Prolog
Der Himmel über Shinjuku war in den letzten Tagen klar gewesen, ohne Wolken, Nebel oder irgendetwas, das ihn hätte trüben können. Doch heute war alles anders. Ein Licht, das über dem Stadtteil erschien, erregte die Aufmerksamkeit aller. Die uniformierten Polizisten drängten die Schaulustigen hinter die Absperrung, aber sie ließen sich kaum vertreiben. Immer wieder blickten sie nach oben zum Himmel. Dieses Licht sah beinahe aus wie ein Spalt, ein tiefer Schnitt im Himmel. Aber was drohte hervorzuquellen? Seltsame Muster waren auf der anderen Seite zu erkennen, aber niemand konnte sich einen Reim darauf machen.
Plötzlich sahen viele etwas Rötlich-Silbernes hoch in den Himmel fliegen. Konnte das eine Person sein? Nein, unmöglich. Ein Mensch wäre nicht dazu in der Lage gewesen. Die Figur wirkte wie ein Ritter mit Umhang und großer Lanze. Er positionierte sich unter dem Spalt und blickte nach oben. Dann zog er erneut los und flog in den Spalt hinein.
Es dauerte nicht lange, bis eine Reaktion folgte und der Spalt begann zu glühen. Er schloss sich langsam und bald war der Himmel wieder in Dunkelheit gehüllt. Kein Anzeichen mehr, dass dieses unbekannte Phänomen Shinjuku heimgesucht hatte. Alle schienen wieder sicher zu sein. Nur was war mit dem heldenhaften Ritter geschehen?
Akt 1
Sie war der Kellnerin bereits öfter aufgefallen. Stets hatte sie am selben Tisch Platz genommen und denselben Eiskaffee und dasselbe Parfait bestellt. Irgendwie war ihr die junge Frau sympathisch. Ihr feuerrotes Haar, das hinten zusammengebunden war, die coolen herzförmigen Ohrringe und die Biker-Jacke. Scheinbar schien das Motorrad draußen ihr zu gehören.
Sie war stets alleine gekommen, die Frau hatte sie noch nie mit Freunden gesehen. War sie einsam? Die Kellnerin wies sich an, solche Gedanken zu unterlassen. Es stand ihr nicht zu, solche Beurteilungen zu treffen. Alles, was sie zu tun hatte, war, ihr die Bestellung zu bringen.
Lächelnd kehrte sie an den Tisch zurück und stellte das Glas ab. Ein karges "Danke", dann ergriff sie das Glas. Mehr hatte die Kellnerin nicht erwartet. Doch als sie im Begriff war umzukehren, hielt die Frau sie zurück.
"Haben Sie hier Rolläden oder ähnliches?", wollte sie nun wissen.
Diese Frage überraschte die Kellnerin doch recht. Ihres Wissens war dies zumindest nicht der Fall, weshalb sie den Kopf schüttelte.
Die Frau zuckte mit den Schultern. "Dann wird wohl die Versicherung reichen müssen.", murmelte sie und hielt sich eine Hand an ihr Ohr.
Die Kellnerin wollte schon nachhaken, da hatte die Frau erneut zu sprechen begonnen. "Konntest du seinen Standort inzwischen ausmachen? Versuch es zu erledigen, bevor es zu großen Schaden anrichten kann."
Das verwirrte die Angestellte nur noch mehr. "Erledigen? Wovon sprechen Sie bitte?"
Die Frau mit den feuerroten Haaren seufzte. "Hab nicht mit Ihnen geredet.", stellte sie klar.
Bevor sie noch nachhaken konnte, geschah es auch schon. Draußen auf der Straße gab es einen lauten Knall. Alle Gäste reckten ihre Köpfe in jene Richtung. Dort schien der Beton der Straße aufgebrochen zu sein und ein großes Loch hatte sich gebildet.
Ungläubig starrten sie auf das Ungetüm, das nun aus dem Loch sprang. Es war ein bräunliches, drachenähnliches Wesen mit einem langen Schwanz. An dessen Spitze schien eine Art Bohrer zu prangen. So musste das Loch entstanden sein.
Doch es war nicht alleine. Von einem der Dächer sprang eine gelbe Gestalt. Sie erinnerte an einen Fuchs auf zwei Beinen. Doch sie schien dem Drachen feindlich gesinnt zu sein. Es griff den Gegner nun an, welcher zurückwich. Jedoch nicht lange, denn mit seinem Schwanz richtete es einige Verwüstung an. Mehrere Fahrzeuge mussten daran glauben.
Der Fuchs griff erneut mit einer Art Blitz aus Blättern an, doch ohne Erfolg.
Die rothaarige Frau seufzte. "Deine Angriffe bringen nichts. Der Gegner ist Earthdramon, Level Champion, Erd-Digimon. Du kannst also davon ausgehen, dass es recht robust ist. Ich hatte dir auch aufgetragen, den Index zu studieren, um auf jeden Gegner vorbereitet zu sein, oder?", kritisierte sie.
Eine Stimme erklang, scheinbar aus dem Gerät, das sie sich ins Ohr gesteckt hatte. "Rika! Es gibt ziemlich viele Arten von Digimon, weißt du? Von mir zu verlangen, die Eigenschaften jedes einzelnen auswendig zu lernen..."
Doch seine Tamerin schien das nicht durchgehen zu lassen. "Keine Ausreden, klar? Ich habe das doch auch hinbekommen. Aber wenn du mir sagst, dass ich viel klüger bin, gerne."
Dann erhob sie sich, kramte in ihrer Tasche und legte ein paar Münzen auf den Tisch. "Stimmt so.", wandte sie sich an die Kellnerin und setzte sich in Bewegung.
Sie verließ das Café und trat auf die Straße. Renamon versuchte immer noch, den Schwanzattacken des Gegners auszuweichen. Jetzt ergriff es diesen, was aber nur damit endete, dass das Digimon durch die Luft gewirbelt wurde.
Rika seufzte erneut. "Na schön. Eigentlich solltest du so einen Gegner spielend in deiner Base-Form erledigen können. Wir müssen echt mal wieder trainieren."
Nun holte sie ein Gerät hervor und hielt es in die Luft. Gerade noch rechtzeitig, denn der Gegner hatte Renamon eingeholt. Dieses begann nun zu leuchten. "Renamon digitiert zuuuu... Kyubimon!"
Das Digimon hatte sich zu einem neunschwänzigen Fuchs verwandelt und war nun viel weniger anfällig für die Schwanzhiebe des Gegners.
"Erledige es, bevor es hier alles in Schutt und Asche legt!", trug ihr seine Tamerin auf.
Kyubimon sprang nun in die Luft und jedes seiner Schwanzenden begann bläulich zu brennen. "Neinköpfige Flamme!"
Sofort trafen mehrere Flammen den Erddrachen und dieser wurde zu Boden geschleudert. Regungslos verblieb er in seiner Position.
Kyubimon überprüfte ihn, bevor es zurückdigitierte. Es schien gerade der richtige Augenblick gewesen zu sein. Im nächsten Moment erklangen die Sirenen von mehreren Einsatzfahrzeugen. Einige parkten zum Eingang der Straße und bauten Barrikaden auf. Andere kamen direkt am Tatort zum Stehen.
Mehrere in Schwarz gekleidete Personen stiegen aus und begannen, die Umgebung zu sichern. Keiner der Zeugen wagte sich aus den Geschäften, auch wenn Rika sicher war, dass sie wieder mal auf irgendwelchen sozialen Medien auftauchen würde. Dabei mochte sie es gar nicht, fotografiert zu werden.
Die Tür des Front-Fahrzeugs ging nun auf und ein junger Mann mit blauen Haaren stieg aus. Neben ihm ein kleines Wesen, ebenfalls in einem für es zugeschneiderten Anzug. Es trug sogar eine Sonnenbrille.
Der Anführer der Truppe, ein Mann mit Brille und Kurzhaarschnitt, wies auf das Digimon. "Sofort sichern und Bereich absperren!"
Zwei Agenten richteten nun ein Gerät auf Earthdramon, das einen Strahl abgab und die Daten des Digimon zu absorbieren schien. So konnte es sicher transportiert werden, bis man es zurück in die DigiWelt schicken konnte.
"Ihr braucht mal wieder echt lange.", glaubte Rika sagen zu müssen, als Henry und Terriermon bei ihr angekommen waren.
"Sorry, standen im Stau.", entschuldigte sich der junge Agent.
Rika verkniff sich einen Kommentar, dass dies mit der Kolonne an Kleinwagen auch nicht anders zu erwarten war. Aber man konnte sich wohl nicht aussuchen, wo Digimon in der realen Welt landeten.
Terriermon streckte eines seiner Ohren in Richtung Renamons. "Sehr gut gemacht, Hilfsagent Renamon. Dein Senpai ist stolz auf dich."
Mit verschränkten Armen sah der Fuchs auf das Digimon hinab. "Wen nennst du hier Hilfsagent. Ich habe die ganze Arbeit gemacht."
Terriermon ließ sein Ohr wieder sinken. "Also dann, ihr schafft den Rest schon."
Rika nickte und stolzierte zu ihrem Motorrad. Der Agent mit der Brille eilte zu ihr. "Äh, Fräulein Makino, wir bräuchten dann noch Ihren Bericht zu dem Vorfall."
Doch diese hatte bereits ihren Helm übergestülpt. "Nö, kein Bock.", meinte sie und startete dann ihre Maschine. Sie düste los und auch Renamon begann sich in Bewegung zu setzen. Es sprang von Dach zu Dach, um seiner Tamerin zu folgen.
Der Mann mit der Brille seufzte. Henry legte ihm eine Hand auf die Schulter. "Machen Sie sich nichts draus, Takagi. Nicht jeder wird schnell mit ihr warm."
Dieser nickte und kümmerte sich dann wieder um die Sicherstellung des Bereichs. Henry trat näher an das Loch, das Earthdramon verursacht hatte. Terriermon folgte ihm. "Irgendwas wirkt seit einiger Zeit anders, was die Digimon betrifft.", murmelte er dann.
Sein Partner spitzte die Ohren. "Meinst du? Mir kommt es nicht so vor, als wären es mehr Digimon als sonst."
Henry nickte. "Das nicht, aber darauf wollte ich auch nicht hinaus. Das Verhalten wirkt anders. Aber vielleicht bilde ich mir das auch bloß ein."
Vermutlich machte er sich wirklich Gedanken um nichts. Während der zerstörte Bereich abgesichert wurde, kümmerte sich der Rest von NYX, eine Abteilung, die dem Büro für Öffentliche Sicherheit unterstellt war und die extra auf Bedrohungen durch Digimon spezialisiert war, um die Zeugen. Vertuschen ließen sich diese Angriffe freilich nicht mehr, darum war ihre Abteilung auch nicht mehr geheim.
Die Existenz von Digimon war bekannt, doch dass diese direkt in der Stadt auftauchten, war bedenklich. Die direkten Angriffe der Deva und des D-Reapers hatten die Bevölkerung verschreckt. Dabei besaßen die meisten verwirrten Digimon keinerlei bösen Absichten. Sie waren versehentlich in die reale Welt geraten und ihre Aufgabe war es, sie ohne größtmögliche Schäden wieder einzusammeln und zurückzuschicken.
Meist waren es kleinere Exemplare, manchmal aber auch Problemfälle wie Earthdramon. Zum Glück war Rika in der Nähe gewesen, Henry hätte es niemals rechtzeitig geschafft. Verletzte unter der Zivilbevölkerung zu vermeiden, besaß höchste Priorität. Bald war das Gebiet geräumt und alle Zeugen fortgebracht worden. Die Schäden würde eine Baufirma beheben. Sie rückten ab, als ihre Arbeit hier erledigt war. Henry beschäftigte das Ganze aber noch eine Weile.
Akt 2
Die Arbeit des Strike-Teams der Abteilung war beendet. Als sie in das Hauptgebäude von NYX zurückkehrten, übergaben sie den Behälter mit Earthdramon an das Team, das für die Rückführung verantwortlich war. Dieses würde einen sicheren Kanal zur DigiWelt öffnen und das Digimon nach Hause bringen.
Als er und Takagi ins Büro zurückkehren, erwartete sie bereits ihr Vorgesetzter. Ein blonder Mann, ebenfalls mit Anzug und Sonnenbrille. Als Henry ihn erblickte, war er froh, dass die Zeiten vorbei waren, in denen sie Digimon einfach nur löschten. Jedoch war ihm bewusst, dass sich dies jederzeit ändern konnte. Der Schutz der Bevölkerung stand an erster Stelle. Würde die Bedrohung zu groß werden, würden die Politiker entscheiden, dass menschliches Leben Priorität hatte. Dann hätte selbst Henry nichts mehr mitzureden, egal was er bisher alles geleistet hatte.
„Und? Ist der Einsatz problemlos verlaufen?“, fragte der Direktor von NYX. Henry nickte. „Ja, auch wenn die meiste Arbeit bereits von Rika erledigt wurde. Ich wollte keine falschen Lorbeeren annehmen“, sagte der Tamer.
Der Direktor nickte. „Ich nehme an, du hast es immer noch nicht geschafft, sie zu rekrutieren.“ Henry rang sich ein Schmunzeln ab. „Da ist es leichter, eine Katze zum Veganismus zu bewegen, glauben Sie mir, Yamaki-san.“
Dieser verzog selbst leicht die Lippen. Ihm waren die Umstände natürlich bekannt. „Solange sie uns unterstützt und dafür nicht einmal Geld verlangt, kann uns das ja nur recht sein.“ Zumindest wusste er, wo seine Prioritäten lagen.
„Aber gut, ich hätte da noch einen anderen Job, um den du dich kümmern könntest“, sagte er dann. Der Tamer seufzte. „Kann das nicht Takagi erledigen? Ich wollte noch mit meinem Vater sprechen“, erklärte er. Doch Yamaki musste ihn enttäuschen. „Nein, es handelt sich um eine Angelegenheit, die einen Tamer verlangt.“
Henry horchte auf. „Wie? Ich habe keine Mitteilung über ein weiteres aufgetauchtes Digimon erhalten.“ Der Direktor lockerte den Kragen seines Anzugs. „Nun, es handelt sich um ein Digimon, das bereits seit einiger Zeit in der Menschenwelt verweilt“, erklärte er.
Sofort ließ Henry den Kopf hängen. Er verstand, worauf sein Vorgesetzter hinauswollte. Und es war auch nichts, das er einfach Rika aufschwatzen konnte. „Verstehe, ich kümmere mich darum“, versprach er. Yamaki dankte ihm und kümmerte sich wieder um andere Aufgaben. Henry setzte seinen Weg fort und klopfte an die Tür des Büros seines Vaters. Dieser bezieht diese Berater-Position bereits seit drei Jahren. Erst war es seltsam gewesen, am selben Ort zu arbeiten wie sein Vater. Doch in erster Linie war dieser ein Experte. Kaum einer besaß so viel Wissen über Digimon, oder digitale Wesen im Ganzen.
Er klopfte an die Tür und wartete auf Einlass. Sein Vater bat ihn herein und begrüßte ihn zurück. Auch Terriermons Ohr schüttelte er überschwänglich. „Ich habe gehört, dass niemand verletzt wurde. Das ist gut“, kommentierte er. Der Tamer stimmte ihm zu. „Ja, aber das war in erster Linie mal wieder Rika zu verdanken. Nun ja, sie ist auch wesentlich mobiler als wir.“ „Wenn nicht, wäre ich natürlich eingesprungen und hätte es dem Digimon gezeigt“, machte Terriermon Boxbewegungen in der Luft. „Davon bin ich überzeugt. Aber ihr macht auch hervorragende Arbeit, lasst euch das gesagt sein“, sagte Henrys Vater.
Sein Sohn und dessen Partner nickten. „Wir tun unser Bestes. Weshalb wolltest du mich eigentlich sehen?“, wollte er dann wissen. Professor Wong zögerte einen Moment. „Ach, ich... wollte mich nur erkundigen, ob du in letzter Zeit mit Takato-kun gesprochen hast.“ Sofort wich Henry seinem Blick aus. Es wäre ihm lieber gewesen, sein Vater hätte nicht nach seinem Freund gefragt. „Das letzte Mal... war so vor einem Monat. Ich hatte ihm Essen vorbeigebracht, aber... wir haben nicht gesprochen. Er hat mir praktisch die Tür vor der Nase zugeschlagen“, gestand er.
Sein Vater nickte bedächtig. „Er kontaktiert mich regelmäßig, ob es bereits Fortschritte zu... du weißt schon, gibt. Aber ich weiß nie, was ich ihm sagen soll.“ Henry verstand. „Gut, ich rede mit ihm, wenn sich die Gelegenheit bietet“, versicherte er. Mehr schien der Berater auch nicht zu wollen.
Nun mussten sich Henry und Terriermon aber noch einem anderen Problem widmen. Es klingelte an der Tür von Takatos Wohnung. Takato hasste dieses Geräusch. Dennoch wusste er, dass er aufstehen musste. Der Lieferant würde sonst nur wieder verschwinden und er hätte umsonst gezahlt. Müde kroch er aus dem Bett und eilte auf die Tür zu. „Ja, ja, ich komme ja schon“, rief er und öffnete die Haustür.
Er nahm das Essen entgegen und schloss die Tür wieder ohne große Worte. Er trug die Box in sein Wohnzimmer und warf sie auf den Tisch. Dort hatten sich bereits zahlreiche andere Packungen gesammelt. Auch die Stäbchen hatte er noch nicht entsorgt, welche überall auf dem Teppich verteilt lagen. Das hinderte Takato aber nicht daran, sich weitere aus einer Schublade zu holen und sich über das Essen herzumachen. Am Ende empfand er es als mittelmäßig. Vielleicht sollte er in Zukunft ein anderes Restaurant wählen. Dummerweise war der nächste Supermarkt etwas von seiner Wohnung entfernt, weshalb er selten Lust verspürte, einkaufen zu gehen.
Er erinnerte sich daran, als Henry das letzte Mal hier war. Er hatte sein Essen entgegengenommen, fand es aber beleidigend, dass dieser sich auf ein Gespräch versteifen wollte. Was wusste dieser Kerl überhaupt? Eigentlich gar nichts. Und sein toller Vater wurde auch überschätzt. Es war jetzt zwei Jahre her und er hatte immer noch nichts herausgefunden. Zwei Jahre seit dem Zwischenfall in Shinjuku.
Takato hatte versucht, selbst etwas zu unternehmen, doch wozu war er allein schon imstande? Er war weder Wissenschaftler noch Programmierer. Sich auf andere zu verlassen, erwies sich jedoch ebenfalls als Fehler. Er schlang sein Essen hinunter und legte sich dann wieder in sein Bett. Er war müde.
Henry hatte sich gerade von Ai und Mako verabschiedet, die beide ihre Köpfe zur Entschuldigung gesenkt hatten. Der Tamer hob jedoch abwehrend die Hände. Terriermon hatte vor dem Grundstück gewartet und sah diesen erwartungsvoll an.
„Sie wissen leider nicht wo er gerade steckt.“, sagte er.
Das Digimon im Anzug überlegte kurz.
„Gut, dann überlass den Rest mir.“, meinte es und nutzte seine Ohren als Propeller um aufzusteigen.
Henry folgte seinem Partner, welcher hoch in der Luft die perfekte Übersicht über die Nachbarschaft hatte. Es kreiste noch einige Momente umher, dann sank es wieder zu Boden.
„Ich habe ihn gefunden! Auf dem Spielplatz!“, sagte es Bescheid.
Henry nickte. Eigentlich hätte er sich das auch denken können. Zusammen schritten die beiden eine Gasse entlang und bogen um die Ecke. Dahinter verbarg sich ein Kinderspielplatz, der momentan aber nicht besucht war. Zumindest mit einer Ausnahme. Henry warf einen Blick unter die Rutsche und hatte den Übeltäter gefunden. Auch Impomon stellte sich ihm entgegen.
„Impmon, du bist verhaftet. Im Namen der NYX!“
Das lilane Digimon schlief und hielt sich gähnend eine Hand vor den Mund.
„Wie albern. Denkst du wirklich, du wärst ein richtiger Agent? Nur weil dir dein Tamer so einen albernen Anzug geschneidert hat?“, fragte es provokativ.
Terriermon prustete.
„Natürlich! Denkst du, ich trage ihn nur zum Spaß?“
Doch genau darauf schien Impmon hinausgewollt zu haben.
„Du bist lediglich ein Digimon! Dein Kumpel behandelt dich nur wie einen richtigen Agenten weil er nett sein will.“
Henry seufzte. In Teilen hatte das Digimon zwar recht, doch wie es es rüberbrachte war komplett unangemessen.
„Um Terriermon geht es hier nicht. Wir haben mehrere Meldungen, dass du wieder Unfug gestiftet hast. Vergiss nicht, das NYX lässt sich nur weiter bei Ai und Mako wohnen, wenn du friedlich bist und nicht auffällst. Sollte sich das ändern, könnte dich Yamaki vielleicht wieder in die DigiWelt schicken.“
Impmon sprang empört auf.
„Jetzt langt es aber mal! Ihr tut so, als wärre ich nur ein Störenfried für euch. Aber wenn es mal wieder ernst wird, wer ruft dann immer nach Beelzebumon? Na? Wer hat verhindert, dass Parasimon euch alle kontrolliert? Wer hat euch davor bewahrt, dass Heavymetaldramon mit seinem Lärm eure Ohren zum Platzen gebracht hat? Ich habe euch den Hintern oft genug gerettet.“
Henry setzte sich auf den Boden. Er konnte dem Digimon nicht widersprechen, denn im Grunde hatte es recht. Impmon war stark und konnte selbst ohne Tamer digitieren. Es in der Hinterhand zu haben hatte sich schon oft als nützlich herausgestellt. Aber vielleicht war genau das das Problem. Impmon hielt sich für unantastbar und dachte, es könne sich alles erlauben.
Terriermon griff nun nach der Schulter des Schelms.
„Hör mir mal gut zu, mein Freund. Ich glaube, du unterschätzt uns. Wir können dich an einen Ort bringen, der ganz ganz tief unter unserem Hauptquartier liegt. Und dann werfen wir einfach den Schlüssel weg.“
Impmon lachte los und Henry fasste sich an die Stirn. Er musste darauf verzichten, Terriermon so viele Filme zu zeigen. Er nahm seine Agentenrolle definitiv zu ernst. Es hatte mit dem Anzug angefangen, doch diesen Wunsch hatte er seinem Partner einfach nicht abschlagen können.
„Impmon, hör mal. Wir sind dir sehr dankbar über deine Hilfe. Aber das gilt nur für uns und nicht für die Regierung. Die kann nämlich schnell vergesslich sein wenn es um Verfehlungen geht. Wir wollen dir nur helfen, ok? Glaub mir, ohne uns hätten die längst jemanden geschickt, der dich einfängt und in irgendeinem gesicherten Bereich festhält.“
Das Digimon wich zurück.
„Ich... ich wollte keine Schwierigkeiten machen. Ich weiß ja, dass es viel unangenehmere Typen als euch gibt.“
Henry nickte.
„Dann tu uns den Gefallen und stell weniger Unsinn an, ja? Mako und Ai würden sich bestimmt auch darüber freuen. Ich musste sie heute schon wieder belästigen, sie könnten bestimmt darauf verzichten. Und wir wollen sicher beide nicht, dass das NYX weniger freundliche Agenten schickt.“
Damit schien er Impmon überzeugt zu haben. Das wollte das schelmische Digimon unter keinen Umständen.
„Nein, das wäre ziemlich mies. Gut, ich werde mich in Zukunft zurückhalten, versprochen.“
Henry lächelte und tätschelte dem Digimon den Kopf.
„Dann geh jetzt am besten nach Hause. Mako und Ai machen sich bestimmt schon Sorgen.“
Impmon versprach es und ließ die beiden zurück.
Terriermon brummte.
„Hm. Vielleicht geht es bei Agenten nicht immer nur streng zu sein, sondern auch freundlich.“
Sein Partner lachte.
„Ich werde dich das nächste Mal daran erinnern.“
Nach einem Blick auf die Uhr empfand er, dass es an der Zeit war nach Hause zu gehen.
Dort entledigte sich Terriermon seines Anzugs und schlüpfte schon mal ins Bett. Henry selbst hatte noch einiges am PC zu erledigen. Auch eine E-Mail an Takato verfasste er. Doch er wusste nicht wieso, die restlichen hatte dieser auch noch nicht beantwortet.
Dennoch wollte er einfach nicht aufgeben. Takato war immer noch sein Freund, auch wenn es andersherum inzwischen zweifelhaft war. Schließlich schaltete er sein Gerät aus und wollte ebenfalls zu Bett gehen. Dann meldete sich jedoch sein Smartphone.
Er kannte den Ton und überprüfte es sofort. Er schluckte und wandte sich an Terriermon.
„Kumpel, wir müssen noch einmal los.“
Das Digimon war wenig erfreut darüber.
„Aber... ich wollte pennen.“
Leider musste Henry seinem Partner diesen Wunsch verwehren.
„Komm, zieh dich an. Es scheint ernst zu sein.“
Terriermon war sofort wach. Sein Partner schien in der Tat besorgt zu sein.
Das Hochspannungswerk war gut gesichert. Große Zäune und Barrikaden schützten den sensiblen Bereich. Jedoch konnte man im Vorfeld nicht planen, dass sich eine Gefahr von der Luft aus auf das Gelände zubewegte.
Weit oben im Himmel hatte sich ein Spalt gebildet. Er war gigantisch, vermutlich hätte ein ganzes Flugzeug darin versinken können. Tatsächlich bewegte sich nun etwas durch und landete in der realen Welt. Erst war es nur eine scharfe Klinge, darüber baute sich ein großer, bläulicher Körper auf. Aus seinen Händen drangen Kabel, die sich um die Strommaste schlossen. Sofort machte es sich daran, so viel Energie abzuziehen wie nur möglich.
Akt 3
Es war bereits Mitternacht als Henry im Hauptquartier von NYX eintraf. Er verzichtete auf Sicherheitsmaßnahmen, auf die hier normalerweise so viel Wert gelegt wurden. Er passierte die Gänge zum Kommandoraum, Terriermon hatte Mühe ihm zu folgen. Bereits am Eingang empfing ihn Takagi.
„Wurdest du bereits informiert?“, wollte er wissen, doch der Tamer schüttelte den Kopf.
So wie es im Kommandoraum wirkte, würde man ihm auch erst mal keine Aufmerksamkeit schenken.
Alle Techniker saßen an ihren Computern und tippten wie wild herum. Das Licht war gedämmt, die Situation war also eindeutig ernst. Yamaki stand in der Mitte der Zentrale und starrte auf einem Bildschirm vor sich. Henry und Takagi schritten zu ihm, der nahm es mit einem Nicken zur Kenntnis.
„Das wissen wir bis jetzt?“, wollte der Tamer erfahren.
Der Direktor wies auf den Monitor vor sich.
„Die Aufnahmen stammen von Überwachungskameras, doch diese sind nicht auf dem neuesten Stand. Die Qualität könnte also besser sind, doch sie sind alles, was wir haben.“
Die beiden Agenten starrten auf die Übertragung vor sich. Es zeigte ein Umspannwerk, das scheinbar attackiert wurde. Ein riesiges Digimon machte sich an der Energie zu schaffen.
„Das... sieht aus wie ein riesiges Schwert.“, kommentierte Takagi.
Yamaki äußerte sich nicht dazu, sondern wartete auf den Bericht seiner Analytiker.
„Sir, wir haben den Feind nun analysiert. Es handelt sich um Armamon, Level Mega, Waffen-Digimon.“, rief die Beamtin namens Megumi nach hinten.
Takagi wich etwas zurück.
„Mega? Moment... ist das nicht die höchste Stufe?“, hakte er nach.
Henry bestätigte es ihm.
„Ja, darum also der Notfall-Code.“, kombinierte er.
Yamaki wandte sich ihm zu.
„Du erkennst also den Ernst der Lage. Das ist das erste Mega-Digimon seit dem Zwischenfall mit Heavymetaldramon. Und ähnlich wie beim Malice Bot Zwischenfall damals haben wir nicht sonderlich gut ausgesehen. Darum brauchen wir dich und Teriermon. Ich habe bereits Makino-san kontaktiert, sie ist auf dem Weg zum Umspannwerk. Jedoch hat sie die Anweisung nicht ohne Verstärkung loszuschlagen.“
Der Tamer nickte. Er erkannte den Ernst der Lage.
„Terriermon und ich sind schon auf dem Weg. Takagi führt uns.“
Der Mann neben ihm riss die Augen auf.
„Äh, tatsächlich? Ich weiß nicht, ob ich im Gefahrengebiet so nützlich bin.“
Henry bestand jedoch darauf, einen guten Fahrer zu haben. Also segnete Yamaki es ab und sie begaben sich auf dem Weg zum Umspannwerk.
Yamaki wünschte ihnen innerlich viel Glück. Im nächsten Moment erlosch das Licht in der Zentrale für einige Sekunden. Es war das eingetreten, was er befürchtet hatte. Das feindliche Digimon zog genügend Strom ab, um das Netz zu überlasten. Natürlich besaß ihre Zentrale einen Notstromgenerator, so wie auch Krankenhäuser und andere wichtige Einrichtungen. Doch der Bevölkerung würde dies weniger gefallen. Sie mussten die Situation schnellstens stabilisieren. Doch er vertraute seinen Leuten. Er wusste inzwischen recht gut, wozu Digimon Tamer im Stande waren.
Takagi enttäuschte Henry in keinster Weise. Er steuerte den Van durch die Straßen und kannte jede Abkürzung. Der Tamer froh, ihn zum Partner zu haben. Zum menschlichen wohlgemerkt, er musste oft aufpassen, dass sich Terriermon nicht eifersüchtig fühlte. Schließlich kam der Van vor dem Gelände des Umspannwerks zum Stehen und die beiden Agenten stiegen aus, gefolgt von dem Digimon auf dem Rücksitz.
Henry schluckte als er nach oben sah und das feindliche Digimon erkannte. Es war tatsächlich riesig. Aus seinem Unterkörper ragte eine riesige Klinge wie ein Schwert. Der Begriff Waffen-Digimon passte.
„So einen Brocken hatten wir schon lange nicht mehr, oder?“, erklang eine Stimme.
Henry musste sich erst umsehen, bis er Rika erkannte. Diese stand auf einem Gebäude, das scheinbar zur Wartung genutzt wurde. Direkt neben ihr hatte sich Renamon niedergelassen.
„Wir dürfen nicht länger warten. Wenn der Stromzufluss weiter unterbrochen ist, kann es zu Verletzten und Toten kommen.“
Rika stimmte ihm zu, Armamon bedrohte die Infrastruktur der Stadt. Sie mussten schnell und entschlossen zuschlagen. Die Tamerin hob ihr D-Ark in die Höhe und sprang im nächsten Moment vom Gebäude.
„Ah... Fräulein Makino!“, wollte Takagi sie schon warnen, doch Renamon war gleich zur Stelle.
Die beiden verschmolzen in der Luft und wurden gemeinsam zu Sakuyamon.
Das prächtige Digimon erhob sich in die Lüfte und bereitete sich auf den Kampf vor.
Henry seufzte und lockerte seine Krawatte.
„Sie bleiben hier und berichten der Zentrale. Wir tun unser Möglichstes um das hier schnell zu erledigen.“
Auch er holte sein D-Ark hervor und sah zu seinem Partner.
Dieser versuchte ebenfalls die kleine Krawatte seines Anzugs zu lockern, wie zuvor sein Partner.
„Einen Moment noch. Ich habs gleich.“
Schließlich half er seinem Partner und die beiden waren bereit. Zum zweiten Mal sah Takagi eine Verschmelzung zwischen Mensch und Digimon und die beiden wurden zu SaintGargomon.
Das riesige, roboterartige Digimon stieg mit Hilfe seiner Raketen ebenfalls empor und schloss wenig später zu Sakuyamon auf.
„Was tun wir, wenn wir es kampfunfähig gemacht haben? Es dürfte schwer werden, so ein großes Digimon einzufangen.“
Henry gab ihr recht. Dann erblickte er jedoch den Spalt über ihnen.
„Wir müssen es nur dazu bewegen, wieder dorthin zu verschwinden wo es herkommt. Und danach diesen Spalt irgendwie schließen.“
Rika bezweifelte, dass dies so einfach werden würde. Es nett zu fragen würde jedenfalls nicht zum Ziel führen.
„Wir kriegen das schon irgendwie hin. Ich werde Armamon direkt angreifen, während du es von den Strommasten trennst, ok?“
Die Tamerin war einverstanden, wenn auch nicht vollends zuversichtlich.
„Mir wäre lieber wenn Takato und Dukemon solche sensiblen Aufgaben erledigen würden.“
Henry biss sich auf die Lippe.
„Aber die beiden stehen nicht mehr zur Verfügung, damit müssen wir klar kommen.“
Seine Freundin gab ihm recht und gemeinsam starteten sie die Aktion.
SaintGargomon schoss Raketen auf den Oberkörper des Feindes ab, während Sakuyamon die Kabel trennte, mit denen sich das Digimon mit den Strommasten verbunden hatte.
Dem Gegner gefiel es augenscheinlich gar nicht von seinem Vorhaben abgehalten zu werden. Seine Kabel formierten sich neu und begannen Sakuyamon zu umschlingen. Dieses war nun gefangen und bewegungsunfähig.
„Wir müssen uns auf seine Hände konzentrieren!“, rief Henry.
Damit hatte er recht, sie waren der Ursprung der Kabel. SaintGargomon machte sich bereit für den nächsten Angriff.
„Kugelgewitter!“, schoss es nun mindestens ein Dutzend Projektile auf den Gegner ab. Die meisten trafen die Hände und beschädigten sie zusehends. Sakuyamon wurde befreit und flog wieder nach oben.
Doch Armamon schien genug zu haben. Sofort schwebte es wieder in die Lüfte und direkt auf den Spalt zu. Es verschwand dahinter und ließ die beiden zurück.
Henry und Rika gingen noch einmal auf Nummer sicher, dass das Digimon nicht noch einmal zurückkehrte. Dann landeten sie und trennten sich von der Verbindung mit ihren Digimon.
Takagi kam angelaufen und erkundigte sich, ob es den beiden gut ging. Zum Glück war keiner von ihnen verletzt.
„Kontaktieren Sie die Zentrale. Wir brauchen ein Team vor Ort, die den Bereich absichert. Die Stromversorgung muss wieder sichergestellt und der Spalt gewacht werden.“
Der Agent versprach sich sofort darum zu kümmern.
„Ach und noch etwas. Bitte nehmen Sie Terriermon mit in die Zentrale. Ich komme später nach.“
Sowohl Takagi als auch Terriermon beäugten ihn verdutzt.
„Willst... du noch wohin?“, fragte sein Partner.
Henry nickte.
„Ja, ich möchte etwas überprüfen.“
Er schoss einige Fotos von dem Spalt, der sich noch immer nicht geschlossen hatte.
Dann verabschiedete er sich von Rika und den anderen. Die Tamerin hatte bereits eine Ahnung wohin ihr Freund wollte und erkundigte sich, ob sie ihn begleiten sollte.
Dieser lehnte jedoch ab. Dies war etwas, das er alleine zu tun hatte.
Es hatte bis zum Morgen gedauert, bis das Gelände rund um das Umspannwerk gesichert war. NYX hatte einen Posten im Areal eingerichtet und behielt das Portal weiterhin im Auge. Wissenschaftler hatten zahlreiche Geräte aufgebaut, mit denen sie Scans durchführten.
Takagi war längst in die Zentrale zurückgekehrt. Er hatte auch Rika gebeten, ihn zu begleiten, doch diese hatte abgelehnt. Gähnend hatte sie sich abgewendet und er konnte es ihr nicht einmal verübeln. Sorgen bereitete ihm eher Henry, der offensichtlich etwas vor ihm verheimlichte. Auf der anderen Seite vertraute er ihm zumindest soweit, dass er ihm Terriermon mitgegeben hatte. Dieses war aber bereits selbst müde und Takagi hatte dem Digimon einen Schlafplatz hergerichtet.
Er selbst musste noch Bericht erstatten und suchte deshalb Yamaki-sans Büro auf. Doch das war nicht der einzige Grund, er hatte auch eine Frage, die ihm auf der Zunge lag. Er klopfte und wartete darauf, eingelassen zu werden. Er durchschritt die Tür und erkannte Yamaki am anderen Raumende. Doch er war nicht allein. Ein älterer Mann stand ihm gegenüber, Takagi identifizierte ihn als Professor Wong.
„Verzeihung... störe ich?“, brachte der Agent hervor.
Yamaki schüttelte aber den Kopf.
„Nein, wir waren ohnehin fertig.“, sagte der Direktor.
Sein Gesprächspartner schien jedoch anderer Ansicht zu sein.
„Herr Direktor! Das glauben Sie doch selbst nicht. Dieser Spalt ist eindeutig selber Natur wie jener, der vor 2 Jahren über Shinjuku aufgetaucht ist!“, stemmte er seine Hände auf den Schreibtisch des Direktors.
Yamaki ließ sich jedoch nicht beeindrucken.
„Es ist zu früh, das eindeutig zu sagen. Wir haben die Scans noch nicht abgeschlossen, Sie stützen sich lediglich auf visuelle Daten.“, erwiderte er.
Wong wusste, dass er keinerlei Beweise hatte.
„Sie haben mich als Berater angestellt und darum ist es meine Aufgabe, Sie auf die Risiken hinzuweisen.“
Direktor Yamaki seufzte.
„Im Moment dringt keinerlei Strahlung durch den Spalt, anzunehmen er würde zur selben Quelle führen wäre reine Spekulation.“
Takagi wagte es nun, sich zu Wort zu melden.
„Tut mir leid, ich kann Ihnen nicht wirklich folgen. Aber Henry... Agent Wong hat genauso auf den Spalt reagiert, als er ihn gesehen hat. Ich habe Aufnahmen der DigiWelt studiert, was ich in diesem Spalt sah, hat mich nicht daran erinnert. Könnte... mich jemand aufklären? Oder handelt es sich hier um eine Geheimsache?“
Beide Männer betrachteten den Agenten einen Augenblick. Es war Yamaki, der dann antwortete.
„Es handelt sich tatsächlich um geheime Informationen. Allerdings besitzen Sie durchaus die Freigabe, diese zu erfahren. Sie stießen erst vor einem Jahr zu uns, darum können Sie es nicht wissen. Aber Sie haben bestimmt schon einmal von dem Shinjuku-Zwischenfall von vor 2 Jahren gehört, oder?“
Takagi überlegte einen Moment und nickte dann.
„Ja, aber ich bin noch nicht dazu gekommen, diese Akte zu studieren.“, musste er zugeben.
Im Feldeinsatz war seine Zeit im Büro begrenzt und die Daten, die es über die Digimon gab, waren vielfältig.
„Sie haben Takato Matsuda nie getroffen, richtig?“, fragte nun Professor Wong.
Takagi schüttelte den Kopf. Zwar hatte Henry seinen Freund, der ebenfalls mal für NYX tätig war, erwähnt, mehr aber auch nicht.
Der Professor setzte sich nun.
„Kein Wunder, es fällt ihm bestimmt schwer darüber zu reden. Mein Sohn denkt sicher, er habe seinen Freund damals im Stich gelassen. Dabei... waren wir es, die alles vermasselt haben.“
Takagi schluckte.
„Bitte... berichten Sie mir, was vor 2 Jahren vorgefallen ist.“
Yamaki erklärte sich bereit, dies zu übernehmen.
„Takato Matsuda war damals erst zurück aus der DigiWelt. Er hat für uns gearbeitet und sich um Digimon gekümmert, welche die Schwelle zu unserer Welt übertreten haben. Dann wurden wir jedoch durch eine Gefahr, anderer Art konfrontiert. Über Shinjuku hatte sich eine Art Spalt geöffnet. Wir können bis heute nicht bestimmen, was diesen verursacht hat, oder wohin er genau führte. Es war jedenfalls definitiv nicht die DigiWelt.“
Professor Wong stimmte ihm zu.
„Die Daten, die wir erhalten haben, waren chaotisch und mit nichts zu vergleichen. Zwar schien die Welt dahinter digitaler Natur zu sein, doch mehr konnten wir nicht erfahren. Nur, dass eine unglaublich hohe Strahlung davon ausging.“
Yamaki stimmte ihm zu.
„Diese Strahlung wäre eine Gefahr für ganz Japan geworden. Wir mussten den Spalt schließen, bevor unser Land eine Katastrophe ereilte. Leider... mussten wir dazu radikale Maßnahmen treffen.“
Takagi sah zwischen den beiden Männern umher.
„Von welchen Maßnahmen sprechen wir?“
Yamaki schloss kurz seine Augen.
„Wir beschlossen eine Bombe zu platzieren, welche den Spalt mit Gewalt schließen sollte. Jedoch benötigten wir auch jemanden, der sie hineinbrachte. Wir versuchten es erst mit Drohnen, doch diese waren zu schwach und wurden beim Versuch eines Eintritts zerstört. Wir benötigten... ein stärkeres Individuum.“
Takagi schien nun zu verstehen.
„Ein... Digimon, nicht wahr? Aber nicht nur irgendeines.“
Yamaki nickte.
„Unsere größte Chance bestand darin, in Matsuda-kuns Partner Dukemon. Diesem war es sogar gelungen, den D-Reaper zu bezwingen, wir waren uns sicher, dass es ihm gelingen würde. Jedoch... haben unsere Daten ergeben, dass sich der Spalt augenblicklich schließen würde, nachdem die Bombe gezündet würde.“
Professor Wong senkte den Kopf.
„Und genau diese Tatsache haben wir Takato damals verschwiegen.“
Takagi konnte es nicht fassen.
„Sie... haben ihn belogen? Das heißt... Sie haben seinen Partner geopfert?“
Yamaki knurrte.
„Wir hatten damals keine Wahl. Zahlreiche Menschenleben waren in Gefahr. Matsuda-kun hätte auf einen anderen Weg bestanden, den Spalt zu schließen. Doch diese Zeit und diesen Luxus besaßen wir nicht. Als Direktor musste ich eine harte Entscheidung treffen. Viele Menschen haben überlebt, ich kann also nicht behaupten, dass ich sie bereue.“
Takagi konnte sich in seinen Vorgesetzten hineinversetzen, es war sein Job gewesen, darum hatte man ihn auf diesen Posten gesetzt. Er selbst hätte aber nicht mit ihm tauschen wollen.
„Was ist mit Matsuda-san? Ich nehme an... er hat nicht sehr verständnisvoll darauf reagiert.“
Yamakis und Wongs Blicke sprachen Bände.
„Zuerst schrie er uns an. Dann flehte er uns an, seinen Partner zurückzuholen. Dazu waren wir aber nicht imstande. Natürlich forschten wir an dem Phänomen, aber ohne großen Erfolg. Takato verließ NYX schließlich und wollte nichts mehr mit uns zu tun haben. Niemand hier konnte es ihm verdenken. Selbst mit Henry und Rika spricht er nur noch sporadisch, obwohl die beiden am wenigsten Schuld an der Entscheidung hatten. Sie waren nicht einbezogen worden, wenn, hätten sie ihren Freund am ehesten unterstützt.“, meinte der Professor.
Takagi ließ die Schultern hängen. Er konnte sich nicht vorstellen, wo verraten zu werden. Er selbst war kein Tamer, doch er sah Henry täglich mit Terriermon. Einen Digimon-Partner zu haben, musste eine unglaublich enge Bindung sein. Wie ein Freund... oder eher ein Familienmitglied. NYX hatte Takato Matsuda diesen genommen. Seine Wut musste riesig sein. Er hatte vermutlich nie aufgehört, eine Möglichkeit zu suchen, seinen Partner zurückzubekommen. Doch welche Möglichkeiten hatte dieser schon als gewöhnlicher Mensch?
„Und... dieses Portal ist jetzt wieder aufgetaucht?“, fragte er dann perplex.
Yamaki und Wong sahen einander an, bevor sie sich äußerten.
„Das können wir noch nicht sagen. Von den visuellen Einblicken scheinen die Welten dahinter identisch zu sein. Jedoch entweicht diesem hier keine Strahlung. Zudem drang das letzte Mal kein Digimon in unsere Welt ein. Die Zwischenfälle sind schwer miteinander vergleichbar. Wir müssen zusätzliche Daten abwarten, um mehr sagen zu können.“, teilte ihm der Professor mit.
„Verstehe. Ich... glaube, dass Henry zu Matsuda-san wollte, als er den Spalt gesehen hat. Er hat definitiv darauf reagiert.“
Der Professor seufzte.
„Ich hätte mir gewünscht, er hätte damit gewartet. Noch wissen wir nichts Konkretes und er macht seinem Freund in diesem Augenblick bestimmt unnötig Hoffnung. Wir können nicht einmal sagen, ob Guilmon noch lebt. Wir wissen, dass die Welt auf der anderen Seite digitaler Natur ist, aber nicht, ob Digimon oder gar Menschen dort lebensfähig sind.“
Takagi sah das jedoch anders.
„Aber.... an irgendetwas müssen wir doch alle glauben, oder? Darum... denke ich nicht, dass es falsch war, dass er seinen Freund sofort informiert hat.“
Erst nahm er an, etwas zu viel gesagt zu haben, doch dann stimmten ihm die beiden älteren Männer zu.
„Ja, es ist immer noch die Aufgabe von NYX, alle weiteren Fragen zu beantworten. Wohin der Spalt führt, ob diesmal wirklich keine Gefahr von ihm ausgeht.“, sagte der Professor bestimmt.
Yamaki lockerte nun seine Haltung.
„Nun, wir können davon ausgehen, dass zumindest Digimon dort existieren können. Das Erscheinen von Armamon hat es bewiesen. Wir müssen darauf vorbereitet sein, dass es zurückkehrt, oder andere Digimon durch den Spalt kommen könnten. Sie müssen die Tamer anhalten, stets bereit zu sein. Wong und Makino sind immer noch unsere effektivste Waffe gegen feindliche Digimon. Zwar arbeiten wir stets an neuen Waffen, möchten diese aber nur ungern einsetzen.“
Ein Räuspern seitens des Professors.
„Verständlich. Sie wollen nicht daran erinnert werden, wie Sie den Zorn der Deva auf sich gezogen haben. Wir zerstören Digimon nur noch im äußersten Notfall. Unser System, sie zu speichern und zurück in die DigiWelt zu transportieren, funktioniert. Wie das aber bei Digimon funktionieren soll, welche aus diesem Spalt kommen, ist eine andere Frage. Darum müssen wir unsere Forschungen vorantreiben. Die Front können wir weiterhin meinem Sohn und Rika überlassen.“
Yamaki nickte.
„Takagi, Ihre Aufgabe ist es weiterhin, die beiden bei der Stange zu halten. Sollte es erneut zu einem Einsatz kommen, müssen die zwei bereit sein.“
Der Agent versprach, sein Möglichstes zu tun. Auch wenn er sich sicher war, dass Henry äußerst pflichtbewusst war. Fräulein Makino war ein anderes Kaliber, aber im Prinzip war sie schnell vor Ort, wenn sich Gefahr anbahnte.
Kaum hatte der Agent das Büro verlassen, erreichte ihn eine Nachricht von Henry. Er war zu Hause und würde versuchen, ein paar Stunden zu schlafen, bevor er ins Büro kam. Takagi schrieb ihm, dass er nichts überhasten solle. Dann wurde er noch gebeten, nach Terriermon zu sehen, doch das kleine Digimon schlief friedlich vor sich hin.
Daraufhin beschloss der Agent, seinen Partner, so gut wie möglich zu unterstützen, so wie auch dessen Digimon.
Akt 4
Henry hatte vielleicht drei Stunden geschlafen, dann war er aufgesprungen, hatte sich angezogen und war in die Zentrale gefahren. Er beneidete Rika, die sich den Luxus einer freien Mitarbeiterin gönnen konnte und im Moment sicher ausschlief. Sie konnte das ganze Drumherum den Experten und Technikern überlassen, während Henry ständig auf dem Laufenden bleiben musste.
Als er dort ankam, stellte er fest, dass er gerade pünktlich zu einer Besprechung erschienen war. Er konnte sich gerade noch einen Kaffee gönnen und dann nach Terriermon sehen. Dieses saß auf seinem üblichen Platz und mampfte gerade einige Snacks.
„Oh hey, morgen, Henry. Takagi-san hat mir diese leckeren Brötchen besorgt.“
Der Tamer seufzte. „Du meinst, er hat sie dir aus dem Automaten gedrückt. Du sollst doch nicht so ungesundes Essen zu dir nehmen.“
Sein Partner schien seine Sorge aber nicht zu verstehen.
„Warum? Sind doch lecker.“
Henry beschloss, heute etwas zu kochen, wenn er hier wegkam. Ohne Terriermon hätte er das sicher nicht, doch sein Partner verschaffte ihm diesen Grund. Er hielt inne. Takato hatte einen solchen Grund verloren. Zwei Jahre waren vergangen, seit er von Guilmon getrennt worden war. Es war nicht auszumalen, wie er sich gerade fühlte. Er hatte nichts tun können, um seinen Partner zu schützen. Es war selbstverständlich gewesen, dass Henry seinen Freund aufgesucht hatte, nachdem der neue Spalt dem von vor 2 Jahren so sehr ähnelte. Dieser hatte ihn sofort in seine Wohnung gelassen. Sie war unaufgeräumt und von Müllsäcken übersäht gewesen. Dennoch hatte sich Henry davor gehütet, ihm vorzuschlagen, ihm beim Aufräumen zu helfen. Er hatte seine Lektion von den letzten Besuchen gelernt.
Wie zu erwarten hatte Takato eine Menge Fragen gestellt. In den meisten Fällen hatte Henry ihn vertrösten müssen. Sie selbst hatten noch kaum Daten, doch er hatte versprochen, ihn über jede neue Erkenntnis auf dem Laufenden zu halten. Dabei waren sie verblieben, auch wenn Henry wusste, dass sein Freund nun jede Energie auf die Situation verwenden würde.
Nachdem Terriermon mit seinen Snacks fertig war, gab er ihm ein Zeichen, ihm zu folgen. Die beiden durchquerten einen leeren Gang und fanden schnell die Erklärung dafür. Alle wichtigen Mitglieder von NYX hatten sich in der Zentrale versammelt. Selbst alle Analytiker waren aufgestanden und hatten sich versammelt. Die Besprechung hatte bereits begonnen, sein Vater hatte das Wort ergriffen. Er gab einige wissenschaftliche Erkenntnisse wieder, worauf sich Henry sicher war, nichts verpasst zu haben. Die Erforschung des Spalts überließ er ohnehin den Experten. Er und Terriermon wurden nur angefordert, wenn es ein Problem mit einem Digimon gab. Er stellte sich neben Takagi und nickte diesem zu.
Dieser folgte den Ausführungen, doch fragte sich Henry, wie viel sein Partner wirklich davon verstand. Als der Professor fertig war, meldete sich Yamaki zu Wort.
„Im Grunde können wir sagen, dass wir im Moment noch nichts wissen. Wir halten den Spalt im Auge, doch im Moment scheint davon nicht dieselbe Strahlung auszugehen wie damals. Das ist eine gute Nachricht. Nur für den Fall bereiten wir eine Bombe wie damals vor.“
Henry glaubte, sich für einen Moment verhört zu haben. Er trat vor und richtete das Wort an seinen Vorgesetzten. „Ist das Ihr Ernst? Darf ich Sie daran erinnern, was diese Bombe das letzte Mal angerichtet hat?“
Der Direktor der Behörde hielt kurz inne, bevor er antwortete. „Sie hat den Spalt geschlossen und die Gefahr für die Bevölkerung gebannt. Aber ich verstehe, worauf du hinauswillst. Inzwischen haben wir bessere Möglichkeiten, eine Bombe zu transportieren. Niemand wird sich mehr...“, sagte Yamaki, bis er schließlich unterbrochen wurde.
„Opfern müssen?“, hatte jemand gesagt.
Der Direktor konnte erst die Quelle nicht ausmachen. Es war keiner der Versammelten, die Stimme kam von weiter hinten. Einige drehten sich um und erkannten eine Person im Eingangsbereich, die dort nicht hingehörte. Es war ein junger Mann, mit wuscheligem Haar und unrasiert.
„Wie bist du hier reingekommen, wenn ich fragen darf“, sprach Yamaki nun ernst.
Takato zuckte mit den Schultern. „Da hat wohl jemand vergessen, meinen Zugangscode aus dem System zu löschen. Nicht gerade kompetent für eine staatliche Behörde.“
Er schritt nach vorne, schenkte dabei aber nicht einmal Henry seine Aufmerksamkeit. Dieser hatte den Verdacht, dass sein Freund eher ein Backdoor eingebaut hatte, der ihm auch in Zukunft Zutritt erlauben würde, sollte er diesen benötigen. Er beschloss dies aber lieber nicht anzusprechen.
„Wie dem auch sei, ich hätte es besser gefunden, du hättest dich vorher angemeldet, bevor du einfach so auftauchst“, betonte der Direktor.
Takato ließ sich davon aber wenig beeindrucken. „Was soll das denn heißen? Hätten Sie es mir überhaupt mitgeteilt, dass erneut ein Spalt wie vor 2 Jahren aufgetaucht ist? Henry musste es mir sagen, sicher hätten Sie es ihm sonst verboten.“
Yamaki brummte unzufrieden. „So schätzt du mich ein? Das enttäuscht mich. Außerdem bist du ohnehin kein Angestellter dieser Behörde mehr. Ich wäre nicht einmal verpflichtet, dir diese Information zukommen zu lassen.“
Takato entkam ein Lachen. „Oh ja, ich weiß ja, wie Angestellte hier behandelt werden. Darauf kann ich in der Tat verzichten.“
Henry hatte bald den Eindruck, als wolle sich sein Freund Yamaki geradezu zum Feind machen. Natürlich, dieser hatte ihn verraten und Guilmon für das Allgemeinwohl geopfert. Er wäre so oder so nicht gut auf diesen zu sprechen. Aber sah er nicht, dass er hier geschickter vorgehen sollte? Yamaki war der Kopf von NYX, seine Entscheidungen beeinflussten das weitere Vorgehen.
Der Direktor klopfte nun in die Hände. „Gut, die Besprechung ist beendet. Gehen Sie wieder an die Arbeit. Takato, ich würde dich und Henry gerne in Besprechungsraum 4 sehen. Professor, Takagi, Sie begleiten mich.“ Er löste die Versammlung auf.
Terriermon zupfte an der Hose seines Tamers. „Ähm... ich auch?“
Henry tätschelte ihm den Kopf. „Natürlich, uns gibt es doch nur im Doppelpack, weißt du doch.“
Takato ging an ihm vorbei, ohne ein Wort an ihn zu richten. Henry seufzte. Er hatte keine Ahnung, was er noch zu ihm sagen sollte. Er hatte sich sogar entschuldigt, obwohl ihn damals keinerlei Schuld getroffen hatte. Selbst Terriermon hatte er stets zu Hause gelassen, weil ihn sein Partner zu sehr an Guilmon erinnert hätte.
Kaum zwei Minuten später hatten sie Besprechungsraum 4 betreten. Sein Vater war der einzige, der sich gesetzt hatte. Alle anderen waren zu angespannt oder wollten einfach stehen. Yamaki hatte ihnen den Rücken zugewandt. Einige Zeit sagte er nichts, erst als er Takatos Blicke in seinem Rücken spürte. „Und? Was genau möchtest du jetzt von uns?“
Takato kam ohne Umschweife zum Punkt. „Ich möchte Teil der Expedition sein.“
Alle Blicke wechselten zu ihm. „Wie kommst du auf die Idee, dass eine Expedition geplant sein könnte?“, fragte Yamaki mit hinter dem Rücken verschränkten Armen.
Takato rang sich ein Lächeln ab. „Das ist doch vollkommen logisch. Ihre Aufgabe ist es, Daten von der Welt hinter dem Spalt zu beschaffen. Und da diesmal keine Strahlung davon ausgeht, ist der nächste logische Schritt, den Bereich dahinter zu erforschen.“
Takagi hob nun widersprechend die Hände. „Da täuschst du dich! Wir hatten ganz sicher keine diesbezüglichen Pläne“
„Doch, die hatten wir“, fiel ihm Yamaki ins Wort.
Sein Untergebener stutzte. „Hatten... wir?“
Der Direktor nickte. „Zwar erst am Anfangsstadium, aber natürlich wollen wir wissen, was sich hinter dem Spalt verbirgt. Es könnte eine Gefahr für unsere Welt darstellen, darum brauchen wir alle verfügbaren Informationen. Scans reichen da oftmals nicht aus“
Der Professor rückte seine Brille zurecht. „Und wir können natürlich kein normales Team durchschicken. Wir wissen inzwischen, dass starke Digimon wie etwa Armamon auf der anderen Seite lauern. Nur Tamer werden sich auf so einer Mission schützen können“
Takato nickte. „Wie Sie bereits sagten. Es ist möglich, auf der anderen Seite zu überleben. Der Angreifer von gestern hat es bewiesen. Damit ist die Chance ebenfalls hoch, dass Guilmon noch irgendwo dort ist“
Takagi trat näher an Takato heran. „Das mag ja alles sein. Henry und Fräulein Makino verstehe ich ja. Aber du bist nicht einmal mehr ein Tamer“
Takato war ihm einen Blick zu, der einen anderen hätten vernichten können. Auch Henry schien wenig erfreut über die Wortwahl seines Kollegen. Dieser schien das Fettnäpfchen bemerkt zu haben, in das er getreten war, und hielt sich ab jetzt zurück.
Takato sprach nun ausschließlich zu Yamaki.
„Guilmon ist mein Partner, den Sie mir mit Ihrer Entscheidung genommen haben. Ich werde durch diesen Spalt gehen, koste es, was es wolle. Mit Ihrer Hilfe oder ohne“
Henry fiel nun etwas auf. „Aber... es stimmt, dass wir festgestellt haben, dass Digimon auf der anderen Seite überleben können. Doch wir haben keinen Hinweis, dass dies auch bei biologischen Lebensformen der Fall ist“
Es war sein Vater, der ihm dies beantworten konnte. „Nein, aber selbst wenn nicht. Du und Rika könnt euch jederzeit mit euren Partnern verbinden. In diesem Zustand wärt ihr dort geschützt, egal, ob ihr biologisch wärt oder nicht“
Henry nickte, sah aber parallel zu Takato. Ihm war es derzeit nicht möglich, sich mit Guilmon zu verbinden. Das würde Yamakis Entscheidung sicher beeinflussen.
Dieser wandte sich nun um und richtete das Wort an Takato.
„Einverstanden. Nachdem wir festgestellt haben, dass auch Menschen auf der anderen Seite zurechtkommen, darfst du dich dem Expeditionsteam anschließen. Takagi, informieren Sie bitte Rika. Henry, du arbeitest bitte mit deinem Vater einen Plan für das weitere Vorgehen aus“
Niemand überhörte Einwand. Takagi war am unschlüssigsten, doch anhand der gemeinsamen Geschichte der anderen Personen im Raum spürte er, dass er kein wirkliches Mitspracherecht hatte. Henry wusste, was Takato durchmachte, und sein Vater ebenfalls. Und Yamaki?
Henry hatte damit gerechnet, dass dieser länger für seine Entscheidung brauchen würde. Auf der anderen Seite schuldete er Takato eine Menge. Dieser hatte in der Vergangenheit stets seine Fehler behoben, wodurch er erst diese Position innehaben konnte. Dazu die Schuldgefühle, Guilmon geopfert zu haben. Früher hätte Henry seinem Boss so etwas wie Empathie eher weniger zugetraut. Doch Yamaki war einfach jemand, der es gewohnt war, die harten Entscheidungen zu treffen, auch wenn er im Nachhinein nicht immer glücklich damit war.
„Ich schlage vor, wir beginnen die Expedition so schnell wie möglich. Wir können noch nicht abschätzen, wann sich der Spalt schließt bzw. ob er dies überhaupt selbstständig tut. Genauso müssen wir feststellen, welche Gefahren dahinter lauern. Ob Armamon unser einziger Feind ist oder wir es in Zukunft mit mehr Gegnern zu tun bekommen. Ich schlage vor, in 3 Tagen aufzubrechen“
Niemand hatte Einwände, also verblieben sie so. Henry begleitete seinen Freund aus dem Gebäude, während Takagi ein Team zusammenstellen sollte, das die Expedition vorbereiten sollte.
Professor Wong blieb noch einen Moment sitzen.
„Dass Sie Takato mitgehen lassen... Sie tun das doch nicht, weil Sie denken, Sie wären dem Jungen etwas schuldig“
Der Direktor der Behörde sah ihn nun direkt an. „Es war schmerzhaft, einen Verbündeten wie Dukemon zu verlieren. Einen Alliierten, der selbst D-Reaper bezwingen konnte, ist weiterhin sehr nützlich. Angenommen, das Digimon existiert noch irgendwo da draußen und wir bekommen es zurück, würde es NYX sehr helfen“
Wong musterte Yamaki einen Moment. Offenbarte er ihm hier die ganze Wahrheit? Natürlich, Dukemons Stärke würde ihnen nützen, doch Takato wollte lediglich seinen Partner zurück. Gut, am Ende schiene wohl jeder von Guilmons Rückkehr zu profitieren.
Henry hatte darauf bestanden, seinen Freund noch zum Essen einzuladen. Takato meinte, dass sich dies überflüssig, da er einfach etwas hätte bestellen können. Henry ließ sich aber nicht umstimmen und so besprachen sie die Situation noch einmal im Restaurant in der Nähe des NYX-Gebäudes.
„Ich hätte auch Rika eingeladen, aber die ist mit ihrem Model-Job beschäftigt“, meinte Henry, als sie sich setzten.
Takato zuckte nur mit den Schultern. „Reicht doch, wenn wir sie anrufen. An den technischen Details wird sie ohnehin nicht interessiert sein“
Henry murrte, während er den großen Rucksack neben sich so herrichtete, damit Terriermon genug Platz zum Essen hatte. Auch wenn jemand seinen Partner zu Gesicht bekäme, müsste er nur mit seinem Ausweis winken und könnte die Situation entschärfen. Dennoch wollte er es nicht darauf ankommen lassen. Seit den Menschen klar geworden war, dass Digimon real waren, gab es viele unter ihnen, die sich vor ihnen fürchteten. Die Angriffe der Deva und des D-Reapers hatten zu der Meinung beigetragen, dass Digimon in der Tat Monster waren.
„Ach, ich dachte nur... wir drei haben schon lange nichts mehr zusammen unternommen. Wäre doch nostalgisch, oder?“
Takato hob eine Augenbraue. „Das werden wir doch auch. In drei Tagen“
Sein Freund nickte. „Ja, ich dachte nur... privat oder so“
Takato lehnte sich nach hinten.
„Mit mir als drittes Rad am Wagen? Während ihr mit euren Digimon auf der Wiese picknickt und ich daneben einen Apfel verputze?“
Henry erwiderte nichts darauf. Im Grunde hatte sein Freund recht, es war seltsam, wenn sie nicht alle wieder vereint waren. Das Essen wurde angerichtet und es war Takato anzusehen, dass er länger nicht mehr im Beisein anderer gegessen hatte.
„Sag mal... was machst du eigentlich, wenn wir Guilmon dort drüben nicht finden?“
Takato legte seine Stäbchen beiseite und sah seinen Freund skeptisch an. „Ich meine ja nur. Es gibt keine Garantien, dass er immer noch dort ist“
Sein Freund schüttelte den Kopf. „Nein, ich weiß, dass er noch dort ist. Er wartet auf mich, ich kann es spüren. Verstehst du? Ich darf ihn nicht noch einmal im Stich lassen“
Henry nickte langsam und konzentrierte sich wieder auf das Essen. Danach verabschiedeten sie sich vor dem Restaurant.
Takato hatte die U-Bahn genommen und war in weniger als einer halben Stunde zu Hause. Dort warf er sich erst einmal erschöpft in sein Bett. Henry hatte recht. Es gab keine Garantien, dass sich sein Partner am selben Ort befand, den ihnen dieses Portal in eine fremde Welt offenbarte. Das änderte es? Garantien oder nicht, es spielte keine Rolle. Irgendwo musste er anfangen zu suchen.
Und zum ersten Mal in zwei Jahren hatte er einen Anhaltspunkt. Einen Ort, an dem er suchen konnte. Er erhob sich und begann, den Müll in seiner Wohnung zum nächsten Depot zu bringen. Dann räumte er den Rest auf und lüftete. Schließlich begab er sich ins Badezimmer und rasierte sich erst, bevor er unter die Dusche stieg.
Danach verließ er noch einmal seine Wohnung. Es war zwar schon dunkel, doch er kannte den Weg gut genug. Nach einer Weile hatte er die Gasse erreicht, die er zum ersten Mal als Kind betreten hatte. Es war der Ort, an dem ihm Guilmon das erste Mal begegnet war.
Erst war er sehr unsicher gegenüber dem Digimon gewesen, doch dann hatten sie sich angefreundet. Erst war Guilmon nur ein Entwurf von ihm gewesen, dann nahm dieser Gestalt an und wurde real. Er wurde zu seinem besten Freund.
Sie hatten zahlreiche Abenteuer erlebt und waren sogar verschmolzen. Danach hatte er sich schon einmal von seinem Partner verabschieden müssen. Es hatte unendlich wehgetan. Dennoch war er dankbar dafür, dass sie nicht allzu lange getrennt waren und dieser seltsame Opa, der sich als Uhrmacher vorgestellt hatte, sie mit ihren Digimon wiedervereint hatte, wenn sein Vorhaben auch nur dazu diente, um das böse Quartzmon zu bezwingen.
Nach dem Locomon-Zwischenfall hatte er Ryo in die DigiWelt begleitet, da dieser anstrebte, in seine Heimat-Dimension zurückzukehren. Er hatte dort mehr Zeit verbracht als ursprünglich geplant. Und nach seiner Rückkehr das ganze Debakel um seinen digitalen Klon, den Yamaki hatte anfertigen lassen, und die Konfrontation mit dem Malice Bot. Doch alles hatte keine Rolle gespielt, solange die beiden vereint gewesen waren.
Bis zu dem Ereignis vor 2 Jahren. Takato war sich sicher gewesen, dass sie gemeinsam auch dieses Problem lösen würden. Er hatte Yamaki vertraut. Er hatte wirklich geglaubt, der Mann hätte sich inzwischen geändert. Doch er war immer noch so intrigant wie damals und Takato hatte den Preis für seinen Fehler zahlen müssen. Nein, das stimmte nicht. Guilmon hatte den Preis bezahlt.
Dieser hatte nicht Yamaki vertraut, sondern seinem Tamer. Und dieser hatte ihn enttäuscht.
Takato holte sein Handy hervor und klickte sich durch. In einem Foto-Ordner betrachtete er ein Foto von Guilmon. Er hätte beinahe schmunzeln müssen, so jung wie er auf dem Foto aussah. Sogar seine alte Fliegerbrille trug er darauf noch.
„Ich hole dich zurück. Ich verspreche es“, sagte er zu sich selbst.
Akt 5
Rika hatte gestern noch lange mit Henry telefoniert. Er hatte sie über die anstehende Mission informiert. Er hatte sie nicht gefragt, was sie denn davon hielt, oder ob sie bereit wäre, sich ihnen und Takato anzuschließen. Nein, es war einfach eine Selbstverständlichkeit gewesen.
Renamon, das in einer Nische der Umkleide stand, betrachtete sie einen Moment. „Du weißt, ich bin jederzeit bereit, Guilmon zur Hilfe zu eilen. Er ist mein Freund und Kampfgefährte.“
Seine Tamerin seufzte. „Denkst du etwa, ich möchte Guilmon nicht zurückholen?“
Natürlich hätte ihr Partner so etwas nie gesagt. „Nein, wir sind nach wie vor ein Team, daran hat sich nichts geändert. Du hast nur gesagt, dass du dich nicht NYX anschließen willst, weil dir deine Freiheit wichtiger ist.“
Rika konzentrierte sich auf das Schminken und betrachtete sich dabei selbst im Spiegel. „Diese Mission wird zwar von NYX initiiert, aber das ist dabei nur zweitrangig. In erster Linie unterstützen wir Takato. Er musste schon zu lange ohne seinen Partner auskommen. Stell dir vor, du müsstest zwei Jahre lang auf mich verzichten.“ Sie lächelte.
Renamon lockerte seine Haltung. „Ein Alptraum, das könnte ich mir absolut nicht vorstellen.“
Rika war sich nicht sicher, ob sie nicht doch einen Funken Ironie in seinen Worten erkannte. „Es hilft nun mal nichts. Du kannst nicht ohne mich zu Sakuyamon werden, schon vergessen? Darum heißt es 'Partner'.“
Renamon stimmte ihr zu. Zwar bestünde noch die Möglichkeit, dass nur die Digimon loszögen, aber dann drängte sich der Kampf mit Armamon ins Gedächtnis. Ohne die Hilfe von Henry wären sie unterlegen gewesen. Nein, Sakuyamon würde für diese Mission benötigt werden, da führte kein Weg dran vorbei.
Eine Mitarbeiterin klopfte an die Tür und gab eine Zeitangabe durch. Rika wandte sich an ihren Partner. „Tja, die Arbeit ruft. Und dazu schon wieder ein Bikini-Shooting, dabei ist es heute echt kühl. Aber immer noch besser als solche komische Anzüge zu tragen, die stehen echt nur Henry und... wie war der Name von dem anderen Typen noch mal?“
Renamon setzte sich in Bewegung. „Gut, dann werde ich solange zu Hause warten. Ich werde die Zeit nutzen und etwas trainieren. Ich möchte nicht außer Form sein, wenn die Mission beginnt.“
Rika bezweifelte, dass es jetzt noch einen großen Unterschied machen würde. Dennoch wünschte sie ihrem Partner viel Erfolg und widmete sich dann dem Foto-Shooting. Sie musste sich mehr anstrengen, sich zu konzentrieren als an anderen Tagen. Die kommende Aufgabe würde auch ihr viel abverlangen. Doch es stand fest, dass sie sich für Takato voll reinhängen würde. Immerhin war er ihr Freund.
Die drei Tage waren schneller vergangen als es alle Beteiligten wahrgenommen hatten. Die Vorbereitungen waren auf Hochtouren gelaufen und ein Team aus Spezialisten hatte alles für die Reise vorbereitet. Mehrere Zelte waren rund um das Umspannwerk aufgestellt worden und Gerätschaften angebracht worden.
Henry war bereits vor Ort als Takato und Rika eintrafen. Ersterer war erst gar nicht wiederzuerkennen. Seine Haare waren kürzer und er war rasiert. Es hätte nur noch die Fliegerbrille gefehlt und Henry hätte den alten Takato wiedererkannt.
„Wie sieht es aus?“, erkundigte sich dieser über die Situation.
Takagi stieß nun zu der Gruppe. „Unsere Scans konnten noch nicht feststellen, ob es für Menschen sicher auf der anderen Seite ist. Doch laut Professor Wong gäbe es einen anderen Weg.“
„Einen anderen Weg?“, erkundigte sich Rika.
Es war Henry, der antwortete. „Ja, mein Vater denkt, dass es möglich wäre, Takato während einer Hyper-Spirit-Digitation in einem von uns aufzunehmen. Bei einer normalen Person wäre das kaum möglich, aber da Takato bereits selbst zahlreich eine durchgemacht hat...“
Dieser verstand. „Gut, dann machen wir es so. Wird schon schiefgehen. Wann soll es losgehen?“
Er wandte sich an Takagi. „Innerhalb der nächsten Stunde, wenn wir die Freigabe erhalten. Wir haben ein Zeitfenster von 24 Stunden eingeplant. Bis dahin solltet ihr zurück sein. Falls nicht, müssen wir davon ausgehen, dass euch etwas zugestoßen ist, dann bleibt uns keine Wahl, als die Bombe zu zünden.“
Renamon sah ihn scharf an. „Sie wollen uns einschließen? Hat Ihnen Guilmon nicht gereicht?“
Takagi wich zurück. „Aber... damit hatte ich doch gar nichts zu tun!“
Rika versuchte zu vermitteln und beruhigte ihren Partner. „Schon gut. Wir wissen, dass die Sicherheit der Zivilbevölkerung oberste Priorität hat.“
Takato schien nicht konform damit zu gehen. „Es dauert nun mal so lange wie es dauert, Guilmon zu finden.“
Henry seufzte. „Nein, wir halten uns an den Zeitplan. Wenn das Areal größer ist als erwartet, können wir noch weitere Expeditionen anstreben. Aber erst einmal bleiben wir bei dem Zeitfenster.“
Weder Takato noch Rika konnten etwas dagegen sagen. Henry war das offizielle Mitglied der Behörde NYX und würde somit die Mission leiten.
„Ich habe auch Shioda-san und Kitagawa-san informiert. Sie werden sich während eurer Abwesenheit bereithalten“, fügte Takagi noch hinzu.
Henry empfand dies als gute Idee. Zwar hatten Kazu und Kenta seit Ewigkeiten nicht mehr gekämpft, aber das war immer noch besser als niemanden in Bereitschaft zu haben, während sie weg wären. Sie konnten ja nicht darauf vertrauen, dass Digimon sich gerade dann verständnisvoll zeigten und alles ruhig blieb. Zwischenzeitlich gab es auch immer noch Impmon, doch dieses war eine Wildcard und schwer zu kontrollieren.
Eine Stunde später hatten sie die Freigabe erhalten und eine freie Fläche wurde gebildet, welche der Hyper-Spirit-Digitation genug Platz einräumte. Rika war die erste, die sich mit Renamon zu Sakuyamon verband und zum Spalt hochflog. Sie überprüfte ihn und nickte den anderen dann zu.
Henry und Takato überprüften die Theorie des Professors und es schien zu klappen. Als sich SaintGargomon bildete, verschwanden Henry und Takato in seinem Inneren. Dann stiegen auch sie empor und schlossen zu Sakuyamon auf. Das feindliche Digimon von vor einigen Tagen hatte den Spalt problemlos durchqueren können, daher sollte es für sie auch keine Schwierigkeiten darstellen. Sie durchdrangen den Ereignishorizont und hatten die reale Welt hinter sich gelassen.
Takagi gab seinen Leuten Anweisungen, alles vorbereitet zu haben, wenn die drei zurückkehrten. Ansonsten... blieb ihm nichts anderes, als ihnen Glück zu wünschen.
Es war schon einige Zeit vergangen, seit die Tamer das letzte Mal die DigiWelt betreten hatten. Aber... war das hier überhaupt die DigiWelt? Sie landeten auf einem steinigen Untergrund und verschafften sich einen Überblick. Die Umgebung spiegelte ihre Erinnerung an die DigiWelt wider, wenn es auch sichtbare Unterschiede gab. Einige der Felsen besaßen geometrisch abstrakte Formen und auch das Farbspektrum schien hier zu variieren. Zum Beispiel tat sich vor ihnen ein gelber Fluss auf.
„Gut, erst einmal scheint uns hier keine Gefahr zu erwarten. Wir sollten überlegen, die Vereinigung zu lösen und unser Glück zu versuchen“, sagte Henry.
Rika stimmte ihm zu. „Gut, ich spiele das Versuchskaninchen. Ist ja nicht nötig, dass wir alle drei ersticken.“
Manchmal war ihr Schwarzer Humor schon etwas viel für ihre Freunde, doch sie waren einverstanden. Sakuyamon spaltete sich wieder in Renamon und Rika auf. Diese ging ein paar Schritte, doch nichts passierte. „Scheint alles in Ordnung zu sein“, gab sie Entwarnung.
Das reichte auch, damit SaintGargomon seine Form aufgab und sich in drei Gestalten aufspaltete. Takato verlor fast die Haltung. Es war ungewohnt mit einem anderen Digimon als Guilmon vereint zu sein. Sie überblickten alle Richtungen, waren aber unentschlossen.
„Hier existieren keinerlei Wege, oder andere Orientierungspunkte. Ich schlage vor, wir nehmen die nächstbeste Richtung“, schlug Henry vor.
Seine Freunde hatten keine Einwände, mit so etwas wie einer Karte oder Hinweisschildern hatten sie ohnehin nicht gerechnet. Renamon fungierte wie so oft als Späher und bildete die Vorhut. Indem es auf Anhöhen sprang, hatte es am schnellsten Sicht auf ferne Punkte.
„Dort vorne beginnt eine Blumenwiese“, sagte es nach etwa einer Viertelstunde Wanderung Bescheid. „Oho, hier ist es ja friedlicher als erwartet“, flötete seine Tamerin.
Henry war anderer Ansicht. „Erinnere dich an Armamon. Wir wissen, dass hier starke Digimon existieren. Wir müssen jederzeit bereit sein.“
Das musste er natürlich nicht extra erwähnen, jeder rechnete immerhin mit einem Angriff. Bald hatten sie die Wiese erreicht. Wunderschöne, große Blumen ragten ihnen entgegen. Sie besaßen die Form von Sonnenblumen, wirkten aber vollkommen anders.
Terriermon schnüffelte an einer und wurde scheinbar von dem Duft angezogen. „Hier ist es wirklich angenehm“, sagte es, während es von Blume zu Blume wanderte. Auch Rika fand es hier sehr schön und fragte sich, ob sie vielleicht ihr Smartphone hätte mitnehmen sollen. Allerdings würde NYX diesen Bereich später bestimmt kartografieren, wenn sie einen sicheren Weg gefunden hätten, Drohnen hierher zu schicken.
Takato hingegen blieb weiterhin angespannt. Noch immer gab es keinen einzigen Hinweis auf Guilmon. Nicht einmal auf irgendein anderes Digimon, was seltsam war. Diese Welt hier schien eindeutig irgendwie mit der DigiWelt verbunden zu sein, dann aber wieder auch nicht.
Dann erfolgte ein Aufschrei. Es handelte sich um Terriermon. Henry sah zu seinem Partner. Dieser war nun von mehreren Blumen gepackt worden, die sich auf einmal wie eine Venusfliegenfalle verhielten. Sie hatten ihre Ranken um das Digimon gespannt, das hilflos versuchte, sich zu befreien. Zum Glück war Renamon schnell zur Stelle und zerschnitt die Stängel der gefährlichen Angreifer.
Die Tamer wichen zurück und ihre Partner schlossen sich ihnen an. „Vorsicht, die Flora hier scheint ein Eigenleben zu haben“, warnte Rika.
Sie würden gleich feststellen, wie recht sie damit hatte. Immer mehr Blumen begannen aktiv zu werden. Sie wurden größer und veränderten ihre Form und Farbe. Bald erinnerten sie keineswegs mehr an Blumen, sondern an grelle Figuren mit Tentakeln.
„Henry, ich würde dazu tendieren, dass du in deinen Bericht schreibst, dass es hier nicht sonderlich sicher ist“, schlug Takato vor.
Das Mitglied von NYX hoffte, dass es überhaupt noch dazu kam, einen Bericht zu verfassen.
„Das sind ganz schön viele. Rika!“ Gab Renamon seiner Tamerin ein Zeichen.
Diese nickte und hielt ihr D-Ark hoch. Henry machte es ihr nach.
„Renamon digiiert zu... Kyubimon!“
„Terriermon digiiert zu... Gargomon!“
Die Tamer brachten einen sicheren Abstand zwischen sich und ihren Partnern, damit diese frei agieren konnten. Kyubimon schoss seine Flammen auf den Feind, während Gargomon seine Kugeln abfeuerte. Die Attacken zerschossen die Gegner, doch es waren inzwischen ziemlich viele. Die Digimon feuerten weitere Attacken ab, aber mit mäßigem Erfolg.
„Wir sollten überlegen, einen taktischen Rückzug anzutreten“, rief Kyubimon nach hinten.
Rika wusste, dass die Lage ernst war, wenn ihr Partner dies vorschlug. Doch es sollte anders kommen. Der Feind schien ihren nächsten Schritt vorauszuahnen und begann nun sich zu verbinden. Die Tentakel vereinten sich zu einer monströsen Gestalt.
Henry sah zwischen seinen Freunden hin und her. „Hey! Bilde ich mir das nur ein, oder sieht dieses Ding aus wie...“
Keiner von beiden wollte es aussprechen, doch Takato biss dann in den sauren Apfel.
„Ja, der Anblick ist recht eindeutig. D-Reaper. Das Ding verfolgt mich immer noch in meinen Träumen.“
Doch dies war eindeutig keiner seiner Träume. Das Monster schwang seine Tentakel nach den Digimon, welche Mühe hatten, auszuweichen. „Was jetzt? Ultra-Digitation? Oder gleich Hyper-Spirit?“ Wollte Henry wissen.
Das Ungetüm beugte sich nun noch weiter vor. „Wir reden hier von D-Reaper, wir sollten kein Risiko eingehen“, schlug Takato vor.
Seine Freunde gaben ihm recht. Sie liefen nach vorne, doch wieder schien das Monster ihre Absicht erkannt zu haben. Die Tentakel spalteten sich in zwei und wirkten nun wie unendlich viele. Sie packten Kyubimon und Gargomon und hoben sie in die Luft, weg vom Einflussbereich ihrer Tamer.
„Kyubimon! Du musst dich befreien!“ Rief ihm Rika hoch. Henry tat das Gleiche, doch ihre Digimon schienen sich unmöglich befreien zu können.
Takato fluchte. Wenn Guilmon doch nur hier wäre. Gemeinsam hätten sie einen Weg gefunden. Auch ein Rückzug schied nun aus, schließlich konnten sie ihre Partner nicht einfach so zurücklassen.
Nun öffnete die Kreatur ihr riesiges Maul. Die Tamer starrten entsetzt hinauf. Hatte dieses Ungeheuer wirklich vor, ihre Digimon zu verschlingen? Das durfte unter keinen Umständen geschehen. Doch wie es aussah, konnten sie im Moment auch nicht viel dagegen tun.
Verzweifelt riefen sie die Namen ihrer Partner, doch die Tentakel zogen diese immer weiter Richtung Maul. Dann legte sich ein großer Schatten über die Wiese. Die Tamer mussten unwillkürlich in den Himmel blicken. Etwas sehr großes schien auf sie herabzustürzen. Es schien... ein Schwert zu sein?
Im nächsten Augenblick wurde der Körper der Kreatur durch eine gewaltige Klinge in zwei gespalten. Die Tentakel gaben augenblicklich ihren Geist auf und ließen Kyubimon und Gargomon frei, welche unsanft zu Boden stürzten.
Für Henry bestand kein Zweifel und für Rika ebenfalls nicht. Nur Takato war der einzige, welcher bei dem Angriff des Digimon nicht zugegen war. Es handelte sich um Armamon.
Das Digimon, das halb Schild, halb Schwert war, hatte den vermeintlichen D-Reaper unter sich begraben, die einzelnen Teile regten sich nicht mehr.
"Jetzt bleibt die Frage... hat es uns gerettet oder war es einfach nur auf Beute aus?", stellte Rika in den Raum.
Die Antwort erhielt sie schneller als ihr lieb war. Armamon wirkte gleich weniger freundlich gesinnt. Es streckte seine Hände aus und erneut drangen Kabeln heraus.
"Vom Regen in die Traufe, würde ich sagen.", murmelte Takato.
Armamon attackierte nun ihre Partner, doch Henry und Rika agierten ohne zu zögern. Sie hielten ihr D-Ark hoch und verschafften ihren Digimon mehr Kraft.
"Kyubimon Matrix-Digitation zuuu... Taomon!"
"Gargomon Matrix-Digitatrion zuuu.... Rapidmon!"
Sie waren nun wesentlich stärker und wichen den Kabeln spielend aus.
Während Taomon den Gegner vom Boden aus attackierte, schwang sich Rapidmon in die Lüfte. Es schoss mehrere Geschosse auf die Arme des Feindes ab, während sein Kampfgefährte die Klinge ins Visier nahm.
Doch Armamon erwies sich als robuster als erwartet. Es schien nun in die Luft zu greifen und etwas schien sich zu formen. Wie aus dem Nichts hatte es ein riesiges Schwert erschaffen. Es war noch beeindruckender als das, welches aus seinem Oberkörper ragte.
"Der Typ übertreibt ganz schön.", warnte Taomon.
Armamon nahm nun Schwung und schwang das riesige Schwert in die Richtung seiner Gegner. Die beiden wurden nicht einmal direkt getroffen, die Wucht des Schnitts reichte aus, um beide nach hinten katapultieren zu lassen. Taomon krachte gegen einen Felsen und Rapidmon direkt auf ihm. Beide verloren ihren Fokus, was zur Folge hatte, dass sie zu Terriermon und Renamon zurückdigitierten.
Die Tamer liefen hektisch zu den Digimon, diese hatten einiges abbekommen. Es sah nicht so aus, als wären sie in der Lage noch einmal zu digitieren.
"Renamon! Wir müssen hier weg!", rief Rika ihrem Partner zu.
Dieser wagte nicht, ihr zu widersprechen. Takato sah die Lage allerdings ernster.
"Denkt ihr wirklich... wir können vor dem Ding fliehen? Es ist viel zu groß und zu wendig, es hat uns im Nu eingeholt.", führte er ihnen vor Augen.
Henry musste ihm rechtgeben, doch welche anderen Optionen hatten sie? Renamon und Terriermon waren zu geschwächt, ohne Kampf blieb nun mal nur die Flucht.
Jedoch ließ ihnen Armamon keine Gelegenheit dazu. Es erhob sich etwas in die Luft und schwang erneut sein Schwert. Die Tamer rissen entsetzt die Augen auf. Würde sie dieser Angriff treffen, wäre es das gewesen.
Das Schwert schnellte hinab und für einen Moment wirkte es so, als würden sie hier ihr Ende finden. Doch dann huschte ein schwarzer Schatten aus dem Himmel herab und blockierte das Schwert mitten im Angriff. Die Gestalt war kleiner als Armamon, aber unglaublich wendig.
Zuerst wurde ihr Blick auf sie verschleiert, da sie eine Art Umhang zu tragen schien. Dann riss Takato die Augen auf und rannte auf die kämpfenden Digimon zu.
Henry warnte ihn noch, nicht zu nahe ranzugehen, doch er hörte ihn nicht mehr. Je näher er der Gestalt kam, die sie vermeintlich gerade rettete, umso sicherer war er. Sein Verdacht bestätigte sich. Es handelte sich um einen Ritter, der Armamons Schwert mit seiner Lanze blockierte.
"Kann... es sein? Habe ich dich... endlich gefunden?", stotterte er.
Der Ritter stieß das Schwert beiseite, dachte aber nicht daran, Armamon danach noch einmal anzugreifen.
Stattdessen schien er einige Worte mit dem Gegner zu wechseln. Beide waren viel zu hoch, um sie akustisch verstehen zu können. Doch die Worte des Ritters schienen Wirkung zu zeigen. Armamon erhob sich und suchte das Weite. Der Ritter wartete ab, bis dieses auch wirklich verschwunden war, dann sah es zu Boden. Es begann zu landen und setzte wenige Meter vor Takato auf.
Dieser wollte etwas sagen, bekam aber im ersten Moment kein Wort heraus. Das Digimon vor ihm war ohne jeden Zweifel Dukemon. Sein Umhang und seine Verzierungen waren blau anstatt rötlich, doch alles andere war identisch.
Langsam wagte sich der Tamer näher.
"Du... du bist es, oder?", fragte er leise.
Dukemon senkte leicht seinen Kopf.
"Takato...", sagte er einfach nur.
Dann veränderte sich seine Form und das Digimon wurde zu dem kleinen, roten Reptil, an das Takato die letzten beiden Jahre kontinuierlich gedacht hatte. Es war wie ein Traum, doch sein Partner war tatsächlich hier. Auch Henry und Rika näherten sich nun. Ihre Partner waren noch etwas wackelig auf den Beinen, doch die Aussicht, Guilmon wiederzusehen, weckte ungeahnte Kräfte in ihnen.
Takato lief auf seinen Partner zu, stolperte dabei fast und nahm ihn dann in die Arme.
"Guilmon! Ich bin so froh, dich zu sehen!", rief er glücklich.
Dieser erwiderte die Umarmung.
"Ich auch! Ich bin so froh, dich wiederzusehen.", sagte er einfach nur.
Takato löste die Umarmung und blickte seinem Freund in die Augen.
"Es... tut mir leid. Ich habe es nicht geschafft, dich zu retten. Ich habe dich im Stich gelassen.", sagte er leise.
Guilmon wiegte den Kopf zur Seite.
"Ist schon in Ordnung.", sagte er einfach nur.
Takato schien aber anderer Ansicht zu sein.
"Nein, ist es nicht. Verstehst du denn nicht? Ich habe die letzten zwei Jahre nichts unternommen, um dich nach Hause zu holen. Ich... habe einfach aufgegeben.", sagte er und Tränen rannten nun über seine Wangen. Er hatte seine Schuld noch nie so deutlich gespürt. Guilmon hingegen legte ihm eine Pfote auf die Schulter.
"Was redest du denn da? Du bist doch jetzt hier, oder? Du kannst also gar nicht aufgegeben haben.", führte ihm das Digimon vor Augen.
Takato wischte sich die Tränen aus dem Gesicht.
"Ja... aber erst nach langer Zeit. Ich hätte früher etwas unternehmen sollen.", sagte er leise.
Guilmon zögerte nun etwas.
"Ich denke... das war schon richtig so.", sagte er schließlich.
Sein Tamer verstand aber nicht, was er damit meinte.
Zuerst nahmen jedoch die anderen die Chance wahr, den lange verschollenen Freund zu begrüßen. Terriermon umarmte ihn mit beiden Ohren, während Renamon ihm respektvoll zunickte.
"Ich habe ihn gefunden.", murmelte Takato, als sich Henry neben ihn stellte.
Damit bezog er sich auf ihr Gespräch im Restaurant. Die Aussichten, Guilmon zu finden, waren unklar gewesen, doch Takatos Hoffnung hatte am Ende gesiegt.
Akt 6
Sie beschlossen, eine Pause einzulegen, damit sich alle erholen konnten. Sie hatten sich an einem gelben Fluss niedergelassen und wuschen sich. Guilmon hatte ihnen versichert, dass dieser ungefährlich war.
Renamon blieb dennoch wachsam. Immerhin hatte es nicht nur eine Wiedervereinigung mit Guilmon gegeben, sondern auch mit dem D-Reaper.
Takato wandte sich nun an die anderen.
"Lasst uns umkehren. Wir haben alles erreicht. Wir haben Guilmon gefunden und wissen nun, dass es hier gefährlich ist.", schlug er vor.
Henry war geneigt, ihm recht zu geben. Zwar waren die 24 Stunden noch nicht um, doch Yamaki würde bestimmt daran interessiert sein, dass dieser Ort ein Ort war, an dem D-Reaper noch existierte. Es war hier gefährlich und sein Boss würde bestimmt darauf bestehen, eine weitere Bombe zu zünden, um den Spalt zu schließen.
Guilmon sprang nun auf.
"Nein, ich kann hier nicht weggehen.", sagte er entschieden.
Takato starrte seinen Partner verwirrt an.
"Was redest du denn da? Du warst ganze zwei Jahre hier gefangen. Willst du nicht nach Hause?", fragte er ungläubig.
Das Digimon ließ seinen Kopf hängen.
"Das möchte ich schon. Ich habe dich so vermisst, Takato.", sagte er leise.
Der Tamer kniete sich zu ihm.
"Also... warum dann?", fragte er vorsichtig.
Guilmon sah in die Richtung, in der sie gekämpft hatten.
"Ihr habt es gesehen, oder? D-Reaper existiert in dieser Welt.", sagte er und seine Stimme wurde fester.
Das war inzwischen offensichtlich.
"Ein Grund mehr, hier zu verschwinden!", beharrte Takato.
Doch Guilmon schien noch nicht fertig zu sein.
"Aber es gibt hier auch Digimon.", verriet er.
Dies überraschte die Tamer. Armamon ja, aber sonst waren sie hier keinem einzigen Exemplar begegnet.
"Sie befinden sich in einem sicheren Bereich, östlich von hier. Aber... D-Reaper breitet sich hier überall aus. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er sich diese Welt ganz zu eigen gemacht hat.", sagte Guilmon und seine Stimme wurde noch fester.
Henry und Rika sahen sich besorgt an. War es wirklich so schlimm? Die Variante von D-Reaper auf dem Feld war also kein Einzelphänomen.
"Guilmon... kann es sein, dass du diese Digimon beschützt?", fragte Takato vorsichtig.
Sein Partner nickte.
"Als ich hier angekommen bin, habe ich D-Reaper sofort wiedererkannt. Ich habe die Digimon hier gewarnt und überredet, an einen sicheren Ort zu gehen. Seither kämpfe ich gegen ihn, aber... er vermehrt sich immer weiter.", sagte Guilmon und seine Stimme wurde noch fester.
Rika verstand.
"Wie eine Hydra.", murmelte sie.
Henry wandte sich an das rote Digimon.
"Von wie vielen Digimon reden wir genau?", erkundigte er sich.
Guilmon musste einen Moment überlegen.
"Hm... um die 300 vielleicht?", sagte er schließlich.
Die Tamer tauschten Blicke aus.
"Es ist unmöglich, so viele Digimon zu evakuieren, besonders nicht in 24 Stunden.", sagte Henry und seine Stimme wurde noch fester.
Dazu würde ihnen Yamaki vermutlich nicht die Erlaubnis erteilen. Die Gefahr, dass ein Teil von D-Reaper wieder in die reale Welt gelangen könnte, war zu groß. Das würde er mit seiner Verantwortung, die ihm die japanische Regierung gegeben hatte, niemals vereinbaren können.
"Ich nehme an... es gibt keine Möglichkeit, nach Hause zu gehen und später zurückzukommen.", sagte Takato und seine Stimme wurde noch fester.
Es war eher eine rhetorische Frage gewesen. Sein Partner schüttelte den Kopf.
"Ich kann hier nicht weggehen. Sie brauchen mich.", sagte Guilmon und seine Stimme wurde noch fester.
Der Tamer keuchte.
"Und du willst sie natürlich beschützen. Das hätte ich mir denken können. Wieso frage ich überhaupt? Dann bleibt mir also nichts übrig, als dich zu unterstützen.", sagte Takato und seine Stimme wurde noch fester.
Rika hustete demonstrativ.
"Und wie genau stellst du dir das vor? Wir können die Digimon hier nicht evakuieren. Und Guilmon hat es in ganzen zwei Jahren nicht geschafft, D-Reaper beizukommen. Noch dazu erwartet man uns in etwa 20 Stunden zurück, ansonsten wird dieser tolle Yamaki eine Bombe in den Spalt zünden und wir sind hier genauso gefangen.", sagte sie und ihre Stimme wurde noch fester.
Damit hatte sie die Lage auf den Punkt gebracht. Takato stand auf.
"Gut, dann geht ihr zurück. Erklärt Yamaki die Situation und überzeugt ihn, den Spalt nicht zu schließen.", schlug er vor und seine Stimme wurde noch fester.
Henry schüttelte den Kopf.
"Du erwartest nicht wirklich, dass wir dich im Stich lassen. Wir sind nach wie vor ein Team. Außerdem... habe ich Zweifel, dass sich Yamaki überreden lässt. Wir brauchen nur das Wort D-Reaper zu erwähnen und er besteht auf eine Schließung des Spalts.", sagte er und seine Stimme wurde noch fester.
Takato tat es nicht gerne, aber so wie er den Mann kannte, hatte sein Freund sicherlich recht.
"Was sollen wir also dann unternehmen?", fragte Rika und ihre Stimme wurde noch fester.
Henry überlegte.
"Wir brauchen so viele Informationen wie möglich. Wir müssen herausfinden, wie sehr sich D-Reaper in dieser Welt ausgebreitet hat. Vielleicht könnten wir ihn mit dem selben Serum zwingen, das wir damals entwickelt haben. So könnten wir Yamaki überzeugen, noch einmal zurückzukommen und gegen D-Reaper vorzugehen.", schlug er vor und seine Stimme wurde noch fester.
Rika warf den Kopf in den Nacken.
"Verstehe. Und wenn wir diese Welt von D-Reaper befreit haben, können auch die Digimon hier wieder normal leben.", sagte sie und ihre Stimme wurde noch fester.
"Und Guilmon kann wieder nach Hause kommen.", fügte Takato hinzu und seine Stimme wurde noch fester.
Das war natürlich das Wichtigste für ihn.
"Wir, also ich und die anderen, würden uns über jede Hilfe freuen.", sagte Guilmon und seine Stimme wurde noch fester.
Jetzt, wo er ihn wiedergefunden hatte, würde Takato seinen Partner natürlich auf jede erdenkliche Art unterstützen.
"Gut, führ uns zu deinen Freunden.", entschied er und seine Stimme wurde noch fester.
Guilmon schien nun überaus erfreut zu sein. Die Aussicht, D-Reaper ein für alle Mal aus dieser Welt zu tilgen, motivierte ihn.
Wenig später setzten sie sich in Bewegung Richtung Osten. Henry war sich aber noch unschlüssig. Bis ihre Zeit hier ablief, war alles, was sie tun konnten, Informationen zu sammeln. Guilmon würde seine Freunde hier nicht im Stich lassen und mit ihnen zurückkehren. Das bedeutete, dass auch Takato nicht von seiner Seite weichen würde. Er hatte seinen Partner damals im Stich gelassen, zumindest redete er sich das ein. Er würde es sich kein zweites Mal erlauben.
Doch würde Yamaki die Bombe zünden, wenn Takato noch hier wäre? Er war bereit, ein Digimon wie Guilmon zu opfern, aber einen Menschen? Henry kannte die Antwort. Sein Vorgesetzter würde Takato jederzeit hier zurücklassen, wenn dadurch eine mögliche Bedrohung seitens D-Reapers gebannt werden würde. Jedoch war er nicht bereit, seinen Freund hier zu lassen. Und Rika sicherlich genauso wenig. Doch was sollten sie tun? Ihren Freund unter Zwang mit zurückzuzerren? Ausgeschlossen. Sie brauchten einen anderen Plan.
Sie waren bereits mehrere Stunden unterwegs, als sie vor einem Waldstück ankamen. Guilmon reckte seine Nase in die Luft.
"Vorsichtig, in diesem Wald könnte sich ein Teil von D-Reaper aufhalten.", warnte er.
Rika sah sich die Umgebung an.
"Ihm zu umgehen würde uns viel Zeit kosten. Auf der anderen Seite möchte ich eine direkte Konfrontation vermeiden.", sagte sie und ihre Stimme wurde noch fester.
Renamon, das meistens recht mutig war, konnte ihr da nur zustimmen.
Also beschlossen sie lieber einen Umweg auf sich zu nehmen. Sie schritten ein breites Feld entlang, weiterhin unter der Führung Guilmons. Doch es war Renamon, das zuerst bemerkte, dass etwas nicht stimmte.
"Sagt mal... bilde ich mir das nur ein, oder bewegen wir uns immer näher auf den Wald zu?", fragte es und seine Stimme wurde noch fester.
Die anderen verstanden, worauf das Digimon hinauswollte. Allerdings war das nicht möglich. Doch dann kam Rika ein böser Verdacht.
"Kann es sein... dass der Wald vielleicht auf uns zu kommt?", fragte sie und ihre Stimme wurde noch fester.
Sie richteten ihren Blick nun direkt auf die Bäume und behielten recht. Einige hatten ihre Position verlassen und waren näher an sie herangerückt. Als sie realisierten, dass sie von ihrer Beute umzingelt waren, begannen sie sich wie zuvor die Sonnenblumen zu verformen. Grelle Gebilde mit Tentakeln bildeten sich und schlängelten sich auf die Tamer zu.
Henry war sich nicht sicher, ob sich Terriermon und Renamon lange genug ausgeruht hatten, doch ein Kampf schien unausweichlich zu sein.
Es war jedoch Guilmon, der sich vor seine Freunde stellte.
"Bleibt zurück, ich weiß schon, wie man mit denen umgehen muss.", sagte er und seine Stimme wurde noch fester.
Takato und die anderen folgten und ließen Guilmon etwas Platz. Dieses begann zu leuchten und wurde wieder zu der blauen Variante von Dukemon, die sie bereits kannten.
"Erstaunlich, Guilmon ist inzwischen in der Lage, ganz von selbst auf sein Mega-Level zu digitieren. So wie Impmon.", stellte Henry fest und seine Stimme wurde noch fester.
Takato hielt einen Moment inne. Guilmon war also auch ohne ihn zurechtgekommen. Mehr noch. Sein Partner... brauchte ihn inzwischen nicht mehr.
Dukemon preschte nach vorne und zerstörte die Kreaturen mit seiner Lanze. Es waren recht viele, doch der Stärke des Ritters waren sie nicht gewachsen. Dukemon zerteilte gerade den letzten und kehrte dann zu seinen Kameraden zurück. Er wurde wieder zu Guilmon und lächelte.
"Die wären erledigt. Aber wir sollten dennoch nicht den Weg über den Wald nehmen.", sagte er und seine Stimme wurde noch fester.
Die Tamer vertrauten dem Urteil des Digimon. Immerhin hatte dieses die letzten zwei Jahre hier verbracht. Sie setzten ihren Weg fort, allerdings stets auf einen Angriff seitens D-Reapers achtend. Zum Glück blieben sie den Rest ihres Weges verschont.
Sie waren an ihrem Ziel angekommen.
Eine blaue Kuppel baute sich vor ihnen auf, unter welcher sich eine Art Dorf zu befinden schien. Takato erkannte mehrere Bauten.
Die Kuppel selbst schien völlig aus Energie zu bestehen, wie eine Art Kraftfeld. Terriermon wagte es, sie leicht mit der Spitze seines Ohres zu berühren, zog dieses aber schnell wieder zurück.
"Sie ist ein Schutz gegen D-Reaper.", informierte sie Guilmon und seine Stimme wurde noch fester.
Das hatten sie auch angenommen. Doch wo kam dieses Kraftfeld her?
"Vorsichtig!", warnte nun Renamon und seine Stimme wurde noch fester.
Ein großer Schatten legte sich über sie und sie erkannten jemanden auf sie zufliegen. Es war Armamon.
Während Terriermon und Renamon in Verteidigungsposition gingen, bat Guilmon darum, ihm die Situation zu überlassen. Armamon landete direkt vor ihnen und Takatos Partner stellte sich vor sie.
"Armamon, hör zu! Dies sind meine Freunde, sie wollen uns helfen. Du kannst ihnen vertrauen!", sagte er und seine Stimme wurde noch fester.
Das Waffen-Digimon schien zu überlegen, inwieweit es Guilmons Worten trauen konnte. Schließlich schnitt es eine Öffnung in das Kraftfeld und gewährte der Gruppe Zutritt. Renamon beäugte Armamon noch skeptisch, doch scheinbar war es wirklich auf ihrer Seite.
Die Tamer und ihre Partner durchschritten die Öffnung, welche sich direkt hinter ihnen wieder schloss. Armamon war mit ihnen hinter das Kraftfeld gekommen und flog nun voraus.
Guilmon eilte nun zielstrebig auf das Dorf zu und die anderen folgten ihm.
Die Digimon musterten sie unsicher, sie hatten bestimmt noch nie einen Menschen zu Gesicht bekommen. Im schlimmsten Fall hielten sie sie für einen Teil von D-Reaper. Zum Glück stellte Guilmon sie schnell als seine Freunde vor und die Lage entspannte sich.
Viele der Digimon, die meisten von ihnen in ihrem Ausbildungs-Stadium, kehrten in ihre Hütten zurück. Ein anderes trat aus einer Holzhütte und bewegte sich auf die Gruppe zu. Es ähnelte einer Vogelscheuche.
„Na na na, wen haben wir denn da? Das ist ja eine Ewigkeit her“, begrüßte sie die Tamer.
Takato und die anderen erkannten das Digimon wieder, hatten aber Probleme damit, sich an den Namen zu erinnern.
„Nohemon! Wie kommst du denn hierher?“, half ihnen Terriermon aus der peinlichen Lage.
Die Vogelscheuche stemmte ihre Hände in die Hüften. „Ich könnte euch genau dasselbe fragen.“
Henry wagte sich einen Schritt näher. „Hey, kannst du uns eine Frage beantworten? Diese Welt hier... sie ist doch ein Teil der DigiWelt, oder? Das haben zumindest die Scans bestätigt. Auf der anderen Seite wirkt hier vieles anders.“
Nohemon musste einen Moment überlegen. „Ja... das hier ist schon irgendwie die DigiWelt. Ein kleiner Teil zumindest.“
Rika wollte ihn schon anschnauzen, dass er sich nicht alles aus der Nase ziehen lassen solle, verzichtete dann aber darauf. Immerhin besaß das Digimon nicht einmal eine.
„Das letzte, an das ich mich erinnere, war... dass die Souveränen über uns hinweggeflogen sind. Dann hat die Erde gebebt und das Land ist in die Lüfte geschwebt. Wir haben dann gemerkt, dass wir vom Rest der DigiWelt getrennt wurden. Und zwar... weil man irgendwann an einer unsichtbaren Wand ankommt, wenn man in eine Himmelsrichtung geht“, erklärte Nohemon.
Henry verstand. „Verstehe, das würde passen. Vor allem passt es zu der Macht der Souveränen. Sie haben also diesen Teil der DigiWelt abgespalten.“
Terriermon kam aber nicht ganz mit. „Warum hätten sie das tun sollen?“
Es war Takato, der ihm die Frage beantwortete. „Na wegen D-Reaper natürlich. Sie wollten ihn loswerden.“
Rika konnte ihm folgen. „Das ergibt Sinn. Vermutlich konnte D-Reaper in der DigiWelt nicht vollkommen gelöscht werden. Deshalb sahen sie sich gezwungen, den kontaminierten Bereich zu entfernen und an einen anderen Ort zu transportieren.“
Henry nickte. „Ja, ich denke, bei dieser Welt handelt es sich um eine Art Quarantäne-Zone. Sie wollten kein Risiko eingehen und D-Reaper direkt bekämpfen, weshalb sie den betroffenen Bereich direkt abgezweigt haben.“
Sein Partner brummte. „Und die Digimon, die sich darin aufgehalten haben, gleich mit! Kein sehr nettes Verhalten.“
Henry gab ihm recht, doch die Souveränen waren für den Schutz der gesamten DigiWelt verantwortlich. Es war vermutlich ein notwendiges Opfer gewesen.
Guilmon wand sich nun an Nohemon. „Hey, ist Mamomon gerade wach? Ich möchte mit ihm reden.“
Die Vogelscheuchte zuckte mit den Schultern. „Sieh am besten selbst nach. Das Kleine schläft die meiste Zeit, aber für dich hat es doch immer ein offenes Ohr.“
Guilmon beschloss, dies in die Tat umzusetzen, und gab seinen Freunden ein Zeichen. Sie setzten ihren Weg fort und erreichten eine Art Tempel. Die Bauweise erinnerte die Tamer an das indische Taj Mahal.
Sie betraten das Innere, das überall von blauem Licht erhellt war. Es erinnerte sie an das gleiche Licht, wie auch das Kraftfeld ausstrahlte. In der Mitte der Halle waren mehrere Kissen aufgebaut, auf denen ein kleines Digimon schlummerte. Es war ein weißes Bündel, das von mehreren blauen Kristallen umgeben war. Es hatte bis jetzt geschlafen, doch als es blinzelte und Guilmon erblickte, wurde es hellwach.
Es sprang freudig herum und wartete, bis Guilmon es tätschelte. „Ist das ein Freund von dir?“, wollte Takato wissen.
Guilmon bestätigte es ihm. „Ja! Mamomon ist aber viel mehr, es ist unser Beschützer.“
Henry runzelte die Stirn. „Hey... kann es sein... dass Mamomon für die Barriere verantwortlich ist, die wir durchquert haben?“
Das rote Reptil bestätigte es ihm. „Ja, das ist Mamomons besondere Fähigkeit. Es kann Kraftfelder erzeugen. Normalerweise aber nur, um sich selbst zu schützen. Um ein Kraftfeld dieser Größe aufrechtzuerhalten, benötigt es Unmengen an Energie.“
Rika dachte sich erst nichts dabei, dann machte es bei ihr Klick. „Moment! Armamon hat die Energie des Umspannwerks abgezapft. Könnte es...“
Guilmon bejahte. „Ja, die Energie war für Mamomon gedacht. Aber sie hat nicht ausgereicht, Mamomon benötigt dringend neue.“
Nun ergab alles Sinn. Armamon war den Menschen also tatsächlich nicht feindlich gesinnt, sondern wollte Mamomon lediglich Energie zuspeisen. Henry und Rika hatten es daran gehindert und die Digimon hier damit in Gefahr gebracht. Sicher, das hätten sie niemals ahnen können, doch sie hatten es nun mal getan. Sie waren praktisch dafür verantwortlich dafür, dass der Schutz für die Flüchtlinge hier nicht mehr lange anhielt.
„Mamomon, ruh dich etwas aus. Du solltest nicht unnötig Energie verschwenden, wir brauchen deine Barriere“, riet Guilmon dem kleinen Digimon.
Dieses nickte und schloss wieder die Augen. Die Tamer ließen es erst mal in Ruhe und begaben sich wieder nach draußen.
Takagi warf einen Blick auf die Uhr. Es waren fast 10 Stunden vergangen, seit Henry und die anderen den Spalt durchquert hatten. Sie blieb ihnen noch ausreichend Zeit, doch dass keine Kommunikation zu ihnen bestand, beunruhigte den Mann.
Sie hatten keine Ahnung, ob es den Tamern gut ging, oder diese vielleicht verletzt waren. Sie konnten zuvor keine Informationen einholen, welche Gefahren innerhalb dieser Welt lauerten. Sie besaßen Kenntnis von Armamon, doch welche Gefahren lauerten dort sonst noch?
Takagi erkannte mehrere Fahrzeuge, die das Gelände befuhren. Seine Sorge stieg, als wenig später Yamaki aus einem der Fahrzeuge trat. Wie immer verschwendete dieser keine Zeit und stolzierte direkt auf die Kommandozentrale zu.
Takagi nahm Haltung an und begrüßte seinen Vorgesetzten. „Bisher keine außergewöhnlichen Vorkommnisse. Unsere Leute haben immer noch 14 Stunden, um zurückzukehren.“
Der Direktor der Behörde nickte und sah zum Spalt hinauf. „Irgendwelche ungewöhnlichen Energiewerte? Ich will nicht noch einmal eine solche Gefahrensituation wie vor 2 Jahren.“
Takagi verneinte, doch Yamaki wollte die Techniker um ihre Meinung fragen. Sie betraten ein großes Zelt, in dem eine Vielzahl an Computern und anderen technischen Geräten aufgebaut waren.
Der Direktor erkundigte sich nach dem Stand der Dinge. „Die Werte der Scans haben sich nicht verändert“, sagte einer der Experten.
Takagi atmete erleichtert aus, als sich sein Kollege zu Wort meldete.
„Moment! Ich empfange in diesem Moment abschweifende Werte!“
Yamaki verengte die Augen, was aufgrund seiner Sonnenbrille kaum merklich war. Er drängte sich dazwischen und warf einen Blick auf den Monitor. „Was sehe ich da?“
Die Techniker tippten wie wild auf Tastaturen herum. „Die Ströme innerhalb des Spalts scheinen sich zu invertieren.“
Yamaki ballte die Fäuste. „Heißt das... es handelt sich wieder um Strahlung?“, hakte er nach.
Die Techniker konnten ihn jedoch beruhigen. „Nein, Sir. Die Energie ist dabei, noch mehr abzuschwächen. Ich denke... der Spalt ist dabei, sich zu schließen.“
Takagi schritt nun ebenfalls zu ihnen.
„Schließen? Aber wir haben noch Leute da drin!“
Seine Kollegen wussten dies natürlich zu gut.
„Wie lange noch?“, stellte Yamaki die wichtigste Frage.
Die Experten wollten sich zunächst nicht festlegen, folgten der Anweisung dann aber. „Weniger als drei Stunden.“
Takagi schluckte.
„Reicht das für Henry und die anderen... um zurückzukommen?“, fragte er besorgt.
Niemand konnte es ihm beantworten.
„Wir können nicht einmal sagen, ob sie das bemerkt haben. Sie könnten sich bereits weit vom Spalt entfernt haben und wissen nichts davon. Und wir haben keine Möglichkeit, in Kontakt mit ihnen zu treten und sie zu warnen“, sprach es Yamaki aus.
Es folgten Überlegungen, ob sie vielleicht doch eine Drohne entsenden sollten, doch diese würde sofort zerstört werden. Dann ein Kichern hinter ihnen.
Die Männer drehten sich um und erkannten, wie etwas unter dem Zelt hindurchgeschlüpft war. „Na, das klingt mal wieder, als wärt ihr Menschen ohne mich aufgeschmissen.“
Akt 7
Rika war absolut dagegen. „Es ist total unvernünftig von dir, hierzubleiben. Was, wenn dir etwas passiert?“
Takato schien das aber nicht so eng zu sehen. „Ich habe doch Guilmon, er kann mich jederzeit beschützen. Geht ihr zurück und berichtet von der Situation. Die Digimon hier benötigen dringend neue Energie für ihr Kraftfeld. Ohne es kann sich D-Reaper ungehindert Zutritt verschaffen.“
Rika war klar, dass ihr Freund einen Punkt hatte und sah zu Henry. Doch auch dieser war geneigt, dem Tamer zuzustimmen. Bevor er jedoch seine Meinung abgeben konnte, begann es über ihnen zu flimmern. Das Kraftfeld war nun nicht mehr so tiefblau wie zu ihrer Ankunft.
„Oh nein! Die Energie reicht wohl wirklich nicht mehr“, befürchtete Guilmon.
Renamon wandte sich an seinen Freund. „Wie lange glaubst du, wird es noch halten?“
Das rote Reptil konnte nur spekulieren. „Wir waren schon einmal in einer ähnlichen Krise. Ich würde sagen... es hält vielleicht noch vier oder fünf Stunden.“
Das wäre in der Tat eine Katastrophe. „Gut, dann setzen wir unseren Plan in die Tat um und besorgen so schnell wie möglich Energie“, entschied Henry.
„Aber... was, wenn Yamaki länger für seine Entscheidung braucht als vier oder fünf Stunden?“, lenkte Terriermon ein.
Sein Tamer zuckte mit den Schultern. „Ich tue mein Bestes. Im schlimmsten Fall... setzen wir uns über seine Anweisungen hinweg. Auch, wenn ich meinen Job gerne etwas länger behalten hätte.“
Guilmon bäumte sich nun auf. „Gut, ich werde euch begleiten.“
Takato runzelte die Stirn.
„Was? Jetzt doch?“
Sein Partner nickte.
„Ja, wir müssen Mamomon mit in die Menschenwelt mitnehmen. Die Energie zu speichern und dann zu ihm zu transportieren, würde zu lange dauern. Er muss sie direkt aufnehmen.“
Guilmon sagte einigen der Digimon im Dorf Bescheid und diese versprachen, Mamomon zu holen. „Sicher, dass du uns begleiten willst? Die Digimon hier wären ungeschützt“, wandte Renamon ein.
Doch Guilmon blickte ernst. „Da hast du zwar recht... aber ohne Kraftfeld würde auch ich D-Reaper nicht lange aufhalten können. So kann ich zumindest Mamomon beschützen.“
Damit stand der Plan. Ein paar der Digimon kehrten mit Mamomon zurück. Guilmon wollte es gerade entgegennehmen, als von oben Armamon herabschwebte. Er streckte seine großen Hände aus und Mamomon hüpfte darauf zu.
„Verstehe, du begleitest uns also, alter Freund?“ Armamon gab Geräusche von sich, die wie Zustimmung klangen.
Terriermon flößte das große Digimon immer noch ein wenig Respekt ein, doch schien es wirklich auf ihrer Seite zu sein. Dann verschwendeten sie keine Zeit mehr und vereinten sich mit ihren Digimon.
Einige der Digimon wichen zurück, als sich Sakuyamon und SaintGargomon vor ihnen aufbauten. Guilmon griff nach Takatos Hand.
„Los, wir auch!“
Takato stutzte. „Aber... du brauchst mich doch gar nicht mehr, um zu digitieren.“
Sein Partner wirkte überrascht. „Natürlich tue ich das. Du bist immerhin mein Freund.“
Takato konnte nicht anders, als zu schmunzeln. Gemeinsam verschmolzen sie und wurden zu Dukemon.
Die drei Digimon erhoben sich und verließen mit Armamon im Schlepptau, der Mamomon hielt, die Schutzzone. Sie hatten den Dorfbewohnern aufgetragen, sich im Tempel zu barrikadieren, falls das Kraftfeld doch früher zusammenbrechen sollte. Sie beteten darum, dass dies nicht geschehen möge.
Auf dem Luftweg waren sie wesentlich schneller als auf dem Hinweg und schon bald erkannten sie den Spalt. Sakuyamon fiel es als Erster auf.
„Hey, er ist viel kleiner als zuvor!“
Auch die anderen blickten besorgt. Doch Dukemon konnte Entwarnung geben. „Nicht schlimm, er schließt sich automatisch nach ein paar Stunden. Armamon kann mit seinem Schwert aber immer neue Portale in die Menschenwelt schneiden.“
Die anderen waren erleichtert. Es war also möglich, zwischen beiden Welten hin und her zu wechseln. So würde es wesentlich einfacher werden, sich um die Kolonie zu kümmern.
Dann Geräusche von Armamon, die nur Dukemon verstehen konnte. „Vorsichtig! Da kommt etwas!“
Tatsächlich reckten sich mehrere Tentakeln in den Himmel. D-Reaper hatte ihre Anwesenheit also bemerkt. Das konnte ihnen nur recht sein. Besser er griff sie an, als die schutzlosen Digimon.
Sakuyamon durchtrennte die ersten Tentakeln und SaintGargomon schoss seine Raketen auf sie ab. Armamon nutzte sein Schwert, achtete dabei jedoch stets darauf, dass seinem Schützling nichts zustieße.
Doch die Angriffe des Reapers schienen nicht aufzuhören. Zwei große Tentakeln umhüllten nun SaintGargomon, aus denen er sich nicht mehr befreien konnte. Auch Dukemon und Sakuyamon waren zu beschäftigt, um ihrem Kameraden zu Hilfe zu eilen. Doch um Hilfe musste Henry zum Glück nicht vergebens warten.
Geschosse trafen die Tentakeln und lösten sie auf. Er blickte in die Richtung und erkannte etwas vom Spalt her auf sie zufliegen. Eine Gestalt mit Lederjacke und schwarzen Flügeln kam in der Luft zum Stehen.
„Na, sowas! Da rette ich euch doch tatsächlich schon wieder den Hintern“, sagte der Neuankömmling.
Der Gerettete reagierte als Erster. „Beelzebumon! Du bist gekommen, um uns beizustehen?“
Auch Sakuyamon zeigte sich beeindruckt. „Du bist wahrlich ein echter Freund.“
Beelzebumon hustete.
„Also... lasst uns mal nicht übertreiben, Leute.“
Dann erblickte er Dukemon. „Na, sieh mal einer an, wen die DigiWelt da wieder ausgespuckt hat.“
Für große Wiedersehensfreude blieb jedoch keine Zeit. Zusammen mit ihrem neuen Kameraden flogen sie Richtung Spalt und durchquerten bald darauf den Ereignishorizont.
Sie waren zurück in ihrer Welt. Im Camp von NYX herrschte natürlich Aufregung. Mit Beelzebumon hatten sie gerechnet, es hatte selbst angeboten, den anderen Bescheid zu sagen. Mit so einer schnellen Reaktion hatten sie aber nicht gerechnet. Die Rückkehr von Henry und Rika freute sie natürlich. Von Dukemon waren sie überrascht, doch als auch noch Armamon durch den Spalt trat, schlugen sie Alarm.
SaintGargomon landete nahe dem Hauptzelt und löste die Vereinigung. Henry rannte los und erreichte Yamaki und Takagi.
„Agent Wong, Bericht!“ forderte Ersterer sofort.
Henry atmete noch einmal durch. Für lange Ausführungen hatte er keine Zeit. „Eine ausführliche kann ich Ihnen gerade nicht anbieten. Wir müssen gleich wieder zurück. Doch zuvor brauchen wir von Ihnen die gesamte verbliebene Energie des Umspannwerks. Und dazu noch das Serum, das wir gegen D-Reaper entwickelt haben.“
Takagi wurde blass.
„D-Reaper? Ihr seid... auf dieses Ungeheuer gestoßen?“
Henry antwortete jedoch nicht, sondern sah ernst zu seinem Vorgesetzten. „Wissen Sie, was Sie da von mir verlangen?“
Henry nickte. „Wir dürfen keine Zeit verlieren. Eine Menge unschuldiger Digimon werden sterben, wenn wir nicht sofort etwas unternehmen. Es handelt sich um eine Art Quarantäne-Zone, in die D-Reaper verbannt wurde. Wir müssen sie von ihm reinigen, damit die Bewohner dort überleben können.“
Alle Blicke huschten zu Yamaki. Dieser wusste, was gerade von ihm verlangt wurde. Würde er die falsche Entscheidung treffen, würde man ihn sicher von seinem Posten absetzen. Als Direktor einer Behörde, die sich dem Schutz der Menschen vor Digimon verschrieben hatte, hatten diese auch oberste Priorität. Das hatte er sich oft genug von seinen Vorgesetzten anhören müssen. Zugleich erinnerte er sich aber, wie oft er bereits in der Vergangenheit mit seiner engstirnigen Vorgehensweise gescheitert war.
„Also gut, ich vertraue euch in dieser Angelegenheit.“ Er befahl einigen Technikern, das Serum bereitzustellen und andere Generatoren zu finden, aus denen Armamon Energie abzapfen konnte.
Henry atmete erleichtert aus. Auch Takagi legte ihm eine Hand auf die Schulter. „Ich bin froh, dass ihr wieder zurück seid.“
Sein Partner wollte etwas erwidern, als sich einige der Techniker meldeten. „Wir haben ein Problem! Etwas weiteres hat den Spalt durchquert! Es sieht aus... wie riesige Tentakeln!“
Henry stürzte zum Monitor und sah erschrocken, dass sie Recht hatten. D-Reaper war ihnen gefolgt.
Der Angriff war völlig überraschend erfolgt. Es war ein riesiges Auge, das von Dutzenden Tentakeln umgeben war, das sich nun durch den Spalt drückte.
"Vorsichtig!", warnte Dukemon und hob seinen Arm, um Armamon zu signalisieren, das sich noch am nächsten zum Durchgang befand.
Doch es war bereits zu spät. Die Tentakeln umschlossen Armamon und machten es kampfunfähig. Dieses konnte seine Finger nur noch um das kleine Mamomon schließen, um es vor dem Zugriff des Feindes zu bewahren.
Dann drang das Auge in den Nacken des Digimon ein und die Tentakeln folgten. Schock erfüllt sahen Dukemon und Sakuyamon dabei zu, wie sich das Digimon verformte. Seine Farbe änderte sich zu lila und an seinem ganzen Körper sprossen Tentakeln.
"Oh nein! Er hat Armamons Körper übernommen!", schrie Dukemon entsetzt.
In der Tat wirkte der einstige Verbündete nun wie eine riesige Form von D-Reaper.
"Was unternehmen wir jetzt?", fragte Sakuyamon nach.
Takato und sein Partner starrten dem veränderten Armamon nun entgegen. In ihm war nichts von dem alten Verteidiger zu erkennen.
"Wir müssen D-Reaper irgendwie aus ihm rausbekommen! Und wir müssen Mamomon retten!", entschied Takato.
Rika hatte keine Ahnung, wie sie das anstellen sollten. Dukemon preschte nun nach vorne und stieß seine Lanze gegen seinen Arm. Die Hand des Arma-Reapers öffnete sich und gab Mamomon preis. Dieses drohte nun in die Tiefe zu stürzen. Dukemon eilte in die Richtung, doch der Arma-Reaper war schneller. Er stieß den Ritter zur Seite und ein Tentakel umschloss Mamomon.
"Guil...mon! Hilf... mir...", krächzte das Kleine.
Doch es war Beezlebumon, der nun Initiative ergriff.
"Hey, du! Ich hatte damals nie die Gelegenheit dich persönlich zu erledigen!", schrie er dem Gegner ins Gesicht. Er ballerte seine Kugeln gegen den Arma-Reaper. Dieser wich zwar etwas zurück, zeigte sich ansonsten aber unbeeindruckt. Stattdessen ließ er erneut sein Schwert erscheinen, dieses wirkte nun aber eher wie ein Gebilde aus Fetzen. Es schwang die Waffe und traf Beelzebumon volle Breitseite.
"Ah, verdammt!", schrie es auf, bevor es zurückdigitierte und in die Tiefe stürzte.
"Sakuyamon!", gab Dukemon dem Kameraden ein Zeichen.
Dieses reagierte sofort und eilte Impmon zur Hilfe.
Dukemon selbst wollte sich um Mamomon kümmern, doch einige Tentakeln umschlossen nun seine Beine. Sich freizukämpfen erwies sich als schwerig.
"Mamomon! Hörst du uns? Kannst du irgendwie entkommen?", rief Takato dem Kleinen zu.
Dieses versuchte nun selbst mutig zu sein. Es konzentrierte sich und tatsächlich begann es wenig später zu leuchten.
"Mamomon digitiert zuuu.... Spadamon!
Das Digimon war nun größer und ähnelte einem blauen Löwen mit weißem Fell. Dazu hatte es plötzlich ein kleines Schwert in der Hand. Damit gelang es ihm, den Tentakel, der ihn festhielt zu durchtrennen.
Als es frei war, rannte es den Körper entlang und durchtrennte schließlich auch jene, die Dukemons Beine fest im Griff hatten. Dieser konnte seinen Angriff fortsetzen.
Spadamon selbst sprang auf Dukemons Schulter.
"Das hast du sehr gut gemacht, halt dich jetzt gut fest!", raunte der Ritter nach hinten.
Dukemon bewegte sich nun wie ein Blitz durch die Luft und durchtrennte mit seiner Lanze eine Vielzahl der Tentakeln.
Doch es half nichts. Der Arma-Reaper teilte seinen Körper in mehrere Teile auf um den Angriffen besser auszuweichen.
"Verdammt! Was tun wir jetzt? Können wir... Armamon überhaupt noch retten?", wollte Takato wissen.
Sein Partner hasste es, ihn enttäuschen zu müssen.
"Nein. Ich fürchte... das Armamon, das wir kennen ist weg. D-Reaper hat es vollends absorbiert."
Spadamon schloss kurz die Augen.
"Dann... bleibt uns nichts übrig als es zu besiegen."
Takato schaute geschockt zurück, auch wenn er Spadamon innerhalb von Dukemon natürlich nicht sehen konnte.
"Bist... du dir sicher?", fragte er.
Der blaue Löwe war es.
"Armamon ist mein Freund. Er hat mich ständig beschützt. Mich und die anderen. Dabei hat er nie an sich gedacht. Er würde es hassen, wenn wir jetzt nichts unternehmen würden. Wir müssen es für ihn tun!"
Takato verstand. Zerstört zu werden war immer noch besser als es Sklave D-Reapers zu sein.
"Gut, dann erledigen wir ihn jetzt und hier. Bist du bereit, Guilmon?", wollte der Tamer wissen.
Dieser nickte und beide begannen zusammen stärker zu werden.
Dukemon verformte sich nun und ihm wuchsen Flügel wie die eines Engels. Zeitgleich schloss Sakuyamon wieder zu ihnen auf.
"Kümmere dich bitte um Spadamon! Wir erledigen den Rest!", rief Takato seiner Freundin zu.
Sakuyamon zögerte.
"Bist du sicher, dass du keine Hilfe benötigst?"
Takato bestätigte es ihr.
"Bring es zu den anderen und lass das Serum schon mal vorbereiten. Wir werden es brauchen!"
Sakuyamon verstand und nahm das Digimon entgegen. Als sie sich entfernt hatten, nahm Dukemon nun selbst ein Schwert zur Hand und flog auf den Arma-Reaper zu. Dieser parierte den Angriff mit seinem eigenen, monströsen Schwert.
Doch Dukemon war stärker und es zerbrach angesichts seines Ansturms. Dann stieß er sein Schwert in den Kopf des Arma-Reapers und die Klinge fuhr nach unten, so dass er den Feind in zwei schnitt.
Die Tentakeln reagierten noch, weshalb Dukemon zu einem finalen Angriff ansetzte.
"Unzerstörbares Schwert!"
Eine Energieschlabe erfasste den restlichen Körper und pulverisierte ihn.
Es war nichts mehr von dem Gegner übrig.
Dukemon keuchte.
"Tut mir leid, alter Freund. Mögest du in Frieden ruhen."
Takato fühlte mit seinem Partner, Armamon war ein treuer Freund gewesen.
Dann kehrten sie zu der Gruppe zurück. Gelandet teilten sie sich auf und wurden bereits von Henry und Rika empfangen.
"Es ist erledigt. D-Reaper ist fort, Zumindest... aus unserer Welt."
Yamaki und Takagi drängten sich nun zu ihnen durch.
"Der Reaktor und das Serum sind bereit.", sagte letzterer aufgeregt.
Spadamon blickte unsicher drein.
"Also... ich fürchte... mit meiner Digitation habe ich die Fähigkeit verloren, Kraftfelder zu erschaffen."
Es wirkte etwas schuldbewusst, doch zu dem Zeitpunkt hatte es auch keine Wahl gehabt.
Yamaki verstand.
"Damit bliebe also nur noch das Serum. Ich habe kein Problem damit, es zur Verfügung zu stellen. D-Reaper in einer anderen Welt auszurotten bedeutet auch, dass es dann nicht mehr in unsere eindringen kann."
Henry fragte sich, ob er sich diese Rechtfertigung zurecht gelegt hatte. Doch eigentlich spielte es keine Rolle.
Guilmon trat nah vorne.
"Bitte... übertragen Sie das Serum auf mich. Ich kehre dann gleich zurück."
Yamaki gab Takagi ein Zeichen und dieser reagierte.
Takato nickte zustimmend.
"Gut, dann wir es dort sofort verbreiten.", entschied er.
Doch dann drehte sich Guilmon zu ihm um. In seinem Blick lag etwas wehmütiges.
"Hey... ist alles in Ordnung?", fragte der Tamer.
Guilmon schüttelte den Kopf.
"Nein, ich muss alleine gehen. Tut mir leid, Takato."
Der Tamer sah ihn aber nur verständnislos an.
"Was... meinst du? Warum denn?"
Sein Partner sah hoch zum Himmel.
"Der Spalt schließt sich. Wenn er geschlossen ist, gibt es kein Zurück mehr. Nur Armamon konnte ihn mit seinem Schwert jederzeit öffnen. Doch dieses, sowieso Armamon selbst wurden zerstört. Ist der Spalt zu, gibt es keine Verbindung zwischen den Welten mehr."
Takato verstand, wollte das aber nicht hinnehmen.
"Yamaki, NYX kennt doch bestimmt einen Weg, den Spalt länger offen zu halten, oder?", fragte er.
Doch dieser musste ihn enttäuschen.
"Darüber haben wir bereits diskutiert, als wir realisierten, dass er sich zu schließen beginnt. Keine unserer Technologien wäre dazu im Stande."
Takato ließ den Kopf hängen.
"Tja, dann haben wir wohl keine Wahl. Sorry Leute, ich werde dann wohl eine Weile weg sein."
Henry und Rika musterten ihn ungläubig.
"Was redest du da? Du wärst in einer anderen Welt gefangen. Ohne einen einzigen, anderen Menschen!", führte ihm Henry vor Augen.
Rika stimmte zu.
"Wir hätten auch keine Methode, dich zurückzuholen!"
Takato ballte die Fäuste.
"Aber... was soll ich denn sonst machen? Ich kann Guilmon nicht schon wieder im Stich lassen, versteht ihr?"
Seine Freunde konnten ihn vollends verstehen. Sie hatten ja mit eigenen Augen gesehen, was diese Schuld die letzten beiden Jahre aus ihm gemacht hatte.
Da ergriff Guilmon die Hand seines Partners.
"Nein, Takato. Das hier ist dein Zuhause. Ich würde niemals verlangen, dass du es vielleicht für immer verlassen musst."
Der Tamer erschrak.
"Aber... hast du nicht zugehört? Ich kann dich nicht noch einmal im Stich lassen!"
Sein Partner schüttelte aber den Kopf.
"Das hast du nicht, ganz und gar nicht. Du hast mich gefunden und zusammen haben wir gegen D-Reaper gekämpft. Ohne dich könnte ich die Digimon, die auf Rettung warten jetzt nicht beschützen. Du hast mich nicht im Stich gelassen. Und schon gar nicht enttäuscht."
Takato schloss seinen Partner in die Arme.
"Aber... ich habe dich gerade erst wiedergesehen. Ich will... dich nicht schon wieder verlieren."
Guilmon schmiegte sich an seine Brust.
"Das wirst du nicht. Ich bin sicher... wir werden uns eines Tages wiedersehen."
Takato kämpfte mit sich, wollte aber auch die Wünsche seines Partners respektieren.
Guilmon wanderte nun zu Spadamon und flüsterte ihm etwas zu.
"Takato, ich möchte dich noch um einen Gefallen bitten. Kannst du dich um Spadamon kümmern, während ich weg bin?", bat er seinen Freund.
Dieser wirkte erst recht verblüfft.
"Ich bin sicher, es hat in dieser Welt viel mehr Spaß. Ich habe ihm viel über unsere Abenteuer hier erzählt, es wollte schon immer mal in diese Welt."
Takato rang sich ein Schmunzeln ab. Schließlich akzeptierte er und Takagi kehrte mit einem Gerät zurück.
Damit konnte er die neueste Version des Antivirus, mit dem es möglich war, D-Reaper auszulöschen auf Guilmon übertragen.
Kaum war dies geschafft, digitierte dieses zu Dukemon.
"Gut, ich werde jetzt aufbrechen. Auch wenn wir keine Methode kennen, den Spalt wieder zu öffnen, so bin ich mir sicher... dass wir uns eines Tages wiedersehen werden."
Takato, Henry, Rika sowie auch Renamon und Terriermon verabschiedeten sich von ihm. Sie waren froh, diesmal wenigstens die Gelegenheit dazu zu haben.
Dann erhob sich Dukemon in den Himmel und bald war er nur noch ein Punkt, der den Spalt durchquerte.
"Denkst du... Guilmon schafft es, D-Reaper vollkommen auszulöschen?", fragte Terriermon.
Henry nickte.
"Ja, wir kennen ihn doch. Er schafft das locker."
Rika legte ihrem Freund eine Hand auf die Schulter.
"Komm damit klar. Guilmon ist eben genauso starrköpfig wie du. Da kann man nichts machen."
Takato stimmte ihr zu.
"Guilmon fand es so am besten. Das muss ich so hinnehmen, Trotzdem... werden wir uns eines Tages wiedersehen.", stand für ihn fest.
Sie verblieben noch eine Weile an ihrer Position und beobachteten, wie sich der Spalt zur Gänze schloss.
Als NYX die Basis auflöste und begann abzurüsten, wurde auch den Tamern klar, dass es keinen Sinn machte, länger zu bleiben.
Spadamon griff an Takatos Ärmel.
"Ist... alles ok?", fragte es.
Takato nickte.
"Ja. Ich habe Guilmon zwei Jahre nicht mehr gesehen. Es war unendlich schön, dass ich ihn wiedergetroffen habe. Ich glaube... wenn ich ihn das nächste Mal treffen, wird es noch viel schöner werden."
Epilog
Als Rika nach Hause kam, war sie fix und fertig. Es war lange her, seit sie so angestrengt hatte kämpfen müssen. Sie schlüpfte unter die Dusche und ließ das Wasser über ihren Körper prasseln. Als sie fertig war, schritt sie in die Küche um sich und Renamon etwas zu Essen zu machen. Wie meistens befand sich nur Fertigessen in ihrem Kühlschrank, doch ihr Partner hatte sich daran zum Glück schon gewöhnt.
Während die Mikrowelle ihren Dienst vollführte, hockte Renamon vor dem Fenster und verfolgte die Nachrichten. NYX`s Ausrücken war natürlich nicht unbemerkt geblieben. Zwar ließen sich die Zerstörungen rund um das Umspannwerk mit einer Überhitzung gut verschleiern, Verschwörungstheoretiker gab es aber immer. Einige hatten sogar Fotos gemacht und NYX war inzwischen als Behörde bekannt, die sich um Digimon kümmerte. Aber es war vermutlich gut, dass sich die Bevölkerung darauf einstellte, jederzeit mit einem Angriff rechnen zu müssen.
Rika ließ sich aufs Bett fallen und starrte einfach die Wand an. Neben dem Cowboy-Hut, den ihr damals Mimi geschenkt hatte, hing ein altes Bild. Es zeigte sie, Henry und Takato als Kinder. Sie konnte nicht glauben, wie schnell die Zeit vergehen konnte. Es war einfach zu schnell. Die Dinge veränderten sich zu schnell und sie hatten keinerlei Einfluss darauf.
Sie kroch zum Ende ihres Bettes und begann Renamon zu umarmen.
"Ähm... Rika? Alles in Ordnung?", fragte ihr Partner verdutzt.
Die junge Frau nickte und schmiegte sich noch weiter an es.
"Ja. Aber bitte... verlass mich nur nie.", sprach sie ihren Wunsch aus.
Renamon versprach es ihr.
Henry bemerkte, dass sein Vater heute länger arbeitete. Behutsam klopfte er an die Tür seines Büros und wartete darauf, einzutreten.
Im Inneren roch es stickig und Henry öffnete erst einmal ein Fenster.
"Ach danke, das vergesse ich ständig.", begrüßte ihn sein Vater.
Wie immer war er in seine Unterlagen vertieft. Henry erkundigte sich, was genau er sich da ansah.
"Die Ergebnisse, welche die Scans ergeben haben waren durchaus interessant. Diese andere Welt... die extra aus Quarantäne-Zwecken erschaffen wurde, wird uns viel Aufschluss geben."
Henry setzte sich.
"Denkst du... wir werden eines Tages im Stande sein, wieder einen Zugang zu dieser Welt zu bekommen?"
Sein Vater antwortete nicht sofort, sondern lehnte sich zurück.
"Vom jetzigen Stand her würde ich sagen... ich weiß es nicht. Doch wir lernen jeden Tag so viel neues über Digimon und ihre Welt. Ich bin sicher, dass wir noch auf vieles stoßen werden, das uns überrascht und unseren Blick auf Dinge erweitert."
Henry stimmte ihm schließlich zu.
"Ich soll dir von Mutter ausrichten, dass du heute mal zur Abwechslung pünktlich zum Abendessen kommen sollst."
Sein Vater lächelte verlegen.
"Gut, ich versuche es."
Danach erklang ein Alarm und beide seufzten. So viel zum Abendessen.
Henry eilte zur Kommandozentrale, wo Yamaki bereits auf ihn wartete.
"Wir haben ein Digimon in Shibuya geortet. Takagi bereitet das Strike-Team vor.", informierte er seinen Agenten.
Henry nickte und suchte schnellstens Terriermon auf.
"Es gibt Arbeit, Kumpel!"
Terriermon beschwerte sich, dass es noch keine Zeit hatte, seinen Anzug anzulegen, doch sein Partner erklärte ihm, dass es diesmal darauf verzichten musste.
Der Einsatz ging los und in weniger als einer Viertelstunde waren sie am Zielort angekommen.
Zum Glück handelte es sich um ein Industriegebiet, es waren also nicht viele Zivilisten vor Ort.
Die Beamten von NYX hatten eine Barrikade errichtet. Ein rotes Digimon, das einem T-Rex glich wütete bereits.
Henry wollte Terriermon bereit machen, da erklang eine vertraute Stimme.
"Ah, ihr seid auch endlich da. Rika hatte recht, ihr seid echt lahm."
Henry blickte zu einer Anhöhe und erkannte den Neuankömmling.
Es war Takato. Neben ihm hatte Spadamon sein Schwert gezogen.
"Na wen haben wir denn da? Können wir auf deine Hilfe zählen?", fragte er seinen Freund.
Dieser hob einen Daumen.
"Klar, überlass die Sache diesmal einfach uns. Bist du bereit, Spadamon?"
Das Digimon nickte und der Tamer hielt sein D-Ark in die Höhe.
Dann digitierte Spadamon und war bereit, den Kampf aufzunehmen.