf in ihre Richtung.

 

„...Vierauge! Ich hoffe, du hast mein Schwertöl dabei“, sagte er leise und grinste.

 

Tashigi schwieg. Sie wusste nicht, wie sie sich verhalten sollte. In der Zelle vor ihr saß der Mann, den sie schon immer hinter Gittern sehen wollte. Aber gleichzeitig auch ein Mann, der viel Gutes für die Gesellschaft tat – und der warme Gefühle in ihrem Bauch auslöste.
 

„Ist die Lage nun sicher? Ich hoffe doch, dass du mich jetzt wieder freilässt.“
 

Tashigi näherte sich der Zelle und schloss sie auf, um hineinzugehen. Sie wollte mit ihm sprechen – von Angesicht zu Angesicht.

Sie wurde auf einmal ernst und setzte sich ihm gegenüber auf den Boden.
 

„Sag, Lorenor: Wieso hast du dich für den Weg als Pirat entschieden?“
 

„Ich hatte keine andere Wahl…es war der direkteste Weg, um an mein Ziel zu kommen.“
 

„…Dein Ziel?“
 

„Ich möchte der beste Schwertkämpfer der Welt werden. Dafür muss ich Falkenauge ausschalten.“

Zorro wurde nun ebenfalls ernst. Eine Stille legte sich zwischen die beiden. Tashigi klammerte sich an die Gitterstäbe der Zelle.

 

Nun ergriff Zorro das Wort.

 

„Übrigens, zu meiner Verteidigung: Ich habe in den letzten Jahren niemanden umgebracht und jemanden nur K.O. geschlagen, wenn es nicht anders ging. Bis auf wenige Ausnahmen habe ich nur Gutes getan. Ich weiß nicht, warum die Menschen so viele Geschichten über mich erzählen und zusammenzucken, wenn sie mich sehen.“

 

Vielleicht, weil du eine faszinierende Person bist?“

 

Zorro schaute sie überraschend an.

 

„Sag mal, war das etwa ein Kompliment?!“

 

Tashigi schaute peinlich von ihm weg in Richtung Boden. Ihre Wangen verfärbten sich rosa.

 

„Bilde dir nichts darauf ein. So oder so, du hast den Weg des Piraten gewählt, deshalb zählt für mich keine Rechtfertigung deinerseits.

 

„Hast du dich eigentlich einmal gefragt, wie viele Menschen Akainu, Aokiji und Kizaru auf dem Gewissen haben?“

 

Tashigi schwieg.

 

Sie war froh, dass Zorro nicht ihre Gedanken lesen konnte. In ihrem Kopf tobte ein Sturm der Gefühle. Zwischen Wut, Mitleid, warmen Gefühlen…es ist alles dabei.

 

Zorro schaute ihr tief in die Augen, während sie seinen Blick nicht erwidern konnte.

 

Die blauhaarige Frau wusste zudem schon lange, dass die Strohhüte zu den guten Menschen dieser Welt zählten. Sie wollte ihm so gerne erzählen, dass sich die Marine gerade heimlich umstrukturiert und sie Teil des Projektes SWORD sei, doch sie hielt sich zurück.

 

„Hey. Ich gebe zu, dass ich meine Prinzipien als Marinekapitänin habe, aber auch ich mache mir über diese Institution meine Gedanken. Mehr, als du dies glauben magst. Hattest du eigentlich Spaß mit Smoker?“

 

„Wir hatten tatsächlich ein sehr erfrischendes Gespräch.“

 

„Ach, echt?“

 

Sie änderte ihre Sitzposition in einen Schneidersitz.

 

„Ich freue mich zumindest, dass nicht nur du dir Gedanken um die Zukunft der Marine machst. Du bist nämlich eine feine Person, Käptn Brille.“

 

„Wie absurd diese Situation einfach ist.“ Sie schüttelte verwirrt den Kopf.

 

„Eine Sache will mir den ganzen Abend über nicht aus dem Kopf gehen, Brille. Warum hast du heute fast die ganze Zeit über einen roten Kopf? Kann es sein, dass du auf mich stehst?“

 

Tashigi riss die Augen auf und starrte vom Boden direkt in Zorros Auge. Dabei verschluckte sie sich fast.

 

„Sag mal, redest du eigentlich mit allen Frauen so?“, fragte Tashigi scharf.

 

„Nein. Du bist die einzige, mit der ich so rede.“ , antwortete er ernst.

 

„Dann kriegst du hier exklusiv eine Antwort: Ich vertrete weiterhin die meisten Prinzipien der Marine. Hätte ich Gefühle für dich, würde ich dich ja nicht festnehmen wollen."

 

„…Sehr auf den Punkt gebracht. Ich habe nichts anderes von dir erwartet.“, antworte Zorro und wurde noch ernster. Er fühlte sich irgendwie getroffen.

 

Tashigi versteckte ihr Gesicht vor ihm.

 

„Sei ehrlich, Käpt'n Brille. Hätten wir uns unter normalen Bedingungen kennengelernt…Hättest du Gefühle für mich gehabt?“

 

Sie hätte mit allen möglichen Fragen gerechnet, die er hätte stellen können, aber nicht mit dieser. Sie musste schlucken. Tashigi sagte kein Wort und hatte weiterhin das Gesicht in ihren Händen vergraben. Die Situation überforderte sie so dermaßen, dass ihr die Worte im Hals steckengeblieben sind.

 

Auf einmal ergriff Zorro ihr Handgelenk.

 

„Zeig mir dein Gesicht, Käpt'n Brille.“

 

„Warum sollte ich!?“

 

„Bitte tu es einfach!“

 

„ Ja, ich bin rot. Zufrieden? Und du bist heute ganz schön direkt. Was meine Gefühle für mich angeht: Wie auch immer diese Antwort wäre, ich hätte sie dir nicht verraten. Du willst mich doch nur weichklopfen, damit ich dich freilasse.“

 

Jetzt errötete Zorro.

 

„Ganz ehrlich? Wenn ich es hier nicht selbst aus der Zelle schaffe, rettet Ruffy mich. Ich würde mich doch nicht so einfach auf einen Deal einlassen und mich wegen Schwertöl in Gefahr zu bringen.“

 

Tashigi schaute ihn schweigend an. Irgendwie überraschte es sie nicht, dass Zorro letztendlich doch mit der absoluten Sicherheit, unbeschadet davonzukommen, diesen Deal vorgeschlagen hatte.

 

„…Du musst mir nicht beantworten, ob du Gefühle für mich hast, Käpt’n Brille. Das kann ich nicht von dir verlangen. Zumindest nicht hier an deinem Ort. Ich gebe aber offen zu, dass ich mich schon ab und zu gefragt habe, zu was unsere Begegnung in Loguetown geführt hätte, wenn ich nicht Pirat geworden wäre und du nicht bei der Marine gelandet wärst.“

 

Tashigi senkte ihre andere Hand, welche nicht von Zorro festgehalten wurde. Sie schaute tief in sein Gesicht. Ihr Blick wurde von ihm erwidert. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals, während sie sich anschauten.

 

Zorro ging auf’s Ganze. Sein Oberkörper bewegte sich in ihre Richtung. Er war ihr auf einmal überraschend nah. Sie konnte seinen Atem auf ihrem Hals spüren, während er sich ihren Lippen näherte.

 

Kurz dachte Zorro an die Situation in der Bar, in welcher er sie heute erblickte und zu sich selbst sagte, dass man bei Tashigi nie wissen würde, wie sie reagierte. Er hielt vor ihren Lippen kurz inne, um sie zu prüfen, da er damit rechnete, dass die Schwerkämpferin ihm eine saftige Ohrfeige verpassen würde.

 

Er blickte hoch in ihre obere Gesichtshälfte und war überrascht, dass sie ihre Augenlider entspannt geschlossen hatte. Es wirkte für ihn so, als ob sie scheinbar das Treffen seiner Lippen auf ihren erwartete.

 

Ihr Atem vermischte sich.

 

Tashigi spürte, wie sein Brustkorb sich senkte und erhob. Sie vergrub ihre Hände leidenschaftlich in die kurzen grünen Haare des Schwertkämpfers, wodurch sich seine drei Ohrringe bewegten.

 

Zorro hielt die Spannung nicht mehr aus. Er drückte seine Lippen fest auf ihre weichen Lippen.

 

Tashigi zögerte kurz; erwiderte jedoch anschließend seinen Kuss.

 

All ihre Begegnungen und der Deal zwischen ihnen hatten eine enge Verbindung geschaffen. All die Anspannung und die Rollenverteilung schien vergessen. In diesem Moment schien die Welt um sie herum zu verschwinden.

Er nahm ihre Hand und zog ihren Körper auf eine sanfte Art enger zu sich. Danach legte er seine Hände umarmend auf ihren zarten Rücken.

 

Seine Berührung war elektrisierend. Tashigi schaute ihm tief in das Auge, bevor sich ihre Lippen erneut trafen und in einem zarten, aber zugleich leidenschaftlichen Kuss endeten.

 

Die Lippen berührten sich mehrmals sanft, dann intensiver, während sie ihre Küsse vertieften. Ihre Zungen kreisten und ihre Herzen schlugen schneller, während sich die Hitze ihrer Körper vermischte.

 

Als sie sich schließlich voneinander lösten, umarmten sie sich weiterhin Stirn an Stirn. In ihren Augen spiegelte sich auf einmal die unerschütterliche und brennende Entschlossenheit wider, alles zu überwinden, was kommen mochte.

 

„Du, Zorro. Ich muss nun los, sonst schöpft jemand Verdacht.“

 

Zorro seufzte.

 

„Tja – so ist es halt. Ich bin halt eben Pirat und du Käpt'n Brille – Wir haben unsere Ziele und Vorstellungen von unserem Leben. Furchtbare Voraussetzungen und lauter Red Flags.“

 

Tashigi legte einen Finger auf seinen Mund.

 

„Machst du gerade Witze? Hör auf damit, sonst klebe ich dir den Mund zu. Heute will ich davon nichts hören.“

 

Tashigi löste sich von ihrem Schneidersitz, stand auf und klopfte sich den Dreck von ihrer Hose. Sie wuschelte Zorro zum letzten Mal durch die Haare und verließ die Zelle. Dabei schloss sie die Zelle zu Zorros Erschrecken wieder zu.

 

„H-Hey, was soll das?! Lass mich hier raus!“

 

„Weißt du, so gefällst du mir besser!“, antworte Tashigi zwinkernd und jonglierte neckend mit dem Schlüssel. Plötzlich stolperte sie über eine Kante im Holzboden. Es dauerte nicht lange, bis sie stolperte. Der Schlüssel kullerte zurück in Zorros Zelle.

 

Zorro vergrub sein Gesicht in seine Hände und musste sich ein Lachen verkneifen.

 

„Alles okay?“

 

„Ja, mir geht es Bestens.“, antwortete Tashigi. Ihre Wangen leuchteten aufgrund des peinlichen Momentes strahlend rot. Sie ging auf einen Holzschrank zu, in welchem Zorros Schwerter aufbewahrt wurden. Sie holte diese raus und lehnte sie vorsichtig neben seine Zelle.

 

Eigentlich möchte ich sie gerne behalten. Sie sind wunderschön.“, neckte Tashigi den grünhaarigen Schwertkämpfer.

 

Vergiss es. Die brauche ich noch.

 

Tashigi lächelte ihn an, hob ihre beiden Hände und drehte ihm ihren Rücken zu.

 

Du hast nun den Schlüssel. Ich weiß von nichts. Überlege dir nun, wie und wann du hier rauskommen willst.

 

„Hey…Smoker wollte mich übrigens auch freilassen – er sagte aber, dass er die Entscheidung dir überlassen würde.

 

Tashigi war überrascht und grinste. „Interessant. Danke für deine Ehrlichkeit.“

 

Zorro lächelte sie an. „Übrigens: Das gerade war ganz schön heiß! Wann sehen wir uns wieder?

 

„Vielleicht schaffst du es beim nächsten Mal ja wieder, dich in eine Bar zu verlaufen?“

 

"Ich hab dich gern, Tashigi."

 

Tashigi stieg mit geröteten Wangen leise die Stufen hinauf.

 

Zorro schüttelte den Kopf und grinste.

 

Diese Frau…hat natürlich mein Schwertöl vergessen.

 

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