Zum Inhalt der Seite

Class of 2011

von

.
.
.
.
.
.
.
.
.
.

Seite 1 / 1   Schriftgröße:   [xx]   [xx]   [xx]

Alle Jahre wieder

Als Stiles die Einladung zu ihrem dreizehnten Klassentreffen aus dem Briefkasten zog, hatte er sie sofort ungelesen in den Papierkorb geworfen. Er sah nämlich absolut keine Veranlassung dafür, bei dieser saudämlichen Veranstaltung dabei zu sein. Seine Schulzeit war wahrlich schwer genug gewesen und an diese düstere Episode seines Lebens brauchte er beim besten Willen keine schmerzhafte Erinnerung.

Er war der einzige in seinem Jahrgang gewesen, der damals schon gewusst hatte, dass er schwul war und daraus hatte er auch nie einen Hehl gemacht. Gebracht hatte ihm seine Offenheit allerdings lediglich dumme Sprüche im Umkleideraum und die ein, oder andere Rauferei mit seinen Mitschülern, insbesondere mit einem homophoben Arschloch namens Jackson Whittemore, welcher ihm das Leben an manchen Tagen wirklich zur Hölle gemacht hatte.

Hätte Stiles damals nicht seinen Dad gehabt, seinen scharfen Verstand, seine schlagfertige große Klappe und vor allem natürlich seine beiden besten Freunde, dann hätte er die Schule sicherlich irgendwann geschmissen und wäre ganz einfach abgehauen.
 

Doch sie waren da gewesen, diese Freunde, und bis heute gehörten sie zu den allerwichtigsten Menschen in seinem Leben.
 

Und einer von ihnen rief gleich am Folgetag bei ihm an, um ihn freudig zu fragen:

„Hey Bro, hast du sie schon bekommen?“
 

Stiles entschied zunächst, sich dumm zu stellen.

Als ob Scotty dann einfach vergessen würde, was er sagen wollte und sie dann einfach das Thema wechseln würden.
 

Natürlich nicht!
 

„Du weißt ganz genau, wovon ich spreche, du Spinner! Ich meine natürlich die Einladung zum Klassentreffen! Also was ist nun? Gehst du dieses Jahr endlich mal mit mir dort hin? Jedes Jahr fragt mich irgendjemand nach dir. Ich weiß gar nicht mehr, was ich denen sagen soll.“ murrte Scott:
 

„Sag´ ihnen einfach, ich sei tot. Verrückte Sache, ein Auto voll mit Clowns hätte mich überfahren. Es sei im wahrsten Sinne des Wortes zum Totlachen gewesen.“ ätzte sein Freund:
 

„Über so etwas macht man keine Witze!“ wies Scott ihn zurecht.
 

Stiles seufzte:

„Du weißt doch genau, dass ich zu diesen verdammten Klassentreffen keine Lust habe. Wieso lässt du es nicht einfach endlich gut sein? Dieses Kapitel meines Lebens gehört für mich echt der Vergangenheit an. Nicht jeder hatte so eine gute Zeit an der Beacon Hills High wie du, Kumpel. Du hast dort deine große Liebe getroffen, die Frau die du später geheiratet hast. Du warst beliebt und anerkannt in der Schule. Ich war doch bloß der einsame, dürre Loser, von dem die meisten dachten „Schwuchtel“ wäre sein Vorname. Übrigens, wie geht es Allison eigentlich? “
 

„Allison geht’s prima. Sie würde sich auch freuen, dich auf dem Klassentreffen zu sehen. Und nur zu deiner Information: Du warst nie ein Loser! Du warst verdammt nochmal der coolste und schlaueste Junge, den ich je getroffen hatte. Ich hatte schon am ersten Tag im Kindergarten entschieden: Der Typ da, der wird mein bester Freund für immer! Und genauso ist es auch gekommen, oder nicht?“ erwiderte Scott auf seine unwiderstehlich sonnige Art.
 

Ein weiterer tiefer Seufzer von Stiles:

„Ja, ja, ich liebe dich auch, Bro. Doch leider warst du offenbar der einzige, der damals mein ach-so-großes Potenzial erkannt. Für den Rest der Welt war ich bloß der Punchingball, an dem man seine Aggressionen abarbeiten konnte.“
 

„Stimmt doch gar nicht! Du hast es den Arschlöchern mit deiner scharfen Zunge ganz schön gezeigt, Mr. Sarkasmus.“ widersprach Scott energisch: „Außerdem war ich überhaupt nicht der Einzige. Was ist denn mit Malia, hm? Und weißt du was? Ich konnte sie überreden und sie wird dieses Jahr endlich auch zum ersten Mal dabei sein. Das ist doch wohl ein Argument mitzukommen, oder nicht?“
 

„Wirklich?“ Stiles Herz machte einen kleinen freudigen Hüpfer bei der Erwähnung dieses Namens. Erinnerungen stiegen in ihm auf, an den ersten Tag in der siebten Klasse, als ihre Lehrerin Ms. Martin dieses neue Mädchen vorstellte. Ihr kinnlanges Haar zerzaust und ihr Blick glühend vor Wildheit und Entschlossenheit. Noch nie hatte Stiles ein Mädchen wie sie getroffen und er wollte sie unbedingt kennenlernen. Hierzu musste er sich lediglich durch unzählige Schichten aus Misstrauen, Ablehnung und Todesdrohungen kämpfen, doch schließlich hatte er es geschafft und das Herz der verletzten Amazone gewonnen.

Und so war sie dann ein halbes Jahr später auch das einzige Mädchen geworden, mit welchem Stiles es je versucht hatte. Nach einer Weile hatte er dann jedoch zunächst sich selbst, und etwas später auch Malia eingestehen müssen, dass es nicht funktionierte. Und zu Stiles Überraschung hatte Malia dies ohne weiteres akzeptiert und sie waren einfach nur noch Freunde gewesen. Erst einige Jahre später auf dem College, als seine Freundin eine gewisse süße Miss Yukimura kennenlernte, verstand Stiles dann, was tatsächlich mit Malia los war.

„Sie will also wirklich kommen?“ versicherte er sich noch einmal bei seinem besten Freund:
 

„Sie wird da sein. Und sie wird Kira mitbringen.“ bestätigte Scott: „Wie lange habt ihr euch denn eigentlich nicht mehr gesehen, hm?“
 

„Bestimmt seit einem Jahr nicht mehr.“ erwiderte Stiles unzufrieden. Er wusste, dass sein Widerstand gerade dabei war zu bröckeln: „Aber wir telefonieren alle ein bis zwei Wochen. Es ist eben nicht so leicht, sich regelmäßig zu treffen, wenn sie in L.A. lebt und ich in San Francisco.“ schob er ein wenig schuldbewusst hinterher.
 

„Na dann ist unser Klassentreffen doch DIE Gelegenheit sich zu sehen!“ fand Scott: „Nun zier´ dich nicht so, dir passiert schon nichts. Und außerdem sind wir sind doch alle bei dir. Die Zeiten haben sich doch auch ganz schön geändert, oder nicht? Aus dir ist wirklich etwas geworden. Du bist beratender Forensiker für das FBI UND der Bestellsellerautor einer Kriminalreihe. Du bist einer der Stars unseres Jahrgangs. Alle werden sich um dich scharen, weil sie ein Autogramm von dir möchten, wollen wir wetten?“
 

„Na sicher doch! Als ob einer von den Trotteln lesen könnte.“ murrte Stiles: „Wenn sich diese einfachen Gemüter bei jemanden für ein Autogramm anstellen werden, dann ja wohl bei unseren Basketballstar. Daneben stinke ich doch total ab.“
 

„Ach was, Derek kommt doch sowieso wieder nicht. Genau wie du war er noch nie bei einem unserer Klassentreffen dabei. Die Bühne gehört also ganz dir, Kumpel.“ erwiderte sein bester Freund schmeichelnd:
 

„Ich lege aber überhaupt keinen Wert darauf, von diesen Trotteln hofiert zu werden.“ stellte Stiles klar.
 

Scott zog einen weiteren Trumpf aus seinem Ärmel:

„Und was ist mit unseren Eltern? Dein Dad bekommt dich doch auch kaum noch zu Gesicht? Und wenn ich Mum erzähle, dass du kommst, dann stellt sie sich vermutlich einen halben Tag lang in die Küche und bereitet für uns tonnenweise mexikanische Hausmannskost zu.“
 

Dagegen ließ sich wirklich schwer etwas einwenden. Stiles vermisste seinen Vater wie verrückt und Melissa McCall war für ihn beinahe ebenso sehr eine Mutter, wie für Scott selbst, seit Claudia Stilinski viel zu früh verstorben war:

„Also gut, ich gebe zu, das klingt verlockend. Was hast du noch?“ wollte Stiles wissen:
 

„Ich habe gehört, dass der Coach dieses Jahr dabei sein will. Er ist frisch aus dem Entzug und freut sich darauf, seine ehemaligen Schützlinge wieder zu sehen.“ erwiderte Scott.
 

Ein kleines Grinsen schlich sich auf das Gesicht von Stiles. Coach Bobby Finstock war ein vollkommen Wahnsinniger, und Stiles und er hatten sich auf dem Lacrosse-Feld manchmal die irrsten Wortgefechte geliefert, doch man konnte nicht anders, als diesen schrägen Vogel zu lieben:

„Also gut Bro, du hast mich überzeugt, ich werde mitkommen. Aber nur unter einer Bedingung: Allison und du werdet mich abholen und den ganzen Abend auf mich aufpassen!“
 

Stiles musste das Telefon vom Ohr nehmen, weil das Jubeln am anderen Ende der Leitung ihn beinahe taub machte:

„Klasse Mann! Das wird ein Riesenspaß, versprochen!“ behauptete Scott: „Ich bespreche alles Weitere mit Ally und dann schreibe ich dir noch, wann wir dich aufgabeln.“
 

Und damit verabschiedeten sich die Freunde von einander.
 

Kaum hatte Stiles aufgelegt, bereute er seine Zustimmung bereits, doch aus der Nummer kam er nun wohl nicht mehr raus, jedenfalls nicht ohne seinem besten Freund das Herz zu brechen.

Und dazu war er einfach nicht fähig.
 

Doch er hatte Magenschmerzen beim Gedanken an das, was vor ihm lag.

There is no place like home

In der Woche vor dem Klassentreffen hatte Stiles mehr Meeresfrüchte, Sushi und halbgare Burger in verwarzten Restaurants und fragwürdigen Imbissen gegessen, als je zuvor in seinem Leben, stets in der Hoffnung auf eine Lebensmittelvergiftung, welche ihm eine gute Ausrede für eine Absage liefern würde. Doch seine Rossnatur steckte Schimmel, Salmonellen und andere Widerwärtigkeiten scheinbar mühelos weg und als der Tag X gekommen war, blieb ihm nichts anderes übrig, als in den Wagen von Allison und Scott in Richtung Beacon Hills zu steigen:
 

„Jetzt geht’s los. Wir werden so viel Spaß haben!“ behauptete Scott begeistert, worauf Stiles lediglich antwortete:
 

„Ich hasse dich für das hier!“ Dann besann er sich auf seine gute Kinderstube und begrüßte wenigstens Allison angemessen, mit einer kleinen Umarmung und einem Kuss auf die Wange.
 

„Liebe dich, Bro!“ erwiderte Scott gutmütig, zog seinen besten Freund in die Arme und drückte ihm einen dicken Schmatzer direkt auf die Himmelfahrtsnase:
 

„Du bist so ein Idiot!“ ließ Stiles ihn wissen, doch er konnte ein Lachen nun nicht mehr unterdrücken.
 

Die eineinhalbstündige Fahrt von San Francisco nach Beacon Hills verging wie im Fluge und die Freunde sangen ebenso wie lautstark, wie auch schräg zur Playlist ihrer Jugend mit, welche Scott für diesen Anlass eigens zusammengestellt hatte. Bei Rihanna entschied Stiles, er würde hell wie ein Diamant leuchten, ganz gleich welche dämlichen Sprüche er heute Abend möglicherweise zu hören bekäme.

Und er würde Taylor Swifts Empfehlung folgen, welche wusste „haters gonna hate", und wie sie würde er würde den Hass einfach abschütteln, oh ja!
 

Und so kam es, dass er unglaublicher Weise bester Laune war, als sie sein Elternhaus am frühen Nachmittag erreichten.
 

Sein Vater, Sheriff Noah Stilinski brach ihm bei seiner herzlichen Umarmung zur Begrüßung beinahe ein paar Rippen und bombardierte ihn sogleich mit tausend Fragen zu seinem Leben, dem Job und seinem Befinden, wobei der Sohn bemüht war, diese bestmöglich zu beantworten.

Und wenn er in das liebe, vertraute Gesicht seines Dads schaute, dann wurde ihm klar, dass dieser älter wurde.
 

Schuldgefühle stiegen in Stiles auf.

Er war wirklich viel zu selten hier.

Er war der schlechteste Sohn auf der ganzen Welt!
 

"Ich habe dich vermisst, Daddy." murmelte er, wie ein trauriger, kleiner Junge.
 

Sein Vater lachte auf seine wunderbare, herzliche Art, nahm die Hände seines Sohnes in die eigenen und erwiderte leichthin:

"Jetzt bist du ja da. Und nun packst du erst einmal in Ruhe aus und dann geht´s rüber zu Melissa, die für uns etwas kochen wird."
 

Als sie eine Stunde später beim Haus der McCalls ankamen, roch es bereits vor der Tür nach den köstlichen Empanadas, welche sie gleich serviert bekämen.

Und bei Tisch nahm Melissa McCall sogleich die Gelegenheit wahr, ihren Sohn und ihre Schwiegertochter auszuhorchen, ob denn wohl beizeiten damit zu rechnen sei, dass die beiden sie zur Oma machen würden, solange sie körperlich überhaupt noch dazu in der Lage sei, mit ihrem Enkelkind zu spielen. Scott versicherte Melissa, dass sie blendend aussehen würde und noch immer fantastisch, jung und agil sei. Abgesehen von diesen Worten musste sich die Möchtegern-Großmutter jedoch mit einem : "Wenn es passiert, dann passiert es eben." ihres Sprosses zufrieden geben.
 

Derweil spürte auch Stiles den erwartungsvollen Blick seines Vaters auf sich ruhen:
 

"Was denn?" fragte dieser schließlich ein wenig gereizt:
 

"Na ja... " begann Noah Stilinski harmlos: "... ich frage mich einfach, ob es bei meinem Sohn wohl endlich mal wieder etwas Neues in Sachen Liebe gibt? Gibt es da vielleicht mittlerweile einen netten Mann in deinem Leben? Ich würde es gern noch erleben, auf deiner Hochzeit zu tanzen. Und gegen Enkelkinder hätte ich selbstverständlich auch nichts einzuwenden."
 

Stiles wollte in dieser Runde nicht lang und breit erklären müssen, dass er auf das schwule Datingleben einfach keine Lust mehr hatte.

Sicher, eine Zeitlang hatte er ziemlich herumgehurt und hatte wahrlich nichts ausgelassen, doch damit war schon seit einer ganzen Weile Schluss. Und seither führte er praktisch das Leben eines Mönchs.

Denn er hatte es wirklich satt, dass man ihm ungefragt Dickpics schickte.

Er hatte es satt, sich von irgendwelchen Fitnessstudio-Schwestern nach dem Beischlaf sagen zu lassen, dass er ruhig auch öfter mal trainieren gehen könnte.

Er hatte es satt, mit Fremden zu vögeln, von denen er nicht einmal den Vornamen kannte.

Er hatte die Unverbindlichkeit und die Oberflächlichkeit satt.

Und was er mit Sicherheit nicht noch einmal in seinem Leben brauchte, war die Angst vor jenem Testergebnis, welches ihm verriet, ob er sich wohl Hepatitis C oder HIV eingefangen haben könnte, wie bei dem letzten Kerl, mit dem er eine längere Beziehung hatte, welcher ihm etwas von Liebe und Treue erzählt, doch hinter seinem Rücken mit jedem Kerl rumgemacht hatte, der bei Drei nicht auf dem Baum war!

Nein, all diese Dinge würde er seinem Dad und Melissa mit Sicherheit nicht erzählen. Das meiste davon wusste noch nicht einmal Scott.
 

Stattdessen stöhnte er langgezogen:

"Da-ad! So etwas lässt sich doch nicht erzwingen. Und es ist nun einmal so, dass mir schon lange keiner mehr über den Weg gelaufen ist, der mich interessiert hätte. Ich kann mich Scott also nur anschließen, es passiert, wenn es passiert."
 

"Aber gehst du denn überhaupt mal aus, oder verkriechst du dich einfach nur an deinem Schreibtisch? Denn in deinem Büro findet dich die große Liebe vermutlich gar nicht." warf Noah ein.
 

Stiles schnaubte:

"Das musst du gerade sagen? Wie wär´s, wenn du dich selbst endlich mal wieder auf die Suche nach einer Herzdame machen würdest? Ist doch echt lang genug her bei dir, oder nicht?"
 

Mit einem Mal sah Stilinski senior seltsam ertappt aus. Er räusperte sich und murmelte dann kleinlaut:

"Also... Scott, Stiles.... Melissa und ich wollten euch da schon seit einer Weile mal etwas sagen..." Er griff über den Tisch nach der Hand von Scotts Mutter.
 

In diesem Moment brachen beide Söhne in ein begeistertes Freudengeschrei aus.

Das was sie sich schon als Kinder gewünscht hatten, war endlich wahr geworden: Ihre Eltern hatten sich verliebt und machten durch ihre Verbindung die Herzensbrüder endlich zu einer wirklich echten Familie:
 

„Verdammt, Dad... seit wann?“ verlangte Stiles zu wissen und sowohl er, als auch Scott durchbohrten ihn mit ihren Blicken.
 

Der Sheriff hingegen blickte einfach bloß seiner Angebeteten in die Augen und säuselte:

„Vor sechs Wochen habe ich mich endlich getraut, diese Schönheit um ein Date zu bitten.“ Er lachte: „Willst du den Jungs erzählen, was du geantwortet hast, Liebling?“
 

Kichernd erwiderte Melissa:

„Ich habe gesagt, dass das auch wirklich langsam Zeit wird! Ehrlich Noah, ich habe echt schon geglaubt, ich würde es mir nur einbilden, dass da etwas zwischen und sei. Wie konntest du mich nur so lange warten lassen?“
 

Stiles Vater senkte den Kopf:

„Ich schätze, mir hat wohl der Mut gefehlt? Immerhin kennen wir uns schon seit einer Ewigkeit und nie ist etwas passiert. Und ich habe wohl ganz schlicht die Zeit gebraucht. Immerhin habe ich bereits einmal einen geliebten Menschen verloren.“
 

Stiles stand vom Tisch auf und umarmte seinen Vater und Scott tat es ihm mit seiner Mutter gleich:
 

„Das ist die beste Nachricht, die ich seit einer Ewigkeit, gehört habe.“ teilte Scott Melissa mit und Stiles fand:
 

„Das muss gefeiert werden! Ich laufe schnell los und besorge Champagner.“
 

Und ehe noch jemand widersprechen konnte, hatte er sich auch schon seine Jacke geschnappt und war aus der Tür.
 

Als Stiles wenig später mit einer Magnumflasche zurück war, stießen sie ausgiebig auf das Wohl des frischgebackenen Paares an. Scott kam irgendwann auf die Idee, eine der Salsa-CDs seiner Mutter einzulegen und ihr Zusammensein wurde rasch zu einer Party.

Stiles, welcher das Tanzen liebte und im Grunde auch ein mehr als passabler Tänzer war, jedoch nicht die geringste Absicht hatte, sich heute Abend auf ihrem Klassentreffen zum Affen zu machen, nutzte die Chance, wenigsten hier ein wenig Spaß zu haben. Er tanzte mit Melissa, er tanzte mit Allison, er tanzte mit Scott und sogar seinen Dad, den Tanzmuffel, konnte er ein Lied lang dazu bringen, sich mit ihm zur Musik zu bewegen.
 

Irgendwann hatte Stiles beinahe vergessen, weswegen sie überhaupt nach Beacon Hills gekommen waren, bis Scott sagte:
 

„Ich schätze es wird Zeit, dass wir aufbrechen.“
 

Stiles zog ein Schnäuzchen:

„Wirklich? Es ist doch gerade so nett hier. Und wir haben doch auch etwas zu feiern. Das dumme Klassentreffen findet auch ohne uns statt und ich wette, niemand wird uns Drei vermissen.“
 

„Netter Versuch Kumpel, aber so läuft das nicht. Wir gehen jetzt!“ stellte sein bester Freund klar.
 

Stiles blies die Backen auf und rollte mit den Augen, doch er gehorchte brav und verabschiedete sich von Melissa.

Sein Vater brachte sie noch zur Tür, um ihm zu sagen:

„Das wird schon, Junge! Ich weiß dass du es in der Schule nicht leicht hattest, aber vergiss nicht, dass deine ehemaligen Mitschüler mittlerweile auch alle erwachsen geworden sind. Mit Sicherheit tut es vielen heute leid, wie sie dich damals behandelt haben. Versuch´ Spaß zu haben, okay?“
 

Stiles dachte schon, er sei damit entlassen und wollte sich zum Gehen wenden, doch da hielt sein Dad ihn noch einmal zurück:

„Stiles, ich sage es dir wahrscheinlich nicht oft genug, doch ich bin wirklich stolz auf dich. Du hast etwas aus deinem Leben gemacht, hast eine großartige Karriere und ich weiß, der Weg da hin war nicht leicht. Denk´ einfach daran, wenn dir heute jemand dumm kommen sollte: Du bist großartig, Sohn!“
 

„Danke, Dad!“ erwiderte Stiles berührt und umarmte seinen alten Herrn noch einmal, ehe er Scott und Allison hinterher trabte, in Richtung Schule.

Get the party startet

Stiles rief die Fledermäuse zur Ordnung, welche sich gerade in seinem Magen austobten, seit seine Freunde und er die festlich geschmückte Turnhalle betreten hatte; doch leider erfolglos.
 

Einen Moment lang schien es, als habe jemand die Uhr zurückgedreht und dies sei wieder einer dieser unsäglichen Schulbälle, welche Stiles als Schüler so wahnsinnig gehasst hatte: Laute Musik, grelles Licht, Abendgarderobe, die dummen Gesichter seiner Mitschüler und sogar die unvermeidliche Punschschale war vorhanden, welche ambitionierte Draufgänger seinerzeit stets zu dem ehrgeizigen Plan inspiriert hatte, diese, ungesehen vom Aufsichtspersonal, mit größtmöglichen Mengen Alkohols zu kontaminieren.

Doch einige Dinge waren hier und heute dennoch anders. Zum Beispiel waren die Pappnasen von damals natürlich deutlich älter geworden. Möglicherweise hatte sein Dad ja recht gehabt und seine ehemaligen Klassenkameraden waren nicht bloß dem körperlichen Verfall anheim gefallen, sondern hatten sich daneben auch geistig und sozial ein wenig weiterentwickelt? Vielleicht geschahen ja doch noch derartige Zeichen und Wunder?

Und die andere Veränderung welche Stiles wahrnahm, war die Tatsache, dass heute keine Notwendigkeit mehr dafür bestand, den widerlichen Punsch zu spiken, denn weil sie ja nun alle erwachsen waren, war das Gebräu schon von Haus aus mit einigen Umdrehungen ausgestattet. Und zusätzlich gab es eine Bar, an welcher nicht nur Limonade ausgeschenkt wurde. Also würde er sich wenigstens ausgiebig die Lampe begießen und sich die Situation so schön trinken können, falls der Abend schrecklich würde, dachte Stiles erleichtert.
 

Und dieser Fall mochte schon eher eintreten als erhofft, denn in diesem Augenblick kamen Jackson Whittemore und Ethan Steiner auf ihn und seine Freunde zu, die beiden Erzfeinde von Stiles, welche ihm in der Vergangenheit stets besonders arg zugesetzt hatten:
 

„Hey Leute, das ist ja toll euch hier zu sehen.“ flötete Jackson und machte dabei etwas ganz eigenartiges mit seinem Gesicht. Stiles brauchte einen Augenblick, um zu begreifen was es war, denn der Mobber-Arsch von anno dazumal lächelte tatsächlich – aufrichtig erfreut, wie es schien. So hatte Stiles den Blödmann selbstverständlich noch nie zuvor gesehen:
 

„Besonders cool ist, dass du auch endlich einmal dabei bist, Stiles!“ fuhr Jackson fort: „Du ahnst gar nicht, wie oft ich schon mein Telefon in der Hand hatte, um dich anzurufen und mich dafür zu entschuldigen, dass ich damals so ein Arschloch gewesen bin, doch ich schätze, ich war wohl einfach zu feige. Das hattest du echt nicht verdient und heute weiß ich, dass es bloß mein Hass auf mich selbst war, den ich an dir ausgelassen habe. Echt nicht cool! Aber ich habe mir das alles mittlerweile klar gemacht, habe wirklich an mir gearbeitet, hatte spät im Leben endlich mein Coming Out und...“ er blickte strahlend zu Ethan hinüber: „...das Beste ist, dass ich diesem Kerl hier endlich meine Liebe gestehen konnte. Und wisst ihr was? Letztes Jahr haben wir geheiratet.“
 

Ethan und er hielten ihre Hände hoch, präsentierten ihre identischen Eheringe und dann küssten sie sich auch noch.

Stiles wäre beinahe sein Abendessen wieder hochgekommen!

War das hier etwa ein Paralleluniversum, in dem oben unten war, falsch richtig und ehemalige homophobe Pissnelken eher einen Ehemann hatten, als er selbst? Er ballte die Hände zu Fäusten und hätte damit am liebsten auch ausgeholt, doch nun setzte Ethan sogar noch einen drauf, indem er grinsend hinzufügte:

„Wir haben vor ein Baby zu adoptieren. Was sagt ihr dazu? Ist das zu fassen?“
 

Nein das war tatsächlich nicht zu fassen und am liebsten hätte Stiles laut geschrien, weil er das Gefühl hatte, ihm würde gleich der Kopf platzen. Doch er besann sich darauf, dass er ja ein halbwegs vernünftiger Erwachsener war, dass dies hier doch eigentlich gute Nachrichten waren und dass seine kleinliche, missgünstige, an einer alten Kränkung festhaltende Reaktion absolut unangemessen war. Er holte also tief Luft, versuchte sich an so etwas wie einem Lächeln und sagte zähneknirschend:

„Na wenn das so ist: Mazel Tov, Jungs! Und wegen damals... längst vergessen! Sind doch alte Kamellen, richtig?“
 

Den frisch Vermählten schien Stiles offensichtliche Heuchelei nicht aufzufallen. Beide atmeten auf und Jackson erwiderte:

„Also da bin ich wirklich erleichtert. Also dann... man sieht sich sicherlich später noch. Viel Spaß, Leute!“
 

„Das war eine wirklich sehr erwachsene Reaktion von dir.“ lobte Scott Stiles, als die beiden Ehemänner außer Hörweite waren.
 

Stiles funkelte seinen Freund böse an und forderte:

„Bring mir etwas, auf das ich draufhauen kann! Jetzt sofort! Ich platze sonst vor Wut!“
 

Scott lachte und versicherte:

„Ich bringe dir etwas Besseres Bro, nämlich einen starken Drink!“
 

Als Scott mit Getränken für sie wiederkam, stießen zeitgleich auch Malia und Kira zu ihnen:
 

„Da seid ihr ja endlich, ihr Pfeifen!“ blaffte Stiles beste Freundin: „Wir haben euch schon überall gesucht! Ich brauche euch, um diesen Abend durchzustehen. Suchen wir uns einen Tisch.“

Sie schnappte sich den, für Stiles bestimmten Drink, gab Scotts Getränk an Kira weiter und stürzte das Gesöff in einem Zug herunter.
 

Scott reichte Allison das letzte verbleibende Glas mit einem gutmütigen Grinsen, begrüßte die beiden Neuankömmlinge erst einmal vernünftig mit einer Umarmung und erklärte dann:

„Ich hole dann mal neue Getränke.“
 

„Für mich auch noch einen!“ orderte Malia auf ihre herzerfrischend unverblümte Art und drückte Scott ihr leeres Glas in die Hand:
 

„Du bist unmöglich, Babe!“ tadelte Kira, doch Stiles lachte nur und kommentierte:
 

„Sie ist einfach nur ganz sie selbst. Hast du dich etwa immer noch nicht daran gewöhnt, Süße?“

Er umarmte die beiden Frauen und sie machten sich gemeinsam auf den Weg zu einem der freien Tische.
 

Als Scott mit ihren Getränken nachkam, hatte er Lydia Martin im Schlepptau, welche damals in der Schulzeit eng mit Allison befreundet war, ehe die beiden Frauen sich später aus den Augen verloren hatten, wie es so oft zwischen ehemaligen Schulfreunden geschah.
 

Stiles hatte nie verstanden, was Scotts Frau damals in der eitlen, oberflächlichen Gans gesehen hatte. Sicher, sie war eine neben Stiles eine der beiden besten Schüler:innen ihres Jahrgangs gewesen, doch das lag sicherlich bloß daran, dass ihre Mutter eine der Lehrerinnen an der Beacon Hills High gewesen war. Allzu clever war sie Stiles jedenfalls niemals vorgekommen, auch wenn sie sich im Grunde kaum gekannt hatten. Und was ihn von allen Dingen am meisten gegen die erdbeerblonde Schöne einnahm, war die Tatsache, dass sie während der gesamten Schulzeit die On-Off-Beziehung von Jackson gewesen war:
 

„Seht mal, wen ich hier mitgebracht habe!“ verkündete Scott fröhlich und stellte die Gläser ab: „Sicherlich haben wir noch Platz für Lydia und ihren Ehemann, richtig?“
 

Allison begrüßte die alte Freundin begeistert und Stiles behauptete mit einem, in die Luft gestrecktem Daumen:
 

„Klar doch, je mehr, umso lustiger!“

Im Stillen stellte er sich allerdings schon mal auf einen Abend mit so aufregenden Gesprächsthemen wie Mode, Make Up und Promi-Klatsch ein.

Yeah!
 

„Wo bleibt denn nur George?“ fragte Lydia und blickte sich suchend um.
 

Bei George konnte es sich dann ja wohl bloß um den Gatten handeln, richtig?

Stiles hatte sofort eine klare Vorstellung, wen sie da wohl zu erwarten hatten: Irgendeinen aufgeblasenen, 1,90 m großen, braungebrannten Schönling mit viel Geld, doch wenig Verstand, dafür aber mit aufgepumpten Muckis, um die Leere zwischen seinen Ohren irgendwie auszugleichen.
 

Die Wahrheit hätte nicht weiter von Stiles Fantasievorstellung entfernt sein können. Lydias Gatte war nämlich in Wirklichkeit ein Mann in den Sechzigern, klein, schmal, mit freundlichen, intelligenten Augen und einem Gesicht welches verriet, dass er häufig lächelte:
 

„Das ist mein Ehemann, George Williamson.“ stellte Lydia den Fremden der Runde vor, welcher sich neben seiner Frau niederließ und dieser einen galanten, kleinen Kuss auf die Wange hauchte.
 

Nun war Stiles neugierig geworden:

„Also...wie habt ihr Zwei euch kennengelernt?“ wollte er wissen.
 

Lydia strahlte den Mann neben sich an und gab zurück:

„Ach, George und ich kennen uns schon ewig. Er war mein Professor und später auch mein Doktorvater.“
 

„Vater“ war doch passend, dachte Stiles giftig, so alt wie der Kerl war.

Dann stutzte er.

Lydia hatte einen Doktortitel?

In was, zur Hölle?
 

Seine Frage sollte sogleich beantwortet werden, als Lydia in ihrer Erzählung fortfuhr:

„Natürlich waren wir damals noch kein Paar, das wäre mehr als unangemessen gewesen. Doch wir sind über die Jahre in Kontakt geblieben und als mir vor drei Jahren die Fields-Medaille verliehen wurde, war er da. Danach hat er dann endlich den Mut aufgebracht, mich um ein Date zu bitten. Und der Rest ist Geschichte.“

Die Rothaarige lachte melodisch.
 

Stiles klappte der Unterkiefer herunter:

„Moment mal... Fields-Medaille? Du bist Mathematikerin?“ fragte er fassungslos:
 

„Meine wunderschöne, schlaue Gemahlin ist nicht einfach eine Mathematikerin, sie ist eines der größten mathematischen Genies unserer Zeit! Selbst ich habe manchmal Schwierigkeiten, ihre Erkenntnisse intellektuell nachzuvollziehen.“ erklärte George mit einem hingerissenen Blick auf seine Sitznachbarin.
 

Lydia erwiderte lächelnd:

„Ist schon in Ordnung, Babe. Wir wollen die anderen nicht langweilen, okay?“
 

Stiles kratzte sich verlegen am Kinn und gestand:

„Ich schätze, ich habe dich damals vollkommen unterschätzt.“
 

„Du und jeder Kerl, mit dem ich vor George etwas hatte, also mach´ dir nichts draus.“ erwiderte Lydia lachend: „Und du schreibst diese Romane, richtig Stiles? Ich habe leider nicht viel Zeit für Belletristik, weil ich viel arbeite und immer Unmengen von Fachliteratur lesen muss, aber der ein, oder andere deiner Krimis hat mir dennoch die Zeit vertrieben, wenn doch einmal Urlaub hatte.“
 

Plötzlich kam Stiles sich neben Lydia wie der letzte ungebildete Hinterwäldler vor, der seine Zeit damit verplemperte, dumme Unterhaltungsliteratur zu verfassen, also erwiderte er schnell:

„Also eigentlich bin ich beratender Forensiker für das FBI. Die Bücher schreibe ich eher nebenher, zur Entspannung.“

Er konnte selbst hören, dass es wie eine Rechtfertigung klang.
 

„Ja, davon habe ich gehört.“ erwiderte Lydia freundlich: „FBI? Das muss aufregend sein, oder nicht?“
 

Stiles wollte gerade zu einer nonchalanten Antwort ansetzen, als ein Raunen durch den Raum ging und sich die Blicke der allermeisten Personen im Raum in Richtung des Eingangs wandten.
 

Denn soeben war unerwartet die wirkliche Prominenz ihres Jahrgangs eingetreten.

Herzklopfen

Stiles Kopf war ganz automatisch den Blicken seiner ehemaligen Mitschüler:innen gefolgt und als er erkannte, wer da gerade zur Tür hereingekommen war, spürte er schlagartig, wie ihm Wärme ins Gesicht stieg.
 

Sicher, er war im Grunde seine gesamte Highschool-Zeit lang ganz heimlich und im Stillen in Derek Hale verknallt gewesen, aber das war doch noch lange keine vernünftige Erklärung dafür, warum ihm nun hier und heute sein Herz bis zum Hals schlug!

Er war ein erwachsener Mann von einunddreißig Jahren, verdammt nochmal!

Er hatte inzwischen mit einer ganzen Reihe ähnlich gutaussehender Kerle geschlafen und wusste im Gegenteil zu damals in seiner Jugend, dass er attraktiv und begehrenswert war.

Er hatte mit der faden, dürren Jungfrau aus Highschooltagen heute absolut nichts mehr gemein, also war diese Reaktion auf das unerwartete Erscheinen seines Schwarms aus Kindertagen doch wohl vollkommen unangemessen und er konnte wirklich nur hoffen, dass es niemand mitbekam.
 

Und doch waren da all´ die schlaflosen Nächte gewesen, in denen eine viel jüngere Version seiner selbst sich töricht in allen Farben ausgemalt hatte, wie Derek und er ein Paar werden würden, wenn er einfach nur den Mut aufbringen würde, diesem seine Gefühle zu gestehen.

Er wäre dann nicht mehr allein gewesen.

Er hätte jemanden gehabt, der ihm darin beistand seiner homophoben Umwelt zu trotzen und mit dem gemeinsam er den Wahnsinn des Erwachsenwerdens leichter ertragen hätte.
 

Es lag nicht bloß daran, dass Derek bereits als Teenager unheimlich attraktiv gewesen war, dass Stiles überbordende Fantasie ausgerechnet ihn als Projektionsfläche für all seine Sehnsüchte und Wünsche auserkoren hatte. Nein, Derek und er hatten etwas gemeinsam, eine Erfahrung, die keiner nachvollziehen konnte, der sie nicht selbst hatte machen müssen, denn beide hatten sie früh ihre Mütter verloren, Stiles durch Krankheit und Derek durch einen Unfall.

Doch anders als Stiles, welcher immer noch seinen Dad gehabt hatte, war Derek dadurch zur Vollwaise geworden, denn dessen Vater war bereits vor seiner Geburt gestorben und Derek war von seinem Onkel Peter adoptiert worden.
 

Es war diese Aura des einsamen Wolfes gewesen, welche Stiles damals so unwahrscheinlich angezogen hatte. Er hätte nichts lieber getan, als den einsamen, schwermütigen und irgendwie auch mysteriösen Jungen zu trösten, für ihn da zu sein, ihn in kalten Nächten zu halten. Und es war ja auch nicht so, dass er nicht reichlich Chancen gehabt hätte, Derek außerhalb der Schule anzusprechen und besser kennenzulernen, immerhin war er als Freund Malias ja ein regelmäßiger Gast im Hale´schen Haushalt gewesen, doch er war damals wohl einfach zu feige.
 

Aber höchstwahrscheinlich war es ja auch besser so gewesen, denn männliche Teenager waren in der Regel nicht gerade bekannt dafür, die Verliebtheitsbekundungen anderer Jungen wohlwollend zur Kenntnis zu nehmen. Vermutlich war Stiles mit seiner damaligen Vorsicht lediglich erspart geblieben, von Malias Cousin gehörig eins in die Fresse zu bekommen.
 

Dennoch konnte er gerade nicht anders, als immer mal wieder heimlich zu dem ehemaligen Mitschüler hinüber zu schielen. Derek hatte Mühe überhaupt richtig bei der Veranstaltung anzukommen, wie Stiles erkannte, denn kaum hatte er auch nur einen Fuß in die geschmückte Turnhalle gesetzt, war er auch schon umringt von Fans.

Stiles konnte nicht leugnen, dass er die Karriere von Derek Hale durchaus mit einigem Interesse verfolgt hatte, obgleich Baseball ihn im Grunde nicht wirklich interessierte.
 

Oder irgendeine andere Art des Profisports.
 

Das „People“-Magazine hatte Derek vor zwei Jahren zum „Sexiest-Man-Alive“ gekürt. Im letzten Jahr hatte er einen nicht unerheblichen Anteil daran, dass sein Team die World Series gewonnen hatte, was ihnen auch gleich noch den Teamtitel als Sportler der Jahres eingebracht hatte. Er war bei einem großen Sportmodelabel als Werbefigur unter Vertrag und hatte alles in alllem mit Sicherheit mehr Schotter, als je ein Mensch ausgeben konnte.

Es ließ sich nicht leugnen, dieser Kerl hatte in seinem Bereich so ziemlich alles erreicht, was möglich war.
 

Was waren dagegen schon einen recht erfolgreiche Schriftstellerkarriere.

Oder auch die höchste Auszeichnung in der Welt der Mathematik?
 

„Sieh´ an, wer da hereingeschneit ist! Der Star unseres Jahrgangs.“ stellte nun also auch Lydia fest.
 

Stiles versuchte so beiläufig wie nur irgend möglich zu klingen, als er Malia fragte:

„Wusstest du, dass dein Cousin auch kommen wollte?“
 

„Ja, er hat so etwas angedeutet, nachdem ich ihm erzählt habe, dass du und ich dieses Mal auch dabei sein würden. Hab´ mich ehrlich gesagt darüber gewundert, denn ich weiß, dass er nicht gern an die Highschool zurückdenkt. Keine Ahnung, was ihn geritten hat, heute zu kommen. Werd´ aus dem Kerl aber auch nicht wirklich schlau. Ich glaube, ich habe ihn noch nie im Leben wirklich glücklich gesehen, dabei hat er doch alles, was man sich vom Leben nur wünschen kann.“ gab Malia achselzuckend zurück.
 

Die Worte machten Stiles unwillkürlich die Kehle eng. Plötzlich waren da wieder das gleiche Gefühl einer inneren Verbundenheit zwischen ihm und dem ehemaligen Mitschüler, ebenso wie das gleiche Verlangen diesem seinen Trost anzubieten.

Das konnte doch einfach nicht wahr sein!

In diesem Augenblick wünschte Stiles wirklich, er hätte auf sein Bauchgefühl gehört und wäre ganz einfach zuhause geblieben, denn dies hier war einfach nur töricht und er kam sich vor wie der allerletzte Trottel.
 

Wieder wanderte sein Blick hinüber zu dem Baseballstar, welcher geduldig und freundlich mit seinen Bewunderern sprach, etwas dass in Dereks Position wohl nun einmal dazugehörte, auch wenn man es vielleicht insgeheim hasste. Und wenn Stiles ihn richtig einschätzte, dann waren ihm solche Momente mit Sicherheit nicht angenehm.
 

Doch dann erkannte Stiles noch etwas anderes: Derek schien sich suchend nach irgendetwas umzuschauen.

Stiles vermutete, dass er wahrscheinlich nach Malia Ausschau hielt und er konnte sich auch gut vorstellen warum. Denn wenn man jemanden wollte, welcher einem aufdringliche Mitmenschen vom Leib hielt, dann war es mit Sicherheit Malia Hale mit ihrer unverbauten Direktheit und Ehrlichkeit, sowie ihrer Durchsetzungskraft.

Sie war der geborene Bodyguard.
 

Stiles bestimmte insgeheim energisch, dass er seine unerfüllte Jugendliebe nun vorerst vergessen und sich anstatt dessen heute Abend lieber anderen Dingen widmen wollte. Vielleicht ergäbe sich ja später irgendwann die Möglichkeit, ein paar unverbindliche Worte mit Derek zu wechseln und ihn dann um ein Autogramm für seinen Dad zu bitten, welcher sich mit Sicherheit darüber freuen würde.

Und abgesehen davon würde Stiles nun alle Gefühle und Erinnerungen Derek Hale betreffend an eben jenen Ort zurückschicken, an welchem sie in den letzten Jahren gewesen waren, nämlich ganz weit weg.

Das hier war doch einfach lächerlich!
 

Zum Glück schickte Stiles das Schicksal in diesem Moment die perfekte Ablenkung über den Weg, denn Coach Finstock war eingetroffen, hatte ihn und Scott erblickt und klopfte den beiden so herzhaft auf den Rücken, dass Scott beinahe an seinem Drink erstickte, von welchem er soeben einen Schluck genommen hatte:
 

„Da seid ihr ja!“ frohlockte ihr ehemaliger Trainer. Den anderen am Tisch teilte er mit:

„Diese Zwei sind wie Söhne für mich!“ ehe er sich ungefragt einen Stuhl heranzog und sich mit einem wohligen Seufzer darauf fallen ließ.

So langsam wurde es voll an ihrem Tisch, doch eigentlich war Stiles das nur recht. Besser als früher in der Schulkantine, wo er mit ein wenig Pech auch mal vollkommen allein dagesessen hatte, wenn Malia und Scott anderweitig beschäftigt oder krank gewesen waren.
 

Finstock war mittlerweile auch auf die Menschentraube rund um Derek aufmerksam geworden:

„Baseball!“ spuckte er verächtlich aus: „Eine der dämlichsten Sportarten, die man sich überhaupt vorstellen kann. Stehen dumm herum in ihren albernen Knickerbockers, mit ihren Schirmmützchen und ihren übergroßen Zahnstochern über der Schulter oder flitzen hinter einem winzigen Ball her.“
 

Stiles verkniff sich den Kommentar, dass man Lacrosse wohl vergleichbar dämlich finden konnte, wenn einem der Sinn dafür fehlte und dass sich Baseball in ihrem Land seit jeher einer sehr viel größeren Beliebtheit erfreute, sondern lauschte einfach freundlich nickend weiter dieser kleinen Schimpftirade, welche hin und wieder unterbrochen wurde von den Lobgesängen, welche Bobby Finstock hingegen auf Lacrosse zu singen hatte.
 

Und nebenbei schaute Stiles auch nur ganz selten und flüchtig hinüber zu Malias Cousin, welcher noch immer den Menschen welche ihn umringten Rede und Antwort stand.
 

Und ganz unerwartet erwiderte Derek dann irgendwann seinen Blick und er lächelte.
 

Herzklopfen!

Weggegangen, Platz vergangen!

Wie ein dummes, verliebtes Schulkind, senkte Stiles den Blick in seinen eigenen Schoß, während ihm Hitze ins Gesicht stieg, nachdem sich seine und Dereks Blicke getroffen hatten. Konnte dieser Abend eigentlich noch peinlicher werden?
 

Wie war es möglich, dass die Atmosphäre dieses Abends einfach so dazu führte, dass es ihm so erschien, als habe jemand die Zeit zurückgedreht?
 

Er war doch immerhin ein erwachsener Mann, ein gefragter Experte auf seinem Fachgebiet und beliebter Romanautor! Er war doch jemand, der sich im Leben bereits viele Male behauptet hatte, jemand der, allein schon durch einen gewissen Bekanntheitsgrad und als jemand der regelmäßig Lesungen und Vorträge hielt, oder gelegentlich Interviews gab, zu ein wenig mehr Souveränität und Gefasstheit in der Lage sein sollte, oder nicht? Eigentlich sollte man da doch erwarten, dass das Lächeln eines gutaussehenden Kerls, den er vor sehr langer Zeit einmal gekannt hatte, ihn nicht aus der Fassung bringen dürfte?
 

Andererseits war er dem Jungen, welcher er damals in der Schulzeit gewesen war, dem Jungen, der seine Unsicherheit und Einsamkeit hinter Sarkasmus und einer vorlauten Klappe verborgen hatte, auch ewig nicht mehr so nah gewesen. Und plötzlich fühlte Stiles eine Woge des Mitgefühls für diesen Jugendlichen welcher er damals gewesen war, denn der hatte es wirklich schwer gehabt.
 

Derek war unterdessen ein Stück näher gekommen, doch wurde er immer wieder von ehemaligen Mitschülern aufgehalten, die dem Profisportler die Hand schütteln und ein paar Worte mit ihm wechseln wollten. Dennoch war es war ganz offensichtlich, Dereks Ziel war ihr Tisch. Kurz dachte Stiles wirklich, sein ehemaliger Schwarm und Mitschüler wollte zu ihm, doch dann wurde ihm klar, dass er ja nicht als Einziger am Tisch saß. Viel wahrscheinlicher war es, dass Derek bei seiner Cousine Malia sein wollte. Und ihr hatten vermutlich auch der suchende Blick und das Lächeln von zuvor gegolten.
 

Stiles kam sich töricht vor. Er starrte missmutig in seinen Drink, ehe er diesen entschlossen in einem Zug herunterkippte. Dann erhob er sich und stapfte hinüber zur Bar, um sich direkt den nächsten zu bestellen.

Als er zurückkehrte, hatte sich endlich auch Derek zu ihnen durchgekämpft und sich auf den einzigen freien Stuhl, nämlich den von Stiles gesetzt.
 

Das Gesicht zur Faust geballt, stellte er geräuschvoll sein Glas auf den Tisch.
 

Derek blickte schuldbewusst zu ihm auf und versicherte:
 

„Sorry, ich wollte mir gerade einen eigenen Stuhl und auch etwas zu trinken holen.“
 

Er machte Anstalten sich zu erheben, doch Stiles legte ihm die Hand auf die Schulter und drückte ihn zurück in den Sitz:
 

„Schon gut, ich hole mir selbst einen Stuhl.“ erwiderte er unfreundlicher als nötig und hatte sich bereits in Bewegung gesetzt, ehe Derek noch widersprechen konnte.
 

Auf dem Weg zum Nachbartisch, wo noch einige Stühle unbesetzt waren, tat es Stiles plötzlich leid so barsch mit Malias Cousin gesprochen zu haben. Derek konnte schließlich nichts dafür, dass er kurzzeitig zu seinem kindlichen Ich retardiert war und nun Peinlichkeit fühlte.

Als er zurückkehrte, platzierte er die ergatterte Sitzgelegenheit zwischen Scott und Derek und fragte letzteren versöhnlich:
 

„Und was trinkst du? Ich hole dir etwas von der Bar.“
 

Derek blickte lächelnd zu ihm auf und versicherte:

„Du musst mir echt nichts holen. Ich hab´ immerhin selbst zwei gesunde Füße.“
 

Doch Stiles widersprach:

„Wenn du dich jetzt auf den Weg machst, dann brauchst du doch ewig, bis du wieder hier bist, weil irgendein Fan dich einfach nicht gehen lassen will. Ich mache das schon, das ist echt kein Thema.“
 

Derek machte ein unbehagliches Gesicht:

„Ich will nicht unhöflich sein, deswegen rede ich mit den Leuten, aber mir ist das eigentlich immer total unangenehm, wenn man so viel Aufhebens wegen mir macht.“
 

Stiles nickte verständnisvoll, denn eigentlich hatte er sich das ja bereits gedacht. Er ließ sich von Derek dessen Bestellung geben und machte sich ein weiteres Mal auf den Weg an die Bar.
 

Als er mit dem Bier für seinen ehemaligen Mitschüler zurückkehrte, wiederholte sich allerdings das Spiel von zuvor: Jemand saß auf Stiles Platz und diesmal war es ausgerechnet diese verdammte, jüngst aus dem Schrank der Scham des heimlichen Homosexuellen hervorgekrochene Pest Jackson Whittemore, welcher seine Chance gewittert hatte, nun auch ein wenig mit dem prominenten ehemaligen Schulkameraden zu plaudern und sich in dessen Glanz zu sonnen.
 

Stiles reichte Derek sein Bier und dieser rechtfertigte sich, indem er schnell erklärte:

„Ich habe Jackson gesagt, dass der Platz eigentlich besetzt ist und du gleich zurückkommst.“
 

Jackson seinerseits versicherte:

„Bin gleich wieder weg. Wollte nur die Chance nutzen, kurz mit unserem Superstar hier zu quatschen. Is´ doch kein Problem, oder Stiles-Buddy?“

Anstalten den widerrechtlich angeeigneten Sitzplatz wieder freizugeben machte er indes keine.
 

Stiles stand hinter ihm, wie bestellt und nicht abgeholt und stellte sich in diesem Augenblick in den schönsten Farben vor, wie er dem Blödmann kurzerhand einen tüchtigen Schlag auf den Hinterkopf verpasste, um ihm damit subtil zu verstehen zu geben, dass er sich jetzt verpissen dürfte. Er brachte alle Selbstbeherrschung zu welcher er fähig war auf, um diesen Plan nicht auch in die Tat umzusetzen.

Jackson hingegen, welcher gar nicht zu ahnen schien in welcher Gefahr er momentan schwebte, hatte mit Derek nun ein Gespräch über die vergangene Baseball-Saison begonnen.

Der Profisportler antwortete artig, blickte jedoch immer mal wieder verstohlen zum genervten Stiles auf, wie ein Hund, welcher sich schuldig fühlte, weil er den Hausschuh seiner Halter als Kauknochen missbraucht hatte.
 

Coach Finstock jedoch, welcher sich vom Gesprächsthema an sich und überdies von der Tatsache, dass sein ehemaliger Starspieler Jackson quasi fremdging, indem er den Baseballspieler hofierte provoziert fühlte, klinkte sich nun in das Gespräch ein und äußerte sich dabei beleidigend gegen Baseball im Allgemeinen und gegen Derek im Speziellen, ohne diesem oder auch Jackson dabei die Chance auf eine Erwiderung zu lassen. Er redete sich regelrecht in Rage, bis es schließlich Malia zu bunt wurde. Sie eilte zur Rettung ihres Cousins herbei, indem sie bellte:
 

„Jetzt habe ich aber genug von dem ganzen Sportgequatsche. Lasst Derek in Ruhe, der hat heute frei! Jackson, warum nimmst du nicht den Coach mit rüber an euren Tisch und ihr redet über die glorreichen Zeiten, als das Beacon-Hills-Lacrosse-Team dieses eine Mal die Nationals gewonnen hat. Und zwar ein bisschen plötzlich, wenn ich bitten darf!“
 

Ihre Stimme duldete keine Widerrede, das erkannten sogar gegen dezente Hinweise vollkommen immune Jungs, wie Jackson und Finstock und sie erhoben sich, um das Feld zu räumen:

„Wir reden später noch, Derek, Kumpel!“ behauptete Jackson allerdings noch selbstbewusst, ehe er sich gemeinsam mit seinem ehemaligen Trainer zurückzog:
 

„Danke Cousinchen, du hast mich gerettet.“ stellte Derek fest, doch Malia zuckte bloß mit den Achseln und erwiderte:
 

„Wie auch immer. Die beiden sind mir einfach enorm auf die Fackel gegangen.“ Und damit war das Thema für sie erledigt.
 

„Na das war doch WITZIG!“ knurrte Stiles sarkastisch, ließ sich endlich auf seinen wohlverdienten Platz plumpsen und verschränkte genervt die Arme vor der Brust:
 

„Tut mir echt leid.“ murmelte Derek kleinlaut und hob lächelnd dazu an, mit Stiles anzustoßen.
 

Dieses Lächeln war so strahlend und umwerfend, dass Stiles im Grunde gar nichts anderes übrig blieb, als es zu erwidern und ebenfalls sein Glas zu erheben.
 

Und dann sagte Derek etwas Unerwartetes, was Stiles sogleich das Herz in die Hose rutschen ließ:
 

„Ich hatte mich sehr darauf gefreut, dich hier zu sehen und hatte echt gehofft, dass wir ein wenig reden können?“

Können wir reden?

Stiles hatte keine Ahnung, worüber Derek nach all der langen Zeit ausgerechnet mit ihm hätte reden wollen, doch er war sehr gespannt darauf, es herauszufinden.
 

Höchstwahrscheinlich hatte es mit seinem Job beim FBI zu tun? Das interessierte stets sehr viele Leute, weil sie es sich Dank Hollywood spannender vorstellten, als es in Wirklichkeit war.

Oder Derek dachte möglicherweise darüber nach, seine Autobiografie zu schreiben, wie es erfolgreiche Sportler ja so gern taten, wenn das Ende ihrer Karriere in Sicht kam. Und vielleicht erhoffte er sich von Stiles ein paar schriftstellerische Tipps? Vielleicht wollte er ihn ja sogar darum bitten, sein Ghostwriter zu sein, doch eine solche Bitte müsste Stiles als integrer Autor selbstverständlich zurückweisen. Doch vielleicht könnte er hierfür ja einen Kollegen empfehlen?
 

Zu erfahren was sein ehemaliger Mitschüler denn nun von ihm wollte, gestaltete sich jedoch gar nicht so leicht.

Zum Ersten kam Derek irgendwie nicht recht auf den Punkt. Er fing vielmehr eine seichte Unterhaltung an, in welcher es um ihrer beider beruflichen Werdegang ging, darum wo sie beide momentan lebten, um Begebenheiten aus ihrer Zeit damals an der Beacon Hills High und sogar um das Allerweltsthema, nämlich das Wetter.

Erschwerend kam hinzu, dass sie sich im Grunde anschreien mussten, weil das Stimmengewirr im Raum und die Musik so unglaublich laut waren.

Ein weiteres Problem, welches ein ungestörtes Gespräch verunmöglichte war die Tatsache, dass immer noch andauernd irgendwelche Deppen angedackelt kamen, um dem Leistungssportler ein High Five zu geben, oder um einen kurzen Plausch über die letzten Spiele, oder die kommende Baseballsaison zu halten. Es war aus Stiles Sicht doch wirklich keine besondere Empathie vonnöten um zu erkennen, dass Derek dies zuwider war und er lediglich professionell freundlich auf seine Fans reagierte. Dieses Feingefühl ging den Bewunderern des Sportstars allerdings vollkommen ab, bis Stiles irgendwann der Kragen platzte und er das tat, was Malia zuvor auch schon erfolgreich unternommen hatte, indem er dem nächsten Typen welcher seinen Senf zur aktuellen Startaufstellung von Dereks Team abgeben wollte anblaffte:
 

„Sag´ mal siehst du nicht, dass sich hier gerade Erwachsene unterhalten, Blödmann? Schieb´ ab, du nervst!“
 

Diese Ansage galt Greenberg, einen von Stiles ehemaligen Teamkameraden beim Lacrosse, welcher nun neben ihnen stand, wie ein begossener Pudel und stammelte: „Öh... uhm... sorry Leute. Ich... verschwinde dann mal.“ um sich dann fluchtartig zu entfernen.
 

Als er weg war, erklärte Derek grinsend:

„Also das habe ich immer an dir gemocht, dass du nie ein Blatt vor den Mund genommen hast.“ Dann wollte er wissen:

„Hast du eventuell Lust, irgendwo anders hin zu gehen? Hier ist ein echtes Gespräch scheinbar nicht wirklich möglich, oder?“
 

„Liebend gern.“ erwiderte Stiles: „Ich hasse das alles hier und bin ohnehin nur Scott zuliebe gekommen. Wenn es nach mir gegangen wäre, dann hätte ich den ganzen Quatsch auch dieses Jahr wieder ausfallen lassen.“
 

Da ihre Tischnachbarn gerade alle in Gespräche versunken waren, entfernten sich die beiden Männer ohne Verabschiedung. Stiles stibitzte sich von der Bar noch, unbemerkt vom gestressten Personal, eine frisch geöffnete Magnumflasche Champagner und sie verließen die Halle.
 

Scheinbar ohne Ziel liefen sie eine Weile durch die dunkle, leeren Gänge, verließen schließlich das Schulgebäude und kamen irgendwann beim, in Dunkelheit gehüllten Lacrossefeld an, wo sie auf der untersten Sitzbank Platz nahmen. Einzig der Vollmond spendete ihnen ein wenig Licht:
 

„Das weckt Erinnerungen.“ kommentierte Stiles mit einem versonnen Lächeln: „Die Ersatzbank. Hier habe ich so oft gesessen und vergeblich darauf gehofft, dass der Coach mich endlich auch mal einsetzt:
 

„Manchmal hast du auch gespielt.“ gab Derek zurück: „Dann habe ich dahinten gesessen und dich im Stillen angefeuert, Nummer 24.“ Er deute auf die oberen Ränge hinter ihnen: „Und weißt du noch, wie du das eine Mal die beiden entscheidenden Punkte im Endspiel gemacht hast?“
 

„Das hast du gesehen?“ fragte Stiles verblüfft: „Ich habe nie mitbekommen, dass du je bei einem unserer Spiele gewesen wärst?“
 

Im Schein des Mondlichts erkannte er ein geheimnisvolles Lächeln im schönen Gesicht seines Gegenübers, doch er sagte nichts dazu, also wechselte Stiles das Thema und fragte:

„Ich hatte das Gefühl, dass du nicht bloß mit mir plaudern wolltest, sondern dass du mich in einer ganz bestimmten Sache sprechen willst. Habe ich das richtig verstanden?“
 

Das Lächeln verschwand von Dereks Gesicht und er senkte den Kopf, um angestrengt seine eigenen Hände in Augenschein zu nehmen.
 

Stiles stutzte verwundert, doch er verhielt sich abwartend. Eine Stille entstand zwischen den beiden Männern.
 

Endlich erwiderte Derek:

„Du hast Recht, ich wollte dir etwas erzählen.“ Er blickte sich nach allen Seiten um und horchte in die Dunkelheit, um sicherzugehen, dass niemand sonst in der Nähe war, ehe er leise fortfuhr:

„Ich werde erpresst, Stiles.“
 

„Oh?“ machte dieser, denn mit solch einer Offenbarung hatte er nun wirklich nicht gerechnet. Nach einer angemessenen Pause fuhr er fort:

„Man erpresst dich? Womit denn? Und... wenn es darum geht, dass ich für das FBI arbeite... also das ist nun wirklich nicht mein Fachgebiet. Dafür ist eher die Polizei zuständig. Hast du mit denen schon gesprochen? Wir könnten mit meinem Dad...“
 

„Darum geht es nicht!“ unterbrach Derek ihn ungeduldig: „Lass´ es mich dir erklären.“
 

Wieder wartete Stiles, dass der Andere fortfuhr, wofür dieser allerdings offenbar ein wenig Zeit brauchte. Schließlich erklärte Derek:

„Es geht um eine sehr private Sache. Ich hatte Sex mit jemandem und... nun will diese Person damit an die Presse gehen, wenn ich nicht eine ziemlich große Geldsumme zahle.“
 

„Aha?“ machte Stiles erstaunt: „Ist das denn so schlimm? Nach solchen News kräht doch heute kein Hahn mehr und verheiratet bist du auch nicht. Du kannst doch auch einfach alles bestreiten, wenn es dir so unangenehm ist. War es eine Prostituierte? Oder ist sie vielleicht schwanger?“ Und nach kurzem Nachdenken setzte er nach: „Sie war doch nicht minderjährig, oder“
 

Derek hob ruckartig den Kopf und knurrte:

„Für wen hältst du mich denn? Ich bin doch kein Kinderschänder!“
 

Stiles hob die Hände zu einer beschwichtigenden Geste und versicherte:

„Nein, selbstverständlich nicht. Hätte doch sein können, dass du es gar nicht gewusst hast. Ich versuche nur zu verstehen, warum diese Angelegenheit so furchtbar heikel für dich ist? Du kannst schließlich schlafen, mit wem du willst.“
 

Derek gab einen tiefen Seufzer von sich, ehe er sagte:

„Es war ein anderer Mann, Stiles. Ich bin schwul! Und dieser Mistkerl hat uns heimlich gefilmt.“
 

Stiles klappte die Kinnlade herunter. Er nahm einen tüchtigen Schluck aus der riesigen Champagnerflasche und reichte diese dann an Derek weiter.

Coming Out - Teil 1

Derek nahm die Champagnerflasche an sich und ließ eine Menge des teuren Gesöffs in seiner Kehle verschwinden, ganz so als handele es sich lediglich um Limonade.
 

„Wow! Und ich dachte schon die Eröffnung, dass Jackson und Ethan geheiratet hätten und nun auf Familie machen wollen, wäre das Coming Out des Abends. Aber das hier hatte ich nicht kommen sehen.“ sagte Stiles lachend, nachdem er seine Stimme wiedergefunden hatte:
 

„Das ist leider überhaupt nicht witzig.“ murrte Derek ein wenig verschnupft. Dann stutzte er: „Jackson und Ethan? Ist nicht wahr!“
 

„Doch wahr! Und nun wollen sie auch noch ein Baby. Ich schätze sie können sich nur noch nicht einigen, wer von beiden es austragen und sich damit die mädchenhafte Figur ruinieren soll, oder so?“ ätzte Stiles, der noch weit davon entfernt war, den beiden Mobbern zu verzeihen und ihnen ihr privates Glück zu gönnen.
 

Derek musste nun ebenfalls lachen:

„Das ist die andere Sache, die ich immer an dir gemocht habe: Du bist witzig!“ Doch dann wurde der Profisportler wieder ernst: „Ich schätze, so etwas dass diese beiden haben, werde ich wohl niemals erleben? Oder zumindest nicht, solange ich im Licht der Öffentlichkeit stehe. Nun muss ich erst einmal sehen, wie ich diesen Mistkerl zum Schweigen bringe, der mich erpresst.“
 

„Hast du ihm schon etwas gezahlt?“ wollte Stiles wissen.
 

Derek schüttelte den Kopf:

„Er hat mir eine Frist bis zum Ende der nächsten Woche gesetzt, um Hunderttausend Dollar an einem vereinbarten Ort abzulegen.“
 

Stiles pfiff durch die Zähne:

„Hunderttausend? Der Kerl macht wirklich keine halben Sachen. Ich schätze, solch eine Summe ist nicht einmal für jemanden wie dich eine Kleinigkeit, richtig?“ Er machte eine kurze Denkpause und wollte dann wissen: „Und was ist auf dem Video zu sehen? Wirklich bloß ganz normaler Sex, oder sagen wir mal, irgendetwas... Außergewöhnliches?“
 

„Etwas Außergewöhnliches? Was meinst du denn damit?“ fragte Derek aufbrausend: „So etwas wie mich in einem Lederharness, der die Reitgerte schwingt? Oder ich, wie ich in Frauenunterwäsche herumtänzele? Nein! Einfach nun zwei Kerle, die sich amüsieren. Basta!“
 

„Hey Mann, beruhige dich!“ erwiderte Stiles beschwichtigend: „Ich wollte dir doch nichts unterstellen, sondern nur verstehen, wie der Typ auf eine solch horrende Summe kommt. Und ganz nebenbei bemerkt: Selbst wenn du auf irgendetwas Besonderes stehen würdest, bei mir gibt es kein Kink-Shaming. Was erwachsene Menschen einvernehmlich miteinander anstellen, sollte wirklich niemanden stören.“
 

Derek knetete seine eigene Stirn, als habe er Kopfschmerzen. Sein Blick haftete am Boden und er wirkte ein wenig wie in sich selbst versunken:

„Tut mir leid, dass ich dich so angeblafft habe. Du kannst ja nichts dafür, dass mir das gerade passiert. Und du hast natürlich recht, jeder darf machen was ihm Spaß macht und es sollte keine große Sache sein. Ich bin vielleicht bloß ein bisschen spießig, denn das was Jackson und Ethan da heutzutage haben, klingt wie ein schöner Traum für mich, auch wenn es mir selbst wohl nie vergönnt sein wird.“
 

Einem Impuls folgend, nahm Stiles Dereks Hand in seine eigene:

„Das ist überhaupt nicht spießig. Ich kann diese Sehnsucht gut nachvollziehen. Und es kann irgendwann auch für dich so sein. Der einzige der es dir wirklich verwehren könnte bist du doch selbst, Derek.“ Sein Gegenüber schaute ihn an und kurz war da so etwas wie Hoffnung in seinem Blick. Stiles fuhr fort: „Und nun sag´ mir, wie ich dir helfen kann.“
 

Derek zuckte mit den Schultern:

„Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, ob mir überhaupt jemand helfen kann? Ich schätze, ich habe wohl jemanden gewollt, mit dem ich über das alles einmal sprechen kann. Ich habe bislang noch keiner einzigen Menschenseele erzählt, dass ich schwul bin.“
 

Stiles stutzte:

„Und da bin ausgerechnet ich der Auserwählte? Also nicht, dass ich mich nicht geehrt fühlen würde, aber wäre deine Cousine, die mit einer Frau liiert ist, nicht die naheliegendere Alternative? Oder was ist denn mit deinem Onkel Peter? Ist der nicht bisexuell? Die beiden würden es doch mit Sicherheit verstehen und dir liebend gern zuhören.“
 

Derek nickte:

„Ja, das würden sie wohl. Und ich denke was mich bis heute zurückgehalten hat war die Tatsache, dass sie mir so nahe stehen. Ich meine... ich konnte es mir ja den größten Teil meines Lebens nicht einmal selbst eingestehen, wie ich wirklich bin. So ein Familien-Coming-Out als erster Schritt hätte mich irgendwie überfordert, schätze ich. Außerdem habe ich dich ausgewählt, weil du damals so mutig und stolz gewesen bist. Ich habe dich in der Schule wirklich dafür bewundert.“
 

„Du hast WAS?“ fragte Stiles ungläubig: „Niemand hat mich damals bewundert. Ich war bloß der Punchingball für selbstwertgestörte Mobber. Die Schwuchtel, die man herumschubsen konnte.“
 

„Stimmt nicht!“ widersprach Derek: „Du warst mutig, selbstbewusst, hast dir von niemandem etwas sagen lassen. Du magst körperlich dem ein oder anderen unterlegen gewesen sein, schmal und schlacksig wie du damals warst, aber du warst schlau, schlagfertig und selbstbewusst und damit hast du bei den Bullies sicherlich nachhaltigeren Eindruck gemacht, als sie es bei dir mit irgendwelchen dämlichen Beschimpfungen oder sogar mit ihren Fäusten gekonnt hätten.“
 

Stiles spürte, wie sich Wärme in seiner Brust ausbreitete. Es tat gut, dass der Junge, der er damals gewesen war und es schwer gehabt hatte, offensichtlich von jemandem gesehen worden war:

„Es war nicht leicht damals. Ich habe mich oft ganz schön allein gefühlt. Und das, obwohl ich Malia, Scott und natürlich auch meinen Dad gehabt habe. Vielleicht wäre alles leichter gewesen, wenn ich zu dieser Zeit bereits einen Freund gehabt hätte, jemanden der an meiner Seite steht und das mit mir durchkämpft?“ murmelte er, versunken in seine Erinnerungen:
 

„Tut mir echt leid für dich.“ erwiderte Derek und berührte ihn mit einer unbeholfenen Trostgeste an der Schulter:
 

„Is´ schon in Ordnung. Das ist ja alles schon sehr lange her.“ erwiderte Stiles und straffte sich, um diese unangenehmen Erinnerungen loszuwerden: „Seit wann weißt du denn eigentlich schon, dass du schwul bist.“
 

„Ich habe es eigentlich immer schon gewusst.“ gab sein ehemaliger Mitschüler zurück:
 

„Aber... du hattest Freundinnen? Viele Freundinnen? Die Mädchen haben dich geliebt?“ erwiderte Stiles erstaunt:
 

„Ja, das stimmt. Und ich fand es toll, dass sie mich toll fanden. Ich konnte mich dahinter wunderbar verstecken, ein Image aufbauen, welches mit der Realität absolut nichts zu tun hatte. Ich war eben nicht so mutig und unbeugsam wie du.“ bekannte Derek ehrlich:
 

„Aber wie ging das? Ich meine, diese Mädchen haben doch sicherlich auch irgendeine Form von... Performance von dir erwartet? Wie hast du das hingekriegt? Damals als Malia und ich es einmal für kurze Zeit miteinander versucht haben, wurde mir schnell klar, dass ich das einfach nicht bin.“ wollte Stiles wissen.
 

Derek lachte, doch es klang bitter:

„Es hat eben nicht funktioniert, oder zumindest nicht gut. Darum waren es ja so viele Mädchen, denn die schlauen unter ihnen schnell durchschaut haben, dass sie von mir emotional nicht das bekommen können, wonach sie gesucht haben. Und was es das körperliche, also die „Performance“ angeht... da habe ich dann eben an etwas anderes gedacht und es einfach durchgezogen, so gut es ging.“
 

„An etwas anderes gedacht? An was zum Beispiel?“ fragte Stiles ratlos:
 

„An den Jungen, in den ich damals heimlich verliebt war.“ erwiderte Derek kleinlaut.
 

Stiles grinste:

„Und wer war es? Spuck´s aus! Kenne ich ihn? War es Danny? Boyd? Oder vielleicht Theo? Wir hatten ja einige so Hotties in unserem Jahrgang.“
 

„Es war keiner von ihnen.“ stellte Derek klar. Und beinahe flüsternd schob er hinterher: „Du warst es, Stiles. Ich war total verknallt in dich.“
 

Stiles blieb einen Moment der Mund offen stehen. Dann begann er laut zu lachen und erwiderte:

„Na das haben wir ja echt verkackt! Denn ich war damals total verknallt in DICH, Mann!“
 

Nun musste auch Derek lachen, nahm einen weiteren großen Schluck aus der Champagnerflasche und reichte diese an Stiles weiter.

Coming Out - Teil 2

Ein Schweigen war zwischen den einstmaligen Schulkameraden entstanden – kein unangenehmes, lediglich eines, welches von Nachdenklichkeit herrührte. Schließlich war es Stiles, welcher die Stille mit der Frage durchbrach:

„Denkst du, aus uns beiden hätte damals etwas werden können, wenn einer von uns den Mut gehabt hätte, etwas zu sagen.“
 

Mit einem traurigen Lächeln erwiderte Derek:

„Auch wenn die Vorstellung mir gefällt, fürchte ich, dass ich dafür damals einfach noch nicht dazu bereit gewesen wäre.“
 

„Schade.“ gab Stiles achselzuckend zurück: „Mir würde es vielmehr gefallen, wenn ich heutzutage die Geschichte darüber erzählen könnte, wie ich meine Unschuld mit diesem unglaublich süßen Jungen aus meinem Jahrgang verloren habe, in den ich furchtbar verliebt gewesen bin und nicht bei einem Blow Job mit irgendeinem wildfremden Typen Anfang vierzig, dessen Namen ich nicht einmal erfahren habe, auf dem Klo des „Jungle“.“
 

„Immerhin war es in deinem Fall mit einem Kerl und keine schnelle; und ich meine WIRKLICH SCHNELLE, für beide Seiten enttäuschende Nummer mit einem Mädchen.“ seufzte Derek.
 

„Denkst du eigentlich, dass dein Erpresser seine Drohung tatsächlich wahrmachen wird?“ wechselte Stiles das Thema: „Wie gut kennst du ihn überhaupt?“
 

„Das ist genau das Problem, ich kenne ihn überhaupt nicht und kann daher gar nicht einschätzen, was er tun oder nicht tun würde. Ich habe ihn in einem Club getroffen und hatte nicht das Gefühl, dass er mich überhaupt erkannt hätte. Ich kam mir auch furchtbar schlau vor, denn ich hatte mich ein wenig... sagen wir mal verkleidet, hatte den Bart abrasiert, ein Cappy und eine Sonnenbrille aufgesetzt. Ich dachte wirklich, ich könnte einen Abend lang ein ganz normaler Kerl sein, tanzen, Spaß haben, in der Menge untertauchen, vielleicht ein wenig flirten und dann am Ende allein nachhause gehen.“ Derek klang niedergeschlagen: „Und dann tanzt mich dieser süße Typ an, wir trinken etwas, quatschen ein wenig und schließlich fragt er mich, ob ich mit ihm nachhause gehen will. Ich habe ziemlich lange das Leben eines Mönchs geführt, verstehst du Stiles? Gerade weil ich solch eine Situation immer vermeiden wollte, in der ich kompromittiert werden könnte. Aber ich... ich hatte einfach Lust, also bin ich mit ihm gegangen. Ach verdammt, nur ein einziges Mal bin ich unvorsichtig und dann passiert mir so etwas!“
 

„Hey Mann, du hast dir überhaupt nichts vorzuwerfen, okay?“ erwiderte Stiles sanft: „Du hast nichts falsch gemacht. Es ist vollkommen legitim, dass du dich ein wenig amüsieren möchtest. Du bist ein junger, gesunder Mann mit Bedürfnissen, daran ist nichts falsch. Es ist bloß mies, dass dieser Mistkerl dich so ausnutzen will. Das macht mich verdammt sauer.“
 

Derek ließ den Kopf hängen und bekannte leise:

„Also, alles was ich fühle ist Scham.“
 

Stiles brach es das Herz, den ehemaligen Schulkameraden so zu sehen. Ohne groß darüber nachzudenken was er da überhaupt tat, legte er dem Größeren sanft die Hand in den Nacken, eine im Grunde viel zu vertraute Geste für zwei Menschen, die sich ewig nicht gesehen hatten und im Grunde niemals wirklich Freunde gewesen waren:

„Das solltest du nicht, Derek. Wirklich nicht!“ versicherte er sanft.
 

Derek hob den Kopf und als ihre Blicke sich trafen, veränderte sich schlagartig etwas zwischen ihnen. Da war plötzlich so eine eigenartige Energie, ein Flirren der Luft, eine unwiderstehliche Anziehung:

„Es ist ein bisschen verrückt, aber ich.. uhm... würde dich gerade echt gern küssen.“ raunte Derek, doch sogleich wirkte er von seinem eigenen Impuls verunsichert und machte Anstalten, sich von Stiles zu entfernen. Dieser hatte jedoch immer noch seine Hand in dessen Nacken, ließ ihn nicht gehen, sondern zog ihn im Gegenteil noch enger zu sich heran, nah genug, dass er seine Lippen mit denen Dereks verschließen konnte.
 

Ihr Kuss begann vorsichtig, zurückhaltend, sanft, doch bald schon verloren die beiden Männer ihre Unsicherheit und es wurde hitzig, verlangend, beinahe ein wenig ungestüm. Und schon suchten sich ihre Hände einen Weg unter die Kleidung des anderen und sie kamen sich nah, näher, bis schließlich kein Blatt Papier mehr zwischen sie passte. Einen Moment lang schien es, als sei alles möglich.
 

Doch so plötzlich wie es begonnen hatte, endete es auch wieder, oder genauer gesagt wurde es von Stiles beendet:

„Gütiger Himmel, was war das denn?“ fragte er atemlos: „Was passiert hier gerade?“
 

„Tut mir leid.“ murmelt Derek ein wenig geknickt.
 

Da musste Stiles ein wenig lachen:

„Wieso entschuldigst du dich denn? Immerhin habe ich DICH geküsst. Und ich fand´s schön, bloß damit wir uns nicht falsch verstehen. Es ging mir dann aber plötzlich alles ein bisschen schnell und ich hatte das Gefühl, die Bremse ziehen zu müssen. Aber ich hätte nichts dagegen, bald daran anzuknüpfen. Wenn wir zurück in San Francisco sind, gehen wir ja vielleicht einmal aus, essen etwas, anschließend ein Kino- oder Theaterbesuch und dann... sehen wir weiter?“ Plötzlich verunsichert schob er hinterher: „Also nur wenn du interessiert wärst selbstverständlich.“
 

Derek Lächeln in diesem Moment war so spektakulär, dass Stiles ein wenig die Knie weich wurden:

„Ich wäre interessiert. Sehr sogar!“ bestätigte er und verschränkte seine Finger mit denen von Stiles.
 

„Also gut, abgemacht!“ erwiderte der Schriftsteller erleichtert: „Und nachdem das geklärt wäre, möchte ich dir ein anderes Angebot machen: Ich helfe dir, diesen Kerl zu schnappen, der dich erpressen will. Wir finden einen Weg, ihm das belastende Material abzunehmen und du kannst wieder in Ruhe durchatmen. Wie klingt das?“
 

„Das klingt wunderbar. Ich wäre dir sehr dankbar für deine Hilfe.“ bestätigte Derek.
 

Stiles blickte zunächst an Derek und dann an sich selbst im Schein des Mondlichts herab und stellte dann kichernd fest:

„Wir sollten zu den Anderen zurückkehren, aber davor sollten wir unsere zerwühlte Kleidung in Ordnung bringen, damit es kein Gerede gibt. Wir Zwei sehen aus wie Highschoolschüler, die nach dem Abschlussball am Aussichtspunkt noch ein wenig in Dads Wagen rumgemacht haben.“
 

„Ein bisschen war es ja auch so.“ gab Derek lachend zurück und steckte sein Hemd wieder ordentlich zurück in seine Hose. Nachdem sie beide wieder anständig angezogen waren, traten sie gemeinsam den Rückweg an.



Fanfic-Anzeigeoptionen

Kommentare zu dieser Fanfic (5)

Kommentar schreiben
Bitte keine Beleidigungen oder Flames! Falls Ihr Kritik habt, formuliert sie bitte konstruktiv.
Von:  CharlieBlade1901
2024-12-03T17:01:22+00:00 03.12.2024 18:01
Nero: ,,Puh na die gehen aber in die vollen. Will mehr brauche mehr."
Stiles: ,,Nero..."
Nero: ,,Keine Sorge ich lass euch weiter machen. Ich bin gar nicht da."
Antwort von:  GingerSnaps
03.12.2024 18:43
Jetzt ist erst mal Cool Down angesagt. XD
Von:  CharlieBlade1901
2024-11-10T12:09:18+00:00 10.11.2024 13:09
Nero: ,,Alter Derek du warst der beliebteste Junge der Schule, der auf die Meinung anderer ein Scheiß gibt. Wärst du damals mit ihm zusammen gekommen, wäre nichts passiert. Ganz ehrlich ich hätte es durch gezogen. Männer!"
Stiles: ,,Du bist doch selbst ein Mann."
Nero: ,,Beweis es!"
Stiles: ,,...."
Nero: ,,Eben! Und jetzt datet euch."
Antwort von:  GingerSnaps
10.11.2024 13:52
Finde ich super, wie du dich in meine Story integrierst. XDDD

Aber gerade wenn man besonders beliebt ist so wie Derek, hat man eben auch viel zu verlieren, wenn man etwas rieskiert, oder nicht?
LG, Ginger
Antwort von:  CharlieBlade1901
10.11.2024 16:34
Naja durch die Serie weiß ich ja wie es an ihrer Schule abging war bei mir und meinem schwulen besten Freund nicht besser damals, weil er auch dafür gemobbt wurde und sie ihn sogar einmal auf der Schule abfingen und ihn nackt auszogen und er so nach Hause musste. Er sagt mir sogar heute noch wäre ich damals nicht gewesen, hätte er sich vermutlich vor den Zug geworden, wie er es schon oft machen musste. Und ich hab ihn oft gesagt, was andere wollen wie er ist, kann ihm am arsch vorbei gehen, es ist wichtig, dass er weiß wie er sein will, solange er damit leben kann. Und so ist es bei Derek auch. Egal ob er ein erfolgreicher Sportler ist oder nicht, aber wenn er nicht ehrlich zu sich selbst sein kann und zu andern, kann es zu einer schweren tiefgreifenden Depression führen und auf diese weiße, haben wir auch schon gute Sportler verloren. Ja der Sport von heute ist immer noch Homophob, aber der Verein muss sich auch bewusst sein, dass sie nicht nur ihren besten Sportler verlieren, sondern auch Geld, Verträge, Geldgeber und so weiter. Deswegen muss man schule Sportler auch unterstützen und nicht entlassen
Antwort von:  GingerSnaps
10.11.2024 18:11
Ja, du hst recht, in der Serie ging es sehr queerfreundlich zu, auch in deren Schule und das ist wunderbar. Aber in meiner Story laufen die Dinge etwas anders. Zwei Themen sind mir beim Schreiben wichtig, einmal die Mobbingerfahrung, die wir als queere Personen in der Schule oft machen, zum anderen die Homophobie im Profisport. Und gerade weil du diese Erfahrungen schilderst, die du und dein bester Freund gemacht habt (und ich auch) finde ich es wichtig, dass es nicht nur positive Bespiele in Film und Literatur gibt, sondern auch solche, die abbilden, was viele von uns in ihrer Jugend und auch noch später im Leben aufgrund ihrer sexuellen Identität durchmachen müssen.
Antwort von:  CharlieBlade1901
10.11.2024 23:13
Versteh ich total ich mein ich hab mich zwar jetzt auch als Asexuell geoutet, aber meine Eltern die hatten komplettes Verständnis dafür und meine Freunde kommen voll und ganz damit klar, dass ich so bin mein bester Freund der wohnt jetzt zwar leider in Berlin, weil seine Eltern ihn damals deswegen auch raus geworfen haben, aber wir haben immer noch Kontakt. Der hat auch gesagt, dass er schon immer wusste, dass ich was spezielles an mir habe. Einfach weil ich immer schon ein offener Mensch bin.

Von mur aus kannst du die Geschichte Mut Derek und Stiles machen was du willst, bist nicht der/die Erste, der/die ne Lovestory von den beiden reinpackt, bei denen ich mir sehr gerne gewünscht hätte, dass es in der Serie auch passiert wäre. Aber ich verlange zumindest ein Date und dass die beiden intim werden.
Antwort von:  GingerSnaps
11.11.2024 06:13
Ich weiß nicht, ob du meine vielen anderen STEREK-Geschichten kennst, aber ich glaube, du kannst da auf etwas hoffen... ;-)
Von:  CharlieBlade1901
2024-11-04T10:54:10+00:00 04.11.2024 11:54
Jetzt mal abgesehen von Scotts überredungskunst, mach Stiles alles richtig. Ich geh auch nicht zu Klassentreffen. Und die Einladungen verbrenne ich bis heute mit dem Feuerzeug meines Vaters. Stört es mich? nein! Bin ich scharf drauf meine ehemaligen Kameraden wieder zusehen? Kein Stück! Muss ich ihnen meinen Erfolg unter die Nase reiben? Absolut nicht!
Antwort von:  GingerSnaps
04.11.2024 13:34
Das kann ich gut verstehen. Ich muss die Pappnasen von damals auch nicht unbedingt wiedersehen.
Aber in Stiles Fall könnte es dieses Mal die richtige Entscheidung gewesen sein, hinzugehen... ;-)


Zurück